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		<title>Biodivers - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<title>Flusskrebse</title>
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				<updated>2025-03-07T15:03:24Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Ecrevisses]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_02_Edelkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Flusskrebse, auf dem Bild der Edelkrebs (''Astacus astacus'') sind nachtaktive Bewohner unserer Gewässer. Sie brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [http://biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch KFKS]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || August 2018&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_03_Dohlenkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes''), einer der drei einheimischen Flusskrebsarten  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei uns sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') heimisch. Sie sind nachtaktiv und leben versteckt in Fliess- und Stehgewässern verschiedener Grössen und Höhenlagen. Die Bestände gehen seit 50 Jahren stark zurück. Gründe dafür sind die Verbauung und Verschmutzung der Gewässer, die Konkurrenz durch vier eingeschleppte Flusskrebsarten und die Krebspest. Diese wird durch die ausgesetzten nordamerikanischen Flusskrebse, welche gegen den Erreger immun sind, und durch uns Menschen verbreitet. Die Sporen des Erregers werden ins Wasser abgegeben und können über nasse Gegenstände verschleppt werden.&lt;br /&gt;
Flusskrebse brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden. Sie können durch Gewässerrenaturierungen, mit dem Angebot sauberen Wassers sowie durch konsequentes Verhindern der weiteren Verbreitung der Krebspest gefördert werden. &lt;br /&gt;
Der Bund hat den {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz (2011) erarbeitet und seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen um den Schutz und die Förderung der einheimischen und Bekämpfung bzw. Ausbreitungsverhinderung der invasiven Flusskrebsarten in der Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_1_b_RdVaux_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Typisches, strukturreiches Krebsgewässer  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik und Vorkommen in der Schweiz =&lt;br /&gt;
In der Schweiz heimisch sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Neben diesen drei autochthonen Arten kommen vier eingeschleppte Arten vor: Der Galizische Sumpfkrebs oder «Galizier» (''Astacus leptodactylus''), welcher ursprünglich aus Osteuropa stammt, sowie der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (''Procambarus clarkii'') welche aus den USA eingeführt wurden. Sie gehören alle zur Ordnung der Decapoda (Zehnfusskrebse). Die einheimischen Arten sowie der Galizische Sumpfkrebs und der Signalkrebs gehören der Familie der Astacidae an, die anderen beiden der Familie der Cambaridae.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Edelkrebs 2 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Edelkrebs (''Astacus astacus'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Dohlenkrebs 2 96 dpi.png &lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie_Steinkrebs_2_96_dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse stellen innerhalb der schweizerischen Fauna einen Sonderfall dar, da mehr neobiotische als einheimische Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
=== Links und Literatur ===&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Biologie und Ökologie =&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind Allesfresser. Sie verwerten organisches Material und sind je nach Alter, Wassertemperatur und Angebot mehr herbi- oder karnivor. Gerne werden Mollusken und Wasserinsekten erbeutet. Kleinere Artgenossen oder sich in der Häutung befindliche wehrlose Flusskrebse, stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Verwesendes Aas wird von den meisten Arten nur in Ausnahmefällen gefressen. Bei feuchter Witterung wird die Nahrung ausnahmsweise (z. B. dichte Populationen oder Nahrungsmangel) auch an Land gesucht. Krebse sind «Gewässerpolizei» und «Müllabfuhr», in dem sie abgestorbene Flora und Fauna schnell beseitigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des starren Exoskeletts können Krebse nur wachsen, in dem sie sich häuten. Jungkrebse häuten sich häufig, junge Edelkrebse im 1. Jahr bis zu 10 Mal, als Adulte noch ca. 2 Mal pro Jahr. Die Vorbereitung zur Häutung dauert beim erwachsenen Krebs ca. 1 Woche, die Aushärtung danach ca. 3 bis 4 Tage. Bei Jungkrebsen verläuft der Zyklus wesentlich rascher. Bis zur Aushärtung des neuen Panzers ist der Krebs sehr weich («Butterkrebs») und somit verletzlich. Der Zeitpunkt der Häutung ist altersklassenmässig synchronisiert (vermindert Kannibalismus).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt im Herbst. Das Weibchen befestigt die befruchteten Eier auf der Unterseite des Abdomens (Schwanzteil) und betreibt intensive Brutpflege. Die Larven schlüpfen je nach Wassertemperatur Ende Mai bis Mitte Juli. 7 bis 10 Tage nach dem Schlüpfen erfolgt die erste Häutung. Nach ein paar weiteren Tagen verlassen die Jungtiere die Mutter. Die Weibchen leben während der ganzen Brutzeit zurückgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivität von Flusskrebsen ist von November/Dezember bis zum Frühjahr sehr gering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krebse sind auf eine reiche Strukturierung insbesondere des Uferbereichs angewiesen (Wurzelstöcke, steile Böschungen, grosse Steine). Wie der ideale Lebensraum gestaltet ist, ist im [[Media:Flusskrebs-DE.pdf|Flyer des Kantons Bern]] dargestellt. Krebse sind sehr empfindlich gegenüber Pestiziden (Pflanzenschutzmitteln), besonders Insektiziden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In sehr kalkarmen und sehr kalkreichen Gewässern können Krebse nicht leben. Im einten Fall steht für das Skelett zu wenig Kalk zur Verfügung, im anderen kommt es zu Kalkablagerungen auf dem Panzer (Versinterung), welche bei langem Häutungsintervall die Häutung verunmöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zu Biologie und Ökologie der Flusskrebse sind in «Decapoda» (Stucki &amp;amp; Zaugg 2005) zusammengefasst. Auf [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch] sind kurze Artenporträts aufgeschaltet. Umfangreiche Angaben findet man in «Edelkrebse: Biologie - Zucht – Bewirtschaftung» (Hager 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Abb03_Junge_Dohlenkrebse_(c)_Peter_Jean-Richard_zugeschnitten_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Junge Krebse (im Bild Dohlenkrebse) sind «Miniaturausgaben» der Erwachsenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
Seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]. Sie ist Anlaufstelle und hat beratende und koordinierende Funktion. Wer sich vertieft mit dem Schutz und der Förderung der einheimischen Flusskrebse auseinandersetzen möchte, dem sind die Informationen auf der Webseite und die Lektüre des {{link aktionsplans flusskrebse de}} zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strategie für die einheimischen Flusskrebse gemäss  {{link aktionsplan flusskrebse de}} verfolgt zwei hauptsächliche Ziele; einerseits den Schutz der einheimischen Populationen und andererseits die Bekämpfung und Eingrenzung der Bestände fremder Flusskrebsarten. &lt;br /&gt;
Nachfolgend wird auf ausgewählte Massnahmen eingegangen. Die vollständigen Informationen sind im Kapitel 6 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Renaturierung von Gewässern] sollen die Uferbereiche gut strukturiert werden. Krebse müssen Höhlen graben und sich verstecken können (unter Wurzeln oder Steinen). Dazu eignen sich besonders steile Böschungen. Fliessgewässer sollen unterschiedliche Strömungsverhältnisse (natürliche Abfolgen von Abschnitten mit starker und schwacher/keiner Strömung) aufweisen, welche geeignete Habitate und genügend Nahrung bieten (siehe Flyer des Kantons Bern [http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur/fischerei/aktuell.assetref/dam/documents/VOL/LANAT/de/Natur/Fischerei/RenF/DE_Flusskrebse_gzd.pdf «Lebensraum für Flusskrebse, Umgang bei Wasserbauprojekten»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki3_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Der Westerbach im Kanton Aargau mit harter Bachverbauung…&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki2_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = … welche in einem Projekt der Jagd- und Fischereiverwaltung Kanton Aargau zur Förderung des Dohlenkrebses (''Austropotamobius pallipes'') 2005 einseitig entfernt und das Gewässer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung#Ingenieurbiologische_Massnahmen_im_Bachbett_.28instream.29 instream] strukturiert wurde.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhaltsarbeiten und Bauprojekte in Gewässern müssen durch die für die Fischerei zuständige kantonale Behörde genehmigt und begleitet werden. Sie bestimmt die zu treffenden Schutzmassnahmen. Folgende Vorsichtsmassnahmen müssen getroffen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ausbaggerungen der Sohle zeitlich staffeln (abschnittweises Baggern). Ev. tiefere Bereiche («Pools») oder Feuchtzonen als Rückzugsgebiete anlegen.&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt auf das Minimum beschränken, keine Bäume fällen (mit gewissen Ausnahmen siehe «{{link aktionsplans flusskrebse de}}»; falls Bäume gefällt werden müssen, die Strünke belassen)&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt muss selektiv erfolgen&lt;br /&gt;
* Kein Befahren des Bachbetts mit Maschinen&lt;br /&gt;
* Im nicht bestockten Bereich abschnittweiser Böschungsunterhalt, Gestrüpp belassen.&lt;br /&gt;
* Das Stau- und Totholz darf nicht gänzlich aus dem Bett entfernt werden.&lt;br /&gt;
* Im Wald&lt;br /&gt;
** Die Bäume vom Gewässer weg fällen&lt;br /&gt;
** Astmaterial nicht im Gewässer und am Ufer ablagern (Gefahr der Versauerung des Gewässers)&lt;br /&gt;
** Das Gewässer nicht mit Maschinen befahren&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft&lt;br /&gt;
** Keine Beweidung der Ufer und des Bachbetts&lt;br /&gt;
** Keinen Zugang zum Gewässer als Viehtränke schaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Kantone haben Erfahrungen mit der Aufzucht und dem Aussetzen einheimischer Krebse, so zum Beispiel der Kanton Aargau mit [https://www.ag.ch/umwelt-aargau/pdf/UAG_54_39.pdf Dohlen- und Steinkrebsen]. Wichtig dabei ist, dass die Genetik berücksichtigt wird und somit nur Tiere aus dem gleichen Einzugsgebiet für Aufzucht bzw. Besatz verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Waldbewirtschaftung_entlang_Bach_96_dpi.PNG&lt;br /&gt;
| text = Entlang von Bächen im Wald ist es wichtig, das Gewässer bei der Bewirtschaftung zu schonen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_6_c_Cuarny_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Massnahmen gegen Schwebstoffbelastungen in einem Gewässer bei Cuarny VD. Dies ist bei allen Arbeiten in Gewässern wichtig. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktivitäten/Massnahmen der Kantone ==&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten der Kantone für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse sind auf der Webseite der [http://www.flusskrebse.ch/de_massnahmen.htm Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz] aufgelistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Alle drei heimischen Arten gehören zu den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten national prioritären Arten]]. Der Edelkrebs hat 2. Priorität, die anderen beiden haben die höchste Priorität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Datenbank des Projekts «Virtual Data Center VDC» werden seit 2014 die Fundorte sämtlicher Organismengruppen eingespeist, um sie bei naturschutzrelevanten Projekten berücksichtigen zu können. Mit der Datenbank sollen insbesondere die Bedürfnisse der kantonalen Fachstellen abgedeckt werden. Diese Daten sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung=&lt;br /&gt;
== Rote Listen ==&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind gefährdet (Edelkrebs) oder stark gefährdet (Steinkrebs und Dohlenkrebs)&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;small&amp;gt;Quelle: {{link aktionsplan flusskrebse de}}&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Gefährdungen == &lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_10_Kamberkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), einer der vier eingeschleppten invasiven Flusskrebsarten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
''Die Inhalte dieses Kapitels wurden aus dem {{link aktionsplan flusskrebse de}} übernommen.''&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit mehreren Jahrzehnten nehmen die Bestände einheimischer Flusskrebsarten ab; etwas langsamer im Falle des Edelkrebses (''Astacus astacus'') und stark im Falle von Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Zahlreiche Populationen sind bereits vollständig verschwunden und oft bestehen Bestände nur aus geografisch isolierten Reliktpopulationen, hauptsächlich in Oberläufen und Teichen. Dieser Rückgang geht einher mit der Ausbreitung der nicht-einheimischer Arten, die sich mit Ausnahme des Galizierkrebses (''Astacus leptodactylus'') zudem Krebspest-Träger sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hauptsächlichen Gründe des Rückgangs der einheimischen Krebse sind: &lt;br /&gt;
* Konkurrenz durch eingeführte fremde Flusskrebsarten, die weniger empfindlich auf die verschlechterten Umweltbedingungen reagieren, höhere Wachstumsraten und Fruchtbarkeit aufweisen und auch aggressiver sind. &lt;br /&gt;
* Die in der Schweiz meldepflichtige Seuche «Krebspest» (''Aphanomyces astaci''). Die Verbreitung dieses Erregers erfolgt durch amerikanische Flusskrebsarten, welche latente Träger sind, sowie durch den Menschen mit kontaminiertem Material (z. B. Fischereigeräte oder -stiefel, Versetzen infizierter Flusskrebse).&lt;br /&gt;
* Fliessgewässerkorrektionen und Uferverbauungen führen zu einer Monotonisierung der Strömungsverhältnisse und einer Vereinheitlichung der Ökomorphologie, wodurch Unterstände und für Flusskrebse geeignete Habitate verschwinden.&lt;br /&gt;
* Lokal schlechte Wasserqualität aufgrund punktueller oder chronischer Verschmutzungen (z. B. Mikroverunreinigungen, Pestizide, Industrieunfälle, ARA-Einleitungen, Jauche und anderen Düngemitteln usw.) was bestehende Populationen schwächen oder auslöschen kann.&lt;br /&gt;
* Eine dem Habitat nicht entsprechende fischereiliche Bewirtschaftung durch zu hohe Fischdichten in Stillgewässern oder in als Aufzuchtgewässer für Forellen genutzten Fliessgewässern. Dies bewirkt einen zu starken Frassdruck auf die Flusskrebsfauna. Eine weitere Gefährdungsursache ist die systematische Störung des Habitats durch Anwendung von Elektrofanggeräten und die ständige Begehung des Gewässers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS05_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses strukturarme Gewässer bietet Flusskrebsen keinen Lebensraum&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS06_Insektizide_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft führt zu Verunreinigungen in den Gewässern und gefährdet u. a. die einheimischen Flusskrebse.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Invasive Krebse ==&lt;br /&gt;
In den nächsten Jahren könnten, neben den bereits vier vorhandenen, weitere invasive Krebsarten Probleme bereiten (siehe [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch, «Weitere zu erwartende Arten»])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 19_Kalikokrebs_(Oronyctes_immunis)_Foto_Karsten_Grabow_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der [http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/115831/01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf?command=downloadContent&amp;amp;filename=01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf Kalikokrebs (''Orconectes immunis'')] (en allemand) kommt momentan in der Schweiz noch nicht vor, bereitet aber bereits in der Oberrheinischen Tiefebene Probleme&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebspest ==&lt;br /&gt;
Die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] informiert auf ihrer Webseite über die [http://www.flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm Krebspest] und hat dazu mehrere [http://www.flusskrebse.ch/de_projekte.htm Merkblätter].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Verhinderung der Krebspestverbreitung - Was jeder Einzelne tun kann''' &lt;br /&gt;
(Quellen: [http://flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm flusskrebse.ch] und [https://www.waldwissen.net/wald/tiere/insekten_wirbellose/fva_flusskrebse/index_DE www.waldwissen.net]):&lt;br /&gt;
* Alle Gegenstände, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind, sollen keimfrei gemacht werden bevor ein Flusskrebsgewässer betreten wird. &lt;br /&gt;
* Eine Desinfektion ist zwingend notwendig, wenn zwischen verschiedenen Gewässern oder Gewässerabschnitten gewechselt wird.&lt;br /&gt;
* Desinfizieren:&lt;br /&gt;
** Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. desinfizieren&lt;br /&gt;
** Wenn Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. eine glatte Oberfläche aufweisen, genügt das Abtrocknen lassen und Lagern bei mind. 25°C während 24 Stunden. Feuchtigkeitsnester, zum Beispiel Schlammreste im Profil von Stiefeln, sind vorgängig zu entfernen.&lt;br /&gt;
** Auch ein Erhitzen auf mind. 60 °C (am besten Abkochen) für 5 Minuten oder Einfrieren bei -20 °C für mindestens zwei Tage tötet die Erregersporen ab.&lt;br /&gt;
** Desinfektion mit Natriumhypochlorit oder Peressigsäure. Die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] empfiehlt die Verwendung von VirkonS oder Wofasteril. Bezugsquelle für VirkonS (Wirkstoff Natriumhypochlorit): [http://www.arovet.ch/ www.arovet.ch]; Bezugsquelle für Wofasteril (Wirkstoff Peressigsäure): [http://www.hygline.ch/reinigen-und-desinfizieren/landwirtschaft/schafe-ziegen/stall/desinfektionsmittel/ www.hygline.ch], &lt;br /&gt;
** Schlecht trocknende Gegenstände sind mindestens 14 Tage bei 25°C zu lagern. &lt;br /&gt;
* Von der Verwendung von Stiefeln mit Filzsohlen ist abzuraten, da diese sehr schlecht trocknen.&lt;br /&gt;
* Um eine Verschleppung zu vermeiden, ist auf das Aussetzen von Besatzfischen aus Krebspestgewässern zu verzichten, da diese auch Zoosporen mittragen können. / Pour éviter la propagation de la maladie, il convient de ne plus lâcher de poissons de repeuplement provenant d’eaux infestées par la peste de l’écrevisse car ils peuvent être aussi porteurs de zoospores.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen mit detaillierten Angaben siehe [http://flusskrebse.ch/de_projekte.htm  Merkblatt «Verhinderung der Krebspestverbreitung»].&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Krebspest_Peter_Jean_Richard.jpg&lt;br /&gt;
| text = Von der Krebspest befallener bereits toter Galizischer Sumpfkrebs (''Astacus leptodactylus'').&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wissenslücken=&lt;br /&gt;
* Aktuelles Wissen über die Bestandessituation in der Schweiz&lt;br /&gt;
* Vorkommen der Krebspest in der Schweiz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele=&lt;br /&gt;
* Unter [http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm] sind diverse Projektberichte und -beschriebe aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Links = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Links ==&lt;br /&gt;
* [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]&lt;br /&gt;
* [http://www.forum-flusskrebse.org/ forum flusskrebse]: Das Forum Flusskrebse ist ein Zusammenschluss verschiedener deutschsprachiger Flusskrebsspezialisten, welche international agieren und Tagungen organisieren. Vor allem Interessant für Personen, die sich tiefergreifend mit der Materie auseinandersetzen und dem Netzwerk beitreten wollen. &lt;br /&gt;
* Informationen zu den Flusskrebsen auf der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/fauna-der-schweiz/flusskrebse.html Webseite des CSCF] &lt;br /&gt;
** Neben allgemeinen Informationen zu Krebsen können als wichtiger Service Daten abgefragt und Artenlisten erstellt werden&lt;br /&gt;
* [https://lepus.unine.ch/carto/ Kartenserver info fauna]&lt;br /&gt;
* Für Fischerei und Krebse zuständige [https://www.kvu.ch/de/adressen/jagd-fischerei Fachstellen der Kantone]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturempfehlungen= &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundlagen- und Übersichtswerke ==&lt;br /&gt;
* David M. Holdich, 2002. Biology of freshwater crayfish. Blackwell Science, Oxford.&lt;br /&gt;
* EDER, E. &amp;amp; HÖDL, W. 1998: Flusskrebse Österreichs. – Stapfia 58, Linz, pp 284.&lt;br /&gt;
* Füreder, L., 2009. Flusskrebse: Biologie, Ökologie, Gefährdung, Veröffentlichungen des Naturmuseums Südtirol, Bozen. Folio-Verlag, Wien.&lt;br /&gt;
* HAGER, J. (2003): Edelkrebse. Biologie – Zucht – Bewirtschaftung. 2., überarbeitete Auflage. − Leopold Stocker.&lt;br /&gt;
* HOFMANN, J. 1980: Die Flusskrebse.- Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, pp 110.&lt;br /&gt;
* Souty-Grosset, C., 2006. Atlas of crayfish in Europe, Collection patrimoines naturels. Publications scientifiques du Muséum national d’histoire naturelle, Paris.&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Praxisrelevante Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stucki P., Zaugg B. 2011: {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz. Artenförderung von Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Vollzug Nr. 1104: 61 S&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsliteratur ==&lt;br /&gt;
* Auf der Webseite der [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] hat es einen Bestimmungsschlüssel und eine online-Bestimmungshilfe.&lt;br /&gt;
* In Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica (Stucki, P., Zaugg, B., 2005) ist ein Bestimmungsschlüssel enthalten.&lt;br /&gt;
* Empfehlenswerter [http://www.lazbw-ffs-krebse.de/home.html Online-Bestimmungsschlüssel]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verschiedenes=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- == Aktuelle Weiterbildungsveranstaltungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://flusskrebse.ch/index.htm 4. Flusskrebssymposium, 10. September 2018, in Olten]&lt;br /&gt;
* [https://www.igfischerei.ch/index.php/programmlink/krebsseminar-2018 Krebsseminar für Einsteiger 1. September 2018 in Langnau am Albis ZH]&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Filme über Krebse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/ Netz Natur] hat zu Krebsen zwei sehenswerte Filme ausgestrahlt:&lt;br /&gt;
* Krebse sind gefrässig, wo immer sie auftauchen. Und viele sind auch selbst delikat - was ihnen immer wieder zum Verhängnis wird. Ökologisch sind sie unentbehrlich - was uns Menschen kaum bewusst ist, wenn wir nur an Delikatessen denken. «NETZ Natur» stellt deshalb Krustentiere vor - [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/krebse-das-grosse-fressen auf dem Teller und in der Natur].&lt;br /&gt;
* Verrückt, wenn sich auf den Weihnachtsinseln alljährlich 60 Millionen rote Landkrabben auf den Weg ans Meer machen. Verrückt auch, wie sich kleine Planktonkrebschen in Salinen wohlfühlen, die so salzig sind, dass dort kaum ein anderes Tier überleben kann. In einer [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/die-verrueckten verrückten Sendung] zeigt NETZ Natur die unglaubliche Vielfalt der Krebse und ihre Wichtigkeit in der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebsbeobachtungen melden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse ist es wichtig, dass Sie Ihre Beobachtungen ({{link_webfauna_cscf_de}}). Funde können auch direkt an die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz gemeldet werden ([mailto:info@kfks.ch info@kfks.ch)], welche sie an die Kantone weiterleitet. &lt;br /&gt;
Für eine sichere Bestimmung braucht es je ein Foto von oben und von unten mit Fokus auf Ober- und Unterseite der Scheren sowie auf die Schwanzoberseite. Im Weiteren eine Nahaufnahme von der Seite des Carapax (Bedornung bei der Nackenfurche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliches ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kap. 3 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} sind der rechtliche Status und der Schutzstatus abgehandelt.&lt;br /&gt;
Die rechtlichen Grundlagen zu den Flusskrebsen sind im [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19910137/index.html Bundesgesetz über die Fischerei] und in der dazugehörigen [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19930332/index.html Ausführungsverordnung]. Darin ist u. a. folgendes geregelt:&lt;br /&gt;
* Das Fangen von Krebsen bedarf einer Bewilligung des Fischpächters bzw. des Kantons.&lt;br /&gt;
* Die Schonzeit der einheimischen Flusskrebsarten beträgt mindestens 40 Wochen.&lt;br /&gt;
* Die Fangmindestmasse betragen für den Edelkrebs (Astacus astacus) 12 cm und für den Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) und den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) je 9 cm.&lt;br /&gt;
* Der Fang, Transport und das Aussetzen von nicht einheimischen Flusskrebsarten ist verboten bzw. bewilligungspflichtig.&lt;br /&gt;
* Das Halten von nicht einheimischen Arten im Aquarium ist bewilligungspflichtig. (Bemerkung: Bewilligungen werden nur für Ausstellungen oder zu Forschungszwecken ausgestellt.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestandserfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gute Zeit für Bestandserfassungen ist von Juli bis Oktober, ideal ist der September. Im Anhang des {{link aktionsplans flusskrebse de}} gibt es ein Felderhebungsblatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Newsletter =&lt;br /&gt;
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann melden Sie sich für unseren [https://www.biodivers.ch/index.php/newsletter-abonnieren.html Newsletter] an und bleiben Sie informiert über aktuelle Artikel zur Förderung von Arten und Lebensräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS) hat einen Newsletter. Anmeldungen direkt an: [mailto:info@kfks.ch info@kfks.ch]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers] || info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch/ KFKS] || {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4744</id>
		<title>Flusskrebse</title>
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				<updated>2025-03-07T14:59:31Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Ecrevisses]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_02_Edelkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Flusskrebse, auf dem Bild der Edelkrebs (''Astacus astacus'') sind nachtaktive Bewohner unserer Gewässer. Sie brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [http://biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch KFKS]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || August 2018&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_03_Dohlenkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes''), einer der drei einheimischen Flusskrebsarten  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei uns sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') heimisch. Sie sind nachtaktiv und leben versteckt in Fliess- und Stehgewässern verschiedener Grössen und Höhenlagen. Die Bestände gehen seit 50 Jahren stark zurück. Gründe dafür sind die Verbauung und Verschmutzung der Gewässer, die Konkurrenz durch vier eingeschleppte Flusskrebsarten und die Krebspest. Diese wird durch die ausgesetzten nordamerikanischen Flusskrebse, welche gegen den Erreger immun sind, und durch uns Menschen verbreitet. Die Sporen des Erregers werden ins Wasser abgegeben und können über nasse Gegenstände verschleppt werden.&lt;br /&gt;
Flusskrebse brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden. Sie können durch Gewässerrenaturierungen, mit dem Angebot sauberen Wassers sowie durch konsequentes Verhindern der weiteren Verbreitung der Krebspest gefördert werden. &lt;br /&gt;
Der Bund hat den {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz (2011) erarbeitet und seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen um den Schutz und die Förderung der einheimischen und Bekämpfung bzw. Ausbreitungsverhinderung der invasiven Flusskrebsarten in der Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_1_b_RdVaux_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Typisches, strukturreiches Krebsgewässer  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik und Vorkommen in der Schweiz =&lt;br /&gt;
In der Schweiz heimisch sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Neben diesen drei autochthonen Arten kommen vier eingeschleppte Arten vor: Der Galizische Sumpfkrebs oder «Galizier» (''Astacus leptodactylus''), welcher ursprünglich aus Osteuropa stammt, sowie der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (''Procambarus clarkii'') welche aus den USA eingeführt wurden. Sie gehören alle zur Ordnung der Decapoda (Zehnfusskrebse). Die einheimischen Arten sowie der Galizische Sumpfkrebs und der Signalkrebs gehören der Familie der Astacidae an, die anderen beiden der Familie der Cambaridae.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Edelkrebs 2 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Edelkrebs (''Astacus astacus'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Dohlenkrebs 2 96 dpi.png &lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie_Steinkrebs_2_96_dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse stellen innerhalb der schweizerischen Fauna einen Sonderfall dar, da mehr neobiotische als einheimische Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
=== Links und Literatur ===&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Biologie und Ökologie =&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind Allesfresser. Sie verwerten organisches Material und sind je nach Alter, Wassertemperatur und Angebot mehr herbi- oder karnivor. Gerne werden Mollusken und Wasserinsekten erbeutet. Kleinere Artgenossen oder sich in der Häutung befindliche wehrlose Flusskrebse, stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Verwesendes Aas wird von den meisten Arten nur in Ausnahmefällen gefressen. Bei feuchter Witterung wird die Nahrung ausnahmsweise (z. B. dichte Populationen oder Nahrungsmangel) auch an Land gesucht. Krebse sind «Gewässerpolizei» und «Müllabfuhr», in dem sie abgestorbene Flora und Fauna schnell beseitigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des starren Exoskeletts können Krebse nur wachsen, in dem sie sich häuten. Jungkrebse häuten sich häufig, junge Edelkrebse im 1. Jahr bis zu 10 Mal, als Adulte noch ca. 2 Mal pro Jahr. Die Vorbereitung zur Häutung dauert beim erwachsenen Krebs ca. 1 Woche, die Aushärtung danach ca. 3 bis 4 Tage. Bei Jungkrebsen verläuft der Zyklus wesentlich rascher. Bis zur Aushärtung des neuen Panzers ist der Krebs sehr weich («Butterkrebs») und somit verletzlich. Der Zeitpunkt der Häutung ist altersklassenmässig synchronisiert (vermindert Kannibalismus).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt im Herbst. Das Weibchen befestigt die befruchteten Eier auf der Unterseite des Abdomens (Schwanzteil) und betreibt intensive Brutpflege. Die Larven schlüpfen je nach Wassertemperatur Ende Mai bis Mitte Juli. 7 bis 10 Tage nach dem Schlüpfen erfolgt die erste Häutung. Nach ein paar weiteren Tagen verlassen die Jungtiere die Mutter. Die Weibchen leben während der ganzen Brutzeit zurückgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivität von Flusskrebsen ist von November/Dezember bis zum Frühjahr sehr gering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krebse sind auf eine reiche Strukturierung insbesondere des Uferbereichs angewiesen (Wurzelstöcke, steile Böschungen, grosse Steine). Wie der ideale Lebensraum gestaltet ist, ist im [[Media:Flusskrebs-DE.pdf|Flyer des Kantons Bern]] dargestellt. Krebse sind sehr empfindlich gegenüber Pestiziden (Pflanzenschutzmitteln), besonders Insektiziden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In sehr kalkarmen und sehr kalkreichen Gewässern können Krebse nicht leben. Im einten Fall steht für das Skelett zu wenig Kalk zur Verfügung, im anderen kommt es zu Kalkablagerungen auf dem Panzer (Versinterung), welche bei langem Häutungsintervall die Häutung verunmöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zu Biologie und Ökologie der Flusskrebse sind in «Decapoda» (Stucki &amp;amp; Zaugg 2005) zusammengefasst. Auf [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch] sind kurze Artenporträts aufgeschaltet. Umfangreiche Angaben findet man in «Edelkrebse: Biologie - Zucht – Bewirtschaftung» (Hager 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Abb03_Junge_Dohlenkrebse_(c)_Peter_Jean-Richard_zugeschnitten_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Junge Krebse (im Bild Dohlenkrebse) sind «Miniaturausgaben» der Erwachsenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
Seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]. Sie ist Anlaufstelle und hat beratende und koordinierende Funktion. Wer sich vertieft mit dem Schutz und der Förderung der einheimischen Flusskrebse auseinandersetzen möchte, dem sind die Informationen auf der Webseite und die Lektüre des {{link aktionsplans flusskrebse de}} zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strategie für die einheimischen Flusskrebse gemäss  {{link aktionsplan flusskrebse de}} verfolgt zwei hauptsächliche Ziele; einerseits den Schutz der einheimischen Populationen und andererseits die Bekämpfung und Eingrenzung der Bestände fremder Flusskrebsarten. &lt;br /&gt;
Nachfolgend wird auf ausgewählte Massnahmen eingegangen. Die vollständigen Informationen sind im Kapitel 6 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Renaturierung von Gewässern] sollen die Uferbereiche gut strukturiert werden. Krebse müssen Höhlen graben und sich verstecken können (unter Wurzeln oder Steinen). Dazu eignen sich besonders steile Böschungen. Fliessgewässer sollen unterschiedliche Strömungsverhältnisse (natürliche Abfolgen von Abschnitten mit starker und schwacher/keiner Strömung) aufweisen, welche geeignete Habitate und genügend Nahrung bieten (siehe Flyer des Kantons Bern [http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur/fischerei/aktuell.assetref/dam/documents/VOL/LANAT/de/Natur/Fischerei/RenF/DE_Flusskrebse_gzd.pdf «Lebensraum für Flusskrebse, Umgang bei Wasserbauprojekten»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki3_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Der Westerbach im Kanton Aargau mit harter Bachverbauung…&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki2_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = … welche in einem Projekt der Jagd- und Fischereiverwaltung Kanton Aargau zur Förderung des Dohlenkrebses (''Austropotamobius pallipes'') 2005 einseitig entfernt und das Gewässer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung#Ingenieurbiologische_Massnahmen_im_Bachbett_.28instream.29 instream] strukturiert wurde.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhaltsarbeiten und Bauprojekte in Gewässern müssen durch die für die Fischerei zuständige kantonale Behörde genehmigt und begleitet werden. Sie bestimmt die zu treffenden Schutzmassnahmen. Folgende Vorsichtsmassnahmen müssen getroffen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ausbaggerungen der Sohle zeitlich staffeln (abschnittweises Baggern). Ev. tiefere Bereiche («Pools») oder Feuchtzonen als Rückzugsgebiete anlegen.&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt auf das Minimum beschränken, keine Bäume fällen (mit gewissen Ausnahmen siehe «{{link aktionsplans flusskrebse de}}»; falls Bäume gefällt werden müssen, die Strünke belassen)&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt muss selektiv erfolgen&lt;br /&gt;
* Kein Befahren des Bachbetts mit Maschinen&lt;br /&gt;
* Im nicht bestockten Bereich abschnittweiser Böschungsunterhalt, Gestrüpp belassen.&lt;br /&gt;
* Das Stau- und Totholz darf nicht gänzlich aus dem Bett entfernt werden.&lt;br /&gt;
* Im Wald&lt;br /&gt;
** Die Bäume vom Gewässer weg fällen&lt;br /&gt;
** Astmaterial nicht im Gewässer und am Ufer ablagern (Gefahr der Versauerung des Gewässers)&lt;br /&gt;
** Das Gewässer nicht mit Maschinen befahren&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft&lt;br /&gt;
** Keine Beweidung der Ufer und des Bachbetts&lt;br /&gt;
** Keinen Zugang zum Gewässer als Viehtränke schaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Kantone haben Erfahrungen mit der Aufzucht und dem Aussetzen einheimischer Krebse, so zum Beispiel der Kanton Aargau mit [https://www.ag.ch/umwelt-aargau/pdf/UAG_54_39.pdf Dohlen- und Steinkrebsen]. Wichtig dabei ist, dass die Genetik berücksichtigt wird und somit nur Tiere aus dem gleichen Einzugsgebiet für Aufzucht bzw. Besatz verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Waldbewirtschaftung_entlang_Bach_96_dpi.PNG&lt;br /&gt;
| text = Entlang von Bächen im Wald ist es wichtig, das Gewässer bei der Bewirtschaftung zu schonen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_6_c_Cuarny_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Massnahmen gegen Schwebstoffbelastungen in einem Gewässer bei Cuarny VD. Dies ist bei allen Arbeiten in Gewässern wichtig. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktivitäten/Massnahmen der Kantone ==&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten der Kantone für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse sind auf der Webseite der [http://www.flusskrebse.ch/de_massnahmen.htm Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz] aufgelistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Alle drei heimischen Arten gehören zu den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten national prioritären Arten]]. Der Edelkrebs hat 2. Priorität, die anderen beiden haben die höchste Priorität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Datenbank des Projekts «Virtual Data Center VDC» werden seit 2014 die Fundorte sämtlicher Organismengruppen eingespeist, um sie bei naturschutzrelevanten Projekten berücksichtigen zu können. Mit der Datenbank sollen insbesondere die Bedürfnisse der kantonalen Fachstellen abgedeckt werden. Diese Daten sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung=&lt;br /&gt;
== Rote Listen ==&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind gefährdet (Edelkrebs) oder stark gefährdet (Steinkrebs und Dohlenkrebs)&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;small&amp;gt;Quelle: {{link aktionsplan flusskrebse de}}&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Gefährdungen == &lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_10_Kamberkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), einer der vier eingeschleppten invasiven Flusskrebsarten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
''Die Inhalte dieses Kapitels wurden aus dem {{link aktionsplan flusskrebse de}} übernommen.''&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit mehreren Jahrzehnten nehmen die Bestände einheimischer Flusskrebsarten ab; etwas langsamer im Falle des Edelkrebses (''Astacus astacus'') und stark im Falle von Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Zahlreiche Populationen sind bereits vollständig verschwunden und oft bestehen Bestände nur aus geografisch isolierten Reliktpopulationen, hauptsächlich in Oberläufen und Teichen. Dieser Rückgang geht einher mit der Ausbreitung der nicht-einheimischer Arten, die sich mit Ausnahme des Galizierkrebses (''Astacus leptodactylus'') zudem Krebspest-Träger sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hauptsächlichen Gründe des Rückgangs der einheimischen Krebse sind: &lt;br /&gt;
* Konkurrenz durch eingeführte fremde Flusskrebsarten, die weniger empfindlich auf die verschlechterten Umweltbedingungen reagieren, höhere Wachstumsraten und Fruchtbarkeit aufweisen und auch aggressiver sind. &lt;br /&gt;
* Die in der Schweiz meldepflichtige Seuche «Krebspest» (''Aphanomyces astaci''). Die Verbreitung dieses Erregers erfolgt durch amerikanische Flusskrebsarten, welche latente Träger sind, sowie durch den Menschen mit kontaminiertem Material (z. B. Fischereigeräte oder -stiefel, Versetzen infizierter Flusskrebse).&lt;br /&gt;
* Fliessgewässerkorrektionen und Uferverbauungen führen zu einer Monotonisierung der Strömungsverhältnisse und einer Vereinheitlichung der Ökomorphologie, wodurch Unterstände und für Flusskrebse geeignete Habitate verschwinden.&lt;br /&gt;
* Lokal schlechte Wasserqualität aufgrund punktueller oder chronischer Verschmutzungen (z. B. Mikroverunreinigungen, Pestizide, Industrieunfälle, ARA-Einleitungen, Jauche und anderen Düngemitteln usw.) was bestehende Populationen schwächen oder auslöschen kann.&lt;br /&gt;
* Eine dem Habitat nicht entsprechende fischereiliche Bewirtschaftung durch zu hohe Fischdichten in Stillgewässern oder in als Aufzuchtgewässer für Forellen genutzten Fliessgewässern. Dies bewirkt einen zu starken Frassdruck auf die Flusskrebsfauna. Eine weitere Gefährdungsursache ist die systematische Störung des Habitats durch Anwendung von Elektrofanggeräten und die ständige Begehung des Gewässers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS05_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses strukturarme Gewässer bietet Flusskrebsen keinen Lebensraum&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS06_Insektizide_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft führt zu Verunreinigungen in den Gewässern und gefährdet u. a. die einheimischen Flusskrebse.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Invasive Krebse ==&lt;br /&gt;
In den nächsten Jahren könnten, neben den bereits vier vorhandenen, weitere invasive Krebsarten Probleme bereiten (siehe [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch, «Weitere zu erwartende Arten»])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 19_Kalikokrebs_(Oronyctes_immunis)_Foto_Karsten_Grabow_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der [http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/115831/01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf?command=downloadContent&amp;amp;filename=01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf Kalikokrebs (''Orconectes immunis'')] (en allemand) kommt momentan in der Schweiz noch nicht vor, bereitet aber bereits in der Oberrheinischen Tiefebene Probleme&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebspest ==&lt;br /&gt;
Die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] informiert auf ihrer Webseite über die [http://www.flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm Krebspest] und hat dazu mehrere [http://www.flusskrebse.ch/de_projekte.htm Merkblätter].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Verhinderung der Krebspestverbreitung - Was jeder Einzelne tun kann''' &lt;br /&gt;
(Quellen: [http://flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm flusskrebse.ch] und [https://www.waldwissen.net/wald/tiere/insekten_wirbellose/fva_flusskrebse/index_DE www.waldwissen.net]):&lt;br /&gt;
* Alle Gegenstände, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind, sollen keimfrei gemacht werden bevor ein Flusskrebsgewässer betreten wird. &lt;br /&gt;
* Eine Desinfektion ist zwingend notwendig, wenn zwischen verschiedenen Gewässern oder Gewässerabschnitten gewechselt wird.&lt;br /&gt;
* Desinfizieren:&lt;br /&gt;
** Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. desinfizieren&lt;br /&gt;
** Wenn Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. eine glatte Oberfläche aufweisen, genügt das Abtrocknen lassen und Lagern bei mind. 25°C während 24 Stunden. Feuchtigkeitsnester, zum Beispiel Schlammreste im Profil von Stiefeln, sind vorgängig zu entfernen.&lt;br /&gt;
** Auch ein Erhitzen auf mind. 60 °C (am besten Abkochen) für 5 Minuten oder Einfrieren bei -20 °C für mindestens zwei Tage tötet die Erregersporen ab.&lt;br /&gt;
** Desinfektion mit Natriumhypochlorit oder Peressigsäure. Die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] empfiehlt die Verwendung von VirkonS oder Wofasteril. Bezugsquelle für VirkonS (Wirkstoff Natriumhypochlorit): [http://www.arovet.ch/ www.arovet.ch]; Bezugsquelle für Wofasteril (Wirkstoff Peressigsäure): [http://www.hygline.ch/reinigen-und-desinfizieren/landwirtschaft/schafe-ziegen/stall/desinfektionsmittel/ www.hygline.ch], &lt;br /&gt;
** Schlecht trocknende Gegenstände sind mindestens 14 Tage bei 25°C zu lagern. &lt;br /&gt;
* Von der Verwendung von Stiefeln mit Filzsohlen ist abzuraten, da diese sehr schlecht trocknen.&lt;br /&gt;
* Um eine Verschleppung zu vermeiden, ist auf das Aussetzen von Besatzfischen aus Krebspestgewässern zu verzichten, da diese auch Zoosporen mittragen können. / Pour éviter la propagation de la maladie, il convient de ne plus lâcher de poissons de repeuplement provenant d’eaux infestées par la peste de l’écrevisse car ils peuvent être aussi porteurs de zoospores.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen mit detaillierten Angaben siehe [http://flusskrebse.ch/de_projekte.htm  Merkblatt «Verhinderung der Krebspestverbreitung»].&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Krebspest_Peter_Jean_Richard.jpg&lt;br /&gt;
| text = Von der Krebspest befallener bereits toter Galizischer Sumpfkrebs (''Astacus leptodactylus'').&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wissenslücken=&lt;br /&gt;
* Aktuelles Wissen über die Bestandessituation in der Schweiz&lt;br /&gt;
* Vorkommen der Krebspest in der Schweiz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele=&lt;br /&gt;
* Unter [http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm] sind diverse Projektberichte und -beschriebe aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Links = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Links ==&lt;br /&gt;
* [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]&lt;br /&gt;
* [http://www.forum-flusskrebse.org/ forum flusskrebse]: Das Forum Flusskrebse ist ein Zusammenschluss verschiedener deutschsprachiger Flusskrebsspezialisten, welche international agieren und Tagungen organisieren. Vor allem Interessant für Personen, die sich tiefergreifend mit der Materie auseinandersetzen und dem Netzwerk beitreten wollen. &lt;br /&gt;
* Informationen zu den Flusskrebsen auf der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/fauna-der-schweiz/flusskrebse.html Webseite des CSCF] &lt;br /&gt;
** Neben allgemeinen Informationen zu Krebsen können als wichtiger Service Daten abgefragt und Artenlisten erstellt werden&lt;br /&gt;
* [https://lepus.unine.ch/carto/ Kartenserver info fauna]&lt;br /&gt;
* Für Fischerei und Krebse zuständige [https://www.kvu.ch/de/adressen/jagd-fischerei Fachstellen der Kantone]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturempfehlungen= &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundlagen- und Übersichtswerke ==&lt;br /&gt;
* David M. Holdich, 2002. Biology of freshwater crayfish. Blackwell Science, Oxford.&lt;br /&gt;
* EDER, E. &amp;amp; HÖDL, W. 1998: Flusskrebse Österreichs. – Stapfia 58, Linz, pp 284.&lt;br /&gt;
* Füreder, L., 2009. Flusskrebse: Biologie, Ökologie, Gefährdung, Veröffentlichungen des Naturmuseums Südtirol, Bozen. Folio-Verlag, Wien.&lt;br /&gt;
* HAGER, J. (2003): Edelkrebse. Biologie – Zucht – Bewirtschaftung. 2., überarbeitete Auflage. − Leopold Stocker.&lt;br /&gt;
* HOFMANN, J. 1980: Die Flusskrebse.- Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, pp 110.&lt;br /&gt;
* Souty-Grosset, C., 2006. Atlas of crayfish in Europe, Collection patrimoines naturels. Publications scientifiques du Muséum national d’histoire naturelle, Paris.&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Praxisrelevante Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stucki P., Zaugg B. 2011: {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz. Artenförderung von Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Vollzug Nr. 1104: 61 S&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsliteratur ==&lt;br /&gt;
* Auf der Webseite der [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] hat es einen Bestimmungsschlüssel und eine online-Bestimmungshilfe.&lt;br /&gt;
* In Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica (Stucki, P., Zaugg, B., 2005) ist ein Bestimmungsschlüssel enthalten.&lt;br /&gt;
* Empfehlenswerter [http://www.lazbw-ffs-krebse.de/home.html Online-Bestimmungsschlüssel]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verschiedenes=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- == Aktuelle Weiterbildungsveranstaltungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://flusskrebse.ch/index.htm 4. Flusskrebssymposium, 10. September 2018, in Olten]&lt;br /&gt;
* [https://www.igfischerei.ch/index.php/programmlink/krebsseminar-2018 Krebsseminar für Einsteiger 1. September 2018 in Langnau am Albis ZH]&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Filme über Krebse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/ Netz Natur] hat zu Krebsen zwei sehenswerte Filme ausgestrahlt:&lt;br /&gt;
* Krebse sind gefrässig, wo immer sie auftauchen. Und viele sind auch selbst delikat - was ihnen immer wieder zum Verhängnis wird. Ökologisch sind sie unentbehrlich - was uns Menschen kaum bewusst ist, wenn wir nur an Delikatessen denken. «NETZ Natur» stellt deshalb Krustentiere vor - [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/krebse-das-grosse-fressen auf dem Teller und in der Natur].&lt;br /&gt;
* Verrückt, wenn sich auf den Weihnachtsinseln alljährlich 60 Millionen rote Landkrabben auf den Weg ans Meer machen. Verrückt auch, wie sich kleine Planktonkrebschen in Salinen wohlfühlen, die so salzig sind, dass dort kaum ein anderes Tier überleben kann. In einer [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/die-verrueckten verrückten Sendung] zeigt NETZ Natur die unglaubliche Vielfalt der Krebse und ihre Wichtigkeit in der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebsbeobachtungen melden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse ist es wichtig, dass Sie Ihre Beobachtungen ({{link_webfauna_cscf_de}}). Funde können auch direkt an die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz gemeldet werden ([mailto:info@kfks.ch info@kfks.ch)], welche sie an die Kantone weiterleitet. &lt;br /&gt;
Für eine sichere Bestimmung braucht es je ein Foto von oben und von unten mit Fokus auf Ober- und Unterseite der Scheren sowie auf die Schwanzoberseite. Im Weiteren eine Nahaufnahme von der Seite des Carapax (Bedornung bei der Nackenfurche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliches ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kap. 3 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} sind der rechtliche Status und der Schutzstatus abgehandelt.&lt;br /&gt;
Die rechtlichen Grundlagen zu den Flusskrebsen sind im [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19910137/index.html Bundesgesetz über die Fischerei] und in der dazugehörigen [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19930332/index.html Ausführungsverordnung]. Darin ist u. a. folgendes geregelt:&lt;br /&gt;
* Das Fangen von Krebsen bedarf einer Bewilligung des Fischpächters bzw. des Kantons.&lt;br /&gt;
* Die Schonzeit der einheimischen Flusskrebsarten beträgt mindestens 40 Wochen.&lt;br /&gt;
* Die Fangmindestmasse betragen für den Edelkrebs (Astacus astacus) 12 cm und für den Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) und den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) je 9 cm.&lt;br /&gt;
* Der Fang, Transport und das Aussetzen von nicht einheimischen Flusskrebsarten ist verboten bzw. bewilligungspflichtig.&lt;br /&gt;
* Das Halten von nicht einheimischen Arten im Aquarium ist bewilligungspflichtig. (Bemerkung: Bewilligungen werden nur für Ausstellungen oder zu Forschungszwecken ausgestellt.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestandserfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gute Zeit für Bestandserfassungen ist von Juli bis Oktober, ideal ist der September. Im Anhang des {{link aktionsplans flusskrebse de}} gibt es ein Felderhebungsblatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Newsletter =&lt;br /&gt;
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann melden Sie sich für unseren [https://www.biodivers.ch/index.php/newsletter-abonnieren.html monatlichen Newsletter] an und bleiben Sie informiert über aktuelle Artikel zur Förderung von Arten und Lebensräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS) hat einen Newsletter. Anmeldungen direkt an: [mailto:info@kfks.ch info@kfks.ch]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers] || info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch/ KFKS] || {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4743</id>
		<title>Flusskrebse</title>
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				<updated>2025-03-07T14:57:36Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Ecrevisses]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_02_Edelkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Flusskrebse, auf dem Bild der Edelkrebs (''Astacus astacus'') sind nachtaktive Bewohner unserer Gewässer. Sie brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [http://biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch KFKS]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || August 2018&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_03_Dohlenkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes''), einer der drei einheimischen Flusskrebsarten  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei uns sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') heimisch. Sie sind nachtaktiv und leben versteckt in Fliess- und Stehgewässern verschiedener Grössen und Höhenlagen. Die Bestände gehen seit 50 Jahren stark zurück. Gründe dafür sind die Verbauung und Verschmutzung der Gewässer, die Konkurrenz durch vier eingeschleppte Flusskrebsarten und die Krebspest. Diese wird durch die ausgesetzten nordamerikanischen Flusskrebse, welche gegen den Erreger immun sind, und durch uns Menschen verbreitet. Die Sporen des Erregers werden ins Wasser abgegeben und können über nasse Gegenstände verschleppt werden.&lt;br /&gt;
Flusskrebse brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden. Sie können durch Gewässerrenaturierungen, mit dem Angebot sauberen Wassers sowie durch konsequentes Verhindern der weiteren Verbreitung der Krebspest gefördert werden. &lt;br /&gt;
Der Bund hat den {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz (2011) erarbeitet und seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen um den Schutz und die Förderung der einheimischen und Bekämpfung bzw. Ausbreitungsverhinderung der invasiven Flusskrebsarten in der Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_1_b_RdVaux_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Typisches, strukturreiches Krebsgewässer  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik und Vorkommen in der Schweiz =&lt;br /&gt;
In der Schweiz heimisch sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Neben diesen drei autochthonen Arten kommen vier eingeschleppte Arten vor: Der Galizische Sumpfkrebs oder «Galizier» (''Astacus leptodactylus''), welcher ursprünglich aus Osteuropa stammt, sowie der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (''Procambarus clarkii'') welche aus den USA eingeführt wurden. Sie gehören alle zur Ordnung der Decapoda (Zehnfusskrebse). Die einheimischen Arten sowie der Galizische Sumpfkrebs und der Signalkrebs gehören der Familie der Astacidae an, die anderen beiden der Familie der Cambaridae.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Edelkrebs 2 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Edelkrebs (''Astacus astacus'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Dohlenkrebs 2 96 dpi.png &lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie_Steinkrebs_2_96_dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse stellen innerhalb der schweizerischen Fauna einen Sonderfall dar, da mehr neobiotische als einheimische Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
=== Links und Literatur ===&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Biologie und Ökologie =&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind Allesfresser. Sie verwerten organisches Material und sind je nach Alter, Wassertemperatur und Angebot mehr herbi- oder karnivor. Gerne werden Mollusken und Wasserinsekten erbeutet. Kleinere Artgenossen oder sich in der Häutung befindliche wehrlose Flusskrebse, stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Verwesendes Aas wird von den meisten Arten nur in Ausnahmefällen gefressen. Bei feuchter Witterung wird die Nahrung ausnahmsweise (z. B. dichte Populationen oder Nahrungsmangel) auch an Land gesucht. Krebse sind «Gewässerpolizei» und «Müllabfuhr», in dem sie abgestorbene Flora und Fauna schnell beseitigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des starren Exoskeletts können Krebse nur wachsen, in dem sie sich häuten. Jungkrebse häuten sich häufig, junge Edelkrebse im 1. Jahr bis zu 10 Mal, als Adulte noch ca. 2 Mal pro Jahr. Die Vorbereitung zur Häutung dauert beim erwachsenen Krebs ca. 1 Woche, die Aushärtung danach ca. 3 bis 4 Tage. Bei Jungkrebsen verläuft der Zyklus wesentlich rascher. Bis zur Aushärtung des neuen Panzers ist der Krebs sehr weich («Butterkrebs») und somit verletzlich. Der Zeitpunkt der Häutung ist altersklassenmässig synchronisiert (vermindert Kannibalismus).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt im Herbst. Das Weibchen befestigt die befruchteten Eier auf der Unterseite des Abdomens (Schwanzteil) und betreibt intensive Brutpflege. Die Larven schlüpfen je nach Wassertemperatur Ende Mai bis Mitte Juli. 7 bis 10 Tage nach dem Schlüpfen erfolgt die erste Häutung. Nach ein paar weiteren Tagen verlassen die Jungtiere die Mutter. Die Weibchen leben während der ganzen Brutzeit zurückgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivität von Flusskrebsen ist von November/Dezember bis zum Frühjahr sehr gering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krebse sind auf eine reiche Strukturierung insbesondere des Uferbereichs angewiesen (Wurzelstöcke, steile Böschungen, grosse Steine). Wie der ideale Lebensraum gestaltet ist, ist im [[Media:Flusskrebs-DE.pdf|Flyer des Kantons Bern]] dargestellt. Krebse sind sehr empfindlich gegenüber Pestiziden (Pflanzenschutzmitteln), besonders Insektiziden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In sehr kalkarmen und sehr kalkreichen Gewässern können Krebse nicht leben. Im einten Fall steht für das Skelett zu wenig Kalk zur Verfügung, im anderen kommt es zu Kalkablagerungen auf dem Panzer (Versinterung), welche bei langem Häutungsintervall die Häutung verunmöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zu Biologie und Ökologie der Flusskrebse sind in «Decapoda» (Stucki &amp;amp; Zaugg 2005) zusammengefasst. Auf [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch] sind kurze Artenporträts aufgeschaltet. Umfangreiche Angaben findet man in «Edelkrebse: Biologie - Zucht – Bewirtschaftung» (Hager 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Abb03_Junge_Dohlenkrebse_(c)_Peter_Jean-Richard_zugeschnitten_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Junge Krebse (im Bild Dohlenkrebse) sind «Miniaturausgaben» der Erwachsenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
Seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]. Sie ist Anlaufstelle und hat beratende und koordinierende Funktion. Wer sich vertieft mit dem Schutz und der Förderung der einheimischen Flusskrebse auseinandersetzen möchte, dem sind die Informationen auf der Webseite und die Lektüre des {{link aktionsplans flusskrebse de}} zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strategie für die einheimischen Flusskrebse gemäss  {{link aktionsplan flusskrebse de}} verfolgt zwei hauptsächliche Ziele; einerseits den Schutz der einheimischen Populationen und andererseits die Bekämpfung und Eingrenzung der Bestände fremder Flusskrebsarten. &lt;br /&gt;
Nachfolgend wird auf ausgewählte Massnahmen eingegangen. Die vollständigen Informationen sind im Kapitel 6 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Renaturierung von Gewässern] sollen die Uferbereiche gut strukturiert werden. Krebse müssen Höhlen graben und sich verstecken können (unter Wurzeln oder Steinen). Dazu eignen sich besonders steile Böschungen. Fliessgewässer sollen unterschiedliche Strömungsverhältnisse (natürliche Abfolgen von Abschnitten mit starker und schwacher/keiner Strömung) aufweisen, welche geeignete Habitate und genügend Nahrung bieten (siehe Flyer des Kantons Bern [http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur/fischerei/aktuell.assetref/dam/documents/VOL/LANAT/de/Natur/Fischerei/RenF/DE_Flusskrebse_gzd.pdf «Lebensraum für Flusskrebse, Umgang bei Wasserbauprojekten»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki3_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Der Westerbach im Kanton Aargau mit harter Bachverbauung…&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki2_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = … welche in einem Projekt der Jagd- und Fischereiverwaltung Kanton Aargau zur Förderung des Dohlenkrebses (''Austropotamobius pallipes'') 2005 einseitig entfernt und das Gewässer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung#Ingenieurbiologische_Massnahmen_im_Bachbett_.28instream.29 instream] strukturiert wurde.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhaltsarbeiten und Bauprojekte in Gewässern müssen durch die für die Fischerei zuständige kantonale Behörde genehmigt und begleitet werden. Sie bestimmt die zu treffenden Schutzmassnahmen. Folgende Vorsichtsmassnahmen müssen getroffen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ausbaggerungen der Sohle zeitlich staffeln (abschnittweises Baggern). Ev. tiefere Bereiche («Pools») oder Feuchtzonen als Rückzugsgebiete anlegen.&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt auf das Minimum beschränken, keine Bäume fällen (mit gewissen Ausnahmen siehe «{{link aktionsplans flusskrebse de}}»; falls Bäume gefällt werden müssen, die Strünke belassen)&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt muss selektiv erfolgen&lt;br /&gt;
* Kein Befahren des Bachbetts mit Maschinen&lt;br /&gt;
* Im nicht bestockten Bereich abschnittweiser Böschungsunterhalt, Gestrüpp belassen.&lt;br /&gt;
* Das Stau- und Totholz darf nicht gänzlich aus dem Bett entfernt werden.&lt;br /&gt;
* Im Wald&lt;br /&gt;
** Die Bäume vom Gewässer weg fällen&lt;br /&gt;
** Astmaterial nicht im Gewässer und am Ufer ablagern (Gefahr der Versauerung des Gewässers)&lt;br /&gt;
** Das Gewässer nicht mit Maschinen befahren&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft&lt;br /&gt;
** Keine Beweidung der Ufer und des Bachbetts&lt;br /&gt;
** Keinen Zugang zum Gewässer als Viehtränke schaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Kantone haben Erfahrungen mit der Aufzucht und dem Aussetzen einheimischer Krebse, so zum Beispiel der Kanton Aargau mit [https://www.ag.ch/umwelt-aargau/pdf/UAG_54_39.pdf Dohlen- und Steinkrebsen]. Wichtig dabei ist, dass die Genetik berücksichtigt wird und somit nur Tiere aus dem gleichen Einzugsgebiet für Aufzucht bzw. Besatz verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Waldbewirtschaftung_entlang_Bach_96_dpi.PNG&lt;br /&gt;
| text = Entlang von Bächen im Wald ist es wichtig, das Gewässer bei der Bewirtschaftung zu schonen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_6_c_Cuarny_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Massnahmen gegen Schwebstoffbelastungen in einem Gewässer bei Cuarny VD. Dies ist bei allen Arbeiten in Gewässern wichtig. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktivitäten/Massnahmen der Kantone ==&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten der Kantone für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse sind auf der Webseite der [http://www.flusskrebse.ch/de_massnahmen.htm Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz] aufgelistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Alle drei heimischen Arten gehören zu den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten national prioritären Arten]]. Der Edelkrebs hat 2. Priorität, die anderen beiden haben die höchste Priorität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Datenbank des Projekts «Virtual Data Center VDC» werden seit 2014 die Fundorte sämtlicher Organismengruppen eingespeist, um sie bei naturschutzrelevanten Projekten berücksichtigen zu können. Mit der Datenbank sollen insbesondere die Bedürfnisse der kantonalen Fachstellen abgedeckt werden. Diese Daten sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung=&lt;br /&gt;
== Rote Listen ==&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind gefährdet (Edelkrebs) oder stark gefährdet (Steinkrebs und Dohlenkrebs)&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;small&amp;gt;Quelle: {{link aktionsplan flusskrebse de}}&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Gefährdungen == &lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_10_Kamberkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), einer der vier eingeschleppten invasiven Flusskrebsarten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
''Die Inhalte dieses Kapitels wurden aus dem {{link aktionsplan flusskrebse de}} übernommen.''&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit mehreren Jahrzehnten nehmen die Bestände einheimischer Flusskrebsarten ab; etwas langsamer im Falle des Edelkrebses (''Astacus astacus'') und stark im Falle von Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Zahlreiche Populationen sind bereits vollständig verschwunden und oft bestehen Bestände nur aus geografisch isolierten Reliktpopulationen, hauptsächlich in Oberläufen und Teichen. Dieser Rückgang geht einher mit der Ausbreitung der nicht-einheimischer Arten, die sich mit Ausnahme des Galizierkrebses (''Astacus leptodactylus'') zudem Krebspest-Träger sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hauptsächlichen Gründe des Rückgangs der einheimischen Krebse sind: &lt;br /&gt;
* Konkurrenz durch eingeführte fremde Flusskrebsarten, die weniger empfindlich auf die verschlechterten Umweltbedingungen reagieren, höhere Wachstumsraten und Fruchtbarkeit aufweisen und auch aggressiver sind. &lt;br /&gt;
* Die in der Schweiz meldepflichtige Seuche «Krebspest» (''Aphanomyces astaci''). Die Verbreitung dieses Erregers erfolgt durch amerikanische Flusskrebsarten, welche latente Träger sind, sowie durch den Menschen mit kontaminiertem Material (z. B. Fischereigeräte oder -stiefel, Versetzen infizierter Flusskrebse).&lt;br /&gt;
* Fliessgewässerkorrektionen und Uferverbauungen führen zu einer Monotonisierung der Strömungsverhältnisse und einer Vereinheitlichung der Ökomorphologie, wodurch Unterstände und für Flusskrebse geeignete Habitate verschwinden.&lt;br /&gt;
* Lokal schlechte Wasserqualität aufgrund punktueller oder chronischer Verschmutzungen (z. B. Mikroverunreinigungen, Pestizide, Industrieunfälle, ARA-Einleitungen, Jauche und anderen Düngemitteln usw.) was bestehende Populationen schwächen oder auslöschen kann.&lt;br /&gt;
* Eine dem Habitat nicht entsprechende fischereiliche Bewirtschaftung durch zu hohe Fischdichten in Stillgewässern oder in als Aufzuchtgewässer für Forellen genutzten Fliessgewässern. Dies bewirkt einen zu starken Frassdruck auf die Flusskrebsfauna. Eine weitere Gefährdungsursache ist die systematische Störung des Habitats durch Anwendung von Elektrofanggeräten und die ständige Begehung des Gewässers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS05_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses strukturarme Gewässer bietet Flusskrebsen keinen Lebensraum&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS06_Insektizide_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft führt zu Verunreinigungen in den Gewässern und gefährdet u. a. die einheimischen Flusskrebse.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Invasive Krebse ==&lt;br /&gt;
In den nächsten Jahren könnten, neben den bereits vier vorhandenen, weitere invasive Krebsarten Probleme bereiten (siehe [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch, «Weitere zu erwartende Arten»])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 19_Kalikokrebs_(Oronyctes_immunis)_Foto_Karsten_Grabow_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der [http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/115831/01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf?command=downloadContent&amp;amp;filename=01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf Kalikokrebs (''Orconectes immunis'')] (en allemand) kommt momentan in der Schweiz noch nicht vor, bereitet aber bereits in der Oberrheinischen Tiefebene Probleme&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebspest ==&lt;br /&gt;
Die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] informiert auf ihrer Webseite über die [http://www.flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm Krebspest] und hat dazu mehrere [http://www.flusskrebse.ch/de_projekte.htm Merkblätter].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Verhinderung der Krebspestverbreitung - Was jeder Einzelne tun kann''' &lt;br /&gt;
(Quellen: [http://flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm flusskrebse.ch] und [https://www.waldwissen.net/wald/tiere/insekten_wirbellose/fva_flusskrebse/index_DE www.waldwissen.net]):&lt;br /&gt;
* Alle Gegenstände, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind, sollen keimfrei gemacht werden bevor ein Flusskrebsgewässer betreten wird. &lt;br /&gt;
* Eine Desinfektion ist zwingend notwendig, wenn zwischen verschiedenen Gewässern oder Gewässerabschnitten gewechselt wird.&lt;br /&gt;
* Desinfizieren:&lt;br /&gt;
** Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. desinfizieren&lt;br /&gt;
** Wenn Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. eine glatte Oberfläche aufweisen, genügt das Abtrocknen lassen und Lagern bei mind. 25°C während 24 Stunden. Feuchtigkeitsnester, zum Beispiel Schlammreste im Profil von Stiefeln, sind vorgängig zu entfernen.&lt;br /&gt;
** Auch ein Erhitzen auf mind. 60 °C (am besten Abkochen) für 5 Minuten oder Einfrieren bei -20 °C für mindestens zwei Tage tötet die Erregersporen ab.&lt;br /&gt;
** Desinfektion mit Natriumhypochlorit oder Peressigsäure. Die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] empfiehlt die Verwendung von VirkonS oder Wofasteril. Bezugsquelle für VirkonS (Wirkstoff Natriumhypochlorit): [http://www.arovet.ch/ www.arovet.ch]; Bezugsquelle für Wofasteril (Wirkstoff Peressigsäure): [http://www.hygline.ch/reinigen-und-desinfizieren/landwirtschaft/schafe-ziegen/stall/desinfektionsmittel/ www.hygline.ch], &lt;br /&gt;
** Schlecht trocknende Gegenstände sind mindestens 14 Tage bei 25°C zu lagern. &lt;br /&gt;
* Von der Verwendung von Stiefeln mit Filzsohlen ist abzuraten, da diese sehr schlecht trocknen.&lt;br /&gt;
* Um eine Verschleppung zu vermeiden, ist auf das Aussetzen von Besatzfischen aus Krebspestgewässern zu verzichten, da diese auch Zoosporen mittragen können. / Pour éviter la propagation de la maladie, il convient de ne plus lâcher de poissons de repeuplement provenant d’eaux infestées par la peste de l’écrevisse car ils peuvent être aussi porteurs de zoospores.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen mit detaillierten Angaben siehe [http://flusskrebse.ch/de_projekte.htm  Merkblatt «Verhinderung der Krebspestverbreitung»].&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Krebspest_Peter_Jean_Richard.jpg&lt;br /&gt;
| text = Von der Krebspest befallener bereits toter Galizischer Sumpfkrebs (''Astacus leptodactylus'').&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wissenslücken=&lt;br /&gt;
* Aktuelles Wissen über die Bestandessituation in der Schweiz&lt;br /&gt;
* Vorkommen der Krebspest in der Schweiz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele=&lt;br /&gt;
* Unter [http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm] sind diverse Projektberichte und -beschriebe aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Links = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Links ==&lt;br /&gt;
* [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]&lt;br /&gt;
* [http://www.forum-flusskrebse.org/ forum flusskrebse]: Das Forum Flusskrebse ist ein Zusammenschluss verschiedener deutschsprachiger Flusskrebsspezialisten, welche international agieren und Tagungen organisieren. Vor allem Interessant für Personen, die sich tiefergreifend mit der Materie auseinandersetzen und dem Netzwerk beitreten wollen. &lt;br /&gt;
* Informationen zu den Flusskrebsen auf der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/fauna-der-schweiz/flusskrebse.html Webseite des CSCF] &lt;br /&gt;
** Neben allgemeinen Informationen zu Krebsen können als wichtiger Service Daten abgefragt und Artenlisten erstellt werden&lt;br /&gt;
* [https://lepus.unine.ch/carto/ Kartenserver info fauna]&lt;br /&gt;
* Für Fischerei und Krebse zuständige [https://www.kvu.ch/de/adressen/jagd-fischerei Fachstellen der Kantone]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturempfehlungen= &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundlagen- und Übersichtswerke ==&lt;br /&gt;
* David M. Holdich, 2002. Biology of freshwater crayfish. Blackwell Science, Oxford.&lt;br /&gt;
* EDER, E. &amp;amp; HÖDL, W. 1998: Flusskrebse Österreichs. – Stapfia 58, Linz, pp 284.&lt;br /&gt;
* Füreder, L., 2009. Flusskrebse: Biologie, Ökologie, Gefährdung, Veröffentlichungen des Naturmuseums Südtirol, Bozen. Folio-Verlag, Wien.&lt;br /&gt;
* HAGER, J. (2003): Edelkrebse. Biologie – Zucht – Bewirtschaftung. 2., überarbeitete Auflage. − Leopold Stocker.&lt;br /&gt;
* HOFMANN, J. 1980: Die Flusskrebse.- Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, pp 110.&lt;br /&gt;
* Souty-Grosset, C., 2006. Atlas of crayfish in Europe, Collection patrimoines naturels. Publications scientifiques du Muséum national d’histoire naturelle, Paris.&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Praxisrelevante Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stucki P., Zaugg B. 2011: {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz. Artenförderung von Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Vollzug Nr. 1104: 61 S&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsliteratur ==&lt;br /&gt;
* Auf der Webseite der [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] hat es einen Bestimmungsschlüssel und eine online-Bestimmungshilfe.&lt;br /&gt;
* In Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica (Stucki, P., Zaugg, B., 2005) ist ein Bestimmungsschlüssel enthalten.&lt;br /&gt;
* Empfehlenswerter [http://www.lazbw-ffs-krebse.de/home.html Online-Bestimmungsschlüssel]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verschiedenes=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- == Aktuelle Weiterbildungsveranstaltungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://flusskrebse.ch/index.htm 4. Flusskrebssymposium, 10. September 2018, in Olten]&lt;br /&gt;
* [https://www.igfischerei.ch/index.php/programmlink/krebsseminar-2018 Krebsseminar für Einsteiger 1. September 2018 in Langnau am Albis ZH]&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Filme über Krebse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/ Netz Natur] hat zu Krebsen zwei sehenswerte Filme ausgestrahlt:&lt;br /&gt;
* Krebse sind gefrässig, wo immer sie auftauchen. Und viele sind auch selbst delikat - was ihnen immer wieder zum Verhängnis wird. Ökologisch sind sie unentbehrlich - was uns Menschen kaum bewusst ist, wenn wir nur an Delikatessen denken. «NETZ Natur» stellt deshalb Krustentiere vor - [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/krebse-das-grosse-fressen auf dem Teller und in der Natur].&lt;br /&gt;
* Verrückt, wenn sich auf den Weihnachtsinseln alljährlich 60 Millionen rote Landkrabben auf den Weg ans Meer machen. Verrückt auch, wie sich kleine Planktonkrebschen in Salinen wohlfühlen, die so salzig sind, dass dort kaum ein anderes Tier überleben kann. In einer [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/die-verrueckten verrückten Sendung] zeigt NETZ Natur die unglaubliche Vielfalt der Krebse und ihre Wichtigkeit in der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebsbeobachtungen melden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse ist es wichtig, dass Sie Ihre Beobachtungen ({{link_webfauna_cscf_de}}). Funde können auch direkt an die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz gemeldet werden ([mailto:info@kfks.ch info@kfks.ch)], welche sie an die Kantone weiterleitet. &lt;br /&gt;
Für eine sichere Bestimmung braucht es je ein Foto von oben und von unten mit Fokus auf Ober- und Unterseite der Scheren sowie auf die Schwanzoberseite. Im Weiteren eine Nahaufnahme von der Seite des Carapax (Bedornung bei der Nackenfurche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliches ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kap. 3 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} sind der rechtliche Status und der Schutzstatus abgehandelt.&lt;br /&gt;
Die rechtlichen Grundlagen zu den Flusskrebsen sind im [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19910137/index.html Bundesgesetz über die Fischerei] und in der dazugehörigen [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19930332/index.html Ausführungsverordnung]. Darin ist u. a. folgendes geregelt:&lt;br /&gt;
* Das Fangen von Krebsen bedarf einer Bewilligung des Fischpächters bzw. des Kantons.&lt;br /&gt;
* Die Schonzeit der einheimischen Flusskrebsarten beträgt mindestens 40 Wochen.&lt;br /&gt;
* Die Fangmindestmasse betragen für den Edelkrebs (Astacus astacus) 12 cm und für den Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) und den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) je 9 cm.&lt;br /&gt;
* Der Fang, Transport und das Aussetzen von nicht einheimischen Flusskrebsarten ist verboten bzw. bewilligungspflichtig.&lt;br /&gt;
* Das Halten von nicht einheimischen Arten im Aquarium ist bewilligungspflichtig. (Bemerkung: Bewilligungen werden nur für Ausstellungen oder zu Forschungszwecken ausgestellt.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestandserfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gute Zeit für Bestandserfassungen ist von Juli bis Oktober, ideal ist der September. Im Anhang des {{link aktionsplans flusskrebse de}} gibt es ein Felderhebungsblatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Newsletter =&lt;br /&gt;
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann melden Sie sich für unseren [https://www.biodivers.ch/index.php/newsletter-abonnieren.html monatlichen Newsletter] an und bleiben Sie informiert über aktuelle Artikel zur Förderung von Arten und Lebensräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS) hat einen Newsletter. Anmeldungen direkt an: [mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers] || info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch/ KFKS] || {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4742</id>
		<title>Flusskrebse</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4742"/>
				<updated>2025-03-07T14:51:12Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Ecrevisses]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_02_Edelkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Flusskrebse, auf dem Bild der Edelkrebs (''Astacus astacus'') sind nachtaktive Bewohner unserer Gewässer. Sie brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [http://biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch KFKS]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || August 2018&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_03_Dohlenkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes''), einer der drei einheimischen Flusskrebsarten  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei uns sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') heimisch. Sie sind nachtaktiv und leben versteckt in Fliess- und Stehgewässern verschiedener Grössen und Höhenlagen. Die Bestände gehen seit 50 Jahren stark zurück. Gründe dafür sind die Verbauung und Verschmutzung der Gewässer, die Konkurrenz durch vier eingeschleppte Flusskrebsarten und die Krebspest. Diese wird durch die ausgesetzten nordamerikanischen Flusskrebse, welche gegen den Erreger immun sind, und durch uns Menschen verbreitet. Die Sporen des Erregers werden ins Wasser abgegeben und können über nasse Gegenstände verschleppt werden.&lt;br /&gt;
Flusskrebse brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden. Sie können durch Gewässerrenaturierungen, mit dem Angebot sauberen Wassers sowie durch konsequentes Verhindern der weiteren Verbreitung der Krebspest gefördert werden. &lt;br /&gt;
Der Bund hat den {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz (2011) erarbeitet und seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen um den Schutz und die Förderung der einheimischen und Bekämpfung bzw. Ausbreitungsverhinderung der invasiven Flusskrebsarten in der Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_1_b_RdVaux_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Typisches, strukturreiches Krebsgewässer  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik und Vorkommen in der Schweiz =&lt;br /&gt;
In der Schweiz heimisch sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Neben diesen drei autochthonen Arten kommen vier eingeschleppte Arten vor: Der Galizische Sumpfkrebs oder «Galizier» (''Astacus leptodactylus''), welcher ursprünglich aus Osteuropa stammt, sowie der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (''Procambarus clarkii'') welche aus den USA eingeführt wurden. Sie gehören alle zur Ordnung der Decapoda (Zehnfusskrebse). Die einheimischen Arten sowie der Galizische Sumpfkrebs und der Signalkrebs gehören der Familie der Astacidae an, die anderen beiden der Familie der Cambaridae.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Edelkrebs 2 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Edelkrebs (''Astacus astacus'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Dohlenkrebs 2 96 dpi.png &lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie_Steinkrebs_2_96_dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse stellen innerhalb der schweizerischen Fauna einen Sonderfall dar, da mehr neobiotische als einheimische Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
=== Links und Literatur ===&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Biologie und Ökologie =&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind Allesfresser. Sie verwerten organisches Material und sind je nach Alter, Wassertemperatur und Angebot mehr herbi- oder karnivor. Gerne werden Mollusken und Wasserinsekten erbeutet. Kleinere Artgenossen oder sich in der Häutung befindliche wehrlose Flusskrebse, stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Verwesendes Aas wird von den meisten Arten nur in Ausnahmefällen gefressen. Bei feuchter Witterung wird die Nahrung ausnahmsweise (z. B. dichte Populationen oder Nahrungsmangel) auch an Land gesucht. Krebse sind «Gewässerpolizei» und «Müllabfuhr», in dem sie abgestorbene Flora und Fauna schnell beseitigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des starren Exoskeletts können Krebse nur wachsen, in dem sie sich häuten. Jungkrebse häuten sich häufig, junge Edelkrebse im 1. Jahr bis zu 10 Mal, als Adulte noch ca. 2 Mal pro Jahr. Die Vorbereitung zur Häutung dauert beim erwachsenen Krebs ca. 1 Woche, die Aushärtung danach ca. 3 bis 4 Tage. Bei Jungkrebsen verläuft der Zyklus wesentlich rascher. Bis zur Aushärtung des neuen Panzers ist der Krebs sehr weich («Butterkrebs») und somit verletzlich. Der Zeitpunkt der Häutung ist altersklassenmässig synchronisiert (vermindert Kannibalismus).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt im Herbst. Das Weibchen befestigt die befruchteten Eier auf der Unterseite des Abdomens (Schwanzteil) und betreibt intensive Brutpflege. Die Larven schlüpfen je nach Wassertemperatur Ende Mai bis Mitte Juli. 7 bis 10 Tage nach dem Schlüpfen erfolgt die erste Häutung. Nach ein paar weiteren Tagen verlassen die Jungtiere die Mutter. Die Weibchen leben während der ganzen Brutzeit zurückgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivität von Flusskrebsen ist von November/Dezember bis zum Frühjahr sehr gering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krebse sind auf eine reiche Strukturierung insbesondere des Uferbereichs angewiesen (Wurzelstöcke, steile Böschungen, grosse Steine). Wie der ideale Lebensraum gestaltet ist, ist im [[Media:Flusskrebs-DE.pdf|Flyer des Kantons Bern]] dargestellt. Krebse sind sehr empfindlich gegenüber Pestiziden (Pflanzenschutzmitteln), besonders Insektiziden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In sehr kalkarmen und sehr kalkreichen Gewässern können Krebse nicht leben. Im einten Fall steht für das Skelett zu wenig Kalk zur Verfügung, im anderen kommt es zu Kalkablagerungen auf dem Panzer (Versinterung), welche bei langem Häutungsintervall die Häutung verunmöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zu Biologie und Ökologie der Flusskrebse sind in «Decapoda» (Stucki &amp;amp; Zaugg 2005) zusammengefasst. Auf [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch] sind kurze Artenporträts aufgeschaltet. Umfangreiche Angaben findet man in «Edelkrebse: Biologie - Zucht – Bewirtschaftung» (Hager 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Abb03_Junge_Dohlenkrebse_(c)_Peter_Jean-Richard_zugeschnitten_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Junge Krebse (im Bild Dohlenkrebse) sind «Miniaturausgaben» der Erwachsenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
Seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]. Sie ist Anlaufstelle und hat beratende und koordinierende Funktion. Wer sich vertieft mit dem Schutz und der Förderung der einheimischen Flusskrebse auseinandersetzen möchte, dem sind die Informationen auf der Webseite und die Lektüre des {{link aktionsplans flusskrebse de}} zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strategie für die einheimischen Flusskrebse gemäss  {{link aktionsplan flusskrebse de}} verfolgt zwei hauptsächliche Ziele; einerseits den Schutz der einheimischen Populationen und andererseits die Bekämpfung und Eingrenzung der Bestände fremder Flusskrebsarten. &lt;br /&gt;
Nachfolgend wird auf ausgewählte Massnahmen eingegangen. Die vollständigen Informationen sind im Kapitel 6 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Renaturierung von Gewässern] sollen die Uferbereiche gut strukturiert werden. Krebse müssen Höhlen graben und sich verstecken können (unter Wurzeln oder Steinen). Dazu eignen sich besonders steile Böschungen. Fliessgewässer sollen unterschiedliche Strömungsverhältnisse (natürliche Abfolgen von Abschnitten mit starker und schwacher/keiner Strömung) aufweisen, welche geeignete Habitate und genügend Nahrung bieten (siehe Flyer des Kantons Bern [http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur/fischerei/aktuell.assetref/dam/documents/VOL/LANAT/de/Natur/Fischerei/RenF/DE_Flusskrebse_gzd.pdf «Lebensraum für Flusskrebse, Umgang bei Wasserbauprojekten»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki3_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Der Westerbach im Kanton Aargau mit harter Bachverbauung…&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki2_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = … welche in einem Projekt der Jagd- und Fischereiverwaltung Kanton Aargau zur Förderung des Dohlenkrebses (''Austropotamobius pallipes'') 2005 einseitig entfernt und das Gewässer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung#Ingenieurbiologische_Massnahmen_im_Bachbett_.28instream.29 instream] strukturiert wurde.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhaltsarbeiten und Bauprojekte in Gewässern müssen durch die für die Fischerei zuständige kantonale Behörde genehmigt und begleitet werden. Sie bestimmt die zu treffenden Schutzmassnahmen. Folgende Vorsichtsmassnahmen müssen getroffen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ausbaggerungen der Sohle zeitlich staffeln (abschnittweises Baggern). Ev. tiefere Bereiche («Pools») oder Feuchtzonen als Rückzugsgebiete anlegen.&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt auf das Minimum beschränken, keine Bäume fällen (mit gewissen Ausnahmen siehe «{{link aktionsplans flusskrebse de}}»; falls Bäume gefällt werden müssen, die Strünke belassen)&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt muss selektiv erfolgen&lt;br /&gt;
* Kein Befahren des Bachbetts mit Maschinen&lt;br /&gt;
* Im nicht bestockten Bereich abschnittweiser Böschungsunterhalt, Gestrüpp belassen.&lt;br /&gt;
* Das Stau- und Totholz darf nicht gänzlich aus dem Bett entfernt werden.&lt;br /&gt;
* Im Wald&lt;br /&gt;
** Die Bäume vom Gewässer weg fällen&lt;br /&gt;
** Astmaterial nicht im Gewässer und am Ufer ablagern (Gefahr der Versauerung des Gewässers)&lt;br /&gt;
** Das Gewässer nicht mit Maschinen befahren&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft&lt;br /&gt;
** Keine Beweidung der Ufer und des Bachbetts&lt;br /&gt;
** Keinen Zugang zum Gewässer als Viehtränke schaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Kantone haben Erfahrungen mit der Aufzucht und dem Aussetzen einheimischer Krebse, so zum Beispiel der Kanton Aargau mit [https://www.ag.ch/umwelt-aargau/pdf/UAG_54_39.pdf Dohlen- und Steinkrebsen]. Wichtig dabei ist, dass die Genetik berücksichtigt wird und somit nur Tiere aus dem gleichen Einzugsgebiet für Aufzucht bzw. Besatz verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Waldbewirtschaftung_entlang_Bach_96_dpi.PNG&lt;br /&gt;
| text = Entlang von Bächen im Wald ist es wichtig, das Gewässer bei der Bewirtschaftung zu schonen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_6_c_Cuarny_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Massnahmen gegen Schwebstoffbelastungen in einem Gewässer bei Cuarny VD. Dies ist bei allen Arbeiten in Gewässern wichtig. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktivitäten/Massnahmen der Kantone ==&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten der Kantone für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse sind auf der Webseite der [http://www.flusskrebse.ch/de_massnahmen.htm Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz] aufgelistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Alle drei heimischen Arten gehören zu den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten national prioritären Arten]]. Der Edelkrebs hat 2. Priorität, die anderen beiden haben die höchste Priorität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Datenbank des Projekts «Virtual Data Center VDC» werden seit 2014 die Fundorte sämtlicher Organismengruppen eingespeist, um sie bei naturschutzrelevanten Projekten berücksichtigen zu können. Mit der Datenbank sollen insbesondere die Bedürfnisse der kantonalen Fachstellen abgedeckt werden. Diese Daten sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung=&lt;br /&gt;
== Rote Listen ==&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind gefährdet (Edelkrebs) oder stark gefährdet (Steinkrebs und Dohlenkrebs)&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;small&amp;gt;Quelle: {{link aktionsplan flusskrebse de}}&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Gefährdungen == &lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_10_Kamberkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), einer der vier eingeschleppten invasiven Flusskrebsarten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
''Die Inhalte dieses Kapitels wurden aus dem {{link aktionsplan flusskrebse de}} übernommen.''&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit mehreren Jahrzehnten nehmen die Bestände einheimischer Flusskrebsarten ab; etwas langsamer im Falle des Edelkrebses (''Astacus astacus'') und stark im Falle von Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Zahlreiche Populationen sind bereits vollständig verschwunden und oft bestehen Bestände nur aus geografisch isolierten Reliktpopulationen, hauptsächlich in Oberläufen und Teichen. Dieser Rückgang geht einher mit der Ausbreitung der nicht-einheimischer Arten, die sich mit Ausnahme des Galizierkrebses (''Astacus leptodactylus'') zudem Krebspest-Träger sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hauptsächlichen Gründe des Rückgangs der einheimischen Krebse sind: &lt;br /&gt;
* Konkurrenz durch eingeführte fremde Flusskrebsarten, die weniger empfindlich auf die verschlechterten Umweltbedingungen reagieren, höhere Wachstumsraten und Fruchtbarkeit aufweisen und auch aggressiver sind. &lt;br /&gt;
* Die in der Schweiz meldepflichtige Seuche «Krebspest» (''Aphanomyces astaci''). Die Verbreitung dieses Erregers erfolgt durch amerikanische Flusskrebsarten, welche latente Träger sind, sowie durch den Menschen mit kontaminiertem Material (z. B. Fischereigeräte oder -stiefel, Versetzen infizierter Flusskrebse).&lt;br /&gt;
* Fliessgewässerkorrektionen und Uferverbauungen führen zu einer Monotonisierung der Strömungsverhältnisse und einer Vereinheitlichung der Ökomorphologie, wodurch Unterstände und für Flusskrebse geeignete Habitate verschwinden.&lt;br /&gt;
* Lokal schlechte Wasserqualität aufgrund punktueller oder chronischer Verschmutzungen (z. B. Mikroverunreinigungen, Pestizide, Industrieunfälle, ARA-Einleitungen, Jauche und anderen Düngemitteln usw.) was bestehende Populationen schwächen oder auslöschen kann.&lt;br /&gt;
* Eine dem Habitat nicht entsprechende fischereiliche Bewirtschaftung durch zu hohe Fischdichten in Stillgewässern oder in als Aufzuchtgewässer für Forellen genutzten Fliessgewässern. Dies bewirkt einen zu starken Frassdruck auf die Flusskrebsfauna. Eine weitere Gefährdungsursache ist die systematische Störung des Habitats durch Anwendung von Elektrofanggeräten und die ständige Begehung des Gewässers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS05_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses strukturarme Gewässer bietet Flusskrebsen keinen Lebensraum&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS06_Insektizide_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft führt zu Verunreinigungen in den Gewässern und gefährdet u. a. die einheimischen Flusskrebse.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Invasive Krebse ==&lt;br /&gt;
In den nächsten Jahren könnten, neben den bereits vier vorhandenen, weitere invasive Krebsarten Probleme bereiten (siehe [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch, «Weitere zu erwartende Arten»])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 19_Kalikokrebs_(Oronyctes_immunis)_Foto_Karsten_Grabow_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der [http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/115831/01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf?command=downloadContent&amp;amp;filename=01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf Kalikokrebs (''Orconectes immunis'')] (en allemand) kommt momentan in der Schweiz noch nicht vor, bereitet aber bereits in der Oberrheinischen Tiefebene Probleme&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebspest ==&lt;br /&gt;
Die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] informiert auf ihrer Webseite über die [http://www.flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm Krebspest] und hat dazu mehrere [http://www.flusskrebse.ch/de_projekte.htm Merkblätter].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Verhinderung der Krebspestverbreitung - Was jeder Einzelne tun kann''' &lt;br /&gt;
(Quellen: [http://flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm flusskrebse.ch] und [https://www.waldwissen.net/wald/tiere/insekten_wirbellose/fva_flusskrebse/index_DE www.waldwissen.net]):&lt;br /&gt;
* Alle Gegenstände, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind, sollen keimfrei gemacht werden bevor ein Flusskrebsgewässer betreten wird. &lt;br /&gt;
* Eine Desinfektion ist zwingend notwendig, wenn zwischen verschiedenen Gewässern oder Gewässerabschnitten gewechselt wird.&lt;br /&gt;
* Desinfizieren:&lt;br /&gt;
** Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. desinfizieren&lt;br /&gt;
** Wenn Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. eine glatte Oberfläche aufweisen, genügt das Abtrocknen lassen und Lagern bei mind. 25°C während 24 Stunden. Feuchtigkeitsnester, zum Beispiel Schlammreste im Profil von Stiefeln, sind vorgängig zu entfernen.&lt;br /&gt;
** Auch ein Erhitzen auf mind. 60 °C (am besten Abkochen) für 5 Minuten oder Einfrieren bei -20 °C für mindestens zwei Tage tötet die Erregersporen ab.&lt;br /&gt;
** Desinfektion mit Natriumhypochlorit oder Peressigsäure. Die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] empfiehlt die Verwendung von VirkonS oder Wofasteril. Bezugsquelle für VirkonS (Wirkstoff Natriumhypochlorit): [http://www.arovet.ch/ www.arovet.ch]; Bezugsquelle für Wofasteril (Wirkstoff Peressigsäure): [http://www.hygline.ch/reinigen-und-desinfizieren/landwirtschaft/schafe-ziegen/stall/desinfektionsmittel/ www.hygline.ch], &lt;br /&gt;
** Schlecht trocknende Gegenstände sind mindestens 14 Tage bei 25°C zu lagern. &lt;br /&gt;
* Von der Verwendung von Stiefeln mit Filzsohlen ist abzuraten, da diese sehr schlecht trocknen.&lt;br /&gt;
* Um eine Verschleppung zu vermeiden, ist auf das Aussetzen von Besatzfischen aus Krebspestgewässern zu verzichten, da diese auch Zoosporen mittragen können. / Pour éviter la propagation de la maladie, il convient de ne plus lâcher de poissons de repeuplement provenant d’eaux infestées par la peste de l’écrevisse car ils peuvent être aussi porteurs de zoospores.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen mit detaillierten Angaben siehe [http://flusskrebse.ch/de_projekte.htm  Merkblatt «Verhinderung der Krebspestverbreitung»].&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Krebspest_Peter_Jean_Richard.jpg&lt;br /&gt;
| text = Von der Krebspest befallener bereits toter Galizischer Sumpfkrebs (''Astacus leptodactylus'').&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wissenslücken=&lt;br /&gt;
* Aktuelles Wissen über die Bestandessituation in der Schweiz&lt;br /&gt;
* Vorkommen der Krebspest in der Schweiz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele=&lt;br /&gt;
* Unter [http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm] sind diverse Projektberichte und -beschriebe aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Links = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Links ==&lt;br /&gt;
* [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]&lt;br /&gt;
* [http://www.forum-flusskrebse.org/ forum flusskrebse]: Das Forum Flusskrebse ist ein Zusammenschluss verschiedener deutschsprachiger Flusskrebsspezialisten, welche international agieren und Tagungen organisieren. Vor allem Interessant für Personen, die sich tiefergreifend mit der Materie auseinandersetzen und dem Netzwerk beitreten wollen. &lt;br /&gt;
* Informationen zu den Flusskrebsen auf der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/fauna-der-schweiz/flusskrebse.html Webseite des CSCF] &lt;br /&gt;
** Neben allgemeinen Informationen zu Krebsen können als wichtiger Service Daten abgefragt und Artenlisten erstellt werden&lt;br /&gt;
* [https://lepus.unine.ch/carto/ Kartenserver info fauna]&lt;br /&gt;
* Für Fischerei und Krebse zuständige [https://www.kvu.ch/de/adressen/jagd-fischerei Fachstellen der Kantone]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturempfehlungen= &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundlagen- und Übersichtswerke ==&lt;br /&gt;
* David M. Holdich, 2002. Biology of freshwater crayfish. Blackwell Science, Oxford.&lt;br /&gt;
* EDER, E. &amp;amp; HÖDL, W. 1998: Flusskrebse Österreichs. – Stapfia 58, Linz, pp 284.&lt;br /&gt;
* Füreder, L., 2009. Flusskrebse: Biologie, Ökologie, Gefährdung, Veröffentlichungen des Naturmuseums Südtirol, Bozen. Folio-Verlag, Wien.&lt;br /&gt;
* HAGER, J. (2003): Edelkrebse. Biologie – Zucht – Bewirtschaftung. 2., überarbeitete Auflage. − Leopold Stocker.&lt;br /&gt;
* HOFMANN, J. 1980: Die Flusskrebse.- Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, pp 110.&lt;br /&gt;
* Souty-Grosset, C., 2006. Atlas of crayfish in Europe, Collection patrimoines naturels. Publications scientifiques du Muséum national d’histoire naturelle, Paris.&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Praxisrelevante Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stucki P., Zaugg B. 2011: {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz. Artenförderung von Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Vollzug Nr. 1104: 61 S&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsliteratur ==&lt;br /&gt;
* Auf der Webseite der [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] hat es einen Bestimmungsschlüssel und eine online-Bestimmungshilfe.&lt;br /&gt;
* In Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica (Stucki, P., Zaugg, B., 2005) ist ein Bestimmungsschlüssel enthalten.&lt;br /&gt;
* Empfehlenswerter [http://www.lazbw-ffs-krebse.de/home.html Online-Bestimmungsschlüssel]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verschiedenes=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- == Aktuelle Weiterbildungsveranstaltungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://flusskrebse.ch/index.htm 4. Flusskrebssymposium, 10. September 2018, in Olten]&lt;br /&gt;
* [https://www.igfischerei.ch/index.php/programmlink/krebsseminar-2018 Krebsseminar für Einsteiger 1. September 2018 in Langnau am Albis ZH]&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Filme über Krebse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/ Netz Natur] hat zu Krebsen zwei sehenswerte Filme ausgestrahlt:&lt;br /&gt;
* Krebse sind gefrässig, wo immer sie auftauchen. Und viele sind auch selbst delikat - was ihnen immer wieder zum Verhängnis wird. Ökologisch sind sie unentbehrlich - was uns Menschen kaum bewusst ist, wenn wir nur an Delikatessen denken. «NETZ Natur» stellt deshalb Krustentiere vor - [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/krebse-das-grosse-fressen auf dem Teller und in der Natur].&lt;br /&gt;
* Verrückt, wenn sich auf den Weihnachtsinseln alljährlich 60 Millionen rote Landkrabben auf den Weg ans Meer machen. Verrückt auch, wie sich kleine Planktonkrebschen in Salinen wohlfühlen, die so salzig sind, dass dort kaum ein anderes Tier überleben kann. In einer [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/die-verrueckten verrückten Sendung] zeigt NETZ Natur die unglaubliche Vielfalt der Krebse und ihre Wichtigkeit in der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebsbeobachtungen melden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse ist es wichtig, dass Sie Ihre Beobachtungen ({{link_webfauna_cscf_de}}). Funde können auch direkt an die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz gemeldet werden ([mailto:info@kfks.ch info@kfks.ch)] ([mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]), welche sie an die Kantone weiterleitet. &lt;br /&gt;
Für eine sichere Bestimmung braucht es je ein Foto von oben und von unten mit Fokus auf Ober- und Unterseite der Scheren sowie auf die Schwanzoberseite. Im Weiteren eine Nahaufnahme von der Seite des Carapax (Bedornung bei der Nackenfurche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliches ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kap. 3 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} sind der rechtliche Status und der Schutzstatus abgehandelt.&lt;br /&gt;
Die rechtlichen Grundlagen zu den Flusskrebsen sind im [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19910137/index.html Bundesgesetz über die Fischerei] und in der dazugehörigen [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19930332/index.html Ausführungsverordnung]. Darin ist u. a. folgendes geregelt:&lt;br /&gt;
* Das Fangen von Krebsen bedarf einer Bewilligung des Fischpächters bzw. des Kantons.&lt;br /&gt;
* Die Schonzeit der einheimischen Flusskrebsarten beträgt mindestens 40 Wochen.&lt;br /&gt;
* Die Fangmindestmasse betragen für den Edelkrebs (Astacus astacus) 12 cm und für den Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) und den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) je 9 cm.&lt;br /&gt;
* Der Fang, Transport und das Aussetzen von nicht einheimischen Flusskrebsarten ist verboten bzw. bewilligungspflichtig.&lt;br /&gt;
* Das Halten von nicht einheimischen Arten im Aquarium ist bewilligungspflichtig. (Bemerkung: Bewilligungen werden nur für Ausstellungen oder zu Forschungszwecken ausgestellt.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestandserfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gute Zeit für Bestandserfassungen ist von Juli bis Oktober, ideal ist der September. Im Anhang des {{link aktionsplans flusskrebse de}} gibt es ein Felderhebungsblatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Newsletter =&lt;br /&gt;
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann melden Sie sich für unseren [https://www.biodivers.ch/index.php/newsletter-abonnieren.html monatlichen Newsletter] an und bleiben Sie informiert über aktuelle Artikel zur Förderung von Arten und Lebensräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS) hat einen Newsletter. Anmeldungen direkt an: [mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers] || info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch/ KFKS] || {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4741</id>
		<title>Flusskrebse</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4741"/>
				<updated>2025-03-07T14:47:44Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Ecrevisses]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_02_Edelkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Flusskrebse, auf dem Bild der Edelkrebs (''Astacus astacus'') sind nachtaktive Bewohner unserer Gewässer. Sie brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [http://biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch KFKS]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || August 2018&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_03_Dohlenkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes''), einer der drei einheimischen Flusskrebsarten  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei uns sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') heimisch. Sie sind nachtaktiv und leben versteckt in Fliess- und Stehgewässern verschiedener Grössen und Höhenlagen. Die Bestände gehen seit 50 Jahren stark zurück. Gründe dafür sind die Verbauung und Verschmutzung der Gewässer, die Konkurrenz durch vier eingeschleppte Flusskrebsarten und die Krebspest. Diese wird durch die ausgesetzten nordamerikanischen Flusskrebse, welche gegen den Erreger immun sind, und durch uns Menschen verbreitet. Die Sporen des Erregers werden ins Wasser abgegeben und können über nasse Gegenstände verschleppt werden.&lt;br /&gt;
Flusskrebse brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden. Sie können durch Gewässerrenaturierungen, mit dem Angebot sauberen Wassers sowie durch konsequentes Verhindern der weiteren Verbreitung der Krebspest gefördert werden. &lt;br /&gt;
Der Bund hat den {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz (2011) erarbeitet und seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen um den Schutz und die Förderung der einheimischen und Bekämpfung bzw. Ausbreitungsverhinderung der invasiven Flusskrebsarten in der Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_1_b_RdVaux_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Typisches, strukturreiches Krebsgewässer  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik und Vorkommen in der Schweiz =&lt;br /&gt;
In der Schweiz heimisch sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Neben diesen drei autochthonen Arten kommen vier eingeschleppte Arten vor: Der Galizische Sumpfkrebs oder «Galizier» (''Astacus leptodactylus''), welcher ursprünglich aus Osteuropa stammt, sowie der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (''Procambarus clarkii'') welche aus den USA eingeführt wurden. Sie gehören alle zur Ordnung der Decapoda (Zehnfusskrebse). Die einheimischen Arten sowie der Galizische Sumpfkrebs und der Signalkrebs gehören der Familie der Astacidae an, die anderen beiden der Familie der Cambaridae.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Edelkrebs 2 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Edelkrebs (''Astacus astacus'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Dohlenkrebs 2 96 dpi.png &lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie_Steinkrebs_2_96_dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse stellen innerhalb der schweizerischen Fauna einen Sonderfall dar, da mehr neobiotische als einheimische Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
=== Links und Literatur ===&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Biologie und Ökologie =&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind Allesfresser. Sie verwerten organisches Material und sind je nach Alter, Wassertemperatur und Angebot mehr herbi- oder karnivor. Gerne werden Mollusken und Wasserinsekten erbeutet. Kleinere Artgenossen oder sich in der Häutung befindliche wehrlose Flusskrebse, stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Verwesendes Aas wird von den meisten Arten nur in Ausnahmefällen gefressen. Bei feuchter Witterung wird die Nahrung ausnahmsweise (z. B. dichte Populationen oder Nahrungsmangel) auch an Land gesucht. Krebse sind «Gewässerpolizei» und «Müllabfuhr», in dem sie abgestorbene Flora und Fauna schnell beseitigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des starren Exoskeletts können Krebse nur wachsen, in dem sie sich häuten. Jungkrebse häuten sich häufig, junge Edelkrebse im 1. Jahr bis zu 10 Mal, als Adulte noch ca. 2 Mal pro Jahr. Die Vorbereitung zur Häutung dauert beim erwachsenen Krebs ca. 1 Woche, die Aushärtung danach ca. 3 bis 4 Tage. Bei Jungkrebsen verläuft der Zyklus wesentlich rascher. Bis zur Aushärtung des neuen Panzers ist der Krebs sehr weich («Butterkrebs») und somit verletzlich. Der Zeitpunkt der Häutung ist altersklassenmässig synchronisiert (vermindert Kannibalismus).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt im Herbst. Das Weibchen befestigt die befruchteten Eier auf der Unterseite des Abdomens (Schwanzteil) und betreibt intensive Brutpflege. Die Larven schlüpfen je nach Wassertemperatur Ende Mai bis Mitte Juli. 7 bis 10 Tage nach dem Schlüpfen erfolgt die erste Häutung. Nach ein paar weiteren Tagen verlassen die Jungtiere die Mutter. Die Weibchen leben während der ganzen Brutzeit zurückgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivität von Flusskrebsen ist von November/Dezember bis zum Frühjahr sehr gering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krebse sind auf eine reiche Strukturierung insbesondere des Uferbereichs angewiesen (Wurzelstöcke, steile Böschungen, grosse Steine). Wie der ideale Lebensraum gestaltet ist, ist im [[Media:Flusskrebs-DE.pdf|Flyer des Kantons Bern]] dargestellt. Krebse sind sehr empfindlich gegenüber Pestiziden (Pflanzenschutzmitteln), besonders Insektiziden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In sehr kalkarmen und sehr kalkreichen Gewässern können Krebse nicht leben. Im einten Fall steht für das Skelett zu wenig Kalk zur Verfügung, im anderen kommt es zu Kalkablagerungen auf dem Panzer (Versinterung), welche bei langem Häutungsintervall die Häutung verunmöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zu Biologie und Ökologie der Flusskrebse sind in «Decapoda» (Stucki &amp;amp; Zaugg 2005) zusammengefasst. Auf [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch] sind kurze Artenporträts aufgeschaltet. Umfangreiche Angaben findet man in «Edelkrebse: Biologie - Zucht – Bewirtschaftung» (Hager 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Abb03_Junge_Dohlenkrebse_(c)_Peter_Jean-Richard_zugeschnitten_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Junge Krebse (im Bild Dohlenkrebse) sind «Miniaturausgaben» der Erwachsenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
Seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]. Sie ist Anlaufstelle und hat beratende und koordinierende Funktion. Wer sich vertieft mit dem Schutz und der Förderung der einheimischen Flusskrebse auseinandersetzen möchte, dem sind die Informationen auf der Webseite und die Lektüre des {{link aktionsplans flusskrebse de}} zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strategie für die einheimischen Flusskrebse gemäss  {{link aktionsplan flusskrebse de}} verfolgt zwei hauptsächliche Ziele; einerseits den Schutz der einheimischen Populationen und andererseits die Bekämpfung und Eingrenzung der Bestände fremder Flusskrebsarten. &lt;br /&gt;
Nachfolgend wird auf ausgewählte Massnahmen eingegangen. Die vollständigen Informationen sind im Kapitel 6 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Renaturierung von Gewässern] sollen die Uferbereiche gut strukturiert werden. Krebse müssen Höhlen graben und sich verstecken können (unter Wurzeln oder Steinen). Dazu eignen sich besonders steile Böschungen. Fliessgewässer sollen unterschiedliche Strömungsverhältnisse (natürliche Abfolgen von Abschnitten mit starker und schwacher/keiner Strömung) aufweisen, welche geeignete Habitate und genügend Nahrung bieten (siehe Flyer des Kantons Bern [http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur/fischerei/aktuell.assetref/dam/documents/VOL/LANAT/de/Natur/Fischerei/RenF/DE_Flusskrebse_gzd.pdf «Lebensraum für Flusskrebse, Umgang bei Wasserbauprojekten»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki3_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Der Westerbach im Kanton Aargau mit harter Bachverbauung…&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki2_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = … welche in einem Projekt der Jagd- und Fischereiverwaltung Kanton Aargau zur Förderung des Dohlenkrebses (''Austropotamobius pallipes'') 2005 einseitig entfernt und das Gewässer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung#Ingenieurbiologische_Massnahmen_im_Bachbett_.28instream.29 instream] strukturiert wurde.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhaltsarbeiten und Bauprojekte in Gewässern müssen durch die für die Fischerei zuständige kantonale Behörde genehmigt und begleitet werden. Sie bestimmt die zu treffenden Schutzmassnahmen. Folgende Vorsichtsmassnahmen müssen getroffen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ausbaggerungen der Sohle zeitlich staffeln (abschnittweises Baggern). Ev. tiefere Bereiche («Pools») oder Feuchtzonen als Rückzugsgebiete anlegen.&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt auf das Minimum beschränken, keine Bäume fällen (mit gewissen Ausnahmen siehe «{{link aktionsplans flusskrebse de}}»; falls Bäume gefällt werden müssen, die Strünke belassen)&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt muss selektiv erfolgen&lt;br /&gt;
* Kein Befahren des Bachbetts mit Maschinen&lt;br /&gt;
* Im nicht bestockten Bereich abschnittweiser Böschungsunterhalt, Gestrüpp belassen.&lt;br /&gt;
* Das Stau- und Totholz darf nicht gänzlich aus dem Bett entfernt werden.&lt;br /&gt;
* Im Wald&lt;br /&gt;
** Die Bäume vom Gewässer weg fällen&lt;br /&gt;
** Astmaterial nicht im Gewässer und am Ufer ablagern (Gefahr der Versauerung des Gewässers)&lt;br /&gt;
** Das Gewässer nicht mit Maschinen befahren&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft&lt;br /&gt;
** Keine Beweidung der Ufer und des Bachbetts&lt;br /&gt;
** Keinen Zugang zum Gewässer als Viehtränke schaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Kantone haben Erfahrungen mit der Aufzucht und dem Aussetzen einheimischer Krebse, so zum Beispiel der Kanton Aargau mit [https://www.ag.ch/umwelt-aargau/pdf/UAG_54_39.pdf Dohlen- und Steinkrebsen]. Wichtig dabei ist, dass die Genetik berücksichtigt wird und somit nur Tiere aus dem gleichen Einzugsgebiet für Aufzucht bzw. Besatz verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Waldbewirtschaftung_entlang_Bach_96_dpi.PNG&lt;br /&gt;
| text = Entlang von Bächen im Wald ist es wichtig, das Gewässer bei der Bewirtschaftung zu schonen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_6_c_Cuarny_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Massnahmen gegen Schwebstoffbelastungen in einem Gewässer bei Cuarny VD. Dies ist bei allen Arbeiten in Gewässern wichtig. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktivitäten/Massnahmen der Kantone ==&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten der Kantone für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse sind auf der Webseite der [http://www.flusskrebse.ch/de_massnahmen.htm Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz] aufgelistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Alle drei heimischen Arten gehören zu den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten national prioritären Arten]]. Der Edelkrebs hat 2. Priorität, die anderen beiden haben die höchste Priorität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Datenbank des Projekts «Virtual Data Center VDC» werden seit 2014 die Fundorte sämtlicher Organismengruppen eingespeist, um sie bei naturschutzrelevanten Projekten berücksichtigen zu können. Mit der Datenbank sollen insbesondere die Bedürfnisse der kantonalen Fachstellen abgedeckt werden. Diese Daten sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung=&lt;br /&gt;
== Rote Listen ==&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind gefährdet (Edelkrebs) oder stark gefährdet (Steinkrebs und Dohlenkrebs)&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;small&amp;gt;Quelle: {{link aktionsplan flusskrebse de}}&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Gefährdungen == &lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_10_Kamberkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), einer der vier eingeschleppten invasiven Flusskrebsarten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
''Die Inhalte dieses Kapitels wurden aus dem {{link aktionsplan flusskrebse de}} übernommen.''&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit mehreren Jahrzehnten nehmen die Bestände einheimischer Flusskrebsarten ab; etwas langsamer im Falle des Edelkrebses (''Astacus astacus'') und stark im Falle von Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Zahlreiche Populationen sind bereits vollständig verschwunden und oft bestehen Bestände nur aus geografisch isolierten Reliktpopulationen, hauptsächlich in Oberläufen und Teichen. Dieser Rückgang geht einher mit der Ausbreitung der nicht-einheimischer Arten, die sich mit Ausnahme des Galizierkrebses (''Astacus leptodactylus'') zudem Krebspest-Träger sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hauptsächlichen Gründe des Rückgangs der einheimischen Krebse sind: &lt;br /&gt;
* Konkurrenz durch eingeführte fremde Flusskrebsarten, die weniger empfindlich auf die verschlechterten Umweltbedingungen reagieren, höhere Wachstumsraten und Fruchtbarkeit aufweisen und auch aggressiver sind. &lt;br /&gt;
* Die in der Schweiz meldepflichtige Seuche «Krebspest» (''Aphanomyces astaci''). Die Verbreitung dieses Erregers erfolgt durch amerikanische Flusskrebsarten, welche latente Träger sind, sowie durch den Menschen mit kontaminiertem Material (z. B. Fischereigeräte oder -stiefel, Versetzen infizierter Flusskrebse).&lt;br /&gt;
* Fliessgewässerkorrektionen und Uferverbauungen führen zu einer Monotonisierung der Strömungsverhältnisse und einer Vereinheitlichung der Ökomorphologie, wodurch Unterstände und für Flusskrebse geeignete Habitate verschwinden.&lt;br /&gt;
* Lokal schlechte Wasserqualität aufgrund punktueller oder chronischer Verschmutzungen (z. B. Mikroverunreinigungen, Pestizide, Industrieunfälle, ARA-Einleitungen, Jauche und anderen Düngemitteln usw.) was bestehende Populationen schwächen oder auslöschen kann.&lt;br /&gt;
* Eine dem Habitat nicht entsprechende fischereiliche Bewirtschaftung durch zu hohe Fischdichten in Stillgewässern oder in als Aufzuchtgewässer für Forellen genutzten Fliessgewässern. Dies bewirkt einen zu starken Frassdruck auf die Flusskrebsfauna. Eine weitere Gefährdungsursache ist die systematische Störung des Habitats durch Anwendung von Elektrofanggeräten und die ständige Begehung des Gewässers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS05_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses strukturarme Gewässer bietet Flusskrebsen keinen Lebensraum&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS06_Insektizide_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft führt zu Verunreinigungen in den Gewässern und gefährdet u. a. die einheimischen Flusskrebse.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Invasive Krebse ==&lt;br /&gt;
In den nächsten Jahren könnten, neben den bereits vier vorhandenen, weitere invasive Krebsarten Probleme bereiten (siehe [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch, «Weitere zu erwartende Arten»])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 19_Kalikokrebs_(Oronyctes_immunis)_Foto_Karsten_Grabow_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der [http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/115831/01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf?command=downloadContent&amp;amp;filename=01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf Kalikokrebs (''Orconectes immunis'')] (en allemand) kommt momentan in der Schweiz noch nicht vor, bereitet aber bereits in der Oberrheinischen Tiefebene Probleme&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebspest ==&lt;br /&gt;
Die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] informiert auf ihrer Webseite über die [http://www.flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm Krebspest] und hat dazu mehrere [http://www.flusskrebse.ch/de_projekte.htm Merkblätter].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Verhinderung der Krebspestverbreitung - Was jeder Einzelne tun kann''' &lt;br /&gt;
(Quellen: [http://flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm flusskrebse.ch] und [https://www.waldwissen.net/wald/tiere/insekten_wirbellose/fva_flusskrebse/index_DE www.waldwissen.net]):&lt;br /&gt;
* Alle Gegenstände, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind, sollen keimfrei gemacht werden bevor ein Flusskrebsgewässer betreten wird. &lt;br /&gt;
* Eine Desinfektion ist zwingend notwendig, wenn zwischen verschiedenen Gewässern oder Gewässerabschnitten gewechselt wird.&lt;br /&gt;
* Desinfizieren:&lt;br /&gt;
** Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. desinfizieren&lt;br /&gt;
** Wenn Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. eine glatte Oberfläche aufweisen, genügt das Abtrocknen lassen und Lagern bei mind. 25°C während 24 Stunden. Feuchtigkeitsnester, zum Beispiel Schlammreste im Profil von Stiefeln, sind vorgängig zu entfernen.&lt;br /&gt;
** Auch ein Erhitzen auf mind. 60 °C (am besten Abkochen) für 5 Minuten oder Einfrieren bei -20 °C für mindestens zwei Tage tötet die Erregersporen ab.&lt;br /&gt;
** Desinfektion mit Natriumhypochlorit oder Peressigsäure. Die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] empfiehlt die Verwendung von VirkonS oder Wofasteril. Bezugsquelle für VirkonS (Wirkstoff Natriumhypochlorit): [http://www.arovet.ch/ www.arovet.ch]; Bezugsquelle für Wofasteril (Wirkstoff Peressigsäure): [http://www.hygline.ch/reinigen-und-desinfizieren/landwirtschaft/schafe-ziegen/stall/desinfektionsmittel/ www.hygline.ch], &lt;br /&gt;
** Schlecht trocknende Gegenstände sind mindestens 14 Tage bei 25°C zu lagern. &lt;br /&gt;
* Von der Verwendung von Stiefeln mit Filzsohlen ist abzuraten, da diese sehr schlecht trocknen.&lt;br /&gt;
* Um eine Verschleppung zu vermeiden, ist auf das Aussetzen von Besatzfischen aus Krebspestgewässern zu verzichten, da diese auch Zoosporen mittragen können. / Pour éviter la propagation de la maladie, il convient de ne plus lâcher de poissons de repeuplement provenant d’eaux infestées par la peste de l’écrevisse car ils peuvent être aussi porteurs de zoospores.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen mit detaillierten Angaben siehe [http://flusskrebse.ch/de_projekte.htm  Merkblatt «Verhinderung der Krebspestverbreitung»].&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Krebspest_Peter_Jean_Richard.jpg&lt;br /&gt;
| text = Von der Krebspest befallener bereits toter Galizischer Sumpfkrebs (''Astacus leptodactylus'').&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wissenslücken=&lt;br /&gt;
* Aktuelles Wissen über die Bestandessituation in der Schweiz&lt;br /&gt;
* Vorkommen der Krebspest in der Schweiz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele=&lt;br /&gt;
* Unter [http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm] sind diverse Projektberichte und -beschriebe aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Links = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Links ==&lt;br /&gt;
* [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]&lt;br /&gt;
* [http://www.forum-flusskrebse.org/ forum flusskrebse]: Das Forum Flusskrebse ist ein Zusammenschluss verschiedener deutschsprachiger Flusskrebsspezialisten, welche international agieren und Tagungen organisieren. Vor allem Interessant für Personen, die sich tiefergreifend mit der Materie auseinandersetzen und dem Netzwerk beitreten wollen. &lt;br /&gt;
* Informationen zu den Flusskrebsen auf der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/fauna-der-schweiz/flusskrebse.html Webseite des CSCF] &lt;br /&gt;
** Neben allgemeinen Informationen zu Krebsen können als wichtiger Service Daten abgefragt und Artenlisten erstellt werden&lt;br /&gt;
* [https://lepus.unine.ch/carto/ Kartenserver info fauna]&lt;br /&gt;
* Für Fischerei und Krebse zuständige [https://www.kvu.ch/de/adressen/jagd-fischerei Fachstellen der Kantone]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturempfehlungen= &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundlagen- und Übersichtswerke ==&lt;br /&gt;
* David M. Holdich, 2002. Biology of freshwater crayfish. Blackwell Science, Oxford.&lt;br /&gt;
* EDER, E. &amp;amp; HÖDL, W. 1998: Flusskrebse Österreichs. – Stapfia 58, Linz, pp 284.&lt;br /&gt;
* Füreder, L., 2009. Flusskrebse: Biologie, Ökologie, Gefährdung, Veröffentlichungen des Naturmuseums Südtirol, Bozen. Folio-Verlag, Wien.&lt;br /&gt;
* HAGER, J. (2003): Edelkrebse. Biologie – Zucht – Bewirtschaftung. 2., überarbeitete Auflage. − Leopold Stocker.&lt;br /&gt;
* HOFMANN, J. 1980: Die Flusskrebse.- Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, pp 110.&lt;br /&gt;
* Souty-Grosset, C., 2006. Atlas of crayfish in Europe, Collection patrimoines naturels. Publications scientifiques du Muséum national d’histoire naturelle, Paris.&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Praxisrelevante Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stucki P., Zaugg B. 2011: {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz. Artenförderung von Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Vollzug Nr. 1104: 61 S&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsliteratur ==&lt;br /&gt;
* Auf der Webseite der [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] hat es einen Bestimmungsschlüssel und eine online-Bestimmungshilfe.&lt;br /&gt;
* In Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica (Stucki, P., Zaugg, B., 2005) ist ein Bestimmungsschlüssel enthalten.&lt;br /&gt;
* Empfehlenswerter [http://www.lazbw-ffs-krebse.de/home.html Online-Bestimmungsschlüssel]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verschiedenes=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- == Aktuelle Weiterbildungsveranstaltungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://flusskrebse.ch/index.htm 4. Flusskrebssymposium, 10. September 2018, in Olten]&lt;br /&gt;
* [https://www.igfischerei.ch/index.php/programmlink/krebsseminar-2018 Krebsseminar für Einsteiger 1. September 2018 in Langnau am Albis ZH]&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Filme über Krebse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/ Netz Natur] hat zu Krebsen zwei sehenswerte Filme ausgestrahlt:&lt;br /&gt;
* Krebse sind gefrässig, wo immer sie auftauchen. Und viele sind auch selbst delikat - was ihnen immer wieder zum Verhängnis wird. Ökologisch sind sie unentbehrlich - was uns Menschen kaum bewusst ist, wenn wir nur an Delikatessen denken. «NETZ Natur» stellt deshalb Krustentiere vor - [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/krebse-das-grosse-fressen auf dem Teller und in der Natur].&lt;br /&gt;
* Verrückt, wenn sich auf den Weihnachtsinseln alljährlich 60 Millionen rote Landkrabben auf den Weg ans Meer machen. Verrückt auch, wie sich kleine Planktonkrebschen in Salinen wohlfühlen, die so salzig sind, dass dort kaum ein anderes Tier überleben kann. In einer [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/die-verrueckten verrückten Sendung] zeigt NETZ Natur die unglaubliche Vielfalt der Krebse und ihre Wichtigkeit in der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebsbeobachtungen melden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse ist es wichtig, dass Sie Ihre Beobachtungen ({{link_webfauna_cscf_de}}). Funde können auch direkt an die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz gemeldet werden ([mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]), welche sie an die Kantone weiterleitet. &lt;br /&gt;
Für eine sichere Bestimmung braucht es je ein Foto von oben und von unten mit Fokus auf Ober- und Unterseite der Scheren sowie auf die Schwanzoberseite. Im Weiteren eine Nahaufnahme von der Seite des Carapax (Bedornung bei der Nackenfurche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliches ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kap. 3 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} sind der rechtliche Status und der Schutzstatus abgehandelt.&lt;br /&gt;
Die rechtlichen Grundlagen zu den Flusskrebsen sind im [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19910137/index.html Bundesgesetz über die Fischerei] und in der dazugehörigen [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19930332/index.html Ausführungsverordnung]. Darin ist u. a. folgendes geregelt:&lt;br /&gt;
* Das Fangen von Krebsen bedarf einer Bewilligung des Fischpächters bzw. des Kantons.&lt;br /&gt;
* Die Schonzeit der einheimischen Flusskrebsarten beträgt mindestens 40 Wochen.&lt;br /&gt;
* Die Fangmindestmasse betragen für den Edelkrebs (Astacus astacus) 12 cm und für den Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) und den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) je 9 cm.&lt;br /&gt;
* Der Fang, Transport und das Aussetzen von nicht einheimischen Flusskrebsarten ist verboten bzw. bewilligungspflichtig.&lt;br /&gt;
* Das Halten von nicht einheimischen Arten im Aquarium ist bewilligungspflichtig. (Bemerkung: Bewilligungen werden nur für Ausstellungen oder zu Forschungszwecken ausgestellt.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestandserfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gute Zeit für Bestandserfassungen ist von Juli bis Oktober, ideal ist der September. Im Anhang des {{link aktionsplans flusskrebse de}} gibt es ein Felderhebungsblatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS) hat einen Newsletter. Anmeldungen direkt an: [mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers] || info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch/ KFKS] || {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

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		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4740</id>
		<title>Flusskrebse</title>
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				<updated>2025-03-07T14:43:54Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Ecrevisses]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_02_Edelkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Flusskrebse, auf dem Bild der Edelkrebs (''Astacus astacus'') sind nachtaktive Bewohner unserer Gewässer. Sie brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [http://biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch KFKS]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || August 2018&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_03_Dohlenkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes''), einer der drei einheimischen Flusskrebsarten  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei uns sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') heimisch. Sie sind nachtaktiv und leben versteckt in Fliess- und Stehgewässern verschiedener Grössen und Höhenlagen. Die Bestände gehen seit 50 Jahren stark zurück. Gründe dafür sind die Verbauung und Verschmutzung der Gewässer, die Konkurrenz durch vier eingeschleppte Flusskrebsarten und die Krebspest. Diese wird durch die ausgesetzten nordamerikanischen Flusskrebse, welche gegen den Erreger immun sind, und durch uns Menschen verbreitet. Die Sporen des Erregers werden ins Wasser abgegeben und können über nasse Gegenstände verschleppt werden.&lt;br /&gt;
Flusskrebse brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden. Sie können durch Gewässerrenaturierungen, mit dem Angebot sauberen Wassers sowie durch konsequentes Verhindern der weiteren Verbreitung der Krebspest gefördert werden. &lt;br /&gt;
Der Bund hat den {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz (2011) erarbeitet und seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen um den Schutz und die Förderung der einheimischen und Bekämpfung bzw. Ausbreitungsverhinderung der invasiven Flusskrebsarten in der Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_1_b_RdVaux_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Typisches, strukturreiches Krebsgewässer  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik und Vorkommen in der Schweiz =&lt;br /&gt;
In der Schweiz heimisch sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Neben diesen drei autochthonen Arten kommen vier eingeschleppte Arten vor: Der Galizische Sumpfkrebs oder «Galizier» (''Astacus leptodactylus''), welcher ursprünglich aus Osteuropa stammt, sowie der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (''Procambarus clarkii'') welche aus den USA eingeführt wurden. Sie gehören alle zur Ordnung der Decapoda (Zehnfusskrebse). Die einheimischen Arten sowie der Galizische Sumpfkrebs und der Signalkrebs gehören der Familie der Astacidae an, die anderen beiden der Familie der Cambaridae.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Edelkrebs 2 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Edelkrebs (''Astacus astacus'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Dohlenkrebs 2 96 dpi.png &lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie_Steinkrebs_2_96_dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse stellen innerhalb der schweizerischen Fauna einen Sonderfall dar, da mehr neobiotische als einheimische Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
=== Links und Literatur ===&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Biologie und Ökologie =&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind Allesfresser. Sie verwerten organisches Material und sind je nach Alter, Wassertemperatur und Angebot mehr herbi- oder karnivor. Gerne werden Mollusken und Wasserinsekten erbeutet. Kleinere Artgenossen oder sich in der Häutung befindliche wehrlose Flusskrebse, stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Verwesendes Aas wird von den meisten Arten nur in Ausnahmefällen gefressen. Bei feuchter Witterung wird die Nahrung ausnahmsweise (z. B. dichte Populationen oder Nahrungsmangel) auch an Land gesucht. Krebse sind «Gewässerpolizei» und «Müllabfuhr», in dem sie abgestorbene Flora und Fauna schnell beseitigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des starren Exoskeletts können Krebse nur wachsen, in dem sie sich häuten. Jungkrebse häuten sich häufig, junge Edelkrebse im 1. Jahr bis zu 10 Mal, als Adulte noch ca. 2 Mal pro Jahr. Die Vorbereitung zur Häutung dauert beim erwachsenen Krebs ca. 1 Woche, die Aushärtung danach ca. 3 bis 4 Tage. Bei Jungkrebsen verläuft der Zyklus wesentlich rascher. Bis zur Aushärtung des neuen Panzers ist der Krebs sehr weich («Butterkrebs») und somit verletzlich. Der Zeitpunkt der Häutung ist altersklassenmässig synchronisiert (vermindert Kannibalismus).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt im Herbst. Das Weibchen befestigt die befruchteten Eier auf der Unterseite des Abdomens (Schwanzteil) und betreibt intensive Brutpflege. Die Larven schlüpfen je nach Wassertemperatur Ende Mai bis Mitte Juli. 7 bis 10 Tage nach dem Schlüpfen erfolgt die erste Häutung. Nach ein paar weiteren Tagen verlassen die Jungtiere die Mutter. Die Weibchen leben während der ganzen Brutzeit zurückgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivität von Flusskrebsen ist von November/Dezember bis zum Frühjahr sehr gering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krebse sind auf eine reiche Strukturierung insbesondere des Uferbereichs angewiesen (Wurzelstöcke, steile Böschungen, grosse Steine). Wie der ideale Lebensraum gestaltet ist, ist im [[Media:Flusskrebs-DE.pdf|Flyer des Kantons Bern]] dargestellt. Krebse sind sehr empfindlich gegenüber Pestiziden (Pflanzenschutzmitteln), besonders Insektiziden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In sehr kalkarmen und sehr kalkreichen Gewässern können Krebse nicht leben. Im einten Fall steht für das Skelett zu wenig Kalk zur Verfügung, im anderen kommt es zu Kalkablagerungen auf dem Panzer (Versinterung), welche bei langem Häutungsintervall die Häutung verunmöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zu Biologie und Ökologie der Flusskrebse sind in «Decapoda» (Stucki &amp;amp; Zaugg 2005) zusammengefasst. Auf [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch] sind kurze Artenporträts aufgeschaltet. Umfangreiche Angaben findet man in «Edelkrebse: Biologie - Zucht – Bewirtschaftung» (Hager 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Abb03_Junge_Dohlenkrebse_(c)_Peter_Jean-Richard_zugeschnitten_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Junge Krebse (im Bild Dohlenkrebse) sind «Miniaturausgaben» der Erwachsenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
Seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]. Sie ist Anlaufstelle und hat beratende und koordinierende Funktion. Wer sich vertieft mit dem Schutz und der Förderung der einheimischen Flusskrebse auseinandersetzen möchte, dem sind die Informationen auf der Webseite und die Lektüre des {{link aktionsplans flusskrebse de}} zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strategie für die einheimischen Flusskrebse gemäss  {{link aktionsplan flusskrebse de}} verfolgt zwei hauptsächliche Ziele; einerseits den Schutz der einheimischen Populationen und andererseits die Bekämpfung und Eingrenzung der Bestände fremder Flusskrebsarten. &lt;br /&gt;
Nachfolgend wird auf ausgewählte Massnahmen eingegangen. Die vollständigen Informationen sind im Kapitel 6 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Renaturierung von Gewässern] sollen die Uferbereiche gut strukturiert werden. Krebse müssen Höhlen graben und sich verstecken können (unter Wurzeln oder Steinen). Dazu eignen sich besonders steile Böschungen. Fliessgewässer sollen unterschiedliche Strömungsverhältnisse (natürliche Abfolgen von Abschnitten mit starker und schwacher/keiner Strömung) aufweisen, welche geeignete Habitate und genügend Nahrung bieten (siehe Flyer des Kantons Bern [http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur/fischerei/aktuell.assetref/dam/documents/VOL/LANAT/de/Natur/Fischerei/RenF/DE_Flusskrebse_gzd.pdf «Lebensraum für Flusskrebse, Umgang bei Wasserbauprojekten»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki3_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Der Westerbach im Kanton Aargau mit harter Bachverbauung…&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki2_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = … welche in einem Projekt der Jagd- und Fischereiverwaltung Kanton Aargau zur Förderung des Dohlenkrebses (''Austropotamobius pallipes'') 2005 einseitig entfernt und das Gewässer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung#Ingenieurbiologische_Massnahmen_im_Bachbett_.28instream.29 instream] strukturiert wurde.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhaltsarbeiten und Bauprojekte in Gewässern müssen durch die für die Fischerei zuständige kantonale Behörde genehmigt und begleitet werden. Sie bestimmt die zu treffenden Schutzmassnahmen. Folgende Vorsichtsmassnahmen müssen getroffen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ausbaggerungen der Sohle zeitlich staffeln (abschnittweises Baggern). Ev. tiefere Bereiche («Pools») oder Feuchtzonen als Rückzugsgebiete anlegen.&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt auf das Minimum beschränken, keine Bäume fällen (mit gewissen Ausnahmen siehe «{{link aktionsplans flusskrebse de}}»; falls Bäume gefällt werden müssen, die Strünke belassen)&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt muss selektiv erfolgen&lt;br /&gt;
* Kein Befahren des Bachbetts mit Maschinen&lt;br /&gt;
* Im nicht bestockten Bereich abschnittweiser Böschungsunterhalt, Gestrüpp belassen.&lt;br /&gt;
* Das Stau- und Totholz darf nicht gänzlich aus dem Bett entfernt werden.&lt;br /&gt;
* Im Wald&lt;br /&gt;
** Die Bäume vom Gewässer weg fällen&lt;br /&gt;
** Astmaterial nicht im Gewässer und am Ufer ablagern (Gefahr der Versauerung des Gewässers)&lt;br /&gt;
** Das Gewässer nicht mit Maschinen befahren&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft&lt;br /&gt;
** Keine Beweidung der Ufer und des Bachbetts&lt;br /&gt;
** Keinen Zugang zum Gewässer als Viehtränke schaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Kantone haben Erfahrungen mit der Aufzucht und dem Aussetzen einheimischer Krebse, so zum Beispiel der Kanton Aargau mit [https://www.ag.ch/umwelt-aargau/pdf/UAG_54_39.pdf Dohlen- und Steinkrebsen]. Wichtig dabei ist, dass die Genetik berücksichtigt wird und somit nur Tiere aus dem gleichen Einzugsgebiet für Aufzucht bzw. Besatz verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Waldbewirtschaftung_entlang_Bach_96_dpi.PNG&lt;br /&gt;
| text = Entlang von Bächen im Wald ist es wichtig, das Gewässer bei der Bewirtschaftung zu schonen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_6_c_Cuarny_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Massnahmen gegen Schwebstoffbelastungen in einem Gewässer bei Cuarny VD. Dies ist bei allen Arbeiten in Gewässern wichtig. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktivitäten/Massnahmen der Kantone ==&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten der Kantone für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse sind auf der Webseite der [http://www.flusskrebse.ch/de_massnahmen.htm Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz] aufgelistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Alle drei heimischen Arten gehören zu den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten national prioritären Arten]]. Der Edelkrebs hat 2. Priorität, die anderen beiden haben die höchste Priorität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Datenbank des Projekts «Virtual Data Center VDC» werden seit 2014 die Fundorte sämtlicher Organismengruppen eingespeist, um sie bei naturschutzrelevanten Projekten berücksichtigen zu können. Mit der Datenbank sollen insbesondere die Bedürfnisse der kantonalen Fachstellen abgedeckt werden. Diese Daten sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung=&lt;br /&gt;
== Rote Listen ==&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind gefährdet (Edelkrebs) oder stark gefährdet (Steinkrebs und Dohlenkrebs)&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;small&amp;gt;Quelle: {{link aktionsplan flusskrebse de}}&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Gefährdungen == &lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_10_Kamberkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), einer der vier eingeschleppten invasiven Flusskrebsarten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
''Die Inhalte dieses Kapitels wurden aus dem {{link aktionsplan flusskrebse de}} übernommen.''&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit mehreren Jahrzehnten nehmen die Bestände einheimischer Flusskrebsarten ab; etwas langsamer im Falle des Edelkrebses (''Astacus astacus'') und stark im Falle von Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Zahlreiche Populationen sind bereits vollständig verschwunden und oft bestehen Bestände nur aus geografisch isolierten Reliktpopulationen, hauptsächlich in Oberläufen und Teichen. Dieser Rückgang geht einher mit der Ausbreitung der nicht-einheimischer Arten, die sich mit Ausnahme des Galizierkrebses (''Astacus leptodactylus'') zudem Krebspest-Träger sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hauptsächlichen Gründe des Rückgangs der einheimischen Krebse sind: &lt;br /&gt;
* Konkurrenz durch eingeführte fremde Flusskrebsarten, die weniger empfindlich auf die verschlechterten Umweltbedingungen reagieren, höhere Wachstumsraten und Fruchtbarkeit aufweisen und auch aggressiver sind. &lt;br /&gt;
* Die in der Schweiz meldepflichtige Seuche «Krebspest» (''Aphanomyces astaci''). Die Verbreitung dieses Erregers erfolgt durch amerikanische Flusskrebsarten, welche latente Träger sind, sowie durch den Menschen mit kontaminiertem Material (z. B. Fischereigeräte oder -stiefel, Versetzen infizierter Flusskrebse).&lt;br /&gt;
* Fliessgewässerkorrektionen und Uferverbauungen führen zu einer Monotonisierung der Strömungsverhältnisse und einer Vereinheitlichung der Ökomorphologie, wodurch Unterstände und für Flusskrebse geeignete Habitate verschwinden.&lt;br /&gt;
* Lokal schlechte Wasserqualität aufgrund punktueller oder chronischer Verschmutzungen (z. B. Mikroverunreinigungen, Pestizide, Industrieunfälle, ARA-Einleitungen, Jauche und anderen Düngemitteln usw.) was bestehende Populationen schwächen oder auslöschen kann.&lt;br /&gt;
* Eine dem Habitat nicht entsprechende fischereiliche Bewirtschaftung durch zu hohe Fischdichten in Stillgewässern oder in als Aufzuchtgewässer für Forellen genutzten Fliessgewässern. Dies bewirkt einen zu starken Frassdruck auf die Flusskrebsfauna. Eine weitere Gefährdungsursache ist die systematische Störung des Habitats durch Anwendung von Elektrofanggeräten und die ständige Begehung des Gewässers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS05_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses strukturarme Gewässer bietet Flusskrebsen keinen Lebensraum&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS06_Insektizide_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft führt zu Verunreinigungen in den Gewässern und gefährdet u. a. die einheimischen Flusskrebse.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Invasive Krebse ==&lt;br /&gt;
In den nächsten Jahren könnten, neben den bereits vier vorhandenen, weitere invasive Krebsarten Probleme bereiten (siehe [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch, «Weitere zu erwartende Arten»])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 19_Kalikokrebs_(Oronyctes_immunis)_Foto_Karsten_Grabow_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der [http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/115831/01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf?command=downloadContent&amp;amp;filename=01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf Kalikokrebs (''Orconectes immunis'')] (en allemand) kommt momentan in der Schweiz noch nicht vor, bereitet aber bereits in der Oberrheinischen Tiefebene Probleme&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebspest ==&lt;br /&gt;
Die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] informiert auf ihrer Webseite über die [http://www.flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm Krebspest] und hat dazu mehrere [http://www.flusskrebse.ch/de_projekte.htm Merkblätter].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Verhinderung der Krebspestverbreitung - Was jeder Einzelne tun kann''' &lt;br /&gt;
(Quellen: [http://flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm flusskrebse.ch] und [https://www.waldwissen.net/wald/tiere/insekten_wirbellose/fva_flusskrebse/index_DE www.waldwissen.net]):&lt;br /&gt;
* Alle Gegenstände, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind, sollen keimfrei gemacht werden bevor ein Flusskrebsgewässer betreten wird. &lt;br /&gt;
* Eine Desinfektion ist zwingend notwendig, wenn zwischen verschiedenen Gewässern oder Gewässerabschnitten gewechselt wird.&lt;br /&gt;
* Desinfizieren:&lt;br /&gt;
** Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. desinfizieren&lt;br /&gt;
** Wenn Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. eine glatte Oberfläche aufweisen, genügt das Abtrocknen lassen und Lagern bei mind. 25°C während 24 Stunden. Feuchtigkeitsnester, zum Beispiel Schlammreste im Profil von Stiefeln, sind vorgängig zu entfernen.&lt;br /&gt;
** Auch ein Erhitzen auf mind. 60 °C (am besten Abkochen) für 5 Minuten oder Einfrieren bei -20 °C für mindestens zwei Tage tötet die Erregersporen ab.&lt;br /&gt;
** Desinfektion mit Natriumhypochlorit oder Peressigsäure. Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} empfiehlt die Verwendung von VirkonS oder Wofasteril. Bezugsquelle für VirkonS (Wirkstoff Natriumhypochlorit): [http://www.arovet.ch/ www.arovet.ch]; Bezugsquelle für Wofasteril (Wirkstoff Peressigsäure): [http://www.hygline.ch/reinigen-und-desinfizieren/landwirtschaft/schafe-ziegen/stall/desinfektionsmittel/ www.hygline.ch], &lt;br /&gt;
** Schlecht trocknende Gegenstände sind mindestens 14 Tage bei 25°C zu lagern. &lt;br /&gt;
* Von der Verwendung von Stiefeln mit Filzsohlen ist abzuraten, da diese sehr schlecht trocknen.&lt;br /&gt;
* Um eine Verschleppung zu vermeiden, ist auf das Aussetzen von Besatzfischen aus Krebspestgewässern zu verzichten, da diese auch Zoosporen mittragen können. / Pour éviter la propagation de la maladie, il convient de ne plus lâcher de poissons de repeuplement provenant d’eaux infestées par la peste de l’écrevisse car ils peuvent être aussi porteurs de zoospores.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen mit detaillierten Angaben siehe [http://flusskrebse.ch/de_projekte.htm  Merkblatt «Verhinderung der Krebspestverbreitung»].&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Krebspest_Peter_Jean_Richard.jpg&lt;br /&gt;
| text = Von der Krebspest befallener bereits toter Galizischer Sumpfkrebs (''Astacus leptodactylus'').&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wissenslücken=&lt;br /&gt;
* Aktuelles Wissen über die Bestandessituation in der Schweiz&lt;br /&gt;
* Vorkommen der Krebspest in der Schweiz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele=&lt;br /&gt;
* Unter [http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm] sind diverse Projektberichte und -beschriebe aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Links = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Links ==&lt;br /&gt;
* {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
* [http://www.forum-flusskrebse.org/ forum flusskrebse]: Das Forum Flusskrebse ist ein Zusammenschluss verschiedener deutschsprachiger Flusskrebsspezialisten, welche international agieren und Tagungen organisieren. Vor allem Interessant für Personen, die sich tiefergreifend mit der Materie auseinandersetzen und dem Netzwerk beitreten wollen. &lt;br /&gt;
* Informationen zu den Flusskrebsen auf der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/fauna-der-schweiz/flusskrebse.html Webseite des CSCF] &lt;br /&gt;
** Neben allgemeinen Informationen zu Krebsen können als wichtiger Service Daten abgefragt und Artenlisten erstellt werden&lt;br /&gt;
* [https://lepus.unine.ch/carto/ Kartenserver info fauna]&lt;br /&gt;
* Für Fischerei und Krebse zuständige [https://www.kvu.ch/de/adressen/jagd-fischerei Fachstellen der Kantone]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturempfehlungen= &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundlagen- und Übersichtswerke ==&lt;br /&gt;
* David M. Holdich, 2002. Biology of freshwater crayfish. Blackwell Science, Oxford.&lt;br /&gt;
* EDER, E. &amp;amp; HÖDL, W. 1998: Flusskrebse Österreichs. – Stapfia 58, Linz, pp 284.&lt;br /&gt;
* Füreder, L., 2009. Flusskrebse: Biologie, Ökologie, Gefährdung, Veröffentlichungen des Naturmuseums Südtirol, Bozen. Folio-Verlag, Wien.&lt;br /&gt;
* HAGER, J. (2003): Edelkrebse. Biologie – Zucht – Bewirtschaftung. 2., überarbeitete Auflage. − Leopold Stocker.&lt;br /&gt;
* HOFMANN, J. 1980: Die Flusskrebse.- Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, pp 110.&lt;br /&gt;
* Souty-Grosset, C., 2006. Atlas of crayfish in Europe, Collection patrimoines naturels. Publications scientifiques du Muséum national d’histoire naturelle, Paris.&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Praxisrelevante Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stucki P., Zaugg B. 2011: {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz. Artenförderung von Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Vollzug Nr. 1104: 61 S&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsliteratur ==&lt;br /&gt;
* Auf der Webseite der {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} hat es einen Bestimmungsschlüssel und eine online-Bestimmungshilfe.&lt;br /&gt;
* In Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica (Stucki, P., Zaugg, B., 2005) ist ein Bestimmungsschlüssel enthalten.&lt;br /&gt;
* Empfehlenswerter [http://www.lazbw-ffs-krebse.de/home.html Online-Bestimmungsschlüssel]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verschiedenes=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- == Aktuelle Weiterbildungsveranstaltungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://flusskrebse.ch/index.htm 4. Flusskrebssymposium, 10. September 2018, in Olten]&lt;br /&gt;
* [https://www.igfischerei.ch/index.php/programmlink/krebsseminar-2018 Krebsseminar für Einsteiger 1. September 2018 in Langnau am Albis ZH]&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Filme über Krebse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/ Netz Natur] hat zu Krebsen zwei sehenswerte Filme ausgestrahlt:&lt;br /&gt;
* Krebse sind gefrässig, wo immer sie auftauchen. Und viele sind auch selbst delikat - was ihnen immer wieder zum Verhängnis wird. Ökologisch sind sie unentbehrlich - was uns Menschen kaum bewusst ist, wenn wir nur an Delikatessen denken. «NETZ Natur» stellt deshalb Krustentiere vor - [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/krebse-das-grosse-fressen auf dem Teller und in der Natur].&lt;br /&gt;
* Verrückt, wenn sich auf den Weihnachtsinseln alljährlich 60 Millionen rote Landkrabben auf den Weg ans Meer machen. Verrückt auch, wie sich kleine Planktonkrebschen in Salinen wohlfühlen, die so salzig sind, dass dort kaum ein anderes Tier überleben kann. In einer [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/die-verrueckten verrückten Sendung] zeigt NETZ Natur die unglaubliche Vielfalt der Krebse und ihre Wichtigkeit in der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebsbeobachtungen melden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse ist es wichtig, dass Sie Ihre Beobachtungen ({{link_webfauna_cscf_de}}). Funde können auch direkt an die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz gemeldet werden ([mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]), welche sie an die Kantone weiterleitet. &lt;br /&gt;
Für eine sichere Bestimmung braucht es je ein Foto von oben und von unten mit Fokus auf Ober- und Unterseite der Scheren sowie auf die Schwanzoberseite. Im Weiteren eine Nahaufnahme von der Seite des Carapax (Bedornung bei der Nackenfurche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliches ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kap. 3 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} sind der rechtliche Status und der Schutzstatus abgehandelt.&lt;br /&gt;
Die rechtlichen Grundlagen zu den Flusskrebsen sind im [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19910137/index.html Bundesgesetz über die Fischerei] und in der dazugehörigen [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19930332/index.html Ausführungsverordnung]. Darin ist u. a. folgendes geregelt:&lt;br /&gt;
* Das Fangen von Krebsen bedarf einer Bewilligung des Fischpächters bzw. des Kantons.&lt;br /&gt;
* Die Schonzeit der einheimischen Flusskrebsarten beträgt mindestens 40 Wochen.&lt;br /&gt;
* Die Fangmindestmasse betragen für den Edelkrebs (Astacus astacus) 12 cm und für den Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) und den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) je 9 cm.&lt;br /&gt;
* Der Fang, Transport und das Aussetzen von nicht einheimischen Flusskrebsarten ist verboten bzw. bewilligungspflichtig.&lt;br /&gt;
* Das Halten von nicht einheimischen Arten im Aquarium ist bewilligungspflichtig. (Bemerkung: Bewilligungen werden nur für Ausstellungen oder zu Forschungszwecken ausgestellt.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestandserfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gute Zeit für Bestandserfassungen ist von Juli bis Oktober, ideal ist der September. Im Anhang des {{link aktionsplans flusskrebse de}} gibt es ein Felderhebungsblatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Newsletter =&lt;br /&gt;
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann melden Sie sich für unseren [https://www.biodivers.ch/index.php/newsletter-abonnieren.html monatlichen Newsletter] an und bleiben Sie informiert über aktuelle Artikel zur Förderung von Arten und Lebensräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS) hat einen Newsletter. Anmeldungen direkt an: [mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers] || info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch/ KFKS] || {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4739</id>
		<title>Flusskrebse</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4739"/>
				<updated>2025-03-07T14:42:38Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Ecrevisses]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_02_Edelkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Flusskrebse, auf dem Bild der Edelkrebs (''Astacus astacus'') sind nachtaktive Bewohner unserer Gewässer. Sie brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [http://biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch KFKS]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || August 2018&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_03_Dohlenkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes''), einer der drei einheimischen Flusskrebsarten  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei uns sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') heimisch. Sie sind nachtaktiv und leben versteckt in Fliess- und Stehgewässern verschiedener Grössen und Höhenlagen. Die Bestände gehen seit 50 Jahren stark zurück. Gründe dafür sind die Verbauung und Verschmutzung der Gewässer, die Konkurrenz durch vier eingeschleppte Flusskrebsarten und die Krebspest. Diese wird durch die ausgesetzten nordamerikanischen Flusskrebse, welche gegen den Erreger immun sind, und durch uns Menschen verbreitet. Die Sporen des Erregers werden ins Wasser abgegeben und können über nasse Gegenstände verschleppt werden.&lt;br /&gt;
Flusskrebse brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden. Sie können durch Gewässerrenaturierungen, mit dem Angebot sauberen Wassers sowie durch konsequentes Verhindern der weiteren Verbreitung der Krebspest gefördert werden. &lt;br /&gt;
Der Bund hat den {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz (2011) erarbeitet und seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen um den Schutz und die Förderung der einheimischen und Bekämpfung bzw. Ausbreitungsverhinderung der invasiven Flusskrebsarten in der Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_1_b_RdVaux_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Typisches, strukturreiches Krebsgewässer  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik und Vorkommen in der Schweiz =&lt;br /&gt;
In der Schweiz heimisch sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Neben diesen drei autochthonen Arten kommen vier eingeschleppte Arten vor: Der Galizische Sumpfkrebs oder «Galizier» (''Astacus leptodactylus''), welcher ursprünglich aus Osteuropa stammt, sowie der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (''Procambarus clarkii'') welche aus den USA eingeführt wurden. Sie gehören alle zur Ordnung der Decapoda (Zehnfusskrebse). Die einheimischen Arten sowie der Galizische Sumpfkrebs und der Signalkrebs gehören der Familie der Astacidae an, die anderen beiden der Familie der Cambaridae.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Edelkrebs 2 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Edelkrebs (''Astacus astacus'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Dohlenkrebs 2 96 dpi.png &lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie_Steinkrebs_2_96_dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse stellen innerhalb der schweizerischen Fauna einen Sonderfall dar, da mehr neobiotische als einheimische Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
=== Links und Literatur ===&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Biologie und Ökologie =&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind Allesfresser. Sie verwerten organisches Material und sind je nach Alter, Wassertemperatur und Angebot mehr herbi- oder karnivor. Gerne werden Mollusken und Wasserinsekten erbeutet. Kleinere Artgenossen oder sich in der Häutung befindliche wehrlose Flusskrebse, stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Verwesendes Aas wird von den meisten Arten nur in Ausnahmefällen gefressen. Bei feuchter Witterung wird die Nahrung ausnahmsweise (z. B. dichte Populationen oder Nahrungsmangel) auch an Land gesucht. Krebse sind «Gewässerpolizei» und «Müllabfuhr», in dem sie abgestorbene Flora und Fauna schnell beseitigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des starren Exoskeletts können Krebse nur wachsen, in dem sie sich häuten. Jungkrebse häuten sich häufig, junge Edelkrebse im 1. Jahr bis zu 10 Mal, als Adulte noch ca. 2 Mal pro Jahr. Die Vorbereitung zur Häutung dauert beim erwachsenen Krebs ca. 1 Woche, die Aushärtung danach ca. 3 bis 4 Tage. Bei Jungkrebsen verläuft der Zyklus wesentlich rascher. Bis zur Aushärtung des neuen Panzers ist der Krebs sehr weich («Butterkrebs») und somit verletzlich. Der Zeitpunkt der Häutung ist altersklassenmässig synchronisiert (vermindert Kannibalismus).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt im Herbst. Das Weibchen befestigt die befruchteten Eier auf der Unterseite des Abdomens (Schwanzteil) und betreibt intensive Brutpflege. Die Larven schlüpfen je nach Wassertemperatur Ende Mai bis Mitte Juli. 7 bis 10 Tage nach dem Schlüpfen erfolgt die erste Häutung. Nach ein paar weiteren Tagen verlassen die Jungtiere die Mutter. Die Weibchen leben während der ganzen Brutzeit zurückgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivität von Flusskrebsen ist von November/Dezember bis zum Frühjahr sehr gering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krebse sind auf eine reiche Strukturierung insbesondere des Uferbereichs angewiesen (Wurzelstöcke, steile Böschungen, grosse Steine). Wie der ideale Lebensraum gestaltet ist, ist im [[Media:Flusskrebs-DE.pdf|Flyer des Kantons Bern]] dargestellt. Krebse sind sehr empfindlich gegenüber Pestiziden (Pflanzenschutzmitteln), besonders Insektiziden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In sehr kalkarmen und sehr kalkreichen Gewässern können Krebse nicht leben. Im einten Fall steht für das Skelett zu wenig Kalk zur Verfügung, im anderen kommt es zu Kalkablagerungen auf dem Panzer (Versinterung), welche bei langem Häutungsintervall die Häutung verunmöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zu Biologie und Ökologie der Flusskrebse sind in «Decapoda» (Stucki &amp;amp; Zaugg 2005) zusammengefasst. Auf [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch] sind kurze Artenporträts aufgeschaltet. Umfangreiche Angaben findet man in «Edelkrebse: Biologie - Zucht – Bewirtschaftung» (Hager 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Abb03_Junge_Dohlenkrebse_(c)_Peter_Jean-Richard_zugeschnitten_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Junge Krebse (im Bild Dohlenkrebse) sind «Miniaturausgaben» der Erwachsenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
Seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]. Sie ist Anlaufstelle und hat beratende und koordinierende Funktion. Wer sich vertieft mit dem Schutz und der Förderung der einheimischen Flusskrebse auseinandersetzen möchte, dem sind die Informationen auf der Webseite und die Lektüre des {{link aktionsplans flusskrebse de}} zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strategie für die einheimischen Flusskrebse gemäss  {{link aktionsplan flusskrebse de}} verfolgt zwei hauptsächliche Ziele; einerseits den Schutz der einheimischen Populationen und andererseits die Bekämpfung und Eingrenzung der Bestände fremder Flusskrebsarten. &lt;br /&gt;
Nachfolgend wird auf ausgewählte Massnahmen eingegangen. Die vollständigen Informationen sind im Kapitel 6 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Renaturierung von Gewässern] sollen die Uferbereiche gut strukturiert werden. Krebse müssen Höhlen graben und sich verstecken können (unter Wurzeln oder Steinen). Dazu eignen sich besonders steile Böschungen. Fliessgewässer sollen unterschiedliche Strömungsverhältnisse (natürliche Abfolgen von Abschnitten mit starker und schwacher/keiner Strömung) aufweisen, welche geeignete Habitate und genügend Nahrung bieten (siehe Flyer des Kantons Bern [http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur/fischerei/aktuell.assetref/dam/documents/VOL/LANAT/de/Natur/Fischerei/RenF/DE_Flusskrebse_gzd.pdf «Lebensraum für Flusskrebse, Umgang bei Wasserbauprojekten»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki3_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Der Westerbach im Kanton Aargau mit harter Bachverbauung…&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki2_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = … welche in einem Projekt der Jagd- und Fischereiverwaltung Kanton Aargau zur Förderung des Dohlenkrebses (''Austropotamobius pallipes'') 2005 einseitig entfernt und das Gewässer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung#Ingenieurbiologische_Massnahmen_im_Bachbett_.28instream.29 instream] strukturiert wurde.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhaltsarbeiten und Bauprojekte in Gewässern müssen durch die für die Fischerei zuständige kantonale Behörde genehmigt und begleitet werden. Sie bestimmt die zu treffenden Schutzmassnahmen. Folgende Vorsichtsmassnahmen müssen getroffen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ausbaggerungen der Sohle zeitlich staffeln (abschnittweises Baggern). Ev. tiefere Bereiche («Pools») oder Feuchtzonen als Rückzugsgebiete anlegen.&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt auf das Minimum beschränken, keine Bäume fällen (mit gewissen Ausnahmen siehe «{{link aktionsplans flusskrebse de}}»; falls Bäume gefällt werden müssen, die Strünke belassen)&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt muss selektiv erfolgen&lt;br /&gt;
* Kein Befahren des Bachbetts mit Maschinen&lt;br /&gt;
* Im nicht bestockten Bereich abschnittweiser Böschungsunterhalt, Gestrüpp belassen.&lt;br /&gt;
* Das Stau- und Totholz darf nicht gänzlich aus dem Bett entfernt werden.&lt;br /&gt;
* Im Wald&lt;br /&gt;
** Die Bäume vom Gewässer weg fällen&lt;br /&gt;
** Astmaterial nicht im Gewässer und am Ufer ablagern (Gefahr der Versauerung des Gewässers)&lt;br /&gt;
** Das Gewässer nicht mit Maschinen befahren&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft&lt;br /&gt;
** Keine Beweidung der Ufer und des Bachbetts&lt;br /&gt;
** Keinen Zugang zum Gewässer als Viehtränke schaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Kantone haben Erfahrungen mit der Aufzucht und dem Aussetzen einheimischer Krebse, so zum Beispiel der Kanton Aargau mit [https://www.ag.ch/umwelt-aargau/pdf/UAG_54_39.pdf Dohlen- und Steinkrebsen]. Wichtig dabei ist, dass die Genetik berücksichtigt wird und somit nur Tiere aus dem gleichen Einzugsgebiet für Aufzucht bzw. Besatz verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Waldbewirtschaftung_entlang_Bach_96_dpi.PNG&lt;br /&gt;
| text = Entlang von Bächen im Wald ist es wichtig, das Gewässer bei der Bewirtschaftung zu schonen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_6_c_Cuarny_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Massnahmen gegen Schwebstoffbelastungen in einem Gewässer bei Cuarny VD. Dies ist bei allen Arbeiten in Gewässern wichtig. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktivitäten/Massnahmen der Kantone ==&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten der Kantone für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse sind auf der Webseite der [http://www.flusskrebse.ch/de_massnahmen.htm Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz] aufgelistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Alle drei heimischen Arten gehören zu den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten national prioritären Arten]]. Der Edelkrebs hat 2. Priorität, die anderen beiden haben die höchste Priorität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Datenbank des Projekts «Virtual Data Center VDC» werden seit 2014 die Fundorte sämtlicher Organismengruppen eingespeist, um sie bei naturschutzrelevanten Projekten berücksichtigen zu können. Mit der Datenbank sollen insbesondere die Bedürfnisse der kantonalen Fachstellen abgedeckt werden. Diese Daten sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung=&lt;br /&gt;
== Rote Listen ==&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind gefährdet (Edelkrebs) oder stark gefährdet (Steinkrebs und Dohlenkrebs)&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;small&amp;gt;Quelle: {{link aktionsplan flusskrebse de}}&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Gefährdungen == &lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_10_Kamberkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), einer der vier eingeschleppten invasiven Flusskrebsarten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
''Die Inhalte dieses Kapitels wurden aus dem {{link aktionsplan flusskrebse de}} übernommen.''&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit mehreren Jahrzehnten nehmen die Bestände einheimischer Flusskrebsarten ab; etwas langsamer im Falle des Edelkrebses (''Astacus astacus'') und stark im Falle von Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Zahlreiche Populationen sind bereits vollständig verschwunden und oft bestehen Bestände nur aus geografisch isolierten Reliktpopulationen, hauptsächlich in Oberläufen und Teichen. Dieser Rückgang geht einher mit der Ausbreitung der nicht-einheimischer Arten, die sich mit Ausnahme des Galizierkrebses (''Astacus leptodactylus'') zudem Krebspest-Träger sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hauptsächlichen Gründe des Rückgangs der einheimischen Krebse sind: &lt;br /&gt;
* Konkurrenz durch eingeführte fremde Flusskrebsarten, die weniger empfindlich auf die verschlechterten Umweltbedingungen reagieren, höhere Wachstumsraten und Fruchtbarkeit aufweisen und auch aggressiver sind. &lt;br /&gt;
* Die in der Schweiz meldepflichtige Seuche «Krebspest» (''Aphanomyces astaci''). Die Verbreitung dieses Erregers erfolgt durch amerikanische Flusskrebsarten, welche latente Träger sind, sowie durch den Menschen mit kontaminiertem Material (z. B. Fischereigeräte oder -stiefel, Versetzen infizierter Flusskrebse).&lt;br /&gt;
* Fliessgewässerkorrektionen und Uferverbauungen führen zu einer Monotonisierung der Strömungsverhältnisse und einer Vereinheitlichung der Ökomorphologie, wodurch Unterstände und für Flusskrebse geeignete Habitate verschwinden.&lt;br /&gt;
* Lokal schlechte Wasserqualität aufgrund punktueller oder chronischer Verschmutzungen (z. B. Mikroverunreinigungen, Pestizide, Industrieunfälle, ARA-Einleitungen, Jauche und anderen Düngemitteln usw.) was bestehende Populationen schwächen oder auslöschen kann.&lt;br /&gt;
* Eine dem Habitat nicht entsprechende fischereiliche Bewirtschaftung durch zu hohe Fischdichten in Stillgewässern oder in als Aufzuchtgewässer für Forellen genutzten Fliessgewässern. Dies bewirkt einen zu starken Frassdruck auf die Flusskrebsfauna. Eine weitere Gefährdungsursache ist die systematische Störung des Habitats durch Anwendung von Elektrofanggeräten und die ständige Begehung des Gewässers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS05_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses strukturarme Gewässer bietet Flusskrebsen keinen Lebensraum&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS06_Insektizide_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft führt zu Verunreinigungen in den Gewässern und gefährdet u. a. die einheimischen Flusskrebse.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Invasive Krebse ==&lt;br /&gt;
In den nächsten Jahren könnten, neben den bereits vier vorhandenen, weitere invasive Krebsarten Probleme bereiten (siehe [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch, «Weitere zu erwartende Arten»])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 19_Kalikokrebs_(Oronyctes_immunis)_Foto_Karsten_Grabow_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der [http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/115831/01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf?command=downloadContent&amp;amp;filename=01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf Kalikokrebs (''Orconectes immunis'')] (en allemand) kommt momentan in der Schweiz noch nicht vor, bereitet aber bereits in der Oberrheinischen Tiefebene Probleme&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebspest ==&lt;br /&gt;
Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} informiert auf ihrer Webseite über die [http://www.flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm Krebspest] und hat dazu mehrere [http://www.flusskrebse.ch/de_projekte.htm Merkblätter].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Verhinderung der Krebspestverbreitung - Was jeder Einzelne tun kann''' &lt;br /&gt;
(Quellen: [http://flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm flusskrebse.ch] und [https://www.waldwissen.net/wald/tiere/insekten_wirbellose/fva_flusskrebse/index_DE www.waldwissen.net]):&lt;br /&gt;
* Alle Gegenstände, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind, sollen keimfrei gemacht werden bevor ein Flusskrebsgewässer betreten wird. &lt;br /&gt;
* Eine Desinfektion ist zwingend notwendig, wenn zwischen verschiedenen Gewässern oder Gewässerabschnitten gewechselt wird.&lt;br /&gt;
* Desinfizieren:&lt;br /&gt;
** Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. desinfizieren&lt;br /&gt;
** Wenn Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. eine glatte Oberfläche aufweisen, genügt das Abtrocknen lassen und Lagern bei mind. 25°C während 24 Stunden. Feuchtigkeitsnester, zum Beispiel Schlammreste im Profil von Stiefeln, sind vorgängig zu entfernen.&lt;br /&gt;
** Auch ein Erhitzen auf mind. 60 °C (am besten Abkochen) für 5 Minuten oder Einfrieren bei -20 °C für mindestens zwei Tage tötet die Erregersporen ab.&lt;br /&gt;
** Desinfektion mit Natriumhypochlorit oder Peressigsäure. Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} empfiehlt die Verwendung von VirkonS oder Wofasteril. Bezugsquelle für VirkonS (Wirkstoff Natriumhypochlorit): [http://www.arovet.ch/ www.arovet.ch]; Bezugsquelle für Wofasteril (Wirkstoff Peressigsäure): [http://www.hygline.ch/reinigen-und-desinfizieren/landwirtschaft/schafe-ziegen/stall/desinfektionsmittel/ www.hygline.ch], &lt;br /&gt;
** Schlecht trocknende Gegenstände sind mindestens 14 Tage bei 25°C zu lagern. &lt;br /&gt;
* Von der Verwendung von Stiefeln mit Filzsohlen ist abzuraten, da diese sehr schlecht trocknen.&lt;br /&gt;
* Um eine Verschleppung zu vermeiden, ist auf das Aussetzen von Besatzfischen aus Krebspestgewässern zu verzichten, da diese auch Zoosporen mittragen können. / Pour éviter la propagation de la maladie, il convient de ne plus lâcher de poissons de repeuplement provenant d’eaux infestées par la peste de l’écrevisse car ils peuvent être aussi porteurs de zoospores.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen mit detaillierten Angaben siehe [http://flusskrebse.ch/de_projekte.htm  Merkblatt «Verhinderung der Krebspestverbreitung»].&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Krebspest_Peter_Jean_Richard.jpg&lt;br /&gt;
| text = Von der Krebspest befallener bereits toter Galizischer Sumpfkrebs (''Astacus leptodactylus'').&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wissenslücken=&lt;br /&gt;
* Aktuelles Wissen über die Bestandessituation in der Schweiz&lt;br /&gt;
* Vorkommen der Krebspest in der Schweiz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele=&lt;br /&gt;
* Unter [http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm] sind diverse Projektberichte und -beschriebe aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Links = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Links ==&lt;br /&gt;
* {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
* [http://www.forum-flusskrebse.org/ forum flusskrebse]: Das Forum Flusskrebse ist ein Zusammenschluss verschiedener deutschsprachiger Flusskrebsspezialisten, welche international agieren und Tagungen organisieren. Vor allem Interessant für Personen, die sich tiefergreifend mit der Materie auseinandersetzen und dem Netzwerk beitreten wollen. &lt;br /&gt;
* Informationen zu den Flusskrebsen auf der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/fauna-der-schweiz/flusskrebse.html Webseite des CSCF] &lt;br /&gt;
** Neben allgemeinen Informationen zu Krebsen können als wichtiger Service Daten abgefragt und Artenlisten erstellt werden&lt;br /&gt;
* [https://lepus.unine.ch/carto/ Kartenserver info fauna]&lt;br /&gt;
* Für Fischerei und Krebse zuständige [https://www.kvu.ch/de/adressen/jagd-fischerei Fachstellen der Kantone]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturempfehlungen= &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundlagen- und Übersichtswerke ==&lt;br /&gt;
* David M. Holdich, 2002. Biology of freshwater crayfish. Blackwell Science, Oxford.&lt;br /&gt;
* EDER, E. &amp;amp; HÖDL, W. 1998: Flusskrebse Österreichs. – Stapfia 58, Linz, pp 284.&lt;br /&gt;
* Füreder, L., 2009. Flusskrebse: Biologie, Ökologie, Gefährdung, Veröffentlichungen des Naturmuseums Südtirol, Bozen. Folio-Verlag, Wien.&lt;br /&gt;
* HAGER, J. (2003): Edelkrebse. Biologie – Zucht – Bewirtschaftung. 2., überarbeitete Auflage. − Leopold Stocker.&lt;br /&gt;
* HOFMANN, J. 1980: Die Flusskrebse.- Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, pp 110.&lt;br /&gt;
* Souty-Grosset, C., 2006. Atlas of crayfish in Europe, Collection patrimoines naturels. Publications scientifiques du Muséum national d’histoire naturelle, Paris.&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Praxisrelevante Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stucki P., Zaugg B. 2011: {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz. Artenförderung von Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Vollzug Nr. 1104: 61 S&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsliteratur ==&lt;br /&gt;
* Auf der Webseite der {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} hat es einen Bestimmungsschlüssel und eine online-Bestimmungshilfe.&lt;br /&gt;
* In Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica (Stucki, P., Zaugg, B., 2005) ist ein Bestimmungsschlüssel enthalten.&lt;br /&gt;
* Empfehlenswerter [http://www.lazbw-ffs-krebse.de/home.html Online-Bestimmungsschlüssel]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verschiedenes=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- == Aktuelle Weiterbildungsveranstaltungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://flusskrebse.ch/index.htm 4. Flusskrebssymposium, 10. September 2018, in Olten]&lt;br /&gt;
* [https://www.igfischerei.ch/index.php/programmlink/krebsseminar-2018 Krebsseminar für Einsteiger 1. September 2018 in Langnau am Albis ZH]&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Filme über Krebse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/ Netz Natur] hat zu Krebsen zwei sehenswerte Filme ausgestrahlt:&lt;br /&gt;
* Krebse sind gefrässig, wo immer sie auftauchen. Und viele sind auch selbst delikat - was ihnen immer wieder zum Verhängnis wird. Ökologisch sind sie unentbehrlich - was uns Menschen kaum bewusst ist, wenn wir nur an Delikatessen denken. «NETZ Natur» stellt deshalb Krustentiere vor - [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/krebse-das-grosse-fressen auf dem Teller und in der Natur].&lt;br /&gt;
* Verrückt, wenn sich auf den Weihnachtsinseln alljährlich 60 Millionen rote Landkrabben auf den Weg ans Meer machen. Verrückt auch, wie sich kleine Planktonkrebschen in Salinen wohlfühlen, die so salzig sind, dass dort kaum ein anderes Tier überleben kann. In einer [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/die-verrueckten verrückten Sendung] zeigt NETZ Natur die unglaubliche Vielfalt der Krebse und ihre Wichtigkeit in der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebsbeobachtungen melden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse ist es wichtig, dass Sie Ihre Beobachtungen ({{link_webfauna_cscf_de}}). Funde können auch direkt an die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz gemeldet werden ([mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]), welche sie an die Kantone weiterleitet. &lt;br /&gt;
Für eine sichere Bestimmung braucht es je ein Foto von oben und von unten mit Fokus auf Ober- und Unterseite der Scheren sowie auf die Schwanzoberseite. Im Weiteren eine Nahaufnahme von der Seite des Carapax (Bedornung bei der Nackenfurche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliches ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kap. 3 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} sind der rechtliche Status und der Schutzstatus abgehandelt.&lt;br /&gt;
Die rechtlichen Grundlagen zu den Flusskrebsen sind im [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19910137/index.html Bundesgesetz über die Fischerei] und in der dazugehörigen [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19930332/index.html Ausführungsverordnung]. Darin ist u. a. folgendes geregelt:&lt;br /&gt;
* Das Fangen von Krebsen bedarf einer Bewilligung des Fischpächters bzw. des Kantons.&lt;br /&gt;
* Die Schonzeit der einheimischen Flusskrebsarten beträgt mindestens 40 Wochen.&lt;br /&gt;
* Die Fangmindestmasse betragen für den Edelkrebs (Astacus astacus) 12 cm und für den Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) und den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) je 9 cm.&lt;br /&gt;
* Der Fang, Transport und das Aussetzen von nicht einheimischen Flusskrebsarten ist verboten bzw. bewilligungspflichtig.&lt;br /&gt;
* Das Halten von nicht einheimischen Arten im Aquarium ist bewilligungspflichtig. (Bemerkung: Bewilligungen werden nur für Ausstellungen oder zu Forschungszwecken ausgestellt.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestandserfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gute Zeit für Bestandserfassungen ist von Juli bis Oktober, ideal ist der September. Im Anhang des {{link aktionsplans flusskrebse de}} gibt es ein Felderhebungsblatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Newsletter =&lt;br /&gt;
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann melden Sie sich für unseren [https://www.biodivers.ch/index.php/newsletter-abonnieren.html monatlichen Newsletter] an und bleiben Sie informiert über aktuelle Artikel zur Förderung von Arten und Lebensräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS) hat einen Newsletter. Anmeldungen direkt an: [mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers] || info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch/ KFKS] || {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4738</id>
		<title>Flusskrebse</title>
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				<updated>2025-03-07T14:42:08Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Ecrevisses]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_02_Edelkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Flusskrebse, auf dem Bild der Edelkrebs (''Astacus astacus'') sind nachtaktive Bewohner unserer Gewässer. Sie brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [http://biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch KFKS]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || August 2018&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_03_Dohlenkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes''), einer der drei einheimischen Flusskrebsarten  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei uns sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') heimisch. Sie sind nachtaktiv und leben versteckt in Fliess- und Stehgewässern verschiedener Grössen und Höhenlagen. Die Bestände gehen seit 50 Jahren stark zurück. Gründe dafür sind die Verbauung und Verschmutzung der Gewässer, die Konkurrenz durch vier eingeschleppte Flusskrebsarten und die Krebspest. Diese wird durch die ausgesetzten nordamerikanischen Flusskrebse, welche gegen den Erreger immun sind, und durch uns Menschen verbreitet. Die Sporen des Erregers werden ins Wasser abgegeben und können über nasse Gegenstände verschleppt werden.&lt;br /&gt;
Flusskrebse brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden. Sie können durch Gewässerrenaturierungen, mit dem Angebot sauberen Wassers sowie durch konsequentes Verhindern der weiteren Verbreitung der Krebspest gefördert werden. &lt;br /&gt;
Der Bund hat den {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz (2011) erarbeitet und seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen um den Schutz und die Förderung der einheimischen und Bekämpfung bzw. Ausbreitungsverhinderung der invasiven Flusskrebsarten in der Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_1_b_RdVaux_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Typisches, strukturreiches Krebsgewässer  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik und Vorkommen in der Schweiz =&lt;br /&gt;
In der Schweiz heimisch sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Neben diesen drei autochthonen Arten kommen vier eingeschleppte Arten vor: Der Galizische Sumpfkrebs oder «Galizier» (''Astacus leptodactylus''), welcher ursprünglich aus Osteuropa stammt, sowie der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (''Procambarus clarkii'') welche aus den USA eingeführt wurden. Sie gehören alle zur Ordnung der Decapoda (Zehnfusskrebse). Die einheimischen Arten sowie der Galizische Sumpfkrebs und der Signalkrebs gehören der Familie der Astacidae an, die anderen beiden der Familie der Cambaridae.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Edelkrebs 2 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Edelkrebs (''Astacus astacus'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Dohlenkrebs 2 96 dpi.png &lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie_Steinkrebs_2_96_dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse stellen innerhalb der schweizerischen Fauna einen Sonderfall dar, da mehr neobiotische als einheimische Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
=== Links und Literatur ===&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Biologie und Ökologie =&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind Allesfresser. Sie verwerten organisches Material und sind je nach Alter, Wassertemperatur und Angebot mehr herbi- oder karnivor. Gerne werden Mollusken und Wasserinsekten erbeutet. Kleinere Artgenossen oder sich in der Häutung befindliche wehrlose Flusskrebse, stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Verwesendes Aas wird von den meisten Arten nur in Ausnahmefällen gefressen. Bei feuchter Witterung wird die Nahrung ausnahmsweise (z. B. dichte Populationen oder Nahrungsmangel) auch an Land gesucht. Krebse sind «Gewässerpolizei» und «Müllabfuhr», in dem sie abgestorbene Flora und Fauna schnell beseitigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des starren Exoskeletts können Krebse nur wachsen, in dem sie sich häuten. Jungkrebse häuten sich häufig, junge Edelkrebse im 1. Jahr bis zu 10 Mal, als Adulte noch ca. 2 Mal pro Jahr. Die Vorbereitung zur Häutung dauert beim erwachsenen Krebs ca. 1 Woche, die Aushärtung danach ca. 3 bis 4 Tage. Bei Jungkrebsen verläuft der Zyklus wesentlich rascher. Bis zur Aushärtung des neuen Panzers ist der Krebs sehr weich («Butterkrebs») und somit verletzlich. Der Zeitpunkt der Häutung ist altersklassenmässig synchronisiert (vermindert Kannibalismus).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt im Herbst. Das Weibchen befestigt die befruchteten Eier auf der Unterseite des Abdomens (Schwanzteil) und betreibt intensive Brutpflege. Die Larven schlüpfen je nach Wassertemperatur Ende Mai bis Mitte Juli. 7 bis 10 Tage nach dem Schlüpfen erfolgt die erste Häutung. Nach ein paar weiteren Tagen verlassen die Jungtiere die Mutter. Die Weibchen leben während der ganzen Brutzeit zurückgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivität von Flusskrebsen ist von November/Dezember bis zum Frühjahr sehr gering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krebse sind auf eine reiche Strukturierung insbesondere des Uferbereichs angewiesen (Wurzelstöcke, steile Böschungen, grosse Steine). Wie der ideale Lebensraum gestaltet ist, ist im [[Media:Flusskrebs-DE.pdf|Flyer des Kantons Bern]] dargestellt. Krebse sind sehr empfindlich gegenüber Pestiziden (Pflanzenschutzmitteln), besonders Insektiziden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In sehr kalkarmen und sehr kalkreichen Gewässern können Krebse nicht leben. Im einten Fall steht für das Skelett zu wenig Kalk zur Verfügung, im anderen kommt es zu Kalkablagerungen auf dem Panzer (Versinterung), welche bei langem Häutungsintervall die Häutung verunmöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zu Biologie und Ökologie der Flusskrebse sind in «Decapoda» (Stucki &amp;amp; Zaugg 2005) zusammengefasst. Auf [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch] sind kurze Artenporträts aufgeschaltet. Umfangreiche Angaben findet man in «Edelkrebse: Biologie - Zucht – Bewirtschaftung» (Hager 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Abb03_Junge_Dohlenkrebse_(c)_Peter_Jean-Richard_zugeschnitten_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Junge Krebse (im Bild Dohlenkrebse) sind «Miniaturausgaben» der Erwachsenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
Seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}. Sie ist Anlaufstelle und hat beratende und koordinierende Funktion. Wer sich vertieft mit dem Schutz und der Förderung der einheimischen Flusskrebse auseinandersetzen möchte, dem sind die Informationen auf der Webseite und die Lektüre des {{link aktionsplans flusskrebse de}} zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strategie für die einheimischen Flusskrebse gemäss  {{link aktionsplan flusskrebse de}} verfolgt zwei hauptsächliche Ziele; einerseits den Schutz der einheimischen Populationen und andererseits die Bekämpfung und Eingrenzung der Bestände fremder Flusskrebsarten. &lt;br /&gt;
Nachfolgend wird auf ausgewählte Massnahmen eingegangen. Die vollständigen Informationen sind im Kapitel 6 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Renaturierung von Gewässern] sollen die Uferbereiche gut strukturiert werden. Krebse müssen Höhlen graben und sich verstecken können (unter Wurzeln oder Steinen). Dazu eignen sich besonders steile Böschungen. Fliessgewässer sollen unterschiedliche Strömungsverhältnisse (natürliche Abfolgen von Abschnitten mit starker und schwacher/keiner Strömung) aufweisen, welche geeignete Habitate und genügend Nahrung bieten (siehe Flyer des Kantons Bern [http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur/fischerei/aktuell.assetref/dam/documents/VOL/LANAT/de/Natur/Fischerei/RenF/DE_Flusskrebse_gzd.pdf «Lebensraum für Flusskrebse, Umgang bei Wasserbauprojekten»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki3_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Der Westerbach im Kanton Aargau mit harter Bachverbauung…&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki2_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = … welche in einem Projekt der Jagd- und Fischereiverwaltung Kanton Aargau zur Förderung des Dohlenkrebses (''Austropotamobius pallipes'') 2005 einseitig entfernt und das Gewässer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung#Ingenieurbiologische_Massnahmen_im_Bachbett_.28instream.29 instream] strukturiert wurde.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhaltsarbeiten und Bauprojekte in Gewässern müssen durch die für die Fischerei zuständige kantonale Behörde genehmigt und begleitet werden. Sie bestimmt die zu treffenden Schutzmassnahmen. Folgende Vorsichtsmassnahmen müssen getroffen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ausbaggerungen der Sohle zeitlich staffeln (abschnittweises Baggern). Ev. tiefere Bereiche («Pools») oder Feuchtzonen als Rückzugsgebiete anlegen.&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt auf das Minimum beschränken, keine Bäume fällen (mit gewissen Ausnahmen siehe «{{link aktionsplans flusskrebse de}}»; falls Bäume gefällt werden müssen, die Strünke belassen)&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt muss selektiv erfolgen&lt;br /&gt;
* Kein Befahren des Bachbetts mit Maschinen&lt;br /&gt;
* Im nicht bestockten Bereich abschnittweiser Böschungsunterhalt, Gestrüpp belassen.&lt;br /&gt;
* Das Stau- und Totholz darf nicht gänzlich aus dem Bett entfernt werden.&lt;br /&gt;
* Im Wald&lt;br /&gt;
** Die Bäume vom Gewässer weg fällen&lt;br /&gt;
** Astmaterial nicht im Gewässer und am Ufer ablagern (Gefahr der Versauerung des Gewässers)&lt;br /&gt;
** Das Gewässer nicht mit Maschinen befahren&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft&lt;br /&gt;
** Keine Beweidung der Ufer und des Bachbetts&lt;br /&gt;
** Keinen Zugang zum Gewässer als Viehtränke schaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Kantone haben Erfahrungen mit der Aufzucht und dem Aussetzen einheimischer Krebse, so zum Beispiel der Kanton Aargau mit [https://www.ag.ch/umwelt-aargau/pdf/UAG_54_39.pdf Dohlen- und Steinkrebsen]. Wichtig dabei ist, dass die Genetik berücksichtigt wird und somit nur Tiere aus dem gleichen Einzugsgebiet für Aufzucht bzw. Besatz verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Waldbewirtschaftung_entlang_Bach_96_dpi.PNG&lt;br /&gt;
| text = Entlang von Bächen im Wald ist es wichtig, das Gewässer bei der Bewirtschaftung zu schonen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_6_c_Cuarny_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Massnahmen gegen Schwebstoffbelastungen in einem Gewässer bei Cuarny VD. Dies ist bei allen Arbeiten in Gewässern wichtig. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktivitäten/Massnahmen der Kantone ==&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten der Kantone für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse sind auf der Webseite der [http://www.flusskrebse.ch/de_massnahmen.htm Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz] aufgelistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Alle drei heimischen Arten gehören zu den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten national prioritären Arten]]. Der Edelkrebs hat 2. Priorität, die anderen beiden haben die höchste Priorität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Datenbank des Projekts «Virtual Data Center VDC» werden seit 2014 die Fundorte sämtlicher Organismengruppen eingespeist, um sie bei naturschutzrelevanten Projekten berücksichtigen zu können. Mit der Datenbank sollen insbesondere die Bedürfnisse der kantonalen Fachstellen abgedeckt werden. Diese Daten sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung=&lt;br /&gt;
== Rote Listen ==&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind gefährdet (Edelkrebs) oder stark gefährdet (Steinkrebs und Dohlenkrebs)&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;small&amp;gt;Quelle: {{link aktionsplan flusskrebse de}}&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Gefährdungen == &lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_10_Kamberkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), einer der vier eingeschleppten invasiven Flusskrebsarten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
''Die Inhalte dieses Kapitels wurden aus dem {{link aktionsplan flusskrebse de}} übernommen.''&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit mehreren Jahrzehnten nehmen die Bestände einheimischer Flusskrebsarten ab; etwas langsamer im Falle des Edelkrebses (''Astacus astacus'') und stark im Falle von Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Zahlreiche Populationen sind bereits vollständig verschwunden und oft bestehen Bestände nur aus geografisch isolierten Reliktpopulationen, hauptsächlich in Oberläufen und Teichen. Dieser Rückgang geht einher mit der Ausbreitung der nicht-einheimischer Arten, die sich mit Ausnahme des Galizierkrebses (''Astacus leptodactylus'') zudem Krebspest-Träger sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hauptsächlichen Gründe des Rückgangs der einheimischen Krebse sind: &lt;br /&gt;
* Konkurrenz durch eingeführte fremde Flusskrebsarten, die weniger empfindlich auf die verschlechterten Umweltbedingungen reagieren, höhere Wachstumsraten und Fruchtbarkeit aufweisen und auch aggressiver sind. &lt;br /&gt;
* Die in der Schweiz meldepflichtige Seuche «Krebspest» (''Aphanomyces astaci''). Die Verbreitung dieses Erregers erfolgt durch amerikanische Flusskrebsarten, welche latente Träger sind, sowie durch den Menschen mit kontaminiertem Material (z. B. Fischereigeräte oder -stiefel, Versetzen infizierter Flusskrebse).&lt;br /&gt;
* Fliessgewässerkorrektionen und Uferverbauungen führen zu einer Monotonisierung der Strömungsverhältnisse und einer Vereinheitlichung der Ökomorphologie, wodurch Unterstände und für Flusskrebse geeignete Habitate verschwinden.&lt;br /&gt;
* Lokal schlechte Wasserqualität aufgrund punktueller oder chronischer Verschmutzungen (z. B. Mikroverunreinigungen, Pestizide, Industrieunfälle, ARA-Einleitungen, Jauche und anderen Düngemitteln usw.) was bestehende Populationen schwächen oder auslöschen kann.&lt;br /&gt;
* Eine dem Habitat nicht entsprechende fischereiliche Bewirtschaftung durch zu hohe Fischdichten in Stillgewässern oder in als Aufzuchtgewässer für Forellen genutzten Fliessgewässern. Dies bewirkt einen zu starken Frassdruck auf die Flusskrebsfauna. Eine weitere Gefährdungsursache ist die systematische Störung des Habitats durch Anwendung von Elektrofanggeräten und die ständige Begehung des Gewässers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS05_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses strukturarme Gewässer bietet Flusskrebsen keinen Lebensraum&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS06_Insektizide_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft führt zu Verunreinigungen in den Gewässern und gefährdet u. a. die einheimischen Flusskrebse.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Invasive Krebse ==&lt;br /&gt;
In den nächsten Jahren könnten, neben den bereits vier vorhandenen, weitere invasive Krebsarten Probleme bereiten (siehe [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch, «Weitere zu erwartende Arten»])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 19_Kalikokrebs_(Oronyctes_immunis)_Foto_Karsten_Grabow_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der [http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/115831/01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf?command=downloadContent&amp;amp;filename=01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf Kalikokrebs (''Orconectes immunis'')] (en allemand) kommt momentan in der Schweiz noch nicht vor, bereitet aber bereits in der Oberrheinischen Tiefebene Probleme&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebspest ==&lt;br /&gt;
Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} informiert auf ihrer Webseite über die [http://www.flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm Krebspest] und hat dazu mehrere [http://www.flusskrebse.ch/de_projekte.htm Merkblätter].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Verhinderung der Krebspestverbreitung - Was jeder Einzelne tun kann''' &lt;br /&gt;
(Quellen: [http://flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm flusskrebse.ch] und [https://www.waldwissen.net/wald/tiere/insekten_wirbellose/fva_flusskrebse/index_DE www.waldwissen.net]):&lt;br /&gt;
* Alle Gegenstände, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind, sollen keimfrei gemacht werden bevor ein Flusskrebsgewässer betreten wird. &lt;br /&gt;
* Eine Desinfektion ist zwingend notwendig, wenn zwischen verschiedenen Gewässern oder Gewässerabschnitten gewechselt wird.&lt;br /&gt;
* Desinfizieren:&lt;br /&gt;
** Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. desinfizieren&lt;br /&gt;
** Wenn Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. eine glatte Oberfläche aufweisen, genügt das Abtrocknen lassen und Lagern bei mind. 25°C während 24 Stunden. Feuchtigkeitsnester, zum Beispiel Schlammreste im Profil von Stiefeln, sind vorgängig zu entfernen.&lt;br /&gt;
** Auch ein Erhitzen auf mind. 60 °C (am besten Abkochen) für 5 Minuten oder Einfrieren bei -20 °C für mindestens zwei Tage tötet die Erregersporen ab.&lt;br /&gt;
** Desinfektion mit Natriumhypochlorit oder Peressigsäure. Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} empfiehlt die Verwendung von VirkonS oder Wofasteril. Bezugsquelle für VirkonS (Wirkstoff Natriumhypochlorit): [http://www.arovet.ch/ www.arovet.ch]; Bezugsquelle für Wofasteril (Wirkstoff Peressigsäure): [http://www.hygline.ch/reinigen-und-desinfizieren/landwirtschaft/schafe-ziegen/stall/desinfektionsmittel/ www.hygline.ch], &lt;br /&gt;
** Schlecht trocknende Gegenstände sind mindestens 14 Tage bei 25°C zu lagern. &lt;br /&gt;
* Von der Verwendung von Stiefeln mit Filzsohlen ist abzuraten, da diese sehr schlecht trocknen.&lt;br /&gt;
* Um eine Verschleppung zu vermeiden, ist auf das Aussetzen von Besatzfischen aus Krebspestgewässern zu verzichten, da diese auch Zoosporen mittragen können. / Pour éviter la propagation de la maladie, il convient de ne plus lâcher de poissons de repeuplement provenant d’eaux infestées par la peste de l’écrevisse car ils peuvent être aussi porteurs de zoospores.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen mit detaillierten Angaben siehe [http://flusskrebse.ch/de_projekte.htm  Merkblatt «Verhinderung der Krebspestverbreitung»].&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Krebspest_Peter_Jean_Richard.jpg&lt;br /&gt;
| text = Von der Krebspest befallener bereits toter Galizischer Sumpfkrebs (''Astacus leptodactylus'').&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wissenslücken=&lt;br /&gt;
* Aktuelles Wissen über die Bestandessituation in der Schweiz&lt;br /&gt;
* Vorkommen der Krebspest in der Schweiz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele=&lt;br /&gt;
* Unter [http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm] sind diverse Projektberichte und -beschriebe aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Links = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Links ==&lt;br /&gt;
* {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
* [http://www.forum-flusskrebse.org/ forum flusskrebse]: Das Forum Flusskrebse ist ein Zusammenschluss verschiedener deutschsprachiger Flusskrebsspezialisten, welche international agieren und Tagungen organisieren. Vor allem Interessant für Personen, die sich tiefergreifend mit der Materie auseinandersetzen und dem Netzwerk beitreten wollen. &lt;br /&gt;
* Informationen zu den Flusskrebsen auf der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/fauna-der-schweiz/flusskrebse.html Webseite des CSCF] &lt;br /&gt;
** Neben allgemeinen Informationen zu Krebsen können als wichtiger Service Daten abgefragt und Artenlisten erstellt werden&lt;br /&gt;
* [https://lepus.unine.ch/carto/ Kartenserver info fauna]&lt;br /&gt;
* Für Fischerei und Krebse zuständige [https://www.kvu.ch/de/adressen/jagd-fischerei Fachstellen der Kantone]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturempfehlungen= &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundlagen- und Übersichtswerke ==&lt;br /&gt;
* David M. Holdich, 2002. Biology of freshwater crayfish. Blackwell Science, Oxford.&lt;br /&gt;
* EDER, E. &amp;amp; HÖDL, W. 1998: Flusskrebse Österreichs. – Stapfia 58, Linz, pp 284.&lt;br /&gt;
* Füreder, L., 2009. Flusskrebse: Biologie, Ökologie, Gefährdung, Veröffentlichungen des Naturmuseums Südtirol, Bozen. Folio-Verlag, Wien.&lt;br /&gt;
* HAGER, J. (2003): Edelkrebse. Biologie – Zucht – Bewirtschaftung. 2., überarbeitete Auflage. − Leopold Stocker.&lt;br /&gt;
* HOFMANN, J. 1980: Die Flusskrebse.- Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, pp 110.&lt;br /&gt;
* Souty-Grosset, C., 2006. Atlas of crayfish in Europe, Collection patrimoines naturels. Publications scientifiques du Muséum national d’histoire naturelle, Paris.&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Praxisrelevante Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stucki P., Zaugg B. 2011: {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz. Artenförderung von Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Vollzug Nr. 1104: 61 S&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsliteratur ==&lt;br /&gt;
* Auf der Webseite der {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} hat es einen Bestimmungsschlüssel und eine online-Bestimmungshilfe.&lt;br /&gt;
* In Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica (Stucki, P., Zaugg, B., 2005) ist ein Bestimmungsschlüssel enthalten.&lt;br /&gt;
* Empfehlenswerter [http://www.lazbw-ffs-krebse.de/home.html Online-Bestimmungsschlüssel]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verschiedenes=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- == Aktuelle Weiterbildungsveranstaltungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://flusskrebse.ch/index.htm 4. Flusskrebssymposium, 10. September 2018, in Olten]&lt;br /&gt;
* [https://www.igfischerei.ch/index.php/programmlink/krebsseminar-2018 Krebsseminar für Einsteiger 1. September 2018 in Langnau am Albis ZH]&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Filme über Krebse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/ Netz Natur] hat zu Krebsen zwei sehenswerte Filme ausgestrahlt:&lt;br /&gt;
* Krebse sind gefrässig, wo immer sie auftauchen. Und viele sind auch selbst delikat - was ihnen immer wieder zum Verhängnis wird. Ökologisch sind sie unentbehrlich - was uns Menschen kaum bewusst ist, wenn wir nur an Delikatessen denken. «NETZ Natur» stellt deshalb Krustentiere vor - [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/krebse-das-grosse-fressen auf dem Teller und in der Natur].&lt;br /&gt;
* Verrückt, wenn sich auf den Weihnachtsinseln alljährlich 60 Millionen rote Landkrabben auf den Weg ans Meer machen. Verrückt auch, wie sich kleine Planktonkrebschen in Salinen wohlfühlen, die so salzig sind, dass dort kaum ein anderes Tier überleben kann. In einer [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/die-verrueckten verrückten Sendung] zeigt NETZ Natur die unglaubliche Vielfalt der Krebse und ihre Wichtigkeit in der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebsbeobachtungen melden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse ist es wichtig, dass Sie Ihre Beobachtungen ({{link_webfauna_cscf_de}}). Funde können auch direkt an die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz gemeldet werden ([mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]), welche sie an die Kantone weiterleitet. &lt;br /&gt;
Für eine sichere Bestimmung braucht es je ein Foto von oben und von unten mit Fokus auf Ober- und Unterseite der Scheren sowie auf die Schwanzoberseite. Im Weiteren eine Nahaufnahme von der Seite des Carapax (Bedornung bei der Nackenfurche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliches ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kap. 3 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} sind der rechtliche Status und der Schutzstatus abgehandelt.&lt;br /&gt;
Die rechtlichen Grundlagen zu den Flusskrebsen sind im [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19910137/index.html Bundesgesetz über die Fischerei] und in der dazugehörigen [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19930332/index.html Ausführungsverordnung]. Darin ist u. a. folgendes geregelt:&lt;br /&gt;
* Das Fangen von Krebsen bedarf einer Bewilligung des Fischpächters bzw. des Kantons.&lt;br /&gt;
* Die Schonzeit der einheimischen Flusskrebsarten beträgt mindestens 40 Wochen.&lt;br /&gt;
* Die Fangmindestmasse betragen für den Edelkrebs (Astacus astacus) 12 cm und für den Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) und den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) je 9 cm.&lt;br /&gt;
* Der Fang, Transport und das Aussetzen von nicht einheimischen Flusskrebsarten ist verboten bzw. bewilligungspflichtig.&lt;br /&gt;
* Das Halten von nicht einheimischen Arten im Aquarium ist bewilligungspflichtig. (Bemerkung: Bewilligungen werden nur für Ausstellungen oder zu Forschungszwecken ausgestellt.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestandserfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gute Zeit für Bestandserfassungen ist von Juli bis Oktober, ideal ist der September. Im Anhang des {{link aktionsplans flusskrebse de}} gibt es ein Felderhebungsblatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Newsletter =&lt;br /&gt;
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann melden Sie sich für unseren [https://www.biodivers.ch/index.php/newsletter-abonnieren.html monatlichen Newsletter] an und bleiben Sie informiert über aktuelle Artikel zur Förderung von Arten und Lebensräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS) hat einen Newsletter. Anmeldungen direkt an: [mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers] || info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch/ KFKS] || {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4737</id>
		<title>Flusskrebse</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4737"/>
				<updated>2025-03-07T14:39:59Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Ecrevisses]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_02_Edelkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Flusskrebse, auf dem Bild der Edelkrebs (''Astacus astacus'') sind nachtaktive Bewohner unserer Gewässer. Sie brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [http://biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch KFKS]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || August 2018&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_03_Dohlenkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes''), einer der drei einheimischen Flusskrebsarten  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei uns sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') heimisch. Sie sind nachtaktiv und leben versteckt in Fliess- und Stehgewässern verschiedener Grössen und Höhenlagen. Die Bestände gehen seit 50 Jahren stark zurück. Gründe dafür sind die Verbauung und Verschmutzung der Gewässer, die Konkurrenz durch vier eingeschleppte Flusskrebsarten und die Krebspest. Diese wird durch die ausgesetzten nordamerikanischen Flusskrebse, welche gegen den Erreger immun sind, und durch uns Menschen verbreitet. Die Sporen des Erregers werden ins Wasser abgegeben und können über nasse Gegenstände verschleppt werden.&lt;br /&gt;
Flusskrebse brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden. Sie können durch Gewässerrenaturierungen, mit dem Angebot sauberen Wassers sowie durch konsequentes Verhindern der weiteren Verbreitung der Krebspest gefördert werden. &lt;br /&gt;
Der Bund hat den {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz (2011) erarbeitet und seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)]. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen um den Schutz und die Förderung der einheimischen und Bekämpfung bzw. Ausbreitungsverhinderung der invasiven Flusskrebsarten in der Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_1_b_RdVaux_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Typisches, strukturreiches Krebsgewässer  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik und Vorkommen in der Schweiz =&lt;br /&gt;
In der Schweiz heimisch sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Neben diesen drei autochthonen Arten kommen vier eingeschleppte Arten vor: Der Galizische Sumpfkrebs oder «Galizier» (''Astacus leptodactylus''), welcher ursprünglich aus Osteuropa stammt, sowie der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (''Procambarus clarkii'') welche aus den USA eingeführt wurden. Sie gehören alle zur Ordnung der Decapoda (Zehnfusskrebse). Die einheimischen Arten sowie der Galizische Sumpfkrebs und der Signalkrebs gehören der Familie der Astacidae an, die anderen beiden der Familie der Cambaridae.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Edelkrebs 2 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Edelkrebs (''Astacus astacus'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Dohlenkrebs 2 96 dpi.png &lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie_Steinkrebs_2_96_dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse stellen innerhalb der schweizerischen Fauna einen Sonderfall dar, da mehr neobiotische als einheimische Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
=== Links und Literatur ===&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Biologie und Ökologie =&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind Allesfresser. Sie verwerten organisches Material und sind je nach Alter, Wassertemperatur und Angebot mehr herbi- oder karnivor. Gerne werden Mollusken und Wasserinsekten erbeutet. Kleinere Artgenossen oder sich in der Häutung befindliche wehrlose Flusskrebse, stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Verwesendes Aas wird von den meisten Arten nur in Ausnahmefällen gefressen. Bei feuchter Witterung wird die Nahrung ausnahmsweise (z. B. dichte Populationen oder Nahrungsmangel) auch an Land gesucht. Krebse sind «Gewässerpolizei» und «Müllabfuhr», in dem sie abgestorbene Flora und Fauna schnell beseitigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des starren Exoskeletts können Krebse nur wachsen, in dem sie sich häuten. Jungkrebse häuten sich häufig, junge Edelkrebse im 1. Jahr bis zu 10 Mal, als Adulte noch ca. 2 Mal pro Jahr. Die Vorbereitung zur Häutung dauert beim erwachsenen Krebs ca. 1 Woche, die Aushärtung danach ca. 3 bis 4 Tage. Bei Jungkrebsen verläuft der Zyklus wesentlich rascher. Bis zur Aushärtung des neuen Panzers ist der Krebs sehr weich («Butterkrebs») und somit verletzlich. Der Zeitpunkt der Häutung ist altersklassenmässig synchronisiert (vermindert Kannibalismus).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt im Herbst. Das Weibchen befestigt die befruchteten Eier auf der Unterseite des Abdomens (Schwanzteil) und betreibt intensive Brutpflege. Die Larven schlüpfen je nach Wassertemperatur Ende Mai bis Mitte Juli. 7 bis 10 Tage nach dem Schlüpfen erfolgt die erste Häutung. Nach ein paar weiteren Tagen verlassen die Jungtiere die Mutter. Die Weibchen leben während der ganzen Brutzeit zurückgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivität von Flusskrebsen ist von November/Dezember bis zum Frühjahr sehr gering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krebse sind auf eine reiche Strukturierung insbesondere des Uferbereichs angewiesen (Wurzelstöcke, steile Böschungen, grosse Steine). Wie der ideale Lebensraum gestaltet ist, ist im [[Media:Flusskrebs-DE.pdf|Flyer des Kantons Bern]] dargestellt. Krebse sind sehr empfindlich gegenüber Pestiziden (Pflanzenschutzmitteln), besonders Insektiziden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In sehr kalkarmen und sehr kalkreichen Gewässern können Krebse nicht leben. Im einten Fall steht für das Skelett zu wenig Kalk zur Verfügung, im anderen kommt es zu Kalkablagerungen auf dem Panzer (Versinterung), welche bei langem Häutungsintervall die Häutung verunmöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zu Biologie und Ökologie der Flusskrebse sind in «Decapoda» (Stucki &amp;amp; Zaugg 2005) zusammengefasst. Auf [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch] sind kurze Artenporträts aufgeschaltet. Umfangreiche Angaben findet man in «Edelkrebse: Biologie - Zucht – Bewirtschaftung» (Hager 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Abb03_Junge_Dohlenkrebse_(c)_Peter_Jean-Richard_zugeschnitten_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Junge Krebse (im Bild Dohlenkrebse) sind «Miniaturausgaben» der Erwachsenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
Seit 2014 gibt es die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}. Sie ist Anlaufstelle und hat beratende und koordinierende Funktion. Wer sich vertieft mit dem Schutz und der Förderung der einheimischen Flusskrebse auseinandersetzen möchte, dem sind die Informationen auf der Webseite und die Lektüre des {{link aktionsplans flusskrebse de}} zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strategie für die einheimischen Flusskrebse gemäss  {{link aktionsplan flusskrebse de}} verfolgt zwei hauptsächliche Ziele; einerseits den Schutz der einheimischen Populationen und andererseits die Bekämpfung und Eingrenzung der Bestände fremder Flusskrebsarten. &lt;br /&gt;
Nachfolgend wird auf ausgewählte Massnahmen eingegangen. Die vollständigen Informationen sind im Kapitel 6 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Renaturierung von Gewässern] sollen die Uferbereiche gut strukturiert werden. Krebse müssen Höhlen graben und sich verstecken können (unter Wurzeln oder Steinen). Dazu eignen sich besonders steile Böschungen. Fliessgewässer sollen unterschiedliche Strömungsverhältnisse (natürliche Abfolgen von Abschnitten mit starker und schwacher/keiner Strömung) aufweisen, welche geeignete Habitate und genügend Nahrung bieten (siehe Flyer des Kantons Bern [http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur/fischerei/aktuell.assetref/dam/documents/VOL/LANAT/de/Natur/Fischerei/RenF/DE_Flusskrebse_gzd.pdf «Lebensraum für Flusskrebse, Umgang bei Wasserbauprojekten»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki3_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Der Westerbach im Kanton Aargau mit harter Bachverbauung…&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki2_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = … welche in einem Projekt der Jagd- und Fischereiverwaltung Kanton Aargau zur Förderung des Dohlenkrebses (''Austropotamobius pallipes'') 2005 einseitig entfernt und das Gewässer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung#Ingenieurbiologische_Massnahmen_im_Bachbett_.28instream.29 instream] strukturiert wurde.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhaltsarbeiten und Bauprojekte in Gewässern müssen durch die für die Fischerei zuständige kantonale Behörde genehmigt und begleitet werden. Sie bestimmt die zu treffenden Schutzmassnahmen. Folgende Vorsichtsmassnahmen müssen getroffen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ausbaggerungen der Sohle zeitlich staffeln (abschnittweises Baggern). Ev. tiefere Bereiche («Pools») oder Feuchtzonen als Rückzugsgebiete anlegen.&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt auf das Minimum beschränken, keine Bäume fällen (mit gewissen Ausnahmen siehe «{{link aktionsplans flusskrebse de}}»; falls Bäume gefällt werden müssen, die Strünke belassen)&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt muss selektiv erfolgen&lt;br /&gt;
* Kein Befahren des Bachbetts mit Maschinen&lt;br /&gt;
* Im nicht bestockten Bereich abschnittweiser Böschungsunterhalt, Gestrüpp belassen.&lt;br /&gt;
* Das Stau- und Totholz darf nicht gänzlich aus dem Bett entfernt werden.&lt;br /&gt;
* Im Wald&lt;br /&gt;
** Die Bäume vom Gewässer weg fällen&lt;br /&gt;
** Astmaterial nicht im Gewässer und am Ufer ablagern (Gefahr der Versauerung des Gewässers)&lt;br /&gt;
** Das Gewässer nicht mit Maschinen befahren&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft&lt;br /&gt;
** Keine Beweidung der Ufer und des Bachbetts&lt;br /&gt;
** Keinen Zugang zum Gewässer als Viehtränke schaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Kantone haben Erfahrungen mit der Aufzucht und dem Aussetzen einheimischer Krebse, so zum Beispiel der Kanton Aargau mit [https://www.ag.ch/umwelt-aargau/pdf/UAG_54_39.pdf Dohlen- und Steinkrebsen]. Wichtig dabei ist, dass die Genetik berücksichtigt wird und somit nur Tiere aus dem gleichen Einzugsgebiet für Aufzucht bzw. Besatz verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Waldbewirtschaftung_entlang_Bach_96_dpi.PNG&lt;br /&gt;
| text = Entlang von Bächen im Wald ist es wichtig, das Gewässer bei der Bewirtschaftung zu schonen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_6_c_Cuarny_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Massnahmen gegen Schwebstoffbelastungen in einem Gewässer bei Cuarny VD. Dies ist bei allen Arbeiten in Gewässern wichtig. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktivitäten/Massnahmen der Kantone ==&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten der Kantone für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse sind auf der Webseite der [http://www.flusskrebse.ch/de_massnahmen.htm Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz] aufgelistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Alle drei heimischen Arten gehören zu den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten national prioritären Arten]]. Der Edelkrebs hat 2. Priorität, die anderen beiden haben die höchste Priorität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Datenbank des Projekts «Virtual Data Center VDC» werden seit 2014 die Fundorte sämtlicher Organismengruppen eingespeist, um sie bei naturschutzrelevanten Projekten berücksichtigen zu können. Mit der Datenbank sollen insbesondere die Bedürfnisse der kantonalen Fachstellen abgedeckt werden. Diese Daten sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung=&lt;br /&gt;
== Rote Listen ==&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind gefährdet (Edelkrebs) oder stark gefährdet (Steinkrebs und Dohlenkrebs)&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;small&amp;gt;Quelle: {{link aktionsplan flusskrebse de}}&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Gefährdungen == &lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_10_Kamberkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), einer der vier eingeschleppten invasiven Flusskrebsarten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
''Die Inhalte dieses Kapitels wurden aus dem {{link aktionsplan flusskrebse de}} übernommen.''&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit mehreren Jahrzehnten nehmen die Bestände einheimischer Flusskrebsarten ab; etwas langsamer im Falle des Edelkrebses (''Astacus astacus'') und stark im Falle von Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Zahlreiche Populationen sind bereits vollständig verschwunden und oft bestehen Bestände nur aus geografisch isolierten Reliktpopulationen, hauptsächlich in Oberläufen und Teichen. Dieser Rückgang geht einher mit der Ausbreitung der nicht-einheimischer Arten, die sich mit Ausnahme des Galizierkrebses (''Astacus leptodactylus'') zudem Krebspest-Träger sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hauptsächlichen Gründe des Rückgangs der einheimischen Krebse sind: &lt;br /&gt;
* Konkurrenz durch eingeführte fremde Flusskrebsarten, die weniger empfindlich auf die verschlechterten Umweltbedingungen reagieren, höhere Wachstumsraten und Fruchtbarkeit aufweisen und auch aggressiver sind. &lt;br /&gt;
* Die in der Schweiz meldepflichtige Seuche «Krebspest» (''Aphanomyces astaci''). Die Verbreitung dieses Erregers erfolgt durch amerikanische Flusskrebsarten, welche latente Träger sind, sowie durch den Menschen mit kontaminiertem Material (z. B. Fischereigeräte oder -stiefel, Versetzen infizierter Flusskrebse).&lt;br /&gt;
* Fliessgewässerkorrektionen und Uferverbauungen führen zu einer Monotonisierung der Strömungsverhältnisse und einer Vereinheitlichung der Ökomorphologie, wodurch Unterstände und für Flusskrebse geeignete Habitate verschwinden.&lt;br /&gt;
* Lokal schlechte Wasserqualität aufgrund punktueller oder chronischer Verschmutzungen (z. B. Mikroverunreinigungen, Pestizide, Industrieunfälle, ARA-Einleitungen, Jauche und anderen Düngemitteln usw.) was bestehende Populationen schwächen oder auslöschen kann.&lt;br /&gt;
* Eine dem Habitat nicht entsprechende fischereiliche Bewirtschaftung durch zu hohe Fischdichten in Stillgewässern oder in als Aufzuchtgewässer für Forellen genutzten Fliessgewässern. Dies bewirkt einen zu starken Frassdruck auf die Flusskrebsfauna. Eine weitere Gefährdungsursache ist die systematische Störung des Habitats durch Anwendung von Elektrofanggeräten und die ständige Begehung des Gewässers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS05_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses strukturarme Gewässer bietet Flusskrebsen keinen Lebensraum&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS06_Insektizide_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft führt zu Verunreinigungen in den Gewässern und gefährdet u. a. die einheimischen Flusskrebse.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Invasive Krebse ==&lt;br /&gt;
In den nächsten Jahren könnten, neben den bereits vier vorhandenen, weitere invasive Krebsarten Probleme bereiten (siehe [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch, «Weitere zu erwartende Arten»])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 19_Kalikokrebs_(Oronyctes_immunis)_Foto_Karsten_Grabow_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der [http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/115831/01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf?command=downloadContent&amp;amp;filename=01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf Kalikokrebs (''Orconectes immunis'')] (en allemand) kommt momentan in der Schweiz noch nicht vor, bereitet aber bereits in der Oberrheinischen Tiefebene Probleme&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebspest ==&lt;br /&gt;
Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} informiert auf ihrer Webseite über die [http://www.flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm Krebspest] und hat dazu mehrere [http://www.flusskrebse.ch/de_projekte.htm Merkblätter].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Verhinderung der Krebspestverbreitung - Was jeder Einzelne tun kann''' &lt;br /&gt;
(Quellen: [http://flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm flusskrebse.ch] und [https://www.waldwissen.net/wald/tiere/insekten_wirbellose/fva_flusskrebse/index_DE www.waldwissen.net]):&lt;br /&gt;
* Alle Gegenstände, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind, sollen keimfrei gemacht werden bevor ein Flusskrebsgewässer betreten wird. &lt;br /&gt;
* Eine Desinfektion ist zwingend notwendig, wenn zwischen verschiedenen Gewässern oder Gewässerabschnitten gewechselt wird.&lt;br /&gt;
* Desinfizieren:&lt;br /&gt;
** Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. desinfizieren&lt;br /&gt;
** Wenn Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. eine glatte Oberfläche aufweisen, genügt das Abtrocknen lassen und Lagern bei mind. 25°C während 24 Stunden. Feuchtigkeitsnester, zum Beispiel Schlammreste im Profil von Stiefeln, sind vorgängig zu entfernen.&lt;br /&gt;
** Auch ein Erhitzen auf mind. 60 °C (am besten Abkochen) für 5 Minuten oder Einfrieren bei -20 °C für mindestens zwei Tage tötet die Erregersporen ab.&lt;br /&gt;
** Desinfektion mit Natriumhypochlorit oder Peressigsäure. Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} empfiehlt die Verwendung von VirkonS oder Wofasteril. Bezugsquelle für VirkonS (Wirkstoff Natriumhypochlorit): [http://www.arovet.ch/ www.arovet.ch]; Bezugsquelle für Wofasteril (Wirkstoff Peressigsäure): [http://www.hygline.ch/reinigen-und-desinfizieren/landwirtschaft/schafe-ziegen/stall/desinfektionsmittel/ www.hygline.ch], &lt;br /&gt;
** Schlecht trocknende Gegenstände sind mindestens 14 Tage bei 25°C zu lagern. &lt;br /&gt;
* Von der Verwendung von Stiefeln mit Filzsohlen ist abzuraten, da diese sehr schlecht trocknen.&lt;br /&gt;
* Um eine Verschleppung zu vermeiden, ist auf das Aussetzen von Besatzfischen aus Krebspestgewässern zu verzichten, da diese auch Zoosporen mittragen können. / Pour éviter la propagation de la maladie, il convient de ne plus lâcher de poissons de repeuplement provenant d’eaux infestées par la peste de l’écrevisse car ils peuvent être aussi porteurs de zoospores.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen mit detaillierten Angaben siehe [http://flusskrebse.ch/de_projekte.htm  Merkblatt «Verhinderung der Krebspestverbreitung»].&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Krebspest_Peter_Jean_Richard.jpg&lt;br /&gt;
| text = Von der Krebspest befallener bereits toter Galizischer Sumpfkrebs (''Astacus leptodactylus'').&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wissenslücken=&lt;br /&gt;
* Aktuelles Wissen über die Bestandessituation in der Schweiz&lt;br /&gt;
* Vorkommen der Krebspest in der Schweiz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele=&lt;br /&gt;
* Unter [http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm] sind diverse Projektberichte und -beschriebe aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Links = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Links ==&lt;br /&gt;
* {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
* [http://www.forum-flusskrebse.org/ forum flusskrebse]: Das Forum Flusskrebse ist ein Zusammenschluss verschiedener deutschsprachiger Flusskrebsspezialisten, welche international agieren und Tagungen organisieren. Vor allem Interessant für Personen, die sich tiefergreifend mit der Materie auseinandersetzen und dem Netzwerk beitreten wollen. &lt;br /&gt;
* Informationen zu den Flusskrebsen auf der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/fauna-der-schweiz/flusskrebse.html Webseite des CSCF] &lt;br /&gt;
** Neben allgemeinen Informationen zu Krebsen können als wichtiger Service Daten abgefragt und Artenlisten erstellt werden&lt;br /&gt;
* [https://lepus.unine.ch/carto/ Kartenserver info fauna]&lt;br /&gt;
* Für Fischerei und Krebse zuständige [https://www.kvu.ch/de/adressen/jagd-fischerei Fachstellen der Kantone]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturempfehlungen= &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundlagen- und Übersichtswerke ==&lt;br /&gt;
* David M. Holdich, 2002. Biology of freshwater crayfish. Blackwell Science, Oxford.&lt;br /&gt;
* EDER, E. &amp;amp; HÖDL, W. 1998: Flusskrebse Österreichs. – Stapfia 58, Linz, pp 284.&lt;br /&gt;
* Füreder, L., 2009. Flusskrebse: Biologie, Ökologie, Gefährdung, Veröffentlichungen des Naturmuseums Südtirol, Bozen. Folio-Verlag, Wien.&lt;br /&gt;
* HAGER, J. (2003): Edelkrebse. Biologie – Zucht – Bewirtschaftung. 2., überarbeitete Auflage. − Leopold Stocker.&lt;br /&gt;
* HOFMANN, J. 1980: Die Flusskrebse.- Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, pp 110.&lt;br /&gt;
* Souty-Grosset, C., 2006. Atlas of crayfish in Europe, Collection patrimoines naturels. Publications scientifiques du Muséum national d’histoire naturelle, Paris.&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Praxisrelevante Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stucki P., Zaugg B. 2011: {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz. Artenförderung von Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Vollzug Nr. 1104: 61 S&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsliteratur ==&lt;br /&gt;
* Auf der Webseite der {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} hat es einen Bestimmungsschlüssel und eine online-Bestimmungshilfe.&lt;br /&gt;
* In Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica (Stucki, P., Zaugg, B., 2005) ist ein Bestimmungsschlüssel enthalten.&lt;br /&gt;
* Empfehlenswerter [http://www.lazbw-ffs-krebse.de/home.html Online-Bestimmungsschlüssel]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verschiedenes=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- == Aktuelle Weiterbildungsveranstaltungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://flusskrebse.ch/index.htm 4. Flusskrebssymposium, 10. September 2018, in Olten]&lt;br /&gt;
* [https://www.igfischerei.ch/index.php/programmlink/krebsseminar-2018 Krebsseminar für Einsteiger 1. September 2018 in Langnau am Albis ZH]&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Filme über Krebse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/ Netz Natur] hat zu Krebsen zwei sehenswerte Filme ausgestrahlt:&lt;br /&gt;
* Krebse sind gefrässig, wo immer sie auftauchen. Und viele sind auch selbst delikat - was ihnen immer wieder zum Verhängnis wird. Ökologisch sind sie unentbehrlich - was uns Menschen kaum bewusst ist, wenn wir nur an Delikatessen denken. «NETZ Natur» stellt deshalb Krustentiere vor - [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/krebse-das-grosse-fressen auf dem Teller und in der Natur].&lt;br /&gt;
* Verrückt, wenn sich auf den Weihnachtsinseln alljährlich 60 Millionen rote Landkrabben auf den Weg ans Meer machen. Verrückt auch, wie sich kleine Planktonkrebschen in Salinen wohlfühlen, die so salzig sind, dass dort kaum ein anderes Tier überleben kann. In einer [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/die-verrueckten verrückten Sendung] zeigt NETZ Natur die unglaubliche Vielfalt der Krebse und ihre Wichtigkeit in der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebsbeobachtungen melden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse ist es wichtig, dass Sie Ihre Beobachtungen ({{link_webfauna_cscf_de}}). Funde können auch direkt an die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz gemeldet werden ([mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]), welche sie an die Kantone weiterleitet. &lt;br /&gt;
Für eine sichere Bestimmung braucht es je ein Foto von oben und von unten mit Fokus auf Ober- und Unterseite der Scheren sowie auf die Schwanzoberseite. Im Weiteren eine Nahaufnahme von der Seite des Carapax (Bedornung bei der Nackenfurche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliches ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kap. 3 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} sind der rechtliche Status und der Schutzstatus abgehandelt.&lt;br /&gt;
Die rechtlichen Grundlagen zu den Flusskrebsen sind im [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19910137/index.html Bundesgesetz über die Fischerei] und in der dazugehörigen [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19930332/index.html Ausführungsverordnung]. Darin ist u. a. folgendes geregelt:&lt;br /&gt;
* Das Fangen von Krebsen bedarf einer Bewilligung des Fischpächters bzw. des Kantons.&lt;br /&gt;
* Die Schonzeit der einheimischen Flusskrebsarten beträgt mindestens 40 Wochen.&lt;br /&gt;
* Die Fangmindestmasse betragen für den Edelkrebs (Astacus astacus) 12 cm und für den Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) und den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) je 9 cm.&lt;br /&gt;
* Der Fang, Transport und das Aussetzen von nicht einheimischen Flusskrebsarten ist verboten bzw. bewilligungspflichtig.&lt;br /&gt;
* Das Halten von nicht einheimischen Arten im Aquarium ist bewilligungspflichtig. (Bemerkung: Bewilligungen werden nur für Ausstellungen oder zu Forschungszwecken ausgestellt.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestandserfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gute Zeit für Bestandserfassungen ist von Juli bis Oktober, ideal ist der September. Im Anhang des {{link aktionsplans flusskrebse de}} gibt es ein Felderhebungsblatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Newsletter =&lt;br /&gt;
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann melden Sie sich für unseren [https://www.biodivers.ch/index.php/newsletter-abonnieren.html monatlichen Newsletter] an und bleiben Sie informiert über aktuelle Artikel zur Förderung von Arten und Lebensräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS) hat einen Newsletter. Anmeldungen direkt an: [mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers] || info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch/ KFKS] || {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4736</id>
		<title>Flusskrebse</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4736"/>
				<updated>2025-03-07T14:39:18Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Ecrevisses]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_02_Edelkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Flusskrebse, auf dem Bild der Edelkrebs (''Astacus astacus'') sind nachtaktive Bewohner unserer Gewässer. Sie brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [http://biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch KFKS]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || August 2018&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_03_Dohlenkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes''), einer der drei einheimischen Flusskrebsarten  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei uns sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') heimisch. Sie sind nachtaktiv und leben versteckt in Fliess- und Stehgewässern verschiedener Grössen und Höhenlagen. Die Bestände gehen seit 50 Jahren stark zurück. Gründe dafür sind die Verbauung und Verschmutzung der Gewässer, die Konkurrenz durch vier eingeschleppte Flusskrebsarten und die Krebspest. Diese wird durch die ausgesetzten nordamerikanischen Flusskrebse, welche gegen den Erreger immun sind, und durch uns Menschen verbreitet. Die Sporen des Erregers werden ins Wasser abgegeben und können über nasse Gegenstände verschleppt werden.&lt;br /&gt;
Flusskrebse brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden. Sie können durch Gewässerrenaturierungen, mit dem Angebot sauberen Wassers sowie durch konsequentes Verhindern der weiteren Verbreitung der Krebspest gefördert werden. &lt;br /&gt;
Der Bund hat den {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz (2011) erarbeitet und seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS)] {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen um den Schutz und die Förderung der einheimischen und Bekämpfung bzw. Ausbreitungsverhinderung der invasiven Flusskrebsarten in der Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_1_b_RdVaux_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Typisches, strukturreiches Krebsgewässer  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik und Vorkommen in der Schweiz =&lt;br /&gt;
In der Schweiz heimisch sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Neben diesen drei autochthonen Arten kommen vier eingeschleppte Arten vor: Der Galizische Sumpfkrebs oder «Galizier» (''Astacus leptodactylus''), welcher ursprünglich aus Osteuropa stammt, sowie der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (''Procambarus clarkii'') welche aus den USA eingeführt wurden. Sie gehören alle zur Ordnung der Decapoda (Zehnfusskrebse). Die einheimischen Arten sowie der Galizische Sumpfkrebs und der Signalkrebs gehören der Familie der Astacidae an, die anderen beiden der Familie der Cambaridae.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Edelkrebs 2 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Edelkrebs (''Astacus astacus'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Dohlenkrebs 2 96 dpi.png &lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie_Steinkrebs_2_96_dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse stellen innerhalb der schweizerischen Fauna einen Sonderfall dar, da mehr neobiotische als einheimische Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
=== Links und Literatur ===&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Biologie und Ökologie =&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind Allesfresser. Sie verwerten organisches Material und sind je nach Alter, Wassertemperatur und Angebot mehr herbi- oder karnivor. Gerne werden Mollusken und Wasserinsekten erbeutet. Kleinere Artgenossen oder sich in der Häutung befindliche wehrlose Flusskrebse, stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Verwesendes Aas wird von den meisten Arten nur in Ausnahmefällen gefressen. Bei feuchter Witterung wird die Nahrung ausnahmsweise (z. B. dichte Populationen oder Nahrungsmangel) auch an Land gesucht. Krebse sind «Gewässerpolizei» und «Müllabfuhr», in dem sie abgestorbene Flora und Fauna schnell beseitigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des starren Exoskeletts können Krebse nur wachsen, in dem sie sich häuten. Jungkrebse häuten sich häufig, junge Edelkrebse im 1. Jahr bis zu 10 Mal, als Adulte noch ca. 2 Mal pro Jahr. Die Vorbereitung zur Häutung dauert beim erwachsenen Krebs ca. 1 Woche, die Aushärtung danach ca. 3 bis 4 Tage. Bei Jungkrebsen verläuft der Zyklus wesentlich rascher. Bis zur Aushärtung des neuen Panzers ist der Krebs sehr weich («Butterkrebs») und somit verletzlich. Der Zeitpunkt der Häutung ist altersklassenmässig synchronisiert (vermindert Kannibalismus).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt im Herbst. Das Weibchen befestigt die befruchteten Eier auf der Unterseite des Abdomens (Schwanzteil) und betreibt intensive Brutpflege. Die Larven schlüpfen je nach Wassertemperatur Ende Mai bis Mitte Juli. 7 bis 10 Tage nach dem Schlüpfen erfolgt die erste Häutung. Nach ein paar weiteren Tagen verlassen die Jungtiere die Mutter. Die Weibchen leben während der ganzen Brutzeit zurückgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivität von Flusskrebsen ist von November/Dezember bis zum Frühjahr sehr gering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krebse sind auf eine reiche Strukturierung insbesondere des Uferbereichs angewiesen (Wurzelstöcke, steile Böschungen, grosse Steine). Wie der ideale Lebensraum gestaltet ist, ist im [[Media:Flusskrebs-DE.pdf|Flyer des Kantons Bern]] dargestellt. Krebse sind sehr empfindlich gegenüber Pestiziden (Pflanzenschutzmitteln), besonders Insektiziden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In sehr kalkarmen und sehr kalkreichen Gewässern können Krebse nicht leben. Im einten Fall steht für das Skelett zu wenig Kalk zur Verfügung, im anderen kommt es zu Kalkablagerungen auf dem Panzer (Versinterung), welche bei langem Häutungsintervall die Häutung verunmöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zu Biologie und Ökologie der Flusskrebse sind in «Decapoda» (Stucki &amp;amp; Zaugg 2005) zusammengefasst. Auf [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch] sind kurze Artenporträts aufgeschaltet. Umfangreiche Angaben findet man in «Edelkrebse: Biologie - Zucht – Bewirtschaftung» (Hager 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Abb03_Junge_Dohlenkrebse_(c)_Peter_Jean-Richard_zugeschnitten_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Junge Krebse (im Bild Dohlenkrebse) sind «Miniaturausgaben» der Erwachsenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
Seit 2014 gibt es die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}. Sie ist Anlaufstelle und hat beratende und koordinierende Funktion. Wer sich vertieft mit dem Schutz und der Förderung der einheimischen Flusskrebse auseinandersetzen möchte, dem sind die Informationen auf der Webseite und die Lektüre des {{link aktionsplans flusskrebse de}} zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strategie für die einheimischen Flusskrebse gemäss  {{link aktionsplan flusskrebse de}} verfolgt zwei hauptsächliche Ziele; einerseits den Schutz der einheimischen Populationen und andererseits die Bekämpfung und Eingrenzung der Bestände fremder Flusskrebsarten. &lt;br /&gt;
Nachfolgend wird auf ausgewählte Massnahmen eingegangen. Die vollständigen Informationen sind im Kapitel 6 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Renaturierung von Gewässern] sollen die Uferbereiche gut strukturiert werden. Krebse müssen Höhlen graben und sich verstecken können (unter Wurzeln oder Steinen). Dazu eignen sich besonders steile Böschungen. Fliessgewässer sollen unterschiedliche Strömungsverhältnisse (natürliche Abfolgen von Abschnitten mit starker und schwacher/keiner Strömung) aufweisen, welche geeignete Habitate und genügend Nahrung bieten (siehe Flyer des Kantons Bern [http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur/fischerei/aktuell.assetref/dam/documents/VOL/LANAT/de/Natur/Fischerei/RenF/DE_Flusskrebse_gzd.pdf «Lebensraum für Flusskrebse, Umgang bei Wasserbauprojekten»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki3_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Der Westerbach im Kanton Aargau mit harter Bachverbauung…&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki2_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = … welche in einem Projekt der Jagd- und Fischereiverwaltung Kanton Aargau zur Förderung des Dohlenkrebses (''Austropotamobius pallipes'') 2005 einseitig entfernt und das Gewässer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung#Ingenieurbiologische_Massnahmen_im_Bachbett_.28instream.29 instream] strukturiert wurde.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhaltsarbeiten und Bauprojekte in Gewässern müssen durch die für die Fischerei zuständige kantonale Behörde genehmigt und begleitet werden. Sie bestimmt die zu treffenden Schutzmassnahmen. Folgende Vorsichtsmassnahmen müssen getroffen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ausbaggerungen der Sohle zeitlich staffeln (abschnittweises Baggern). Ev. tiefere Bereiche («Pools») oder Feuchtzonen als Rückzugsgebiete anlegen.&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt auf das Minimum beschränken, keine Bäume fällen (mit gewissen Ausnahmen siehe «{{link aktionsplans flusskrebse de}}»; falls Bäume gefällt werden müssen, die Strünke belassen)&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt muss selektiv erfolgen&lt;br /&gt;
* Kein Befahren des Bachbetts mit Maschinen&lt;br /&gt;
* Im nicht bestockten Bereich abschnittweiser Böschungsunterhalt, Gestrüpp belassen.&lt;br /&gt;
* Das Stau- und Totholz darf nicht gänzlich aus dem Bett entfernt werden.&lt;br /&gt;
* Im Wald&lt;br /&gt;
** Die Bäume vom Gewässer weg fällen&lt;br /&gt;
** Astmaterial nicht im Gewässer und am Ufer ablagern (Gefahr der Versauerung des Gewässers)&lt;br /&gt;
** Das Gewässer nicht mit Maschinen befahren&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft&lt;br /&gt;
** Keine Beweidung der Ufer und des Bachbetts&lt;br /&gt;
** Keinen Zugang zum Gewässer als Viehtränke schaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Kantone haben Erfahrungen mit der Aufzucht und dem Aussetzen einheimischer Krebse, so zum Beispiel der Kanton Aargau mit [https://www.ag.ch/umwelt-aargau/pdf/UAG_54_39.pdf Dohlen- und Steinkrebsen]. Wichtig dabei ist, dass die Genetik berücksichtigt wird und somit nur Tiere aus dem gleichen Einzugsgebiet für Aufzucht bzw. Besatz verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Waldbewirtschaftung_entlang_Bach_96_dpi.PNG&lt;br /&gt;
| text = Entlang von Bächen im Wald ist es wichtig, das Gewässer bei der Bewirtschaftung zu schonen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_6_c_Cuarny_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Massnahmen gegen Schwebstoffbelastungen in einem Gewässer bei Cuarny VD. Dies ist bei allen Arbeiten in Gewässern wichtig. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktivitäten/Massnahmen der Kantone ==&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten der Kantone für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse sind auf der Webseite der [http://www.flusskrebse.ch/de_massnahmen.htm Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz] aufgelistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Alle drei heimischen Arten gehören zu den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten national prioritären Arten]]. Der Edelkrebs hat 2. Priorität, die anderen beiden haben die höchste Priorität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Datenbank des Projekts «Virtual Data Center VDC» werden seit 2014 die Fundorte sämtlicher Organismengruppen eingespeist, um sie bei naturschutzrelevanten Projekten berücksichtigen zu können. Mit der Datenbank sollen insbesondere die Bedürfnisse der kantonalen Fachstellen abgedeckt werden. Diese Daten sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung=&lt;br /&gt;
== Rote Listen ==&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind gefährdet (Edelkrebs) oder stark gefährdet (Steinkrebs und Dohlenkrebs)&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;small&amp;gt;Quelle: {{link aktionsplan flusskrebse de}}&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Gefährdungen == &lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_10_Kamberkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), einer der vier eingeschleppten invasiven Flusskrebsarten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
''Die Inhalte dieses Kapitels wurden aus dem {{link aktionsplan flusskrebse de}} übernommen.''&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit mehreren Jahrzehnten nehmen die Bestände einheimischer Flusskrebsarten ab; etwas langsamer im Falle des Edelkrebses (''Astacus astacus'') und stark im Falle von Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Zahlreiche Populationen sind bereits vollständig verschwunden und oft bestehen Bestände nur aus geografisch isolierten Reliktpopulationen, hauptsächlich in Oberläufen und Teichen. Dieser Rückgang geht einher mit der Ausbreitung der nicht-einheimischer Arten, die sich mit Ausnahme des Galizierkrebses (''Astacus leptodactylus'') zudem Krebspest-Träger sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hauptsächlichen Gründe des Rückgangs der einheimischen Krebse sind: &lt;br /&gt;
* Konkurrenz durch eingeführte fremde Flusskrebsarten, die weniger empfindlich auf die verschlechterten Umweltbedingungen reagieren, höhere Wachstumsraten und Fruchtbarkeit aufweisen und auch aggressiver sind. &lt;br /&gt;
* Die in der Schweiz meldepflichtige Seuche «Krebspest» (''Aphanomyces astaci''). Die Verbreitung dieses Erregers erfolgt durch amerikanische Flusskrebsarten, welche latente Träger sind, sowie durch den Menschen mit kontaminiertem Material (z. B. Fischereigeräte oder -stiefel, Versetzen infizierter Flusskrebse).&lt;br /&gt;
* Fliessgewässerkorrektionen und Uferverbauungen führen zu einer Monotonisierung der Strömungsverhältnisse und einer Vereinheitlichung der Ökomorphologie, wodurch Unterstände und für Flusskrebse geeignete Habitate verschwinden.&lt;br /&gt;
* Lokal schlechte Wasserqualität aufgrund punktueller oder chronischer Verschmutzungen (z. B. Mikroverunreinigungen, Pestizide, Industrieunfälle, ARA-Einleitungen, Jauche und anderen Düngemitteln usw.) was bestehende Populationen schwächen oder auslöschen kann.&lt;br /&gt;
* Eine dem Habitat nicht entsprechende fischereiliche Bewirtschaftung durch zu hohe Fischdichten in Stillgewässern oder in als Aufzuchtgewässer für Forellen genutzten Fliessgewässern. Dies bewirkt einen zu starken Frassdruck auf die Flusskrebsfauna. Eine weitere Gefährdungsursache ist die systematische Störung des Habitats durch Anwendung von Elektrofanggeräten und die ständige Begehung des Gewässers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS05_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses strukturarme Gewässer bietet Flusskrebsen keinen Lebensraum&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS06_Insektizide_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft führt zu Verunreinigungen in den Gewässern und gefährdet u. a. die einheimischen Flusskrebse.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Invasive Krebse ==&lt;br /&gt;
In den nächsten Jahren könnten, neben den bereits vier vorhandenen, weitere invasive Krebsarten Probleme bereiten (siehe [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch, «Weitere zu erwartende Arten»])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 19_Kalikokrebs_(Oronyctes_immunis)_Foto_Karsten_Grabow_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der [http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/115831/01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf?command=downloadContent&amp;amp;filename=01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf Kalikokrebs (''Orconectes immunis'')] (en allemand) kommt momentan in der Schweiz noch nicht vor, bereitet aber bereits in der Oberrheinischen Tiefebene Probleme&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebspest ==&lt;br /&gt;
Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} informiert auf ihrer Webseite über die [http://www.flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm Krebspest] und hat dazu mehrere [http://www.flusskrebse.ch/de_projekte.htm Merkblätter].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Verhinderung der Krebspestverbreitung - Was jeder Einzelne tun kann''' &lt;br /&gt;
(Quellen: [http://flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm flusskrebse.ch] und [https://www.waldwissen.net/wald/tiere/insekten_wirbellose/fva_flusskrebse/index_DE www.waldwissen.net]):&lt;br /&gt;
* Alle Gegenstände, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind, sollen keimfrei gemacht werden bevor ein Flusskrebsgewässer betreten wird. &lt;br /&gt;
* Eine Desinfektion ist zwingend notwendig, wenn zwischen verschiedenen Gewässern oder Gewässerabschnitten gewechselt wird.&lt;br /&gt;
* Desinfizieren:&lt;br /&gt;
** Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. desinfizieren&lt;br /&gt;
** Wenn Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. eine glatte Oberfläche aufweisen, genügt das Abtrocknen lassen und Lagern bei mind. 25°C während 24 Stunden. Feuchtigkeitsnester, zum Beispiel Schlammreste im Profil von Stiefeln, sind vorgängig zu entfernen.&lt;br /&gt;
** Auch ein Erhitzen auf mind. 60 °C (am besten Abkochen) für 5 Minuten oder Einfrieren bei -20 °C für mindestens zwei Tage tötet die Erregersporen ab.&lt;br /&gt;
** Desinfektion mit Natriumhypochlorit oder Peressigsäure. Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} empfiehlt die Verwendung von VirkonS oder Wofasteril. Bezugsquelle für VirkonS (Wirkstoff Natriumhypochlorit): [http://www.arovet.ch/ www.arovet.ch]; Bezugsquelle für Wofasteril (Wirkstoff Peressigsäure): [http://www.hygline.ch/reinigen-und-desinfizieren/landwirtschaft/schafe-ziegen/stall/desinfektionsmittel/ www.hygline.ch], &lt;br /&gt;
** Schlecht trocknende Gegenstände sind mindestens 14 Tage bei 25°C zu lagern. &lt;br /&gt;
* Von der Verwendung von Stiefeln mit Filzsohlen ist abzuraten, da diese sehr schlecht trocknen.&lt;br /&gt;
* Um eine Verschleppung zu vermeiden, ist auf das Aussetzen von Besatzfischen aus Krebspestgewässern zu verzichten, da diese auch Zoosporen mittragen können. / Pour éviter la propagation de la maladie, il convient de ne plus lâcher de poissons de repeuplement provenant d’eaux infestées par la peste de l’écrevisse car ils peuvent être aussi porteurs de zoospores.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen mit detaillierten Angaben siehe [http://flusskrebse.ch/de_projekte.htm  Merkblatt «Verhinderung der Krebspestverbreitung»].&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Krebspest_Peter_Jean_Richard.jpg&lt;br /&gt;
| text = Von der Krebspest befallener bereits toter Galizischer Sumpfkrebs (''Astacus leptodactylus'').&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wissenslücken=&lt;br /&gt;
* Aktuelles Wissen über die Bestandessituation in der Schweiz&lt;br /&gt;
* Vorkommen der Krebspest in der Schweiz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele=&lt;br /&gt;
* Unter [http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm] sind diverse Projektberichte und -beschriebe aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Links = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Links ==&lt;br /&gt;
* {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
* [http://www.forum-flusskrebse.org/ forum flusskrebse]: Das Forum Flusskrebse ist ein Zusammenschluss verschiedener deutschsprachiger Flusskrebsspezialisten, welche international agieren und Tagungen organisieren. Vor allem Interessant für Personen, die sich tiefergreifend mit der Materie auseinandersetzen und dem Netzwerk beitreten wollen. &lt;br /&gt;
* Informationen zu den Flusskrebsen auf der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/fauna-der-schweiz/flusskrebse.html Webseite des CSCF] &lt;br /&gt;
** Neben allgemeinen Informationen zu Krebsen können als wichtiger Service Daten abgefragt und Artenlisten erstellt werden&lt;br /&gt;
* [https://lepus.unine.ch/carto/ Kartenserver info fauna]&lt;br /&gt;
* Für Fischerei und Krebse zuständige [https://www.kvu.ch/de/adressen/jagd-fischerei Fachstellen der Kantone]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturempfehlungen= &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundlagen- und Übersichtswerke ==&lt;br /&gt;
* David M. Holdich, 2002. Biology of freshwater crayfish. Blackwell Science, Oxford.&lt;br /&gt;
* EDER, E. &amp;amp; HÖDL, W. 1998: Flusskrebse Österreichs. – Stapfia 58, Linz, pp 284.&lt;br /&gt;
* Füreder, L., 2009. Flusskrebse: Biologie, Ökologie, Gefährdung, Veröffentlichungen des Naturmuseums Südtirol, Bozen. Folio-Verlag, Wien.&lt;br /&gt;
* HAGER, J. (2003): Edelkrebse. Biologie – Zucht – Bewirtschaftung. 2., überarbeitete Auflage. − Leopold Stocker.&lt;br /&gt;
* HOFMANN, J. 1980: Die Flusskrebse.- Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, pp 110.&lt;br /&gt;
* Souty-Grosset, C., 2006. Atlas of crayfish in Europe, Collection patrimoines naturels. Publications scientifiques du Muséum national d’histoire naturelle, Paris.&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Praxisrelevante Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stucki P., Zaugg B. 2011: {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz. Artenförderung von Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Vollzug Nr. 1104: 61 S&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsliteratur ==&lt;br /&gt;
* Auf der Webseite der {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} hat es einen Bestimmungsschlüssel und eine online-Bestimmungshilfe.&lt;br /&gt;
* In Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica (Stucki, P., Zaugg, B., 2005) ist ein Bestimmungsschlüssel enthalten.&lt;br /&gt;
* Empfehlenswerter [http://www.lazbw-ffs-krebse.de/home.html Online-Bestimmungsschlüssel]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verschiedenes=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- == Aktuelle Weiterbildungsveranstaltungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://flusskrebse.ch/index.htm 4. Flusskrebssymposium, 10. September 2018, in Olten]&lt;br /&gt;
* [https://www.igfischerei.ch/index.php/programmlink/krebsseminar-2018 Krebsseminar für Einsteiger 1. September 2018 in Langnau am Albis ZH]&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Filme über Krebse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/ Netz Natur] hat zu Krebsen zwei sehenswerte Filme ausgestrahlt:&lt;br /&gt;
* Krebse sind gefrässig, wo immer sie auftauchen. Und viele sind auch selbst delikat - was ihnen immer wieder zum Verhängnis wird. Ökologisch sind sie unentbehrlich - was uns Menschen kaum bewusst ist, wenn wir nur an Delikatessen denken. «NETZ Natur» stellt deshalb Krustentiere vor - [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/krebse-das-grosse-fressen auf dem Teller und in der Natur].&lt;br /&gt;
* Verrückt, wenn sich auf den Weihnachtsinseln alljährlich 60 Millionen rote Landkrabben auf den Weg ans Meer machen. Verrückt auch, wie sich kleine Planktonkrebschen in Salinen wohlfühlen, die so salzig sind, dass dort kaum ein anderes Tier überleben kann. In einer [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/die-verrueckten verrückten Sendung] zeigt NETZ Natur die unglaubliche Vielfalt der Krebse und ihre Wichtigkeit in der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebsbeobachtungen melden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse ist es wichtig, dass Sie Ihre Beobachtungen ({{link_webfauna_cscf_de}}). Funde können auch direkt an die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz gemeldet werden ([mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]), welche sie an die Kantone weiterleitet. &lt;br /&gt;
Für eine sichere Bestimmung braucht es je ein Foto von oben und von unten mit Fokus auf Ober- und Unterseite der Scheren sowie auf die Schwanzoberseite. Im Weiteren eine Nahaufnahme von der Seite des Carapax (Bedornung bei der Nackenfurche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliches ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kap. 3 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} sind der rechtliche Status und der Schutzstatus abgehandelt.&lt;br /&gt;
Die rechtlichen Grundlagen zu den Flusskrebsen sind im [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19910137/index.html Bundesgesetz über die Fischerei] und in der dazugehörigen [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19930332/index.html Ausführungsverordnung]. Darin ist u. a. folgendes geregelt:&lt;br /&gt;
* Das Fangen von Krebsen bedarf einer Bewilligung des Fischpächters bzw. des Kantons.&lt;br /&gt;
* Die Schonzeit der einheimischen Flusskrebsarten beträgt mindestens 40 Wochen.&lt;br /&gt;
* Die Fangmindestmasse betragen für den Edelkrebs (Astacus astacus) 12 cm und für den Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) und den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) je 9 cm.&lt;br /&gt;
* Der Fang, Transport und das Aussetzen von nicht einheimischen Flusskrebsarten ist verboten bzw. bewilligungspflichtig.&lt;br /&gt;
* Das Halten von nicht einheimischen Arten im Aquarium ist bewilligungspflichtig. (Bemerkung: Bewilligungen werden nur für Ausstellungen oder zu Forschungszwecken ausgestellt.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestandserfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gute Zeit für Bestandserfassungen ist von Juli bis Oktober, ideal ist der September. Im Anhang des {{link aktionsplans flusskrebse de}} gibt es ein Felderhebungsblatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Newsletter =&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS) hat einen Newsletter. Anmeldungen direkt an: [mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers] || info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch/ KFKS] || {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4735</id>
		<title>Flusskrebse</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4735"/>
				<updated>2025-03-07T14:38:34Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Ecrevisses]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_02_Edelkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Flusskrebse, auf dem Bild der Edelkrebs (''Astacus astacus'') sind nachtaktive Bewohner unserer Gewässer. Sie brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [http://biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch KFKS]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || August 2018&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_03_Dohlenkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes''), einer der drei einheimischen Flusskrebsarten  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei uns sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') heimisch. Sie sind nachtaktiv und leben versteckt in Fliess- und Stehgewässern verschiedener Grössen und Höhenlagen. Die Bestände gehen seit 50 Jahren stark zurück. Gründe dafür sind die Verbauung und Verschmutzung der Gewässer, die Konkurrenz durch vier eingeschleppte Flusskrebsarten und die Krebspest. Diese wird durch die ausgesetzten nordamerikanischen Flusskrebse, welche gegen den Erreger immun sind, und durch uns Menschen verbreitet. Die Sporen des Erregers werden ins Wasser abgegeben und können über nasse Gegenstände verschleppt werden.&lt;br /&gt;
Flusskrebse brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden. Sie können durch Gewässerrenaturierungen, mit dem Angebot sauberen Wassers sowie durch konsequentes Verhindern der weiteren Verbreitung der Krebspest gefördert werden. &lt;br /&gt;
Der Bund hat den {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz (2011) erarbeitet und seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz] {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen um den Schutz und die Förderung der einheimischen und Bekämpfung bzw. Ausbreitungsverhinderung der invasiven Flusskrebsarten in der Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_1_b_RdVaux_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Typisches, strukturreiches Krebsgewässer  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik und Vorkommen in der Schweiz =&lt;br /&gt;
In der Schweiz heimisch sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Neben diesen drei autochthonen Arten kommen vier eingeschleppte Arten vor: Der Galizische Sumpfkrebs oder «Galizier» (''Astacus leptodactylus''), welcher ursprünglich aus Osteuropa stammt, sowie der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (''Procambarus clarkii'') welche aus den USA eingeführt wurden. Sie gehören alle zur Ordnung der Decapoda (Zehnfusskrebse). Die einheimischen Arten sowie der Galizische Sumpfkrebs und der Signalkrebs gehören der Familie der Astacidae an, die anderen beiden der Familie der Cambaridae.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Edelkrebs 2 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Edelkrebs (''Astacus astacus'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Dohlenkrebs 2 96 dpi.png &lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie_Steinkrebs_2_96_dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse stellen innerhalb der schweizerischen Fauna einen Sonderfall dar, da mehr neobiotische als einheimische Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
=== Links und Literatur ===&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Biologie und Ökologie =&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind Allesfresser. Sie verwerten organisches Material und sind je nach Alter, Wassertemperatur und Angebot mehr herbi- oder karnivor. Gerne werden Mollusken und Wasserinsekten erbeutet. Kleinere Artgenossen oder sich in der Häutung befindliche wehrlose Flusskrebse, stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Verwesendes Aas wird von den meisten Arten nur in Ausnahmefällen gefressen. Bei feuchter Witterung wird die Nahrung ausnahmsweise (z. B. dichte Populationen oder Nahrungsmangel) auch an Land gesucht. Krebse sind «Gewässerpolizei» und «Müllabfuhr», in dem sie abgestorbene Flora und Fauna schnell beseitigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des starren Exoskeletts können Krebse nur wachsen, in dem sie sich häuten. Jungkrebse häuten sich häufig, junge Edelkrebse im 1. Jahr bis zu 10 Mal, als Adulte noch ca. 2 Mal pro Jahr. Die Vorbereitung zur Häutung dauert beim erwachsenen Krebs ca. 1 Woche, die Aushärtung danach ca. 3 bis 4 Tage. Bei Jungkrebsen verläuft der Zyklus wesentlich rascher. Bis zur Aushärtung des neuen Panzers ist der Krebs sehr weich («Butterkrebs») und somit verletzlich. Der Zeitpunkt der Häutung ist altersklassenmässig synchronisiert (vermindert Kannibalismus).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt im Herbst. Das Weibchen befestigt die befruchteten Eier auf der Unterseite des Abdomens (Schwanzteil) und betreibt intensive Brutpflege. Die Larven schlüpfen je nach Wassertemperatur Ende Mai bis Mitte Juli. 7 bis 10 Tage nach dem Schlüpfen erfolgt die erste Häutung. Nach ein paar weiteren Tagen verlassen die Jungtiere die Mutter. Die Weibchen leben während der ganzen Brutzeit zurückgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivität von Flusskrebsen ist von November/Dezember bis zum Frühjahr sehr gering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krebse sind auf eine reiche Strukturierung insbesondere des Uferbereichs angewiesen (Wurzelstöcke, steile Böschungen, grosse Steine). Wie der ideale Lebensraum gestaltet ist, ist im [[Media:Flusskrebs-DE.pdf|Flyer des Kantons Bern]] dargestellt. Krebse sind sehr empfindlich gegenüber Pestiziden (Pflanzenschutzmitteln), besonders Insektiziden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In sehr kalkarmen und sehr kalkreichen Gewässern können Krebse nicht leben. Im einten Fall steht für das Skelett zu wenig Kalk zur Verfügung, im anderen kommt es zu Kalkablagerungen auf dem Panzer (Versinterung), welche bei langem Häutungsintervall die Häutung verunmöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zu Biologie und Ökologie der Flusskrebse sind in «Decapoda» (Stucki &amp;amp; Zaugg 2005) zusammengefasst. Auf [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch] sind kurze Artenporträts aufgeschaltet. Umfangreiche Angaben findet man in «Edelkrebse: Biologie - Zucht – Bewirtschaftung» (Hager 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Abb03_Junge_Dohlenkrebse_(c)_Peter_Jean-Richard_zugeschnitten_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Junge Krebse (im Bild Dohlenkrebse) sind «Miniaturausgaben» der Erwachsenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
Seit 2014 gibt es die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}. Sie ist Anlaufstelle und hat beratende und koordinierende Funktion. Wer sich vertieft mit dem Schutz und der Förderung der einheimischen Flusskrebse auseinandersetzen möchte, dem sind die Informationen auf der Webseite und die Lektüre des {{link aktionsplans flusskrebse de}} zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strategie für die einheimischen Flusskrebse gemäss  {{link aktionsplan flusskrebse de}} verfolgt zwei hauptsächliche Ziele; einerseits den Schutz der einheimischen Populationen und andererseits die Bekämpfung und Eingrenzung der Bestände fremder Flusskrebsarten. &lt;br /&gt;
Nachfolgend wird auf ausgewählte Massnahmen eingegangen. Die vollständigen Informationen sind im Kapitel 6 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Renaturierung von Gewässern] sollen die Uferbereiche gut strukturiert werden. Krebse müssen Höhlen graben und sich verstecken können (unter Wurzeln oder Steinen). Dazu eignen sich besonders steile Böschungen. Fliessgewässer sollen unterschiedliche Strömungsverhältnisse (natürliche Abfolgen von Abschnitten mit starker und schwacher/keiner Strömung) aufweisen, welche geeignete Habitate und genügend Nahrung bieten (siehe Flyer des Kantons Bern [http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur/fischerei/aktuell.assetref/dam/documents/VOL/LANAT/de/Natur/Fischerei/RenF/DE_Flusskrebse_gzd.pdf «Lebensraum für Flusskrebse, Umgang bei Wasserbauprojekten»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki3_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Der Westerbach im Kanton Aargau mit harter Bachverbauung…&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki2_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = … welche in einem Projekt der Jagd- und Fischereiverwaltung Kanton Aargau zur Förderung des Dohlenkrebses (''Austropotamobius pallipes'') 2005 einseitig entfernt und das Gewässer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung#Ingenieurbiologische_Massnahmen_im_Bachbett_.28instream.29 instream] strukturiert wurde.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhaltsarbeiten und Bauprojekte in Gewässern müssen durch die für die Fischerei zuständige kantonale Behörde genehmigt und begleitet werden. Sie bestimmt die zu treffenden Schutzmassnahmen. Folgende Vorsichtsmassnahmen müssen getroffen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ausbaggerungen der Sohle zeitlich staffeln (abschnittweises Baggern). Ev. tiefere Bereiche («Pools») oder Feuchtzonen als Rückzugsgebiete anlegen.&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt auf das Minimum beschränken, keine Bäume fällen (mit gewissen Ausnahmen siehe «{{link aktionsplans flusskrebse de}}»; falls Bäume gefällt werden müssen, die Strünke belassen)&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt muss selektiv erfolgen&lt;br /&gt;
* Kein Befahren des Bachbetts mit Maschinen&lt;br /&gt;
* Im nicht bestockten Bereich abschnittweiser Böschungsunterhalt, Gestrüpp belassen.&lt;br /&gt;
* Das Stau- und Totholz darf nicht gänzlich aus dem Bett entfernt werden.&lt;br /&gt;
* Im Wald&lt;br /&gt;
** Die Bäume vom Gewässer weg fällen&lt;br /&gt;
** Astmaterial nicht im Gewässer und am Ufer ablagern (Gefahr der Versauerung des Gewässers)&lt;br /&gt;
** Das Gewässer nicht mit Maschinen befahren&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft&lt;br /&gt;
** Keine Beweidung der Ufer und des Bachbetts&lt;br /&gt;
** Keinen Zugang zum Gewässer als Viehtränke schaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Kantone haben Erfahrungen mit der Aufzucht und dem Aussetzen einheimischer Krebse, so zum Beispiel der Kanton Aargau mit [https://www.ag.ch/umwelt-aargau/pdf/UAG_54_39.pdf Dohlen- und Steinkrebsen]. Wichtig dabei ist, dass die Genetik berücksichtigt wird und somit nur Tiere aus dem gleichen Einzugsgebiet für Aufzucht bzw. Besatz verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Waldbewirtschaftung_entlang_Bach_96_dpi.PNG&lt;br /&gt;
| text = Entlang von Bächen im Wald ist es wichtig, das Gewässer bei der Bewirtschaftung zu schonen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_6_c_Cuarny_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Massnahmen gegen Schwebstoffbelastungen in einem Gewässer bei Cuarny VD. Dies ist bei allen Arbeiten in Gewässern wichtig. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktivitäten/Massnahmen der Kantone ==&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten der Kantone für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse sind auf der Webseite der [http://www.flusskrebse.ch/de_massnahmen.htm Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz] aufgelistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Alle drei heimischen Arten gehören zu den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten national prioritären Arten]]. Der Edelkrebs hat 2. Priorität, die anderen beiden haben die höchste Priorität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Datenbank des Projekts «Virtual Data Center VDC» werden seit 2014 die Fundorte sämtlicher Organismengruppen eingespeist, um sie bei naturschutzrelevanten Projekten berücksichtigen zu können. Mit der Datenbank sollen insbesondere die Bedürfnisse der kantonalen Fachstellen abgedeckt werden. Diese Daten sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung=&lt;br /&gt;
== Rote Listen ==&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind gefährdet (Edelkrebs) oder stark gefährdet (Steinkrebs und Dohlenkrebs)&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;small&amp;gt;Quelle: {{link aktionsplan flusskrebse de}}&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Gefährdungen == &lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_10_Kamberkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), einer der vier eingeschleppten invasiven Flusskrebsarten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
''Die Inhalte dieses Kapitels wurden aus dem {{link aktionsplan flusskrebse de}} übernommen.''&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit mehreren Jahrzehnten nehmen die Bestände einheimischer Flusskrebsarten ab; etwas langsamer im Falle des Edelkrebses (''Astacus astacus'') und stark im Falle von Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Zahlreiche Populationen sind bereits vollständig verschwunden und oft bestehen Bestände nur aus geografisch isolierten Reliktpopulationen, hauptsächlich in Oberläufen und Teichen. Dieser Rückgang geht einher mit der Ausbreitung der nicht-einheimischer Arten, die sich mit Ausnahme des Galizierkrebses (''Astacus leptodactylus'') zudem Krebspest-Träger sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hauptsächlichen Gründe des Rückgangs der einheimischen Krebse sind: &lt;br /&gt;
* Konkurrenz durch eingeführte fremde Flusskrebsarten, die weniger empfindlich auf die verschlechterten Umweltbedingungen reagieren, höhere Wachstumsraten und Fruchtbarkeit aufweisen und auch aggressiver sind. &lt;br /&gt;
* Die in der Schweiz meldepflichtige Seuche «Krebspest» (''Aphanomyces astaci''). Die Verbreitung dieses Erregers erfolgt durch amerikanische Flusskrebsarten, welche latente Träger sind, sowie durch den Menschen mit kontaminiertem Material (z. B. Fischereigeräte oder -stiefel, Versetzen infizierter Flusskrebse).&lt;br /&gt;
* Fliessgewässerkorrektionen und Uferverbauungen führen zu einer Monotonisierung der Strömungsverhältnisse und einer Vereinheitlichung der Ökomorphologie, wodurch Unterstände und für Flusskrebse geeignete Habitate verschwinden.&lt;br /&gt;
* Lokal schlechte Wasserqualität aufgrund punktueller oder chronischer Verschmutzungen (z. B. Mikroverunreinigungen, Pestizide, Industrieunfälle, ARA-Einleitungen, Jauche und anderen Düngemitteln usw.) was bestehende Populationen schwächen oder auslöschen kann.&lt;br /&gt;
* Eine dem Habitat nicht entsprechende fischereiliche Bewirtschaftung durch zu hohe Fischdichten in Stillgewässern oder in als Aufzuchtgewässer für Forellen genutzten Fliessgewässern. Dies bewirkt einen zu starken Frassdruck auf die Flusskrebsfauna. Eine weitere Gefährdungsursache ist die systematische Störung des Habitats durch Anwendung von Elektrofanggeräten und die ständige Begehung des Gewässers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS05_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses strukturarme Gewässer bietet Flusskrebsen keinen Lebensraum&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS06_Insektizide_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft führt zu Verunreinigungen in den Gewässern und gefährdet u. a. die einheimischen Flusskrebse.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Invasive Krebse ==&lt;br /&gt;
In den nächsten Jahren könnten, neben den bereits vier vorhandenen, weitere invasive Krebsarten Probleme bereiten (siehe [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch, «Weitere zu erwartende Arten»])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 19_Kalikokrebs_(Oronyctes_immunis)_Foto_Karsten_Grabow_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der [http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/115831/01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf?command=downloadContent&amp;amp;filename=01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf Kalikokrebs (''Orconectes immunis'')] (en allemand) kommt momentan in der Schweiz noch nicht vor, bereitet aber bereits in der Oberrheinischen Tiefebene Probleme&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebspest ==&lt;br /&gt;
Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} informiert auf ihrer Webseite über die [http://www.flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm Krebspest] und hat dazu mehrere [http://www.flusskrebse.ch/de_projekte.htm Merkblätter].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Verhinderung der Krebspestverbreitung - Was jeder Einzelne tun kann''' &lt;br /&gt;
(Quellen: [http://flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm flusskrebse.ch] und [https://www.waldwissen.net/wald/tiere/insekten_wirbellose/fva_flusskrebse/index_DE www.waldwissen.net]):&lt;br /&gt;
* Alle Gegenstände, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind, sollen keimfrei gemacht werden bevor ein Flusskrebsgewässer betreten wird. &lt;br /&gt;
* Eine Desinfektion ist zwingend notwendig, wenn zwischen verschiedenen Gewässern oder Gewässerabschnitten gewechselt wird.&lt;br /&gt;
* Desinfizieren:&lt;br /&gt;
** Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. desinfizieren&lt;br /&gt;
** Wenn Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. eine glatte Oberfläche aufweisen, genügt das Abtrocknen lassen und Lagern bei mind. 25°C während 24 Stunden. Feuchtigkeitsnester, zum Beispiel Schlammreste im Profil von Stiefeln, sind vorgängig zu entfernen.&lt;br /&gt;
** Auch ein Erhitzen auf mind. 60 °C (am besten Abkochen) für 5 Minuten oder Einfrieren bei -20 °C für mindestens zwei Tage tötet die Erregersporen ab.&lt;br /&gt;
** Desinfektion mit Natriumhypochlorit oder Peressigsäure. Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} empfiehlt die Verwendung von VirkonS oder Wofasteril. Bezugsquelle für VirkonS (Wirkstoff Natriumhypochlorit): [http://www.arovet.ch/ www.arovet.ch]; Bezugsquelle für Wofasteril (Wirkstoff Peressigsäure): [http://www.hygline.ch/reinigen-und-desinfizieren/landwirtschaft/schafe-ziegen/stall/desinfektionsmittel/ www.hygline.ch], &lt;br /&gt;
** Schlecht trocknende Gegenstände sind mindestens 14 Tage bei 25°C zu lagern. &lt;br /&gt;
* Von der Verwendung von Stiefeln mit Filzsohlen ist abzuraten, da diese sehr schlecht trocknen.&lt;br /&gt;
* Um eine Verschleppung zu vermeiden, ist auf das Aussetzen von Besatzfischen aus Krebspestgewässern zu verzichten, da diese auch Zoosporen mittragen können. / Pour éviter la propagation de la maladie, il convient de ne plus lâcher de poissons de repeuplement provenant d’eaux infestées par la peste de l’écrevisse car ils peuvent être aussi porteurs de zoospores.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen mit detaillierten Angaben siehe [http://flusskrebse.ch/de_projekte.htm  Merkblatt «Verhinderung der Krebspestverbreitung»].&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Krebspest_Peter_Jean_Richard.jpg&lt;br /&gt;
| text = Von der Krebspest befallener bereits toter Galizischer Sumpfkrebs (''Astacus leptodactylus'').&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wissenslücken=&lt;br /&gt;
* Aktuelles Wissen über die Bestandessituation in der Schweiz&lt;br /&gt;
* Vorkommen der Krebspest in der Schweiz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele=&lt;br /&gt;
* Unter [http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm] sind diverse Projektberichte und -beschriebe aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Links = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Links ==&lt;br /&gt;
* {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
* [http://www.forum-flusskrebse.org/ forum flusskrebse]: Das Forum Flusskrebse ist ein Zusammenschluss verschiedener deutschsprachiger Flusskrebsspezialisten, welche international agieren und Tagungen organisieren. Vor allem Interessant für Personen, die sich tiefergreifend mit der Materie auseinandersetzen und dem Netzwerk beitreten wollen. &lt;br /&gt;
* Informationen zu den Flusskrebsen auf der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/fauna-der-schweiz/flusskrebse.html Webseite des CSCF] &lt;br /&gt;
** Neben allgemeinen Informationen zu Krebsen können als wichtiger Service Daten abgefragt und Artenlisten erstellt werden&lt;br /&gt;
* [https://lepus.unine.ch/carto/ Kartenserver info fauna]&lt;br /&gt;
* Für Fischerei und Krebse zuständige [https://www.kvu.ch/de/adressen/jagd-fischerei Fachstellen der Kantone]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturempfehlungen= &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundlagen- und Übersichtswerke ==&lt;br /&gt;
* David M. Holdich, 2002. Biology of freshwater crayfish. Blackwell Science, Oxford.&lt;br /&gt;
* EDER, E. &amp;amp; HÖDL, W. 1998: Flusskrebse Österreichs. – Stapfia 58, Linz, pp 284.&lt;br /&gt;
* Füreder, L., 2009. Flusskrebse: Biologie, Ökologie, Gefährdung, Veröffentlichungen des Naturmuseums Südtirol, Bozen. Folio-Verlag, Wien.&lt;br /&gt;
* HAGER, J. (2003): Edelkrebse. Biologie – Zucht – Bewirtschaftung. 2., überarbeitete Auflage. − Leopold Stocker.&lt;br /&gt;
* HOFMANN, J. 1980: Die Flusskrebse.- Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, pp 110.&lt;br /&gt;
* Souty-Grosset, C., 2006. Atlas of crayfish in Europe, Collection patrimoines naturels. Publications scientifiques du Muséum national d’histoire naturelle, Paris.&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Praxisrelevante Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stucki P., Zaugg B. 2011: {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz. Artenförderung von Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Vollzug Nr. 1104: 61 S&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsliteratur ==&lt;br /&gt;
* Auf der Webseite der {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} hat es einen Bestimmungsschlüssel und eine online-Bestimmungshilfe.&lt;br /&gt;
* In Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica (Stucki, P., Zaugg, B., 2005) ist ein Bestimmungsschlüssel enthalten.&lt;br /&gt;
* Empfehlenswerter [http://www.lazbw-ffs-krebse.de/home.html Online-Bestimmungsschlüssel]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verschiedenes=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- == Aktuelle Weiterbildungsveranstaltungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://flusskrebse.ch/index.htm 4. Flusskrebssymposium, 10. September 2018, in Olten]&lt;br /&gt;
* [https://www.igfischerei.ch/index.php/programmlink/krebsseminar-2018 Krebsseminar für Einsteiger 1. September 2018 in Langnau am Albis ZH]&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Filme über Krebse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/ Netz Natur] hat zu Krebsen zwei sehenswerte Filme ausgestrahlt:&lt;br /&gt;
* Krebse sind gefrässig, wo immer sie auftauchen. Und viele sind auch selbst delikat - was ihnen immer wieder zum Verhängnis wird. Ökologisch sind sie unentbehrlich - was uns Menschen kaum bewusst ist, wenn wir nur an Delikatessen denken. «NETZ Natur» stellt deshalb Krustentiere vor - [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/krebse-das-grosse-fressen auf dem Teller und in der Natur].&lt;br /&gt;
* Verrückt, wenn sich auf den Weihnachtsinseln alljährlich 60 Millionen rote Landkrabben auf den Weg ans Meer machen. Verrückt auch, wie sich kleine Planktonkrebschen in Salinen wohlfühlen, die so salzig sind, dass dort kaum ein anderes Tier überleben kann. In einer [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/die-verrueckten verrückten Sendung] zeigt NETZ Natur die unglaubliche Vielfalt der Krebse und ihre Wichtigkeit in der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebsbeobachtungen melden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse ist es wichtig, dass Sie Ihre Beobachtungen ({{link_webfauna_cscf_de}}). Funde können auch direkt an die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz gemeldet werden ([mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]), welche sie an die Kantone weiterleitet. &lt;br /&gt;
Für eine sichere Bestimmung braucht es je ein Foto von oben und von unten mit Fokus auf Ober- und Unterseite der Scheren sowie auf die Schwanzoberseite. Im Weiteren eine Nahaufnahme von der Seite des Carapax (Bedornung bei der Nackenfurche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliches ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kap. 3 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} sind der rechtliche Status und der Schutzstatus abgehandelt.&lt;br /&gt;
Die rechtlichen Grundlagen zu den Flusskrebsen sind im [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19910137/index.html Bundesgesetz über die Fischerei] und in der dazugehörigen [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19930332/index.html Ausführungsverordnung]. Darin ist u. a. folgendes geregelt:&lt;br /&gt;
* Das Fangen von Krebsen bedarf einer Bewilligung des Fischpächters bzw. des Kantons.&lt;br /&gt;
* Die Schonzeit der einheimischen Flusskrebsarten beträgt mindestens 40 Wochen.&lt;br /&gt;
* Die Fangmindestmasse betragen für den Edelkrebs (Astacus astacus) 12 cm und für den Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) und den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) je 9 cm.&lt;br /&gt;
* Der Fang, Transport und das Aussetzen von nicht einheimischen Flusskrebsarten ist verboten bzw. bewilligungspflichtig.&lt;br /&gt;
* Das Halten von nicht einheimischen Arten im Aquarium ist bewilligungspflichtig. (Bemerkung: Bewilligungen werden nur für Ausstellungen oder zu Forschungszwecken ausgestellt.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestandserfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gute Zeit für Bestandserfassungen ist von Juli bis Oktober, ideal ist der September. Im Anhang des {{link aktionsplans flusskrebse de}} gibt es ein Felderhebungsblatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Newsletter =&lt;br /&gt;
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann melden Sie sich für unseren [https://www.biodivers.ch/index.php/newsletter-abonnieren.html monatlichen Newsletter] an und bleiben Sie informiert über aktuelle Artikel zur Förderung von Arten und Lebensräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS) hat einen Newsletter. Anmeldungen direkt an: [mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers] || info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch/ KFKS] || {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4734</id>
		<title>Flusskrebse</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4734"/>
				<updated>2025-03-07T14:38:04Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Ecrevisses]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_02_Edelkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Flusskrebse, auf dem Bild der Edelkrebs (''Astacus astacus'') sind nachtaktive Bewohner unserer Gewässer. Sie brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [http://biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch KFKS]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || August 2018&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_03_Dohlenkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes''), einer der drei einheimischen Flusskrebsarten  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei uns sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') heimisch. Sie sind nachtaktiv und leben versteckt in Fliess- und Stehgewässern verschiedener Grössen und Höhenlagen. Die Bestände gehen seit 50 Jahren stark zurück. Gründe dafür sind die Verbauung und Verschmutzung der Gewässer, die Konkurrenz durch vier eingeschleppte Flusskrebsarten und die Krebspest. Diese wird durch die ausgesetzten nordamerikanischen Flusskrebse, welche gegen den Erreger immun sind, und durch uns Menschen verbreitet. Die Sporen des Erregers werden ins Wasser abgegeben und können über nasse Gegenstände verschleppt werden.&lt;br /&gt;
Flusskrebse brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden. Sie können durch Gewässerrenaturierungen, mit dem Angebot sauberen Wassers sowie durch konsequentes Verhindern der weiteren Verbreitung der Krebspest gefördert werden. &lt;br /&gt;
Der Bund hat den {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz (2011) erarbeitet und seit 2014 gibt es die [https://www.kfks.ch/ Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz) {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen um den Schutz und die Förderung der einheimischen und Bekämpfung bzw. Ausbreitungsverhinderung der invasiven Flusskrebsarten in der Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_1_b_RdVaux_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Typisches, strukturreiches Krebsgewässer  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik und Vorkommen in der Schweiz =&lt;br /&gt;
In der Schweiz heimisch sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Neben diesen drei autochthonen Arten kommen vier eingeschleppte Arten vor: Der Galizische Sumpfkrebs oder «Galizier» (''Astacus leptodactylus''), welcher ursprünglich aus Osteuropa stammt, sowie der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (''Procambarus clarkii'') welche aus den USA eingeführt wurden. Sie gehören alle zur Ordnung der Decapoda (Zehnfusskrebse). Die einheimischen Arten sowie der Galizische Sumpfkrebs und der Signalkrebs gehören der Familie der Astacidae an, die anderen beiden der Familie der Cambaridae.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Edelkrebs 2 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Edelkrebs (''Astacus astacus'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Dohlenkrebs 2 96 dpi.png &lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie_Steinkrebs_2_96_dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse stellen innerhalb der schweizerischen Fauna einen Sonderfall dar, da mehr neobiotische als einheimische Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
=== Links und Literatur ===&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Biologie und Ökologie =&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind Allesfresser. Sie verwerten organisches Material und sind je nach Alter, Wassertemperatur und Angebot mehr herbi- oder karnivor. Gerne werden Mollusken und Wasserinsekten erbeutet. Kleinere Artgenossen oder sich in der Häutung befindliche wehrlose Flusskrebse, stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Verwesendes Aas wird von den meisten Arten nur in Ausnahmefällen gefressen. Bei feuchter Witterung wird die Nahrung ausnahmsweise (z. B. dichte Populationen oder Nahrungsmangel) auch an Land gesucht. Krebse sind «Gewässerpolizei» und «Müllabfuhr», in dem sie abgestorbene Flora und Fauna schnell beseitigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des starren Exoskeletts können Krebse nur wachsen, in dem sie sich häuten. Jungkrebse häuten sich häufig, junge Edelkrebse im 1. Jahr bis zu 10 Mal, als Adulte noch ca. 2 Mal pro Jahr. Die Vorbereitung zur Häutung dauert beim erwachsenen Krebs ca. 1 Woche, die Aushärtung danach ca. 3 bis 4 Tage. Bei Jungkrebsen verläuft der Zyklus wesentlich rascher. Bis zur Aushärtung des neuen Panzers ist der Krebs sehr weich («Butterkrebs») und somit verletzlich. Der Zeitpunkt der Häutung ist altersklassenmässig synchronisiert (vermindert Kannibalismus).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt im Herbst. Das Weibchen befestigt die befruchteten Eier auf der Unterseite des Abdomens (Schwanzteil) und betreibt intensive Brutpflege. Die Larven schlüpfen je nach Wassertemperatur Ende Mai bis Mitte Juli. 7 bis 10 Tage nach dem Schlüpfen erfolgt die erste Häutung. Nach ein paar weiteren Tagen verlassen die Jungtiere die Mutter. Die Weibchen leben während der ganzen Brutzeit zurückgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivität von Flusskrebsen ist von November/Dezember bis zum Frühjahr sehr gering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krebse sind auf eine reiche Strukturierung insbesondere des Uferbereichs angewiesen (Wurzelstöcke, steile Böschungen, grosse Steine). Wie der ideale Lebensraum gestaltet ist, ist im [[Media:Flusskrebs-DE.pdf|Flyer des Kantons Bern]] dargestellt. Krebse sind sehr empfindlich gegenüber Pestiziden (Pflanzenschutzmitteln), besonders Insektiziden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In sehr kalkarmen und sehr kalkreichen Gewässern können Krebse nicht leben. Im einten Fall steht für das Skelett zu wenig Kalk zur Verfügung, im anderen kommt es zu Kalkablagerungen auf dem Panzer (Versinterung), welche bei langem Häutungsintervall die Häutung verunmöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zu Biologie und Ökologie der Flusskrebse sind in «Decapoda» (Stucki &amp;amp; Zaugg 2005) zusammengefasst. Auf [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch] sind kurze Artenporträts aufgeschaltet. Umfangreiche Angaben findet man in «Edelkrebse: Biologie - Zucht – Bewirtschaftung» (Hager 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Abb03_Junge_Dohlenkrebse_(c)_Peter_Jean-Richard_zugeschnitten_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Junge Krebse (im Bild Dohlenkrebse) sind «Miniaturausgaben» der Erwachsenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
Seit 2014 gibt es die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}. Sie ist Anlaufstelle und hat beratende und koordinierende Funktion. Wer sich vertieft mit dem Schutz und der Förderung der einheimischen Flusskrebse auseinandersetzen möchte, dem sind die Informationen auf der Webseite und die Lektüre des {{link aktionsplans flusskrebse de}} zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strategie für die einheimischen Flusskrebse gemäss  {{link aktionsplan flusskrebse de}} verfolgt zwei hauptsächliche Ziele; einerseits den Schutz der einheimischen Populationen und andererseits die Bekämpfung und Eingrenzung der Bestände fremder Flusskrebsarten. &lt;br /&gt;
Nachfolgend wird auf ausgewählte Massnahmen eingegangen. Die vollständigen Informationen sind im Kapitel 6 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Renaturierung von Gewässern] sollen die Uferbereiche gut strukturiert werden. Krebse müssen Höhlen graben und sich verstecken können (unter Wurzeln oder Steinen). Dazu eignen sich besonders steile Böschungen. Fliessgewässer sollen unterschiedliche Strömungsverhältnisse (natürliche Abfolgen von Abschnitten mit starker und schwacher/keiner Strömung) aufweisen, welche geeignete Habitate und genügend Nahrung bieten (siehe Flyer des Kantons Bern [http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur/fischerei/aktuell.assetref/dam/documents/VOL/LANAT/de/Natur/Fischerei/RenF/DE_Flusskrebse_gzd.pdf «Lebensraum für Flusskrebse, Umgang bei Wasserbauprojekten»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki3_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Der Westerbach im Kanton Aargau mit harter Bachverbauung…&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki2_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = … welche in einem Projekt der Jagd- und Fischereiverwaltung Kanton Aargau zur Förderung des Dohlenkrebses (''Austropotamobius pallipes'') 2005 einseitig entfernt und das Gewässer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung#Ingenieurbiologische_Massnahmen_im_Bachbett_.28instream.29 instream] strukturiert wurde.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhaltsarbeiten und Bauprojekte in Gewässern müssen durch die für die Fischerei zuständige kantonale Behörde genehmigt und begleitet werden. Sie bestimmt die zu treffenden Schutzmassnahmen. Folgende Vorsichtsmassnahmen müssen getroffen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ausbaggerungen der Sohle zeitlich staffeln (abschnittweises Baggern). Ev. tiefere Bereiche («Pools») oder Feuchtzonen als Rückzugsgebiete anlegen.&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt auf das Minimum beschränken, keine Bäume fällen (mit gewissen Ausnahmen siehe «{{link aktionsplans flusskrebse de}}»; falls Bäume gefällt werden müssen, die Strünke belassen)&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt muss selektiv erfolgen&lt;br /&gt;
* Kein Befahren des Bachbetts mit Maschinen&lt;br /&gt;
* Im nicht bestockten Bereich abschnittweiser Böschungsunterhalt, Gestrüpp belassen.&lt;br /&gt;
* Das Stau- und Totholz darf nicht gänzlich aus dem Bett entfernt werden.&lt;br /&gt;
* Im Wald&lt;br /&gt;
** Die Bäume vom Gewässer weg fällen&lt;br /&gt;
** Astmaterial nicht im Gewässer und am Ufer ablagern (Gefahr der Versauerung des Gewässers)&lt;br /&gt;
** Das Gewässer nicht mit Maschinen befahren&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft&lt;br /&gt;
** Keine Beweidung der Ufer und des Bachbetts&lt;br /&gt;
** Keinen Zugang zum Gewässer als Viehtränke schaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Kantone haben Erfahrungen mit der Aufzucht und dem Aussetzen einheimischer Krebse, so zum Beispiel der Kanton Aargau mit [https://www.ag.ch/umwelt-aargau/pdf/UAG_54_39.pdf Dohlen- und Steinkrebsen]. Wichtig dabei ist, dass die Genetik berücksichtigt wird und somit nur Tiere aus dem gleichen Einzugsgebiet für Aufzucht bzw. Besatz verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Waldbewirtschaftung_entlang_Bach_96_dpi.PNG&lt;br /&gt;
| text = Entlang von Bächen im Wald ist es wichtig, das Gewässer bei der Bewirtschaftung zu schonen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_6_c_Cuarny_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Massnahmen gegen Schwebstoffbelastungen in einem Gewässer bei Cuarny VD. Dies ist bei allen Arbeiten in Gewässern wichtig. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktivitäten/Massnahmen der Kantone ==&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten der Kantone für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse sind auf der Webseite der [http://www.flusskrebse.ch/de_massnahmen.htm Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz] aufgelistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Alle drei heimischen Arten gehören zu den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten national prioritären Arten]]. Der Edelkrebs hat 2. Priorität, die anderen beiden haben die höchste Priorität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Datenbank des Projekts «Virtual Data Center VDC» werden seit 2014 die Fundorte sämtlicher Organismengruppen eingespeist, um sie bei naturschutzrelevanten Projekten berücksichtigen zu können. Mit der Datenbank sollen insbesondere die Bedürfnisse der kantonalen Fachstellen abgedeckt werden. Diese Daten sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung=&lt;br /&gt;
== Rote Listen ==&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind gefährdet (Edelkrebs) oder stark gefährdet (Steinkrebs und Dohlenkrebs)&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;small&amp;gt;Quelle: {{link aktionsplan flusskrebse de}}&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Gefährdungen == &lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_10_Kamberkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), einer der vier eingeschleppten invasiven Flusskrebsarten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
''Die Inhalte dieses Kapitels wurden aus dem {{link aktionsplan flusskrebse de}} übernommen.''&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit mehreren Jahrzehnten nehmen die Bestände einheimischer Flusskrebsarten ab; etwas langsamer im Falle des Edelkrebses (''Astacus astacus'') und stark im Falle von Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Zahlreiche Populationen sind bereits vollständig verschwunden und oft bestehen Bestände nur aus geografisch isolierten Reliktpopulationen, hauptsächlich in Oberläufen und Teichen. Dieser Rückgang geht einher mit der Ausbreitung der nicht-einheimischer Arten, die sich mit Ausnahme des Galizierkrebses (''Astacus leptodactylus'') zudem Krebspest-Träger sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hauptsächlichen Gründe des Rückgangs der einheimischen Krebse sind: &lt;br /&gt;
* Konkurrenz durch eingeführte fremde Flusskrebsarten, die weniger empfindlich auf die verschlechterten Umweltbedingungen reagieren, höhere Wachstumsraten und Fruchtbarkeit aufweisen und auch aggressiver sind. &lt;br /&gt;
* Die in der Schweiz meldepflichtige Seuche «Krebspest» (''Aphanomyces astaci''). Die Verbreitung dieses Erregers erfolgt durch amerikanische Flusskrebsarten, welche latente Träger sind, sowie durch den Menschen mit kontaminiertem Material (z. B. Fischereigeräte oder -stiefel, Versetzen infizierter Flusskrebse).&lt;br /&gt;
* Fliessgewässerkorrektionen und Uferverbauungen führen zu einer Monotonisierung der Strömungsverhältnisse und einer Vereinheitlichung der Ökomorphologie, wodurch Unterstände und für Flusskrebse geeignete Habitate verschwinden.&lt;br /&gt;
* Lokal schlechte Wasserqualität aufgrund punktueller oder chronischer Verschmutzungen (z. B. Mikroverunreinigungen, Pestizide, Industrieunfälle, ARA-Einleitungen, Jauche und anderen Düngemitteln usw.) was bestehende Populationen schwächen oder auslöschen kann.&lt;br /&gt;
* Eine dem Habitat nicht entsprechende fischereiliche Bewirtschaftung durch zu hohe Fischdichten in Stillgewässern oder in als Aufzuchtgewässer für Forellen genutzten Fliessgewässern. Dies bewirkt einen zu starken Frassdruck auf die Flusskrebsfauna. Eine weitere Gefährdungsursache ist die systematische Störung des Habitats durch Anwendung von Elektrofanggeräten und die ständige Begehung des Gewässers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS05_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses strukturarme Gewässer bietet Flusskrebsen keinen Lebensraum&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS06_Insektizide_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft führt zu Verunreinigungen in den Gewässern und gefährdet u. a. die einheimischen Flusskrebse.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Invasive Krebse ==&lt;br /&gt;
In den nächsten Jahren könnten, neben den bereits vier vorhandenen, weitere invasive Krebsarten Probleme bereiten (siehe [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch, «Weitere zu erwartende Arten»])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 19_Kalikokrebs_(Oronyctes_immunis)_Foto_Karsten_Grabow_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der [http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/115831/01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf?command=downloadContent&amp;amp;filename=01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf Kalikokrebs (''Orconectes immunis'')] (en allemand) kommt momentan in der Schweiz noch nicht vor, bereitet aber bereits in der Oberrheinischen Tiefebene Probleme&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebspest ==&lt;br /&gt;
Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} informiert auf ihrer Webseite über die [http://www.flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm Krebspest] und hat dazu mehrere [http://www.flusskrebse.ch/de_projekte.htm Merkblätter].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Verhinderung der Krebspestverbreitung - Was jeder Einzelne tun kann''' &lt;br /&gt;
(Quellen: [http://flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm flusskrebse.ch] und [https://www.waldwissen.net/wald/tiere/insekten_wirbellose/fva_flusskrebse/index_DE www.waldwissen.net]):&lt;br /&gt;
* Alle Gegenstände, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind, sollen keimfrei gemacht werden bevor ein Flusskrebsgewässer betreten wird. &lt;br /&gt;
* Eine Desinfektion ist zwingend notwendig, wenn zwischen verschiedenen Gewässern oder Gewässerabschnitten gewechselt wird.&lt;br /&gt;
* Desinfizieren:&lt;br /&gt;
** Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. desinfizieren&lt;br /&gt;
** Wenn Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. eine glatte Oberfläche aufweisen, genügt das Abtrocknen lassen und Lagern bei mind. 25°C während 24 Stunden. Feuchtigkeitsnester, zum Beispiel Schlammreste im Profil von Stiefeln, sind vorgängig zu entfernen.&lt;br /&gt;
** Auch ein Erhitzen auf mind. 60 °C (am besten Abkochen) für 5 Minuten oder Einfrieren bei -20 °C für mindestens zwei Tage tötet die Erregersporen ab.&lt;br /&gt;
** Desinfektion mit Natriumhypochlorit oder Peressigsäure. Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} empfiehlt die Verwendung von VirkonS oder Wofasteril. Bezugsquelle für VirkonS (Wirkstoff Natriumhypochlorit): [http://www.arovet.ch/ www.arovet.ch]; Bezugsquelle für Wofasteril (Wirkstoff Peressigsäure): [http://www.hygline.ch/reinigen-und-desinfizieren/landwirtschaft/schafe-ziegen/stall/desinfektionsmittel/ www.hygline.ch], &lt;br /&gt;
** Schlecht trocknende Gegenstände sind mindestens 14 Tage bei 25°C zu lagern. &lt;br /&gt;
* Von der Verwendung von Stiefeln mit Filzsohlen ist abzuraten, da diese sehr schlecht trocknen.&lt;br /&gt;
* Um eine Verschleppung zu vermeiden, ist auf das Aussetzen von Besatzfischen aus Krebspestgewässern zu verzichten, da diese auch Zoosporen mittragen können. / Pour éviter la propagation de la maladie, il convient de ne plus lâcher de poissons de repeuplement provenant d’eaux infestées par la peste de l’écrevisse car ils peuvent être aussi porteurs de zoospores.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen mit detaillierten Angaben siehe [http://flusskrebse.ch/de_projekte.htm  Merkblatt «Verhinderung der Krebspestverbreitung»].&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Krebspest_Peter_Jean_Richard.jpg&lt;br /&gt;
| text = Von der Krebspest befallener bereits toter Galizischer Sumpfkrebs (''Astacus leptodactylus'').&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wissenslücken=&lt;br /&gt;
* Aktuelles Wissen über die Bestandessituation in der Schweiz&lt;br /&gt;
* Vorkommen der Krebspest in der Schweiz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele=&lt;br /&gt;
* Unter [http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm] sind diverse Projektberichte und -beschriebe aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Links = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Links ==&lt;br /&gt;
* {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
* [http://www.forum-flusskrebse.org/ forum flusskrebse]: Das Forum Flusskrebse ist ein Zusammenschluss verschiedener deutschsprachiger Flusskrebsspezialisten, welche international agieren und Tagungen organisieren. Vor allem Interessant für Personen, die sich tiefergreifend mit der Materie auseinandersetzen und dem Netzwerk beitreten wollen. &lt;br /&gt;
* Informationen zu den Flusskrebsen auf der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/fauna-der-schweiz/flusskrebse.html Webseite des CSCF] &lt;br /&gt;
** Neben allgemeinen Informationen zu Krebsen können als wichtiger Service Daten abgefragt und Artenlisten erstellt werden&lt;br /&gt;
* [https://lepus.unine.ch/carto/ Kartenserver info fauna]&lt;br /&gt;
* Für Fischerei und Krebse zuständige [https://www.kvu.ch/de/adressen/jagd-fischerei Fachstellen der Kantone]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturempfehlungen= &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundlagen- und Übersichtswerke ==&lt;br /&gt;
* David M. Holdich, 2002. Biology of freshwater crayfish. Blackwell Science, Oxford.&lt;br /&gt;
* EDER, E. &amp;amp; HÖDL, W. 1998: Flusskrebse Österreichs. – Stapfia 58, Linz, pp 284.&lt;br /&gt;
* Füreder, L., 2009. Flusskrebse: Biologie, Ökologie, Gefährdung, Veröffentlichungen des Naturmuseums Südtirol, Bozen. Folio-Verlag, Wien.&lt;br /&gt;
* HAGER, J. (2003): Edelkrebse. Biologie – Zucht – Bewirtschaftung. 2., überarbeitete Auflage. − Leopold Stocker.&lt;br /&gt;
* HOFMANN, J. 1980: Die Flusskrebse.- Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, pp 110.&lt;br /&gt;
* Souty-Grosset, C., 2006. Atlas of crayfish in Europe, Collection patrimoines naturels. Publications scientifiques du Muséum national d’histoire naturelle, Paris.&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Praxisrelevante Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stucki P., Zaugg B. 2011: {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz. Artenförderung von Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Vollzug Nr. 1104: 61 S&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsliteratur ==&lt;br /&gt;
* Auf der Webseite der {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} hat es einen Bestimmungsschlüssel und eine online-Bestimmungshilfe.&lt;br /&gt;
* In Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica (Stucki, P., Zaugg, B., 2005) ist ein Bestimmungsschlüssel enthalten.&lt;br /&gt;
* Empfehlenswerter [http://www.lazbw-ffs-krebse.de/home.html Online-Bestimmungsschlüssel]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verschiedenes=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- == Aktuelle Weiterbildungsveranstaltungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://flusskrebse.ch/index.htm 4. Flusskrebssymposium, 10. September 2018, in Olten]&lt;br /&gt;
* [https://www.igfischerei.ch/index.php/programmlink/krebsseminar-2018 Krebsseminar für Einsteiger 1. September 2018 in Langnau am Albis ZH]&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Filme über Krebse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/ Netz Natur] hat zu Krebsen zwei sehenswerte Filme ausgestrahlt:&lt;br /&gt;
* Krebse sind gefrässig, wo immer sie auftauchen. Und viele sind auch selbst delikat - was ihnen immer wieder zum Verhängnis wird. Ökologisch sind sie unentbehrlich - was uns Menschen kaum bewusst ist, wenn wir nur an Delikatessen denken. «NETZ Natur» stellt deshalb Krustentiere vor - [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/krebse-das-grosse-fressen auf dem Teller und in der Natur].&lt;br /&gt;
* Verrückt, wenn sich auf den Weihnachtsinseln alljährlich 60 Millionen rote Landkrabben auf den Weg ans Meer machen. Verrückt auch, wie sich kleine Planktonkrebschen in Salinen wohlfühlen, die so salzig sind, dass dort kaum ein anderes Tier überleben kann. In einer [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/die-verrueckten verrückten Sendung] zeigt NETZ Natur die unglaubliche Vielfalt der Krebse und ihre Wichtigkeit in der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebsbeobachtungen melden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse ist es wichtig, dass Sie Ihre Beobachtungen ({{link_webfauna_cscf_de}}). Funde können auch direkt an die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz gemeldet werden ([mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]), welche sie an die Kantone weiterleitet. &lt;br /&gt;
Für eine sichere Bestimmung braucht es je ein Foto von oben und von unten mit Fokus auf Ober- und Unterseite der Scheren sowie auf die Schwanzoberseite. Im Weiteren eine Nahaufnahme von der Seite des Carapax (Bedornung bei der Nackenfurche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliches ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kap. 3 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} sind der rechtliche Status und der Schutzstatus abgehandelt.&lt;br /&gt;
Die rechtlichen Grundlagen zu den Flusskrebsen sind im [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19910137/index.html Bundesgesetz über die Fischerei] und in der dazugehörigen [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19930332/index.html Ausführungsverordnung]. Darin ist u. a. folgendes geregelt:&lt;br /&gt;
* Das Fangen von Krebsen bedarf einer Bewilligung des Fischpächters bzw. des Kantons.&lt;br /&gt;
* Die Schonzeit der einheimischen Flusskrebsarten beträgt mindestens 40 Wochen.&lt;br /&gt;
* Die Fangmindestmasse betragen für den Edelkrebs (Astacus astacus) 12 cm und für den Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) und den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) je 9 cm.&lt;br /&gt;
* Der Fang, Transport und das Aussetzen von nicht einheimischen Flusskrebsarten ist verboten bzw. bewilligungspflichtig.&lt;br /&gt;
* Das Halten von nicht einheimischen Arten im Aquarium ist bewilligungspflichtig. (Bemerkung: Bewilligungen werden nur für Ausstellungen oder zu Forschungszwecken ausgestellt.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestandserfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gute Zeit für Bestandserfassungen ist von Juli bis Oktober, ideal ist der September. Im Anhang des {{link aktionsplans flusskrebse de}} gibt es ein Felderhebungsblatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Newsletter =&lt;br /&gt;
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann melden Sie sich für unseren [https://www.biodivers.ch/index.php/newsletter-abonnieren.html monatlichen Newsletter] an und bleiben Sie informiert über aktuelle Artikel zur Förderung von Arten und Lebensräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS) hat einen Newsletter. Anmeldungen direkt an: [mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers] || info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch/ KFKS] || {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4733</id>
		<title>Flusskrebse</title>
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				<updated>2025-03-07T14:33:53Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Ecrevisses]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_02_Edelkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Flusskrebse, auf dem Bild der Edelkrebs (''Astacus astacus'') sind nachtaktive Bewohner unserer Gewässer. Sie brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [http://biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch KFKS]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || August 2018&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_03_Dohlenkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes''), einer der drei einheimischen Flusskrebsarten  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei uns sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') heimisch. Sie sind nachtaktiv und leben versteckt in Fliess- und Stehgewässern verschiedener Grössen und Höhenlagen. Die Bestände gehen seit 50 Jahren stark zurück. Gründe dafür sind die Verbauung und Verschmutzung der Gewässer, die Konkurrenz durch vier eingeschleppte Flusskrebsarten und die Krebspest. Diese wird durch die ausgesetzten nordamerikanischen Flusskrebse, welche gegen den Erreger immun sind, und durch uns Menschen verbreitet. Die Sporen des Erregers werden ins Wasser abgegeben und können über nasse Gegenstände verschleppt werden.&lt;br /&gt;
Flusskrebse brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden. Sie können durch Gewässerrenaturierungen, mit dem Angebot sauberen Wassers sowie durch konsequentes Verhindern der weiteren Verbreitung der Krebspest gefördert werden. &lt;br /&gt;
Der Bund hat den {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz (2011) erarbeitet und seit 2014 gibt es die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen um den Schutz und die Förderung der einheimischen und Bekämpfung bzw. Ausbreitungsverhinderung der invasiven Flusskrebsarten in der Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_1_b_RdVaux_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Typisches, strukturreiches Krebsgewässer  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik und Vorkommen in der Schweiz =&lt;br /&gt;
In der Schweiz heimisch sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Neben diesen drei autochthonen Arten kommen vier eingeschleppte Arten vor: Der Galizische Sumpfkrebs oder «Galizier» (''Astacus leptodactylus''), welcher ursprünglich aus Osteuropa stammt, sowie der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (''Procambarus clarkii'') welche aus den USA eingeführt wurden. Sie gehören alle zur Ordnung der Decapoda (Zehnfusskrebse). Die einheimischen Arten sowie der Galizische Sumpfkrebs und der Signalkrebs gehören der Familie der Astacidae an, die anderen beiden der Familie der Cambaridae.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Edelkrebs 2 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Edelkrebs (''Astacus astacus'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Dohlenkrebs 2 96 dpi.png &lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie_Steinkrebs_2_96_dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse stellen innerhalb der schweizerischen Fauna einen Sonderfall dar, da mehr neobiotische als einheimische Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
=== Links und Literatur ===&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Biologie und Ökologie =&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind Allesfresser. Sie verwerten organisches Material und sind je nach Alter, Wassertemperatur und Angebot mehr herbi- oder karnivor. Gerne werden Mollusken und Wasserinsekten erbeutet. Kleinere Artgenossen oder sich in der Häutung befindliche wehrlose Flusskrebse, stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Verwesendes Aas wird von den meisten Arten nur in Ausnahmefällen gefressen. Bei feuchter Witterung wird die Nahrung ausnahmsweise (z. B. dichte Populationen oder Nahrungsmangel) auch an Land gesucht. Krebse sind «Gewässerpolizei» und «Müllabfuhr», in dem sie abgestorbene Flora und Fauna schnell beseitigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des starren Exoskeletts können Krebse nur wachsen, in dem sie sich häuten. Jungkrebse häuten sich häufig, junge Edelkrebse im 1. Jahr bis zu 10 Mal, als Adulte noch ca. 2 Mal pro Jahr. Die Vorbereitung zur Häutung dauert beim erwachsenen Krebs ca. 1 Woche, die Aushärtung danach ca. 3 bis 4 Tage. Bei Jungkrebsen verläuft der Zyklus wesentlich rascher. Bis zur Aushärtung des neuen Panzers ist der Krebs sehr weich («Butterkrebs») und somit verletzlich. Der Zeitpunkt der Häutung ist altersklassenmässig synchronisiert (vermindert Kannibalismus).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt im Herbst. Das Weibchen befestigt die befruchteten Eier auf der Unterseite des Abdomens (Schwanzteil) und betreibt intensive Brutpflege. Die Larven schlüpfen je nach Wassertemperatur Ende Mai bis Mitte Juli. 7 bis 10 Tage nach dem Schlüpfen erfolgt die erste Häutung. Nach ein paar weiteren Tagen verlassen die Jungtiere die Mutter. Die Weibchen leben während der ganzen Brutzeit zurückgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivität von Flusskrebsen ist von November/Dezember bis zum Frühjahr sehr gering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krebse sind auf eine reiche Strukturierung insbesondere des Uferbereichs angewiesen (Wurzelstöcke, steile Böschungen, grosse Steine). Wie der ideale Lebensraum gestaltet ist, ist im [[Media:Flusskrebs-DE.pdf|Flyer des Kantons Bern]] dargestellt. Krebse sind sehr empfindlich gegenüber Pestiziden (Pflanzenschutzmitteln), besonders Insektiziden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In sehr kalkarmen und sehr kalkreichen Gewässern können Krebse nicht leben. Im einten Fall steht für das Skelett zu wenig Kalk zur Verfügung, im anderen kommt es zu Kalkablagerungen auf dem Panzer (Versinterung), welche bei langem Häutungsintervall die Häutung verunmöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zu Biologie und Ökologie der Flusskrebse sind in «Decapoda» (Stucki &amp;amp; Zaugg 2005) zusammengefasst. Auf [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch] sind kurze Artenporträts aufgeschaltet. Umfangreiche Angaben findet man in «Edelkrebse: Biologie - Zucht – Bewirtschaftung» (Hager 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Abb03_Junge_Dohlenkrebse_(c)_Peter_Jean-Richard_zugeschnitten_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Junge Krebse (im Bild Dohlenkrebse) sind «Miniaturausgaben» der Erwachsenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
Seit 2014 gibt es die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}. Sie ist Anlaufstelle und hat beratende und koordinierende Funktion. Wer sich vertieft mit dem Schutz und der Förderung der einheimischen Flusskrebse auseinandersetzen möchte, dem sind die Informationen auf der Webseite und die Lektüre des {{link aktionsplans flusskrebse de}} zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strategie für die einheimischen Flusskrebse gemäss  {{link aktionsplan flusskrebse de}} verfolgt zwei hauptsächliche Ziele; einerseits den Schutz der einheimischen Populationen und andererseits die Bekämpfung und Eingrenzung der Bestände fremder Flusskrebsarten. &lt;br /&gt;
Nachfolgend wird auf ausgewählte Massnahmen eingegangen. Die vollständigen Informationen sind im Kapitel 6 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Renaturierung von Gewässern] sollen die Uferbereiche gut strukturiert werden. Krebse müssen Höhlen graben und sich verstecken können (unter Wurzeln oder Steinen). Dazu eignen sich besonders steile Böschungen. Fliessgewässer sollen unterschiedliche Strömungsverhältnisse (natürliche Abfolgen von Abschnitten mit starker und schwacher/keiner Strömung) aufweisen, welche geeignete Habitate und genügend Nahrung bieten (siehe Flyer des Kantons Bern [http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur/fischerei/aktuell.assetref/dam/documents/VOL/LANAT/de/Natur/Fischerei/RenF/DE_Flusskrebse_gzd.pdf «Lebensraum für Flusskrebse, Umgang bei Wasserbauprojekten»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki3_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Der Westerbach im Kanton Aargau mit harter Bachverbauung…&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki2_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = … welche in einem Projekt der Jagd- und Fischereiverwaltung Kanton Aargau zur Förderung des Dohlenkrebses (''Austropotamobius pallipes'') 2005 einseitig entfernt und das Gewässer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung#Ingenieurbiologische_Massnahmen_im_Bachbett_.28instream.29 instream] strukturiert wurde.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhaltsarbeiten und Bauprojekte in Gewässern müssen durch die für die Fischerei zuständige kantonale Behörde genehmigt und begleitet werden. Sie bestimmt die zu treffenden Schutzmassnahmen. Folgende Vorsichtsmassnahmen müssen getroffen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ausbaggerungen der Sohle zeitlich staffeln (abschnittweises Baggern). Ev. tiefere Bereiche («Pools») oder Feuchtzonen als Rückzugsgebiete anlegen.&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt auf das Minimum beschränken, keine Bäume fällen (mit gewissen Ausnahmen siehe «{{link aktionsplans flusskrebse de}}»; falls Bäume gefällt werden müssen, die Strünke belassen)&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt muss selektiv erfolgen&lt;br /&gt;
* Kein Befahren des Bachbetts mit Maschinen&lt;br /&gt;
* Im nicht bestockten Bereich abschnittweiser Böschungsunterhalt, Gestrüpp belassen.&lt;br /&gt;
* Das Stau- und Totholz darf nicht gänzlich aus dem Bett entfernt werden.&lt;br /&gt;
* Im Wald&lt;br /&gt;
** Die Bäume vom Gewässer weg fällen&lt;br /&gt;
** Astmaterial nicht im Gewässer und am Ufer ablagern (Gefahr der Versauerung des Gewässers)&lt;br /&gt;
** Das Gewässer nicht mit Maschinen befahren&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft&lt;br /&gt;
** Keine Beweidung der Ufer und des Bachbetts&lt;br /&gt;
** Keinen Zugang zum Gewässer als Viehtränke schaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Kantone haben Erfahrungen mit der Aufzucht und dem Aussetzen einheimischer Krebse, so zum Beispiel der Kanton Aargau mit [https://www.ag.ch/umwelt-aargau/pdf/UAG_54_39.pdf Dohlen- und Steinkrebsen]. Wichtig dabei ist, dass die Genetik berücksichtigt wird und somit nur Tiere aus dem gleichen Einzugsgebiet für Aufzucht bzw. Besatz verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Waldbewirtschaftung_entlang_Bach_96_dpi.PNG&lt;br /&gt;
| text = Entlang von Bächen im Wald ist es wichtig, das Gewässer bei der Bewirtschaftung zu schonen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_6_c_Cuarny_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Massnahmen gegen Schwebstoffbelastungen in einem Gewässer bei Cuarny VD. Dies ist bei allen Arbeiten in Gewässern wichtig. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktivitäten/Massnahmen der Kantone ==&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten der Kantone für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse sind auf der Webseite der [http://www.flusskrebse.ch/de_massnahmen.htm Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz] aufgelistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Alle drei heimischen Arten gehören zu den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten national prioritären Arten]]. Der Edelkrebs hat 2. Priorität, die anderen beiden haben die höchste Priorität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Datenbank des Projekts «Virtual Data Center VDC» werden seit 2014 die Fundorte sämtlicher Organismengruppen eingespeist, um sie bei naturschutzrelevanten Projekten berücksichtigen zu können. Mit der Datenbank sollen insbesondere die Bedürfnisse der kantonalen Fachstellen abgedeckt werden. Diese Daten sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung=&lt;br /&gt;
== Rote Listen ==&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind gefährdet (Edelkrebs) oder stark gefährdet (Steinkrebs und Dohlenkrebs)&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;small&amp;gt;Quelle: {{link aktionsplan flusskrebse de}}&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Gefährdungen == &lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_10_Kamberkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), einer der vier eingeschleppten invasiven Flusskrebsarten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
''Die Inhalte dieses Kapitels wurden aus dem {{link aktionsplan flusskrebse de}} übernommen.''&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit mehreren Jahrzehnten nehmen die Bestände einheimischer Flusskrebsarten ab; etwas langsamer im Falle des Edelkrebses (''Astacus astacus'') und stark im Falle von Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Zahlreiche Populationen sind bereits vollständig verschwunden und oft bestehen Bestände nur aus geografisch isolierten Reliktpopulationen, hauptsächlich in Oberläufen und Teichen. Dieser Rückgang geht einher mit der Ausbreitung der nicht-einheimischer Arten, die sich mit Ausnahme des Galizierkrebses (''Astacus leptodactylus'') zudem Krebspest-Träger sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hauptsächlichen Gründe des Rückgangs der einheimischen Krebse sind: &lt;br /&gt;
* Konkurrenz durch eingeführte fremde Flusskrebsarten, die weniger empfindlich auf die verschlechterten Umweltbedingungen reagieren, höhere Wachstumsraten und Fruchtbarkeit aufweisen und auch aggressiver sind. &lt;br /&gt;
* Die in der Schweiz meldepflichtige Seuche «Krebspest» (''Aphanomyces astaci''). Die Verbreitung dieses Erregers erfolgt durch amerikanische Flusskrebsarten, welche latente Träger sind, sowie durch den Menschen mit kontaminiertem Material (z. B. Fischereigeräte oder -stiefel, Versetzen infizierter Flusskrebse).&lt;br /&gt;
* Fliessgewässerkorrektionen und Uferverbauungen führen zu einer Monotonisierung der Strömungsverhältnisse und einer Vereinheitlichung der Ökomorphologie, wodurch Unterstände und für Flusskrebse geeignete Habitate verschwinden.&lt;br /&gt;
* Lokal schlechte Wasserqualität aufgrund punktueller oder chronischer Verschmutzungen (z. B. Mikroverunreinigungen, Pestizide, Industrieunfälle, ARA-Einleitungen, Jauche und anderen Düngemitteln usw.) was bestehende Populationen schwächen oder auslöschen kann.&lt;br /&gt;
* Eine dem Habitat nicht entsprechende fischereiliche Bewirtschaftung durch zu hohe Fischdichten in Stillgewässern oder in als Aufzuchtgewässer für Forellen genutzten Fliessgewässern. Dies bewirkt einen zu starken Frassdruck auf die Flusskrebsfauna. Eine weitere Gefährdungsursache ist die systematische Störung des Habitats durch Anwendung von Elektrofanggeräten und die ständige Begehung des Gewässers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS05_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses strukturarme Gewässer bietet Flusskrebsen keinen Lebensraum&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS06_Insektizide_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft führt zu Verunreinigungen in den Gewässern und gefährdet u. a. die einheimischen Flusskrebse.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Invasive Krebse ==&lt;br /&gt;
In den nächsten Jahren könnten, neben den bereits vier vorhandenen, weitere invasive Krebsarten Probleme bereiten (siehe [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch, «Weitere zu erwartende Arten»])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 19_Kalikokrebs_(Oronyctes_immunis)_Foto_Karsten_Grabow_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der [http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/115831/01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf?command=downloadContent&amp;amp;filename=01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf Kalikokrebs (''Orconectes immunis'')] (en allemand) kommt momentan in der Schweiz noch nicht vor, bereitet aber bereits in der Oberrheinischen Tiefebene Probleme&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebspest ==&lt;br /&gt;
Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} informiert auf ihrer Webseite über die [http://www.flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm Krebspest] und hat dazu mehrere [http://www.flusskrebse.ch/de_projekte.htm Merkblätter].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Verhinderung der Krebspestverbreitung - Was jeder Einzelne tun kann''' &lt;br /&gt;
(Quellen: [http://flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm flusskrebse.ch] und [https://www.waldwissen.net/wald/tiere/insekten_wirbellose/fva_flusskrebse/index_DE www.waldwissen.net]):&lt;br /&gt;
* Alle Gegenstände, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind, sollen keimfrei gemacht werden bevor ein Flusskrebsgewässer betreten wird. &lt;br /&gt;
* Eine Desinfektion ist zwingend notwendig, wenn zwischen verschiedenen Gewässern oder Gewässerabschnitten gewechselt wird.&lt;br /&gt;
* Desinfizieren:&lt;br /&gt;
** Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. desinfizieren&lt;br /&gt;
** Wenn Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. eine glatte Oberfläche aufweisen, genügt das Abtrocknen lassen und Lagern bei mind. 25°C während 24 Stunden. Feuchtigkeitsnester, zum Beispiel Schlammreste im Profil von Stiefeln, sind vorgängig zu entfernen.&lt;br /&gt;
** Auch ein Erhitzen auf mind. 60 °C (am besten Abkochen) für 5 Minuten oder Einfrieren bei -20 °C für mindestens zwei Tage tötet die Erregersporen ab.&lt;br /&gt;
** Desinfektion mit Natriumhypochlorit oder Peressigsäure. Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} empfiehlt die Verwendung von VirkonS oder Wofasteril. Bezugsquelle für VirkonS (Wirkstoff Natriumhypochlorit): [http://www.arovet.ch/ www.arovet.ch]; Bezugsquelle für Wofasteril (Wirkstoff Peressigsäure): [http://www.hygline.ch/reinigen-und-desinfizieren/landwirtschaft/schafe-ziegen/stall/desinfektionsmittel/ www.hygline.ch], &lt;br /&gt;
** Schlecht trocknende Gegenstände sind mindestens 14 Tage bei 25°C zu lagern. &lt;br /&gt;
* Von der Verwendung von Stiefeln mit Filzsohlen ist abzuraten, da diese sehr schlecht trocknen.&lt;br /&gt;
* Um eine Verschleppung zu vermeiden, ist auf das Aussetzen von Besatzfischen aus Krebspestgewässern zu verzichten, da diese auch Zoosporen mittragen können. / Pour éviter la propagation de la maladie, il convient de ne plus lâcher de poissons de repeuplement provenant d’eaux infestées par la peste de l’écrevisse car ils peuvent être aussi porteurs de zoospores.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen mit detaillierten Angaben siehe [http://flusskrebse.ch/de_projekte.htm  Merkblatt «Verhinderung der Krebspestverbreitung»].&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Krebspest_Peter_Jean_Richard.jpg&lt;br /&gt;
| text = Von der Krebspest befallener bereits toter Galizischer Sumpfkrebs (''Astacus leptodactylus'').&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wissenslücken=&lt;br /&gt;
* Aktuelles Wissen über die Bestandessituation in der Schweiz&lt;br /&gt;
* Vorkommen der Krebspest in der Schweiz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele=&lt;br /&gt;
* Unter [http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm] sind diverse Projektberichte und -beschriebe aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Links = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Links ==&lt;br /&gt;
* {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
* [http://www.forum-flusskrebse.org/ forum flusskrebse]: Das Forum Flusskrebse ist ein Zusammenschluss verschiedener deutschsprachiger Flusskrebsspezialisten, welche international agieren und Tagungen organisieren. Vor allem Interessant für Personen, die sich tiefergreifend mit der Materie auseinandersetzen und dem Netzwerk beitreten wollen. &lt;br /&gt;
* Informationen zu den Flusskrebsen auf der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/fauna-der-schweiz/flusskrebse.html Webseite des CSCF] &lt;br /&gt;
** Neben allgemeinen Informationen zu Krebsen können als wichtiger Service Daten abgefragt und Artenlisten erstellt werden&lt;br /&gt;
* [https://lepus.unine.ch/carto/ Kartenserver info fauna]&lt;br /&gt;
* Für Fischerei und Krebse zuständige [https://www.kvu.ch/de/adressen/jagd-fischerei Fachstellen der Kantone]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturempfehlungen= &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundlagen- und Übersichtswerke ==&lt;br /&gt;
* David M. Holdich, 2002. Biology of freshwater crayfish. Blackwell Science, Oxford.&lt;br /&gt;
* EDER, E. &amp;amp; HÖDL, W. 1998: Flusskrebse Österreichs. – Stapfia 58, Linz, pp 284.&lt;br /&gt;
* Füreder, L., 2009. Flusskrebse: Biologie, Ökologie, Gefährdung, Veröffentlichungen des Naturmuseums Südtirol, Bozen. Folio-Verlag, Wien.&lt;br /&gt;
* HAGER, J. (2003): Edelkrebse. Biologie – Zucht – Bewirtschaftung. 2., überarbeitete Auflage. − Leopold Stocker.&lt;br /&gt;
* HOFMANN, J. 1980: Die Flusskrebse.- Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, pp 110.&lt;br /&gt;
* Souty-Grosset, C., 2006. Atlas of crayfish in Europe, Collection patrimoines naturels. Publications scientifiques du Muséum national d’histoire naturelle, Paris.&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Praxisrelevante Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stucki P., Zaugg B. 2011: {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz. Artenförderung von Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Vollzug Nr. 1104: 61 S&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsliteratur ==&lt;br /&gt;
* Auf der Webseite der {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} hat es einen Bestimmungsschlüssel und eine online-Bestimmungshilfe.&lt;br /&gt;
* In Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica (Stucki, P., Zaugg, B., 2005) ist ein Bestimmungsschlüssel enthalten.&lt;br /&gt;
* Empfehlenswerter [http://www.lazbw-ffs-krebse.de/home.html Online-Bestimmungsschlüssel]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verschiedenes=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- == Aktuelle Weiterbildungsveranstaltungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://flusskrebse.ch/index.htm 4. Flusskrebssymposium, 10. September 2018, in Olten]&lt;br /&gt;
* [https://www.igfischerei.ch/index.php/programmlink/krebsseminar-2018 Krebsseminar für Einsteiger 1. September 2018 in Langnau am Albis ZH]&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Filme über Krebse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/ Netz Natur] hat zu Krebsen zwei sehenswerte Filme ausgestrahlt:&lt;br /&gt;
* Krebse sind gefrässig, wo immer sie auftauchen. Und viele sind auch selbst delikat - was ihnen immer wieder zum Verhängnis wird. Ökologisch sind sie unentbehrlich - was uns Menschen kaum bewusst ist, wenn wir nur an Delikatessen denken. «NETZ Natur» stellt deshalb Krustentiere vor - [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/krebse-das-grosse-fressen auf dem Teller und in der Natur].&lt;br /&gt;
* Verrückt, wenn sich auf den Weihnachtsinseln alljährlich 60 Millionen rote Landkrabben auf den Weg ans Meer machen. Verrückt auch, wie sich kleine Planktonkrebschen in Salinen wohlfühlen, die so salzig sind, dass dort kaum ein anderes Tier überleben kann. In einer [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/die-verrueckten verrückten Sendung] zeigt NETZ Natur die unglaubliche Vielfalt der Krebse und ihre Wichtigkeit in der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebsbeobachtungen melden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse ist es wichtig, dass Sie Ihre Beobachtungen ({{link_webfauna_cscf_de}}). Funde können auch direkt an die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz gemeldet werden ([mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]), welche sie an die Kantone weiterleitet. &lt;br /&gt;
Für eine sichere Bestimmung braucht es je ein Foto von oben und von unten mit Fokus auf Ober- und Unterseite der Scheren sowie auf die Schwanzoberseite. Im Weiteren eine Nahaufnahme von der Seite des Carapax (Bedornung bei der Nackenfurche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliches ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kap. 3 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} sind der rechtliche Status und der Schutzstatus abgehandelt.&lt;br /&gt;
Die rechtlichen Grundlagen zu den Flusskrebsen sind im [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19910137/index.html Bundesgesetz über die Fischerei] und in der dazugehörigen [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19930332/index.html Ausführungsverordnung]. Darin ist u. a. folgendes geregelt:&lt;br /&gt;
* Das Fangen von Krebsen bedarf einer Bewilligung des Fischpächters bzw. des Kantons.&lt;br /&gt;
* Die Schonzeit der einheimischen Flusskrebsarten beträgt mindestens 40 Wochen.&lt;br /&gt;
* Die Fangmindestmasse betragen für den Edelkrebs (Astacus astacus) 12 cm und für den Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) und den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) je 9 cm.&lt;br /&gt;
* Der Fang, Transport und das Aussetzen von nicht einheimischen Flusskrebsarten ist verboten bzw. bewilligungspflichtig.&lt;br /&gt;
* Das Halten von nicht einheimischen Arten im Aquarium ist bewilligungspflichtig. (Bemerkung: Bewilligungen werden nur für Ausstellungen oder zu Forschungszwecken ausgestellt.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestandserfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gute Zeit für Bestandserfassungen ist von Juli bis Oktober, ideal ist der September. Im Anhang des {{link aktionsplans flusskrebse de}} gibt es ein Felderhebungsblatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Newsletter =&lt;br /&gt;
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann melden Sie sich für unseren [https://www.biodivers.ch/index.php/newsletter-abonnieren.html monatlichen Newsletter] an und bleiben Sie informiert über aktuelle Artikel zur Förderung von Arten und Lebensräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS) hat einen Newsletter. Anmeldungen direkt an: [mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers] || info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch/ KFKS] || {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Flusskrebse&amp;diff=4732</id>
		<title>Flusskrebse</title>
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				<updated>2025-03-07T14:32:03Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Ecrevisses]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_02_Edelkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Flusskrebse, auf dem Bild der Edelkrebs (''Astacus astacus'') sind nachtaktive Bewohner unserer Gewässer. Sie brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [http://biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [https://www.kfks.ch KFKS]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || August 2018&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_03_Dohlenkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes''), einer der drei einheimischen Flusskrebsarten  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei uns sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') heimisch. Sie sind nachtaktiv und leben versteckt in Fliess- und Stehgewässern verschiedener Grössen und Höhenlagen. Die Bestände gehen seit 50 Jahren stark zurück. Gründe dafür sind die Verbauung und Verschmutzung der Gewässer, die Konkurrenz durch vier eingeschleppte Flusskrebsarten und die Krebspest. Diese wird durch die ausgesetzten nordamerikanischen Flusskrebse, welche gegen den Erreger immun sind, und durch uns Menschen verbreitet. Die Sporen des Erregers werden ins Wasser abgegeben und können über nasse Gegenstände verschleppt werden.&lt;br /&gt;
Flusskrebse brauchen saubere, strukturreiche Fliess- und Stehgewässer, in denen sie genügend Versteckmöglichkeiten finden, ihre Höhlen graben können und Nahrung finden. Sie können durch Gewässerrenaturierungen, mit dem Angebot sauberen Wassers sowie durch konsequentes Verhindern der weiteren Verbreitung der Krebspest gefördert werden. &lt;br /&gt;
Der Bund hat den {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz (2011) erarbeitet und seit 2014 gibt es die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen um den Schutz und die Förderung der einheimischen und Bekämpfung bzw. Ausbreitungsverhinderung der invasiven Flusskrebsarten in der Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_1_b_RdVaux_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Typisches, strukturreiches Krebsgewässer  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik und Vorkommen in der Schweiz =&lt;br /&gt;
In der Schweiz heimisch sind der Edelkrebs (''Astacus astacus''), der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Neben diesen drei autochthonen Arten kommen vier eingeschleppte Arten vor: Der Galizische Sumpfkrebs oder «Galizier» (''Astacus leptodactylus''), welcher ursprünglich aus Osteuropa stammt, sowie der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) und der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (''Procambarus clarkii'') welche aus den USA eingeführt wurden. Sie gehören alle zur Ordnung der Decapoda (Zehnfusskrebse). Die einheimischen Arten sowie der Galizische Sumpfkrebs und der Signalkrebs gehören der Familie der Astacidae an, die anderen beiden der Familie der Cambaridae.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Edelkrebs 2 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Edelkrebs (''Astacus astacus'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie Dohlenkrebs 2 96 dpi.png &lt;br /&gt;
| text = Der Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Galerie_Steinkrebs_2_96_dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Der Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium'') und seine Verbreitung (rot = Funde ab 2000, orange = Funde vor 2000)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse stellen innerhalb der schweizerischen Fauna einen Sonderfall dar, da mehr neobiotische als einheimische Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
=== Links und Literatur ===&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Biologie und Ökologie =&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind Allesfresser. Sie verwerten organisches Material und sind je nach Alter, Wassertemperatur und Angebot mehr herbi- oder karnivor. Gerne werden Mollusken und Wasserinsekten erbeutet. Kleinere Artgenossen oder sich in der Häutung befindliche wehrlose Flusskrebse, stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. Verwesendes Aas wird von den meisten Arten nur in Ausnahmefällen gefressen. Bei feuchter Witterung wird die Nahrung ausnahmsweise (z. B. dichte Populationen oder Nahrungsmangel) auch an Land gesucht. Krebse sind «Gewässerpolizei» und «Müllabfuhr», in dem sie abgestorbene Flora und Fauna schnell beseitigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des starren Exoskeletts können Krebse nur wachsen, in dem sie sich häuten. Jungkrebse häuten sich häufig, junge Edelkrebse im 1. Jahr bis zu 10 Mal, als Adulte noch ca. 2 Mal pro Jahr. Die Vorbereitung zur Häutung dauert beim erwachsenen Krebs ca. 1 Woche, die Aushärtung danach ca. 3 bis 4 Tage. Bei Jungkrebsen verläuft der Zyklus wesentlich rascher. Bis zur Aushärtung des neuen Panzers ist der Krebs sehr weich («Butterkrebs») und somit verletzlich. Der Zeitpunkt der Häutung ist altersklassenmässig synchronisiert (vermindert Kannibalismus).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt im Herbst. Das Weibchen befestigt die befruchteten Eier auf der Unterseite des Abdomens (Schwanzteil) und betreibt intensive Brutpflege. Die Larven schlüpfen je nach Wassertemperatur Ende Mai bis Mitte Juli. 7 bis 10 Tage nach dem Schlüpfen erfolgt die erste Häutung. Nach ein paar weiteren Tagen verlassen die Jungtiere die Mutter. Die Weibchen leben während der ganzen Brutzeit zurückgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivität von Flusskrebsen ist von November/Dezember bis zum Frühjahr sehr gering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krebse sind auf eine reiche Strukturierung insbesondere des Uferbereichs angewiesen (Wurzelstöcke, steile Böschungen, grosse Steine). Wie der ideale Lebensraum gestaltet ist, ist im [[Media:Flusskrebs-DE.pdf|Flyer des Kantons Bern]] dargestellt. Krebse sind sehr empfindlich gegenüber Pestiziden (Pflanzenschutzmitteln), besonders Insektiziden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In sehr kalkarmen und sehr kalkreichen Gewässern können Krebse nicht leben. Im einten Fall steht für das Skelett zu wenig Kalk zur Verfügung, im anderen kommt es zu Kalkablagerungen auf dem Panzer (Versinterung), welche bei langem Häutungsintervall die Häutung verunmöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zu Biologie und Ökologie der Flusskrebse sind in «Decapoda» (Stucki &amp;amp; Zaugg 2005) zusammengefasst. Auf [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch] sind kurze Artenporträts aufgeschaltet. Umfangreiche Angaben findet man in «Edelkrebse: Biologie - Zucht – Bewirtschaftung» (Hager 2003).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Abb03_Junge_Dohlenkrebse_(c)_Peter_Jean-Richard_zugeschnitten_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Junge Krebse (im Bild Dohlenkrebse) sind «Miniaturausgaben» der Erwachsenen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
Seit 2014 gibt es die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}. Sie ist Anlaufstelle und hat beratende und koordinierende Funktion. Wer sich vertieft mit dem Schutz und der Förderung der einheimischen Flusskrebse auseinandersetzen möchte, dem sind die Informationen auf der Webseite und die Lektüre des {{link aktionsplans flusskrebse de}} zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Strategie für die einheimischen Flusskrebse gemäss  {{link aktionsplan flusskrebse de}} verfolgt zwei hauptsächliche Ziele; einerseits den Schutz der einheimischen Populationen und andererseits die Bekämpfung und Eingrenzung der Bestände fremder Flusskrebsarten. &lt;br /&gt;
Nachfolgend wird auf ausgewählte Massnahmen eingegangen. Die vollständigen Informationen sind im Kapitel 6 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Renaturierung von Gewässern] sollen die Uferbereiche gut strukturiert werden. Krebse müssen Höhlen graben und sich verstecken können (unter Wurzeln oder Steinen). Dazu eignen sich besonders steile Böschungen. Fliessgewässer sollen unterschiedliche Strömungsverhältnisse (natürliche Abfolgen von Abschnitten mit starker und schwacher/keiner Strömung) aufweisen, welche geeignete Habitate und genügend Nahrung bieten (siehe Flyer des Kantons Bern [http://www.vol.be.ch/vol/de/index/natur/fischerei/aktuell.assetref/dam/documents/VOL/LANAT/de/Natur/Fischerei/RenF/DE_Flusskrebse_gzd.pdf «Lebensraum für Flusskrebse, Umgang bei Wasserbauprojekten»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki3_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Der Westerbach im Kanton Aargau mit harter Bachverbauung…&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ThomasStucki2_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = … welche in einem Projekt der Jagd- und Fischereiverwaltung Kanton Aargau zur Förderung des Dohlenkrebses (''Austropotamobius pallipes'') 2005 einseitig entfernt und das Gewässer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung#Ingenieurbiologische_Massnahmen_im_Bachbett_.28instream.29 instream] strukturiert wurde.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterhaltsarbeiten und Bauprojekte in Gewässern müssen durch die für die Fischerei zuständige kantonale Behörde genehmigt und begleitet werden. Sie bestimmt die zu treffenden Schutzmassnahmen. Folgende Vorsichtsmassnahmen müssen getroffen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ausbaggerungen der Sohle zeitlich staffeln (abschnittweises Baggern). Ev. tiefere Bereiche («Pools») oder Feuchtzonen als Rückzugsgebiete anlegen.&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt auf das Minimum beschränken, keine Bäume fällen (mit gewissen Ausnahmen siehe «{{link aktionsplans flusskrebse de}}»; falls Bäume gefällt werden müssen, die Strünke belassen)&lt;br /&gt;
* Gehölzunterhalt muss selektiv erfolgen&lt;br /&gt;
* Kein Befahren des Bachbetts mit Maschinen&lt;br /&gt;
* Im nicht bestockten Bereich abschnittweiser Böschungsunterhalt, Gestrüpp belassen.&lt;br /&gt;
* Das Stau- und Totholz darf nicht gänzlich aus dem Bett entfernt werden.&lt;br /&gt;
* Im Wald&lt;br /&gt;
** Die Bäume vom Gewässer weg fällen&lt;br /&gt;
** Astmaterial nicht im Gewässer und am Ufer ablagern (Gefahr der Versauerung des Gewässers)&lt;br /&gt;
** Das Gewässer nicht mit Maschinen befahren&lt;br /&gt;
* In der Landwirtschaft&lt;br /&gt;
** Keine Beweidung der Ufer und des Bachbetts&lt;br /&gt;
** Keinen Zugang zum Gewässer als Viehtränke schaffen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Kantone haben Erfahrungen mit der Aufzucht und dem Aussetzen einheimischer Krebse, so zum Beispiel der Kanton Aargau mit [https://www.ag.ch/umwelt-aargau/pdf/UAG_54_39.pdf Dohlen- und Steinkrebsen]. Wichtig dabei ist, dass die Genetik berücksichtigt wird und somit nur Tiere aus dem gleichen Einzugsgebiet für Aufzucht bzw. Besatz verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Waldbewirtschaftung_entlang_Bach_96_dpi.PNG&lt;br /&gt;
| text = Entlang von Bächen im Wald ist es wichtig, das Gewässer bei der Bewirtschaftung zu schonen&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fig_6_c_Cuarny_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Massnahmen gegen Schwebstoffbelastungen in einem Gewässer bei Cuarny VD. Dies ist bei allen Arbeiten in Gewässern wichtig. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aktivitäten/Massnahmen der Kantone ==&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten der Kantone für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse sind auf der Webseite der [http://www.flusskrebse.ch/de_massnahmen.htm Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz] aufgelistet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Alle drei heimischen Arten gehören zu den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten national prioritären Arten]]. Der Edelkrebs hat 2. Priorität, die anderen beiden haben die höchste Priorität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In die Datenbank des Projekts «Virtual Data Center VDC» werden seit 2014 die Fundorte sämtlicher Organismengruppen eingespeist, um sie bei naturschutzrelevanten Projekten berücksichtigen zu können. Mit der Datenbank sollen insbesondere die Bedürfnisse der kantonalen Fachstellen abgedeckt werden. Diese Daten sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung=&lt;br /&gt;
== Rote Listen ==&lt;br /&gt;
Die Flusskrebse sind gefährdet (Edelkrebs) oder stark gefährdet (Steinkrebs und Dohlenkrebs)&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;small&amp;gt;Quelle: {{link aktionsplan flusskrebse de}}&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Gefährdungen == &lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Photo_10_Kamberkrebs_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Kamberkrebs (''Orconectes limosus''), einer der vier eingeschleppten invasiven Flusskrebsarten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
''Die Inhalte dieses Kapitels wurden aus dem {{link aktionsplan flusskrebse de}} übernommen.''&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit mehreren Jahrzehnten nehmen die Bestände einheimischer Flusskrebsarten ab; etwas langsamer im Falle des Edelkrebses (''Astacus astacus'') und stark im Falle von Dohlenkrebs (''Austropotamobius pallipes'') und Steinkrebs (''Austropotamobius torrentium''). Zahlreiche Populationen sind bereits vollständig verschwunden und oft bestehen Bestände nur aus geografisch isolierten Reliktpopulationen, hauptsächlich in Oberläufen und Teichen. Dieser Rückgang geht einher mit der Ausbreitung der nicht-einheimischer Arten, die sich mit Ausnahme des Galizierkrebses (''Astacus leptodactylus'') zudem Krebspest-Träger sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hauptsächlichen Gründe des Rückgangs der einheimischen Krebse sind: &lt;br /&gt;
* Konkurrenz durch eingeführte fremde Flusskrebsarten, die weniger empfindlich auf die verschlechterten Umweltbedingungen reagieren, höhere Wachstumsraten und Fruchtbarkeit aufweisen und auch aggressiver sind. &lt;br /&gt;
* Die in der Schweiz meldepflichtige Seuche «Krebspest» (''Aphanomyces astaci''). Die Verbreitung dieses Erregers erfolgt durch amerikanische Flusskrebsarten, welche latente Träger sind, sowie durch den Menschen mit kontaminiertem Material (z. B. Fischereigeräte oder -stiefel, Versetzen infizierter Flusskrebse).&lt;br /&gt;
* Fliessgewässerkorrektionen und Uferverbauungen führen zu einer Monotonisierung der Strömungsverhältnisse und einer Vereinheitlichung der Ökomorphologie, wodurch Unterstände und für Flusskrebse geeignete Habitate verschwinden.&lt;br /&gt;
* Lokal schlechte Wasserqualität aufgrund punktueller oder chronischer Verschmutzungen (z. B. Mikroverunreinigungen, Pestizide, Industrieunfälle, ARA-Einleitungen, Jauche und anderen Düngemitteln usw.) was bestehende Populationen schwächen oder auslöschen kann.&lt;br /&gt;
* Eine dem Habitat nicht entsprechende fischereiliche Bewirtschaftung durch zu hohe Fischdichten in Stillgewässern oder in als Aufzuchtgewässer für Forellen genutzten Fliessgewässern. Dies bewirkt einen zu starken Frassdruck auf die Flusskrebsfauna. Eine weitere Gefährdungsursache ist die systematische Störung des Habitats durch Anwendung von Elektrofanggeräten und die ständige Begehung des Gewässers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS05_96_dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses strukturarme Gewässer bietet Flusskrebsen keinen Lebensraum&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = KFKS06_Insektizide_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft führt zu Verunreinigungen in den Gewässern und gefährdet u. a. die einheimischen Flusskrebse.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Invasive Krebse ==&lt;br /&gt;
In den nächsten Jahren könnten, neben den bereits vier vorhandenen, weitere invasive Krebsarten Probleme bereiten (siehe [http://flusskrebse.ch/de_unsere_krebse.htm flusskrebse.ch, «Weitere zu erwartende Arten»])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 19_Kalikokrebs_(Oronyctes_immunis)_Foto_Karsten_Grabow_96_dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der [http://www.fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/115831/01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf?command=downloadContent&amp;amp;filename=01_Kalikokrebse_am_Oberrhein.pdf Kalikokrebs (''Orconectes immunis'')] (en allemand) kommt momentan in der Schweiz noch nicht vor, bereitet aber bereits in der Oberrheinischen Tiefebene Probleme&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebspest ==&lt;br /&gt;
Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} informiert auf ihrer Webseite über die [http://www.flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm Krebspest] und hat dazu mehrere [http://www.flusskrebse.ch/de_projekte.htm Merkblätter].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Verhinderung der Krebspestverbreitung - Was jeder Einzelne tun kann''' &lt;br /&gt;
(Quellen: [http://flusskrebse.ch/de_problematik_pest.htm flusskrebse.ch] und [https://www.waldwissen.net/wald/tiere/insekten_wirbellose/fva_flusskrebse/index_DE www.waldwissen.net]):&lt;br /&gt;
* Alle Gegenstände, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind, sollen keimfrei gemacht werden bevor ein Flusskrebsgewässer betreten wird. &lt;br /&gt;
* Eine Desinfektion ist zwingend notwendig, wenn zwischen verschiedenen Gewässern oder Gewässerabschnitten gewechselt wird.&lt;br /&gt;
* Desinfizieren:&lt;br /&gt;
** Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. desinfizieren&lt;br /&gt;
** Wenn Gerätschaften, Maschinen, Kleidung, usw. eine glatte Oberfläche aufweisen, genügt das Abtrocknen lassen und Lagern bei mind. 25°C während 24 Stunden. Feuchtigkeitsnester, zum Beispiel Schlammreste im Profil von Stiefeln, sind vorgängig zu entfernen.&lt;br /&gt;
** Auch ein Erhitzen auf mind. 60 °C (am besten Abkochen) für 5 Minuten oder Einfrieren bei -20 °C für mindestens zwei Tage tötet die Erregersporen ab.&lt;br /&gt;
** Desinfektion mit Natriumhypochlorit oder Peressigsäure. Die {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} empfiehlt die Verwendung von VirkonS oder Wofasteril. Bezugsquelle für VirkonS (Wirkstoff Natriumhypochlorit): [http://www.arovet.ch/ www.arovet.ch]; Bezugsquelle für Wofasteril (Wirkstoff Peressigsäure): [http://www.hygline.ch/reinigen-und-desinfizieren/landwirtschaft/schafe-ziegen/stall/desinfektionsmittel/ www.hygline.ch], &lt;br /&gt;
** Schlecht trocknende Gegenstände sind mindestens 14 Tage bei 25°C zu lagern. &lt;br /&gt;
* Von der Verwendung von Stiefeln mit Filzsohlen ist abzuraten, da diese sehr schlecht trocknen.&lt;br /&gt;
* Um eine Verschleppung zu vermeiden, ist auf das Aussetzen von Besatzfischen aus Krebspestgewässern zu verzichten, da diese auch Zoosporen mittragen können. / Pour éviter la propagation de la maladie, il convient de ne plus lâcher de poissons de repeuplement provenant d’eaux infestées par la peste de l’écrevisse car ils peuvent être aussi porteurs de zoospores.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen mit detaillierten Angaben siehe [http://flusskrebse.ch/de_projekte.htm  Merkblatt «Verhinderung der Krebspestverbreitung»].&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Krebspest_Peter_Jean_Richard.jpg&lt;br /&gt;
| text = Von der Krebspest befallener bereits toter Galizischer Sumpfkrebs (''Astacus leptodactylus'').&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wissenslücken=&lt;br /&gt;
* Aktuelles Wissen über die Bestandessituation in der Schweiz&lt;br /&gt;
* Vorkommen der Krebspest in der Schweiz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele=&lt;br /&gt;
* Unter [http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm http://flusskrebse.ch/de_berichte.htm] sind diverse Projektberichte und -beschriebe aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Links = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Links ==&lt;br /&gt;
* {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
* [http://www.forum-flusskrebse.org/ forum flusskrebse]: Das Forum Flusskrebse ist ein Zusammenschluss verschiedener deutschsprachiger Flusskrebsspezialisten, welche international agieren und Tagungen organisieren. Vor allem Interessant für Personen, die sich tiefergreifend mit der Materie auseinandersetzen und dem Netzwerk beitreten wollen. &lt;br /&gt;
* Informationen zu den Flusskrebsen auf der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/fauna-der-schweiz/flusskrebse.html Webseite des CSCF] &lt;br /&gt;
** Neben allgemeinen Informationen zu Krebsen können als wichtiger Service Daten abgefragt und Artenlisten erstellt werden&lt;br /&gt;
* [https://lepus.unine.ch/carto/ Kartenserver info fauna]&lt;br /&gt;
* Für Fischerei und Krebse zuständige [https://www.kvu.ch/de/adressen/jagd-fischerei Fachstellen der Kantone]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturempfehlungen= &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundlagen- und Übersichtswerke ==&lt;br /&gt;
* David M. Holdich, 2002. Biology of freshwater crayfish. Blackwell Science, Oxford.&lt;br /&gt;
* EDER, E. &amp;amp; HÖDL, W. 1998: Flusskrebse Österreichs. – Stapfia 58, Linz, pp 284.&lt;br /&gt;
* Füreder, L., 2009. Flusskrebse: Biologie, Ökologie, Gefährdung, Veröffentlichungen des Naturmuseums Südtirol, Bozen. Folio-Verlag, Wien.&lt;br /&gt;
* HAGER, J. (2003): Edelkrebse. Biologie – Zucht – Bewirtschaftung. 2., überarbeitete Auflage. − Leopold Stocker.&lt;br /&gt;
* HOFMANN, J. 1980: Die Flusskrebse.- Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, pp 110.&lt;br /&gt;
* Souty-Grosset, C., 2006. Atlas of crayfish in Europe, Collection patrimoines naturels. Publications scientifiques du Muséum national d’histoire naturelle, Paris.&lt;br /&gt;
* Stucki, P., Zaugg, B., 2005. Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica. Centre suisse de cartographie de la Faune, Neuchâtel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Praxisrelevante Literatur ==&lt;br /&gt;
* Stucki P., Zaugg B. 2011: {{link aktionsplan flusskrebse de}} Schweiz. Artenförderung von Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Vollzug Nr. 1104: 61 S&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsliteratur ==&lt;br /&gt;
* Auf der Webseite der {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}} hat es einen Bestimmungsschlüssel und eine online-Bestimmungshilfe.&lt;br /&gt;
* In Decapoda: Atlas, Fauna Helvetica (Stucki, P., Zaugg, B., 2005) ist ein Bestimmungsschlüssel enthalten.&lt;br /&gt;
* Empfehlenswerter [http://www.lazbw-ffs-krebse.de/home.html Online-Bestimmungsschlüssel]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Verschiedenes=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- == Aktuelle Weiterbildungsveranstaltungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [http://flusskrebse.ch/index.htm 4. Flusskrebssymposium, 10. September 2018, in Olten]&lt;br /&gt;
* [https://www.igfischerei.ch/index.php/programmlink/krebsseminar-2018 Krebsseminar für Einsteiger 1. September 2018 in Langnau am Albis ZH]&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Filme über Krebse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/ Netz Natur] hat zu Krebsen zwei sehenswerte Filme ausgestrahlt:&lt;br /&gt;
* Krebse sind gefrässig, wo immer sie auftauchen. Und viele sind auch selbst delikat - was ihnen immer wieder zum Verhängnis wird. Ökologisch sind sie unentbehrlich - was uns Menschen kaum bewusst ist, wenn wir nur an Delikatessen denken. «NETZ Natur» stellt deshalb Krustentiere vor - [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/krebse-das-grosse-fressen auf dem Teller und in der Natur].&lt;br /&gt;
* Verrückt, wenn sich auf den Weihnachtsinseln alljährlich 60 Millionen rote Landkrabben auf den Weg ans Meer machen. Verrückt auch, wie sich kleine Planktonkrebschen in Salinen wohlfühlen, die so salzig sind, dass dort kaum ein anderes Tier überleben kann. In einer [https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/die-verrueckten verrückten Sendung] zeigt NETZ Natur die unglaubliche Vielfalt der Krebse und ihre Wichtigkeit in der Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Krebsbeobachtungen melden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schutz und die Förderung der Flusskrebse ist es wichtig, dass Sie Ihre Beobachtungen ({{link_webfauna_cscf_de}}). Funde können auch direkt an die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz gemeldet werden ([mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]), welche sie an die Kantone weiterleitet. &lt;br /&gt;
Für eine sichere Bestimmung braucht es je ein Foto von oben und von unten mit Fokus auf Ober- und Unterseite der Scheren sowie auf die Schwanzoberseite. Im Weiteren eine Nahaufnahme von der Seite des Carapax (Bedornung bei der Nackenfurche).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliches ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kap. 3 des {{link aktionsplans flusskrebse de}} sind der rechtliche Status und der Schutzstatus abgehandelt.&lt;br /&gt;
Die rechtlichen Grundlagen zu den Flusskrebsen sind im [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19910137/index.html Bundesgesetz über die Fischerei] und in der dazugehörigen [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19930332/index.html Ausführungsverordnung]. Darin ist u. a. folgendes geregelt:&lt;br /&gt;
* Das Fangen von Krebsen bedarf einer Bewilligung des Fischpächters bzw. des Kantons.&lt;br /&gt;
* Die Schonzeit der einheimischen Flusskrebsarten beträgt mindestens 40 Wochen.&lt;br /&gt;
* Die Fangmindestmasse betragen für den Edelkrebs (Astacus astacus) 12 cm und für den Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) und den Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) je 9 cm.&lt;br /&gt;
* Der Fang, Transport und das Aussetzen von nicht einheimischen Flusskrebsarten ist verboten bzw. bewilligungspflichtig.&lt;br /&gt;
* Das Halten von nicht einheimischen Arten im Aquarium ist bewilligungspflichtig. (Bemerkung: Bewilligungen werden nur für Ausstellungen oder zu Forschungszwecken ausgestellt.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestandserfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gute Zeit für Bestandserfassungen ist von Juli bis Oktober, ideal ist der September. Im Anhang des {{link aktionsplans flusskrebse de}} gibt es ein Felderhebungsblatt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Newsletter =&lt;br /&gt;
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann melden Sie sich für unseren [https://www.biodivers.ch/index.php/newsletter-abonnieren.html monatlichen Newsletter] an und bleiben Sie informiert über aktuelle Artikel zur Förderung von Arten und Lebensräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Koordinationsstelle Flusskrebse Schweiz (KFKS) hat einen Newsletter. Anmeldungen direkt an: [mailto:info@flusskrebse.ch info@flusskrebse.ch]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers] || info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Zusammenarbeit und Review || [http://www.flusskrebse.ch/ Raphael Krieg] || {{link_koordinationsstelle_fk_ch_de}}&lt;br /&gt;
|}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Feuchtgebiete&amp;diff=4731</id>
		<title>Feuchtgebiete</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Feuchtgebiete&amp;diff=4731"/>
				<updated>2025-03-06T16:58:22Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Zones humides]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = 2.3.1_Pfeifengraswiese_Molinion_180518_060_zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.biodivers.ch Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation|| Dezember 2022 &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
= Das Wesentliche kompakt =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Einleitung =&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Ökologie =&lt;br /&gt;
Feuchtgebiete und Moore lassen sich im Wesentlichen durch ihre Entstehungsgeschichte, die standörtlichen Verhältnisse, die Lebensraum- und Artengemeinschaften und die Nutzung charakterisieren (siehe Abbildung). In diesem Kapitel wird auf diese prägenden Faktoren eingegangen.&amp;lt;!-- In den Grundlagen werden ausgewählte Themen vertieft abgehandelt.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = praegende_faktoren_de_zg.png&lt;br /&gt;
| text = Prägende Faktoren der Moore gemäss Wagner und Wagner, 2003, S. 61, abgeändert und ergänzt mit Boden und Relief. Succow und Joosten, 2001 bezeichnen Substrat, Wasser, Relief und Vegetation als wesentlichen Geokomponenten der Moore.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Abiotische Faktoren ==&lt;br /&gt;
Die abiotischen Faktoren entscheiden darüber, ob ein Moor entstehen kann. Unsere von den Eiszeiten geprägte Naturlandschaft liess Moore wachsen, wo die Bedingungen dafür gegeben waren. Entscheidender Faktor war und ist die permanente Versorgung mit (genügend und qualitativ gutem) Wasser. &lt;br /&gt;
Die Kenntnis der massgeblichen (abiotischen) Faktoren ist der Schlüssel für das Verständnis eines Moors. Nachfolgend wird auf die wichtigsten abiotischen Faktoren Wasserhaushalt (Hydrologie), Boden, Nährstoffe sowie chemische und physikalische Eigenschaften eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Boden ==&lt;br /&gt;
Während der letzten Eiszeit war die Schweiz mehrheitlich von Eis bedeckt.  Nach dem Rückzug der Gletscher wirkten auf die kahlen Rohböden sowohl physikalische als auch chemische und biologische Prozesse, die das Gestein zerkleinerten und die mineralischen Partikel teilweise auflösten und umgestalteten. Erste Pflanzen konnten sich ansiedeln. Diese Bodenbildungsprozesse sind seit dem Gletscherrückzug bis heute wirksam. Durch das natürlicherweise leicht saure Regenwasser und die von Wurzeln abgegeben Säuren verwittert das Muttergestein und Mineralien werden aufgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodenbildung ist ein komplexer Vorgang, bei dem viele Faktoren eine Rolle spielen. Auf [https://www.wsl.ch/de/publikationen/vielfalt-und-funktion-der-waldboeden-in-der-schweiz/ Seite 3 des Merkblatts «Den Waldboden verstehen: Vielfalt und Funktion der Waldböden in der Schweiz» (WSL, 2021)] sind die Bodenbildungsfaktoren, Bodenbildungsprozesse sowie die Bodenmerkmale und -eigenschaften übersichtlich dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je nach Gegebenheiten haben sich unterschiedliche Bodentypen entwickelt. Die Feuchtgebiete kommen auf den wassergeprägten mineralischen Böden ([https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Bodentyp Pseudogleye und Gleye]) und den Moorböden vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Boden beeinflusst mit seinen chemischen und physikalischen Eigenschaften die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Hydrologie Hydrologie] und somit auch die Vegetation eines Standorts (vgl. auch nachfolgende Tabelle).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tabelle: [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Lebensr.C3.A4ume Vegetationstypen] und Bodentypen&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Moortyp&lt;br /&gt;
! Vegetationstyp&lt;br /&gt;
! Bodentyp&lt;br /&gt;
! Quelle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| Schilfröhrichte (im Verlandungsbereich grösserer Stillgewässer; in Seesedimenten wurzelnd; basisch bis neutrale Bedingungen)&lt;br /&gt;
| Anmoorgley, &amp;lt;br /&amp;gt; Torfanmoor, &amp;lt;br /&amp;gt; Flachmoor&lt;br /&gt;
| Wagner und Wagner, 2003 (S. 93); &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| Grossseggenried (im Verlandungsbereich grösserer Stillgewässer; basisch bis neutrale Bedingungen)&lt;br /&gt;
| Anmoorgley, Torfanmoor, Flachmoor&lt;br /&gt;
| Klötzli, 1969 (S. 85); &amp;lt;br /&amp;gt; Wagner und Wagner, 2003 (S. 93); &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| Pfeifengraswiesen&lt;br /&gt;
| Basische und saure Mineralböden; &amp;lt;br /&amp;gt; Anmoore (&amp;quot;Humusböden&amp;quot;&amp;quot;);&amp;lt;br /&amp;gt; wechselfeuchte Gleyböden&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch, Kap. 2.2.2; &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| Dotterblumenwiesen&lt;br /&gt;
| Anmoor-Gley oder Gley, teilweise Torfböden&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch, Kap. 2.2.3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| Hochstaudenriede&lt;br /&gt;
| Gley oder vergleyte Braunerde, anmoorig; &amp;lt;br /&amp;gt; Gleyböden oder wechselfeuchte Pseudogleyböden&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch, Kap. 2.2.3; &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| basische und saure Kleinseggenriede&lt;br /&gt;
| Pseudogley und Fahlgley, (anmoorige) Torfböden; &amp;lt;br /&amp;gt; Niedermoortorfböden; &amp;lt;br /&amp;gt; saure Kleinseggenriede: anmoorige Mineralböden, Torfanmoore, Torfgyttja, basische Kleinseggenriede: kalkreiche Gleyböden&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch Kap. 2.3.1; &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz; &amp;lt;br /&amp;gt; Klötzli 1969 (S. 102f.)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Übergangsmoor&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| Torfböden &amp;lt;!-- mineralische Böden? --&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch Kap. 3.1.1&amp;lt;!--: (Übergangsmoore zählen zu den Ombro-minerogenen Mooren mit gemischtem Mineralbodenwasser- und Regenwasserregime)--&amp;gt;; &amp;lt;br /&amp;gt; Klötzli 1969 (S. 151)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Hochmoor&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| Torfböden&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch Kap. 2.1.1; &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Torf ===&lt;br /&gt;
Bei allen torfbildenden Faktoren spielt der '''Wasserüberschuss''' des Standortes eine zentrale Rolle. Natürliche Torfmoore zeichnet das Vorkommen von Torf, ständige Nässe und das kontinuierliche höher Wachsen des Bodens aus.   Die Art der Torfbildung ist Ergebnis von Wasserangebot, Geländerelief und hydrologischen Eigenschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überall in der Natur unterliegen abgestorbene pflanzliche und tierische Reste (organische Substanz) Zersetzungsprozessen, durch die sie abgebaut oder in andere Substanzen umgewandelt werden. Die wesentlichen Zersetzungsvorgänge sind '''Mineralisierung''' und '''Humifizierung'''. Mineralisierung umfasst alle Prozesse, bei denen das organische Material zu einfachen anorganischen Substanzen (im Wesentlichen Mineralien, Kohlendioxid und Wasser) abgebaut wird. Humifizierung bezeichnet alle Vorgänge, durch die organisches Material in braun bis schwarz gefärbte Humussubstanzen (Huminstoffe) umgewandelt wird. Da die meisten zersetzenden Organismen Sauerstoff für ihre Tätigkeit benötigen, ist der Abbau in wassergesättigten Standorten stark eingeschränkt. Unter solchen Bedingungen ist die Produktion von organischer Substanz größer als deren Abbau. Folglich kommt es zu einer Anreicherung von unvollständig zersetztem organischem Material - im wesentlichen Pflanzenresten -, die den für Moore kennzeichnenden '''Torf''' bilden. Demgemäss ist Torf ein auf wassergesättigten Standorten angereichertes, sedentäres (von unten nach oben aufwachsendes) Substrat. Der organische Anteil besteht dabei überwiegend aus abgestorbenen, unvollständig zersetzten Pflanzenresten und ihren Umwandlungsprodukten, den Huminstoffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Torf''' enthält über 30% organische Substanz, '''Anmoor''' als Humusform zwischen 15% und 30%, während beim Mull weniger als 15% organisch sind (Bemerkung: Die weiteren Humusformen sind Rohhumus und Moder). Völlig wassergesättigte Torfe können bis zu 97 Volumen-Prozent Wasser enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland werden die botanischen Torfarteneinheiten '''Moostorfe, Kräutertorfe, Reisertorfe, Holztorfe''' und '''amorphe Torfe''' unterschieden, bei den bodenkundlichen Torfartengruppen Hoch-, Übergangs- und Niedermoortorfe. Die Grundlage für die botanische Torfgliederung sind die torfbildenden Vegetationsgemeinschaften (z. B. von Moosen oder Wollgräsern oder Schilf dominierte Vegetation). Weitergehende Informationen können dem Buch «Steckbriefe Moorsubstrate» (Luthardt et al. 2011) entnommen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In wachsenden Hochmooren akkumuliert sich pro Jahr bis 1 Millimeter Torf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Beurteilung von Mooren und deren Regeneration ist die Kenntnis der wichtigsten physikalischen und chemischen Eigenschaften der Torfe von Bedeutung. Dazu zählen die Wasserleit- und Wasserspeicherfähigkeit, der  Zersetzungsgrad, der pH-Wert oder das Kohlenstoff/Stickstoff- (C/N)-Verhältnis.&amp;lt;!-- Weitergehende Informationen dazu können den Moorstandardwerken entnommen werden &amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; (#auf Literaturverzeichnis; Moorsubstrate, Göttlich, Succow/Joosten, Klötzli). &amp;lt;/span&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Mooren findet man manchmal '''Mudden'''. Es handelt sich dabei um Seesedimente mit einem organischen Anteil von mindestens 5 Prozent. Weitere Informationen zu Mudden siehe z. B. ab Seite 32 in «Steckbrief Moorsubstrate» (Luthardt et al. 2011).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Akrotelm und Katotelm=== &amp;lt;!--(Quellen: Moorhandbuch, Kap. 3.1.2, Zerbe (Renaturierung von Ökosystemen in Mitteleuropa), Succow/Joosten; ev. als Box; Bemerkung: zu Akro- und Katotelm nicht auf das Moorhandbuch verlinken, weil zu theoretisch und weil das Kapitel zur Hydrologie viel zu unvollständig ist, z. B. keine Angaben zu Wasserständen) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein ungestörtes, wachsendes Hochmoor ist aus zwei Schichten aufgebaut. Die obere, Schicht wird als Akrotelm bezeichnet. Darunter liegt das Katotelm. Das Katotelm kann über 10 m mächtig sein und besteht aus abgestorbenem Pflanzenmaterial (Torf) und Wasser. Das Akrotelm besteht v. a. aus einem dichten elastischen Geflecht lebender, luftführender Pflanzenwurzeln. Die organische Substanz ist relativ locker gelagert. Die Wasserdurchlässigkeit ist horizontal, welche mit zunehmender Tiefe rasch abnimmt, weil das organische Material in den tieferen Schichten immer stärker komprimiert wird. Deshalb fliesst in einem intakten Akrotelm überschüssiges Wasser schnell, aber diffus ab, ohne z. B. Erosion zu verursachen. Als Grenze zwischen Akro- und Katotelm gilt jener Bereich, über dem sich die Wasserverhältnisse und Abbauprozesse rasch ändern und unter dem die Verhältnisse weitgehend stabil bleiben. Der Wasserstand sinkt nicht unter die stärker komprimierten Schichten ab, mit folglich relativ stabilem Wasserstand. Im Katotelm, mit relativ geringer biologischer Aktivität, entstehen durch Wachstum und Absterben von Pflanzenteilen die frischen organischen Substanzen. Nur wenige Torfarten können ein funktionierendes Akrotelm mit diesen Eigenschaften aufbauen («Ökosystem-Ingenieure»: ''Sphagnum magellanicum, S. papillosum, S. imbricatum, S. fuscum, S. rubellum'').&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Weitergehende Informationen zu Akro- und Katotelm hat es zum Beispiel in Succow und Joosten, S. 42ff. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Literatur und Links zu Boden ===&lt;br /&gt;
* Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 2010. Klassifikation der Böden der Schweiz: Profiluntersuchung, Klassifikationssystem, Definitionen der Begriffe, Anwendungsbeispiele, 3. Auflage. ed. BGS: Wichtige Grundlage für die Kartierung von Böden in der Schweiz mit Fachleuten als Zielpersonen. Ausführlich und eher schwer verständlich.&lt;br /&gt;
* Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 1996. Schlüssel zur Klassifikation der Bodentypen der Schweiz: Die Bodentypen der Schweiz vereinfacht und übersichtlich dargestellt.&lt;br /&gt;
* [https://www.dora.lib4ri.ch/wsl/islandora/object/wsl:27078/datastream/PDF Walser, M., 2021. Den Waldboden verstehen: Vielfalt und Funktion der Waldböden in der Schweiz, Merkblatt für die Praxis / Eidgenössische Forschungsanstalt WSL 68. Eidg. Forschungsanstalt WSL, Birmensdorf]: Das Merkblatt bezieht sich zwar auf den Wald, ist aber weitgehend allgemeingültig und fasst Relevantes zum Boden gut verständlich zusammen. Es handelt aber nicht alle in der Schweiz vorkommenden Bodentypen ab, insbesondere die für Moore wichtigen organischen Böden werden nur kurz abgehandelt. &amp;lt;!-- französische Version: [https://www.wsl.ch/de/publikationen/comprendre-la-diversite-et-les-fonctions-des-sols-forestiers-en-suisse.html Walser, M., 2021. Comprendre la diversité et les fonctions des sols forestiers en Suisse, Notice pour le praticien / Institut fédéral de recherches WSL 68. Institut fédéral de recherches WSL, Birmensdorf] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://e-docs.geo-leo.de/handle/11858/8054 Steckbriefe Moorsubstrate, 2. Auflage, 2015. Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (Hrsg.): Umfassendes und reich bebildertes Werk zu Moorböden. Für Moorkundler:innen eine sehr wertvolle Grundlage]. &lt;br /&gt;
* Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 1996. Bestimmungsschlüssel© (BGS / 1996), Unterscheidung nach den hierarchischen Klassifikationskriterien: Bestimmungsschlüssel für die Böden der Schweiz mit Fachleuten als Zielpersonen.&lt;br /&gt;
* Amelung, W., 2018. Scheffer/Schachtschabel Lehrbuch der Bodenkunde, 17., überarbeitete und ergänzte Auflage. ed, Lehrbuch. Springer Spektrum, Berlin: Standardwerk zur Bodenkunde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hydrologie ==&lt;br /&gt;
=== Wasserhaushalt und Wasserstände ===&lt;br /&gt;
Wasser ist das Lebenselixier der Moore. Bedingungen und Prozesse in Mooren sind in besonderer Weise vom Wasserhaushalt abhängig. In einem natürlichen Moorsystem sind die hydrologischen Bedingungen das Resultat aus geologischen, edaphischen, topografischen und klimatischen Bedingungen (siehe Abbildung unten).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ans Moor angrenzende oder direkte menschlichen Aktivitäten wie Veränderungen des Wassereinzugsgebietes, intensive Nutzungen, Entwässerungen der Moore, Veränderungen der Topografie (Torfabbau) oder auch die Ein- und Durchleitung von Drainagen haben oft einen starken Einfluss auf die Hydrologie von Mooren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wasserhaushalt seinerseits beeinflusst die Vegetation, die Nährstoff- und pH-Verhältnisse sowie die Art und Abfolge der gebildeten Substrate (Humusformen, z. B. Torf, siehe Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Boden «Boden»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche, meist langjährig gemessene Grundwasserstände in Hoch- und Niedermooren lassen einen ausgeprägten Jahresgang erkennen mit Maxima im Winter und Minima ausgangs des Sommers. Im Frühjahr und Sommer zehrt die Verdunstung, im Herbst und Winter nährt der Niederschlag das im Moor meist oberflächennahe Grundwasser. Der Jahresgang kann durch Witterungseinflüsse mehr oder weniger überdeckt sein. Klötzli (1969) hat Höchststände von März bis Mai und Tiefststände von August bis Oktober gemessen. Er hat sehr viele Streuwiesen im östlichen Schweizer Mittelland auf ihren Wasserstand untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Media:grosvernier_etal_2009_S15_de.pdf|Grosvernier et al. (2009, Regeneration von Hochmooren: Grundlagen und technische Massnahmen)]] zeigen Beispiele von Ganglinien verschiedener Moortypen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Torfmooren hat der Wasserstand entscheidenden Einfluss auf die Torfbildung:&lt;br /&gt;
* '''Absinktiefe und -dauer''' entscheiden massgeblich über Torfbildung bzw. –abbau, weil mit zunehmender Tiefe und Dauer der Belüftung der Torfe die Tendenz zur Mineralisation steigt.&lt;br /&gt;
* '''Absinkgeschwindigkeit''': Der Wasserspiegel kann pro Tag bis über 4 cm absinken. &lt;br /&gt;
* '''Torfakkumulation''': Damit Torf akkumuliert wird, das Moor also wächst, muss das Wasser im langfristigen Mittel nahe an, in oder über der Oberfläche stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Wir haben eine Tabelle zusammengestellt mit vegetationsbezogenen Angaben zum Wasserstand, zur Bodenreaktion und zur Leitfähigkeit.--&amp;gt; &amp;lt;!-- Das Kapitel Grundlagen enthält weitergehende Informationen zur Hydrologie. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Schweizer Flachmoore sind oft von vielen Gräben durchzogen, die zur Bewirtschaftung angelegt worden sind. Gräben entwässern ihre Umgebung. Sie tun dies vor allem in Abhängigkeit der Lage im Gelände und des Bodenaufbaus. Hangparallele Gräben entwässern die tiefergelegenen Flächen, während der Einfluss hangvertikaler Gräben geringer ist. Bodensubstrate sind sehr unterschiedlich wasserdurchlässig. Bei Torfen sind der Torftyp und der Zersetzungsgrad wichtige Einflussgrössen, bei mineralischen Böden das Verhältnis von Ton, Sand und Schluff&amp;lt;!-- Verweis auf Grundlagen--&amp;gt;. Je grobkörniger der Boden, desto wasserdurchlässiger ist er. Durch Sand fliesst entsprechend ziemlich viel Wasser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = hydrologie de.png&lt;br /&gt;
| text = Einflussfaktoren auf die Hydrologie (nicht abschliessend)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wassereinzugsgebiet ===&lt;br /&gt;
Moore werden durch das Einzugsgebiet und den Niederschlag mit Wasser gespeist. Nur [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Hoch-_und_.C3.9Cbergangsmoore Regenmoore] werden ausschliesslich mit Niederschlag versorgt. Das hydrologische Einzugsgebiet ist durch Wasserscheiden begrenzt. Die Wasserspeisung eines Moors ist in Menge, Qualität und zeitlicher Verteilung von der räumlichen Ausdehnung sowie der pedologischen, geologischen und Nutzungsstruktur seines Einzugsgebiets abhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Projekts [https://marais.ch/de/home.html «Erhaltung der Wasserressourcen im Einzugsgebiet von Moorbiotopen von nationaler Bedeutung»] wurde eine Methode entwickelt zur Abgrenzung von hydrologischen Pufferzonen. Auf dem Weg dahin wird unter anderem das Einzugsgebiets beurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wassereinzugsgebiet ist eine wichtige Einflussgrösse und deren Charakterisierung relevant für das Verständnis und die Bedingungen in den Moorbiotopen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nährstoffökologie und chemische Eigenschaften ==&lt;br /&gt;
Die Angaben zur Nährstoffökologie beziehen sich hauptsächlich auf Torfmoore, da die Grundlagenliteratur darauf fokussiert. In diesem Kapitel wird nur auf die wesentlichen Aspekte von Nährstoffen und chemischen Eigenschaften eingegangen. Ausführliches kann in der angegebenen Literatur nachgelesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Moore sind natürlicherweise überwiegend nährstoffarm''', weil ein beträchtlicher Anteil der mit dem Grund-, Oberflächen- oder Niederschlagswasser zugeführten Ionen im Torf festgelegt wird und daher für Pflanzen nicht oder nur eingeschränkt verfügbar ist. Bei Hochmooren ist ausschliesslich der atmosphärische Eintrag von Bedeutung, in Niedermooren beziehungsweise im Lagg von Hochmooren überlagern sich die Einflüsse von Grund-, Oberflächen- und Niederschlagswasser. Einzig die Moore der Flusstäler mit grossem Einzugsgebiet sind etwas nährstoffreicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stickstoff, Phosphor und Kalium === &lt;br /&gt;
Die Hauptnährstoffe sind '''Stickstoff, Phosphor und Kalium''', wobei '''Stickstoff der wichtigste Pflanzennährstoff ist'''. Stickstoff wird von den Pflanzen vor allem als Nitrat oder Ammonium aufgenommen.   Wachstumslimitierend wirken in vielen terrestrischen und aquatischen Ökosystemen in erster Linie Stickstoff und Phosphor, in seltenen Fällen (organische Nassböden) auch Kalium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stickstoff und Phosphor sind zum grössten Teil organisch gebunden und damit nur sehr eingeschränkt pflanzenverfügbar.   Die Immobilisation von Stickstoff erfolgt v. a. bei der mikrobiellen Huminstoffbildung. Phosphor ist in der Bodenlösung von Torfen unter reduzierenden Bedingungen häufig nur zu einem geringen Anteil pflanzenverfügbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In genutzten Mooren ist der Entzug von Phosphor durch die Ernte eine wichtige Austragsgrösse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Torfe enthalten deutlich weniger Kalium als Mineralböden. Aufgrund der grossen Kaliummenge in der Vegetation im Vergleich zum Bodenvorrat weisen Moore mit Schnittnutzung häufig eine negative Kaliumbilanz auf. In natürlichen und naturnahen Mooren gibt es hingegen keine Kaliumlimitierung des Pflanzenwachstums. Weil kein Kaliumentzug durch Ernte von Biomasse stattfindet, ist der Kaliumkreislauf in ungestörten Mooren weitgehend geschlossen.&lt;br /&gt;
Die Pflanzen haben sich auf vielfältige Art an die nährstoffarmen Bedingungen in den Mooren angepasst. Darauf wird im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Pflanzen entsprechenden Kapitel] eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Stickstoffeinträge aus der Luft (N-Deposition)''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stickstoffeinträge über Niederschläge in anthropogen wenig beeinflussten Gebieten betragen etwa '''1 kg N pro Hektar und Jahr'''. In weiten Teilen Mitteleuropas beträgt der Eintrag heute '''10-25 kg N pro Hektar und Jahr''' (bis zu 80 kg N pro Hektar und Jahr). Hinzu kommen Einträge durch trockene Deposition und Nebel (insgesamt 20-50 kg N pro Hektar und Jahr).  In Hochmooren sind die Gesamt-Stickstoff-Frachten die wesentliche Eintragsquelle. Auf bewaldeten Moorflächen erfolgt gegenüber offenen Moorstandorten eine Anreicherung auf das bis zu 2.5fache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== pH ===&lt;br /&gt;
Für die Ökologie von Moorstandorten und damit die natürliche Vegetation sind neben den trophischen Bedingungen (Nährstoffe) die pH-Verhältnisse von Bedeutung.&lt;br /&gt;
Succow und Joosten (2001) unterscheiden acht pH-Stufen (siehe Tabelle). Bei einem pH-Wert grösser als 6.4 ist Calciumcarbonat vorhanden und die Standorte dadurch von einer grösseren Zahl von «Kalkmoor»-Pflanzen gekennzeichnet. Der Bereich zwischen pH 4.8 und 6.4 ist basenreich. Hier ist der Schwerpunkt des Auftretens von Braunmoosen. Der saure Bereich mit tieferen pH-Werten als 4.8 ist charakteristisch für die meisten Torfmoosarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Säure-Basen-Stufen gemäss Succow und Joosten 2001 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Säure-Basen-Stufen gemäss Succow und Joosten, 2001&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Leitfähigkeit === &lt;br /&gt;
Die elektrische Leitfähigkeit ist ein Mass für die Summe aller im Wasser gelösten Ionen mit Ausnahme der Wasserstoffionen. Durch die negativen oder positiven elektrischen Ladungen der Ionen (z. B. Calcium, Nitrat, Phosphat) wird ein Stromfluss im Wasser ermöglicht, den man sich bei der Messung der elektrischen Leitfähigkeit zunutze macht. Eine hohe Leitfähigkeit bedeutet folglich eine hohe Ionenkonzentration und umgekehrt. In Moorökosystemen kann ein hoher Ionengehalt durch Eintrag mineralstoffreichen Grundwassers, durch oberirdische Einträge von Pflanzennährstoffen aus landwirtschaftlich genutzten Gebieten oder durch Torfzersatz verursacht werden. PH-Wert und Leitfähigkeit sind häufig, aber nicht immer positiv korreliert (z. B. nicht bei pH-Werten unter 4).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Messung der '''elektrischen Leitfähigkeit''' hat sich in der Praxis gut bewährt, um die vorkommenden Vegetationstypen nachvollziehen zu können oder Einflüsse von mineralstoffreichem Wasser zu erkennen.&amp;lt;!-- Das Wissen zu elektrischen Leitfähigkeiten ist in einer Tabelle zusammengefasst (#Link auf Tabelle_Vegetationstyp_Parameter.xlsx)--&amp;gt; Regengespeiste Hochmoore zeigen Werte unter 40 µS/cm (bei Göttlich 30 µS/cm) mit niedrigsten Werten in ungestörten Torfmoosbeständen mit grossen Torfmächtigkeiten. Leicht höhere Werte zeigen bereits den Einfluss von mineralischem Wasser und sind in Übergangsmooren anzutreffen. Flachmooren zeigen Werte über 200 µS/cm je nach Leitfähigkeit von Oberflächen- oder Grundwasser. Aufstossendes Wasser aus basenreichen Bodenschichten kann sehr hohe Werte aufweisen (z.B. 800 µS/cm), was oft in kalkreichen Kleinseggenrieden zu finden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lebensräume ==&lt;br /&gt;
Die Feuchtgebiete unterscheiden sich in die beiden grossen Gruppen Hoch- und Flachmoore, die Übergangsmoore nehmen eine Mittelstellung ein. Die Feuchtwiesen werden mal zu den Flachmooren gezählt, mal separat geführt (siehe nachfolgende Tabelle). Daneben kommen in Mooren viele weitere, für das Ökosystem relevante Lebensräume wie natürliche kleine Seen, Abflussrinnen und Gräben vor, auf die in diesem Kapitel eingegangen wird. Für die Unterscheidung der Hoch- und Flachmoore wird die Klassifikation von Delarze et al. (2015)  übernommen (siehe nachfolgende Tabelle). Die flächenmässig relevanten Moor- und Feuchtwälder werden bei den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder Wäldern] abgehandelt, die trockenen Wiesen und Weiden beim [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Grünland]. Übergänge gibt es im Weiteren zu den Lebensräumen der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Fliessgew%C3%A4sser Fliessgewässer].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ufer und Feuchtgebiete der Schweiz (nach Delarze et al. 2015) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt; Gefährdungsgrad: LC: nicht gefährdet, NT: potenziell gefährdet, VU: verletzlich, EN: stark gefährdet, CR: vom Aussterben bedroht; Regenerationszeit nach Störung bzw. Zerstörung des Lebensraumes: 1: &amp;lt; 5 Jahre; 2: 5–10 Jahre; 3: 10–25 Jahre; 4:25–50 Jahre; 5: 50–200 Jahre; 6: &amp;gt; 200 Jahre (Quelle: Delarze et al., 2016. Rote Liste der Lebensräume der Schweiz). &amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! &lt;br /&gt;
! Pflanzengesellschaft (wissenschaftlich)&lt;br /&gt;
! Pflanzengesellschaft (Deutsch)&lt;br /&gt;
! Gefährdung&lt;br /&gt;
! Regenerationszeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.1.1&lt;br /&gt;
| Sphagno-Utricularion&lt;br /&gt;
| Wasserschlauch-Moortümpelgesellschaften&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.1.2.1&lt;br /&gt;
| Phragmition&lt;br /&gt;
| Stillwasser-Röhricht&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.1.2.2&lt;br /&gt;
| Phalaridion&lt;br /&gt;
| Landschilf-Röhricht&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.1.3&lt;br /&gt;
| Littorellion&lt;br /&gt;
| Strandlingsgesellschaften&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.1.4&lt;br /&gt;
| Glycero-Sparganion&lt;br /&gt;
| Bach- und Flussröhricht&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.1.1&lt;br /&gt;
| Magnocaricion&lt;br /&gt;
| Grossseggenried&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.1.2&lt;br /&gt;
| Cladietum&lt;br /&gt;
| Schneidbinsenried&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.2&lt;br /&gt;
| Caricion fuscae&lt;br /&gt;
| Saures Kleinseggenried&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.3&lt;br /&gt;
| Caricion davallianae&lt;br /&gt;
| Kalk-Kleinseggenried&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.4&lt;br /&gt;
| Caricion lasiocarpae&lt;br /&gt;
| Übergangsmoor&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.5&lt;br /&gt;
| Caricion bicolori-atrofuscae&lt;br /&gt;
| Schwemmufervegetation alpiner Wildbäche&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.3.1&lt;br /&gt;
| Molinion&lt;br /&gt;
| Pfeifengraswiese&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.3.2&lt;br /&gt;
| Calthion&lt;br /&gt;
| Sumpfdotterblumenwiese&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.3.3&lt;br /&gt;
| Filipendulion&lt;br /&gt;
| Spierstaudenflur&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.4.1&lt;br /&gt;
| Sphagnion magellanici&lt;br /&gt;
| Torfmoos-Hochmoor&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 6&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.5.1&lt;br /&gt;
| Nanocyperion&lt;br /&gt;
| Zwergbinsen-Annuellenflur&lt;br /&gt;
| CR&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.5.2&lt;br /&gt;
| Bidention&lt;br /&gt;
| Nitrophile Annuellenvegetation&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Weitere Informationen zu den Lebensräumen finden Sie in dieser Tabelle («Tabelle_Vegetationstyp_Parameter.xlsx»).--&amp;gt;&amp;lt;!--Für die nachfolgen Beschreibungen wurden folgende Grundlagen verwendet: Pflegegrundsätze (Hintermann&amp;amp;Weber), Moorhandbuch, Moore und Moorschutz in der Schweiz (2002), Feldbotanik (2016), Zeitschrift Aqua Viva X/201X, Handbuch Pro Natura.--&amp;gt;Im [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch sind die Lebensräume in ausführlichen Artikeln vorgestellt (Band 1, Kap. 2)]. [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/vollst%C3%A4ndige-auflistung/vollst%C3%A4ndige-auflistung-phytosuisse.html Phytosuisse] ist ein Nachschlagewerk mit Kurzbeschrieb zu jeder Pflanzengesellschaft (Klassifikation nach Delarze et al.). Wichtig für das Verständnis der Lebensräume ist die Kenntnis ihrer Entstehung (Moorgenese). Darauf wird im Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Moortypen Moortypen «Erhalt und Förderung»]&amp;lt;!--(und im Kapitel Grundlagen)--&amp;gt; eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hoch- und Übergangsmoore ===&lt;br /&gt;
Offene Hochmoore bestehen vorwiegend aus einem schwammigen Teppich wassergetränkter Torfmoose, auf dem verstreut kleinblättrige Heidekrautgewächse und schmalblättrige Sauergräser wachsen. Intakte Hochmoore wölben sich uhrglasförmig über die sie umgebende Landschaft. Sie sind durch den mächtigen Torfkörper vom Mineralboden und dessen Grundwasserregime vollständig isoliert. Die Speisung mit Wasser erfolgt ausschliesslich über den Niederschlag (Hochmoore werden deshalb auch «Regenmoore» genannt). Die Torfmoose sind durch ihr kontinuierliches, vom Grundwasser unabhängiges Wachstum die treibende Kraft für die Entstehung der Hochmoore. Sie bauen den Torfkörper auf. Das Wachstum der Hochmoorfläche ist ungleichmässig: Es wechseln sich «Bulten» (höckerartige Bodenerhebungen) mit nassen Schlenken ab. Der grosse Mangel an verfügbarem Stickstoff begünstigt zudem die Existenz fleischfressender Pflanzen (Drosera spp.) und Mykorrhiza-abhängiger Heidekrautgewächse. Ist der Wasserhaushalt gestört, nimmt das Heidekraut auf Kosten der Torfmoose stark zu – es bildet sich eine moorige Heidevegetation aus. Die Hochmoore sind auf Eutrophierung und Entwässerung äusserst empfindlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hochmoor herrschen extreme Lebensbedingungen: Es ist ganzjährig sehr nass, sehr sauer und die Temperaturschwankungen können im Jahres- wie im Tagesverlauf gross werden. Die Artenvielfalt der Hochmoore ist dadurch vergleichbar gering, ihre Spezialisierungen aber gross.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Torfmoose – ein Winzling baut Landschaften''' &amp;lt;br /&amp;gt; Torfmoose sind die Baumeister der Hochmoore und sie überziehen dessen Oberfläche wie einen Teppich. Es ist einzigartig, dass ein kleines und unscheinbares Pflänzchen ganze Landschaften prägt und baut. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Torfmoos zeichnet ein paar Besonderheiten aus: Es wächst an der Spitze und stirbt am Wurzelende ab. Die abgestorbene Pflanzenmasse ist das Ausgangsmaterial für die Torfbildung. Das Torfmoos ist ein Ionentauscher, das heisst es entzieht der Umgebung Mineralstoffe und gibt dafür Wasserstoffionen (positiv geladene H-Teilchen) ab. Dadurch wird das Moorwasser sauer. Die enorme Wasserspeicherkapazität ist eine weitere herausragende Eigenschaft. Das Pflänzchen besitzt spezialisierte Zellen (Hyalinzellen), welche sich bei Nässe mit Wasser vollsaugen und diese bei Trockenheit nur langsam abgeben. Bis zum 30-fachen des Eigengewichts kann an Wasser gespeichert werden. Da die Speicherfunktion auch in den abgestorbenen Pflanzenteilen erhalten bleibt, können Torfmoore grosse Wassermengen speichern. In der Schweiz kommen rund 30 Torfmoosarten vor, ein Dutzend ausschliesslich in Hochmooren. &amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hochmoore sind komplexe und kleinräumig diverse und vielfältige Lebensräume. Im [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch sind sie ausführlich beschrieben (Kap. 2.2.8]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = moorhandbuch 2.2.8 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Schema eines naturnahen Hochmoors. a: Bult, b: Schlenke, c: Moorweiher, d: Schwingrasen, e: Rülle; f: Bergföhrenhochmoor, g: Randwald, h: Randsumpf, Lagg, i: Flachmoor (aus Moorhandbuch, Kap. 2.2.8, Original in Grünig, A., Vetterli, L., Wildi, O., 1986. Die Hoch- und Übergangsmoore der Schweiz (Bericht No. 281). Eidg. Anstalt für das forstliche Versuchswesen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Übergangsmoore, auch Zwischenmoore genannt, bilden Bestände aus Sauergräsern (insbesondere Seggen) am Übergang zwischen den äusserst nährstoffarmen Hochmooren und den mineralienreicheren Standorten. Sie finden sich typischerweise in Senken in der Nachbarschaft von Hochmooren, wo sich das Wasser aus dem Hochmoor und der Umgebung sammelt. Die Speisung mit Wasser ist somit eine Mischung aus dystrophem Hochmoor- und mineralstoffreichem Grund- oder Quellwasser aus der Umgebung. Übergangsmoore können auch in wasserhaltigen Vertiefungen in der Kernzone von Hochmooren (Schlenken) wachsen.&amp;lt;!-- (weglassen: Das Substrat ist gekennzeichnet durch seine torfige und nährstoffarme Zusammensetzung. Übergangsmoore sind natürliche Dauergesellschaften, die für ihr Bestehen weder Nutzung noch Pflege brauchen. Jedoch gefährden die Entwässerungen und Eutrophierung der Moore sowie atmosphärische Strickstoffeinträge den Lebensraum.)--&amp;gt; Ausführliche Informationen zu den Übergangsmooren enthält das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch, Kap. 2.2.6]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Flachmoore ===&lt;br /&gt;
Flachmoore werden, im Gegensatz zu den Hochmooren, neben dem Regenwasser zusätzlich mit mineralstoffreichem Hang-, Grund- oder Quellwasser versorgt. Die Pflanzen der Flachmoore sind reichlicher mit Nährstoffen versorgt als die Hungerkünstler der Hochmoore. Entsprechend den unterschiedlichen chemischen Eigenschaften des Wassers und den grösseren Schwankungen des Wasserspiegels ist die Vegetation der Flachmoore produktiver und vielfältiger als diejenige der Hochmoore.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pflanzengesellschaften der Flachmoore&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Stillwasser-Röhricht''' (''Phragmition''), '''Landröhricht''' (''Phalaridion'') &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das gürtelartige Stillwasser-Röhricht steht während der gesamten Vegetationsperiode im Wasser von Seeufern und Stillwasserbereichen. Es besteht vorwiegend aus Schilf (''Phragmites australis''), manchmal auch aus Rohrkolben (''Typha angustifolia, T. latifolia'') oder Seebinsen (''Schoenoplectus lacustris''). Infolge der Akkumulation von organischem Material verlanden diese Uferbereiche allmählich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mähbare Landröhricht entsteht im Verlaufe des Verlandungsprozesses aus dem Stillwasser-Röhricht. Die Dominanz des Schilfs (bzw. des Rohrglanzgrases (''Phalaris arundinacea'') an Fliessgewässern) kennzeichnen die Einheit. Die lokalen Nährstoffanreicherungen durch angespülte Sedimente, Erde und Strandgut begünstigt das Aufkommen nitrophiler Arten. Landeinwärts nimmt die Dominanz des Schilfs zugunsten der Arten des Grossseggenrieds allmählich ab. Röhrichte der Verlandungszone wurden früher zur Gewinnung von Streumaterial gemäht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grossseggenried''' (''Magnocaricion'') &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Vegetation des Grosseggenried wird von wenigen Pflanzenarten, vorwiegend grosswüchsige Seggenarten (60 bis 150 cm hoch) dominiert. Dazu gehören auch Arten, die höckerartige Bodenerhebungen, sogenannte «Bulten», bilden (''Carex appropinquata, C. elata, C. paniculata''). Bei natürlichen Ufern schliesst diese Vegetation landwärts an das Wasserröhricht an. Sie übersteht mehrwöchige Überflutungsperioden, im Winter sogar mehrmonatige, und Wasserstandsschwankungen um 60 cm. Der Boden bleibt dauerhaft feucht und ist neutral bis leicht basisch. Er ist häufig sauerstoffarm und schlecht belüftet. In ungemähten, eutrophierten Mooren sind oft Übergangsformen zum Landschilfröhricht anzutreffen. (Das Aufkommen von Gehölzen, insbesondere von Moorweidengebüschen und Erlenbruchwäldern, ist ein Hinweis auf ein längeres Ausbleiben der Pflege.)&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- klären, woher Urs Tester diese Info hat: Schilfröhrichte und Grossseggenriede sind wichtige Lebensräume für Kleintiere und Insekten mit grossem Raumanspruch. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kalkreiches und Kalkarmes Kleinseggenried''' (''Caricion davallianae'' und ''Caricion fuscae'') &lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Kalkreiche Kleinseggenried bildet dichte, niederwüchsige Rasenbestände aus kalkzeigenden Seggen. Typisch ist der Reichtum an auffälligen, farbigen Blütenpflanzen, insbesondere an Orchideen. Die Einheit besiedelt oft Mulden oder feuchte, wasserzügige Hänge mit basen- und kalkreichen Böden (mineralreiche Rohböden oder torfige Humusböden). Die Mehrheit der Gesellschaften erträgt ein periodisches Trockenfallen besser als diejenigen der Kalkarmen Kleinseggenriede. Das [[Media:moorhandbuch 2 1 3 fm torf de.pdf|Moorhandbuch enthält einen interessanten Artikel]] zum Substrat von Kopfbinsen- und Davallseggenrieden (''Caricion davallianae'') anhand der Analyse von 18 Vegetationsaufnahmen in den Nordalpen. Für sieben der 18 Vegetationsaufnahmen wird die Humusform als Torf bezeichnet. Die Untersuchungen zeigen im Weiteren, dass das Davallseggenried nicht nur in verschiedenen Regionen der Schweiz, sondern auch innerhalb des gleichen Flachmoors auf unterschiedlichen Bodentypen und Humusformen vorkommen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saure Kleinseggenriede kommen auf kalkarmen, torfigen Substraten vor. Sie sind arm an Arten und Blüten und bilden einen dichten Rasenbestand aus kleinwüchsigen Sauergräsern. Kalkarme Kleinseggenriede sind mehrheitlich ab der montanen Stufe anzutreffen, unterhalb von 500 m sind sie selten. Im Mittelland sind die Bestände infolge allgemeiner Entwässerung und intensiverer Bewirtschaftung der Moorlandschaften drastisch zurückgegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Pfeifengraswiese''' (''Molinion'') &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Pfeifengraswiesen weisen eine reichhaltige Flora auf mit vielen seltenen und gefährdeten Arten, darunter verschiedene Orchideen. Sie sind wechselfeucht mit jahreszeitlich und witterungsbedingt stark schwankendem Wasserstand. Der Boden ist meistens kalkhaltig und nährstoffarm, jedoch reich an organischem Material bis anmoorig. (Das namensgebende spätblühende Pfeifengras (''Molinia coerulea'') hüllt die Wiesen im Sommer in ein dezent blaues Meer.) Oft wachsen Neophyten, insbesondere Goldruten (''Solidago spp.''). Bei Ausbleiben der Mahd verbuschen sie oder das Pfeifengras wird dominant und bildet grosse Horste. Bei höherem Nährstoffgehalt weichen die Pfeifengraswiesen entweder den Feuchtwiesen oder den Hochstaudenfluren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Sumpfdotterblumenwiese''' (''Calthion'') und die '''Spierstaudenflur''' (''Filipendulion'') sind nasse Standorte mit einem hohen Nährstoffangebot. Eine grossblättrige, üppige Krautvegetation ist vorherrschend. &amp;lt;!-- klären, woher Urs Tester diese Info hat: --&amp;gt;Dank des grossen Blütenangebots dienen sie vielen Insekten und Kleintieren als Nahrungsquelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Nährstoffreiche Feuchtwiesen''' (''Calthion'', Sumpfdotterblumenwiese) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Feuchte Wiesen und Weiden mit üppiger Krautvegetation sind kennzeichnend für die Sumpfdotterblumenwiesen. Typische Standorte umfassen Böden, die im Winter oder bei der Schneeschmelze oft stark vernässt sind, sowie Uferregionen von kleineren Bachläufen. Bevorzugt besiedelt werden fruchtbare, frische Böden.&amp;lt;!-- (weglassen: Obwohl artenärmer als andere Feuchtwiesenlebensräume ist das Calthion in seiner typischen Ausprägung wertvoll und erhaltenswert.) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Feuchte Hochstaudenflur''' (''Filipendulion'', Spierstaudenflur) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei der Spierstaudenflur handelt es sich um Pflanzenbestände aus hochwüchsigen Stauden, die streifenartige Bestände entlang von Bachläufen bzw. Säume entlang von feuchten Wäldern bilden. Sie dehnt sich zudem in nährstoffreichen Feuchtwiesen aus. Durch das dichte Blattwerk der dominanten Arten gelangt nur wenig Licht bis auf den Boden, wodurch kleinwüchsige Kräuter und Gräser meist fehlen. Die dominante Art ist oft die Spierstaude (''Filipendula ulmaria''). Der Boden ist stets durchfeuchtet, aber keiner langanhaltenden Überflutung ausgesetzt und enthält viel organisches Material und Nährstoffe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausführliche Informationen zu den Pflanzengesellschaften der Flachmoore hat es im [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch, Kap. 2.2.1 bis 2.2.5]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = moore moorschutz S14 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Flächenanteile der verschiedenen Vegetationseinheiten an den Hoch- und Flachmooren (Quelle: WSL, Erfolgskontrolle Moorschutz) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nachfolgende Abbildung zeigt die Nutzung der Moore. Die Zahlen datieren ungefähr aus dem Jahr 2000 und basieren auf Stichproben. Die Moorwiesen werden etwa je hälftig gemäht oder beweidet, ca. 15% sind ungenutzt. Bei den basischen Kleinseggenrieden ist ein ähnlicher Anteil ungenutzt und etwas zwei Drittel werden beweidet. Die restlichen 20% werden mehrheitlich gemäht. Bei den sauren Kleinseggenrieden wird etwa ein Drittel gemäht und 15% beweidet, während fast die Hälfte ungenutzt bleibt. Bei den Hochmooren, welche im natürlichen Zustand keine Nutzung benötigen, werden ca. 30% gemäht oder beweidet, ca. 70% sind ungenutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = moore moorschutz S34 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Nutzung der Moore von nationaler Bedeutung nach Vegetationseinheiten (Quelle: WSL, Erfolgskontrolle Moorschutz)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Lebensräume ===&lt;br /&gt;
In den Feuchtgebieten gibt es, neben den oben beschriebenen Flach-, Übergangs- und Hochmooren viele weitere, ökologisch teilweise sehr relevante Lebensräume. In den Hochmooren sind es natürliche oder vom Menschen geschaffene wie Kolke, Rüllen, Lagg, Schwingrasen oder Torfstiche, in den Flachmooren sind es zum Beispiel Kleingewässer, Gräben oder Gehölze. Im [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch wird in zwei Artikeln ausführlichen auf die Kleingewässer-Typen und ihre Bedeutung für Pflanzen und Tiere eingegangen (Kap. 2.2.8 und 3.3.2)]. Im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Artikel zu den Stillgewässern] wird ausführlich auf die Bedeutung, Förderung und den Unterhalt kleiner Gewässer eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Flora und Fauna ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bedeutung der Moore für Flora und Fauna ===&lt;br /&gt;
Moore sind für den Artenschutz von grosser Bedeutung. Flachmoore gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa. In den nördlichen Voralpen leben bis zu 48 verschiedene Arten von Moosen, 128 Blütenpflanzenarten, 28 Tagfalter- und 10 Heuschreckenarten in einem einzigen Flachmoor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Artikel «Artenvielfalt in Flachmooren der Voralpen» (Pauli D., 2002, Moorhandbuch, Kap. 3.3.4) zeigt auf, wie wichtig für den Artschutz die Grösse, Vernetzung und die Qualität der Moore sind. Die Grösse eines Flachmoors ist dabei der bedeutendste Faktor für die Artenvielfalt von Pflanzen und Insekten, wobei mit zunehmender Grösse vor allem die Zahl der speziell angepassten Arten zunimmt. Wichtig ist auch die Nutzungsvielfalt mit einem Nebeneinander von Mahd und Beweidung. Auf eine gute Vernetzung mit den angrenzenden Flächen sind v. a. die Tagfalter angewiesen. Während die Schmetterlinge niederwüchsige, wenig produktive Standorte benötigen, erreicht die Vielfalt von Heuschrecken in den üppigen, strukturreichen Hochstauden ihre höchsten Werte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr ähnlich sind die Erkenntnisse einer 20-jährigen Untersuchung in 18 Mooren der Voralpen auf 800 bis 1400 m ü. M. Es gibt keine substanziellen Unterschiede in den Artenzahlen bei Mahd, bzw. Beweidung, negativen Einfluss hat aber eine zu starke Beweidung. Heuschrecken sind auf beweideten Flächen häufiger, Tagfalter auf gemähten. Es wird ein Mosaik aus Mahd und Beweidung empfohlen. Im Weiteren wird festgehalten, dass die Verbrachung negative Auswirkungen auf die Diversität hat, diese Effekte jedoch meist nach wenigen Jahren umkehrbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäss einer Untersuchung von Mitte der 1990er-Jahre sind die Moorlandschaften für ein Viertel der beurteilten Arten der Roten Liste von besonderer Bedeutung, dabei auffallend viele Arten aus den Artengruppen der Vögel, Fische und Rundmäuler und Tagfalter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Spezielle Bedingungen === &lt;br /&gt;
In Mooren, insbesondere in Hochmooren, herrschen durch den hohen Wasserstand, die Nährstoffarmut, die sauren Bedingungen, dem möglichen Vorkommen toxischer Ionen (Fe&amp;lt;sup&amp;gt;2+&amp;lt;/sup&amp;gt;, Mn&amp;lt;sup&amp;gt;2+&amp;lt;/sup&amp;gt;, S&amp;lt;sup&amp;gt;2-&amp;lt;/sup&amp;gt;) und dem huminstoffreichen, braunen Wasser extreme Lebensbedingungen. Entsprechend ist die Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren klein, die Spezialisierung aber gross. Deutlich lebensfreundlicher ist es in den Flachmooren.&lt;br /&gt;
Pflanzen haben verschiedene Anpassungen an die unwirtlichen Bedingungen entwickelt&amp;lt;!-- (Quellen: Dierßen, K., Dierßen, B., 2001, Succow &amp;amp; Joosten 2001, Zerbe, Global guidelines for peatland rewetting and restoration)--&amp;gt;:&lt;br /&gt;
* Sonnentau (''Drosera ssp.''), Fettblatt (''Pinguicula ssp.''), Wasserschlauch (''Utricularia ssp.'') und Aldrovanda (''Aldrovanda ssp.'') sind Fleischfresser und erschliessen sich mit dem Fang von Tieren Nährstoffe.&lt;br /&gt;
* Sauergräser (''Cyperaceen'') haben tiefreichende Rhizome zur Versorgung aus dem Katotelm.&lt;br /&gt;
* Cyanobakterien können (an Schlenken-Standorten) Luftstickstoff (N&amp;lt;sub&amp;gt;2&amp;lt;/sub&amp;gt;) fixieren. Das machen auch die Mykorrhiza-Pilze, welche mit Erika-Gewächsen (Ericaceen) in Symbiose leben und diese mit Stickstoff versorgen. Schwarzerlen (Alnus glutinosa) werden durch Aktinomyceten mit Stickstoff versorgt.&lt;br /&gt;
* Viele Feuchtgebietspflanzen verfügen über die Fähigkeit, Sauerstoff in unterirdische Organe zu transportieren und dann an die Umgebung abzugeben (Schilf (''Phragmites australis''), Rohrkolben (''Typha angustifolia'' und ''T. latifolia''), Sumpfbinse (''Eleocharis ssp.'')). Manche Pflanzen besitzen Aerenchyme (Durchlüftungsgewebe).&lt;br /&gt;
* Die typischen Feuchtgebietspflanzen sind an den hohen Feuchtegrad zu Anfang der Vegetationsperiode angepasst. Für die übrigen Arten ist die Frühlingsnässe der entscheidende Stressfaktor.&lt;br /&gt;
* Viele Pflanzen haben schwimmfähige Diasporen, Riedwiesensamen sind aber kurzlebig. Sehr viele Riedwiesenpflanzen verbreiten sich vegetativ über Rhizome.&lt;br /&gt;
* Auf die Besonderheiten der Torfmoose wird im Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Hoch-_und_.C3.9Cbergangsmoore «Hoch- und Übergangsmoore»] eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Artenlisten ===&lt;br /&gt;
'''Gilden''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[https://www.infospecies.ch/de/projekte/%C3%B6kologische-infrastruktur.html#analysis InfoSpecies hat die auf Artvorkommen basierenden Grundlagen für die Planung und Umsetzung] der Ökologischen Infrastruktur durch Bund und Kantone erarbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gilden der feuchten Lebensräume (Gilde 5 - Kleine Stillgewässer, Teiche; Gilde 6 - Landröhrichte, Flachmoore, Streuwiesen, Moor-Weidengebüsche; Gilde 7 - Nährstoffreiche Nasswiesen; Gilde 8 – Auenwälder; Gilde 9 - Hochmoore und Zwischenmoore) werden zur Gilde der «Feuchtlebensräume» (G101) zusammengefasst. Diese enthält 1185 Arten aus den Gruppen der Flechten, Moose, Pilze, Gefässpflanzen und Fauna (Vögel, Amphibien, Libellen, Tagfalter, Säugetiere (inkl. Fledermäuse), Käfer, Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Steinfliegen, Wildbienen, Muscheln, Heuschrecken). &lt;br /&gt;
Diese Listen sind eine umfassende und aktuelle Grundlage der in Feuchtgebieten vorkommenden Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''National prioritäre Arten''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten Liste der National prioritäre Arten] lassen sich nach Lebensräumen filtern.&amp;lt;!-- Die bearbeitete Tabelle (erarbeiten und hochladen) umfasst xxx Arten aus den Artengruppen der xxx --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Verschiedene Listen''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
In verschiedenen Datenbanken lassen sich die Artvorkommen nach Lebensräumen abfragen:&lt;br /&gt;
* Die Publikation «Mires and man» (1994), enthält Listen zu Gefässpflanzen, Moosen, Lebermoosen, Flechten, Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Reptilien und Invertebraten der Moore.&amp;lt;!-- (Datei hochladen: mires_and_man_381_390_species_list.pdf) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/oekologischer-ausgleich/umweltziele-landwirtschaft.html Umweltziele Landwirtschaft (UZL)]: In der Liste der UZL-Arten ist das Vorkommen in Lebensraumtypen (Extensive Wiesen feucht, Extensive Weiden feucht, Streuwiesen/Flachmoor, Wassergräben, Tümpel, Teiche, Hochmoore, Hochstauden, Röhricht, temporäre Gewässer) und Lebensraumgruppen (Gewässer, Hochstauden, Röhricht, Hochmoore, Extensive feuchte Wiesen/Weiden, Streuwiesen) erfasst.&lt;br /&gt;
* Die [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/oekologischer-ausgleich/umweltziele-landwirtschaft.html Flora indicativa] umfasst ökologische und biologische Eigenschaften von rund 5500 Gefässpflanzen-, 600 Moos- und 200 Flechtenarten der Flora der Schweiz und der Alpen. Die zugehörige Datenbank ermöglicht ebenfalls Abfragen zu den Lebensräumen.&lt;br /&gt;
* Die [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/oekologischer-ausgleich/umweltziele-landwirtschaft.html Fauna indicativa] erfasst ökologische Präferenzen und biologische Eigenschaften aller in der Schweiz einheimischer Libellen-, Heuschrecken-, Laufkäfer- und Tagfalterarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Pflanzen ===&lt;br /&gt;
Zur Moorflora werden 229 Arten gezählt. Seit 1850 haben sich die Anzahl Arten pro Verbreitungsgebiet (gemäss Welten-Sutter-Flächen) von 59 auf 51 Arten reduziert. Der Rückgang ist in der kollinen Stufe am grössten (Abnahme um 20 Prozent), gefolgt von der montanen Stufe (12 Prozent), der subalpinen Stufe (6 Prozent) und der alpinen Stufe (3 Prozent). Auch in den biogeografischen Regionen zeigt sich ein heterogenes Bild mit stärksten Rückgängen im Mittelland. Bei den Lebensraumtypen verzeichnen die Übergangsmoore und Moortümpel die deutlichsten Abnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch] enthält verschiedene Artikel mit Pflanzenlisten:&lt;br /&gt;
* Kap. 2.1.1: Anhang 1, Liste der Gefässpflanzen der Hochmoore; Anhang 2, Liste der Sporen- und Blütenpflanzen der Flachmoore&amp;lt;!-- (Datei hochladen: moorhandbuch_2_1_1_listen_hm_fm_de.pdf; fr: moorhandbuch_2_1_1_listen_hm_fm_fr.pdf) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Kap. 2.2.2: Charakteristische Arten der Pfeifengraswiesen&amp;lt;!-- (Bemerkung: keine Datei hochladen und kein Download, sondern Vereis auf Literaturliste) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Kap. 2.2.3: Arten der Nasswiesen (''Calthion'') und der Hochstaudenriede (''Filipendulion'')&amp;lt;!-- (Bemerkung: keine Datei hochladen und kein Download, sondern Vereis auf Literaturliste) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Kap. 2.2.4: Arten der Kleinseggenriede (''Caricion davallianae'' und ''Caricion fuscae'')&amp;lt;!-- (Bemerkung: keine Datei hochladen und kein Download, sondern Vereis auf Literaturliste) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Kap. 2.2.7, Anhang (Inventarblatt): Arten der Hoch- und Übergangsmoore&amp;lt;!-- (Bemerkung: keine Datei hochladen und kein Download, sondern Vereis auf Literaturliste) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Anfrage bei Stefan Eggenberg&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 1 2 Eggenberg Moortagung WSL 20210923 Rueckgang Moorpfl de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Absoluter Rückgang der Anzahl Moorpflanzenarten in den «Welten-Sutter-Flächen» (Quelle: Vortrag St. Eggenberg, Info Flora an der Moortagung, 23.09.2021)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schilf''' ist eine bedeutende Art der Moore. Einerseits bildet es an den Ufern von Stillgewässern die '''Röhrichte''' (siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Flachmoore Kap. «Flachmoore»]), andererseits in den Streuwiesen das «'''Landschilf'''». Das Röhricht ist faunistisch von grosser Bedeutung. Viele Kleintiere, wie Gallmücken, Halmfliegen, Schmetterlinge (vor allem aus den Familien der Eulen, Holzbohrer und Zünsler), Blattläusen oder Zikaden nutzen es als Lebens-, Nahrungs- und Überwinterungsraum. Zudem nutzen viele, teilweise sehr seltene, Vogelarten die dichten Schilfbestände. Das «Landschilf» ist zwar in Flach- und Hochmooren oder Nasswiesen, wie auch ältere Vegetationsuntersuchungen belegen, weit verbreitet, es konnte in den vergangenen Jahrzehnten aber auch neue Moore besiedeln oder hat zugenommen. Verschilfte Flächen beinhalten in der Regel mehr schattentolerante Arten, weniger Arten der Roten Liste und weniger moortypische Arten als unverschilfte. Daher ist klar zu unterscheiden zwischen dem ökologisch sehr wertvollen Röhricht und dem problematischen Landschilf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgewählte Literatur zum Schilf:&lt;br /&gt;
* [[Media:Weber 2013 Maehversuche Verschilfung.pdf|Weber, U., 2013. 16 Jahre Mähversuche gegen die Verschilfung im Naturschutzgebiet Spitzmäder, Oberriet. Ökobüro Hugentobler]] &amp;lt;!-- Dokument hochladen: Okay von U. Weber, 17.10.2022) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Staub R. und Güsewell S.: Bedeutung und Pflege des Schilfs. In [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch 1, Kap. 3.3.3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Tiere ===&lt;br /&gt;
Die Feuchtgebiete sind wichtige Lebensräume für Vögel.   Von den 223 Brutvögeln der Schweiz haben 63 ihr Hauptverbreitungsgebiet in Feuchtgebieten oder an Gewässern. Die Vogelarten der Riedgebiete sind stark rückläufig. Die deutlichsten Auswirkungen des Verlusts der grossflächigen Riedgebiete zeigen sich bei den vier Limikolenarten Rotschenkel (''Tringa totanus''), Bekassine (''Gallinago gallinago''), Grosser Brachvogel (''Numenius arquata'') und Kiebitz (''Vanellus vanellus''). Die rezenten Feuchtgebiete sind nicht nur deutlich kleiner, sondern für viele Vogelarten auch qualitativ schlechter geworden aufgrund des Nährstoffeintrags, der fehlenden Nässe und der Zunahme von menschlichen Störungen durch Freizeitaktivitäten. Wegen der Regulierung und durch Pegelabsenkung im Winter und frühen Frühling, wird der höchste Wasserstand später in der Saison erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Artikel «Entwicklung der Vogelwelt in Feuchtgebieten und an Gewässern» (Keller V., 2018 in Stuber, M. &amp;amp; Bürgi, M., 2018) enthält eine Liste mit allen Feuchtgebietsarten mit Angaben zum Lebensraum, zu Veränderungen seit 1850 und einer Beurteilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu einem späteren Zeitpunkt werden zu weiteren faunistischen Artengruppen Informationen aufgeschaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mensch und Moor (Menschliche Einflüsse auf die Moore) ==&lt;br /&gt;
Der Mensch wirkt schon seit Jahrtausenden auf Moore ein. Bereits zu römischen Zeiten begann die Trockenlegung von Feuchtgebieten und erreichte zwischen 1850 und 1890 im Mittelland und zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg im Jura und in den Voralpen ihren Höhepunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wirken des Menschen war und ist mannigfaltig, sowohl im Moor selber als auch im Einzugsgebiet: Entwässerung, Nährstoffeintrag, (grossflächige) Grundwasserabsenkungen, Infrastrukturbauten, Nährstoffeinträge über die Luft, unsachgemässer Unterhalt oder Pflege, etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen auf die Moore reichen von gering bis zu irreversibler Zerstörung. Zur Beurteilung des Einflusses wurde (in Deutschland) das System der Hemerobie- oder Naturnähestufe entwickelt, welches das Ausmass menschlicher Eingriffe in Bezug auf Vegetation und Standorteigenschaften kennzeichnet. Indikatoren sind Nährstoffhaushalt, Wasserhaushalt und Flora/Vegetation. Die Zuordnung zu einer Hemerobiestufe erfolgt nach dem Minimumprinzip, d.h. die jeweils naturfernste („schlechteste“) Ausprägung eines der Indikatoren entscheidet über die Gesamteinstufung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bayern Niedermoorrenaturierung Leitfaden S101 zg.png&lt;br /&gt;
| text = Hemerobiestufen von Mooren (Quelle: [https://www.bestellen.bayern.de/application/applstarter?APPL=eshop&amp;amp;DIR=eshop&amp;amp;ACTIONxSETVAL(artdtl.htm,APGxNODENR:34,AARTxNR:lfu_nat_00098,AARTxNODENR:283362,USERxBODYURL:artdtl.htm,KATALOG:StMUG,AKATxNAME:StMUG,ALLE:x)=X Leitfaden der Niedermoorrenaturierung in Bayern, Wagner A. und I. (2005)])&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Flachmoore, die zur Streugewinnung angelegt worden und von Gräben durchzogen sind, sowie einmal jährlich genutzt werden, gehören zum kulturbetonten, primäre Hochmoore zum naturnahen Hemerobiegrad.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einfluss des menschlichen Wirkens auf die Moore hat unterschiedliche Auswirkungen auf die drei Indikatoren Nährstoffhaushalt, Wasserhaushalt und Flora/Vegetation. Bereits ab Hemerobiegrad «kulturbetont» findet kaum oder keine Torfbildung mehr statt. Bei stärkerer anthropogenen Überprägung finden im Moor sehr starke, oft nicht reversible Veränderungsprozesse statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwässerungen haben weitreichende Veränderungen der bodenphysikalischen Kennwerte des Moorbodens zur Folge. Der Luftanteil, der Feststoffanteil und die Bodenfestigkeit nehmen zu, die Mächtigkeit des Moorkörpers, der Porenanteil, die gesättigte Wasserleitfähigkeit, die Speicherfähigkeit für pflanzenverfügbares Wasser und die Benetzbarkeit nehmen ab. Als Folge davon sinkt der Wasserstand ab, der Torf trocknet oberflächlich aus und mineralisiert, d. h. durch den Luftzutritt werden die Pflanzenreste des Torfs durch Mikroorganismen abgebaut und die Nährstoffe freigesetzt. Das Moor, das bisher eine CO2-Senke war, wird zur CO2-Quelle. Bei ackerbaulicher Nutzung von Torfmooren gehen jährlich etwa zwei Zentimeter Torf verlustig, bei Grünland etwa die Hälfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Veränderungen der abiotischen Funktionen Nährstoff- und Wasserhaushalt wiederum haben auch Veränderungen der Lebensraumfunktionen zur Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der angegeben Literatur wird ausführlich auf die Auswirkungen von Entwässerungen auf die Bodeneigenschaften und Funktionen eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Erhalt und Förderung =&lt;br /&gt;
In diesem Kapitel wird darauf eingegangen, wie Moore durch '''optimierte Pflege''' erhalten, wie sie durch '''Renaturierungen''' gefördert und wie durch '''Massnahmen im Einzugsgebiet''' die Bedingungen verbessert werden können. &amp;lt;!-- Weitere Aspekte sind der '''Grabenunterhalt''' und die '''Förderung ausgewählter Artengruppen'''. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundsätze ==&lt;br /&gt;
Die Moore sind in der Schweiz so stark zurückgegangen, dass der '''Erhalt der noch vorhanden Moore''' oberste Priorität geniessen muss ('''Flächensicherung'''). Wichtig ist dabei die gesamtheitliche Betrachtung (Einzugsgebiet, Moortyp, Boden, Nährstoffeinflüsse, Nutzungen, etc.) mit entsprechenden Massnahmen, wie z. B. die '''Ausscheidung von Pufferzonen''' und '''Gewässerräumen''', der Rückbau starker Eingriffe in den Wasserhaushalt oder die moorverträgliche Trinkwassernutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Moore sollen '''optimal gepflegt''' und bei Bedarf '''renaturiert''' werden. Das gilt insbesondere auch für Intensivnutzungen über Torf ('''moorschonende Nutzung''')&amp;lt;!-- interne Links auf PPF, ev. weitere Kapitel setzen, wenn vorhanden --&amp;gt;. Die beiden international renommierten Moorfachleute Succow und Joosten äussern sich dazu unmissverständlich: «Saat-Grasland und Ackernutzung auf Torfstandorten müssen der Vergangenheit angehören.» Sie bemerken, dass die Nutzung die Tragfähigkeit der Ökosysteme nicht überfordern oder gar zerstören darf. Nutzungsformen, die diesen Prinzipien widersprechen, seien zukünftig nicht mehr zu akzeptieren. &amp;lt;!-- Hier ev. Hinweis zum Flächenbedarf aus Guntern et al. 2013 (analog Grünland) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Erhaltung der Moore sollen '''ihre Geschichte und der Zustand ausreichend bekannt sein, Ziele gesetzt und daraus die Massnahmen abgeleitet werden'''. &amp;lt;!-- In den Kap. &amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt;  Renaturierungen und Grundlagen/Leitbilder und Entwicklungsziele (am Schluss verlinken und richtige Kapitel-Namen setzen) &amp;lt;/span&amp;gt; wird auf entsprechende Unterlagen und Vorgehensweisen eingegangen.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Optimale Bewirtschaftung ==&lt;br /&gt;
=== Einleitung ===&lt;br /&gt;
Die meisten Moore der Schweiz werden gemäht oder beweidet (siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Flachmoore Kap. «Flachmoore»]). Mit Ausnahme natürlicher Hochmoore ist eine Nutzung notwendig, da die meisten Moore der traditionellen, regelmässigen Nutzung entstammen. Eine Nutzungsaufgabe würde letztendlich zur Ausbildung eines Gebüsch- oder Waldbestands führen&amp;lt;!-- ev. Links auf #Vorentwässerung, #Prozessschutz vs. Habitattradition, #Entbuschung)--&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Es können folgende Nutzungstypen unterschieden werden:&lt;br /&gt;
* Regelmässige, jährliche Mahd im Herbst&lt;br /&gt;
* Regelmässige zweimalige Mahd pro Jahr, im Sommer und Herbst (nährstoffreichere Feuchtwiesen)&lt;br /&gt;
* Mahd alle paar Jahre&lt;br /&gt;
* Unregelmässiges Mähen im Herbst/Winter (Ried-Rotationsbrache) &lt;br /&gt;
* Beweiden&lt;br /&gt;
* Kontrollierte Brache bis Sukzession (auf diese selten angewendete Nutzungsform wird weiter unten eingegangen) &lt;br /&gt;
* Keine Nutzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis in die 1970er-Jahre wurden Streuwiesen kleinflächig und zu verschiedenen Zeitpunkten im Spätsommer bis Herbst gemäht, wobei in einzelnen Jahren auch kleinere Flächen ungemäht blieben . In den 1990er Jahren wurden die Schnitttermine von Streuwiesen einheitlich auf den 1. September festgelegt. Dabei wurde zu wenig Rücksicht genommen auf viele Tier- und Pflanzenarten. Die Mahd in der ersten Septemberhälfte ist für viele zahlreiche Kleintierarten zu früh, weil sie zu diesem Zeitpunkt ihre Eiablagephase / Entwicklung noch nicht abgeschlossen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fauna-freundliche Mahd ===&lt;br /&gt;
Im [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Faunafreundliche.2C_schonende_Mahd_und_Ernte Grünland-Artikel wird ausführlich auf die Wirkung der Mahd auf die Fauna eingegangen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Pflegepläne erarbeiten ===&lt;br /&gt;
Die Art und Weise der Bewirtschaftung und Nutzung hat unterschiedliche Wirkungen auf die Vegetationszusammensetzung und auf das Vorkommen von Tieren. Um die Moore optimal zu nutzen, sollen '''Pflegepläne''', für die Alpbetriebe '''alpwirtschaftliche Gesamtplanungen''' erarbeitet werden. Dadurch soll die '''Bewirtschaftung auf die Ziellebensräume und -arten ausgerichtet werden'''. In den letzten Jahrzehnten sind solche für viele Naturschutzgebiete erarbeitet worden und das Wissen dazu ist entsprechend gross. Wir möchten uns daher darauf beschränken, auf die zu berücksichtigenden Aspekte hinzuweisen: &lt;br /&gt;
* '''Mahdzeitpunkte''': Riedwiesen werden traditionell im Herbst, die nährstoffreicheren Feuchtwiesen im (Spät-)Sommer gemäht. Wir möchten dazu auf die detaillierten Angaben in den Pflegegrundsätzen (siehe unten) und auf die Tabelle mit Schnittzeitpunkten verweisen.&lt;br /&gt;
* '''Beweidung''': Relevante Aspekte sind u. a. die '''Bestossungsdichte''', die Koppelung, Zaunführung und das Auszäunen heikler Moore (Hochmoore und sehr nassen oder trittempfindlichen Bereiche von Flachmooren). Das[https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch] enthält dazu mehrere (auch wenn schon einige Jahre alt) informative Artikel: Kapitel 2.1.2 «Minimalpflege von Mooren in Hochlagen», Kapitel 2.1.3 «Bewirtschaftung und Pflege verschiedener Pflanzengesellschaften der Flachmoore», Kapitel 2.1.4 «Grundsätze zur Bewirtschaftung und Pflege von Flachmooren in Hochlagen», Kapitel 2.2.1 «Moorschutz in schwach erschlossenen Gebieten – Schutzkonzept Weissenberge», Kapitel 3.1.1 «Zur Beweidung von Hoch- und Flachmooren», Kapitel 3.1.2 «Moorschutz in Gebieten mit alpwirtschaftlicher Nutzung», Kapitel 3.1.3 «Grundsätze für Weideführung, Stallhaltung und Düngung», Kapitel 3.2.1 «Fallbeispiel Grosses Moos (Schwändital, GL)». &lt;br /&gt;
* '''Differenzierte Pflege''' (Gestaffelter Schnitt, Nutzungsmosaike, etc.): siehe Pflegegrundsätze &lt;br /&gt;
* '''Keine Pflege''': siehe unten&lt;br /&gt;
* '''Rotationsbrache''': siehe unten&lt;br /&gt;
* '''Strukturen schaffe'''n: das Vorhandensein von Ast- und Holzhaufen, Gehölzgruppen, Gräben, kleinen Böschungen und Säumen erhöht die Biodiversität. Sie sollen am Rand oder ausserhalb der Moorvegetation angelegt werden. Ausführliche Informationen dazu finden Sie im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sserArtikel «Kleinstrukturen»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Rotationsbrache''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seit einigen Jahren wird bei der herbstlichen Mahd häufig ein Anteil von 5-10% der Riedwiesen als Brache stehen gelassen. Informationen dazu liefern der Bericht [[Media:Gigon Rocker 2010 Rotationsbrachen Insekten.pdf|«Praxisorientierte Empfehlung für die Erhaltung der Insekten- und Pflanzenvielfalt mit Ried-Rotationsbrachen»]] und die [https://www.zh.ch/de/umwelt-tiere/naturschutz/naturschutzgebiete.html Pflegegrundsätze (S. 18f.; siehe nachfolgendes Kapitel)]. In Rotationsbrachen ist auf Neophyten (z. B. Goldruten (''Solidago ssp.'')) und Problemarten (z. B. Schilf (''Phragmites australis''), Knotenbinse (''Juncus subnodulosus'')) zu achten (Regioflora führt eine [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/Problemarten_D_online.pdf Liste von potenziell problematischen Arten im Grünland, darunter auch Feuchtgebietsarten]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Pflegegrundsätze''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Kanton Zürich hat [https://www.zh.ch/de/umwelt-tiere/naturschutz/naturschutzgebiete.html Pflegegrundsätze erarbeitet (Bericht sowie umfangreiche Artenliste mit Angaben zu den Ansprüchen von Arten)]. Diese umfassen die ökologisch wertvollen Lebensraumtypen des Grünlands. Das Dokument thematisiert wiederkehrende Pflegemassnahmen (nicht eingegangen wird auf in grösseren Abständen (&amp;gt; 3 Jahre) stattfindende Unterhaltsarbeiten und die Beweidung). Die beiden Hauptkapitel handeln allgemeingültige und lebensraumspezifische Pflegegrundsätze (Kap. 3) sowie artenspezifische Pflegegrundsätze (Kap. 4) ab. Auch wenn sich der Bericht auf den Kanton Zürich bezieht, hat er für die kolline und (sub-)montane Stufe des östlichen Mittellands Gültigkeit. Die vorgeschlagenen Schnittzeitpunkte können wohl für das ganze Mittelland angewendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kontrollierte Brache bis Sukzession''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wagner&amp;amp;Wagner (2005) schlagen langjährige Brachen als Voraussetzung der Etablierung/Ausbreitung mahdempfindlicher Zielarten vor. Von den von ihnen genannten Zielarten (Niedrige Birke (''Betula humilis''), Kammfarn (''Dryopteris cristata''), Heidelbeerblättrige Weide (''Salix myrtilloides'')) kommt in der Schweiz der Kammfarn selten vor, die beiden anderen Arten sind bei uns äusserst selten. Nichtsdestotrotz sind langjährige Brachen eine Möglichkeit der Erhöhung der Strukturvielfalt in gemähten Riedwiesen. In Frage kommen einerseits nur langsam verbuschende Pflanzenbestände (z. B. Hochstaudenriede) oder andererseits artenarme Bestände, welche statt jährlich gemäht in einem Turnus von 5 bis 10 Jahren entbuscht werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Keine Pflege''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Natürliche Hochmoore, nasse Grossseggenriede und nährstoffarme, schwach wüchsige Flachmoore in der alpinen Stufe benötigen keine Pflege. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Zielkonflikte''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei der Erarbeitung eines Pflegeplans wird man wegen der unterschiedlichen Ansprüche von Arten unweigerlich auf Zielkonflikte stossen. Die oben aufgeführten Aspekte bieten Optionen, damit umzugehen, um eine möglichst grosse Artenvielfalt zu ermöglichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bestimmungen des Bundes für die Bewirtschaftung von Streueflächen (http://www.bff-spb.ch/de/biodiversitaetsfoerderflaechen/wiesen-und-weiden/streueflaechen/) sind zu lasch und entsprechen nicht den nach aktuellen wissenschaftlichen Kenntnissen zur Förderung der Biodiversität der Feuchtgebiete (die Kantone machen teilweise weitergehende Auflagen):&lt;br /&gt;
* Es gibt keine Differenzierung des Schnitttermins (generell ab 1. September möglich)&lt;br /&gt;
* Ein Verbot des Mähaufbereiters gilt nur für QII&lt;br /&gt;
* Rückzugsstreifen (Brachen) sind nur fakultativ&lt;br /&gt;
* Maschinen mit Rotationsmähwerk sind erlaubt&lt;br /&gt;
* Es muss keine Mindestschnitthöhe eingehalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Problempflanzen ===&lt;br /&gt;
Dieses Kapitel wird laufend mit Informationen zu weiteren Arten ergänzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schilf''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Pflanzen «Landschilf»] ist in den Riedwiesen ist bei zu starkem Aufkommen ein Proble. 1997 wurden im Flachmoor Spitzmäder, Kanton St.Gallen, [[Media:Weber_2013_Maehversuche_Verschilfung.pdf|Mähversuche zur Eindämmung der Verschilfung]] gestartet. Der bisherige Septemberschnitt (Kontrolle) wurde mit zwei Frühschnitttypen verglichen (jährliche Zusatzmahd im Juli sowie Zusatzmahd nur jedes zweite Jahr). In den Jahren 1997 bis 2001, 2006 und 2012 erfolgten Vegetationsaufnahmen und Verschilfungsmessungen. Die Verschilfung reagierte schon ab dem zweiten Versuchsjahr auf die Frühschnitte und verringerte sich bis 2012 um rund 60% (jährlicher Julischnitt) bzw. 20% (Julischnitt alle zwei Jahre). Auf den Kontrollflächen stieg die Verschilfung im selben Zeitraum fast auf das Dreifache. Aufgrund der Versuche wird ein alternierender Schnitt empfohlen (Zusatzmahd im Juli in jedem zweiten Jahr).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Knotenbinse''' (''Juncus subnodulosus'') &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Knotenbinse macht sich zunehmend in Flachmooren auf Kosten anderer moortypischer Arten breit. Betroffen sind auch wertvolle Pflanzenbestände wie etwa das Kleinseggenried. Die Ursachen für diese neue Entwicklung sind nur unzulänglich bekannt. Denkbar sind Verbrachungsprozesse (Bosshard et al. 1988), Bodenverdichtung (vgl. beweidungsbedingte Zunahme bei Quinger et al. 1995) und Nährstoffanreicherung (Quinger et al. 1995). Das Handbuch Moorschutz empfiehlt einen regelmässigen Schnitt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Renaturierungen ==&lt;br /&gt;
=== Einleitung ===&lt;br /&gt;
Die Renaturierung von Mooren ist ein weites Feld. Von kleineren Aufwertungsmassnahmen bis zu grossflächigen Regenerationen gibt es eine breite Palette von Fördermassnahmen. '''Renaturierung''' wird i. d. R. als Oberbegriff verwendet und steht für die Überführung von gestörten Ökosystemen in einen naturnäheren Zustand. Mit '''Regeneration''' meint man die Rückführung in den natürlichen Zustand. Von '''Revitalisierung''' wird dann gesprochen, wenn es um die biologischen Funktionen in einem Moor geht. Eine Renaturierung ist in der Regel kurzfristig möglich, Regenerationen hingegen brauchen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den vergangenen Jahrzehnten sind in der Schweiz und in den Nachbarländern viele Renaturierungsprojekte umgesetzt worden. In Deutschland hat man dabei vor allem Torfmoore vernässt (Hoch- und Niedermoore), in der Schweiz hauptsächlich Hochmoore und nur selten Flachmoore.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Kapitel wird auf den Planungs- und Umsetzungsablauf von Wiedervernässungsprojekten und auf die Massnahmen eingegangen. Da es zur Renaturierung von Mooren umfangreiche Unterlagen gibt, enthält es viele Verweise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Planung und Umsetzung ===&lt;br /&gt;
Auslöser und auch Hauptproblem in beeinträchtigten Mooren ist der zu tiefe Wasserstand. Um ein Moor erfolgreich zu renaturieren, braucht es '''genügend und sauberes Wasser'''. Eine Regeneration durchläuft verschiedene Prozessschritte. Diese sind, je nach Gebiet, unterschiedlich tief und aufwändig zu bearbeiten:&lt;br /&gt;
* Übergeordnete Planung&lt;br /&gt;
* Ist-Zustand und Abklärungen&lt;br /&gt;
* Projektierung&lt;br /&gt;
* Umsetzung/Bau&lt;br /&gt;
* Erfolgskontrolle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lohnt sich, mit einer '''übergeordneten Planung''' über einen grösseren Raum, z. B. einen Kanton, eine Prioritätenliste zu erstellen. Es sollen die Gebiete bezeichnet werden, für welche die grössten Erfolgsaussichten für Renaturierungsmassnahmen bestehen. Kriterien können z. B. Besonderheit, Realisierbarkeit, Dringlichkeit und Gefährdung oder Effizienz sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Ist-Zustand und Abklärungen''' sind im «Leitfaden der Niedermoorrenaturierung in Bayern» (Wagner et al. 2005) ausführlich beschrieben. Besonders empfehlenswert ist das Kapitel «Leitbilder und Entwicklungsziele». Dabei geht es u. a. um die Frage, ob ein Gebiet in ein naturnahes oder in ein kulturbetontes Moor (extensive Streunutzung) entwickelt werden soll (vgl. Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Mensch_und_Moor_.28Menschliche_Einfl.C3.BCsse_auf_die_Moore.29 «Mensch und Moor»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der '''Projektierung''' geht es darum, die wesentlichen Parameter zu erfassen. Die Wahl der geeigneten '''Massnahmen''' ist für jedes Gebiet individuell festzulegen. Sie sollen solid und langlebig sein. Im Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Massnahmentypen «Massnahmentypen» ] wird auf die verschiedenen Möglichkeiten eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''ideale Zeit für den Bau ist zwischen August und Oktober''', weil dann die Böden am trockensten, Tiere aber noch mobil sind, um ausweichen zu können. Es soll mit adäquaten Maschinen gearbeitet, d. h. geringer Bodendruck (Bagger mit breiten Raupen, auf Baggermatratzen arbeiten) und geeignete Grösse des Baggers, je nach Arbeiten und Situation vom Kleinbagger (1-1.5 t) bis zu sehr grossen Geräten (20-25 t). Die Arbeiten sollen mit den Ausführenden besprochen und gut begleitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = FNS 2009 Praxishilfe Regeneration Hochmoore zg.png&lt;br /&gt;
| text = Prozessschritte bei einem Renaturierungsprojekt (Quelle: [[Media:FNS 2009 Praxishilfe Regeneration Hochmoore.pdf|Praxishilfe zur Regeneration von Hochmooren im Kanton Zürich (2009))]]. Auf die einzelnen Prozessschritte wird in der Praxishilfe im Detail eingegangen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur mit Ausführungen zum Projektablauf (nicht abschliessend):&lt;br /&gt;
* Wagner, A., Wagner, I., Hrsg.: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, 2003. Leitfaden der Niedermoorrenaturierung in Bayern.&lt;br /&gt;
* pluspunkt, Naturplan, quadra, 2009. Praxishilfe zur Regeneration von Hochmooren im Kanton Zürich (Merkblatt).&lt;br /&gt;
* Grosvernier, Ph., Staubli, P., 2009. Regeneration von Hochmooren. Grundlagen und technische Massnahmen, Umwelt-Vollzug Nr. 0918. Bundesamt für Umwelt, Bern.&lt;br /&gt;
* Bayerisches Landesamt für Umweltschutz (Hrsg.), 2002. Leitfaden der Hochmoorrenaturierung in Bayern für Fachbehörden, Naturschutzorganisationen und Planer.&lt;br /&gt;
* Convention on Wetlands., 2021. Global guidelines for peatland rewetting and restoration, Ramsar Technical Report No. 11. Gland, Switzerland: Secretariat of the Convention on Wetlands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [https://www.pulsbern.ch/torfboerse.html '''Torfbörse'''] ist eine Plattform, welche als Aushubmaterial anfallenden Torf an Regenerationsprojekte in Hochmooren vermittelt. Melden Sie sich dort, wenn Sie Torf benötigen oder anzubieten haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moortypen ==&lt;br /&gt;
Aufgrund der Entwicklung unterscheidet man acht verschiedene hydrogenetische Moortypen, die sich für Renaturierungen verschieden gut eignen und bei denen unterschiedlich herangegangen werden muss. Bei all diesen Moortypen handelt es sich um Torfmoore. Mineralische Moore oder Anmoore mit geringmächtiger organischer Schicht sind hier nicht behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders günstige Bedingungen für Renaturierungen bieten nicht geneigte, nährstoffarm-saure und eutrophe Moore, die nur wenig degradiert sind &amp;lt;!--(Stufe «gering bis mittel»: was hatte ich damit gemeint?)--&amp;gt;, mit lokalem Auftreten der (torfbildenden) Schlüsselarten. Mesotrophe, basen- und kalkreiche Moore (vor allem Durchströmungs- und Quellmoore), die meist geneigt und von einem Grundwasserzustrom sowie von Durchströmung oder Überrieselung des Torfkörpers abhängig sind, sind hingegen nur schwer regenerierbar. Moore lassen sich nicht immer nur einem Moortyp zuordnen, da es im Laufe der Entstehungsgeschichte unterschiedliche Phasen gegeben haben kann. Bei Mooren mit einer (natürlichen) Hangneigung ist bei Renaturierungsmassnahmen eine der grösseren Herausforderungen, dass sie einen weitreichenden Effekt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verlandungsmoore ===&lt;br /&gt;
Die Verlandungsmoore entstehen an den Ufern von Seen und Weiher.  An meso- (bis oligo-)trophen Seen mit relativ geringer Produktivität ist der Verlandungsbereich artenreich mit seltenen Arten wie Rohrdommel, Sumpfhuhnarten, Weihen, Rohrsängern, Bartmeisen und Schwirlen. Eine der wichtigsten Massnahmen sind Seesanierungsmassnahmen zur Reduktion der Nährstoffgehalte, je nachdem eine Erhöhung des Wasserspiegels. Landseitig soll das Moor aus dem Einzugsgebiet nicht mit nährstoffreichem Wasser versorgt werden (siehe Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Wassereinzugsgebiet «Wassereinzugsgebiet»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Versumpfungsmoore ===&lt;br /&gt;
Dieser Moortyp, der in Mitteleuropa mindestens ein Viertel der Moore ausmacht, entsteht durch eine Erhöhung des Grundwasserspiegels (z. B. aufgrund von Klima- oder Landnutzungsänderung (Rodung) oder der Verringerung des Wasserabflusses). Sie zeigen einen jahreszeitlichen Wechsel von Überstau und Austrocknung. Sie weisen meist nur geringmächtige und meist stark zersetze Torfschichten auf, die leicht entwässerbar sind. Primäres Ziel der Renaturierung von Versumpfungsmooren ist die Wiederherstellung einer phasenhaften Überstauungsdynamik durch Anhebung des Grund- bzw. Förderung der Stauwasserzuflüsse sowie das Rückgängigmachen der künstlichen Moorentwässerung. Sie sind einfach wiederherstellbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Überflutungsmoore ===&lt;br /&gt;
Überflutungsmoore sind typisch für Auengebiete. Entscheidend für Auen-Moorbildungen ist ansteigendes Grundwasser in flussferneren Auenbereichen, verursacht durch die Erhöhung des Flussbettes. Der Boden weist mineralische Zwischenschichten auf. Auen-Überflutungsmoore tragen zumeist eine eutraphente Vegetation aus Grossseggenrieden, Röhrichten, Auen- und Bruchwäldern. Durch die starken Eingriffe in die Gewässer sind viele Überflutungsmoore zerstört worden. Sie zu reaktivieren bedingt Gewässerrevitalisierungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kesselmoore ===&lt;br /&gt;
Kesselmoore sind meist klein mit einem geringen Einzugsgebiet. Die Torfmächtigkeit kann grösser als 10 m sein. Der natürliche Wasserstand ist dynamisch mit mehrjährigen Nässe- und Trockenphasen und einem korrespondierenden periodischen Aufwachsen und Absterben von Gehölzen. Kesselmoore lassen sich relativ einfach renaturieren durch die Förderung des Wasserzulaufs, die Rückhaltung von Wasserabflüssen und Niederschlägen und die Minimalisierung von Nährstoffeinträgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hangmoore ===&lt;br /&gt;
Bei diesem Typ handelt es sich um flächige Hangvermoorungen durch Hangwasserzufuhr («geogen»). Die Torfe sind in der Regel geringmächtig. Bei reichlich Niederschlag entstehen die «ombro-soligenen»  Moore &amp;lt;!-- nicht erwähnen: mit von konkav zu konvex wechselndem Querschnitt--&amp;gt;mit schliesslich rein ombrogenen Mooren. Hangabwärts hagert das Moor zunehmend aus&amp;lt;!--falls erwähnt:  Link auf Filter-Funktion des Torfs--&amp;gt;. Natürlicherweise handelt es sich bei Hangmooren um Erlen- oder Birken- und Fichtenbruchwälder. Offene Hangmoore sind meist aufgrund von Mahd und extensiver Weidenutzung entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Renaturierung steht die Instandstellung des Überrieselungs-Wasserregimes im Fokus. Im Bereich der Wasserzufuhr soll es einen wassergefüllten Randsumpf geben, von dem aus das Moor überrieselt wird. Entwässerungseinrichtungen und -gräben sollen verschlossen und je nachdem soll die Nutzung angepasst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===	Durchströmungsmoore ===&lt;br /&gt;
Durchströmungsmoore entstanden vorwiegend in den Talsystemen der Urstromtäler mit permanenter Grundwasserspeisung. Die oberflächennahen, lockeren Torfschichten werden durchströmt mit einem Wachstum der Torfe von bis zu 10 m. Bei gleichmässigem Wasserangebot treten kaum Wasserstandsschwankungen und eine nur geringer Torfzersetzung auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durchströmungsmoore sind schwierig renaturierbar, weil sich der Torf durch die menschlichen Eingriffe verändert hat mit stark reduzierter Durchlässigkeit, Sackung, etc. Eine Renaturierung muss daher meist einer Überrieselung beginnen, damit sich darauf braunmoosreiche Seggenriede entwickeln können. Entwässerungsgräben sollen verschlossen und der Wasserstand angehoben werden. Das Buch «Landschaftsökologische Moorkunde» (2001) enthält in den Kapiteln 9.3.2 und 9.3.7 ausführliche Beschreibungen zu Durchströmungsmooren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Quellmoore ===&lt;br /&gt;
Quellmoore entwickeln sich bei permanenten Grundwasseraustrittsstellen. Bei genügend langsamer Strömung des Quellwassers findet Torfbildung statt. &amp;lt;!-- Vorläufig weglassen: Die Torfe enthalten silikatische Bestandteile (überwiegend Schluff) sowie Fällungsprodukte.--&amp;gt;Die Torfmächtigkeiten sind oft gross. Bei der Vegetation handelt es sich um Erlenwälder oder Grossseggenriede, Braunmoos-, Seggen- oder Kopfbinsenriede oder um Zwischenmoore.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Renaturierungen sind meist schwierig wegen a) Hangneigung und Relief, b) Entwässerungen durch Gräben und Torfstiche, c) oft unbekannter Grösse des unterirdischen Einzugsgebiets und d) Veränderungen der Porosität des Torfs. Zur Renaturierung braucht es genügend Wasserspeisung, den Rückbau aller hydrologischen Eingriffe, ev. die Aktivierung der Quelltätigkeit und bei starker Veränderung der oberen Torfschichten, einen Oberbodenabtrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hochmoore (Regenmoore) ===&lt;br /&gt;
Die wesentlichen Eigenschaften der Hochmoore sind die ausschliessliche Regenwasserspeisung (wobei es möglich ist, dass ein Hochmoor durch Grundwasser gestützt wird) und saure und mineral- und nährstoffarme Bedingungen. Hochmoore können nur in Gebieten mit einer positiven Wasserbilanz vorkommen, was in der regenreichen Schweiz mehrheitlich zutrifft. Eine weitere Eigenschaft ist das Vorkommen von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Akrotelm_und_Katotelm Akro- und Katotelm]. Nur wenige Torfmoosarten können ein funktionierendes Akrotelm aufbauen. &amp;lt;!-- vorläufig nicht veröffentlichen: «Ökosystem-Ingenieure»: S. magellanicum, S. papillosum, s. imbricatum, S. fuscum, S. rubellum. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hochmoore sind durch verschiedene menschliche Eingriffe, allen voran Torfabbau und Entwässerungen, meist stark beeinträchtigt. Viele sind in den vergangenen Jahrzehnten renaturiert worden, entsprechend gross sind die Erfahrungen für entsprechende Massnahmen. Sehr oft präsentiert sich die Situation wegen der starken Eingriffe aber komplex (z. B. sehr starke Reliefierungen, Mineral- und Nährstoffeinflüsse von aussen, viele Gräben, etc.). Bei Massnahmen geht es in der Regel darum, die Regeneration einzuleiten in Richtung eines sich selbstregulierenden Systems und die Akrotelmbildung  zu begünstigen. Das Vorkommen der torfbildenden Torfmoose ist dabei ein wichtiger Indikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Massnahmentypen ==&lt;br /&gt;
Die (vermutlich) am häufigsten angewendeten Massnahmen zur Renaturierung von Feuchtgebieten sind Grabenverfüllung und -einstau. In flachem Gelände sind Totalverfüllungen nicht notwendig (im Gegenteil: hinter dem Einstau entstehen ökologisch wertvolle Kleingewässer (siehe Stillgewässerartikel oder Kapitel Prö)). '''Ab einem Gefälle von 1 bis 2 Prozent sollen Gräben vollständig verfüllt werden'''. Je nach Situation ist das aber schwierig umsetzbar (Materialbeschaffung und Transport, grosser Aufwand, viele Fahrten erforderlich).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einigen Moortypen ist das Durchströmen von Wasser durch den Torfkörper charakteristisch. Lange, dichtende, quer zur Fliessrichtung liegende Massnahmen sollen in solchen Mooren möglichst vermieden werden. Je nachdem ist es aber die einzige Möglichkeit, den Wasserstand anzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massnahmen sollen '''langlebig''' und stets '''gut gegen Erosion geschützt''' sein (siehe separates Kapitel). Für Massnahmen relevant ist die Eigenschaft von '''Torf, dass er nie ganz dicht ist'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wäre wichtig, die Erfahrungen mit den verschiedenen Massnahmen und deren Vor- und Nachteile zusammenzutragen. Zu Rundholzdämmen gibt es Untersuchungen (siehe «Regeneration von Hochmooren», 2009, S. 54), zu den anderen Techniken und Materialien gibt es vermutlich zwar einige, aber zerstreut vorliegende Erfolgskontrollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Grabenverfüllung, Graben Teilverfüllung ===&lt;br /&gt;
Die Verfüllung ist die effektivste Methode, um den Wasserspiegel wiederherzustellen, bedingt aber viel Material. An Material werden vor allem Torf und Sägemehl verwendet. In «Practical peatland restoration» sind weitere Materialen, z. B. Strohballen aufgeführt. Je nach Situation genügt eine teilweise Verfüllung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anforderungen ans Material und zu beachtende Punkte:&lt;br /&gt;
* Nährstoffarm und höchstens mässig durchlässig (maximal so durchlässig wie der umgebende Torf)&lt;br /&gt;
* Torf: verdichten, bei der Torfberechnung den Schwund miteinberechnen (Sägemehl schwindet nicht)&lt;br /&gt;
* In genügenden Abständen Dämme einbauen, damit das Anheben des Wasserstands garantiert ist.&lt;br /&gt;
* Erosion verhindern (mit Vegetation zudecken, wo solche fehlt mit Fasermatten)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verfüllungen mit Torf sind ungeeignet in sehr nassen (Untergrund ist dann meist zu weich) oder zu trockenen Gebieten (Mineralisation des Torfes), bei zu starker Neigung (Erosionsgefahr) und bei sehr breiten Gräben wegen des Bedarfs grosser Mengen. Wenn der Torf vor Ort entnommen wird, muss darauf geachtet werden, dass keine hydrologischen Schwächezonen geschaffen werden. Das Verfüllen von Gräben ist in [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/regeneration-von-hochmooren.html «Regeneration von Hochmooren» (2009) ausführlich beschrieben (Kap. 3.3.2 und 3.3.3)]. Der Kanton Neuenburg benutzt zum Verfüllen eine [[Media:SFFN 2016 regen marais technique sciure.pdf|Mischung aus Sägemehl und Häcksel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Grabeneinstau ===&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur Grabenverfüllung werden Gräben punktuell verschlossen. Man kann unterscheiden zwischen a) '''Grabenanstau''' (nicht bis zur Bodenoberfläche), b) '''Grabeneinsta'''u (bis zur Bodenoberfläche) und c) '''Grabenüberstau''' mit seitlichem Wegfliessen des Wassers über die Grabenschultern. Solche punktuellen Grabenverschlüsse sollen dicht sein und gut gegen Erosion gesichert sein, da sich überschüssiges Wasser bei der Massnahme sammelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Material kommen Holzplatten, Holzspundwände, Metallplatten oder Kunststoffwände in Frage. Holz muss zum Schutz vor Verwitterung geschützt werden (Torfüberdeckung). In Feuchtgebieten mit geringer oder fehlender Torfauflage kann auch Lehm verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn stärker geneigte Gräben kaskadenmässig verschlossen werden, dann soll der Höhenunterschied zwischen den Massnahmen 10 bis 25 cm betragen, höchstens aber 50 cm .&lt;br /&gt;
Das Verfüllen von Gräben ist in [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/regeneration-von-hochmooren.html «Regeneration von Hochmooren» (2009)] ausführlich beschrieben (Kap. 3.3.4).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Juchmoos Grabeneinstau KZirfasse 96 dpi.JPEG&lt;br /&gt;
| text = Ein alle ca. 10 m mit Holzspundwänden eingestauter Graben mit &amp;lt;!--xx% --&amp;gt;Gefälle. Eine Vollverfüllung war nicht möglich wegen zu geringer Torfmächtigkeit zur Entnahme von Torf vor Ort, bzw. unverhältnismässigem Aufwand zum Zuführen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Dämme ===&lt;br /&gt;
Dämme (Sperren, Deiche) überragen die Umgebung mit dem Ziel, Wasser zurückzuhalten. Dämme müssen solid gebaut sein, das überschüssige Wasser muss gezielt und vor Erosion gesichert abgeführt werden. Für den Bau von Dämmen kommen Holzspundwände, Kunststoffwände oder Lehmdämme in Frage. Sie sollen mit geeignetem Material überdeckt werden. Wenn Torf verwendet wird, dann muss mit einer Sackung von 20 bis 25 cm gerechnet werden. Von reinen Torfdämmen ist, auch wenn in der Literatur öfters erwähnt, abzuraten, weil diese nicht dicht und erosionsanfällig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wasserregulierung ===&lt;br /&gt;
Zahlreiche Hochmoore sind hinter Moränenwällen entstanden. Viele wurden entwässert, indem die natürlichen Abflusshindernisse durchstochen wurden . In solchen Fällen kann mit einer Reguliervorrichtung der Wasserstand sukzessive, der Entwicklung des Gebiets angepasst, angehoben werden. Beispiele von Reguliervorrichtungen sind Schächte, Holzkästen, Wehre oder Mönche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Publikation [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/regeneration-von-hochmooren.html «Regeneration von Hochmooren» (2009)] enthält ausführliche Informationen zu Holzkästen (Kap. 3.3.5) und zu Schächten (Kap. 3.3.6).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Stillgewaesser_Galerie20.png&lt;br /&gt;
| text = Einbau eines vorgefertigten Mönchs.Links oben: Seit langem bestehendes Rohr durch die Moräne, links unten: Der Grundablass und die Reguliermöglichkeit durch Holzbretter, die eingesetzt werden können, sind erkennbar. Über den Mönch kann der Wasserstand von 25 Hektaren Moorfläche reguliert werden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erosionsschutz ===&lt;br /&gt;
So simpel es auch klingen mag: Wasser arbeitet ständig. Die Bauwerke müssen entsprechend gegen Erosion gesichert sein. Als Massnahmen kommen in Frage (keine abschliessend Aufzählung):&lt;br /&gt;
* Genügend breit und tief eingebaute Massnahmen&lt;br /&gt;
* Seitlich und nach unten (Auskolkungsgefahr) gut gesicherte Überläufe: Die Seiten und die Sohle z. B. mit Holz gut sichern.&lt;br /&gt;
* Zudecken nackter Torfflächen mit Fasermatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vegetationslenkende Massnahmen ===&lt;br /&gt;
Die Etablierung von Feuchtgebiets- oder torfbildender Vegetation ist, nach der Verbesserung der Hydrologie, der zweitwichtigste Faktor einer Regeneration . Nackte Torfflächen sollen bepflanzt werden, weil sie bis 70° C heiss werden können und eine spontane Besiedlung deshalb fast ausgeschlossen ist. &lt;br /&gt;
Das Bepflanzung ist in [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/regeneration-von-hochmooren.html «Regeneration von Hochmooren» (2009)] ausführlich beschrieben (Kap. 2). Neben der dort beschriebenen aufwändigen Methoden kann das Vegetationswachstum, je nach Situation, auch mit Mahdgutübertragung gefördert werden (siehe [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Mahdgut.C3.BCbertragung Grünlandartikel]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
*	Antoniazza, M., Clerc, C., Le Nédic, C., Sattler, T., Lavanchy, G., 2018. Long-term effects of rotational wetland mowing on breeding birds: evidence from a 30-year experiment. Biodiversity and Conservation 27, 749–763.&lt;br /&gt;
*	Bamann, T., 2016. Der Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) im Artenschutzprogramm des Landes Baden‐Württemberg (Präsentation).&lt;br /&gt;
*	Baumann, A., Fetz, R., Leiser, M., Meier, W., 2002. Aktuelle Beiträge zum Moorentwicklungskonzept Bayern. Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, Augsburg.&lt;br /&gt;
*	Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege ANL (Hrsg.), 2003. Moorrenaturierung - Praxis und Erfolgskontrolle: Tagungsband der beiden Fachtagungen “Moorrenaturierungspraxis - Echte Chance oder nur Kosmetik ?” am 3./4. Mai in Rosenheim und “Erfolgskontrollen im Naturschutz: Moore” am 21./22. November 2002 in Rosenheim, Laufener Seminarbeiträge. Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege ANL, Laufen/Salzach.&lt;br /&gt;
*	Bayerisches Landesamt für Umweltschutz (Hrsg.), 1992. Auswirkungen maschineller Grabenräumung auf den Naturhaushalt: Seminar am 24. November 1992 in Wackersdorf. LfU, München.&lt;br /&gt;
*	Bayerisches Landesamt für Umweltschutz (Hrsg.), 2002. Leitfaden der Hochmoorrenaturierung in Bayern für Fachbehörden, Naturschutzorganisationen und Planer.&lt;br /&gt;
*	Benoît Bressoud, Bundesamt für Umwelt (BAFU), Broggi + Hubeli + Reith + Ryser Büro für Siedlungs- und Umweltplanung, 1992a. Handbuch Moorschutz in der Schweiz: Fallbeispiele - Band 2. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern.&lt;br /&gt;
*	Benoît Bressoud, Bundesamt für Umwelt (BAFU), Broggi + Hubeli + Reith + Ryser Büro für Siedlungs- und Umweltplanung, 1992b. Handbuch Moorschutz in der Schweiz: Grundlagen - Band 1. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern.&lt;br /&gt;
*	Bettschart, A., Klötzli, F., 1978. Frauenwinkel - Altmatt - Lauerzersee: geobotanische, ornithologische und entomologische Studien, Berichte der Schwyzerischen Naturforschenden Gesellschaft. Einsiedeln, Einsiedeln.&lt;br /&gt;
*	Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 1996a. Bestimmungsschlüssel (BGS / 1996), Unterscheidung nach den hierarchischen Klassifikationskriterien.&lt;br /&gt;
*	Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 1996b. Schlüssel zur Klassifikation der Bodentypen der Schweiz.&lt;br /&gt;
*	Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 2010. Klassifikation der Böden der Schweiz: Profiluntersuchung, Klassifikationssystem, Definitionen der Begriffe, Anwendungsbeispiele, 3. Auflage. ed. BGS.&lt;br /&gt;
*	Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), 2002. Moore und Moorschutz in der Schweiz. Bern.&lt;br /&gt;
*	Convention on Wetlands., 2021a. Practical peatland restoration, Briefing Note No. 11. Gland, Switzerland: Secretariat of the Convention on Wetlands.&lt;br /&gt;
*	Convention on Wetlands., 2021b. Global guidelines for peatland rewetting and restoration, Ramsar Technical Report No. 11. Gland, Switzerland: Secretariat of the Convention on Wetlands.&lt;br /&gt;
*	Deutschland / Bundesministerium für Umwelt, N. und N.S. [Herausgeber/in] (Ed.), 2021. Nationale Moorschutzstrategie.&lt;br /&gt;
*	Dierßen, K., Dierßen, B., 2001. Moore, Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht. Ulmer, Stuttgart.&lt;br /&gt;
*	Gigon, A., Rocker, S., 2010. Praxisorientierte Empfehlung für die Erhaltung der Insekten- und Pflanzenvielfalt mit Ried-Rotationsbrachen (Merkblatt No. ART 721). Agroscope Reckenholz-Tänikon ART.&lt;br /&gt;
*	Göttlich Karlhans (Hrsg.), 1990. Moor- und Torfkunde, 3. vollständig überarbeitete, ergänzte und erweiterte Aufl. ed. ESchweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart.&lt;br /&gt;
*	Grosvernier, Ph., Staubli, P., 2009. Regeneration von Hochmooren. Grundlagen und technische Massnahmen, Umwelt-Vollzug Nr. 0918. Bundesamt für Umwelt, Bern.&lt;br /&gt;
*	Grünig, A., Vetterli, L., Wildi, O., 1986. Die Hoch- und Übergangsmoore der Schweiz (Bericht No. 281). Eidg. Anstalt für das forstliche Versuchswesen.&lt;br /&gt;
*	Grünig, A.Peter., 1994. Mires and man : mire conservation in a densely populated country - the Swiss experience : excursion guide and symposium proceedings of the 5th Field Symposium of the International Mire Conservation Group (IMCG) to Switzerland 1992. Swiss Federal Institute for Forest, Snow and Landscape Research.&lt;br /&gt;
*	Guntern, J., Lachat, T., Daniela, P., Fischer, M., 2013. Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz. Forum Biodiversität Schweiz, Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT), Bern.&lt;br /&gt;
*	Haab, R., Jutz, X., 2003. Konsequenzen aus ersten Hochmoor-Regenerationsprojekten im Kanton Zürich. Konzeption und Umsetzung eines kantonalen Regerations-Programmes. Bayerische Akademie für Naturschutz und Landespflege S. 63-87.&lt;br /&gt;
*	Haab, R., Jutz, X., 2004. Das Hochmoor-Regenerationsprogramm im Kanton Zürich. Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich Jg. 149, S. 105-115.&lt;br /&gt;
*	Innovationsprojekt “Umgang mit drainierten Böden” (Hrsg.), 2019. Moorböden - kostbar und unersetzlich.&lt;br /&gt;
*	Klötzli, F., 1969. Die Grundwasserbeziehungen der Streu- und Moorwiesen im nördlichen Schweizer Mittelland, Beiträge zur geobotanischen Landesaufnahme der Schweiz. Huber, Bern.&lt;br /&gt;
*	Klötzli, F., Grootjans, A.P., 2001. Restoration of Natural and Semi-Natural Wetland Systems in Central Europe: Progress and Predictability of Developments. REC Restoration Ecology 9, 209–219.&lt;br /&gt;
*	Kollmann, 2019. Renaturierungsökologie. Springer Berlin Heidelberg.&lt;br /&gt;
*	Kratz, R., Pfadenhauer, J., 2001. Ökosystemmanagement für Niedermoore: Strategien und Verfahren zur Renaturierung. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.&lt;br /&gt;
*	Küchler, M., 2018. Moore der Schweiz: Zustand, Entwicklung, Regeneration, Bristol-Schriftenreihe. Haupt Verlag, Bern, © 2018.&lt;br /&gt;
*	Luthardt, V., Meier-Uhlher, R., Schulz, C., Succow, M., Hrsg.: HNE Eberswalde, 2011. Steckbriefe Moorsubstrate. Sauer Druck und Werbung, Berlin.&lt;br /&gt;
*	Peintinger, M., Schniepper, M., Züger, M., Küchler, M., Bergamini, A., 2022. Mahdregime in Flachmooren und ihre Auswirkungen auf Flora und Fauna: eine Literaturübersicht und -auswertung.&lt;br /&gt;
*	Pfadenhauer, J., 1999. Leitlinien für die Renaturierung süddeutscher Moore. Natur und Landschaft 74, S. 18-29.&lt;br /&gt;
*	Schumann, M., Joosten, H., 2008. Global peatland restoration manual.&lt;br /&gt;
*	SFFN, 2016. Les tourbières du canton de Neuchâtel, Techniques de régénération mélange copeaux/sciure. Départment du développment territorial et l’environnement, canton de Neuchâtel.&lt;br /&gt;
*	Siuda, C., 2013. Vegetationsstrukturtypen in Moorflächen und analoge Moor- /Grundwasserspiegelstände.&lt;br /&gt;
*	Sliva, J., Marzelli, M., Pfadenhauer, J., 2000. Renaturierung von landwirtschaftlich genutzten Niedermooren und abgetorften Hochmooren / Projektbearb.: Jan Sliva et al. ; Hrsg. : Bayerisches Landesamt für Umweltschutz. Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, München.&lt;br /&gt;
*	Stuber, M., Bürgi, M., 2018. Vom “eroberten Land” zum Renaturierungsprojekt. Geschichte der Feuchtgebiete in der Schweiz seit 1700, Zürich, Bristol-Stiftung. Haupt, Bern.&lt;br /&gt;
*	Succow, M., Joosten, H., 2001. Landschaftsökologische Moorkunde, 2., völlig neu bearb. Aufl. ed. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart.&lt;br /&gt;
*	Wagner, A., Wagner, I., Hrsg.: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, 2003. Leitfaden der Niedermoorrenaturierung in Bayern.&lt;br /&gt;
*	Wagner, Alfred., Wagner, Ingrid., Hrsg.: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, 2005. Leitfaden der Niedermoorrenaturierung in Bayern. Augsburg.&lt;br /&gt;
*	Walser, M., 2021a. Comprendre la diversité et les fonctions des sols forestiers en Suisse, Notice pour le praticien / Institut fédéral de recherches WSL 68. Institut fédéral de recherches WSL, Birmensdorf.&lt;br /&gt;
*	Walser, M., 2021b. Den Waldboden verstehen: Vielfalt und Funktion der Waldböden in der Schweiz, Merkblatt für die Praxis / Eidgenössische Forschungsanstalt WSL 68. Eidg. Forschungsanstalt WSL, Birmensdorf.&lt;br /&gt;
*	Weber, U., 2013. 16 Jahre Mähversuche gegen die Verschilfung im Naturschutzgebiet Spitzmäder, Oberriet. Ökobüro Hugentobler.&lt;br /&gt;
*	Zerbe, S., Wiegleb, G., 2009. Renaturierung von Ökosystemen in Mitteleuropa. Spektrum, Heidelberg.&lt;br /&gt;
*	Zirfass, K., Christine Huovinen, Peter Bolligerf, 2016. Feldbotanik. SVS Lehrgang, 4. Aufl. ed. Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

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		<title>Wälder</title>
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				<updated>2024-07-30T19:59:10Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Forêts]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = 6.6.3 Lärchen-Arvenwald Larici-Pinetum cembrae 170805 009 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text =  Wälder (abgebildet ist ein Lärchen-Arvenwald) bedecken fast ein Drittel der Landesfläche. Sie weisen eine sehr grosse Lebensraum- und Artenvielfalt auf. Für Fledermäuse, Bockkäfer, Pilze und Flechten sind Wälder besonders wichtig.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || Markus Bichsel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review || [https://www.wsl.ch/de/mitarbeitende/bollmann.html Kurt Bollmann], Ueli Bühler, Josephine Cueni, [https://www.pronatura.ch/de Lesly Helbling], [http://www.bauma.ch/de/ Rolf Stricker]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || Dezember 2022&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung / Das Wesentliche kompakt =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align: center; font-size:20px;&amp;quot; |''Schnelleinstieg – wo finde ich besonders wichtige Themen?''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
'''Ökologie''': &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Lebensraumtypen_des_Waldes_und_Waldgesellschaften Lebensräume des Waldes] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Artengruppen_und_Arten_des_Waldes «Artengruppen und Arten des Waldes»]:&lt;br /&gt;
* Informationen zu Pflanzen und Tieren des Waldes&lt;br /&gt;
* Baumarten und ihre Häufigkeiten&lt;br /&gt;
* Gehölze und Baumarten&lt;br /&gt;
* Holzvorrat und Stammzahlen&lt;br /&gt;
* Unterschied «standortgerecht» – «standortgemäss»&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Seltene_Geh.C3.B6lze_und_.C3.B6kologische_wertvolle_Baumarten Seltene Gehölze und ökologische wertvolle Baumarten], &lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Urwald Urwald], &lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Nutzungsformen_im_Wirtschaftswald Nutzungsformen], &lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#.C3.96kologisch_wertvolle_Strukturen:_Altholz.2C_Totholz.2C_Biotopb.C3.A4ume Altholz, Totholz, Biotopbäume/Habitatbäume] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Naturschutzstrategien_im_Schweizer_Wald Naturschutzstrategien]:&lt;br /&gt;
* Naturnaher Waldbau&lt;br /&gt;
* Integration &amp;amp; Segregation&lt;br /&gt;
* Natur- und Sonderwaldreservate&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#St.C3.B6rungsereignisse:_St.C3.BCrme.2C_Br.C3.A4nde Stürme und Brände], [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Klimawandel Klimawandel]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erhalt und Förderung''': &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Allgemeiner_F.C3.B6rderbedarf Übersicht zu den Fördermassnahmen der einzelnen Waldlebensräume und Handlungsbedarf],&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Allgemeine_Aufwertungsmassnahmen Allgemeine Aufwertungsmassnahmen],&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung_und_Sicherung_von_Waldreservaten Waldreservate],&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Lichter_Wald Lichter Wald],&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Waldweiden_oder_Wytweiden Waldweiden oder Wytweiden], &lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Niederwald_2 Niederwald], &lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Mittelwald_2 Mittelwald], &lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Selven_2 Selven], &lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung_und_Sicherung_von_Altholzinseln.2C_Habitatb.C3.A4umen_und_Totholz Altholzinseln, Habitatbäume, Totholz],&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#F.C3.B6rderung_von_Kleinstrukturen Kleinstrukturen, z. B. Gewässer, Felsen, Waldstrassensäume; Nistkästen],&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung.2C_Sicherung_und_F.C3.B6rderung_von_Auenw.C3.A4ldern Auenwälder],&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung.2C_Sicherung_und_F.C3.B6rderung_von_Nass-.2C_Moor-_und_Feuchtw.C3.A4ldern Feuchtwälder]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grundlagen''': &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Rechtliche_Grundlagen Rechtliche Grundlagen], &lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Zahlen_zum_Wald:_Forststatistik_und_Landesforstinventar_LFI Zahlen zum Wald: LFI, Forststatistik], &lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Kurzer_Abriss_zur_Wald-_und_Forstgeschichte Geschichte], &lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#H.C3.B6henstufen.2C_Waldstandorte_und_Pflanzensoziologie Höhenstufen], &lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#National_priorit.C3.A4re_Lebensr.C3.A4ume_NPL_und_Arten_NPA_im_Wald.2C_Rote_Listen Prioritäre Lebensräume und Arten], &lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Waldbauliche_Begriffe.2C_Waldstrukturen_und_Bestandesaufbau Waldbauliche Begriffe, Waldstrukturen und Bestandesaufbau], &lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Standards:_Naturnaher_Waldbau.2C_NaiS.2C_Zertifizierung Naturnaher Waldbau, Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald, Labels], &lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Waldplanungsinstrumente Planungsinstrumente: Waldentwicklungsplan, Betriebsplan], &lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Kantonale_Informationen Kantonale Informationen: kantonale Forstdienste, Waldkartierungen],&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Kosten.2C_Beitr.C3.A4ge Kosten und Beiträge, Programmvereinbarungen],&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Gef.C3.A4hrdung_der_Waldbiodiversit.C3.A4t Gefahren],&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Praxisrelevante_Wissensl.C3.BCcken Praxisrelevante Wissenslücken]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align: center; font-size:20px;&amp;quot; |''Lebensraum Wald kompakt – ausgewähltes Wissen in Kurzform''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align: center;&amp;quot; | '''Allgemeines'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
Der Schweizer Wald bedeckt eine Fläche von 1,32 Mio. ha und damit fast einen Drittel der Landesfläche.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align: center;&amp;quot; | '''Ökologie des Waldes'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Der Schweizer Wald ist von Natur aus sehr vielfältig. Es kommen 121 verschiedene Waldgesellschaften (pflanzensoziologische Einheiten) und 34 Wald-Lebensraumtypen vor. &lt;br /&gt;
* Pflanzen und Tiere:&lt;br /&gt;
** Der Wald ist für viele Arten sehr bedeutend. Einige Artengruppen sind stark vom Wald abhängig. Bei den Fledermäusen sind alle Arten auf Wälder angewiesen, von den Bockkäfern, Pilzen und Flechten kommt ein Grossteil im Wald vor.&lt;br /&gt;
** Etwa 25'000 Pilz-, Pflanzen-, und Tierarten in der Schweiz haben einen relevanten Bezug zum Wald (ca. etwa 40 % der bisher bekannten Arten).&lt;br /&gt;
** Besonders reich an Pilzen sind natürliche Laubmischwaldgesellschaften. Flechten sind im Lebensraum Wald weit verbreitet und besiedeln alle Substrate. Etwa 40 % aller Moosarten der Schweiz kommen im Wald vor.&lt;br /&gt;
** Besonders artenreich an Pflanzen sind offene lichte Wälder, insbesondere wenn sie noch mit Trockenstandorten, Wiesen oder Mooren verzahnt sind oder extensiv beweidet werden.&lt;br /&gt;
** Im Schweizer Wald kommen rund 40 einheimische Laubbaum- und 7 einheimische Nadelbaumarten vor mit den Hauptbaumarten Fichte, Tanne, Föhren, Lärche, Arve, Buche, Bergahorn, Gemeine Esche, Trauben- und Stieleiche und Kastanie.&lt;br /&gt;
** Tiere haben unterschiedliche Ansprüche. Generell wichtig sind Strukturen. So weisen alte strukturreiche Waldbestände in der Regel eine besonders hohe Vielfalt an seltenen Tierarten auf, während andere auf offene Waldstrukturen angewiesen sind. Sehr wertvoll sind Mosaike mit Wald und offener Landschaft.&lt;br /&gt;
** Die Xylobionten (&amp;quot;Holzbewohner&amp;quot;) verbringen mindestens einen Teil ihres Lebens im Holz, weshalb für sie reichliches Vorkommen an Alt- und Totholz wichtig ist.&lt;br /&gt;
** Die «Waldschmetterlinge» leben in lichten und oft besonnten Teillebensräumen des Waldes. Neben der Strukturierung des Waldes ist für sie das Vorkommen der Raupenfutterpflanzen wichtig (v. a. Pioniergehölze und einige Straucharten).&lt;br /&gt;
** Wälder sind wichtiger (Land-)Lebensraum für viele Amphibien. Reptilien besiedeln vor allem sonnige und strukturreiche Bereiche des Waldes.&lt;br /&gt;
** Fast ein Drittel der Brutvögel der Schweiz brüten hauptsächlich im Wald. Für Spechte, die Raufusshühner Hasel- und Auerhuhn und den Ziegenmelker hat der Wald besondere Bedeutung.&lt;br /&gt;
** Für Fledermäuse ist der Wald sowohl für die Fortpflanzung als auch als Jagdlebensraum von zentraler Bedeutung. &lt;br /&gt;
** Die grossen Herbivoren und die Grossraubtiere haben einen starken Einfluss auf den Wald und seine Artenzusammensetzung und Struktur. Die jüngere Präsenz von Luchs, Bär und Wolf regulieren die deutlich zu hohen Bestände von Hirsch und Reh.&lt;br /&gt;
** Fazit zur Artenvielfalt: Für viele gefährdete Arten fehlt es einerseits an lichten, andererseits an totholzreichen alten Wäldern.&lt;br /&gt;
* Die Bäume sind Lebensraum für bis über 1000 verschiedene Pilzarten und mehrere Hundert Arten an Kleintieren. Eine besondere Stellung nehmen dabei die Eichen ein.&lt;br /&gt;
* Ein Urwald bildet in der Zerfallsphase sehr viele Strukturen aus, weist sehr viel Alt- und Totholz auf und ist reich an Licht.&lt;br /&gt;
* 80% der Wälder werden als Hochwald genutzt mit Umtriebszeiten meist zwischen 80 und 150 Jahren. Nieder- und Mittelwald waren einst weit verbreitete Nutzungsformen. Im Niederwald verläuft die Holzernte meistens flächig und führt so zu sich dynamisch ändernden mosaikartigen Bestandesstrukturen mit offenen bis dichten Bereichen. Licht- und wärmebedürftige Tier- und Pflanzenarten finden so vor allem in den ersten Jahren nach einem Abtrieb ideale Bedingungen. Ökologisch nachteilig sind das völlige Fehlen von Alt- und Totholz und die relative Strukturarmut. Mittelwälder weisen aufgrund der hohen Strukturvielfalt und der besondere Baumartenzusammensetzung eine aussergewöhnlich hohe Biodiversität auf.&lt;br /&gt;
* Die Landschaftsprägenden Weidewälder und Wytweiden weisen offene, mosaikartig verzahnte Strukturen mit Fichte und Lärche als dominante Baumarten sowie hohe Biodiversität auf. Im Tessin sind die artenreichen Kastanienselven mit ihren alten Biotopbäumen zeugen einer traditionellen Nutzung.&lt;br /&gt;
* Auf das in verschiedener Form vorkommende Totholz (z. B. stehende Bäume, liegende Stämme, tote Äste an lebenden Bäumen, Baumstrünke, Wurzelteller) ist etwa ein Viertel aller Waldorganismen angewiesen. Eine grosse Bedeutung hat Totholz für Xylobionten (&amp;quot;Holzbewohner&amp;quot;), Moose und Flechten. Der Bedarf dieser Arten an Totholz liegt bei mindestens 20 bis 50 m3/ha.&lt;br /&gt;
* Alte Bäume haben zahlreiche, ökologisch wertvolle Klein- bis Kleinststrukturen, welche von unzähligen, oft hochspezialisierten Waldorganismen genutzt werden.&lt;br /&gt;
* Lichte offene Wälder mit ihrem speziellen Bestandesklima sind Lebensräume für zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten.&lt;br /&gt;
* Der Klimawandel wird im Wald grosse Veränderungen verursachen. Bei der Auswahl von «Zukunftsbäumen» sollen einheimische Arten oder aus dem angrenzenden Ausland berücksichtigt werden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align: center;&amp;quot; | '''Erhalt und Förderung'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
* Die Förderung soll vor allen bei den beiden wichtigsten Defizitbereichen ansetzen, dem Mangel an Waldflächen mit totholz- und strukturreichen Alters- und Zerfallsphasen und lichten Wäldern mit offenen Waldstrukturen und strukturreichen Übergängen ins Freiland. &lt;br /&gt;
* Natur- und Sonderwaldreservate sollen mindestens 5 ha gross sein, Naturwaldreservate wenn möglich mehr als 20 ha. Idealerweise sind sie deutlich grösser.&amp;lt;!-- alt (angepasst aufgrund Rückmeldung von R. Stricker): Naturwaldreservate sind idealerweise über 100 ha gross und Sonderwaldreservate mindestens 20 ha.--&amp;gt; Zu den lichten Wäldern gibt es in einzelnen Kantonen mehrjährige Erfahrungen und mit dem «Aktionsplan Lichter Wald» steht eine gute Grundlage zur Verfügung. Lichte Wälder sollen v. a. an natürlicherweise oder nutzungsbedingt offenen Bereichen eingerichtet werden. Zu den Wald- oder Wytweiden gibt es insbesondere aus dem Jura und dem Wallis Erfahrungen. Die forstliche Bestandespflege konzentriert sich vor allem auf die Gestaltung der Gliederung von offenen und baumbestockten Bereichen eines Weidewaldes, durch gezielte Eingriffe in die Baumschicht. Die Beweidung bietet sich andernorts vor allem als pflegerische Massnahme zur Förderung und Offenhaltung von lichten Wäldern an. Von der Förderung der Mittelwälder profitieren sehr viele Arten. Wichtig ist aus ökologischer Sicht das Nebeneinander aller Altersphasen von der frisch geschlagenen Kahlfläche bis zum hiebsreifen Stockausschlagbestand. Die Förderung von Selven umfasst i. d. R. zwei Phasen, einer Wiederherstellung der Selvenstruktur mit anschliessend langfristigen Pflegemassnahmen.&lt;br /&gt;
* In den Wirtschaftswäldern können durch Förderung und Erhaltung von Altholzinseln, von einzelnen alten Habitatbäumen und seltenen Baumarten, von besonderen Strukturen wie Baumhöhlen, grober Borke oder von stehendem oder liegendem Totholz sehr viele und seltene Arten gefördert werden. Altholzinseln sollten mindestens eine Hektare gross sein und pro Hektare sollten mindestens drei bis fünf Habitatbäume bestimmt werden&amp;lt;!-- alt (angepasst aufgrund Rückmeldung von R. Stricker): Altholzinseln sollten mindestens 10 ha gross sein und pro Hektare sollten sechs bis zehn Habitatbäume bestimmt werden--&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Die Kleinstrukturen (z. B. Gewässer, Felsbrocken, Steinmauern) sollten erhalten und gefördert werden. Vom optimalen Unterhalt entlang der Waldstrassen profitieren zahlreiche Arten.&lt;br /&gt;
* Nistkästen sollen für seltenere Arten angeboten werden, insbesondere Fledermäuse.&lt;br /&gt;
* Auen- und Moorwälder sollen durch Revitalisierungen und Regenerationen wiederhergestellt und den Zielen entsprechend genutzt werden. Wo möglich sollen Gewässer angelegt werden.&lt;br /&gt;
* Seltene Arten des Waldes sollen gezielt gefördert werden. Von den 1582 national prioritären Arten hat es zahlreiche mit Bedarf an artspezifischen Fördermassnahmen.&lt;br /&gt;
* '''Insgesamt ist der Handlungsbedarf sowohl für die Lebensräume als auch die Arten gross. Die verschiedenen Massnahmen zur Förderung der Biodiversität sollen vernetzend wirken (Stichwort ökologische Infrastruktur)'''.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align: center;&amp;quot; | '''Grundlagen'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Es gibt verschiedene, sich teilweise überlagernde Naturschutzstrategien: Naturnaher Waldbau, Integration von Massnahmen in den Waldbau, z. B. die Ausscheidung von Altholzinseln oder das Anlegen von Kleingewässern, die Segregation wie die Festlegung von Waldreservaten.&lt;br /&gt;
* Der Wald soll gemäss Gesetz Nutz-, Schutz und Wohlfahrtsfunktion erfüllen. Der Wald ist rechtlich gut geschützt. Es gilt ein Rodungsverbot. Die Festlegung der Waldgrenzen erfolgt statisch oder dynamisch. Die Kantone haben einen gewissen Spielraum bei der Definition von Wald.&lt;br /&gt;
* In vielen Kantonen existieren Waldstandortskartierungen. Das Landesforstinventar (LFI) erlaubt Aussagen über den Zustand des Waldes. Dabei werden auch wichtige ökologische Parameter erfasst wie Totholzanteil oder Naturnähegrad. &lt;br /&gt;
* Die Höhenstufen sind durch die Verbreitungsgrenzen charakteristischer Baumarten festgelegt, in der Abfolge von wärmeliebenden Laubwäldern über Buchen- und Buchenmischwälder zu reinen Nadelwäldern und der oberen Wald- bzw. Baumgrenze.&lt;br /&gt;
* Zu Gefährdungsgraden von Lebensräumen liegen viele Informationen vor: Knapp 40% der Wald-Lebensraumtypen sind als gefährdet, von den Waldgesellschaften sind es ca. 55%. Hohe Priorität haben vor allem Auenwälder und Moorwälder, Föhrenwälder sowie wärmeliebende Laubmischwälder. Für einige Waldgesellschaften trägt die Schweiz Internationale Verantwortung. &lt;br /&gt;
* Grundanforderungen an den «naturnahen Waldbau» sind zwar festgelegt, haben aber keinen verbindlichen Charakter.&lt;br /&gt;
* Der «Schutzwald» schützt Menschen, Tiere, Güter und Infrastrukturen vor Lawinen, Steinschlag, Hangrutsch und Erosion. Eine Wegleitung dient den Forstpraktiken als Entscheidungshilfe.&lt;br /&gt;
* Die Labels «FSC» und «PEFC» dominieren den Markt. In der Schweiz hat sich daneben das Label «Schweizer Holz» etabliert. In den einzelnen Ländern gelten für die gleichen Label unterschiedliche Anforderungen an die Holzproduktion, welche oft deutlich weniger streng sind als in der Schweiz.&lt;br /&gt;
* Der Waldentwicklungsplan (WEP) auf der überbetrieblichen und der Betriebsplan (BP) auf der betrieblichen Ebene sind zwei wichtige Instrumente der Planung. Der WEP ist behörden-, der konkretere BP eigentümerverbindlich. Die Betriebsplanpflicht ist kantonal geregelt.&lt;br /&gt;
* Das wichtigste Förderinstrument für die Umsetzung sind die Programmvereinbarungen zwischen Bund und Kantonen. 2018 wurden für die Waldbiodiversität vom Bund ca. 18.5 Mio. Franken, für die Waldbewirtschaftung knapp 21.3 Mio. Franken und für den Schutzwald ca. 70 Mio. Franken investiert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Einleitung =&lt;br /&gt;
Der im vorliegenden Artikel verwendete Begriff „Lebensraum Wald“ richtet sich &amp;lt;!--grundsätzlich--&amp;gt;nach der Definition von Wald im Bundesgesetz über den Wald &amp;lt;!--(SR 921.0 Waldgesetz, WAG). «Als Wald gilt jede Fläche, die mit Waldbäumen oder Waldsträuchern bestockt ist und Waldfunktionen erfüllen kann. Entstehung, Nutzungsart und Bezeichnung im Grundbuch sind nicht massgebend.». Gemäss Art. 2, Abs. 2--&amp;gt;. Dazu gehören auch Weidwälder, bestockte Weiden und Selven&amp;lt;!--, aber auch unbestockte oder ertraglose Flächen eines Waldgrundstückes, wie Blössen. Hingegen gelten isolierte Baum- und Strauchgruppen, Hecken, Parkanlagen usw. nicht als Wald (Art. 2, Abs. 3)--&amp;gt;. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach ökologischen Kriterien umfasst somit unser Waldbegriff neben primär baumbestockten Standorten auch Gebüschwald und frühe Sukzessionsphasen des Waldes mit Schlag- und Vorwaldvegetation. Eine Übersicht über die entsprechenden Lebensraumtypen nach Delarze et al. (2015) ist in der nachfolgenden [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#.C3.96kologie_des_Waldes Tabelle] zusammengestellt. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Waldrand wird in einem separaten Artikel bearbeitet.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wir möchten mit diesem Artikel allen im und mit dem Wald Beschäftigten und Interessierten aufzeigen, was die wesentlichen [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Praxisrelevante_.C3.96kologie ökologischen Aspekte des Waldes sind] und wie man diese [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Erhalt_und_F.C3.B6rderung fördert]. Im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Grundlagen Grundlagenkapitel ]sind weiterführende Informationen enthalten. Am Schluss hat es eine Liste der verwendeten [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Literatur Literatur].&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
In den vergangenen Jahrzehnten ist von allen Beteiligten viel für die Biodiversität im Wald gemacht worden, nichtsdestotrotz gibt es noch grossen Handlungsbedarf. Dieser ist hauptsächlich in der «Strategie Biodiversität Schweiz» und in «Biodiversität im Wald» (Imesch et al. 2015) aufgeführt. Kurz zusammengefasst liegen die Prioritäten bei der Förderung von Strukturen (z.B. gestufte Waldränder, lichte Wälder, feuchte Waldstellen, Wytweiden und Selven), von Alt- und Totholz (u. a. Ausscheidung von Naturwaldreservaten) sowie von seltenen Arten. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Artikel enthält keine Vorschläge, wo konkret Massnahmen umgesetzt werden sollen. Diese Aufgabe obliegt den dafür zuständigen Stellen. Wir machen aber gerne auf gute Projekte aufmerksam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Ökologie =&lt;br /&gt;
== Lebensraumtypen des Waldes und Waldgesellschaften ==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = galerie1 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = In der Schweiz kommen 121 verschiedene Waldgesellschaften vor.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schweiz wäre von Natur aus ein Waldland. Nur gerade Gewässer, flussnahe Auenbereiche, Hochmoorflächen, flachgründige Felspartien oder Lawinenrunsen, sowie (grossflächig) die alpine Höhenstufe sind natürlich waldfreie Flächen und Gebiete. Sonst würde überall Wald dominieren. Ein mannigfaltiger geologischer Untergrund, unterschiedlichste Klimabedingungen und ein formenreiches Relief machen Wald zur vielfältigsten Vegetationsform unserer Landschaften. Er umfasst eine hohe Biodiversität, welche wiederum von einer breiten Vielfalt an Strukturen und Umweltbedingungen abhängig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für detailliertere Informationen zu diesen spannenden ökologischen Zusammenhängen wird auf die einschlägige Fachliteratur (z.B. Ellenberg, 1996: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen), sowie die im nächsten Unterkapitel vorgestellten Bücher zu den Waldtypen und Waldgesellschaften der Schweiz verwiesen. Einen Einblick in diesen Themenbereich bietet auch das [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#H.C3.B6henstufen.2C_Waldstandorte_und_Pflanzensoziologie Kap. «Höhenstufen, Waldstandorte und Pflanzensoziologie»]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter bestimmten Standortsbedingungen (Licht, Wärme, Bodeneigenschaften, Geländeform) entwickeln sich Lebensgemeinschaften mit einer jeweils charakteristischen Komposition von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen. Die Vegetationskunde erforscht diese Zusammenhänge auf der Basis der Pflanzenwelt und hat unter anderem auch Typisierungen geschaffen, bei welcher ähnliche Lebensgemeinschaften mit vergleichbaren Standortsbedingungen als Pflanzengesellschaften bzw. unter Einbezug aller Organismen als Lebensräume definiert sind.&lt;br /&gt;
Die Pflanzensoziologie hat ein hierarchisches System entwickelt, welches weitgehend als Basis für die angewandte Vegetationskunde in Europa dient. Die Grundeinheit dieses pflanzensoziologischen Klassifikationssystems ist die Assoziation (Pflanzengesellschaft). Sie ist definiert als Lebensgemeinschaft mit einer bestimmten Zusammensetzung von Pflanzenarten und einheitlicher Erscheinung (Physiognomie), die typisch ist für einen bestimmten Standort. Eine von Bäumen dominierte Assoziation wird als Waldgesellschaft bezeichnet, ihre wissenschaftlichen Namen enden auf -etum, z.B. ''Galio-Fagetum'' (Waldmeister-Buchenwald). Waldgesellschaften mit ihren charakteristischen Standortsbedingungen dienen in der Regel als Referenztypen für die Planung und Durchführung forstlicher Pflege und Nutzung, sowie für naturschutzfachliche Tätigkeiten im Wald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Floristisch und standörtlich verwandte Assoziationen sind im pflanzensoziologischen System zu einem «Verband» zusammengeschlossen. Diese Einheiten zeichnen sich durch leichte erkennbare, aber charakteristische ökologische Gemeinsamkeiten (z.B. Erscheinungsbild, dominante Arten) aus, dass sie sich vor allem für umfassendere Übersichten eignen. Ihre wissenschaftlichen Namen enden auf -ion, z.B. ''Erico-Pinion'' (Erika-Föhrenwälder).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Literaturübersicht zu den Waldtypen und Waldgesellschaften der Schweiz:'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Lebensräume der Schweiz (Delarze et al., 2015): Zum Lebensraumbereich Wald sind 34 «Lebensraumtypen» systematisch beschrieben. Diese entsprechen weitgehend Verbänden im pflanzensoziologischen System. Die Faktenblätter charakterisieren die einzelnen Lebensraumtypen hinsichtlich Aussehens und Ökologie, Beziehung zum Menschen, Ansprache und Abgrenzung, Klassifikation, Kennarten, biologische Werte, ökologische Ansprüche und Gefährdungen, sowie Kärtchen zur potentiellen und aktuellen Verbreitung. [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/klassifikation.html Die Webseite zu diesen Lebensraumtypen der Schweiz (TypoCH) macht Angaben zu dominanten Arten, Charakterarten und weniger strikt an den Lebensraum gebundene Arten].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wälder der Schweiz (Steiger, 2010): Dieses Buch kann als Standardwerk zum Thema Waldvegetation in der Schweiz bezeichnet werden. Die Waldstandorte und Waldgesellschaften der Schweiz werden umfassend und systematisch beschrieben und illustriert. Die Grundeinheiten sind hier die Waldgesellschaften (Assoziationen), welche in der Regel Untereinheiten der Lebensraumtypen nach Delarze beschreiben. Sie sind somit standörtlich, strukturell und floristisch enger und detaillierter gefasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Waldgesellschaften und Waldstandorte der Schweiz (Ellenberg und Klötzli, 1972): Das war die erste umfassende und systematische Beschreibung von Waldgesellschaften über die gesamte Schweiz. Die Nummerierung der 71 Einheiten wurde auch für spätere Waldbeschreibungen übernommen, allerdings mit vielen Zusätzen und feineren Unterteilungen. Keller et al. 1998 publizierten davon eine statistisch überarbeitete Fassung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gebirgsnadelwälder (Ott, 1997): Dieses Buch beschreibt umfassend die Standortstypen der Gebirgsnadelwälder als Grundlage für ihre waldbauliche Behandlung (Besonderheiten wie Verjüngung oder Stabilitätspflege). Es ist zum Thema Gebirgswälder deshalb ein wertvolles und praxisbezogenes Nachschlagewerk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einigen Kantonen existieren umfassende Beschreibungen der Waldstandorte sowie Waldstandortskartierungen, welche auf Waldgesellschaften basieren (vgl. [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Kantonale_vegetationskundliche_Waldkartierungen_und_Waldbeschreibungen Kap. «Kantonale vegetationskundliche Waldkartierungen und Waldbeschreibungen»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html Eine abschliessende Liste mit 121 Waldgesellschaften bildet die Referenz für das Bafu zur Förderung der Biodiversität im Wald]. Auf diese Waldgesellschaften beziehen sich z.B. die [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/rote-liste.html Rote Liste der Lebensräume der Schweiz] (Delarze et al., 2016) und die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html Liste der national prioritären Lebensräume]. Auch die [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/wald-holz/uv-umwelt-vollzug/praxishilfe_holznutzungundnaturschutzwaldbaulichemerkblaetter.pdf.download.pdf/praxishilfe_holznutzungundnaturschutzwaldbaulichemerkblaetter.pdf Merkblätter «Waldbaulichen Empfehlungen»] zum Einbezug von Naturschutzinteressen bei der Waldbewirtschaftung beziehen sich auf Waldgesellschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel wird je nach Thema sowohl auf die Lebensraumtypen (TypoCH) Delarze et al. (2015) als auch auf die genauer charakterisierten Waldgesellschaften (Assoziationen) Bezug genommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untenstehende Tabelle (bearbeiteter Auszug aus [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html Digitale Liste National prioritäre Lebensräume] zeigt, welche Lebensräume des Bereichs «Wald« nach unserer Einschätzung grundsätzlich einen Förderbedarf (ja/nein) aufweisen. Hergeleitet wurde diese Einschätzung aus den Angaben zu Nationaler Priorität, Gefährdungsstatus (Rote Liste), Verantwortung der Schweiz, Regenerationsdauer; sowie wenn [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html regionaler Handlungsbedarf besteht für Massnahmen gem. Tab. 14 oder Tab. 15] (vgl. genaue Kriterien in Legende unterhalb Tabelle). Im Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Erhalt_und_F.C3.B6rderung Erhalt und Förderung] wird darauf eingegangen, wie die einzelnen Lebensraumtypen gefördert werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Nr.&lt;br /&gt;
! Bezeichnung Lebensraumtyp&lt;br /&gt;
! Förderbedarf&lt;br /&gt;
! Prio&lt;br /&gt;
! RL&lt;br /&gt;
! Resp&lt;br /&gt;
! Reg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 5 p.p.&lt;br /&gt;
| Gebüsche (z.T.)&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 5.3.5&lt;br /&gt;
| Gebüschreiche Vorwaldgesellschaft ''Sambuco-Salicion''&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 5.3.6&lt;br /&gt;
| Auen-Weidengebüsch ''Salicion elaeagni''&lt;br /&gt;
| ja (1)&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 5.3.7&lt;br /&gt;
| Moor-Weidengebüsch ''Salicion cinereae''&lt;br /&gt;
| ja (2 MW)&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 5.3.9&lt;br /&gt;
| Grünerlengebüsch ''Alnenion viridis''&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 5.4.3&lt;br /&gt;
| Subalpine Kalkheide ''Ericion'' (nur Legföhrengebüsche)&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6&lt;br /&gt;
| Wälder&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.1&lt;br /&gt;
| Bruch- und Auenwälder&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.1.1&lt;br /&gt;
| Erlenbruchwald ''Alnion glutinosae''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 FW)&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.1.2&lt;br /&gt;
| Weichholz-Auenwald ''Salicion albae''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 FW)&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.1.3&lt;br /&gt;
| Grauerlen-Auenwald ''Alnion incanae''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 FW)&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.1.3.1&lt;br /&gt;
| Alpenweiden-Auenwald ''Salicetum pentandrae''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 FW)&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
| CR&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.1.4&lt;br /&gt;
| Hartholz-Auenwald ''Fraxinion''&lt;br /&gt;
| ja (2 FW)&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.2&lt;br /&gt;
| Buchenwälder&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.2.1&lt;br /&gt;
| Orchideen-Buchenwald ''Cephalanthero-Fagenion''&lt;br /&gt;
| ja (2 LW)&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.2.2&lt;br /&gt;
| Hainsimsen-Buchenwald ''Luzulo-Fagenion''&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| 6&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.2.3&lt;br /&gt;
| Waldmeister-Buchenwald ''Galio-Fagenion''&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.2.3.1&lt;br /&gt;
| Atlantischer Buchenwald ''Illici-Fagenion''&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.2.4&lt;br /&gt;
| Zahnwurz-Buchenwald ''Lonicero-Fagenion''&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.2.5&lt;br /&gt;
| Tannen-Buchenwald ''Abieti-Fagenion''&lt;br /&gt;
| Nein&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.3&lt;br /&gt;
| Andere Laubwälder&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.3.1&lt;br /&gt;
| Ahorn-Schluchtwald ''Lunario-Acerion''&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.3.2&lt;br /&gt;
| Linden-Mischwald ''Tilion platyphylli''&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.3.3&lt;br /&gt;
| Eichen-Hainbuchenwald ''Carpinion''&lt;br /&gt;
| ja (2 LW)&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.3.4&lt;br /&gt;
| Flaumeichenwald ''Quercion pubescenti-petraeae''&lt;br /&gt;
| ja (2 LW)&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| 6&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.3.5&lt;br /&gt;
| Hopfenbuchenwald ''Orno-Ostryon''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 LW)&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.3.6&lt;br /&gt;
| Saurer Eichenmischwald ''Quercion robori-petraeae''&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
| 6&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.3.7&lt;br /&gt;
| Kastanienwald&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
| 6&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.3.8&lt;br /&gt;
| Laubwald mit immergrünen Sträuchern&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.3.9&lt;br /&gt;
| Robinienwald ''Robinion''&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.4&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Föhrenwälder&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.4.1&lt;br /&gt;
| Pfeifengras-Föhrenwald ''Molinio-Pinion''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 LW)&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.4.2&lt;br /&gt;
| Kalkreicher Föhrenwald ''Erico-Pinion sylvestris''&lt;br /&gt;
| ja (2 LW)&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.4.2.1&lt;br /&gt;
| Geissklee-Föhrenwald ''Cytiso-Pinion''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 LW)&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
| CR&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.4.3&lt;br /&gt;
| Steppen-Föhrenwald ''Ononido-Pinion''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 LW)&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.4.4&lt;br /&gt;
| Kalkarmer Föhrenwald ''Dicrano-Pinion''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 LW)&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.5&lt;br /&gt;
| Hochmoorwälder&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.5.1&lt;br /&gt;
| Hochmoor-Birkenwald ''Betulion pubescentis''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 MW)&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.5.2&lt;br /&gt;
| Hochmoor-Bergföhrenwald ''Ledo-Pinion''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 MW)&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.5.3&lt;br /&gt;
| Hochmoor-Fichtenwald ''Sphagno-Piceetum''&lt;br /&gt;
| ja (2 MW)&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.6&lt;br /&gt;
| Gebirgs-Nadelwälder&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.6.1&lt;br /&gt;
| Tannen-Fichtenwald ''Abieti-Piceion''&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.6.2&lt;br /&gt;
| Heidelbeer-Fichtenwald ''Vaccinio-Piceion''&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| 0&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.6.3&lt;br /&gt;
| Lärchen-Arvenwald ''Larici-Pinetum cembrae''&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
| 6&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.6.4&lt;br /&gt;
| Lärchenwald&lt;br /&gt;
| ja (1)&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.6.5.1&lt;br /&gt;
| Kalkarmer Bergföhrenwald ''Vaccinio-Pinion uncinatae''&lt;br /&gt;
| ja (1)&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.6.5.2&lt;br /&gt;
| Kalkreicher Bergföhrenwald ''Erico-Pinion uncinatae''&lt;br /&gt;
| ja (2 LW)&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt; &lt;br /&gt;
Legende: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Nationale Priorität (Prio): 1: sehr hoch, 2: hoch, 3: mittel, 4: mässig, 0: keine Priorität &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Nationaler Gefährdungsstatus (RL): CR: vom Aussterben bedroht, EN: stark gefährdet, VU: verletzlich, NT: potenziell gefährdet, LC: nicht gefährdet &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Verantwortung der Schweiz für den Lebensraum im europäischen Kontext (RESP): 4: sehr hoch, 3: hoch, 2: mittel, 1: gering, 0: keine.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Regenerationsdauer (Reg): 2: 5-10 Jahre, 3: 10-25 Jahre, 4: 25-50 Jahre, 5: 50-200 Jahre, 6: &amp;gt; 200 Jahre &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Förderbedarf: &lt;br /&gt;
** ja (1), wenn Prio 1 oder 2, RL, EN oder CR, Resp 4 *&lt;br /&gt;
** ja (2LW), wenn [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html Regionaler Handlungsbedarf für Massnahme «Lichte Wälder wiederherstellen und pflegen» gem. Tab. 14]&lt;br /&gt;
** ja (2FW), wenn [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html Regionaler Handlungsbedarf für Massnahme «Feuchte Wälder erhalten und wiederherstellen» gemäss Tab. 15]&lt;br /&gt;
** ja (2MW), wenn Moorwaldgesellschaft &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bemerkung *: Waldgesellschaften, welche in der Schweiz zwar relativ häufig sind, aber für die eine sehr hohe Verantwortung im europäischen Kontext aufweisen (Resp 4), werden ebenfalls mit Förderbedarf ja eingestuft. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Artengruppen und Arten des Waldes ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = galerie2 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Alle Fledermäuse sind auf Wälder angewiesen. Von den Bockkäfern, Pilzen und Flechten kommt ein Grossteil im Wald vor. Abgebildet sind Rauhautfledermaus (''Pipistrellus nathusii''), Grosser Eichenbock (''Cerambyx cerdo''), Orangeroter Dachpilz (''Pluteus aurantiorugosus''), Echte Lungenflechte (''Lobaria pulmonaria'').&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgend wird auf wichtige Artengruppen eingegangen. Die Textlänge und der Detaillierungsgrad sind unterschiedlich und unter anderem von den zur Verfügung stehenden Informationen abhängig. Bei den Vögeln wird vertieft auf die Spechte und die seltenen Raufusshühner, bei den Pflanzen auf die Baumarten eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Artenzahlen im Lebensraum Wald'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Schweizer Wald bedeckt eine Fläche von 1,32 Mio. ha und damit fast einen Drittel der Landesfläche. Mit dieser Grösse und mit seiner fast unermesslichen Vielfalt an Standortsbedingungen, Strukturen und Kleinhabitaten ist er ein bedeutender Lebensraum für unzählige Organismen und somit ein Hort von höchster Bedeutung für die Biodiversität in der Schweiz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was eine «Waldart» ist, kann nicht immer eindeutig definiert werden. Wenn Organismen berücksichtigt werden, welche zumindest in einer Lebensphase auf den Lebensraum Wald angewiesen sind, kann davon ausgegangen werden, dass etwa 40 % aller bisher bekannten Pilz-, Pflanzen-, und Tierarten in der Schweiz einen relevanten Bezug zum Wald haben, nämlich über 25'000 Arten ([https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wald/publikationen-studien/publikationen/waldbericht-2015.html siehe Waldbericht 2015]). Der Anteil der Waldarten in den einzelnen Organismengruppen ist sehr unterschiedlich. Sehr hohe Anteile von über 75 % weisen Fledermäuse, Bockkäfer, Grosspilze, Flechten und Mollusken auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Organismengruppen de.png&lt;br /&gt;
| text = Anteil der Arten in der Schweiz, die in mindestens einem Entwicklungsstadium vom Wald abhängig sind oder die sich regelmässig im Wald aufhalten. (n = Anzahl beurteilte Arten, Flechten = Baum- und erdbewohnende Flechten). Quelle: Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen (Bafu, 2015)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso gross und vielfältig wie das Angebot an Standortsbedingungen, Habitaten und ökologischen Nischen sind die unterschiedlichen Ansprüche der Waldorganismen an den Lebensraum Wald. Neben Generalisten ohne spezielle Bedürfnisse sind es in ihrer Mehrheit Organismen, welche für ihre Existenz auf ganz spezifische Habitatbedingungen angewiesen sind. Solche Ansprüche können sich auf die Bestandesstruktur als Ganzes oder auf einzelne Mikrohabitate beziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angaben zu den National prioritären Arten und den Roten Listen sind im [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Grundlagen Grundlagenkapitel] enthalten. [https://www.infospecies.ch/de/daten/beziehen.html Info Species] bietet das Abfragen von Daten für verschiedene Artengruppen als wichtige Grundlage für die Planung von Massnahmen im Wald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Pilze===&lt;br /&gt;
Der Lebensraum Wald beherbergt fast dreiviertel aller Grosspilzarten. Besonders reich an Pilzen sind natürliche Laubmischwaldgesellschaften. Neben symbiontischen Mykorrhiza-Pilzen, welche oft auf spezifische Wirtsbaumarten angewiesen sind, weisen vor allem Waldbestände mit viel Totholz in unterschiedlichem Verrottungsstadium eine hohe Diversität an Streu- und holzabbauenden Pilzarten auf.&lt;br /&gt;
Das Thema Pilze im Lebensraum Wald, ihr Schutz und ihre Förderung wird in einem [http://www.biodivers.ch/de/index.php/Pilze-Wald separaten Artikel] ausführlich behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen siehe bei [https://swissfungi.wsl.ch/de/index.html SwissFungi].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Flechten===&lt;br /&gt;
Flechten sind im Lebensraum Wald weit verbreitet und besiedeln dort mit allen Wuchsformen auch alle Substrate von der Borke der Gehölze über Totholz, Erdboden bis zur Fels- und Steinoberfläche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erdbodenflechten sind auf unseren Waldböden meist wenig vertreten Eine Ausnahme bilden standörtlich extremere Ausbildungen von Wald- und Bergföhrenwäldern und Lärchen-Arvenwäldern, wo Bodenflechten (v.a. Strauchflechten der Gattung ''Cladonia'') aspektbildend auftreten können. Von besonderer Bedeutung sind die baumbewohnenden Flechten, welche vor allem in alten, wenig genutzten und gestörten Wäldern auf der Borke von alten oft mächtigen Bäumen wachsen. Die einzelnen Arten sind aufgrund ihrer Ansprüche genaue und feine Zeiger der Luftfeuchtigkeit, Luftqualität sowie der chemischen und strukturellen Beschaffenheit der Borke ihres Wuchsortes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bekanntere Beispiele von eindrücklichen Baumflechten sind etwa die Echte Lungenflechte (''Lobaria pulmonaria''), welche hauptsächlich in ungestörten Bergwäldern an den Stämmen alter Buchen oder Bergahornen wächst. Oder die spektakuläre Engelshaarflechte (''Usnea longissima''), welche mit bis zu einem Meter langen Girlanden nur an ganz wenigen Orten an alten Fichten in luftfeuchten Gebirgswäldern zu finden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als zweckmässige Schutz- und Förderungsmassnahmen bieten sich die Ausscheidung von Reservatsflächen bzw. Erhalt und Ausscheidung von Biotopbäumen und Altholzinseln an (vgl. Kap. [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung_und_Sicherung_von_Waldreservaten «Ausscheidung und Sicherung von Waldreservaten»] &amp;amp; [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung_und_Sicherung_von_Altholzinseln.2C_Habitatb.C3.A4umen_und_Totholz «Ausscheidung und Sicherung von Altholzinseln, Habitatbäumen und Totholz»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Thema Flechten im Lebensraum Wald mit ihrer Ökologie, ihrem Schutz und ihrer Förderung wird in einem [http://www.biodivers.ch/de/index.php/Flechten separaten Artikel] ausführlich behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [https://swisslichens.wsl.ch/de/index.html Webseite «SwissLichens»] bietet umfassende Informationen zum Thema Flechten, insbesondere auch Verbreitungskarten und Hinweise zu Gefährdungen und Artenförderung für Schweizer Flechten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/land/genetics/swisrote-de.ehtml Rote Liste der Flechten der Schweiz (2002)] &lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/schutz-stark-gefaehrdeter-flechten.html Schutz stark gefährdeter Flechte der Schweiz (1996)]&lt;br /&gt;
* [https://www.dora.lib4ri.ch/wsl/islandora/object/wsl%3A5203/datastream/PDF/Scheidegger-2015-Bedeutung_alter_W%C3%A4lder_f%C3%BCr_Flechten-%28published_version%29.pdf Bedeutung alter Wälder für Flechten: Schlüsselstrukturen, Vernetzung, ökologische Kontinuität (2015)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Moose===&lt;br /&gt;
Der Wald ist ein sehr wichtiger Lebensraum für Moose, etwa 40 % aller Moosarten der Schweiz kommen im Wald vor. Verschiedenste Arten besiedeln alle Substrate und Kleinhabitate eines Waldes. Sie wachsen auf dem Waldboden und epiphytisch auf Stämmen und Ästen der Bäume, auf Totholz, sowie in Wäldern mit Felspartien und Schutthalden. Viele Moose haben sehr enge ökologische Ansprüche an ihr Habitat. Neben einem spezifischen Substrat (Borke, Boden, Totholz oder Stein) gilt dies besonders für mikroklimatische oder edaphische Aspekte wie Feuchtigkeit, pH, Nährstoffangebot, Körnung des Bodens oder Gesteinsart. Nadelholz und Laubholz wird sowohl im lebenden Zustand als auch als Totholz oft von verschiedenen Moosarten besiedelt. Deshalb variiert der Moosreichtum bzgl. Artenvielfalt und Deckungsgrad auch sehr stark zwischen den Waldgesellschaften mit ihren unterschiedlichen Standortbedingungen. Laubwälder mit mittleren Standortbedingungen weisen vor allem am Boden oft wenig Moosvegetation auf, insbesondere wenn die Laubstreu nur langsam abgebaut wird. Wälder mit hoher Luftfeuchtigkeit beherbergen besonders viele Epiphyten, darunter auch sehr seltene Arten. Andere Moose wiederum ertragen hohe Trockenheit, benötigen dafür viel Licht und Wärme oder sind auf offene Rohböden angewiesen. Wie auch für Flechten oder viele spezialisierte Tiergruppen sind alte, wenig gestörte oder ungenutzte strukturreiche Wälder mit viel stehendem und liegendem Totholz auch für Moose besonders wertvolle Habitate.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Förderung und der Schutz von Moosen und Moosvegetation muss somit unterschiedliche Strategien verfolgen. Einerseits braucht es eine weitere Förderung des Totholzangebotes, den Erhalt von grossen alten Bäumen als Biotopbäume in genügender Dichte und die vermehrte Ausscheidung von Altholzinseln und Naturwaldreservaten (vgl. Kap. [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung_und_Sicherung_von_Waldreservaten «Ausscheidung und Sicherung von Waldreservaten»] &amp;amp; [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung_und_Sicherung_von_Altholzinseln.2C_Habitatb.C3.A4umen_und_Totholz «Ausscheidung und Sicherung von ökologischen Ergänzungsflächen»]).&lt;br /&gt;
Andererseits sind lichte Wälder mit offenen Bodenstellen zu fördern oder wieder einzurichten (vgl. Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung.2C_Sicherung_und_Pflege_von_besonderen_Bestandesstrukturen «Ausscheidung, Sicherung und Pflege von besonderen Bestandesstrukturen»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Thema Moose (Ökologie, Lebensraum Wald, Schutz und Förderung) wird in einem separaten Artikel ausführlich behandelt:&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Moose Artikel Moose]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Moose#Wald_und_Baumbest.C3.A4nde_2 Massnahmen zur Förderung von Moosen im Wald]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [https://www.swissbryophytes.ch/index.php/de/ Webseite «Swissbryophytes»] bietet umfassende Informationen zum Thema Moose, insbesondere auch Beschreibungen, Bilder, Verbreitungskarten und Hinweise zum Schutz für alle Moosarten der Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angaben zu typischen Moosarten in den einzelnen Waldtypen und Waldgesellschaften finden sich in Delarze et.al. (2015) in den kantonalen Waldstandortsbeschreibungen (vgl. Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Kantonale_vegetationskundliche_Waldkartierungen_und_Waldbeschreibungen «Kantonale vegetationskundliche Waldkartierungen und Waldbeschreibungen»]) und in der Literatur zur Wald-Pflanzensoziologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uv-umwelt-vollzug/rote_liste_der_gefaehrdetenartenderschweizmooseausgabe2004.pdf.download.pdf Rote Liste der Moose der Schweiz (2004)] &lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/artenschutz-konzept-fuer-die-moose-der-schweiz.html Artenschutzkonzept für die Moose der Schweiz (1996)]&lt;br /&gt;
* Ricek, Waldbodenmoose (1994) &amp;lt;!-- Quelle nicht gefunden (AZBG_28 (1994)_RICEK_Waldbodenmoose .pdf)--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Höhere Pflanzen/Gefässpflanzen===&lt;br /&gt;
Rund 500 Arten wachsen schwerpunktmässig oder zumindest regelmässig im Wald. Vor allem in lichten und offeneren Wälder gesellen sich dazu noch Arten aus lichten Gebüschen, Säumen und der offenen Landschaft. Waldarten besiedeln in den Waldgesellschaften ein ungemein breites Spektrum von Standorten von nass bis trocken, sauer bis basisch oder schattig bis hell usw. Besonders artenreich sind offene lichte Wälder, insbesondere wenn sie noch mit Trockenstandorten, Wiesen oder Mooren verzahnt sind oder extensiv beweidet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Mehrheit von 75 % aller Waldarten gelten als ungefährdet (RL-Status LC), rund 13 %, d.h. 62 Arten als gefährdet ((RL-Status VU, EN oder CR). Ein Teil dieser Arten hat naturgemäss nur kleine Vorkommen mit beschränkten Populationen in der Schweiz, eine andere wichtige gefährdete Gruppe sind lichtliebende Arten, welche vom Rückgang bzw. der Verdunkelung der lichten Wälder betroffen sind. Vier Waldarten (Flachschotige Rauhaar-Gänsekresse (''Arabis nemorensis''), Niedrige Birke (''Betula humilis''), Virginische Mondraute (''Botrychium virginianum'') und Wilde Rebe (''Vitis sylvestris'')) sind vom Aussterben bedroht (CR) und das Winterlieb (''Chimaphila umbellata'') ist mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Schweiz ausgestorben. Diese Arten haben nur ganz wenige Vorkommen mit sehr kleinen Populationen in der Schweiz und sie weisen sehr enge ökologische Ansprüche auf. Schon geringe Veränderungen oder Störungen im Lebensraum durch forstliche Nutzungen oder natürliche Sukzessionsvorgänge können sie zum definitiven Verschwinden bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-gefaesspflanzen.html Rote Liste der Gefässpflanzen (2016)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schutz- und Fördermassnahmen:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da im [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Erhalt_und_F.C3.B6rderung Kapitel «Erhalt und Förderung»] nicht weiter auf spezifische Schutz- und Fördermassnahmen von Pflanzenarten eingegangen wird, soll dies hier kurz zusammengefasst werden. Die Bedeutung und Förderung von lichten Wäldern und Übergängen ins Offenland auch zugunsten vieler gefährdeter Pflanzenarten wird hingegen sowohl noch weiter unten in diesem Kapitel als auch im [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Erhalt_und_F.C3.B6rderung Kap. «Erhalt und Förderung»] thematisiert. Die folgenden Empfehlungen sind - mit kleinen Änderungen – aus der  [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-gefaesspflanzen.html Roten Liste der Gefässpflanzen von 2016 (S. 69)] übernommen:&lt;br /&gt;
* Als Instrument für die Förderung der Gefässpflanzen in Wäldern sind neben den lebensraumspezifischen Zielarten auch Leitarten für verschiedene Zielzustände zu definieren.&lt;br /&gt;
* Die sehr zerstreut vorkommenden Populationen der seltensten und gefährdeten Waldarten und ihre spezifischen Lebensraumansprüche sind den Akteuren in der Waldnutzung und -pflege bekannt zu machen.&lt;br /&gt;
* Das relativ junge Instrument der Waldzielarten (Imesch et al. 2015) sollte auf allen Ebenen der Planung und deren Umsetzung gefördert werden, bis es standardmässiger Teil der Pflege- und Nutzungspraxis ist.&lt;br /&gt;
* Die Wuchsorte der Waldzielarten, die oft nur wenige Quadratmeter umfassen, sind gemäss den Ansprüchen der jeweiligen Zielarten zu nutzen und zu pflegen.&lt;br /&gt;
* Lichte Wälder sind zu fördern. Viele lichtliebende Waldarten sind auf Auflichtungen, Schlagflächen oder regelmässige Waldweide angewiesen. Dies gilt insbesondere für Waldarten in warmen, sonnigen Lagen oder in Moorwäldern, bzw. in der Umgebung von Mooren.&lt;br /&gt;
* Für Waldflächen mit gefährdeten Arten ist ein Verbund mit umliegenden, für die Biodiversität wertvollen Flächen zu prüfen und, falls geeignet, einzurichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-gefaesspflanzen.html Rote Liste der Gefässpflanzen (S. 69)]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/merkblaetter-artenschutz.html Merkblätter Artenschutz Blütenpflanzen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Baumarten===&lt;br /&gt;
Die Baumarten bilden die charakteristische und prägende Gruppe der Gefässpflanzen des Waldes. Auf sie wird deshalb etwas ausführlicher eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schweizer Wald kommen rund 40 einheimische Laubbaum- und sieben einheimische Nadelbaumarten vor. Sie werden aufgrund ihrer Häufigkeit und forstwirtschaftlichen Bedeutung im Landesforstinventar in Hauptbaumarten und übrige Baumarten eingeteilt. Zu den Hauptbaumarten werden die Nadelbäume Fichte (Rottanne), Tanne (Weisstanne), Föhre (Waldföhre und Bergföhre), Lärche und Arve, sowie die Laubbäume Buche, Ahorn (Bergahorn), Esche (Gemeine Esche), Eiche (Traubeneiche und Stieleiche) und Kastanie gezählt. Alle anderen Baumarten zählt man zu den übrigen Nadelbäumen bzw. übrigen Laubbäumen. Darunter fallen auch die meisten ökologisch besonders wertvollen Baumarten. Auf seltene und ökologisch wertvolle Baumarten wird im [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Seltene_Geh.C3.B6lze_und_.C3.B6kologische_wertvolle_Baumarten Kap. «Seltene Gehölze und ökologisch wertvolle Baumarten»] weiter eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darstellungen zur natürlichen Verbreitung der Baumarten und Waldgesellschaften, sowie deren Standortsansprüchen in Form von Höhenstufenprofilen und Ökogrammen finden sich im [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#H.C3.B6henstufen.2C_Waldstandorte_und_Pflanzensoziologie Kap. «Höhenstufen, Waldstandorte und Pflanzensoziologie»] und ausführlich in Steiger (2010) oder Delarze et al. (2015). Die folgenden Daten zum Zustand und der Dynamik der Bäume im Schweizerwald stammen aus den Erhebungen des Landesforstinventars LFI, welches in den letzten rund 40 Jahren bereits vier Mal landesweit erhoben wurde (Informationen zum LFI siehe im [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Zahlen_zum_Wald:_Forststatistik_und_Landesforstinventar_LFI Kap. «Zahlen zum Wald»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem Fichte und Buche können von Natur aus Reinbestände bilden. Durch den seit langem andauernden menschlichen Einfluss sind aber Mischbestände mit mehreren Baumarten weiter verbreitet als dies im Naturwald der Fall wäre und diese Tendenz zur Baumartenvielfalt findet auch aktuell immer noch statt. Gemäss den Resultaten im LFI4 sind 17 % Reinbestände (mit einer Baumart), 48 % weisen 2 oder 3 und 34 % mehr als 3 Baumarten auf ([https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wald/fachinformationen/waldzustand-und-waldfunktionen/waldbeobachtung/lfi-2020.html Brändli et al., 2020, S.191]). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein knapper Einblick in die Forstgeschichte und den menschlichen Einfluss auf die Wälder findet sich im [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Kurzer_Abriss_zur_Wald-_und_Forstgeschichte Kap. «Kurzer Abriss zur Wald- und Forstgeschichte»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Holzvorrat und Stammzahlen der Hauptbaumarten in der Schweiz (LFI4-Erhebung 2009-2017)''': &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! &lt;br /&gt;
! Vorrat&lt;br /&gt;
! &lt;br /&gt;
! &lt;br /&gt;
! &lt;br /&gt;
! Stammzahlen&lt;br /&gt;
! &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Hauptbaumart&lt;br /&gt;
| 1 000 m3&lt;br /&gt;
| m3/ ha&lt;br /&gt;
| %-Anteil&lt;br /&gt;
| Trend in %&lt;br /&gt;
| Stk./ ha&lt;br /&gt;
| Trend in %&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Fichte&lt;br /&gt;
| 181 244&lt;br /&gt;
| 150,8&lt;br /&gt;
| 43,1&lt;br /&gt;
| 0,6&lt;br /&gt;
| 153&lt;br /&gt;
| –3,1&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tanne&lt;br /&gt;
| 63 662&lt;br /&gt;
| 53,0&lt;br /&gt;
| 15,1&lt;br /&gt;
| 5,1&lt;br /&gt;
| 44&lt;br /&gt;
| 2,5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Föhre&lt;br /&gt;
| 11 781&lt;br /&gt;
| 9,8&lt;br /&gt;
| 2,8&lt;br /&gt;
| –7,7&lt;br /&gt;
| 14&lt;br /&gt;
| –7,9&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lärche&lt;br /&gt;
| 25 285&lt;br /&gt;
| 21,0&lt;br /&gt;
| 6,0&lt;br /&gt;
| 9,2&lt;br /&gt;
| 23&lt;br /&gt;
| 3,4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Arve&lt;br /&gt;
| 2 856&lt;br /&gt;
| 2,4&lt;br /&gt;
| 0,7&lt;br /&gt;
| 8,9&lt;br /&gt;
| 5&lt;br /&gt;
| 9,3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| übrige Nadelhölzer&lt;br /&gt;
| 1 702&lt;br /&gt;
| 1,4&lt;br /&gt;
| 0,4&lt;br /&gt;
| 17,7&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
| 5,8&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Total Nadelholz&lt;br /&gt;
| 286 530&lt;br /&gt;
| 238,3&lt;br /&gt;
| 68,1&lt;br /&gt;
| 2,1&lt;br /&gt;
| 241&lt;br /&gt;
| –1,5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Buche&lt;br /&gt;
| 76 300&lt;br /&gt;
| 63,5&lt;br /&gt;
| 18,1&lt;br /&gt;
| 3,6&lt;br /&gt;
| 74&lt;br /&gt;
| –2,6&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ahorn&lt;br /&gt;
| 12 730&lt;br /&gt;
| 10,6&lt;br /&gt;
| 3,0&lt;br /&gt;
| 12,8&lt;br /&gt;
| 23&lt;br /&gt;
| 9,5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Esche&lt;br /&gt;
| 15 927&lt;br /&gt;
| 13,2&lt;br /&gt;
| 3,8&lt;br /&gt;
| 6,1&lt;br /&gt;
| 18&lt;br /&gt;
| –1,7&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Eiche&lt;br /&gt;
| 8 505&lt;br /&gt;
| 7,1&lt;br /&gt;
| 2,0&lt;br /&gt;
| –2,4&lt;br /&gt;
| 8&lt;br /&gt;
| –7,6&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kastanie&lt;br /&gt;
| 5 559&lt;br /&gt;
| 4,6&lt;br /&gt;
| 1,3&lt;br /&gt;
| 7,2&lt;br /&gt;
| 9&lt;br /&gt;
| –6,0&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| übrige Laubhölzer&lt;br /&gt;
| 15 360&lt;br /&gt;
| 12,8&lt;br /&gt;
| 3,6&lt;br /&gt;
| 6,9&lt;br /&gt;
| 41&lt;br /&gt;
| –0,1&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Total Laubholz&lt;br /&gt;
| 134 382&lt;br /&gt;
| 111,8&lt;br /&gt;
| 31,9&lt;br /&gt;
| 4,8&lt;br /&gt;
| 173&lt;br /&gt;
| –0,9&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Total&lt;br /&gt;
| 420 912&lt;br /&gt;
| 350,1&lt;br /&gt;
| 100&lt;br /&gt;
| 2,9&lt;br /&gt;
| 413&lt;br /&gt;
| –1,3&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt; Quelle: Brändli et al., 2020. LFI4. - Auszug aus Tab. 58, 59, 62, 65, 66 &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Trend: Veränderungen Vorrat bzw. Stammzahl in % im Vergleich zu LFI3 (Erhebungen 2004-2006) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auswertungseinheit: zugänglicher Wald ohne Gebüschwald &amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Resultate aus dem LFI4 zeigen einige auch waldökologisch bemerkenswerte Trends bei der Entwicklung der Bestände verschiedener Baumarten: Die drei häufigsten Baumarten sind Fichte, Weisstanne und Buche. Das Laubholz hat insgesamt stärker zugenommen, allerdings gibt es grosse regionale Unterschiede (vgl. dazu Brändli et al., 2020: Kap. 2.3). Die Stammzahlen der '''Fichte''' sind seit 30 Jahren rückläufig, während der Fichten-Vorrat im Schweizer Durchschnitt etwa konstant blieb. Im Mittelland hat der Vorrat der Fichte seit LFI2 (1993-1995) um 33% abgenommen (in der Tabelle nicht dargestellt). Die im Mittelland meist standortfremde Baumart wurde aus wirtschaftlichen Gründen lange stark gefördert, ist nun aber wegen massiver Sturmschäden (z. B. Lothar 1999), ihrer Anfälligkeit auf klimawandelbedingtem Trockenstress und durch Käferkalamitäten deutlich im Rückgang begriffen. Auffällig ist der Rückgang der '''Föhre'''. Sie hatte als Pionier- und Lichtbaumart über Jahrhunderte von der Übernutzung der Wälder mit ihren entsprechend offenen Beständen profitiert. Bei den heutigen Waldverhältnissen mit dichten wüchsigen Beständen kann sie sich nicht mehr genügend verjüngen und wird weniger waldbaulich gefördert. Auch die ökologisch besonders wertvollen '''Eichen''' unterliegen aus ähnlichen Gründen eher einem negativen Trend. Vor allem die Stammzahlen sind im Rückgang. Seit LFI1 (1982-1986) hat der Holzvorrat aber um 17 % zugenommen (in der Tabelle nicht dargestellt). Dies bedeutet also einen Trend zu weniger und dafür dickeren Eichen. Insgesamt ist beim Vorrat eine leichte Tendenz zu mehr standortsgemässem Laubholz erkennbar, während bei einigen Laubbaumarten die Stammzahlen etwas rückgängig sind, was auf eine reduzierte Verjüngung schliessen lässt. Die zukünftige Entwicklung lässt sich nicht im Detail voraussagen. Die [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Klimawandel Auswirkungen des Klimawandels], sowie bereits bekannter und neu auftretender Baumschädlinge und -krankheiten werden die Baumartenzusammensetzung sicher stark beeinflussen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Standortgerecht - standortgemäss''' &amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Begriff «standortgemäss» wird im forstlichen und naturschutzfachlichen Umfeld viel verwendet und hat auch in die Gesetzgebung Einzug gefunden (z.B. im [https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1988/506_506_506/de eidg. Jagdgesetz JSG] oder im [https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1966/1637_1694_1679/de Natur- und Heimatschutzgesetz NHG]. Eine klare Definition ist aber weder in der Fachliteratur noch in Glossaren zu finden.&lt;br /&gt;
Der Begriff «standortgemäss» in Bezug auf Baumarten und Baumartenwahl und verwandte Begriffe können folgendermassen umschrieben werden:&lt;br /&gt;
* '''standortgemäss''':	Baumart, deren Ansprüche den Standortsbedingungen entsprechen und von Natur aus im Gebiet ausdauernd vorkommt&lt;br /&gt;
* '''standortgerecht''': Baumart nicht standortgemäss, aber unter den herrschenden Bedingungen ausdauernd&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im forstlichen Umfeld werden auch folgende, z.T. analogen Begriffe verwendet:&lt;br /&gt;
* '''standortheimisch''': Baumart, die von Natur aus auf einem Standort vorkommt&lt;br /&gt;
* '''standortfremd''': Baumart, die von Natur aus nicht auf einem Standort wächst&lt;br /&gt;
* '''standorttauglich''': Standortheimische oder standortfremde Baumart, die bis zu einem gewissen Bestockungsanteil auf einem Standort gedeiht, ohne diesen zu schädigen&lt;br /&gt;
* '''Gastbaumart''': Standortfremde, aber standorttaugliche Baumart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel: Die Fichte ist im Gebirgswald eine standortheimische und standorttaugliche Baumart, in den Wäldern des Mittellandes hingegen eine standortfremde und mehr oder weniger standorttaugliche Gastbaumart.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mittelland beherrscht die Buche weitgehend die mittleren Standorte. Mit zunehmend extremer Ausprägung eines oder mehrerer Standortsfaktoren verliert die Buche an Konkurrenzkraft und muss den Bestandesaufbau mit anderen Baumarten teilen. Besonders bei trockenen oder feucht-nassen Bodenbedingungen bilden andere Baumarten gemischte oder reine Bestände. Dies wird in einem Ökogramm, hier am Beispiel für die submontane Stufe, welche einen grossen Teil des Mittellandes einnimmt, anschaulich dargestellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = oekogramm de 400dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Ökogramm der Baumarten (aus Ellenberg, 1996)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = buche de 600dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Neben natürlichen Standortsfaktoren beeinflussen auch kulturelle Einflüsse wie die traditionelle Waldbewirtschaftung die Buchenverbreitung und ihre Ablösung durch andere Baumarten. Quelle: Wälder der Schweiz (Steiger, 2010)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der hochalpinen und subalpinen Stufe beherrscht die Fichte die mittleren Standorte. Auch sie wird durch besondere Standortsfaktoren von anderen Baumarten abgelöst. Die oft landschaftsprägenden Lärchenwälder in den inneralpinen Tälern sind kulturell bedingt. Wegen der Jahrhunderte langen Waldbeweidung hat hier die Lärche die standortsgemässe Fichte weitgehend abgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = fichte de 600dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Ökologische Grenzen der Fichtenverbreitung in der Schweiz. Quelle: Wälder der Schweiz (Steiger, 2010)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Tiere des Waldes===&lt;br /&gt;
Tierarten nutzen in der Regel nicht den gesamten Lebensraum Wald, sondern nur bestimmte grössere oder kleinere Teile davon. Je nach Artengruppe können für ihre Existenz die Bestandesstruktur (lückig, dicht, Stufung, Baumalter, Totholzangebot usw.), Kleinhabitate, die Ausbildung der Strauch- und Bodenvegetation, das Bestandesklima (sonnig, schattig, trocken, feucht, warm, kühl usw.), die Bodeneigenschaften (Humusform, pH, Feuchtigkeit), das Nahrungsangebot (Bodenvegetation, Früchte und Samen usw.) oder andere Kriterien von entscheidender Bedeutung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte strukturreiche Waldbestände weisen in der Regel eine besonders hohe Vielfalt an seltenen und oft gefährdeten Tierarten auf (vgl. [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#.C3.96kologisch_wertvolle_Strukturen:_Altholz.2C_Biotopb.C3.A4ume.2C_Totholz Kap. «Ökologisch wertvolle Strukturen»] und [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#.C3.96kologisch_wertvolle_Strukturen:_Altholz.2C_Biotopb.C3.A4ume.2C_Totholz «Ausscheidung und Sicherung von Waldreservaten»]. Andere Arten wiederum sind auf offene Waldstrukturen angewiesen, welche durch natürliche Bedingungen in einer Waldgesellschaft, oft aber auch durch stärkere forstliche Eingriffe oder menschliche Mischnutzungen wie z. B. Beweidung bedingt sein können. Solche Wälder und Habitate werden oft als «lichte Wälder» bezeichnet (vgl. [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#.C3.96kologisch_wertvolle_Strukturen:_Altholz.2C_Biotopb.C3.A4ume.2C_Totholz Kap. «Ökologisch wertvolle Strukturen: Totholz, Biotopbäume, Lichte Wälder»] und  Kap. [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung.2C_Sicherung_und_Pflege_von_besonderen_Bestandesstrukturen «Ausscheidung, Sicherung und Pflege von besonderen Bestandesstrukturen»]). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Standortbedingungen, respektive die Waldgesellschaft, geben einen Hinweis auf die zu erwartende Waldfauna. Zusätzlich beeinflusst das Vorhandensein oder Fehlen bestimmter Strukturen (z.B. stehendes, besonntes Totholz) das Vorkommen der Fauna. So finden Arten dieselben benötigten Habitate zum Teil in verschiedenen Waldgesellschaften oder nutzen unterschiedliche Teilhabitate von mehreren Waldgesellschaften. Die Strukturen eines Waldes sind oft auch durch Nutzungseingriffe (z.B. Stichwort fehlende Biotopbäume) oder ein Störungsereignis geprägt oder die Baumarten in einem Wirtschaftswald entsprechen nicht dem natürlichen Waldstandort (Stichwort Fichten statt Buchen). Für die Existenz vieler Tierarten sind auch Mosaike mit Wald und offener Landschaft ausschlaggebend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vielen Fällen ist es zweckmässig, sich beim praxisorientierten Naturschutz im Wald primär nach vegetationskundlichen Kriterien (Waldgesellschaften) vorzugehen und dann je nach Tiergruppe die strukturellen Merkmale mehr oder weniger stark mit einzubeziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden wird auf einige besonders wichtige und charakteristische Tiergruppen etwas ausführlicher eingegangen. Dort finden sich dann auch Hinweise und Links zu weiteren Informationen dieser Gruppen.&lt;br /&gt;
Hinweise auf umfassendere praxisorientierte Literatur und Links zum Thema Waldfauna, Biotop- und Naturschutz im Wald:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* Scherzinger, 1996: Naturschutz im Wald.&lt;br /&gt;
* Arbeitskreis forstliche Landschaftspflege, 1986: Biotop-Pflege im Wald.&lt;br /&gt;
* [https://d-nb.info/930331621/04 BLAB, 1993: Grundlagen des Biotopschutzes für Tiere].&lt;br /&gt;
* [https://www.ngzh.ch/archiv/1990_135/135_2/135_14.pdf Eiberle, 1990: Die Bedeutung des Waldes für die Tierwelt].&lt;br /&gt;
* [https://www.vogelwarte.ch/de/projekte/publikationen?publicationId=447 Hahn et al. 2005: Holznutzung und Naturschutz. Praxishilfe mit waldbaulichen Merkblättern.]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/publikationen/insekten-im-wald-vielfalt-funktionen-und-bedeutung.html Wermelinger, 2017: Insekten im Wald].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Xylobionte Insekten, insb. Käfer (''Coleoptera'')''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine besonders charakteristische ökologische Tiergruppe des Lebensraumes Wald sind Xylobionten (&amp;quot;Holzbewohner&amp;quot;). Es handelt sich dabei um Organismen, welche sich vollständig oder teilweise von Holz ernähren und mindestens einen Teil ihres Lebens im Holz verbringen. Neben holzabbauenden Pilzen sind dies vor allem Insekten, insbesondere Käfer, welche vornehmlich das Larvenstadium im Holz verbringen. In einem alten, forstlich nicht genutzten Eichenwald wurden zum Beispiel 25 Käferfamilien gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders häufig und am ehesten bekannt sind Vertreter der Bockkäfer (''Cerambycidae''), der Schröter (''Lucanidae''), der Prachtkäfer (''Buprestidae'') und der Rosenkäfer (''Cetoniinae''). Dazu gehören die grössten einheimischen Käferarten wie der Hirschkäfer (''Lucanus cervus'') oder der Grosse Eichenbock (''Cerambyx cerdo''), sowie auffällig attraktive Arten wie der Alpenbock (''Rosalia alpina'') oder der Goldglänzende Rosenkäfer (''Cetonia aurata''). Die Käferlarven ernähren sich je nach Art von lebendem bzw. absterbendem Holz, frischem bzw. morschem Totholz oder weitgehend zu Mulm zersetztem Totholz. Ob feuchtes oder trockenes, stehendes oder liegendes Totholz genutzt wird, ist oft auch artspezifisch bestimmt. Zahlreiche Arten sind mono- oder oligophag, d.h. sie ernähren sich nur von einer oder wenigen Baumarten, besonders beliebt ist dabei das Eichenholz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Völlig anders als ihre Larven ernähren sich die Adulten vor allem von Pollen, Blättern oder Säften. Auch hier sind sowohl die Form der Nahrung, als auch die genutzten Pflanzenarten artspezifisch festgelegt.&lt;br /&gt;
Insgesamt bevorzugen die Adulten also eher offene Strukturen, in welchen ihre Nahrungspflanzen bevorzugt vorkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* Holzbewohnende Käfer | waldwissen.net &amp;lt;!-- _2007 &amp;gt;&amp;gt;.webloc &amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Quelle nicht gefunden &amp;lt;/span&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://portal-cdn.scnat.ch/asset/e13fb857-918c-59f1-b053-dcaabef017d8/Graf_Xylobiontes-EH11_89-103?b=f35fa1bc-e2a6-578c-a234-ed8c38a891e0&amp;amp;v=7118e300-6f0c-5ae5-aeb2-e76133a0171c_0&amp;amp;s=ngCn6cTdMbUqBuI-3VMXhG9C72Oq7KpjdktpZRJPnMWCySoYlGpSW6B7mFfN8KiDsUQdvNjczOsPFpcJEfEWdHRN1EFFN9evlmQkbjLyeqc3keL7sx_ggR_3j6AKCSltlzFj2Z0vmECp8BmlZFKbHIPfWXU9XKUSl41EpzVS5vU Graf et al., 2018: Xylobionte Käfer im Naturwaldreservat Lopper, Stansstad (NW) und in dessen Umgebung].&lt;br /&gt;
* [https://www.dora.lib4ri.ch/wsl/islandora/object/wsl%3A19571/datastream/PDF/Wild-2019-Die_K%C3%A4ferfauna_der_Kastanienselven_des-%28published_version%29.pdf Wild et al., 2019: Die Käferfauna der Kastanienselven des Mont Grand: wertvolle Vielfalt dank uralten Bäumen].&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/assets/wald/tiere/insekten_wirbellose/wsl_holzbewohnende_kaefer/download/wsl_holzbewohnende_kaefer_originalartikel.pdf.pdf Caminada et al., 2011: Nicht nur Totholz zählt].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Tagfalter''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tagfalter sind generell sonnenliebende Wesen. Es gibt nur sehr wenige Arten, die vollständig oder weitgehend an den geschlossenen Wald gebunden sind. Die meisten sogenannten Waldschmetterlinge leben in lichten und oft besonnten Teillebensräumen des Waldes. Dazu gehören der Übergang von Wald zu Offenland, natürlich lichte Waldbestände, Waldlichtungen, Windwurflücken, Waldwege, innere Waldränder, sowie der obere Kronenbereich der Waldbäume. Zum Teil leben die Raupen in andern Teilbiotopen als ihre Adulten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend für das Vorkommen vieler Arten sind einerseits die Bestandesstrukturen und das Angebot an Kleinhabitaten, andererseits das Vorkommen von wichtigen Nahrungspflanzen insbesondere auch von gewissen Gehölzarten. Für viele Arten von besonderer Bedeutung sind lichtliebende Pioniergehölze (sog. Weichhölzer) wie Salweide (''Salix caprea''), Zitterpappel (''Populus tremula''), Schwarzpappel (''Populus nigra'') oder Birke (''Betula sp.'') oder Straucharten wie der Schwarzdorn (''Prunus spinosa''), Traubenkirsche (''Prunus padus'') oder Kreuzdorn (''Rhamnus cathartica''). Sie dienen nicht nur als Futterquellen für bestimmte Raupen, sondern auch als Nektarspender für adulte Tiere. Auch die Blätter der einheimischen Eichenarten (''Quercus robur, petraea, pubescens'' und ''cerris'')&amp;lt;!-- ausgeblendet aufgrund der Rückmeldung von R. Stricker: &amp;quot;Dies ist aus meiner Sicht nicht korrekt. Meines Wissens ist der Maivogel Euphydryas maturna der einzige Tagfalter der auf Esche lebt, und dieser ist in der Schweiz noch nie nachgewiesen worden. und der Esche (''Fraxinus excelsior'') --&amp;gt; sind spezifische Futterquellen für die Larven gewisser Tagfalterarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lichte, lückige Bestände sind auch entscheidend für die Ausbildung einer artenreichen Bodenvegetation, in welcher spezifische Futterpflanzen zahlreicher weiterer Tagfalterarten vorkommen können. Besonders geeignete Lebensräume sind deshalb natürlich offene und schlechtwüchsige Waldgesellschaften wie trockene Föhren- oder Eichenwälder oder lückige Auenwälder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Kleinhabitate für Adulttiere sind zeitweise wassergefüllte Fahrspuren und Rinnen auf Waldstrassen mit Naturbelag oder anderweitige Pfützen als Saugstellen etwa für Eisvögel oder Schillerfalter. Auch sollten die Waldstrassen seitlich genügend breite Krautsäume aufweisen.&lt;br /&gt;
Detaillierte Angaben zu Tagfalterarten im Walde und ihren spezifischen Habitatansprüchen siehe im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Tagfalter Artikel zu den Tagfaltern].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere ausführliche Informationen zu diesem Thema finden sich unter:&lt;br /&gt;
* [https://www.birdlife.ch/sites/default/files/documents/Waldtagfalter_web.pdf Waldtagfalter]&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/tiere-im-wald/insekten-wirbellose/schmetterlinge-im-wald Waldtagfalter und andere Schmetterlinge im Wald]&lt;br /&gt;
* [https://www.birdlife.ch/sites/default/files/documents/SVSNaturschutztagung_Waldtagfalter.pdf Waldtagfalter und andere Schmetterlinge im Wald] &amp;amp; [https://www.birdlife.ch/sites/default/files/documents/SchmetterlingeimWald.pdf Schmetterlinge im Wald]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Tagfaltern ist der Wald auch für zahlreiche weitere Grossschmetterlinge (Nachtfalter) insbesondere aus den Familien der Dickkopffalter, Widderchen, Schwärmer, Spinner, Eulen und Spanner ein wichtiger Lebensraum. Über Lebensweise und Habitatansprüche dieser teilweise sehr artenreichen Familien steht weniger Information zur Verfügung als über Tagfalter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* Arbeitskreis forstliche Landschaftspflege, 1986: Biotop-Pflege im Wald. &amp;lt;!-- Quelle nicht gefunden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Schweizerischer Bund für Naturschutz (Hrsg.), 1987: Tagfalter und ihre Lebensräume. &amp;lt;!-- Quelle nicht gefunden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Pro Natura - Schweizerischer Bund für Naturschutz (Hrsg.), 1997: Schmetterlinge und ihre Lebensräume Band 2.&lt;br /&gt;
* Pro Natura - Schweizerischer Bund für Naturschutz (Hrsg.), 2000: Schmetterlinge und ihre Lebensräume Band 3.&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-tagfalter-und-widderchen.html Rote Liste der Tagfalter (2014)].&lt;br /&gt;
* Rey, 2012: Förderung von Waldtagfaltern im Kanton Aargau. Pilotprojekt Gemeinde Möhlin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Amphibien im Wald'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Wald ist einer der wichtigsten Lebensräume für Amphibien. Dies gilt in erster Linie für deren Aufenthalt an Land, wo viele Wälder die von ihnen benötigten feuchten und schattigen Habitatbedingungen anbieten. Naturgemäss sind es vor allem die Auen- und Bruchwälder, sowie die feuchten Laubmischwälder, welche diese Bedingungen erfüllen und wo zusätzlich auch Kleingewässer zu finden sind, welche für die Fortpflanzungszeit und das Larvenstadium essenziell sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem feuchten Mikroklima sind die Amphibien im Wald auch auf genügend Kleinstrukturen wie liegendes Totholz, Asthaufen oder Steine angewiesen. Dort finden sie Schutz vor Fressfeinden und können auch längere Trockenperioden überdauern. Das wohl wichtigste ökologische Defizit in der heutigen Landschaft ist der Mangel an genügend Kleingewässern für die Fortpflanzung innerhalb und in der Nähe von Wäldern.&lt;br /&gt;
Die Ansprüche der einzelnen Amphibienarten an die Laichgewässer sind sehr unterschiedlich. Während der Grasfrosch wenig wählerisch ist, bevorzugt der Feuersalamander kleine Bächlein und die Gelbbauchunke ist auf austrocknende Tümpel angewiesen. Wichtig ist auch, dass die Laichgewässer fischfrei sind. Wichtigste Fördermassnahme ist deshalb die [https://biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser/Bau_von_Gew%C3%A4ssern Schaffung von neuen Laichgewässern] in den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung.2C_Sicherung_und_F.C3.B6rderung_von_Nass-.2C_Moor-_und_Feuchtw.C3.A4ldern geeigneten Waldtypen] unter Berücksichtigung der artspezifischen Ansprüche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/assets/wald/tiere/reptilien_amphibien_fische/wsl_amphibien/download/wsl_amphibien_originalartikel.pdf Reich, 2012: Manche mögens feucht].&lt;br /&gt;
* [http://www.unine.ch/files/live/sites/karch/files/Doc_a_telecharger/Praxismerkblaetter/Amphibien/Praxismerkblatt%20Amph_Wald.pdf Karch, 2017: Praxismerkblatt Amphibien im Wald].&lt;br /&gt;
* [http://www.karch.ch/karch/de/home/amphibien-fordern/im-wald.html Amphibien fördern im Wald (Karch)].&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/tiere-im-wald/reptilien-amphibien/amphibien-im-wald Amphibien im Wald (waldwissen.net)] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Informationen zu Amphibien im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Amphibien Artikel zu den Amphibien].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Reptilien im Wald''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Reptilien sind wechselwarme Tiere und benötigen somit sonnige Habitate mit viel Wärme, welche auch in bestimmten Wäldern zu finden sind. Neben südexponierten Waldrändern sind dies vor allem lichte, schlechtwüchsige Trockenwälder mit Eichen oder Föhren, aber auch Ränder von Mooren oder Weichholzauen. Vor allem Wälder mit sonnenexponierten Felspartien, Schutthalden, Lawinenrunsen oder im offenen Kies und Geröll von Fliessgewässern finden sich günstige Habitate. Wichtig ist dabei immer auch ein strukturreiches Mosaik, welches neben offenen Bereichen auch Flächen mit Deckung durch Krautvegetation und Kleingehölze bietet. Vorübergehend günstige offene und sonnige Habitate entstehen aber auch durch die schlagweise forstliche Nutzung an andern Waldstandorten. Wichtig ist hier vor allem, dass nach dem Schlag etwas Totholz insbesondere auch als Asthaufen im Bestand zurückbleibt. Bereits bestehende gute Reptilienhabitate in felsigem oder steinigem Umfeld können mit gezielten Eingriffen in der näheren Umgebung besonders gefördert werden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/tiere-im-wald/reptilien-amphibien/reptilien-im-wald Reich, 2012: Reptilien im Wald: Unauffällige Sonnenanbeter].&lt;br /&gt;
* [http://www.unine.ch/files/live/sites/karch/files/Doc_a_telecharger/Reptiles%20div./Empf_Rept.hab.Wald_06.2015_D.pdf Karch, 2015: Empfehlungen zur Aufwertung von Reptilienhabitaten im Wald durch forstliche Massnahmen (Auflichtungen, Durchforstungen)]&lt;br /&gt;
* [http://www.karch.ch/karch/de/home/reptilien-fordern/im-wald.html Reptilien fördern im Wald (Karch)]&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/tiere-im-wald/reptilien-amphibien/reptilien-im-wald Reptilien im Wald (waldwissen.net)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/Reptilien Informationen zu Reptilien auf der Plattform Naturförderung].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Waldvögel''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
60 Vogelarten, d.h. fast ein Drittel der Brutvögel der Schweiz brüten hauptsächlich im Wald.&lt;br /&gt;
Neben zahlreichen Generalisten finden sich darunter auch anspruchsvolle Spezialisten, welche auf spezifische Habitatbedingungen angewiesen sind. Der aktuelle Brutvogelatlas der Schweiz zeigt für die Vögel des Lebensraumes Wald eine grundsätzlich positive Entwicklung der Bestände seit 1993-1996 auf, auch wenn es in manchen Bereichen noch deutliches Verbesserungspotential gibt. Dies gilt insbesondere für die weitere Förderung einerseits von Altholzbeständen und Totholz, andererseits von lichten Wäldern. Auch Störungen durch Verkehrslärm und intensive Freizeit- und Sportnutzung beeinträchtigen zahlreiche Vogelarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links (allgemein zum Thema Vögel und Wald):&lt;br /&gt;
* Knaus et al., 2018: Brutvogelatlas der Schweiz 2013-2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- * &amp;quot;Liste Voegel in Waldges Mittelland (ex_Waldstandorte Kt AG).pdf&amp;quot; nicht aufführen, weil es sich um einen Buchauszug ohne Quellenangabe handelt--&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://biodiversitaet.scnat.ch/publications/search_details?id=1664 Waldreservate - Was lange währt, wird endlich gut (Forum Biodiversität)]&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/tiere-im-wald/voegel/steckbriefe-einheimischer-waldvogelarten Steckbriefe einheimischer Waldvogelarten (waldwissen.net)]&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/tiere-im-wald/voegel/einheimische-waldvoegel Einheimische Waldvögel – Lebensweise und Förderungsmöglichkeiten (waldwissen.net)] &lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/naturschutz/artenschutz/waldvoegel-und-totholz Waldvögel und Totholz (waldwissen.net)]&lt;br /&gt;
* [https://www.vogelwarte.ch/de/atlas/focus/tot-und-altholz-sind-essenziell-fuer-voegel Totholz und Altholz sind essentiell für Vögel (Vogelwarte)]&lt;br /&gt;
* [https://www.vogelwarte.ch/de/atlas/focus/viele-spezialisierte-arten-in-lichten-waeldern Viele spezialisierte Arten in lichten Wäldern (Vogelwarte)]&lt;br /&gt;
* «Entwicklung der Brutvögel im Schweizer Wald: Gewinner und Verlierer» (Grendelmeier et al. 2020) in Bollmann, K. (Red.), 2020: Forum für Wissen 2020. Biodiversität im Schweizer Wald. WSL Ber. 100: 101 S.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[https://www.biodivers.ch/de/index.php/Vögel#W.C3.A4lder Informationen zu Vögeln im Wald auf der Plattform Naturförderung].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben allgemeinen Lebensraumverbesserungen werden zahlreiche Vogelarten des Waldes auch durch spezifische Programme gefördert.&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/artenfoerderung-voegel.html Bafu, 2008: Artenförderung Vögel]&lt;br /&gt;
* [https://www.vogelwarte.ch/de/shop/fachpublikationen/elemente-fuer-artenfoerderungsprogramme-voegel-schweiz Spaar et al., 2012: Elemente für Artenförderungsprogramme Vögel Schweiz - Update 2011]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wald/publikationen-studien/publikationen/praxishilfe-holznutzung-und-naturschutz.html Praxishilfe Holznutzung und Naturschutz. Waldbauliche Merkblätter.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einige charakteristische und oft auch prioritäre Arten von Waldvögeln wird näher eingegangen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Spechte''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Kaum eine andere Vogelfamilie hat sich so an die Lebensweise im Wald und an Bäume angepasst wie die Spechte (Fam. ''Picidae''). Dies betrifft sowohl ihre besonderen Morphologiemerkmale als auch die Einnischung in sehr unterschiedliche Waldhabitate. Deshalb sollen sie an dieser Stelle etwas ausführlicher vorgestellt werden. Von den neun einheimischen Spechtarten sind sieben weitgehende Waldbewohner mit sehr unterschiedlichen Habitatansprüchen (Tabelle aus Kalusche, 1999 (verändert und ergänzt)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Spechtart&lt;br /&gt;
! Charakterisierung der Art&lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:middle;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| '''Buntspecht''' &amp;lt;br /&amp;gt; (''Dendrocopus major'')&lt;br /&gt;
| Generalist. Lebt in lichten Laubwäldern, aber auch in Nadelwäldern, Obstgärten, Parks usw.; zimmert Höhlen in den Stamm; findet seine Beute durch Aufhacken unter der Rinde (&amp;quot;Hackspecht&amp;quot;). Häufigste Spechtart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mittelspecht'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(''Dendrocopos medius'') &lt;br /&gt;
| Anspruchsvoller Spezialist mit Präferenz für grobborkige Baumarten, insb. Eichen (Eichenhochwälder und Mittelwälder); zimmert Nisthöhle auch in schräg aufsteigende Äste; findet seine Nahrung unter lockerer oder tiefrissiger Rinde mehr durch Absuchen denn durch Hacken (&amp;quot;Suchspecht&amp;quot;).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Kleinspecht'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Dendrocopos minor) &lt;br /&gt;
| Lebensraum wie beide vorherigen Arten, bevorzugt jedoch Weichholzarten wie Pappeln, Weiden, auch Birken als Nistbäume; meidet geschlossene Hochwälder und Fichtenforste; Höhlenbau auch in dünneren Ästen möglich; ernährt sich überwiegend von Raupen, Blattläusen, bzw. Larven in morschem Holz. Bevorzugt tiefere Lagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Weissrückenspecht'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(''Picoides leucotos'')&lt;br /&gt;
| Lebt in besonders totholzreichen, forstlich wenig beeinflussten Altholzbeständen (Laub- und Mischwälder). In der Schweiz seit wenigen Jahren in Nordbünden, im Süden des Kantons St. Gallen und im Zürcher Oberland wieder eingewandert, noch sehr selten .&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Dreizehenspecht'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(''Picoides tridactylus'') &lt;br /&gt;
| Lebt hauptsächlich in den subalpinen Gebirgswäldern (900-2100 m ü. M.). Benötigt hohen Totholzanteil.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Schwarzspecht'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(''Dryocopus martius'') &lt;br /&gt;
| Grösster mitteleuropäischer Specht, beansprucht grössere, zusammenhängende Waldgebiete; Nisthöhle wird bevorzugt in alten Buchen oder Nadel-bäumen angelegt, wichtigster &amp;quot;Höhlenbauer&amp;quot; im Wald; sucht seine Nahrung bevorzugt an absterbenden Bäumen und Baumstrünken in niedriger Höhe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Grünspecht'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(''Picus viridis'') &lt;br /&gt;
| Ameisenspecht. Sucht Nahrung bevorzugt am Boden, z.B. Ameisen (&amp;quot;Erdspecht&amp;quot;) oder Obst; hält sich eher an Waldrändern und in der halboffenen Landschaft (Obstgärten) auf. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Grauspecht'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
(''Picus canus'') &lt;br /&gt;
| Ähnliche Lebensweise wie Grünspecht, auch &amp;quot;Ameisenspecht&amp;quot;, aber vielfältiger in Nahrungssuche; bewohnt aber eher das Innere von strukturreichen nicht zu dichten Laubwäldern in tieferen Lagen, seltener auch in lichten Nadelwäldern bis etwa 2000 m ü. M. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Totholzreicher_Buchenwald_Markus_Bichsel 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Totholzreicher Buchenwald als Habitat des Weissrückenspechts im unteren Prättigau GR&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wohl vor allem als Folge der allgemeinen Zunahme von Totholz im Schweizer Wald haben die Populationen der Spechtarten in den letzten Jahrzehnten generell zugenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Links und Literatur zum Thema Spechte und Wald: &lt;br /&gt;
* [https://www.dora.lib4ri.ch/wsl/islandora/object/wsl%3A9129/datastream/PDF/view Spechte - anspruchsvolle Waldbewohner]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/artenfoerderung-voegel.html Aktionsplan Mittelspecht Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://www.ala-schweiz.ch/images/stories/pdf/ob/2008_105/OrnitholBeob_2008_105_217_Buehler.pdf Beobachtungen zur Brutbiologie des Weissrückenspechts ''Dendrocopos leucotos'' in Nordbünden.]&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/assets/wald/tiere/voegel/wsl_totholz_weissrueckenspecht/download/wsl_totholz_weissrueckenspecht_originalartikel.pdf.pdf Totholz – existenziell für den Weissrückenspecht in Nordbünden]&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/tiere-im-wald/voegel/der-schwarzspecht Schwarzspecht: Schlüsselart in Wirtschaftswäldern (waldwissen.net)]&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/tiere-im-wald/voegel/der-grauspecht Grauspecht: der grosse Unbekannte (waldwissen.net)] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Raufusshühner''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Unterfamilie der Raufusshühner sind insbesondere Auerhuhn und Haselhuhn Charaktervögel des Waldes, etwas weniger das Birkhuhn. Alle drei haben spezifische, aber deutlich unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Auerhuhn findet sich vor allem in strukturreichen, eher locker bestockten nadelholzreichen Wäldern von etwa 1000 m bis über 2000 m ü. M. Um die letzte Jahrhundertwende umfasste seine Verbreitung noch grosse Teile des Jura, praktisch die gesamten Vor- und Nordalpen sowie grössere Teile von Graubünden. Es hat in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten einen massiven Rückgang seiner Verbreitung und Populationsgrössen erlebt. Die Ursachen sind vielfältig, im Vordergrund stehen wohl Veränderungen des Lebensraumes (Verdichtung und Verdunkelung der Waldbestände), sowie teilweise Störungen durch Walderschliessung und die damit verbundene Erholungsnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Haselhuhn besiedelt vor allem deckungsreiche, reich strukturierte Nadel- und Mischwälder zwischen 1000 und 1900 m ü. M. Es findet sich im westlichen Jura und im ganzen Alpenraum von den nördlichen Voralpen bis an den Alpensüdhang. Im Gegensatz zu den umliegenden Regionen nimmt die Population des Haselhuhns in der Schweiz seit etwa 20 Jahre tendenziell zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Birkhuhn lebt in der Schweiz vor allem im Bereich der oberen Waldgrenze in den Alpen im Übergang vom Wald in die Zwergstrauchheiden und Alpweiden. Seine Bestände schwanken über die Jahre stark, sind aber im Ganzen einigermassen stabil. Als mögliche Gefährdungen werden vor allem Störungen durch touristische Nutzungen, Veränderungen in der Alpnutzung und die Jagd erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vielfalt der benötigten artspezifischen Kleinhabitate der drei Raufusshühnerarten kann in den folgenden Abbildungen verglichen werden (Quelle: Arbeitskreis forstliche Landschaftspflege, 1986: Biotop-Pflege im Wald, Abb. 60-62)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = auerhuhnbiotop.png&lt;br /&gt;
| text = Schema eines Auerhuhnbiotops; dargestellt am Beispiel des naturnahen Bergmischwaldes 1) Jungfichte als Winternahrung des Hahnes, 2) Balzbaum, 3) Heidelbeeren, 4) Bodenbalzplatz, 5) Steinchenaufnahme von Wurzeltellern 6) gedeckter Schlafplatz, 7) geschützter Brutplatz, 8) Fichtenzweige als Winternahrung der Henne, 9) Huderpfanne, 10) freier Schlafplatz, 11) Ameisenhaufen, 12) Buchenlaub als Sommer- und Herbstnahrung (Scherzinger, 1976)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = haselhuhnbiotop.png&lt;br /&gt;
| text = Schema eines Haselhuhnbiotops; im linken Abbildungsteil ist die Vielfalt kleiner Lebensraumausschnitte im &amp;quot;Naturwald&amp;quot; dargestellt, die den Biotop zusammensetzen. Rechts stehe die Sekundärstrukturen des Wirtschaftswaldes. 1) Birkenknospen als Winternahrung, 2) Lichtung mit Holunder und Weide zur Kükenaufzucht, 3) Balken und Strünke als Singwarte zur Balz, 4) Vogelbeerbaum auf Windwurffläche, 5) verdeckter Brutplatz 6) Buchenstangengehölz als Wintereinstand, 7) Beerensträucher an der Strassenböschung, 8) Huderpfanne in trockenem Sand, 9) Schlaf- und Zufluchtsort im Fichtenstangenholz (Scherzinger, 1976)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = birkhuhnbiotop.png&lt;br /&gt;
| text = Schema eines Birkhuhnbiotops; dargestellt am Beispiel eines Spirkenmoores (=Bergföhrenhochmoor) 1) Birkenknospen als Winternahrung, 2) Balzbaum, 3) Freifläche für Gesellschaftsbalz, 4) Gedeckter Brutplatz, 5) Trockenes Randgebiet, 6) Schlafbäume, 7) Weidenlaub als Sommernahrung (Scherzinger, 1976)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt eine umfangreiche Literatur zu Lebensweise, Lebensraumansprüchen und zu Schutzmassnahmen und gezielter Förderung dieser Raufusshühnerarten:&lt;br /&gt;
* [https://www.ala-schweiz.ch/index.php/ornithologischer-beobachter/alle-ausgaben?Heftid=33 Ornithologischer Beobachter, Themenheft Auerhuhn] &lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/auerhuhn-waldbewirtschaftung.html Auerhuhn und Waldbewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/auerhuhn-haselhuhn-schutz-waldplanung.html Praxishilfe Auerhuhn und Haselhuhn: ihr Schutz in der regionalen Waldplanung]&lt;br /&gt;
* [https://www.artenfoerderung-voegel.ch/auerhuhn1.html Aktionsplan Auerhuhn Schweiz] &lt;br /&gt;
* [https://www.sg.ch/umwelt-natur/wald/waldregion-4-see/projekte-und-umweltbildung/_jcr_content/Par/sgch_downloadlist/DownloadListPar/sgch_download_1538252115.ocFile/SZF%20162%20%282011%29%2001_Ehrbar.pdf Ein Sonderwaldreservat für das Auerhuhn –  Das Beispiel Amden (Kanton St.Gallen)]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/haselhuhn-waldbewirtschaftung.html Haselhuhn und Waldbewirtschaftung] &lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/tiere-im-wald/voegel/das-haselhuhn Einheimische Waldvögel: Das Haselhuhn (''Bonasa bonasia'') (waldwissen.net)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Waldschnepfe''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Waldschnepfe ist ein charakteristischer Waldvogel, der in letzter Zeit praktisch völlig aus den Wäldern der tieferen Lagen verschwunden ist. Im östlichen Jura hat sie stark abgenommen. In den Nordalpen scheint die Situation stabiler, während im restlichen Alpenraum die Verbreitung und Bestandsentwicklung unklar ist. Auch bei der Waldschnepfe dürften natürliche Veränderungen der Waldstrukturen (Verdichtung durch Zunahme des Holzvorrates), sowie Zunahme der Störungen zu den Hauptursachen dieser Trends verantwortlich sein. Gezielte Artenförderung scheint deshalb angebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* [https://www.vogelwarte.ch/assets/files/projekte/artenfoerderung/ag-waldhuehner/Mollet_2015_Die_Waldschnepfe_in_der_Schweiz_Synthese_2014.pdf Die Waldschnepfe (''Scolopax rusticola'') in der Schweiz – Synthese 2014]&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/tiere-im-wald/voegel/die-waldschnepfe-scolopax-rusticola Einheimische Waldvögel: Die Waldschnepfe (''Scolopax rusticola'') (waldwissen.net)]&lt;br /&gt;
* [https://www.vogelwarte.ch/assets/files/projekte/monitoring/Sattler_Strebel%202016_Bericht_Waldschnepfe.pdf Analyse der Waldschnepfennachweise während der Atlasperiode 2013-2016]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Ziegenmelker''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Caprimulgus europaeus 6, Nachtzwaluw, Saxifraga-Mark Zekhuis 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Ziegenmelker (''Caprimulgus europaeus'') bewohnt lichte Wälder und halboffene Landschaften&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ziegenmelker ist ein typischer Bewohner von lichten Wäldern und halboffenen Landschaften der unteren und mittleren Höhenlagen. Er benötigt ein Mosaik von lichten vegetationsarmen Trockenwäldern und Wiesen für seine bevorzugte Jagd auf Nachtfalter. Durch den weitgehenden Rückgang dieser Lebensräume ist der Ziegenmelker vollständig aus der Nordschweiz verschwunden und brütet nur noch an wenigen Orten in den zentralalpinen Tälern und im Südtessin. Er ist in der Schweiz heute stark gefährdet (RL-Status: EN). Die Förderung von lichten Wäldern allgemein und gezielte Artförderung sind somit dringend notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* [https://artenfoerderung-voegel.ch/ziegenmelker.html Artenförderungsprogramm AFP Ziegenmelker]&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/tiere-im-wald/voegel/der-ziegenmelker Einheimische Waldvögel: Der Ziegenmelker (''Caprimulgus europaeus'') (waldwissen.net)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Fledermäuse im Wald''':&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = galerie10 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Für alle Fledermäuse ist der Wald ein bedeutender Lebensraum oder zumindest ein wichtiges Teilbiotop.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fledermäuse nutzen im Jahreslauf artspezifisch unterschiedliche Biotope. Grundsätzlich kann bei jeder Art zwischen den Teilbiotopen Winterquartier, Wochenstube und Jagdgebiet, welche durch Flugkorridore verbunden sind, unterschieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Alternativ auf Abbildung verlinken, statt sie darzustellen:&lt;br /&gt;
Die [[Media:Habitatbaeume ZueriWald 6 17.pdf|Grafik im Artikel «Habitatbäume im Wald und praktischer Fledermausschutz» (Züri Wald, 6/2017)]] zeigt die unterschiedliche Art und Weise der Waldnutzung durch 30 Fledermausarten der Schweiz: &amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; deutschen Text angepasst -&amp;gt; im französischen bitte ebenfalls /span&amp;gt;&lt;br /&gt;
 --&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Waldnutzung 220926 1600x1200.png&lt;br /&gt;
| text = Waldnutzung durch einheimische Fledermausarten: alle Arten nutzen den Wald, jedoch auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlicher Intensität. Die wichtigsten Nutzungskategorien sind Sommerverstecke, Winterschlafverstecke, Jagdlebensräume und Flugkorridore. Je länger der Balken, desto grösser ist die jeweilige Nutzung. Die Angaben basieren auf den Datenbanken der Koordinationsstellen für Fledermausschutz, Literatur und Expertenwissen. Quelle: «Stiftung Fledermausschutz» &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Quartiere im Wald dienen oft alte Schwarzspechthöhlen oder hohle Bäume. Für kleine Arten eignen sich dazu auch Stämme mit Rissen und Spalten oder abstehender Borke (mit Öffnung nach unten). In felsigen Wäldern sind auch Felspalten und -höhlen wichtige potentielle Fledermausquartiere. Wo solche Strukturen und Kleinhabitate als Quartiere genutzt werden, sind sie vor Störungen oder gar Zerstörungen gut zu schützen und regelmässig zu kontrollieren. [https://fledermausschutz.ch/verstecke In Wäldern mit wenig Höhlenbäumen und stehendem Totholz können auch spezielle Fledermauskästen eingesetzt werden, sofern solche Bestände als potentielle Fledermauslebensräume überhaupt in Frage kommen] (siehe auch [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Nistk.C3.A4sten_im_Wald Kap. Nistkästen im Wald]. Ast- und Totholzhaufen werden manchmal von Fledermäusen als Versteck und zum Verkriechen genutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einheimische Fledermäuse ernähren sich fast ausschliesslich von Insekten und anderen Gliederfüssern. Wälder und Waldstrukturen mit einer reichen Insektenfauna sind deshalb auch ideale Jagdlebensräume für Fledermäuse. Dazu gehören insbesondere:&lt;br /&gt;
* Wälder mit viel Altholz und Totholz (auch als Quartiere sehr wichtig)&lt;br /&gt;
* lichte Wälder&lt;br /&gt;
* strukturreiche Waldränder&lt;br /&gt;
* geschlossene Eichen- und Buchenwälder (mit geringem Unterwuchs, v.a. für Bechsteinfledermaus und Grosses Mausohr)&lt;br /&gt;
* Auenwälder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die oft weit auseinander liegenden Quartier- und Jagdlebensräume müssen durch geeignete Flugkorridore miteinander vernetzt sein. Wichtige Kriterien sind hier eine fehlende oder geringe Beleuchtung und vertikale Landschaftsstrukturen zur Orientierung mit Echo-Ortung zum Schutz vor Prädatoren. Dunkle Wälder sind dafür durchaus geeignet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefährdungen durch forstliche Massnahmen betreffen vor allem: &lt;br /&gt;
* Mangel an Höhlenbäumen und Totholz (für Quartierlebensräume)&lt;br /&gt;
* Aufforstungen mit Nadelhölzern im Mittelland&lt;br /&gt;
* Trockenlegung feuchter Wälder und von Kleingewässern im Wald&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-fledermaeuse.html Rote Liste der Fledermäuse der Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://www.fledermaus-bayern.de/downloads.html?file=files/upload/Downloads/brosch%C3%BCren%20und%20infomaterial/fledermaeuse_wald.pdf Fledermäuse im Wald.]&lt;br /&gt;
* [https://fledermausschutz.ch/ Infos über Fledermäuse der Schweiz]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Säugetiere (ohne Fledermäuse)''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unter den Säugetieren gehören Bär, Luchs und Wolf zu den national prioritären Waldzielarten. Neben der allgemeinen Bedeutung als wertvolle Bereicherung der Biodiversität spielen sie als Top-Prädatoren eine wichtige Rolle im Waldnahrungsnetz, insbesondere im Zusammenhang mit der Wald-Wild-Problematik infolge der hohen Schalenwildbestände in unseren Wäldern. Auf der Webseite der KORA (https://www.kora.ch/) finden sich dazu viele Informationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine sehr wichtige Rolle im Naturhaushalt des Waldes spielt das sogenannte '''Schalenwild'''. Dazu gehören die einheimischen Wildarten Reh, Hirsch (Rotwild), Gämse und Steinbock. Um die Jahrhundertwende 1900 waren Hirsch und Steinbock vollständig und das Reh fast ganz ausgerottet. Nur die Gämse konnte sich in den Alpen ständig halten. Durch Wiedereinwanderung (Hirsch) bzw. Aussetzung (Steinbock) und wegen einer strengen Jagdgesetzgebung haben sich die Bestände aller vier Arten stark vermehrt und weisen heute Populationen auf, welche bei weitem über die natürlichen Verhältnisse unter urwaldähnlichen Bedingungen hinausgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schäden dieser Tiere wie Verbiss, Schälen oder Fegen beeinträchtigen die natürliche Verjüngung gewisser Baumarten massiv oder führen in gewissen Gebieten sogar zum praktisch völligen Ausfall eines nachhaltig notwendigen Nachwuchses. Neben der waldbaulich wichtigen Baumart Weisstanne sind etwa auch ökologisch wertvolle Baumarten wie die Eichen, die Eibe oder die Vogelbeere stark betroffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der umfangreichen Fachliteratur zu diesem Thema seien hier zur weiteren Information folgende Arbeiten herausgegriffen:&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/wald-wild-grundlagen-praxis.html Bafu, 2010: Wald und Wild – Grundlagen für die Praxis]&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/schadensmanagement/wildschaeden/huftiere-und-waldverjuengung Huftiere und Waldverjüngung (waldwissen.net)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/S%C3%A4ugetiere#Erhalt_und_F.C3.B6rderung Säugetierartikel] gibt es eine [[Media:Tabelle Säugetiere Schweiz de.xlsx|Tabelle]] mit detaillierten Angaben wie Lebensräume, Förderbedarf, etc. zu allen Säugetieren der Schweiz. Näher vorgestellt wird die heimlich lebende [https://www.biodivers.ch/de/index.php/S%C3%A4ugetiere#Haselmaus_.28Muscardinus_avellanarius.29 Haselmaus].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fazit zu Artengruppen und Arten im Wald===&lt;br /&gt;
Zusammenfassend kann folgende Bilanz zum aktuellen Zustand der Waldorganismen gezogen werden:&lt;br /&gt;
Viele Waldarten zeigen stabile oder sogar zunehmende Populationsgrössen. Es gibt aber zwei Lebensraumbereiche im Wald mit klaren ökologischen Defiziten mit zahlreichen gefährdeten Arten, einerseits lichte Wälder, andererseits totholzreiche alte Wälder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäss den Roten Listen sind dies einerseits vor allem licht- und wärmeliebende Organismen, welche auf lichte und offene Waldstrukturen und einen vielfältigen Übergang Wald-Offenland angewiesen sind. Diese sind in den letzten Jahrzehnten durch Aufgabe von traditionellen Waldnutzungen und durch Einwachsen und Verdunkelung der Wälder deutlich seltener geworden. Massnahmen zur Erhaltung und Verbesserung offener Waldstrukturen werden in [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung.2C_Sicherung_und_Pflege_von_besonderen_Bestandesstrukturen Kap. «Ausscheidung, Sicherung und Pflege von besonderen Bestandesstrukturen»] behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits sind Organismen gefährdet, welche auf typische Strukturen von alten Wäldern mit mächtigen und teilweise zerfallenden Bäumen mit vielseitigem Totholz angewiesen sind. Dazu zählen insbesondere Vertreter von Holz- und Mykorrhizapilzen, Flechten und xylobionte Käfer, aber auch viele Amphibien- und diverse Vogelarten. Alt- und Totholz haben in den letzten Jahrzehnten zwar etwas zugenommen, aber um den davon abhängigen, oft hochspezialisierten Arten ein langfristiges Überleben zu ermöglichen, muss das Totholzvolumen und die Flächen mit Altholzbeständen und Zerfallsphasen durch entsprechende Massnahmen noch deutlich erhöht werden (vgl. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung_und_Sicherung_von_Altholzinseln.2C_Habitatb.C3.A4umen_und_Totholz Kap. «Ausscheidung und Sicherung von Altholzinseln, Habitatbäumen und Totholz»].&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links zum Thema Arten-Biodiversität im Wald allgemein&lt;br /&gt;
* ∂- Bafu_UZ0604_Zustand Biodiversität CH (BDM)_2006.pdf_p.057 [ev. weglassen, da durch UV1503 &amp;amp; Uz1630 abgedeckt]&lt;br /&gt;
* ∂- Bafu_UV1503_Biodiversität im Wald-Ziele&amp;amp; Massnahmen_2015.pdf&lt;br /&gt;
* ∂- Bafu_UZ1630_Biodiversität in der Schweiz_2017.pdf (im Bericht sonst oft zitiert)&lt;br /&gt;
* ∂- GUNTERN&amp;amp;&amp;amp;_2013_Flächenbedarf Biodiversität CH_(Forum Biodiv CH-ScNat).pdf &lt;br /&gt;
* ∂- SZF_158.08 (2007)_BRÄNDLI&amp;amp;&amp;amp;_Waldindikatoren zur Artenvielfalt (aus LFI&amp;amp; BDM).pdf)&lt;br /&gt;
* ∂- SZF_160.03 (2009)_BOLLMANN&amp;amp;&amp;amp;_Konzepte Förderung Biodiversität im Wald.pdf&lt;br /&gt;
* ∂- WSL_FfW_2011pp_BOLLMANN_Naturnaher Waldbau&amp;amp; Förderung biol.Vielfalt im Wald.pdf&lt;br /&gt;
* ∂- faktenblatt_15_biodiversität im Wald_AfW GR_2010.pdf&lt;br /&gt;
* ∂- Waldoekol.online_001 (2004)_GRANKE &amp;amp;&amp;amp;_Konzept Bewertung Biodiversität Wald.pdf --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Seltene Gehölze und ökologisch wertvolle Baumarten ==&lt;br /&gt;
Das LFI4 bezeichnet Baumarten mit einem Anteil von weniger als 1 % an der Gesamtstammzahl als «seltene Baumarten». Dazu gehören die meisten einheimischen Baumarten. Viele von ihnen sind auch ökologisch von besonderem Wert und charakteristische Elemente von seltenen Waldgesellschaften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ökologische Wert der einzelnen Baumarten kann nicht eindeutig definiert werden. Ein wichtiges Kriterium ist die Eignung zur Besiedlung durch Pilze, Insekten und andere Gliederfüsser. Diese ist wiederum abhängig von Strukturelementen wie der Form und Grösse von Stamm- und Krone oder der Ausbildung der Borke und anderen Mikrohabitaten, individuellem Maximalalter oder der Abbaugeschwindigkeit des Totholzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So weisen in der Schweiz (gemäss SwissFungi) Buche, Fichte und Erlen die höchste Anzahl an verschiedenen Pilzarten auf, während (nach einer Studie aus Grossbritannien) die Weiden (''Salices''), Eichen und Birken mit Abstand am meisten Insekten- und Milbenarten beherbergen. Sonst wird oft auch der Eiche diesbezüglich der erste Rang zugesprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tabelle: Anzahl verschiedener Pilze sowie Insekten und Milben, die auf unterschiedlichen Baumarten nachgewiesen werden konnten. Daten für Pilze aus SwissFungi (2018) und für Insekten aus Grossbritannien (Kennedy &amp;amp; Southwood, 1984). Quelle: [https://totholz.wsl.ch/de/totholz/vielfaeltiger-lebensraum/oekologischer-wert.html WSL]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Baumart&lt;br /&gt;
! Anzahl Pilzarten&lt;br /&gt;
! Anzahl Insekten und Milben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Buche&lt;br /&gt;
| 1190&lt;br /&gt;
| 98&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Fichte&lt;br /&gt;
| 1168&lt;br /&gt;
| 70&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Erle&lt;br /&gt;
| 895&lt;br /&gt;
| 141&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Eiche&lt;br /&gt;
| 766&lt;br /&gt;
| 423&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Föhre&lt;br /&gt;
| 713&lt;br /&gt;
| 172&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tanne&lt;br /&gt;
| 700&lt;br /&gt;
| n. a.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Esche&lt;br /&gt;
| 673&lt;br /&gt;
| 68&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Weide&lt;br /&gt;
| 659&lt;br /&gt;
| 450&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Birke&lt;br /&gt;
| 431&lt;br /&gt;
| 334&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Hasel&lt;br /&gt;
| 431&lt;br /&gt;
| 106&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Pappel&lt;br /&gt;
| 421&lt;br /&gt;
| 489&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ahorn&lt;br /&gt;
| 393&lt;br /&gt;
| 94&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Linde&lt;br /&gt;
| 332&lt;br /&gt;
| 57&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lärche&lt;br /&gt;
| 311&lt;br /&gt;
| 38&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Hainbuche&lt;br /&gt;
| 305&lt;br /&gt;
| 51&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kastanie&lt;br /&gt;
| 287&lt;br /&gt;
| 11&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Vogelbeere&lt;br /&gt;
| 237&lt;br /&gt;
| 58&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ulme&lt;br /&gt;
| 123&lt;br /&gt;
| 124&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Walnuss&lt;br /&gt;
| 86&lt;br /&gt;
| 7&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Robinie&lt;br /&gt;
| 83&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Eibe&lt;br /&gt;
| 48&lt;br /&gt;
| 6&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- alte Tabellen&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = WSL OEkologischer Wert Tab 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Tabelle: Anzahl verschiedener Pilze und Insekten, die auf unterschiedlichen Baumarten nachgewiesen werden konnten. Daten für Pilze aus SwissFungi (2018) und für Insekten aus Grossbritannien (Kennedy &amp;amp; Southwood, 1984). Quelle: [https://totholz.wsl.ch/de/totholz/vielfaeltiger-lebensraum/oekologischer-wert.html WSL]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = WSL OEkologischer Wert Tab fr 01 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Tableau : Nombre d’espèces de champignons et d’insectes associées à différentes essences. Données sur les champignons tirées de SwissFungi (2018); celles sur les insectes proviennent de Grande-Bretagne (Kennedy &amp;amp; Southwood, 1984). Source: [https://totholz.wsl.ch/fr/bois-mort/habitat-diversifie/valeur-ecologique.html WSL]&lt;br /&gt;
}} --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Okol.Wert 10 Baumarten SZF 161.08 (2010) NIEDERMANN-MEIER.png&lt;br /&gt;
| text = Einen anderen Ansatz zur ökologischen Bewertung verwendeten Niedermann-Maier et al. (2010), indem an 461 Bäumen über 50 Strukturmerkmale in Bezug auf ihre Bedeutung für 5 Organismengruppen bewertet wurden. Im Vergleich zwischen 10 häufigeren Baumarten schwingen hier Eiche und Föhre oben aus &amp;lt;!-- Quelle: Niedermann-Meier et al., 2010: Habitatbäume im Wirtschaftswald: ökologisches Potenzial und finanzielle Folgen für den Betrieb.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das LFI4 (Brändli, 2020, S. 194) zählt folgende Baumarten und -gattungen - ohne weitere Begründung - als «ökologisch hochwertige Arten» auf: Weiden, Birken, einheimische Pappeln, Waldföhre, Eichen, Kastanie, Kirschbaum und Sorbus-Arten. Von diesen Arten hat die Stammzahl seit der LFI3-Aufnahme nur bei Birken, Pappeln und dem Kirschbaum zugenommen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Naturschutz im Wald ist es wichtig, sowohl seltene als auch ökologisch wertvolle Baumarten zu schonen und zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = galerie3 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Auf Buchen (''Fagus silvatica'') und Fichten (''Picea abies'') kommen sehr viele Pilzarten vor, die Eiche ist die wichtigste Bauart für Insekten und Milben. Bezüglich Strukturen schwingen die Eiche (''Quercus sp.'') und die Föhre (''Pinus sp.'') oben aus.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = galerie4 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Zu seltenen Baumarten wie Eibe (''Taxus baccata'') und Elsbeere (''Sorbus torminalis'') liegen viele Informationen vor.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Förderung seltener Baumarten (SEBA-Projekt, ETH Zürich)===&lt;br /&gt;
Von 1996 bis 2012 wurde von der Professur für Waldökologie an der ETHZ das umfangreiche SEBA-Projekt zur Förderung seltener Baumarten mit folgenden Zielsetzungen durchgeführt. &lt;br /&gt;
# Schaffung fehlender Grundlagen zu Verbreitung, Gefährdung, Ökologie (Standort) und waldbaulicher Förderung von seltenen Baumarten&lt;br /&gt;
# Ableitung von nationalen und regionalen Förderungsstrategien sowie praktischen waldbaulichen Förderungsmassnahmen für seltene Baumarten&lt;br /&gt;
# Umsetzungsorientierte Aufbereitung der Ergebnisse zur Sensibilisierung und Schulung von Wald- und Naturschutz- Fachleuten auf allen Stufen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für folgende seltene Baumarten stehen als Resultat des [https://fe.ethz.ch/forschung/dendrology-and-vegetation-science/seba/treespecies.html SEBA-Projekts höchst informative Artensteckbriefe, Checklisten und zahlreiche weitere Merkblätter als Download auf Deutsch und Französisch zur Verfügung]:&lt;br /&gt;
* Eibe			&lt;br /&gt;
* Elsbeere&lt;br /&gt;
* Flatterulme&lt;br /&gt;
* Kirsche&lt;br /&gt;
* Nussbaum&lt;br /&gt;
* Speierling&lt;br /&gt;
* Spitzahorn&lt;br /&gt;
* Wildbirne&lt;br /&gt;
* Winterlinde &amp;amp; Sommerlinde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spezielle Projekte dienten der Förderung von Edelkastanie und Schwarzpappel.&lt;br /&gt;
Kürzer gefasste Informationen (zur Verbreitung und Massnahmenregionen) finden sich zusätzlich auch für:&lt;br /&gt;
* Blumenesche&lt;br /&gt;
* Bruchweide&lt;br /&gt;
* Feldulme&lt;br /&gt;
* Holzapfel&lt;br /&gt;
* Weisspappel&lt;br /&gt;
* Zerreiche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zum SEBA-Projekt:&lt;br /&gt;
* [https://fe.ethz.ch/forschung/dendrology-and-vegetation-science/seba/results.html SEBA ETH Zürich, Übersicht Ergebnisse]&lt;br /&gt;
* [https://fe.ethz.ch/forschung/dendrology-and-vegetation-science/seba/download.html SEBA ETH Zürich, Download Dokumentationen]&lt;br /&gt;
* [https://fe.ethz.ch/forschung/dendrology-and-vegetation-science/seba/treespecies.html SEBA ETH Zürich, Artensteckbriefe &amp;amp; Checklisten]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eichen &amp;amp; Eichenförderung===&lt;br /&gt;
Die vier einheimischen Eichenarten (''Quercus petraea'', ''Q. robur'', ''Q. pubescens'' und ''Q. cerris'') sind aus verschiedenster Hinsicht ökologisch und kulturell sehr wertvoll und förderungswürdig:&lt;br /&gt;
* kaum eine andere einheimische Baumgattung kann mehr Tierarten beherbergen.&lt;br /&gt;
* Auch dichter stehende Eichen lassen deutlich mehr Licht durch ihre Kronen als etwa Buchen. Das heisst ihre Bestände sind lichter und ermöglichen dadurch zahlreichen licht- und wärmebedürftigen Arten eine Existenz. Vor allem wird dadurch auch eine gut ausgebildete oft artenreiche Strauchschicht gefördert.&lt;br /&gt;
* Natürliche Eichenwälder wachsen oft an extremeren, flachgründigen bis felsigen Standorten. Nicht selten handelt es sich dabei um Reliktstandorte, deren Biozönosen sich dort seit der nacheiszeitlichen Eichenmischwaldzeit halten konnten.&lt;br /&gt;
* Eichen gelten nach heutigen Kenntnissen als klimatolerante Zukunftsarten, dies gilt insbesondere für Flaum- und Zerreiche.&lt;br /&gt;
* Eichen gehören zu unserem Kulturerbe. Sie wurden von den Germanen und Kelten als heilige Bäume verehrt und durften nicht geschlagen werden. Oft dienten sie auch als Grenz- oder Gerichtsbäume. Die Schweinemast mit Eicheln ist legendär und auch der forstliche Ausdruck «Mastjahr» stammt davon ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gutwüchsige natürliche Eichenwälder auf tiefgründigen Böden sind in der Schweiz im Vergleich zu umliegenden Ländern in West- und Mitteleuropa eher selten. Aus klimatischen Gründen sind auch in tieferen Lagen natürlicherweise wüchsige Buchenwälder vorherrschend. Bestände mit mächtigen alten Eichen in der Baumschicht verdanken hier ihre Existenz der jahrhundertealten traditionellen Waldnutzung als [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Nutzungsformen_im_Wirtschaftswald Mittelwald], welche die sonst dominante und konkurrenzstärkere Buche verdrängt hat. Um diese ökologisch äusserst wertvollen Wälder zu erhalten und fördern, müssen sie weiterhin gezielt speziell bewirtschaftet werden (siehe [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung_und_Sicherung_von_Waldreservaten Sonderwaldreservate] &amp;amp; [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung.2C_Sicherung_und_Pflege_von_besonderen_Bestandesstrukturen Lichte Wälder].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Resultate des LFI4 (Brändli et al., 2020) zeigen, dass die Stammzahl der beiden häufigsten Eichenarten (Trauben- und Stieleiche) seit LFI1 (vor knapp 40 Jahren) um 21 % bzw. 39 % abgenommen, der Vorrat hingegen um 17 % zugenommen hat. Das bedeutet, dass im Schweizer Wald heute weniger dafür dickere Eichbäume stehen bzw. die Eichenverjüngung ungenügend ist. Bestände mit vorherrschenden Eichen sind aktuell mit einem Anteil von 2 % (rund 24 000 ha) an der Gesamtwaldfläche relativ selten, die Fläche hat sich seit der letzten Inventur vor rund 10 Jahren nicht verändert (Brändli et al., 2020, S. 195).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Förderung der Eiche ist seit einigen Jahren ein anerkanntes Ziel in Forschung und Forstwirtschaft mit entsprechend umfangreicher weiterführender Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies gilt insbesondere auch für den [https://www.proquercus.org/willkommen/verein/ Verein «proQuercus»], welcher sich seit 2001 &amp;quot;die Erhaltung und Förderung der Eiche unter Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und kultureller Aspekte&amp;quot; zum Ziel gesetzt hat.&lt;br /&gt;
Auf der Homepage stehen sehr viel Information und Publikationen zum Thema Eiche zum Download bereit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Literatur zum Thema Förderung der Eiche:&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wald/publikationen-studien/publikationen/foerderung-der-eiche.html Förderung der Eiche]&lt;br /&gt;
* [https://watermark.silverchair.com/szf_2008_0098.pdf?token=AQECAHi208BE49Ooan9kkhW_Ercy7Dm3ZL_9Cf3qfKAc485ysgAAAqkwggKlBgkqhkiG9w0BBwagggKWMIICkgIBADCCAosGCSqGSIb3DQEHATAeBglghkgBZQMEAS4wEQQMgdCSALOWQJrjG3x9AgEQgIICXPDg7tA4N6z1avXqvIoJrBuiOz5ujJy9tIVjz8QZ-lxvAsTrGceJku8aF4EknnCyltKnIUFhyaU76R9tiH0BYsHEvHMIao8plURVPCQTjOgFjj8zYMucsq_-diFzDjNANzwmzVZkSbX9B0lbHLoprG1HTpPwhuWuxM5lMbsf9rxAC4gjWEETBMyYFZwUK03mMa6aTX2fJvlsL5sgRXWh240G06C6jLhxqqVo7bIj7zCA-vhA26yNXyRR1By9RH3RCk1GAm5Pnr4tQtxf-eGdY94SKMa4sfuz21xiYzM1zWA2lu3VWEbz57XkMVAw8gYy525YVKl75BBtyLIwKHj57qmjEpSbt2X4wALi8k2Z9DeRD50Qt4hVZTAKbVVIk7Dh83RZ0yEzz5aaRMztcT8ox-jucaclnn6CmEfMN_EKyWtaDFMGD49Xd1sX-EHHGhd8xbgi30jfV3TyBgRQGAIt-V0KmJ2J4wcf-Vjn5Cq7ZR6-yEODPcnB_2SmlfCUr_e7GB-cZhzc3_uvj8NpS-gCuk0HtygYvw-0kEvSauI1yeNuihQYITwS1qz4zkL2XvkDYH_5m9qkx6RycY_ScQQ20-_yfTIHZnBsKlV1IArDpy-Yxlv8nNVPuhgixwoUEFkvnq5-y5H7iI2MHFJZXdkjXi4auIN5UaJkdHebKNgDKgXWYLOISTpa5NrM9y2CkQMJx5wm-7wfMtJzFfls5FzzeYtFbc2KL1j_6MjJyQ5NTNtrEQXvnnSVeTi1QTiNWf5YVvI8oBaIHR7AhWdD2qmiWtGQRFxuEtEsjtbJM5g Plädoyer für die Eichenförderung (Essay)]&lt;br /&gt;
* [https://watermark.silverchair.com/szf_2008_0103.pdf?token=AQECAHi208BE49Ooan9kkhW_Ercy7Dm3ZL_9Cf3qfKAc485ysgAAAqowggKmBgkqhkiG9w0BBwagggKXMIICkwIBADCCAowGCSqGSIb3DQEHATAeBglghkgBZQMEAS4wEQQMN_7RtFZmc5JkXhIlAgEQgIICXSpzG2mqI7p8UWE4YYwc-FkijZMteewqmRo-VdO2oM-Y2s0c8e4ogESFat82FkaSpotmQ_11IOygO4hskbsG1WlJCLzd6_jIYzJlgCV2DdTnfGMKqrgsx6h-glOO2HqQAjFIEpxPGGHcAWOmWEHbIICBJG1od-hJqFFMVzNiHOd-gtWkIOIvRRyAtgZtL4FI9-sdLhXiPe95dtiXeuTTuthtx6vo7puS3grKDIYMrb8YKcv88ZxP-W57XPw71DPWERorUH5ZOTFrsNsbXEjgMKyu_aFhPKG-Kd0muoEqkgszliVjdT8YUTNcgwiN9lf7adKvPmL3k1bxbXUyzTZ3LgnsGNZU6H1TfqLaxZpEK5A5g6OKt9KLr8WBighXwe9Bjp48jwdFFq5GFLubx-7fG72AnqozI-jl4YcHPfPTRFWpiMwSzqdZiqzImEG3qzmqXCOYp1V4UfpoNiVclWLyFd0SMapRY1_0wVJxUjgQBrwyvCjcOSKNznswIw040YA8MHDTLzCYU9xpubwKK16o858nCTb27zTWHu02K0-T3M9yUlanAQnx7eprs4I9seFpAyfi7_AzIacFWD1Lyifu4AUknT2zReyXoCsKnbj9yumANNQnY8yY9uBIn_MgDhK_8AacF4tH_HU-BuXrYdjupcZXJqV-Rort60l-bTJRHZE6NtKS_a-Yz3xUVv7wXL-tfdqSW42kYUNIJ3Q1xPYCr_yH3lsvTksVd8UC7KkkJcA8lOw6pkqdrL3fOi6zehwlDvLTNYh2cXdtxAWVOdAAdMOP4y_oosLFAL8HLDUx Potentielle Eichenwuchsgebiete und aktuelle Eichenmischwälder der Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://forstamt.tg.ch/public/upload/assets/56451/Eichenf%3Frderung%20-%20Erhaltung%20%26%20Erh%3Fhung%20des%20Eichenanteils%20im%20Kanton%20Thurgau%202010.pdf Eichenförderung - Erhaltung und Erhöhung des Eichenanteils im Kanton Thurgau].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere ausgewählte Baumarten werden durch Vereine gefördert, welche dazu viel Information zur Verfügung stellen:&lt;br /&gt;
* [http://www.eibenfreunde.net/ Eibenfreunde]&lt;br /&gt;
* [http://www.corminaria.de/ Förderkreis Speierling und Elsbeere]&lt;br /&gt;
* [http://wildbiss.ch wildbiss.ch: Förderung von Wildbirne und Produktion von Wildbirnenschnaps]&lt;br /&gt;
* [https://www.proquercus.org/ ProQuercus]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1989 erkürt das «Kuratorium Baum des Jahres» jedes Jahr eine Baumart zum Baum des Jahres und liefert dazu jeweils ein umfassendes Baum-Porträt. Diese Porträts können unter den folgenden Links heruntergeladen werden:&lt;br /&gt;
* [https://www.sdw.de/ueber-den-wald/waldwissen/baum-des-jahres/ Schutzgemeinschaft Deutscher Wald - Baum des Jahres]&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/die-baeume-des-jahres Die Bäume des Jahres] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier finden sich weitere [https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen Baumartenportraits].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Provenienzen von Baumarten und Projekt Generhaltungsgebiete Schweiz, ETH Zürich===&lt;br /&gt;
Autochthone Populationen einer Baumart, welche an einem bestimmten Ort seit unzähligen Generationen ohne menschliche Beeinflussung gewachsen sind, haben sich durch natürliche Selektionsvorgänge optimal an die dortigen Standortsbedingungen angepasst. Diese im Erbgut fixierten Eigenschaften können sowohl morphologische als auch physiologische Anpassungen umfassen. Dies kann sich unter anderem in unterschiedlicher Wuchsform und anderem Wachstumsverhalten, in spezifischen Anpassungen an verschiedene klimatische Bedingungen oder Bodeneigenschaften, aber auch durch unterschiedliche Resistenz gegen Schädlinge oder Krankheiten äussern. Man spricht hier auch von Klima- oder Standortsrassen oder «Ökotypen» einer Baumart. Besonders natürlich weit verbreitete Baumarten wie die Waldföhre oder Fichte, welche z.B. in verschiedenen Klimazonen vorkommen, können viele verschiedene Rassen aufweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der genauen Herkunft oder '''Provenienz''' von Baumarten ist in der Forstwirtschaft schon lange bekannt. Sie spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei der Auswahl von passendem Saatgut oder Jungpflanzen bei Aufforstungen insbesondere im Gebirge, als auch für die optimale Produktion von wertvollem Nutzholz bestimmter Baumarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die genetische Vielfalt innerhalb der verschiedenen Arten ist gemäss allgemeiner Definition auch ein Bereich der Biodiversität. Dies gilt insbesondere auch für die genetische Vielfalt der Baumarten. Diese soll speziell durch ausgewählte Generhaltungsgebiete gesichert und langfristig erhalten bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zweck ist im Jahr 2013 an der ETH Zürich das Projekt «Generhaltungsgebiete Schweiz» gestartet worden.&lt;br /&gt;
Das Oberziel dazu lautet: &amp;quot;Dynamische Erhaltung und Monitoring der genetischen Vielfalt wichtiger Waldbaumarten in der Schweiz durch das Einrichten von Generhaltungsgebieten mit Anschluss an die entsprechende paneuropäische Strategie.&amp;quot; Unter anderem sollen repräsentative Generhaltungsgebiete für geeignete Populationen ausgewählter Zielbaumarten ausgeschieden und ein Generhaltungskataster aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen und Unterlagen zu diesem Projekt finden sich unter:&lt;br /&gt;
[https://fe.ethz.ch/forschung/dendrology-and-vegetation-science/fgr/gcu.html Projekt Generhaltungsgebiete Schweiz – Professur für Waldökologie, ETH Zürich]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Urwald ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum besseren Verständnis von ökologischen Vorgängen und der natürlichen Dynamik von Wäldern orientiert man sich sowohl aus naturschützerischem als auch aus forstwirtschaftlichem Blickwinkel an den Strukturen und Abläufen in von Menschen unbeeinflussten Waldbeständen. Solche «Urwälder» sind in der uralten Kulturlandschaft von Mittel- und Südeuropa kaum mehr vorhanden. Grössere Flächen sind fast nur in Ost- und in Südosteuropa erhalten geblieben. Das heutige Wissen über europäische Urwälder beruht deshalb vor allem auf intensiver forstlicher und naturkundlicher Forschung, welche seit Ende des Zweiten Weltkrieges in diesen Wäldern durchgeführt wurden. Auf deren Erkenntnissen und den davon abgeleiteten Waldmodellen beruht ein ansehnlicher Teil der Anwendung im aktuellen Waldnaturschutz und in der natur-nahen Waldbewirtschaftung in der Schweiz und den umliegenden Ländern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur:&lt;br /&gt;
* Leibundgut, 1993: Europäische Urwälder - Wegweiser zur naturnahen Waldwirtschaft.&lt;br /&gt;
* [https://totholz.wsl.ch/de/totholz/totholzmengen/totholz-in-naturwaeldern.html Die Urwälder der Westkarpaten]&lt;br /&gt;
* [https://www.dora.lib4ri.ch/wsl/islandora/object/wsl%3A10492 Brändli &amp;amp; Dowhanytsch 2003: Urwälder im Zentrum Europas. Ein Naturführer durch das Karpaten-Biosphärenreservat in der Ukraine.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Definitionen''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als «Urwälder» werden Wälder bezeichnet, in denen frühere Nutzungen durch Menschen weder bekannt noch erkennbar oder so unbedeutend und weit zurückliegend sind, dass sie keinen Einfluss auf die heutige Baumartenzusammensetzung, Waldstruktur, Totholzmenge und Walddynamik erkennen lassen (Brang et al. 2011, S. 14ff).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wälder, deren frühere Nutzungen nicht mehr erkennbar sind, werden als „sekundäre Urwälder“ oder „Urwälder im weiteren Sinne“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
Wälder mit standortsgemässer Baumartengarnitur, welche aus Naturverjüngung hervorgegangen sind und sich frei entwickeln können, aber frühere Nutzungseingriffe noch spürbar sind, werden als „Naturwälder“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
Eindeutige Zuordnungen zu diesen drei Kategorien sind aber nicht immer möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = scherzinger_1996.png&lt;br /&gt;
| text = Über 300 bis 600 Jahre (je nach Baumartenzusammensetzung und Standortsbedingungen) durchläuft ein Urwaldbestand mehrere Entwicklungsphasen mit jeweils charakteristischem Wachstumsverlauf und Strukturmerkmalen. Der Zyklus reicht von einer offenen Initialphase bis zum weit-gehenden Zusammenbruch des alten Bestandes, womit die Bedingungen für den Aufwuchs der nächsten Bestandesgeneration gegeben sind. Ein grossflächiger Urwald besteht aus einem Mosaik von Beständen, welche sich in unterschiedlichen Phasen befinden und sich in ihrer Gesamtheit in einem dynamischen Gleichgewicht befinden. Quelle: Scherzinger, 1996 (Abb. 39)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleibt aber festzuhalten, dass dieser modellhafte Ablauf eines Urwaldzyklus nicht vollständig ablaufen muss. Durch Störungsereignisse wie Stürme, Waldbrände oder Schädlingskalamitäten kann diese Dynamik in verschiedenster Art und Weise abgebrochen oder zurückgeworfen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = scherzinger_1996_zyklus.png&lt;br /&gt;
| text = Quelle: Scherzinger, 1996 (Abb. 30c)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologisch wertvollsten Strukturen bestehen in der Urwalddynamik in der sogenannten Zerfallsphase.&lt;br /&gt;
Die ältesten noch lebenden Bäume erreichen eindrückliche Dimensionen bzgl. Stammdurchmesser und Ausformung der Krone. Tote Äste, Mulm, Baumhöhlen und je nach Baumart auch grobe Borke führen zu einem breiten Spektrum an Gross- und Kleinstrukturen. Zahlreiche Bäume sind schon abgestorben und bilden stehendes und liegendes Totholz in unterschiedlichem Verfallsstadium. Dadurch sind auch grössere Lücken im Baumbestand entstanden, welche viel Licht, Wärme, aber auch Niederschlag ins Waldesinnere bringen und unter anderem die Bodenbildung (insb. Mineralisierung und damit die Freisetzung von Nährstoffen) beeinflussen. Die Biodiversität erreicht in dieser Phase einen Höhepunkt, da viele Organismen nun ihre spezifischen Habitatbedingungen finden, welche in anderen Phasen der Urwalddynamik nicht oder nur teilweise vorhanden sind.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Charakteristische Merkmale von Urwäldern können somit wie folgt zusammengefasst werden (Brang et al. 2011, Kasten 1.2, S. 21):&lt;br /&gt;
* Baumriesen und/oder alte Bäume sind häufig&lt;br /&gt;
* Einige Bäume erreichen ihr biologisches Maximalalter&lt;br /&gt;
* Es kommt stehendes und liegendes Totholz in unterschiedlichen Zersetzungsstadien vor&lt;br /&gt;
* Der Bestandesaufbau ist heterogen, unterschiedliche Entwicklungsphasen wechseln mosaikartig ab&lt;br /&gt;
* Die Entwicklungsphasen überlappen sich&lt;br /&gt;
* Baumalter und Stammdurchmesser sind auf kleiner Fläche unterschiedlich&lt;br /&gt;
* Die Biomasse ist gross&lt;br /&gt;
* Das Artenspektrum ist natürlich&lt;br /&gt;
* Spuren anthropogener Nutzungen wie Strünke gefällter Bäume, Rückegassen, Pflanzungen, Beweidungsspuren usw. fehlen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz finden sich nur noch ganz wenige echte oder kaum beeinflusste &lt;br /&gt;
Urwaldflächen:&lt;br /&gt;
* Derborence (Gde. Conthey VS): Hochmontaner Fichten-Weisstannen-Wald&lt;br /&gt;
* Bödmeren (Gde. Muotathal SZ): Subalpiner Fichtenwald und Bergföhrenwald in Karstgebiet&lt;br /&gt;
* Scatlè (Gde. Brigels GR): Subalpiner Fichtenwald auf Blockschutt&lt;br /&gt;
Weitere kleinere und unberührte Waldflächen vor allem auf Extremstandorten in den Alpen und im Jura dürften die strengen Kriterien für einen Urwald auch erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die passende Förder- und Schutzmassnahme um urwaldähnliche Wälder zu fördern oder naturnahe Bestände längerfristig in Wälder mit urwaldähnlicher Dynamik zu überführen ist die Einrichtung von Naturwaldreservaten. (vgl. Kap. [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung_und_Sicherung_von_Waldreservaten «Ausscheidung und Sicherung von Waldreservaten»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Knollenfichte_Derborence 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = In der Schweiz gibt es nur wenige und kleinflächige primäre Urwälder (Abbildung ist von der Derborance)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nutzungsformen im Wirtschaftswald ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens seit dem Neolithikum hat der Mensch die ursprünglichen Urwälder Mitteleuropas immer stärker beeinflusst. Waldflächen wurden vor allem für die landwirtschaftliche Nutzung und Siedlungen gelichtet, beweidet und gerodet, die verbleibenden Waldflächen meist übermässig geplündert. Eine geordnete Waldnutzung mit dem Ziel einer nachhaltigen Holzproduktion etablierte sich in Europa im Laufe des 19. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der heutigen Forstwirtschaft werden für die Bewirtschaftung folgende Betriebsarten unterschieden:&lt;br /&gt;
* Hochwald (79%)&lt;br /&gt;
* Mittelwald (0.3%)&lt;br /&gt;
* Niederwald (3.6%)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie unterscheiden sich in der Art der Verjüngung und forstlichen Eingriffe und führen dadurch zu ganz unterschiedlichen Art-, Alters- und Raumstrukturen, welche ökologisch und im Hinblick auf die Biodiversität sehr relevant sind. Ihre heutige Bedeutung im Schweizer Wald ist sehr unterschiedlich (siehe nachfolgende Beschreibungen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Hoch Mittel Niederwald.png&lt;br /&gt;
| text = Der Hochwald ist mit 79% die mit Abstand häufigste Betriebsart. Die Niederwaldbewirtschaftung ist nur im Tessin und in den Bündner Südtälern flächenmässig relevant, während der Mittelwald in der ganzen Schweiz auf nur 0.3% der Fläche vorkommt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiger Begriff aus dem Wirtschaftswald ist die Umtriebszeit. Sie beschreibt den Zeitraum in Jahren zwischen der Begründung und der Räumung eines gleichaltrigen Waldbestandes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hochwald===&lt;br /&gt;
Der Hochwald ist heute die übliche und weitaus häufigste Betriebsform der Waldbewirtschaftung in Mitteleuropa. Die Bäume gehen als sogenannte Kernwüchse aus Samen hervor. Die Umtriebszeiten liegen meist zwischen 100 und 150 Jahren. Es wird unterschieden zwischen schlagweisem Hochwald (d.h. flächenweiser Verjüngung und Behandlung von Waldbeständen, z.B. Kahlschlag, Saumschlag oder Femelschlag) und einzelbaumgenutztem Hochwald (Plenterwald und Dauerwald). Gemäss LFI4 werden rund 79 % der Gesamtwaldfläche als Hochwälder genutzt, davon 7 % als Plenter- oder Dauerwald) ([https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Waldbauliche_Begriffe.2C_Waldstrukturen_und_Bestandesaufbau siehe auch Verjüngungsformen]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der waldökologische Wert des Hochwaldes hängt neben der Umtriebszeit vor allem von der Verjüngungsform und der Baumartenzusammensetzung ab. In der Regel sind aber ökologisch wertvolle Strukturen eher wenig vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zwei folgenden Betriebsarten spielen heute im Schweizer Wald aus wirtschaftlicher Sicht nur noch eine sehr untergeordnete Rolle mit entsprechend geringem Flächenanteil. Über Jahrhunderte stellten sie aber die übliche traditionelle Waldnutzung dar. Sie werden deshalb manchmal auch als historische Waldnutzungsformen bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Niederwald===&lt;br /&gt;
Die Niederwaldbewirtschaftung ist die ursprünglichste Form der Holzgewinnung. Die Bestände bestehen aus Stockausschlägen, ihre Vermehrung ist deshalb vegetativ. Sie dienen vor allem der Brennholzgewinnung, regional waren auch andere Nutzungsziele (wie z.B. die Produktion von Gerberlohe in Eichenniederwäldern) von Bedeutung. Die Umtriebszeiten sind sehr kurz, nach etwa 15 bis 35 Jahren werden die Austriebe wieder auf den Stock gesetzt. Niederwaldnutzung spielt in der Schweiz heute praktisch keine Rolle mehr, laut LFI4 bedecken sie noch 3,6 % der Waldfläche. Nur auf der Alpensüdseite bilden sie mit 16,3 % noch ein wichtiges Element der dortigen Wälder, werden aber auch dort kaum mehr bewirtschaftet. In Ländern mit schlecht organisierter oder fehlender Forstwirtschaft sind Niederwälder aber immer noch ein bedeutendes Landschaftselement und spielen oft eine wichtige Rolle für die lokale Brennholzversorgung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Niederwaldbetrieb ökonomisch unvorteilhaft ist, weist er einen bedeutenden ökologischen Wert auf. Auf die Dauer setzen sich gut ausschlagfähige Baum- und Straucharten gegenüber Klimaxbaumarten durch.&lt;br /&gt;
Dazu zählen vor allem Hagebuche und Eichen bzw. im Süden der Schweiz Edelkastanie oder Hopfenbuche. Generell werden auch die Hasel und andere raschwüchsige Straucharten stark gefördert. Bei entsprechenden Standortsbedingungen profitieren auch Eschen, Linden oder die Grauerle vom Niederwaldbetrieb. Im Gegensatz dazu wird die Buche in der Regel sogar von ihren typischen Waldstandorten verdrängt. Die Holzernte verläuft meistens flächig und führt so zu sich dynamisch ändernden mosaikartigen Bestandesstrukturen mit offenen bis dichten Bereichen. Licht- und wärmebedürftige Tier- und Pflanzenarten finden so vor allem in den ersten Jahren nach einem Abtrieb ideale Bedingungen.&lt;br /&gt;
Ökologisch nachteilig sind das völlige Fehlen von Alt- und Totholz und die relative Strukturarmut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fördermassnahmen für den Niederwald siehe Kap. [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung.2C_Sicherung_und_Pflege_von_besonderen_Bestandesstrukturen «Ausscheidung, Sicherung und Pflege von besonderen Bestandesstrukturen»]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur:&lt;br /&gt;
* [https://www.anl.bayern.de/publikationen/landschaftspflegekonzept/index.htm Landschaftspflegekonzept Bayern, 2006: Bd. II.13 Nieder- und Mittelwälder.]&lt;br /&gt;
* Konold, 1999: Handbuch Naturschutz und Landschaftspflege: Kompendium zu Schutz und Entwicklung von Lebensräumen und Landschaften. Kapitel XIII-1.1 Niederwald.&lt;br /&gt;
* Scherzinger, 1996: Naturschutz im Wald, S. 343.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Mittelwald ===&lt;br /&gt;
Diese Mischform aus Hochwald und Niederwald war früher im Laubwaldgebiet der wärmeren Lagen&lt;br /&gt;
weit verbreitet und spielte gerade auch im schweizerischen Mittelland eine wichtige Rolle. Grosse Bäume in der Oberschicht werden aus Samen als Kernwüchse aufgezogen und dienen der Produktion von wertvollen Holzsortimenten (Bauholz, Möbelholz). Andererseits wird im gleichen Bestand auch eine Art Niederwaldwirtschaft für die Brennholzproduktion betrieben. Diese Gehölze werden als Hauschicht bezeichnet und bilden die Unter- oder Mittelschicht eines Mittelwaldes. Ihre Nutzung entspricht derjenigen im Niederwald und der Eingriff wird als Erneuerungshieb bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während etwa in Frankreich in natürlichen Eichenwaldgebieten auch Wirtschaftswälder noch grossflächiger als Mittelwälder (Taillis sous futaie) betrieben werden, sind sie im Schweizer Wald praktisch bedeutungslos geworden. Ihr Flächenanteil ist gemäss LFI4 auf 0,3 % zurückgegangen. Die einst im Mittelland vorherrschenden Mittelwälder sind praktisch alle in Hochwälder überführt worden. Die verbleibenden Flächen werden vor allem aus naturschützerischen Gründen noch gepflegt und wieder etwas gefördert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zum heute unbedeutenden ökonomischen Wert weisen Mittelwälder eine herausragende ökologische Bedeutung mit einer aussergewöhnlich hohen Biodiversität auf. Dies ist neben einer hohen Strukturvielfalt vor allem auch auf eine besondere Baumartenzusammensetzung zurückzuführen. Die oft jahrhundertelange Bewirtschaftung als Mittelwald hat in der Regel die ursprüngliche natürliche Gehölzvegetation stark verändert. Die Eichen-Hagebuchenwälder des Mittellandes sind dadurch meistens aus natürlichen Buchenwäldern hervorgegangen. Hochwüchsige Eichenbestände sind in der Schweiz deshalb vor allem durch Mittelwaldbewirtschaftung entstanden. Für den Mittelspecht, der Wälder mit grossen alten Eichen bevorzugt besiedelt, ist der Mittelwald somit ein besonders wichtiger Lebensraum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der charakteristische Strukturreichtum ist einerseits dem hohen Anteil locker stehender mächtiger alter Bäume in der Oberschicht zu verdanken. Sie weisen grosse breite Kronen auf, die - je nach Baumart - mit grober Borke, toten Ästen oder Baumhöhlen besonders viele wertvolle Mikrohabitate aufweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die regelmässig auf den Stock gesetzte Hauschicht wird das Spektrum an ökologisch wertvollen Strukturen stark erweitert. Kurzfristig offene Flächen mit reicher Krautschicht wechseln ab mit einer dichten Strauchschicht und vielen inneren Waldrändern. Dieser Strukturreichtum und die ständige Dynamik mit zahlreichen ökologischen Nischen sind die Gründe für die hohe Biodiversität von Mittelwäldern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erhaltung und Förderung von Mittelwäldern zu Naturschutzzwecken lässt sich zweckmässig mit der Einrichtung von Sonderwaldreservaten erreichen. (vgl. Kap. [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung.2C_Sicherung_und_Pflege_von_besonderen_Bestandesstrukturen «Ausscheidung, Sicherung und Pflege von besonderen Bestandesstrukturen»] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* Arbeitskreis forstliche Landschaftspflege, 1986: Biotop-Pflege im Wald, Kap. 3.2.5.3&lt;br /&gt;
* Blab, 1993: Grundlagen des Biotopschutzes für Tiere, S. 310ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Spezialformen von Waldnutzung zählen:&lt;br /&gt;
* Weidewälder&lt;br /&gt;
* Selven&lt;br /&gt;
* Holzplantagen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weidewälder und Wytweiden===&lt;br /&gt;
Weidewälder und Wytweiden bzw. pâturage boisé, wie sie vor allem im Jura genannt werden, sind eine traditionelle Form der Doppelnutzung als Nutztierweide und zur Holzgewinnung. Weidewälder und bestockte Weiden unterstehen explizit dem eidgenössischen Waldgesetz (WaG §2 Abs.2 lit. a).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grosse Bedeutung als Landschaftselemente hatten und haben sie vor allem auf den Jurahöhen und im Alpenraum. Über viele Jahrhunderte waren die Wälder eine wichtige zusätzliche Nahrungsquelle für Ziegen, Schweine oder Rinder. Diese ernährten sich sowohl von der Bodenvegetation als auch vom Laub und Holz sowie von Baumfrüchten (Eicheln, Bucheckern) im Wald. Im Vergleich zum Naturwald und Wirtschaftswald weisen Weidewälder offenere Strukturen und oft andere dominante Baumarten auf. Im Jura wurde dadurch die Fichte und im Alpenraum die Lärche stark gefördert. Waldweiden bilden meist Mosaike von offenen, extensiv genutzten Weideflächen und aufgelockerten Waldbeständen auf. Dadurch weisen sie eine hohe Biodiversität auf und sind zudem oft prägende Landschaftselemente und attraktive Erholungsräume. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Forstpolizeigesetz von 1902 wurde die Waldweide als &amp;quot;nachteilige Nutzung&amp;quot; grundsätzlich verboten, was aber bis heute aufgrund der landwirtschaftlichen Bedeutung dieser Doppelnutzung nicht vollumfänglich umgesetzt werden konnte. Lange Zeit hat sich der Forstdienst bemüht durch Wald-Weide-Ausscheidungen die beiden Nutzungsformen räumlich klarer zu trennen. In zahlreichen schlecht erschlossenen Gebieten ist zudem in den letzten Jahrzehnten die landwirtschaftliche Nutzung von Waldweiden extensiviert oder ganz aufgegeben worden. Andernorts ist die Beweidung von Wäldern auch intensiviert worden. In beiden Fällen bringen diese Nutzungsänderungen aus unterschiedlichen Gründen eine Verarmung der Biodiversität mit sich und auch das landschaftliche charakteristische und reizvolle Mosaik von Wald und Weide verschwindet immer mehr. Um den ökologischen und landschaftlichen Wert solcher Gebiete zu erhalten oder wiederherzustellen werden Waldweiden wieder vermehrt gezielt gepflegt und bewirtschaftet. Dies gehört auch zu den Zielen und Massnahmen zur Förderung der Biodiversität im Wald des Bafu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/nebennutzung/agrarische-waldnutzung/waldweide-als-naturschutzmassnahme Waldweide als Naturschutzmassnahme - Tradition unter veränderten Vorzeichen (waldwissen.net)]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html Bafu, 2015: Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen, Massnahmenbereich M3, S. 94ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Selven===&lt;br /&gt;
Selven sind parkartige, mit Edelkastanien (''Castanea sativa'') oder Walnussbäumen (''Juglans regia'') bestockte Weiden oder Wiesen. Wie bei den Weidewäldern handelt es sich trotz oft geringer Baumbestockung rechtlich gesehen explizit um Wald (WaG §2 Abs.2 lit. a). Es sind alte Kulturformen mit kombinierter land- und forstwirtschaftlicher Nutzung. Die Bäume liefern Holz und Früchte bei gleichzeitiger Heugewinnung oder Beweidung. Sie sind vor allem auf der Alpensüdseite als Kastanienselven bis etwa 1000 m ü. M. verbreitet. Die Kastanienfrüchte waren ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Die Kastanienselven sind deshalb meistens im Privatbesitz und die Bäume wurden gepflegt, geschnitten und lieferten zahlreiche Sorten für unterschiedliche Verwendungen der Kastanienfrüchte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
In den letzten Jahrzehnten haben die Selven und Kastanienbäume ihre zentrale Bedeutung praktisch völlig verloren. Die Selven werden nicht mehr genutzt und die Bestände wachsen mit dichtem Unterholz ein. &lt;br /&gt;
Intakte, gepflegte und genutzte Selven weisen als typisch offene und lichte Wälder eine hohe Biodiversität mit wärme- und lichtbedürftigen Arten auf. Von besonderem ökologischem Wert als Biotopbäume sind vor allem auch die teilweise sehr alten und mächtigen Kastanienbäume mit ihren vielfältigen Strukturen und Anteilen an Totholz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl aus kulturhistorischen als auch landschaftsästhetischen und naturschützerischen Gründen werden seit einiger Zeit einzelne potentiell attraktive Selven wieder instand gestellt und gezielt gepflegt. Als geeignetes Instrument eignet sich dazu vor allem die Einrichtung von Sonderwaldreservaten (vgl. Kap. [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung.2C_Sicherung_und_Pflege_von_besonderen_Bestandesstrukturen «Ausscheidung, Sicherung und Pflege von besonderen Bestandesstrukturen»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* [http://www.agriticino.ch/servizi/selve-castanili/ Associazione dei castanicoltori della Svizzera italiana]&lt;br /&gt;
* [https://www.kastanien.net/de/Verein Verein pro Kastanie Zentralschweiz]&lt;br /&gt;
* [https://www.sbt.ti.ch/bcb/home/drt/dossier/castagno/completo.html Literaturverzeichnis zur Kastanie im Tessin]&lt;br /&gt;
* [https://www.fondazionemontgrand.ch/ Selven in Soazza (Misox)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Plantagen (Holzplantagen)===&lt;br /&gt;
In Holzplantagen werden einzelne schnellwachsende Baumarten in Monokultur nach landwirtschaftlichen Methoden für die Holz- oder Zelluloseproduktion aufgezogen und nach kurzen Umtriebszeiten geerntet. In der Schweiz handelt es sich vor allem um Plantagen mit Hybridpappeln mit einem Anteil von unter 0,1 % an der Gesamtfläche des Waldes.&lt;br /&gt;
Sie weisen einen sehr geringen ökologischen Wert auf und können kaum als Waldökosysteme bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergleich Naturwald/Urwald mit Wirtschaftswald ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nachhaltig und naturnah bewirtschaftete Wälder weisen im Vergleich zu Urwäldern oft deutliche ökologische Defizite auf. Flächig bewirtschaftete Wirtschaftswälder werden meist mit Umtriebszeiten von 80 bis 150 Jahren bewirtschaftet und auch im Plenter- und Dauerwald werden die ältesten Bäume geerntet, bevor sie Zerfallserscheinung aufweisen. Im Vergleich zur Urwalddynamik befinden sich solche hiebsreifen Bäume oder Bestände erst in der Optimalphase, also noch in der ersten Lebenshälfte eines Urwaldbestandes. Insbesondere die Alters- und Zerfallsphase werden somit im Wirtschaftswald nicht erreicht. Diese Phase weist aber die höchste Strukturvielfalt, den höchsten Anteil an Totholz und somit auch die höchste Faunen- und Florendiversität (insbesondere Moose, Flechten und Pilze) auf, welche ein Waldbestand im Laufe seiner langen Lebenszeit erreichen kann. Insbesondere xylobionte, d.h. zwingend auf altes und totes Holz angewiesene Arten, sind deshalb in ihrer Existenz bedroht und stehen zu Hunderten auf den Roten Listen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Alte Waldbestaende Altholzinseln.png&lt;br /&gt;
| text = Der Wirtschaftswald mit Umtriebszeiten von 80 bis 150 Jahren kann keine arten- und totholzreiche Alters- und Zerfallsphase aufweisen. Quelle: [https://totholz.wsl.ch/de/walddynamik/alte-waldbestaende-und-altholzinseln.html Naturwaldreservate und Altholzinseln als Massnahme für die Erhaltung von alten Wäldern (old-growth forests)]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits weisen auch Wälder mit traditionellen Bewirtschaftungsformen wie Mittelwald oder Weidewälder im Vergleich zu den Wirtschaftswäldern in der Regel eine erhöhte Biodiversität durch licht- und wärmeliebende Arten auf. Auch aus diesen Waldlebensräumen stehen viele Arten in den Roten Listen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ökologisch wertvolle Strukturen: Altholz, Totholz, Biotopbäume==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Totholz===&lt;br /&gt;
Totholz umfasst verschiedenste Formen von abgestorbenem Holz: z.B. stehende Bäume oder liegende Stämme, tote Äste an noch lebenden Bäumen sowie Baumstrünke oder Wurzelteller. Totholz wird vor allem durch holzzersetzende Pilze und Insektentätigkeit abgebaut. Auch fortgeschrittene Zersetzungsstadien wie faules Holz oder Mulm zählen zum Totholz. Wie rasch und in welcher Form Totholz abgebaut und schliesslich zu Humus wird, hängt von den Standortsbedingungen (Luft- und Bodenfeuchtigkeit, Temperaturverhältnisse, Bodenvegetation usw.) und vor allem von der Zersetzungsgeschwindigkeit der Baumarten ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = galerie5_2 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Etwa 6000 Waldorganismen sind auf Totholz angewiesen, vor allem Pilze und Käfer.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Totholz reichert sich in einem Wald vor allem in der sogenannten Zerfallsphase an, wenn die meisten Bäume im Alter von mehreren hundert Jahren und mit mächtigen Dimensionen langsam absterben. Dieses Alter erreichen Bäume aber praktisch nur in Urwäldern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den europäischen Urwäldern beträgt die durchschnittliche Totholzmenge rund 140 m&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;/ha mit allerdings grossen Schwankungen in den einzelnen Beständen. Im Vergleich dazu liegt das durchschnittliche Totholzvolumen in der Schweiz bei 24 m&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;/ha (Resultate aus LFI 4). Im Mittelland, wo totholzarme Wirtschaftswälder vorherrschen, liegt der Durchschnitt gemäss LFI4 bei 15 m&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;/ha, in den Alpen mit vermehrt wenig oder nicht mehr genutzten Wäldern bei 30 m&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;/ha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa ein Viertel aller Waldorganismen, d.h. rund 6000 Arten sind auf Totholz angewiesen. Nebst der Totholzmenge an und für sich sind für viele oft extrem spezialisierte Lebewesen auch die Position (stehend/liegend), die Dimension (dick/dünn), das Mikroklima (warm/kühl bzw. trocken/feucht) oder der Zersetzungsgrad des toten Holzes von existenzieller Bedeutung. Besonders viele Pilze und Insekten, insb. Käfer sind exklusiv auf Totholz unterschiedlichster Qualität angewiesen und oft grundlegend am Abbauprozess beteiligt. Arten, welche sich vollständig oder teilweise von Holz ernähren und mindestens einen Teil ihres Lebens im Holz verbringen werden als Xylobionten (&amp;quot;Holzbewohner&amp;quot;) zusammengefasst (vgl. Kap. [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Artengruppen_und_Arten_des_Waldes «Artengruppen und Arten des Waldes»]). Weitere häufige Organismengruppen auf Totholz sind Moose und Flechten. Auch Wirbeltiere nutzen Kleinstrukturen des Totholzes wie Baumhöhlen oder suchen ihre Beute im Totholz. Dazu gehören vor allem die Spechtarten, deren Höhlen dann auch von gewissen Eulen- und Fledermausarten, Vögeln sowie Bilchen &amp;quot;nachgenutzt&amp;quot; werden. Auch gewisse Amphibien- und Reptilienarten gehören zu den Totholznutzern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untersuchungen haben gezeigt, dass die meisten xylobionten Arten der europäischen Wälder für ihre langfristige Existenz Totholzmengen von 20 bis 50 m&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;/ha benötigen, einzelne seltene und besonders spezialisierte Arten sogar über 100 m&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;/ha. Dabei haben auch die Höhenstufen mit ihren unterschiedlichen Waldtypen einen Einfluss: die meisten xylobionten Arten der Buchen-Eichen-Laubwälder in den tieferen Lagen benötigen 30-50 m&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;/ha, diejenigen der Bergmischwälder der montanen Stufe 30-40 m&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;/h und die Arten der Nadelwälder der oberen Höhenstufen 20-30 m&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;/ha Totholz. Nicht nur die Menge, sondern auch die Dimension des Totholzes kann für die Existenz von Arten entscheidend sein. So kommen gewisse grössere Käferarten nur in Altwäldern mit genügend dicken Totholzstämmen vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Quellen: Müller et al., 2010, [https://www.slf.ch/fileadmin/user_upload/WSL/Mitarbeitende/buetler/Totholz_Kapitel_Lachat.pdf Lachat et al., 2013: Kap. 2.2. Totholz: Quantitative und qualitative Voraussetzungen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt von Xylobionten]; In: [https://informar.eu/sites/default/files/pdf/In_Focus_ManagingForest_Europe_D.pdf Kraus et al. 2013: Integrative Ansätze als Chance für die Erhaltung der Artenvielfalt in Wäldern]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich der Totholzmengen in den Schweizer Wäldern zu den oben geschilderten Beispielen geht hervor, dass die vorhandenen Durchschnittsmengen die Bedürfnisse der Totholznutzer nur zu einem ungenügenden Teil abdecken können, dies gilt insbesondere für die Laubwälder des Mittellandes. Günstigere Bedingungen finden sich vor allem in einzelnen alten und kaum genutzten Wäldern der Voralpen und Alpen. Dort finden sich ganz lokal Totholzmengen von 100-200 m&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;/ha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb verwundert es nicht, dass viele vom Totholz abhängige Arten in Roten Listen und in der Liste der national prioritären Arten aufgeführt sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Lebensraum Totholz und seine charakteristischen Bewohner gibt es eine grosse Auswahl von Literatur. Eine sehr informative und praxisbezogene Übersicht zum Thema bietet das [https://www.wsl.ch/de/publikationen/totholz-im-wald-entstehung-bedeutung-und-foerderung-1.html Merkblatt für die Praxis Nr. 52, Lachat et al., 2019]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/publikationen/totholz-im-wald-entstehung-bedeutung-und-foerderung-1.html Lachat et al., 2019: Totholz im Wald. Entstehung, Bedeutung und Förderung]&lt;br /&gt;
* Müller, J &amp;amp; Bütler, R (2010), A review of habitat thresholds for dead wood / a baseline for management recommendations in European forests. European Journal of Forest Research 129/981–992&lt;br /&gt;
* Scherzinger, 1996: Naturschutz im Wald - Qualitätsziele einer dynamischen Waldentwicklung.&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/publikationen/lebensraum-totholz.html Schiegg Pasinelli et al., 2002: Lebensraum Totholz.]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/publikationen/moderholz-fuer-die-naturverjuengung-im-bergwald-anleitung-zum-moderanbau.html Stöckli, 1995: Moderholz für die Naturverjüngung im Bergwald. Anleitung zum Moderanbau.]&lt;br /&gt;
* [https://totholz.wsl.ch/de/index.html Totholz und Habitatbäume, WSL] &lt;br /&gt;
* [https://www.vogelwarte.ch/de/atlas/focus/tot-und-altholz-sind-essenziell-fuer-voegel Brutvogelatlas Schweiz: Tot- und Altholz sind essenziell für Vögel (Vogelwarte)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biotopbäume/ Habitatbäume===&lt;br /&gt;
Ökologisch wertvolle Bäume wurden in der Literatur bisher meistens «Biotopbäume» genannt. In letzter Zeit wird stattdessen häufig der Begriff «Habitatbäume» verwendet. Wir verwenden in diesem Artikel beide Begriffe gleichsinnig nebeneinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte Bäume mit mächtiger Krone und dickem Stammdurchmesser weisen in der Regel zahlreiche ökologisch wertvolle Klein- bis Kleinststrukturen auf, welche als Kleinstlebensräume oder Mikrohabitate von unzähligen oft hochspezialisierten Waldorganismen genutzt werden. Dazu zählen verschiedenste Formen von Totholz - von toten Ästen bis zu Mulmhöhlen -, Spechthöhlen, Rindentaschen, Verletzungen des Stammes durch Steinschlag oder Blitzeinschlag, Epiphyten- oder Efeubewuchs usw. Auch absterbende oder tote Bäume mit entsprechenden Dimensionen weisen solche wertvollen Mikrohabitatstrukturen auf und gelten ebenfalls als sogenannte Biotopbäume oder Habitatbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Urwäldern treten sie gehäuft in der Alters- und Zerfallsphase mit entsprechend hoher Biodiversität auf, im Wirtschaftswald fehlen sie hingegen vor allem im Mittelland trotz naturnahem Waldbau weitgehend und mit ihnen ein Grossteil der xylobionten Waldarten, welche auf deren Mikrohabitate angewiesen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Gewöhnliche Gelbflechte Konrad Knauthe.jpg&lt;br /&gt;
| text = Ein Habitatbaum bietet Lebensraum für Spechte, Fledermäuse, Pilze, Flechte, Pflanzen und zahlreiche Insekten und Spinnentiere.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Methodik zur Charakterisierung und einheitlichen Erfassung von Habitatbäumen ist in einem internationalen Projekt mit Fachleuten aus West- und Mitteleuropa standardisiert worden. Kernstück dieses Projektes ist ein hierarchisch aufgebauter Katalog der Baummikrohabitate. Die oberste Ebene bilden 7 Grundformen beruhend auf morphologischen Eigenschaften:&lt;br /&gt;
* Höhlen im weiteren Sinn&lt;br /&gt;
* Stammverletzungen und freiliegendes Holz&lt;br /&gt;
* Kronentotholz&lt;br /&gt;
* Wucherungen&lt;br /&gt;
* Feste und schleimige Pilzfruchtkörper&lt;br /&gt;
* Epiphytische, epixylische oder parasitische Strukturen&lt;br /&gt;
* Ausflüsse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese 7 Grundformen sind 15 Gruppen und diese wiederum in einer dritten Ebene in 47 Typen eingeteilt.&lt;br /&gt;
Das Thema Habitatbäume und die Methodik ihrer Erfassung werden im WSL-Merkblatt für die Praxis 64 (s. Literatur) umfassend beschrieben. Weitere konkrete Information und Abbildungen finden sich in einem handlichen Taschenführer (s. Literatur) und in einem detaillierten Katalog als Referenzliste für Feldaufnahmen (Kraus 2016, s. Literatur).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erfassung und Förderung von Habitatbäumen im Wald wird in Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Allgemeine_Aufwertungsmassnahmen «Allgemeine Aufwertungsmassnahmen»] behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/publikationen/habitatbaeume-kennen-schuetzen-und-foerdern.html Bütler et al., 2020: Habitatbäume kennen, schützen und fördern (inkl. Taschenführer der Baummikrohabitate. Beschreibung und Schwellenwerte für Feldaufnahmen]&lt;br /&gt;
* [https://totholz.wsl.ch/de/habitatbaeume/baummikrohabitate.html Vielfalt der Baummikrohabitate (WSL)]&lt;br /&gt;
* [https://totholz.wsl.ch/de/walddynamik/alte-waldbestaende-und-altholzinseln.html Naturwaldreservate und Altholzinseln als Massnahme für die Erhaltung von alten Wäldern (old-growth forests)]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/publikationen/habitatbaeume-kennen-schuetzen-und-foerdern.html Habitatbäume (WSL)]&lt;br /&gt;
* «Massnahmen für Alt- und Totholzstrukturen im Wirtschaftswald: ein Vergleich zwischen deutschsprachigen Ländern» (Schulz et al. 2020) in Bollmann, K. (Red.), 2020: Forum für Wissen 2020. Biodiversität im Schweizer Wald. WSL Ber. 100: 101 S.&lt;br /&gt;
* [https://informar.eu/tree-microhabitats Kraus, D., Bütler, R., Krumm, F., Lachat, T., Larrieu, L., Mergner, U., Paillet, Y., Rydkvist, T., Schuck, A., Winter, S., 2016: Katalog der Baummikrohabitate – Referenzliste für Feldaufnahmen. Integrate+ Technical Paper. 16 p.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Lichte Wälder==&lt;br /&gt;
Lichte offene Wälder mit ihrem speziellen Bestandesklima mit viel Licht und Wärme, sind Habitate und Lebensräume für zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Teilweise handelt es sich um natürliche Waldgesellschaften an Extremstandorten, aber auch frühere traditionelle Nutzungen von Wäldern (z.B. Nieder- oder Mittelwaldbewirtschaftung, Waldweide, Streunutzung) bis Übernutzungen. Viele dieser Wälder sind nach Änderung oder Aufgabe der Nutzung durch natürlichen Baumartenwechsel (z.B. von der Föhre zur konkurrenzstärkeren Buche) dunkler, kühler und strukturärmer geworden. In der Folge verschwanden die charakteristischen und oft seltenen lichtliebenden Pflanzenarten (inkl. Gehölze) oder wärmeliebenden Tierarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 2020 steht der [https://www.infospecies.ch/de/projekte/aktionsplan-lichter-wald.html «Aktionsplan Lichter Wald»] zur Verfügung. Er wurde von InfoSpecies im Auftrag des BAFU und in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Waldbiodiversität des Schweizerischen Forstvereins erarbeitet. Dieser koppelt die Arten- und Lebensraumförderung. Für jede beliebige Waldfläche können die potenziell vorkommenden und tatsächlich nachgewiesenen Zielarten abgefragt werden. Die für lichten Wald geeigneten Waldgesellschaften sind einzeln beschrieben, inklusive Bewirtschaftungsgrundsätze, die auf die Bedürfnisse der Zielarten abgestimmt sind. Bei der Planung und Umsetzung von Projekten zur Förderung lichter Wälder können so die aktuell und potenziell vorkommenden Zielarten und deren Lebensraumansprüche künftig vermehrt berücksichtigt werden. Die Liste der Zielarten umfasst 234 Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Informationen zur Förderung Lichter Wälder siehe im Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung.2C_Sicherung_und_Pflege_von_besonderen_Bestandesstrukturen «Ausscheidung, Sicherung und Pflege von besonderen Bestandesstrukturen»]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* [https://www.vogelwarte.ch/de/atlas/focus/viele-spezialisierte-arten-in-lichten-waeldern Brutvogelatlas Schweiz: Spezialisierte Arten in lichten Wäldern]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Naturschutzstrategien im Schweizer Wald ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis vor wenigen Jahrzehnten beherrschte die Doktrin der «Kielwassertheorie» auch den Umgang mit ökologischen und naturschützerischen Themen im Wald. Diese besagt, dass im Kielwasser des Primates einer nachhaltigen Holznutzung auch alle andern Waldfunktionen optimal erfüllt werden können. Zielgerichtete Massnahmen zugunsten von Naturschutz im Wald wurden eher von einzelnen Forstpraktikern umgesetzt, als dass sie wichtige Themen in der Forstpolitik darstellten. Anliegen des Naturschutzes, welche von aussen etwa durch Naturschutzorganisationen vorgebracht wurden, führten sogar öfters zu Konflikten mit dem Forstdienst, etwa bei der Walderschliessung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit zunehmendem Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge und für die Bedeutung des Waldes als wichtiger natürlicher Lebensraum mit einer aussergewöhnlichen Biodiversität hat sich die Situation klar verändert. Naturschutz im Wald ist in den letzten Jahrzehnten zu einem zentralen Thema in der nationalen und kantonalen forstlichen Politik und Planung geworden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Waldgesetz verlangt in seinem Zweckartikel (WaG Art. 1 Abs. 1 Bst. b) den Schutz des Waldes als naturnahe Lebensgemeinschaft. In den Bewirtschaftungsgrundsätzen (Art. 20 Abs. 4) ist die Möglichkeit vorgesehen, dass die Kantone zur Erhaltung der Fauna und Flora Waldreservate ausscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bafu veröffentlichte seit 2010 verbindliche Strategiepapiere, Vollzugshilfen und Programmvereinbarungen zu naturnahem Waldbau, Förderung der Biodiversität im Wald und von national prioritären Arten und Lebensräumen. Dazu gehören vor allem:&lt;br /&gt;
* Projekt Grundanforderungen an den naturnahen Waldbau (Bafu, 2010)&lt;br /&gt;
* Vollzugshilfe Biodiversität im Wald - Ziele und Massnahmen (Bafu, 2015)&lt;br /&gt;
* Aktionsplan Strategie Biodiversität Schweiz (Bafu, 2017)&lt;br /&gt;
* Programmvereinbarungen im Umweltbereich, Kap. 7.2 Teilprogramm «Waldbiodiversität» (Bafu, 2018)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
*[https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/recht/publikationen-studien/publikationen/handbuch-programmvereinbarungen-im-umweltbereich-2020-2024.html Bafu, 2018: Handbuch Programmvereinbarungen im Umweltbereich 2020–2024.]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/biodiversitaetspolitik/strategie-biodiversitaet-schweiz-und-aktionsplan.html Bafu, 2017: Aktionsplan Strategie Biodiversität Schweiz.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die praktische Umsetzung von Naturschutz im Wald zur Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt erfolgt durch verschiedene Strategien. Neben der grundsätzlichen Anwendung eines naturnahen Waldbaus, lassen sich drei Ansätze von direkten Förder- und Schutzmassnahmen unterscheiden:&lt;br /&gt;
* '''Segregation''' (Einrichtung von Waldreservaten, in denen natürliche Prozesse (Naturwaldreservate) oder die spezifische Förderung von Ziel- und Prioritätsarten (Sonderwaldreservate) Vorrang hat)&lt;br /&gt;
* '''Integration''' in die Waldbewirtschaftung (z.B. Stehenlassen von Biotopbäumen, Ausweisung von Altholzinseln, Stehenlassen von Wurzeltellern, vernässten Vertiefungen usw.)&lt;br /&gt;
* '''Spezifische Fördermassnahmen''' für National prioritäre Arten und Lebensräume in- und ausserhalb von Waldreservaten (z.B. Feuchtbiotope, Waldrand)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zu diesem Thema finden sich in: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[https://forbiodiv.wsl.ch/de/index.html Bollmann, K., Kraus, D., Paillet, Y., Jonsson B.G., Gustafsson, L., Mergner, U., Krumm, F. (2020): A unifying framework for the conservation of biodiversity in multi-functional European forests. In: F. Krumm, A. Schuck, A., Rigling, A. (eds.) How to balance forestry and biodiversity conservation – A view across Europe. European Forest Institute (EFI); Swiss Federal Institute for Forest, Snow and Landscape Research (WSL), Birmensdorf. p. 26-45.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden integrative und spezifische Fördermassnahmen vorgestellt und  im Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Erhalt_und_F.C3.B6rderung «Erhalt und Förderung»] wird auf einzelne Fördermassnahmen eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Naturnaher Waldbau===&lt;br /&gt;
Der Zweckartikel des Bundesgesetzes über den Wald verlangt, den Wald als naturnahe Lebensgemeinschaft zu schützen (WaG Art. 1 Abs1 lit. b). Weiter werden die Kantone im WAG-Art. 20 Abs 2 angewiesen, bei ihren Planungs- und Bewirtschaftungsvorschriften den Erfordernissen des naturnahen Waldbaus Rechnung zu tragen. Der naturnahe Waldbau ist also eine gesetzliche Vorgabe für die Bewirtschaftung der Wälder der Schweiz und somit auch eine allgemeine Basis für den Naturschutz im Wald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der schweizerischen Forstgesetzgebung wird der Begriff des naturnahen Waldbaus aber nicht genauer definiert oder umschrieben. Auch sonst gibt es noch keine allgemein akzeptierte Definition, allerdings sind die verschiedenen Ansichten zumindest in der Theorie nicht allzu divergierend. Grundsätzlich orientiert sich der naturnahe Waldbau an den natürlichen Grundlagen wie Böden, Klima und Waldgesellschaften und erreicht seine waldbaulichen und wirtschaftlichen Ziele durch bewusste Lenkung der natürlichen Lebensvorgänge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zum siehe in [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Standards:_Naturnaher_Waldbau.2C_NaiS.2C_Zertifizierung Kap. «Standards: Naturnaher Waldbau, NaiS, Zertifizierung»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Massnahmen zur Integration===&lt;br /&gt;
Es handelt sich hierbei in der Regel um Förderungs- oder Schutzmassnahmen für eher kleinere Flächen oder Einzelobjekte des Waldes, welche ökologisch besonders wertvolle Strukturen oder örtliche Dynamik aufweisen. Die Massnahmen können zeitlich beschränkt sein oder sich aber auch über mehrere Jahrzehnte erstrecken. Sie sind ein geeignetes Instrument, um auch in Wirtschaftswäldern ökologisch sehr wertvolle und notwendige Habitatstrukturen zu fördern. Die Ausscheidung solcher Flächen und Objekte kann meistens praxisorientiert in kurzer Zeit und unbürokratisch durch den lokalen oder regionalen Forstdienst (oft in Zusammenarbeit mit dem amtlichen oder privaten Naturschutz) umgesetzt werden. Die kantonalen Forstdienste stellen oft Richtlinien oder Merkblätter zum Umgang mit solchen Objekten zur Verfügung. Ein rechtlich verankerter Schutzstatus ist meistens nicht nötig oder gar vorgeschrieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Typische Massnahmen zur Integration sind etwa Altholzinseln, Biotop- bzw. Habitatbäume, Totholzobjekte, Spechtbäume, Kleingewässer und Amphibienbiotope im Wald, artenreiche Waldwiesen oder Waldränder. Eine wichtige zusätzliche landschaftsökologische Bedeutung haben diese Flächen und Objekte auch als Trittsteine oder Korridore für die ökologische Vernetzung mit der weiteren Umgebung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die genauere Beschreibung und Umsetzung von solchen Massnahmen wird in Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#.C3.96kologisch_wertvolle_Strukturen:_Altholz.2C_Biotopb.C3.A4ume.2C_Totholz «Ökologisch wertvolle Strukturen: Totholz, Biotopbäume, Lichte Wälder»]  bzw. Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung_und_Sicherung_von_Altholzinseln.2C_Habitatb.C3.A4umen_und_Totholz «Ausscheidung und Sicherung von Altholzinseln, Habitatbäumen und Totholz»] eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Stillgewässer_Wald 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Kleine Gewässer, sowohl Bäche als auch Tümpel, sind ökologische Bereicherungen. Gemäss der Broschüre [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html «Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen» (BAFU, 2015)] gehören das Anlegen von Tümpeln und das Aufheben von Entwässerungen zu den Handlungsoptionen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Waldreservate (Segregation)===&lt;br /&gt;
Waldreservate bieten die optimalsten Bedingungen zur grösserflächigen und langfristigen Förderung und Erhaltung von biologischer Vielfalt und natürlicher Walddynamik. Dies wird auch als Prozessschutz für die ungestörte natürliche Entwicklung von Waldökosystemen mit genügend grossen Flächen bezeichnet. Sie können wie folgt allgemein definiert werden: &amp;quot;Waldreservate sind grundsätzlich auf Dauer angelegte Vorrangflächen für die ökologische und biologische Vielfalt im Wald&amp;quot; (Eisenhut et al., 2019: Waldreservate in der Schweiz, Bericht über den Stand Ende 2018).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die rechtlichen Grundlagen und die praktische Umsetzung zur Einrichtung von Waldreservaten wird im Kap. [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung_und_Sicherung_von_Waldreservaten «Ausscheidung und Sicherung von Waldreservaten»] eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz umfassen die Waldreservate zwei unterschiedliche sich ergänzende Naturschutzkonzepte:&lt;br /&gt;
In «'''Naturwaldreservaten'''» wird bewusst auf jegliche Eingriffe verzichtet, um dem Wald eine natürliche Entwicklung mit einen vollständigen natürlichen Entwicklungszyklus in Analogie zum Urwaldgeschehen zu ermöglichen (mit Alters- und Zerfallstadium, Totholz usw.).&lt;br /&gt;
In «'''Sonderwaldreservaten'''» werden mit gezielten Eingriffen bestimmte Waldstrukturen oder besondere Lebensräume von hoher ökologischer Qualität erhalten und gefördert. Oft handelt es sich dabei um traditionelle Bewirtschaftungsformen wie Mittelwald oder Weidewälder, aber auch um seltene Waldgesellschaften auf Extremstandorten, welche sich durch eine besondere Biodiversität mit seltenen Arten auszeichnen. Auch für gezielte Artenförderung (z.B. Mittelspecht oder Gelbringfalter) können Sonderwaldreservate eingerichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In «'''Komplexwaldreservaten'''» sind sowohl Naturwaldreservate als auch Sonderwaldreservate und manchmal auch weitere Naturschutzflächen (Ried, Magerwiese) integriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leitsätze zu einer schweizerischen Waldreservatspolitik wurden 2001 formuliert (Quelle: Konferenz der kantonalen Forstdirektoren und dem Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft am 21. März 2001):&lt;br /&gt;
# Waldreservate fördern die biologische Vielfalt.&lt;br /&gt;
# Bis ins Jahr 2030 sollen mindestens 10 % der Waldfläche der Schweiz als Waldreservate ausgeschieden werden, davon etwa die Hälfte als Naturwaldreservate und mindestens 30 Grossreservate mit je über 500 ha.&lt;br /&gt;
In den Waldreservaten sollten alle Waldtypen angemessen vertreten sein, wobei der Schutz seltener und gefährdeter Waldtypen, Tiere und Pflanzen besonders zu berücksichtigen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2018 umfasste die Gesamtfläche der Waldreservate knapp 107'000 ha mit 84'000 ha Waldfläche. Dies entspricht 6.3 % der Waldfläche der Schweiz (gemäss «Jahrbuch Wald und Holz 2021» betrug die Reservatsfläche 2019 ca. 87'000 ha Waldfläche). Von der gesamten Waldreservatsfläche liegen 55 % in Naturwaldreservaten und 45 % in Sonderwaldreservaten. Etwa 1/4 der Gesamtfläche bilden Komplexwaldreservate, welche einen Teil der oben aufgeführten Natur- und Sonderwaldreservate beinhalten. Es bestehen 26 Grossreservate mit über 500 ha Fläche. Seit Beginn einer systematischen Erhebung der Waldreservate der Schweiz im Jahr 2012 hat die Waldreservatsfläche bis 2018 jährlich um 4000 ha bzw. 0.3 % der Schweizer Waldfläche zugenommen. Um das Ziel von 10 % Waldreservatsfläche bis 2030 zu erreichen, muss die jährliche Flächenerweiterung auf 4500 ha gesteigert werden.&lt;br /&gt;
Quelle (mit zahlreichen zusätzlichen Zahlen und Informationen): Eisenhut et al., 2019.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = nwr_de_400dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Verteilung der regionalen Flächenanteile von Naturwaldreservaten, Sonderwaldreservaten, unbewirtschafteten Wäldern und Nutzwäldern im Schweizer Wald. (Quelle: WSL-Diagonal, 1/2017: Schwerpunkt Waldreservate)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = waldreservate_karte_mapgeoadmin 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Einblick in die Verteilung und Lage der Waldreservate bietet eine [https://map.geo.admin.ch/?zoom=7&amp;amp;lang=de&amp;amp;topic=bafu&amp;amp;bgLayer=ch.swisstopo.pixelkarte-grau&amp;amp;layers=ch.swisstopo.swissimage,ch.pronatura.waldreservate,ch.bafu.waldreservate&amp;amp;layers_opacity=0.35,0.75,0.75&amp;amp;E=2660000.00&amp;amp;N=1190000.00 Karte auf map.geo.admin]. Beim Anklicken einzelner Flächen werden ihre Objektinformationen aufgerufen. Grün = Waldreservate, rot = Pro Natura Waldreservate.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* Bolliger et al., 2012: Waldreservatspolitik der Schweiz: Zwischenbilanz und Perspektiven aus Sicht des Bundes (Essay).&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/publikationensuchen/diagonal-das-wsl-magazin/schwerpunkte/waldreservate-wo-die-natur-vorrang-hat.html Waldreservate: Wo die Natur Vorrang hat - Zurück zum Urwald?]&lt;br /&gt;
* [https://www.dora.lib4ri.ch/wsl/islandora/object/wsl%3A10888/datastream/PDF/Brang-2011-Vierzehn_Reservate_im_Portrait-%28published_version%29.pdf Brang et al., 2011: Waldreservate: 50 Jahre natürliche Waldentwicklung in der Schweiz.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Lichter Wald_200509_006 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Seit November 2020 liegt der Aktionsplan Lichter Wald vor.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Störungsereignisse: Stürme, Brände ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Störungen werden zeitlich und räumlich begrenzte Ereignisse verstanden, welche eine Ökosystemstruktur abrupt verändern (z.B. durch Verlust von Biomasse oder Zerstörung der Humusschicht). Je nach Intensität einer Störung wird auch die nachfolgende Dynamik des Ökosystems unterschiedlich stark beeinflusst. &lt;br /&gt;
Es wird zwischen abiotischen, biotischen und anthropogenen Störungen unterschieden. Momentan wird hier nur auf Sturmereignisse und Waldbrand eingegangen. Es ist vorgesehen, dieses Kapitel zu einem späteren Zeitpunkt zu ergänzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* Wohlgemuth et al. 2019: Störungsökologie.&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/publikationen/waldschutzueberblick-2019.html Queloz et al., 2020: Waldschutzüberblick 2019.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Windstörungen/Sturmschäden'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die häufigste Form von abiotischen Störungen in unseren Wäldern sind Stürme und Orkane. Diese können grosse Wirkungen an Waldbeständen über weite Strecken verursachen, wie etwa die Orkane Vivian (1990), und Lothar (1999), die vor allem in den Alpen bzw. im Mittelland grosse Schäden verursacht haben. Andere sind räumlich beschränkter, aber durchaus auch mit beträchtlichen Auswirkungen. Aus ökonomischer Sicht ergeben sich dadurch grosse Verluste durch Zwangsnutzungen, in steilerem Gelände kann auch die Schutzfunktion vor Naturgefahren über längere Zeit beeinträchtigt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus ökologischer Sicht sind solche Vorgänge aber oft auch positiv zu beurteilen: Die umgestürzten oder abgebrochenen Bäume führen zu einem erhöhten Totholzangebot. Die Öffnung geschlossener Baumbestände bringen Licht, Wärme und oft auch erhöhte Niederschlagsmengen auf den Waldboden. Störungen der bisherigen Bodenvegetation, Veränderungen der Bodenoberfläche durch umgekippte Wurzelteller, liegende oder stehend abgebrochene Baumstämme verändern die Konkurrenzbedingungen und bilden oft günstige Mikrohabitate für die Keimung und Ansamung einer neuen Baumgeneration. Die nachfolgende Sukzession mit ihren charakteristischen Phasen führt für längere Zeit zu einer erhöhten Artenvielfalt von Flora und Fauna. Im Mittelland und den Voralpen waren in den letzten Jahrzehnten besonders oft auch Fichtenforste von massiven Sturmschäden betroffen. Dies ermöglichte in der Folge eine Umwandlung zu zukunftsfähigen Beständen mit standortgemässen Baumarten. Der genaue zeitliche Verlauf und die Art der Wiederbewaldung hängt - neben der Intensität des Störungsereignisses - auch von der betroffenen Flächengrösse, den Verhältnissen in den umgebenden Wäldern und vor allem von den jeweiligen Standorts- und Vegetationsbedingungen ab. Eine sich üppig entwickelnde Bodenvegetation z.B. mit Brombeeren (''Rubus fruticosus'') in Wäldern des Mittellandes oder einer Hochstaudenflur in Gebirgswäldern kann den Aufwuchs der jungen Bäumchen durch Lichtkonkurrenz auch stark einschränken (ausführliche Informationen zum Thema siehe das Buch «Störungsökologie» (Wohlgemuth et al. 2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unterschiedlichen Waldentwicklungen auf Vivian-Windwurfflächen im Gebirgswald wurden wissenschaftlich umfassend untersucht und in zahlreichen Publikationen beschrieben und interpretiert. &lt;br /&gt;
Ein informatives Fazit findet sich im [https://www.wsl.ch/de/wald/krankheiten-schaedlinge-stoerungen/sturm-und-windwurf.html WSL-Merkblatt Waldentwicklung nach Vivian.] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Christoph Leditznig_foto082 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Stürme Vivian (1990) und Lothar (1999) haben auf grossen Flächen Bäume gefällt. Die WSL hat diese Ereignisse wissenschaftlich intensiv untersucht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Waldbrand'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Waldbrände spielen bisher im gemässigten, humiden Klima von West- und Mitteleuropa aus ökologischer Sicht eine untergeordnete Rolle. Meist handelt es sich um lokale episodische Ereignisse. Etwas häufiger sind Waldbrände in den inneralpinen Tälern der Alpen mit trockenem kontinentalem Klima und auf der Alpensüdseite, wo es trotz insubrischem Klima mit hohen Niederschlagssummen vor allem in trockenen Wintern regelmässig zu Bränden kommen kann. Das Klima dieser Regionen fördert zwar die Anfälligkeit auf Waldbrände. [https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/diem/awn/dokumentenliste_afw/faktenblatt_02_waldbrand_dt.pdf Mögliche auslösende Faktoren sind im Faktenblatt «Wenn Feuer Wälder fressen» beschrieben]. Die meisten Waldbrände in der Schweiz werden aber anthropogen durch Unaufmerksamkeit oder absichtliche Brandstiftung ausgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bekanntere Waldbrände in der Schweiz sind etwa der Waldbrand am Calanda bei Chur (1943, 800 ha) oder der Waldbrand ob Leuk VS (2003, 300 ha). Während über forstliche Aspekte eines Waldbrandes (Ursachen, Bekämpfung, Wiederaufforstung) einige Fachliteratur zu finden ist, ist dies über die Beschreibung von ökologischen Folgen und den Auswirkungen auf die Biodiversität vor allem erst in jüngerer Zeit der Fall. Dies gilt insbesondere für den Waldbrand von Leuk. Eine gute Zusammenfassung über forstliche und ökologische Aspekte (insb. die Entwicklung der Biodiversität nach dem Brand) findet sich in Wohlgemuth et al, 2010. &lt;br /&gt;
Auf Waldbrandflächen gilt die Regel, dass die Biodiversität in den ersten Jahren rasch zunimmt und dabei die Artenzahlen bald viel höher liegen als im Wald vor dem Brand. Es entstehen grossflächige Pionierstadien, welche in bewirtschafteten Wäldern kaum oder wie im Dauerwald gar nie vorkommen. Durch Sukzessionsvorgänge ändert sich die Artenzusammensetzung laufend.&lt;br /&gt;
Die floristische Entwicklung ist oft durch das dominante Auftreten charakteristischer Arten geprägt. In Nadelwäldern prägt meist das Schmalblättrige Weidenröschen (''Epilobium angustifolium'') eine frühe Phase der Sukzession.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bekanntes Phänomen sind spezialisierte Arten, welche für ihr Wachstum von Bränden abhängig sind (sog. Pyrophilie). Dazu gehören in unseren Wäldern einige Schlauchpilze oder Moosarten wie das Brandmoos (''Funaria hygrometrica''). Blütenpflanzenarten, welche erst nach einem Feuer keimen und aufwachsen können, sind in unseren Wäldern sehr selten. Am bekanntesten ist der Böhmische Storchenschnabel (''Geranium bohemicum''), der nach dem grossen Waldbrand am Calanda bei Chur für einige Jahre in grosser Zahl aufgetreten ist und dort seither wieder völlig verschwunden ist. Andere Arten wie das Rote Seifenkraut (''Saponaria ocymoides'') dominieren charakteristischerweise gewisse Sukzessionsstadien einer Brandfläche. Solche Arten sind aber zur Keimung nicht zwingend auf ein Feuer angewiesen, sondern profitieren wohl vor allem von den hellen, konkurrenzarmen und nährstoffreichen Standortbedingungen solcher Flächen. Auf der Brandfläche von Leuk zeigte sich überraschend der auffällige Erdbeerspinat (''Blitum virgatum'') in grossen Populationen ([https://www.wsl.ch/fileadmin/user_upload/WSL/Mitarbeitende/wohlgemu/moser_etal2006.pdf Moser et al., 2006: Ausbreitung des Erdbeerspinats ''Blitum virgatum'' nach dem Waldbrand von Leuk, Wallis (2003)]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Fauna reagiert stark auf einen Waldbrand. Nur wenige Jahre nach dem Waldbrand von Leuk fanden sich etwa bei Insekten eine weit grössere Artenzahl und viel höhere Individuenzahlen als in den benachbarten, vom Brand nicht betroffenen Wäldern. Dies gilt etwa für Bienen, Schmetterlinge, Käfer oder Heuschrecken. Darunter sind auffällig viele Arten, welche auf Roten Listen stehen. Bei den Vögeln haben vor allem auch seltene und gefährdete Arten wie der Gartenrotschwanz, der Steinrötel, die Zippammer oder der Ziegenmelker von den offeneren Strukturen und warm-trockenen Standortbedingungen profitiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der floristischen und faunistischen Entwicklung der Artenvielfalt spielt offensichtlich auch die Lage und Exposition von Waldbrandflächen eine bedeutende Rolle. Im Vergleich zur südexponierten Brandfläche ob Leuk blieben Artenvielfalt und Individuenzahl auf einer nordexponierten Waldbrandfläche bei Visp deutlich geringer, da diese für wärmeliebende Arten weniger geeignet ist.&lt;br /&gt;
[https://www.wsl.ch/fileadmin/user_upload/WSL/Mitarbeitende/wohlgemu/moser_etal2006.pdf Durch die natürliche Sukzession des Waldes beginnen Pionierbaumarten die Waldbrandfläche schon nach wenigen Jahren wieder zu besiedeln, die offenen Strukturen gehen zurück und die licht- und wärmeliebende Flora und Fauna wird sukzessive wieder durch Waldarten ersetzt werden].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* [https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/diem/awn/dokumentenliste_afw/faktenblatt_02_waldbrand_dt.pdf Kanton Graubünden, 2013: Faktenblatt «Wenn Feuer Wälder fressen »]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/fileadmin/user_upload/WSL/Mitarbeitende/wohlgemu/wohlgemuth_etal2010_merkblatt_de.pdf Wohlgemuth et al., 2010: Leben mit Waldbrand].&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/fileadmin/user_upload/WSL/Mitarbeitende/wohlgemu/wohlgemuth_moser2009murithienne.pdf Wohlgemuth et al., 2009: Phönix aus der Asche: Die rasche Wiederbesiedlung der Waldbrandfläche oberhalb von Leuk durch Pflanzen.]&lt;br /&gt;
* Schönenberger et al., 1997: Wieder­bewaldung einer Waldbrandfläche in der sub­alpinen Stufe bei Müstair. Schweiz. Z. Forst­wes. 148, 6: 405–424.&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/wald/krankheiten-schaedlinge-stoerungen/waldbrandfolgen/waldbrandflaeche-leuk.html Waldbrandfläche in Leuk: hohe Artenvielfalt (WSL).]&lt;br /&gt;
* «Die Wirkung von natürlichen Störungen auf die Waldbiodiversität» (Wohlgemuth et al. 2020) in Bollmann, K. (Red.), 2020: Forum für Wissen 2020. Biodiversität im Schweizer Wald. WSL Ber. 100: 101 S.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Klimawandel ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die spürbare Erwärmung und vor allem einige heisse und trockene Vegetationsperioden haben bereits deutliche Spuren bei Bäumen und in Wäldern hinterlassen und die Tendenz ist klar steigend. Die einzelnen Baumarten reagieren sehr unterschiedlich und die Reaktionen sind primär auch von den jeweiligen Standortsbedingungen abhängig. Besonders stark betroffen von Trockenstress sind Waldstandorte auf flachgründigen und felsigen Böden und vor allem auch in den trockeneren Gebieten der Schweiz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Baumarten hat bisher wohl die Waldföhre die grössten Auswirkungen gezeigt und ist z.B. im Walliser Rhonetal, im Churer Rheintal oder im unteren Puschlav auch auf grösseren Flächen abgestorben. Die Kombination von Bodentrockenheit und immer höheren Sommer- und Wintertemperaturen scheint nun auch für diesen immergrünen Nadelbaum, der eigentlich ein Spezialist für die Besiedlung von Extremstandorten ist, vor allem unterhalb von etwa 1000 m ü. M. eine kritische und oft letale Grenze überschritten zu haben.&lt;br /&gt;
Stärkere Schäden sind vor allem auch bei Buche auf trockeneren Standorten zu beobachten. Unsere sommergrünen Laubbäume können zwar extreme Trockenphasen in einzelnen Jahren durch frühzeitigen Laubwurf und Wiederaustrieb besser überleben als die immergrünen Nadelbäume. Mehrere trockene Jahre kurz hintereinander führen aber auf kritischen Standorten ebenfalls zu hohen Mortalitätsraten.&lt;br /&gt;
Im Mittelland ist vor allem die (angepflanzte) Fichte vom Klimawandel stark betroffen. Als flachwurzelnde Baumart dürfte sie mittelfristig wegen massiven Trockenheitsschäden im Mittelland stark zurückgehen. Das ist allerdings vor allem ein wirtschaftliches und kaum ein ökologisches Problem, da der bisherige «Brotbaum» der Forstwirtschaft im Mitteland nicht standortsgemäss ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Momentan ist der Klimawandel im Wald ein grosses und wichtiges Thema sowohl im praktischen Forstdienst als auch in der angewandten Forschung. Neben diversen Modellrechnungen über mögliche zukünftige Entwicklungen der Baumartenzusammensetzungen wird auch auf praktischer Seite viel überlegt und versucht.&lt;br /&gt;
«Zukunftsbaumarten» bezüglich Klimawandel werden bereits vom Forstdienst gefördert oder mit Versuchsserien mit verschiedenen Baumarten und Herkünften in längerfristigen Forschungsprojekten getestet. Der Wald als Ökosystem kann auf Veränderungen und Extremereignisse reagieren. Pflanzungen sind immer auch mit Risiken verbunden, wie die Erfahrungen mit der Fichte in tiefen Lagen gezeigt haben.&lt;br /&gt;
Es wird davon ausgegangen, dass sich mit zunehmender Erwärmung die Vegetationshöhenstufen mit ihren charakteristischen Waldgesellschaften und Baumartengarnituren nach oben verschieben werden und die obere Wald- und Baumgrenze entsprechend ansteigen wird (Aktuelle Verteilung der Höhenstufen siehe Kap. [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#H.C3.B6henstufen.2C_Waldstandorte_und_Pflanzensoziologie «Höhenstufen, Waldstandorte und Pflanzensoziologie»)].&lt;br /&gt;
Besonders ungewiss ist dabei, welche Baumarten dem zukünftigen Klima der tieferen Lagen der Nord- und Westschweiz, des Mittellandes, der Alpensüdseite und der inneralpinen Täler gewachsen sein werden. Hier werden vielerorts für die Schweiz neuartige Waldstandortsbedingungen entstehen, welche von hohen Mitteltemperaturen und markanten Trockenperioden geprägt sein werden. Abbilder davon finden wir bereits im Mittelmeerraum. Grosse und berechtigte Hoffnungen setzt man etwa auf die einheimischen Eichenarten oder andere einheimische Baumarten von trocken-warmen Laubwaldgesellschaften. Zusätzlich einzuführende Baumarten könnten vor allem aus den submediterranen Wäldern von südlich angrenzenden Regionen wie dem Südostalpenrand, adriatischen Gebirgen oder dem nördlichen Appenin stammen. Dort herrschen heute bereits Klimaverhältnisse wie sie für die nächsten Jahrzehnte auch in den tieferen Lagen der Schweiz erwartet werden. Ökologisch umstritten ist hingegen ein vermehrter Anbau von Baumarten aus anderen Kontinenten. Dies gilt insbesondere für die Douglasie (''Pseudotsuga menziesii'') aus dem westlichen Nordamerika. Sie wird schon länger als Gastbaumart in unseren Wäldern genutzt und soll wegen guten Wachstumseigenschaften und Trockenheitsresistenz die Fichte als Wirtschaftsbaumart ablösen. Umstritten ist die Förderung der Douglasie, weil ihr Potenzial zur Invasivität und mögliche negative Auswirkungen auf die Biodiversität nicht abschliessend geklärt sind. &lt;br /&gt;
(weitere Informationen zum Thema Douglasie bei: [https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/naturschutz/douglasie-und-biodiversitaet Tschopp et al., 2014: Auswirkungen der Douglasie auf die Waldbiodiversität: Eine Literaturübersicht. WSL Ber. 20: 52 S.] / [https://www.dora.lib4ri.ch/wsl/islandora/object/wsl%3A12666/datastream/PDF/Holderegger-2017-Auswirkungen_des_Douglasienanbaus_auf_die_Biodiversit%C3%A4t-%28published_version%29.pdf Holderegger et al., 2017: Auswirkungen des Douglasienanbaus auf die Biodiversität: wichtige Forschungsfragen (Essay)]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Waldfachleuten eine Grundlage zur Wahl von zukunftsfähigen Baumarten für einen beliebigen Ort im Schweizerwald zur Verfügung zu stellen, wurde im Rahmen des Forschungsprogramms Wald und Klimawandel von BAFU und WSL die [https://tree-app.ch/ «Tree-App»] entwickelt, welche online aufgerufen werden kann. Die Baumartenempfehlung beruht dabei auf den aktuellen Standortsverhältnissen dieses Ortes und zeigt die Höhenstufen und Standortsbedingungen für 3 Klimasituationen (Klima heute, mässiger bzw. starker Klimawandel 2070-2099). Die App ist umstritten, weil sie auch nicht einheimische Baumarten wie die Robinie (''Robinia pseudoacacia'') als zukunftsfähige Baumarten ausweist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/publikationen/wald-im-klimawandel-grundlagen-fuer-adaptationsstrategien.html Pluess et al., 2016: Wald im Klimawandel.]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/publikationen/verdraengen-flaumeichen-die-walliser-waldfoehren.html WSL Merkblatt Praxis Nr. 41: Verdrängen Flaumeichen die Walliser Waldföhren?]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/publikationen/die-eiche-im-klimawandel-zukunftschancen-einer-baumart.html WSL Merkblatt Praxis Nr. 55: Die Eiche im Klimawandel. Zukunftschancen einer Baumart]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/publikationen/der-schweizer-wald-im-klimawandel-welche-entwicklungen-kommen-auf-uns-zu.html WSL Merkblatt Praxis Nr. 59: Der Schweizer Wald im Klimawandel: Welche Entwicklungen kommen auf uns zu?]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/publikationen/naturnaher-waldbau-im-klimawandel.html WSL Merkblatt Praxis Nr. 59.1: Naturnaher Waldbau im Klimawandel]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/publikationen/standortkundliche-grundlagen-fuer-die-waldbewirtschaftung-im-klimawandel.html Frehner et al., 2018: Standortkundliche Grundlagen für die Waldbewirtschaftung im Klimawandel]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/projekte/testpflanzungen.html Testpflanzungen zukunftsfähiger Baumarten (WSL)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Erhalt und Förderung =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = HansGlader_foto085 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text =  Lichte Wälder sowie alt- und Totholz-reiche, alte Wälder mit zahlreichen gefährdeten Arten müssen prioritär gefördert und erhalten werden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Förderung der Biodiversität im Schweizer Wald entwickelt der Bund Konzepte und Strategien auf gesamtschweizerischer Ebene wie zum Beispiel die Strategie Biodiversität Schweiz, die Waldpolitik 2020 oder die Biodiversitätsziele für den Wald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die operative Umsetzung sind grundsätzlich die Kantone zuständig. Sie erarbeiten dazu kantonale Konzepte und Pläne, konkretisieren zusammen mit den Waldeigentümern die Massnahmen und stellen im Rahmen der [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/recht/fachinformationen/programmvereinbarungen-im-umweltbereich/handbuch-programmvereinbarungen-im-umweltbereich.html NFA-Programmvereinbarungen] finanzielle Mittel für die Umsetzung zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für eine erfolgreiche und nachhaltige Umsetzung all dieser Ziele ist es grundsätzlich wichtig, die Waldbesitzer und Bewirtschafter zu informieren, zu sensibilisieren und mit ihnen eine langfristige Kooperation einzugehen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeiner Förderbedarf ==&lt;br /&gt;
Die Förderung der Biodiversität im Wald durch den Bund orientiert sich vor allem an '''zwei unterschiedlichen Zielbildern'''. Zum einen sind es die natürlichen langfristigen Abläufe, wie sie in Urwäldern stattfinden. Zum andern bezieht man sich auf die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Kurzer_Abriss_zur_Wald-_und_Forstgeschichte traditionelle Kulturlandschaft mit einer starken Nutzung bis ins 20 Jahrhundert hinein]&lt;br /&gt;
Trotz weitgehend naturnaher Bewirtschaftung lassen, im Vergleich des aktuellen Zustandes des Schweizerwaldes mit diesen Zielbildern, folgende zwei wichtigsten Defizitbereiche feststellen:&lt;br /&gt;
* zu wenig Waldflächen mit totholz- und strukturreichen Alters- und Zerfallsphasen&lt;br /&gt;
* zu wenig lichte Wälder mit offenen Waldstrukturen und strukturreichen Übergängen ins Freiland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb fehlen oft wichtige Habitate und Kleinstlebensräume, weshalb hunderte von Waldorganismen auf Roten Listen und als prioritäre Waldarten aufgeführt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Publikation des BAFU [[Media:BAFU_Biodiv_Wald_Defizite_Handlungsmoeglichkeiten_13_14.pdf|«Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen» sind die Defizite und Handlungsmöglichkeiten in Tabelle 1]] übersichtlich zusammengefasst. Nachfolgend wird auf die verschiedenen Fördermassnahmen eingegangen. &amp;lt;!-- Alternativ Tabelle ev. zeichnen mit Bildbeschriftung: Massnahmen zur Förderung und Erhaltung der seltenen Lebensraumtypen des Waldes. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grossen regionalen Unterschiede in der Schweiz bezüglich Naturwerte und Nutzungsansprüche bedingen einen regional angepassten Handlungsbedarf und daraus abgeleitete Umsetzungsschwerpunkte. In der folgenden Tabelle ist der regionale Handlungsbedarf pro Massnahmenbereich für die 14 Wirtschaftsregionen (nach LFI) zusammenfassend dargestellt. ([https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html Quelle])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = regionaler handlungsbedarf.png&lt;br /&gt;
| text = Regionaler Handlungsbedarf pro Massnahmenbereich und nationale Umsetzungsschwerpunkte.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der folgenden Tabelle werden die wichtigsten Förder- und Erhaltungsmassnahmen aus standörtlicher Sicht mit Bezug auf die Waldlebensräume nach Delarze et al., 2015 zusammengefasst. Zur Herleitung des Förderbedarfs siehe im Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#.C3.96kologie_des_Waldes Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Nr.&lt;br /&gt;
! Bezeichnung Lebensraumtyp&lt;br /&gt;
! Förderbedarf&lt;br /&gt;
! Förderung und Erhaltung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 5 p.p.&lt;br /&gt;
| Gebüsche (z.T.)&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 5.3.6&lt;br /&gt;
| Auen-Weidengebüsch ''Salicion elaeagni''&lt;br /&gt;
| ja (1)&lt;br /&gt;
| Förderung im Rahmen von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung#Revitalisierung Gewässer-Revitalisierungen]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 5.3.7&lt;br /&gt;
| Moor-Weidengebüsch ''Salicion cinereae''&lt;br /&gt;
| ja (2 MW)&lt;br /&gt;
| darauf wird bei den Mooren eingegangen &amp;lt;!-- auf Moore verlinken wenn vorhanden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6&lt;br /&gt;
| Wälder&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.1.1&lt;br /&gt;
| Erlenbruchwald ''Alnion glutinosae''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 FW)&lt;br /&gt;
| Ausscheidung und Sicherung von Waldreservaten &amp;lt;br /&amp;gt;Ausscheidung, Sicherung und Förderung von Nass-, Moor- und Feuchtwäldern &amp;lt;br /&amp;gt;Vernässung/Renaturierung von drainierten Moorwäldern &amp;lt;!-- auf Moore verlinken wenn vorhanden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.1.2&lt;br /&gt;
| Weichholz-Auenwald ''Salicion albae''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 FW)&lt;br /&gt;
| [https://biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Revitalisierung, Erhaltung der Flussdynamik]; &amp;lt;br /&amp;gt;Schutzmassnahmen im Rahmen des nationalen Aueninventars&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.1.3&lt;br /&gt;
| Grauerlen-Auenwald ''Alnion incanae''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 FW)&lt;br /&gt;
|  [https://biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Revitalisierung, Erhaltung der Flussdynamik] &amp;lt;br /&amp;gt;Schutzmassnahmen im Rahmen des nationalen Aueninventars&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.1.3.1&lt;br /&gt;
| Alpenweiden-Auenwald ''Salicetum pentandrae''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 FW)&lt;br /&gt;
| Vollständiger Schutz der kleinen Restflächen (v.a. Oberengadin, Urseren) &amp;lt;br /&amp;gt;Gewährleistung eines standortgemässen Wasserhaushaltes, Schutz vor Beweidung (?)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.1.4&lt;br /&gt;
| Hartholz-Auenwald ''Fraxinion''&lt;br /&gt;
| ja (2 FW)&lt;br /&gt;
| im Auenbereich: [https://biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung Revitalisierung, Erhaltung der Flussdynamik] &amp;lt;br /&amp;gt;Schutzmassnahmen im Rahmen des nationalen Aueninventars &amp;lt;br /&amp;gt;Bach- und Hangfusswälder: Erhaltung bzw. Wiederherstellung der feucht-nassen wasserzügigen Böden; Erhaltung/Förderung der standortstypischen Baumarten bzw. Kontrolle von Buche, Fichte usw. &amp;lt;br /&amp;gt;Förderung von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Kleingewässern]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.2&lt;br /&gt;
| Buchenwälder&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.2.1&lt;br /&gt;
| Orchideen-Buchenwald ''Cephalanthero-Fagenion''&lt;br /&gt;
| ja (2LW)&lt;br /&gt;
| Förderung als lichte Wälder (SWR), Baumartenvielfalt durch Schwächung der Buchenkonkurrenz fördern; &amp;lt;br /&amp;gt; Förderung und Schutz (vor Wildverbiss) von Eibe und Eichen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.3.3&lt;br /&gt;
| Eichen-Hainbuchenwald ''Carpinion''&lt;br /&gt;
| ja (2 LW)&lt;br /&gt;
| Förderung als lichte Wälder und/oder Mittelwaldbewirtschaftung (v.a. in SWR); &amp;lt;br /&amp;gt; Erhaltung und Förderung der Eiche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.3.4&lt;br /&gt;
| Flaumeichenwald ''Quercion pubescenti-petraeae''&lt;br /&gt;
| ja (2 LW)&lt;br /&gt;
| Förderung als lichte Wälder, ev. gezielte Niederwaldwirtschaft; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Förderung eines mosaikartigen Charakters mit offeneren Felsfluren und Saumbereichen; Förderung seltener Baumarten wie Schneeballblättriger Ahorn (''Acer opalus''), Elsbeerbaum (''Sorbus torminalis'') und Speierling (''Sorbus domestica'').&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.3.5&lt;br /&gt;
| Hopfenbuchenwald ''Orno-Ostryon''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 LW)&lt;br /&gt;
| Förderung als lichte Wälder, ev. gezielte Niederwaldwirtschaft; Förderung eines mosaikartigen Charakters auch mit grösseren offeneren Flächen. Fast nur im Südtessin, dort sind auf diesem potentiellen Waldstandort v.a. auch ehemals beweidete und nun einwachsende und verbuschende Fels- und Trockenrasen mit besonderer Biodiversität sehr gefährdet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.4&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Föhrenwälder&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.4.1&lt;br /&gt;
| Pfeifengras-Föhrenwald ''Molinio-Pinion''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 LW)&lt;br /&gt;
| Förderung als lichte Wälder (SWR); offene grasige Bodenvegetation erhalten und Verbuschung vermindern; offene Erosionsflächen und Pionierstadien an den Mergelsteilhängen zulassen; Föhren, Eibe und Mehlbeere fördern, Buche zurückhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.4.2.1&lt;br /&gt;
| Geissklee-Föhrenwald ''Cytiso-Pinion''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 LW)&lt;br /&gt;
| Vollständiger Schutz der kleinen Restflächen; gezielte Eingriffe zur Erhaltung und Verjüngung von Waldföhre, Elsbeere und Traubeneiche.&amp;lt;br /&amp;gt;Bei Bedarf spezielle Fördermassnahmen für hier typische sehr seltene Arten wie Geissklee (''Cytisus nigricans''), Küchenschelle (''Pulsatilla vulgaris'') oder Flaumiger Seidelbast (''Daphne cneorum'').&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.4.2&lt;br /&gt;
| Kalkreicher Föhrenwald ''Erico-Pinion sylvestris''&lt;br /&gt;
| ja (2LW)&lt;br /&gt;
| Wegen der standörtlichen Trockenheit von Natur aus eher licht und straucharm. Kaum strukturfördernde Massnahmen nötig. &amp;lt;br /&amp;gt;Ausnahme: Die kleinflächigen Föhrenbestände auf trockenen Auenterrassen (''Pyrolo-Pinetum, Ligustro-Pinetum''). Hier durch gezielte Massnahmen die langsame Sukzession zu schattigen Buchen- oder Fichtenbeständen unterbinden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.4.3&lt;br /&gt;
| Steppen-Föhrenwald ''Ononido-Pinion''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 LW)&lt;br /&gt;
| Wegen der extremen standörtlichen Trockenheit von Natur aus eher schlechtwüchsig, licht- und straucharm. Kaum strukturfördernde Massnahmen nötig, aber durch Waldbrand gefährdet. Ev. im Wallis regelmässige Kontrollen von charakteristischen und sehr seltenen Arten wie Kleine Kronwicke (''Coronilla minima''), Zierliche Hauhechel (''Ononis pusilla'') oder Schweizer Lotwurz (''Onosma helvetica''). &amp;lt;br /&amp;gt;Auch Monitoring für reliktische Tierarten?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.4.4&lt;br /&gt;
| Kalkarmer Föhrenwald ''Dicrano-Pinion''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 LW)&lt;br /&gt;
| Wegen der standörtlichen Trockenheit von Natur aus eher licht und straucharm. Kaum strukturfördernde Massnahmen nötig. Ev. langsame Sukzession mit einwachsenden Buchen oder Fichten unterbinden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.5&lt;br /&gt;
| Hochmoorwälder&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.5.1&lt;br /&gt;
| Hochmoor-Birkenwald ''Betulion pubescentis''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 MW)&lt;br /&gt;
| Da oft auf gestörten Sekundärstandorten, bilden die meisten Hochmoor-Birkenbestände Übergangsstadien zu andern Waldtypen. Um diese so zu erhalten, sind dort regelmässig gezielte Eingriffe zugunsten der Birke und ihrer Verjüngung nötig. Die Böden müssen wassergesättigt bleiben oder entsprechend renaturiert werden.&amp;lt;!-- auf Moore verlinken wenn vorhanden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.5.2&lt;br /&gt;
| Hochmoor-Bergföhrenwald ''Ledo-Pinion''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 MW)&lt;br /&gt;
| In der Regel bereits als Waldreservate oder im Rahmen der nationalen Hochmoor-Inventars geschützt. Oft ist aber insbesondere der spezifische Wasserhaushalt noch verbesserungswürdig. Gewisse Hochmoor-Wälder werden auch durch Erholungsaktivitäten (Sommer oder Winter) gestört.&amp;lt;!-- auf Moore verlinken wenn vorhanden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.5.3&lt;br /&gt;
| Hochmoor-Fichtenwald ''Sphagno-Piceetum''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 MW) &amp;lt;!-- gemäss Text M. Bichsel stimmt die Angaben (1, 2 MWM) nicht mit der Tabelle im Kap. Praxisrel. Ökologie überein -&amp;gt; trotzdem belassen; In der Digitale Liste der National Prioritären Lebensräume ist der Massnahmenbedarf mit 2 angegeben--&amp;gt;&lt;br /&gt;
| In der Regel bereits als Randbereiche von Hochmoor-Komplexen im Rahmen des nationalen Hochmoor-Inventars geschützt. Die notwendige Bodenvernässung ist aber trotzdem nicht immer gewährleistet.&amp;lt;!-- auf Moore verlinken wenn vorhanden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.6&lt;br /&gt;
| Gebirgs-Nadelwälder&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.6.4&lt;br /&gt;
| Lärchenwald&lt;br /&gt;
| ja (1)&lt;br /&gt;
| Diese Einheit ist in Delarze et al. 2015 pflanzensoziologisch und standörtlich unklar gefasst. Sie beinhaltet einerseits natürliche subalpine Lärchenwaldgesellschaften, welche südalpin auf ökologisch deutlich verschiedenen Standorten auftreten. Für diese Gesellschaften sind kaum strukturfördernde Massnahmen nötig. &amp;lt;br /&amp;gt;Andererseits handelt es sich mehrheitlich um lichte Lärchenwälder und -haine, welche kulturbedingt durch Beweidung aus Fichten- oder Arvenwäldern hervor gegangen sind. Für die Förderung dieser Wälder wird auf das Thema [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Waldweiden_oder_Wytweiden Weidewälder] verwiesen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.6.5.1&lt;br /&gt;
| Kalkarmer Bergföhrenwald ''Vaccinio-Pinion uncinatae''&lt;br /&gt;
| ja (1, 2 LW)&lt;br /&gt;
| Wegen der meist extremen Standortbedingungen von Natur aus eher licht und oft lückig. Kaum strukturfördernde Massnahmen nötig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 6.6.5.2&lt;br /&gt;
| Kalkreicher Bergföhrenwald ''Erico-Pinion uncinatae''&lt;br /&gt;
| ja (2 LW)&lt;br /&gt;
| Wegen der meist extremen Standortbedingungen von Natur aus eher licht und oft lückig. Kaum strukturfördernde Massnahmen nötig.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Aufwertungsmassnahmen ==&lt;br /&gt;
Die wichtigsten allgemeinen Massnahmen zur Biodiversitätsförderung im Wald sind:&lt;br /&gt;
* Seltene Waldlebensräume erhalten&lt;br /&gt;
* Dynamik zulassen: Dort wo es sicherheitstechnisch möglich ist, sollen natürliche Prozesse stattfinden können (Rutsche, Erosionen, Dynamik von Waldbächen, Windwurf, Rüfen, etc.)&lt;br /&gt;
* National Prioritäre Waldarten und Waldgesellschaften fördern&lt;br /&gt;
* Integration der Anliegen der Waldbiodiversität in die Waldbewirtschaftung (Stichwort naturnaher Waldbau)&lt;br /&gt;
* besondere Strukturen erhalten und fördern (alte Bäume, Biotopbäume/Habitatbäume, Totholz; aber auch offene und lichte Wälder)&lt;br /&gt;
* Übergänge zu offenen Lebensräumen (Weiden, Wiesen, Gewässer usw.) schaffen &lt;br /&gt;
* Genetische Vielfalt erhalten&lt;br /&gt;
* lange nicht bewirtschaftete Wälder aus der Nutzung nehmen (Habitat Tradition)&lt;br /&gt;
* Umwandlung von Monokulturen in standortgemässe Bestände&amp;lt;br /&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links:&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 6.6.3_Lärchen-Arvenwald_Larici-Pinetum cembrae_Camp_065 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Gebirgs-Nadelwälder sind bei uns häufig. Die Schweiz hat für deren Erhaltung und Förderung, insbesondere für Lärchenwälder, Lärchen-Arvenwälder und kalkreiche Bergföhrenwälder, eine hohe Verantwortung.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausscheidung und Sicherung von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Naturschutzstrategien_im_Schweizer_Wald Waldreservaten] ==&lt;br /&gt;
Um die ökologischen Zielsetzungen in den einzelnen Reservaten zu erreichen und langfristig zu sichern, müssen bei der Errichtung neuer Schutzflächen v.a. zeitliche und räumliche Minimalstandards eingehalten werden: Die Vertragsdauer mit den betroffenen Waldeigentümern muss auf mindestens 50 Jahre festgelegt werden, mit einer realistischen Aussicht, dass das Reservat auch über diesen Zeithorizont hinweg bestehen bleiben kann. Insbesondere Naturwaldreservate müssen eine genügend grosse Minimalfläche aufweisen, damit die urwaldtypische Dynamik mit ihren mosaikartigen Zyklen nachhaltig ablaufen kann. 40 ha sind hier das Minimum, wenn möglich aber über 100 ha. Auch bei Sonderwaldreservaten sollte die Minimalfläche 20 ha betragen. Für den Schutz und die Pflege kleinflächig ausgebildeter Waldgesellschaften oder besonders wertvollen Bestandesstrukturen kann aber durchaus auch die Ausscheidung eines Gebietes von wenigen Hektaren zielgerichtet sein. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Einrichtung von Waldreservaten muss mit einem rechtlich verbindlichen Vertrag abgeschlossen werden. Dies setzt natürlich das Einverständnis des Grundeigentümers bzw. der Grundeigentümerin voraus. &amp;lt;br /&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus den Vorgaben des Bundes haben die Kantone je ihre eigenen Waldreservatskonzepte entworfen. Sie sind in der Regel auf der Homepage der kantonalen [https://www.kwl-cfp.ch/de/adressverzeichnis/wald-holz Forstverwaltungen]&lt;br /&gt;
Weitere konkrete regionale Angaben zu bestehenden und potentiellen Waldreservatsflächen finden sich in den Waldentwicklungsplänen (WEP) der Kantone.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Naturschutzstrategien_im_Schweizer_Wald Ausscheidung von Naturwaldreservaten] ===&lt;br /&gt;
In der Vollzugshilfe [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen] wird unter M1.2 die Massnahme «Naturwaldreservate einrichten» ausführlich beschrieben. Neben bereits in Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Waldreservate_.28Segregation.29 «Waldreservate»] und oben beschriebenen quantitativen Vorgaben und Zielen werden unter anderem folgende Qualitätsindikatoren zur Einrichtung von Naturwaldreservaten (NWR) postuliert: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auswahl von Waldfläche mit hohem Naturwert. Kriterien dafür sind:&lt;br /&gt;
* Vorkommen der National Prioritären Waldgesellschaften, insbesondere der bisher untervertretenen Waldgesellschaften&lt;br /&gt;
* Vorkommen der auf Prozessschutz angewiesenen National Prioritären Waldarten (Hotspots und Verbreitungsschwerpunkte dieser Arten)&lt;br /&gt;
* Grosse Standortsvielfalt mit besonderen Lebensräumen (z. B. Felsköpfe und -wände, Bachtobel, Rutschflächen, Waldweiher, Nasswälder)&lt;br /&gt;
* Langezeit extensive oder fehlende Nutzung&lt;br /&gt;
* Hohes Bestandesalter&lt;br /&gt;
* Hoher Alt- und Totholzanteil &amp;lt;br /&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
siehe auch: &amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
* ∂-SZF_163.06 (2012)_BOLLMANN&amp;amp;&amp;amp;_Naturwaldreservate (Essay).pdf&lt;br /&gt;
* ∂-SZF_166.02 (2015)_BÜTLER&amp;amp;&amp;amp;_Suche nach altem Wald in der Schweiz.pdf&lt;br /&gt;
* [https://biodiversitaet.scnat.ch/publications/search_details?id=1664 Waldreservate - was lange währt, wird endlich gut] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäss den Handlungszielen in den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Kosten.2C_Beitr.C3.A4ge Programmvereinbarungen des BAFU] soll die Flächengrösse eines Naturwaldreservates im Minimum 5 ha, wenn möglich aber mehr als 20 ha betragen. Anzustreben wären insbesondere auch Naturwaldreservate von über 100 ha, um einen umfassenden Prozessschutz sicherzustellen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vom BAFU anerkannte Naturwaldreservate sind rechtlich behörden- und eigentümerverbindlich auf eine Dauer von mindestens 50 Jahren gesichert. Es empfiehlt sich ein Dienstbarkeitsvertrag mit Eintrag im Grundbuch. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Beiträge durch den Bund bestehen aus einer Flächenpauschale zwischen 20 und 140 CHF pro ha und Vertragsjahr, welche nach Region bzw. Gebieten von nationaler Bedeutung abgestuft wird sowie einer Objektpauschale, welche nach der Reservatsfläche abgestuft wird. Die Bundespauschalen werden an die Kantone ausgerichtet (siehe dazu auch [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/recht/fachinformationen/programmvereinbarungen-im-umweltbereich/handbuch-programmvereinbarungen-im-umweltbereich.html Programmvereinbarungen, Kap.7.2, Teilprogramm «Waldbiodiversität»]).&lt;br /&gt;
Die Kantone zahlen dem Eigentümer den Bundesbeitrag, sowie einen meist gleich hohen Kantonsbeitrag aus. Die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Kosten.2C_Beitr.C3.A4ge Entschädigung der Eigentümer ist Sache der Kantone].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausscheidung, Festlegung und Einrichtung von Naturwaldreservaten obliegen den Kantonen. In der Regel werden sie im Rahmen der Waldentwicklungspläne ausgeschieden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sie sind verpflichtet, für jedes NWR die genaue Fläche zu erfassen und eine Dokumentation inkl. Standortskartierung zu erstellen. Die Markierung der Reservate und die Information der Öffentlichkeit mit Orientierungstafeln ist den Kantonen freigestellt. Im Bedarfsfall sollte die entsprechende Richtlinie des Bundes ([https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/landschaft/publikationen-studien/publikationen/schweizer-schutzgebiete-markierungshandbuch.html «Schweizer Schutzgebiete: Markierungshandbuch»]) &lt;br /&gt;
angewendet werden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Beispiel für den Ablauf der Einrichtung eines Naturwaldreservates siehe zum Beispiel [[Media:AWN GR Einrichten Naturwaldreservat.pdf|Dokument des Amtes für Wald Graubünden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ausscheidung von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Naturschutzstrategien_im_Schweizer_Wald Sonderwaldreservaten] ===&lt;br /&gt;
In Sonderwaldreservaten werden besondere Waldstrukturen, traditionelle Bewirtschaftungsformen, seltene oder gefährdete Lebensräume, Pflanzen- und Tierarten mit gezielten Eingriffen und Massnahmen erhalten und gefördert [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Naturschutzstrategien_im_Schweizer_Wald vgl. Kap. &amp;quot;Naturschutzstrategien im Schweizer Wald&amp;quot;]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie gewährleisten einen langfristigen Unterhalt durch eine Finanzierung der anfallenden Kosten durch Bund und Kantone.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
In gewissen Kantonen werden sie auch als «Reservate mit besonderen Eingriffen» oder «Spezialreservate» bezeichnet. Vor allem auch Projekte zur Förderung von besonderen, meist offenen Bestandesstrukturen, wie sie im nächsten Kapitel beschrieben werden, können in Form von Sonderwaldreservaten umgesetzt werden. &amp;lt;br /&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach den Handlungszielen in den [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/recht/fachinformationen/programmvereinbarungen-im-umweltbereich/handbuch-programmvereinbarungen-im-umweltbereich.html Programmvereinbarungen des BAFU] soll die Flächengrösse eines Sonderwaldreservates im Minimum 5 ha betragen. Für den Schutz und die Förderung von seltenen Waldgesellschaften, welche nur kleinflächig ausgebildet sind, oder von seltenen Arten können auch kleinere Schutzflächen zweckmässig sein. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sonderwaldreservate müssen rechtlich behörden- und eigentümerverbindlich auf eine Dauer von mindestens 25 Jahren mit Verlängerungsoption gesichert werden, in der Regel auf vertraglicher Basis.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Beiträge durch den Bund setzen sich in Sonderwaldreservaten oft aus zwei Teilen zusammen. Erstens als Flächenpauschale für die Errichtung des Schutzstatus wie bei den Naturwaldreservaten. Zweitens als Beitrag zur Finanzierung von bestimmten Eingriffen, wie sie in Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung.2C_Sicherung_und_Pflege_von_besonderen_Bestandesstrukturen «Ausscheidung, Sicherung und Pflege von besonderen Bestandesstrukturen»] beschrieben werden. Die Bundespauschalen werden an die Kantone ausgerichtet. Die Entschädigung der Eigentümer ist Sache der Kantone. Die Kantone zahlen dem Eigentümer den Bundesbeitrag, sowie meist zusätzlich noch einen Kantonsbeitrag aus. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Beispiel für den Ablauf der Einrichtung eines Sonderwaldreservates siehe [[Media:AWN GR Einrichten Sonderwaldreservat.pdf|Dokument des Amtes für Wald Graubünden]].&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Foto von Mittelwald suchen; Foto &amp;quot;André_Rey_Mittelwald 96 dpi.TIFF&amp;quot; wird nicht richtig hochgeladen&lt;br /&gt;
| text = Niederwald mit 3.6% und Mittelwald mit 0.3% bedecken schweizweit nur kleine Flächen. Wegen ihrer Bedeutung für licht- und wärmeliebende Arten ist ihre Förderung vordringlich, insbesondere für den Mittelwald.&lt;br /&gt;
}}--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausscheidung, Sicherung und Pflege von besonderen Bestandesstrukturen ==&lt;br /&gt;
Über viele Jahrhunderte wurden grosse Waldflächen in der Schweiz mit traditionellen Bewirtschaftungsformen und oft in Kombination mit der Landwirtschaft genutzt und oft übernutzt [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Kurzer_Abriss_zur_Wald-_und_Forstgeschichte (siehe Waldgeschichte]. Dies hat sowohl die Bestandesstrukturen, als auch die Artenzusammensetzung und gewisse Standortsfaktoren im Vergleich zum Naturwald stark verändert und geprägt. Im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts und insbesondere seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind solche Bestände infolge Aufgabe der entsprechenden Bewirtschaftungsform oder durch waldbauliche Umwandlungsaktivitäten stark zurückgegangen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es hat sich aber gezeigt, dass solche meist lichten Wälder oft eine hohe Biodiversität von besonderem naturschützerischem Wert aufweisen. Ein wichtiger Handlungsbedarf im Wald besteht somit bei der Förderung von «offenen Wäldern». Von diesen Beständen profitieren viele licht- und wärmebedürftige Pflanzen- und Tierarten. Solche Bestandesstrukturen finden sich einerseits natürlicherweise auf trockenen Extremstandorten etwa mit schlechtwüchsigen Eichen- oder Föhrenwäldern. Flächenmässig viel bedeutsamer sind aber offene Waldstrukturen, welche durch traditionelle forstliche Nutzungsformen - oft verbunden mit landwirtschaftlicher Nutzung - entstanden sind, welche in der Regel aufgegeben wurden oder sich stark verändert haben. Es braucht also gezielte Massnahmen mit naturschützerischer Zielsetzung, um solche ökologisch wertvollen Waldstrukturen mit ihrer hohen und besonderen Biodiversität zu erhalten und wieder zu fördern. Diese Zielsetzung wird namentlich auch durch das Programm des BAFU zur [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html Förderung der Biodiversität im Wald als Massnahmen M3.3 (Förderung lichter Wälder) und M3.5 (Erhaltung von besonderen Bewirtschaftungsformen) aufgegriffen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lichter Wald===&lt;br /&gt;
Viele entsprechende Massnahmen sind dazu bereits in Umsetzung. Neben der Wiederaufnahme von traditionellen Bewirtschaftungsformen (Wytweiden, Mittelwald, Niederwald und Selven) laufen in einigen Kantonen auch zusätzliche spezielle Programme, um offene Wälder an geeigneten Orten zu fördern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kanton Zürich läuft seit längerer Zeit der [https://www.zh.ch/content/dam/zhweb/bilder-dokumente/themen/umwelt-tiere/naturschutz/biotopfoerderung/ap_lichter_wald.pdf «Aktionsplan Lichte Wälder»]. &lt;br /&gt;
Die dazu ausgeschiedenen Flächen sind im kantonalen Waldentwicklungsplan WEP festgehalten. &amp;lt;!-- Die Kosten der Einrichtung und regelmässigen Pflegeeingriffe werden aus dem Budget des Naturschutzes und der Abteilung Wald bezahlt.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kanton Aargau werden lichte Wälder neben anderen besonderen Standorten als [https://www.ag.ch/de/verwaltung/bvu/wald/naturschutz/naturschutzprogramm/spezialreservate «Spezialreservate»] gefördert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 2020 steht der «Aktionsplan Lichter Wald» zur Verfügung (siehe Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Lichte_W.C3.A4lder «Praxisrelevante Ökologie»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben solchen Sonderprogrammen mit eigener Finanzierungsquelle bietet sich in der Regel das Instrument des Sonderwaldreservats an, um lichte Wälder gezielt zu fördern und die dadurch anfallenden Kosten zu finanzieren. Es besteht auch die Möglichkeit, dass für entsprechende Fördermassnahmen im Rahmen der [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/recht/fachinformationen/programmvereinbarungen-im-umweltbereich/handbuch-programmvereinbarungen-im-umweltbereich.html Programmvereinbarungen (7.2 Teilprogramm «Waldbiodiversität»)] auch ausserhalb von Sonderwaldreservaten Finanzbeiträge entrichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lichte Wälder können dort zweckmässig eingerichtet werden, wo aufgrund der natürlichen Bedingungen oder früherer Bewirtschaftungsformen bereits offene und wertvolle Strukturen vorhanden sind oder nach gezielten Eingriffen längere Zeit offen bleiben werden. Besonders geeignet sind Gebiete, wo solche Wälder mosaikartig mit extensiv landwirtschaftlich genutztem Offenland (namentlich TWW-Flächen) verzahnt oder verbunden sind. Eingriffe können gemäss Pflegeplan &amp;lt;!-- ''bisher:'' regelmässig nach Plan; ''neu:'' gemäss Pflegeplan --&amp;gt; oder bei offensichtlichem Bedarf &amp;lt;!-- ''bisher:'' wiederholt; ''neu:'' vorgenommen --&amp;gt; vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = oekogramm_de.png&lt;br /&gt;
| text = Es sind vor allem schlechtwüchsige, oft lückige Waldgesellschaften auf extremeren Standorten, welche mit sinnvollem Aufwand durch regelmässige Pflegeingriffen licht gehalten werden können (z.B. trockene Eichenmischwälder, Orchideen-Buchenwälder oder Föhrenwälder, sowie der Föhren-Birkenbruchwald). Es muss im Einzelfall beurteilt werden, ob und wie stark eingegriffen werden muss, um eine angestrebte lichte Bestandesstruktur zu erreichen.&lt;br /&gt;
}} --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der montanen und subalpinen Stufe sind insbesondere die trockenen Waldstandorte (dort vor allem mit Waldföhren oder Bergföhren, sowie trockene Fichtenwälder) für die Pflege und Förderung von lichten Wäldern geeignet, ausserdem lichte Lärchenbestände, welche ihre offenen Strukturen einer Jahrhunderte langen Waldbeweidung verdanken (vgl. dazu die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#H.C3.B6henstufen.2C_Waldstandorte_und_Pflanzensoziologie Ökogramme in Kap. &amp;quot;Höhenstufen, Waldstandorte und Pflanzensoziologie&amp;quot;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je wüchsiger ein Standort ist, desto stärker muss eingegriffen werden, um die erwünschten offenen Waldstrukturen zu erreichen und langfristig zu erhalten. Zu starke Eingriffe auf wüchsigen Böden können sich auch kontraproduktiv auswirken, da bei zu starker Öffnung der Baumschicht das Wachstum in der Strauchschicht wegen erhöhtem Lichtgenuss zu stark gefördert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einrichtung neuer bzw. Förderung von bestehenden lichten Wäldern können anhand von Zielarten und Zeigerarten (Indikatoren) für lichte Waldlebensräume optimiert werden (siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Lichte_W.C3.A4lder Aktionsplan Lichter Wald]). Insbesondere können mit angepassten Massnahmen einzelne gefährdete Arten dieser Lebensräume gezielt gefördert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den typischen Eingriffen zur Förderung lichter Wälder gehören das Auslichten der Baumschicht und Strauchschicht (Entbuschung), wobei vor allem stärker schattenspendende Arten wie Buche oder Hasel entfernt werden sollen. Oft handelt es sich um Gehölze, welche eine natürliche Sukzession zu dichteren und wüchsigeren Waldtypen anzeigen, welche von der Zielsetzung her unerwünscht ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Andere sinnvolle Massnahmen können je nach Situation auch eine regelmässige Mahd der Krautschicht, eine gezielte Streunutzung oder [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Waldweiden_oder_Wytweiden Beweidung mit geeigneten Nutztierrassen sein (vgl. weiter unten)]. &lt;br /&gt;
Zu beachten ist bei letzteren Massnahmen, dass diese grundsätzlich als nachteilige Waldnutzungen beurteilt werden und deshalb in der Regel eine Ausnahmebewilligung brauchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Eingriffe zur Öffnung von Wäldern kann je nach Standort die Ausbreitung von Brombeeren (Rubus sp.), Adlerfarn (''Pteridium aquilinum''), Hochstaudenfluren, Waldrebe (''Clematis vitalba''), Disteln oder invasiven Neophyten begünstigt werden. Sowohl die erhöhte Licht- und Wärmeeinstrahlung, als auch eine verstärkte Nährstoffmineralisierung durch den beschleunigten Abbau der Streuschicht kann dies verursachen. Zumindest in den ersten Jahren nach Lichtungsaktionen sind deshalb regelmässige Kontrollen notwendig. Je nach Art und Ausbreitung sind dann gezielte Gegenmassnahmen durch Ausreissen, Mahd oder ev. Beweidung notwendig, bis sich eine gewünschte Bodenvegetation oder wieder erhöhte Beschattung eingestellt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projekte mit lichten Wäldern sind in der Regel in den Waldentwicklungsplänen (WEP) oder in Betriebsplänen (BP) festgehalten und somit verbindlich. Die Eingriffe und Pflegemassnahmen können durch den Forstdienst, Waldeigentümer oder durch Dritte wie Landwirte oder Freiwillige aus Vereinen und Organisationen durchgeführt werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft sind neben dem kantonalen Forstdienst als primär zuständige Stelle auch die kantonale Fachstelle für Natur- und Landschaftsschutz in solche Projekte involviert und müssen evtl. auch mit der Landwirtschaft, der Raumplanung oder Jagdorganen abgestimmt werden. Dies gilt insbesondere, wenn TWW-Flächen mit lichten Waldflächen verzahnt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kosten für einen Ersteingriff schwanken gemäss einer neueren Fallstudie des BAFU zwischen 6'300 CHF und 71'000 CHF, bei einem Mittelwert von rund 28'000 CHF (Holzertrag bereits abgezogen). Die Kosten für die Nachpflege liegen im Schnitt bei 2'500 CHF pro ha und Jahr (600 CHF bis 4'000 CHF) (Quelle: Handbuch Schutzgebiete (Pro Natura, 2015, unveröffentlicht). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Bund zahlt Flächenbeiträge pro Eingriff von 4'000 CHF pro ha aufgewerteten Lebensraum. Der Kanton beteiligt sich je nach Projekt mit Beiträgen des Forstdienstes, der Naturschutzfachstelle oder des Landwirtschaftsamtes. Für den betroffenen Waldbesitzer sollten keine Projektkosten anfallen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
Weitere konkrete Informationen zu organisatorischen Aspekten und konkreten Massnahmen finden sich in: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Aktionsplan Lichte Wälder Kt. ZH, 2005&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- REY_2012_Förderung Wald-Tagfalterarten Kt.AG.pdf&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- SVS-BirdLifeCH_Waldtagfalter-Arten, Ansprüche und Lebensräume_2011.pdf&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- BAFU_UV0628_TWW-Merkblatt_TWW&amp;amp; Wald_2006/p.2&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- BAFU_Auftraggeb_TWW&amp;amp; lichter Wald (Fallstudie)_2008&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- BÜRGI_2004_Streunutzung als Naturschutzmassnahme?_(in hotspot_9).pdf).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- BerSchwBotGes_112 (2002)_WEBER&amp;amp;&amp;amp;_Entbuschung&amp;amp; Regeneration Randen SH.pdf&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
§- Brutvogelatlas CH - Focus | Spezialisierte Arten in lichten Wäldern &amp;gt;&amp;gt;.webloc&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aktionsplan Info Species ergänzen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = SchottHLR Wald zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Pflege lichter Wälder soll vermehrt durch gezielte Beweidung erfolgen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Waldweiden_oder_Wytweiden Waldweiden oder Wytweiden] ===&lt;br /&gt;
Beim Thema Waldweide und Naturschutz bzw. Biodiversitätsförderung sind zwei Bereiche zu unterscheiden:&lt;br /&gt;
* Einerseits die Förderung von traditionellen Wytweiden oder Waldweiden mit dem Ziel, den ökonomischen, ökologischen und landschaftlichen Wert solcher Wälder und Gebiete zu erhalten oder wiederherzustellen und sie weiterhin so zu nutzen.&lt;br /&gt;
* Andererseits die Waldbeweidung als pflegerische Massnahme zur Förderung von lichten Wäldern, die meistens nicht als typische Weidewälder genutzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Waldweiden werden vom Forstdienst sogenannte Wald-Weide-Ausscheidungen (WWA-Projekte) vorgenommen. Sie dienen sowohl der Verbesserung der forstlichen Bedürfnisse (z.B. Sicherung der Verjüngung durch temporäre Auszäunung), als auch der qualitativen Förderung der Weidenutzung (z.B. durch Verbesserung der Zugänge, Einrichten von Brunnen usw.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die geschilderten landschaftsästhetischen und ökologischen Werte der Waldweiden nachhaltig zu sichern und verbessern, werden seit einiger Zeit verbindliche integrierte Bewirtschaftungspläne eingesetzt. Im Jura (Kantone VD, JU, BE) sind sie mehrfach als «plans de gestion intégrée des pâturages boisés (PGI)» umgesetzt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispiele:	&lt;br /&gt;
* Kanton Jura: [[Media:120227PGIGuidepourmaitredoeuvre.pdf|PGI, Plan de gestion intégrée en pâturages boisés, Petit guide à l'attention des maîtres d'œuvre]]&lt;br /&gt;
* Kanton Waadt: [[Media:Canton de Vaud 2012 Gestion integree des paturages boises.pdf|Gestion intégrée des pâturages boisés]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = tww_wald_de.png&lt;br /&gt;
| text = Bei Waldweide-Projekten überschneiden sich zahlreiche Planungs- und Sachebenen im rechtlichen und administrativen Bereich. [[Media:Bafu UV0628 TWW-Merkblatt TWW- Wald 2006.pdf|Quelle]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die forstliche Bestandespflege konzentriert sich vor allem auf die Gestaltung der Gliederung von offenen und baumbestockten Bereichen eines Weidewaldes. Dies geschieht durch gezielte Eingriffe in die Baumschicht, aber auch durch Pflegemassnahmen in der Strauchschicht (z.B. Entbuschung, rechtzeitiges Entfernen des Aufwuchses unerwünschter Baumarten, z.B. &amp;quot;Entfichtung&amp;quot;). In den bestockten Bereichen sollte die Überschirmung durch Baumkronen 20 - 50 % Deckungsgrad nicht überschreiten. Alte markante Bäume sollen möglichst stehen gelassen werden, hingegen muss das Aufwachsen von insbesondere von stärker schattenden Baumarten (z.B. Buchen oder Fichte) rechtzeitig verhindert werden.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Anteile von Verjüngungsflächen sind kleiner, als sie in andern Waldbereichen notwendig sind. Sie sollten aber regelmässig verteilt sein und müssen durch Einzäunung geschützt werden.&lt;br /&gt;
Die Weidepflege dient primär einer optimalen Weidequalität.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu starke Eingriffe, welche eine vegetationsarme und oft nährstoffreiche Bodenoberfläche hinterlassen, können vor allem unerwünschte Weideunkräuter wie Disteln, Brombeeren oder Tollkirsche fördern.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein gewisser Flächenanteil (z.B. 20 %) an Gebüschen oder Pioniergehölzen für die Förderung der Biodiversität ist von Vorteil. Dies gilt insbesondere für Dornensträucher oder Rosen, sowie ökologisch wertvolle Pioniergehölze wie Aspe (''Populus tremula''), Birke (''Betula sp.'') oder Weiden (''Salix sp.''). Vorsicht ist hingegen bei Haseln (''Corylus avellana'') geboten, welche in wenigen Jahren dominant werden und mit ihrer starken Beschattung andere Gehölze und die Bodenvegetation verdrängen können.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für die gezielte Förderung von einzelnen Tier- oder Pflanzenarten im Weidewald können spezifische Massnahmen notwendig sein. Sie sind in der Regel aus Merkblättern zur Artenförderung ableitbar.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- (Quelle: v.a. aus ∂- AWN GR_Projektvorschriften Waldbau-Anhang_ab 2020_(3_3_1).pdf/Anhang 4.4) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Finanzierung solcher Projekte erfolgt sowohl vonseiten des Forstdienstes, als auch der Landwirtschaft. Aus landwirtschaftlicher Sicht gehören Waldweiden zum Gültigkeitsbereich der Direktzahlungsverordnung (DZV) des Bundes. Wenn in den Weideflächen die Anforderungen an die biologische Qualitätsstufe 2 (Vegetationsqualität und Strukturqualität) erfüllt sind, haben die Bewirtschafter Anrecht auf Beiträge.&lt;br /&gt;
(siehe: Biodiversitätsförderung Qualitätsstufe II von extensiv genutzten Weiden und Waldweiden gemäss Direktzahlungsverordnung (Agridea, 2018), Biodiversitätsförderflächen (BFF), Zeigerpflanzen von extensiv genutzten Weiden und Waldweiden (Agridea, 2016))&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den traditionellen Waldweide-Regionen auf den Jurahöhen und in den mittleren und höheren bewaldeten Lagen der Alpen, bietet sich die Beweidung andernorts vor allem als pflegerische Massnahme zur Förderung und Offenhaltung von lichten Wäldern an. Es sind dies vor allem Waldstandorte und Bestandesstrukturen, welche sich generell für die Förderung von lichten Wäldern eignen. Dazu zählen trockene Waldgesellschaften mit Eichen, Föhren oder Buchenmischwälder oder Bestände mit traditionellen Nutzungsformen wie Mittelwald oder Niederwald. In wuchskräftigeren Waldgesellschaften ist Waldweide zwar durchaus möglich, die Weidetiere sind dann aber oft nicht mehr in der Lage den Wald offen zu halten.&lt;br /&gt;
Es ist zu beachten, dass gemäss Waldgesetz (WAG, Art. 16) die Waldweide als nachteilige Nutzung grundsätzlich verboten ist. Auch für eine Beweidung aus naturschützerischen Gründen braucht es deshalb eine Ausnahmebewilligung des kantonalen Forstdienstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Tierarten bzw. Rassen sich für eine pflegerische Waldweide eignen, muss für den Einzelfall abgeklärt werden. Ziegen eignen sich bei intensiver Beweidung vor allem zum Zurückdrängen von Sträuchern und jungen Bäumen, in der Regel aber weniger zur konstanten Regulierung der Bodenvegetation. Schafe gehen kaum an Gehölze, fressen die Krautschicht aber sehr tief ab. Bei beiden Arten gibt es verschiedene Rassen, welche sich in ihrem Fressverhalten stark unterscheiden. Auch die Fragen ob Stand- oder Umtriebsweide, sowie zur Besatzdichte müssen je nach konkreter Situation anders beantwortet werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--(Quelle: v.a. ∂- Abt.Wald Kt.AG_2002_Begleitbericht Waldweideliteratur-Datenbank.pdf)--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- ForstBW-Praxis_2017_Merkblatt Waldweide_WEB.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Abt.Wald Kt.AG_2002_Begleitbericht Waldweideliteratur-Datenbank.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Zürcher Wald_2009.05_Beweidung statt Mähen.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- infohabitat.ch_Empfehlungen NHG-Weideverträge_2018.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
§- Waldweide als Naturschutzmassnahme | waldwissen.net &amp;gt;&amp;gt;.webloc &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Allegra Geissenpeter --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Niederwald Niederwald] ===&lt;br /&gt;
Die Niederwald-Bewirtschaftung für naturschützerische Ziele zu erhalten und zu fördern ist in der Schweiz wohl nur noch beschränkt möglich und sinnvoll. Der Anteil an der Gesamtfläche des Waldes beträgt nur rund 3,6 %. In der Nordschweiz sind Niederwälder fast völlig verschwunden, auf der Alpensüdseite, wo diese Betriebsart noch mehr Tradition hat, beträgt der Anteil noch 16,7 %. Nur ein Drittel dieser Fläche soll nach den Plänen des Forstdienstes in den nächsten 20 Jahren noch aktiv bewirtschaftet werden und davon nur ein kleiner Teil mit traditionellen Niederwaldschlägen. &amp;lt;!--(∂- BRÄNDLI&amp;amp;&amp;amp;_2020_LFI4-Ergebnisbericht.pdf; p. 98ff). --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gewisse Berechtigung aus Sicht der Biodiversität hat der Niederwald mit bestehender traditioneller Nutzung vor allem noch dort, wo in der Umgebung weitgehend geschlossene Hochwälder vorherrschen und andere, für licht- und wärmeliebende Organismen notwendige offenere Lebensräume mit Baum- oder Strauchvegetation fehlen. Andere Formen von offenen Wäldern und vor allem Mittelwälder bieten aber wohl vollwertige Ersatzlebensräume für typische Niederwaldbewohner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Sicht der optimalen Energieholzerzeugung als auch der Förderung eines wertvollen Lebensraumes sollten folgende Punkte beachtet werden:&lt;br /&gt;
* Um die langfristige Nachhaltigkeit und gleichzeitig verschiedene Habitatstrukturen zu gewährleisten, sollte die Gesamtfläche in Schläge eingeteilt und im Rotationsverfahren genutzt werden&lt;br /&gt;
* der beste Zeitpunkt für den Hieb ist Ende Winter, nach den starken Winterfrösten und vor dem Beginn des Saftflusses&lt;br /&gt;
* der Hieb sollte mit scharfem Werkzeug eine glatte schräge Schnittfläche ohne Risse hinterlassen&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- (Quelle: £- Arbeitskreis forstliche Landschaftspflege, 1986: Biotop-Pflege im Wald; p. 60ff) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
£- Arbeitskreis forstliche Landschaftspflege, 1986: Biotop-Pflege im Wald &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- KONOLD&amp;amp;&amp;amp;_XIII-1.1_Niederwald.pdf &amp;lt;br /&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Mittelwald Mittelwald] ===&lt;br /&gt;
Der Mittelwald als Mischform von Hoch- und Niederwald war bis ins 20. Jahrhundert hinein im Mittelland und den tieferen Lagen des Juras eine weitverbreitete traditionelle Betriebsart. Heute bedeckt er nur noch 0,3 % der Waldfläche in der Schweiz und ist wirtschaftlich praktisch bedeutungslos. Umso beeindruckender ist aber sein ökologischer Wert und seine hohe Biodiversität. Die Gründe dazu sind in Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Nutzungsformen_im_Wirtschaftswald &amp;quot;Nutzungsformen im Wirtschaftswald&amp;quot;] beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittelwälder werden deshalb fast ausschliesslich nur noch aus naturschützerischen und kulturhistorischen Gründen gefördert und haben dadurch in gewissen Gebieten durchaus eine gewisse Renaissance erlebt. So gibt es eindrückliche Mittelwaldbestände vor allem noch in den Kantonen Basel-Landschaft, Aargau, Zürich und Thurgau. Die Projekte zu ihrer Erhaltung sind oft mit der Förderung der Eichen und bestimmten Zielarten wie dem Mittelspecht kombiniert. Im Programm des BAFU zur Förderung der [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html  Biodiversität im Wald] ist die Wiederherstellung und nachhaltige Bewirtschaftung als Massnahme M3.5 «Besondere Bewirtschaftungsformen erhalten» enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wiederherstellung von Mittelwäldern ist vor allem dort sinnvoll, wo noch entsprechende Strukturen mit einzelnen mächtigen alten Bäumen (vor allem Eichen, aber auch verschiedene andere Baumarten) von der früheren Mittelwaldbewirtschaftung zeugen. Um wieder eine meist locker stehende Oberschicht zu formen, müssen die meisten anderen Bäume, welche seither in die Mittel- oder Oberschicht eingewachsen sind, entnommen werden. Für die genauen waldbaulichen Überlegungen und Eingriffe, welche zur Formung und Erhaltung schöner Mittelwälder nötig sind, braucht es die Zusammenarbeit mit den Forstfachleuten, die über die notwendigen Kenntnisse und Erfahrungen verfügen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da die Wertholzerzeugung in der Oberschicht nicht mehr im Vordergrund steht, sollen auch kränkelnde oder absterbende Althölzer und sogar Dürrständer stehen gelassen werden, wenn keine Sicherheitsaspekte entlang von Waldstrassen usw. dagegen sprechen. Zusammen mit den übrigen gesunden Altbäumen bilden sie wertvolle Habitatbäume. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für die Behandlung der Hauschicht gelten dieselben Grundsätze wie beim Niederwald (vgl. oben). Wichtig ist aus ökologischer Sicht, dass möglichst alle Altersphasen von der frisch geschlagenen Kahlfläche bis zum hiebsreifen Stockausschlagbestand auf der gesamten Waldfläche vertreten sind. Die Umtriebszeiten in der Hauschicht liegen in der Regel zwischen 20 und 30 Jahren. Das geschlagene Holz kann gegebenenfalls nicht kostendeckend, aber wenigstens mit einem gewissen Ertrag als Energieholz abgesetzt werden. Mit der kostendeckenden Energieholzproduktion in Mittelwäldern hat sich BALLY, 1999 auseinandergesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Wiederherstellung und regelmässige Pflege von Mittelwäldern ist das Sonderwaldreservat ein geeignetes Instrument. Das Ziel kann aber auch mit anderen Fördermassnahmen zur Biodiversität erreicht und finanziert werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
£- Arbeitskreis forstliche Landschaftspflege, 1986: Biotop-Pflege im Wald; p. 61ff &amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
∂- KONOLD&amp;amp;&amp;amp;_VIII_7.6.3_Mittelwald als Option.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- SZF_150.04 (1999)_BALLY_Energieholzprod. in Mittelwäldern&amp;amp; Niederwälder CH &amp;lt;br /&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Selven Selven] ===&lt;br /&gt;
Die Restauration von Selven erfolgt aus naturschützerischen, landschaftsästhetischen und kulturhistorischen Gründen. An einem solchen Projekt sind deshalb in der Regel verschiedene Akteure bei der Planung, Umsetzung und Finanzierung beteiligt (Eigentümer/Bewirtschafter, Forstdienst, Gemeinde, ev. Stiftungen, Förder- oder Naturschutzvereine).&lt;br /&gt;
Meistens sind die Bestände solcher Objekte seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt worden, wodurch sich durch die natürliche Sukzession ein dichtes Unterholz ausgebildet hat und damit die charakteristische parkartige Struktur verloren gegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgehen kann grundsätzlich in zwei Schritte unterteilt werden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
1. Wiederherstellung der Selvenstruktur&lt;br /&gt;
* Freistellen der alten Bäume durch Entfernen der Gehölze in der Mittel- und Unterschicht (neben Kastanien- oder Nussbäumen können auch passende Eichen, Kirschbäume oder Ahorne stehengelassen werden)&lt;br /&gt;
* Fördern der Selvenstruktur durch Ausdünnung der Oberschicht, wobei alte Bäume bevorzugt erhalten bleiben sollen. Auch tote Bäume erhalten, aber ev. hoch kappen&lt;br /&gt;
* Wegen der landwirtschaftlichen Doppelnutzung und zur Förderung der Biodiversität in der Bodenvegetation sollten die verbleibenden Bäume genügend locker verteilt sein&lt;br /&gt;
* Kronenpflege der Kastanienbäume mit Erhaltung von wertvollen Mikrohabitaten (möglichst durch Baumpfleger)&lt;br /&gt;
* Pflanzung von veredelten jungen Kastanien- oder Nussbäumen (mit Zäunen zum Frassschutz)&lt;br /&gt;
* Ansaat mit ausgewählten Samenmischung oder Heublumensaat aus der Umgebung &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
2. Langfristig regelmässige Pflegemassnahmen&lt;br /&gt;
* Beweidung oder Mahd (möglichst alljährlich)&lt;br /&gt;
* Nutzung und sinnvolle Verwendung der Früchte&lt;br /&gt;
* Laubstreuentfernung (möglichst alljährlich)&lt;br /&gt;
* Wiederholung von Kronenschnitten (ca. alle 10 Jahre, bei Bedarf)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die einmalige Wiederherstellung einer Selve, sowie für die späteren Kronenschnitte stehen in der Regel forstliche Finanzmittel zur Verfügung, für die alljährlichen Pflegemassnahmen verschiedene Typen von Direktzahlungsbeiträgen für Landwirtschaftliche Nutzflächen (LN).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Auswahl und Festlegung von geeigneten Restaurationsobjekten von Kastanienselven bestehen im Kanton Tessin und in den Südtälern von Graubünden regionale Konzepte des Forstdienstes.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- aus ∂- Projektvorschriften für Sammelprojekte Waldbau_AWN GR_2019.pdf --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
£- SZF_157.09 (2006)_RUDOW&amp;amp;&amp;amp;_Erhaltung der Kastanienkultur in der Schweiz (46 Selvenrestaurationsprojekte).pdf&lt;br /&gt;
∂- Karte der Kastanienselven im Tessin_(AllegatoH_selve).pdf &lt;br /&gt;
∂- Restauration Kastanienselve_Bsp. kommunales Projekt von Mezzovico-Vira TI.pdf&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausscheidung und Sicherung von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#.C3.96kologisch_wertvolle_Strukturen:_Altholz.2C_Totholz.2C_Biotopb.C3.A4ume Altholzinseln, Habitatbäumen und Totholz] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = galerie6 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Hohes Absägen von Strünken ist eine einfache Methode zur Schaffung von Totholz. In diesem Fall handelt es sich um Fichten, die wegen Käferbefall gefällt werden mussten. Durch das Entrinden verlieren die Bäume an Wert für die Biodiversität. Dem kann auf einfache Art entgegnet werden: Die Rinde wird geritzt in senkrechten Streifen von ca. 1 cm Breite und alle zwei bis fünf Zentimeter. So kann sich der Buchdrucker (''Ips typographus'') im Holz nicht mehr fortpflanzen. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Wirtschaftswäldern mit Umtriebszeiten von maximal 150 Jahren fehlen die ökologisch wertvollsten Alters- und Zerfallsphasen, welche in Urwäldern im weiteren Verlauf ihrer Bestandesgeschichte über weitere Jahrhunderte ablaufen. Der damit verbundene Mangel an Alt- und Totholz ist einer der grössten ökologischen Defizite in unseren Wäldern.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine wichtige Möglichkeit, solche Waldstrukturen auch in bewirtschafteten Wäldern wenigstens in beschränktem Masse anbieten zu können, ist - neben Waldreservaten - die Förderung von Alt- und Totholz. Sie können ohne Aufwand und mit nur geringen Einschränkungen für die nutzungsorientierte Bewirtschaftung des Waldes eingerichtet und gesichert werden. Wichtige naturschützerische Ziele, welche damit angestrebt werden können, sind z.B. die weitere Förderung und Erhaltung von Altholzinseln, von einzelnen alten Habitatbäumen und seltenen Baumarten, von besonderen Strukturen wie Baumhöhlen, grober Borke oder von stehendem oder liegendem Totholz. Damit erhalten auch viele anspruchsvolle Tier- und Pflanzenarten mit sehr spezifischen Habitatansprüchen die Möglichkeit, in Wirtschaftswäldern existieren zu können. &amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
In der [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html  Vollzugshilfe zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität im Wald] wird dies im Massnahmenbereich M2 «Förderung Alt- und Totholz» ausführlich beschrieben.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = WSL_alte_Waldbestaende.png&lt;br /&gt;
| text = In Altholzinseln und mit Biotopbäumen kann die im Wirtschaftswald fehlende Alters- und Zerfallsphase ablaufen. Quelle Abb.: aus [https://totholz.wsl.ch/de/walddynamik/alte-waldbestaende-und-altholzinseln.html Naturwaldreservate und Altholzinseln als Massnahme für die Erhaltung von alten Wäldern]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der Existenz von Alt- und Totholz als wichtige Klein- oder Mikrohabitate an und für sich, haben diese Elemente auch eine wichtige Bedeutung als Trittsteine für die ökologische Vernetzung. Eine möglichst regelmässige Verteilung ist deshalb anzustreben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = wsl_empfehlungen_vernetzungskonzept_schema.jpg&lt;br /&gt;
| text = Altholzinseln und Habitatbäume verbessern die funktionelle Vernetzung zwischen Naturwaldreservaten für die Ausbreitung von stark gefährdeten Arten mit fragmentierten Lokalvorkommen. Anzustreben sind Waldbestände mit hohen Totholzmengen und vielen Habitatbäumen, eingebettet in nachhaltig genutzte Wälder. [https://totholz.wsl.ch/de/totholz/umsetzung-in-der-praxis/empfehlungen/oekologische-infrastruktur-mit-drei-komponenten.html Quelle].&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Altholzinseln===&lt;br /&gt;
Kleinere naturnah und standortsgemäss bestockte Waldflächen mit älteren Bäumen und/oder bereits vorhandenem ansehnlichem Totholzanteil können als Altholzinseln ausgeschieden und gesichert werden. In deren Perimeter wird auf künftige Nutzungen verzichtet und die Bäume bis zum natürlichen Zerfall stehen gelassen. Um ihrem ökologischen Zweck gerecht zu werden, sollten Altholzinseln mindestens 10 ha gross sein. Die nationalen Handlungsziele des BAFU verlangen bis 2030 die Ausscheidung von zwei Altholzinseln pro Quadratkilometer Waldfläche, die möglichst mindestens eine Hektare gross sein sollten. &amp;lt;!--(BAFU_UV1503_M2.6-Nationale Handlungsziele bis 2030).--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es liegt an den Kantonen, entsprechende Richtlinien zum Erreichen dieses Zieles zu erarbeiten. Darin sollten etwa folgende Kriterien berücksichtigt sein:&lt;br /&gt;
* minimale (bis maximale) Flächengrösse&lt;br /&gt;
* minimale Flächenbreite&lt;br /&gt;
* hoher Alt- und Starkholzanteil mit zahlreichen dicken Bäumen&lt;br /&gt;
* Präsenz von Biotopbäumen/Habitatbäumen&lt;br /&gt;
* hoher Totholzanteil&lt;br /&gt;
* längere Periode ohne waldbauliche Eingriffe und Holzernten&lt;br /&gt;
* standortgerechte Baumartengarnitur	&lt;br /&gt;
* keine gravierende Konfliktsituation mit andern Waldfunktionen (gemäss WEP) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Administrative und rechtliche Aspekte:&lt;br /&gt;
* Einbezug in forstliche Planung (WEP oder v.a. Betriebsplan, inkl. Schlagplanung)&lt;br /&gt;
* Rechtliche Sicherung: z.B. einfacher Vertrag, ohne Grundbucheintrag&lt;br /&gt;
* minimale Vertragsdauer für Verzicht auf waldbauliche Eingriffe&lt;br /&gt;
* Ausnahmeregelung für besondere Ereignisse mit Gefährdung der öffentlichen Sicherheit (wie Käferkalamität oder Waldbrand)&lt;br /&gt;
* Beitragsregelung: Beiträge von Bund und Kanton (z.B. pro ha und Jahr)&lt;br /&gt;
* Fragen der Grenzmarkierung&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
§- Naturwaldreservate&amp;amp; Altholzinseln | WSL &amp;gt;&amp;gt;.webloc&lt;br /&gt;
∂- SZF_163.02 (2012)_MÜLLER&amp;amp;&amp;amp;_Grösse von Altholzinseln?.pdf&lt;br /&gt;
∂- Richtlinie Altholzinseln_AWN_2009_(3_4_2_3_altholzinseln_rl).pdf --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Habitatbäume=== &lt;br /&gt;
Um die biologische Artenvielfalt im Wald flächendeckend erhöhen und sichern zu können, sind ökologisch wertvolle Substrate und Strukturen, wie sie Habitatbäume mit ihren Mikrohabitaten bieten, auch in forstlich bewirtschafteten Wäldern zu fördern. In Naturwaldreservaten und sonst ungestörten Wäldern mit viel Altholz sind sie hingegen in der Regel schon gut vertreten und leisten einen wichtigen Beitrag an die hohe Biodiversität solcher Wälder.&lt;br /&gt;
Die Förderung von Habitatbäumen ist deshalb zu einem wichtigen Ziel zur Förderung der Biodiversität im Wald und insbesondere auch in den Wirtschaftswäldern geworden (z.B. [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html  Massnahme M2.4 «Biotopbäume erhalten» in &amp;quot;Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen&amp;quot;]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Habitatbäume, auch Biotopbäume genannt, sind in der Regel alte und dicke Bäume, welche dank ihren Strukturen charakteristische Baummikrohabitate aufweisen und deshalb ökologisch besonders wertvoll sind [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#.C3.96kologisch_wertvolle_Strukturen:_Altholz.2C_Biotopb.C3.A4ume.2C_Totholz vgl. Kap. «Ökologisch wertvolle Strukturen: Altholz, Biotopbäume, Totholz»]. In Naturwaldreservaten und Altholzinseln sind sie in der Regel in genügender Anzahl und Dichte vorhanden oder entstehen im Laufe der Zeit in solchen Flächen. Oft sind sie sogar ein entscheidendes Kriterium für die Ausscheidung solcher Schutzflächen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als wichtige Ergänzung zur Förderung der Biodiversität sollten sie auch in bewirtschafteten Wäldern in genügender Zahl und möglichst regelmässiger Verteilung vorhanden sein. Es sollten dazu aus ökologischer Sicht wenn möglich etwa sechs bis zehn Habitatbäume pro Hektare bestimmt werden. Zusätzlich sollten zur langfristigen Sicherung auch jüngere Bäume mit Potential für die Entwicklung von Mikrohabitaten gesichert werden.  Die nationalen Handlungsziele des BAFU verlangen bis 2030 die Ausscheidung von 3-5 Biotopbäumen pro ha Waldfläche. &amp;lt;!--(∂-BAFU_UV1503_M2.6-Nationale Handlungsziele bis 2030) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Auslese von Habitatbäumen sollten folgende Kriterien beachtet werden (gemäss ∂- WSL-Merkblatt Praxis.64):&lt;br /&gt;
* Bevorzugung von alten oder dicken Bäumen mit Baummikrohabitaten&lt;br /&gt;
* auch Pionierbaumarten oder mitherrschende Nebenbaumarten erhalten, da sich dort besonders rasch wertvolle Baummikrohabitate entwickeln&lt;br /&gt;
* besonders auch Habitatbäume an Waldrändern einbeziehen, da sie oft besondere Baummikrohabitate aufweisen&lt;br /&gt;
* auch stehende tote Bäume (Dürrständer) erhalten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die methodische Erfassung umfasst vor allem:&lt;br /&gt;
* genaue Lage (Erfassung der Koordinaten)&lt;br /&gt;
* Baumart&lt;br /&gt;
* Brusthöhendurchmesser BHD&lt;br /&gt;
* Vorhandene Baummikrohabitate (codiert nach Katalog der Baummikrohabitate (Kraus et al., 2016))&lt;br /&gt;
* Foto&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die einheitliche und praktische Erfassung von Habitatbäumen nach diesen Kriterien steht die Smartphone-App «HabiApp» für Android und iOS zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kantone werden durch die Handlungsziele und Programmvereinbarung mit dem BAFU [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Kosten.2C_Beitr.C3.A4ge siehe «Kosten, Beiträge»]) aufgefordert, Habitatbäume zu fördern und haben dazu Richtlinien oder andere verpflichtende Regelungen erarbeitet (siehe Bsp. Kanton Graubünden [https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/diem/awn/dokumentenliste_afw/rl_habitatbaeume.pdf Richtlinie Habitatbäume]. Dort sind neben der Erfassungsmethodik unter anderem auch Fragen der Sicherung (Vertrag mit dem Grundeigentümer), der Entschädigung und der permanenten Markierung geregelt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- WSL-Merkblatt Praxis.64_Habitatbäume_kennen-schützen&amp;amp; fördern_(2020).pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- WSL-Merkblatt Praxis.64-Beilage_BÜTLER&amp;amp;&amp;amp;_Taschenführer Baummikrohabitate_(2020).pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- KRAUS&amp;amp;&amp;amp;_2016_Katalog der Baummikrohabitate-Referenzliste.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂-AWN GR_2019_Richtlinie Habitatbäume.pdf --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = DominikScheibler_MarkierterBaum-Buche 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Ein gekennzeichneter Baum mit dem Label [https://www.deinbaum.ch/ «Dein Baum»]. In diesem Projekt werden Habitatbäume mit Baumpatenschaften langfristig gesichert. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Totholz===&lt;br /&gt;
Stehendes und liegendes Totholz in unterschiedlichem Zersetzungsstadium findet sich in jedem Wald, allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmass. Es bildet die Lebensgrundlage tausender Arten von ökologisch oft sehr spezialisierten und seltenen Tieren, höheren Pflanzen, Pilzen, Moosen, Flechten und Algen. Für eine hohe Biodiversität des Waldes ist ein guter [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#.C3.96kologisch_wertvolle_Strukturen:_Altholz.2C_Biotopb.C3.A4ume.2C_Totholz Totholzvorrat (quantitativ und qualitativ)] also unabdingbar. In bewirtschafteten Wäldern ist der Totholzvorrat in der Regel durchschnittlich zehnmal kleiner als in Naturwäldern. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
In den letzten Jahrzehnten verbesserte sich die Situation gemäss den Resultaten des LFI deutlich. Diese Tendenz muss noch weiter verstärkt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgende Fördermassnahmen können meist auch im bewirtschafteten Wald dazu beitragen: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Ausscheidung von Habitatbäumen (siehe oben)&lt;br /&gt;
* natürlich anfallendes Totholz stehen bzw. liegen lassen&lt;br /&gt;
* auch beschädigte und absterbende Bäume stehen lassen&lt;br /&gt;
* nicht erwünschte Bäume ringeln und stehen lassen&lt;br /&gt;
bei Durchforstungen und Holzernten:&lt;br /&gt;
* Schlagabraum liegen lassen und nicht verbrennen (vgl. Kap. «Problematik Schlagräumung und Holzhackhaufen»)&lt;br /&gt;
* nicht genutzte Kronenbereiche oder Stammteile liegen lassen, nicht weiter zersägen&lt;br /&gt;
* hohe Strünke stehen lassen&lt;br /&gt;
* zurückhaltende Räumung von Sturmflächen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beachten sind bei diesen Massnahmen aber folgende teilweise einschränkenden Aspekte: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Entlang von Strassen und Bahnlinien, sowie in Bereichen mit erhöhter Erholungsnutzung (Wege, Sportparcours, Feuerstellen usw.) müssen aus Sicherheitsgründen (Stichwort Werkhaftung) Bäume mit grösseren toten Ästen oder Dürrständer regelmässig auf ihr Risiko überprüft und gegebenenfalls gefällt werden.&lt;br /&gt;
* Die Arbeitssicherheit der Forstwarte muss für ihre Tätigkeit in Beständen mit erhöhtem Anteil an Alt- und Totholz durch entsprechende Instruktion und Sensibilisierung gewährleistet sein.&lt;br /&gt;
* Bei durch Sturm oder Holzernte frisch anfallendem Totholz müssen bei hohem Fichtenanteil mögliche Borkenkäferkalamitäten in Betracht gezogen werden: der Buchdrucker (''Ips typographus'') bei Stammholz mit dickerer Rinde und der Kupferstecher (''Pityogenes chalcographus'') bei Schwachholz, Kronenteilen und Zweigen mit dünner Rinde. Analoge Gefahren bestehen bei anderen Nadelhölzern wie Föhre oder Weisstanne mit ihren spezifischen Borkenkäferarten. Stark vom Buchdrucker befallene Baumstämme, welche nicht umgehend aus dem Wald abgeführt werden können, werden in der Regel komplett entrindet, was den Wert für die Biodiversität deutlich vermindert. Dieser Verlust kann mit einem einfachen, aber zeitlich aufwändigen Verfahren deutlich verringert werden. Die Borke wird flächendeckend mit parallelen senkrechten Streifen eingeritzt. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- (Quelle: ∂- Pro Natura lokal_1/2021_HUG_Käferholz für die Biodiversität) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Interesse und der Bedarf an Energieholz steigen seit einigen Jahren wieder deutlich an. Dies könnte in Zukunft in gewissen Waldgebieten zu einem Interessenskonflikt mit der Förderung von Totholz führen. Es wäre überlegenswert, das Thema Energieholznutzung und Biodiversität generell zu analysieren und bewerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Förderung von Kleinstrukturen ==&lt;br /&gt;
Zahlreiche Kleinstrukturen fördern das Habitat Angebot und damit auch die Biodiversität in Wäldern. Viele ökologisch wichtige Kleinstrukturen sind bereits an anderer Stelle beschrieben worden. Das gilt insbesondere für das [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung_und_Sicherung_von_Altholzinseln.2C_Habitatb.C3.A4umen_und_Totholz Totholz und die Habitatbäume].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Kleinstrukturen wie zum Beispiel Ast- und Steinhaufen, Trockensteinmauern, Baumstrünke und Wurzelteller werden in einem eigenen [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen Artikel «Kleinstrukturen»] behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf weitere ökologisch wichtige Kleinstrukturen wird im Folgenden noch genauer eingegangen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kleingewässer===&lt;br /&gt;
Zu [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Planung, Bau und Unterhalt von Kleingewässern] liegt ein ausführlicher Artikel vor. Vor allem feuchte Waldtypen bieten in der Regel viele Möglichkeiten für die Schaffung von kleinen Gewässern bis zur Vernässung grösserer Senken.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = galerie7 96 dpi.png &lt;br /&gt;
| text = Von Hand angelegter kleiner Tümpel zur Förderung der Gelbbauchunke.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Findlinge und Felsbrocken===&lt;br /&gt;
Wenn Findlinge oder Felsbrocken in Wäldern ausserhalb von Schuttstandorten auftreten, bieten sie besondere Kleinstandorte und Mikrohabitate an, welche sonst in diesem Lebensraum nicht vorkommen. Mit der Besiedlung durch spezialisierte felsbewohnende Pflanzen (insbesondere auch Flechten und Moose) oder Tiere (meist Invertebraten) wird dadurch die Biodiversität lokal erhöht. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von besonderer Bedeutung sind zum Beispiel Findlinge aus silikatischem Gestein, welche im kalkreichen Mittelland oder Jura acidophilen Pflanzenarten exklusive Standortbedingungen bieten (z. B. Nordischer Streifenfarn, ''Asplenium septentrionale'').&amp;lt;!--(Populationsentwicklung und Gefährdung von Asplenium septentrionale auf Findlingen im Schweizer Mittelland und Jura (Mazenauer et al. 2014, Bauhinia, 25, 37-50).--&amp;gt; Grosse Findlinge stehen im Mittelland heute oft unter Schutz und werden - im Gegensatz zu früher - nicht mehr zerstört. Eine gewisse Gefährdung besteht aber für ihre Besiedler durch Beschattung und Konkurrenz benachbarter Vegetation oder durch Sportkletterei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Waldstrassen===&lt;br /&gt;
Waldstrassen und vor allem ihre Ränder sind wertvolle Lebensräume insbesondere für licht- und wärmeliebende Pflanzen- und Tierarten. Die Bankette und anschliessenden Säume bilden mit ihrem mageren und lückigen Boden wertvolle Kleinhabitate, welche im angrenzenden Wald und oft auch im Landwirtschaftsgebiet kaum mehr zu finden sind. Die artenreichen Krautsäume und Strauchmäntel sind somit oft reich an seltenen Orchideen, Eidechsen, Heuschrecken- Mollusken- oder Tagfalterarten und können auch als Korridore für Reptilien und Äsungsquellen für das Wild dienen. Bei frisch-feuchten und nährstoffreichen Bodenverhältnissen entwickeln sich auch üppige Krautsäume oder Staudenfluren, welche eine ganz andere, aber ebenfalls artenreiche Flora und Fauna aufweisen. Waldstrassen mit Naturbelag weisen oft temporär mit Regenwasser gefüllte Pfützen auf, welche von bestimmten Tagfaltern als Saugstellen genutzt werden oder kurzfristig andere Kleintiere beherbergen können. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wichtig ist eine ökologisch angepasste Pflegeplanung für den Unterhalt der Strassenränder. Je nach Zuständigkeit ist dafür der Forstdienst, die Werkgruppe einer Gemeinde oder auch eine Unterhaltsgenossenschaft verantwortlich. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Folgende Aspekte sind aus Sicht der Erhaltung und Förderung der Biodiversität besonders wichtig:&lt;br /&gt;
* zeitlich und räumlich gestaffelt eingreifen, wobei möglichst spät gemäht und kleine Flächen stehen gelassen werden sollen&lt;br /&gt;
* mähen statt mulchen, insbesondere wenn ein früherer Schnitt unumgänglich ist&lt;br /&gt;
* Schnitthöhe auf 10 cm einstellen, um die Fauna zu schonen&lt;br /&gt;
* ökologisch wertvolle Sträucher möglichst stehen lassen&lt;br /&gt;
* invasive Neophyten vor dem Absamen entfernen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Media:PNB 2015 Waldstrassenränder.pdf|Waldstrassenränder, mehr Biodiversität mit weniger Aufwand]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = galerie8 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Entlang von Waldstrassen kommen z. B. Waldeidechse (''Zootoca vivipara'') und Langblättriges Waldvögelein (''Cephalanthera longifolia'') vor. Eine [[Media:PNB_2015_Waldstrassenränder.pdf|Broschüre von Pro Natura Bern]] fasst das Relevante zur Schonung und Förderung des Artenreichtums an Waldstrassen zusammen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Schlagfluren und Vorwaldgesellschaften===&lt;br /&gt;
Nach der Entfernung der Baumschicht durch einen Holzschlag oder ein Sturmereignis stellt sich umgehend eine charakteristische krautige Schlagflur ein, welche den Beginn einer rasch ablaufenden natürlichen Sukzession darstellt. Die zuerst vorherrschende Krautflur zum Beispiel von Himbeeren, Tollkirschen und Erdbeeren wird nach wenigen Jahren von lichtliebenden Pioniergehölzen wie der Salweide, Holunder, Birke, Zitterpappel oder Vogelbeere überwachsen. Diese Übergangsgesellschaften werden dann nach einigen Jahren vom Wald als Schlussgesellschaft abgelöst. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während die Flora in diesen Schlagfluren kaum besondere Arten aufweist, kann sich die Fauna durch viele und auch seltene Insekten- und Spinnenarten auszeichnen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schlagfluren sind wichtige und typische Teillebensräume des Waldes und sollten nicht zurückgeschnitten werden, auch wenn sie das Nachwachsen von Nutzhölzern zum Teil etwas verzögern. Die oben erwähnten Pioniergehölze sind für die Biodiversität sehr wichtig und sollten auch im aufwachsenden Schlusswald möglichst lange erhalten bleiben. Dazu müssen sie bei der Jungwaldpflege unbedingt geschont oder sogar etwas gefördert werden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein gewisses Problem können invasive Neophyten wie die Kanadische Goldrute (''Solidago ssp.''), die armenische Brombeere (''Rubus armeniacus'') oder der Sommerflieder (''Buddleja davidii'') darstellen, welche von diesen hellen und nährstoffreichen Standortsbedingungen profitieren können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Nistkästen im Wald===&lt;br /&gt;
Nistkästen können in strukturarmen Wäldern temporär einen Ersatz für fehlende Bruthöhlen bieten. Davon profitieren nicht nur gewisse Vogelarten, sondern auch Fledermäuse oder Bilche. Ihre Verwendung ist aber sowohl aus ökologischer Sicht als auch in Bezug auf den nötigen Pflegeaufwand nicht durchwegs sinnvoll und empfehlenswert. Auf einer [https://www.birdlife-zuerich.ch/mitwirkende/tipps-downloads/ Präsentation von BirdLife Zürich «Vom Nistkasten zur Biodiversität»] sind die wichtigsten Folgerungen zusammengefasst worden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkenntnisse zur ökologischen Bedeutung von Nistkästen:&lt;br /&gt;
* Nistkästen bringen vor allem in höhlenarmen Lebensräumen einen Mehrwert, d.h. in natürlichen und alten Wäldern sind Nistkästen weniger wichtig&lt;br /&gt;
* Durch Zunahme der Spechte werden weitere Höhlen entstehen, die es zu sichern gilt&lt;br /&gt;
* Es profitieren vor allem, aber nicht nur, häufige Arten (z.B. Kohlmeisen oder Blaumeisen)&lt;br /&gt;
* geförderte Vogelarten könnten negativen Einfluss auf Raupen von seltenen Schmetterlingsarten haben &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Empfehlungen zum sinnvollen Einsatz von Nistkästen: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* in intensiv genutzten Wirtschaftswäldern nach wie vor sinnvoll&lt;br /&gt;
* eher auf Spezialnistkästen für seltene Arten fokussieren, vor allem, um bereits bestehende Populationen zu fördern&lt;br /&gt;
* Grosser Aufwand, um Nistkästen zu unterhalten und zu reinigen, deshalb Verwendung optimieren, inkl. Überprüfung, ob überhaupt und von welchen Arten die Nistkästen benutzt werden&lt;br /&gt;
* Fledermäuse benötigen Spezialkästen&lt;br /&gt;
* ökologisch langfristig sinnvoller ist primär die Förderung von Totholz und Habitatbäumen &lt;br /&gt;
In der Regel werden Nistkästen in den Wäldern von Natur- und Vogelschutzvereinen unterhalten. &lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Literatur nicht angeben, weil die Präsentation nur auf Anfrage abgegeben wird --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausscheidung, Sicherung und Förderung von Auenwäldern ==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 6.1.2_Weichholz-Auenwald_Salicion albae_140808_057 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Intakte Auenwälder benötigen in der Regel keine forstlichen Eingriffe. In nicht mehr vom Fluss beeinflussten Bereich sollen z. B. die typischen Arten der Aue gefördert werden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intakte Auenwälder werden primär durch die Flussdynamik mit periodischen Überschwemmungen und starken Schwankungen des Grundwasserstandes geprägt. Die unterschiedliche Überschwemmungsdauer und mechanische Wirkung des Flusswassers bedingen die typische Zonierung des gesamten Auenbereichs von der stark beeinflussten offenen Pionierzone über die Weichholzaue zur Hartholzaue ([https://www.biodivers.ch/de/index.php/%C3%96kologie#Auen vgl. Kap. «Auen»)].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weichholzaue wird regelmässig und lange überflutet und ist dadurch auch stark der Auflandung und Erosion durch den Fluss ausgesetzt. Sie weisen einen sandigen und nährstoffreichen, aber eher humusarmen Boden auf. Im Mittelland besteht sie vor allem aus dem Silberweidenauenwald (EK43). Eine wichtige und schützenswerte Baumart ist hier neben der Silberweide (''Salix alba'') die einheimische Schwarzpappel (''Populus nigra''). Im oberen Bereich im Übergang zur Hartholzaue findet sich oft der Mittelland-Grauerlenwald (EK31), der aus fast artreinen Beständen der Grauerle (''Alnus incana'') und einer dichten Strauchschicht aufgebaut ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hartholzauen werden nur von Spitzenhochwassern überflutet und sind viel weniger mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt. Ein schwankender Grundwasserspiegel ermöglicht ein gutes Wachstum von nässetoleranten Baumarten wie der Esche, Bergulme oder Stieleiche. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der montanen Stufe ab etwa 500 m ü. M. bleibt aus klimatischen Gründen der Silberweidenauenwald zurück und in den Bergtälern wird auch der gesamte Auenbereich schmaler und dafür in seiner ganzen Breite häufiger und intensiver überschwemmt. Die Hartholzauen haben somit keinen Platz mehr und der gesamte Auenwaldbereich wird nun vom Montanen Grauerlenwald (EK32) eingenommen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein besonderes Juwel ist der Subalpine Lorbeerweiden-Auenwald in den Zentralalpen. Mit nur wenigen Hektaren Waldfläche säumt er insbesondere den Inn im Oberengadin und die Reuss im Urserental. Er ist dadurch ein Lebensraum mit höchster nationaler Priorität und weist den Rote Liste-Status CR (Vom Verschwinden bedroht) auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den letzten 200 Jahren wurden in der Schweiz etwa 95 % der ursprünglichen Auenwälder vor allem im Zuge der grossen Flussverbauungen gerodet oder trockengelegt. Ein wesentlicher Teil der noch bestehenden Auenwälder sind seit 1992 ins Bundesinventar der Auen von nationaler Bedeutung aufgenommen worden und damit grundsätzlich geschützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Objekte der Auenverordnung wurden pflanzensoziologisch kartiert. Diese Vegetationskarten, sowie Karten zu Nutzungen und Eingriffen sind bei map.geo admin.ch mit dem Suchbegriff «Auen Vegetationskarten» einzeln einsehbar und können mit einem Link über die Objekt-Information als Pdf-Dateien heruntergeladen werden. Die kartierten Vegetationseinheiten beziehen sich auf die Kartierungseinheiten in Gallandat et al., 1993 (Kartierung der Auengebiete von nationaler Bedeutung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz des Schutzes durch das Bundesinventar sind in zahlreichen Auenwäldern die Standortsbedingungen nicht mehr intakt oder zumindest verbesserungswürdig. Dies gilt insbesondere mit Hinblick auf die Flussdynamik im Auenwaldbereich. Viele Waldflächen werden nicht mehr oder zu selten überschwemmt und oft hat sich auch der durchschnittliche Grundwasserspiegel zu weit abgesenkt. Dadurch fehlen die hydraulischen und mechanischen Faktoren, welche für die nachhaltige Existenz von Auenwaldökosystemen zwingend notwendig sind. Die wichtigste Massnahme zur Verbesserung dieser oft unbefriedigenden Zustände sind [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Renaturierung_und_Revitalisierung und Revitalisierungen von Fliessgewässern].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intakte Auenwälder, welche noch von der Flussdynamik geprägt sind, benötigen in der Regel keine forstlichen Eingriffe und Pflegemassnahmen. Bemühungen für eine naturschonende Benutzerlenkung betreffen in erster Linie die offenen flussnahen Bereiche. Bei den Zugängen zu diesen Zonen sind aber oft auch Auenwaldbereiche betroffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nicht mehr direkt vom Fluss beeinflusste ehemalige Auenwälder weisen oft noch wertvolle Strukturen oder typische Baumarten aus &amp;quot;besseren Zeiten&amp;quot; auf. In solchen Situationen können gezielte forstliche Eingriffe die fehlende Flussdynamik bis zu einem gewissen Grad simulieren und somit einen gewissen Auenwaldcharakter erhalten:&lt;br /&gt;
* Aufnahme/Kartierung und Schutz von wertvollen Baumarten, die oft auch als Habitatbäume gelten können:&lt;br /&gt;
** aus der Weichholzaue alte Silberweiden und andere Weidenbaumarten (Salix sp.), Schwarz- und Silberpappeln&lt;br /&gt;
** aus der Hartholzaue alte Stieleichen, Bergulmen oder Eschen&lt;br /&gt;
** alte Föhren und einzelne alte Fichten (ev. wichtig als Horstbäume für Graureiher usw.)&lt;br /&gt;
* Entnahme von nicht auentypischen Baumarten, z.B.:&lt;br /&gt;
** Fichtenbestände (vgl. aber oben), Buchenaufwüchse &lt;br /&gt;
* Eliminierung von Neophyten&lt;br /&gt;
** bei den Gehölzen v.a. Hybrid-/Kanadapappeln, Robinien&lt;br /&gt;
** bei den Sträuchern und Stauden v.a. Sommerflieder, exotische Heckenkirschen-Arten (''Lonicera ssp.''), Kanadische Goldrute (''Solidago ssp.''), Armenische Brombeere (''Rubus armeniacus'')&lt;br /&gt;
* Schaffung von Verjüngungsflächen für Lichtbaumarten (Weiden und Pappeln):&lt;br /&gt;
** grössere Öffnungen mit kiesig-sandigem Rohboden, ev. mit Abschürfung der Humusschicht&lt;br /&gt;
* Absenkungen durch Kiesentnahme für verstärkt vom Grundwasser beeinflusste Standorte oder Amphibienteiche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben einmaligen Eingriffen zu Beginn eines Förderungsprojektes handelt es sich zum grösseren Teil um periodisch zu wiederholende Pflegeeingriffe. Ein ideales Instrument ist deshalb die Einrichtung eines [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung_von_Sonderwaldreservaten Sonderwaldreservates]. Das Ziel kann aber auch mit anderen Fördermassnahmen zur Biodiversität erreicht und finanziert werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Buwal_SRU199_Kartierung Auengebiete von nationaler Bedeutung_1993.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Buwal_VU8806_Bewirtschaftungskonzept Auenwälder_1999.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Buwal_VU8825_Faktenblatt Auen 10_Waldbewirtschaftung_2005.pdf &amp;lt;br /&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausscheidung, Sicherung und Förderung von Nass-, Moor- und Feuchtwäldern ==&lt;br /&gt;
Wälder auf feuchten und nassen Standorten zeichnen sich auch ausserhalb der Auen durch eine hohe Biodiversität vor allem mit spezialisierten und seltenen Arten aus. Durch Rodungen und Entwässerungen sind sie im Vergleich zur Naturlandschaft quantitativ wie qualitativ massiv reduziert worden. Ihre Erhaltung und Förderung ist als Massnahme M3.4 auch Teil der [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html Förderung der Biodiversität im Schweizer Wald].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies gilt insbesondere für die Bruchwälder, welche vor allem im Mittelland zerstreut auf kleinen Restflächen mit dauernd vernässten Torfböden vorkommen. Der Seggen-Schwarzerlenbruchwald (EK44) besiedelt flache Mulden mit anstehendem und meist etwas basenhaltigem Grundwasser und flache Seeufer, während der Föhren-Birkenbruchwald (EK 45) vor allem sehr saure und basenarme Moorflächen besiedelt. Beide Nasswaldtypen werden in der Roten Liste der Lebensräume der Schweiz (2019) als «stark gefährdet» (EN) eingestuft. Bruchwälder benötigen grundsätzlich keine Pflegeeingriffe, solange der Wasserhaushalt stimmt. Andernfalls können durch Verbesserung der Wasserzufuhr durch die Aufhebung von Entwässerungsgräben bzw. durch gezielten Aufstau die Standortsbedingungen optimiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hochmoor-Bergföhrenwälder (EK 71) und die Fichten-Moorrandwälder (EK 56) sind vor allem in den höheren Lagen des Juras und in den Nordalpen zu finden. Sie sind Teil der Hochmoorkomplexe und in der Regel im Rahmen der Bundesinventare der Hochmoore und Moorlandschaften grundsätzlich geschützt. Die Moorwälder weisen in der Regel eine bessere ökologische Qualität auf als die anderen, offenen Moorbereiche, welche trotz Schutzstatus oft degradierende Tendenzen aufweisen. Aktuelle Wirkungskontrollen zum Moorschutz weisen darauf hin, dass viele Moorböden in der Schweiz trockener und nährstoffreicher geworden sind und die Verbuschung zunimmt. Am ehesten kann auch in den Hochmoorwäldern ein gestörter Wasserhaushalt eine Veränderung der sehr spezifischen Gehölz- und Bodenvegetation verursachen. Sie werden in der Roten Liste der Lebensräume der Schweiz (2019) als «verletzlich» (VU) eingestuft. Weitere Informationen zum praktischen Schutz dieser Wälder siehe im Artikel zu den Feuchtgebieten (in Erarbeitung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feuchtwälder mit Eschen, Bergahornen, Bergulmen oder Stieleichen (EK 26/27/28/29/30, mit Untereinheiten) finden sich auf feuchten meist wasserzügigen Böden vor allem in Hangfusslagen, entlang von Bächen oder in staunassen Mulden über Grundmoräne. Alle diese Standorte schwächen mit ihrer erhöhten Bodenfeuchtigkeit die Konkurrenzkraft der sonst dominanten Buche und ermöglicht so die Existenz dieser sogenannten Edellaubwälder. Sie sind im Mittelland und angrenzenden Voralpen deutlich weiter und grossflächiger verbreitet als die Bruchwälder. Nährstoffreiche Böden mit hoher biologischer Aktivität, sowie erhöhte Boden- und Luftfeuchtigkeit äussern sich in einer üppigen Krautschicht mit zahlreichen Farnen und einer gut ausgebildeten, auch epiphytischen Moosvegetation. Diese Feuchtwälder sind wertvolle Amphibienhabitate für Grasfrosch, Erdkröte und Feuersalamander, aber auch spezialisierte Insekten- und Molluskenfauna. Die gute Bonität macht vor allem die Ahorn-Eschen-Hangfusswälder auch für die Produktion von Wertholz interessant.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Beeinträchtigungen des ökologischen Wertes dieser Waldstandorte sind vor allem frühere Entwässerungen, sowie die Gefahr von Bodenverdichtungen bei der Holzernte von Bedeutung. Wegen der guten Wuchsbedingungen stocken auf diesen Standorten oft auch Nadelholzforste mit Fichte oder Tanne.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Folgende Massnahmen dienen der Erhaltung und Förderung dieser Waldtypen:&lt;br /&gt;
* Rückbau von Entwässerungen&lt;br /&gt;
* Jahreszeitlich und organisatorisch angepasste vorsichtige Holzernte zur Minimierung von Bodenschäden.&lt;br /&gt;
* Wertvolle Bereiche als Altholzinseln oder Schutzgebiete ausscheiden.&lt;br /&gt;
* Erhaltung und Revitalisierung von Kleingewässern wie Waldbächen oder Quellaufstössen&lt;br /&gt;
* Erstellung von Waldweihern, Teichen oder Tümpeln.&lt;br /&gt;
* Umwandlung von naturfernen Beständen (Fichtenpflanzungen) in standortsgemässe Laubwälder.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = offener Moorwald mit Torfstich 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Wiedervernässung eines abgetrockneten Moorwaldes.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- BAFU_UZ0730_Zustand&amp;amp; Entwicklung Moore CH_2007.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- BAFU_UV1503_Biodiversität im Wald-Massnahmenbereich M3/Kap. M3.4 Massnahme Feuchtwälder... &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
£- Arbeitskreis forstliche Landespflege, 1986: Biotop-Pflege im Wald/Kap. 3.2.2 Feuchtwälder --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schutz und Förderung von Arten ==&lt;br /&gt;
Im Kapitel Praxisrelevante Ökologie wird auf die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Seltene_Geh.C3.B6lze_und_.C3.B6kologische_wertvolle_Baumarten ökologisch wertvollen Baumarten] sowie auf die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Artengruppen_und_Arten_des_Waldes wichtigen Artengruppen im Wald] eingegangen mit Hinweisen und Links zu deren Förderung. Wichtig ist insbesondere auch das [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Fazit_zu_Artengruppen_und_Arten_im_Wald Fazit zu Artengruppen und Arten im Wald].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#National_priorit.C3.A4re_Lebensr.C3.A4ume_NPL_und_Arten_NPA_im_Wald.2C_Rote_Listen Grundlagen] sind Angaben zu den Arten, die prioritär gefördert werden sollen.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Neben genügender Kenntnis der Vorkommen der Arten spielt auch die Beachtung der vorhandenen Informationen eine wichtige Rolle. Die Akteure im Wald sollen entsprechend sensibilisiert sein und wissen, wo sie sich informieren können.&lt;br /&gt;
Auf der Webseite von [https://www.infospecies.ch/de/ Info Species] können Daten abgefragt und Aktionspläne zu den einzelnen Arten bezogen werden.&lt;br /&gt;
In die Datenbank des Projekts «Virtual Data Center VDC» werden seit 2014 die Fundorte sämtlicher Organismengruppen eingespeist, um sie bei naturschutzrelevanten Projekten zu berücksichtigen. Mit der Datenbank sollen insbesondere die Bedürfnisse der kantonalen Fachstellen abgedeckt werden. Diese Daten sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Angaben zum Artenschutz siehe auch in den Artikeln zu den Artengruppen&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Amphibien#Artenschutz Amphibien]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Flechten#Artenschutz Flechten]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Moose#Artenschutz Moose]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pilze#Artenschutz Pilze]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pflanzen#Artenschutz Pflanzen]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Reptilien#Artenschutz Reptilien]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/S%C3%A4ugetiere#Artenschutz Säugetiere]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Tagfalter#Artenschutz Tagfalter]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/V%C3%B6gel#Artenf.C3.B6rderung Vögel]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Flusskrebse#Erhalt_und_F.C3.B6rderung Flusskrebse]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Haselmaus MaximilianDorsch 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Wie die Haselmaus gefördert werden kann, wird im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/S%C3%A4ugetiere#Haselmaus_.28Muscardinus_avellanarius.29 Säugetier-Artikel] aufgezeigt. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Problematik Schlagräumung und Holzhackhaufen ==&lt;br /&gt;
Nach einem Holzschlag bleiben nicht verwertbare Reste wie Strünke, Äste, Zweige oder Borke im Wald zurück. Oft bleiben diese Reste liegen und werden im Laufe der Jahre natürlich abgebaut. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
In anderen Fällen werden sie aber zusammengetragen und manchmal verbrannt oder zu Hackschnitzeln verarbeitet. Dies insbesondere dann, wenn die Gefahr besteht, dass sich daraus potentielle Pilzkrankheiten und Schadinsekten in den bleibenden Bestand ausbreiten könnten oder grosse Restholzmengen die weitere Bewirtschaftung behindern. In anderen Fällen werden solche sogenannten Schlagräumungen auch nur aus ästhetischen Gründen zugunsten eines &amp;quot;sauberen&amp;quot; und ordentlichen Waldbildes durchgeführt. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aus verschiedenen Gründen können Schlagräumungen problematisch sein. Dem Ökosystem Wald wird wertvolles Totholz entzogen sowie Humusbildung und natürlicher Nährstoffkreislauf eingeschränkt. Die Verbrennung des Abraums kann durch Rauch- und Schadstoffbildung beträchtliche Luftverschmutzung verursachen, insbesondere wenn frisches oder feuchtes Material verbrennt wird. Durch die Lufteinhalte-Verordnung (LRV) des Bundes ist das Feuern im Wald deshalb auch streng geregelt, kantonale und kommunale Vorschriften gehen oft noch weiter und verbieten das Verbrennen von Restholz im Wald vollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entscheidung für oder gegen Schlagräumung muss in jeden Fall differenziert beurteilt werden. Kriterien dazu sind etwa die Grösse des Holzschlages und die damit anfallende Menge von Restholz oder unterschiedliche ökologische und forstbetriebliche Bedingungen in Wäldern des Mittellandes oder im Gebirgswald. Besonders wichtig sind sicher Überlegungen zum Forstschutz in Bezug auf potentielle Pilz- oder Insektenschäden. Sowohl zur Schlagräumung als auch zur Verbrennung von Restholz sollte aber folgender Grundsatz gelten: Sowenig wie möglich, soviel wie nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wertvolle Entscheidungshilfe mit Informationen und Checkliste zu Pro und Contra Schlagräumung bietet das [[Media:Schlagraeumung_de.pdf|Merkblatt «Schlagräumung» (Forster et al., 1998)]].&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Bemerkung Markus: zu Holzhackhaufen bis jetzt keine Informationen gefunden. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Grundlagen =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rechtliche Grundlagen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entstehung der Forstgesetzgebung in der Schweiz'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die seit dem Mittelalter fortschreitende Übernutzung und Zerstörung des Waldes führte vor allem im 19. Jahrhundert zu einer gravierenden «Krise des Waldes». Die damit verbundene mangelhafte oder fehlende Schutzfunktion führte unter anderem zu vermehrten Lawinenniedergängen und Steinschlägen, sowie sich wiederholenden Hochwasserkatastrophen und Versumpfungen&amp;lt;!--#ev. interner Link auf Feuchtgebiete/Moorypen, wenn vorliegend--&amp;gt;. Ausserdem machte sich in vielen Regionen ein grassierender Holzmangel bemerkbar. Wichtige politische, wissenschaftliche und technische Veränderungen führten 1874 zum Verfassungsartikel und 1876 zum Bundesgesetz über die Oberaufsicht des Bundes über die Forstpolizei. Zuerst war diese nur auf das «Hochgebirge» beschränkt und wurde erst 1898 auf die ganze Schweiz ausgedehnt. Praktische Auswirkungen dieser ersten Gesetzgebung hielten sich allerdings in engen Grenzen. Erst das eidgenössische Forstpolizeigesetz von 1902 brachte den erfolgreichen Durchbruch. Die Hauptziele der Erhaltung und Vergrösserung der Waldfläche und des Holzvorrates wurden in den folgenden Jahrzehnten mit grossem Erfolg erreicht. Die wichtigsten Mittel waren ein Rodungs- und Kahlschlagverbot (im sog. Schutzwald), eine Planungs- und Kontrollpflicht, sowie ein Verbot von schädlichen Nebennutzungen. Dazu wurde die Waldfläche rechtlich in Öffentlichen Wald und Privatwald eingeteilt, sowie in Schutzwald und Nichtschutzwald. Die gesetzlichen Vorschriften waren dabei im Öffentlichen Wald und Schutzwald deutlich strenger als in den beiden anderen Kategorien. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dem zweiten Weltkrieg veränderten sich die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen in der Schweiz noch einmal – immer ausgeprägter und schneller. Dies führte zu neuen Grundbedingungen, Ansprüchen und Problemen für den Wald und die Forstwirtschaft, auf welche mit dem Gesetz von 1902 nur noch ungenügend reagiert werden konnte. Erste Verbesserungen brachte die Vollzugsverordnung zum Forstpolizeigesetz von 1965. Sie enthielt erstmals eine rechtlich klare Definition von Wald und zum Begriff der Nachhaltigkeit, sowie eine klarere Regelung des Rodungsverbotes mit Ausnahmebewilligungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der notwendige politische Druck und Wille zur Gesamtrevision der schweizerischen Forstgesetzgebung erfolgte dann in den 1980er-Jahren vor allem angesichts des «Waldsterbens» und der sich rasch verschlechternden finanziellen Situation der meisten Forstbetriebe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Aktuelle Forstgesetzgebung'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sie trat 1993 in Kraft und umfasst insbesondere&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19910255/index.html das Bundesgesetz über den Wald (Waldgesetz, WaG von 1991, SR 921.0)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19920310/index.html die Verordnung über den Wald (Waldverordnung, WaV) von 1992, SR 921.01)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Neuerungen im Vergleich zum Forstpolizeigesetz (1902) sind unter anderem ein Zweckartikel, klare Definitionen, eine völlig überarbeitete forstliche Planung ([https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Waldplanungsinstrumente «Waldplanungsinstrumente»]) mit überbetrieblichen und betrieblichen Planungsinstrumenten, Festlegung von Vorrangfunktionen für alle Waldflächen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Artikel wird der Zweck des Waldgesetzes (WaG) festgehalten:&lt;br /&gt;
* die Erhaltung des Waldes «in seiner Fläche und in seiner räumlichen Verteilung»&lt;br /&gt;
* den Schutz des Waldes «als naturnahe Lebensgemeinschaft»&lt;br /&gt;
* die Erfüllung der Waldfunktionen, «namentlich seine Schutz-, Wohlfahrts- und Nutzfunktion»&lt;br /&gt;
* die Förderung und Erhaltung der Waldwirtschaft&lt;br /&gt;
* Schutz des Menschen und erheblicher Sachwerte vor Naturereignissen (Lawinen, Rutschungen, Erosion und Steinschlag)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur «Wohlfahrtsfunktion» werden unter anderem die Nutzung des Waldes als Freizeit- und Erholungsraum, die Regulierung von Luft- und Wasserhaushalt, die Kohlenstoffspeicherung, sowie die Bedeutung des Waldes für das Landschaftsbild und als uraltes und prägendes Kulturgut gezählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schutz des Waldes und von Waldflächen sind klare Definitionen für die Rechtsprechung auch aus Sicht des Naturschutzes wichtig. Es wird zwischen qualitativer und quantitativer Walddefinition unterschieden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Qualitative Walddefinition''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
WaG Art. 2, Abs. 1: «1 Als Wald gilt jede Fläche, die mit Waldbäumen oder Waldsträuchern bestockt ist und Waldfunktionen erfüllen kann. Entstehung, Nutzungsart und Bezeichnung im Grundbuch sind nicht massgebend». Als Waldfläche gelten auch Weidewälder, Selven, Blössen, Forststrassen und forstliche Anlagen im Wald. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Explizit nicht als Wald gelten gemäss WaG Art. 2, Ziffer 3 unter anderem isolierte Baum- und Strauchgruppen, Hecken, Alleen, Garten- Grün- und Parkanlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Quantitative Walddefinition'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Gemäss WaG Art. 2, Abs. 4 können die Kantone innerhalb eines Bereiches, welcher in der WaV Art. 1 Abs. 1 festgelegt ist, bestimmen, ab welcher Fläche, Breite ein bestockter Bestand bzw. ab welchem Alter eine einwachsen-de Fläche als Wald gilt: &lt;br /&gt;
* Minimale Waldfläche: 200-800 m&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* Minimale Waldbreite: 10-12m&lt;br /&gt;
* Minimales Alter der Bestockung einer Einwuchsfläche:10-20 Jahre&lt;br /&gt;
Die meisten Kantone haben den oberen Grenzwert dieser Bereiche in ihre Forstgesetzgebung übernommen.&lt;br /&gt;
Zu beachten ist dabei auch WaV Art. 1, Abs. 2: «Erfüllt die Bestockung in besonderem Masse Wohlfahrts- oder Schutzfunktionen, so gilt sie unabhängig von ihrer Fläche, ihrer Breite oder ihrem Alter als Wald.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Somit gilt in der Schweiz grundsätzlich ein '''dynamischer''' Waldbegriff. Offene, insbesondere auch nicht mehr oder zu extensiv genutzte Landwirtschaftsflächen werden zu Wald, wenn darin aufwachsende Gehölze das oben erwähnte Minimalalter überschritten haben.&lt;br /&gt;
In folgenden Fällen gilt hingegen ein '''statischer''' Waldbegriff: In den Bauzonen ist pro Gemeinde in einer '''«Waldfeststellung»''' definitiv festgehalten, welche Flächen als Wald ausgeschieden sind. Nachträglich einwachsende Bestockungen gelten dann rechtlich nicht als Wald (WaG Art. 10. Abs. 2, Art. 13, Abs. 2, WaV Art. 12).&lt;br /&gt;
Seit 2013 können die Kantone auch ausserhalb der Bauzonen Gebiete festlegen, in welchen eine Zunahme des Waldes verhindert werden soll. Neu einwachsende Flächen gelten auch hier nicht als Wald gemäss Waldgesetz. Solche Gebiete müssen im kantonalen Richtplan bezeichnet werden (WaV Art. 12a)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Schutz des Waldes und der Erhaltung der Waldfläche gilt seit dem Forstpolizeigesetz von 1902 ein grundsätzliches '''Rodungsverbot'''. Als Rodung gilt die dauernde oder vorübergehende Zweckentfremdung von Waldboden (WaG Art. 4). Rodungen sind grundsätzlich verboten, für Ausnahmebewilligungen müssen «wichtige Gründe bestehen, die das Interesse an der Walderhaltung überwiegen» und genau umschriebene Voraussetzungen erfüllt sein (WaG Art. 5). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine umfassendere Revision des Waldgesetzes wurde 2007 vom Bundesparlament verworfen. Den einen gingen die Änderungen und teilweisen Lockerungen von Vorschriften zu weit und anderen zu wenig weit. Seither sind nur kleinere Gesetzesänderungen mit Anpassungen in der Verordnung vorgenommen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die rechtlich relevanten Artikel der Waldgesetzgebung (WaG und WaV) zum Naturschutz und der Erhaltung der Biodiversität sind [[Media:rechtliche grundlagen de.pdf|hier tabellarisch zusammengestellt]] (Quelle: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html Bafu, 2015: Biodiversität im Wald; Ziele und Massnahmen, S.34])&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = rechtliche grundlagen wald de 400dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht über die für die Biodiversität im Wald relevanten Artikel des Waldgesetzes und der Waldverordnung (Quelle: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html Bafu, 2015: Biodiversität im Wald; Ziele und Massnahmen, S.34])&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = &lt;br /&gt;
| text = Aperçu des articles concernant la biodiversité en forêt dans la loi fédérale sur les forêts et l’ordonnance sur les forêts (Source : [https://www.bafu.admin.ch/bafu/fr/home/themes/biodiversite/publications/publications-biodiversite/objectifs-et-mesures-forets.html OFEF, 2015 : Biodiversité en forêt : objectifs et mesures, p.33])&lt;br /&gt;
}}--&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Weitere rechtlich relevante Grundlagen des Bundes zum Naturschutz und Biodiversität im Wald finden sich vor allem auch im Natur- und Heimatschutzgesetz (NHG mit Verordnungen und Inventaren), im Jagdgesetz (JG) und in der Umweltschutzgesetzgebung (USG und Verordnungen).&lt;br /&gt;
* [[Media:rechtliche grundlagen_uebersicht_de.pdf|Übersicht über die rechtlichen Grundlagen]] &lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html Quelle: «Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen»]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zahlen zum Wald: Forststatistik und Landesforstinventar LFI ==&lt;br /&gt;
Statistische Erfassungen zum Zustand des Waldes haben in der Schweiz eine lange Tradition. Ein wichtiger Grund für die regelmässige Befragung der Forstbetriebe war von Anfang an vor allem die Kontrolle der Nachhaltigkeit in der Holzproduktion, sowie der Entwicklung der Waldflächen und des Holzvorrates. Mit der Einführung des Landesforstinventars LFI ab den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts ermöglicht nun eine viel umfassendere Datenerfassung eine Vielzahl von detaillierten Aussagen über den aktuellen Zustand und Dynamik des Waldes und erlaubt auch genauere Prognosen zu seinen Entwicklungstendenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Daten werden mit detaillierten Informationen regelmässig in der Publikation «Waldbericht» für die Öffentlichkeit zusammengefasst. Die letzte Ausgabe erschien 2015.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literaturliste noch bearbeiten&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
§- Bafu-www_Wald+Holz-Waldbeobachtung_2020 &amp;gt;&amp;gt;.webloc&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UZ1512_Waldbericht 2015-Zustand&amp;amp; Nutzung Wald CH.pdf --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1887 befragt die '''Schweizerische Forststatistik''' jährlich alle Forstbetriebe der Schweiz.&lt;br /&gt;
Diese Daten werden vom Bundesamt für Statistik BFS ausgewertet und publiziert. Eine übersichtliche und handliche Zusammenfassung wird jedes Jahr in der [https://www.bfs.admin.ch/asset/de/20144454 «Taschenstatistik-Forstwirtschaft der Schweiz» veröffentlicht]. &lt;br /&gt;
Eine umfangreiche Publikation dieser und weiterer Daten zu Wald und Forstwirtschaft wird vom BAFU alljährlich als [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wald/publikationen-studien/publikationen/jahrbuch-wald-und-holz.html «Jahrbuch Wald und Holz»] herausgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem '''Schweizerischen Landesforstinventar (LFI)''' werden seit 1983/85 Zustand und Veränderungen des Schweizer Waldes erfasst. Mit einer systematischen Stichprobeninventur werden in der Schweiz Daten über Bäume, Baumbestände, Probeflächen und Daten aus der Befragung des lokalen Forstdienstes erhoben. Publiziert werden unter anderem Ergebnisse zu Waldfläche, Stammzahl, Vorrat, Zuwachs, Nutzung und der biologischen Vielfalt (Zitat aus [https://www.lfi.ch/index.php LFI]).&lt;br /&gt;
Bisher wurden vier [https://www.lfi.ch/ Inventare (LFI1 bis LFI4) im ganzen Schweizer Wald durchgeführt, ausgewertet und deren Resultate publiziert]. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse von [https://www.lfi.ch/publikationen/publ/ergebnisberichte/lfi4.php LFI4 sind in Brändli et al (2020) umfassend und informativ aufgearbeitet] und können interaktiv abfragt werden. Im Artikel «Entwicklung der Strukturindikatoren und Gehölzartenvielfalt im Schweizer Wald – Ergebnisse aus 30 Jahren Landesforstinventar LFI» (in: Bollman (Red.), 2020)  werden ausgewählte Resultate des LFI beleuchtet.&lt;br /&gt;
hier bin ich&lt;br /&gt;
Wichtige Zahlen zum Schweizer Wald (Quelle LFI4):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Waldfläche''':&lt;br /&gt;
* 32 % der Gesamtfläche der Schweiz sind bewaldet.&lt;br /&gt;
* Die regionalen Unterschiede erstrecken sich von 24,4 % im Mittelland bis 54,2 % auf der Alpensüdseite.&lt;br /&gt;
* Die Waldfläche der Schweiz hat seit 1983/85 insgesamt um 11,0 % zugenommen.&lt;br /&gt;
* Die regionalen Unterschiede schwanken von nur 0,9 % Zunahme im Mittelland bis 20,3 % im Alpenraum.&lt;br /&gt;
* 69 % des Schweizer Waldes gehören öffentlichen Waldbesitzern, 31 % Privateigentümern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Naturwert und Biotopwert''':&lt;br /&gt;
* 21 % der Waldfläche müssen wegen ihres nicht standortgemässen Nadelholzanteils als naturfern bis sehr naturfern deklariert werden. &lt;br /&gt;
* 19 % der Waldfläche sind naturnahe Laubwälder und 35 % gehören zum natürlichen Nadelwaldareal.&lt;br /&gt;
* 56 % der Waldfläche weisen einen hohen Naturwert auf (vgl. Abb. 230)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angaben zu den Baumarten des Waldes sind im Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Artengruppen_und_Arten_des_Waldes «Artengruppen und Arten des Waldes»] aufgeführt, zum Totholz im Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#.C3.96kologisch_wertvolle_Strukturen:_Altholz.2C_Biotopb.C3.A4ume.2C_Totholz «Ökologisch wertvolle Strukturen»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = biotopwert.png&lt;br /&gt;
| text = Anteil Waldfläche mit hohem Biotopwert; * / ** / *** gleiche Wirtschaftsregion&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kurzer Abriss zur Wald- und Forstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12'000 Jahren war das Gebiet der Schweiz weitgehend baum- und waldfrei. Die nacheiszeitliche Erwärmung erfolgte mit deutlichen Schwankungen und einigen Temperaturrückschlägen bis zu einem Wärmemaximum vor etwa 6000 Jahren. Vor etwa 2500 Jahren wurde das Klima wieder etwas kühler und feuchter.&lt;br /&gt;
Parallel dazu erfolgte eine Wiederbesiedlung der Landschaft durch eine charakteristische Abfolge von Waldtypen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = hutter 300 de.png&lt;br /&gt;
| text = Waldentwicklung seit der letzten Eiszeit (Quelle: Hutter et al., 1995: Wälder, Hecken und Gehölze)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wiederbesiedlung mit Bäumen und Waldvegetation erfolgte in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren:&lt;br /&gt;
* physiologische Ansprüche der einzelnen Baumarten an Licht, Wärme und Boden&lt;br /&gt;
* Konkurrenzbedingungen unter den Baumarten&lt;br /&gt;
* regionale-lokale Klimabedingungen&lt;br /&gt;
* Entfernung der kaltzeitlichen Refugien&lt;br /&gt;
* Ausbreitungsgeschwindigkeit der Samen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Wälder bildeten die anspruchslosen Pionierbaumarten Föhre und Birke, welche in nicht allzu weiter Entfernung die Eiszeit überdauern konnten. Die nachfolgenden, bzgl. Standortsqualitäten anspruchsvolleren Baumarten verdrängten jeweils grossflächig die vorher herrschenden Waldtypen mit Ausnahme von extremeren Standorten, welche den bisherigen anspruchsloseren Baumarten vorbehalten blieben. So konnten sich auf solchen ungünstigen und oft kleinflächigen Standorten Reliktgesellschaften bis in die Gegenwart erhalten. Dazu gehören etwa grasige Föhrenwälder aus der präborealen Föhrenzeit auf den Molassesteilhängen im Mittelland oder schlechtwüchsige lichte Traubeneichenwäldchen aus der Eichenmischwaldzeit des Atlantikums auf flachgründigen und felsigen Juraböden. Sie bilden bis heute besondere Lebensgemeinschaften von hohem naturschützerischem Wert. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Menschliche Kulturen begannen ab dem Neolithikum immer stärker den Naturwald durch Rodungen, Waldweide usw. zu zerstören und umzuwandeln. Mit zunehmender Bevölkerungsdichte wurde vor allem seit dem Mittelalter immer mehr Waldfläche gerodet oder zumindest völlig übernutzt. Die dadurch entstandenen lichten und lückigen Bestände ergaben neue Lebensräume für zahlreiche licht- und wärmeliebende Pflanzen und Tiere, welche im Vergleich zum früheren Naturwald insgesamt zu einer höheren Biodiversität führten. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Andererseits verloren diese ausgebeuteten Wälder ihre Schutzfunktion gegen Naturgefahren und konnten auch die Bevölkerung nicht mehr mit genügend Holz versorgen. Diese gravierenden Probleme und Nöte führten dann im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einer strengen Forstgesetzgebung (vgl. Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Rechtliche_Grundlagen Rechtliche Grundlagen].&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
Literatur: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literaturliste noch bearbeiten &amp;lt;/span&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
£- KÜSTER H., 1998: Geschichte des Waldes. Von der Urzeit bis zur Gegenwart. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
£- HAUSER A., 1972: Wald und Feld in der alten Schweiz --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Höhenstufen, Waldstandorte und Pflanzensoziologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die natürliche Verbreitung der Baumarten und Waldgesellschaften widerspiegelt deren Standortsansprüche, aber auch ihre Konkurrenzfähigkeit und das Resultat ihrer Einwanderungsgeschichte seit Ende der letzten Eiszeit. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ändernde Standortsbedingungen, die vor allem klimatisch bedingt sind, zeigen sich insbesondere bei der vertikalen Abfolge der sogenannten «Höhenstufen», welche meist durch einen klaren Wechsel von charakteristischen Baumarten und Wuchsformen geprägt sind. Die durchschnittliche Abnahme der Jahresmitteltemperatur um ca. 0.5-0.6 °C pro 100 Höhenmeter führt zu der wohlbekannten Abfolge von wärmeliebenden Laubwäldern über Buchen- und Buchenmischwälder zu reinen Nadelwäldern und der oberen Wald- bzw. Baumgrenze. Ein weiteres bekanntes Phänomen ist der Anstieg der Stufengrenzen und der oberen Waldgrenze im kontinentaleren Bereich der Zentralalpen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der folgende N-S-Querschnitt durch die Alpen zeigt die Höhenstufen mit der Verbreitung der Hauptbaumarten (Quelle: NaiS, Anhang 2A, Abb. 4) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = profil de 400dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Abfolge der Höhenstufen mit den charakteristischen Baumarten.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = vegetationshoehenstufen 200 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Verteilung der Höhenstufen in der Schweiz. In dieser Abbildung aus Brändli, 2010 (LFI3-Ergebnisse der dritten Erhebung 2004 –2006) sind im Vergleich zum Querschnitt oben die kolline und submontane, sowie die hochmontane und subalpine Stufe zusammengefasst:&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wichtigste Waldtypen der Schweiz und ihre Verbreitung'''&lt;br /&gt;
Die natürliche, vom Regionalklima geprägte Waldvegetation der Schweiz (zonale Vegetation) wird auf den verschiedenen Höhenstufen vor allem durch folgende Waldtypen gebildet:&lt;br /&gt;
* Kolline Stufe: Eichen-Hagebuchenwälder (lokal z.B. bei Genf und Basel), trockene Eichenwälder (im Zentralwallis), Kastanienmischwälder (auf Silikat auf der Alpensüdseite) und Hopfenbuchenwälder (auf Kalk und Dolomit im Südtessin).&lt;br /&gt;
* Submontane Stufe: Buchenmischwälder mit Eichen, Eschen usw. (weit verbreitet in tieferen Lagen von Jura und Mittelland)&lt;br /&gt;
* Untermontane Stufe: oft reine Buchenwälder (verbreitet im Mittelland, in den Voralpen und im Tessin)&lt;br /&gt;
* Obermontane Stufe: Buchen-Tannen (weit verbreitet in mittleren Lagen im Jura und den Voralpen), und Ahorn-Buchenwälder (lokal in oberen Höhenlagen)&lt;br /&gt;
* Hochmontane Stufe: Tannen- und Tannen-Fichtenwälder (v.a. am Alpennordhang, oft vernässte Böden), inneralpin auch trockenere Fichten- und Waldföhrenwälder&lt;br /&gt;
* Subalpine Stufe: Fichtenwälder (weit verbreitet in der oberen Waldstufe der Alpen, bilden am feuchten Nordalpenrand die Waldgrenze).&lt;br /&gt;
* Obersubalpine Stufe: Arven- Lärchenwälder, oberste Stufe in den Zentralalpen, wo sie die Waldgrenze bilden, z.B. im Wallis und in Graubünden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Haupttypen werden je nach ihrem Standort weiter differenziert; bei den Buchen- oder Fichtenwäldern z.B. unterscheidet man Typen, die auf sauren, basischen, trockenwarmen sowie frischen nährstoffreichen Böden vorkommen.&lt;br /&gt;
In den klimatisch milden Gebieten und auf trockenen flachgründigen Standorten kommen Waldtypen vor, die eigentlich für die submediterrane Klimazone typisch sind. Man rechnet sie deshalb zu der sog. extrazonalen Vegetation. Dazu gehören z.B. die Trauben- und Flaumeichenwälder im Unterwallis, am Jurasüdfuss und im Südtessin, dort auch Blumeneschen-Hopfenbuchenwälder.&lt;br /&gt;
Ausserdem gibt es Waldtypen, die ihre Existenz besonderen Standorteigenschaften verdanken (azonale Vegetation), z.B. die periodisch überfluteten Auenwälder entlang der Flüsse, sowie Linden- und Ahorn- Mischwälder auf Schutthängen (v.a. Jura, Alpennordhang, Tessin) oder Wald- und Bergföhrenwälder an sonnig-trockenen Schutthängen (v.a. inneralpin mit kontinentalerem Regionalklima). &amp;lt;!-- (Quelle: BUWAL, 2005: Waldtypen, Text stark überarbeitet):  ist der Waldbericht 2005 gemeint? --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur anschaulichen Darstellung der Vorkommen von Waldgesellschaften einer Region in Abhängigkeit der beiden oft wichtigsten Standortsfaktoren Bodenfeuchtigkeit und Boden-pH eigen sich sogenannte Ökogramme oder Toposequenzen sehr gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = oekogramm_buche_600dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Ökogramm der Waldgesellschaften im Mittelland (submontane Stufe)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
Umfassendere Übersichten und detailliertere Beschreibungen zu den Waldgesellschaften (siehe Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Lebensraumtypen_des_Waldes_und_Waldgesellschaften «Lebensraumtypen des Waldes und Waldgesellschaften»] finden sich in: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
£- Delarze et al., 2015: Lebensräume der Schweiz &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
£- Steiger, 2010: Wälder der Schweiz &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
£- Ellenberg und Klötzli, 1972: Waldgesellschaften und Waldstandorte der Schweiz &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
£- Ott et al., 1997: Gebirgsnadelwälder &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
In einigen Kantonen existieren [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Kantonale_vegetationskundliche_Waldkartierungen_und_Waldbeschreibungen detaillierte Beschreibungen der Waldgesellschaften] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== National prioritäre Lebensräume NPL und Arten NPA im Wald, Rote Listen ==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 6.1.1_Erlen-Bruchwald_Alnion glutinosae_Waldg44_004 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Erlenbruchwald als Beispiel eines national prioritären Lebensraums.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Publikation [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html «Liste der National Prioritären Arten und Lebensräume» (BAFU, 2019)] beinhaltet eine aktualisierte Übersicht über die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten National Prioritären Arten (NPA)] sowie über die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Lebensr.C3.A4ume National Prioritären Lebensräume (NPL)].&lt;br /&gt;
Darin einbezogen ist auch die erste «Rote Liste der Lebensräume der Schweiz» (Delarze et al. 2016). Beide Publikationen beziehen sich primär auf die Lebensraumtypen der Schweiz (TypoCH-Klassifizierung) von Delarze et al. 2015. Bei den Wäldern wurden als Basis auch noch die standörtlich genauer gefassten 121 Waldgesellschaften evaluiert. Einen zentralen Teil dieser Vollzugshilfe bilden die zwei umfassenden digitalen Listen zu den National prioritären Arten und den National prioritären Lebensräumen:&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links: &amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1709_Liste National Prioritäre Arten&amp;amp; Lebensräume CH_2019.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1709_Teil I_Digitale Liste National Prioritäre Arten_2019 (Stand 2017).xlsx &amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1709_Teil II_Digitale Liste National prioritäre Lebensräume_2019 (Stand 2017).xlsx &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html «Liste der National Prioritären Arten und Lebensräume» (BAFU, 2019)] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Rote Liste der Waldtypen und Waldgesellschaften'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Rote Liste der Lebensräume der Schweiz (Delarze et al., 2016) beurteilt 13 von 34 Wald-Lebensraumtypen (also 39 %) als gefährdete Lebensräume mit CR-, EN- oder VU-Status. Für die Wälder wurden auch die standörtlich genauer gefassten Waldgesellschaften entsprechend kategorisiert (Anhang A3 lit.cit). Hier werden 67 von 121 Waldgesellschaften (55,4 %) als gefährdet eingestuft. Es handelt sich dabei in der Regel um kleinflächig auftretende Wälder auf besonderen Standorten. Aufgrund von geschätzten Flächenanteilen der einzelnen Waldgesellschaften in der Schweiz in Steiger 2010, S. 389ff belegen sie höchstens 5 % der gesamten Waldfläche in der Schweiz. &lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
£- Delarze et al 2016; Tab1-Lrm TypoCH; Tab A3-Waldges -&amp;gt; RL-Status &amp;amp; Kriterien &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1503/Tab A2-1, Waldges -&amp;gt; RL-Status &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1709_Teil II; Tab1-Lrm TypoCH -&amp;gt; RL-Status &amp;amp; Kriterien &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1709_Teil II; Tab2-Waldges -&amp;gt; RL-Status --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''National prioritäre Lebensräume'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
18 von 34 Typen (53 %) des Lebensraumbereiches Wald (TypoCH) sind national prioritär. Damit liegen sie im Vergleich mit den andern Lebensraumbereichen etwa im Mittelfeld und im gleichen Grössenbereich wie die Landwirtschaftsflächen (Grünland):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = anteil nat prio LR_de.png&lt;br /&gt;
| text = Anteil der national prioritären Lebensräume pro Lebensraumbereich. Prozentualer Anteil der Prioritätskategorien und Anzahl beurteilte Lebensraumtypen (nach TypoCH von Delarze et al. 2015). [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html Quelle: «Liste der National Prioritären Arten und Lebensräume» (BAFU, 2019)]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Waldlebensraumtypen mit sehr hoher und hoher Priorität (27 %) handelt es sich vor allem um Auenwälder und Moorwälder, Föhrenwälder sowie wärmeliebende Laubmischwälder. Sie alle wachsen auf besonderen Standorten und sind in der Regel auf kleine Flächen beschränkt.&lt;br /&gt;
Die vollständige Liste findet sich in [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html «Liste der National Prioritären Arten und Lebensräume» (BAFU, 2019)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''National prioritäre Waldgesellschaften'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von den 121 Waldgesellschaften sind 82 (68 %) national prioritär.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = anteil nat prio WG_de.png&lt;br /&gt;
| text = National prioritäre Waldgesellschaften: Von den 121 Waldgesellschaften sind 82 (68 %) national prioritär. [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html Quelle: «Liste der National Prioritären Arten und Lebensräume» (BAFU, 2019)]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beurteilung der nationalen Prioritäten auf der Ebene der Waldgesellschaften ermöglicht eine viel feinere Beurteilung und genauere Rückschlüsse auf die Verbreitung und die prägenden Standortsfaktoren der betroffenen Gesellschaften. &lt;br /&gt;
Unter den Waldgesellschaften mit sehr hoher oder hoher nationaler Priorität (40 %) finden sich neben solchen aus den oben erwähnten Waldlebensraumtypen auch weitere Gruppen von besonderen Waldstandorten. Dazu gehören insbesondere verschiedene Laubmischwälder mit Eichen, Ahornen oder Linden von Fels- oder Schuttstandorten, sowie Waldgesellschaften aus den tiefen und mittleren Lagen der Alpensüdseite. Gebirgsnadelwälder sind mit Ausnahme von Bergföhrenwäldern unter den Gesellschaften mit höherer Priorität zu finden.&lt;br /&gt;
Die vollständige Liste findet sich in der [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html «Liste der National Prioritären Arten und Lebensräume» (BAFU, 2019)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Internationale Verantwortung der Schweiz für Waldgesellschaften'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Schweiz trägt bei den Waldtypen (TypoCH-Einheiten) eine hohe internationale Verantwortung für den endemischen kontinentalen Steppen-Föhrenwald (Verband 6.4.3 ''Ononido-Pinion''), den Alpen-Weidenauenwald (6.1.3.1) und den subkontinentalen kalkreichen Föhrenwald (Geissklee-Föhrenwald, 6.4.2.1). Sie trägt aber auch Verantwortung für die momentan nicht als gefährdet eingestuften Einheiten Kalkreicher Bergföhrenwald (6.6.5.2), Lärchen-Arvenwald (6.6.3) und Lärchenwald (6.6.4). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei den Waldgesellschaften trägt die Schweiz die alleinige Verantwortung (sehr hohe Verantwortung) für drei endemische, also nur hier vorkommende Gesellschaften. Ihr Aussterben in der Schweiz wäre ein weltweiter Verlust. Dies gilt für den Edelgamander-Traubeneichenwald (40 ''Teucrio-Quercetum''), den Zahntrost-Föhrenwald (65* ''Odontito-Pinetum'') sowie den Erdseggen-Engadinerföhrenwald (67* ''Carici humilis-Pinetum engadinensis''), die zugleich auf der Roten Liste stehen. Weitere 15 national prioritäre Waldgesellschaften sind von zweithöchster Verantwortung (mit Schwerpunkt im Alpenbogen), deren Verbände (TypoCH) ebenfalls gefährdet sind. (Quelle: Bafu 2019&amp;lt;!--, p. 81/Kap. 4.3, Text angepasst--&amp;gt;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Quellen:&lt;br /&gt;
∂- Delarze et al 2016/Tab1-Lrm TypoCH; Tab A3, p30ff-Waldges -&amp;gt; RESP (Skala 0-4, DD)&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1503/Tab A2-1, p155ff-Waldges -&amp;gt;V-CH (Skala A-C)&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1709_Teil II/Tab1-Lrm TypoCH; Tab2-Waldges -&amp;gt; Resp (Skala 0-4) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Repräsentanz der Waldgesellschaften in Waldreservaten'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
30 der 77 National Prioritären Waldgesellschaften (NPA) sind im Waldreservatsnetz der Schweiz gut vertreten (Kategorie A), keine Gesellschaft sehr gut (AA). 8 NPA sind in den Waldreservaten schlecht (BB) und 12 gar nicht vertreten (C).&lt;br /&gt;
Quelle:&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1503/Tab A2-1, p155ff-Waldges -&amp;gt;Spalte R-CH (Skala AA, A, B, BB und C)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schützenswerte Lebensraumtypen gemäss NHV''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
19 von 34 Wald-Lebensraumtypen (TypoCH) sind in der Liste der schützenswerten Lebensraumtypen nach [https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1991/249_249_249/de NHV/Anhang1] aufgeführt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Quelle:&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1709_Teil II/Tab1-Lrm TypoCH -&amp;gt; Spalte Prot (x) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bedarf nach Aufwertungsmassnahmen/Massnahmenbedarf'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
20 von 34 Wald-Lebensraumtypen (TypoCH) weisen in Bezug auf die ganze Schweiz einen klaren Bedarf nach Aufwertungsmassnahmen auf (Code 2).&lt;br /&gt;
30 von 121 Waldgesellschaften weisen einen klaren Bedarf nach Aufwertungsmassnahmen (Code 2) und 31 Gesellschaften einen unsicheren Bedarf (Code 1) auf.&lt;br /&gt;
Von den 18 national prioritären Wald-Lebensraumtypen weisen 78% einen klaren Massnahmenbedarf, von den 82 national prioritären Waldgesellschaften 33 % einen klaren und 35 % einen unsicheren Massnahmenbedarf auf.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Quellen:&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1709_Teil II/Tab1-Lrm TypoCH; Tab2-Waldges -&amp;gt; MeasNeed (Code 2 klarer, 1 unsicherer und 0 kein Massnahmenbedarf))&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1709; Abb.22-Massnahmenbedarf für NPL bei Wald-Lebensraumbereichen (TypoCH)&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1709; Abb.24-Massnahmenbedarf für NPL bei Waldgesellschaften. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Regenerationszeit'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Damit ist die &amp;quot;Entwicklungszeit oder Regenerationsdauer nach einer starken Störung des Lebensraumes&amp;quot; gemeint (Delarze et al. 2016, Rote Liste der Lebensräume der Schweiz). &lt;br /&gt;
Die meisten Wald-Lebensraumtypen (TypoCH) weisen eine Regenerationszeit von 50 bis 200 Jahren (Code 5) auf. Der Hainsimsen-Buchenwald (6.2.3), zwei Eichenwaldtypen (6.3.4, 6.3.6), der Kastanienwald (6.3.7) und der Lärchen-Arvenwald (6.6.3) brauchen über 200 Jahre (Code 6) um zu regenerieren. Nur die drei Auenwaldtypen (6.1.2, 6.1.3 und 6.1.3.1) regenerieren zwischen 10 und 50 Jahres (Code 3 oder 4).&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Quelle:&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1709_Teil II/Tab2-Waldges -&amp;gt; Reg (Code 1-6) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Seltene Waldgesellschaften'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Begriff der seltene Waldgesellschaft ist nicht klar definiert und tabelliert. Einen Hinweis gibt das Kriterium B (geringes Vorkommen bzw. Seltenheit) in der Roten Liste der Waldgesellschaften. Praktisch alle Waldgesellschaften mit einem RL-Status (VU, EN oder CR), d.h. 67 von 121 Waldgesellschaften weisen eines der B-Kriterien auf.&lt;br /&gt;
In £- Steiger 2010 sind in einer Tabelle alle Waldgesellschaften der Schweiz nach ihren geschätzten Flächenanteilen zusammengestellt. Von insgesamt 109 Waldgesellschaften sind 38 der Kategorie «Sehr selten» mit Flächenanteilen von 0,1, bis 0,02 % und 12 Gesellschaften der Kategorie «Extrem selten» mit Flächenanteilen von maximal 0,01 % zugeteilt.&lt;br /&gt;
Viele dieser Waldgesellschaften weisen besondere und extreme Standortsbedingungen auf, welche nur selten und meistens kleinflächig auftreten. &lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Quellen:&lt;br /&gt;
∂- Delarze et al 2016/Tab. A3/Waldgesellschaften Krit. B, insb. B4&lt;br /&gt;
£- Steiger 2010: Geschätzte Flächenanteile/S. 389 --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''National prioritäre Arten - Lebensraumbereich Wald'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
In [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html «Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen»] werden 1582 National Prioritäre Waldarten definiert. Darunter hat es zahlreiche Arten, denen die allgemeine Lebensraumförderung nicht genügt, sondern artspezifische Fördermassnahmen benötigen. In [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html «Liste der National Prioritären Arten und Lebensräume» (BAFU, 2019)] sind die 1472 national prioritären Arten des Lebensraumbereiches Wald wie folgt auf die 4 Prioritätsstufen verteilt: Prio1: 6%, Prio2: 13%, Prio3: 34%, Prio4: 46%&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
Literatur: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1503_Biodiversität im Wald-Massnahmenbereich_2015.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1709_Liste National Prioritäre Arten&amp;amp; Lebensräume CH_2019.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1709_Teil I_Digitale Liste National Prioritäre Arten_2019 (Stand 2017).xlsx &amp;lt;br /&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Waldzielarten'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Liste der national prioritären Waldzielarten findet sich in [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html «Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen», Liste A2-2, S. 160 ff] bzw. in der &amp;quot;Digitalen Liste der National Prioritären Arten&amp;quot; (Bafu 2019). Es handelt sich um 307 Waldzielarten, welche spezifische, gezielte Fördermassnahmen benötigen. Die Artenzahlen verteilen sich wie folgt auf 14 Organismengruppen: Säugetiere 3, Fledermäuse 12, Vögel 14, Reptilien 5, Amphibien 7, Käfer 34, Schmetterlinge 11, Libellen 1, Heuschrecken 1, Landschnecken 3 (nur in der digitalen Liste aufgeführt), Gefässpflanzen 44, Moose 11, Flechten 134 (Baum- und Erdbewohnende Flechten), Grosspilze 27.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Quelle:&lt;br /&gt;
∂- Bafu_2015_Waldzielarten-Auswertungsstatistik.xlsx (de und fr: siehe in «C:\Users\Xavi\Pluspunkt\Literatur - Dokumente\_Austausch\06 Wälder\09 Fotos_Abbildungen\BAFU\Liste national prioritäre Arten) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
« Zur Förderung der Waldzielarten braucht es gezielte spezifische Massnahmen auf Förderflächen oder im Rahmen der naturnahen Waldbewirtschaftung. Es empfiehlt sich, Förderflächen mit dem Instrument der Sonderwaldreservate längerfristig zu sichern. Die Sonderwaldreservate werden mittels eines Vertrages mit dem Eigentümer (Vertragsnaturschutz; für SWR in der Regel auf 25 Jahre mit Verlängerungsoption), mittels Schutzgebietsverordnungen und/oder mittels Regierungsratsbeschlüsse rechtlich verankert. So kann vermieden werden, dass durch Nutzungswechsel die durchgeführten Massnahmen wirkungslos bzw. aufgehoben werden.»&lt;br /&gt;
(Quelle: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html «Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen», S.134])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angaben zu Arten siehe auch Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Artengruppen_und_Arten_des_Waldes «Artengruppen und Arten des Waldes»]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = galerie9 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Beispiele von national prioritären Arten: Eremit (''Osmoderma eremita''), Grosser Eisvogel (''Limenitis populi''), Rudolph-Trompetenmoos (''Tayloria rudolphiana''), Diptam (''Dicatamnus albus'') &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Waldbauliche Begriffe, Waldstrukturen und Bestandesaufbau ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bestand'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
«Als Bestand bezeichnen wir einen Waldteil, der sich durch seine Baumartenzusammensetzung, sein&lt;br /&gt;
Alter usw. von seiner Umgebung wesentlich unterscheidet. Er ist so gross, dass eine selbständige,&lt;br /&gt;
langfristige Zielsetzung möglich ist (&amp;gt; 50 Aren). Der Bestand bildet in der Regel die kleinste Inventur und&lt;br /&gt;
Planungseinheit.» (Bachmann, 2002)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entwicklungsstufen'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bestände unterscheiden sich während ihrer Entwicklung sehr deutlich beim Wachstums- und Konkurrenzverhalten. Das bedingt je nach Entwicklungsphase im Wirtschaftswald angepasste Pflegemassnahmen und Durchforstungseingriffe. Auch die nutzbaren Sortimente, Aufwand und Ertrag der Holzernte ändern sich völlig im Laufe einer Bestandesentwicklung. Die zweckmässig zu unterscheidenden Etappen in der Entwicklung eines Waldbestandes werden «Entwicklungsstufen» genannt. Sie werden im Forstdienst international verwendet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz werden auf Bundesebene (bei LFI, NaiS, WSL und den Bildungsinstitutionen ETH, HAFL, Codoc usw.) die folgenden Entwicklungsstufen verwendet. Unter «ddom» wird der BHD (Brusthöhendurchmesser, gemessen in 1,3 m Höhe) der 100 stärksten Bäume pro ha verstanden:&lt;br /&gt;
* Jungwuchs/Dickung 	ddom &amp;lt; 12 cm&lt;br /&gt;
* Stangenholz	ddom = 12–30 cm&lt;br /&gt;
* schwaches Baumholz	ddom = 31–40 cm&lt;br /&gt;
* mittleres Baumholz	ddom = 41–50 cm&lt;br /&gt;
* starkes Baumholz	ddom &amp;gt; 50 cm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewisse Unterschiede bei der genauen Definition der einzelnen Entwicklungsstufen gibt es vor allem bei den Durchmesserbereichen und -grenzen bei den Stangenholz- und Baumholz-Stufen. Dies gilt sowohl für gewisse kantonale Einteilungen wie auch im internationalen Vergleich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Vertikal- und Horizontalstruktur von Waldbeständen'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit folgenden Fachbegriffen wird der Bestandesaufbau von Waldbeständen beschrieben:&lt;br /&gt;
Im '''vertikalen Aufbau''' wird der Baumbestand in die drei Schichten Oberschicht OS, Mittelschicht MS und Unterschicht US eingeteilt. Referenzhöhe ist die Oberhöhe, d.h. die mittlere Höhe der 100 stärksten Bäume und Sträucher pro Hektare. Dies entspricht ungefähr dem visuellen Eindruck einer Bestandeshöhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = schichten.png&lt;br /&gt;
| text = Schichtung des Waldes in Ober-, Mittel- und Unterschicht ([https://www.lfi.ch/publikationen/publ/anleitungen/anleitungen.php Quelle: Düggelin et al. 2020, Schweizerisches Landesforstinventar. Anleitung für die Feldaufnahmen der fünften Erhebung 2018–2026. WSL Ber. 90]) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vertikalstruktur eines Bestandes ist oft standortstypisch, kann aber auch durch forstliche Eingriffe verändert sein. Sie ist auch für die Lebensraumqualität von Bedeutung (Lichtverhältnisse, Strukturreichtum).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = schichten_strukturen.png&lt;br /&gt;
| text = Verschiedene Schicht- und Strukturtypen des Waldes ([https://www.lfi.ch/publikationen/publ/anleitungen/anleitungen.php Quelle: Düggelin et al. 2020, Schweizerisches Landesforstinventar. Anleitung für die Feldaufnahmen der fünften Erhebung 2018–2026. WSL Ber. 90]) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem sogenannten Schlussgrad (oder Deckungsgrad) wird die '''horizontale Bestandesstruktur''' mit der Anordnung der Baumkronen (in der Projektion) beschrieben. Er macht Angaben über den Standraum der Bäume und die Konkurrenzverhältnisse in einem Bestand. Aus waldbaulicher Sicht lässt sich im Wirtschaftswald aufgrund des Kronenschlusses die Dringlichkeit für Durchforstungseingriffe ableiten. Ökologisch beeinflusst der Schlussgrad die Licht- und Wärmeverhältnisse, aber auch das Niederschlagsregime (Anteil der Interzeption) im ganzen Kronenraum und v.a. auch im Bereich des Waldbodens. Bestimmte standörtlich meist extremere Waldgesellschaften sind von Natur aus offener und lichter; auf gut wüchsigen Standorten bilden die Baumkronen über längere Phasen ein geschlossenes Dach und lassen nur wenig Licht zum Waldboden durch. In solchen Fällen führen forstliche Eingriffe (Durchforstungen) oder Ereignisse ([https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#St.C3.B6rungsereignisse:_St.C3.BCrme.2C_Br.C3.A4nde Sturm, Schädlingsbefall, etc.]) zu geringeren Schlussgraden. Zur Förderung von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Lichter_Wald «lichten Wäldern»] aus naturschützerischen Gründen ist die Reduktion des Schlussgrades durch Eingriffe in der Baumschicht eine zentrale Massnahme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
alter Text de: Die folgenden Begriffe zur Beschreibung des horizontalen Schlussgrades sind im Forstdienst allgemein gebräuchlich und werden auch im Landesforstinventar LFI so verwendet:&lt;br /&gt;
alter Text fr: Les termes ci-dessous, permettant de décrire le degré de fermeture horizontale, sont couramment utilisés par les forestiers et sont également employés dans l’inventaire forestier national IFN :&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die [[Media:lfi5_methoden_S. 206_208.pdf|Begriffe zur Beschreibung des horizontalen Schlussgrades]] sind im Forstdienst allgemein gebräuchlich und werden auch im Landesforstinventar LFI so verwendet ([https://www.lfi.ch/publikationen/publ/anleitungen/anleitungen.php (siehe S. 206 bis 208 aus Düggelin et al. 2020, Schweizerisches Landesforstinventar. Anleitung für die Feldaufnahmen der fünften Erhebung 2018–2026. WSL Ber. 90]) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Verjüngungsformen'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für die Verjüngung im Wald werden verschiedene Verfahren eingesetzt. Sie unterscheiden sich vor allem in der Grösse, Form und Häufigkeit der Eingriffe zum Aushieb der Bäume im Altbestand. Beim Kahl-, Schirm-, Saum- und Femelschlag finden die Eingriffe flächig statt, bei der Plenterung und im Dauerwald einzelstammweise. Der folgende schematische Überblick zeigt Grundformen der Waldverjüngung, die dann oft auch in Kombination angewendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = schlagtypen_mayer_waldbau.png&lt;br /&gt;
| text = Grundformen der Waldverjüngung (Quelle: Mayer H., 1992: Waldbau auf soziologisch-ökologischer Grundlage)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kahlschlag ist in der Schweiz grundsätzlich verboten, für besondere waldbauliche Massnahmen können die Kantone aber Ausnahmen bewilligen (WaG § 22).&lt;br /&gt;
Am häufigsten wird im Schweizerwald der Femelschlag verwendet. Seit einiger Zeit scheint sich vor allem in den Laubwäldern des Mittellandes die Dauerwaldbewirtschaftung durchzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein umfangreiches Glossar über forstliche Begriffe (insb. Waldbau und Waldwachstum) kann [https://www.wsl.ch/forest/waldman/vorlesung/ww_gloss.ehtml hier] aufgerufen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbau ist einer der zentralen und wichtigsten Tätigkeitsbereiche im Wald und in der Forstwirtschaft. Als praxisnahe und umfassende Lehr- und Textbücher empfehlen sich auch für angewandte Bereiche wie den Naturschutz im Wald:&lt;br /&gt;
* Mayer H., 1992: Waldbau auf soziologisch-ökologischer Grundlage. (4., teilw. neubearb. Aufl.)&lt;br /&gt;
* Bartsch N. &amp;amp; Röhrig E., 2020: Waldbau auf ökologischer Grundlage. (8. vollst. überarb. &amp;amp; erw. Aufl.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Standards: Naturnaher Waldbau, NaiS, Zertifizierung ==&lt;br /&gt;
'''Naturnaher Waldbau'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Zweckartikel des Bundesgesetzes über den Wald verlangt, den Wald «als naturnahe Lebensgemeinschaft zu schützen» (WaG Art. 1 Abs1 lit b). Weiter werden die Kantone im WAG-Art. 20 Abs 2 angewiesen, bei ihren Planungs- und Bewirtschaftungsvorschriften den Erfordernissen des naturnahen Waldbaus Rechnung zu tragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff «naturnaher Waldbau» ist rechtlich unbestimmt, genauere Definitionen fehlen in der Waldgesetzgebung. Deshalb wird er in der forstlichen Praxis auch recht unterschiedlich interpretiert und umgesetzt.&lt;br /&gt;
Das Bafu veröffentlichte deshalb im Jahr 2015 transparente, verbindliche und nachvollziehbare [[Media:grundanforderungenandennaturnahenwaldbauprojektbericht.pdf|«Grundanforderungen an den «naturnahen Waldbau»]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
im Sinne eines minimal einzuhaltenden «ökologischen Standards» für alle Wälder der Schweiz. Es ist das Resultat eines Projektes, an dem zahlreiche Praktiker, Fachleute und ein Begleitforum mit Waldeigentümern, Betriebsleitern sowie Vertreterinnen und Vertretern der waldrelevanten nationalen Organisationen teilgenommen haben. &lt;br /&gt;
Diese Grundanforderungen sind aber keine Legaldefinition des naturnahen Waldbaus, sondern dienen vor allem als Empfehlung an die Kantone zur Umsetzung von Art 20 WaG. Sie werden durch eine Kaskade mit Grundsätzen, Kriterien, Indikatoren und Minimalwerten nachvollziehbar gefasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Naturnaher Waldbau''' &amp;lt;br /&amp;gt; Die Grundanforderungen an den «naturnahen Waldbau» sind nicht verabschiedet worden, weil unter den Beteiligten kein gemeinsamer Nenner gefunden werden konnte. Unterschiedliche Ansichten gibt es vor allem bei der Anzahl Biotopbäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 4 Grundsätze lauten:&lt;br /&gt;
* Die naturgegebene Bodenfruchtbarkeit wird durch die Waldbewirtschaftung nicht beeinträchtigt.&lt;br /&gt;
* Die Fähigkeit des Waldes zur natürlichen Verjüngung wird erhalten oder verbessert. Die Naturverjüngung hat Vorrang.&lt;br /&gt;
* Die Baumartenmischung wird derart auf den Standort abgestimmt, dass dessen ökologische Eigenschaften nicht negativ beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
* Bei den waldbaulichen Eingriffen werden die Möglichkeiten zur Erhaltung und Förderung der Vielfalt des Lebensraumes Wald genutzt.&lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese vier Grundsätze werden durch 7 Kriterien und 11 Indikatoren nachvollziehbar gefasst und im Anhang sind die Ziele, Definitionen und Minimalwerte für die einzelnen Indikatoren genauer erläutert.&lt;br /&gt;
Eine umfassende Übersicht zur ganzen Kaskade bietet Abb. 3 aus [[Media:grundanforderungenandennaturnahenwaldbauprojektbericht.pdf|Grundanforderungen an den naturnahen Waldbau, Projektbericht (BAFU, 2010)]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = grundanforderungen 1600x1200.png&lt;br /&gt;
| text = Grundanforderungen an den naturnahen Waldbau.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literaturliste noch einfügen&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UD1031_Grundanforderungen naturnaher Waldbau-Projektbericht_2010.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UD1031-Mat_Grundanforderungen naturnaher Waldbau-Materialien_2010.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UD1031-Oek_Grundanforderungen naturnaher Waldbau-Oekogramme_2010.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Links auf Artikel «Kahlschlag oder Nutzungsaufgabe? Instrumente der Strukturförderung und ihre Auswirkung auf die Waldbiodiversität» und «Annahmen und Ergebnisse zur Biodiversität im Wirtschaftswald – Neues aus der Biodiversitäts-Forschung» in ««Bollmann_2020_Biodiversität im Schweizer Wald.pdf»» &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Buwal_UM081_Naturnaher Waldbau-Textsammlung_1998.pdf&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''NaiS (Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald)'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein «Schutzwald»  ist ein Wald, welcher Menschen, Tiere, Güter und Infrastrukturen vor Lawinen, Steinschlag, Hangrutsch und Erosion schützt. Der Schutzwald verhindert das Entstehen solcher Naturgefahren oder bremst diese ab. Damit ein Wald als Schutzwald gilt, braucht es ein Gefahrenpotenzial (z.B. eine instabile Felswand), ein Schadenpotenzial (z.B. eine Siedlung oder ein Verkehrsweg) und einen Wald, welcher eine Schutzwirkung gegen die Naturgefahr erbringen kann.&amp;quot; ([http://www.schutzwald-schweiz.ch/de/was-ist-schutzwald.html Quelle]) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Wegleitung NaiS (Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald) verfügen die Forstpraktiker seit 2005 über eine konkrete und verbindliche Entscheidungshilfe für die schutzwirksame Pflege des Schutzwaldes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anforderungsprofile nach NaiS sind einerseits der Qualitätsindikator für die Schutzwaldpflege im NFA-Programm Schutzwald, müssen andererseits aber auch im gesamten bezeichneten Schutzwald als Richtschnur für die Bewirtschaftung gelten, unabhängig vom Anspruch auf Bundesmittel.&lt;br /&gt;
Das Ziel von NaiS ist es, den Schutzwald mit möglichst wenig Pflegeaufwand in einen optimalen Schutzzustand zu bringen und Eingriffe nur dort auszuführen, wo die natürliche Entwicklung in eine andere Richtung gehen würde als in die gewünschte.&amp;quot; ([http://www.schutzwald-schweiz.ch/de/176.html Quelle: Schutzwald Schweiz])&lt;br /&gt;
Das Prinzip von NaiS: Die moderne Schutzwaldpflege orientiert sich nicht an Massnahmen, sondern an Zielen. Es stellt sich zuerst die Frage, wie der Wald aussehen soll, damit er eine hohe Schutzwirkung erbringt und erst in zweiter Linie, ob zur Erreichung dieses Zustandes Massnahmen erforderlich sind. Der angestrebte Waldzustand orientiert sich an den Kenntnissen über die Naturgefahren und an den lokalen Standortverhältnissen. Zu diesem Zweck wurden für die verschiedenen Naturgefahren und die unterschiedlichen Standorttypen Anforderungsprofile formuliert.&amp;quot;&lt;br /&gt;
(Quelle: W+H_2006.03_SCHWITTER&amp;amp;&amp;amp;_NaiS-Nachhaltigkeit&amp;amp; Erfolgskontrolle im Schutzwald.pdf) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[http://www.gebirgswald.ch/de/nais-download.html Download aller NaiS-Unterlagen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pflege der Schutzwälder muss folgenden sieben Grundsätzen genügen [http://www.gebirgswald.ch/de/grundsaetze.html (Quelle: Fachstelle für Gebirgswaldpflege]):&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
# '''Auf das Schutzziel ausgerichtet''': Pflegemassnahmen in Schutzwäldern dienen vorrangig der Verminderung von Naturgefahren.&lt;br /&gt;
# '''Am richtigen Ort''': Pflegemassnahmen werden dort ausgeführt, wo der Wald die Wirkung von Naturgefahren auf Menschen oder Sachwerte verhindern oder verringern kann.&lt;br /&gt;
# '''Zur richtigen Zeit''': Pflegemassnahmen sind dann auszuführen, wenn eine optimale Wirkung mit minimalem Aufwand erzielt werden kann.&lt;br /&gt;
# '''Im Einklang mit den natürlichen Lebensabläufen''': Pflegemassnahmen sind auf die Standortsverhältnisse abzustimmen. So lassen sich die Kräfte der natürlichen Waldentwicklung nutzen.&lt;br /&gt;
# '''Objektbezogen, transparent, nachvollziehbar und kontrollierbar''': Pflegemassnahmen werden durch Fachleute an Ort und Stelle festgelegt. Damit wird man den kleinräumig wechselnden Verhältnissen gerecht. Der Entscheidungsprozess verläuft immer gleich. Er wird dokumentiert und damit transparent, nachvollziehbar und kontrollierbar gemacht.&lt;br /&gt;
# '''Wirksam''': Pflegemassnahmen führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Ziel.&lt;br /&gt;
# '''Ziel mit verhältnismässigem Aufwand erreichbar''': Pflegemassnahmen stehen in einem angemessenen Aufwand-Nutzen-Verhältnis.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- (Quelle: Fachstelle für Gebirgswaldpflege, http://www.gebirgswald.ch/de/grundsaetze.html) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Waldzertifizierung'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
«Zum Schutz der Wälder – insbesondere in den Tropen – sind in den neunziger Jahren die ersten forstlichen Labels entstanden. Heute dominieren weltweit zwei Labels den Markt: FSC und PEFC. In der Schweiz hat sich daneben das Label Schweizer Holz etabliert.» ([https://www.waldschweiz.ch/de/wissen/schweizer-wald/holzlabels Quelle)] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu den Labeln ist kritisch zu bemerken, dass in den einzelnen Ländern, trotz gleichem Label, unterschiedliche Anforderungen an die Holzproduktion gelten, welche oft deutlich weniger streng sind als in der Schweiz. Für eine objektive Ökobilanz müssten auch die oft sehr langen Transportdistanzen mitberücksichtigt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Informationen zu den einzelnen Labels können den entsprechenden Webseiten entnommen werden&lt;br /&gt;
* [https://holz-bois-legno.ch HSH-Label (Herkunft Schweizer Holz)]&lt;br /&gt;
* [https://waldzertifizierung.jimdofree.com/deutsch/fsc-und-pefc-zertifizierung/ FSC]&lt;br /&gt;
* [https://pefc.ch/ PEFC]&lt;br /&gt;
Eine kurze Übersicht zu den drei Labels bietet [https://www.lignum.ch/holz_a_z/holz_labels/ diese Webseite].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Waldplanungsinstrumente ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Waldgesetzgebung schreibt vor, dass der Wald in seiner Fläche und Verteilung erhalten bleiben soll und die '''Waldfunktionen''' (insb. '''Nutz-, Schutz und Wohlfahrtsfunktion''') nachhaltig zu erbringen sind.&lt;br /&gt;
Die Planung und der Vollzug zur Sicherstellung dieser Ziele ist mit Vorgaben durch den Bund an die Kantone delegiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = wep.png&lt;br /&gt;
| text = Massnahmenplan des regionalen Waldplans Moutier. WEP sind behördenverbindlich und haben Richtplancharakter. &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der Koordination mit der Raumplanung findet die forstliche Planung '''auf zwei Ebenen statt''':&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) Der '''Waldentwicklungsplan WEP''' auf der überbetrieblichen Ebene: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
«Der Waldentwicklungsplan (WEP) ist das eigentliche Koordinations- und forstpolitische Führungsinstrument des Forstdienstes. Die ökologischen, ökonomischen und sozialen öffentlichen Interessen am Wald werden überbetrieblich und behördenverbindlich festgelegt. Damit hat der WEP Richtplancharakter. Im Weiteren wird die Koordination zu anderen Sachplanungen wie Siedlung und Landschaft sichergestellt. Der Waldentwicklungsplan wird flächendeckend erlassen.» (BUWAL 2003)&lt;br /&gt;
Die Bevölkerung kann an der Erarbeitung eines WEP mitwirken (WaV Art. 18).&lt;br /&gt;
Die Waldentwicklungspläne sind öffentlich zugänglich. In den meisten Kantonen sind die WEP regional gegliedert, in kleineren Kantonen existiert hingegeben ein WEP für den ganzen Kanton.&lt;br /&gt;
In den WEP sind ökologisch und naturschützerisch relevante Themen behördenverbindlich geregelt. Dazu gehören etwa die Ausscheidung von Waldflächen mit Vorrangfunktion Wald als Lebensraum, Festlegung von Schutzzonen und schützenswerten Einzelobjekten, Genreservate, Wald und Wild usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b) '''Der Betriebsplan BP auf der betrieblichen Ebene''':&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die eigentümerverbindlichen Festlegungen erfolgen im Betriebsplan. Er dient als periodische Standortbestimmung und ist für mittelfristige strategische und operative Überlegungen auf Betriebsebene von Bedeutung. Im Betriebsplan legen die Waldeigentümer dar, wie sie ihren Wald pflegen und bewirtschaften und mit welchen konkreten waldbaulichen Massnahmen sie die übergeordneten Ziele des Waldgesetzes, des Waldentwicklungsplanes und der Richt- und Nutzungsplanung verwirklichen wollen. ([https://www.ag.ch/de/bvu/wald/waldbewirtschaftung/betriebsplanung/betriebsplanung_1.jsp Quelle])&lt;br /&gt;
Die Kantone legen fest, welche Waldeigentümer und ab welcher Waldfläche die Forstbetriebe betriebsplanpflichtig sind. Sie haben dies sehr unterschiedlich geregelt.: In 14 Kantonen gilt die Pflicht zur Betriebsplanung für alle Waldeigentumskategorien. In 4 Kantonen gilt sie nur für öffentliche Waldeigentümer, in 2 Kantonen für öffentliche Waldeigentümer und für Korporationen. In 12 Kantonen gilt die Planungspflicht ab einer festgelegten Mindestfläche von 10, 20, 25, 40 oder 50 ha Wald. (Quelle: Stand der forstlichen Planung in den Kantonen, Schlussbericht, HAFL, 2017)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = planung.png&lt;br /&gt;
| text = Schema der forstlichen Planung auf kantonaler Ebene (Quelle: Bachmann, Schweiz. Z. Forstwes. 156 (2005) 5: 137– 141)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = planung_kantone.png&lt;br /&gt;
| text = Die forstlichen Planungsinstrumente in den Kantonen 2018 (Quelle: Stand der forstlichen Planung in den Kantonen, Schlussbericht, HAFL, 2017)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Buwal_2006_Forstliche Planung-Gesetzliche Grundlagen_Faktenblatt.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- SZF_156.05 (2005)_BACHMANN_Forstliche Planung.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- BERNASCONI&amp;amp;&amp;amp;_2017_25 Jahre Waldplanung (Schlussbericht)_Pan Bern.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
§- Bafu-www_Waldplanung_2018 &amp;gt;&amp;gt;.webloc &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
§- Planfor-Informationen zur Waldplanung | waldwissen.net_2015 &amp;gt;&amp;gt;.webloc &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wald/fachinformationen/waldbewirtschaftung/waldplanung.html Waldplanungsinstrumente] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kantonale Informationen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Links auf kantonale Webseiten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine [https://www.kwl-cfp.ch/de/adressverzeichnis/wald-holz Linkliste zu den kantonalen Forstdiensten finden Sie hier].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kantonale vegetationskundliche Waldkartierungen und Waldbeschreibungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschiedene Kantone haben detaillierte vegetationskundliche Beschreibungen ihrer Waldstandorte und Waldgesellschaften veröffentlicht, meist ergänzt mit Kommentaren zum Waldbau und Naturschutz in den einzelnen Waldtypen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Kanton&lt;br /&gt;
! Autoren &amp;amp; Jahrgang&lt;br /&gt;
! Titel&lt;br /&gt;
! Erscheinungsort/Bezugsquelle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| AG&lt;br /&gt;
| Stocker et al. (2002)&lt;br /&gt;
| Die Waldstandorte des Kantons Aargau&lt;br /&gt;
| Finanzdepartement des Kantons Aargau, Abteilung Wald&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| BE&lt;br /&gt;
| Burger et al. (1996)&lt;br /&gt;
| Standortskundlicher Kartierungsschlüssel für die Wälder der Kantone Bern und Freiburg&lt;br /&gt;
| Amt für Wald &amp;amp; Natur, Bern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| BE (Jura)&lt;br /&gt;
| Burnand et al. (1998)&lt;br /&gt;
| Clé de détermination des stations forestières du Canton du Jura et du Jura bernois. Volume 1&amp;amp;2&lt;br /&gt;
| Division forestière Tavannes&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| BL &amp;amp; BS&lt;br /&gt;
| Burnand &amp;amp; Hasspacher (1999)&lt;br /&gt;
| Waldstandorte beider Basel&lt;br /&gt;
| Verlag des Kantons Basel-Landschaft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| FL&lt;br /&gt;
| Schmider &amp;amp; Burnand (1988)&lt;br /&gt;
| Waldgesellschaften im Fürstentum Liechtenstein&lt;br /&gt;
| Naturkdl. Forsch. im Fürstentum Liechtenstein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| FR&lt;br /&gt;
| Burger et al. (1996)&lt;br /&gt;
| Standortskundlicher Kartierungsschlüssel für die Wälder der Kantone Bern und Freiburg&lt;br /&gt;
| Kantonsforstamt Freiburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| JU&lt;br /&gt;
| Burnand et al. (1998)&lt;br /&gt;
| Clé de détermination des stations forestières du Canton du Jura et du Jura bernois. Volume 1&amp;amp;2&lt;br /&gt;
| Service des forêts Delémont&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| LU&lt;br /&gt;
| von Wyl et al. (2014)&lt;br /&gt;
| Pflanzensoziologische Kartierung der Luzerner Wälder-Kommentar Waldbau&lt;br /&gt;
| UTAS AG, Giswil&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| SG&lt;br /&gt;
| Bütler et al. (2016)&lt;br /&gt;
| Waldstandorte St. Gallen&lt;br /&gt;
| Kantonsforstamt St. Gallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| TG&lt;br /&gt;
| Schmider et al. (2003)&lt;br /&gt;
| Wälder im Kanton Thurgau&lt;br /&gt;
| Mitt. thurgau. Naturforsch. Ges., Bd. 58&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| UR&lt;br /&gt;
| Frey &amp;amp; Bichsel (2005)&lt;br /&gt;
| Waldstandorte und Waldgesellschaften des Kanton Uri&lt;br /&gt;
| Amt für Forst und Jagd Uri, Altdorf&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ZG&lt;br /&gt;
| Ziegler M. (2014)&lt;br /&gt;
| Waldgesellschaften des Kantons Zug&lt;br /&gt;
| Kanton Zug, Direktion des Innern, Amt für Wald und Wild&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ZH&lt;br /&gt;
| Schmider et al. (1994)&lt;br /&gt;
| Die Waldstandorte im Kanton Zürich&lt;br /&gt;
| vdf Verlag der Fachvereine, Zürich&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Waldstandortskartierungen sind v. a. in den Mittelland- und Jura-Kantonen durchgeführt worden. In der Regel sind sie auf den kantonalen Geobrowsern einsehbar und können ausschnittsweise in verschiedenen Kartenmassstäben heruntergeladen werden.&lt;br /&gt;
[https://www.kkgeo.ch/geodaten/kantonale_geoportale Eine Übersicht zu allen kantonalen Geoportalen findet sich unter dem Link].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kosten, Beiträge ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Finanzinstrumente'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das zurzeit wichtigste Förderinstrument für die Umsetzung sind die seit 2008 zwischen Bund und Kantone abgeschlossenen Programmvereinbarungen im Umweltbereich (NFA). Bund und Kantone vereinbaren jeweils für eine Vierjahresperiode (für die Jahre 2020-2024 ausnahmsweise fünfjährig) Leistungsziele mit einem entsprechenden Bundesbeitrag. Die Kantone müssen diesen Beitrag zu einem festgelegten Anteil mit eigenen finanziellen Mitteln ergänzen. Der Bund ist zuständig für die strategische Ausrichtung dieser Programmvereinbarungen aus einer nationalen Sicht, während die Kompetenz über die operative Umsetzung bei den Kantonen liegt. Die Leistungen und finanziellen Rahmenbedingungen werden in den fachspezifischen Erläuterungen zu den jeweiligen Programmvereinbarungen definiert (BAFU 2015a). Die Vollzugshilfe Waldbiodiversität des BAFU ist die strategische Grundlage der fachspezifischen Erläuterungen im Bereich Waldbiodiversität. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine weitere, noch wenig eingesetzte Möglichkeit ist der Kauf von Schutzgebieten durch die öffentliche Hand, d. h. durch die Kantone. Es könnte für die langfristige Sicherung von Waldreservaten an Bedeutung gewinnen. &amp;lt;br /&amp;gt;([https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/ziele-und-massnahmen-wald.html Quelle: «Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen», S. 36, leicht angepasst])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Media:finanzdaten 2018 programme.pdf|2018 wurden für die Waldbiodiversität vom Bund ca. 18.5 Mio. Franken ausbezahlt]] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Media:grafik bundesbeitraegeprogrammvereinbarungen.pdf|Übersicht zu den Auszahlungen des Bundes seit 2008]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
[https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/recht/fachinformationen/programmvereinbarungen-im-umweltbereich/handbuch-programmvereinbarungen-im-umweltbereich.html Genauere Zahlen finden sich im Handbuch Programmvereinbarungen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
[https://www.bafu.admin.ch/bafu/fr/home/themes/droit/info-specialistes/conventions-programmes-conclues-dans-le-domaine-de-lenvironnemen/manuel-sur-les-conventions-programmes-conclues-dans-le-domaine-d.html xxxx Manuel sur les conventions-programmes]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PDF in C:\Users\Xavi\Pluspunkt\Literatur - Dokumente\_Austausch\06 Wälder\09 Fotos_Abbildungen\BAFU\Finanzdaten;&lt;br /&gt;
Quelle: finanzdaten_2018programmewaldwirtschaftwaldbiodiversitaetschutzw.pdf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PDF in C:\Users\Xavi\Pluspunkt\Literatur - Dokumente\_Austausch\06 Wälder\09 Fotos_Abbildungen\BAFU\Finanzdaten; französische Version noch suchen&lt;br /&gt;
Quelle: grafik_bundesbeitraegeprogrammvereinbarungenab2008.pdf&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gefährdung der Waldbiodiversität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Kapitel hat nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird nur auf ausgewählte, aber nicht alle, Gefährdungen eingegangen:&lt;br /&gt;
* Klimawandel (siehe Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Klimawandel «Klimawandel»]&lt;br /&gt;
* Luftverschmutzung, Nährstoffbelastung &lt;br /&gt;
* Invasive, gebietsfremde Arten (Neobiota)&lt;br /&gt;
* Baumkrankheiten (Eschentriebsterben usw.)&lt;br /&gt;
* Zu hohe Schalenwildbestände&lt;br /&gt;
* Holzlagerung im Wald mit Pestizideinsätzen für Holzschutz&lt;br /&gt;
* Waldstrassenbau (z. B. Bau von zu dichten Waldstrassennetzen im Rahmen von Meliorationen oder die Erschliessung ökologisch sensibler Gebiete) &lt;br /&gt;
* Freizeitaktivitäten bzw. Erholungsnutzung&lt;br /&gt;
* Windkraftanlagen im Waldgebiet&lt;br /&gt;
* Lockerung des Rodungsverbotes&lt;br /&gt;
* Druck auf den Wald (z. B. Siedlungsdruck)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgend werden ausgewählte Gefährdungsfaktoren näher beleuchtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Luftverschmutzung'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Anfangs 1980er-Jahre traten in Mitteleuropa und auch in der Schweiz massive flächige Waldschäden auf, wobei vor allem die Nadelbaumarten Weisstanne, Fichte und Waldföhre betroffen waren. Das Phänomen hat als «Waldsterben» die Öffentlichkeit, die Politik und Forschung über Jahre stark beschäftigt. Als Hauptursache wurden vor allem verschiedenen Formen von Luftverschmutzung wie saurer Regen, zu hohe Konzentrationen von Stickoxiden, Ozon usw. erkannt. Durch strengere Bestimmungen in der Umweltschutzgesetzgebung konnten die Emissionen dieser Gase und Stoffe und damit die Luftverschmutzung zum Teil deutlich reduziert werden. Während die Baumsterberate sich seither auf tiefem Niveau stabilisiert hat, haben die Kronenverlichtungen kontinuierlich zugenommen. Dies dürfte vor allem auch auf eine Überlagerung durch die Wirkungen des Klimawandels zurückzuführen sein. Es wird vermutet, dass gewisse Nachwirkungen der früheren stärkeren Luftverschmutzung in den Waldböden wie die Versauerung oder die Stickstoffanreicherung die direkten Wirkungen des Klimawandels noch verstärken könnten. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seit 1985 wird Gesundheitszustand des Waldes in der Schweiz von der «Sanasilva-Inventur» mit einem systematischen Probeflächennetz erfasst und seit 1994 wurden auf 19 Probeflächen eine «langfristige Waldökosystemforschung LWF» eingerichtet. Die Resultate dieser Untersuchungen werden im Waldbericht des Bafu (letztmals 2015) und alljährlich im Jahrbuch Wald und Holz publiziert. Siehe auch Informationen und Veröffentlichungen des [https://www.iap.ch/wald.html Instituts für angewandte Pflanzenbiologie]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Informationen:&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/technik-und-planung/waldinventur/die-sanasilva-inventur Sanasilva - Waldökosysteme erforschen]&lt;br /&gt;
* [https://www.waldwissen.net/de/technik-und-planung/waldinventur/35-jahre-waldschadensforschung Waldschadensforschung]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einsatz von chemischen Stoffen und Streusalzwirkung'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Chemische Stoffe wie Dünger oder Pestizide (Pflanzenschutzmittel) sind im Wald grundsätzlich verboten, Ausnahmen müssen vom Kanton bewilligt werden. Das Waldgesetz (WaG) verbietet im Art. 18 grundsätzlich die Verwendung von &amp;quot;umweltgefährdenden Stoffen&amp;quot; und verweist für die Ausnahmen auf das Umweltschutzgesetz (USG). Die genauen Regeln sind gemäss Waldverordnung (WaV) Art. 25 in der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) aufgeführt. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Kalkung von sauren Waldböden, welche etwa in Deutschland noch häufig angewendet wird, ist implizit verboten. Sie hat in der Schweiz aber sowieso keine forstliche Tradition.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die massive Verwendung von Streusalz verursacht vor allem bei Strassen-, Allee- und Parkbäumen oft grosse Schäden. Im Wald sind Salzschäden hingegen kein Thema. Nur in seltenen Fällen sieht man entlang von viel befahrenen Strassen durch den Wald, manchmal stärkere Schäden an Randbäumen, welche durch salzige Gischt verursacht werden. Betroffen sind dabei vor allem immergrüne Nadelbäume wie Fichte oder Föhre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bodenverdichtung'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit zunehmender Rationalisierung und Mechanisierung werden bei der Holzernte bzw. beim Rücken immer grössere und schwerere Forsterntemaschinen eingesetzt. Dies hat unbestreitbare Vorteile aus ökonomischer Sicht und für eine deutlich erhöhte Arbeitssicherheit. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für viele Waldböden sind diese Maschinen aber zu schwer und verursachen in den Rückegassen und sonstigen Fahrspuren oft starke, irreversible Bodenverdichtungen und/oder Erosionsspuren. Bodenverdichtungen können vor allem in feinkörnigen Böden die Durchlüftung bis in mehrere Dezimeter Tiefe stark einschränken. Die Folge sind sauerstoffarme Bereiche, welche das Bodenleben ebenso wie den Wurzelraum und somit die Bodenfruchtbarkeit einschränken. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ideal sind aus diesen Gründen Holzernten bei trockenen oder gefrorenen Böden und Fahrunterlagen. Dies ist aus meteorologischen und organisatorischen Gründen jedoch häufig nicht möglich.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine gute Vorbereitung des Arbeitsverfahrens kann viel zur Verminderung solcher Schäden beitragen:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* klare Markierung und Nutzung der Rückegassen&lt;br /&gt;
* Verstärkung der Rückegassen durch Ast- oder Reisigteppiche&lt;br /&gt;
* Verteilung des Druckes auf eine grössere Fläche durch breitere Reifen, niedrigeren Luftdruck oder Raupenbänder&lt;br /&gt;
* günstige Boden- und Witterungsbedingungen (trocken, gefroren) berücksichtigen&lt;br /&gt;
* besondere Vorsicht und ev. Rücken mit Seilzügen in Feucht- oder Nasswäldern, sowie Moorwäldern &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Viel Forstbetriebe bemühen sich um einen effektiven Bodenschutz bei der Holzernte. Es gibt leider aber auch immer wieder abschreckende Beispiele und Bilder nach Holzernten.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Literatur &amp;amp; Links: &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- WSL-Merkblatt Praxis.45.3_Physik. Bodenschutz Wald_(2019).pdf&lt;br /&gt;
∂- WSL-Ber_006 (2013)_Forum für Wissen 2013-Bodenschutz im Wald.pdf&lt;br /&gt;
§- Bodenschutz beim Einsatz von Forstmaschinen | waldwissen.net_2019 &amp;gt;&amp;gt;.webloc --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schadorganismen'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben abiotischen Ursachen verursachen vor allem auch verschiedenste Organismen Waldschäden und Baumkrankheiten. Pilze, Viren, Nematoden, Bakterien oder Insekten können Schäden verschiedensten Ausmasses auslösen und einzelne Baumarten oder ganze Wälder beeinträchtigen oder im Extremfall absterben lassen. Viele dieser Organismen sind ein Bestandteil des Waldökosystems und so eingeregelt, dass sie unter normalen Bedingungen keine relevanten Schäden verursachen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem ständig vorhandenen «eisernen Bestand» an potentiellen Schädlingen in einem Wald. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aussergewöhnliche Ereignisse etwa in Form von Stürmen und Orkanen, lange andauernden Trockenperioden oder massiver Luftverschmutzung können insbesondere die Bäume so schwächen, dass sie anfälliger werden auf den Befall durch diese Organismen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schadorganismen und Schadensymptome (unvollständige Aufzählung) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [http://www.borkenkaefer.ch/ Borkenkäfer-Kalamitäten]&lt;br /&gt;
* andere Insekten-Kalamitäten (z.B. durch die Nonne, ein Nachtfalter)&lt;br /&gt;
* Artspezifische Nadelkrankheiten, Laubblattkrankheiten und Triebsterben durch Ascomyceten oder Rostpilze (Basidiomyceten)&lt;br /&gt;
* Ulmenwelke (durch Ascomycet ''Ophiostoma ulmi'')&lt;br /&gt;
* Artspezifische Baumkrebse durch Bakterien, Ascomyceten oder Rostpilze (Basidiomyceten)&lt;br /&gt;
* Stammfäulen durch Holz zersetzende Pilze&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''«Schäden»: Chance oder Gefahr für die Biodiversität?''' &amp;lt;br /&amp;gt; Was ein «Schaden» ist eine Frage der Perspektive. Aus ökonomischer Sicht beeinträchtigen die Schadorganismen und Krankheiten den Wert des Holzes, aus ökologischer Sicht kann die Beurteilung eine entgegengesetzte sein. Schäden können auch die Schutzfunktion beeinträchtigen. Hinsichtlich Förderung der Biodiversität braucht es wohl eine differenzierte Betrachtung. So kann z. B. das Absterben von Bäumen den erwünschten Effekt von mehr Totholz bewirken, andererseits verlieren die auf diese Bäume angewiesenen Arten (z. B. Pilze, Moose, Flechten) ihren Lebensraum.&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Neue Bedrohungen durch Neobiota'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aufgrund des intensiven globalen Handels gelangen auch immer wieder fremde Organismen als &amp;quot;blinde Passagiere&amp;quot; von anderen Kontinent nach Europa. Während sie in ihren angestammten Ökosystemen aufgrund der Kontrolle durch natürliche Feinde und Parasiten oft kaum Schäden anrichten, fehlen solche Kontrollmechanismen am neuen Ort und die eingeschleppten Organismen können sich ungehindert vermehren und massive Schäden anrichten oder bestehende Artengemeinschaften konkurrenzieren. Sich rasch und massiv verbreitende Organismen mit schädlichen Wirkungen aus anderen Kontinenten werden als invasive Neobiota bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beispiele''':&lt;br /&gt;
* Kastanienrindenkrebs (durch Pilz ''Cryphonectria parasitica'')&lt;br /&gt;
* Eschentriebsterben (durch Pilz ''Hymenoscyphus fraxineus''; plötzlicher Eichentod (''Phytophthora ramorum'') )&lt;br /&gt;
* Edelkastanien-Gallwespe (''Dryocosmus kuriphilus'')&lt;br /&gt;
* Asiatischer Laubholzbockkäfer (''Anoplophora glabripennis'')&lt;br /&gt;
* Götterbaum (''Ailanthus altissima''), &lt;br /&gt;
* Essigbaum (''Rhus typhina'')&lt;br /&gt;
* Japanischer Knöterich (''Reynoutria japonica'')&lt;br /&gt;
* Immergrünes Geissblatt (''Lonicera henryi'')&lt;br /&gt;
* Sommerflieder (''Buddleja davidii'')&lt;br /&gt;
* Armenische Brombeere (''Rubus armeniacus'')&lt;br /&gt;
* Kanadische Goldruten (''Solidago canadensis'', ''Solidago serotina'')&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bafu bietet mit der [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wald/publikationen-studien/publikationen/vollzugshilfe-waldschutz.html Vollzugshilfe Waldschutz] und mit zahlreichen Merkblättern praxisorientierte Informationen und Hilfen zum Umgang zu besonders gefährlichen Schadorganismen an.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Literatur noch auflisten &amp;lt;/span&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Littérature &amp;amp; liens : &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
£- BUTIN&amp;amp;ZYCHA_1973_Forstpathologie &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
£- BENZ&amp;amp;ZUBER_1997_Forstinsekten der Schweiz &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
£- BRAUNS_1991_Taschenbuch der Waldinsekten &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- Bafu_UV1801_Vollzugshilfe Waldschutz_Richtlinien Umgang Schadorganismen_v2020.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- WSL-Ber_089 (2020)_QUELOZ&amp;amp;&amp;amp;_Waldschutzüberblick 2019.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- WSL-Merkblatt Praxis.18(3)_Buchdrucker.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- WSL-Merkblatt Praxis.19_Borkenkäfer Feinde.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- WSL-Merkblatt Praxis.20(2)_Ulmenwelke.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- WSL-Merkblatt Praxis.50.2_Invasive Laubholz-Bockkäfer.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- WSL-Merkblatt Praxis.54_Kastanenrindenkrebs_(2014).pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂- WSL-Merkblatt Praxis.57_Eschentriebsterben_(2016).pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
∂ - Bafu_UD1092_Best.hilfe asiatischer Laubholzbockkäfer_2015.pdf &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
§- Bafu-www_Gefährliche Schadorganismen für den Wald_2020 &amp;gt;&amp;gt;&amp;gt;.webloc (https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wald/fachinformationen/belastungen-im-schweizer-wald/gefaehrliche-schadorganismen-fuer-den-wald.html) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
§- Vollzugshilfe Waldschutz | waldwissen.net_2018 &amp;gt;&amp;gt;.webloc &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
§- Bafu-www_Asiatischer Laubholzbockkäfer_2020 &amp;gt;&amp;gt;.webloc &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
§- Edelkastanien-Gallwespe in der Schweiz | waldwissen.net_2015 &amp;gt;&amp;gt;.webloc &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
§- Götterbaum-Ausbreitung in der CH | waldwissen.net_2015 &amp;gt;&amp;gt;.webloc &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
§- Invasive und neue Arten | waldwissen.net_2019 &amp;gt;&amp;gt;.webloc &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
§- www.borkenkaefer.ch/ --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Praxisrelevante Wissenslücken ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgend sind Themen aufgeführt, zu welchen (teilweise) Wissenslücken bestehen. Die Liste ist nicht abschliessend:&lt;br /&gt;
* Über die Verbreitung und Lebensraumansprüche der (Ziel-)Arten und unser Wissen über die biologische Vielfalt im Schweizer Wald ist alles andere als vollständig.&lt;br /&gt;
* Zu Drainagen und Entwässerungsgräben im Wald ist wenig bekannt. Für die Förderung von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder#Ausscheidung.2C_Sicherung_und_F.C3.B6rderung_von_Nass-.2C_Moor-_und_Feuchtw.C3.A4ldern Feuchtwälder] wäre dies aber eine wichtige Grundlage.&lt;br /&gt;
* Einfluss der Energieholznutzung auf die Waldbiodiversität: Dieser sollte analysiert und die Entwicklung verfolgt werden &lt;br /&gt;
* Die Invasivität der Douglasie &lt;br /&gt;
* Bemerkung: Von der Arbeitsgruppe Waldbiodiversität des Schweiz. Forstvereins gibt es eine Liste zu Forschungsfragen im Zusammenhang mit Lichtem Wald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- = Literatur =&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; Liste noch erstellen &amp;lt;/span&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autor:innen =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || Markus Bichsel|| Atragene&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| [https://www.wsl.ch/de/mitarbeitende/bollmann.html Kurt Bollmann] || [https://www.wsl.ch/de/ueber-die-wsl/organisation/forschungseinheiten/biodiversitaet-und-naturschutzbiologie.html Biodiversität und Naturschutzbiologie, WSL] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Ueli Bühler ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Josephine Cueni || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Lesly Helbling ||  [https://www.pronatura.ch/de Pro Natura]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Rolf Stricker || [http://www.bauma.ch/de/ Revierförster, Gemeinden Bauma und Wila, Kanton Zürich] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Feuchtgebiete&amp;diff=4729</id>
		<title>Feuchtgebiete</title>
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				<updated>2024-07-09T15:19:43Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Zones humides]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = 2.3.1_Pfeifengraswiese_Molinion_180518_060_zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.biodivers.ch Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation|| Dezember 2022 &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
= Das Wesentliche kompakt =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Einleitung =&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Ökologie =&lt;br /&gt;
Feuchtgebiete und Moore lassen sich im Wesentlichen durch ihre Entstehungsgeschichte, die standörtlichen Verhältnisse, die Lebensraum- und Artengemeinschaften und die Nutzung charakterisieren (siehe Abbildung). In diesem Kapitel wird auf diese prägenden Faktoren eingegangen.&amp;lt;!-- In den Grundlagen werden ausgewählte Themen vertieft abgehandelt.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = praegende_faktoren_de_zg.png&lt;br /&gt;
| text = Prägende Faktoren der Moore gemäss Wagner und Wagner, 2003, S. 61, abgeändert und ergänzt mit Boden und Relief. Succow und Joosten, 2001 bezeichnen Substrat, Wasser, Relief und Vegetation als wesentlichen Geokomponenten der Moore.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Abiotische Faktoren ==&lt;br /&gt;
Die abiotischen Faktoren entscheiden darüber, ob ein Moor entstehen kann. Unsere von den Eiszeiten geprägte Naturlandschaft liess Moore wachsen, wo die Bedingungen dafür gegeben waren. Entscheidender Faktor war und ist die permanente Versorgung mit (genügend und qualitativ gutem) Wasser. &lt;br /&gt;
Die Kenntnis der massgeblichen (abiotischen) Faktoren ist der Schlüssel für das Verständnis eines Moors. Nachfolgend wird auf die wichtigsten abiotischen Faktoren Wasserhaushalt (Hydrologie), Boden, Nährstoffe sowie chemische und physikalische Eigenschaften eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Boden ==&lt;br /&gt;
Während der letzten Eiszeit war die Schweiz mehrheitlich von Eis bedeckt.  Nach dem Rückzug der Gletscher wirkten auf die kahlen Rohböden sowohl physikalische als auch chemische und biologische Prozesse, die das Gestein zerkleinerten und die mineralischen Partikel teilweise auflösten und umgestalteten. Erste Pflanzen konnten sich ansiedeln. Diese Bodenbildungsprozesse sind seit dem Gletscherrückzug bis heute wirksam. Durch das natürlicherweise leicht saure Regenwasser und die von Wurzeln abgegeben Säuren verwittert das Muttergestein und Mineralien werden aufgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodenbildung ist ein komplexer Vorgang, bei dem viele Faktoren eine Rolle spielen. Auf [https://www.wsl.ch/de/publikationen/den-waldboden-verstehen-vielfalt-und-funktion-der-waldboeden-in-der-schweiz.html Seite 3 des Merkblatts «Den Waldboden verstehen: Vielfalt und Funktion der Waldböden in der Schweiz» (WSL, 2021)] sind die Bodenbildungsfaktoren, Bodenbildungsprozesse sowie die Bodenmerkmale und -eigenschaften übersichtlich dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je nach Gegebenheiten haben sich unterschiedliche Bodentypen entwickelt. Die Feuchtgebiete kommen auf den wassergeprägten mineralischen Böden ([https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Bodentyp Pseudogleye und Gleye]) und den Moorböden vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Boden beeinflusst mit seinen chemischen und physikalischen Eigenschaften die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Hydrologie Hydrologie] und somit auch die Vegetation eines Standorts (vgl. auch nachfolgende Tabelle).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tabelle: [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Lebensr.C3.A4ume Vegetationstypen] und Bodentypen&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Moortyp&lt;br /&gt;
! Vegetationstyp&lt;br /&gt;
! Bodentyp&lt;br /&gt;
! Quelle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| Schilfröhrichte (im Verlandungsbereich grösserer Stillgewässer; in Seesedimenten wurzelnd; basisch bis neutrale Bedingungen)&lt;br /&gt;
| Anmoorgley, &amp;lt;br /&amp;gt; Torfanmoor, &amp;lt;br /&amp;gt; Flachmoor&lt;br /&gt;
| Wagner und Wagner, 2003 (S. 93); &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| Grossseggenried (im Verlandungsbereich grösserer Stillgewässer; basisch bis neutrale Bedingungen)&lt;br /&gt;
| Anmoorgley, Torfanmoor, Flachmoor&lt;br /&gt;
| Klötzli, 1969 (S. 85); &amp;lt;br /&amp;gt; Wagner und Wagner, 2003 (S. 93); &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| Pfeifengraswiesen&lt;br /&gt;
| Basische und saure Mineralböden; &amp;lt;br /&amp;gt; Anmoore (&amp;quot;Humusböden&amp;quot;&amp;quot;);&amp;lt;br /&amp;gt; wechselfeuchte Gleyböden&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch, Kap. 2.2.2; &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| Dotterblumenwiesen&lt;br /&gt;
| Anmoor-Gley oder Gley, teilweise Torfböden&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch, Kap. 2.2.3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| Hochstaudenriede&lt;br /&gt;
| Gley oder vergleyte Braunerde, anmoorig; &amp;lt;br /&amp;gt; Gleyböden oder wechselfeuchte Pseudogleyböden&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch, Kap. 2.2.3; &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| basische und saure Kleinseggenriede&lt;br /&gt;
| Pseudogley und Fahlgley, (anmoorige) Torfböden; &amp;lt;br /&amp;gt; Niedermoortorfböden; &amp;lt;br /&amp;gt; saure Kleinseggenriede: anmoorige Mineralböden, Torfanmoore, Torfgyttja, basische Kleinseggenriede: kalkreiche Gleyböden&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch Kap. 2.3.1; &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz; &amp;lt;br /&amp;gt; Klötzli 1969 (S. 102f.)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Übergangsmoor&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| Torfböden &amp;lt;!-- mineralische Böden? --&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch Kap. 3.1.1&amp;lt;!--: (Übergangsmoore zählen zu den Ombro-minerogenen Mooren mit gemischtem Mineralbodenwasser- und Regenwasserregime)--&amp;gt;; &amp;lt;br /&amp;gt; Klötzli 1969 (S. 151)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Hochmoor&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| Torfböden&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch Kap. 2.1.1; &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Torf ===&lt;br /&gt;
Bei allen torfbildenden Faktoren spielt der '''Wasserüberschuss''' des Standortes eine zentrale Rolle. Natürliche Torfmoore zeichnet das Vorkommen von Torf, ständige Nässe und das kontinuierliche höher Wachsen des Bodens aus.   Die Art der Torfbildung ist Ergebnis von Wasserangebot, Geländerelief und hydrologischen Eigenschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überall in der Natur unterliegen abgestorbene pflanzliche und tierische Reste (organische Substanz) Zersetzungsprozessen, durch die sie abgebaut oder in andere Substanzen umgewandelt werden. Die wesentlichen Zersetzungsvorgänge sind '''Mineralisierung''' und '''Humifizierung'''. Mineralisierung umfasst alle Prozesse, bei denen das organische Material zu einfachen anorganischen Substanzen (im Wesentlichen Mineralien, Kohlendioxid und Wasser) abgebaut wird. Humifizierung bezeichnet alle Vorgänge, durch die organisches Material in braun bis schwarz gefärbte Humussubstanzen (Huminstoffe) umgewandelt wird. Da die meisten zersetzenden Organismen Sauerstoff für ihre Tätigkeit benötigen, ist der Abbau in wassergesättigten Standorten stark eingeschränkt. Unter solchen Bedingungen ist die Produktion von organischer Substanz größer als deren Abbau. Folglich kommt es zu einer Anreicherung von unvollständig zersetztem organischem Material - im wesentlichen Pflanzenresten -, die den für Moore kennzeichnenden '''Torf''' bilden. Demgemäss ist Torf ein auf wassergesättigten Standorten angereichertes, sedentäres (von unten nach oben aufwachsendes) Substrat. Der organische Anteil besteht dabei überwiegend aus abgestorbenen, unvollständig zersetzten Pflanzenresten und ihren Umwandlungsprodukten, den Huminstoffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Torf''' enthält über 30% organische Substanz, '''Anmoor''' als Humusform zwischen 15% und 30%, während beim Mull weniger als 15% organisch sind (Bemerkung: Die weiteren Humusformen sind Rohhumus und Moder). Völlig wassergesättigte Torfe können bis zu 97 Volumen-Prozent Wasser enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland werden die botanischen Torfarteneinheiten '''Moostorfe, Kräutertorfe, Reisertorfe, Holztorfe''' und '''amorphe Torfe''' unterschieden, bei den bodenkundlichen Torfartengruppen Hoch-, Übergangs- und Niedermoortorfe. Die Grundlage für die botanische Torfgliederung sind die torfbildenden Vegetationsgemeinschaften (z. B. von Moosen oder Wollgräsern oder Schilf dominierte Vegetation). Weitergehende Informationen können dem Buch «Steckbriefe Moorsubstrate» (Luthardt et al. 2011) entnommen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In wachsenden Hochmooren akkumuliert sich pro Jahr bis 1 Millimeter Torf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Beurteilung von Mooren und deren Regeneration ist die Kenntnis der wichtigsten physikalischen und chemischen Eigenschaften der Torfe von Bedeutung. Dazu zählen die Wasserleit- und Wasserspeicherfähigkeit, der  Zersetzungsgrad, der pH-Wert oder das Kohlenstoff/Stickstoff- (C/N)-Verhältnis.&amp;lt;!-- Weitergehende Informationen dazu können den Moorstandardwerken entnommen werden &amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; (#auf Literaturverzeichnis; Moorsubstrate, Göttlich, Succow/Joosten, Klötzli). &amp;lt;/span&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Mooren findet man manchmal '''Mudden'''. Es handelt sich dabei um Seesedimente mit einem organischen Anteil von mindestens 5 Prozent. Weitere Informationen zu Mudden siehe z. B. ab Seite 32 in «Steckbrief Moorsubstrate» (Luthardt et al. 2011).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Akrotelm und Katotelm=== &amp;lt;!--(Quellen: Moorhandbuch, Kap. 3.1.2, Zerbe (Renaturierung von Ökosystemen in Mitteleuropa), Succow/Joosten; ev. als Box; Bemerkung: zu Akro- und Katotelm nicht auf das Moorhandbuch verlinken, weil zu theoretisch und weil das Kapitel zur Hydrologie viel zu unvollständig ist, z. B. keine Angaben zu Wasserständen) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein ungestörtes, wachsendes Hochmoor ist aus zwei Schichten aufgebaut. Die obere, Schicht wird als Akrotelm bezeichnet. Darunter liegt das Katotelm. Das Katotelm kann über 10 m mächtig sein und besteht aus abgestorbenem Pflanzenmaterial (Torf) und Wasser. Das Akrotelm besteht v. a. aus einem dichten elastischen Geflecht lebender, luftführender Pflanzenwurzeln. Die organische Substanz ist relativ locker gelagert. Die Wasserdurchlässigkeit ist horizontal, welche mit zunehmender Tiefe rasch abnimmt, weil das organische Material in den tieferen Schichten immer stärker komprimiert wird. Deshalb fliesst in einem intakten Akrotelm überschüssiges Wasser schnell, aber diffus ab, ohne z. B. Erosion zu verursachen. Als Grenze zwischen Akro- und Katotelm gilt jener Bereich, über dem sich die Wasserverhältnisse und Abbauprozesse rasch ändern und unter dem die Verhältnisse weitgehend stabil bleiben. Der Wasserstand sinkt nicht unter die stärker komprimierten Schichten ab, mit folglich relativ stabilem Wasserstand. Im Katotelm, mit relativ geringer biologischer Aktivität, entstehen durch Wachstum und Absterben von Pflanzenteilen die frischen organischen Substanzen. Nur wenige Torfarten können ein funktionierendes Akrotelm mit diesen Eigenschaften aufbauen («Ökosystem-Ingenieure»: ''Sphagnum magellanicum, S. papillosum, S. imbricatum, S. fuscum, S. rubellum'').&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Weitergehende Informationen zu Akro- und Katotelm hat es zum Beispiel in Succow und Joosten, S. 42ff. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Literatur und Links zu Boden ===&lt;br /&gt;
* Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 2010. Klassifikation der Böden der Schweiz: Profiluntersuchung, Klassifikationssystem, Definitionen der Begriffe, Anwendungsbeispiele, 3. Auflage. ed. BGS: Wichtige Grundlage für die Kartierung von Böden in der Schweiz mit Fachleuten als Zielpersonen. Ausführlich und eher schwer verständlich.&lt;br /&gt;
* Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 1996. Schlüssel zur Klassifikation der Bodentypen der Schweiz: Die Bodentypen der Schweiz vereinfacht und übersichtlich dargestellt.&lt;br /&gt;
* [https://www.dora.lib4ri.ch/wsl/islandora/object/wsl:27078/datastream/PDF Walser, M., 2021. Den Waldboden verstehen: Vielfalt und Funktion der Waldböden in der Schweiz, Merkblatt für die Praxis / Eidgenössische Forschungsanstalt WSL 68. Eidg. Forschungsanstalt WSL, Birmensdorf]: Das Merkblatt bezieht sich zwar auf den Wald, ist aber weitgehend allgemeingültig und fasst Relevantes zum Boden gut verständlich zusammen. Es handelt aber nicht alle in der Schweiz vorkommenden Bodentypen ab, insbesondere die für Moore wichtigen organischen Böden werden nur kurz abgehandelt. &amp;lt;!-- französische Version: [https://www.wsl.ch/de/publikationen/comprendre-la-diversite-et-les-fonctions-des-sols-forestiers-en-suisse.html Walser, M., 2021. Comprendre la diversité et les fonctions des sols forestiers en Suisse, Notice pour le praticien / Institut fédéral de recherches WSL 68. Institut fédéral de recherches WSL, Birmensdorf] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://e-docs.geo-leo.de/handle/11858/8054 Steckbriefe Moorsubstrate, 2. Auflage, 2015. Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (Hrsg.): Umfassendes und reich bebildertes Werk zu Moorböden. Für Moorkundler:innen eine sehr wertvolle Grundlage]. &lt;br /&gt;
* Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 1996. Bestimmungsschlüssel© (BGS / 1996), Unterscheidung nach den hierarchischen Klassifikationskriterien: Bestimmungsschlüssel für die Böden der Schweiz mit Fachleuten als Zielpersonen.&lt;br /&gt;
* Amelung, W., 2018. Scheffer/Schachtschabel Lehrbuch der Bodenkunde, 17., überarbeitete und ergänzte Auflage. ed, Lehrbuch. Springer Spektrum, Berlin: Standardwerk zur Bodenkunde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hydrologie ==&lt;br /&gt;
=== Wasserhaushalt und Wasserstände ===&lt;br /&gt;
Wasser ist das Lebenselixier der Moore. Bedingungen und Prozesse in Mooren sind in besonderer Weise vom Wasserhaushalt abhängig. In einem natürlichen Moorsystem sind die hydrologischen Bedingungen das Resultat aus geologischen, edaphischen, topografischen und klimatischen Bedingungen (siehe Abbildung unten).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ans Moor angrenzende oder direkte menschlichen Aktivitäten wie Veränderungen des Wassereinzugsgebietes, intensive Nutzungen, Entwässerungen der Moore, Veränderungen der Topografie (Torfabbau) oder auch die Ein- und Durchleitung von Drainagen haben oft einen starken Einfluss auf die Hydrologie von Mooren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wasserhaushalt seinerseits beeinflusst die Vegetation, die Nährstoff- und pH-Verhältnisse sowie die Art und Abfolge der gebildeten Substrate (Humusformen, z. B. Torf, siehe Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Boden «Boden»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche, meist langjährig gemessene Grundwasserstände in Hoch- und Niedermooren lassen einen ausgeprägten Jahresgang erkennen mit Maxima im Winter und Minima ausgangs des Sommers. Im Frühjahr und Sommer zehrt die Verdunstung, im Herbst und Winter nährt der Niederschlag das im Moor meist oberflächennahe Grundwasser. Der Jahresgang kann durch Witterungseinflüsse mehr oder weniger überdeckt sein. Klötzli (1969) hat Höchststände von März bis Mai und Tiefststände von August bis Oktober gemessen. Er hat sehr viele Streuwiesen im östlichen Schweizer Mittelland auf ihren Wasserstand untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Media:grosvernier_etal_2009_S15_de.pdf|Grosvernier et al. (2009, Regeneration von Hochmooren: Grundlagen und technische Massnahmen)]] zeigen Beispiele von Ganglinien verschiedener Moortypen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Torfmooren hat der Wasserstand entscheidenden Einfluss auf die Torfbildung:&lt;br /&gt;
* '''Absinktiefe und -dauer''' entscheiden massgeblich über Torfbildung bzw. –abbau, weil mit zunehmender Tiefe und Dauer der Belüftung der Torfe die Tendenz zur Mineralisation steigt.&lt;br /&gt;
* '''Absinkgeschwindigkeit''': Der Wasserspiegel kann pro Tag bis über 4 cm absinken. &lt;br /&gt;
* '''Torfakkumulation''': Damit Torf akkumuliert wird, das Moor also wächst, muss das Wasser im langfristigen Mittel nahe an, in oder über der Oberfläche stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Wir haben eine Tabelle zusammengestellt mit vegetationsbezogenen Angaben zum Wasserstand, zur Bodenreaktion und zur Leitfähigkeit.--&amp;gt; &amp;lt;!-- Das Kapitel Grundlagen enthält weitergehende Informationen zur Hydrologie. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Schweizer Flachmoore sind oft von vielen Gräben durchzogen, die zur Bewirtschaftung angelegt worden sind. Gräben entwässern ihre Umgebung. Sie tun dies vor allem in Abhängigkeit der Lage im Gelände und des Bodenaufbaus. Hangparallele Gräben entwässern die tiefergelegenen Flächen, während der Einfluss hangvertikaler Gräben geringer ist. Bodensubstrate sind sehr unterschiedlich wasserdurchlässig. Bei Torfen sind der Torftyp und der Zersetzungsgrad wichtige Einflussgrössen, bei mineralischen Böden das Verhältnis von Ton, Sand und Schluff&amp;lt;!-- Verweis auf Grundlagen--&amp;gt;. Je grobkörniger der Boden, desto wasserdurchlässiger ist er. Durch Sand fliesst entsprechend ziemlich viel Wasser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = hydrologie de.png&lt;br /&gt;
| text = Einflussfaktoren auf die Hydrologie (nicht abschliessend)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wassereinzugsgebiet ===&lt;br /&gt;
Moore werden durch das Einzugsgebiet und den Niederschlag mit Wasser gespeist. Nur [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Hoch-_und_.C3.9Cbergangsmoore Regenmoore] werden ausschliesslich mit Niederschlag versorgt. Das hydrologische Einzugsgebiet ist durch Wasserscheiden begrenzt. Die Wasserspeisung eines Moors ist in Menge, Qualität und zeitlicher Verteilung von der räumlichen Ausdehnung sowie der pedologischen, geologischen und Nutzungsstruktur seines Einzugsgebiets abhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Projekts [https://marais.ch/de/home.html «Erhaltung der Wasserressourcen im Einzugsgebiet von Moorbiotopen von nationaler Bedeutung»] wurde eine Methode entwickelt zur Abgrenzung von hydrologischen Pufferzonen. Auf dem Weg dahin wird unter anderem das Einzugsgebiets beurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wassereinzugsgebiet ist eine wichtige Einflussgrösse und deren Charakterisierung relevant für das Verständnis und die Bedingungen in den Moorbiotopen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nährstoffökologie und chemische Eigenschaften ==&lt;br /&gt;
Die Angaben zur Nährstoffökologie beziehen sich hauptsächlich auf Torfmoore, da die Grundlagenliteratur darauf fokussiert. In diesem Kapitel wird nur auf die wesentlichen Aspekte von Nährstoffen und chemischen Eigenschaften eingegangen. Ausführliches kann in der angegebenen Literatur nachgelesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Moore sind natürlicherweise überwiegend nährstoffarm''', weil ein beträchtlicher Anteil der mit dem Grund-, Oberflächen- oder Niederschlagswasser zugeführten Ionen im Torf festgelegt wird und daher für Pflanzen nicht oder nur eingeschränkt verfügbar ist. Bei Hochmooren ist ausschliesslich der atmosphärische Eintrag von Bedeutung, in Niedermooren beziehungsweise im Lagg von Hochmooren überlagern sich die Einflüsse von Grund-, Oberflächen- und Niederschlagswasser. Einzig die Moore der Flusstäler mit grossem Einzugsgebiet sind etwas nährstoffreicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stickstoff, Phosphor und Kalium === &lt;br /&gt;
Die Hauptnährstoffe sind '''Stickstoff, Phosphor und Kalium''', wobei '''Stickstoff der wichtigste Pflanzennährstoff ist'''. Stickstoff wird von den Pflanzen vor allem als Nitrat oder Ammonium aufgenommen.   Wachstumslimitierend wirken in vielen terrestrischen und aquatischen Ökosystemen in erster Linie Stickstoff und Phosphor, in seltenen Fällen (organische Nassböden) auch Kalium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stickstoff und Phosphor sind zum grössten Teil organisch gebunden und damit nur sehr eingeschränkt pflanzenverfügbar.   Die Immobilisation von Stickstoff erfolgt v. a. bei der mikrobiellen Huminstoffbildung. Phosphor ist in der Bodenlösung von Torfen unter reduzierenden Bedingungen häufig nur zu einem geringen Anteil pflanzenverfügbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In genutzten Mooren ist der Entzug von Phosphor durch die Ernte eine wichtige Austragsgrösse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Torfe enthalten deutlich weniger Kalium als Mineralböden. Aufgrund der grossen Kaliummenge in der Vegetation im Vergleich zum Bodenvorrat weisen Moore mit Schnittnutzung häufig eine negative Kaliumbilanz auf. In natürlichen und naturnahen Mooren gibt es hingegen keine Kaliumlimitierung des Pflanzenwachstums. Weil kein Kaliumentzug durch Ernte von Biomasse stattfindet, ist der Kaliumkreislauf in ungestörten Mooren weitgehend geschlossen.&lt;br /&gt;
Die Pflanzen haben sich auf vielfältige Art an die nährstoffarmen Bedingungen in den Mooren angepasst. Darauf wird im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Pflanzen entsprechenden Kapitel] eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Stickstoffeinträge aus der Luft (N-Deposition)''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stickstoffeinträge über Niederschläge in anthropogen wenig beeinflussten Gebieten betragen etwa '''1 kg N pro Hektar und Jahr'''. In weiten Teilen Mitteleuropas beträgt der Eintrag heute '''10-25 kg N pro Hektar und Jahr''' (bis zu 80 kg N pro Hektar und Jahr). Hinzu kommen Einträge durch trockene Deposition und Nebel (insgesamt 20-50 kg N pro Hektar und Jahr).  In Hochmooren sind die Gesamt-Stickstoff-Frachten die wesentliche Eintragsquelle. Auf bewaldeten Moorflächen erfolgt gegenüber offenen Moorstandorten eine Anreicherung auf das bis zu 2.5fache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== pH ===&lt;br /&gt;
Für die Ökologie von Moorstandorten und damit die natürliche Vegetation sind neben den trophischen Bedingungen (Nährstoffe) die pH-Verhältnisse von Bedeutung.&lt;br /&gt;
Succow und Joosten (2001) unterscheiden acht pH-Stufen (siehe Tabelle). Bei einem pH-Wert grösser als 6.4 ist Calciumcarbonat vorhanden und die Standorte dadurch von einer grösseren Zahl von «Kalkmoor»-Pflanzen gekennzeichnet. Der Bereich zwischen pH 4.8 und 6.4 ist basenreich. Hier ist der Schwerpunkt des Auftretens von Braunmoosen. Der saure Bereich mit tieferen pH-Werten als 4.8 ist charakteristisch für die meisten Torfmoosarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Säure-Basen-Stufen gemäss Succow und Joosten 2001 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Säure-Basen-Stufen gemäss Succow und Joosten, 2001&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Leitfähigkeit === &lt;br /&gt;
Die elektrische Leitfähigkeit ist ein Mass für die Summe aller im Wasser gelösten Ionen mit Ausnahme der Wasserstoffionen. Durch die negativen oder positiven elektrischen Ladungen der Ionen (z. B. Calcium, Nitrat, Phosphat) wird ein Stromfluss im Wasser ermöglicht, den man sich bei der Messung der elektrischen Leitfähigkeit zunutze macht. Eine hohe Leitfähigkeit bedeutet folglich eine hohe Ionenkonzentration und umgekehrt. In Moorökosystemen kann ein hoher Ionengehalt durch Eintrag mineralstoffreichen Grundwassers, durch oberirdische Einträge von Pflanzennährstoffen aus landwirtschaftlich genutzten Gebieten oder durch Torfzersatz verursacht werden. PH-Wert und Leitfähigkeit sind häufig, aber nicht immer positiv korreliert (z. B. nicht bei pH-Werten unter 4).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Messung der '''elektrischen Leitfähigkeit''' hat sich in der Praxis gut bewährt, um die vorkommenden Vegetationstypen nachvollziehen zu können oder Einflüsse von mineralstoffreichem Wasser zu erkennen.&amp;lt;!-- Das Wissen zu elektrischen Leitfähigkeiten ist in einer Tabelle zusammengefasst (#Link auf Tabelle_Vegetationstyp_Parameter.xlsx)--&amp;gt; Regengespeiste Hochmoore zeigen Werte unter 40 µS/cm (bei Göttlich 30 µS/cm) mit niedrigsten Werten in ungestörten Torfmoosbeständen mit grossen Torfmächtigkeiten. Leicht höhere Werte zeigen bereits den Einfluss von mineralischem Wasser und sind in Übergangsmooren anzutreffen. Flachmooren zeigen Werte über 200 µS/cm je nach Leitfähigkeit von Oberflächen- oder Grundwasser. Aufstossendes Wasser aus basenreichen Bodenschichten kann sehr hohe Werte aufweisen (z.B. 800 µS/cm), was oft in kalkreichen Kleinseggenrieden zu finden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lebensräume ==&lt;br /&gt;
Die Feuchtgebiete unterscheiden sich in die beiden grossen Gruppen Hoch- und Flachmoore, die Übergangsmoore nehmen eine Mittelstellung ein. Die Feuchtwiesen werden mal zu den Flachmooren gezählt, mal separat geführt (siehe nachfolgende Tabelle). Daneben kommen in Mooren viele weitere, für das Ökosystem relevante Lebensräume wie natürliche kleine Seen, Abflussrinnen und Gräben vor, auf die in diesem Kapitel eingegangen wird. Für die Unterscheidung der Hoch- und Flachmoore wird die Klassifikation von Delarze et al. (2015)  übernommen (siehe nachfolgende Tabelle). Die flächenmässig relevanten Moor- und Feuchtwälder werden bei den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder Wäldern] abgehandelt, die trockenen Wiesen und Weiden beim [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Grünland]. Übergänge gibt es im Weiteren zu den Lebensräumen der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Fliessgew%C3%A4sser Fliessgewässer].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ufer und Feuchtgebiete der Schweiz (nach Delarze et al. 2015) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt; Gefährdungsgrad: LC: nicht gefährdet, NT: potenziell gefährdet, VU: verletzlich, EN: stark gefährdet, CR: vom Aussterben bedroht; Regenerationszeit nach Störung bzw. Zerstörung des Lebensraumes: 1: &amp;lt; 5 Jahre; 2: 5–10 Jahre; 3: 10–25 Jahre; 4:25–50 Jahre; 5: 50–200 Jahre; 6: &amp;gt; 200 Jahre (Quelle: Delarze et al., 2016. Rote Liste der Lebensräume der Schweiz). &amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! &lt;br /&gt;
! Pflanzengesellschaft (wissenschaftlich)&lt;br /&gt;
! Pflanzengesellschaft (Deutsch)&lt;br /&gt;
! Gefährdung&lt;br /&gt;
! Regenerationszeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.1.1&lt;br /&gt;
| Sphagno-Utricularion&lt;br /&gt;
| Wasserschlauch-Moortümpelgesellschaften&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.1.2.1&lt;br /&gt;
| Phragmition&lt;br /&gt;
| Stillwasser-Röhricht&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.1.2.2&lt;br /&gt;
| Phalaridion&lt;br /&gt;
| Landschilf-Röhricht&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.1.3&lt;br /&gt;
| Littorellion&lt;br /&gt;
| Strandlingsgesellschaften&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.1.4&lt;br /&gt;
| Glycero-Sparganion&lt;br /&gt;
| Bach- und Flussröhricht&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.1.1&lt;br /&gt;
| Magnocaricion&lt;br /&gt;
| Grossseggenried&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.1.2&lt;br /&gt;
| Cladietum&lt;br /&gt;
| Schneidbinsenried&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.2&lt;br /&gt;
| Caricion fuscae&lt;br /&gt;
| Saures Kleinseggenried&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.3&lt;br /&gt;
| Caricion davallianae&lt;br /&gt;
| Kalk-Kleinseggenried&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.4&lt;br /&gt;
| Caricion lasiocarpae&lt;br /&gt;
| Übergangsmoor&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.5&lt;br /&gt;
| Caricion bicolori-atrofuscae&lt;br /&gt;
| Schwemmufervegetation alpiner Wildbäche&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.3.1&lt;br /&gt;
| Molinion&lt;br /&gt;
| Pfeifengraswiese&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.3.2&lt;br /&gt;
| Calthion&lt;br /&gt;
| Sumpfdotterblumenwiese&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.3.3&lt;br /&gt;
| Filipendulion&lt;br /&gt;
| Spierstaudenflur&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.4.1&lt;br /&gt;
| Sphagnion magellanici&lt;br /&gt;
| Torfmoos-Hochmoor&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 6&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.5.1&lt;br /&gt;
| Nanocyperion&lt;br /&gt;
| Zwergbinsen-Annuellenflur&lt;br /&gt;
| CR&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.5.2&lt;br /&gt;
| Bidention&lt;br /&gt;
| Nitrophile Annuellenvegetation&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Weitere Informationen zu den Lebensräumen finden Sie in dieser Tabelle («Tabelle_Vegetationstyp_Parameter.xlsx»).--&amp;gt;&amp;lt;!--Für die nachfolgen Beschreibungen wurden folgende Grundlagen verwendet: Pflegegrundsätze (Hintermann&amp;amp;Weber), Moorhandbuch, Moore und Moorschutz in der Schweiz (2002), Feldbotanik (2016), Zeitschrift Aqua Viva X/201X, Handbuch Pro Natura.--&amp;gt;Im [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch sind die Lebensräume in ausführlichen Artikeln vorgestellt (Band 1, Kap. 2)]. [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/vollst%C3%A4ndige-auflistung/vollst%C3%A4ndige-auflistung-phytosuisse.html Phytosuisse] ist ein Nachschlagewerk mit Kurzbeschrieb zu jeder Pflanzengesellschaft (Klassifikation nach Delarze et al.). Wichtig für das Verständnis der Lebensräume ist die Kenntnis ihrer Entstehung (Moorgenese). Darauf wird im Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Moortypen Moortypen «Erhalt und Förderung»]&amp;lt;!--(und im Kapitel Grundlagen)--&amp;gt; eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hoch- und Übergangsmoore ===&lt;br /&gt;
Offene Hochmoore bestehen vorwiegend aus einem schwammigen Teppich wassergetränkter Torfmoose, auf dem verstreut kleinblättrige Heidekrautgewächse und schmalblättrige Sauergräser wachsen. Intakte Hochmoore wölben sich uhrglasförmig über die sie umgebende Landschaft. Sie sind durch den mächtigen Torfkörper vom Mineralboden und dessen Grundwasserregime vollständig isoliert. Die Speisung mit Wasser erfolgt ausschliesslich über den Niederschlag (Hochmoore werden deshalb auch «Regenmoore» genannt). Die Torfmoose sind durch ihr kontinuierliches, vom Grundwasser unabhängiges Wachstum die treibende Kraft für die Entstehung der Hochmoore. Sie bauen den Torfkörper auf. Das Wachstum der Hochmoorfläche ist ungleichmässig: Es wechseln sich «Bulten» (höckerartige Bodenerhebungen) mit nassen Schlenken ab. Der grosse Mangel an verfügbarem Stickstoff begünstigt zudem die Existenz fleischfressender Pflanzen (Drosera spp.) und Mykorrhiza-abhängiger Heidekrautgewächse. Ist der Wasserhaushalt gestört, nimmt das Heidekraut auf Kosten der Torfmoose stark zu – es bildet sich eine moorige Heidevegetation aus. Die Hochmoore sind auf Eutrophierung und Entwässerung äusserst empfindlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hochmoor herrschen extreme Lebensbedingungen: Es ist ganzjährig sehr nass, sehr sauer und die Temperaturschwankungen können im Jahres- wie im Tagesverlauf gross werden. Die Artenvielfalt der Hochmoore ist dadurch vergleichbar gering, ihre Spezialisierungen aber gross.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Torfmoose – ein Winzling baut Landschaften''' &amp;lt;br /&amp;gt; Torfmoose sind die Baumeister der Hochmoore und sie überziehen dessen Oberfläche wie einen Teppich. Es ist einzigartig, dass ein kleines und unscheinbares Pflänzchen ganze Landschaften prägt und baut. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Torfmoos zeichnet ein paar Besonderheiten aus: Es wächst an der Spitze und stirbt am Wurzelende ab. Die abgestorbene Pflanzenmasse ist das Ausgangsmaterial für die Torfbildung. Das Torfmoos ist ein Ionentauscher, das heisst es entzieht der Umgebung Mineralstoffe und gibt dafür Wasserstoffionen (positiv geladene H-Teilchen) ab. Dadurch wird das Moorwasser sauer. Die enorme Wasserspeicherkapazität ist eine weitere herausragende Eigenschaft. Das Pflänzchen besitzt spezialisierte Zellen (Hyalinzellen), welche sich bei Nässe mit Wasser vollsaugen und diese bei Trockenheit nur langsam abgeben. Bis zum 30-fachen des Eigengewichts kann an Wasser gespeichert werden. Da die Speicherfunktion auch in den abgestorbenen Pflanzenteilen erhalten bleibt, können Torfmoore grosse Wassermengen speichern. In der Schweiz kommen rund 30 Torfmoosarten vor, ein Dutzend ausschliesslich in Hochmooren. &amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hochmoore sind komplexe und kleinräumig diverse und vielfältige Lebensräume. Im [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch sind sie ausführlich beschrieben (Kap. 2.2.8]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = moorhandbuch 2.2.8 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Schema eines naturnahen Hochmoors. a: Bult, b: Schlenke, c: Moorweiher, d: Schwingrasen, e: Rülle; f: Bergföhrenhochmoor, g: Randwald, h: Randsumpf, Lagg, i: Flachmoor (aus Moorhandbuch, Kap. 2.2.8, Original in Grünig, A., Vetterli, L., Wildi, O., 1986. Die Hoch- und Übergangsmoore der Schweiz (Bericht No. 281). Eidg. Anstalt für das forstliche Versuchswesen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Übergangsmoore, auch Zwischenmoore genannt, bilden Bestände aus Sauergräsern (insbesondere Seggen) am Übergang zwischen den äusserst nährstoffarmen Hochmooren und den mineralienreicheren Standorten. Sie finden sich typischerweise in Senken in der Nachbarschaft von Hochmooren, wo sich das Wasser aus dem Hochmoor und der Umgebung sammelt. Die Speisung mit Wasser ist somit eine Mischung aus dystrophem Hochmoor- und mineralstoffreichem Grund- oder Quellwasser aus der Umgebung. Übergangsmoore können auch in wasserhaltigen Vertiefungen in der Kernzone von Hochmooren (Schlenken) wachsen.&amp;lt;!-- (weglassen: Das Substrat ist gekennzeichnet durch seine torfige und nährstoffarme Zusammensetzung. Übergangsmoore sind natürliche Dauergesellschaften, die für ihr Bestehen weder Nutzung noch Pflege brauchen. Jedoch gefährden die Entwässerungen und Eutrophierung der Moore sowie atmosphärische Strickstoffeinträge den Lebensraum.)--&amp;gt; Ausführliche Informationen zu den Übergangsmooren enthält das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch, Kap. 2.2.6]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Flachmoore ===&lt;br /&gt;
Flachmoore werden, im Gegensatz zu den Hochmooren, neben dem Regenwasser zusätzlich mit mineralstoffreichem Hang-, Grund- oder Quellwasser versorgt. Die Pflanzen der Flachmoore sind reichlicher mit Nährstoffen versorgt als die Hungerkünstler der Hochmoore. Entsprechend den unterschiedlichen chemischen Eigenschaften des Wassers und den grösseren Schwankungen des Wasserspiegels ist die Vegetation der Flachmoore produktiver und vielfältiger als diejenige der Hochmoore.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pflanzengesellschaften der Flachmoore&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Stillwasser-Röhricht''' (''Phragmition''), '''Landröhricht''' (''Phalaridion'') &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das gürtelartige Stillwasser-Röhricht steht während der gesamten Vegetationsperiode im Wasser von Seeufern und Stillwasserbereichen. Es besteht vorwiegend aus Schilf (''Phragmites australis''), manchmal auch aus Rohrkolben (''Typha angustifolia, T. latifolia'') oder Seebinsen (''Schoenoplectus lacustris''). Infolge der Akkumulation von organischem Material verlanden diese Uferbereiche allmählich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mähbare Landröhricht entsteht im Verlaufe des Verlandungsprozesses aus dem Stillwasser-Röhricht. Die Dominanz des Schilfs (bzw. des Rohrglanzgrases (''Phalaris arundinacea'') an Fliessgewässern) kennzeichnen die Einheit. Die lokalen Nährstoffanreicherungen durch angespülte Sedimente, Erde und Strandgut begünstigt das Aufkommen nitrophiler Arten. Landeinwärts nimmt die Dominanz des Schilfs zugunsten der Arten des Grossseggenrieds allmählich ab. Röhrichte der Verlandungszone wurden früher zur Gewinnung von Streumaterial gemäht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grossseggenried''' (''Magnocaricion'') &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Vegetation des Grosseggenried wird von wenigen Pflanzenarten, vorwiegend grosswüchsige Seggenarten (60 bis 150 cm hoch) dominiert. Dazu gehören auch Arten, die höckerartige Bodenerhebungen, sogenannte «Bulten», bilden (''Carex appropinquata, C. elata, C. paniculata''). Bei natürlichen Ufern schliesst diese Vegetation landwärts an das Wasserröhricht an. Sie übersteht mehrwöchige Überflutungsperioden, im Winter sogar mehrmonatige, und Wasserstandsschwankungen um 60 cm. Der Boden bleibt dauerhaft feucht und ist neutral bis leicht basisch. Er ist häufig sauerstoffarm und schlecht belüftet. In ungemähten, eutrophierten Mooren sind oft Übergangsformen zum Landschilfröhricht anzutreffen. (Das Aufkommen von Gehölzen, insbesondere von Moorweidengebüschen und Erlenbruchwäldern, ist ein Hinweis auf ein längeres Ausbleiben der Pflege.)&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- klären, woher Urs Tester diese Info hat: Schilfröhrichte und Grossseggenriede sind wichtige Lebensräume für Kleintiere und Insekten mit grossem Raumanspruch. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kalkreiches und Kalkarmes Kleinseggenried''' (''Caricion davallianae'' und ''Caricion fuscae'') &lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Kalkreiche Kleinseggenried bildet dichte, niederwüchsige Rasenbestände aus kalkzeigenden Seggen. Typisch ist der Reichtum an auffälligen, farbigen Blütenpflanzen, insbesondere an Orchideen. Die Einheit besiedelt oft Mulden oder feuchte, wasserzügige Hänge mit basen- und kalkreichen Böden (mineralreiche Rohböden oder torfige Humusböden). Die Mehrheit der Gesellschaften erträgt ein periodisches Trockenfallen besser als diejenigen der Kalkarmen Kleinseggenriede. Das [[Media:moorhandbuch 2 1 3 fm torf de.pdf|Moorhandbuch enthält einen interessanten Artikel]] zum Substrat von Kopfbinsen- und Davallseggenrieden (''Caricion davallianae'') anhand der Analyse von 18 Vegetationsaufnahmen in den Nordalpen. Für sieben der 18 Vegetationsaufnahmen wird die Humusform als Torf bezeichnet. Die Untersuchungen zeigen im Weiteren, dass das Davallseggenried nicht nur in verschiedenen Regionen der Schweiz, sondern auch innerhalb des gleichen Flachmoors auf unterschiedlichen Bodentypen und Humusformen vorkommen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saure Kleinseggenriede kommen auf kalkarmen, torfigen Substraten vor. Sie sind arm an Arten und Blüten und bilden einen dichten Rasenbestand aus kleinwüchsigen Sauergräsern. Kalkarme Kleinseggenriede sind mehrheitlich ab der montanen Stufe anzutreffen, unterhalb von 500 m sind sie selten. Im Mittelland sind die Bestände infolge allgemeiner Entwässerung und intensiverer Bewirtschaftung der Moorlandschaften drastisch zurückgegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Pfeifengraswiese''' (''Molinion'') &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Pfeifengraswiesen weisen eine reichhaltige Flora auf mit vielen seltenen und gefährdeten Arten, darunter verschiedene Orchideen. Sie sind wechselfeucht mit jahreszeitlich und witterungsbedingt stark schwankendem Wasserstand. Der Boden ist meistens kalkhaltig und nährstoffarm, jedoch reich an organischem Material bis anmoorig. (Das namensgebende spätblühende Pfeifengras (''Molinia coerulea'') hüllt die Wiesen im Sommer in ein dezent blaues Meer.) Oft wachsen Neophyten, insbesondere Goldruten (''Solidago spp.''). Bei Ausbleiben der Mahd verbuschen sie oder das Pfeifengras wird dominant und bildet grosse Horste. Bei höherem Nährstoffgehalt weichen die Pfeifengraswiesen entweder den Feuchtwiesen oder den Hochstaudenfluren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Sumpfdotterblumenwiese''' (''Calthion'') und die '''Spierstaudenflur''' (''Filipendulion'') sind nasse Standorte mit einem hohen Nährstoffangebot. Eine grossblättrige, üppige Krautvegetation ist vorherrschend. &amp;lt;!-- klären, woher Urs Tester diese Info hat: --&amp;gt;Dank des grossen Blütenangebots dienen sie vielen Insekten und Kleintieren als Nahrungsquelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Nährstoffreiche Feuchtwiesen''' (''Calthion'', Sumpfdotterblumenwiese) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Feuchte Wiesen und Weiden mit üppiger Krautvegetation sind kennzeichnend für die Sumpfdotterblumenwiesen. Typische Standorte umfassen Böden, die im Winter oder bei der Schneeschmelze oft stark vernässt sind, sowie Uferregionen von kleineren Bachläufen. Bevorzugt besiedelt werden fruchtbare, frische Böden.&amp;lt;!-- (weglassen: Obwohl artenärmer als andere Feuchtwiesenlebensräume ist das Calthion in seiner typischen Ausprägung wertvoll und erhaltenswert.) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Feuchte Hochstaudenflur''' (''Filipendulion'', Spierstaudenflur) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei der Spierstaudenflur handelt es sich um Pflanzenbestände aus hochwüchsigen Stauden, die streifenartige Bestände entlang von Bachläufen bzw. Säume entlang von feuchten Wäldern bilden. Sie dehnt sich zudem in nährstoffreichen Feuchtwiesen aus. Durch das dichte Blattwerk der dominanten Arten gelangt nur wenig Licht bis auf den Boden, wodurch kleinwüchsige Kräuter und Gräser meist fehlen. Die dominante Art ist oft die Spierstaude (''Filipendula ulmaria''). Der Boden ist stets durchfeuchtet, aber keiner langanhaltenden Überflutung ausgesetzt und enthält viel organisches Material und Nährstoffe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausführliche Informationen zu den Pflanzengesellschaften der Flachmoore hat es im [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch, Kap. 2.2.1 bis 2.2.5]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = moore moorschutz S14 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Flächenanteile der verschiedenen Vegetationseinheiten an den Hoch- und Flachmooren (Quelle: WSL, Erfolgskontrolle Moorschutz) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nachfolgende Abbildung zeigt die Nutzung der Moore. Die Zahlen datieren ungefähr aus dem Jahr 2000 und basieren auf Stichproben. Die Moorwiesen werden etwa je hälftig gemäht oder beweidet, ca. 15% sind ungenutzt. Bei den basischen Kleinseggenrieden ist ein ähnlicher Anteil ungenutzt und etwas zwei Drittel werden beweidet. Die restlichen 20% werden mehrheitlich gemäht. Bei den sauren Kleinseggenrieden wird etwa ein Drittel gemäht und 15% beweidet, während fast die Hälfte ungenutzt bleibt. Bei den Hochmooren, welche im natürlichen Zustand keine Nutzung benötigen, werden ca. 30% gemäht oder beweidet, ca. 70% sind ungenutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = moore moorschutz S34 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Nutzung der Moore von nationaler Bedeutung nach Vegetationseinheiten (Quelle: WSL, Erfolgskontrolle Moorschutz)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Lebensräume ===&lt;br /&gt;
In den Feuchtgebieten gibt es, neben den oben beschriebenen Flach-, Übergangs- und Hochmooren viele weitere, ökologisch teilweise sehr relevante Lebensräume. In den Hochmooren sind es natürliche oder vom Menschen geschaffene wie Kolke, Rüllen, Lagg, Schwingrasen oder Torfstiche, in den Flachmooren sind es zum Beispiel Kleingewässer, Gräben oder Gehölze. Im [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch wird in zwei Artikeln ausführlichen auf die Kleingewässer-Typen und ihre Bedeutung für Pflanzen und Tiere eingegangen (Kap. 2.2.8 und 3.3.2)]. Im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Artikel zu den Stillgewässern] wird ausführlich auf die Bedeutung, Förderung und den Unterhalt kleiner Gewässer eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Flora und Fauna ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bedeutung der Moore für Flora und Fauna ===&lt;br /&gt;
Moore sind für den Artenschutz von grosser Bedeutung. Flachmoore gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa. In den nördlichen Voralpen leben bis zu 48 verschiedene Arten von Moosen, 128 Blütenpflanzenarten, 28 Tagfalter- und 10 Heuschreckenarten in einem einzigen Flachmoor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Artikel «Artenvielfalt in Flachmooren der Voralpen» (Pauli D., 2002, Moorhandbuch, Kap. 3.3.4) zeigt auf, wie wichtig für den Artschutz die Grösse, Vernetzung und die Qualität der Moore sind. Die Grösse eines Flachmoors ist dabei der bedeutendste Faktor für die Artenvielfalt von Pflanzen und Insekten, wobei mit zunehmender Grösse vor allem die Zahl der speziell angepassten Arten zunimmt. Wichtig ist auch die Nutzungsvielfalt mit einem Nebeneinander von Mahd und Beweidung. Auf eine gute Vernetzung mit den angrenzenden Flächen sind v. a. die Tagfalter angewiesen. Während die Schmetterlinge niederwüchsige, wenig produktive Standorte benötigen, erreicht die Vielfalt von Heuschrecken in den üppigen, strukturreichen Hochstauden ihre höchsten Werte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr ähnlich sind die Erkenntnisse einer 20-jährigen Untersuchung in 18 Mooren der Voralpen auf 800 bis 1400 m ü. M. Es gibt keine substanziellen Unterschiede in den Artenzahlen bei Mahd, bzw. Beweidung, negativen Einfluss hat aber eine zu starke Beweidung. Heuschrecken sind auf beweideten Flächen häufiger, Tagfalter auf gemähten. Es wird ein Mosaik aus Mahd und Beweidung empfohlen. Im Weiteren wird festgehalten, dass die Verbrachung negative Auswirkungen auf die Diversität hat, diese Effekte jedoch meist nach wenigen Jahren umkehrbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäss einer Untersuchung von Mitte der 1990er-Jahre sind die Moorlandschaften für ein Viertel der beurteilten Arten der Roten Liste von besonderer Bedeutung, dabei auffallend viele Arten aus den Artengruppen der Vögel, Fische und Rundmäuler und Tagfalter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Spezielle Bedingungen === &lt;br /&gt;
In Mooren, insbesondere in Hochmooren, herrschen durch den hohen Wasserstand, die Nährstoffarmut, die sauren Bedingungen, dem möglichen Vorkommen toxischer Ionen (Fe&amp;lt;sup&amp;gt;2+&amp;lt;/sup&amp;gt;, Mn&amp;lt;sup&amp;gt;2+&amp;lt;/sup&amp;gt;, S&amp;lt;sup&amp;gt;2-&amp;lt;/sup&amp;gt;) und dem huminstoffreichen, braunen Wasser extreme Lebensbedingungen. Entsprechend ist die Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren klein, die Spezialisierung aber gross. Deutlich lebensfreundlicher ist es in den Flachmooren.&lt;br /&gt;
Pflanzen haben verschiedene Anpassungen an die unwirtlichen Bedingungen entwickelt&amp;lt;!-- (Quellen: Dierßen, K., Dierßen, B., 2001, Succow &amp;amp; Joosten 2001, Zerbe, Global guidelines for peatland rewetting and restoration)--&amp;gt;:&lt;br /&gt;
* Sonnentau (''Drosera ssp.''), Fettblatt (''Pinguicula ssp.''), Wasserschlauch (''Utricularia ssp.'') und Aldrovanda (''Aldrovanda ssp.'') sind Fleischfresser und erschliessen sich mit dem Fang von Tieren Nährstoffe.&lt;br /&gt;
* Sauergräser (''Cyperaceen'') haben tiefreichende Rhizome zur Versorgung aus dem Katotelm.&lt;br /&gt;
* Cyanobakterien können (an Schlenken-Standorten) Luftstickstoff (N&amp;lt;sub&amp;gt;2&amp;lt;/sub&amp;gt;) fixieren. Das machen auch die Mykorrhiza-Pilze, welche mit Erika-Gewächsen (Ericaceen) in Symbiose leben und diese mit Stickstoff versorgen. Schwarzerlen (Alnus glutinosa) werden durch Aktinomyceten mit Stickstoff versorgt.&lt;br /&gt;
* Viele Feuchtgebietspflanzen verfügen über die Fähigkeit, Sauerstoff in unterirdische Organe zu transportieren und dann an die Umgebung abzugeben (Schilf (''Phragmites australis''), Rohrkolben (''Typha angustifolia'' und ''T. latifolia''), Sumpfbinse (''Eleocharis ssp.'')). Manche Pflanzen besitzen Aerenchyme (Durchlüftungsgewebe).&lt;br /&gt;
* Die typischen Feuchtgebietspflanzen sind an den hohen Feuchtegrad zu Anfang der Vegetationsperiode angepasst. Für die übrigen Arten ist die Frühlingsnässe der entscheidende Stressfaktor.&lt;br /&gt;
* Viele Pflanzen haben schwimmfähige Diasporen, Riedwiesensamen sind aber kurzlebig. Sehr viele Riedwiesenpflanzen verbreiten sich vegetativ über Rhizome.&lt;br /&gt;
* Auf die Besonderheiten der Torfmoose wird im Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Hoch-_und_.C3.9Cbergangsmoore «Hoch- und Übergangsmoore»] eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Artenlisten ===&lt;br /&gt;
'''Gilden''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[https://www.infospecies.ch/de/projekte/%C3%B6kologische-infrastruktur.html#analysis InfoSpecies hat die auf Artvorkommen basierenden Grundlagen für die Planung und Umsetzung] der Ökologischen Infrastruktur durch Bund und Kantone erarbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gilden der feuchten Lebensräume (Gilde 5 - Kleine Stillgewässer, Teiche; Gilde 6 - Landröhrichte, Flachmoore, Streuwiesen, Moor-Weidengebüsche; Gilde 7 - Nährstoffreiche Nasswiesen; Gilde 8 – Auenwälder; Gilde 9 - Hochmoore und Zwischenmoore) werden zur Gilde der «Feuchtlebensräume» (G101) zusammengefasst. Diese enthält 1185 Arten aus den Gruppen der Flechten, Moose, Pilze, Gefässpflanzen und Fauna (Vögel, Amphibien, Libellen, Tagfalter, Säugetiere (inkl. Fledermäuse), Käfer, Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Steinfliegen, Wildbienen, Muscheln, Heuschrecken). &lt;br /&gt;
Diese Listen sind eine umfassende und aktuelle Grundlage der in Feuchtgebieten vorkommenden Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''National prioritäre Arten''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten Liste der National prioritäre Arten] lassen sich nach Lebensräumen filtern.&amp;lt;!-- Die bearbeitete Tabelle (erarbeiten und hochladen) umfasst xxx Arten aus den Artengruppen der xxx --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Verschiedene Listen''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
In verschiedenen Datenbanken lassen sich die Artvorkommen nach Lebensräumen abfragen:&lt;br /&gt;
* Die Publikation «Mires and man» (1994), enthält Listen zu Gefässpflanzen, Moosen, Lebermoosen, Flechten, Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Reptilien und Invertebraten der Moore.&amp;lt;!-- (Datei hochladen: mires_and_man_381_390_species_list.pdf) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/oekologischer-ausgleich/umweltziele-landwirtschaft.html Umweltziele Landwirtschaft (UZL)]: In der Liste der UZL-Arten ist das Vorkommen in Lebensraumtypen (Extensive Wiesen feucht, Extensive Weiden feucht, Streuwiesen/Flachmoor, Wassergräben, Tümpel, Teiche, Hochmoore, Hochstauden, Röhricht, temporäre Gewässer) und Lebensraumgruppen (Gewässer, Hochstauden, Röhricht, Hochmoore, Extensive feuchte Wiesen/Weiden, Streuwiesen) erfasst.&lt;br /&gt;
* Die [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/oekologischer-ausgleich/umweltziele-landwirtschaft.html Flora indicativa] umfasst ökologische und biologische Eigenschaften von rund 5500 Gefässpflanzen-, 600 Moos- und 200 Flechtenarten der Flora der Schweiz und der Alpen. Die zugehörige Datenbank ermöglicht ebenfalls Abfragen zu den Lebensräumen.&lt;br /&gt;
* Die [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/oekologischer-ausgleich/umweltziele-landwirtschaft.html Fauna indicativa] erfasst ökologische Präferenzen und biologische Eigenschaften aller in der Schweiz einheimischer Libellen-, Heuschrecken-, Laufkäfer- und Tagfalterarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Pflanzen ===&lt;br /&gt;
Zur Moorflora werden 229 Arten gezählt. Seit 1850 haben sich die Anzahl Arten pro Verbreitungsgebiet (gemäss Welten-Sutter-Flächen) von 59 auf 51 Arten reduziert. Der Rückgang ist in der kollinen Stufe am grössten (Abnahme um 20 Prozent), gefolgt von der montanen Stufe (12 Prozent), der subalpinen Stufe (6 Prozent) und der alpinen Stufe (3 Prozent). Auch in den biogeografischen Regionen zeigt sich ein heterogenes Bild mit stärksten Rückgängen im Mittelland. Bei den Lebensraumtypen verzeichnen die Übergangsmoore und Moortümpel die deutlichsten Abnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch] enthält verschiedene Artikel mit Pflanzenlisten:&lt;br /&gt;
* Kap. 2.1.1: Anhang 1, Liste der Gefässpflanzen der Hochmoore; Anhang 2, Liste der Sporen- und Blütenpflanzen der Flachmoore&amp;lt;!-- (Datei hochladen: moorhandbuch_2_1_1_listen_hm_fm_de.pdf; fr: moorhandbuch_2_1_1_listen_hm_fm_fr.pdf) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Kap. 2.2.2: Charakteristische Arten der Pfeifengraswiesen&amp;lt;!-- (Bemerkung: keine Datei hochladen und kein Download, sondern Vereis auf Literaturliste) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Kap. 2.2.3: Arten der Nasswiesen (''Calthion'') und der Hochstaudenriede (''Filipendulion'')&amp;lt;!-- (Bemerkung: keine Datei hochladen und kein Download, sondern Vereis auf Literaturliste) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Kap. 2.2.4: Arten der Kleinseggenriede (''Caricion davallianae'' und ''Caricion fuscae'')&amp;lt;!-- (Bemerkung: keine Datei hochladen und kein Download, sondern Vereis auf Literaturliste) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Kap. 2.2.7, Anhang (Inventarblatt): Arten der Hoch- und Übergangsmoore&amp;lt;!-- (Bemerkung: keine Datei hochladen und kein Download, sondern Vereis auf Literaturliste) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Anfrage bei Stefan Eggenberg&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 1 2 Eggenberg Moortagung WSL 20210923 Rueckgang Moorpfl de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Absoluter Rückgang der Anzahl Moorpflanzenarten in den «Welten-Sutter-Flächen» (Quelle: Vortrag St. Eggenberg, Info Flora an der Moortagung, 23.09.2021)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schilf''' ist eine bedeutende Art der Moore. Einerseits bildet es an den Ufern von Stillgewässern die '''Röhrichte''' (siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Flachmoore Kap. «Flachmoore»]), andererseits in den Streuwiesen das «'''Landschilf'''». Das Röhricht ist faunistisch von grosser Bedeutung. Viele Kleintiere, wie Gallmücken, Halmfliegen, Schmetterlinge (vor allem aus den Familien der Eulen, Holzbohrer und Zünsler), Blattläusen oder Zikaden nutzen es als Lebens-, Nahrungs- und Überwinterungsraum. Zudem nutzen viele, teilweise sehr seltene, Vogelarten die dichten Schilfbestände. Das «Landschilf» ist zwar in Flach- und Hochmooren oder Nasswiesen, wie auch ältere Vegetationsuntersuchungen belegen, weit verbreitet, es konnte in den vergangenen Jahrzehnten aber auch neue Moore besiedeln oder hat zugenommen. Verschilfte Flächen beinhalten in der Regel mehr schattentolerante Arten, weniger Arten der Roten Liste und weniger moortypische Arten als unverschilfte. Daher ist klar zu unterscheiden zwischen dem ökologisch sehr wertvollen Röhricht und dem problematischen Landschilf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgewählte Literatur zum Schilf:&lt;br /&gt;
* [[Media:Weber 2013 Maehversuche Verschilfung.pdf|Weber, U., 2013. 16 Jahre Mähversuche gegen die Verschilfung im Naturschutzgebiet Spitzmäder, Oberriet. Ökobüro Hugentobler]] &amp;lt;!-- Dokument hochladen: Okay von U. Weber, 17.10.2022) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Staub R. und Güsewell S.: Bedeutung und Pflege des Schilfs. In [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch 1, Kap. 3.3.3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Tiere ===&lt;br /&gt;
Die Feuchtgebiete sind wichtige Lebensräume für Vögel.   Von den 223 Brutvögeln der Schweiz haben 63 ihr Hauptverbreitungsgebiet in Feuchtgebieten oder an Gewässern. Die Vogelarten der Riedgebiete sind stark rückläufig. Die deutlichsten Auswirkungen des Verlusts der grossflächigen Riedgebiete zeigen sich bei den vier Limikolenarten Rotschenkel (''Tringa totanus''), Bekassine (''Gallinago gallinago''), Grosser Brachvogel (''Numenius arquata'') und Kiebitz (''Vanellus vanellus''). Die rezenten Feuchtgebiete sind nicht nur deutlich kleiner, sondern für viele Vogelarten auch qualitativ schlechter geworden aufgrund des Nährstoffeintrags, der fehlenden Nässe und der Zunahme von menschlichen Störungen durch Freizeitaktivitäten. Wegen der Regulierung und durch Pegelabsenkung im Winter und frühen Frühling, wird der höchste Wasserstand später in der Saison erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Artikel «Entwicklung der Vogelwelt in Feuchtgebieten und an Gewässern» (Keller V., 2018 in Stuber, M. &amp;amp; Bürgi, M., 2018) enthält eine Liste mit allen Feuchtgebietsarten mit Angaben zum Lebensraum, zu Veränderungen seit 1850 und einer Beurteilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu einem späteren Zeitpunkt werden zu weiteren faunistischen Artengruppen Informationen aufgeschaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mensch und Moor (Menschliche Einflüsse auf die Moore) ==&lt;br /&gt;
Der Mensch wirkt schon seit Jahrtausenden auf Moore ein. Bereits zu römischen Zeiten begann die Trockenlegung von Feuchtgebieten und erreichte zwischen 1850 und 1890 im Mittelland und zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg im Jura und in den Voralpen ihren Höhepunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wirken des Menschen war und ist mannigfaltig, sowohl im Moor selber als auch im Einzugsgebiet: Entwässerung, Nährstoffeintrag, (grossflächige) Grundwasserabsenkungen, Infrastrukturbauten, Nährstoffeinträge über die Luft, unsachgemässer Unterhalt oder Pflege, etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen auf die Moore reichen von gering bis zu irreversibler Zerstörung. Zur Beurteilung des Einflusses wurde (in Deutschland) das System der Hemerobie- oder Naturnähestufe entwickelt, welches das Ausmass menschlicher Eingriffe in Bezug auf Vegetation und Standorteigenschaften kennzeichnet. Indikatoren sind Nährstoffhaushalt, Wasserhaushalt und Flora/Vegetation. Die Zuordnung zu einer Hemerobiestufe erfolgt nach dem Minimumprinzip, d.h. die jeweils naturfernste („schlechteste“) Ausprägung eines der Indikatoren entscheidet über die Gesamteinstufung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bayern Niedermoorrenaturierung Leitfaden S101 zg.png&lt;br /&gt;
| text = Hemerobiestufen von Mooren (Quelle: [https://www.bestellen.bayern.de/application/applstarter?APPL=eshop&amp;amp;DIR=eshop&amp;amp;ACTIONxSETVAL(artdtl.htm,APGxNODENR:34,AARTxNR:lfu_nat_00098,AARTxNODENR:283362,USERxBODYURL:artdtl.htm,KATALOG:StMUG,AKATxNAME:StMUG,ALLE:x)=X Leitfaden der Niedermoorrenaturierung in Bayern, Wagner A. und I. (2005)])&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Flachmoore, die zur Streugewinnung angelegt worden und von Gräben durchzogen sind, sowie einmal jährlich genutzt werden, gehören zum kulturbetonten, primäre Hochmoore zum naturnahen Hemerobiegrad.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einfluss des menschlichen Wirkens auf die Moore hat unterschiedliche Auswirkungen auf die drei Indikatoren Nährstoffhaushalt, Wasserhaushalt und Flora/Vegetation. Bereits ab Hemerobiegrad «kulturbetont» findet kaum oder keine Torfbildung mehr statt. Bei stärkerer anthropogenen Überprägung finden im Moor sehr starke, oft nicht reversible Veränderungsprozesse statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwässerungen haben weitreichende Veränderungen der bodenphysikalischen Kennwerte des Moorbodens zur Folge. Der Luftanteil, der Feststoffanteil und die Bodenfestigkeit nehmen zu, die Mächtigkeit des Moorkörpers, der Porenanteil, die gesättigte Wasserleitfähigkeit, die Speicherfähigkeit für pflanzenverfügbares Wasser und die Benetzbarkeit nehmen ab. Als Folge davon sinkt der Wasserstand ab, der Torf trocknet oberflächlich aus und mineralisiert, d. h. durch den Luftzutritt werden die Pflanzenreste des Torfs durch Mikroorganismen abgebaut und die Nährstoffe freigesetzt. Das Moor, das bisher eine CO2-Senke war, wird zur CO2-Quelle. Bei ackerbaulicher Nutzung von Torfmooren gehen jährlich etwa zwei Zentimeter Torf verlustig, bei Grünland etwa die Hälfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Veränderungen der abiotischen Funktionen Nährstoff- und Wasserhaushalt wiederum haben auch Veränderungen der Lebensraumfunktionen zur Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der angegeben Literatur wird ausführlich auf die Auswirkungen von Entwässerungen auf die Bodeneigenschaften und Funktionen eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Erhalt und Förderung =&lt;br /&gt;
In diesem Kapitel wird darauf eingegangen, wie Moore durch '''optimierte Pflege''' erhalten, wie sie durch '''Renaturierungen''' gefördert und wie durch '''Massnahmen im Einzugsgebiet''' die Bedingungen verbessert werden können. &amp;lt;!-- Weitere Aspekte sind der '''Grabenunterhalt''' und die '''Förderung ausgewählter Artengruppen'''. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundsätze ==&lt;br /&gt;
Die Moore sind in der Schweiz so stark zurückgegangen, dass der '''Erhalt der noch vorhanden Moore''' oberste Priorität geniessen muss ('''Flächensicherung'''). Wichtig ist dabei die gesamtheitliche Betrachtung (Einzugsgebiet, Moortyp, Boden, Nährstoffeinflüsse, Nutzungen, etc.) mit entsprechenden Massnahmen, wie z. B. die '''Ausscheidung von Pufferzonen''' und '''Gewässerräumen''', der Rückbau starker Eingriffe in den Wasserhaushalt oder die moorverträgliche Trinkwassernutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Moore sollen '''optimal gepflegt''' und bei Bedarf '''renaturiert''' werden. Das gilt insbesondere auch für Intensivnutzungen über Torf ('''moorschonende Nutzung''')&amp;lt;!-- interne Links auf PPF, ev. weitere Kapitel setzen, wenn vorhanden --&amp;gt;. Die beiden international renommierten Moorfachleute Succow und Joosten äussern sich dazu unmissverständlich: «Saat-Grasland und Ackernutzung auf Torfstandorten müssen der Vergangenheit angehören.» Sie bemerken, dass die Nutzung die Tragfähigkeit der Ökosysteme nicht überfordern oder gar zerstören darf. Nutzungsformen, die diesen Prinzipien widersprechen, seien zukünftig nicht mehr zu akzeptieren. &amp;lt;!-- Hier ev. Hinweis zum Flächenbedarf aus Guntern et al. 2013 (analog Grünland) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Erhaltung der Moore sollen '''ihre Geschichte und der Zustand ausreichend bekannt sein, Ziele gesetzt und daraus die Massnahmen abgeleitet werden'''. &amp;lt;!-- In den Kap. &amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt;  Renaturierungen und Grundlagen/Leitbilder und Entwicklungsziele (am Schluss verlinken und richtige Kapitel-Namen setzen) &amp;lt;/span&amp;gt; wird auf entsprechende Unterlagen und Vorgehensweisen eingegangen.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Optimale Bewirtschaftung ==&lt;br /&gt;
=== Einleitung ===&lt;br /&gt;
Die meisten Moore der Schweiz werden gemäht oder beweidet (siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Flachmoore Kap. «Flachmoore»]). Mit Ausnahme natürlicher Hochmoore ist eine Nutzung notwendig, da die meisten Moore der traditionellen, regelmässigen Nutzung entstammen. Eine Nutzungsaufgabe würde letztendlich zur Ausbildung eines Gebüsch- oder Waldbestands führen&amp;lt;!-- ev. Links auf #Vorentwässerung, #Prozessschutz vs. Habitattradition, #Entbuschung)--&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Es können folgende Nutzungstypen unterschieden werden:&lt;br /&gt;
* Regelmässige, jährliche Mahd im Herbst&lt;br /&gt;
* Regelmässige zweimalige Mahd pro Jahr, im Sommer und Herbst (nährstoffreichere Feuchtwiesen)&lt;br /&gt;
* Mahd alle paar Jahre&lt;br /&gt;
* Unregelmässiges Mähen im Herbst/Winter (Ried-Rotationsbrache) &lt;br /&gt;
* Beweiden&lt;br /&gt;
* Kontrollierte Brache bis Sukzession (auf diese selten angewendete Nutzungsform wird weiter unten eingegangen) &lt;br /&gt;
* Keine Nutzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis in die 1970er-Jahre wurden Streuwiesen kleinflächig und zu verschiedenen Zeitpunkten im Spätsommer bis Herbst gemäht, wobei in einzelnen Jahren auch kleinere Flächen ungemäht blieben . In den 1990er Jahren wurden die Schnitttermine von Streuwiesen einheitlich auf den 1. September festgelegt. Dabei wurde zu wenig Rücksicht genommen auf viele Tier- und Pflanzenarten. Die Mahd in der ersten Septemberhälfte ist für viele zahlreiche Kleintierarten zu früh, weil sie zu diesem Zeitpunkt ihre Eiablagephase / Entwicklung noch nicht abgeschlossen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fauna-freundliche Mahd ===&lt;br /&gt;
Im [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Faunafreundliche.2C_schonende_Mahd_und_Ernte Grünland-Artikel wird ausführlich auf die Wirkung der Mahd auf die Fauna eingegangen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Pflegepläne erarbeiten ===&lt;br /&gt;
Die Art und Weise der Bewirtschaftung und Nutzung hat unterschiedliche Wirkungen auf die Vegetationszusammensetzung und auf das Vorkommen von Tieren. Um die Moore optimal zu nutzen, sollen '''Pflegepläne''', für die Alpbetriebe '''alpwirtschaftliche Gesamtplanungen''' erarbeitet werden. Dadurch soll die '''Bewirtschaftung auf die Ziellebensräume und -arten ausgerichtet werden'''. In den letzten Jahrzehnten sind solche für viele Naturschutzgebiete erarbeitet worden und das Wissen dazu ist entsprechend gross. Wir möchten uns daher darauf beschränken, auf die zu berücksichtigenden Aspekte hinzuweisen: &lt;br /&gt;
* '''Mahdzeitpunkte''': Riedwiesen werden traditionell im Herbst, die nährstoffreicheren Feuchtwiesen im (Spät-)Sommer gemäht. Wir möchten dazu auf die detaillierten Angaben in den Pflegegrundsätzen (siehe unten) und auf die Tabelle mit Schnittzeitpunkten verweisen.&lt;br /&gt;
* '''Beweidung''': Relevante Aspekte sind u. a. die '''Bestossungsdichte''', die Koppelung, Zaunführung und das Auszäunen heikler Moore (Hochmoore und sehr nassen oder trittempfindlichen Bereiche von Flachmooren). Das[https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch] enthält dazu mehrere (auch wenn schon einige Jahre alt) informative Artikel: Kapitel 2.1.2 «Minimalpflege von Mooren in Hochlagen», Kapitel 2.1.3 «Bewirtschaftung und Pflege verschiedener Pflanzengesellschaften der Flachmoore», Kapitel 2.1.4 «Grundsätze zur Bewirtschaftung und Pflege von Flachmooren in Hochlagen», Kapitel 2.2.1 «Moorschutz in schwach erschlossenen Gebieten – Schutzkonzept Weissenberge», Kapitel 3.1.1 «Zur Beweidung von Hoch- und Flachmooren», Kapitel 3.1.2 «Moorschutz in Gebieten mit alpwirtschaftlicher Nutzung», Kapitel 3.1.3 «Grundsätze für Weideführung, Stallhaltung und Düngung», Kapitel 3.2.1 «Fallbeispiel Grosses Moos (Schwändital, GL)». &lt;br /&gt;
* '''Differenzierte Pflege''' (Gestaffelter Schnitt, Nutzungsmosaike, etc.): siehe Pflegegrundsätze &lt;br /&gt;
* '''Keine Pflege''': siehe unten&lt;br /&gt;
* '''Rotationsbrache''': siehe unten&lt;br /&gt;
* '''Strukturen schaffe'''n: das Vorhandensein von Ast- und Holzhaufen, Gehölzgruppen, Gräben, kleinen Böschungen und Säumen erhöht die Biodiversität. Sie sollen am Rand oder ausserhalb der Moorvegetation angelegt werden. Ausführliche Informationen dazu finden Sie im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sserArtikel «Kleinstrukturen»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Rotationsbrache''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seit einigen Jahren wird bei der herbstlichen Mahd häufig ein Anteil von 5-10% der Riedwiesen als Brache stehen gelassen. Informationen dazu liefern der Bericht [[Media:Gigon Rocker 2010 Rotationsbrachen Insekten.pdf|«Praxisorientierte Empfehlung für die Erhaltung der Insekten- und Pflanzenvielfalt mit Ried-Rotationsbrachen»]] und die [https://www.zh.ch/de/umwelt-tiere/naturschutz/naturschutzgebiete.html Pflegegrundsätze (S. 18f.; siehe nachfolgendes Kapitel)]. In Rotationsbrachen ist auf Neophyten (z. B. Goldruten (''Solidago ssp.'')) und Problemarten (z. B. Schilf (''Phragmites australis''), Knotenbinse (''Juncus subnodulosus'')) zu achten (Regioflora führt eine [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/Problemarten_D_online.pdf Liste von potenziell problematischen Arten im Grünland, darunter auch Feuchtgebietsarten]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Pflegegrundsätze''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Kanton Zürich hat [https://www.zh.ch/de/umwelt-tiere/naturschutz/naturschutzgebiete.html Pflegegrundsätze erarbeitet (Bericht sowie umfangreiche Artenliste mit Angaben zu den Ansprüchen von Arten)]. Diese umfassen die ökologisch wertvollen Lebensraumtypen des Grünlands. Das Dokument thematisiert wiederkehrende Pflegemassnahmen (nicht eingegangen wird auf in grösseren Abständen (&amp;gt; 3 Jahre) stattfindende Unterhaltsarbeiten und die Beweidung). Die beiden Hauptkapitel handeln allgemeingültige und lebensraumspezifische Pflegegrundsätze (Kap. 3) sowie artenspezifische Pflegegrundsätze (Kap. 4) ab. Auch wenn sich der Bericht auf den Kanton Zürich bezieht, hat er für die kolline und (sub-)montane Stufe des östlichen Mittellands Gültigkeit. Die vorgeschlagenen Schnittzeitpunkte können wohl für das ganze Mittelland angewendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kontrollierte Brache bis Sukzession''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wagner&amp;amp;Wagner (2005) schlagen langjährige Brachen als Voraussetzung der Etablierung/Ausbreitung mahdempfindlicher Zielarten vor. Von den von ihnen genannten Zielarten (Niedrige Birke (''Betula humilis''), Kammfarn (''Dryopteris cristata''), Heidelbeerblättrige Weide (''Salix myrtilloides'')) kommt in der Schweiz der Kammfarn selten vor, die beiden anderen Arten sind bei uns äusserst selten. Nichtsdestotrotz sind langjährige Brachen eine Möglichkeit der Erhöhung der Strukturvielfalt in gemähten Riedwiesen. In Frage kommen einerseits nur langsam verbuschende Pflanzenbestände (z. B. Hochstaudenriede) oder andererseits artenarme Bestände, welche statt jährlich gemäht in einem Turnus von 5 bis 10 Jahren entbuscht werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Keine Pflege''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Natürliche Hochmoore, nasse Grossseggenriede und nährstoffarme, schwach wüchsige Flachmoore in der alpinen Stufe benötigen keine Pflege. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Zielkonflikte''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei der Erarbeitung eines Pflegeplans wird man wegen der unterschiedlichen Ansprüche von Arten unweigerlich auf Zielkonflikte stossen. Die oben aufgeführten Aspekte bieten Optionen, damit umzugehen, um eine möglichst grosse Artenvielfalt zu ermöglichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bestimmungen des Bundes für die Bewirtschaftung von Streueflächen (http://www.bff-spb.ch/de/biodiversitaetsfoerderflaechen/wiesen-und-weiden/streueflaechen/) sind zu lasch und entsprechen nicht den nach aktuellen wissenschaftlichen Kenntnissen zur Förderung der Biodiversität der Feuchtgebiete (die Kantone machen teilweise weitergehende Auflagen):&lt;br /&gt;
* Es gibt keine Differenzierung des Schnitttermins (generell ab 1. September möglich)&lt;br /&gt;
* Ein Verbot des Mähaufbereiters gilt nur für QII&lt;br /&gt;
* Rückzugsstreifen (Brachen) sind nur fakultativ&lt;br /&gt;
* Maschinen mit Rotationsmähwerk sind erlaubt&lt;br /&gt;
* Es muss keine Mindestschnitthöhe eingehalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Problempflanzen ===&lt;br /&gt;
Dieses Kapitel wird laufend mit Informationen zu weiteren Arten ergänzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schilf''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Pflanzen «Landschilf»] ist in den Riedwiesen ist bei zu starkem Aufkommen ein Proble. 1997 wurden im Flachmoor Spitzmäder, Kanton St.Gallen, [[Media:Weber_2013_Maehversuche_Verschilfung.pdf|Mähversuche zur Eindämmung der Verschilfung]] gestartet. Der bisherige Septemberschnitt (Kontrolle) wurde mit zwei Frühschnitttypen verglichen (jährliche Zusatzmahd im Juli sowie Zusatzmahd nur jedes zweite Jahr). In den Jahren 1997 bis 2001, 2006 und 2012 erfolgten Vegetationsaufnahmen und Verschilfungsmessungen. Die Verschilfung reagierte schon ab dem zweiten Versuchsjahr auf die Frühschnitte und verringerte sich bis 2012 um rund 60% (jährlicher Julischnitt) bzw. 20% (Julischnitt alle zwei Jahre). Auf den Kontrollflächen stieg die Verschilfung im selben Zeitraum fast auf das Dreifache. Aufgrund der Versuche wird ein alternierender Schnitt empfohlen (Zusatzmahd im Juli in jedem zweiten Jahr).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Knotenbinse''' (''Juncus subnodulosus'') &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Knotenbinse macht sich zunehmend in Flachmooren auf Kosten anderer moortypischer Arten breit. Betroffen sind auch wertvolle Pflanzenbestände wie etwa das Kleinseggenried. Die Ursachen für diese neue Entwicklung sind nur unzulänglich bekannt. Denkbar sind Verbrachungsprozesse (Bosshard et al. 1988), Bodenverdichtung (vgl. beweidungsbedingte Zunahme bei Quinger et al. 1995) und Nährstoffanreicherung (Quinger et al. 1995). Das Handbuch Moorschutz empfiehlt einen regelmässigen Schnitt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Renaturierungen ==&lt;br /&gt;
=== Einleitung ===&lt;br /&gt;
Die Renaturierung von Mooren ist ein weites Feld. Von kleineren Aufwertungsmassnahmen bis zu grossflächigen Regenerationen gibt es eine breite Palette von Fördermassnahmen. '''Renaturierung''' wird i. d. R. als Oberbegriff verwendet und steht für die Überführung von gestörten Ökosystemen in einen naturnäheren Zustand. Mit '''Regeneration''' meint man die Rückführung in den natürlichen Zustand. Von '''Revitalisierung''' wird dann gesprochen, wenn es um die biologischen Funktionen in einem Moor geht. Eine Renaturierung ist in der Regel kurzfristig möglich, Regenerationen hingegen brauchen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den vergangenen Jahrzehnten sind in der Schweiz und in den Nachbarländern viele Renaturierungsprojekte umgesetzt worden. In Deutschland hat man dabei vor allem Torfmoore vernässt (Hoch- und Niedermoore), in der Schweiz hauptsächlich Hochmoore und nur selten Flachmoore.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Kapitel wird auf den Planungs- und Umsetzungsablauf von Wiedervernässungsprojekten und auf die Massnahmen eingegangen. Da es zur Renaturierung von Mooren umfangreiche Unterlagen gibt, enthält es viele Verweise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Planung und Umsetzung ===&lt;br /&gt;
Auslöser und auch Hauptproblem in beeinträchtigten Mooren ist der zu tiefe Wasserstand. Um ein Moor erfolgreich zu renaturieren, braucht es '''genügend und sauberes Wasser'''. Eine Regeneration durchläuft verschiedene Prozessschritte. Diese sind, je nach Gebiet, unterschiedlich tief und aufwändig zu bearbeiten:&lt;br /&gt;
* Übergeordnete Planung&lt;br /&gt;
* Ist-Zustand und Abklärungen&lt;br /&gt;
* Projektierung&lt;br /&gt;
* Umsetzung/Bau&lt;br /&gt;
* Erfolgskontrolle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lohnt sich, mit einer '''übergeordneten Planung''' über einen grösseren Raum, z. B. einen Kanton, eine Prioritätenliste zu erstellen. Es sollen die Gebiete bezeichnet werden, für welche die grössten Erfolgsaussichten für Renaturierungsmassnahmen bestehen. Kriterien können z. B. Besonderheit, Realisierbarkeit, Dringlichkeit und Gefährdung oder Effizienz sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Ist-Zustand und Abklärungen''' sind im «Leitfaden der Niedermoorrenaturierung in Bayern» (Wagner et al. 2005) ausführlich beschrieben. Besonders empfehlenswert ist das Kapitel «Leitbilder und Entwicklungsziele». Dabei geht es u. a. um die Frage, ob ein Gebiet in ein naturnahes oder in ein kulturbetontes Moor (extensive Streunutzung) entwickelt werden soll (vgl. Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Mensch_und_Moor_.28Menschliche_Einfl.C3.BCsse_auf_die_Moore.29 «Mensch und Moor»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der '''Projektierung''' geht es darum, die wesentlichen Parameter zu erfassen. Die Wahl der geeigneten '''Massnahmen''' ist für jedes Gebiet individuell festzulegen. Sie sollen solid und langlebig sein. Im Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Massnahmentypen «Massnahmentypen» ] wird auf die verschiedenen Möglichkeiten eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''ideale Zeit für den Bau ist zwischen August und Oktober''', weil dann die Böden am trockensten, Tiere aber noch mobil sind, um ausweichen zu können. Es soll mit adäquaten Maschinen gearbeitet, d. h. geringer Bodendruck (Bagger mit breiten Raupen, auf Baggermatratzen arbeiten) und geeignete Grösse des Baggers, je nach Arbeiten und Situation vom Kleinbagger (1-1.5 t) bis zu sehr grossen Geräten (20-25 t). Die Arbeiten sollen mit den Ausführenden besprochen und gut begleitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = FNS 2009 Praxishilfe Regeneration Hochmoore zg.png&lt;br /&gt;
| text = Prozessschritte bei einem Renaturierungsprojekt (Quelle: [[Media:FNS 2009 Praxishilfe Regeneration Hochmoore.pdf|Praxishilfe zur Regeneration von Hochmooren im Kanton Zürich (2009))]]. Auf die einzelnen Prozessschritte wird in der Praxishilfe im Detail eingegangen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur mit Ausführungen zum Projektablauf (nicht abschliessend):&lt;br /&gt;
* Wagner, A., Wagner, I., Hrsg.: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, 2003. Leitfaden der Niedermoorrenaturierung in Bayern.&lt;br /&gt;
* pluspunkt, Naturplan, quadra, 2009. Praxishilfe zur Regeneration von Hochmooren im Kanton Zürich (Merkblatt).&lt;br /&gt;
* Grosvernier, Ph., Staubli, P., 2009. Regeneration von Hochmooren. Grundlagen und technische Massnahmen, Umwelt-Vollzug Nr. 0918. Bundesamt für Umwelt, Bern.&lt;br /&gt;
* Bayerisches Landesamt für Umweltschutz (Hrsg.), 2002. Leitfaden der Hochmoorrenaturierung in Bayern für Fachbehörden, Naturschutzorganisationen und Planer.&lt;br /&gt;
* Convention on Wetlands., 2021. Global guidelines for peatland rewetting and restoration, Ramsar Technical Report No. 11. Gland, Switzerland: Secretariat of the Convention on Wetlands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [https://www.pulsbern.ch/torfboerse.html '''Torfbörse'''] ist eine Plattform, welche als Aushubmaterial anfallenden Torf an Regenerationsprojekte in Hochmooren vermittelt. Melden Sie sich dort, wenn Sie Torf benötigen oder anzubieten haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moortypen ==&lt;br /&gt;
Aufgrund der Entwicklung unterscheidet man acht verschiedene hydrogenetische Moortypen, die sich für Renaturierungen verschieden gut eignen und bei denen unterschiedlich herangegangen werden muss. Bei all diesen Moortypen handelt es sich um Torfmoore. Mineralische Moore oder Anmoore mit geringmächtiger organischer Schicht sind hier nicht behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders günstige Bedingungen für Renaturierungen bieten nicht geneigte, nährstoffarm-saure und eutrophe Moore, die nur wenig degradiert sind &amp;lt;!--(Stufe «gering bis mittel»: was hatte ich damit gemeint?)--&amp;gt;, mit lokalem Auftreten der (torfbildenden) Schlüsselarten. Mesotrophe, basen- und kalkreiche Moore (vor allem Durchströmungs- und Quellmoore), die meist geneigt und von einem Grundwasserzustrom sowie von Durchströmung oder Überrieselung des Torfkörpers abhängig sind, sind hingegen nur schwer regenerierbar. Moore lassen sich nicht immer nur einem Moortyp zuordnen, da es im Laufe der Entstehungsgeschichte unterschiedliche Phasen gegeben haben kann. Bei Mooren mit einer (natürlichen) Hangneigung ist bei Renaturierungsmassnahmen eine der grösseren Herausforderungen, dass sie einen weitreichenden Effekt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verlandungsmoore ===&lt;br /&gt;
Die Verlandungsmoore entstehen an den Ufern von Seen und Weiher.  An meso- (bis oligo-)trophen Seen mit relativ geringer Produktivität ist der Verlandungsbereich artenreich mit seltenen Arten wie Rohrdommel, Sumpfhuhnarten, Weihen, Rohrsängern, Bartmeisen und Schwirlen. Eine der wichtigsten Massnahmen sind Seesanierungsmassnahmen zur Reduktion der Nährstoffgehalte, je nachdem eine Erhöhung des Wasserspiegels. Landseitig soll das Moor aus dem Einzugsgebiet nicht mit nährstoffreichem Wasser versorgt werden (siehe Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Wassereinzugsgebiet «Wassereinzugsgebiet»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Versumpfungsmoore ===&lt;br /&gt;
Dieser Moortyp, der in Mitteleuropa mindestens ein Viertel der Moore ausmacht, entsteht durch eine Erhöhung des Grundwasserspiegels (z. B. aufgrund von Klima- oder Landnutzungsänderung (Rodung) oder der Verringerung des Wasserabflusses). Sie zeigen einen jahreszeitlichen Wechsel von Überstau und Austrocknung. Sie weisen meist nur geringmächtige und meist stark zersetze Torfschichten auf, die leicht entwässerbar sind. Primäres Ziel der Renaturierung von Versumpfungsmooren ist die Wiederherstellung einer phasenhaften Überstauungsdynamik durch Anhebung des Grund- bzw. Förderung der Stauwasserzuflüsse sowie das Rückgängigmachen der künstlichen Moorentwässerung. Sie sind einfach wiederherstellbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Überflutungsmoore ===&lt;br /&gt;
Überflutungsmoore sind typisch für Auengebiete. Entscheidend für Auen-Moorbildungen ist ansteigendes Grundwasser in flussferneren Auenbereichen, verursacht durch die Erhöhung des Flussbettes. Der Boden weist mineralische Zwischenschichten auf. Auen-Überflutungsmoore tragen zumeist eine eutraphente Vegetation aus Grossseggenrieden, Röhrichten, Auen- und Bruchwäldern. Durch die starken Eingriffe in die Gewässer sind viele Überflutungsmoore zerstört worden. Sie zu reaktivieren bedingt Gewässerrevitalisierungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kesselmoore ===&lt;br /&gt;
Kesselmoore sind meist klein mit einem geringen Einzugsgebiet. Die Torfmächtigkeit kann grösser als 10 m sein. Der natürliche Wasserstand ist dynamisch mit mehrjährigen Nässe- und Trockenphasen und einem korrespondierenden periodischen Aufwachsen und Absterben von Gehölzen. Kesselmoore lassen sich relativ einfach renaturieren durch die Förderung des Wasserzulaufs, die Rückhaltung von Wasserabflüssen und Niederschlägen und die Minimalisierung von Nährstoffeinträgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hangmoore ===&lt;br /&gt;
Bei diesem Typ handelt es sich um flächige Hangvermoorungen durch Hangwasserzufuhr («geogen»). Die Torfe sind in der Regel geringmächtig. Bei reichlich Niederschlag entstehen die «ombro-soligenen»  Moore &amp;lt;!-- nicht erwähnen: mit von konkav zu konvex wechselndem Querschnitt--&amp;gt;mit schliesslich rein ombrogenen Mooren. Hangabwärts hagert das Moor zunehmend aus&amp;lt;!--falls erwähnt:  Link auf Filter-Funktion des Torfs--&amp;gt;. Natürlicherweise handelt es sich bei Hangmooren um Erlen- oder Birken- und Fichtenbruchwälder. Offene Hangmoore sind meist aufgrund von Mahd und extensiver Weidenutzung entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Renaturierung steht die Instandstellung des Überrieselungs-Wasserregimes im Fokus. Im Bereich der Wasserzufuhr soll es einen wassergefüllten Randsumpf geben, von dem aus das Moor überrieselt wird. Entwässerungseinrichtungen und -gräben sollen verschlossen und je nachdem soll die Nutzung angepasst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===	Durchströmungsmoore ===&lt;br /&gt;
Durchströmungsmoore entstanden vorwiegend in den Talsystemen der Urstromtäler mit permanenter Grundwasserspeisung. Die oberflächennahen, lockeren Torfschichten werden durchströmt mit einem Wachstum der Torfe von bis zu 10 m. Bei gleichmässigem Wasserangebot treten kaum Wasserstandsschwankungen und eine nur geringer Torfzersetzung auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durchströmungsmoore sind schwierig renaturierbar, weil sich der Torf durch die menschlichen Eingriffe verändert hat mit stark reduzierter Durchlässigkeit, Sackung, etc. Eine Renaturierung muss daher meist einer Überrieselung beginnen, damit sich darauf braunmoosreiche Seggenriede entwickeln können. Entwässerungsgräben sollen verschlossen und der Wasserstand angehoben werden. Das Buch «Landschaftsökologische Moorkunde» (2001) enthält in den Kapiteln 9.3.2 und 9.3.7 ausführliche Beschreibungen zu Durchströmungsmooren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Quellmoore ===&lt;br /&gt;
Quellmoore entwickeln sich bei permanenten Grundwasseraustrittsstellen. Bei genügend langsamer Strömung des Quellwassers findet Torfbildung statt. &amp;lt;!-- Vorläufig weglassen: Die Torfe enthalten silikatische Bestandteile (überwiegend Schluff) sowie Fällungsprodukte.--&amp;gt;Die Torfmächtigkeiten sind oft gross. Bei der Vegetation handelt es sich um Erlenwälder oder Grossseggenriede, Braunmoos-, Seggen- oder Kopfbinsenriede oder um Zwischenmoore.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Renaturierungen sind meist schwierig wegen a) Hangneigung und Relief, b) Entwässerungen durch Gräben und Torfstiche, c) oft unbekannter Grösse des unterirdischen Einzugsgebiets und d) Veränderungen der Porosität des Torfs. Zur Renaturierung braucht es genügend Wasserspeisung, den Rückbau aller hydrologischen Eingriffe, ev. die Aktivierung der Quelltätigkeit und bei starker Veränderung der oberen Torfschichten, einen Oberbodenabtrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hochmoore (Regenmoore) ===&lt;br /&gt;
Die wesentlichen Eigenschaften der Hochmoore sind die ausschliessliche Regenwasserspeisung (wobei es möglich ist, dass ein Hochmoor durch Grundwasser gestützt wird) und saure und mineral- und nährstoffarme Bedingungen. Hochmoore können nur in Gebieten mit einer positiven Wasserbilanz vorkommen, was in der regenreichen Schweiz mehrheitlich zutrifft. Eine weitere Eigenschaft ist das Vorkommen von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Akrotelm_und_Katotelm Akro- und Katotelm]. Nur wenige Torfmoosarten können ein funktionierendes Akrotelm aufbauen. &amp;lt;!-- vorläufig nicht veröffentlichen: «Ökosystem-Ingenieure»: S. magellanicum, S. papillosum, s. imbricatum, S. fuscum, S. rubellum. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hochmoore sind durch verschiedene menschliche Eingriffe, allen voran Torfabbau und Entwässerungen, meist stark beeinträchtigt. Viele sind in den vergangenen Jahrzehnten renaturiert worden, entsprechend gross sind die Erfahrungen für entsprechende Massnahmen. Sehr oft präsentiert sich die Situation wegen der starken Eingriffe aber komplex (z. B. sehr starke Reliefierungen, Mineral- und Nährstoffeinflüsse von aussen, viele Gräben, etc.). Bei Massnahmen geht es in der Regel darum, die Regeneration einzuleiten in Richtung eines sich selbstregulierenden Systems und die Akrotelmbildung  zu begünstigen. Das Vorkommen der torfbildenden Torfmoose ist dabei ein wichtiger Indikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Massnahmentypen ==&lt;br /&gt;
Die (vermutlich) am häufigsten angewendeten Massnahmen zur Renaturierung von Feuchtgebieten sind Grabenverfüllung und -einstau. In flachem Gelände sind Totalverfüllungen nicht notwendig (im Gegenteil: hinter dem Einstau entstehen ökologisch wertvolle Kleingewässer (siehe Stillgewässerartikel oder Kapitel Prö)). '''Ab einem Gefälle von 1 bis 2 Prozent sollen Gräben vollständig verfüllt werden'''. Je nach Situation ist das aber schwierig umsetzbar (Materialbeschaffung und Transport, grosser Aufwand, viele Fahrten erforderlich).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einigen Moortypen ist das Durchströmen von Wasser durch den Torfkörper charakteristisch. Lange, dichtende, quer zur Fliessrichtung liegende Massnahmen sollen in solchen Mooren möglichst vermieden werden. Je nachdem ist es aber die einzige Möglichkeit, den Wasserstand anzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massnahmen sollen '''langlebig''' und stets '''gut gegen Erosion geschützt''' sein (siehe separates Kapitel). Für Massnahmen relevant ist die Eigenschaft von '''Torf, dass er nie ganz dicht ist'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wäre wichtig, die Erfahrungen mit den verschiedenen Massnahmen und deren Vor- und Nachteile zusammenzutragen. Zu Rundholzdämmen gibt es Untersuchungen (siehe «Regeneration von Hochmooren», 2009, S. 54), zu den anderen Techniken und Materialien gibt es vermutlich zwar einige, aber zerstreut vorliegende Erfolgskontrollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Grabenverfüllung, Graben Teilverfüllung ===&lt;br /&gt;
Die Verfüllung ist die effektivste Methode, um den Wasserspiegel wiederherzustellen, bedingt aber viel Material. An Material werden vor allem Torf und Sägemehl verwendet. In «Practical peatland restoration» sind weitere Materialen, z. B. Strohballen aufgeführt. Je nach Situation genügt eine teilweise Verfüllung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anforderungen ans Material und zu beachtende Punkte:&lt;br /&gt;
* Nährstoffarm und höchstens mässig durchlässig (maximal so durchlässig wie der umgebende Torf)&lt;br /&gt;
* Torf: verdichten, bei der Torfberechnung den Schwund miteinberechnen (Sägemehl schwindet nicht)&lt;br /&gt;
* In genügenden Abständen Dämme einbauen, damit das Anheben des Wasserstands garantiert ist.&lt;br /&gt;
* Erosion verhindern (mit Vegetation zudecken, wo solche fehlt mit Fasermatten)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verfüllungen mit Torf sind ungeeignet in sehr nassen (Untergrund ist dann meist zu weich) oder zu trockenen Gebieten (Mineralisation des Torfes), bei zu starker Neigung (Erosionsgefahr) und bei sehr breiten Gräben wegen des Bedarfs grosser Mengen. Wenn der Torf vor Ort entnommen wird, muss darauf geachtet werden, dass keine hydrologischen Schwächezonen geschaffen werden. Das Verfüllen von Gräben ist in [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/regeneration-von-hochmooren.html «Regeneration von Hochmooren» (2009) ausführlich beschrieben (Kap. 3.3.2 und 3.3.3)]. Der Kanton Neuenburg benutzt zum Verfüllen eine [[Media:SFFN 2016 regen marais technique sciure.pdf|Mischung aus Sägemehl und Häcksel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Grabeneinstau ===&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur Grabenverfüllung werden Gräben punktuell verschlossen. Man kann unterscheiden zwischen a) '''Grabenanstau''' (nicht bis zur Bodenoberfläche), b) '''Grabeneinsta'''u (bis zur Bodenoberfläche) und c) '''Grabenüberstau''' mit seitlichem Wegfliessen des Wassers über die Grabenschultern. Solche punktuellen Grabenverschlüsse sollen dicht sein und gut gegen Erosion gesichert sein, da sich überschüssiges Wasser bei der Massnahme sammelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Material kommen Holzplatten, Holzspundwände, Metallplatten oder Kunststoffwände in Frage. Holz muss zum Schutz vor Verwitterung geschützt werden (Torfüberdeckung). In Feuchtgebieten mit geringer oder fehlender Torfauflage kann auch Lehm verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn stärker geneigte Gräben kaskadenmässig verschlossen werden, dann soll der Höhenunterschied zwischen den Massnahmen 10 bis 25 cm betragen, höchstens aber 50 cm .&lt;br /&gt;
Das Verfüllen von Gräben ist in [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/regeneration-von-hochmooren.html «Regeneration von Hochmooren» (2009)] ausführlich beschrieben (Kap. 3.3.4).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Juchmoos Grabeneinstau KZirfasse 96 dpi.JPEG&lt;br /&gt;
| text = Ein alle ca. 10 m mit Holzspundwänden eingestauter Graben mit &amp;lt;!--xx% --&amp;gt;Gefälle. Eine Vollverfüllung war nicht möglich wegen zu geringer Torfmächtigkeit zur Entnahme von Torf vor Ort, bzw. unverhältnismässigem Aufwand zum Zuführen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Dämme ===&lt;br /&gt;
Dämme (Sperren, Deiche) überragen die Umgebung mit dem Ziel, Wasser zurückzuhalten. Dämme müssen solid gebaut sein, das überschüssige Wasser muss gezielt und vor Erosion gesichert abgeführt werden. Für den Bau von Dämmen kommen Holzspundwände, Kunststoffwände oder Lehmdämme in Frage. Sie sollen mit geeignetem Material überdeckt werden. Wenn Torf verwendet wird, dann muss mit einer Sackung von 20 bis 25 cm gerechnet werden. Von reinen Torfdämmen ist, auch wenn in der Literatur öfters erwähnt, abzuraten, weil diese nicht dicht und erosionsanfällig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wasserregulierung ===&lt;br /&gt;
Zahlreiche Hochmoore sind hinter Moränenwällen entstanden. Viele wurden entwässert, indem die natürlichen Abflusshindernisse durchstochen wurden . In solchen Fällen kann mit einer Reguliervorrichtung der Wasserstand sukzessive, der Entwicklung des Gebiets angepasst, angehoben werden. Beispiele von Reguliervorrichtungen sind Schächte, Holzkästen, Wehre oder Mönche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Publikation [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/regeneration-von-hochmooren.html «Regeneration von Hochmooren» (2009)] enthält ausführliche Informationen zu Holzkästen (Kap. 3.3.5) und zu Schächten (Kap. 3.3.6).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Stillgewaesser_Galerie20.png&lt;br /&gt;
| text = Einbau eines vorgefertigten Mönchs.Links oben: Seit langem bestehendes Rohr durch die Moräne, links unten: Der Grundablass und die Reguliermöglichkeit durch Holzbretter, die eingesetzt werden können, sind erkennbar. Über den Mönch kann der Wasserstand von 25 Hektaren Moorfläche reguliert werden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erosionsschutz ===&lt;br /&gt;
So simpel es auch klingen mag: Wasser arbeitet ständig. Die Bauwerke müssen entsprechend gegen Erosion gesichert sein. Als Massnahmen kommen in Frage (keine abschliessend Aufzählung):&lt;br /&gt;
* Genügend breit und tief eingebaute Massnahmen&lt;br /&gt;
* Seitlich und nach unten (Auskolkungsgefahr) gut gesicherte Überläufe: Die Seiten und die Sohle z. B. mit Holz gut sichern.&lt;br /&gt;
* Zudecken nackter Torfflächen mit Fasermatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vegetationslenkende Massnahmen ===&lt;br /&gt;
Die Etablierung von Feuchtgebiets- oder torfbildender Vegetation ist, nach der Verbesserung der Hydrologie, der zweitwichtigste Faktor einer Regeneration . Nackte Torfflächen sollen bepflanzt werden, weil sie bis 70° C heiss werden können und eine spontane Besiedlung deshalb fast ausgeschlossen ist. &lt;br /&gt;
Das Bepflanzung ist in [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/regeneration-von-hochmooren.html «Regeneration von Hochmooren» (2009)] ausführlich beschrieben (Kap. 2). Neben der dort beschriebenen aufwändigen Methoden kann das Vegetationswachstum, je nach Situation, auch mit Mahdgutübertragung gefördert werden (siehe [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Mahdgut.C3.BCbertragung Grünlandartikel]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
*	Antoniazza, M., Clerc, C., Le Nédic, C., Sattler, T., Lavanchy, G., 2018. Long-term effects of rotational wetland mowing on breeding birds: evidence from a 30-year experiment. Biodiversity and Conservation 27, 749–763.&lt;br /&gt;
*	Bamann, T., 2016. Der Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) im Artenschutzprogramm des Landes Baden‐Württemberg (Präsentation).&lt;br /&gt;
*	Baumann, A., Fetz, R., Leiser, M., Meier, W., 2002. Aktuelle Beiträge zum Moorentwicklungskonzept Bayern. Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, Augsburg.&lt;br /&gt;
*	Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege ANL (Hrsg.), 2003. Moorrenaturierung - Praxis und Erfolgskontrolle: Tagungsband der beiden Fachtagungen “Moorrenaturierungspraxis - Echte Chance oder nur Kosmetik ?” am 3./4. Mai in Rosenheim und “Erfolgskontrollen im Naturschutz: Moore” am 21./22. November 2002 in Rosenheim, Laufener Seminarbeiträge. Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege ANL, Laufen/Salzach.&lt;br /&gt;
*	Bayerisches Landesamt für Umweltschutz (Hrsg.), 1992. Auswirkungen maschineller Grabenräumung auf den Naturhaushalt: Seminar am 24. November 1992 in Wackersdorf. LfU, München.&lt;br /&gt;
*	Bayerisches Landesamt für Umweltschutz (Hrsg.), 2002. Leitfaden der Hochmoorrenaturierung in Bayern für Fachbehörden, Naturschutzorganisationen und Planer.&lt;br /&gt;
*	Benoît Bressoud, Bundesamt für Umwelt (BAFU), Broggi + Hubeli + Reith + Ryser Büro für Siedlungs- und Umweltplanung, 1992a. Handbuch Moorschutz in der Schweiz: Fallbeispiele - Band 2. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern.&lt;br /&gt;
*	Benoît Bressoud, Bundesamt für Umwelt (BAFU), Broggi + Hubeli + Reith + Ryser Büro für Siedlungs- und Umweltplanung, 1992b. Handbuch Moorschutz in der Schweiz: Grundlagen - Band 1. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern.&lt;br /&gt;
*	Bettschart, A., Klötzli, F., 1978. Frauenwinkel - Altmatt - Lauerzersee: geobotanische, ornithologische und entomologische Studien, Berichte der Schwyzerischen Naturforschenden Gesellschaft. Einsiedeln, Einsiedeln.&lt;br /&gt;
*	Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 1996a. Bestimmungsschlüssel (BGS / 1996), Unterscheidung nach den hierarchischen Klassifikationskriterien.&lt;br /&gt;
*	Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 1996b. Schlüssel zur Klassifikation der Bodentypen der Schweiz.&lt;br /&gt;
*	Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 2010. Klassifikation der Böden der Schweiz: Profiluntersuchung, Klassifikationssystem, Definitionen der Begriffe, Anwendungsbeispiele, 3. Auflage. ed. BGS.&lt;br /&gt;
*	Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), 2002. Moore und Moorschutz in der Schweiz. Bern.&lt;br /&gt;
*	Convention on Wetlands., 2021a. Practical peatland restoration, Briefing Note No. 11. Gland, Switzerland: Secretariat of the Convention on Wetlands.&lt;br /&gt;
*	Convention on Wetlands., 2021b. Global guidelines for peatland rewetting and restoration, Ramsar Technical Report No. 11. Gland, Switzerland: Secretariat of the Convention on Wetlands.&lt;br /&gt;
*	Deutschland / Bundesministerium für Umwelt, N. und N.S. [Herausgeber/in] (Ed.), 2021. Nationale Moorschutzstrategie.&lt;br /&gt;
*	Dierßen, K., Dierßen, B., 2001. Moore, Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht. Ulmer, Stuttgart.&lt;br /&gt;
*	Gigon, A., Rocker, S., 2010. Praxisorientierte Empfehlung für die Erhaltung der Insekten- und Pflanzenvielfalt mit Ried-Rotationsbrachen (Merkblatt No. ART 721). Agroscope Reckenholz-Tänikon ART.&lt;br /&gt;
*	Göttlich Karlhans (Hrsg.), 1990. Moor- und Torfkunde, 3. vollständig überarbeitete, ergänzte und erweiterte Aufl. ed. ESchweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart.&lt;br /&gt;
*	Grosvernier, Ph., Staubli, P., 2009. Regeneration von Hochmooren. Grundlagen und technische Massnahmen, Umwelt-Vollzug Nr. 0918. Bundesamt für Umwelt, Bern.&lt;br /&gt;
*	Grünig, A., Vetterli, L., Wildi, O., 1986. Die Hoch- und Übergangsmoore der Schweiz (Bericht No. 281). Eidg. Anstalt für das forstliche Versuchswesen.&lt;br /&gt;
*	Grünig, A.Peter., 1994. Mires and man : mire conservation in a densely populated country - the Swiss experience : excursion guide and symposium proceedings of the 5th Field Symposium of the International Mire Conservation Group (IMCG) to Switzerland 1992. Swiss Federal Institute for Forest, Snow and Landscape Research.&lt;br /&gt;
*	Guntern, J., Lachat, T., Daniela, P., Fischer, M., 2013. Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz. Forum Biodiversität Schweiz, Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT), Bern.&lt;br /&gt;
*	Haab, R., Jutz, X., 2003. Konsequenzen aus ersten Hochmoor-Regenerationsprojekten im Kanton Zürich. Konzeption und Umsetzung eines kantonalen Regerations-Programmes. Bayerische Akademie für Naturschutz und Landespflege S. 63-87.&lt;br /&gt;
*	Haab, R., Jutz, X., 2004. Das Hochmoor-Regenerationsprogramm im Kanton Zürich. Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich Jg. 149, S. 105-115.&lt;br /&gt;
*	Innovationsprojekt “Umgang mit drainierten Böden” (Hrsg.), 2019. Moorböden - kostbar und unersetzlich.&lt;br /&gt;
*	Klötzli, F., 1969. Die Grundwasserbeziehungen der Streu- und Moorwiesen im nördlichen Schweizer Mittelland, Beiträge zur geobotanischen Landesaufnahme der Schweiz. Huber, Bern.&lt;br /&gt;
*	Klötzli, F., Grootjans, A.P., 2001. Restoration of Natural and Semi-Natural Wetland Systems in Central Europe: Progress and Predictability of Developments. REC Restoration Ecology 9, 209–219.&lt;br /&gt;
*	Kollmann, 2019. Renaturierungsökologie. Springer Berlin Heidelberg.&lt;br /&gt;
*	Kratz, R., Pfadenhauer, J., 2001. Ökosystemmanagement für Niedermoore: Strategien und Verfahren zur Renaturierung. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.&lt;br /&gt;
*	Küchler, M., 2018. Moore der Schweiz: Zustand, Entwicklung, Regeneration, Bristol-Schriftenreihe. Haupt Verlag, Bern, © 2018.&lt;br /&gt;
*	Luthardt, V., Meier-Uhlher, R., Schulz, C., Succow, M., Hrsg.: HNE Eberswalde, 2011. Steckbriefe Moorsubstrate. Sauer Druck und Werbung, Berlin.&lt;br /&gt;
*	Peintinger, M., Schniepper, M., Züger, M., Küchler, M., Bergamini, A., 2022. Mahdregime in Flachmooren und ihre Auswirkungen auf Flora und Fauna: eine Literaturübersicht und -auswertung.&lt;br /&gt;
*	Pfadenhauer, J., 1999. Leitlinien für die Renaturierung süddeutscher Moore. Natur und Landschaft 74, S. 18-29.&lt;br /&gt;
*	Schumann, M., Joosten, H., 2008. Global peatland restoration manual.&lt;br /&gt;
*	SFFN, 2016. Les tourbières du canton de Neuchâtel, Techniques de régénération mélange copeaux/sciure. Départment du développment territorial et l’environnement, canton de Neuchâtel.&lt;br /&gt;
*	Siuda, C., 2013. Vegetationsstrukturtypen in Moorflächen und analoge Moor- /Grundwasserspiegelstände.&lt;br /&gt;
*	Sliva, J., Marzelli, M., Pfadenhauer, J., 2000. Renaturierung von landwirtschaftlich genutzten Niedermooren und abgetorften Hochmooren / Projektbearb.: Jan Sliva et al. ; Hrsg. : Bayerisches Landesamt für Umweltschutz. Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, München.&lt;br /&gt;
*	Stuber, M., Bürgi, M., 2018. Vom “eroberten Land” zum Renaturierungsprojekt. Geschichte der Feuchtgebiete in der Schweiz seit 1700, Zürich, Bristol-Stiftung. Haupt, Bern.&lt;br /&gt;
*	Succow, M., Joosten, H., 2001. Landschaftsökologische Moorkunde, 2., völlig neu bearb. Aufl. ed. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart.&lt;br /&gt;
*	Wagner, A., Wagner, I., Hrsg.: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, 2003. Leitfaden der Niedermoorrenaturierung in Bayern.&lt;br /&gt;
*	Wagner, Alfred., Wagner, Ingrid., Hrsg.: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, 2005. Leitfaden der Niedermoorrenaturierung in Bayern. Augsburg.&lt;br /&gt;
*	Walser, M., 2021a. Comprendre la diversité et les fonctions des sols forestiers en Suisse, Notice pour le praticien / Institut fédéral de recherches WSL 68. Institut fédéral de recherches WSL, Birmensdorf.&lt;br /&gt;
*	Walser, M., 2021b. Den Waldboden verstehen: Vielfalt und Funktion der Waldböden in der Schweiz, Merkblatt für die Praxis / Eidgenössische Forschungsanstalt WSL 68. Eidg. Forschungsanstalt WSL, Birmensdorf.&lt;br /&gt;
*	Weber, U., 2013. 16 Jahre Mähversuche gegen die Verschilfung im Naturschutzgebiet Spitzmäder, Oberriet. Ökobüro Hugentobler.&lt;br /&gt;
*	Zerbe, S., Wiegleb, G., 2009. Renaturierung von Ökosystemen in Mitteleuropa. Spektrum, Heidelberg.&lt;br /&gt;
*	Zirfass, K., Christine Huovinen, Peter Bolligerf, 2016. Feldbotanik. SVS Lehrgang, 4. Aufl. ed. Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

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		<title>Feuchtgebiete</title>
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				<updated>2024-03-15T17:58:57Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Zones humides]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = 2.3.1_Pfeifengraswiese_Molinion_180518_060_zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.biodivers.ch Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation|| Dezember 2022 &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|4}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--&lt;br /&gt;
= Das Wesentliche kompakt =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Einleitung =&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisrelevante Ökologie =&lt;br /&gt;
Feuchtgebiete und Moore lassen sich im Wesentlichen durch ihre Entstehungsgeschichte, die standörtlichen Verhältnisse, die Lebensraum- und Artengemeinschaften und die Nutzung charakterisieren (siehe Abbildung). In diesem Kapitel wird auf diese prägenden Faktoren eingegangen.&amp;lt;!-- In den Grundlagen werden ausgewählte Themen vertieft abgehandelt.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = praegende_faktoren_de_zg.png&lt;br /&gt;
| text = Prägende Faktoren der Moore gemäss Wagner und Wagner, 2003, S. 61, abgeändert und ergänzt mit Boden und Relief. Succow und Joosten, 2001 bezeichnen Substrat, Wasser, Relief und Vegetation als wesentlichen Geokomponenten der Moore.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Abiotische Faktoren ==&lt;br /&gt;
Die abiotischen Faktoren entscheiden darüber, ob ein Moor entstehen kann. Unsere von den Eiszeiten geprägte Naturlandschaft liess Moore wachsen, wo die Bedingungen dafür gegeben waren. Entscheidender Faktor war und ist die permanente Versorgung mit (genügend und qualitativ gutem) Wasser. &lt;br /&gt;
Die Kenntnis der massgeblichen (abiotischen) Faktoren ist der Schlüssel für das Verständnis eines Moors. Nachfolgend wird auf die wichtigsten abiotischen Faktoren Wasserhaushalt (Hydrologie), Boden, Nährstoffe sowie chemische und physikalische Eigenschaften eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Boden ==&lt;br /&gt;
Während der letzten Eiszeit war die Schweiz mehrheitlich von Eis bedeckt.  Nach dem Rückzug der Gletscher wirkten auf die kahlen Rohböden sowohl physikalische als auch chemische und biologische Prozesse, die das Gestein zerkleinerten und die mineralischen Partikel teilweise auflösten und umgestalteten. Erste Pflanzen konnten sich ansiedeln. Diese Bodenbildungsprozesse sind seit dem Gletscherrückzug bis heute wirksam. Durch das natürlicherweise leicht saure Regenwasser und die von Wurzeln abgegeben Säuren verwittert das Muttergestein und Mineralien werden aufgelöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bodenbildung ist ein komplexer Vorgang, bei dem viele Faktoren eine Rolle spielen. Auf [https://www.wsl.ch/de/publikationen/den-waldboden-verstehen-vielfalt-und-funktion-der-waldboeden-in-der-schweiz.html Seite 3 des Merkblatts «Den Waldboden verstehen: Vielfalt und Funktion der Waldböden in der Schweiz» (WSL, 2021)] sind die Bodenbildungsfaktoren, Bodenbildungsprozesse sowie die Bodenmerkmale und -eigenschaften übersichtlich dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je nach Gegebenheiten haben sich unterschiedliche Bodentypen entwickelt. Die Feuchtgebiete kommen auf den wassergeprägten mineralischen Böden ([https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Bodentyp Pseudogleye und Gleye]) und den Moorböden vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Boden beeinflusst mit seinen chemischen und physikalischen Eigenschaften die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Hydrologie Hydrologie] und somit auch die Vegetation eines Standorts (vgl. auch nachfolgende Tabelle).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tabelle: [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Lebensr.C3.A4ume Vegetationstypen] und Bodentypen&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Moortyp&lt;br /&gt;
! Vegetationstyp&lt;br /&gt;
! Bodentyp&lt;br /&gt;
! Quelle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| Schilfröhrichte (im Verlandungsbereich grösserer Stillgewässer; in Seesedimenten wurzelnd; basisch bis neutrale Bedingungen)&lt;br /&gt;
| Anmoorgley, &amp;lt;br /&amp;gt; Torfanmoor, &amp;lt;br /&amp;gt; Flachmoor&lt;br /&gt;
| Wagner und Wagner, 2003 (S. 93); &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| Grossseggenried (im Verlandungsbereich grösserer Stillgewässer; basisch bis neutrale Bedingungen)&lt;br /&gt;
| Anmoorgley, Torfanmoor, Flachmoor&lt;br /&gt;
| Klötzli, 1969 (S. 85); &amp;lt;br /&amp;gt; Wagner und Wagner, 2003 (S. 93); &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| Pfeifengraswiesen&lt;br /&gt;
| Basische und saure Mineralböden; &amp;lt;br /&amp;gt; Anmoore (&amp;quot;Humusböden&amp;quot;&amp;quot;);&amp;lt;br /&amp;gt; wechselfeuchte Gleyböden&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch, Kap. 2.2.2; &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| Dotterblumenwiesen&lt;br /&gt;
| Anmoor-Gley oder Gley, teilweise Torfböden&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch, Kap. 2.2.3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| Hochstaudenriede&lt;br /&gt;
| Gley oder vergleyte Braunerde, anmoorig; &amp;lt;br /&amp;gt; Gleyböden oder wechselfeuchte Pseudogleyböden&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch, Kap. 2.2.3; &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Flachmoor&lt;br /&gt;
| basische und saure Kleinseggenriede&lt;br /&gt;
| Pseudogley und Fahlgley, (anmoorige) Torfböden; &amp;lt;br /&amp;gt; Niedermoortorfböden; &amp;lt;br /&amp;gt; saure Kleinseggenriede: anmoorige Mineralböden, Torfanmoore, Torfgyttja, basische Kleinseggenriede: kalkreiche Gleyböden&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch Kap. 2.3.1; &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz; &amp;lt;br /&amp;gt; Klötzli 1969 (S. 102f.)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Übergangsmoor&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| Torfböden &amp;lt;!-- mineralische Böden? --&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch Kap. 3.1.1&amp;lt;!--: (Übergangsmoore zählen zu den Ombro-minerogenen Mooren mit gemischtem Mineralbodenwasser- und Regenwasserregime)--&amp;gt;; &amp;lt;br /&amp;gt; Klötzli 1969 (S. 151)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Hochmoor&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| Torfböden&lt;br /&gt;
| Moorhandbuch Kap. 2.1.1; &amp;lt;br /&amp;gt; Feldbotanikordner BirdLife Schweiz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Torf ===&lt;br /&gt;
Bei allen torfbildenden Faktoren spielt der '''Wasserüberschuss''' des Standortes eine zentrale Rolle. Natürliche Torfmoore zeichnet das Vorkommen von Torf, ständige Nässe und das kontinuierliche höher Wachsen des Bodens aus.   Die Art der Torfbildung ist Ergebnis von Wasserangebot, Geländerelief und hydrologischen Eigenschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überall in der Natur unterliegen abgestorbene pflanzliche und tierische Reste (organische Substanz) Zersetzungsprozessen, durch die sie abgebaut oder in andere Substanzen umgewandelt werden. Die wesentlichen Zersetzungsvorgänge sind '''Mineralisierung''' und '''Humifizierung'''. Mineralisierung umfasst alle Prozesse, bei denen das organische Material zu einfachen anorganischen Substanzen (im Wesentlichen Mineralien, Kohlendioxid und Wasser) abgebaut wird. Humifizierung bezeichnet alle Vorgänge, durch die organisches Material in braun bis schwarz gefärbte Humussubstanzen (Huminstoffe) umgewandelt wird. Da die meisten zersetzenden Organismen Sauerstoff für ihre Tätigkeit benötigen, ist der Abbau in wassergesättigten Standorten stark eingeschränkt. Unter solchen Bedingungen ist die Produktion von organischer Substanz größer als deren Abbau. Folglich kommt es zu einer Anreicherung von unvollständig zersetztem organischem Material - im wesentlichen Pflanzenresten -, die den für Moore kennzeichnenden '''Torf''' bilden. Demgemäss ist Torf ein auf wassergesättigten Standorten angereichertes, sedentäres (von unten nach oben aufwachsendes) Substrat. Der organische Anteil besteht dabei überwiegend aus abgestorbenen, unvollständig zersetzten Pflanzenresten und ihren Umwandlungsprodukten, den Huminstoffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Torf''' enthält über 30% organische Substanz, '''Anmoor''' als Humusform zwischen 15% und 30%, während beim Mull weniger als 15% organisch sind (Bemerkung: Die weiteren Humusformen sind Rohhumus und Moder). Völlig wassergesättigte Torfe können bis zu 97 Volumen-Prozent Wasser enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland werden die botanischen Torfarteneinheiten '''Moostorfe, Kräutertorfe, Reisertorfe, Holztorfe''' und '''amorphe Torfe''' unterschieden, bei den bodenkundlichen Torfartengruppen Hoch-, Übergangs- und Niedermoortorfe. Die Grundlage für die botanische Torfgliederung sind die torfbildenden Vegetationsgemeinschaften (z. B. von Moosen oder Wollgräsern oder Schilf dominierte Vegetation). Weitergehende Informationen können dem Buch «Steckbriefe Moorsubstrate» (Luthardt et al. 2011) entnommen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In wachsenden Hochmooren akkumuliert sich pro Jahr bis 1 Millimeter Torf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Beurteilung von Mooren und deren Regeneration ist die Kenntnis der wichtigsten physikalischen und chemischen Eigenschaften der Torfe von Bedeutung. Dazu zählen die Wasserleit- und Wasserspeicherfähigkeit, der  Zersetzungsgrad, der pH-Wert oder das Kohlenstoff/Stickstoff- (C/N)-Verhältnis.&amp;lt;!-- Weitergehende Informationen dazu können den Moorstandardwerken entnommen werden &amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt; (#auf Literaturverzeichnis; Moorsubstrate, Göttlich, Succow/Joosten, Klötzli). &amp;lt;/span&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Mooren findet man manchmal '''Mudden'''. Es handelt sich dabei um Seesedimente mit einem organischen Anteil von mindestens 5 Prozent. Weitere Informationen zu Mudden siehe z. B. ab Seite 32 in «Steckbrief Moorsubstrate» (Luthardt et al. 2011).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Akrotelm und Katotelm=== &amp;lt;!--(Quellen: Moorhandbuch, Kap. 3.1.2, Zerbe (Renaturierung von Ökosystemen in Mitteleuropa), Succow/Joosten; ev. als Box; Bemerkung: zu Akro- und Katotelm nicht auf das Moorhandbuch verlinken, weil zu theoretisch und weil das Kapitel zur Hydrologie viel zu unvollständig ist, z. B. keine Angaben zu Wasserständen) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein ungestörtes, wachsendes Hochmoor ist aus zwei Schichten aufgebaut. Die obere, Schicht wird als Akrotelm bezeichnet. Darunter liegt das Katotelm. Das Katotelm kann über 10 m mächtig sein und besteht aus abgestorbenem Pflanzenmaterial (Torf) und Wasser. Das Akrotelm besteht v. a. aus einem dichten elastischen Geflecht lebender, luftführender Pflanzenwurzeln. Die organische Substanz ist relativ locker gelagert. Die Wasserdurchlässigkeit ist horizontal, welche mit zunehmender Tiefe rasch abnimmt, weil das organische Material in den tieferen Schichten immer stärker komprimiert wird. Deshalb fliesst in einem intakten Akrotelm überschüssiges Wasser schnell, aber diffus ab, ohne z. B. Erosion zu verursachen. Als Grenze zwischen Akro- und Katotelm gilt jener Bereich, über dem sich die Wasserverhältnisse und Abbauprozesse rasch ändern und unter dem die Verhältnisse weitgehend stabil bleiben. Der Wasserstand sinkt nicht unter die stärker komprimierten Schichten ab, mit folglich relativ stabilem Wasserstand. Im Katotelm, mit relativ geringer biologischer Aktivität, entstehen durch Wachstum und Absterben von Pflanzenteilen die frischen organischen Substanzen. Nur wenige Torfarten können ein funktionierendes Akrotelm mit diesen Eigenschaften aufbauen («Ökosystem-Ingenieure»: ''Sphagnum magellanicum, S. papillosum, S. imbricatum, S. fuscum, S. rubellum'').&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Weitergehende Informationen zu Akro- und Katotelm hat es zum Beispiel in Succow und Joosten, S. 42ff. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Literatur und Links zu Boden ===&lt;br /&gt;
* Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 2010. Klassifikation der Böden der Schweiz: Profiluntersuchung, Klassifikationssystem, Definitionen der Begriffe, Anwendungsbeispiele, 3. Auflage. ed. BGS: Wichtige Grundlage für die Kartierung von Böden in der Schweiz mit Fachleuten als Zielpersonen. Ausführlich und eher schwer verständlich.&lt;br /&gt;
* Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 1996. Schlüssel zur Klassifikation der Bodentypen der Schweiz: Die Bodentypen der Schweiz vereinfacht und übersichtlich dargestellt.&lt;br /&gt;
* [https://www.dora.lib4ri.ch/wsl/islandora/object/wsl:27078/datastream/PDF Walser, M., 2021. Den Waldboden verstehen: Vielfalt und Funktion der Waldböden in der Schweiz, Merkblatt für die Praxis / Eidgenössische Forschungsanstalt WSL 68. Eidg. Forschungsanstalt WSL, Birmensdorf]: Das Merkblatt bezieht sich zwar auf den Wald, ist aber weitgehend allgemeingültig und fasst Relevantes zum Boden gut verständlich zusammen. Es handelt aber nicht alle in der Schweiz vorkommenden Bodentypen ab, insbesondere die für Moore wichtigen organischen Böden werden nur kurz abgehandelt. &amp;lt;!-- französische Version: [https://www.wsl.ch/de/publikationen/comprendre-la-diversite-et-les-fonctions-des-sols-forestiers-en-suisse.html Walser, M., 2021. Comprendre la diversité et les fonctions des sols forestiers en Suisse, Notice pour le praticien / Institut fédéral de recherches WSL 68. Institut fédéral de recherches WSL, Birmensdorf] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://e-docs.geo-leo.de/handle/11858/8054 Steckbriefe Moorsubstrate, 2. Auflage, 2015. Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (Hrsg.): Umfassendes und reich bebildertes Werk zu Moorböden. Für Moorkundler:innen eine sehr wertvolle Grundlage]. &lt;br /&gt;
* Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 1996. Bestimmungsschlüssel© (BGS / 1996), Unterscheidung nach den hierarchischen Klassifikationskriterien: Bestimmungsschlüssel für die Böden der Schweiz mit Fachleuten als Zielpersonen.&lt;br /&gt;
* Amelung, W., 2018. Scheffer/Schachtschabel Lehrbuch der Bodenkunde, 17., überarbeitete und ergänzte Auflage. ed, Lehrbuch. Springer Spektrum, Berlin: Standardwerk zur Bodenkunde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hydrologie ==&lt;br /&gt;
=== Wasserhaushalt und Wasserstände ===&lt;br /&gt;
Wasser ist das Lebenselixier der Moore. Bedingungen und Prozesse in Mooren sind in besonderer Weise vom Wasserhaushalt abhängig. In einem natürlichen Moorsystem sind die hydrologischen Bedingungen das Resultat aus geologischen, edaphischen, topografischen und klimatischen Bedingungen (siehe Abbildung unten).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ans Moor angrenzende oder direkte menschlichen Aktivitäten wie Veränderungen des Wassereinzugsgebietes, intensive Nutzungen, Entwässerungen der Moore, Veränderungen der Topografie (Torfabbau) oder auch die Ein- und Durchleitung von Drainagen haben oft einen starken Einfluss auf die Hydrologie von Mooren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wasserhaushalt seinerseits beeinflusst die Vegetation, die Nährstoff- und pH-Verhältnisse sowie die Art und Abfolge der gebildeten Substrate (Humusformen, z. B. Torf, siehe Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Boden «Boden»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche, meist langjährig gemessene Grundwasserstände in Hoch- und Niedermooren lassen einen ausgeprägten Jahresgang erkennen mit Maxima im Winter und Minima ausgangs des Sommers. Im Frühjahr und Sommer zehrt die Verdunstung, im Herbst und Winter nährt der Niederschlag das im Moor meist oberflächennahe Grundwasser. Der Jahresgang kann durch Witterungseinflüsse mehr oder weniger überdeckt sein. Klötzli (1969) hat Höchststände von März bis Mai und Tiefststände von August bis Oktober gemessen. Er hat sehr viele Streuwiesen im östlichen Schweizer Mittelland auf ihren Wasserstand untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Media:grosvernier_etal_2009_S15_de.pdf|Grosvernier et al. (2009, Regeneration von Hochmooren: Grundlagen und technische Massnahmen)]] zeigen Beispiele von Ganglinien verschiedener Moortypen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Torfmooren hat der Wasserstand entscheidenden Einfluss auf die Torfbildung:&lt;br /&gt;
* '''Absinktiefe und -dauer''' entscheiden massgeblich über Torfbildung bzw. –abbau, weil mit zunehmender Tiefe und Dauer der Belüftung der Torfe die Tendenz zur Mineralisation steigt.&lt;br /&gt;
* '''Absinkgeschwindigkeit''': Der Wasserspiegel kann pro Tag bis über 4 cm absinken. &lt;br /&gt;
* '''Torfakkumulation''': Damit Torf akkumuliert wird, das Moor also wächst, muss das Wasser im langfristigen Mittel nahe an, in oder über der Oberfläche stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Wir haben eine Tabelle zusammengestellt mit vegetationsbezogenen Angaben zum Wasserstand, zur Bodenreaktion und zur Leitfähigkeit.--&amp;gt; &amp;lt;!-- Das Kapitel Grundlagen enthält weitergehende Informationen zur Hydrologie. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Schweizer Flachmoore sind oft von vielen Gräben durchzogen, die zur Bewirtschaftung angelegt worden sind. Gräben entwässern ihre Umgebung. Sie tun dies vor allem in Abhängigkeit der Lage im Gelände und des Bodenaufbaus. Hangparallele Gräben entwässern die tiefergelegenen Flächen, während der Einfluss hangvertikaler Gräben geringer ist. Bodensubstrate sind sehr unterschiedlich wasserdurchlässig. Bei Torfen sind der Torftyp und der Zersetzungsgrad wichtige Einflussgrössen, bei mineralischen Böden das Verhältnis von Ton, Sand und Schluff&amp;lt;!-- Verweis auf Grundlagen--&amp;gt;. Je grobkörniger der Boden, desto wasserdurchlässiger ist er. Durch Sand fliesst entsprechend ziemlich viel Wasser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = hydrologie de.png&lt;br /&gt;
| text = Einflussfaktoren auf die Hydrologie (nicht abschliessend)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wassereinzugsgebiet ===&lt;br /&gt;
Moore werden durch das Einzugsgebiet und den Niederschlag mit Wasser gespeist. Nur [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Hoch-_und_.C3.9Cbergangsmoore Regenmoore] werden ausschliesslich mit Niederschlag versorgt. Das hydrologische Einzugsgebiet ist durch Wasserscheiden begrenzt. Die Wasserspeisung eines Moors ist in Menge, Qualität und zeitlicher Verteilung von der räumlichen Ausdehnung sowie der pedologischen, geologischen und Nutzungsstruktur seines Einzugsgebiets abhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Projekts [https://marais.ch/de/home.html «Erhaltung der Wasserressourcen im Einzugsgebiet von Moorbiotopen von nationaler Bedeutung»] wurde eine Methode entwickelt zur Abgrenzung von hydrologischen Pufferzonen. Auf dem Weg dahin wird unter anderem das Einzugsgebiets beurteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wassereinzugsgebiet ist eine wichtige Einflussgrösse und deren Charakterisierung relevant für das Verständnis und die Bedingungen in den Moorbiotopen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nährstoffökologie und chemische Eigenschaften ==&lt;br /&gt;
Die Angaben zur Nährstoffökologie beziehen sich hauptsächlich auf Torfmoore, da die Grundlagenliteratur darauf fokussiert. In diesem Kapitel wird nur auf die wesentlichen Aspekte von Nährstoffen und chemischen Eigenschaften eingegangen. Ausführliches kann in der angegebenen Literatur nachgelesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Moore sind natürlicherweise überwiegend nährstoffarm''', weil ein beträchtlicher Anteil der mit dem Grund-, Oberflächen- oder Niederschlagswasser zugeführten Ionen im Torf festgelegt wird und daher für Pflanzen nicht oder nur eingeschränkt verfügbar ist. Bei Hochmooren ist ausschliesslich der atmosphärische Eintrag von Bedeutung, in Niedermooren beziehungsweise im Lagg von Hochmooren überlagern sich die Einflüsse von Grund-, Oberflächen- und Niederschlagswasser. Einzig die Moore der Flusstäler mit grossem Einzugsgebiet sind etwas nährstoffreicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stickstoff, Phosphor und Kalium === &lt;br /&gt;
Die Hauptnährstoffe sind '''Stickstoff, Phosphor und Kalium''', wobei '''Stickstoff der wichtigste Pflanzennährstoff ist'''. Stickstoff wird von den Pflanzen vor allem als Nitrat oder Ammonium aufgenommen.   Wachstumslimitierend wirken in vielen terrestrischen und aquatischen Ökosystemen in erster Linie Stickstoff und Phosphor, in seltenen Fällen (organische Nassböden) auch Kalium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stickstoff und Phosphor sind zum grössten Teil organisch gebunden und damit nur sehr eingeschränkt pflanzenverfügbar.   Die Immobilisation von Stickstoff erfolgt v. a. bei der mikrobiellen Huminstoffbildung. Phosphor ist in der Bodenlösung von Torfen unter reduzierenden Bedingungen häufig nur zu einem geringen Anteil pflanzenverfügbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In genutzten Mooren ist der Entzug von Phosphor durch die Ernte eine wichtige Austragsgrösse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Torfe enthalten deutlich weniger Kalium als Mineralböden. Aufgrund der grossen Kaliummenge in der Vegetation im Vergleich zum Bodenvorrat weisen Moore mit Schnittnutzung häufig eine negative Kaliumbilanz auf. In natürlichen und naturnahen Mooren gibt es hingegen keine Kaliumlimitierung des Pflanzenwachstums. Weil kein Kaliumentzug durch Ernte von Biomasse stattfindet, ist der Kaliumkreislauf in ungestörten Mooren weitgehend geschlossen.&lt;br /&gt;
Die Pflanzen haben sich auf vielfältige Art an die nährstoffarmen Bedingungen in den Mooren angepasst. Darauf wird im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Pflanzen entsprechenden Kapitel] eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Stickstoffeinträge aus der Luft (N-Deposition)''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stickstoffeinträge über Niederschläge in anthropogen wenig beeinflussten Gebieten betragen etwa '''1 kg N pro Hektar und Jahr'''. In weiten Teilen Mitteleuropas beträgt der Eintrag heute '''10-25 kg N pro Hektar und Jahr''' (bis zu 80 kg N pro Hektar und Jahr). Hinzu kommen Einträge durch trockene Deposition und Nebel (insgesamt 20-50 kg N pro Hektar und Jahr).  In Hochmooren sind die Gesamt-Stickstoff-Frachten die wesentliche Eintragsquelle. Auf bewaldeten Moorflächen erfolgt gegenüber offenen Moorstandorten eine Anreicherung auf das bis zu 2.5fache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== pH ===&lt;br /&gt;
Für die Ökologie von Moorstandorten und damit die natürliche Vegetation sind neben den trophischen Bedingungen (Nährstoffe) die pH-Verhältnisse von Bedeutung.&lt;br /&gt;
Succow und Joosten (2001) unterscheiden acht pH-Stufen (siehe Tabelle). Bei einem pH-Wert grösser als 6.4 ist Calciumcarbonat vorhanden und die Standorte dadurch von einer grösseren Zahl von «Kalkmoor»-Pflanzen gekennzeichnet. Der Bereich zwischen pH 4.8 und 6.4 ist basenreich. Hier ist der Schwerpunkt des Auftretens von Braunmoosen. Der saure Bereich mit tieferen pH-Werten als 4.8 ist charakteristisch für die meisten Torfmoosarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-300px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Säure-Basen-Stufen gemäss Succow und Joosten 2001 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Säure-Basen-Stufen gemäss Succow und Joosten, 2001&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Leitfähigkeit === &lt;br /&gt;
Die elektrische Leitfähigkeit ist ein Mass für die Summe aller im Wasser gelösten Ionen mit Ausnahme der Wasserstoffionen. Durch die negativen oder positiven elektrischen Ladungen der Ionen (z. B. Calcium, Nitrat, Phosphat) wird ein Stromfluss im Wasser ermöglicht, den man sich bei der Messung der elektrischen Leitfähigkeit zunutze macht. Eine hohe Leitfähigkeit bedeutet folglich eine hohe Ionenkonzentration und umgekehrt. In Moorökosystemen kann ein hoher Ionengehalt durch Eintrag mineralstoffreichen Grundwassers, durch oberirdische Einträge von Pflanzennährstoffen aus landwirtschaftlich genutzten Gebieten oder durch Torfzersatz verursacht werden. PH-Wert und Leitfähigkeit sind häufig, aber nicht immer positiv korreliert (z. B. nicht bei pH-Werten unter 4).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Messung der '''elektrischen Leitfähigkeit''' hat sich in der Praxis gut bewährt, um die vorkommenden Vegetationstypen nachvollziehen zu können oder Einflüsse von mineralstoffreichem Wasser zu erkennen.&amp;lt;!-- Das Wissen zu elektrischen Leitfähigkeiten ist in einer Tabelle zusammengefasst (#Link auf Tabelle_Vegetationstyp_Parameter.xlsx)--&amp;gt; Regengespeiste Hochmoore zeigen Werte unter 40 µS/cm (bei Göttlich 30 µS/cm) mit niedrigsten Werten in ungestörten Torfmoosbeständen mit grossen Torfmächtigkeiten. Leicht höhere Werte zeigen bereits den Einfluss von mineralischem Wasser und sind in Übergangsmooren anzutreffen. Flachmooren zeigen Werte über 200 µS/cm je nach Leitfähigkeit von Oberflächen- oder Grundwasser. Aufstossendes Wasser aus basenreichen Bodenschichten kann sehr hohe Werte aufweisen (z.B. 800 µS/cm), was oft in kalkreichen Kleinseggenrieden zu finden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lebensräume ==&lt;br /&gt;
Die Feuchtgebiete unterscheiden sich in die beiden grossen Gruppen Hoch- und Flachmoore, die Übergangsmoore nehmen eine Mittelstellung ein. Die Feuchtwiesen werden mal zu den Flachmooren gezählt, mal separat geführt (siehe nachfolgende Tabelle). Daneben kommen in Mooren viele weitere, für das Ökosystem relevante Lebensräume wie natürliche kleine Seen, Abflussrinnen und Gräben vor, auf die in diesem Kapitel eingegangen wird. Für die Unterscheidung der Hoch- und Flachmoore wird die Klassifikation von Delarze et al. (2015)  übernommen (siehe nachfolgende Tabelle). Die flächenmässig relevanten Moor- und Feuchtwälder werden bei den [https://www.biodivers.ch/de/index.php/W%C3%A4lder Wäldern] abgehandelt, die trockenen Wiesen und Weiden beim [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Grünland]. Übergänge gibt es im Weiteren zu den Lebensräumen der [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Fliessgew%C3%A4sser Fliessgewässer].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ufer und Feuchtgebiete der Schweiz (nach Delarze et al. 2015) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt; Gefährdungsgrad: LC: nicht gefährdet, NT: potenziell gefährdet, VU: verletzlich, EN: stark gefährdet, CR: vom Aussterben bedroht; Regenerationszeit nach Störung bzw. Zerstörung des Lebensraumes: 1: &amp;lt; 5 Jahre; 2: 5–10 Jahre; 3: 10–25 Jahre; 4:25–50 Jahre; 5: 50–200 Jahre; 6: &amp;gt; 200 Jahre (Quelle: Delarze et al., 2016. Rote Liste der Lebensräume der Schweiz). &amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! &lt;br /&gt;
! Pflanzengesellschaft (wissenschaftlich)&lt;br /&gt;
! Pflanzengesellschaft (Deutsch)&lt;br /&gt;
! Gefährdung&lt;br /&gt;
! Regenerationszeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.1.1&lt;br /&gt;
| Sphagno-Utricularion&lt;br /&gt;
| Wasserschlauch-Moortümpelgesellschaften&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.1.2.1&lt;br /&gt;
| Phragmition&lt;br /&gt;
| Stillwasser-Röhricht&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.1.2.2&lt;br /&gt;
| Phalaridion&lt;br /&gt;
| Landschilf-Röhricht&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.1.3&lt;br /&gt;
| Littorellion&lt;br /&gt;
| Strandlingsgesellschaften&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.1.4&lt;br /&gt;
| Glycero-Sparganion&lt;br /&gt;
| Bach- und Flussröhricht&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.1.1&lt;br /&gt;
| Magnocaricion&lt;br /&gt;
| Grossseggenried&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.1.2&lt;br /&gt;
| Cladietum&lt;br /&gt;
| Schneidbinsenried&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.2&lt;br /&gt;
| Caricion fuscae&lt;br /&gt;
| Saures Kleinseggenried&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.3&lt;br /&gt;
| Caricion davallianae&lt;br /&gt;
| Kalk-Kleinseggenried&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.4&lt;br /&gt;
| Caricion lasiocarpae&lt;br /&gt;
| Übergangsmoor&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.2.5&lt;br /&gt;
| Caricion bicolori-atrofuscae&lt;br /&gt;
| Schwemmufervegetation alpiner Wildbäche&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.3.1&lt;br /&gt;
| Molinion&lt;br /&gt;
| Pfeifengraswiese&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.3.2&lt;br /&gt;
| Calthion&lt;br /&gt;
| Sumpfdotterblumenwiese&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.3.3&lt;br /&gt;
| Filipendulion&lt;br /&gt;
| Spierstaudenflur&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| 2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.4.1&lt;br /&gt;
| Sphagnion magellanici&lt;br /&gt;
| Torfmoos-Hochmoor&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| 6&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.5.1&lt;br /&gt;
| Nanocyperion&lt;br /&gt;
| Zwergbinsen-Annuellenflur&lt;br /&gt;
| CR&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2.5.2&lt;br /&gt;
| Bidention&lt;br /&gt;
| Nitrophile Annuellenvegetation&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| 1&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Weitere Informationen zu den Lebensräumen finden Sie in dieser Tabelle («Tabelle_Vegetationstyp_Parameter.xlsx»).--&amp;gt;&amp;lt;!--Für die nachfolgen Beschreibungen wurden folgende Grundlagen verwendet: Pflegegrundsätze (Hintermann&amp;amp;Weber), Moorhandbuch, Moore und Moorschutz in der Schweiz (2002), Feldbotanik (2016), Zeitschrift Aqua Viva X/201X, Handbuch Pro Natura.--&amp;gt;Im [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch sind die Lebensräume in ausführlichen Artikeln vorgestellt (Band 1, Kap. 2)]. [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/vollst%C3%A4ndige-auflistung/vollst%C3%A4ndige-auflistung-phytosuisse.html Phytosuisse] ist ein Nachschlagewerk mit Kurzbeschrieb zu jeder Pflanzengesellschaft (Klassifikation nach Delarze et al.). Wichtig für das Verständnis der Lebensräume ist die Kenntnis ihrer Entstehung (Moorgenese). Darauf wird im Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Moortypen Moortypen «Erhalt und Förderung»]&amp;lt;!--(und im Kapitel Grundlagen)--&amp;gt; eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hoch- und Übergangsmoore ===&lt;br /&gt;
Offene Hochmoore bestehen vorwiegend aus einem schwammigen Teppich wassergetränkter Torfmoose, auf dem verstreut kleinblättrige Heidekrautgewächse und schmalblättrige Sauergräser wachsen. Intakte Hochmoore wölben sich uhrglasförmig über die sie umgebende Landschaft. Sie sind durch den mächtigen Torfkörper vom Mineralboden und dessen Grundwasserregime vollständig isoliert. Die Speisung mit Wasser erfolgt ausschliesslich über den Niederschlag (Hochmoore werden deshalb auch «Regenmoore» genannt). Die Torfmoose sind durch ihr kontinuierliches, vom Grundwasser unabhängiges Wachstum die treibende Kraft für die Entstehung der Hochmoore. Sie bauen den Torfkörper auf. Das Wachstum der Hochmoorfläche ist ungleichmässig: Es wechseln sich «Bulten» (höckerartige Bodenerhebungen) mit nassen Schlenken ab. Der grosse Mangel an verfügbarem Stickstoff begünstigt zudem die Existenz fleischfressender Pflanzen (Drosera spp.) und Mykorrhiza-abhängiger Heidekrautgewächse. Ist der Wasserhaushalt gestört, nimmt das Heidekraut auf Kosten der Torfmoose stark zu – es bildet sich eine moorige Heidevegetation aus. Die Hochmoore sind auf Eutrophierung und Entwässerung äusserst empfindlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hochmoor herrschen extreme Lebensbedingungen: Es ist ganzjährig sehr nass, sehr sauer und die Temperaturschwankungen können im Jahres- wie im Tagesverlauf gross werden. Die Artenvielfalt der Hochmoore ist dadurch vergleichbar gering, ihre Spezialisierungen aber gross.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Torfmoose – ein Winzling baut Landschaften''' &amp;lt;br /&amp;gt; Torfmoose sind die Baumeister der Hochmoore und sie überziehen dessen Oberfläche wie einen Teppich. Es ist einzigartig, dass ein kleines und unscheinbares Pflänzchen ganze Landschaften prägt und baut. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Torfmoos zeichnet ein paar Besonderheiten aus: Es wächst an der Spitze und stirbt am Wurzelende ab. Die abgestorbene Pflanzenmasse ist das Ausgangsmaterial für die Torfbildung. Das Torfmoos ist ein Ionentauscher, das heisst es entzieht der Umgebung Mineralstoffe und gibt dafür Wasserstoffionen (positiv geladene H-Teilchen) ab. Dadurch wird das Moorwasser sauer. Die enorme Wasserspeicherkapazität ist eine weitere herausragende Eigenschaft. Das Pflänzchen besitzt spezialisierte Zellen (Hyalinzellen), welche sich bei Nässe mit Wasser vollsaugen und diese bei Trockenheit nur langsam abgeben. Bis zum 30-fachen des Eigengewichts kann an Wasser gespeichert werden. Da die Speicherfunktion auch in den abgestorbenen Pflanzenteilen erhalten bleibt, können Torfmoore grosse Wassermengen speichern. In der Schweiz kommen rund 30 Torfmoosarten vor, ein Dutzend ausschliesslich in Hochmooren. &amp;lt;/td&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hochmoore sind komplexe und kleinräumig diverse und vielfältige Lebensräume. Im [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch sind sie ausführlich beschrieben (Kap. 2.2.8]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = moorhandbuch 2.2.8 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Schema eines naturnahen Hochmoors. a: Bult, b: Schlenke, c: Moorweiher, d: Schwingrasen, e: Rülle; f: Bergföhrenhochmoor, g: Randwald, h: Randsumpf, Lagg, i: Flachmoor (aus Moorhandbuch, Kap. 2.2.8, Original in Grünig, A., Vetterli, L., Wildi, O., 1986. Die Hoch- und Übergangsmoore der Schweiz (Bericht No. 281). Eidg. Anstalt für das forstliche Versuchswesen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Übergangsmoore, auch Zwischenmoore genannt, bilden Bestände aus Sauergräsern (insbesondere Seggen) am Übergang zwischen den äusserst nährstoffarmen Hochmooren und den mineralienreicheren Standorten. Sie finden sich typischerweise in Senken in der Nachbarschaft von Hochmooren, wo sich das Wasser aus dem Hochmoor und der Umgebung sammelt. Die Speisung mit Wasser ist somit eine Mischung aus dystrophem Hochmoor- und mineralstoffreichem Grund- oder Quellwasser aus der Umgebung. Übergangsmoore können auch in wasserhaltigen Vertiefungen in der Kernzone von Hochmooren (Schlenken) wachsen.&amp;lt;!-- (weglassen: Das Substrat ist gekennzeichnet durch seine torfige und nährstoffarme Zusammensetzung. Übergangsmoore sind natürliche Dauergesellschaften, die für ihr Bestehen weder Nutzung noch Pflege brauchen. Jedoch gefährden die Entwässerungen und Eutrophierung der Moore sowie atmosphärische Strickstoffeinträge den Lebensraum.)--&amp;gt; Ausführliche Informationen zu den Übergangsmooren enthält das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch, Kap. 2.2.6]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Flachmoore ===&lt;br /&gt;
Flachmoore werden, im Gegensatz zu den Hochmooren, neben dem Regenwasser zusätzlich mit mineralstoffreichem Hang-, Grund- oder Quellwasser versorgt. Die Pflanzen der Flachmoore sind reichlicher mit Nährstoffen versorgt als die Hungerkünstler der Hochmoore. Entsprechend den unterschiedlichen chemischen Eigenschaften des Wassers und den grösseren Schwankungen des Wasserspiegels ist die Vegetation der Flachmoore produktiver und vielfältiger als diejenige der Hochmoore.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pflanzengesellschaften der Flachmoore&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Stillwasser-Röhricht''' (''Phragmition''), '''Landröhricht''' (''Phalaridion'') &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das gürtelartige Stillwasser-Röhricht steht während der gesamten Vegetationsperiode im Wasser von Seeufern und Stillwasserbereichen. Es besteht vorwiegend aus Schilf (''Phragmites australis''), manchmal auch aus Rohrkolben (''Typha angustifolia, T. latifolia'') oder Seebinsen (''Schoenoplectus lacustris''). Infolge der Akkumulation von organischem Material verlanden diese Uferbereiche allmählich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mähbare Landröhricht entsteht im Verlaufe des Verlandungsprozesses aus dem Stillwasser-Röhricht. Die Dominanz des Schilfs (bzw. des Rohrglanzgrases (''Phalaris arundinacea'') an Fliessgewässern) kennzeichnen die Einheit. Die lokalen Nährstoffanreicherungen durch angespülte Sedimente, Erde und Strandgut begünstigt das Aufkommen nitrophiler Arten. Landeinwärts nimmt die Dominanz des Schilfs zugunsten der Arten des Grossseggenrieds allmählich ab. Röhrichte der Verlandungszone wurden früher zur Gewinnung von Streumaterial gemäht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grossseggenried''' (''Magnocaricion'') &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Vegetation des Grosseggenried wird von wenigen Pflanzenarten, vorwiegend grosswüchsige Seggenarten (60 bis 150 cm hoch) dominiert. Dazu gehören auch Arten, die höckerartige Bodenerhebungen, sogenannte «Bulten», bilden (''Carex appropinquata, C. elata, C. paniculata''). Bei natürlichen Ufern schliesst diese Vegetation landwärts an das Wasserröhricht an. Sie übersteht mehrwöchige Überflutungsperioden, im Winter sogar mehrmonatige, und Wasserstandsschwankungen um 60 cm. Der Boden bleibt dauerhaft feucht und ist neutral bis leicht basisch. Er ist häufig sauerstoffarm und schlecht belüftet. In ungemähten, eutrophierten Mooren sind oft Übergangsformen zum Landschilfröhricht anzutreffen. (Das Aufkommen von Gehölzen, insbesondere von Moorweidengebüschen und Erlenbruchwäldern, ist ein Hinweis auf ein längeres Ausbleiben der Pflege.)&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- klären, woher Urs Tester diese Info hat: Schilfröhrichte und Grossseggenriede sind wichtige Lebensräume für Kleintiere und Insekten mit grossem Raumanspruch. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kalkreiches und Kalkarmes Kleinseggenried''' (''Caricion davallianae'' und ''Caricion fuscae'') &lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Kalkreiche Kleinseggenried bildet dichte, niederwüchsige Rasenbestände aus kalkzeigenden Seggen. Typisch ist der Reichtum an auffälligen, farbigen Blütenpflanzen, insbesondere an Orchideen. Die Einheit besiedelt oft Mulden oder feuchte, wasserzügige Hänge mit basen- und kalkreichen Böden (mineralreiche Rohböden oder torfige Humusböden). Die Mehrheit der Gesellschaften erträgt ein periodisches Trockenfallen besser als diejenigen der Kalkarmen Kleinseggenriede. Das [[Media:moorhandbuch 2 1 3 fm torf de.pdf|Moorhandbuch enthält einen interessanten Artikel]] zum Substrat von Kopfbinsen- und Davallseggenrieden (''Caricion davallianae'') anhand der Analyse von 18 Vegetationsaufnahmen in den Nordalpen. Für sieben der 18 Vegetationsaufnahmen wird die Humusform als Torf bezeichnet. Die Untersuchungen zeigen im Weiteren, dass das Davallseggenried nicht nur in verschiedenen Regionen der Schweiz, sondern auch innerhalb des gleichen Flachmoors auf unterschiedlichen Bodentypen und Humusformen vorkommen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saure Kleinseggenriede kommen auf kalkarmen, torfigen Substraten vor. Sie sind arm an Arten und Blüten und bilden einen dichten Rasenbestand aus kleinwüchsigen Sauergräsern. Kalkarme Kleinseggenriede sind mehrheitlich ab der montanen Stufe anzutreffen, unterhalb von 500 m sind sie selten. Im Mittelland sind die Bestände infolge allgemeiner Entwässerung und intensiverer Bewirtschaftung der Moorlandschaften drastisch zurückgegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Pfeifengraswiese''' (''Molinion'') &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Pfeifengraswiesen weisen eine reichhaltige Flora auf mit vielen seltenen und gefährdeten Arten, darunter verschiedene Orchideen. Sie sind wechselfeucht mit jahreszeitlich und witterungsbedingt stark schwankendem Wasserstand. Der Boden ist meistens kalkhaltig und nährstoffarm, jedoch reich an organischem Material bis anmoorig. (Das namensgebende spätblühende Pfeifengras (''Molinia coerulea'') hüllt die Wiesen im Sommer in ein dezent blaues Meer.) Oft wachsen Neophyten, insbesondere Goldruten (''Solidago spp.''). Bei Ausbleiben der Mahd verbuschen sie oder das Pfeifengras wird dominant und bildet grosse Horste. Bei höherem Nährstoffgehalt weichen die Pfeifengraswiesen entweder den Feuchtwiesen oder den Hochstaudenfluren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Sumpfdotterblumenwiese''' (''Calthion'') und die '''Spierstaudenflur''' (''Filipendulion'') sind nasse Standorte mit einem hohen Nährstoffangebot. Eine grossblättrige, üppige Krautvegetation ist vorherrschend. &amp;lt;!-- klären, woher Urs Tester diese Info hat: --&amp;gt;Dank des grossen Blütenangebots dienen sie vielen Insekten und Kleintieren als Nahrungsquelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Nährstoffreiche Feuchtwiesen''' (''Calthion'', Sumpfdotterblumenwiese) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Feuchte Wiesen und Weiden mit üppiger Krautvegetation sind kennzeichnend für die Sumpfdotterblumenwiesen. Typische Standorte umfassen Böden, die im Winter oder bei der Schneeschmelze oft stark vernässt sind, sowie Uferregionen von kleineren Bachläufen. Bevorzugt besiedelt werden fruchtbare, frische Böden.&amp;lt;!-- (weglassen: Obwohl artenärmer als andere Feuchtwiesenlebensräume ist das Calthion in seiner typischen Ausprägung wertvoll und erhaltenswert.) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Feuchte Hochstaudenflur''' (''Filipendulion'', Spierstaudenflur) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei der Spierstaudenflur handelt es sich um Pflanzenbestände aus hochwüchsigen Stauden, die streifenartige Bestände entlang von Bachläufen bzw. Säume entlang von feuchten Wäldern bilden. Sie dehnt sich zudem in nährstoffreichen Feuchtwiesen aus. Durch das dichte Blattwerk der dominanten Arten gelangt nur wenig Licht bis auf den Boden, wodurch kleinwüchsige Kräuter und Gräser meist fehlen. Die dominante Art ist oft die Spierstaude (''Filipendula ulmaria''). Der Boden ist stets durchfeuchtet, aber keiner langanhaltenden Überflutung ausgesetzt und enthält viel organisches Material und Nährstoffe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausführliche Informationen zu den Pflanzengesellschaften der Flachmoore hat es im [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch, Kap. 2.2.1 bis 2.2.5]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = moore moorschutz S14 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Flächenanteile der verschiedenen Vegetationseinheiten an den Hoch- und Flachmooren (Quelle: WSL, Erfolgskontrolle Moorschutz) &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nachfolgende Abbildung zeigt die Nutzung der Moore. Die Zahlen datieren ungefähr aus dem Jahr 2000 und basieren auf Stichproben. Die Moorwiesen werden etwa je hälftig gemäht oder beweidet, ca. 15% sind ungenutzt. Bei den basischen Kleinseggenrieden ist ein ähnlicher Anteil ungenutzt und etwas zwei Drittel werden beweidet. Die restlichen 20% werden mehrheitlich gemäht. Bei den sauren Kleinseggenrieden wird etwa ein Drittel gemäht und 15% beweidet, während fast die Hälfte ungenutzt bleibt. Bei den Hochmooren, welche im natürlichen Zustand keine Nutzung benötigen, werden ca. 30% gemäht oder beweidet, ca. 70% sind ungenutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = moore moorschutz S34 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Nutzung der Moore von nationaler Bedeutung nach Vegetationseinheiten (Quelle: WSL, Erfolgskontrolle Moorschutz)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Lebensräume ===&lt;br /&gt;
In den Feuchtgebieten gibt es, neben den oben beschriebenen Flach-, Übergangs- und Hochmooren viele weitere, ökologisch teilweise sehr relevante Lebensräume. In den Hochmooren sind es natürliche oder vom Menschen geschaffene wie Kolke, Rüllen, Lagg, Schwingrasen oder Torfstiche, in den Flachmooren sind es zum Beispiel Kleingewässer, Gräben oder Gehölze. Im [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch wird in zwei Artikeln ausführlichen auf die Kleingewässer-Typen und ihre Bedeutung für Pflanzen und Tiere eingegangen (Kap. 2.2.8 und 3.3.2)]. Im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Artikel zu den Stillgewässern] wird ausführlich auf die Bedeutung, Förderung und den Unterhalt kleiner Gewässer eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Flora und Fauna ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bedeutung der Moore für Flora und Fauna ===&lt;br /&gt;
Moore sind für den Artenschutz von grosser Bedeutung. Flachmoore gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa. In den nördlichen Voralpen leben bis zu 48 verschiedene Arten von Moosen, 128 Blütenpflanzenarten, 28 Tagfalter- und 10 Heuschreckenarten in einem einzigen Flachmoor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Artikel «Artenvielfalt in Flachmooren der Voralpen» (Pauli D., 2002, Moorhandbuch, Kap. 3.3.4) zeigt auf, wie wichtig für den Artschutz die Grösse, Vernetzung und die Qualität der Moore sind. Die Grösse eines Flachmoors ist dabei der bedeutendste Faktor für die Artenvielfalt von Pflanzen und Insekten, wobei mit zunehmender Grösse vor allem die Zahl der speziell angepassten Arten zunimmt. Wichtig ist auch die Nutzungsvielfalt mit einem Nebeneinander von Mahd und Beweidung. Auf eine gute Vernetzung mit den angrenzenden Flächen sind v. a. die Tagfalter angewiesen. Während die Schmetterlinge niederwüchsige, wenig produktive Standorte benötigen, erreicht die Vielfalt von Heuschrecken in den üppigen, strukturreichen Hochstauden ihre höchsten Werte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr ähnlich sind die Erkenntnisse einer 20-jährigen Untersuchung in 18 Mooren der Voralpen auf 800 bis 1400 m ü. M. Es gibt keine substanziellen Unterschiede in den Artenzahlen bei Mahd, bzw. Beweidung, negativen Einfluss hat aber eine zu starke Beweidung. Heuschrecken sind auf beweideten Flächen häufiger, Tagfalter auf gemähten. Es wird ein Mosaik aus Mahd und Beweidung empfohlen. Im Weiteren wird festgehalten, dass die Verbrachung negative Auswirkungen auf die Diversität hat, diese Effekte jedoch meist nach wenigen Jahren umkehrbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäss einer Untersuchung von Mitte der 1990er-Jahre sind die Moorlandschaften für ein Viertel der beurteilten Arten der Roten Liste von besonderer Bedeutung, dabei auffallend viele Arten aus den Artengruppen der Vögel, Fische und Rundmäuler und Tagfalter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Spezielle Bedingungen === &lt;br /&gt;
In Mooren, insbesondere in Hochmooren, herrschen durch den hohen Wasserstand, die Nährstoffarmut, die sauren Bedingungen, dem möglichen Vorkommen toxischer Ionen (Fe&amp;lt;sup&amp;gt;2+&amp;lt;/sup&amp;gt;, Mn&amp;lt;sup&amp;gt;2+&amp;lt;/sup&amp;gt;, S&amp;lt;sup&amp;gt;2-&amp;lt;/sup&amp;gt;) und dem huminstoffreichen, braunen Wasser extreme Lebensbedingungen. Entsprechend ist die Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren klein, die Spezialisierung aber gross. Deutlich lebensfreundlicher ist es in den Flachmooren.&lt;br /&gt;
Pflanzen haben verschiedene Anpassungen an die unwirtlichen Bedingungen entwickelt&amp;lt;!-- (Quellen: Dierßen, K., Dierßen, B., 2001, Succow &amp;amp; Joosten 2001, Zerbe, Global guidelines for peatland rewetting and restoration)--&amp;gt;:&lt;br /&gt;
* Sonnentau (''Drosera ssp.''), Fettblatt (''Pinguicula ssp.''), Wasserschlauch (''Utricularia ssp.'') und Aldrovanda (''Aldrovanda ssp.'') sind Fleischfresser und erschliessen sich mit dem Fang von Tieren Nährstoffe.&lt;br /&gt;
* Sauergräser (''Cyperaceen'') haben tiefreichende Rhizome zur Versorgung aus dem Katotelm.&lt;br /&gt;
* Cyanobakterien können (an Schlenken-Standorten) Luftstickstoff (N&amp;lt;sub&amp;gt;2&amp;lt;/sub&amp;gt;) fixieren. Das machen auch die Mykorrhiza-Pilze, welche mit Erika-Gewächsen (Ericaceen) in Symbiose leben und diese mit Stickstoff versorgen. Schwarzerlen (Alnus glutinosa) werden durch Aktinomyceten mit Stickstoff versorgt.&lt;br /&gt;
* Viele Feuchtgebietspflanzen verfügen über die Fähigkeit, Sauerstoff in unterirdische Organe zu transportieren und dann an die Umgebung abzugeben (Schilf (''Phragmites australis''), Rohrkolben (''Typha angustifolia'' und ''T. latifolia''), Sumpfbinse (''Eleocharis ssp.'')). Manche Pflanzen besitzen Aerenchyme (Durchlüftungsgewebe).&lt;br /&gt;
* Die typischen Feuchtgebietspflanzen sind an den hohen Feuchtegrad zu Anfang der Vegetationsperiode angepasst. Für die übrigen Arten ist die Frühlingsnässe der entscheidende Stressfaktor.&lt;br /&gt;
* Viele Pflanzen haben schwimmfähige Diasporen, Riedwiesensamen sind aber kurzlebig. Sehr viele Riedwiesenpflanzen verbreiten sich vegetativ über Rhizome.&lt;br /&gt;
* Auf die Besonderheiten der Torfmoose wird im Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Hoch-_und_.C3.9Cbergangsmoore «Hoch- und Übergangsmoore»] eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Artenlisten ===&lt;br /&gt;
'''Gilden''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[https://www.infospecies.ch/de/projekte/%C3%B6kologische-infrastruktur.html#analysis InfoSpecies hat die auf Artvorkommen basierenden Grundlagen für die Planung und Umsetzung] der Ökologischen Infrastruktur durch Bund und Kantone erarbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gilden der feuchten Lebensräume (Gilde 5 - Kleine Stillgewässer, Teiche; Gilde 6 - Landröhrichte, Flachmoore, Streuwiesen, Moor-Weidengebüsche; Gilde 7 - Nährstoffreiche Nasswiesen; Gilde 8 – Auenwälder; Gilde 9 - Hochmoore und Zwischenmoore) werden zur Gilde der «Feuchtlebensräume» (G101) zusammengefasst. Diese enthält 1185 Arten aus den Gruppen der Flechten, Moose, Pilze, Gefässpflanzen und Fauna (Vögel, Amphibien, Libellen, Tagfalter, Säugetiere (inkl. Fledermäuse), Käfer, Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Steinfliegen, Wildbienen, Muscheln, Heuschrecken). &lt;br /&gt;
Diese Listen sind eine umfassende und aktuelle Grundlage der in Feuchtgebieten vorkommenden Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''National prioritäre Arten''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten Liste der National prioritäre Arten] lassen sich nach Lebensräumen filtern.&amp;lt;!-- Die bearbeitete Tabelle (erarbeiten und hochladen) umfasst xxx Arten aus den Artengruppen der xxx --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Verschiedene Listen''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
In verschiedenen Datenbanken lassen sich die Artvorkommen nach Lebensräumen abfragen:&lt;br /&gt;
* Die Publikation «Mires and man» (1994), enthält Listen zu Gefässpflanzen, Moosen, Lebermoosen, Flechten, Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Reptilien und Invertebraten der Moore.&amp;lt;!-- (Datei hochladen: mires_and_man_381_390_species_list.pdf) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/oekologischer-ausgleich/umweltziele-landwirtschaft.html Umweltziele Landwirtschaft (UZL)]: In der Liste der UZL-Arten ist das Vorkommen in Lebensraumtypen (Extensive Wiesen feucht, Extensive Weiden feucht, Streuwiesen/Flachmoor, Wassergräben, Tümpel, Teiche, Hochmoore, Hochstauden, Röhricht, temporäre Gewässer) und Lebensraumgruppen (Gewässer, Hochstauden, Röhricht, Hochmoore, Extensive feuchte Wiesen/Weiden, Streuwiesen) erfasst.&lt;br /&gt;
* Die [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/oekologischer-ausgleich/umweltziele-landwirtschaft.html Flora indicativa] umfasst ökologische und biologische Eigenschaften von rund 5500 Gefässpflanzen-, 600 Moos- und 200 Flechtenarten der Flora der Schweiz und der Alpen. Die zugehörige Datenbank ermöglicht ebenfalls Abfragen zu den Lebensräumen.&lt;br /&gt;
* Die [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/oekologischer-ausgleich/umweltziele-landwirtschaft.html Fauna indicativa] erfasst ökologische Präferenzen und biologische Eigenschaften aller in der Schweiz einheimischer Libellen-, Heuschrecken-, Laufkäfer- und Tagfalterarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Pflanzen ===&lt;br /&gt;
Zur Moorflora werden 229 Arten gezählt. Seit 1850 haben sich die Anzahl Arten pro Verbreitungsgebiet (gemäss Welten-Sutter-Flächen) von 59 auf 51 Arten reduziert. Der Rückgang ist in der kollinen Stufe am grössten (Abnahme um 20 Prozent), gefolgt von der montanen Stufe (12 Prozent), der subalpinen Stufe (6 Prozent) und der alpinen Stufe (3 Prozent). Auch in den biogeografischen Regionen zeigt sich ein heterogenes Bild mit stärksten Rückgängen im Mittelland. Bei den Lebensraumtypen verzeichnen die Übergangsmoore und Moortümpel die deutlichsten Abnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch] enthält verschiedene Artikel mit Pflanzenlisten:&lt;br /&gt;
* Kap. 2.1.1: Anhang 1, Liste der Gefässpflanzen der Hochmoore; Anhang 2, Liste der Sporen- und Blütenpflanzen der Flachmoore&amp;lt;!-- (Datei hochladen: moorhandbuch_2_1_1_listen_hm_fm_de.pdf; fr: moorhandbuch_2_1_1_listen_hm_fm_fr.pdf) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Kap. 2.2.2: Charakteristische Arten der Pfeifengraswiesen&amp;lt;!-- (Bemerkung: keine Datei hochladen und kein Download, sondern Vereis auf Literaturliste) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Kap. 2.2.3: Arten der Nasswiesen (''Calthion'') und der Hochstaudenriede (''Filipendulion'')&amp;lt;!-- (Bemerkung: keine Datei hochladen und kein Download, sondern Vereis auf Literaturliste) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Kap. 2.2.4: Arten der Kleinseggenriede (''Caricion davallianae'' und ''Caricion fuscae'')&amp;lt;!-- (Bemerkung: keine Datei hochladen und kein Download, sondern Vereis auf Literaturliste) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Kap. 2.2.7, Anhang (Inventarblatt): Arten der Hoch- und Übergangsmoore&amp;lt;!-- (Bemerkung: keine Datei hochladen und kein Download, sondern Vereis auf Literaturliste) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Anfrage bei Stefan Eggenberg&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = 1 2 Eggenberg Moortagung WSL 20210923 Rueckgang Moorpfl de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Absoluter Rückgang der Anzahl Moorpflanzenarten in den «Welten-Sutter-Flächen» (Quelle: Vortrag St. Eggenberg, Info Flora an der Moortagung, 23.09.2021)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schilf''' ist eine bedeutende Art der Moore. Einerseits bildet es an den Ufern von Stillgewässern die '''Röhrichte''' (siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Flachmoore Kap. «Flachmoore»]), andererseits in den Streuwiesen das «'''Landschilf'''». Das Röhricht ist faunistisch von grosser Bedeutung. Viele Kleintiere, wie Gallmücken, Halmfliegen, Schmetterlinge (vor allem aus den Familien der Eulen, Holzbohrer und Zünsler), Blattläusen oder Zikaden nutzen es als Lebens-, Nahrungs- und Überwinterungsraum. Zudem nutzen viele, teilweise sehr seltene, Vogelarten die dichten Schilfbestände. Das «Landschilf» ist zwar in Flach- und Hochmooren oder Nasswiesen, wie auch ältere Vegetationsuntersuchungen belegen, weit verbreitet, es konnte in den vergangenen Jahrzehnten aber auch neue Moore besiedeln oder hat zugenommen. Verschilfte Flächen beinhalten in der Regel mehr schattentolerante Arten, weniger Arten der Roten Liste und weniger moortypische Arten als unverschilfte. Daher ist klar zu unterscheiden zwischen dem ökologisch sehr wertvollen Röhricht und dem problematischen Landschilf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgewählte Literatur zum Schilf:&lt;br /&gt;
* [[Media:Weber 2013 Maehversuche Verschilfung.pdf|Weber, U., 2013. 16 Jahre Mähversuche gegen die Verschilfung im Naturschutzgebiet Spitzmäder, Oberriet. Ökobüro Hugentobler]] &amp;lt;!-- Dokument hochladen: Okay von U. Weber, 17.10.2022) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Staub R. und Güsewell S.: Bedeutung und Pflege des Schilfs. In [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch 1, Kap. 3.3.3]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Tiere ===&lt;br /&gt;
Die Feuchtgebiete sind wichtige Lebensräume für Vögel.   Von den 223 Brutvögeln der Schweiz haben 63 ihr Hauptverbreitungsgebiet in Feuchtgebieten oder an Gewässern. Die Vogelarten der Riedgebiete sind stark rückläufig. Die deutlichsten Auswirkungen des Verlusts der grossflächigen Riedgebiete zeigen sich bei den vier Limikolenarten Rotschenkel (''Tringa totanus''), Bekassine (''Gallinago gallinago''), Grosser Brachvogel (''Numenius arquata'') und Kiebitz (''Vanellus vanellus''). Die rezenten Feuchtgebiete sind nicht nur deutlich kleiner, sondern für viele Vogelarten auch qualitativ schlechter geworden aufgrund des Nährstoffeintrags, der fehlenden Nässe und der Zunahme von menschlichen Störungen durch Freizeitaktivitäten. Wegen der Regulierung und durch Pegelabsenkung im Winter und frühen Frühling, wird der höchste Wasserstand später in der Saison erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Artikel «Entwicklung der Vogelwelt in Feuchtgebieten und an Gewässern» (Keller V., 2018 in Stuber, M. &amp;amp; Bürgi, M., 2018) enthält eine Liste mit allen Feuchtgebietsarten mit Angaben zum Lebensraum, zu Veränderungen seit 1850 und einer Beurteilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu einem späteren Zeitpunkt werden zu weiteren faunistischen Artengruppen Informationen aufgeschaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mensch und Moor (Menschliche Einflüsse auf die Moore) ==&lt;br /&gt;
Der Mensch wirkt schon seit Jahrtausenden auf Moore ein. Bereits zu römischen Zeiten begann die Trockenlegung von Feuchtgebieten und erreichte zwischen 1850 und 1890 im Mittelland und zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg im Jura und in den Voralpen ihren Höhepunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wirken des Menschen war und ist mannigfaltig, sowohl im Moor selber als auch im Einzugsgebiet: Entwässerung, Nährstoffeintrag, (grossflächige) Grundwasserabsenkungen, Infrastrukturbauten, Nährstoffeinträge über die Luft, unsachgemässer Unterhalt oder Pflege, etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswirkungen auf die Moore reichen von gering bis zu irreversibler Zerstörung. Zur Beurteilung des Einflusses wurde (in Deutschland) das System der Hemerobie- oder Naturnähestufe entwickelt, welches das Ausmass menschlicher Eingriffe in Bezug auf Vegetation und Standorteigenschaften kennzeichnet. Indikatoren sind Nährstoffhaushalt, Wasserhaushalt und Flora/Vegetation. Die Zuordnung zu einer Hemerobiestufe erfolgt nach dem Minimumprinzip, d.h. die jeweils naturfernste („schlechteste“) Ausprägung eines der Indikatoren entscheidet über die Gesamteinstufung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bayern Niedermoorrenaturierung Leitfaden S101 zg.png&lt;br /&gt;
| text = Hemerobiestufen von Mooren (Quelle: [https://www.bestellen.bayern.de/application/applstarter?APPL=eshop&amp;amp;DIR=eshop&amp;amp;ACTIONxSETVAL(artdtl.htm,APGxNODENR:34,AARTxNR:lfu_nat_00098,AARTxNODENR:283362,USERxBODYURL:artdtl.htm,KATALOG:StMUG,AKATxNAME:StMUG,ALLE:x)=X Leitfaden der Niedermoorrenaturierung in Bayern, Wagner A. und I. (2005)])&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Flachmoore, die zur Streugewinnung angelegt worden und von Gräben durchzogen sind, sowie einmal jährlich genutzt werden, gehören zum kulturbetonten, primäre Hochmoore zum naturnahen Hemerobiegrad.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einfluss des menschlichen Wirkens auf die Moore hat unterschiedliche Auswirkungen auf die drei Indikatoren Nährstoffhaushalt, Wasserhaushalt und Flora/Vegetation. Bereits ab Hemerobiegrad «kulturbetont» findet kaum oder keine Torfbildung mehr statt. Bei stärkerer anthropogenen Überprägung finden im Moor sehr starke, oft nicht reversible Veränderungsprozesse statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwässerungen haben weitreichende Veränderungen der bodenphysikalischen Kennwerte des Moorbodens zur Folge. Der Luftanteil, der Feststoffanteil und die Bodenfestigkeit nehmen zu, die Mächtigkeit des Moorkörpers, der Porenanteil, die gesättigte Wasserleitfähigkeit, die Speicherfähigkeit für pflanzenverfügbares Wasser und die Benetzbarkeit nehmen ab. Als Folge davon sinkt der Wasserstand ab, der Torf trocknet oberflächlich aus und mineralisiert, d. h. durch den Luftzutritt werden die Pflanzenreste des Torfs durch Mikroorganismen abgebaut und die Nährstoffe freigesetzt. Das Moor, das bisher eine CO2-Senke war, wird zur CO2-Quelle. Bei ackerbaulicher Nutzung von Torfmooren gehen jährlich etwa zwei Zentimeter Torf verlustig, bei Grünland etwa die Hälfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Veränderungen der abiotischen Funktionen Nährstoff- und Wasserhaushalt wiederum haben auch Veränderungen der Lebensraumfunktionen zur Folge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der angegeben Literatur wird ausführlich auf die Auswirkungen von Entwässerungen auf die Bodeneigenschaften und Funktionen eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Erhalt und Förderung =&lt;br /&gt;
In diesem Kapitel wird darauf eingegangen, wie Moore durch '''optimierte Pflege''' erhalten, wie sie durch '''Renaturierungen''' gefördert und wie durch '''Massnahmen im Einzugsgebiet''' die Bedingungen verbessert werden können. &amp;lt;!-- Weitere Aspekte sind der '''Grabenunterhalt''' und die '''Förderung ausgewählter Artengruppen'''. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundsätze ==&lt;br /&gt;
Die Moore sind in der Schweiz so stark zurückgegangen, dass der '''Erhalt der noch vorhanden Moore''' oberste Priorität geniessen muss ('''Flächensicherung'''). Wichtig ist dabei die gesamtheitliche Betrachtung (Einzugsgebiet, Moortyp, Boden, Nährstoffeinflüsse, Nutzungen, etc.) mit entsprechenden Massnahmen, wie z. B. die '''Ausscheidung von Pufferzonen''' und '''Gewässerräumen''', der Rückbau starker Eingriffe in den Wasserhaushalt oder die moorverträgliche Trinkwassernutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Moore sollen '''optimal gepflegt''' und bei Bedarf '''renaturiert''' werden. Das gilt insbesondere auch für Intensivnutzungen über Torf ('''moorschonende Nutzung''')&amp;lt;!-- interne Links auf PPF, ev. weitere Kapitel setzen, wenn vorhanden --&amp;gt;. Die beiden international renommierten Moorfachleute Succow und Joosten äussern sich dazu unmissverständlich: «Saat-Grasland und Ackernutzung auf Torfstandorten müssen der Vergangenheit angehören.» Sie bemerken, dass die Nutzung die Tragfähigkeit der Ökosysteme nicht überfordern oder gar zerstören darf. Nutzungsformen, die diesen Prinzipien widersprechen, seien zukünftig nicht mehr zu akzeptieren. &amp;lt;!-- Hier ev. Hinweis zum Flächenbedarf aus Guntern et al. 2013 (analog Grünland) --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Erhaltung der Moore sollen '''ihre Geschichte und der Zustand ausreichend bekannt sein, Ziele gesetzt und daraus die Massnahmen abgeleitet werden'''. &amp;lt;!-- In den Kap. &amp;lt;span style=&amp;quot;background:yellow&amp;quot;&amp;gt;  Renaturierungen und Grundlagen/Leitbilder und Entwicklungsziele (am Schluss verlinken und richtige Kapitel-Namen setzen) &amp;lt;/span&amp;gt; wird auf entsprechende Unterlagen und Vorgehensweisen eingegangen.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Optimale Bewirtschaftung ==&lt;br /&gt;
=== Einleitung ===&lt;br /&gt;
Die meisten Moore der Schweiz werden gemäht oder beweidet (siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Flachmoore Kap. «Flachmoore»]). Mit Ausnahme natürlicher Hochmoore ist eine Nutzung notwendig, da die meisten Moore der traditionellen, regelmässigen Nutzung entstammen. Eine Nutzungsaufgabe würde letztendlich zur Ausbildung eines Gebüsch- oder Waldbestands führen&amp;lt;!-- ev. Links auf #Vorentwässerung, #Prozessschutz vs. Habitattradition, #Entbuschung)--&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Es können folgende Nutzungstypen unterschieden werden:&lt;br /&gt;
* Regelmässige, jährliche Mahd im Herbst&lt;br /&gt;
* Regelmässige zweimalige Mahd pro Jahr, im Sommer und Herbst (nährstoffreichere Feuchtwiesen)&lt;br /&gt;
* Mahd alle paar Jahre&lt;br /&gt;
* Unregelmässiges Mähen im Herbst/Winter (Ried-Rotationsbrache) &lt;br /&gt;
* Beweiden&lt;br /&gt;
* Kontrollierte Brache bis Sukzession (auf diese selten angewendete Nutzungsform wird weiter unten eingegangen) &lt;br /&gt;
* Keine Nutzung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis in die 1970er-Jahre wurden Streuwiesen kleinflächig und zu verschiedenen Zeitpunkten im Spätsommer bis Herbst gemäht, wobei in einzelnen Jahren auch kleinere Flächen ungemäht blieben . In den 1990er Jahren wurden die Schnitttermine von Streuwiesen einheitlich auf den 1. September festgelegt. Dabei wurde zu wenig Rücksicht genommen auf viele Tier- und Pflanzenarten. Die Mahd in der ersten Septemberhälfte ist für viele zahlreiche Kleintierarten zu früh, weil sie zu diesem Zeitpunkt ihre Eiablagephase / Entwicklung noch nicht abgeschlossen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fauna-freundliche Mahd ===&lt;br /&gt;
Im [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Faunafreundliche.2C_schonende_Mahd_und_Ernte Grünland-Artikel wird ausführlich auf die Wirkung der Mahd auf die Fauna eingegangen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Pflegepläne erarbeiten ===&lt;br /&gt;
Die Art und Weise der Bewirtschaftung und Nutzung hat unterschiedliche Wirkungen auf die Vegetationszusammensetzung und auf das Vorkommen von Tieren. Um die Moore optimal zu nutzen, sollen '''Pflegepläne''', für die Alpbetriebe '''alpwirtschaftliche Gesamtplanungen''' erarbeitet werden. Dadurch soll die '''Bewirtschaftung auf die Ziellebensräume und -arten ausgerichtet werden'''. In den letzten Jahrzehnten sind solche für viele Naturschutzgebiete erarbeitet worden und das Wissen dazu ist entsprechend gross. Wir möchten uns daher darauf beschränken, auf die zu berücksichtigenden Aspekte hinzuweisen: &lt;br /&gt;
* '''Mahdzeitpunkte''': Riedwiesen werden traditionell im Herbst, die nährstoffreicheren Feuchtwiesen im (Spät-)Sommer gemäht. Wir möchten dazu auf die detaillierten Angaben in den Pflegegrundsätzen (siehe unten) und auf die Tabelle mit Schnittzeitpunkten verweisen.&lt;br /&gt;
* '''Beweidung''': Relevante Aspekte sind u. a. die '''Bestossungsdichte''', die Koppelung, Zaunführung und das Auszäunen heikler Moore (Hochmoore und sehr nassen oder trittempfindlichen Bereiche von Flachmooren). Das[https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/handbuch-moorschutz-schweiz.html Moorhandbuch] enthält dazu mehrere (auch wenn schon einige Jahre alt) informative Artikel: Kapitel 2.1.2 «Minimalpflege von Mooren in Hochlagen», Kapitel 2.1.3 «Bewirtschaftung und Pflege verschiedener Pflanzengesellschaften der Flachmoore», Kapitel 2.1.4 «Grundsätze zur Bewirtschaftung und Pflege von Flachmooren in Hochlagen», Kapitel 2.2.1 «Moorschutz in schwach erschlossenen Gebieten – Schutzkonzept Weissenberge», Kapitel 3.1.1 «Zur Beweidung von Hoch- und Flachmooren», Kapitel 3.1.2 «Moorschutz in Gebieten mit alpwirtschaftlicher Nutzung», Kapitel 3.1.3 «Grundsätze für Weideführung, Stallhaltung und Düngung», Kapitel 3.2.1 «Fallbeispiel Grosses Moos (Schwändital, GL)». &lt;br /&gt;
* '''Differenzierte Pflege''' (Gestaffelter Schnitt, Nutzungsmosaike, etc.): siehe Pflegegrundsätze &lt;br /&gt;
* '''Keine Pflege''': siehe unten&lt;br /&gt;
* '''Rotationsbrache''': siehe unten&lt;br /&gt;
* '''Strukturen schaffe'''n: das Vorhandensein von Ast- und Holzhaufen, Gehölzgruppen, Gräben, kleinen Böschungen und Säumen erhöht die Biodiversität. Sie sollen am Rand oder ausserhalb der Moorvegetation angelegt werden. Ausführliche Informationen dazu finden Sie im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sserArtikel «Kleinstrukturen»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Rotationsbrache''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seit einigen Jahren wird bei der herbstlichen Mahd häufig ein Anteil von 5-10% der Riedwiesen als Brache stehen gelassen. Informationen dazu liefern der Bericht [[Media:Gigon Rocker 2010 Rotationsbrachen Insekten.pdf|«Praxisorientierte Empfehlung für die Erhaltung der Insekten- und Pflanzenvielfalt mit Ried-Rotationsbrachen»]] und die [https://www.zh.ch/de/umwelt-tiere/naturschutz/naturschutzgebiete.html Pflegegrundsätze (S. 18f.; siehe nachfolgendes Kapitel)]. In Rotationsbrachen ist auf Neophyten (z. B. Goldruten (''Solidago ssp.'')) und Problemarten (z. B. Schilf (''Phragmites australis''), Knotenbinse (''Juncus subnodulosus'')) zu achten (Regioflora führt eine [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/Problemarten_D_online.pdf Liste von potenziell problematischen Arten im Grünland, darunter auch Feuchtgebietsarten]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Pflegegrundsätze''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Kanton Zürich hat [https://www.zh.ch/de/umwelt-tiere/naturschutz/naturschutzgebiete.html Pflegegrundsätze erarbeitet (Bericht sowie umfangreiche Artenliste mit Angaben zu den Ansprüchen von Arten)]. Diese umfassen die ökologisch wertvollen Lebensraumtypen des Grünlands. Das Dokument thematisiert wiederkehrende Pflegemassnahmen (nicht eingegangen wird auf in grösseren Abständen (&amp;gt; 3 Jahre) stattfindende Unterhaltsarbeiten und die Beweidung). Die beiden Hauptkapitel handeln allgemeingültige und lebensraumspezifische Pflegegrundsätze (Kap. 3) sowie artenspezifische Pflegegrundsätze (Kap. 4) ab. Auch wenn sich der Bericht auf den Kanton Zürich bezieht, hat er für die kolline und (sub-)montane Stufe des östlichen Mittellands Gültigkeit. Die vorgeschlagenen Schnittzeitpunkte können wohl für das ganze Mittelland angewendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kontrollierte Brache bis Sukzession''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wagner&amp;amp;Wagner (2005) schlagen langjährige Brachen als Voraussetzung der Etablierung/Ausbreitung mahdempfindlicher Zielarten vor. Von den von ihnen genannten Zielarten (Niedrige Birke (''Betula humilis''), Kammfarn (''Dryopteris cristata''), Heidelbeerblättrige Weide (''Salix myrtilloides'')) kommt in der Schweiz der Kammfarn selten vor, die beiden anderen Arten sind bei uns äusserst selten. Nichtsdestotrotz sind langjährige Brachen eine Möglichkeit der Erhöhung der Strukturvielfalt in gemähten Riedwiesen. In Frage kommen einerseits nur langsam verbuschende Pflanzenbestände (z. B. Hochstaudenriede) oder andererseits artenarme Bestände, welche statt jährlich gemäht in einem Turnus von 5 bis 10 Jahren entbuscht werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Keine Pflege''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Natürliche Hochmoore, nasse Grossseggenriede und nährstoffarme, schwach wüchsige Flachmoore in der alpinen Stufe benötigen keine Pflege. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Zielkonflikte''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei der Erarbeitung eines Pflegeplans wird man wegen der unterschiedlichen Ansprüche von Arten unweigerlich auf Zielkonflikte stossen. Die oben aufgeführten Aspekte bieten Optionen, damit umzugehen, um eine möglichst grosse Artenvielfalt zu ermöglichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bestimmungen des Bundes für die Bewirtschaftung von Streueflächen (http://www.bff-spb.ch/de/biodiversitaetsfoerderflaechen/wiesen-und-weiden/streueflaechen/) sind zu lasch und entsprechen nicht den nach aktuellen wissenschaftlichen Kenntnissen zur Förderung der Biodiversität der Feuchtgebiete (die Kantone machen teilweise weitergehende Auflagen):&lt;br /&gt;
* Es gibt keine Differenzierung des Schnitttermins (generell ab 1. September möglich)&lt;br /&gt;
* Ein Verbot des Mähaufbereiters gilt nur für QII&lt;br /&gt;
* Rückzugsstreifen (Brachen) sind nur fakultativ&lt;br /&gt;
* Maschinen mit Rotationsmähwerk sind erlaubt&lt;br /&gt;
* Es muss keine Mindestschnitthöhe eingehalten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Problempflanzen ===&lt;br /&gt;
Dieses Kapitel wird laufend mit Informationen zu weiteren Arten ergänzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schilf''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Pflanzen «Landschilf»] ist in den Riedwiesen ist bei zu starkem Aufkommen ein Proble. 1997 wurden im Flachmoor Spitzmäder, Kanton St.Gallen, [[Media:Weber_2013_Maehversuche_Verschilfung.pdf|Mähversuche zur Eindämmung der Verschilfung]] gestartet. Der bisherige Septemberschnitt (Kontrolle) wurde mit zwei Frühschnitttypen verglichen (jährliche Zusatzmahd im Juli sowie Zusatzmahd nur jedes zweite Jahr). In den Jahren 1997 bis 2001, 2006 und 2012 erfolgten Vegetationsaufnahmen und Verschilfungsmessungen. Die Verschilfung reagierte schon ab dem zweiten Versuchsjahr auf die Frühschnitte und verringerte sich bis 2012 um rund 60% (jährlicher Julischnitt) bzw. 20% (Julischnitt alle zwei Jahre). Auf den Kontrollflächen stieg die Verschilfung im selben Zeitraum fast auf das Dreifache. Aufgrund der Versuche wird ein alternierender Schnitt empfohlen (Zusatzmahd im Juli in jedem zweiten Jahr).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Knotenbinse''' (''Juncus subnodulosus'') &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Knotenbinse macht sich zunehmend in Flachmooren auf Kosten anderer moortypischer Arten breit. Betroffen sind auch wertvolle Pflanzenbestände wie etwa das Kleinseggenried. Die Ursachen für diese neue Entwicklung sind nur unzulänglich bekannt. Denkbar sind Verbrachungsprozesse (Bosshard et al. 1988), Bodenverdichtung (vgl. beweidungsbedingte Zunahme bei Quinger et al. 1995) und Nährstoffanreicherung (Quinger et al. 1995). Das Handbuch Moorschutz empfiehlt einen regelmässigen Schnitt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Renaturierungen ==&lt;br /&gt;
=== Einleitung ===&lt;br /&gt;
Die Renaturierung von Mooren ist ein weites Feld. Von kleineren Aufwertungsmassnahmen bis zu grossflächigen Regenerationen gibt es eine breite Palette von Fördermassnahmen. '''Renaturierung''' wird i. d. R. als Oberbegriff verwendet und steht für die Überführung von gestörten Ökosystemen in einen naturnäheren Zustand. Mit '''Regeneration''' meint man die Rückführung in den natürlichen Zustand. Von '''Revitalisierung'' wird dann gesprochen, wenn es um die biologischen Funktionen in einem Moor geht. Eine Renaturierung ist in der Regel kurzfristig möglich, Regenerationen hingegen brauchen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den vergangenen Jahrzehnten sind in der Schweiz und in den Nachbarländern viele Renaturierungsprojekte umgesetzt worden. In Deutschland hat man dabei vor allem Torfmoore vernässt (Hoch- und Niedermoore), in der Schweiz hauptsächlich Hochmoore und nur selten Flachmoore.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Kapitel wird auf den Planungs- und Umsetzungsablauf von Wiedervernässungsprojekten und auf die Massnahmen eingegangen. Da es zur Renaturierung von Mooren umfangreiche Unterlagen gibt, enthält es viele Verweise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Planung und Umsetzung ===&lt;br /&gt;
Auslöser und auch Hauptproblem in beeinträchtigten Mooren ist der zu tiefe Wasserstand. Um ein Moor erfolgreich zu renaturieren, braucht es '''genügend und sauberes Wasser'''. Eine Regeneration durchläuft verschiedene Prozessschritte. Diese sind, je nach Gebiet, unterschiedlich tief und aufwändig zu bearbeiten:&lt;br /&gt;
* Übergeordnete Planung&lt;br /&gt;
* Ist-Zustand und Abklärungen&lt;br /&gt;
* Projektierung&lt;br /&gt;
* Umsetzung/Bau&lt;br /&gt;
* Erfolgskontrolle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lohnt sich, mit einer '''übergeordneten Planung''' über einen grösseren Raum, z. B. einen Kanton, eine Prioritätenliste zu erstellen. Es sollen die Gebiete bezeichnet werden, für welche die grössten Erfolgsaussichten für Renaturierungsmassnahmen bestehen. Kriterien können z. B. Besonderheit, Realisierbarkeit, Dringlichkeit und Gefährdung oder Effizienz sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Ist-Zustand und Abklärungen''' sind im «Leitfaden der Niedermoorrenaturierung in Bayern» (Wagner et al. 2005) ausführlich beschrieben. Besonders empfehlenswert ist das Kapitel «Leitbilder und Entwicklungsziele». Dabei geht es u. a. um die Frage, ob ein Gebiet in ein naturnahes oder in ein kulturbetontes Moor (extensive Streunutzung) entwickelt werden soll (vgl. Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Mensch_und_Moor_.28Menschliche_Einfl.C3.BCsse_auf_die_Moore.29 «Mensch und Moor»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der '''Projektierung''' geht es darum, die wesentlichen Parameter zu erfassen. Die Wahl der geeigneten '''Massnahmen''' ist für jedes Gebiet individuell festzulegen. Sie sollen solid und langlebig sein. Im Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Massnahmentypen «Massnahmentypen» ] wird auf die verschiedenen Möglichkeiten eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''ideale Zeit für den Bau ist zwischen August und Oktober''', weil dann die Böden am trockensten, Tiere aber noch mobil sind, um ausweichen zu können. Es soll mit adäquaten Maschinen gearbeitet, d. h. geringer Bodendruck (Bagger mit breiten Raupen, auf Baggermatratzen arbeiten) und geeignete Grösse des Baggers, je nach Arbeiten und Situation vom Kleinbagger (1-1.5 t) bis zu sehr grossen Geräten (20-25 t). Die Arbeiten sollen mit den Ausführenden besprochen und gut begleitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = FNS 2009 Praxishilfe Regeneration Hochmoore zg.png&lt;br /&gt;
| text = Prozessschritte bei einem Renaturierungsprojekt (Quelle: [[Media:FNS 2009 Praxishilfe Regeneration Hochmoore.pdf|Praxishilfe zur Regeneration von Hochmooren im Kanton Zürich (2009))]]. Auf die einzelnen Prozessschritte wird in der Praxishilfe im Detail eingegangen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Literatur mit Ausführungen zum Projektablauf (nicht abschliessend):&lt;br /&gt;
* Wagner, A., Wagner, I., Hrsg.: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, 2003. Leitfaden der Niedermoorrenaturierung in Bayern.&lt;br /&gt;
* pluspunkt, Naturplan, quadra, 2009. Praxishilfe zur Regeneration von Hochmooren im Kanton Zürich (Merkblatt).&lt;br /&gt;
* Grosvernier, Ph., Staubli, P., 2009. Regeneration von Hochmooren. Grundlagen und technische Massnahmen, Umwelt-Vollzug Nr. 0918. Bundesamt für Umwelt, Bern.&lt;br /&gt;
* Bayerisches Landesamt für Umweltschutz (Hrsg.), 2002. Leitfaden der Hochmoorrenaturierung in Bayern für Fachbehörden, Naturschutzorganisationen und Planer.&lt;br /&gt;
* Convention on Wetlands., 2021. Global guidelines for peatland rewetting and restoration, Ramsar Technical Report No. 11. Gland, Switzerland: Secretariat of the Convention on Wetlands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [https://www.pulsbern.ch/torfboerse.html '''Torfbörse'''] ist eine Plattform, welche als Aushubmaterial anfallenden Torf an Regenerationsprojekte in Hochmooren vermittelt. Melden Sie sich dort, wenn Sie Torf benötigen oder anzubieten haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moortypen ==&lt;br /&gt;
Aufgrund der Entwicklung unterscheidet man acht verschiedene hydrogenetische Moortypen, die sich für Renaturierungen verschieden gut eignen und bei denen unterschiedlich herangegangen werden muss. Bei all diesen Moortypen handelt es sich um Torfmoore. Mineralische Moore oder Anmoore mit geringmächtiger organischer Schicht sind hier nicht behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders günstige Bedingungen für Renaturierungen bieten nicht geneigte, nährstoffarm-saure und eutrophe Moore, die nur wenig degradiert sind &amp;lt;!--(Stufe «gering bis mittel»: was hatte ich damit gemeint?)--&amp;gt;, mit lokalem Auftreten der (torfbildenden) Schlüsselarten. Mesotrophe, basen- und kalkreiche Moore (vor allem Durchströmungs- und Quellmoore), die meist geneigt und von einem Grundwasserzustrom sowie von Durchströmung oder Überrieselung des Torfkörpers abhängig sind, sind hingegen nur schwer regenerierbar. Moore lassen sich nicht immer nur einem Moortyp zuordnen, da es im Laufe der Entstehungsgeschichte unterschiedliche Phasen gegeben haben kann. Bei Mooren mit einer (natürlichen) Hangneigung ist bei Renaturierungsmassnahmen eine der grösseren Herausforderungen, dass sie einen weitreichenden Effekt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verlandungsmoore ===&lt;br /&gt;
Die Verlandungsmoore entstehen an den Ufern von Seen und Weiher.  An meso- (bis oligo-)trophen Seen mit relativ geringer Produktivität ist der Verlandungsbereich artenreich mit seltenen Arten wie Rohrdommel, Sumpfhuhnarten, Weihen, Rohrsängern, Bartmeisen und Schwirlen. Eine der wichtigsten Massnahmen sind Seesanierungsmassnahmen zur Reduktion der Nährstoffgehalte, je nachdem eine Erhöhung des Wasserspiegels. Landseitig soll das Moor aus dem Einzugsgebiet nicht mit nährstoffreichem Wasser versorgt werden (siehe Kap. [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Wassereinzugsgebiet «Wassereinzugsgebiet»]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Versumpfungsmoore ===&lt;br /&gt;
Dieser Moortyp, der in Mitteleuropa mindestens ein Viertel der Moore ausmacht, entsteht durch eine Erhöhung des Grundwasserspiegels (z. B. aufgrund von Klima- oder Landnutzungsänderung (Rodung) oder der Verringerung des Wasserabflusses). Sie zeigen einen jahreszeitlichen Wechsel von Überstau und Austrocknung. Sie weisen meist nur geringmächtige und meist stark zersetze Torfschichten auf, die leicht entwässerbar sind. Primäres Ziel der Renaturierung von Versumpfungsmooren ist die Wiederherstellung einer phasenhaften Überstauungsdynamik durch Anhebung des Grund- bzw. Förderung der Stauwasserzuflüsse sowie das Rückgängigmachen der künstlichen Moorentwässerung. Sie sind einfach wiederherstellbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Überflutungsmoore ===&lt;br /&gt;
Überflutungsmoore sind typisch für Auengebiete. Entscheidend für Auen-Moorbildungen ist ansteigendes Grundwasser in flussferneren Auenbereichen, verursacht durch die Erhöhung des Flussbettes. Der Boden weist mineralische Zwischenschichten auf. Auen-Überflutungsmoore tragen zumeist eine eutraphente Vegetation aus Grossseggenrieden, Röhrichten, Auen- und Bruchwäldern. Durch die starken Eingriffe in die Gewässer sind viele Überflutungsmoore zerstört worden. Sie zu reaktivieren bedingt Gewässerrevitalisierungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kesselmoore ===&lt;br /&gt;
Kesselmoore sind meist klein mit einem geringen Einzugsgebiet. Die Torfmächtigkeit kann grösser als 10 m sein. Der natürliche Wasserstand ist dynamisch mit mehrjährigen Nässe- und Trockenphasen und einem korrespondierenden periodischen Aufwachsen und Absterben von Gehölzen. Kesselmoore lassen sich relativ einfach renaturieren durch die Förderung des Wasserzulaufs, die Rückhaltung von Wasserabflüssen und Niederschlägen und die Minimalisierung von Nährstoffeinträgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hangmoore ===&lt;br /&gt;
Bei diesem Typ handelt es sich um flächige Hangvermoorungen durch Hangwasserzufuhr («geogen»). Die Torfe sind in der Regel geringmächtig. Bei reichlich Niederschlag entstehen die «ombro-soligenen»  Moore &amp;lt;!-- nicht erwähnen: mit von konkav zu konvex wechselndem Querschnitt--&amp;gt;mit schliesslich rein ombrogenen Mooren. Hangabwärts hagert das Moor zunehmend aus&amp;lt;!--falls erwähnt:  Link auf Filter-Funktion des Torfs--&amp;gt;. Natürlicherweise handelt es sich bei Hangmooren um Erlen- oder Birken- und Fichtenbruchwälder. Offene Hangmoore sind meist aufgrund von Mahd und extensiver Weidenutzung entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Renaturierung steht die Instandstellung des Überrieselungs-Wasserregimes im Fokus. Im Bereich der Wasserzufuhr soll es einen wassergefüllten Randsumpf geben, von dem aus das Moor überrieselt wird. Entwässerungseinrichtungen und -gräben sollen verschlossen und je nachdem soll die Nutzung angepasst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===	Durchströmungsmoore ===&lt;br /&gt;
Durchströmungsmoore entstanden vorwiegend in den Talsystemen der Urstromtäler mit permanenter Grundwasserspeisung. Die oberflächennahen, lockeren Torfschichten werden durchströmt mit einem Wachstum der Torfe von bis zu 10 m. Bei gleichmässigem Wasserangebot treten kaum Wasserstandsschwankungen und eine nur geringer Torfzersetzung auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durchströmungsmoore sind schwierig renaturierbar, weil sich der Torf durch die menschlichen Eingriffe verändert hat mit stark reduzierter Durchlässigkeit, Sackung, etc. Eine Renaturierung muss daher meist einer Überrieselung beginnen, damit sich darauf braunmoosreiche Seggenriede entwickeln können. Entwässerungsgräben sollen verschlossen und der Wasserstand angehoben werden. Das Buch «Landschaftsökologische Moorkunde» (2001) enthält in den Kapiteln 9.3.2 und 9.3.7 ausführliche Beschreibungen zu Durchströmungsmooren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Quellmoore ===&lt;br /&gt;
Quellmoore entwickeln sich bei permanenten Grundwasseraustrittsstellen. Bei genügend langsamer Strömung des Quellwassers findet Torfbildung statt. &amp;lt;!-- Vorläufig weglassen: Die Torfe enthalten silikatische Bestandteile (überwiegend Schluff) sowie Fällungsprodukte.--&amp;gt;Die Torfmächtigkeiten sind oft gross. Bei der Vegetation handelt es sich um Erlenwälder oder Grossseggenriede, Braunmoos-, Seggen- oder Kopfbinsenriede oder um Zwischenmoore.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Renaturierungen sind meist schwierig wegen a) Hangneigung und Relief, b) Entwässerungen durch Gräben und Torfstiche, c) oft unbekannter Grösse des unterirdischen Einzugsgebiets und d) Veränderungen der Porosität des Torfs. Zur Renaturierung braucht es genügend Wasserspeisung, den Rückbau aller hydrologischen Eingriffe, ev. die Aktivierung der Quelltätigkeit und bei starker Veränderung der oberen Torfschichten, einen Oberbodenabtrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hochmoore (Regenmoore) ===&lt;br /&gt;
Die wesentlichen Eigenschaften der Hochmoore sind die ausschliessliche Regenwasserspeisung (wobei es möglich ist, dass ein Hochmoor durch Grundwasser gestützt wird) und saure und mineral- und nährstoffarme Bedingungen. Hochmoore können nur in Gebieten mit einer positiven Wasserbilanz vorkommen, was in der regenreichen Schweiz mehrheitlich zutrifft. Eine weitere Eigenschaft ist das Vorkommen von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete#Akrotelm_und_Katotelm Akro- und Katotelm]. Nur wenige Torfmoosarten können ein funktionierendes Akrotelm aufbauen. &amp;lt;!-- vorläufig nicht veröffentlichen: «Ökosystem-Ingenieure»: S. magellanicum, S. papillosum, s. imbricatum, S. fuscum, S. rubellum. --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hochmoore sind durch verschiedene menschliche Eingriffe, allen voran Torfabbau und Entwässerungen, meist stark beeinträchtigt. Viele sind in den vergangenen Jahrzehnten renaturiert worden, entsprechend gross sind die Erfahrungen für entsprechende Massnahmen. Sehr oft präsentiert sich die Situation wegen der starken Eingriffe aber komplex (z. B. sehr starke Reliefierungen, Mineral- und Nährstoffeinflüsse von aussen, viele Gräben, etc.). Bei Massnahmen geht es in der Regel darum, die Regeneration einzuleiten in Richtung eines sich selbstregulierenden Systems und die Akrotelmbildung  zu begünstigen. Das Vorkommen der torfbildenden Torfmoose ist dabei ein wichtiger Indikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Massnahmentypen ==&lt;br /&gt;
Die (vermutlich) am häufigsten angewendeten Massnahmen zur Renaturierung von Feuchtgebieten sind Grabenverfüllung und -einstau. In flachem Gelände sind Totalverfüllungen nicht notwendig (im Gegenteil: hinter dem Einstau entstehen ökologisch wertvolle Kleingewässer (siehe Stillgewässerartikel oder Kapitel Prö)). '''Ab einem Gefälle von 1 bis 2 Prozent sollen Gräben vollständig verfüllt werden'''. Je nach Situation ist das aber schwierig umsetzbar (Materialbeschaffung und Transport, grosser Aufwand, viele Fahrten erforderlich).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einigen Moortypen ist das Durchströmen von Wasser durch den Torfkörper charakteristisch. Lange, dichtende, quer zur Fliessrichtung liegende Massnahmen sollen in solchen Mooren möglichst vermieden werden. Je nachdem ist es aber die einzige Möglichkeit, den Wasserstand anzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massnahmen sollen '''langlebig''' und stets '''gut gegen Erosion geschützt''' sein (siehe separates Kapitel). Für Massnahmen relevant ist die Eigenschaft von '''Torf, dass er nie ganz dicht ist'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wäre wichtig, die Erfahrungen mit den verschiedenen Massnahmen und deren Vor- und Nachteile zusammenzutragen. Zu Rundholzdämmen gibt es Untersuchungen (siehe «Regeneration von Hochmooren», 2009, S. 54), zu den anderen Techniken und Materialien gibt es vermutlich zwar einige, aber zerstreut vorliegende Erfolgskontrollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Grabenverfüllung, Graben Teilverfüllung ===&lt;br /&gt;
Die Verfüllung ist die effektivste Methode, um den Wasserspiegel wiederherzustellen, bedingt aber viel Material. An Material werden vor allem Torf und Sägemehl verwendet. In «Practical peatland restoration» sind weitere Materialen, z. B. Strohballen aufgeführt. Je nach Situation genügt eine teilweise Verfüllung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anforderungen ans Material und zu beachtende Punkte:&lt;br /&gt;
* Nährstoffarm und höchstens mässig durchlässig (maximal so durchlässig wie der umgebende Torf)&lt;br /&gt;
* Torf: verdichten, bei der Torfberechnung den Schwund miteinberechnen (Sägemehl schwindet nicht)&lt;br /&gt;
* In genügenden Abständen Dämme einbauen, damit das Anheben des Wasserstands garantiert ist.&lt;br /&gt;
* Erosion verhindern (mit Vegetation zudecken, wo solche fehlt mit Fasermatten)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verfüllungen mit Torf sind ungeeignet in sehr nassen (Untergrund ist dann meist zu weich) oder zu trockenen Gebieten (Mineralisation des Torfes), bei zu starker Neigung (Erosionsgefahr) und bei sehr breiten Gräben wegen des Bedarfs grosser Mengen. Wenn der Torf vor Ort entnommen wird, muss darauf geachtet werden, dass keine hydrologischen Schwächezonen geschaffen werden. Das Verfüllen von Gräben ist in [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/regeneration-von-hochmooren.html «Regeneration von Hochmooren» (2009) ausführlich beschrieben (Kap. 3.3.2 und 3.3.3)]. Der Kanton Neuenburg benutzt zum Verfüllen eine [[Media:SFFN 2016 regen marais technique sciure.pdf|Mischung aus Sägemehl und Häcksel]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Grabeneinstau ===&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur Grabenverfüllung werden Gräben punktuell verschlossen. Man kann unterscheiden zwischen a) '''Grabenanstau''' (nicht bis zur Bodenoberfläche), b) '''Grabeneinsta'''u (bis zur Bodenoberfläche) und c) '''Grabenüberstau''' mit seitlichem Wegfliessen des Wassers über die Grabenschultern. Solche punktuellen Grabenverschlüsse sollen dicht sein und gut gegen Erosion gesichert sein, da sich überschüssiges Wasser bei der Massnahme sammelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Material kommen Holzplatten, Holzspundwände, Metallplatten oder Kunststoffwände in Frage. Holz muss zum Schutz vor Verwitterung geschützt werden (Torfüberdeckung). In Feuchtgebieten mit geringer oder fehlender Torfauflage kann auch Lehm verwendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn stärker geneigte Gräben kaskadenmässig verschlossen werden, dann soll der Höhenunterschied zwischen den Massnahmen 10 bis 25 cm betragen, höchstens aber 50 cm .&lt;br /&gt;
Das Verfüllen von Gräben ist in [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/regeneration-von-hochmooren.html «Regeneration von Hochmooren» (2009)] ausführlich beschrieben (Kap. 3.3.4).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-500px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Juchmoos Grabeneinstau KZirfasse 96 dpi.JPEG&lt;br /&gt;
| text = Ein alle ca. 10 m mit Holzspundwänden eingestauter Graben mit &amp;lt;!--xx% --&amp;gt;Gefälle. Eine Vollverfüllung war nicht möglich wegen zu geringer Torfmächtigkeit zur Entnahme von Torf vor Ort, bzw. unverhältnismässigem Aufwand zum Zuführen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Dämme ===&lt;br /&gt;
Dämme (Sperren, Deiche) überragen die Umgebung mit dem Ziel, Wasser zurückzuhalten. Dämme müssen solid gebaut sein, das überschüssige Wasser muss gezielt und vor Erosion gesichert abgeführt werden. Für den Bau von Dämmen kommen Holzspundwände, Kunststoffwände oder Lehmdämme in Frage. Sie sollen mit geeignetem Material überdeckt werden. Wenn Torf verwendet wird, dann muss mit einer Sackung von 20 bis 25 cm gerechnet werden. Von reinen Torfdämmen ist, auch wenn in der Literatur öfters erwähnt, abzuraten, weil diese nicht dicht und erosionsanfällig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wasserregulierung ===&lt;br /&gt;
Zahlreiche Hochmoore sind hinter Moränenwällen entstanden. Viele wurden entwässert, indem die natürlichen Abflusshindernisse durchstochen wurden . In solchen Fällen kann mit einer Reguliervorrichtung der Wasserstand sukzessive, der Entwicklung des Gebiets angepasst, angehoben werden. Beispiele von Reguliervorrichtungen sind Schächte, Holzkästen, Wehre oder Mönche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Publikation [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/regeneration-von-hochmooren.html «Regeneration von Hochmooren» (2009)] enthält ausführliche Informationen zu Holzkästen (Kap. 3.3.5) und zu Schächten (Kap. 3.3.6).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Stillgewaesser_Galerie20.png&lt;br /&gt;
| text = Einbau eines vorgefertigten Mönchs.Links oben: Seit langem bestehendes Rohr durch die Moräne, links unten: Der Grundablass und die Reguliermöglichkeit durch Holzbretter, die eingesetzt werden können, sind erkennbar. Über den Mönch kann der Wasserstand von 25 Hektaren Moorfläche reguliert werden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erosionsschutz ===&lt;br /&gt;
So simpel es auch klingen mag: Wasser arbeitet ständig. Die Bauwerke müssen entsprechend gegen Erosion gesichert sein. Als Massnahmen kommen in Frage (keine abschliessend Aufzählung):&lt;br /&gt;
* Genügend breit und tief eingebaute Massnahmen&lt;br /&gt;
* Seitlich und nach unten (Auskolkungsgefahr) gut gesicherte Überläufe: Die Seiten und die Sohle z. B. mit Holz gut sichern.&lt;br /&gt;
* Zudecken nackter Torfflächen mit Fasermatten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vegetationslenkende Massnahmen ===&lt;br /&gt;
Die Etablierung von Feuchtgebiets- oder torfbildender Vegetation ist, nach der Verbesserung der Hydrologie, der zweitwichtigste Faktor einer Regeneration . Nackte Torfflächen sollen bepflanzt werden, weil sie bis 70° C heiss werden können und eine spontane Besiedlung deshalb fast ausgeschlossen ist. &lt;br /&gt;
Das Bepflanzung ist in [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/regeneration-von-hochmooren.html «Regeneration von Hochmooren» (2009)] ausführlich beschrieben (Kap. 2). Neben der dort beschriebenen aufwändigen Methoden kann das Vegetationswachstum, je nach Situation, auch mit Mahdgutübertragung gefördert werden (siehe [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Mahdgut.C3.BCbertragung Grünlandartikel]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
*	Antoniazza, M., Clerc, C., Le Nédic, C., Sattler, T., Lavanchy, G., 2018. Long-term effects of rotational wetland mowing on breeding birds: evidence from a 30-year experiment. Biodiversity and Conservation 27, 749–763.&lt;br /&gt;
*	Bamann, T., 2016. Der Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) im Artenschutzprogramm des Landes Baden‐Württemberg (Präsentation).&lt;br /&gt;
*	Baumann, A., Fetz, R., Leiser, M., Meier, W., 2002. Aktuelle Beiträge zum Moorentwicklungskonzept Bayern. Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, Augsburg.&lt;br /&gt;
*	Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege ANL (Hrsg.), 2003. Moorrenaturierung - Praxis und Erfolgskontrolle: Tagungsband der beiden Fachtagungen “Moorrenaturierungspraxis - Echte Chance oder nur Kosmetik ?” am 3./4. Mai in Rosenheim und “Erfolgskontrollen im Naturschutz: Moore” am 21./22. November 2002 in Rosenheim, Laufener Seminarbeiträge. Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege ANL, Laufen/Salzach.&lt;br /&gt;
*	Bayerisches Landesamt für Umweltschutz (Hrsg.), 1992. Auswirkungen maschineller Grabenräumung auf den Naturhaushalt: Seminar am 24. November 1992 in Wackersdorf. LfU, München.&lt;br /&gt;
*	Bayerisches Landesamt für Umweltschutz (Hrsg.), 2002. Leitfaden der Hochmoorrenaturierung in Bayern für Fachbehörden, Naturschutzorganisationen und Planer.&lt;br /&gt;
*	Benoît Bressoud, Bundesamt für Umwelt (BAFU), Broggi + Hubeli + Reith + Ryser Büro für Siedlungs- und Umweltplanung, 1992a. Handbuch Moorschutz in der Schweiz: Fallbeispiele - Band 2. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern.&lt;br /&gt;
*	Benoît Bressoud, Bundesamt für Umwelt (BAFU), Broggi + Hubeli + Reith + Ryser Büro für Siedlungs- und Umweltplanung, 1992b. Handbuch Moorschutz in der Schweiz: Grundlagen - Band 1. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern.&lt;br /&gt;
*	Bettschart, A., Klötzli, F., 1978. Frauenwinkel - Altmatt - Lauerzersee: geobotanische, ornithologische und entomologische Studien, Berichte der Schwyzerischen Naturforschenden Gesellschaft. Einsiedeln, Einsiedeln.&lt;br /&gt;
*	Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 1996a. Bestimmungsschlüssel (BGS / 1996), Unterscheidung nach den hierarchischen Klassifikationskriterien.&lt;br /&gt;
*	Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 1996b. Schlüssel zur Klassifikation der Bodentypen der Schweiz.&lt;br /&gt;
*	Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz, 2010. Klassifikation der Böden der Schweiz: Profiluntersuchung, Klassifikationssystem, Definitionen der Begriffe, Anwendungsbeispiele, 3. Auflage. ed. BGS.&lt;br /&gt;
*	Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), 2002. Moore und Moorschutz in der Schweiz. Bern.&lt;br /&gt;
*	Convention on Wetlands., 2021a. Practical peatland restoration, Briefing Note No. 11. Gland, Switzerland: Secretariat of the Convention on Wetlands.&lt;br /&gt;
*	Convention on Wetlands., 2021b. Global guidelines for peatland rewetting and restoration, Ramsar Technical Report No. 11. Gland, Switzerland: Secretariat of the Convention on Wetlands.&lt;br /&gt;
*	Deutschland / Bundesministerium für Umwelt, N. und N.S. [Herausgeber/in] (Ed.), 2021. Nationale Moorschutzstrategie.&lt;br /&gt;
*	Dierßen, K., Dierßen, B., 2001. Moore, Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht. Ulmer, Stuttgart.&lt;br /&gt;
*	Gigon, A., Rocker, S., 2010. Praxisorientierte Empfehlung für die Erhaltung der Insekten- und Pflanzenvielfalt mit Ried-Rotationsbrachen (Merkblatt No. ART 721). Agroscope Reckenholz-Tänikon ART.&lt;br /&gt;
*	Göttlich Karlhans (Hrsg.), 1990. Moor- und Torfkunde, 3. vollständig überarbeitete, ergänzte und erweiterte Aufl. ed. ESchweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart.&lt;br /&gt;
*	Grosvernier, Ph., Staubli, P., 2009. Regeneration von Hochmooren. Grundlagen und technische Massnahmen, Umwelt-Vollzug Nr. 0918. Bundesamt für Umwelt, Bern.&lt;br /&gt;
*	Grünig, A., Vetterli, L., Wildi, O., 1986. Die Hoch- und Übergangsmoore der Schweiz (Bericht No. 281). Eidg. Anstalt für das forstliche Versuchswesen.&lt;br /&gt;
*	Grünig, A.Peter., 1994. Mires and man : mire conservation in a densely populated country - the Swiss experience : excursion guide and symposium proceedings of the 5th Field Symposium of the International Mire Conservation Group (IMCG) to Switzerland 1992. Swiss Federal Institute for Forest, Snow and Landscape Research.&lt;br /&gt;
*	Guntern, J., Lachat, T., Daniela, P., Fischer, M., 2013. Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz. Forum Biodiversität Schweiz, Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT), Bern.&lt;br /&gt;
*	Haab, R., Jutz, X., 2003. Konsequenzen aus ersten Hochmoor-Regenerationsprojekten im Kanton Zürich. Konzeption und Umsetzung eines kantonalen Regerations-Programmes. Bayerische Akademie für Naturschutz und Landespflege S. 63-87.&lt;br /&gt;
*	Haab, R., Jutz, X., 2004. Das Hochmoor-Regenerationsprogramm im Kanton Zürich. Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich Jg. 149, S. 105-115.&lt;br /&gt;
*	Innovationsprojekt “Umgang mit drainierten Böden” (Hrsg.), 2019. Moorböden - kostbar und unersetzlich.&lt;br /&gt;
*	Klötzli, F., 1969. Die Grundwasserbeziehungen der Streu- und Moorwiesen im nördlichen Schweizer Mittelland, Beiträge zur geobotanischen Landesaufnahme der Schweiz. Huber, Bern.&lt;br /&gt;
*	Klötzli, F., Grootjans, A.P., 2001. Restoration of Natural and Semi-Natural Wetland Systems in Central Europe: Progress and Predictability of Developments. REC Restoration Ecology 9, 209–219.&lt;br /&gt;
*	Kollmann, 2019. Renaturierungsökologie. Springer Berlin Heidelberg.&lt;br /&gt;
*	Kratz, R., Pfadenhauer, J., 2001. Ökosystemmanagement für Niedermoore: Strategien und Verfahren zur Renaturierung. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.&lt;br /&gt;
*	Küchler, M., 2018. Moore der Schweiz: Zustand, Entwicklung, Regeneration, Bristol-Schriftenreihe. Haupt Verlag, Bern, © 2018.&lt;br /&gt;
*	Luthardt, V., Meier-Uhlher, R., Schulz, C., Succow, M., Hrsg.: HNE Eberswalde, 2011. Steckbriefe Moorsubstrate. Sauer Druck und Werbung, Berlin.&lt;br /&gt;
*	Peintinger, M., Schniepper, M., Züger, M., Küchler, M., Bergamini, A., 2022. Mahdregime in Flachmooren und ihre Auswirkungen auf Flora und Fauna: eine Literaturübersicht und -auswertung.&lt;br /&gt;
*	Pfadenhauer, J., 1999. Leitlinien für die Renaturierung süddeutscher Moore. Natur und Landschaft 74, S. 18-29.&lt;br /&gt;
*	Schumann, M., Joosten, H., 2008. Global peatland restoration manual.&lt;br /&gt;
*	SFFN, 2016. Les tourbières du canton de Neuchâtel, Techniques de régénération mélange copeaux/sciure. Départment du développment territorial et l’environnement, canton de Neuchâtel.&lt;br /&gt;
*	Siuda, C., 2013. Vegetationsstrukturtypen in Moorflächen und analoge Moor- /Grundwasserspiegelstände.&lt;br /&gt;
*	Sliva, J., Marzelli, M., Pfadenhauer, J., 2000. Renaturierung von landwirtschaftlich genutzten Niedermooren und abgetorften Hochmooren / Projektbearb.: Jan Sliva et al. ; Hrsg. : Bayerisches Landesamt für Umweltschutz. Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, München.&lt;br /&gt;
*	Stuber, M., Bürgi, M., 2018. Vom “eroberten Land” zum Renaturierungsprojekt. Geschichte der Feuchtgebiete in der Schweiz seit 1700, Zürich, Bristol-Stiftung. Haupt, Bern.&lt;br /&gt;
*	Succow, M., Joosten, H., 2001. Landschaftsökologische Moorkunde, 2., völlig neu bearb. Aufl. ed. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart.&lt;br /&gt;
*	Wagner, A., Wagner, I., Hrsg.: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, 2003. Leitfaden der Niedermoorrenaturierung in Bayern.&lt;br /&gt;
*	Wagner, Alfred., Wagner, Ingrid., Hrsg.: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, 2005. Leitfaden der Niedermoorrenaturierung in Bayern. Augsburg.&lt;br /&gt;
*	Walser, M., 2021a. Comprendre la diversité et les fonctions des sols forestiers en Suisse, Notice pour le praticien / Institut fédéral de recherches WSL 68. Institut fédéral de recherches WSL, Birmensdorf.&lt;br /&gt;
*	Walser, M., 2021b. Den Waldboden verstehen: Vielfalt und Funktion der Waldböden in der Schweiz, Merkblatt für die Praxis / Eidgenössische Forschungsanstalt WSL 68. Eidg. Forschungsanstalt WSL, Birmensdorf.&lt;br /&gt;
*	Weber, U., 2013. 16 Jahre Mähversuche gegen die Verschilfung im Naturschutzgebiet Spitzmäder, Oberriet. Ökobüro Hugentobler.&lt;br /&gt;
*	Zerbe, S., Wiegleb, G., 2009. Renaturierung von Ökosystemen in Mitteleuropa. Spektrum, Heidelberg.&lt;br /&gt;
*	Zirfass, K., Christine Huovinen, Peter Bolligerf, 2016. Feldbotanik. SVS Lehrgang, 4. Aufl. ed. Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

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		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Grundlagen&amp;diff=4727</id>
		<title>Grünland/Grundlagen</title>
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				<updated>2023-03-12T14:37:02Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Informations de base]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fromentalwiese ABosshard zg 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Die Fromentalwiesen sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Sukzession und Bedeutung des Grünlands=&lt;br /&gt;
Mit wenigen Ausnahmen ist Grünland keine natürliche Vegetation - bleibt eine Nutzung aus, folgt der Verlauf der meisten Grünland-Lebensraumtypen der natürlichen Sukzession. Maag et al. (2001) zeigen die verschiedenen Sukzessionsverläufe für unterschiedliche Standorte. Dabei hat jede Stufe der Sukzession beispielsweise eines Trockenrasens bis hin zum Wald ihren ökologischen Wert; die Artenvielfalt kann durch ein Nebeneinander verschiedener Sukzessionsstadien erhöht werden (Diacon et al. 2011). Die unterschiedlichen Stadien der Verbrachung und Verbuschung weisen willkommene Rückzugsgebiete und Nahrungsreservoirs für Reptilien, Spinnen und viele Insekten dar. Insbesondere jüngere Brachen können floristisch und faunistisch äusserst wertvoll sein; langfristig ist dagegen die Artenvielfalt in Dauerbrachen gefährdet (Dipner &amp;amp; Volkart 2010). &lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Abbildung weglassen, weil nicht in guter Qualität zur Verfügung; Alternative: Foto einwachsender Wiese. In der folgenden Abbildung sind die Phasen der Verbuschung nicht mehr bewirtschafteter Halbtrockenrasen dargestellt (Quelle: Briemle et al. 1993):--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung des Grünlandes ist vielfältig und eine grosse Bandbreite von allgemeinen, nicht nur an das Grünland gebundene Ökosystemleistungen sind auch mit diesen Lebensräumen verbunden, wie produktive Erzeugnisse, genetische Ressourcen von Futterpflanzen, Bestäubungsleistungen, Erosionsvermeidung, kulturelle Leistungen, Speicherung von Kohlenstoff (Guntern et al. 2013). Ebenfalls relevant sind die mit dem Grünland verbundenen ästhetisch-landschaftlichen Aspekte bspw. im Hinblick auf die touristische Nutzung oder die Erholungsfunktion. Aus landwirtschaftlicher Sicht ist die Bedeutung des Grünlandes als Stätte der Futterproduktion zentral. Entsprechend sind Wiesen und Weiden für die landwirtschaftliche Nutzung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte „optimiert“ worden. Beispielsweise stellen die Hochleistungsrassen in der Milchwirtschaft hohe Ansprüche an den Futterwert des Grünlandes: im jüngeren Aufwuchs ist der Rohfasergehalt niedriger und die Anteile an Rohprotein und Mineralstoffen höher. Entsprechend sind der Energiegehalt und die Verdaulichkeit des Futters besser. Damit sind die Anforderungen der Hochleistungsmilchwirtschaft mit dem Erhalt des artenreichen Grünlands nicht vereinbar (Gerowitt et al. 2011); landwirtschaftlich intensiv genutzte Wiesen haben kaum einen ökologischen Wert verglichen mit artenreichem Grünland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Typologie des Grünlands=&lt;br /&gt;
Je nachdem, worauf der Fokus liegt, kann das Grünland in Unterkategorien aufgeteilt werden; man kann vegetationskundliche, ökologische oder auch futterbauliche Kriterien anwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Haber de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Haber (2014) gliedert das Grünland i.w.S. wie oben dargestellt (Abbildung leicht verändert).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl &amp;amp; Grünig (in Oppermann &amp;amp; Gujer 2003, S. 60) gliedern die artenreichen (Mäh-)Wiesen der Schweiz nach Wasser- und Nährstoffhaushalt in 19 Wiesentypen auf. Ihre tabellarische Übersicht zeigt für die jeweiligen Wiesentypen kennzeichnende Artengruppen und -kombinationen. Für den gedüngten Bereich wurde die obengenannte Systematik weiterentwickelt und [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Bosshard (2016) unterscheidet in der Folge für das gedüngte Wiesland neun Typen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard Genese de.png&lt;br /&gt;
| text = Genese und Höhenverbreitung der gedüngten Wiesentypen. &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Vereinfachter dichotomer Bestimmungsschlüssel zur Identifikation von Fromental- und Goldhaferwiesen in Bosshard (2016, S. 188).&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/SchluesselGeduengteNaturwiesen.xls Bestimmungsschlüssel für die Wiesentypen des gedüngten Naturwieslands der Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://ira.agroscope.ch/de-CH/publication/46127 Bestimmungsschlüssel für Lebensräume der offenen Kulturlandschaft] (Buholzer et al. 2015)&lt;br /&gt;
* Die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/kartierung-und-bewertung-trockenwiesen.html Kartier- und Bewertungsmethode zur Erarbeitung des Inventars der Trockenwiesen und -weiden] ist im Technischen Bericht ausgeführt (Eggenberg et al. 2001)&lt;br /&gt;
* [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/4-grnland-naturrasen-wiesen-und-weiden.html Klassifikation der Grünlandlebensräume nach Delarze et al. (2015)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Zustand und Entwicklung des Grünlands in der Schweiz=&lt;br /&gt;
==Entstehung von Grünland==&lt;br /&gt;
Grünland ist in Mitteleuropa vor 8000 Jahren durch Waldrodung zur Ackernutzung entstanden. Die anschliessend nicht mehr für den Ackerbau genutzten Flächen begrünten sich und wurden als Viehweiden genutzt. Wo Wiesland in prähistorischer Zeit vorkam, ist weitgehend ungewiss und wird in Bosshard (2016) kurz ausgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapfer (2010a, 2010b) und Bosshard (2016) beleuchten die Entstehungsgeschichte und die historische Wies- und Weidelandnutzung und stellen sie in Vergleich mit heutigen Nutzungsformen: Während vieler hundert Jahre war das Wiesland in das Produktionssystem der auf Getreidebau ausgerichteten Dreizelgenwirtschaft ausgerichtet. Der Heu- und Emdschnitt führte zusammen mit den geringen Mistgaben (rund um den Hof herum) und der historisch üblichen Frühjahrsvorweide (Etzen) zu einer langfristigen Ausmagerung der Böden mit entsprechenden Folgen für die Vegetation. Reine Mähwiesen haben sich grossflächig erst im 19. Jahrhundert entwickelt, vorher waren alle Wiesen auch beweidet (Frühjahrs- oder Herbstweide). Nach dem Etzen erfolgte der Heuschnitt später und die Wiesenpflanzen konnten ihre individuelle Entwicklung bis zur Samenreife und dem Ausstreuen der Samen vollständig abschliessen. Die heutige erste Hauptnutzung auf den Mager- und Fromentalwiesen beim Heuschnitt entsprach historisch der zweiten Nutzung. Früher orientierte man sich für den Beginn und das Ende bestimmter Bewirtschaftungsgänge an Heiligen-Tagen. Diese Orientierungszeitpunkte wurden jedoch je nach Jahresverlauf bspw. für den Mahdbeginn auch flexibel gehandhabt. Die Ernte einzelner Flächen erstreckte sich über mehrere Wochen hinweg. Das Heu der Schnittwiesen wurde auf der Fläche getrocknet, wodurch eine erfolgreiche generative Vermehrung gefördert wurde (Poschlod 2011). Im Laufe der Zeit führten neue Ernteverfahren, Bewässerungsmassnahmen und neu auch die phänologischen Veränderungen aufgrund des Klimawandels zu einem früheren ersten Schnitt von Wiesen (Guntern et al. 2013).&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungsschemata Kapfer zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Bewirtschaftungsschema der drei wichtigsten Wiesentypen der alten Dreizelgenwirtschaft. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Die ökologischen Auswirkungen und die Anwendung des Etzens (Frühjahrsvorweide) (Quelle: Bosshard 2015b)''' &amp;lt;br /&amp;gt; Etzen war bis ins 18./19. Jh. die übliche erste Nutzung von Mähwiesen. Heute wird die Vorweide dagegen vor allem im Berggebiet in den intensiver genutzten Wiesentypen noch regelmässig praktiziert. Etzen bewirkt langfristig einen Nährstoffentzug, die Wüchsigkeit einer Wiese wird vermindert und dadurch, dass kurzfristig Licht in den Bestand eingebracht wird, werden empfindlichere Pflanzen artenreicher Wiesen gefördert. Die längere bewirtschaftungsfreie Phase zwischen der Frühjahrsweide und dem nächsten Nutzungszeitpunkt durch Mahd führt zu einem deutlich schmackhafteren, gehaltvolleren (da eiweissreicheren) Heuaufwuchs, so dass Etzen auch aus futterbaulicher und wirtschaftlicher Sicht von Interesse sein dürfte. &lt;br /&gt;
Das kurze, schonende Überweiden einer Wiese im Frühjahr führt zu einem strukturierteren Pflanzenbestand, einem längerdauernden Blütenangebot und einem späteren Heuschnitt und gewisse Tierarten (Tagfalter, Heuschrecken und wiesenbrütende Vogelarten) können davon profitieren (SHL 2008). Aus praktischen Gründen (logistischer Aufwand) kommt das Etzen nur für eine Minderheit von Grünlandflächen überhaupt in Frage und ist für BFF-Flächen bspw. im Rahmen von Vernetzungsprojekten realisierbar, sofern die kantonalen Vernetzungsrichtlinien dies vorsehen und begründen.&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem historischen Blickwinkel ist die Entstehung der Artenvielfalt in Wiesen zu betrachten (Poschlod 2011): Die Artenzusammensetzung der Flachlandmähwiesen, wie sie sich in der heutigen Form präsentiert, ist wahrscheinlich erst etwa 300 Jahre alt; der namengebende Glatthafer (''Arrhenatherum elatius'') wurde erst Anfang des 18. Jahrhunderts eingeführt (d.h. ein durch Auswahl-Zucht verbesserter Ökotyp aus Südfrankreich).  Möglicherweise ist die namengebende Art der Berg-Mähwiesen, der Goldhafer (''Trisetum flavescens'') ebenfalls erst zu dieser Zeit eingeführt worden. Fast alle Pflanzenarten des Wieslandes scheinen aus der autochthonen Flora zu stammen (bspw. aus lichten Stellen von Wäldern, aus Schotterflächen der Auen, aus den Randregionen der Hochmoore etc.). Verschiedene Futterpflanzen des Wieslandes sind (gezielt oder unabsichtlich) eingeführt worden und schon früh begann der Mensch, mit gezielten Einsaaten den Ertrag zu steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungstypen Kapfer zg 1280 768.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht zur Genese der Bewirtschaftungstypen des Grünlands Mitteleuropas. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Zusammenfassende Betrachtungen und nähere Ausführungen zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Grünlands liefern Kapfer (2010a, 2010b), [https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/90005 Poschlod (2011)] und Bosshard (2016).&lt;br /&gt;
* Auch das [http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D13861.php Historische Lexikon der Schweiz] bietet zu verschiedenen Themen (Düngung, Futtermittel, Bewässerung, Wiesen, Weiden) informative Artikel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quantitativer und qualitativer Zustand und deren Veränderung==&lt;br /&gt;
Das Grünland hat sich mit den technischen Möglichkeiten in der Landwirtschaft (Mechanisierung, Düngereinsatz) und den Flurbereinigungen der letzten Jahrzehnte stark verändert worden und verändert sich immer noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Media:Tabelle Grünland Auszug Flächenbedarf.pdf|Tabelle]] gibt einen Überblick über die Ausdehnung und quantitative Veränderung der Schweizer Grünlandlebensräume. Quelle: «Guntern et al. (2013): Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz», S. 96. Weitere Grünflächen befinden sich im Siedlungsgebiet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;LN = Landwirtschaftliche Nutzfläche, SöG = Sömmerungsgebiet, BFF = Biodiversitätsförderfläche&amp;lt;/small&amp;gt; &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Lebensraum&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 10%&amp;quot;| Zeit&lt;br /&gt;
!colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Ausdehnung [ha]&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Bemerkung, Quelle&lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Wiesen und Weiden auf der LN (ohne SöG, Kunstwiesen) davon:&amp;lt;br/&amp;gt;- Extensiv genutzte BFF-Wiesen &amp;lt;br/&amp;gt;- Wenig intensiv genutzte BFF-Wiesen&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|610’732 &amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;66‘056 &amp;lt;br/&amp;gt;22‘919&lt;br /&gt;
| (BLW 2012) &amp;lt;br/&amp;gt;Wobei mit Qualität gemäss ÖQV: &amp;lt;br/&amp;gt;- Weiden, Waldweiden: 5'384 ha &amp;lt;br/&amp;gt;- Wiesen (inkl. Streuflächen): 28'864 ha&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sömmerungsgebiet &amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; (SöG)&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|505'385 (12% der CH)&lt;br /&gt;
| Gemäss (Walter et al. 2013)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Trockenwiesen und –weiden (TWW)&lt;br /&gt;
| 1900&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|760‘000 (bis 900‘000)&lt;br /&gt;
| (Eggenberg et al. 2001; Lachat et al. 2010b), Flächenverlust von 90-99% von TWW in den Regionen und 95% in der Schweiz. &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2010&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|37‘011&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Potenziell wertvolles Grasland auf der LN oder im SöG (ohne TWW, Moore Modell basierend auf der Steigung und der Höhe über Meer an den Fundorten von UZL-Ziel- und Leitarten.&lt;br /&gt;
| 2012 &amp;lt;br/&amp;gt;Total: &amp;lt;br/&amp;gt;TZ: &amp;lt;br/&amp;gt;HZ: &amp;lt;br/&amp;gt;BZI: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZIV: &amp;lt;br/&amp;gt;SöG:&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [ha] &amp;lt;br/&amp;gt;231’688 &amp;lt;br/&amp;gt;3797 &amp;lt;br/&amp;gt;354 &amp;lt;br/&amp;gt;2'023 &amp;lt;br/&amp;gt;6943 &amp;lt;br/&amp;gt;9223 &amp;lt;br/&amp;gt;10'984 &amp;lt;br/&amp;gt;198'364&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [%] &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;0.78 &amp;lt;br/&amp;gt;0.25 &amp;lt;br/&amp;gt;1.71 &amp;lt;br/&amp;gt;4.52 &amp;lt;br/&amp;gt;11.06 &amp;lt;br/&amp;gt;22.72 &amp;lt;br/&amp;gt;39.25&lt;br /&gt;
| (Walter et al. 2013) &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;TZ = Talzone &amp;lt;br/&amp;gt;HZ = Hügelzone &amp;lt;br/&amp;gt;BZ = Bergzone &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;Grünland macht nahezu 100% des SöG sowie der LN in den BZIV und BZIII aus.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Fromentalwiesen auf der LN&lt;br /&gt;
| 1950&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Abgesehen von TWW, Dauerweiden, Streuwiesen, Äckern nahezu alles&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012): genauere Angaben in Erarbeitung für Schlussbericht der laufenden Studie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|3-8%&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012), wobei davon ca. 20% mit der Artenzusammensetzung von intensiv genutzten Fromentalwiesen der 1950er Jahre und max. 5% mit guter Qualität (pers. Mitteilung A. Bosshard) &amp;lt;br/&amp;gt;-&amp;gt; Rückgang von vermutlich &amp;gt; 90% und nahezu 100% für artenreiche Bestände (Bosshard 1998)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Gemäss Arealstatistik nahm die Alpwirtschaftliche Nutzfläche von 1979/85 bis 1992/97 von 555'662 um 3.2 % auf 537'802 ha ab. Ein weiterer Rückgang wurde bis 2004/09 festgestellt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Schätzungsweise weitere Abnahme von 25-30% zw. 1995-2005 (Leibundgut 2007 zitiert in Graf &amp;amp; Korner 2011). Grössenordnungen in diesem Bereich sind im Wallis und Engadin durch Fallstudien bestätigt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Vergleich mit der Grünland-Situation in Deutschland zeigt: Ein mit der Schweiz (Tieflagen) vergleichbarer Anteil von rund 13% der Gesamtfläche (CH 14.7%) wird als landwirtschaftliches Grünland genutzt, der Grossteil davon ebenfalls intensiv (Boch et al. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Nutzung LN BFS 2018 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Wie sich die landwirtschaftliche Nutzfläche der Schweiz auf die verschiedenen Nutzungstypen aufteilt. Quelle: BFS 2018, Die Schweiz in 21 Infografiken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zeitraum von 1990 bis 2009 hat sich die Grünlandfläche in Deutschland um 875‘000 ha verringert. Zwischen 2003 und 2012 betrug der absolute Verlust des Dauergrünlands ca. 5%. In der Schweiz machen Landwirtschafts- und Alpwirtschaftsflächen zusammen mehr als einen Drittel der Gesamtfläche aus; zwischen 1985 und 2009 sind 85‘000 ha davon verlorengegangen, was der Grösse des Kantons Jura entspricht (BFS 2018). Die Fromentalwiesen, bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts der häufigste und zugleich produktivste Wiesentyp auf den guten Böden der tieferen Lagen Mitteleuropas, sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden. Damit einher ging eine qualitative Verschlechterung: ein Vergleich zwischen 1950 und 2009 zeigt, dass die damalig «intensiv» genutzten Wiesen in der Regel QII-Qualität hatten, heute hingegen in den noch vorhandenen Fromental-Vergleichswiesen nur noch ein Drittel diese Qualitätsanforderung erreicht («Fromentalwiesenprojekt», Bosshard 2016). Unter den besonders wertvollen Lebensräumen ging die Fläche der Trockenwiesen und -weiden zwischen 1900 und 2010 um 95% zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Zuerich Umweltbericht zg.png&lt;br /&gt;
| text =  Abnahme artenreicher Wiesen im Kanton Zürich. Quelle: Baudirektion Kanton Zürich (2008), Umweltbericht 2008.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schweizer Berggebiet nahm die Entwicklung des Futterbaus und der Wiesen und Weiden einen anderen Weg als im Mittelland: Erschwernislagen (steile oder schlecht erschlossene, meist mit vielen Kleinstrukturen durchsetzte Flächen) wurden zunehmend in Weiden umgenutzt oder ganz aus der Nutzung entlassen und ein Grossteil davon ist in der Folge verbuscht und verwaldet. Insgesamt hat die Waldfläche in den vergangenen 150 Jahren auf Kosten von Wiesen- und Weideflächen je nach Region um 30-100% zugenommen. Heute liegt der überwiegende Teil des artenreichen Wieslandes der Schweiz in solchen Erschwernislagen ab Bergzone I; besonders hoch ist dieser Anteil im Sömmerungsgebiet. Allerdings nehmen diese Flächen sowohl durch Nutzungsaufgabe als auch durch Intensivierung laufend ab (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anteil BFF mit Qualitätsstufe II steigt stetig an; das Ziel eines 40%-Anteils wurde 2017 erstmals erreicht. Der Anteil im Talgebiet ist mit 28% jedoch immer noch tief (BLW 2018). Seit 2014 werden ebenfalls Beiträge für artenreiche Grün- und Streueflächen im Sömmerungsgebiet ausgerichtet; der Anteil dieser Flächen mit Qualitätsstufe II betrug 2017 217‘496 ha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;5&amp;quot;| '''Übersicht über die Flächenanteile BFF mit QII-Qualität (in Hektaren) (Quelle: Agrarbericht BLW 2019)'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! BFF QII-Typ&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Talregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Hügelregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Bergregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Total&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Extensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 11495&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 7395&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 17411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 36301&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wenig intensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 130&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3220&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3761&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| extensiv genutzte Weiden und Waldweiden&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 1468&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 2830&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 14759&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 19057&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| artenreiche Grün- und Streuflächen im Sömmerungsgebiet&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 223509&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Entwicklung BFF Q2 2001 2016.png&lt;br /&gt;
| text = Entwicklung (in Hektaren) der angemeldeten artenreichen Wiesen und Weiden (BFF mit Qualitätsstufe II) zwischen 2001 – 2016 (Quelle: Daten BLW).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die qualitativen Veränderungen in Wiesen und Weiden betreffen das allgemeine Nährstoffniveau, welches enorm gestiegen ist und das Verschwinden des früher verbreiteten Mosaiks von unterschiedlich genutzten Flächen (Schmid et al. 2007). Weitere qualitative Veränderungen der letzten Jahrzehnte beschreibt Bosshard (2016): Die Schlagkraft hat sich vervielfacht mit früherem Schnitt, viel höherer Nutzungsfrequenz und der zeitgleichen Nutzung viel grösserer Flächen. Die Erträge sind um ca. 60-80% gestiegen. Kleinstrukturen und Kulturlandschaftselemente sind verschwunden. Die schwereren Maschinen haben eine problematische Bodenverdichtung zur Folge und insbesondere für die Fauna destruktive Ernteverfahren (Rotationsmähwerke, Futteraufbereiter, Silagetechnik) nehmen zu. Heute wird vorwiegend Güllewirtschaft (rasch verfügbare Nährstoffe) statt der früher üblichen Festmistwirtschaft betrieben und durch den Wechsel von der Dürrfutterbereitung (Heu) zur Silage liegt der Nutzungszeitpunkt des ersten Aufwuchses heute früher im Jahr, es sind mehr Nutzungen pro Jahr möglich, die Ernte verläuft rascher und die Pflanzen können weniger absamen. Meliorationen, das Zusammenlegen von Parzellen und das Verschwinden von extensiven Parzellengrenzen bewirken ebenfalls grosse Veränderungen. Ein nächster Schritt steht mit der zukünftigen Automatisierung der Bewirtschaftung bevor. Anschaulich illustriert [https://www.pronatura.ch/de/wiesen-und-weiden Pro Natura anhand von Beispielen] die Entwicklung ehemals artenreicher Wiesen in artenarme Fettwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologischen Auswirkungen der oben beschriebenen Veränderungen sind mannigfaltig: beispielsweise führt die Intensivierung der Graslandkultivierung und die früheren Schnittzeitpunkte zu einer Abnahme der Samenbank im Boden (Klimkowska et al. 2007). Die früheren Schnittzeitpunkte führen zur Überlappung mit der Brutsaison bodenbrütender Vögel; durch Mahd werden die Nester mechanisch zerstört oder sind für Prädatoren nach dem Schnitt leichter zugänglich oder die Futterverfügbarkeit wird während einer kritischen Phase der Nestlinge dezimiert (Britschgi et al. 2006). Einzelflächen wie auch die Gesamtfläche ökologisch wertvoller Wiesen und Weiden sind zu klein und zu stark fragmentiert. Kleine Grünlandflächen sind besonders empfindlich gegenüber negativer Randeffekte (z.B. Eindringen anderer Arten) und ökologischer Drift. Die durchschnittliche Grösse der TWW von nationaler Bedeutung beträgt heute 4.7 ha und im Sömmerungsgebiet 10.5 ha (Guntern et al. 2013): eine Wiederbesiedlung durch Tagfalter, Hummeln und Reptilien ist möglich, wenn die Flächen nicht weiter als 1-3 km voneinander entfernt sind. Charakteristische Heuschrecken und Laufkäfer dagegen überwinden selten Distanzen von über 100 m.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Nährstoffversorgung im Grünland''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stickstoff ein elementarer Baustein aller Lebewesen; Pflanzen nehmen ihn über die Wurzeln in der Form von Ammonium oder Nitrat auf. Pflanzenverfügbarer Stickstoff ist natürlicherweise in den meisten Böden Mangelware – in den letzten Jahrzehnten gelangten jedoch riesige Mengen von Stickstoffverbindungen als Mineraldünger, Gülle oder aus Verbrennungsprozessen direkt oder indirekt über die Luft in die Böden. Der natürliche atmosphärische Eintrag von biologisch aktivem Stickstoff beträgt lediglich 0.5 – 2 kg/ha. Heute gelangt durchschnittlich 16 kg/ha Stickstoff über die Luft in den Boden, was in etwa der ausgebrachten Menge für mittel intensiv genutzten Wiesen entspricht. Peter (2011) weist darauf hin, dass bei drei der vier umweltrelevanten Stickstoffformen (Ammoniak, Nitrat und Lachgas) die Landwirtschaft gesamtschweizerisch gesehen die Haupt Emittentin ist. So müssten beim Ammoniak beispielsweise die Emissionen aus der Landwirtschaft annähernd halbiert werden, damit eine substanziell schädigende Wirkung in sensiblen Ökosystemen verhindert werden könnte. Für artenreiche Wiesen (kollin und montan) liegt der kritische Eintragswert bei 10-30 kg N pro Hektar und Jahr (Guntern 2016a). Entsprechend sind bspw. 49% der Trockenwiesen von den negativen Auswirkungen des atmosphärischen Stickstoffeintrags betroffen; die kritischen Eintragswerte (critical loads) werden in vielen Lebensräumen z.T. massiv überschritten (BAFU 2017). In Wiesen führt dies zu einer Bodenversauerung, zu einer starken Abnahme der Pflanzendiversität und zur Dominanz einiger weniger Grasarten und ist mitverantwortlich für die extreme Artenverarmung im Wiesland insbesondere in den Tieflagen (Bosshard 2016). Heutige Bestände sind im Vergleich zu früher wüchsiger und dichter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Stickstoffbilanz 2015 BFS 2.png&lt;br /&gt;
| text = Die Stickstoffbilanz in den Landwirtschaftsflächen (inkl. Alpweiden) zeigt langfristig betrachtet zwar einen rückläufigen Überschuss, dennoch resultierte 2015 ein Überschuss von 60 kg/ha (1990er-Jahre &amp;gt; 80 kg/ha). Quelle: Landwirtschaft und Ernährung, Taschenstatistik BFS 2018)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Phosphor ist einer der Hauptnährstoffe der Pflanzen und wird in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt. In den letzten zehn Jahren belief sich der Phosphorüberschuss auf rund 400 t/Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = phosphorbilanz 2018 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Phosphorbilanz der Landwirtschaftsflächen. Phosphormengen, die in landwirtschaftliche Böden gelangen bzw. ihnen entzogen werden. Quelle: BFS – Umweltgesamtrechnung (2020)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im intensiv genutzten Grasland werden ausserdem steigende Zink- und Kupfereinträge beobachtet, welche aus dem Hofdünger (Gülle und Mist) bzw. aus den Futtermitteln stammen (Gubler et al. 2015). Aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität kann auch im Grünland davon ausgegangen werden, dass vielerorts das Bodenleben dadurch beeinträchtigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uz-umwelt-zustand/biodiversitaet-schweiz-zustand-entwicklung.pdf.download.pdf/UZ-1630-D_2017-06-20.pdf Zustand und Entwicklung Biodiversität Schweiz]&lt;br /&gt;
* Guntern et al. (2013): [http://www.ngzh.ch/media/pdf/Flaechenbedarf.pdf Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz]&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/boden/uz-umwelt-zustand/boden-schweiz.pdf.download.pdf/UZ-1721-D_Boden2017.pdf Boden in der Schweiz. Zustand und Entwicklung. Stand 2017] &lt;br /&gt;
* BFS (2018): [https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/publikationen/uebersichtsdarstellungen/taschenstatistik-schweiz.html Taschenstatistiken] &lt;br /&gt;
* BLW: [https://www.agrarbericht.ch/de Agrarbericht]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zustand und Entwicklung der Artengemeinschaften des Grünlands==&lt;br /&gt;
Bei einer Vergleichsuntersuchung fanden Schlup et al. (2013) im extensiv bewirtschafteten Grünland (Kammgrasweide, Fromental- und Goldhaferwiese, Halbtrockenrasen) eine höhere Artenzahl an Gefässpflanzen als im durchschnittlichen Grünland der Schweiz. Ausserdem kamen im extensiven Grünland deutlich mehr Kenn- und Charakterarten sowie gefährdete Arten vor. Spezialisiertere Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt und es findet eine Trivialisierung statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Kennarten de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Die Tabelle zeigt, wie wichtig besonders wertvolle Lebensräume für den Erhalt von vielen Tiergruppen sind. Quelle: Hotspot 18, Forum Biodiversität Schweiz 2008)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Demnach weist ein beträchtlicher Teil der Arten eine erhöhte Bindung zu Trockenwiesen und -weiden auf.&lt;br /&gt;
Lebensraumverlust und -degradierung haben auf die Biodiversität im Grünland einen negativen Einfluss, wie die folgende Darstellung aus dem Biodiversitätsmonitoring Schweiz zeigt (BAFU):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Indikatoren de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden - Index* von 0 (einheitlich) bis 100 (vielfältig), aller paarweisen Vergleiche der Stichprobenflächen, in Prozent. *Mittelwerte über einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren. Quelle: BAFU: Biodiversitäts-Monitoring Schweiz BDM 2018&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Artenvielfalt ist seit Mitte der 2000er Jahre insgesamt zurückgegangen und deutet auf eine gesamtschweizerische Vereinheitlichung der Wiesen und Weiden hin, was einem Verlust der Biodiversität gleichkommt. Jedoch ist der Verlust der Artengemeinschaften in diesen Lebensräumen schon seit mindestens einigen Jahrzehnten im Gang: In den letzten 120 Jahren hat sich die durchschnittliche Pflanzenartenvielfalt auf 81 Wiesen fast halbiert (Schlup et al. 2013). Generell wird festgestellt, dass v.a. häufig vorkommende Arten zugenommen haben, welche keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Spezialisierte Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt, was zu einer Trivialisierung der Wiesen und Weiden führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die meisten Vogelarten, welche auf Äckern, Wiesen und Weiden brüten, sind aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität im Rückgang begriffen: Der schweizerische Index der für das Kulturland typischen Brutvögel (46 UZL-Arten) hat seit 1990 um fast 30% abgenommen, der europäische Agrarvogelindex seit 1980 um über 50% (BLW 2017, Becker et al. 2014). Auch die Bergidylle ist zunehmend bedroht: ein Langzeitvergleich der Vogelwarte zeigt, dass im Engadin innerhalb von 22 Jahren der Anteil an wenig intensiv genutzten und artenreichen Wiesen von 32 auf 27% gesunken und die Brutbestände von Feldlerche, Baumpieper und Braunkehlchen um 44-61% gesunken sind (Korner et al. 2017). Den blütenbesuchenden Insekten wird durch den Rückgang des reichen Blüten- und Nektarangebots die Nahrungsgrundlage entzogen. Wesche et al. (2014) stellten bei Heuschrecken und Wanzen in Auen und Trockenwiesen innert 50 Jahren einen dramatischen Einbruch der Individuenzahlen (&amp;gt;60%) bei teils konstanten, teils zunehmenden Artenzahlen fest. Die botanische Zusammensetzung von Fromentalwiesen zeigt im Vergleich zu den 1950er Jahren eine durchschnittliche Abnahme der Artenzahl von rund 30% bei einer ebenfalls deutlichen Qualitätseinbusse (Bosshard 2015c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Monitoringprogramms ALL-EMA werden der Zustand und die Veränderung von Arten und Lebensräumen der Umweltziele Landwirtschaft in der offenen Agrarlandschaft Schweiz erfasst und die Biodiversitätsförderflächen beurteilt. Eine erste umfassende Auswertung zum Zustand der Biodiversität ist 2020 vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/monitoring-analytik/all-ema.html ALL-EMA]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/zustand/indikatoren.html Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden (BAFU)]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodiversitymonitoring.ch/index.php/de/ Biodiversitätsmonitoring Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uw-umwelt-wissen/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf.download.pdf/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf BAFU &amp;amp; BLW (2016): Umweltziele Landwirtschaft UZL.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung und Gefährdungsursachen=&lt;br /&gt;
43% der unter dem Begriff „Grünland“ zusammengefassten Lebensraumtypen gelten als gefährdet. Die wertvollsten Flächen der Trockenwiesen und -weiden sind in einem Inventar (TWW) bezeichnet - seit 1900 sind rund 95% der TWW in der Schweiz verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Gefaehrdungskat Grünland de.png&lt;br /&gt;
| text = Einstufung der 30 Lebensraumtypen des Grünlandes gemäss Roter Liste.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefährdungsursachen und wichtige Treiber sind (Delarze et al. 2015, Bosshard 2016, Becker et al. 2014):&lt;br /&gt;
* Der Verlust an Grünland-Lebensräumen durch Nutzungsaufgabe in Grenzertragslagen und nachfolgender Sukzession, durch Umwandlung von Grünland in Ackerland oder Kunstwiesen und durch den Siedlungs- und Strassenbau. Als Folge der Lebensraumverluste sind verbleibende Habitate oft zu klein und/oder von Isolation bedroht. Bis Fragmentierung und Randeffekte zum Verlust von Arten führen, kann es Jahrzehnte dauern; man spricht deshalb auch von der sogenannten Aussterbeschuld. Im Sömmerungsgebiet verschwinden mittel-wertvolle Flächen. Das aktuelle Instrument der BFF gibt im Sömmerungsgebiet keine Kriterien zur Bewirtschaftung vor. Es gibt Hinweise, dass die Kartierung der TWW nicht vollständig ist. Es besteht die Gefahr, dass wertvolle Flächen durch Intensivierung, falsche Nutzung oder Nutzungsaufgabe verloren gehen.&lt;br /&gt;
* Intensivierung, moderne oder ungeeignete Bewirtschaftung sowie Nährstoffeinträge: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die damit verbundene Intensivierung hat vielfache Auswirkungen auch auf das Grünland. Düngung und Zufütterung in der Viehhaltung haben vervielfachte Nährstoffeinträge und die Eutrophierung des Bodens zur Folge. Durch das Düngen werden viele Grünlandarten, insbesondere Kräuter, verdrängt und die Artenvielfalt nimmt in der Folge ab, weil wenige Arten dank dieser zugeführten Nährstoffe schnell wachsen, rasch Biomasse aufbauen und den Boden für den Aufwuchs anderer Pflanzen beschatten (Gerowitt et al. 2013). Die Intensivierung umfasst ausserdem die frühere Nutzung der Bestände zur Erzielung hoher Futterqualität (für die Hochleistungs-Milchkühe) und eine generell erhöhte Schlagkraft (mit schweren Maschinen), häufigere Nutzungen, den Einsatz von Pestiziden, Flurbereinigungen und Strukturverlust sowie kulturtechnische Massnahmen zur Entwässerung,  Kalkung oder Bewässerung der Flächen. Des Weiteren werden Flächen eingeebnet bzw. unter Einsatz von bspw. Forstmulchern intensiviert. Vorgegebene Schnittzeitpunkte bewirken eine Monotonisierung der Landschaft sowie ein zeitgleiches Wegfallen von Nahrungsquellen. All diese Faktoren sowie die Aufgabe bestimmter Nutzungsformen führen zu einer Vereinheitlichung der Lebensräume. &lt;br /&gt;
* Der Klimawandel stellt für den Wandel der Biodiversität und Ökosysteme einen bedeutenden Faktor dar (Guntern 2016b): insbesondere spielen der Temperaturanstieg sowie Veränderungen im hydrologischen Regime eine Rolle. Höhere Temperaturen und zunehmende Niederschlagsmengen führen bei gleichmässiger Bodendurchfeuchtung zu einer zunehmend schnelleren Wuchsleistung des Grünlands. Aus dem Biodiversitätsmonitoring ergeben sich Hinweise, dass im Mittelland bestimmte Lebensräume einerseits wärmer, andererseits auch trockener werden (BDM-Facts Nr. 4, BAFU 2012).&lt;br /&gt;
* Auch invasive, gebietsfremde Arten können auf die heimische Biodiversität nachteilig wirken. V.a. folgende Arten bereiten bisher grossflächig Probleme im extensiv genutzten Wiesland: das Einjährige Berufkraut (''Erigeron annuus''), die beiden Goldrutenarten (''Solidago canadensis'' und ''S. serotina'', v.a. im unternutzten oder spät gemähten, feuchten bis wechselfeuchten Wiesland) sowie das Schmalblättrige Kreuzkraut (''Senecio inaequidens''). Weitere Neophyten mit invasivem Ausbreitungspotenzial werden auf der Neophyten-Watch-List geführt. Die (bemerkenswerte) Resistenz gegenüber neu eingebrachten Arten scheint ein Charakteristikum des mitteleuropäischen Wieslands zu sein (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
* Je nach Lebensraumtyp und Lage des Grünlandes stellen auch Freizeitaktivitäten bzw. Erholungsnutzung Gefährdungsfaktoren dar. In Deutschland sind insbesondere auch der Anbau von Energiepflanzen (Biogasproduktion, Raps für Kraftstoffproduktion) sowie die Agrophotovoltaik mögliche Gefährdungstreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = rationelle Mahd as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Rationelle Erntemaschinen töten und verletzten viele Tiere.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgend werden einige ausgewählte Gefährdungsfaktoren näher beleuchtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Unternutzung und Nutzungsaufgabe''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine extensive Bewirtschaftung wird in Gebieten mit ungünstigen Produktionsbedingungen (Hangneigung, Bodenstruktur) immer weniger rentabel. In den letzten dreissig Jahren bewegten sich die Veränderungen in der Nutzungsform im Alpenraum stets in Richtung eines geringeren Bewirtschaftungsaufwands: von der Schnitt- zur Weidenutzung und von der Beweidung zur Verbrachung (Leitgruppe NFP 48 2007). Eine Unternutzung oder eine gänzliche Aufgabe der Bewirtschaftung führen kurzfristig zu Verbrachungserscheinungen, mittelfristig zu Verbuschung und Einwaldung. Wenn die Biomasse nicht weggeführt wird, tritt im Laufe der Jahre zunehmend Lichtmangel v.a. für die dichte, bodennahe Schicht in Form von sogenanntem Streuefilz auf. Gerade seltene und gefährdete Arten verschwinden oft zuerst und werden durch Generalisten ersetzt, bevor die Bewaldung einsetzt (Bosshard 2016). Im günstigsten Fall kann bereits nach 20 Jahren auf einer früheren Magerwiese oder -weide ein Wald stehen. In sehr magerem Wiesland führt die Nutzungsaufgabe und Verbrachung jedoch nicht zu einem Artenverlust, da die Wüchsigkeit für das Ausbilden eines Streuefilzes nicht ausreicht oder dieser rasch wieder abgebaut wird (bspw. durch Wind). Die natürliche Wiederbewaldung in Grenzertragslagen wird als Ausdruck eines grundlegenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels interpretiert, bei dem der Rückgang der Armut und die Zunahme des Wohlstands eine grosse Rolle spielen (Leitgruppe NFP 48 2007). Durch die abnehmende Verfügbarkeit von Arbeitskräften sind auch pflegerische Arbeiten der Bewirtschaftung gefährdet: damit eine möglichst langfristige Produktivität des Kulturbiotops sichergestellt werden kann, sind Pflegearbeiten wie Frühjahrssäuberung, exaktes Mähen, Abrechen des Schnittguts usw. notwendig, damit die «Saatbett-Bereitung» bzw. das Vorhandensein von Keimstellen gesichert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Steinfräsen''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Steinfräsen zerkleinern Steine und Felsen, zermalmen und brechen den Boden auf, beseitigen Kleinstrukturen und Unebenheiten im Gelände. Diese irreparable Zerstörung der natürlichen Vegetation und der Kleinstrukturvielfalt ist u.a. für den Verlust von Baumpieper und Feldlerche im jurassischen Brutgebiet mitverantwortlich. Im Jura werden seit den 1990er-Jahren Steinfräsen teilweise grossflächig eingesetzt, um die wertvollen Kleinstrukturen zu eliminieren und ganze Flächen zu planieren. Die Gesetzeslage ist kantonal unterschiedlich (SO, JU, VD nicht erlaubt, NE &amp;amp; BE teilweise erlaubt) und trotz Verbot sind unbewilligte Fälle bekannt (Apolloni et al. 2017). Steinfräsen werden auch in höheren Lagen der Alpen regelmässig eingesetzt. Sie stellen eine so grosse Gefahr für die Biodiversität dar, dass sie verboten gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Delarze et al. (2016): [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/rote-liste.html Rote Liste der Lebensräume der Schweiz]&lt;br /&gt;
* Trockenwiesen und -weiden der Schweiz (TWW) [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar, Vollzugshilfe und Merkblätter, Fallstudien]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/biotopschutz-schweiz.html Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Rechtsgrundlagen =&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983407/index.html Landwirtschaftsgesetz (LwG)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983381/index.html Landwirtschaftliche Begriffsverordnung (LBV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20130216/index.html Direktzahlungsverordnung (DZV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/oekologischer-leistungsnachweis.html Ökologischer Leistungsnachweis (ÖLN) gemäss DZV, Übersicht zu den einzelnen Artikeln]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Übersicht über die Biodiversitätsbeiträge pro BFF-Typ und Qualitätsstufe]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Weitere Ausführungen zu den BFF-Qualitätsbeiträgen (QI und QII)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html  Weitere Ausführungen zu den Vernetzungsbeiträgen]&lt;br /&gt;
* Die rechtliche Grundlage für den nationalen Schutz der Trockenwiesen und -weiden bildet das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar über die Trockenwiesen und -weiden mit den entsprechenden Verordnungen und Vollzugshilfen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Nachfolgend sind wichtige Themen aufgeführt, zu welchen (teilweise) Wissenslücken bestehen:&lt;br /&gt;
* Vorkommen und Verbreitung ökologisch wertvoller Grünlandflächen im Sömmerungsgebiet, flächendeckende Inventarisierung&lt;br /&gt;
* Wissenschaftliche Grundlagen zum Düngungsbedarf von Fromental- und Goldhaferwiesen im Hinblick auf die botanische Vielfalt fehlen, Praxisversuche sind wünschenswert.&lt;br /&gt;
* Es gibt kaum systematische Erfahrungen zum Etzen in Zusammenhang mit der Biodiversitätsförderung im artenreichen Wiesland, übergeordnete Erfolgskontrollen sind erwünscht.&lt;br /&gt;
* Phänologisch basierte Schnittzeitpunkte&lt;br /&gt;
* Einfluss von Heubläser-Einsätzen auf die Biodiversität, insbesondere die Fauna (Richner et al. 2014 beleuchten den Einfluss auf die Vegetation)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Bewirtschaftung auf die Fauna über alle Mäh- und Nachbereitungsgeräte hinweg unter vergleichbaren Bedingungen untersuchen. Verhalten der Populationen auf mehrschürigen Wiesen im Jahresverlauf.&lt;br /&gt;
* Angaben zu Ausmass und Verbreitung von Bodenverdichtungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literatur=&lt;br /&gt;
Die Publikationen zum Grünland sind äusserst umfangreich. Wir stellen Ihnen die gesamte [[Media:Dokumentation Grünland Literatur.pdf|Liste an verwendeter Literatur]] zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland=&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]|| [https://www.faunatur.ch/ faunatur]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Andreas Bosshard || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Jean-Yves Humbert || [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Heiri Schiess ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  André Stapfer ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Markus Staub || [https://www.poel.ch/ Projekte Ökologie Landwirtschaft] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Gaby Volkart || [https://www.ateliernature.ch/de/portrait-deutsch/ atena]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Grundlagen&amp;diff=4726</id>
		<title>Grünland/Grundlagen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Grundlagen&amp;diff=4726"/>
				<updated>2023-03-12T14:23:05Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: /* Autoren */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Informations de base]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fromentalwiese ABosshard zg 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Die Fromentalwiesen sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Sukzession und Bedeutung des Grünlands=&lt;br /&gt;
Mit wenigen Ausnahmen ist Grünland keine natürliche Vegetation - bleibt eine Nutzung aus, folgt der Verlauf der meisten Grünland-Lebensraumtypen der natürlichen Sukzession. Maag et al. (2001) zeigen die verschiedenen Sukzessionsverläufe für unterschiedliche Standorte. Dabei hat jede Stufe der Sukzession beispielsweise eines Trockenrasens bis hin zum Wald ihren ökologischen Wert; die Artenvielfalt kann durch ein Nebeneinander verschiedener Sukzessionsstadien erhöht werden (Diacon et al. 2011). Die unterschiedlichen Stadien der Verbrachung und Verbuschung weisen willkommene Rückzugsgebiete und Nahrungsreservoirs für Reptilien, Spinnen und viele Insekten dar. Insbesondere jüngere Brachen können floristisch und faunistisch äusserst wertvoll sein; langfristig ist dagegen die Artenvielfalt in Dauerbrachen gefährdet (Dipner &amp;amp; Volkart 2010). &lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Abbildung weglassen, weil nicht in guter Qualität zur Verfügung; Alternative: Foto einwachsender Wiese. In der folgenden Abbildung sind die Phasen der Verbuschung nicht mehr bewirtschafteter Halbtrockenrasen dargestellt (Quelle: Briemle et al. 1993):--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung des Grünlandes ist vielfältig und eine grosse Bandbreite von allgemeinen, nicht nur an das Grünland gebundene Ökosystemleistungen sind auch mit diesen Lebensräumen verbunden, wie produktive Erzeugnisse, genetische Ressourcen von Futterpflanzen, Bestäubungsleistungen, Erosionsvermeidung, kulturelle Leistungen, Speicherung von Kohlenstoff (Guntern et al. 2013). Ebenfalls relevant sind die mit dem Grünland verbundenen ästhetisch-landschaftlichen Aspekte bspw. im Hinblick auf die touristische Nutzung oder die Erholungsfunktion. Aus landwirtschaftlicher Sicht ist die Bedeutung des Grünlandes als Stätte der Futterproduktion zentral. Entsprechend sind Wiesen und Weiden für die landwirtschaftliche Nutzung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte „optimiert“ worden. Beispielsweise stellen die Hochleistungsrassen in der Milchwirtschaft hohe Ansprüche an den Futterwert des Grünlandes: im jüngeren Aufwuchs ist der Rohfasergehalt niedriger und die Anteile an Rohprotein und Mineralstoffen höher. Entsprechend sind der Energiegehalt und die Verdaulichkeit des Futters besser. Damit sind die Anforderungen der Hochleistungsmilchwirtschaft mit dem Erhalt des artenreichen Grünlands nicht vereinbar (Gerowitt et al. 2011); landwirtschaftlich intensiv genutzte Wiesen haben kaum einen ökologischen Wert verglichen mit artenreichem Grünland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Typologie des Grünlands=&lt;br /&gt;
Je nachdem, worauf der Fokus liegt, kann das Grünland in Unterkategorien aufgeteilt werden; man kann vegetationskundliche, ökologische oder auch futterbauliche Kriterien anwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Haber de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Haber (2014) gliedert das Grünland i.w.S. wie oben dargestellt (Abbildung leicht verändert).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl &amp;amp; Grünig (in Oppermann &amp;amp; Gujer 2003, S. 60) gliedern die artenreichen (Mäh-)Wiesen der Schweiz nach Wasser- und Nährstoffhaushalt in 19 Wiesentypen auf. Ihre tabellarische Übersicht zeigt für die jeweiligen Wiesentypen kennzeichnende Artengruppen und -kombinationen. Für den gedüngten Bereich wurde die obengenannte Systematik weiterentwickelt und [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Bosshard (2016) unterscheidet in der Folge für das gedüngte Wiesland neun Typen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard Genese de.png&lt;br /&gt;
| text = Genese und Höhenverbreitung der gedüngten Wiesentypen. &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Vereinfachter dichotomer Bestimmungsschlüssel zur Identifikation von Fromental- und Goldhaferwiesen in Bosshard (2016, S. 188).&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/SchluesselGeduengteNaturwiesen.xls Bestimmungsschlüssel für die Wiesentypen des gedüngten Naturwieslands der Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://ira.agroscope.ch/de-CH/publication/46127 Bestimmungsschlüssel für Lebensräume der offenen Kulturlandschaft] (Buholzer et al. 2015)&lt;br /&gt;
* Die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/kartierung-und-bewertung-trockenwiesen.html Kartier- und Bewertungsmethode zur Erarbeitung des Inventars der Trockenwiesen und -weiden] ist im Technischen Bericht ausgeführt (Eggenberg et al. 2001)&lt;br /&gt;
* [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/4-grnland-naturrasen-wiesen-und-weiden.html Klassifikation der Grünlandlebensräume nach Delarze et al. (2015)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Zustand und Entwicklung des Grünlands in der Schweiz=&lt;br /&gt;
==Entstehung von Grünland==&lt;br /&gt;
Grünland ist in Mitteleuropa vor 8000 Jahren durch Waldrodung zur Ackernutzung entstanden. Die anschliessend nicht mehr für den Ackerbau genutzten Flächen begrünten sich und wurden als Viehweiden genutzt. Wo Wiesland in prähistorischer Zeit vorkam, ist weitgehend ungewiss und wird in Bosshard (2016) kurz ausgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapfer (2010a, 2010b) und Bosshard (2016) beleuchten die Entstehungsgeschichte und die historische Wies- und Weidelandnutzung und stellen sie in Vergleich mit heutigen Nutzungsformen: Während vieler hundert Jahre war das Wiesland in das Produktionssystem der auf Getreidebau ausgerichteten Dreizelgenwirtschaft ausgerichtet. Der Heu- und Emdschnitt führte zusammen mit den geringen Mistgaben (rund um den Hof herum) und der historisch üblichen Frühjahrsvorweide (Etzen) zu einer langfristigen Ausmagerung der Böden mit entsprechenden Folgen für die Vegetation. Reine Mähwiesen haben sich grossflächig erst im 19. Jahrhundert entwickelt, vorher waren alle Wiesen auch beweidet (Frühjahrs- oder Herbstweide). Nach dem Etzen erfolgte der Heuschnitt später und die Wiesenpflanzen konnten ihre individuelle Entwicklung bis zur Samenreife und dem Ausstreuen der Samen vollständig abschliessen. Die heutige erste Hauptnutzung auf den Mager- und Fromentalwiesen beim Heuschnitt entsprach historisch der zweiten Nutzung. Früher orientierte man sich für den Beginn und das Ende bestimmter Bewirtschaftungsgänge an Heiligen-Tagen. Diese Orientierungszeitpunkte wurden jedoch je nach Jahresverlauf bspw. für den Mahdbeginn auch flexibel gehandhabt. Die Ernte einzelner Flächen erstreckte sich über mehrere Wochen hinweg. Das Heu der Schnittwiesen wurde auf der Fläche getrocknet, wodurch eine erfolgreiche generative Vermehrung gefördert wurde (Poschlod 2011). Im Laufe der Zeit führten neue Ernteverfahren, Bewässerungsmassnahmen und neu auch die phänologischen Veränderungen aufgrund des Klimawandels zu einem früheren ersten Schnitt von Wiesen (Guntern et al. 2013).&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungsschemata Kapfer zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Bewirtschaftungsschema der drei wichtigsten Wiesentypen der alten Dreizelgenwirtschaft. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Die ökologischen Auswirkungen und die Anwendung des Etzens (Frühjahrsvorweide) (Quelle: Bosshard 2015b)''' &amp;lt;br /&amp;gt; Etzen war bis ins 18./19. Jh. die übliche erste Nutzung von Mähwiesen. Heute wird die Vorweide dagegen vor allem im Berggebiet in den intensiver genutzten Wiesentypen noch regelmässig praktiziert. Etzen bewirkt langfristig einen Nährstoffentzug, die Wüchsigkeit einer Wiese wird vermindert und dadurch, dass kurzfristig Licht in den Bestand eingebracht wird, werden empfindlichere Pflanzen artenreicher Wiesen gefördert. Die längere bewirtschaftungsfreie Phase zwischen der Frühjahrsweide und dem nächsten Nutzungszeitpunkt durch Mahd führt zu einem deutlich schmackhafteren, gehaltvolleren (da eiweissreicheren) Heuaufwuchs, so dass Etzen auch aus futterbaulicher und wirtschaftlicher Sicht von Interesse sein dürfte. &lt;br /&gt;
Das kurze, schonende Überweiden einer Wiese im Frühjahr führt zu einem strukturierteren Pflanzenbestand, einem längerdauernden Blütenangebot und einem späteren Heuschnitt und gewisse Tierarten (Tagfalter, Heuschrecken und wiesenbrütende Vogelarten) können davon profitieren (SHL 2008). Aus praktischen Gründen (logistischer Aufwand) kommt das Etzen nur für eine Minderheit von Grünlandflächen überhaupt in Frage und ist für BFF-Flächen bspw. im Rahmen von Vernetzungsprojekten realisierbar, sofern die kantonalen Vernetzungsrichtlinien dies vorsehen und begründen.&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem historischen Blickwinkel ist die Entstehung der Artenvielfalt in Wiesen zu betrachten (Poschlod 2011): Die Artenzusammensetzung der Flachlandmähwiesen, wie sie sich in der heutigen Form präsentiert, ist wahrscheinlich erst etwa 300 Jahre alt; der namengebende Glatthafer (''Arrhenatherum elatius'') wurde erst Anfang des 18. Jahrhunderts eingeführt (d.h. ein durch Auswahl-Zucht verbesserter Ökotyp aus Südfrankreich).  Möglicherweise ist die namengebende Art der Berg-Mähwiesen, der Goldhafer (''Trisetum flavescens'') ebenfalls erst zu dieser Zeit eingeführt worden. Fast alle Pflanzenarten des Wieslandes scheinen aus der autochthonen Flora zu stammen (bspw. aus lichten Stellen von Wäldern, aus Schotterflächen der Auen, aus den Randregionen der Hochmoore etc.). Verschiedene Futterpflanzen des Wieslandes sind (gezielt oder unabsichtlich) eingeführt worden und schon früh begann der Mensch, mit gezielten Einsaaten den Ertrag zu steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungstypen Kapfer zg 1280 768.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht zur Genese der Bewirtschaftungstypen des Grünlands Mitteleuropas. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Zusammenfassende Betrachtungen und nähere Ausführungen zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Grünlands liefern [http://www.dr-kapfer.de/index.php/download.html Kapfer (2010a, 2010b)], [https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/90005 Poschlod (2011)] und Bosshard (2016).&lt;br /&gt;
* Auch das [http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D13861.php Historische Lexikon der Schweiz] bietet zu verschiedenen Themen (Düngung, Futtermittel, Bewässerung, Wiesen, Weiden) informative Artikel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quantitativer und qualitativer Zustand und deren Veränderung==&lt;br /&gt;
Das Grünland hat sich mit den technischen Möglichkeiten in der Landwirtschaft (Mechanisierung, Düngereinsatz) und den Flurbereinigungen der letzten Jahrzehnte stark verändert worden und verändert sich immer noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Media:Tabelle Grünland Auszug Flächenbedarf.pdf|Tabelle]] gibt einen Überblick über die Ausdehnung und quantitative Veränderung der Schweizer Grünlandlebensräume. Quelle: «Guntern et al. (2013): Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz», S. 96. Weitere Grünflächen befinden sich im Siedlungsgebiet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;LN = Landwirtschaftliche Nutzfläche, SöG = Sömmerungsgebiet, BFF = Biodiversitätsförderfläche&amp;lt;/small&amp;gt; &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Lebensraum&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 10%&amp;quot;| Zeit&lt;br /&gt;
!colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Ausdehnung [ha]&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Bemerkung, Quelle&lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Wiesen und Weiden auf der LN (ohne SöG, Kunstwiesen) davon:&amp;lt;br/&amp;gt;- Extensiv genutzte BFF-Wiesen &amp;lt;br/&amp;gt;- Wenig intensiv genutzte BFF-Wiesen&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|610’732 &amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;66‘056 &amp;lt;br/&amp;gt;22‘919&lt;br /&gt;
| (BLW 2012) &amp;lt;br/&amp;gt;Wobei mit Qualität gemäss ÖQV: &amp;lt;br/&amp;gt;- Weiden, Waldweiden: 5'384 ha &amp;lt;br/&amp;gt;- Wiesen (inkl. Streuflächen): 28'864 ha&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sömmerungsgebiet &amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; (SöG)&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|505'385 (12% der CH)&lt;br /&gt;
| Gemäss (Walter et al. 2013)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Trockenwiesen und –weiden (TWW)&lt;br /&gt;
| 1900&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|760‘000 (bis 900‘000)&lt;br /&gt;
| (Eggenberg et al. 2001; Lachat et al. 2010b), Flächenverlust von 90-99% von TWW in den Regionen und 95% in der Schweiz. &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2010&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|37‘011&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Potenziell wertvolles Grasland auf der LN oder im SöG (ohne TWW, Moore Modell basierend auf der Steigung und der Höhe über Meer an den Fundorten von UZL-Ziel- und Leitarten.&lt;br /&gt;
| 2012 &amp;lt;br/&amp;gt;Total: &amp;lt;br/&amp;gt;TZ: &amp;lt;br/&amp;gt;HZ: &amp;lt;br/&amp;gt;BZI: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZIV: &amp;lt;br/&amp;gt;SöG:&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [ha] &amp;lt;br/&amp;gt;231’688 &amp;lt;br/&amp;gt;3797 &amp;lt;br/&amp;gt;354 &amp;lt;br/&amp;gt;2'023 &amp;lt;br/&amp;gt;6943 &amp;lt;br/&amp;gt;9223 &amp;lt;br/&amp;gt;10'984 &amp;lt;br/&amp;gt;198'364&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [%] &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;0.78 &amp;lt;br/&amp;gt;0.25 &amp;lt;br/&amp;gt;1.71 &amp;lt;br/&amp;gt;4.52 &amp;lt;br/&amp;gt;11.06 &amp;lt;br/&amp;gt;22.72 &amp;lt;br/&amp;gt;39.25&lt;br /&gt;
| (Walter et al. 2013) &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;TZ = Talzone &amp;lt;br/&amp;gt;HZ = Hügelzone &amp;lt;br/&amp;gt;BZ = Bergzone &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;Grünland macht nahezu 100% des SöG sowie der LN in den BZIV und BZIII aus.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Fromentalwiesen auf der LN&lt;br /&gt;
| 1950&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Abgesehen von TWW, Dauerweiden, Streuwiesen, Äckern nahezu alles&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012): genauere Angaben in Erarbeitung für Schlussbericht der laufenden Studie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|3-8%&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012), wobei davon ca. 20% mit der Artenzusammensetzung von intensiv genutzten Fromentalwiesen der 1950er Jahre und max. 5% mit guter Qualität (pers. Mitteilung A. Bosshard) &amp;lt;br/&amp;gt;-&amp;gt; Rückgang von vermutlich &amp;gt; 90% und nahezu 100% für artenreiche Bestände (Bosshard 1998)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Gemäss Arealstatistik nahm die Alpwirtschaftliche Nutzfläche von 1979/85 bis 1992/97 von 555'662 um 3.2 % auf 537'802 ha ab. Ein weiterer Rückgang wurde bis 2004/09 festgestellt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Schätzungsweise weitere Abnahme von 25-30% zw. 1995-2005 (Leibundgut 2007 zitiert in Graf &amp;amp; Korner 2011). Grössenordnungen in diesem Bereich sind im Wallis und Engadin durch Fallstudien bestätigt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Vergleich mit der Grünland-Situation in Deutschland zeigt: Ein mit der Schweiz (Tieflagen) vergleichbarer Anteil von rund 13% der Gesamtfläche (CH 14.7%) wird als landwirtschaftliches Grünland genutzt, der Grossteil davon ebenfalls intensiv (Boch et al. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Nutzung LN BFS 2018 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Wie sich die landwirtschaftliche Nutzfläche der Schweiz auf die verschiedenen Nutzungstypen aufteilt. Quelle: BFS 2018, Die Schweiz in 21 Infografiken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zeitraum von 1990 bis 2009 hat sich die Grünlandfläche in Deutschland um 875‘000 ha verringert. Zwischen 2003 und 2012 betrug der absolute Verlust des Dauergrünlands ca. 5%. In der Schweiz machen Landwirtschafts- und Alpwirtschaftsflächen zusammen mehr als einen Drittel der Gesamtfläche aus; zwischen 1985 und 2009 sind 85‘000 ha davon verlorengegangen, was der Grösse des Kantons Jura entspricht (BFS 2018). Die Fromentalwiesen, bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts der häufigste und zugleich produktivste Wiesentyp auf den guten Böden der tieferen Lagen Mitteleuropas, sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden. Damit einher ging eine qualitative Verschlechterung: ein Vergleich zwischen 1950 und 2009 zeigt, dass die damalig «intensiv» genutzten Wiesen in der Regel QII-Qualität hatten, heute hingegen in den noch vorhandenen Fromental-Vergleichswiesen nur noch ein Drittel diese Qualitätsanforderung erreicht («Fromentalwiesenprojekt», Bosshard 2016). Unter den besonders wertvollen Lebensräumen ging die Fläche der Trockenwiesen und -weiden zwischen 1900 und 2010 um 95% zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Zuerich Umweltbericht zg.png&lt;br /&gt;
| text =  Abnahme artenreicher Wiesen im Kanton Zürich. Quelle: Baudirektion Kanton Zürich (2008), Umweltbericht 2008.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schweizer Berggebiet nahm die Entwicklung des Futterbaus und der Wiesen und Weiden einen anderen Weg als im Mittelland: Erschwernislagen (steile oder schlecht erschlossene, meist mit vielen Kleinstrukturen durchsetzte Flächen) wurden zunehmend in Weiden umgenutzt oder ganz aus der Nutzung entlassen und ein Grossteil davon ist in der Folge verbuscht und verwaldet. Insgesamt hat die Waldfläche in den vergangenen 150 Jahren auf Kosten von Wiesen- und Weideflächen je nach Region um 30-100% zugenommen. Heute liegt der überwiegende Teil des artenreichen Wieslandes der Schweiz in solchen Erschwernislagen ab Bergzone I; besonders hoch ist dieser Anteil im Sömmerungsgebiet. Allerdings nehmen diese Flächen sowohl durch Nutzungsaufgabe als auch durch Intensivierung laufend ab (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anteil BFF mit Qualitätsstufe II steigt stetig an; das Ziel eines 40%-Anteils wurde 2017 erstmals erreicht. Der Anteil im Talgebiet ist mit 28% jedoch immer noch tief (BLW 2018). Seit 2014 werden ebenfalls Beiträge für artenreiche Grün- und Streueflächen im Sömmerungsgebiet ausgerichtet; der Anteil dieser Flächen mit Qualitätsstufe II betrug 2017 217‘496 ha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;5&amp;quot;| '''Übersicht über die Flächenanteile BFF mit QII-Qualität (in Hektaren) (Quelle: Agrarbericht BLW 2019)'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! BFF QII-Typ&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Talregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Hügelregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Bergregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Total&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Extensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 11495&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 7395&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 17411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 36301&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wenig intensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 130&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3220&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3761&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| extensiv genutzte Weiden und Waldweiden&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 1468&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 2830&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 14759&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 19057&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| artenreiche Grün- und Streuflächen im Sömmerungsgebiet&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 223509&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Entwicklung BFF Q2 2001 2016.png&lt;br /&gt;
| text = Entwicklung (in Hektaren) der angemeldeten artenreichen Wiesen und Weiden (BFF mit Qualitätsstufe II) zwischen 2001 – 2016 (Quelle: Daten BLW).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die qualitativen Veränderungen in Wiesen und Weiden betreffen das allgemeine Nährstoffniveau, welches enorm gestiegen ist und das Verschwinden des früher verbreiteten Mosaiks von unterschiedlich genutzten Flächen (Schmid et al. 2007). Weitere qualitative Veränderungen der letzten Jahrzehnte beschreibt Bosshard (2016): Die Schlagkraft hat sich vervielfacht mit früherem Schnitt, viel höherer Nutzungsfrequenz und der zeitgleichen Nutzung viel grösserer Flächen. Die Erträge sind um ca. 60-80% gestiegen. Kleinstrukturen und Kulturlandschaftselemente sind verschwunden. Die schwereren Maschinen haben eine problematische Bodenverdichtung zur Folge und insbesondere für die Fauna destruktive Ernteverfahren (Rotationsmähwerke, Futteraufbereiter, Silagetechnik) nehmen zu. Heute wird vorwiegend Güllewirtschaft (rasch verfügbare Nährstoffe) statt der früher üblichen Festmistwirtschaft betrieben und durch den Wechsel von der Dürrfutterbereitung (Heu) zur Silage liegt der Nutzungszeitpunkt des ersten Aufwuchses heute früher im Jahr, es sind mehr Nutzungen pro Jahr möglich, die Ernte verläuft rascher und die Pflanzen können weniger absamen. Meliorationen, das Zusammenlegen von Parzellen und das Verschwinden von extensiven Parzellengrenzen bewirken ebenfalls grosse Veränderungen. Ein nächster Schritt steht mit der zukünftigen Automatisierung der Bewirtschaftung bevor. Anschaulich illustriert [https://www.pronatura.ch/de/wiesen-und-weiden Pro Natura anhand von Beispielen] die Entwicklung ehemals artenreicher Wiesen in artenarme Fettwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologischen Auswirkungen der oben beschriebenen Veränderungen sind mannigfaltig: beispielsweise führt die Intensivierung der Graslandkultivierung und die früheren Schnittzeitpunkte zu einer Abnahme der Samenbank im Boden (Klimkowska et al. 2007). Die früheren Schnittzeitpunkte führen zur Überlappung mit der Brutsaison bodenbrütender Vögel; durch Mahd werden die Nester mechanisch zerstört oder sind für Prädatoren nach dem Schnitt leichter zugänglich oder die Futterverfügbarkeit wird während einer kritischen Phase der Nestlinge dezimiert (Britschgi et al. 2006). Einzelflächen wie auch die Gesamtfläche ökologisch wertvoller Wiesen und Weiden sind zu klein und zu stark fragmentiert. Kleine Grünlandflächen sind besonders empfindlich gegenüber negativer Randeffekte (z.B. Eindringen anderer Arten) und ökologischer Drift. Die durchschnittliche Grösse der TWW von nationaler Bedeutung beträgt heute 4.7 ha und im Sömmerungsgebiet 10.5 ha (Guntern et al. 2013): eine Wiederbesiedlung durch Tagfalter, Hummeln und Reptilien ist möglich, wenn die Flächen nicht weiter als 1-3 km voneinander entfernt sind. Charakteristische Heuschrecken und Laufkäfer dagegen überwinden selten Distanzen von über 100 m.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Nährstoffversorgung im Grünland''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stickstoff ein elementarer Baustein aller Lebewesen; Pflanzen nehmen ihn über die Wurzeln in der Form von Ammonium oder Nitrat auf. Pflanzenverfügbarer Stickstoff ist natürlicherweise in den meisten Böden Mangelware – in den letzten Jahrzehnten gelangten jedoch riesige Mengen von Stickstoffverbindungen als Mineraldünger, Gülle oder aus Verbrennungsprozessen direkt oder indirekt über die Luft in die Böden. Der natürliche atmosphärische Eintrag von biologisch aktivem Stickstoff beträgt lediglich 0.5 – 2 kg/ha. Heute gelangt durchschnittlich 16 kg/ha Stickstoff über die Luft in den Boden, was in etwa der ausgebrachten Menge für mittel intensiv genutzten Wiesen entspricht. Peter (2011) weist darauf hin, dass bei drei der vier umweltrelevanten Stickstoffformen (Ammoniak, Nitrat und Lachgas) die Landwirtschaft gesamtschweizerisch gesehen die Haupt Emittentin ist. So müssten beim Ammoniak beispielsweise die Emissionen aus der Landwirtschaft annähernd halbiert werden, damit eine substanziell schädigende Wirkung in sensiblen Ökosystemen verhindert werden könnte. Für artenreiche Wiesen (kollin und montan) liegt der kritische Eintragswert bei 10-30 kg N pro Hektar und Jahr (Guntern 2016a). Entsprechend sind bspw. 49% der Trockenwiesen von den negativen Auswirkungen des atmosphärischen Stickstoffeintrags betroffen; die kritischen Eintragswerte (critical loads) werden in vielen Lebensräumen z.T. massiv überschritten (BAFU 2017). In Wiesen führt dies zu einer Bodenversauerung, zu einer starken Abnahme der Pflanzendiversität und zur Dominanz einiger weniger Grasarten und ist mitverantwortlich für die extreme Artenverarmung im Wiesland insbesondere in den Tieflagen (Bosshard 2016). Heutige Bestände sind im Vergleich zu früher wüchsiger und dichter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Stickstoffbilanz 2015 BFS 2.png&lt;br /&gt;
| text = Die Stickstoffbilanz in den Landwirtschaftsflächen (inkl. Alpweiden) zeigt langfristig betrachtet zwar einen rückläufigen Überschuss, dennoch resultierte 2015 ein Überschuss von 60 kg/ha (1990er-Jahre &amp;gt; 80 kg/ha). Quelle: Landwirtschaft und Ernährung, Taschenstatistik BFS 2018)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Phosphor ist einer der Hauptnährstoffe der Pflanzen und wird in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt. In den letzten zehn Jahren belief sich der Phosphorüberschuss auf rund 400 t/Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = phosphorbilanz 2018 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Phosphorbilanz der Landwirtschaftsflächen. Phosphormengen, die in landwirtschaftliche Böden gelangen bzw. ihnen entzogen werden. Quelle: BFS – Umweltgesamtrechnung (2020)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im intensiv genutzten Grasland werden ausserdem steigende Zink- und Kupfereinträge beobachtet, welche aus dem Hofdünger (Gülle und Mist) bzw. aus den Futtermitteln stammen (Gubler et al. 2015). Aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität kann auch im Grünland davon ausgegangen werden, dass vielerorts das Bodenleben dadurch beeinträchtigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uz-umwelt-zustand/biodiversitaet-schweiz-zustand-entwicklung.pdf.download.pdf/UZ-1630-D_2017-06-20.pdf Zustand und Entwicklung Biodiversität Schweiz]&lt;br /&gt;
* Guntern et al. (2013): [http://www.ngzh.ch/media/pdf/Flaechenbedarf.pdf Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz]&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/boden/uz-umwelt-zustand/boden-schweiz.pdf.download.pdf/UZ-1721-D_Boden2017.pdf Boden in der Schweiz. Zustand und Entwicklung. Stand 2017] &lt;br /&gt;
* BFS (2018): [https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/publikationen/uebersichtsdarstellungen/taschenstatistik-schweiz.html Taschenstatistiken] &lt;br /&gt;
* BLW: [https://www.agrarbericht.ch/de Agrarbericht]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zustand und Entwicklung der Artengemeinschaften des Grünlands==&lt;br /&gt;
Bei einer Vergleichsuntersuchung fanden Schlup et al. (2013) im extensiv bewirtschafteten Grünland (Kammgrasweide, Fromental- und Goldhaferwiese, Halbtrockenrasen) eine höhere Artenzahl an Gefässpflanzen als im durchschnittlichen Grünland der Schweiz. Ausserdem kamen im extensiven Grünland deutlich mehr Kenn- und Charakterarten sowie gefährdete Arten vor. Spezialisiertere Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt und es findet eine Trivialisierung statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Kennarten de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Die Tabelle zeigt, wie wichtig besonders wertvolle Lebensräume für den Erhalt von vielen Tiergruppen sind. Quelle: Hotspot 18, Forum Biodiversität Schweiz 2008)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Demnach weist ein beträchtlicher Teil der Arten eine erhöhte Bindung zu Trockenwiesen und -weiden auf.&lt;br /&gt;
Lebensraumverlust und -degradierung haben auf die Biodiversität im Grünland einen negativen Einfluss, wie die folgende Darstellung aus dem Biodiversitätsmonitoring Schweiz zeigt (BAFU):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Indikatoren de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden - Index* von 0 (einheitlich) bis 100 (vielfältig), aller paarweisen Vergleiche der Stichprobenflächen, in Prozent. *Mittelwerte über einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren. Quelle: BAFU: Biodiversitäts-Monitoring Schweiz BDM 2018&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Artenvielfalt ist seit Mitte der 2000er Jahre insgesamt zurückgegangen und deutet auf eine gesamtschweizerische Vereinheitlichung der Wiesen und Weiden hin, was einem Verlust der Biodiversität gleichkommt. Jedoch ist der Verlust der Artengemeinschaften in diesen Lebensräumen schon seit mindestens einigen Jahrzehnten im Gang: In den letzten 120 Jahren hat sich die durchschnittliche Pflanzenartenvielfalt auf 81 Wiesen fast halbiert (Schlup et al. 2013). Generell wird festgestellt, dass v.a. häufig vorkommende Arten zugenommen haben, welche keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Spezialisierte Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt, was zu einer Trivialisierung der Wiesen und Weiden führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die meisten Vogelarten, welche auf Äckern, Wiesen und Weiden brüten, sind aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität im Rückgang begriffen: Der schweizerische Index der für das Kulturland typischen Brutvögel (46 UZL-Arten) hat seit 1990 um fast 30% abgenommen, der europäische Agrarvogelindex seit 1980 um über 50% (BLW 2017, Becker et al. 2014). Auch die Bergidylle ist zunehmend bedroht: ein Langzeitvergleich der Vogelwarte zeigt, dass im Engadin innerhalb von 22 Jahren der Anteil an wenig intensiv genutzten und artenreichen Wiesen von 32 auf 27% gesunken und die Brutbestände von Feldlerche, Baumpieper und Braunkehlchen um 44-61% gesunken sind (Korner et al. 2017). Den blütenbesuchenden Insekten wird durch den Rückgang des reichen Blüten- und Nektarangebots die Nahrungsgrundlage entzogen. Wesche et al. (2014) stellten bei Heuschrecken und Wanzen in Auen und Trockenwiesen innert 50 Jahren einen dramatischen Einbruch der Individuenzahlen (&amp;gt;60%) bei teils konstanten, teils zunehmenden Artenzahlen fest. Die botanische Zusammensetzung von Fromentalwiesen zeigt im Vergleich zu den 1950er Jahren eine durchschnittliche Abnahme der Artenzahl von rund 30% bei einer ebenfalls deutlichen Qualitätseinbusse (Bosshard 2015c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Monitoringprogramms ALL-EMA werden der Zustand und die Veränderung von Arten und Lebensräumen der Umweltziele Landwirtschaft in der offenen Agrarlandschaft Schweiz erfasst und die Biodiversitätsförderflächen beurteilt. Eine erste umfassende Auswertung zum Zustand der Biodiversität ist 2020 vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/monitoring-analytik/all-ema.html ALL-EMA]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/zustand/indikatoren.html Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden (BAFU)]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodiversitymonitoring.ch/index.php/de/ Biodiversitätsmonitoring Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uw-umwelt-wissen/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf.download.pdf/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf BAFU &amp;amp; BLW (2016): Umweltziele Landwirtschaft UZL.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung und Gefährdungsursachen=&lt;br /&gt;
43% der unter dem Begriff „Grünland“ zusammengefassten Lebensraumtypen gelten als gefährdet. Die wertvollsten Flächen der Trockenwiesen und -weiden sind in einem Inventar (TWW) bezeichnet - seit 1900 sind rund 95% der TWW in der Schweiz verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Gefaehrdungskat Grünland de.png&lt;br /&gt;
| text = Einstufung der 30 Lebensraumtypen des Grünlandes gemäss Roter Liste.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefährdungsursachen und wichtige Treiber sind (Delarze et al. 2015, Bosshard 2016, Becker et al. 2014):&lt;br /&gt;
* Der Verlust an Grünland-Lebensräumen durch Nutzungsaufgabe in Grenzertragslagen und nachfolgender Sukzession, durch Umwandlung von Grünland in Ackerland oder Kunstwiesen und durch den Siedlungs- und Strassenbau. Als Folge der Lebensraumverluste sind verbleibende Habitate oft zu klein und/oder von Isolation bedroht. Bis Fragmentierung und Randeffekte zum Verlust von Arten führen, kann es Jahrzehnte dauern; man spricht deshalb auch von der sogenannten Aussterbeschuld. Im Sömmerungsgebiet verschwinden mittel-wertvolle Flächen. Das aktuelle Instrument der BFF gibt im Sömmerungsgebiet keine Kriterien zur Bewirtschaftung vor. Es gibt Hinweise, dass die Kartierung der TWW nicht vollständig ist. Es besteht die Gefahr, dass wertvolle Flächen durch Intensivierung, falsche Nutzung oder Nutzungsaufgabe verloren gehen.&lt;br /&gt;
* Intensivierung, moderne oder ungeeignete Bewirtschaftung sowie Nährstoffeinträge: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die damit verbundene Intensivierung hat vielfache Auswirkungen auch auf das Grünland. Düngung und Zufütterung in der Viehhaltung haben vervielfachte Nährstoffeinträge und die Eutrophierung des Bodens zur Folge. Durch das Düngen werden viele Grünlandarten, insbesondere Kräuter, verdrängt und die Artenvielfalt nimmt in der Folge ab, weil wenige Arten dank dieser zugeführten Nährstoffe schnell wachsen, rasch Biomasse aufbauen und den Boden für den Aufwuchs anderer Pflanzen beschatten (Gerowitt et al. 2013). Die Intensivierung umfasst ausserdem die frühere Nutzung der Bestände zur Erzielung hoher Futterqualität (für die Hochleistungs-Milchkühe) und eine generell erhöhte Schlagkraft (mit schweren Maschinen), häufigere Nutzungen, den Einsatz von Pestiziden, Flurbereinigungen und Strukturverlust sowie kulturtechnische Massnahmen zur Entwässerung,  Kalkung oder Bewässerung der Flächen. Des Weiteren werden Flächen eingeebnet bzw. unter Einsatz von bspw. Forstmulchern intensiviert. Vorgegebene Schnittzeitpunkte bewirken eine Monotonisierung der Landschaft sowie ein zeitgleiches Wegfallen von Nahrungsquellen. All diese Faktoren sowie die Aufgabe bestimmter Nutzungsformen führen zu einer Vereinheitlichung der Lebensräume. &lt;br /&gt;
* Der Klimawandel stellt für den Wandel der Biodiversität und Ökosysteme einen bedeutenden Faktor dar (Guntern 2016b): insbesondere spielen der Temperaturanstieg sowie Veränderungen im hydrologischen Regime eine Rolle. Höhere Temperaturen und zunehmende Niederschlagsmengen führen bei gleichmässiger Bodendurchfeuchtung zu einer zunehmend schnelleren Wuchsleistung des Grünlands. Aus dem Biodiversitätsmonitoring ergeben sich Hinweise, dass im Mittelland bestimmte Lebensräume einerseits wärmer, andererseits auch trockener werden (BDM-Facts Nr. 4, BAFU 2012).&lt;br /&gt;
* Auch invasive, gebietsfremde Arten können auf die heimische Biodiversität nachteilig wirken. V.a. folgende Arten bereiten bisher grossflächig Probleme im extensiv genutzten Wiesland: das Einjährige Berufkraut (''Erigeron annuus''), die beiden Goldrutenarten (''Solidago canadensis'' und ''S. serotina'', v.a. im unternutzten oder spät gemähten, feuchten bis wechselfeuchten Wiesland) sowie das Schmalblättrige Kreuzkraut (''Senecio inaequidens''). Weitere Neophyten mit invasivem Ausbreitungspotenzial werden auf der Neophyten-Watch-List geführt. Die (bemerkenswerte) Resistenz gegenüber neu eingebrachten Arten scheint ein Charakteristikum des mitteleuropäischen Wieslands zu sein (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
* Je nach Lebensraumtyp und Lage des Grünlandes stellen auch Freizeitaktivitäten bzw. Erholungsnutzung Gefährdungsfaktoren dar. In Deutschland sind insbesondere auch der Anbau von Energiepflanzen (Biogasproduktion, Raps für Kraftstoffproduktion) sowie die Agrophotovoltaik mögliche Gefährdungstreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = rationelle Mahd as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Rationelle Erntemaschinen töten und verletzten viele Tiere.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgend werden einige ausgewählte Gefährdungsfaktoren näher beleuchtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Unternutzung und Nutzungsaufgabe''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine extensive Bewirtschaftung wird in Gebieten mit ungünstigen Produktionsbedingungen (Hangneigung, Bodenstruktur) immer weniger rentabel. In den letzten dreissig Jahren bewegten sich die Veränderungen in der Nutzungsform im Alpenraum stets in Richtung eines geringeren Bewirtschaftungsaufwands: von der Schnitt- zur Weidenutzung und von der Beweidung zur Verbrachung (Leitgruppe NFP 48 2007). Eine Unternutzung oder eine gänzliche Aufgabe der Bewirtschaftung führen kurzfristig zu Verbrachungserscheinungen, mittelfristig zu Verbuschung und Einwaldung. Wenn die Biomasse nicht weggeführt wird, tritt im Laufe der Jahre zunehmend Lichtmangel v.a. für die dichte, bodennahe Schicht in Form von sogenanntem Streuefilz auf. Gerade seltene und gefährdete Arten verschwinden oft zuerst und werden durch Generalisten ersetzt, bevor die Bewaldung einsetzt (Bosshard 2016). Im günstigsten Fall kann bereits nach 20 Jahren auf einer früheren Magerwiese oder -weide ein Wald stehen. In sehr magerem Wiesland führt die Nutzungsaufgabe und Verbrachung jedoch nicht zu einem Artenverlust, da die Wüchsigkeit für das Ausbilden eines Streuefilzes nicht ausreicht oder dieser rasch wieder abgebaut wird (bspw. durch Wind). Die natürliche Wiederbewaldung in Grenzertragslagen wird als Ausdruck eines grundlegenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels interpretiert, bei dem der Rückgang der Armut und die Zunahme des Wohlstands eine grosse Rolle spielen (Leitgruppe NFP 48 2007). Durch die abnehmende Verfügbarkeit von Arbeitskräften sind auch pflegerische Arbeiten der Bewirtschaftung gefährdet: damit eine möglichst langfristige Produktivität des Kulturbiotops sichergestellt werden kann, sind Pflegearbeiten wie Frühjahrssäuberung, exaktes Mähen, Abrechen des Schnittguts usw. notwendig, damit die «Saatbett-Bereitung» bzw. das Vorhandensein von Keimstellen gesichert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Steinfräsen''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Steinfräsen zerkleinern Steine und Felsen, zermalmen und brechen den Boden auf, beseitigen Kleinstrukturen und Unebenheiten im Gelände. Diese irreparable Zerstörung der natürlichen Vegetation und der Kleinstrukturvielfalt ist u.a. für den Verlust von Baumpieper und Feldlerche im jurassischen Brutgebiet mitverantwortlich. Im Jura werden seit den 1990er-Jahren Steinfräsen teilweise grossflächig eingesetzt, um die wertvollen Kleinstrukturen zu eliminieren und ganze Flächen zu planieren. Die Gesetzeslage ist kantonal unterschiedlich (SO, JU, VD nicht erlaubt, NE &amp;amp; BE teilweise erlaubt) und trotz Verbot sind unbewilligte Fälle bekannt (Apolloni et al. 2017). Steinfräsen werden auch in höheren Lagen der Alpen regelmässig eingesetzt. Sie stellen eine so grosse Gefahr für die Biodiversität dar, dass sie verboten gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Delarze et al. (2016): [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/rote-liste.html Rote Liste der Lebensräume der Schweiz]&lt;br /&gt;
* Trockenwiesen und -weiden der Schweiz (TWW) [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar, Vollzugshilfe und Merkblätter, Fallstudien]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/biotopschutz-schweiz.html Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Rechtsgrundlagen =&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983407/index.html Landwirtschaftsgesetz (LwG)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983381/index.html Landwirtschaftliche Begriffsverordnung (LBV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20130216/index.html Direktzahlungsverordnung (DZV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/oekologischer-leistungsnachweis.html Ökologischer Leistungsnachweis (ÖLN) gemäss DZV, Übersicht zu den einzelnen Artikeln]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Übersicht über die Biodiversitätsbeiträge pro BFF-Typ und Qualitätsstufe]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Weitere Ausführungen zu den BFF-Qualitätsbeiträgen (QI und QII)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html  Weitere Ausführungen zu den Vernetzungsbeiträgen]&lt;br /&gt;
* Die rechtliche Grundlage für den nationalen Schutz der Trockenwiesen und -weiden bildet das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar über die Trockenwiesen und -weiden mit den entsprechenden Verordnungen und Vollzugshilfen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Nachfolgend sind wichtige Themen aufgeführt, zu welchen (teilweise) Wissenslücken bestehen:&lt;br /&gt;
* Vorkommen und Verbreitung ökologisch wertvoller Grünlandflächen im Sömmerungsgebiet, flächendeckende Inventarisierung&lt;br /&gt;
* Wissenschaftliche Grundlagen zum Düngungsbedarf von Fromental- und Goldhaferwiesen im Hinblick auf die botanische Vielfalt fehlen, Praxisversuche sind wünschenswert.&lt;br /&gt;
* Es gibt kaum systematische Erfahrungen zum Etzen in Zusammenhang mit der Biodiversitätsförderung im artenreichen Wiesland, übergeordnete Erfolgskontrollen sind erwünscht.&lt;br /&gt;
* Phänologisch basierte Schnittzeitpunkte&lt;br /&gt;
* Einfluss von Heubläser-Einsätzen auf die Biodiversität, insbesondere die Fauna (Richner et al. 2014 beleuchten den Einfluss auf die Vegetation)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Bewirtschaftung auf die Fauna über alle Mäh- und Nachbereitungsgeräte hinweg unter vergleichbaren Bedingungen untersuchen. Verhalten der Populationen auf mehrschürigen Wiesen im Jahresverlauf.&lt;br /&gt;
* Angaben zu Ausmass und Verbreitung von Bodenverdichtungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literatur=&lt;br /&gt;
Die Publikationen zum Grünland sind äusserst umfangreich. Wir stellen Ihnen die gesamte [[Media:Dokumentation Grünland Literatur.pdf|Liste an verwendeter Literatur]] zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland=&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]|| [https://www.faunatur.ch/ faunatur]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Andreas Bosshard || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Jean-Yves Humbert || [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Heiri Schiess ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  André Stapfer ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Markus Staub || [https://www.poel.ch/ Projekte Ökologie Landwirtschaft] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Gaby Volkart || [https://www.ateliernature.ch/de/portrait-deutsch/ atena]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

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		<title>Grünland/Grundlagen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Grundlagen&amp;diff=4725"/>
				<updated>2023-03-12T14:22:45Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Informations de base]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fromentalwiese ABosshard zg 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Die Fromentalwiesen sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Sukzession und Bedeutung des Grünlands=&lt;br /&gt;
Mit wenigen Ausnahmen ist Grünland keine natürliche Vegetation - bleibt eine Nutzung aus, folgt der Verlauf der meisten Grünland-Lebensraumtypen der natürlichen Sukzession. Maag et al. (2001) zeigen die verschiedenen Sukzessionsverläufe für unterschiedliche Standorte. Dabei hat jede Stufe der Sukzession beispielsweise eines Trockenrasens bis hin zum Wald ihren ökologischen Wert; die Artenvielfalt kann durch ein Nebeneinander verschiedener Sukzessionsstadien erhöht werden (Diacon et al. 2011). Die unterschiedlichen Stadien der Verbrachung und Verbuschung weisen willkommene Rückzugsgebiete und Nahrungsreservoirs für Reptilien, Spinnen und viele Insekten dar. Insbesondere jüngere Brachen können floristisch und faunistisch äusserst wertvoll sein; langfristig ist dagegen die Artenvielfalt in Dauerbrachen gefährdet (Dipner &amp;amp; Volkart 2010). &lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Abbildung weglassen, weil nicht in guter Qualität zur Verfügung; Alternative: Foto einwachsender Wiese. In der folgenden Abbildung sind die Phasen der Verbuschung nicht mehr bewirtschafteter Halbtrockenrasen dargestellt (Quelle: Briemle et al. 1993):--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung des Grünlandes ist vielfältig und eine grosse Bandbreite von allgemeinen, nicht nur an das Grünland gebundene Ökosystemleistungen sind auch mit diesen Lebensräumen verbunden, wie produktive Erzeugnisse, genetische Ressourcen von Futterpflanzen, Bestäubungsleistungen, Erosionsvermeidung, kulturelle Leistungen, Speicherung von Kohlenstoff (Guntern et al. 2013). Ebenfalls relevant sind die mit dem Grünland verbundenen ästhetisch-landschaftlichen Aspekte bspw. im Hinblick auf die touristische Nutzung oder die Erholungsfunktion. Aus landwirtschaftlicher Sicht ist die Bedeutung des Grünlandes als Stätte der Futterproduktion zentral. Entsprechend sind Wiesen und Weiden für die landwirtschaftliche Nutzung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte „optimiert“ worden. Beispielsweise stellen die Hochleistungsrassen in der Milchwirtschaft hohe Ansprüche an den Futterwert des Grünlandes: im jüngeren Aufwuchs ist der Rohfasergehalt niedriger und die Anteile an Rohprotein und Mineralstoffen höher. Entsprechend sind der Energiegehalt und die Verdaulichkeit des Futters besser. Damit sind die Anforderungen der Hochleistungsmilchwirtschaft mit dem Erhalt des artenreichen Grünlands nicht vereinbar (Gerowitt et al. 2011); landwirtschaftlich intensiv genutzte Wiesen haben kaum einen ökologischen Wert verglichen mit artenreichem Grünland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Typologie des Grünlands=&lt;br /&gt;
Je nachdem, worauf der Fokus liegt, kann das Grünland in Unterkategorien aufgeteilt werden; man kann vegetationskundliche, ökologische oder auch futterbauliche Kriterien anwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Haber de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Haber (2014) gliedert das Grünland i.w.S. wie oben dargestellt (Abbildung leicht verändert).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl &amp;amp; Grünig (in Oppermann &amp;amp; Gujer 2003, S. 60) gliedern die artenreichen (Mäh-)Wiesen der Schweiz nach Wasser- und Nährstoffhaushalt in 19 Wiesentypen auf. Ihre tabellarische Übersicht zeigt für die jeweiligen Wiesentypen kennzeichnende Artengruppen und -kombinationen. Für den gedüngten Bereich wurde die obengenannte Systematik weiterentwickelt und [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Bosshard (2016) unterscheidet in der Folge für das gedüngte Wiesland neun Typen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard Genese de.png&lt;br /&gt;
| text = Genese und Höhenverbreitung der gedüngten Wiesentypen. &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Vereinfachter dichotomer Bestimmungsschlüssel zur Identifikation von Fromental- und Goldhaferwiesen in Bosshard (2016, S. 188).&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/SchluesselGeduengteNaturwiesen.xls Bestimmungsschlüssel für die Wiesentypen des gedüngten Naturwieslands der Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://ira.agroscope.ch/de-CH/publication/46127 Bestimmungsschlüssel für Lebensräume der offenen Kulturlandschaft] (Buholzer et al. 2015)&lt;br /&gt;
* Die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/kartierung-und-bewertung-trockenwiesen.html Kartier- und Bewertungsmethode zur Erarbeitung des Inventars der Trockenwiesen und -weiden] ist im Technischen Bericht ausgeführt (Eggenberg et al. 2001)&lt;br /&gt;
* [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/4-grnland-naturrasen-wiesen-und-weiden.html Klassifikation der Grünlandlebensräume nach Delarze et al. (2015)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Zustand und Entwicklung des Grünlands in der Schweiz=&lt;br /&gt;
==Entstehung von Grünland==&lt;br /&gt;
Grünland ist in Mitteleuropa vor 8000 Jahren durch Waldrodung zur Ackernutzung entstanden. Die anschliessend nicht mehr für den Ackerbau genutzten Flächen begrünten sich und wurden als Viehweiden genutzt. Wo Wiesland in prähistorischer Zeit vorkam, ist weitgehend ungewiss und wird in Bosshard (2016) kurz ausgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapfer (2010a, 2010b) und Bosshard (2016) beleuchten die Entstehungsgeschichte und die historische Wies- und Weidelandnutzung und stellen sie in Vergleich mit heutigen Nutzungsformen: Während vieler hundert Jahre war das Wiesland in das Produktionssystem der auf Getreidebau ausgerichteten Dreizelgenwirtschaft ausgerichtet. Der Heu- und Emdschnitt führte zusammen mit den geringen Mistgaben (rund um den Hof herum) und der historisch üblichen Frühjahrsvorweide (Etzen) zu einer langfristigen Ausmagerung der Böden mit entsprechenden Folgen für die Vegetation. Reine Mähwiesen haben sich grossflächig erst im 19. Jahrhundert entwickelt, vorher waren alle Wiesen auch beweidet (Frühjahrs- oder Herbstweide). Nach dem Etzen erfolgte der Heuschnitt später und die Wiesenpflanzen konnten ihre individuelle Entwicklung bis zur Samenreife und dem Ausstreuen der Samen vollständig abschliessen. Die heutige erste Hauptnutzung auf den Mager- und Fromentalwiesen beim Heuschnitt entsprach historisch der zweiten Nutzung. Früher orientierte man sich für den Beginn und das Ende bestimmter Bewirtschaftungsgänge an Heiligen-Tagen. Diese Orientierungszeitpunkte wurden jedoch je nach Jahresverlauf bspw. für den Mahdbeginn auch flexibel gehandhabt. Die Ernte einzelner Flächen erstreckte sich über mehrere Wochen hinweg. Das Heu der Schnittwiesen wurde auf der Fläche getrocknet, wodurch eine erfolgreiche generative Vermehrung gefördert wurde (Poschlod 2011). Im Laufe der Zeit führten neue Ernteverfahren, Bewässerungsmassnahmen und neu auch die phänologischen Veränderungen aufgrund des Klimawandels zu einem früheren ersten Schnitt von Wiesen (Guntern et al. 2013).&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungsschemata Kapfer zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Bewirtschaftungsschema der drei wichtigsten Wiesentypen der alten Dreizelgenwirtschaft. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Die ökologischen Auswirkungen und die Anwendung des Etzens (Frühjahrsvorweide) (Quelle: Bosshard 2015b)''' &amp;lt;br /&amp;gt; Etzen war bis ins 18./19. Jh. die übliche erste Nutzung von Mähwiesen. Heute wird die Vorweide dagegen vor allem im Berggebiet in den intensiver genutzten Wiesentypen noch regelmässig praktiziert. Etzen bewirkt langfristig einen Nährstoffentzug, die Wüchsigkeit einer Wiese wird vermindert und dadurch, dass kurzfristig Licht in den Bestand eingebracht wird, werden empfindlichere Pflanzen artenreicher Wiesen gefördert. Die längere bewirtschaftungsfreie Phase zwischen der Frühjahrsweide und dem nächsten Nutzungszeitpunkt durch Mahd führt zu einem deutlich schmackhafteren, gehaltvolleren (da eiweissreicheren) Heuaufwuchs, so dass Etzen auch aus futterbaulicher und wirtschaftlicher Sicht von Interesse sein dürfte. &lt;br /&gt;
Das kurze, schonende Überweiden einer Wiese im Frühjahr führt zu einem strukturierteren Pflanzenbestand, einem längerdauernden Blütenangebot und einem späteren Heuschnitt und gewisse Tierarten (Tagfalter, Heuschrecken und wiesenbrütende Vogelarten) können davon profitieren (SHL 2008). Aus praktischen Gründen (logistischer Aufwand) kommt das Etzen nur für eine Minderheit von Grünlandflächen überhaupt in Frage und ist für BFF-Flächen bspw. im Rahmen von Vernetzungsprojekten realisierbar, sofern die kantonalen Vernetzungsrichtlinien dies vorsehen und begründen.&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem historischen Blickwinkel ist die Entstehung der Artenvielfalt in Wiesen zu betrachten (Poschlod 2011): Die Artenzusammensetzung der Flachlandmähwiesen, wie sie sich in der heutigen Form präsentiert, ist wahrscheinlich erst etwa 300 Jahre alt; der namengebende Glatthafer (''Arrhenatherum elatius'') wurde erst Anfang des 18. Jahrhunderts eingeführt (d.h. ein durch Auswahl-Zucht verbesserter Ökotyp aus Südfrankreich).  Möglicherweise ist die namengebende Art der Berg-Mähwiesen, der Goldhafer (''Trisetum flavescens'') ebenfalls erst zu dieser Zeit eingeführt worden. Fast alle Pflanzenarten des Wieslandes scheinen aus der autochthonen Flora zu stammen (bspw. aus lichten Stellen von Wäldern, aus Schotterflächen der Auen, aus den Randregionen der Hochmoore etc.). Verschiedene Futterpflanzen des Wieslandes sind (gezielt oder unabsichtlich) eingeführt worden und schon früh begann der Mensch, mit gezielten Einsaaten den Ertrag zu steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungstypen Kapfer zg 1280 768.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht zur Genese der Bewirtschaftungstypen des Grünlands Mitteleuropas. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Zusammenfassende Betrachtungen und nähere Ausführungen zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Grünlands liefern [http://www.dr-kapfer.de/index.php/download.html Kapfer (2010a, 2010b)], [https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/90005 Poschlod (2011)] und Bosshard (2016).&lt;br /&gt;
* Auch das [http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D13861.php Historische Lexikon der Schweiz] bietet zu verschiedenen Themen (Düngung, Futtermittel, Bewässerung, Wiesen, Weiden) informative Artikel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quantitativer und qualitativer Zustand und deren Veränderung==&lt;br /&gt;
Das Grünland hat sich mit den technischen Möglichkeiten in der Landwirtschaft (Mechanisierung, Düngereinsatz) und den Flurbereinigungen der letzten Jahrzehnte stark verändert worden und verändert sich immer noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Media:Tabelle Grünland Auszug Flächenbedarf.pdf|Tabelle]] gibt einen Überblick über die Ausdehnung und quantitative Veränderung der Schweizer Grünlandlebensräume. Quelle: «Guntern et al. (2013): Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz», S. 96. Weitere Grünflächen befinden sich im Siedlungsgebiet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;LN = Landwirtschaftliche Nutzfläche, SöG = Sömmerungsgebiet, BFF = Biodiversitätsförderfläche&amp;lt;/small&amp;gt; &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Lebensraum&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 10%&amp;quot;| Zeit&lt;br /&gt;
!colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Ausdehnung [ha]&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Bemerkung, Quelle&lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Wiesen und Weiden auf der LN (ohne SöG, Kunstwiesen) davon:&amp;lt;br/&amp;gt;- Extensiv genutzte BFF-Wiesen &amp;lt;br/&amp;gt;- Wenig intensiv genutzte BFF-Wiesen&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|610’732 &amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;66‘056 &amp;lt;br/&amp;gt;22‘919&lt;br /&gt;
| (BLW 2012) &amp;lt;br/&amp;gt;Wobei mit Qualität gemäss ÖQV: &amp;lt;br/&amp;gt;- Weiden, Waldweiden: 5'384 ha &amp;lt;br/&amp;gt;- Wiesen (inkl. Streuflächen): 28'864 ha&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sömmerungsgebiet &amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; (SöG)&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|505'385 (12% der CH)&lt;br /&gt;
| Gemäss (Walter et al. 2013)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Trockenwiesen und –weiden (TWW)&lt;br /&gt;
| 1900&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|760‘000 (bis 900‘000)&lt;br /&gt;
| (Eggenberg et al. 2001; Lachat et al. 2010b), Flächenverlust von 90-99% von TWW in den Regionen und 95% in der Schweiz. &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2010&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|37‘011&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Potenziell wertvolles Grasland auf der LN oder im SöG (ohne TWW, Moore Modell basierend auf der Steigung und der Höhe über Meer an den Fundorten von UZL-Ziel- und Leitarten.&lt;br /&gt;
| 2012 &amp;lt;br/&amp;gt;Total: &amp;lt;br/&amp;gt;TZ: &amp;lt;br/&amp;gt;HZ: &amp;lt;br/&amp;gt;BZI: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZIV: &amp;lt;br/&amp;gt;SöG:&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [ha] &amp;lt;br/&amp;gt;231’688 &amp;lt;br/&amp;gt;3797 &amp;lt;br/&amp;gt;354 &amp;lt;br/&amp;gt;2'023 &amp;lt;br/&amp;gt;6943 &amp;lt;br/&amp;gt;9223 &amp;lt;br/&amp;gt;10'984 &amp;lt;br/&amp;gt;198'364&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [%] &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;0.78 &amp;lt;br/&amp;gt;0.25 &amp;lt;br/&amp;gt;1.71 &amp;lt;br/&amp;gt;4.52 &amp;lt;br/&amp;gt;11.06 &amp;lt;br/&amp;gt;22.72 &amp;lt;br/&amp;gt;39.25&lt;br /&gt;
| (Walter et al. 2013) &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;TZ = Talzone &amp;lt;br/&amp;gt;HZ = Hügelzone &amp;lt;br/&amp;gt;BZ = Bergzone &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;Grünland macht nahezu 100% des SöG sowie der LN in den BZIV und BZIII aus.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Fromentalwiesen auf der LN&lt;br /&gt;
| 1950&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Abgesehen von TWW, Dauerweiden, Streuwiesen, Äckern nahezu alles&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012): genauere Angaben in Erarbeitung für Schlussbericht der laufenden Studie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|3-8%&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012), wobei davon ca. 20% mit der Artenzusammensetzung von intensiv genutzten Fromentalwiesen der 1950er Jahre und max. 5% mit guter Qualität (pers. Mitteilung A. Bosshard) &amp;lt;br/&amp;gt;-&amp;gt; Rückgang von vermutlich &amp;gt; 90% und nahezu 100% für artenreiche Bestände (Bosshard 1998)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Gemäss Arealstatistik nahm die Alpwirtschaftliche Nutzfläche von 1979/85 bis 1992/97 von 555'662 um 3.2 % auf 537'802 ha ab. Ein weiterer Rückgang wurde bis 2004/09 festgestellt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Schätzungsweise weitere Abnahme von 25-30% zw. 1995-2005 (Leibundgut 2007 zitiert in Graf &amp;amp; Korner 2011). Grössenordnungen in diesem Bereich sind im Wallis und Engadin durch Fallstudien bestätigt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Vergleich mit der Grünland-Situation in Deutschland zeigt: Ein mit der Schweiz (Tieflagen) vergleichbarer Anteil von rund 13% der Gesamtfläche (CH 14.7%) wird als landwirtschaftliches Grünland genutzt, der Grossteil davon ebenfalls intensiv (Boch et al. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Nutzung LN BFS 2018 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Wie sich die landwirtschaftliche Nutzfläche der Schweiz auf die verschiedenen Nutzungstypen aufteilt. Quelle: BFS 2018, Die Schweiz in 21 Infografiken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zeitraum von 1990 bis 2009 hat sich die Grünlandfläche in Deutschland um 875‘000 ha verringert. Zwischen 2003 und 2012 betrug der absolute Verlust des Dauergrünlands ca. 5%. In der Schweiz machen Landwirtschafts- und Alpwirtschaftsflächen zusammen mehr als einen Drittel der Gesamtfläche aus; zwischen 1985 und 2009 sind 85‘000 ha davon verlorengegangen, was der Grösse des Kantons Jura entspricht (BFS 2018). Die Fromentalwiesen, bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts der häufigste und zugleich produktivste Wiesentyp auf den guten Böden der tieferen Lagen Mitteleuropas, sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden. Damit einher ging eine qualitative Verschlechterung: ein Vergleich zwischen 1950 und 2009 zeigt, dass die damalig «intensiv» genutzten Wiesen in der Regel QII-Qualität hatten, heute hingegen in den noch vorhandenen Fromental-Vergleichswiesen nur noch ein Drittel diese Qualitätsanforderung erreicht («Fromentalwiesenprojekt», Bosshard 2016). Unter den besonders wertvollen Lebensräumen ging die Fläche der Trockenwiesen und -weiden zwischen 1900 und 2010 um 95% zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Zuerich Umweltbericht zg.png&lt;br /&gt;
| text =  Abnahme artenreicher Wiesen im Kanton Zürich. Quelle: Baudirektion Kanton Zürich (2008), Umweltbericht 2008.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schweizer Berggebiet nahm die Entwicklung des Futterbaus und der Wiesen und Weiden einen anderen Weg als im Mittelland: Erschwernislagen (steile oder schlecht erschlossene, meist mit vielen Kleinstrukturen durchsetzte Flächen) wurden zunehmend in Weiden umgenutzt oder ganz aus der Nutzung entlassen und ein Grossteil davon ist in der Folge verbuscht und verwaldet. Insgesamt hat die Waldfläche in den vergangenen 150 Jahren auf Kosten von Wiesen- und Weideflächen je nach Region um 30-100% zugenommen. Heute liegt der überwiegende Teil des artenreichen Wieslandes der Schweiz in solchen Erschwernislagen ab Bergzone I; besonders hoch ist dieser Anteil im Sömmerungsgebiet. Allerdings nehmen diese Flächen sowohl durch Nutzungsaufgabe als auch durch Intensivierung laufend ab (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anteil BFF mit Qualitätsstufe II steigt stetig an; das Ziel eines 40%-Anteils wurde 2017 erstmals erreicht. Der Anteil im Talgebiet ist mit 28% jedoch immer noch tief (BLW 2018). Seit 2014 werden ebenfalls Beiträge für artenreiche Grün- und Streueflächen im Sömmerungsgebiet ausgerichtet; der Anteil dieser Flächen mit Qualitätsstufe II betrug 2017 217‘496 ha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;5&amp;quot;| '''Übersicht über die Flächenanteile BFF mit QII-Qualität (in Hektaren) (Quelle: Agrarbericht BLW 2019)'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! BFF QII-Typ&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Talregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Hügelregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Bergregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Total&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Extensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 11495&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 7395&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 17411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 36301&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wenig intensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 130&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3220&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3761&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| extensiv genutzte Weiden und Waldweiden&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 1468&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 2830&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 14759&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 19057&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| artenreiche Grün- und Streuflächen im Sömmerungsgebiet&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 223509&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Entwicklung BFF Q2 2001 2016.png&lt;br /&gt;
| text = Entwicklung (in Hektaren) der angemeldeten artenreichen Wiesen und Weiden (BFF mit Qualitätsstufe II) zwischen 2001 – 2016 (Quelle: Daten BLW).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die qualitativen Veränderungen in Wiesen und Weiden betreffen das allgemeine Nährstoffniveau, welches enorm gestiegen ist und das Verschwinden des früher verbreiteten Mosaiks von unterschiedlich genutzten Flächen (Schmid et al. 2007). Weitere qualitative Veränderungen der letzten Jahrzehnte beschreibt Bosshard (2016): Die Schlagkraft hat sich vervielfacht mit früherem Schnitt, viel höherer Nutzungsfrequenz und der zeitgleichen Nutzung viel grösserer Flächen. Die Erträge sind um ca. 60-80% gestiegen. Kleinstrukturen und Kulturlandschaftselemente sind verschwunden. Die schwereren Maschinen haben eine problematische Bodenverdichtung zur Folge und insbesondere für die Fauna destruktive Ernteverfahren (Rotationsmähwerke, Futteraufbereiter, Silagetechnik) nehmen zu. Heute wird vorwiegend Güllewirtschaft (rasch verfügbare Nährstoffe) statt der früher üblichen Festmistwirtschaft betrieben und durch den Wechsel von der Dürrfutterbereitung (Heu) zur Silage liegt der Nutzungszeitpunkt des ersten Aufwuchses heute früher im Jahr, es sind mehr Nutzungen pro Jahr möglich, die Ernte verläuft rascher und die Pflanzen können weniger absamen. Meliorationen, das Zusammenlegen von Parzellen und das Verschwinden von extensiven Parzellengrenzen bewirken ebenfalls grosse Veränderungen. Ein nächster Schritt steht mit der zukünftigen Automatisierung der Bewirtschaftung bevor. Anschaulich illustriert [https://www.pronatura.ch/de/wiesen-und-weiden Pro Natura anhand von Beispielen] die Entwicklung ehemals artenreicher Wiesen in artenarme Fettwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologischen Auswirkungen der oben beschriebenen Veränderungen sind mannigfaltig: beispielsweise führt die Intensivierung der Graslandkultivierung und die früheren Schnittzeitpunkte zu einer Abnahme der Samenbank im Boden (Klimkowska et al. 2007). Die früheren Schnittzeitpunkte führen zur Überlappung mit der Brutsaison bodenbrütender Vögel; durch Mahd werden die Nester mechanisch zerstört oder sind für Prädatoren nach dem Schnitt leichter zugänglich oder die Futterverfügbarkeit wird während einer kritischen Phase der Nestlinge dezimiert (Britschgi et al. 2006). Einzelflächen wie auch die Gesamtfläche ökologisch wertvoller Wiesen und Weiden sind zu klein und zu stark fragmentiert. Kleine Grünlandflächen sind besonders empfindlich gegenüber negativer Randeffekte (z.B. Eindringen anderer Arten) und ökologischer Drift. Die durchschnittliche Grösse der TWW von nationaler Bedeutung beträgt heute 4.7 ha und im Sömmerungsgebiet 10.5 ha (Guntern et al. 2013): eine Wiederbesiedlung durch Tagfalter, Hummeln und Reptilien ist möglich, wenn die Flächen nicht weiter als 1-3 km voneinander entfernt sind. Charakteristische Heuschrecken und Laufkäfer dagegen überwinden selten Distanzen von über 100 m.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Nährstoffversorgung im Grünland''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stickstoff ein elementarer Baustein aller Lebewesen; Pflanzen nehmen ihn über die Wurzeln in der Form von Ammonium oder Nitrat auf. Pflanzenverfügbarer Stickstoff ist natürlicherweise in den meisten Böden Mangelware – in den letzten Jahrzehnten gelangten jedoch riesige Mengen von Stickstoffverbindungen als Mineraldünger, Gülle oder aus Verbrennungsprozessen direkt oder indirekt über die Luft in die Böden. Der natürliche atmosphärische Eintrag von biologisch aktivem Stickstoff beträgt lediglich 0.5 – 2 kg/ha. Heute gelangt durchschnittlich 16 kg/ha Stickstoff über die Luft in den Boden, was in etwa der ausgebrachten Menge für mittel intensiv genutzten Wiesen entspricht. Peter (2011) weist darauf hin, dass bei drei der vier umweltrelevanten Stickstoffformen (Ammoniak, Nitrat und Lachgas) die Landwirtschaft gesamtschweizerisch gesehen die Haupt Emittentin ist. So müssten beim Ammoniak beispielsweise die Emissionen aus der Landwirtschaft annähernd halbiert werden, damit eine substanziell schädigende Wirkung in sensiblen Ökosystemen verhindert werden könnte. Für artenreiche Wiesen (kollin und montan) liegt der kritische Eintragswert bei 10-30 kg N pro Hektar und Jahr (Guntern 2016a). Entsprechend sind bspw. 49% der Trockenwiesen von den negativen Auswirkungen des atmosphärischen Stickstoffeintrags betroffen; die kritischen Eintragswerte (critical loads) werden in vielen Lebensräumen z.T. massiv überschritten (BAFU 2017). In Wiesen führt dies zu einer Bodenversauerung, zu einer starken Abnahme der Pflanzendiversität und zur Dominanz einiger weniger Grasarten und ist mitverantwortlich für die extreme Artenverarmung im Wiesland insbesondere in den Tieflagen (Bosshard 2016). Heutige Bestände sind im Vergleich zu früher wüchsiger und dichter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Stickstoffbilanz 2015 BFS 2.png&lt;br /&gt;
| text = Die Stickstoffbilanz in den Landwirtschaftsflächen (inkl. Alpweiden) zeigt langfristig betrachtet zwar einen rückläufigen Überschuss, dennoch resultierte 2015 ein Überschuss von 60 kg/ha (1990er-Jahre &amp;gt; 80 kg/ha). Quelle: Landwirtschaft und Ernährung, Taschenstatistik BFS 2018)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Phosphor ist einer der Hauptnährstoffe der Pflanzen und wird in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt. In den letzten zehn Jahren belief sich der Phosphorüberschuss auf rund 400 t/Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = phosphorbilanz 2018 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Phosphorbilanz der Landwirtschaftsflächen. Phosphormengen, die in landwirtschaftliche Böden gelangen bzw. ihnen entzogen werden. Quelle: BFS – Umweltgesamtrechnung (2020)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im intensiv genutzten Grasland werden ausserdem steigende Zink- und Kupfereinträge beobachtet, welche aus dem Hofdünger (Gülle und Mist) bzw. aus den Futtermitteln stammen (Gubler et al. 2015). Aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität kann auch im Grünland davon ausgegangen werden, dass vielerorts das Bodenleben dadurch beeinträchtigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uz-umwelt-zustand/biodiversitaet-schweiz-zustand-entwicklung.pdf.download.pdf/UZ-1630-D_2017-06-20.pdf Zustand und Entwicklung Biodiversität Schweiz]&lt;br /&gt;
* Guntern et al. (2013): [http://www.ngzh.ch/media/pdf/Flaechenbedarf.pdf Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz]&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/boden/uz-umwelt-zustand/boden-schweiz.pdf.download.pdf/UZ-1721-D_Boden2017.pdf Boden in der Schweiz. Zustand und Entwicklung. Stand 2017] &lt;br /&gt;
* BFS (2018): [https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/publikationen/uebersichtsdarstellungen/taschenstatistik-schweiz.html Taschenstatistiken] &lt;br /&gt;
* BLW: [https://www.agrarbericht.ch/de Agrarbericht]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zustand und Entwicklung der Artengemeinschaften des Grünlands==&lt;br /&gt;
Bei einer Vergleichsuntersuchung fanden Schlup et al. (2013) im extensiv bewirtschafteten Grünland (Kammgrasweide, Fromental- und Goldhaferwiese, Halbtrockenrasen) eine höhere Artenzahl an Gefässpflanzen als im durchschnittlichen Grünland der Schweiz. Ausserdem kamen im extensiven Grünland deutlich mehr Kenn- und Charakterarten sowie gefährdete Arten vor. Spezialisiertere Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt und es findet eine Trivialisierung statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Kennarten de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Die Tabelle zeigt, wie wichtig besonders wertvolle Lebensräume für den Erhalt von vielen Tiergruppen sind. Quelle: Hotspot 18, Forum Biodiversität Schweiz 2008)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Demnach weist ein beträchtlicher Teil der Arten eine erhöhte Bindung zu Trockenwiesen und -weiden auf.&lt;br /&gt;
Lebensraumverlust und -degradierung haben auf die Biodiversität im Grünland einen negativen Einfluss, wie die folgende Darstellung aus dem Biodiversitätsmonitoring Schweiz zeigt (BAFU):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Indikatoren de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden - Index* von 0 (einheitlich) bis 100 (vielfältig), aller paarweisen Vergleiche der Stichprobenflächen, in Prozent. *Mittelwerte über einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren. Quelle: BAFU: Biodiversitäts-Monitoring Schweiz BDM 2018&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Artenvielfalt ist seit Mitte der 2000er Jahre insgesamt zurückgegangen und deutet auf eine gesamtschweizerische Vereinheitlichung der Wiesen und Weiden hin, was einem Verlust der Biodiversität gleichkommt. Jedoch ist der Verlust der Artengemeinschaften in diesen Lebensräumen schon seit mindestens einigen Jahrzehnten im Gang: In den letzten 120 Jahren hat sich die durchschnittliche Pflanzenartenvielfalt auf 81 Wiesen fast halbiert (Schlup et al. 2013). Generell wird festgestellt, dass v.a. häufig vorkommende Arten zugenommen haben, welche keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Spezialisierte Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt, was zu einer Trivialisierung der Wiesen und Weiden führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die meisten Vogelarten, welche auf Äckern, Wiesen und Weiden brüten, sind aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität im Rückgang begriffen: Der schweizerische Index der für das Kulturland typischen Brutvögel (46 UZL-Arten) hat seit 1990 um fast 30% abgenommen, der europäische Agrarvogelindex seit 1980 um über 50% (BLW 2017, Becker et al. 2014). Auch die Bergidylle ist zunehmend bedroht: ein Langzeitvergleich der Vogelwarte zeigt, dass im Engadin innerhalb von 22 Jahren der Anteil an wenig intensiv genutzten und artenreichen Wiesen von 32 auf 27% gesunken und die Brutbestände von Feldlerche, Baumpieper und Braunkehlchen um 44-61% gesunken sind (Korner et al. 2017). Den blütenbesuchenden Insekten wird durch den Rückgang des reichen Blüten- und Nektarangebots die Nahrungsgrundlage entzogen. Wesche et al. (2014) stellten bei Heuschrecken und Wanzen in Auen und Trockenwiesen innert 50 Jahren einen dramatischen Einbruch der Individuenzahlen (&amp;gt;60%) bei teils konstanten, teils zunehmenden Artenzahlen fest. Die botanische Zusammensetzung von Fromentalwiesen zeigt im Vergleich zu den 1950er Jahren eine durchschnittliche Abnahme der Artenzahl von rund 30% bei einer ebenfalls deutlichen Qualitätseinbusse (Bosshard 2015c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Monitoringprogramms ALL-EMA werden der Zustand und die Veränderung von Arten und Lebensräumen der Umweltziele Landwirtschaft in der offenen Agrarlandschaft Schweiz erfasst und die Biodiversitätsförderflächen beurteilt. Eine erste umfassende Auswertung zum Zustand der Biodiversität ist 2020 vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/monitoring-analytik/all-ema.html ALL-EMA]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/zustand/indikatoren.html Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden (BAFU)]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodiversitymonitoring.ch/index.php/de/ Biodiversitätsmonitoring Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uw-umwelt-wissen/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf.download.pdf/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf BAFU &amp;amp; BLW (2016): Umweltziele Landwirtschaft UZL.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung und Gefährdungsursachen=&lt;br /&gt;
43% der unter dem Begriff „Grünland“ zusammengefassten Lebensraumtypen gelten als gefährdet. Die wertvollsten Flächen der Trockenwiesen und -weiden sind in einem Inventar (TWW) bezeichnet - seit 1900 sind rund 95% der TWW in der Schweiz verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Gefaehrdungskat Grünland de.png&lt;br /&gt;
| text = Einstufung der 30 Lebensraumtypen des Grünlandes gemäss Roter Liste.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefährdungsursachen und wichtige Treiber sind (Delarze et al. 2015, Bosshard 2016, Becker et al. 2014):&lt;br /&gt;
* Der Verlust an Grünland-Lebensräumen durch Nutzungsaufgabe in Grenzertragslagen und nachfolgender Sukzession, durch Umwandlung von Grünland in Ackerland oder Kunstwiesen und durch den Siedlungs- und Strassenbau. Als Folge der Lebensraumverluste sind verbleibende Habitate oft zu klein und/oder von Isolation bedroht. Bis Fragmentierung und Randeffekte zum Verlust von Arten führen, kann es Jahrzehnte dauern; man spricht deshalb auch von der sogenannten Aussterbeschuld. Im Sömmerungsgebiet verschwinden mittel-wertvolle Flächen. Das aktuelle Instrument der BFF gibt im Sömmerungsgebiet keine Kriterien zur Bewirtschaftung vor. Es gibt Hinweise, dass die Kartierung der TWW nicht vollständig ist. Es besteht die Gefahr, dass wertvolle Flächen durch Intensivierung, falsche Nutzung oder Nutzungsaufgabe verloren gehen.&lt;br /&gt;
* Intensivierung, moderne oder ungeeignete Bewirtschaftung sowie Nährstoffeinträge: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die damit verbundene Intensivierung hat vielfache Auswirkungen auch auf das Grünland. Düngung und Zufütterung in der Viehhaltung haben vervielfachte Nährstoffeinträge und die Eutrophierung des Bodens zur Folge. Durch das Düngen werden viele Grünlandarten, insbesondere Kräuter, verdrängt und die Artenvielfalt nimmt in der Folge ab, weil wenige Arten dank dieser zugeführten Nährstoffe schnell wachsen, rasch Biomasse aufbauen und den Boden für den Aufwuchs anderer Pflanzen beschatten (Gerowitt et al. 2013). Die Intensivierung umfasst ausserdem die frühere Nutzung der Bestände zur Erzielung hoher Futterqualität (für die Hochleistungs-Milchkühe) und eine generell erhöhte Schlagkraft (mit schweren Maschinen), häufigere Nutzungen, den Einsatz von Pestiziden, Flurbereinigungen und Strukturverlust sowie kulturtechnische Massnahmen zur Entwässerung,  Kalkung oder Bewässerung der Flächen. Des Weiteren werden Flächen eingeebnet bzw. unter Einsatz von bspw. Forstmulchern intensiviert. Vorgegebene Schnittzeitpunkte bewirken eine Monotonisierung der Landschaft sowie ein zeitgleiches Wegfallen von Nahrungsquellen. All diese Faktoren sowie die Aufgabe bestimmter Nutzungsformen führen zu einer Vereinheitlichung der Lebensräume. &lt;br /&gt;
* Der Klimawandel stellt für den Wandel der Biodiversität und Ökosysteme einen bedeutenden Faktor dar (Guntern 2016b): insbesondere spielen der Temperaturanstieg sowie Veränderungen im hydrologischen Regime eine Rolle. Höhere Temperaturen und zunehmende Niederschlagsmengen führen bei gleichmässiger Bodendurchfeuchtung zu einer zunehmend schnelleren Wuchsleistung des Grünlands. Aus dem Biodiversitätsmonitoring ergeben sich Hinweise, dass im Mittelland bestimmte Lebensräume einerseits wärmer, andererseits auch trockener werden (BDM-Facts Nr. 4, BAFU 2012).&lt;br /&gt;
* Auch invasive, gebietsfremde Arten können auf die heimische Biodiversität nachteilig wirken. V.a. folgende Arten bereiten bisher grossflächig Probleme im extensiv genutzten Wiesland: das Einjährige Berufkraut (''Erigeron annuus''), die beiden Goldrutenarten (''Solidago canadensis'' und ''S. serotina'', v.a. im unternutzten oder spät gemähten, feuchten bis wechselfeuchten Wiesland) sowie das Schmalblättrige Kreuzkraut (''Senecio inaequidens''). Weitere Neophyten mit invasivem Ausbreitungspotenzial werden auf der Neophyten-Watch-List geführt. Die (bemerkenswerte) Resistenz gegenüber neu eingebrachten Arten scheint ein Charakteristikum des mitteleuropäischen Wieslands zu sein (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
* Je nach Lebensraumtyp und Lage des Grünlandes stellen auch Freizeitaktivitäten bzw. Erholungsnutzung Gefährdungsfaktoren dar. In Deutschland sind insbesondere auch der Anbau von Energiepflanzen (Biogasproduktion, Raps für Kraftstoffproduktion) sowie die Agrophotovoltaik mögliche Gefährdungstreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = rationelle Mahd as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Rationelle Erntemaschinen töten und verletzten viele Tiere.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgend werden einige ausgewählte Gefährdungsfaktoren näher beleuchtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Unternutzung und Nutzungsaufgabe''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine extensive Bewirtschaftung wird in Gebieten mit ungünstigen Produktionsbedingungen (Hangneigung, Bodenstruktur) immer weniger rentabel. In den letzten dreissig Jahren bewegten sich die Veränderungen in der Nutzungsform im Alpenraum stets in Richtung eines geringeren Bewirtschaftungsaufwands: von der Schnitt- zur Weidenutzung und von der Beweidung zur Verbrachung (Leitgruppe NFP 48 2007). Eine Unternutzung oder eine gänzliche Aufgabe der Bewirtschaftung führen kurzfristig zu Verbrachungserscheinungen, mittelfristig zu Verbuschung und Einwaldung. Wenn die Biomasse nicht weggeführt wird, tritt im Laufe der Jahre zunehmend Lichtmangel v.a. für die dichte, bodennahe Schicht in Form von sogenanntem Streuefilz auf. Gerade seltene und gefährdete Arten verschwinden oft zuerst und werden durch Generalisten ersetzt, bevor die Bewaldung einsetzt (Bosshard 2016). Im günstigsten Fall kann bereits nach 20 Jahren auf einer früheren Magerwiese oder -weide ein Wald stehen. In sehr magerem Wiesland führt die Nutzungsaufgabe und Verbrachung jedoch nicht zu einem Artenverlust, da die Wüchsigkeit für das Ausbilden eines Streuefilzes nicht ausreicht oder dieser rasch wieder abgebaut wird (bspw. durch Wind). Die natürliche Wiederbewaldung in Grenzertragslagen wird als Ausdruck eines grundlegenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels interpretiert, bei dem der Rückgang der Armut und die Zunahme des Wohlstands eine grosse Rolle spielen (Leitgruppe NFP 48 2007). Durch die abnehmende Verfügbarkeit von Arbeitskräften sind auch pflegerische Arbeiten der Bewirtschaftung gefährdet: damit eine möglichst langfristige Produktivität des Kulturbiotops sichergestellt werden kann, sind Pflegearbeiten wie Frühjahrssäuberung, exaktes Mähen, Abrechen des Schnittguts usw. notwendig, damit die «Saatbett-Bereitung» bzw. das Vorhandensein von Keimstellen gesichert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Steinfräsen''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Steinfräsen zerkleinern Steine und Felsen, zermalmen und brechen den Boden auf, beseitigen Kleinstrukturen und Unebenheiten im Gelände. Diese irreparable Zerstörung der natürlichen Vegetation und der Kleinstrukturvielfalt ist u.a. für den Verlust von Baumpieper und Feldlerche im jurassischen Brutgebiet mitverantwortlich. Im Jura werden seit den 1990er-Jahren Steinfräsen teilweise grossflächig eingesetzt, um die wertvollen Kleinstrukturen zu eliminieren und ganze Flächen zu planieren. Die Gesetzeslage ist kantonal unterschiedlich (SO, JU, VD nicht erlaubt, NE &amp;amp; BE teilweise erlaubt) und trotz Verbot sind unbewilligte Fälle bekannt (Apolloni et al. 2017). Steinfräsen werden auch in höheren Lagen der Alpen regelmässig eingesetzt. Sie stellen eine so grosse Gefahr für die Biodiversität dar, dass sie verboten gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Delarze et al. (2016): [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/rote-liste.html Rote Liste der Lebensräume der Schweiz]&lt;br /&gt;
* Trockenwiesen und -weiden der Schweiz (TWW) [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar, Vollzugshilfe und Merkblätter, Fallstudien]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/biotopschutz-schweiz.html Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Rechtsgrundlagen =&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983407/index.html Landwirtschaftsgesetz (LwG)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983381/index.html Landwirtschaftliche Begriffsverordnung (LBV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20130216/index.html Direktzahlungsverordnung (DZV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/oekologischer-leistungsnachweis.html Ökologischer Leistungsnachweis (ÖLN) gemäss DZV, Übersicht zu den einzelnen Artikeln]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Übersicht über die Biodiversitätsbeiträge pro BFF-Typ und Qualitätsstufe]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Weitere Ausführungen zu den BFF-Qualitätsbeiträgen (QI und QII)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html  Weitere Ausführungen zu den Vernetzungsbeiträgen]&lt;br /&gt;
* Die rechtliche Grundlage für den nationalen Schutz der Trockenwiesen und -weiden bildet das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar über die Trockenwiesen und -weiden mit den entsprechenden Verordnungen und Vollzugshilfen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Nachfolgend sind wichtige Themen aufgeführt, zu welchen (teilweise) Wissenslücken bestehen:&lt;br /&gt;
* Vorkommen und Verbreitung ökologisch wertvoller Grünlandflächen im Sömmerungsgebiet, flächendeckende Inventarisierung&lt;br /&gt;
* Wissenschaftliche Grundlagen zum Düngungsbedarf von Fromental- und Goldhaferwiesen im Hinblick auf die botanische Vielfalt fehlen, Praxisversuche sind wünschenswert.&lt;br /&gt;
* Es gibt kaum systematische Erfahrungen zum Etzen in Zusammenhang mit der Biodiversitätsförderung im artenreichen Wiesland, übergeordnete Erfolgskontrollen sind erwünscht.&lt;br /&gt;
* Phänologisch basierte Schnittzeitpunkte&lt;br /&gt;
* Einfluss von Heubläser-Einsätzen auf die Biodiversität, insbesondere die Fauna (Richner et al. 2014 beleuchten den Einfluss auf die Vegetation)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Bewirtschaftung auf die Fauna über alle Mäh- und Nachbereitungsgeräte hinweg unter vergleichbaren Bedingungen untersuchen. Verhalten der Populationen auf mehrschürigen Wiesen im Jahresverlauf.&lt;br /&gt;
* Angaben zu Ausmass und Verbreitung von Bodenverdichtungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literatur=&lt;br /&gt;
Die Publikationen zum Grünland sind äusserst umfangreich. Wir stellen Ihnen die gesamte [[Media:Dokumentation Grünland Literatur.pdf|Liste an verwendeter Literatur]] zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland=&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]|| [https://www.faunatur.ch/ faunatur]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Andreas Bosshard || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Jean-Yves Humbert || [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Heiri Schiess ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  André Stapfer ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Markus Staub || [https://www.poel.ch/ Projekte Ökologie Landwirtschaft] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Gaby Volkart || https://www.ateliernature.ch/de/portrait-deutsch/ atena]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Grundlagen&amp;diff=4724</id>
		<title>Grünland/Grundlagen</title>
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				<updated>2023-03-12T14:21:02Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Informations de base]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fromentalwiese ABosshard zg 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Die Fromentalwiesen sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Sukzession und Bedeutung des Grünlands=&lt;br /&gt;
Mit wenigen Ausnahmen ist Grünland keine natürliche Vegetation - bleibt eine Nutzung aus, folgt der Verlauf der meisten Grünland-Lebensraumtypen der natürlichen Sukzession. Maag et al. (2001) zeigen die verschiedenen Sukzessionsverläufe für unterschiedliche Standorte. Dabei hat jede Stufe der Sukzession beispielsweise eines Trockenrasens bis hin zum Wald ihren ökologischen Wert; die Artenvielfalt kann durch ein Nebeneinander verschiedener Sukzessionsstadien erhöht werden (Diacon et al. 2011). Die unterschiedlichen Stadien der Verbrachung und Verbuschung weisen willkommene Rückzugsgebiete und Nahrungsreservoirs für Reptilien, Spinnen und viele Insekten dar. Insbesondere jüngere Brachen können floristisch und faunistisch äusserst wertvoll sein; langfristig ist dagegen die Artenvielfalt in Dauerbrachen gefährdet (Dipner &amp;amp; Volkart 2010). &lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Abbildung weglassen, weil nicht in guter Qualität zur Verfügung; Alternative: Foto einwachsender Wiese. In der folgenden Abbildung sind die Phasen der Verbuschung nicht mehr bewirtschafteter Halbtrockenrasen dargestellt (Quelle: Briemle et al. 1993):--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung des Grünlandes ist vielfältig und eine grosse Bandbreite von allgemeinen, nicht nur an das Grünland gebundene Ökosystemleistungen sind auch mit diesen Lebensräumen verbunden, wie produktive Erzeugnisse, genetische Ressourcen von Futterpflanzen, Bestäubungsleistungen, Erosionsvermeidung, kulturelle Leistungen, Speicherung von Kohlenstoff (Guntern et al. 2013). Ebenfalls relevant sind die mit dem Grünland verbundenen ästhetisch-landschaftlichen Aspekte bspw. im Hinblick auf die touristische Nutzung oder die Erholungsfunktion. Aus landwirtschaftlicher Sicht ist die Bedeutung des Grünlandes als Stätte der Futterproduktion zentral. Entsprechend sind Wiesen und Weiden für die landwirtschaftliche Nutzung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte „optimiert“ worden. Beispielsweise stellen die Hochleistungsrassen in der Milchwirtschaft hohe Ansprüche an den Futterwert des Grünlandes: im jüngeren Aufwuchs ist der Rohfasergehalt niedriger und die Anteile an Rohprotein und Mineralstoffen höher. Entsprechend sind der Energiegehalt und die Verdaulichkeit des Futters besser. Damit sind die Anforderungen der Hochleistungsmilchwirtschaft mit dem Erhalt des artenreichen Grünlands nicht vereinbar (Gerowitt et al. 2011); landwirtschaftlich intensiv genutzte Wiesen haben kaum einen ökologischen Wert verglichen mit artenreichem Grünland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Typologie des Grünlands=&lt;br /&gt;
Je nachdem, worauf der Fokus liegt, kann das Grünland in Unterkategorien aufgeteilt werden; man kann vegetationskundliche, ökologische oder auch futterbauliche Kriterien anwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Haber de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Haber (2014) gliedert das Grünland i.w.S. wie oben dargestellt (Abbildung leicht verändert).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl &amp;amp; Grünig (in Oppermann &amp;amp; Gujer 2003, S. 60) gliedern die artenreichen (Mäh-)Wiesen der Schweiz nach Wasser- und Nährstoffhaushalt in 19 Wiesentypen auf. Ihre tabellarische Übersicht zeigt für die jeweiligen Wiesentypen kennzeichnende Artengruppen und -kombinationen. Für den gedüngten Bereich wurde die obengenannte Systematik weiterentwickelt und [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Bosshard (2016) unterscheidet in der Folge für das gedüngte Wiesland neun Typen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard Genese de.png&lt;br /&gt;
| text = Genese und Höhenverbreitung der gedüngten Wiesentypen. &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Vereinfachter dichotomer Bestimmungsschlüssel zur Identifikation von Fromental- und Goldhaferwiesen in Bosshard (2016, S. 188).&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/SchluesselGeduengteNaturwiesen.xls Bestimmungsschlüssel für die Wiesentypen des gedüngten Naturwieslands der Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://ira.agroscope.ch/de-CH/publication/46127 Bestimmungsschlüssel für Lebensräume der offenen Kulturlandschaft] (Buholzer et al. 2015)&lt;br /&gt;
* Die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/kartierung-und-bewertung-trockenwiesen.html Kartier- und Bewertungsmethode zur Erarbeitung des Inventars der Trockenwiesen und -weiden] ist im Technischen Bericht ausgeführt (Eggenberg et al. 2001)&lt;br /&gt;
* [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/4-grnland-naturrasen-wiesen-und-weiden.html Klassifikation der Grünlandlebensräume nach Delarze et al. (2015)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Zustand und Entwicklung des Grünlands in der Schweiz=&lt;br /&gt;
==Entstehung von Grünland==&lt;br /&gt;
Grünland ist in Mitteleuropa vor 8000 Jahren durch Waldrodung zur Ackernutzung entstanden. Die anschliessend nicht mehr für den Ackerbau genutzten Flächen begrünten sich und wurden als Viehweiden genutzt. Wo Wiesland in prähistorischer Zeit vorkam, ist weitgehend ungewiss und wird in Bosshard (2016) kurz ausgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapfer (2010a, 2010b) und Bosshard (2016) beleuchten die Entstehungsgeschichte und die historische Wies- und Weidelandnutzung und stellen sie in Vergleich mit heutigen Nutzungsformen: Während vieler hundert Jahre war das Wiesland in das Produktionssystem der auf Getreidebau ausgerichteten Dreizelgenwirtschaft ausgerichtet. Der Heu- und Emdschnitt führte zusammen mit den geringen Mistgaben (rund um den Hof herum) und der historisch üblichen Frühjahrsvorweide (Etzen) zu einer langfristigen Ausmagerung der Böden mit entsprechenden Folgen für die Vegetation. Reine Mähwiesen haben sich grossflächig erst im 19. Jahrhundert entwickelt, vorher waren alle Wiesen auch beweidet (Frühjahrs- oder Herbstweide). Nach dem Etzen erfolgte der Heuschnitt später und die Wiesenpflanzen konnten ihre individuelle Entwicklung bis zur Samenreife und dem Ausstreuen der Samen vollständig abschliessen. Die heutige erste Hauptnutzung auf den Mager- und Fromentalwiesen beim Heuschnitt entsprach historisch der zweiten Nutzung. Früher orientierte man sich für den Beginn und das Ende bestimmter Bewirtschaftungsgänge an Heiligen-Tagen. Diese Orientierungszeitpunkte wurden jedoch je nach Jahresverlauf bspw. für den Mahdbeginn auch flexibel gehandhabt. Die Ernte einzelner Flächen erstreckte sich über mehrere Wochen hinweg. Das Heu der Schnittwiesen wurde auf der Fläche getrocknet, wodurch eine erfolgreiche generative Vermehrung gefördert wurde (Poschlod 2011). Im Laufe der Zeit führten neue Ernteverfahren, Bewässerungsmassnahmen und neu auch die phänologischen Veränderungen aufgrund des Klimawandels zu einem früheren ersten Schnitt von Wiesen (Guntern et al. 2013).&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungsschemata Kapfer zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Bewirtschaftungsschema der drei wichtigsten Wiesentypen der alten Dreizelgenwirtschaft. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Die ökologischen Auswirkungen und die Anwendung des Etzens (Frühjahrsvorweide) (Quelle: Bosshard 2015b)''' &amp;lt;br /&amp;gt; Etzen war bis ins 18./19. Jh. die übliche erste Nutzung von Mähwiesen. Heute wird die Vorweide dagegen vor allem im Berggebiet in den intensiver genutzten Wiesentypen noch regelmässig praktiziert. Etzen bewirkt langfristig einen Nährstoffentzug, die Wüchsigkeit einer Wiese wird vermindert und dadurch, dass kurzfristig Licht in den Bestand eingebracht wird, werden empfindlichere Pflanzen artenreicher Wiesen gefördert. Die längere bewirtschaftungsfreie Phase zwischen der Frühjahrsweide und dem nächsten Nutzungszeitpunkt durch Mahd führt zu einem deutlich schmackhafteren, gehaltvolleren (da eiweissreicheren) Heuaufwuchs, so dass Etzen auch aus futterbaulicher und wirtschaftlicher Sicht von Interesse sein dürfte. &lt;br /&gt;
Das kurze, schonende Überweiden einer Wiese im Frühjahr führt zu einem strukturierteren Pflanzenbestand, einem längerdauernden Blütenangebot und einem späteren Heuschnitt und gewisse Tierarten (Tagfalter, Heuschrecken und wiesenbrütende Vogelarten) können davon profitieren (SHL 2008). Aus praktischen Gründen (logistischer Aufwand) kommt das Etzen nur für eine Minderheit von Grünlandflächen überhaupt in Frage und ist für BFF-Flächen bspw. im Rahmen von Vernetzungsprojekten realisierbar, sofern die kantonalen Vernetzungsrichtlinien dies vorsehen und begründen.&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem historischen Blickwinkel ist die Entstehung der Artenvielfalt in Wiesen zu betrachten (Poschlod 2011): Die Artenzusammensetzung der Flachlandmähwiesen, wie sie sich in der heutigen Form präsentiert, ist wahrscheinlich erst etwa 300 Jahre alt; der namengebende Glatthafer (''Arrhenatherum elatius'') wurde erst Anfang des 18. Jahrhunderts eingeführt (d.h. ein durch Auswahl-Zucht verbesserter Ökotyp aus Südfrankreich).  Möglicherweise ist die namengebende Art der Berg-Mähwiesen, der Goldhafer (''Trisetum flavescens'') ebenfalls erst zu dieser Zeit eingeführt worden. Fast alle Pflanzenarten des Wieslandes scheinen aus der autochthonen Flora zu stammen (bspw. aus lichten Stellen von Wäldern, aus Schotterflächen der Auen, aus den Randregionen der Hochmoore etc.). Verschiedene Futterpflanzen des Wieslandes sind (gezielt oder unabsichtlich) eingeführt worden und schon früh begann der Mensch, mit gezielten Einsaaten den Ertrag zu steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungstypen Kapfer zg 1280 768.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht zur Genese der Bewirtschaftungstypen des Grünlands Mitteleuropas. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Zusammenfassende Betrachtungen und nähere Ausführungen zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Grünlands liefern [http://www.dr-kapfer.de/index.php/download.html Kapfer (2010a, 2010b)], [https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/90005 Poschlod (2011)] und Bosshard (2016).&lt;br /&gt;
* Auch das [http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D13861.php Historische Lexikon der Schweiz] bietet zu verschiedenen Themen (Düngung, Futtermittel, Bewässerung, Wiesen, Weiden) informative Artikel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quantitativer und qualitativer Zustand und deren Veränderung==&lt;br /&gt;
Das Grünland hat sich mit den technischen Möglichkeiten in der Landwirtschaft (Mechanisierung, Düngereinsatz) und den Flurbereinigungen der letzten Jahrzehnte stark verändert worden und verändert sich immer noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Media:Tabelle Grünland Auszug Flächenbedarf.pdf|Tabelle]] gibt einen Überblick über die Ausdehnung und quantitative Veränderung der Schweizer Grünlandlebensräume. Quelle: «Guntern et al. (2013): Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz», S. 96. Weitere Grünflächen befinden sich im Siedlungsgebiet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;LN = Landwirtschaftliche Nutzfläche, SöG = Sömmerungsgebiet, BFF = Biodiversitätsförderfläche&amp;lt;/small&amp;gt; &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Lebensraum&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 10%&amp;quot;| Zeit&lt;br /&gt;
!colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Ausdehnung [ha]&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Bemerkung, Quelle&lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Wiesen und Weiden auf der LN (ohne SöG, Kunstwiesen) davon:&amp;lt;br/&amp;gt;- Extensiv genutzte BFF-Wiesen &amp;lt;br/&amp;gt;- Wenig intensiv genutzte BFF-Wiesen&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|610’732 &amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;66‘056 &amp;lt;br/&amp;gt;22‘919&lt;br /&gt;
| (BLW 2012) &amp;lt;br/&amp;gt;Wobei mit Qualität gemäss ÖQV: &amp;lt;br/&amp;gt;- Weiden, Waldweiden: 5'384 ha &amp;lt;br/&amp;gt;- Wiesen (inkl. Streuflächen): 28'864 ha&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sömmerungsgebiet &amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; (SöG)&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|505'385 (12% der CH)&lt;br /&gt;
| Gemäss (Walter et al. 2013)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Trockenwiesen und –weiden (TWW)&lt;br /&gt;
| 1900&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|760‘000 (bis 900‘000)&lt;br /&gt;
| (Eggenberg et al. 2001; Lachat et al. 2010b), Flächenverlust von 90-99% von TWW in den Regionen und 95% in der Schweiz. &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2010&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|37‘011&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Potenziell wertvolles Grasland auf der LN oder im SöG (ohne TWW, Moore Modell basierend auf der Steigung und der Höhe über Meer an den Fundorten von UZL-Ziel- und Leitarten.&lt;br /&gt;
| 2012 &amp;lt;br/&amp;gt;Total: &amp;lt;br/&amp;gt;TZ: &amp;lt;br/&amp;gt;HZ: &amp;lt;br/&amp;gt;BZI: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZIV: &amp;lt;br/&amp;gt;SöG:&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [ha] &amp;lt;br/&amp;gt;231’688 &amp;lt;br/&amp;gt;3797 &amp;lt;br/&amp;gt;354 &amp;lt;br/&amp;gt;2'023 &amp;lt;br/&amp;gt;6943 &amp;lt;br/&amp;gt;9223 &amp;lt;br/&amp;gt;10'984 &amp;lt;br/&amp;gt;198'364&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [%] &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;0.78 &amp;lt;br/&amp;gt;0.25 &amp;lt;br/&amp;gt;1.71 &amp;lt;br/&amp;gt;4.52 &amp;lt;br/&amp;gt;11.06 &amp;lt;br/&amp;gt;22.72 &amp;lt;br/&amp;gt;39.25&lt;br /&gt;
| (Walter et al. 2013) &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;TZ = Talzone &amp;lt;br/&amp;gt;HZ = Hügelzone &amp;lt;br/&amp;gt;BZ = Bergzone &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;Grünland macht nahezu 100% des SöG sowie der LN in den BZIV und BZIII aus.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Fromentalwiesen auf der LN&lt;br /&gt;
| 1950&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Abgesehen von TWW, Dauerweiden, Streuwiesen, Äckern nahezu alles&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012): genauere Angaben in Erarbeitung für Schlussbericht der laufenden Studie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|3-8%&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012), wobei davon ca. 20% mit der Artenzusammensetzung von intensiv genutzten Fromentalwiesen der 1950er Jahre und max. 5% mit guter Qualität (pers. Mitteilung A. Bosshard) &amp;lt;br/&amp;gt;-&amp;gt; Rückgang von vermutlich &amp;gt; 90% und nahezu 100% für artenreiche Bestände (Bosshard 1998)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Gemäss Arealstatistik nahm die Alpwirtschaftliche Nutzfläche von 1979/85 bis 1992/97 von 555'662 um 3.2 % auf 537'802 ha ab. Ein weiterer Rückgang wurde bis 2004/09 festgestellt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Schätzungsweise weitere Abnahme von 25-30% zw. 1995-2005 (Leibundgut 2007 zitiert in Graf &amp;amp; Korner 2011). Grössenordnungen in diesem Bereich sind im Wallis und Engadin durch Fallstudien bestätigt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Vergleich mit der Grünland-Situation in Deutschland zeigt: Ein mit der Schweiz (Tieflagen) vergleichbarer Anteil von rund 13% der Gesamtfläche (CH 14.7%) wird als landwirtschaftliches Grünland genutzt, der Grossteil davon ebenfalls intensiv (Boch et al. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Nutzung LN BFS 2018 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Wie sich die landwirtschaftliche Nutzfläche der Schweiz auf die verschiedenen Nutzungstypen aufteilt. Quelle: BFS 2018, Die Schweiz in 21 Infografiken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zeitraum von 1990 bis 2009 hat sich die Grünlandfläche in Deutschland um 875‘000 ha verringert. Zwischen 2003 und 2012 betrug der absolute Verlust des Dauergrünlands ca. 5%. In der Schweiz machen Landwirtschafts- und Alpwirtschaftsflächen zusammen mehr als einen Drittel der Gesamtfläche aus; zwischen 1985 und 2009 sind 85‘000 ha davon verlorengegangen, was der Grösse des Kantons Jura entspricht (BFS 2018). Die Fromentalwiesen, bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts der häufigste und zugleich produktivste Wiesentyp auf den guten Böden der tieferen Lagen Mitteleuropas, sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden. Damit einher ging eine qualitative Verschlechterung: ein Vergleich zwischen 1950 und 2009 zeigt, dass die damalig «intensiv» genutzten Wiesen in der Regel QII-Qualität hatten, heute hingegen in den noch vorhandenen Fromental-Vergleichswiesen nur noch ein Drittel diese Qualitätsanforderung erreicht («Fromentalwiesenprojekt», Bosshard 2016). Unter den besonders wertvollen Lebensräumen ging die Fläche der Trockenwiesen und -weiden zwischen 1900 und 2010 um 95% zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Zuerich Umweltbericht zg.png&lt;br /&gt;
| text =  Abnahme artenreicher Wiesen im Kanton Zürich. Quelle: Baudirektion Kanton Zürich (2008), Umweltbericht 2008.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schweizer Berggebiet nahm die Entwicklung des Futterbaus und der Wiesen und Weiden einen anderen Weg als im Mittelland: Erschwernislagen (steile oder schlecht erschlossene, meist mit vielen Kleinstrukturen durchsetzte Flächen) wurden zunehmend in Weiden umgenutzt oder ganz aus der Nutzung entlassen und ein Grossteil davon ist in der Folge verbuscht und verwaldet. Insgesamt hat die Waldfläche in den vergangenen 150 Jahren auf Kosten von Wiesen- und Weideflächen je nach Region um 30-100% zugenommen. Heute liegt der überwiegende Teil des artenreichen Wieslandes der Schweiz in solchen Erschwernislagen ab Bergzone I; besonders hoch ist dieser Anteil im Sömmerungsgebiet. Allerdings nehmen diese Flächen sowohl durch Nutzungsaufgabe als auch durch Intensivierung laufend ab (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anteil BFF mit Qualitätsstufe II steigt stetig an; das Ziel eines 40%-Anteils wurde 2017 erstmals erreicht. Der Anteil im Talgebiet ist mit 28% jedoch immer noch tief (BLW 2018). Seit 2014 werden ebenfalls Beiträge für artenreiche Grün- und Streueflächen im Sömmerungsgebiet ausgerichtet; der Anteil dieser Flächen mit Qualitätsstufe II betrug 2017 217‘496 ha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;5&amp;quot;| '''Übersicht über die Flächenanteile BFF mit QII-Qualität (in Hektaren) (Quelle: Agrarbericht BLW 2019)'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! BFF QII-Typ&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Talregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Hügelregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Bergregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Total&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Extensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 11495&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 7395&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 17411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 36301&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wenig intensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 130&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3220&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3761&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| extensiv genutzte Weiden und Waldweiden&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 1468&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 2830&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 14759&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 19057&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| artenreiche Grün- und Streuflächen im Sömmerungsgebiet&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 223509&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Entwicklung BFF Q2 2001 2016.png&lt;br /&gt;
| text = Entwicklung (in Hektaren) der angemeldeten artenreichen Wiesen und Weiden (BFF mit Qualitätsstufe II) zwischen 2001 – 2016 (Quelle: Daten BLW).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die qualitativen Veränderungen in Wiesen und Weiden betreffen das allgemeine Nährstoffniveau, welches enorm gestiegen ist und das Verschwinden des früher verbreiteten Mosaiks von unterschiedlich genutzten Flächen (Schmid et al. 2007). Weitere qualitative Veränderungen der letzten Jahrzehnte beschreibt Bosshard (2016): Die Schlagkraft hat sich vervielfacht mit früherem Schnitt, viel höherer Nutzungsfrequenz und der zeitgleichen Nutzung viel grösserer Flächen. Die Erträge sind um ca. 60-80% gestiegen. Kleinstrukturen und Kulturlandschaftselemente sind verschwunden. Die schwereren Maschinen haben eine problematische Bodenverdichtung zur Folge und insbesondere für die Fauna destruktive Ernteverfahren (Rotationsmähwerke, Futteraufbereiter, Silagetechnik) nehmen zu. Heute wird vorwiegend Güllewirtschaft (rasch verfügbare Nährstoffe) statt der früher üblichen Festmistwirtschaft betrieben und durch den Wechsel von der Dürrfutterbereitung (Heu) zur Silage liegt der Nutzungszeitpunkt des ersten Aufwuchses heute früher im Jahr, es sind mehr Nutzungen pro Jahr möglich, die Ernte verläuft rascher und die Pflanzen können weniger absamen. Meliorationen, das Zusammenlegen von Parzellen und das Verschwinden von extensiven Parzellengrenzen bewirken ebenfalls grosse Veränderungen. Ein nächster Schritt steht mit der zukünftigen Automatisierung der Bewirtschaftung bevor. Anschaulich illustriert [https://www.pronatura.ch/de/wiesen-und-weiden Pro Natura anhand von Beispielen] die Entwicklung ehemals artenreicher Wiesen in artenarme Fettwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologischen Auswirkungen der oben beschriebenen Veränderungen sind mannigfaltig: beispielsweise führt die Intensivierung der Graslandkultivierung und die früheren Schnittzeitpunkte zu einer Abnahme der Samenbank im Boden (Klimkowska et al. 2007). Die früheren Schnittzeitpunkte führen zur Überlappung mit der Brutsaison bodenbrütender Vögel; durch Mahd werden die Nester mechanisch zerstört oder sind für Prädatoren nach dem Schnitt leichter zugänglich oder die Futterverfügbarkeit wird während einer kritischen Phase der Nestlinge dezimiert (Britschgi et al. 2006). Einzelflächen wie auch die Gesamtfläche ökologisch wertvoller Wiesen und Weiden sind zu klein und zu stark fragmentiert. Kleine Grünlandflächen sind besonders empfindlich gegenüber negativer Randeffekte (z.B. Eindringen anderer Arten) und ökologischer Drift. Die durchschnittliche Grösse der TWW von nationaler Bedeutung beträgt heute 4.7 ha und im Sömmerungsgebiet 10.5 ha (Guntern et al. 2013): eine Wiederbesiedlung durch Tagfalter, Hummeln und Reptilien ist möglich, wenn die Flächen nicht weiter als 1-3 km voneinander entfernt sind. Charakteristische Heuschrecken und Laufkäfer dagegen überwinden selten Distanzen von über 100 m.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Nährstoffversorgung im Grünland''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stickstoff ein elementarer Baustein aller Lebewesen; Pflanzen nehmen ihn über die Wurzeln in der Form von Ammonium oder Nitrat auf. Pflanzenverfügbarer Stickstoff ist natürlicherweise in den meisten Böden Mangelware – in den letzten Jahrzehnten gelangten jedoch riesige Mengen von Stickstoffverbindungen als Mineraldünger, Gülle oder aus Verbrennungsprozessen direkt oder indirekt über die Luft in die Böden. Der natürliche atmosphärische Eintrag von biologisch aktivem Stickstoff beträgt lediglich 0.5 – 2 kg/ha. Heute gelangt durchschnittlich 16 kg/ha Stickstoff über die Luft in den Boden, was in etwa der ausgebrachten Menge für mittel intensiv genutzten Wiesen entspricht. Peter (2011) weist darauf hin, dass bei drei der vier umweltrelevanten Stickstoffformen (Ammoniak, Nitrat und Lachgas) die Landwirtschaft gesamtschweizerisch gesehen die Haupt Emittentin ist. So müssten beim Ammoniak beispielsweise die Emissionen aus der Landwirtschaft annähernd halbiert werden, damit eine substanziell schädigende Wirkung in sensiblen Ökosystemen verhindert werden könnte. Für artenreiche Wiesen (kollin und montan) liegt der kritische Eintragswert bei 10-30 kg N pro Hektar und Jahr (Guntern 2016a). Entsprechend sind bspw. 49% der Trockenwiesen von den negativen Auswirkungen des atmosphärischen Stickstoffeintrags betroffen; die kritischen Eintragswerte (critical loads) werden in vielen Lebensräumen z.T. massiv überschritten (BAFU 2017). In Wiesen führt dies zu einer Bodenversauerung, zu einer starken Abnahme der Pflanzendiversität und zur Dominanz einiger weniger Grasarten und ist mitverantwortlich für die extreme Artenverarmung im Wiesland insbesondere in den Tieflagen (Bosshard 2016). Heutige Bestände sind im Vergleich zu früher wüchsiger und dichter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Stickstoffbilanz 2015 BFS 2.png&lt;br /&gt;
| text = Die Stickstoffbilanz in den Landwirtschaftsflächen (inkl. Alpweiden) zeigt langfristig betrachtet zwar einen rückläufigen Überschuss, dennoch resultierte 2015 ein Überschuss von 60 kg/ha (1990er-Jahre &amp;gt; 80 kg/ha). Quelle: Landwirtschaft und Ernährung, Taschenstatistik BFS 2018)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Phosphor ist einer der Hauptnährstoffe der Pflanzen und wird in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt. In den letzten zehn Jahren belief sich der Phosphorüberschuss auf rund 400 t/Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = phosphorbilanz 2018 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Phosphorbilanz der Landwirtschaftsflächen. Phosphormengen, die in landwirtschaftliche Böden gelangen bzw. ihnen entzogen werden. Quelle: BFS – Umweltgesamtrechnung (2020)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im intensiv genutzten Grasland werden ausserdem steigende Zink- und Kupfereinträge beobachtet, welche aus dem Hofdünger (Gülle und Mist) bzw. aus den Futtermitteln stammen (Gubler et al. 2015). Aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität kann auch im Grünland davon ausgegangen werden, dass vielerorts das Bodenleben dadurch beeinträchtigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uz-umwelt-zustand/biodiversitaet-schweiz-zustand-entwicklung.pdf.download.pdf/UZ-1630-D_2017-06-20.pdf Zustand und Entwicklung Biodiversität Schweiz]&lt;br /&gt;
* Guntern et al. (2013): [http://www.ngzh.ch/media/pdf/Flaechenbedarf.pdf Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz]&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/boden/uz-umwelt-zustand/boden-schweiz.pdf.download.pdf/UZ-1721-D_Boden2017.pdf Boden in der Schweiz. Zustand und Entwicklung. Stand 2017] &lt;br /&gt;
* BFS (2018): [https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/publikationen/uebersichtsdarstellungen/taschenstatistik-schweiz.html Taschenstatistiken] &lt;br /&gt;
* BLW: [https://www.agrarbericht.ch/de Agrarbericht]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zustand und Entwicklung der Artengemeinschaften des Grünlands==&lt;br /&gt;
Bei einer Vergleichsuntersuchung fanden Schlup et al. (2013) im extensiv bewirtschafteten Grünland (Kammgrasweide, Fromental- und Goldhaferwiese, Halbtrockenrasen) eine höhere Artenzahl an Gefässpflanzen als im durchschnittlichen Grünland der Schweiz. Ausserdem kamen im extensiven Grünland deutlich mehr Kenn- und Charakterarten sowie gefährdete Arten vor. Spezialisiertere Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt und es findet eine Trivialisierung statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Kennarten de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Die Tabelle zeigt, wie wichtig besonders wertvolle Lebensräume für den Erhalt von vielen Tiergruppen sind. Quelle: Hotspot 18, Forum Biodiversität Schweiz 2008)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Demnach weist ein beträchtlicher Teil der Arten eine erhöhte Bindung zu Trockenwiesen und -weiden auf.&lt;br /&gt;
Lebensraumverlust und -degradierung haben auf die Biodiversität im Grünland einen negativen Einfluss, wie die folgende Darstellung aus dem Biodiversitätsmonitoring Schweiz zeigt (BAFU):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Indikatoren de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden - Index* von 0 (einheitlich) bis 100 (vielfältig), aller paarweisen Vergleiche der Stichprobenflächen, in Prozent. *Mittelwerte über einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren. Quelle: BAFU: Biodiversitäts-Monitoring Schweiz BDM 2018&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Artenvielfalt ist seit Mitte der 2000er Jahre insgesamt zurückgegangen und deutet auf eine gesamtschweizerische Vereinheitlichung der Wiesen und Weiden hin, was einem Verlust der Biodiversität gleichkommt. Jedoch ist der Verlust der Artengemeinschaften in diesen Lebensräumen schon seit mindestens einigen Jahrzehnten im Gang: In den letzten 120 Jahren hat sich die durchschnittliche Pflanzenartenvielfalt auf 81 Wiesen fast halbiert (Schlup et al. 2013). Generell wird festgestellt, dass v.a. häufig vorkommende Arten zugenommen haben, welche keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Spezialisierte Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt, was zu einer Trivialisierung der Wiesen und Weiden führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die meisten Vogelarten, welche auf Äckern, Wiesen und Weiden brüten, sind aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität im Rückgang begriffen: Der schweizerische Index der für das Kulturland typischen Brutvögel (46 UZL-Arten) hat seit 1990 um fast 30% abgenommen, der europäische Agrarvogelindex seit 1980 um über 50% (BLW 2017, Becker et al. 2014). Auch die Bergidylle ist zunehmend bedroht: ein Langzeitvergleich der Vogelwarte zeigt, dass im Engadin innerhalb von 22 Jahren der Anteil an wenig intensiv genutzten und artenreichen Wiesen von 32 auf 27% gesunken und die Brutbestände von Feldlerche, Baumpieper und Braunkehlchen um 44-61% gesunken sind (Korner et al. 2017). Den blütenbesuchenden Insekten wird durch den Rückgang des reichen Blüten- und Nektarangebots die Nahrungsgrundlage entzogen. Wesche et al. (2014) stellten bei Heuschrecken und Wanzen in Auen und Trockenwiesen innert 50 Jahren einen dramatischen Einbruch der Individuenzahlen (&amp;gt;60%) bei teils konstanten, teils zunehmenden Artenzahlen fest. Die botanische Zusammensetzung von Fromentalwiesen zeigt im Vergleich zu den 1950er Jahren eine durchschnittliche Abnahme der Artenzahl von rund 30% bei einer ebenfalls deutlichen Qualitätseinbusse (Bosshard 2015c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Monitoringprogramms ALL-EMA werden der Zustand und die Veränderung von Arten und Lebensräumen der Umweltziele Landwirtschaft in der offenen Agrarlandschaft Schweiz erfasst und die Biodiversitätsförderflächen beurteilt. Eine erste umfassende Auswertung zum Zustand der Biodiversität ist 2020 vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/monitoring-analytik/all-ema.html ALL-EMA]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/zustand/indikatoren.html Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden (BAFU)]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodiversitymonitoring.ch/index.php/de/ Biodiversitätsmonitoring Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uw-umwelt-wissen/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf.download.pdf/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf BAFU &amp;amp; BLW (2016): Umweltziele Landwirtschaft UZL.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung und Gefährdungsursachen=&lt;br /&gt;
43% der unter dem Begriff „Grünland“ zusammengefassten Lebensraumtypen gelten als gefährdet. Die wertvollsten Flächen der Trockenwiesen und -weiden sind in einem Inventar (TWW) bezeichnet - seit 1900 sind rund 95% der TWW in der Schweiz verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Gefaehrdungskat Grünland de.png&lt;br /&gt;
| text = Einstufung der 30 Lebensraumtypen des Grünlandes gemäss Roter Liste.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefährdungsursachen und wichtige Treiber sind (Delarze et al. 2015, Bosshard 2016, Becker et al. 2014):&lt;br /&gt;
* Der Verlust an Grünland-Lebensräumen durch Nutzungsaufgabe in Grenzertragslagen und nachfolgender Sukzession, durch Umwandlung von Grünland in Ackerland oder Kunstwiesen und durch den Siedlungs- und Strassenbau. Als Folge der Lebensraumverluste sind verbleibende Habitate oft zu klein und/oder von Isolation bedroht. Bis Fragmentierung und Randeffekte zum Verlust von Arten führen, kann es Jahrzehnte dauern; man spricht deshalb auch von der sogenannten Aussterbeschuld. Im Sömmerungsgebiet verschwinden mittel-wertvolle Flächen. Das aktuelle Instrument der BFF gibt im Sömmerungsgebiet keine Kriterien zur Bewirtschaftung vor. Es gibt Hinweise, dass die Kartierung der TWW nicht vollständig ist. Es besteht die Gefahr, dass wertvolle Flächen durch Intensivierung, falsche Nutzung oder Nutzungsaufgabe verloren gehen.&lt;br /&gt;
* Intensivierung, moderne oder ungeeignete Bewirtschaftung sowie Nährstoffeinträge: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die damit verbundene Intensivierung hat vielfache Auswirkungen auch auf das Grünland. Düngung und Zufütterung in der Viehhaltung haben vervielfachte Nährstoffeinträge und die Eutrophierung des Bodens zur Folge. Durch das Düngen werden viele Grünlandarten, insbesondere Kräuter, verdrängt und die Artenvielfalt nimmt in der Folge ab, weil wenige Arten dank dieser zugeführten Nährstoffe schnell wachsen, rasch Biomasse aufbauen und den Boden für den Aufwuchs anderer Pflanzen beschatten (Gerowitt et al. 2013). Die Intensivierung umfasst ausserdem die frühere Nutzung der Bestände zur Erzielung hoher Futterqualität (für die Hochleistungs-Milchkühe) und eine generell erhöhte Schlagkraft (mit schweren Maschinen), häufigere Nutzungen, den Einsatz von Pestiziden, Flurbereinigungen und Strukturverlust sowie kulturtechnische Massnahmen zur Entwässerung,  Kalkung oder Bewässerung der Flächen. Des Weiteren werden Flächen eingeebnet bzw. unter Einsatz von bspw. Forstmulchern intensiviert. Vorgegebene Schnittzeitpunkte bewirken eine Monotonisierung der Landschaft sowie ein zeitgleiches Wegfallen von Nahrungsquellen. All diese Faktoren sowie die Aufgabe bestimmter Nutzungsformen führen zu einer Vereinheitlichung der Lebensräume. &lt;br /&gt;
* Der Klimawandel stellt für den Wandel der Biodiversität und Ökosysteme einen bedeutenden Faktor dar (Guntern 2016b): insbesondere spielen der Temperaturanstieg sowie Veränderungen im hydrologischen Regime eine Rolle. Höhere Temperaturen und zunehmende Niederschlagsmengen führen bei gleichmässiger Bodendurchfeuchtung zu einer zunehmend schnelleren Wuchsleistung des Grünlands. Aus dem Biodiversitätsmonitoring ergeben sich Hinweise, dass im Mittelland bestimmte Lebensräume einerseits wärmer, andererseits auch trockener werden (BDM-Facts Nr. 4, BAFU 2012).&lt;br /&gt;
* Auch invasive, gebietsfremde Arten können auf die heimische Biodiversität nachteilig wirken. V.a. folgende Arten bereiten bisher grossflächig Probleme im extensiv genutzten Wiesland: das Einjährige Berufkraut (''Erigeron annuus''), die beiden Goldrutenarten (''Solidago canadensis'' und ''S. serotina'', v.a. im unternutzten oder spät gemähten, feuchten bis wechselfeuchten Wiesland) sowie das Schmalblättrige Kreuzkraut (''Senecio inaequidens''). Weitere Neophyten mit invasivem Ausbreitungspotenzial werden auf der Neophyten-Watch-List geführt. Die (bemerkenswerte) Resistenz gegenüber neu eingebrachten Arten scheint ein Charakteristikum des mitteleuropäischen Wieslands zu sein (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
* Je nach Lebensraumtyp und Lage des Grünlandes stellen auch Freizeitaktivitäten bzw. Erholungsnutzung Gefährdungsfaktoren dar. In Deutschland sind insbesondere auch der Anbau von Energiepflanzen (Biogasproduktion, Raps für Kraftstoffproduktion) sowie die Agrophotovoltaik mögliche Gefährdungstreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = rationelle Mahd as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Rationelle Erntemaschinen töten und verletzten viele Tiere.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgend werden einige ausgewählte Gefährdungsfaktoren näher beleuchtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Unternutzung und Nutzungsaufgabe''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine extensive Bewirtschaftung wird in Gebieten mit ungünstigen Produktionsbedingungen (Hangneigung, Bodenstruktur) immer weniger rentabel. In den letzten dreissig Jahren bewegten sich die Veränderungen in der Nutzungsform im Alpenraum stets in Richtung eines geringeren Bewirtschaftungsaufwands: von der Schnitt- zur Weidenutzung und von der Beweidung zur Verbrachung (Leitgruppe NFP 48 2007). Eine Unternutzung oder eine gänzliche Aufgabe der Bewirtschaftung führen kurzfristig zu Verbrachungserscheinungen, mittelfristig zu Verbuschung und Einwaldung. Wenn die Biomasse nicht weggeführt wird, tritt im Laufe der Jahre zunehmend Lichtmangel v.a. für die dichte, bodennahe Schicht in Form von sogenanntem Streuefilz auf. Gerade seltene und gefährdete Arten verschwinden oft zuerst und werden durch Generalisten ersetzt, bevor die Bewaldung einsetzt (Bosshard 2016). Im günstigsten Fall kann bereits nach 20 Jahren auf einer früheren Magerwiese oder -weide ein Wald stehen. In sehr magerem Wiesland führt die Nutzungsaufgabe und Verbrachung jedoch nicht zu einem Artenverlust, da die Wüchsigkeit für das Ausbilden eines Streuefilzes nicht ausreicht oder dieser rasch wieder abgebaut wird (bspw. durch Wind). Die natürliche Wiederbewaldung in Grenzertragslagen wird als Ausdruck eines grundlegenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels interpretiert, bei dem der Rückgang der Armut und die Zunahme des Wohlstands eine grosse Rolle spielen (Leitgruppe NFP 48 2007). Durch die abnehmende Verfügbarkeit von Arbeitskräften sind auch pflegerische Arbeiten der Bewirtschaftung gefährdet: damit eine möglichst langfristige Produktivität des Kulturbiotops sichergestellt werden kann, sind Pflegearbeiten wie Frühjahrssäuberung, exaktes Mähen, Abrechen des Schnittguts usw. notwendig, damit die «Saatbett-Bereitung» bzw. das Vorhandensein von Keimstellen gesichert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Steinfräsen''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Steinfräsen zerkleinern Steine und Felsen, zermalmen und brechen den Boden auf, beseitigen Kleinstrukturen und Unebenheiten im Gelände. Diese irreparable Zerstörung der natürlichen Vegetation und der Kleinstrukturvielfalt ist u.a. für den Verlust von Baumpieper und Feldlerche im jurassischen Brutgebiet mitverantwortlich. Im Jura werden seit den 1990er-Jahren Steinfräsen teilweise grossflächig eingesetzt, um die wertvollen Kleinstrukturen zu eliminieren und ganze Flächen zu planieren. Die Gesetzeslage ist kantonal unterschiedlich (SO, JU, VD nicht erlaubt, NE &amp;amp; BE teilweise erlaubt) und trotz Verbot sind unbewilligte Fälle bekannt (Apolloni et al. 2017). Steinfräsen werden auch in höheren Lagen der Alpen regelmässig eingesetzt. Sie stellen eine so grosse Gefahr für die Biodiversität dar, dass sie verboten gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Delarze et al. (2016): [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/rote-liste.html Rote Liste der Lebensräume der Schweiz]&lt;br /&gt;
* Trockenwiesen und -weiden der Schweiz (TWW) [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar, Vollzugshilfe und Merkblätter, Fallstudien]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/biotopschutz-schweiz.html Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Rechtsgrundlagen =&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983407/index.html Landwirtschaftsgesetz (LwG)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983381/index.html Landwirtschaftliche Begriffsverordnung (LBV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20130216/index.html Direktzahlungsverordnung (DZV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/oekologischer-leistungsnachweis.html Ökologischer Leistungsnachweis (ÖLN) gemäss DZV, Übersicht zu den einzelnen Artikeln]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Übersicht über die Biodiversitätsbeiträge pro BFF-Typ und Qualitätsstufe]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Weitere Ausführungen zu den BFF-Qualitätsbeiträgen (QI und QII)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html  Weitere Ausführungen zu den Vernetzungsbeiträgen]&lt;br /&gt;
* Die rechtliche Grundlage für den nationalen Schutz der Trockenwiesen und -weiden bildet das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar über die Trockenwiesen und -weiden mit den entsprechenden Verordnungen und Vollzugshilfen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Nachfolgend sind wichtige Themen aufgeführt, zu welchen (teilweise) Wissenslücken bestehen:&lt;br /&gt;
* Vorkommen und Verbreitung ökologisch wertvoller Grünlandflächen im Sömmerungsgebiet, flächendeckende Inventarisierung&lt;br /&gt;
* Wissenschaftliche Grundlagen zum Düngungsbedarf von Fromental- und Goldhaferwiesen im Hinblick auf die botanische Vielfalt fehlen, Praxisversuche sind wünschenswert.&lt;br /&gt;
* Es gibt kaum systematische Erfahrungen zum Etzen in Zusammenhang mit der Biodiversitätsförderung im artenreichen Wiesland, übergeordnete Erfolgskontrollen sind erwünscht.&lt;br /&gt;
* Phänologisch basierte Schnittzeitpunkte&lt;br /&gt;
* Einfluss von Heubläser-Einsätzen auf die Biodiversität, insbesondere die Fauna (Richner et al. 2014 beleuchten den Einfluss auf die Vegetation)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Bewirtschaftung auf die Fauna über alle Mäh- und Nachbereitungsgeräte hinweg unter vergleichbaren Bedingungen untersuchen. Verhalten der Populationen auf mehrschürigen Wiesen im Jahresverlauf.&lt;br /&gt;
* Angaben zu Ausmass und Verbreitung von Bodenverdichtungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literatur=&lt;br /&gt;
Die Publikationen zum Grünland sind äusserst umfangreich. Wir stellen Ihnen die gesamte [[Media:Dokumentation Grünland Literatur.pdf|Liste an verwendeter Literatur]] zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland=&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]|| [https://www.faunatur.ch/ faunatur]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Andreas Bosshard || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Jean-Yves Humbert || [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Heiri Schiess ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  André Stapfer ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Markus Staub || [https://www.poel.ch/ Projekte Ökologie Landwirtschaft] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Gaby Volkart || [http://www.ateliernature.ch/atena/francais.php atena]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Grundlagen&amp;diff=4723</id>
		<title>Grünland/Grundlagen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Grundlagen&amp;diff=4723"/>
				<updated>2023-03-12T14:18:53Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Informations de base]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fromentalwiese ABosshard zg 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Die Fromentalwiesen sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Sukzession und Bedeutung des Grünlands=&lt;br /&gt;
Mit wenigen Ausnahmen ist Grünland keine natürliche Vegetation - bleibt eine Nutzung aus, folgt der Verlauf der meisten Grünland-Lebensraumtypen der natürlichen Sukzession. Maag et al. (2001) zeigen die verschiedenen Sukzessionsverläufe für unterschiedliche Standorte. Dabei hat jede Stufe der Sukzession beispielsweise eines Trockenrasens bis hin zum Wald ihren ökologischen Wert; die Artenvielfalt kann durch ein Nebeneinander verschiedener Sukzessionsstadien erhöht werden (Diacon et al. 2011). Die unterschiedlichen Stadien der Verbrachung und Verbuschung weisen willkommene Rückzugsgebiete und Nahrungsreservoirs für Reptilien, Spinnen und viele Insekten dar. Insbesondere jüngere Brachen können floristisch und faunistisch äusserst wertvoll sein; langfristig ist dagegen die Artenvielfalt in Dauerbrachen gefährdet (Dipner &amp;amp; Volkart 2010). &lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Abbildung weglassen, weil nicht in guter Qualität zur Verfügung; Alternative: Foto einwachsender Wiese. In der folgenden Abbildung sind die Phasen der Verbuschung nicht mehr bewirtschafteter Halbtrockenrasen dargestellt (Quelle: Briemle et al. 1993):--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung des Grünlandes ist vielfältig und eine grosse Bandbreite von allgemeinen, nicht nur an das Grünland gebundene Ökosystemleistungen sind auch mit diesen Lebensräumen verbunden, wie produktive Erzeugnisse, genetische Ressourcen von Futterpflanzen, Bestäubungsleistungen, Erosionsvermeidung, kulturelle Leistungen, Speicherung von Kohlenstoff (Guntern et al. 2013). Ebenfalls relevant sind die mit dem Grünland verbundenen ästhetisch-landschaftlichen Aspekte bspw. im Hinblick auf die touristische Nutzung oder die Erholungsfunktion. Aus landwirtschaftlicher Sicht ist die Bedeutung des Grünlandes als Stätte der Futterproduktion zentral. Entsprechend sind Wiesen und Weiden für die landwirtschaftliche Nutzung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte „optimiert“ worden. Beispielsweise stellen die Hochleistungsrassen in der Milchwirtschaft hohe Ansprüche an den Futterwert des Grünlandes: im jüngeren Aufwuchs ist der Rohfasergehalt niedriger und die Anteile an Rohprotein und Mineralstoffen höher. Entsprechend sind der Energiegehalt und die Verdaulichkeit des Futters besser. Damit sind die Anforderungen der Hochleistungsmilchwirtschaft mit dem Erhalt des artenreichen Grünlands nicht vereinbar (Gerowitt et al. 2011); landwirtschaftlich intensiv genutzte Wiesen haben kaum einen ökologischen Wert verglichen mit artenreichem Grünland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Typologie des Grünlands=&lt;br /&gt;
Je nachdem, worauf der Fokus liegt, kann das Grünland in Unterkategorien aufgeteilt werden; man kann vegetationskundliche, ökologische oder auch futterbauliche Kriterien anwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Haber de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Haber (2014) gliedert das Grünland i.w.S. wie oben dargestellt (Abbildung leicht verändert).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl &amp;amp; Grünig (in Oppermann &amp;amp; Gujer 2003, S. 60) gliedern die artenreichen (Mäh-)Wiesen der Schweiz nach Wasser- und Nährstoffhaushalt in 19 Wiesentypen auf. Ihre tabellarische Übersicht zeigt für die jeweiligen Wiesentypen kennzeichnende Artengruppen und -kombinationen. Für den gedüngten Bereich wurde die obengenannte Systematik weiterentwickelt und [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Bosshard (2016) unterscheidet in der Folge für das gedüngte Wiesland neun Typen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard Genese de.png&lt;br /&gt;
| text = Genese und Höhenverbreitung der gedüngten Wiesentypen. &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Vereinfachter dichotomer Bestimmungsschlüssel zur Identifikation von Fromental- und Goldhaferwiesen in Bosshard (2016, S. 188).&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/SchluesselGeduengteNaturwiesen.xls Bestimmungsschlüssel für die Wiesentypen des gedüngten Naturwieslands der Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://ira.agroscope.ch/de-CH/publication/46127 Bestimmungsschlüssel für Lebensräume der offenen Kulturlandschaft] (Buholzer et al. 2015)&lt;br /&gt;
* Die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/kartierung-und-bewertung-trockenwiesen.html Kartier- und Bewertungsmethode zur Erarbeitung des Inventars der Trockenwiesen und -weiden] ist im Technischen Bericht ausgeführt (Eggenberg et al. 2001)&lt;br /&gt;
* [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/4-grnland-naturrasen-wiesen-und-weiden.html Klassifikation der Grünlandlebensräume nach Delarze et al. (2015)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Zustand und Entwicklung des Grünlands in der Schweiz=&lt;br /&gt;
==Entstehung von Grünland==&lt;br /&gt;
Grünland ist in Mitteleuropa vor 8000 Jahren durch Waldrodung zur Ackernutzung entstanden. Die anschliessend nicht mehr für den Ackerbau genutzten Flächen begrünten sich und wurden als Viehweiden genutzt. Wo Wiesland in prähistorischer Zeit vorkam, ist weitgehend ungewiss und wird in Bosshard (2016) kurz ausgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapfer (2010a, 2010b) und Bosshard (2016) beleuchten die Entstehungsgeschichte und die historische Wies- und Weidelandnutzung und stellen sie in Vergleich mit heutigen Nutzungsformen: Während vieler hundert Jahre war das Wiesland in das Produktionssystem der auf Getreidebau ausgerichteten Dreizelgenwirtschaft ausgerichtet. Der Heu- und Emdschnitt führte zusammen mit den geringen Mistgaben (rund um den Hof herum) und der historisch üblichen Frühjahrsvorweide (Etzen) zu einer langfristigen Ausmagerung der Böden mit entsprechenden Folgen für die Vegetation. Reine Mähwiesen haben sich grossflächig erst im 19. Jahrhundert entwickelt, vorher waren alle Wiesen auch beweidet (Frühjahrs- oder Herbstweide). Nach dem Etzen erfolgte der Heuschnitt später und die Wiesenpflanzen konnten ihre individuelle Entwicklung bis zur Samenreife und dem Ausstreuen der Samen vollständig abschliessen. Die heutige erste Hauptnutzung auf den Mager- und Fromentalwiesen beim Heuschnitt entsprach historisch der zweiten Nutzung. Früher orientierte man sich für den Beginn und das Ende bestimmter Bewirtschaftungsgänge an Heiligen-Tagen. Diese Orientierungszeitpunkte wurden jedoch je nach Jahresverlauf bspw. für den Mahdbeginn auch flexibel gehandhabt. Die Ernte einzelner Flächen erstreckte sich über mehrere Wochen hinweg. Das Heu der Schnittwiesen wurde auf der Fläche getrocknet, wodurch eine erfolgreiche generative Vermehrung gefördert wurde (Poschlod 2011). Im Laufe der Zeit führten neue Ernteverfahren, Bewässerungsmassnahmen und neu auch die phänologischen Veränderungen aufgrund des Klimawandels zu einem früheren ersten Schnitt von Wiesen (Guntern et al. 2013).&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungsschemata Kapfer zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Bewirtschaftungsschema der drei wichtigsten Wiesentypen der alten Dreizelgenwirtschaft. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Die ökologischen Auswirkungen und die Anwendung des Etzens (Frühjahrsvorweide) (Quelle: Bosshard 2015b)''' &amp;lt;br /&amp;gt; Etzen war bis ins 18./19. Jh. die übliche erste Nutzung von Mähwiesen. Heute wird die Vorweide dagegen vor allem im Berggebiet in den intensiver genutzten Wiesentypen noch regelmässig praktiziert. Etzen bewirkt langfristig einen Nährstoffentzug, die Wüchsigkeit einer Wiese wird vermindert und dadurch, dass kurzfristig Licht in den Bestand eingebracht wird, werden empfindlichere Pflanzen artenreicher Wiesen gefördert. Die längere bewirtschaftungsfreie Phase zwischen der Frühjahrsweide und dem nächsten Nutzungszeitpunkt durch Mahd führt zu einem deutlich schmackhafteren, gehaltvolleren (da eiweissreicheren) Heuaufwuchs, so dass Etzen auch aus futterbaulicher und wirtschaftlicher Sicht von Interesse sein dürfte. &lt;br /&gt;
Das kurze, schonende Überweiden einer Wiese im Frühjahr führt zu einem strukturierteren Pflanzenbestand, einem längerdauernden Blütenangebot und einem späteren Heuschnitt und gewisse Tierarten (Tagfalter, Heuschrecken und wiesenbrütende Vogelarten) können davon profitieren (SHL 2008). Aus praktischen Gründen (logistischer Aufwand) kommt das Etzen nur für eine Minderheit von Grünlandflächen überhaupt in Frage und ist für BFF-Flächen bspw. im Rahmen von Vernetzungsprojekten realisierbar, sofern die kantonalen Vernetzungsrichtlinien dies vorsehen und begründen.&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem historischen Blickwinkel ist die Entstehung der Artenvielfalt in Wiesen zu betrachten (Poschlod 2011): Die Artenzusammensetzung der Flachlandmähwiesen, wie sie sich in der heutigen Form präsentiert, ist wahrscheinlich erst etwa 300 Jahre alt; der namengebende Glatthafer (''Arrhenatherum elatius'') wurde erst Anfang des 18. Jahrhunderts eingeführt (d.h. ein durch Auswahl-Zucht verbesserter Ökotyp aus Südfrankreich).  Möglicherweise ist die namengebende Art der Berg-Mähwiesen, der Goldhafer (''Trisetum flavescens'') ebenfalls erst zu dieser Zeit eingeführt worden. Fast alle Pflanzenarten des Wieslandes scheinen aus der autochthonen Flora zu stammen (bspw. aus lichten Stellen von Wäldern, aus Schotterflächen der Auen, aus den Randregionen der Hochmoore etc.). Verschiedene Futterpflanzen des Wieslandes sind (gezielt oder unabsichtlich) eingeführt worden und schon früh begann der Mensch, mit gezielten Einsaaten den Ertrag zu steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungstypen Kapfer zg 1280 768.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht zur Genese der Bewirtschaftungstypen des Grünlands Mitteleuropas. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Zusammenfassende Betrachtungen und nähere Ausführungen zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Grünlands liefern [http://www.dr-kapfer.de/index.php/download.html Kapfer (2010a, 2010b)], [https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/90005 Poschlod (2011)] und Bosshard (2016).&lt;br /&gt;
* Auch das [http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D13861.php Historische Lexikon der Schweiz] bietet zu verschiedenen Themen (Düngung, Futtermittel, Bewässerung, Wiesen, Weiden) informative Artikel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quantitativer und qualitativer Zustand und deren Veränderung==&lt;br /&gt;
Das Grünland hat sich mit den technischen Möglichkeiten in der Landwirtschaft (Mechanisierung, Düngereinsatz) und den Flurbereinigungen der letzten Jahrzehnte stark verändert worden und verändert sich immer noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Media:Tabelle Grünland Auszug Flächenbedarf.pdf|Tabelle]] gibt einen Überblick über die Ausdehnung und quantitative Veränderung der Schweizer Grünlandlebensräume. Quelle: «Guntern et al. (2013): Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz», S. 96. Weitere Grünflächen befinden sich im Siedlungsgebiet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;LN = Landwirtschaftliche Nutzfläche, SöG = Sömmerungsgebiet, BFF = Biodiversitätsförderfläche&amp;lt;/small&amp;gt; &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Lebensraum&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 10%&amp;quot;| Zeit&lt;br /&gt;
!colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Ausdehnung [ha]&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Bemerkung, Quelle&lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Wiesen und Weiden auf der LN (ohne SöG, Kunstwiesen) davon:&amp;lt;br/&amp;gt;- Extensiv genutzte BFF-Wiesen &amp;lt;br/&amp;gt;- Wenig intensiv genutzte BFF-Wiesen&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|610’732 &amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;66‘056 &amp;lt;br/&amp;gt;22‘919&lt;br /&gt;
| (BLW 2012) &amp;lt;br/&amp;gt;Wobei mit Qualität gemäss ÖQV: &amp;lt;br/&amp;gt;- Weiden, Waldweiden: 5'384 ha &amp;lt;br/&amp;gt;- Wiesen (inkl. Streuflächen): 28'864 ha&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sömmerungsgebiet &amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; (SöG)&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|505'385 (12% der CH)&lt;br /&gt;
| Gemäss (Walter et al. 2013)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Trockenwiesen und –weiden (TWW)&lt;br /&gt;
| 1900&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|760‘000 (bis 900‘000)&lt;br /&gt;
| (Eggenberg et al. 2001; Lachat et al. 2010b), Flächenverlust von 90-99% von TWW in den Regionen und 95% in der Schweiz. &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2010&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|37‘011&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Potenziell wertvolles Grasland auf der LN oder im SöG (ohne TWW, Moore Modell basierend auf der Steigung und der Höhe über Meer an den Fundorten von UZL-Ziel- und Leitarten.&lt;br /&gt;
| 2012 &amp;lt;br/&amp;gt;Total: &amp;lt;br/&amp;gt;TZ: &amp;lt;br/&amp;gt;HZ: &amp;lt;br/&amp;gt;BZI: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZIV: &amp;lt;br/&amp;gt;SöG:&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [ha] &amp;lt;br/&amp;gt;231’688 &amp;lt;br/&amp;gt;3797 &amp;lt;br/&amp;gt;354 &amp;lt;br/&amp;gt;2'023 &amp;lt;br/&amp;gt;6943 &amp;lt;br/&amp;gt;9223 &amp;lt;br/&amp;gt;10'984 &amp;lt;br/&amp;gt;198'364&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [%] &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;0.78 &amp;lt;br/&amp;gt;0.25 &amp;lt;br/&amp;gt;1.71 &amp;lt;br/&amp;gt;4.52 &amp;lt;br/&amp;gt;11.06 &amp;lt;br/&amp;gt;22.72 &amp;lt;br/&amp;gt;39.25&lt;br /&gt;
| (Walter et al. 2013) &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;TZ = Talzone &amp;lt;br/&amp;gt;HZ = Hügelzone &amp;lt;br/&amp;gt;BZ = Bergzone &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;Grünland macht nahezu 100% des SöG sowie der LN in den BZIV und BZIII aus.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Fromentalwiesen auf der LN&lt;br /&gt;
| 1950&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Abgesehen von TWW, Dauerweiden, Streuwiesen, Äckern nahezu alles&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012): genauere Angaben in Erarbeitung für Schlussbericht der laufenden Studie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|3-8%&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012), wobei davon ca. 20% mit der Artenzusammensetzung von intensiv genutzten Fromentalwiesen der 1950er Jahre und max. 5% mit guter Qualität (pers. Mitteilung A. Bosshard) &amp;lt;br/&amp;gt;-&amp;gt; Rückgang von vermutlich &amp;gt; 90% und nahezu 100% für artenreiche Bestände (Bosshard 1998)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Gemäss Arealstatistik nahm die Alpwirtschaftliche Nutzfläche von 1979/85 bis 1992/97 von 555'662 um 3.2 % auf 537'802 ha ab. Ein weiterer Rückgang wurde bis 2004/09 festgestellt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Schätzungsweise weitere Abnahme von 25-30% zw. 1995-2005 (Leibundgut 2007 zitiert in Graf &amp;amp; Korner 2011). Grössenordnungen in diesem Bereich sind im Wallis und Engadin durch Fallstudien bestätigt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Vergleich mit der Grünland-Situation in Deutschland zeigt: Ein mit der Schweiz (Tieflagen) vergleichbarer Anteil von rund 13% der Gesamtfläche (CH 14.7%) wird als landwirtschaftliches Grünland genutzt, der Grossteil davon ebenfalls intensiv (Boch et al. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Nutzung LN BFS 2018 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Wie sich die landwirtschaftliche Nutzfläche der Schweiz auf die verschiedenen Nutzungstypen aufteilt. Quelle: BFS 2018, Die Schweiz in 21 Infografiken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zeitraum von 1990 bis 2009 hat sich die Grünlandfläche in Deutschland um 875‘000 ha verringert. Zwischen 2003 und 2012 betrug der absolute Verlust des Dauergrünlands ca. 5%. In der Schweiz machen Landwirtschafts- und Alpwirtschaftsflächen zusammen mehr als einen Drittel der Gesamtfläche aus; zwischen 1985 und 2009 sind 85‘000 ha davon verlorengegangen, was der Grösse des Kantons Jura entspricht (BFS 2018). Die Fromentalwiesen, bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts der häufigste und zugleich produktivste Wiesentyp auf den guten Böden der tieferen Lagen Mitteleuropas, sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden. Damit einher ging eine qualitative Verschlechterung: ein Vergleich zwischen 1950 und 2009 zeigt, dass die damalig «intensiv» genutzten Wiesen in der Regel QII-Qualität hatten, heute hingegen in den noch vorhandenen Fromental-Vergleichswiesen nur noch ein Drittel diese Qualitätsanforderung erreicht («Fromentalwiesenprojekt», Bosshard 2016). Unter den besonders wertvollen Lebensräumen ging die Fläche der Trockenwiesen und -weiden zwischen 1900 und 2010 um 95% zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Zuerich Umweltbericht zg.png&lt;br /&gt;
| text =  Abnahme artenreicher Wiesen im Kanton Zürich. Quelle: Baudirektion Kanton Zürich (2008), Umweltbericht 2008.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schweizer Berggebiet nahm die Entwicklung des Futterbaus und der Wiesen und Weiden einen anderen Weg als im Mittelland: Erschwernislagen (steile oder schlecht erschlossene, meist mit vielen Kleinstrukturen durchsetzte Flächen) wurden zunehmend in Weiden umgenutzt oder ganz aus der Nutzung entlassen und ein Grossteil davon ist in der Folge verbuscht und verwaldet. Insgesamt hat die Waldfläche in den vergangenen 150 Jahren auf Kosten von Wiesen- und Weideflächen je nach Region um 30-100% zugenommen. Heute liegt der überwiegende Teil des artenreichen Wieslandes der Schweiz in solchen Erschwernislagen ab Bergzone I; besonders hoch ist dieser Anteil im Sömmerungsgebiet. Allerdings nehmen diese Flächen sowohl durch Nutzungsaufgabe als auch durch Intensivierung laufend ab (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anteil BFF mit Qualitätsstufe II steigt stetig an; das Ziel eines 40%-Anteils wurde 2017 erstmals erreicht. Der Anteil im Talgebiet ist mit 28% jedoch immer noch tief (BLW 2018). Seit 2014 werden ebenfalls Beiträge für artenreiche Grün- und Streueflächen im Sömmerungsgebiet ausgerichtet; der Anteil dieser Flächen mit Qualitätsstufe II betrug 2017 217‘496 ha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;5&amp;quot;| '''Übersicht über die Flächenanteile BFF mit QII-Qualität (in Hektaren) (Quelle: Agrarbericht BLW 2019)'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! BFF QII-Typ&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Talregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Hügelregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Bergregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Total&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Extensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 11495&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 7395&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 17411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 36301&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wenig intensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 130&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3220&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3761&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| extensiv genutzte Weiden und Waldweiden&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 1468&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 2830&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 14759&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 19057&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| artenreiche Grün- und Streuflächen im Sömmerungsgebiet&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 223509&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Entwicklung BFF Q2 2001 2016.png&lt;br /&gt;
| text = Entwicklung (in Hektaren) der angemeldeten artenreichen Wiesen und Weiden (BFF mit Qualitätsstufe II) zwischen 2001 – 2016 (Quelle: Daten BLW).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die qualitativen Veränderungen in Wiesen und Weiden betreffen das allgemeine Nährstoffniveau, welches enorm gestiegen ist und das Verschwinden des früher verbreiteten Mosaiks von unterschiedlich genutzten Flächen (Schmid et al. 2007). Weitere qualitative Veränderungen der letzten Jahrzehnte beschreibt Bosshard (2016): Die Schlagkraft hat sich vervielfacht mit früherem Schnitt, viel höherer Nutzungsfrequenz und der zeitgleichen Nutzung viel grösserer Flächen. Die Erträge sind um ca. 60-80% gestiegen. Kleinstrukturen und Kulturlandschaftselemente sind verschwunden. Die schwereren Maschinen haben eine problematische Bodenverdichtung zur Folge und insbesondere für die Fauna destruktive Ernteverfahren (Rotationsmähwerke, Futteraufbereiter, Silagetechnik) nehmen zu. Heute wird vorwiegend Güllewirtschaft (rasch verfügbare Nährstoffe) statt der früher üblichen Festmistwirtschaft betrieben und durch den Wechsel von der Dürrfutterbereitung (Heu) zur Silage liegt der Nutzungszeitpunkt des ersten Aufwuchses heute früher im Jahr, es sind mehr Nutzungen pro Jahr möglich, die Ernte verläuft rascher und die Pflanzen können weniger absamen. Meliorationen, das Zusammenlegen von Parzellen und das Verschwinden von extensiven Parzellengrenzen bewirken ebenfalls grosse Veränderungen. Ein nächster Schritt steht mit der zukünftigen Automatisierung der Bewirtschaftung bevor. Anschaulich illustriert [https://www.pronatura.ch/de/wiesen-und-weiden Pro Natura anhand von Beispielen] die Entwicklung ehemals artenreicher Wiesen in artenarme Fettwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologischen Auswirkungen der oben beschriebenen Veränderungen sind mannigfaltig: beispielsweise führt die Intensivierung der Graslandkultivierung und die früheren Schnittzeitpunkte zu einer Abnahme der Samenbank im Boden (Klimkowska et al. 2007). Die früheren Schnittzeitpunkte führen zur Überlappung mit der Brutsaison bodenbrütender Vögel; durch Mahd werden die Nester mechanisch zerstört oder sind für Prädatoren nach dem Schnitt leichter zugänglich oder die Futterverfügbarkeit wird während einer kritischen Phase der Nestlinge dezimiert (Britschgi et al. 2006). Einzelflächen wie auch die Gesamtfläche ökologisch wertvoller Wiesen und Weiden sind zu klein und zu stark fragmentiert. Kleine Grünlandflächen sind besonders empfindlich gegenüber negativer Randeffekte (z.B. Eindringen anderer Arten) und ökologischer Drift. Die durchschnittliche Grösse der TWW von nationaler Bedeutung beträgt heute 4.7 ha und im Sömmerungsgebiet 10.5 ha (Guntern et al. 2013): eine Wiederbesiedlung durch Tagfalter, Hummeln und Reptilien ist möglich, wenn die Flächen nicht weiter als 1-3 km voneinander entfernt sind. Charakteristische Heuschrecken und Laufkäfer dagegen überwinden selten Distanzen von über 100 m.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Nährstoffversorgung im Grünland''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stickstoff ein elementarer Baustein aller Lebewesen; Pflanzen nehmen ihn über die Wurzeln in der Form von Ammonium oder Nitrat auf. Pflanzenverfügbarer Stickstoff ist natürlicherweise in den meisten Böden Mangelware – in den letzten Jahrzehnten gelangten jedoch riesige Mengen von Stickstoffverbindungen als Mineraldünger, Gülle oder aus Verbrennungsprozessen direkt oder indirekt über die Luft in die Böden. Der natürliche atmosphärische Eintrag von biologisch aktivem Stickstoff beträgt lediglich 0.5 – 2 kg/ha. Heute gelangt durchschnittlich 16 kg/ha Stickstoff über die Luft in den Boden, was in etwa der ausgebrachten Menge für mittel intensiv genutzten Wiesen entspricht. Peter (2011) weist darauf hin, dass bei drei der vier umweltrelevanten Stickstoffformen (Ammoniak, Nitrat und Lachgas) die Landwirtschaft gesamtschweizerisch gesehen die Haupt Emittentin ist. So müssten beim Ammoniak beispielsweise die Emissionen aus der Landwirtschaft annähernd halbiert werden, damit eine substanziell schädigende Wirkung in sensiblen Ökosystemen verhindert werden könnte. Für artenreiche Wiesen (kollin und montan) liegt der kritische Eintragswert bei 10-30 kg N pro Hektar und Jahr (Guntern 2016a). Entsprechend sind bspw. 49% der Trockenwiesen von den negativen Auswirkungen des atmosphärischen Stickstoffeintrags betroffen; die kritischen Eintragswerte (critical loads) werden in vielen Lebensräumen z.T. massiv überschritten (BAFU 2017). In Wiesen führt dies zu einer Bodenversauerung, zu einer starken Abnahme der Pflanzendiversität und zur Dominanz einiger weniger Grasarten und ist mitverantwortlich für die extreme Artenverarmung im Wiesland insbesondere in den Tieflagen (Bosshard 2016). Heutige Bestände sind im Vergleich zu früher wüchsiger und dichter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Stickstoffbilanz 2015 BFS 2.png&lt;br /&gt;
| text = Die Stickstoffbilanz in den Landwirtschaftsflächen (inkl. Alpweiden) zeigt langfristig betrachtet zwar einen rückläufigen Überschuss, dennoch resultierte 2015 ein Überschuss von 60 kg/ha (1990er-Jahre &amp;gt; 80 kg/ha). Quelle: Landwirtschaft und Ernährung, Taschenstatistik BFS 2018)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Phosphor ist einer der Hauptnährstoffe der Pflanzen und wird in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt. In den letzten zehn Jahren belief sich der Phosphorüberschuss auf rund 400 t/Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = phosphorbilanz 2018 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Phosphorbilanz der Landwirtschaftsflächen. Phosphormengen, die in landwirtschaftliche Böden gelangen bzw. ihnen entzogen werden. Quelle: BFS – Umweltgesamtrechnung (2020)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im intensiv genutzten Grasland werden ausserdem steigende Zink- und Kupfereinträge beobachtet, welche aus dem Hofdünger (Gülle und Mist) bzw. aus den Futtermitteln stammen (Gubler et al. 2015). Aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität kann auch im Grünland davon ausgegangen werden, dass vielerorts das Bodenleben dadurch beeinträchtigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uz-umwelt-zustand/biodiversitaet-schweiz-zustand-entwicklung.pdf.download.pdf/UZ-1630-D_2017-06-20.pdf Zustand und Entwicklung Biodiversität Schweiz]&lt;br /&gt;
* Guntern et al. (2013): [http://www.ngzh.ch/media/pdf/Flaechenbedarf.pdf Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz]&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/boden/uz-umwelt-zustand/boden-schweiz.pdf.download.pdf/UZ-1721-D_Boden2017.pdf Boden in der Schweiz. Zustand und Entwicklung. Stand 2017] &lt;br /&gt;
* BFS (2018): [https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/publikationen/uebersichtsdarstellungen/taschenstatistik-schweiz.html Taschenstatistiken] &lt;br /&gt;
* BLW: [https://www.agrarbericht.ch/de Agrarbericht]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zustand und Entwicklung der Artengemeinschaften des Grünlands==&lt;br /&gt;
Bei einer Vergleichsuntersuchung fanden Schlup et al. (2013) im extensiv bewirtschafteten Grünland (Kammgrasweide, Fromental- und Goldhaferwiese, Halbtrockenrasen) eine höhere Artenzahl an Gefässpflanzen als im durchschnittlichen Grünland der Schweiz. Ausserdem kamen im extensiven Grünland deutlich mehr Kenn- und Charakterarten sowie gefährdete Arten vor. Spezialisiertere Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt und es findet eine Trivialisierung statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Kennarten de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Die Tabelle zeigt, wie wichtig besonders wertvolle Lebensräume für den Erhalt von vielen Tiergruppen sind. Quelle: Hotspot 18, Forum Biodiversität Schweiz 2008)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Demnach weist ein beträchtlicher Teil der Arten eine erhöhte Bindung zu Trockenwiesen und -weiden auf.&lt;br /&gt;
Lebensraumverlust und -degradierung haben auf die Biodiversität im Grünland einen negativen Einfluss, wie die folgende Darstellung aus dem Biodiversitätsmonitoring Schweiz zeigt (BAFU):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Indikatoren de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden - Index* von 0 (einheitlich) bis 100 (vielfältig), aller paarweisen Vergleiche der Stichprobenflächen, in Prozent. *Mittelwerte über einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren. Quelle: BAFU: Biodiversitäts-Monitoring Schweiz BDM 2018&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Artenvielfalt ist seit Mitte der 2000er Jahre insgesamt zurückgegangen und deutet auf eine gesamtschweizerische Vereinheitlichung der Wiesen und Weiden hin, was einem Verlust der Biodiversität gleichkommt. Jedoch ist der Verlust der Artengemeinschaften in diesen Lebensräumen schon seit mindestens einigen Jahrzehnten im Gang: In den letzten 120 Jahren hat sich die durchschnittliche Pflanzenartenvielfalt auf 81 Wiesen fast halbiert (Schlup et al. 2013). Generell wird festgestellt, dass v.a. häufig vorkommende Arten zugenommen haben, welche keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Spezialisierte Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt, was zu einer Trivialisierung der Wiesen und Weiden führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die meisten Vogelarten, welche auf Äckern, Wiesen und Weiden brüten, sind aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität im Rückgang begriffen: Der schweizerische Index der für das Kulturland typischen Brutvögel (46 UZL-Arten) hat seit 1990 um fast 30% abgenommen, der europäische Agrarvogelindex seit 1980 um über 50% (BLW 2017, Becker et al. 2014). Auch die Bergidylle ist zunehmend bedroht: ein Langzeitvergleich der Vogelwarte zeigt, dass im Engadin innerhalb von 22 Jahren der Anteil an wenig intensiv genutzten und artenreichen Wiesen von 32 auf 27% gesunken und die Brutbestände von Feldlerche, Baumpieper und Braunkehlchen um 44-61% gesunken sind (Korner et al. 2017). Den blütenbesuchenden Insekten wird durch den Rückgang des reichen Blüten- und Nektarangebots die Nahrungsgrundlage entzogen. Wesche et al. (2014) stellten bei Heuschrecken und Wanzen in Auen und Trockenwiesen innert 50 Jahren einen dramatischen Einbruch der Individuenzahlen (&amp;gt;60%) bei teils konstanten, teils zunehmenden Artenzahlen fest. Die botanische Zusammensetzung von Fromentalwiesen zeigt im Vergleich zu den 1950er Jahren eine durchschnittliche Abnahme der Artenzahl von rund 30% bei einer ebenfalls deutlichen Qualitätseinbusse (Bosshard 2015c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Monitoringprogramms ALL-EMA werden der Zustand und die Veränderung von Arten und Lebensräumen der Umweltziele Landwirtschaft in der offenen Agrarlandschaft Schweiz erfasst und die Biodiversitätsförderflächen beurteilt. Eine erste umfassende Auswertung zum Zustand der Biodiversität ist 2020 vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/monitoring-analytik/all-ema.html ALL-EMA]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/zustand/indikatoren.html Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden (BAFU)]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodiversitymonitoring.ch/index.php/de/ Biodiversitätsmonitoring Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uw-umwelt-wissen/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf.download.pdf/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf BAFU &amp;amp; BLW (2016): Umweltziele Landwirtschaft UZL.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung und Gefährdungsursachen=&lt;br /&gt;
43% der unter dem Begriff „Grünland“ zusammengefassten Lebensraumtypen gelten als gefährdet. Die wertvollsten Flächen der Trockenwiesen und -weiden sind in einem Inventar (TWW) bezeichnet - seit 1900 sind rund 95% der TWW in der Schweiz verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Gefaehrdungskat Grünland de.png&lt;br /&gt;
| text = Einstufung der 30 Lebensraumtypen des Grünlandes gemäss Roter Liste.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefährdungsursachen und wichtige Treiber sind (Delarze et al. 2015, Bosshard 2016, Becker et al. 2014):&lt;br /&gt;
* Der Verlust an Grünland-Lebensräumen durch Nutzungsaufgabe in Grenzertragslagen und nachfolgender Sukzession, durch Umwandlung von Grünland in Ackerland oder Kunstwiesen und durch den Siedlungs- und Strassenbau. Als Folge der Lebensraumverluste sind verbleibende Habitate oft zu klein und/oder von Isolation bedroht. Bis Fragmentierung und Randeffekte zum Verlust von Arten führen, kann es Jahrzehnte dauern; man spricht deshalb auch von der sogenannten Aussterbeschuld. Im Sömmerungsgebiet verschwinden mittel-wertvolle Flächen. Das aktuelle Instrument der BFF gibt im Sömmerungsgebiet keine Kriterien zur Bewirtschaftung vor. Es gibt Hinweise, dass die Kartierung der TWW nicht vollständig ist. Es besteht die Gefahr, dass wertvolle Flächen durch Intensivierung, falsche Nutzung oder Nutzungsaufgabe verloren gehen.&lt;br /&gt;
* Intensivierung, moderne oder ungeeignete Bewirtschaftung sowie Nährstoffeinträge: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die damit verbundene Intensivierung hat vielfache Auswirkungen auch auf das Grünland. Düngung und Zufütterung in der Viehhaltung haben vervielfachte Nährstoffeinträge und die Eutrophierung des Bodens zur Folge. Durch das Düngen werden viele Grünlandarten, insbesondere Kräuter, verdrängt und die Artenvielfalt nimmt in der Folge ab, weil wenige Arten dank dieser zugeführten Nährstoffe schnell wachsen, rasch Biomasse aufbauen und den Boden für den Aufwuchs anderer Pflanzen beschatten (Gerowitt et al. 2013). Die Intensivierung umfasst ausserdem die frühere Nutzung der Bestände zur Erzielung hoher Futterqualität (für die Hochleistungs-Milchkühe) und eine generell erhöhte Schlagkraft (mit schweren Maschinen), häufigere Nutzungen, den Einsatz von Pestiziden, Flurbereinigungen und Strukturverlust sowie kulturtechnische Massnahmen zur Entwässerung,  Kalkung oder Bewässerung der Flächen. Des Weiteren werden Flächen eingeebnet bzw. unter Einsatz von bspw. Forstmulchern intensiviert. Vorgegebene Schnittzeitpunkte bewirken eine Monotonisierung der Landschaft sowie ein zeitgleiches Wegfallen von Nahrungsquellen. All diese Faktoren sowie die Aufgabe bestimmter Nutzungsformen führen zu einer Vereinheitlichung der Lebensräume. &lt;br /&gt;
* Der Klimawandel stellt für den Wandel der Biodiversität und Ökosysteme einen bedeutenden Faktor dar (Guntern 2016b): insbesondere spielen der Temperaturanstieg sowie Veränderungen im hydrologischen Regime eine Rolle. Höhere Temperaturen und zunehmende Niederschlagsmengen führen bei gleichmässiger Bodendurchfeuchtung zu einer zunehmend schnelleren Wuchsleistung des Grünlands. Aus dem Biodiversitätsmonitoring ergeben sich Hinweise, dass im Mittelland bestimmte Lebensräume einerseits wärmer, andererseits auch trockener werden (BDM-Facts Nr. 4, BAFU 2012).&lt;br /&gt;
* Auch invasive, gebietsfremde Arten können auf die heimische Biodiversität nachteilig wirken. V.a. folgende Arten bereiten bisher grossflächig Probleme im extensiv genutzten Wiesland: das Einjährige Berufkraut (''Erigeron annuus''), die beiden Goldrutenarten (''Solidago canadensis'' und ''S. serotina'', v.a. im unternutzten oder spät gemähten, feuchten bis wechselfeuchten Wiesland) sowie das Schmalblättrige Kreuzkraut (''Senecio inaequidens''). Weitere Neophyten mit invasivem Ausbreitungspotenzial werden auf der Neophyten-Watch-List geführt. Die (bemerkenswerte) Resistenz gegenüber neu eingebrachten Arten scheint ein Charakteristikum des mitteleuropäischen Wieslands zu sein (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
* Je nach Lebensraumtyp und Lage des Grünlandes stellen auch Freizeitaktivitäten bzw. Erholungsnutzung Gefährdungsfaktoren dar. In Deutschland sind insbesondere auch der Anbau von Energiepflanzen (Biogasproduktion, Raps für Kraftstoffproduktion) sowie die Agrophotovoltaik mögliche Gefährdungstreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = rationelle Mahd as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Rationelle Erntemaschinen töten und verletzten viele Tiere.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgend werden einige ausgewählte Gefährdungsfaktoren näher beleuchtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Unternutzung und Nutzungsaufgabe''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine extensive Bewirtschaftung wird in Gebieten mit ungünstigen Produktionsbedingungen (Hangneigung, Bodenstruktur) immer weniger rentabel. In den letzten dreissig Jahren bewegten sich die Veränderungen in der Nutzungsform im Alpenraum stets in Richtung eines geringeren Bewirtschaftungsaufwands: von der Schnitt- zur Weidenutzung und von der Beweidung zur Verbrachung (Leitgruppe NFP 48 2007). Eine Unternutzung oder eine gänzliche Aufgabe der Bewirtschaftung führen kurzfristig zu Verbrachungserscheinungen, mittelfristig zu Verbuschung und Einwaldung. Wenn die Biomasse nicht weggeführt wird, tritt im Laufe der Jahre zunehmend Lichtmangel v.a. für die dichte, bodennahe Schicht in Form von sogenanntem Streuefilz auf. Gerade seltene und gefährdete Arten verschwinden oft zuerst und werden durch Generalisten ersetzt, bevor die Bewaldung einsetzt (Bosshard 2016). Im günstigsten Fall kann bereits nach 20 Jahren auf einer früheren Magerwiese oder -weide ein Wald stehen. In sehr magerem Wiesland führt die Nutzungsaufgabe und Verbrachung jedoch nicht zu einem Artenverlust, da die Wüchsigkeit für das Ausbilden eines Streuefilzes nicht ausreicht oder dieser rasch wieder abgebaut wird (bspw. durch Wind). Die natürliche Wiederbewaldung in Grenzertragslagen wird als Ausdruck eines grundlegenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels interpretiert, bei dem der Rückgang der Armut und die Zunahme des Wohlstands eine grosse Rolle spielen (Leitgruppe NFP 48 2007). Durch die abnehmende Verfügbarkeit von Arbeitskräften sind auch pflegerische Arbeiten der Bewirtschaftung gefährdet: damit eine möglichst langfristige Produktivität des Kulturbiotops sichergestellt werden kann, sind Pflegearbeiten wie Frühjahrssäuberung, exaktes Mähen, Abrechen des Schnittguts usw. notwendig, damit die «Saatbett-Bereitung» bzw. das Vorhandensein von Keimstellen gesichert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Steinfräsen''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Steinfräsen zerkleinern Steine und Felsen, zermalmen und brechen den Boden auf, beseitigen Kleinstrukturen und Unebenheiten im Gelände. Diese irreparable Zerstörung der natürlichen Vegetation und der Kleinstrukturvielfalt ist u.a. für den Verlust von Baumpieper und Feldlerche im jurassischen Brutgebiet mitverantwortlich. Im Jura werden seit den 1990er-Jahren Steinfräsen teilweise grossflächig eingesetzt, um die wertvollen Kleinstrukturen zu eliminieren und ganze Flächen zu planieren. Die Gesetzeslage ist kantonal unterschiedlich (SO, JU, VD nicht erlaubt, NE &amp;amp; BE teilweise erlaubt) und trotz Verbot sind unbewilligte Fälle bekannt (Apolloni et al. 2017). Steinfräsen werden auch in höheren Lagen der Alpen regelmässig eingesetzt. Sie stellen eine so grosse Gefahr für die Biodiversität dar, dass sie verboten gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Delarze et al. (2016): [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/rote-liste.html Rote Liste der Lebensräume der Schweiz]&lt;br /&gt;
* Trockenwiesen und -weiden der Schweiz (TWW) [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar, Vollzugshilfe und Merkblätter, Fallstudien]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/biotopschutz-schweiz.html Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Rechtsgrundlagen =&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983407/index.html Landwirtschaftsgesetz (LwG)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983381/index.html Landwirtschaftliche Begriffsverordnung (LBV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20130216/index.html Direktzahlungsverordnung (DZV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/oekologischer-leistungsnachweis.html Ökologischer Leistungsnachweis (ÖLN) gemäss DZV, Übersicht zu den einzelnen Artikeln]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Übersicht über die Biodiversitätsbeiträge pro BFF-Typ und Qualitätsstufe]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Weitere Ausführungen zu den BFF-Qualitätsbeiträgen (QI und QII)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html  Weitere Ausführungen zu den Vernetzungsbeiträgen]&lt;br /&gt;
* Die rechtliche Grundlage für den nationalen Schutz der Trockenwiesen und -weiden bildet das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/massnahmen-zur-erhaltung-und-foerderung-der-biodiversitaet/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar über die Trockenwiesen und -weiden mit den entsprechenden Verordnungen und Vollzugshilfen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Nachfolgend sind wichtige Themen aufgeführt, zu welchen (teilweise) Wissenslücken bestehen:&lt;br /&gt;
* Vorkommen und Verbreitung ökologisch wertvoller Grünlandflächen im Sömmerungsgebiet, flächendeckende Inventarisierung&lt;br /&gt;
* Wissenschaftliche Grundlagen zum Düngungsbedarf von Fromental- und Goldhaferwiesen im Hinblick auf die botanische Vielfalt fehlen, Praxisversuche sind wünschenswert.&lt;br /&gt;
* Es gibt kaum systematische Erfahrungen zum Etzen in Zusammenhang mit der Biodiversitätsförderung im artenreichen Wiesland, übergeordnete Erfolgskontrollen sind erwünscht.&lt;br /&gt;
* Phänologisch basierte Schnittzeitpunkte&lt;br /&gt;
* Einfluss von Heubläser-Einsätzen auf die Biodiversität, insbesondere die Fauna (Richner et al. 2014 beleuchten den Einfluss auf die Vegetation)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Bewirtschaftung auf die Fauna über alle Mäh- und Nachbereitungsgeräte hinweg unter vergleichbaren Bedingungen untersuchen. Verhalten der Populationen auf mehrschürigen Wiesen im Jahresverlauf.&lt;br /&gt;
* Angaben zu Ausmass und Verbreitung von Bodenverdichtungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literatur=&lt;br /&gt;
Die Publikationen zum Grünland sind äusserst umfangreich. Wir stellen Ihnen die gesamte [[Media:Dokumentation Grünland Literatur.pdf|Liste an verwendeter Literatur]] zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland=&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]|| [https://www.faunatur.ch/ faunatur]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Andreas Bosshard || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Jean-Yves Humbert || [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Heiri Schiess ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  André Stapfer ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Markus Staub || [https://www.poel.ch/ Projekte Ökologie Landwirtschaft] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Gaby Volkart || [http://www.ateliernature.ch/atena/francais.php atena]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Grundlagen&amp;diff=4722</id>
		<title>Grünland/Grundlagen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Grundlagen&amp;diff=4722"/>
				<updated>2023-03-12T14:16:02Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Informations de base]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fromentalwiese ABosshard zg 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Die Fromentalwiesen sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Sukzession und Bedeutung des Grünlands=&lt;br /&gt;
Mit wenigen Ausnahmen ist Grünland keine natürliche Vegetation - bleibt eine Nutzung aus, folgt der Verlauf der meisten Grünland-Lebensraumtypen der natürlichen Sukzession. Maag et al. (2001) zeigen die verschiedenen Sukzessionsverläufe für unterschiedliche Standorte. Dabei hat jede Stufe der Sukzession beispielsweise eines Trockenrasens bis hin zum Wald ihren ökologischen Wert; die Artenvielfalt kann durch ein Nebeneinander verschiedener Sukzessionsstadien erhöht werden (Diacon et al. 2011). Die unterschiedlichen Stadien der Verbrachung und Verbuschung weisen willkommene Rückzugsgebiete und Nahrungsreservoirs für Reptilien, Spinnen und viele Insekten dar. Insbesondere jüngere Brachen können floristisch und faunistisch äusserst wertvoll sein; langfristig ist dagegen die Artenvielfalt in Dauerbrachen gefährdet (Dipner &amp;amp; Volkart 2010). &lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Abbildung weglassen, weil nicht in guter Qualität zur Verfügung; Alternative: Foto einwachsender Wiese. In der folgenden Abbildung sind die Phasen der Verbuschung nicht mehr bewirtschafteter Halbtrockenrasen dargestellt (Quelle: Briemle et al. 1993):--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung des Grünlandes ist vielfältig und eine grosse Bandbreite von allgemeinen, nicht nur an das Grünland gebundene Ökosystemleistungen sind auch mit diesen Lebensräumen verbunden, wie produktive Erzeugnisse, genetische Ressourcen von Futterpflanzen, Bestäubungsleistungen, Erosionsvermeidung, kulturelle Leistungen, Speicherung von Kohlenstoff (Guntern et al. 2013). Ebenfalls relevant sind die mit dem Grünland verbundenen ästhetisch-landschaftlichen Aspekte bspw. im Hinblick auf die touristische Nutzung oder die Erholungsfunktion. Aus landwirtschaftlicher Sicht ist die Bedeutung des Grünlandes als Stätte der Futterproduktion zentral. Entsprechend sind Wiesen und Weiden für die landwirtschaftliche Nutzung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte „optimiert“ worden. Beispielsweise stellen die Hochleistungsrassen in der Milchwirtschaft hohe Ansprüche an den Futterwert des Grünlandes: im jüngeren Aufwuchs ist der Rohfasergehalt niedriger und die Anteile an Rohprotein und Mineralstoffen höher. Entsprechend sind der Energiegehalt und die Verdaulichkeit des Futters besser. Damit sind die Anforderungen der Hochleistungsmilchwirtschaft mit dem Erhalt des artenreichen Grünlands nicht vereinbar (Gerowitt et al. 2011); landwirtschaftlich intensiv genutzte Wiesen haben kaum einen ökologischen Wert verglichen mit artenreichem Grünland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Typologie des Grünlands=&lt;br /&gt;
Je nachdem, worauf der Fokus liegt, kann das Grünland in Unterkategorien aufgeteilt werden; man kann vegetationskundliche, ökologische oder auch futterbauliche Kriterien anwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Haber de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Haber (2014) gliedert das Grünland i.w.S. wie oben dargestellt (Abbildung leicht verändert).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl &amp;amp; Grünig (in Oppermann &amp;amp; Gujer 2003, S. 60) gliedern die artenreichen (Mäh-)Wiesen der Schweiz nach Wasser- und Nährstoffhaushalt in 19 Wiesentypen auf. Ihre tabellarische Übersicht zeigt für die jeweiligen Wiesentypen kennzeichnende Artengruppen und -kombinationen. Für den gedüngten Bereich wurde die obengenannte Systematik weiterentwickelt und [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Bosshard (2016) unterscheidet in der Folge für das gedüngte Wiesland neun Typen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard Genese de.png&lt;br /&gt;
| text = Genese und Höhenverbreitung der gedüngten Wiesentypen. &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Vereinfachter dichotomer Bestimmungsschlüssel zur Identifikation von Fromental- und Goldhaferwiesen in Bosshard (2016, S. 188).&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/SchluesselGeduengteNaturwiesen.xls Bestimmungsschlüssel für die Wiesentypen des gedüngten Naturwieslands der Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://ira.agroscope.ch/de-CH/publication/46127 Bestimmungsschlüssel für Lebensräume der offenen Kulturlandschaft] (Buholzer et al. 2015)&lt;br /&gt;
* Die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/kartierung-und-bewertung-trockenwiesen.html Kartier- und Bewertungsmethode zur Erarbeitung des Inventars der Trockenwiesen und -weiden] ist im Technischen Bericht ausgeführt (Eggenberg et al. 2001)&lt;br /&gt;
* [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/4-grnland-naturrasen-wiesen-und-weiden.html Klassifikation der Grünlandlebensräume nach Delarze et al. (2015)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Zustand und Entwicklung des Grünlands in der Schweiz=&lt;br /&gt;
==Entstehung von Grünland==&lt;br /&gt;
Grünland ist in Mitteleuropa vor 8000 Jahren durch Waldrodung zur Ackernutzung entstanden. Die anschliessend nicht mehr für den Ackerbau genutzten Flächen begrünten sich und wurden als Viehweiden genutzt. Wo Wiesland in prähistorischer Zeit vorkam, ist weitgehend ungewiss und wird in Bosshard (2016) kurz ausgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapfer (2010a, 2010b) und Bosshard (2016) beleuchten die Entstehungsgeschichte und die historische Wies- und Weidelandnutzung und stellen sie in Vergleich mit heutigen Nutzungsformen: Während vieler hundert Jahre war das Wiesland in das Produktionssystem der auf Getreidebau ausgerichteten Dreizelgenwirtschaft ausgerichtet. Der Heu- und Emdschnitt führte zusammen mit den geringen Mistgaben (rund um den Hof herum) und der historisch üblichen Frühjahrsvorweide (Etzen) zu einer langfristigen Ausmagerung der Böden mit entsprechenden Folgen für die Vegetation. Reine Mähwiesen haben sich grossflächig erst im 19. Jahrhundert entwickelt, vorher waren alle Wiesen auch beweidet (Frühjahrs- oder Herbstweide). Nach dem Etzen erfolgte der Heuschnitt später und die Wiesenpflanzen konnten ihre individuelle Entwicklung bis zur Samenreife und dem Ausstreuen der Samen vollständig abschliessen. Die heutige erste Hauptnutzung auf den Mager- und Fromentalwiesen beim Heuschnitt entsprach historisch der zweiten Nutzung. Früher orientierte man sich für den Beginn und das Ende bestimmter Bewirtschaftungsgänge an Heiligen-Tagen. Diese Orientierungszeitpunkte wurden jedoch je nach Jahresverlauf bspw. für den Mahdbeginn auch flexibel gehandhabt. Die Ernte einzelner Flächen erstreckte sich über mehrere Wochen hinweg. Das Heu der Schnittwiesen wurde auf der Fläche getrocknet, wodurch eine erfolgreiche generative Vermehrung gefördert wurde (Poschlod 2011). Im Laufe der Zeit führten neue Ernteverfahren, Bewässerungsmassnahmen und neu auch die phänologischen Veränderungen aufgrund des Klimawandels zu einem früheren ersten Schnitt von Wiesen (Guntern et al. 2013).&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungsschemata Kapfer zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Bewirtschaftungsschema der drei wichtigsten Wiesentypen der alten Dreizelgenwirtschaft. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Die ökologischen Auswirkungen und die Anwendung des Etzens (Frühjahrsvorweide) (Quelle: Bosshard 2015b)''' &amp;lt;br /&amp;gt; Etzen war bis ins 18./19. Jh. die übliche erste Nutzung von Mähwiesen. Heute wird die Vorweide dagegen vor allem im Berggebiet in den intensiver genutzten Wiesentypen noch regelmässig praktiziert. Etzen bewirkt langfristig einen Nährstoffentzug, die Wüchsigkeit einer Wiese wird vermindert und dadurch, dass kurzfristig Licht in den Bestand eingebracht wird, werden empfindlichere Pflanzen artenreicher Wiesen gefördert. Die längere bewirtschaftungsfreie Phase zwischen der Frühjahrsweide und dem nächsten Nutzungszeitpunkt durch Mahd führt zu einem deutlich schmackhafteren, gehaltvolleren (da eiweissreicheren) Heuaufwuchs, so dass Etzen auch aus futterbaulicher und wirtschaftlicher Sicht von Interesse sein dürfte. &lt;br /&gt;
Das kurze, schonende Überweiden einer Wiese im Frühjahr führt zu einem strukturierteren Pflanzenbestand, einem längerdauernden Blütenangebot und einem späteren Heuschnitt und gewisse Tierarten (Tagfalter, Heuschrecken und wiesenbrütende Vogelarten) können davon profitieren (SHL 2008). Aus praktischen Gründen (logistischer Aufwand) kommt das Etzen nur für eine Minderheit von Grünlandflächen überhaupt in Frage und ist für BFF-Flächen bspw. im Rahmen von Vernetzungsprojekten realisierbar, sofern die kantonalen Vernetzungsrichtlinien dies vorsehen und begründen.&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem historischen Blickwinkel ist die Entstehung der Artenvielfalt in Wiesen zu betrachten (Poschlod 2011): Die Artenzusammensetzung der Flachlandmähwiesen, wie sie sich in der heutigen Form präsentiert, ist wahrscheinlich erst etwa 300 Jahre alt; der namengebende Glatthafer (''Arrhenatherum elatius'') wurde erst Anfang des 18. Jahrhunderts eingeführt (d.h. ein durch Auswahl-Zucht verbesserter Ökotyp aus Südfrankreich).  Möglicherweise ist die namengebende Art der Berg-Mähwiesen, der Goldhafer (''Trisetum flavescens'') ebenfalls erst zu dieser Zeit eingeführt worden. Fast alle Pflanzenarten des Wieslandes scheinen aus der autochthonen Flora zu stammen (bspw. aus lichten Stellen von Wäldern, aus Schotterflächen der Auen, aus den Randregionen der Hochmoore etc.). Verschiedene Futterpflanzen des Wieslandes sind (gezielt oder unabsichtlich) eingeführt worden und schon früh begann der Mensch, mit gezielten Einsaaten den Ertrag zu steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungstypen Kapfer zg 1280 768.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht zur Genese der Bewirtschaftungstypen des Grünlands Mitteleuropas. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Zusammenfassende Betrachtungen und nähere Ausführungen zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Grünlands liefern [http://www.dr-kapfer.de/index.php/download.html Kapfer (2010a, 2010b)], [https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/90005 Poschlod (2011)] und Bosshard (2016).&lt;br /&gt;
* Auch das [http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D13861.php Historische Lexikon der Schweiz] bietet zu verschiedenen Themen (Düngung, Futtermittel, Bewässerung, Wiesen, Weiden) informative Artikel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quantitativer und qualitativer Zustand und deren Veränderung==&lt;br /&gt;
Das Grünland hat sich mit den technischen Möglichkeiten in der Landwirtschaft (Mechanisierung, Düngereinsatz) und den Flurbereinigungen der letzten Jahrzehnte stark verändert worden und verändert sich immer noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Media:Tabelle Grünland Auszug Flächenbedarf.pdf|Tabelle]] gibt einen Überblick über die Ausdehnung und quantitative Veränderung der Schweizer Grünlandlebensräume. Quelle: «Guntern et al. (2013): Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz», S. 96. Weitere Grünflächen befinden sich im Siedlungsgebiet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;LN = Landwirtschaftliche Nutzfläche, SöG = Sömmerungsgebiet, BFF = Biodiversitätsförderfläche&amp;lt;/small&amp;gt; &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Lebensraum&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 10%&amp;quot;| Zeit&lt;br /&gt;
!colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Ausdehnung [ha]&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Bemerkung, Quelle&lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Wiesen und Weiden auf der LN (ohne SöG, Kunstwiesen) davon:&amp;lt;br/&amp;gt;- Extensiv genutzte BFF-Wiesen &amp;lt;br/&amp;gt;- Wenig intensiv genutzte BFF-Wiesen&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|610’732 &amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;66‘056 &amp;lt;br/&amp;gt;22‘919&lt;br /&gt;
| (BLW 2012) &amp;lt;br/&amp;gt;Wobei mit Qualität gemäss ÖQV: &amp;lt;br/&amp;gt;- Weiden, Waldweiden: 5'384 ha &amp;lt;br/&amp;gt;- Wiesen (inkl. Streuflächen): 28'864 ha&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sömmerungsgebiet &amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; (SöG)&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|505'385 (12% der CH)&lt;br /&gt;
| Gemäss (Walter et al. 2013)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Trockenwiesen und –weiden (TWW)&lt;br /&gt;
| 1900&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|760‘000 (bis 900‘000)&lt;br /&gt;
| (Eggenberg et al. 2001; Lachat et al. 2010b), Flächenverlust von 90-99% von TWW in den Regionen und 95% in der Schweiz. &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2010&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|37‘011&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Potenziell wertvolles Grasland auf der LN oder im SöG (ohne TWW, Moore Modell basierend auf der Steigung und der Höhe über Meer an den Fundorten von UZL-Ziel- und Leitarten.&lt;br /&gt;
| 2012 &amp;lt;br/&amp;gt;Total: &amp;lt;br/&amp;gt;TZ: &amp;lt;br/&amp;gt;HZ: &amp;lt;br/&amp;gt;BZI: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZIV: &amp;lt;br/&amp;gt;SöG:&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [ha] &amp;lt;br/&amp;gt;231’688 &amp;lt;br/&amp;gt;3797 &amp;lt;br/&amp;gt;354 &amp;lt;br/&amp;gt;2'023 &amp;lt;br/&amp;gt;6943 &amp;lt;br/&amp;gt;9223 &amp;lt;br/&amp;gt;10'984 &amp;lt;br/&amp;gt;198'364&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [%] &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;0.78 &amp;lt;br/&amp;gt;0.25 &amp;lt;br/&amp;gt;1.71 &amp;lt;br/&amp;gt;4.52 &amp;lt;br/&amp;gt;11.06 &amp;lt;br/&amp;gt;22.72 &amp;lt;br/&amp;gt;39.25&lt;br /&gt;
| (Walter et al. 2013) &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;TZ = Talzone &amp;lt;br/&amp;gt;HZ = Hügelzone &amp;lt;br/&amp;gt;BZ = Bergzone &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;Grünland macht nahezu 100% des SöG sowie der LN in den BZIV und BZIII aus.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Fromentalwiesen auf der LN&lt;br /&gt;
| 1950&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Abgesehen von TWW, Dauerweiden, Streuwiesen, Äckern nahezu alles&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012): genauere Angaben in Erarbeitung für Schlussbericht der laufenden Studie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|3-8%&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012), wobei davon ca. 20% mit der Artenzusammensetzung von intensiv genutzten Fromentalwiesen der 1950er Jahre und max. 5% mit guter Qualität (pers. Mitteilung A. Bosshard) &amp;lt;br/&amp;gt;-&amp;gt; Rückgang von vermutlich &amp;gt; 90% und nahezu 100% für artenreiche Bestände (Bosshard 1998)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Gemäss Arealstatistik nahm die Alpwirtschaftliche Nutzfläche von 1979/85 bis 1992/97 von 555'662 um 3.2 % auf 537'802 ha ab. Ein weiterer Rückgang wurde bis 2004/09 festgestellt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Schätzungsweise weitere Abnahme von 25-30% zw. 1995-2005 (Leibundgut 2007 zitiert in Graf &amp;amp; Korner 2011). Grössenordnungen in diesem Bereich sind im Wallis und Engadin durch Fallstudien bestätigt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Vergleich mit der Grünland-Situation in Deutschland zeigt: Ein mit der Schweiz (Tieflagen) vergleichbarer Anteil von rund 13% der Gesamtfläche (CH 14.7%) wird als landwirtschaftliches Grünland genutzt, der Grossteil davon ebenfalls intensiv (Boch et al. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Nutzung LN BFS 2018 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Wie sich die landwirtschaftliche Nutzfläche der Schweiz auf die verschiedenen Nutzungstypen aufteilt. Quelle: BFS 2018, Die Schweiz in 21 Infografiken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zeitraum von 1990 bis 2009 hat sich die Grünlandfläche in Deutschland um 875‘000 ha verringert. Zwischen 2003 und 2012 betrug der absolute Verlust des Dauergrünlands ca. 5%. In der Schweiz machen Landwirtschafts- und Alpwirtschaftsflächen zusammen mehr als einen Drittel der Gesamtfläche aus; zwischen 1985 und 2009 sind 85‘000 ha davon verlorengegangen, was der Grösse des Kantons Jura entspricht (BFS 2018). Die Fromentalwiesen, bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts der häufigste und zugleich produktivste Wiesentyp auf den guten Böden der tieferen Lagen Mitteleuropas, sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden. Damit einher ging eine qualitative Verschlechterung: ein Vergleich zwischen 1950 und 2009 zeigt, dass die damalig «intensiv» genutzten Wiesen in der Regel QII-Qualität hatten, heute hingegen in den noch vorhandenen Fromental-Vergleichswiesen nur noch ein Drittel diese Qualitätsanforderung erreicht («Fromentalwiesenprojekt», Bosshard 2016). Unter den besonders wertvollen Lebensräumen ging die Fläche der Trockenwiesen und -weiden zwischen 1900 und 2010 um 95% zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Zuerich Umweltbericht zg.png&lt;br /&gt;
| text =  Abnahme artenreicher Wiesen im Kanton Zürich. Quelle: Baudirektion Kanton Zürich (2008), Umweltbericht 2008.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schweizer Berggebiet nahm die Entwicklung des Futterbaus und der Wiesen und Weiden einen anderen Weg als im Mittelland: Erschwernislagen (steile oder schlecht erschlossene, meist mit vielen Kleinstrukturen durchsetzte Flächen) wurden zunehmend in Weiden umgenutzt oder ganz aus der Nutzung entlassen und ein Grossteil davon ist in der Folge verbuscht und verwaldet. Insgesamt hat die Waldfläche in den vergangenen 150 Jahren auf Kosten von Wiesen- und Weideflächen je nach Region um 30-100% zugenommen. Heute liegt der überwiegende Teil des artenreichen Wieslandes der Schweiz in solchen Erschwernislagen ab Bergzone I; besonders hoch ist dieser Anteil im Sömmerungsgebiet. Allerdings nehmen diese Flächen sowohl durch Nutzungsaufgabe als auch durch Intensivierung laufend ab (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anteil BFF mit Qualitätsstufe II steigt stetig an; das Ziel eines 40%-Anteils wurde 2017 erstmals erreicht. Der Anteil im Talgebiet ist mit 28% jedoch immer noch tief (BLW 2018). Seit 2014 werden ebenfalls Beiträge für artenreiche Grün- und Streueflächen im Sömmerungsgebiet ausgerichtet; der Anteil dieser Flächen mit Qualitätsstufe II betrug 2017 217‘496 ha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;5&amp;quot;| '''Übersicht über die Flächenanteile BFF mit QII-Qualität (in Hektaren) (Quelle: Agrarbericht BLW 2019)'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! BFF QII-Typ&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Talregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Hügelregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Bergregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Total&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Extensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 11495&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 7395&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 17411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 36301&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wenig intensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 130&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3220&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3761&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| extensiv genutzte Weiden und Waldweiden&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 1468&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 2830&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 14759&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 19057&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| artenreiche Grün- und Streuflächen im Sömmerungsgebiet&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 223509&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Entwicklung BFF Q2 2001 2016.png&lt;br /&gt;
| text = Entwicklung (in Hektaren) der angemeldeten artenreichen Wiesen und Weiden (BFF mit Qualitätsstufe II) zwischen 2001 – 2016 (Quelle: Daten BLW).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die qualitativen Veränderungen in Wiesen und Weiden betreffen das allgemeine Nährstoffniveau, welches enorm gestiegen ist und das Verschwinden des früher verbreiteten Mosaiks von unterschiedlich genutzten Flächen (Schmid et al. 2007). Weitere qualitative Veränderungen der letzten Jahrzehnte beschreibt Bosshard (2016): Die Schlagkraft hat sich vervielfacht mit früherem Schnitt, viel höherer Nutzungsfrequenz und der zeitgleichen Nutzung viel grösserer Flächen. Die Erträge sind um ca. 60-80% gestiegen. Kleinstrukturen und Kulturlandschaftselemente sind verschwunden. Die schwereren Maschinen haben eine problematische Bodenverdichtung zur Folge und insbesondere für die Fauna destruktive Ernteverfahren (Rotationsmähwerke, Futteraufbereiter, Silagetechnik) nehmen zu. Heute wird vorwiegend Güllewirtschaft (rasch verfügbare Nährstoffe) statt der früher üblichen Festmistwirtschaft betrieben und durch den Wechsel von der Dürrfutterbereitung (Heu) zur Silage liegt der Nutzungszeitpunkt des ersten Aufwuchses heute früher im Jahr, es sind mehr Nutzungen pro Jahr möglich, die Ernte verläuft rascher und die Pflanzen können weniger absamen. Meliorationen, das Zusammenlegen von Parzellen und das Verschwinden von extensiven Parzellengrenzen bewirken ebenfalls grosse Veränderungen. Ein nächster Schritt steht mit der zukünftigen Automatisierung der Bewirtschaftung bevor. Anschaulich illustriert [https://www.pronatura.ch/de/wiesen-und-weiden Pro Natura anhand von Beispielen] die Entwicklung ehemals artenreicher Wiesen in artenarme Fettwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologischen Auswirkungen der oben beschriebenen Veränderungen sind mannigfaltig: beispielsweise führt die Intensivierung der Graslandkultivierung und die früheren Schnittzeitpunkte zu einer Abnahme der Samenbank im Boden (Klimkowska et al. 2007). Die früheren Schnittzeitpunkte führen zur Überlappung mit der Brutsaison bodenbrütender Vögel; durch Mahd werden die Nester mechanisch zerstört oder sind für Prädatoren nach dem Schnitt leichter zugänglich oder die Futterverfügbarkeit wird während einer kritischen Phase der Nestlinge dezimiert (Britschgi et al. 2006). Einzelflächen wie auch die Gesamtfläche ökologisch wertvoller Wiesen und Weiden sind zu klein und zu stark fragmentiert. Kleine Grünlandflächen sind besonders empfindlich gegenüber negativer Randeffekte (z.B. Eindringen anderer Arten) und ökologischer Drift. Die durchschnittliche Grösse der TWW von nationaler Bedeutung beträgt heute 4.7 ha und im Sömmerungsgebiet 10.5 ha (Guntern et al. 2013): eine Wiederbesiedlung durch Tagfalter, Hummeln und Reptilien ist möglich, wenn die Flächen nicht weiter als 1-3 km voneinander entfernt sind. Charakteristische Heuschrecken und Laufkäfer dagegen überwinden selten Distanzen von über 100 m.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Nährstoffversorgung im Grünland''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stickstoff ein elementarer Baustein aller Lebewesen; Pflanzen nehmen ihn über die Wurzeln in der Form von Ammonium oder Nitrat auf. Pflanzenverfügbarer Stickstoff ist natürlicherweise in den meisten Böden Mangelware – in den letzten Jahrzehnten gelangten jedoch riesige Mengen von Stickstoffverbindungen als Mineraldünger, Gülle oder aus Verbrennungsprozessen direkt oder indirekt über die Luft in die Böden. Der natürliche atmosphärische Eintrag von biologisch aktivem Stickstoff beträgt lediglich 0.5 – 2 kg/ha. Heute gelangt durchschnittlich 16 kg/ha Stickstoff über die Luft in den Boden, was in etwa der ausgebrachten Menge für mittel intensiv genutzten Wiesen entspricht. Peter (2011) weist darauf hin, dass bei drei der vier umweltrelevanten Stickstoffformen (Ammoniak, Nitrat und Lachgas) die Landwirtschaft gesamtschweizerisch gesehen die Haupt Emittentin ist. So müssten beim Ammoniak beispielsweise die Emissionen aus der Landwirtschaft annähernd halbiert werden, damit eine substanziell schädigende Wirkung in sensiblen Ökosystemen verhindert werden könnte. Für artenreiche Wiesen (kollin und montan) liegt der kritische Eintragswert bei 10-30 kg N pro Hektar und Jahr (Guntern 2016a). Entsprechend sind bspw. 49% der Trockenwiesen von den negativen Auswirkungen des atmosphärischen Stickstoffeintrags betroffen; die kritischen Eintragswerte (critical loads) werden in vielen Lebensräumen z.T. massiv überschritten (BAFU 2017). In Wiesen führt dies zu einer Bodenversauerung, zu einer starken Abnahme der Pflanzendiversität und zur Dominanz einiger weniger Grasarten und ist mitverantwortlich für die extreme Artenverarmung im Wiesland insbesondere in den Tieflagen (Bosshard 2016). Heutige Bestände sind im Vergleich zu früher wüchsiger und dichter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Stickstoffbilanz 2015 BFS 2.png&lt;br /&gt;
| text = Die Stickstoffbilanz in den Landwirtschaftsflächen (inkl. Alpweiden) zeigt langfristig betrachtet zwar einen rückläufigen Überschuss, dennoch resultierte 2015 ein Überschuss von 60 kg/ha (1990er-Jahre &amp;gt; 80 kg/ha). Quelle: Landwirtschaft und Ernährung, Taschenstatistik BFS 2018)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Phosphor ist einer der Hauptnährstoffe der Pflanzen und wird in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt. In den letzten zehn Jahren belief sich der Phosphorüberschuss auf rund 400 t/Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = phosphorbilanz 2018 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Phosphorbilanz der Landwirtschaftsflächen. Phosphormengen, die in landwirtschaftliche Böden gelangen bzw. ihnen entzogen werden. Quelle: BFS – Umweltgesamtrechnung (2020)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im intensiv genutzten Grasland werden ausserdem steigende Zink- und Kupfereinträge beobachtet, welche aus dem Hofdünger (Gülle und Mist) bzw. aus den Futtermitteln stammen (Gubler et al. 2015). Aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität kann auch im Grünland davon ausgegangen werden, dass vielerorts das Bodenleben dadurch beeinträchtigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uz-umwelt-zustand/biodiversitaet-schweiz-zustand-entwicklung.pdf.download.pdf/UZ-1630-D_2017-06-20.pdf Zustand und Entwicklung Biodiversität Schweiz]&lt;br /&gt;
* Guntern et al. (2013): [http://www.ngzh.ch/media/pdf/Flaechenbedarf.pdf Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz]&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/boden/uz-umwelt-zustand/boden-schweiz.pdf.download.pdf/UZ-1721-D_Boden2017.pdf Boden in der Schweiz. Zustand und Entwicklung. Stand 2017] &lt;br /&gt;
* BFS (2018): [https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/publikationen/uebersichtsdarstellungen/taschenstatistik-schweiz.html Taschenstatistiken] &lt;br /&gt;
* BLW: [https://www.agrarbericht.ch/de Agrarbericht]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zustand und Entwicklung der Artengemeinschaften des Grünlands==&lt;br /&gt;
Bei einer Vergleichsuntersuchung fanden Schlup et al. (2013) im extensiv bewirtschafteten Grünland (Kammgrasweide, Fromental- und Goldhaferwiese, Halbtrockenrasen) eine höhere Artenzahl an Gefässpflanzen als im durchschnittlichen Grünland der Schweiz. Ausserdem kamen im extensiven Grünland deutlich mehr Kenn- und Charakterarten sowie gefährdete Arten vor. Spezialisiertere Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt und es findet eine Trivialisierung statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Kennarten de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Die Tabelle zeigt, wie wichtig besonders wertvolle Lebensräume für den Erhalt von vielen Tiergruppen sind. Quelle: Hotspot 18, Forum Biodiversität Schweiz 2008)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Demnach weist ein beträchtlicher Teil der Arten eine erhöhte Bindung zu Trockenwiesen und -weiden auf.&lt;br /&gt;
Lebensraumverlust und -degradierung haben auf die Biodiversität im Grünland einen negativen Einfluss, wie die folgende Darstellung aus dem Biodiversitätsmonitoring Schweiz zeigt (BAFU):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Indikatoren de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden - Index* von 0 (einheitlich) bis 100 (vielfältig), aller paarweisen Vergleiche der Stichprobenflächen, in Prozent. *Mittelwerte über einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren. Quelle: BAFU: Biodiversitäts-Monitoring Schweiz BDM 2018&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Artenvielfalt ist seit Mitte der 2000er Jahre insgesamt zurückgegangen und deutet auf eine gesamtschweizerische Vereinheitlichung der Wiesen und Weiden hin, was einem Verlust der Biodiversität gleichkommt. Jedoch ist der Verlust der Artengemeinschaften in diesen Lebensräumen schon seit mindestens einigen Jahrzehnten im Gang: In den letzten 120 Jahren hat sich die durchschnittliche Pflanzenartenvielfalt auf 81 Wiesen fast halbiert (Schlup et al. 2013). Generell wird festgestellt, dass v.a. häufig vorkommende Arten zugenommen haben, welche keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Spezialisierte Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt, was zu einer Trivialisierung der Wiesen und Weiden führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die meisten Vogelarten, welche auf Äckern, Wiesen und Weiden brüten, sind aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität im Rückgang begriffen: Der schweizerische Index der für das Kulturland typischen Brutvögel (46 UZL-Arten) hat seit 1990 um fast 30% abgenommen, der europäische Agrarvogelindex seit 1980 um über 50% (BLW 2017, Becker et al. 2014). Auch die Bergidylle ist zunehmend bedroht: ein Langzeitvergleich der Vogelwarte zeigt, dass im Engadin innerhalb von 22 Jahren der Anteil an wenig intensiv genutzten und artenreichen Wiesen von 32 auf 27% gesunken und die Brutbestände von Feldlerche, Baumpieper und Braunkehlchen um 44-61% gesunken sind (Korner et al. 2017). Den blütenbesuchenden Insekten wird durch den Rückgang des reichen Blüten- und Nektarangebots die Nahrungsgrundlage entzogen. Wesche et al. (2014) stellten bei Heuschrecken und Wanzen in Auen und Trockenwiesen innert 50 Jahren einen dramatischen Einbruch der Individuenzahlen (&amp;gt;60%) bei teils konstanten, teils zunehmenden Artenzahlen fest. Die botanische Zusammensetzung von Fromentalwiesen zeigt im Vergleich zu den 1950er Jahren eine durchschnittliche Abnahme der Artenzahl von rund 30% bei einer ebenfalls deutlichen Qualitätseinbusse (Bosshard 2015c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Monitoringprogramms ALL-EMA werden der Zustand und die Veränderung von Arten und Lebensräumen der Umweltziele Landwirtschaft in der offenen Agrarlandschaft Schweiz erfasst und die Biodiversitätsförderflächen beurteilt. Eine erste umfassende Auswertung zum Zustand der Biodiversität ist 2020 vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/monitoring-analytik/all-ema.html ALL-EMA]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/zustand/indikatoren.html Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden (BAFU)]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodiversitymonitoring.ch/index.php/de/ Biodiversitätsmonitoring Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uw-umwelt-wissen/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf.download.pdf/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf BAFU &amp;amp; BLW (2016): Umweltziele Landwirtschaft UZL.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung und Gefährdungsursachen=&lt;br /&gt;
43% der unter dem Begriff „Grünland“ zusammengefassten Lebensraumtypen gelten als gefährdet. Die wertvollsten Flächen der Trockenwiesen und -weiden sind in einem Inventar (TWW) bezeichnet - seit 1900 sind rund 95% der TWW in der Schweiz verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Gefaehrdungskat Grünland de.png&lt;br /&gt;
| text = Einstufung der 30 Lebensraumtypen des Grünlandes gemäss Roter Liste.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefährdungsursachen und wichtige Treiber sind (Delarze et al. 2015, Bosshard 2016, Becker et al. 2014):&lt;br /&gt;
* Der Verlust an Grünland-Lebensräumen durch Nutzungsaufgabe in Grenzertragslagen und nachfolgender Sukzession, durch Umwandlung von Grünland in Ackerland oder Kunstwiesen und durch den Siedlungs- und Strassenbau. Als Folge der Lebensraumverluste sind verbleibende Habitate oft zu klein und/oder von Isolation bedroht. Bis Fragmentierung und Randeffekte zum Verlust von Arten führen, kann es Jahrzehnte dauern; man spricht deshalb auch von der sogenannten Aussterbeschuld. Im Sömmerungsgebiet verschwinden mittel-wertvolle Flächen. Das aktuelle Instrument der BFF gibt im Sömmerungsgebiet keine Kriterien zur Bewirtschaftung vor. Es gibt Hinweise, dass die Kartierung der TWW nicht vollständig ist. Es besteht die Gefahr, dass wertvolle Flächen durch Intensivierung, falsche Nutzung oder Nutzungsaufgabe verloren gehen.&lt;br /&gt;
* Intensivierung, moderne oder ungeeignete Bewirtschaftung sowie Nährstoffeinträge: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die damit verbundene Intensivierung hat vielfache Auswirkungen auch auf das Grünland. Düngung und Zufütterung in der Viehhaltung haben vervielfachte Nährstoffeinträge und die Eutrophierung des Bodens zur Folge. Durch das Düngen werden viele Grünlandarten, insbesondere Kräuter, verdrängt und die Artenvielfalt nimmt in der Folge ab, weil wenige Arten dank dieser zugeführten Nährstoffe schnell wachsen, rasch Biomasse aufbauen und den Boden für den Aufwuchs anderer Pflanzen beschatten (Gerowitt et al. 2013). Die Intensivierung umfasst ausserdem die frühere Nutzung der Bestände zur Erzielung hoher Futterqualität (für die Hochleistungs-Milchkühe) und eine generell erhöhte Schlagkraft (mit schweren Maschinen), häufigere Nutzungen, den Einsatz von Pestiziden, Flurbereinigungen und Strukturverlust sowie kulturtechnische Massnahmen zur Entwässerung,  Kalkung oder Bewässerung der Flächen. Des Weiteren werden Flächen eingeebnet bzw. unter Einsatz von bspw. Forstmulchern intensiviert. Vorgegebene Schnittzeitpunkte bewirken eine Monotonisierung der Landschaft sowie ein zeitgleiches Wegfallen von Nahrungsquellen. All diese Faktoren sowie die Aufgabe bestimmter Nutzungsformen führen zu einer Vereinheitlichung der Lebensräume. &lt;br /&gt;
* Der Klimawandel stellt für den Wandel der Biodiversität und Ökosysteme einen bedeutenden Faktor dar (Guntern 2016b): insbesondere spielen der Temperaturanstieg sowie Veränderungen im hydrologischen Regime eine Rolle. Höhere Temperaturen und zunehmende Niederschlagsmengen führen bei gleichmässiger Bodendurchfeuchtung zu einer zunehmend schnelleren Wuchsleistung des Grünlands. Aus dem Biodiversitätsmonitoring ergeben sich Hinweise, dass im Mittelland bestimmte Lebensräume einerseits wärmer, andererseits auch trockener werden (BDM-Facts Nr. 4, BAFU 2012).&lt;br /&gt;
* Auch invasive, gebietsfremde Arten können auf die heimische Biodiversität nachteilig wirken. V.a. folgende Arten bereiten bisher grossflächig Probleme im extensiv genutzten Wiesland: das Einjährige Berufkraut (''Erigeron annuus''), die beiden Goldrutenarten (''Solidago canadensis'' und ''S. serotina'', v.a. im unternutzten oder spät gemähten, feuchten bis wechselfeuchten Wiesland) sowie das Schmalblättrige Kreuzkraut (''Senecio inaequidens''). Weitere Neophyten mit invasivem Ausbreitungspotenzial werden auf der Neophyten-Watch-List geführt. Die (bemerkenswerte) Resistenz gegenüber neu eingebrachten Arten scheint ein Charakteristikum des mitteleuropäischen Wieslands zu sein (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
* Je nach Lebensraumtyp und Lage des Grünlandes stellen auch Freizeitaktivitäten bzw. Erholungsnutzung Gefährdungsfaktoren dar. In Deutschland sind insbesondere auch der Anbau von Energiepflanzen (Biogasproduktion, Raps für Kraftstoffproduktion) sowie die Agrophotovoltaik mögliche Gefährdungstreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = rationelle Mahd as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Rationelle Erntemaschinen töten und verletzten viele Tiere.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgend werden einige ausgewählte Gefährdungsfaktoren näher beleuchtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Unternutzung und Nutzungsaufgabe''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine extensive Bewirtschaftung wird in Gebieten mit ungünstigen Produktionsbedingungen (Hangneigung, Bodenstruktur) immer weniger rentabel. In den letzten dreissig Jahren bewegten sich die Veränderungen in der Nutzungsform im Alpenraum stets in Richtung eines geringeren Bewirtschaftungsaufwands: von der Schnitt- zur Weidenutzung und von der Beweidung zur Verbrachung (Leitgruppe NFP 48 2007). Eine Unternutzung oder eine gänzliche Aufgabe der Bewirtschaftung führen kurzfristig zu Verbrachungserscheinungen, mittelfristig zu Verbuschung und Einwaldung. Wenn die Biomasse nicht weggeführt wird, tritt im Laufe der Jahre zunehmend Lichtmangel v.a. für die dichte, bodennahe Schicht in Form von sogenanntem Streuefilz auf. Gerade seltene und gefährdete Arten verschwinden oft zuerst und werden durch Generalisten ersetzt, bevor die Bewaldung einsetzt (Bosshard 2016). Im günstigsten Fall kann bereits nach 20 Jahren auf einer früheren Magerwiese oder -weide ein Wald stehen. In sehr magerem Wiesland führt die Nutzungsaufgabe und Verbrachung jedoch nicht zu einem Artenverlust, da die Wüchsigkeit für das Ausbilden eines Streuefilzes nicht ausreicht oder dieser rasch wieder abgebaut wird (bspw. durch Wind). Die natürliche Wiederbewaldung in Grenzertragslagen wird als Ausdruck eines grundlegenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels interpretiert, bei dem der Rückgang der Armut und die Zunahme des Wohlstands eine grosse Rolle spielen (Leitgruppe NFP 48 2007). Durch die abnehmende Verfügbarkeit von Arbeitskräften sind auch pflegerische Arbeiten der Bewirtschaftung gefährdet: damit eine möglichst langfristige Produktivität des Kulturbiotops sichergestellt werden kann, sind Pflegearbeiten wie Frühjahrssäuberung, exaktes Mähen, Abrechen des Schnittguts usw. notwendig, damit die «Saatbett-Bereitung» bzw. das Vorhandensein von Keimstellen gesichert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Steinfräsen''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Steinfräsen zerkleinern Steine und Felsen, zermalmen und brechen den Boden auf, beseitigen Kleinstrukturen und Unebenheiten im Gelände. Diese irreparable Zerstörung der natürlichen Vegetation und der Kleinstrukturvielfalt ist u.a. für den Verlust von Baumpieper und Feldlerche im jurassischen Brutgebiet mitverantwortlich. Im Jura werden seit den 1990er-Jahren Steinfräsen teilweise grossflächig eingesetzt, um die wertvollen Kleinstrukturen zu eliminieren und ganze Flächen zu planieren. Die Gesetzeslage ist kantonal unterschiedlich (SO, JU, VD nicht erlaubt, NE &amp;amp; BE teilweise erlaubt) und trotz Verbot sind unbewilligte Fälle bekannt (Apolloni et al. 2017). Steinfräsen werden auch in höheren Lagen der Alpen regelmässig eingesetzt. Sie stellen eine so grosse Gefahr für die Biodiversität dar, dass sie verboten gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Delarze et al. (2016): [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/rote-liste.html Rote Liste der Lebensräume der Schweiz]&lt;br /&gt;
* Trockenwiesen und -weiden der Schweiz (TWW) [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar, Vollzugshilfe und Merkblätter, Fallstudien]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/biotopschutz-schweiz.html Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Rechtsgrundlagen =&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983407/index.html Landwirtschaftsgesetz (LwG)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983381/index.html Landwirtschaftliche Begriffsverordnung (LBV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20130216/index.html Direktzahlungsverordnung (DZV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/oekologischer-leistungsnachweis.html Ökologischer Leistungsnachweis (ÖLN) gemäss DZV, Übersicht zu den einzelnen Artikeln]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Übersicht über die Biodiversitätsbeiträge pro BFF-Typ und Qualitätsstufe]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Weitere Ausführungen zu den BFF-Qualitätsbeiträgen (QI und QII)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege/vernetzungsbeitrag.html Weitere Ausführungen zu den Vernetzungsbeiträgen]&lt;br /&gt;
* Die rechtliche Grundlage für den nationalen Schutz der Trockenwiesen und -weiden bildet das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/massnahmen-zur-erhaltung-und-foerderung-der-biodiversitaet/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar über die Trockenwiesen und -weiden mit den entsprechenden Verordnungen und Vollzugshilfen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Nachfolgend sind wichtige Themen aufgeführt, zu welchen (teilweise) Wissenslücken bestehen:&lt;br /&gt;
* Vorkommen und Verbreitung ökologisch wertvoller Grünlandflächen im Sömmerungsgebiet, flächendeckende Inventarisierung&lt;br /&gt;
* Wissenschaftliche Grundlagen zum Düngungsbedarf von Fromental- und Goldhaferwiesen im Hinblick auf die botanische Vielfalt fehlen, Praxisversuche sind wünschenswert.&lt;br /&gt;
* Es gibt kaum systematische Erfahrungen zum Etzen in Zusammenhang mit der Biodiversitätsförderung im artenreichen Wiesland, übergeordnete Erfolgskontrollen sind erwünscht.&lt;br /&gt;
* Phänologisch basierte Schnittzeitpunkte&lt;br /&gt;
* Einfluss von Heubläser-Einsätzen auf die Biodiversität, insbesondere die Fauna (Richner et al. 2014 beleuchten den Einfluss auf die Vegetation)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Bewirtschaftung auf die Fauna über alle Mäh- und Nachbereitungsgeräte hinweg unter vergleichbaren Bedingungen untersuchen. Verhalten der Populationen auf mehrschürigen Wiesen im Jahresverlauf.&lt;br /&gt;
* Angaben zu Ausmass und Verbreitung von Bodenverdichtungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literatur=&lt;br /&gt;
Die Publikationen zum Grünland sind äusserst umfangreich. Wir stellen Ihnen die gesamte [[Media:Dokumentation Grünland Literatur.pdf|Liste an verwendeter Literatur]] zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland=&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]|| [https://www.faunatur.ch/ faunatur]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Andreas Bosshard || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Jean-Yves Humbert || [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Heiri Schiess ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  André Stapfer ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Markus Staub || [https://www.poel.ch/ Projekte Ökologie Landwirtschaft] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Gaby Volkart || [http://www.ateliernature.ch/atena/francais.php atena]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Grundlagen&amp;diff=4721</id>
		<title>Grünland/Grundlagen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Grundlagen&amp;diff=4721"/>
				<updated>2023-03-12T14:10:49Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Informations de base]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fromentalwiese ABosshard zg 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Die Fromentalwiesen sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Sukzession und Bedeutung des Grünlands=&lt;br /&gt;
Mit wenigen Ausnahmen ist Grünland keine natürliche Vegetation - bleibt eine Nutzung aus, folgt der Verlauf der meisten Grünland-Lebensraumtypen der natürlichen Sukzession. Maag et al. (2001) zeigen die verschiedenen Sukzessionsverläufe für unterschiedliche Standorte. Dabei hat jede Stufe der Sukzession beispielsweise eines Trockenrasens bis hin zum Wald ihren ökologischen Wert; die Artenvielfalt kann durch ein Nebeneinander verschiedener Sukzessionsstadien erhöht werden (Diacon et al. 2011). Die unterschiedlichen Stadien der Verbrachung und Verbuschung weisen willkommene Rückzugsgebiete und Nahrungsreservoirs für Reptilien, Spinnen und viele Insekten dar. Insbesondere jüngere Brachen können floristisch und faunistisch äusserst wertvoll sein; langfristig ist dagegen die Artenvielfalt in Dauerbrachen gefährdet (Dipner &amp;amp; Volkart 2010). &lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Abbildung weglassen, weil nicht in guter Qualität zur Verfügung; Alternative: Foto einwachsender Wiese. In der folgenden Abbildung sind die Phasen der Verbuschung nicht mehr bewirtschafteter Halbtrockenrasen dargestellt (Quelle: Briemle et al. 1993):--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung des Grünlandes ist vielfältig und eine grosse Bandbreite von allgemeinen, nicht nur an das Grünland gebundene Ökosystemleistungen sind auch mit diesen Lebensräumen verbunden, wie produktive Erzeugnisse, genetische Ressourcen von Futterpflanzen, Bestäubungsleistungen, Erosionsvermeidung, kulturelle Leistungen, Speicherung von Kohlenstoff (Guntern et al. 2013). Ebenfalls relevant sind die mit dem Grünland verbundenen ästhetisch-landschaftlichen Aspekte bspw. im Hinblick auf die touristische Nutzung oder die Erholungsfunktion. Aus landwirtschaftlicher Sicht ist die Bedeutung des Grünlandes als Stätte der Futterproduktion zentral. Entsprechend sind Wiesen und Weiden für die landwirtschaftliche Nutzung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte „optimiert“ worden. Beispielsweise stellen die Hochleistungsrassen in der Milchwirtschaft hohe Ansprüche an den Futterwert des Grünlandes: im jüngeren Aufwuchs ist der Rohfasergehalt niedriger und die Anteile an Rohprotein und Mineralstoffen höher. Entsprechend sind der Energiegehalt und die Verdaulichkeit des Futters besser. Damit sind die Anforderungen der Hochleistungsmilchwirtschaft mit dem Erhalt des artenreichen Grünlands nicht vereinbar (Gerowitt et al. 2011); landwirtschaftlich intensiv genutzte Wiesen haben kaum einen ökologischen Wert verglichen mit artenreichem Grünland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Typologie des Grünlands=&lt;br /&gt;
Je nachdem, worauf der Fokus liegt, kann das Grünland in Unterkategorien aufgeteilt werden; man kann vegetationskundliche, ökologische oder auch futterbauliche Kriterien anwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Haber de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Haber (2014) gliedert das Grünland i.w.S. wie oben dargestellt (Abbildung leicht verändert).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl &amp;amp; Grünig (in Oppermann &amp;amp; Gujer 2003, S. 60) gliedern die artenreichen (Mäh-)Wiesen der Schweiz nach Wasser- und Nährstoffhaushalt in 19 Wiesentypen auf. Ihre tabellarische Übersicht zeigt für die jeweiligen Wiesentypen kennzeichnende Artengruppen und -kombinationen. Für den gedüngten Bereich wurde die obengenannte Systematik weiterentwickelt und [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Bosshard (2016) unterscheidet in der Folge für das gedüngte Wiesland neun Typen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard Genese de.png&lt;br /&gt;
| text = Genese und Höhenverbreitung der gedüngten Wiesentypen. &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Vereinfachter dichotomer Bestimmungsschlüssel zur Identifikation von Fromental- und Goldhaferwiesen in Bosshard (2016, S. 188).&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/SchluesselGeduengteNaturwiesen.xls Bestimmungsschlüssel für die Wiesentypen des gedüngten Naturwieslands der Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://ira.agroscope.ch/de-CH/publication/46127 Bestimmungsschlüssel für Lebensräume der offenen Kulturlandschaft] (Buholzer et al. 2015)&lt;br /&gt;
* Die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/kartierung-und-bewertung-trockenwiesen.html Kartier- und Bewertungsmethode zur Erarbeitung des Inventars der Trockenwiesen und -weiden] ist im Technischen Bericht ausgeführt (Eggenberg et al. 2001)&lt;br /&gt;
* [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/4-grnland-naturrasen-wiesen-und-weiden.html Klassifikation der Grünlandlebensräume nach Delarze et al. (2015)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Zustand und Entwicklung des Grünlands in der Schweiz=&lt;br /&gt;
==Entstehung von Grünland==&lt;br /&gt;
Grünland ist in Mitteleuropa vor 8000 Jahren durch Waldrodung zur Ackernutzung entstanden. Die anschliessend nicht mehr für den Ackerbau genutzten Flächen begrünten sich und wurden als Viehweiden genutzt. Wo Wiesland in prähistorischer Zeit vorkam, ist weitgehend ungewiss und wird in Bosshard (2016) kurz ausgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapfer (2010a, 2010b) und Bosshard (2016) beleuchten die Entstehungsgeschichte und die historische Wies- und Weidelandnutzung und stellen sie in Vergleich mit heutigen Nutzungsformen: Während vieler hundert Jahre war das Wiesland in das Produktionssystem der auf Getreidebau ausgerichteten Dreizelgenwirtschaft ausgerichtet. Der Heu- und Emdschnitt führte zusammen mit den geringen Mistgaben (rund um den Hof herum) und der historisch üblichen Frühjahrsvorweide (Etzen) zu einer langfristigen Ausmagerung der Böden mit entsprechenden Folgen für die Vegetation. Reine Mähwiesen haben sich grossflächig erst im 19. Jahrhundert entwickelt, vorher waren alle Wiesen auch beweidet (Frühjahrs- oder Herbstweide). Nach dem Etzen erfolgte der Heuschnitt später und die Wiesenpflanzen konnten ihre individuelle Entwicklung bis zur Samenreife und dem Ausstreuen der Samen vollständig abschliessen. Die heutige erste Hauptnutzung auf den Mager- und Fromentalwiesen beim Heuschnitt entsprach historisch der zweiten Nutzung. Früher orientierte man sich für den Beginn und das Ende bestimmter Bewirtschaftungsgänge an Heiligen-Tagen. Diese Orientierungszeitpunkte wurden jedoch je nach Jahresverlauf bspw. für den Mahdbeginn auch flexibel gehandhabt. Die Ernte einzelner Flächen erstreckte sich über mehrere Wochen hinweg. Das Heu der Schnittwiesen wurde auf der Fläche getrocknet, wodurch eine erfolgreiche generative Vermehrung gefördert wurde (Poschlod 2011). Im Laufe der Zeit führten neue Ernteverfahren, Bewässerungsmassnahmen und neu auch die phänologischen Veränderungen aufgrund des Klimawandels zu einem früheren ersten Schnitt von Wiesen (Guntern et al. 2013).&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungsschemata Kapfer zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Bewirtschaftungsschema der drei wichtigsten Wiesentypen der alten Dreizelgenwirtschaft. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Die ökologischen Auswirkungen und die Anwendung des Etzens (Frühjahrsvorweide) (Quelle: Bosshard 2015b)''' &amp;lt;br /&amp;gt; Etzen war bis ins 18./19. Jh. die übliche erste Nutzung von Mähwiesen. Heute wird die Vorweide dagegen vor allem im Berggebiet in den intensiver genutzten Wiesentypen noch regelmässig praktiziert. Etzen bewirkt langfristig einen Nährstoffentzug, die Wüchsigkeit einer Wiese wird vermindert und dadurch, dass kurzfristig Licht in den Bestand eingebracht wird, werden empfindlichere Pflanzen artenreicher Wiesen gefördert. Die längere bewirtschaftungsfreie Phase zwischen der Frühjahrsweide und dem nächsten Nutzungszeitpunkt durch Mahd führt zu einem deutlich schmackhafteren, gehaltvolleren (da eiweissreicheren) Heuaufwuchs, so dass Etzen auch aus futterbaulicher und wirtschaftlicher Sicht von Interesse sein dürfte. &lt;br /&gt;
Das kurze, schonende Überweiden einer Wiese im Frühjahr führt zu einem strukturierteren Pflanzenbestand, einem längerdauernden Blütenangebot und einem späteren Heuschnitt und gewisse Tierarten (Tagfalter, Heuschrecken und wiesenbrütende Vogelarten) können davon profitieren (SHL 2008). Aus praktischen Gründen (logistischer Aufwand) kommt das Etzen nur für eine Minderheit von Grünlandflächen überhaupt in Frage und ist für BFF-Flächen bspw. im Rahmen von Vernetzungsprojekten realisierbar, sofern die kantonalen Vernetzungsrichtlinien dies vorsehen und begründen.&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem historischen Blickwinkel ist die Entstehung der Artenvielfalt in Wiesen zu betrachten (Poschlod 2011): Die Artenzusammensetzung der Flachlandmähwiesen, wie sie sich in der heutigen Form präsentiert, ist wahrscheinlich erst etwa 300 Jahre alt; der namengebende Glatthafer (''Arrhenatherum elatius'') wurde erst Anfang des 18. Jahrhunderts eingeführt (d.h. ein durch Auswahl-Zucht verbesserter Ökotyp aus Südfrankreich).  Möglicherweise ist die namengebende Art der Berg-Mähwiesen, der Goldhafer (''Trisetum flavescens'') ebenfalls erst zu dieser Zeit eingeführt worden. Fast alle Pflanzenarten des Wieslandes scheinen aus der autochthonen Flora zu stammen (bspw. aus lichten Stellen von Wäldern, aus Schotterflächen der Auen, aus den Randregionen der Hochmoore etc.). Verschiedene Futterpflanzen des Wieslandes sind (gezielt oder unabsichtlich) eingeführt worden und schon früh begann der Mensch, mit gezielten Einsaaten den Ertrag zu steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungstypen Kapfer zg 1280 768.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht zur Genese der Bewirtschaftungstypen des Grünlands Mitteleuropas. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Zusammenfassende Betrachtungen und nähere Ausführungen zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Grünlands liefern [http://www.dr-kapfer.de/index.php/download.html Kapfer (2010a, 2010b)], [https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/90005 Poschlod (2011)] und Bosshard (2016).&lt;br /&gt;
* Auch das [http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D13861.php Historische Lexikon der Schweiz] bietet zu verschiedenen Themen (Düngung, Futtermittel, Bewässerung, Wiesen, Weiden) informative Artikel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quantitativer und qualitativer Zustand und deren Veränderung==&lt;br /&gt;
Das Grünland hat sich mit den technischen Möglichkeiten in der Landwirtschaft (Mechanisierung, Düngereinsatz) und den Flurbereinigungen der letzten Jahrzehnte stark verändert worden und verändert sich immer noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Media:Tabelle Grünland Auszug Flächenbedarf.pdf|Tabelle]] gibt einen Überblick über die Ausdehnung und quantitative Veränderung der Schweizer Grünlandlebensräume. Quelle: «Guntern et al. (2013): Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz», S. 96. Weitere Grünflächen befinden sich im Siedlungsgebiet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;LN = Landwirtschaftliche Nutzfläche, SöG = Sömmerungsgebiet, BFF = Biodiversitätsförderfläche&amp;lt;/small&amp;gt; &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Lebensraum&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 10%&amp;quot;| Zeit&lt;br /&gt;
!colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Ausdehnung [ha]&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Bemerkung, Quelle&lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Wiesen und Weiden auf der LN (ohne SöG, Kunstwiesen) davon:&amp;lt;br/&amp;gt;- Extensiv genutzte BFF-Wiesen &amp;lt;br/&amp;gt;- Wenig intensiv genutzte BFF-Wiesen&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|610’732 &amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;66‘056 &amp;lt;br/&amp;gt;22‘919&lt;br /&gt;
| (BLW 2012) &amp;lt;br/&amp;gt;Wobei mit Qualität gemäss ÖQV: &amp;lt;br/&amp;gt;- Weiden, Waldweiden: 5'384 ha &amp;lt;br/&amp;gt;- Wiesen (inkl. Streuflächen): 28'864 ha&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sömmerungsgebiet &amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; (SöG)&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|505'385 (12% der CH)&lt;br /&gt;
| Gemäss (Walter et al. 2013)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Trockenwiesen und –weiden (TWW)&lt;br /&gt;
| 1900&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|760‘000 (bis 900‘000)&lt;br /&gt;
| (Eggenberg et al. 2001; Lachat et al. 2010b), Flächenverlust von 90-99% von TWW in den Regionen und 95% in der Schweiz. &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2010&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|37‘011&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Potenziell wertvolles Grasland auf der LN oder im SöG (ohne TWW, Moore Modell basierend auf der Steigung und der Höhe über Meer an den Fundorten von UZL-Ziel- und Leitarten.&lt;br /&gt;
| 2012 &amp;lt;br/&amp;gt;Total: &amp;lt;br/&amp;gt;TZ: &amp;lt;br/&amp;gt;HZ: &amp;lt;br/&amp;gt;BZI: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZIV: &amp;lt;br/&amp;gt;SöG:&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [ha] &amp;lt;br/&amp;gt;231’688 &amp;lt;br/&amp;gt;3797 &amp;lt;br/&amp;gt;354 &amp;lt;br/&amp;gt;2'023 &amp;lt;br/&amp;gt;6943 &amp;lt;br/&amp;gt;9223 &amp;lt;br/&amp;gt;10'984 &amp;lt;br/&amp;gt;198'364&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [%] &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;0.78 &amp;lt;br/&amp;gt;0.25 &amp;lt;br/&amp;gt;1.71 &amp;lt;br/&amp;gt;4.52 &amp;lt;br/&amp;gt;11.06 &amp;lt;br/&amp;gt;22.72 &amp;lt;br/&amp;gt;39.25&lt;br /&gt;
| (Walter et al. 2013) &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;TZ = Talzone &amp;lt;br/&amp;gt;HZ = Hügelzone &amp;lt;br/&amp;gt;BZ = Bergzone &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;Grünland macht nahezu 100% des SöG sowie der LN in den BZIV und BZIII aus.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Fromentalwiesen auf der LN&lt;br /&gt;
| 1950&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Abgesehen von TWW, Dauerweiden, Streuwiesen, Äckern nahezu alles&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012): genauere Angaben in Erarbeitung für Schlussbericht der laufenden Studie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|3-8%&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012), wobei davon ca. 20% mit der Artenzusammensetzung von intensiv genutzten Fromentalwiesen der 1950er Jahre und max. 5% mit guter Qualität (pers. Mitteilung A. Bosshard) &amp;lt;br/&amp;gt;-&amp;gt; Rückgang von vermutlich &amp;gt; 90% und nahezu 100% für artenreiche Bestände (Bosshard 1998)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Gemäss Arealstatistik nahm die Alpwirtschaftliche Nutzfläche von 1979/85 bis 1992/97 von 555'662 um 3.2 % auf 537'802 ha ab. Ein weiterer Rückgang wurde bis 2004/09 festgestellt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Schätzungsweise weitere Abnahme von 25-30% zw. 1995-2005 (Leibundgut 2007 zitiert in Graf &amp;amp; Korner 2011). Grössenordnungen in diesem Bereich sind im Wallis und Engadin durch Fallstudien bestätigt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Vergleich mit der Grünland-Situation in Deutschland zeigt: Ein mit der Schweiz (Tieflagen) vergleichbarer Anteil von rund 13% der Gesamtfläche (CH 14.7%) wird als landwirtschaftliches Grünland genutzt, der Grossteil davon ebenfalls intensiv (Boch et al. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Nutzung LN BFS 2018 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Wie sich die landwirtschaftliche Nutzfläche der Schweiz auf die verschiedenen Nutzungstypen aufteilt. Quelle: BFS 2018, Die Schweiz in 21 Infografiken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zeitraum von 1990 bis 2009 hat sich die Grünlandfläche in Deutschland um 875‘000 ha verringert. Zwischen 2003 und 2012 betrug der absolute Verlust des Dauergrünlands ca. 5%. In der Schweiz machen Landwirtschafts- und Alpwirtschaftsflächen zusammen mehr als einen Drittel der Gesamtfläche aus; zwischen 1985 und 2009 sind 85‘000 ha davon verlorengegangen, was der Grösse des Kantons Jura entspricht (BFS 2018). Die Fromentalwiesen, bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts der häufigste und zugleich produktivste Wiesentyp auf den guten Böden der tieferen Lagen Mitteleuropas, sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden. Damit einher ging eine qualitative Verschlechterung: ein Vergleich zwischen 1950 und 2009 zeigt, dass die damalig «intensiv» genutzten Wiesen in der Regel QII-Qualität hatten, heute hingegen in den noch vorhandenen Fromental-Vergleichswiesen nur noch ein Drittel diese Qualitätsanforderung erreicht («Fromentalwiesenprojekt», Bosshard 2016). Unter den besonders wertvollen Lebensräumen ging die Fläche der Trockenwiesen und -weiden zwischen 1900 und 2010 um 95% zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Zuerich Umweltbericht zg.png&lt;br /&gt;
| text =  Abnahme artenreicher Wiesen im Kanton Zürich. Quelle: Baudirektion Kanton Zürich (2008), Umweltbericht 2008.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schweizer Berggebiet nahm die Entwicklung des Futterbaus und der Wiesen und Weiden einen anderen Weg als im Mittelland: Erschwernislagen (steile oder schlecht erschlossene, meist mit vielen Kleinstrukturen durchsetzte Flächen) wurden zunehmend in Weiden umgenutzt oder ganz aus der Nutzung entlassen und ein Grossteil davon ist in der Folge verbuscht und verwaldet. Insgesamt hat die Waldfläche in den vergangenen 150 Jahren auf Kosten von Wiesen- und Weideflächen je nach Region um 30-100% zugenommen. Heute liegt der überwiegende Teil des artenreichen Wieslandes der Schweiz in solchen Erschwernislagen ab Bergzone I; besonders hoch ist dieser Anteil im Sömmerungsgebiet. Allerdings nehmen diese Flächen sowohl durch Nutzungsaufgabe als auch durch Intensivierung laufend ab (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anteil BFF mit Qualitätsstufe II steigt stetig an; das Ziel eines 40%-Anteils wurde 2017 erstmals erreicht. Der Anteil im Talgebiet ist mit 28% jedoch immer noch tief (BLW 2018). Seit 2014 werden ebenfalls Beiträge für artenreiche Grün- und Streueflächen im Sömmerungsgebiet ausgerichtet; der Anteil dieser Flächen mit Qualitätsstufe II betrug 2017 217‘496 ha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;5&amp;quot;| '''Übersicht über die Flächenanteile BFF mit QII-Qualität (in Hektaren) (Quelle: Agrarbericht BLW 2019)'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! BFF QII-Typ&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Talregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Hügelregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Bergregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Total&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Extensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 11495&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 7395&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 17411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 36301&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wenig intensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 130&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3220&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3761&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| extensiv genutzte Weiden und Waldweiden&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 1468&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 2830&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 14759&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 19057&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| artenreiche Grün- und Streuflächen im Sömmerungsgebiet&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 223509&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Entwicklung BFF Q2 2001 2016.png&lt;br /&gt;
| text = Entwicklung (in Hektaren) der angemeldeten artenreichen Wiesen und Weiden (BFF mit Qualitätsstufe II) zwischen 2001 – 2016 (Quelle: Daten BLW).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die qualitativen Veränderungen in Wiesen und Weiden betreffen das allgemeine Nährstoffniveau, welches enorm gestiegen ist und das Verschwinden des früher verbreiteten Mosaiks von unterschiedlich genutzten Flächen (Schmid et al. 2007). Weitere qualitative Veränderungen der letzten Jahrzehnte beschreibt Bosshard (2016): Die Schlagkraft hat sich vervielfacht mit früherem Schnitt, viel höherer Nutzungsfrequenz und der zeitgleichen Nutzung viel grösserer Flächen. Die Erträge sind um ca. 60-80% gestiegen. Kleinstrukturen und Kulturlandschaftselemente sind verschwunden. Die schwereren Maschinen haben eine problematische Bodenverdichtung zur Folge und insbesondere für die Fauna destruktive Ernteverfahren (Rotationsmähwerke, Futteraufbereiter, Silagetechnik) nehmen zu. Heute wird vorwiegend Güllewirtschaft (rasch verfügbare Nährstoffe) statt der früher üblichen Festmistwirtschaft betrieben und durch den Wechsel von der Dürrfutterbereitung (Heu) zur Silage liegt der Nutzungszeitpunkt des ersten Aufwuchses heute früher im Jahr, es sind mehr Nutzungen pro Jahr möglich, die Ernte verläuft rascher und die Pflanzen können weniger absamen. Meliorationen, das Zusammenlegen von Parzellen und das Verschwinden von extensiven Parzellengrenzen bewirken ebenfalls grosse Veränderungen. Ein nächster Schritt steht mit der zukünftigen Automatisierung der Bewirtschaftung bevor. Anschaulich illustriert [https://www.pronatura.ch/de/wiesen-und-weiden Pro Natura anhand von Beispielen] die Entwicklung ehemals artenreicher Wiesen in artenarme Fettwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologischen Auswirkungen der oben beschriebenen Veränderungen sind mannigfaltig: beispielsweise führt die Intensivierung der Graslandkultivierung und die früheren Schnittzeitpunkte zu einer Abnahme der Samenbank im Boden (Klimkowska et al. 2007). Die früheren Schnittzeitpunkte führen zur Überlappung mit der Brutsaison bodenbrütender Vögel; durch Mahd werden die Nester mechanisch zerstört oder sind für Prädatoren nach dem Schnitt leichter zugänglich oder die Futterverfügbarkeit wird während einer kritischen Phase der Nestlinge dezimiert (Britschgi et al. 2006). Einzelflächen wie auch die Gesamtfläche ökologisch wertvoller Wiesen und Weiden sind zu klein und zu stark fragmentiert. Kleine Grünlandflächen sind besonders empfindlich gegenüber negativer Randeffekte (z.B. Eindringen anderer Arten) und ökologischer Drift. Die durchschnittliche Grösse der TWW von nationaler Bedeutung beträgt heute 4.7 ha und im Sömmerungsgebiet 10.5 ha (Guntern et al. 2013): eine Wiederbesiedlung durch Tagfalter, Hummeln und Reptilien ist möglich, wenn die Flächen nicht weiter als 1-3 km voneinander entfernt sind. Charakteristische Heuschrecken und Laufkäfer dagegen überwinden selten Distanzen von über 100 m.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Nährstoffversorgung im Grünland''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stickstoff ein elementarer Baustein aller Lebewesen; Pflanzen nehmen ihn über die Wurzeln in der Form von Ammonium oder Nitrat auf. Pflanzenverfügbarer Stickstoff ist natürlicherweise in den meisten Böden Mangelware – in den letzten Jahrzehnten gelangten jedoch riesige Mengen von Stickstoffverbindungen als Mineraldünger, Gülle oder aus Verbrennungsprozessen direkt oder indirekt über die Luft in die Böden. Der natürliche atmosphärische Eintrag von biologisch aktivem Stickstoff beträgt lediglich 0.5 – 2 kg/ha. Heute gelangt durchschnittlich 16 kg/ha Stickstoff über die Luft in den Boden, was in etwa der ausgebrachten Menge für mittel intensiv genutzten Wiesen entspricht. Peter (2011) weist darauf hin, dass bei drei der vier umweltrelevanten Stickstoffformen (Ammoniak, Nitrat und Lachgas) die Landwirtschaft gesamtschweizerisch gesehen die Haupt Emittentin ist. So müssten beim Ammoniak beispielsweise die Emissionen aus der Landwirtschaft annähernd halbiert werden, damit eine substanziell schädigende Wirkung in sensiblen Ökosystemen verhindert werden könnte. Für artenreiche Wiesen (kollin und montan) liegt der kritische Eintragswert bei 10-30 kg N pro Hektar und Jahr (Guntern 2016a). Entsprechend sind bspw. 49% der Trockenwiesen von den negativen Auswirkungen des atmosphärischen Stickstoffeintrags betroffen; die kritischen Eintragswerte (critical loads) werden in vielen Lebensräumen z.T. massiv überschritten (BAFU 2017). In Wiesen führt dies zu einer Bodenversauerung, zu einer starken Abnahme der Pflanzendiversität und zur Dominanz einiger weniger Grasarten und ist mitverantwortlich für die extreme Artenverarmung im Wiesland insbesondere in den Tieflagen (Bosshard 2016). Heutige Bestände sind im Vergleich zu früher wüchsiger und dichter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Stickstoffbilanz 2015 BFS 2.png&lt;br /&gt;
| text = Die Stickstoffbilanz in den Landwirtschaftsflächen (inkl. Alpweiden) zeigt langfristig betrachtet zwar einen rückläufigen Überschuss, dennoch resultierte 2015 ein Überschuss von 60 kg/ha (1990er-Jahre &amp;gt; 80 kg/ha). Quelle: Landwirtschaft und Ernährung, Taschenstatistik BFS 2018)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Phosphor ist einer der Hauptnährstoffe der Pflanzen und wird in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt. In den letzten zehn Jahren belief sich der Phosphorüberschuss auf rund 400 t/Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = phosphorbilanz 2018 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Phosphorbilanz der Landwirtschaftsflächen. Phosphormengen, die in landwirtschaftliche Böden gelangen bzw. ihnen entzogen werden. Quelle: BFS – Umweltgesamtrechnung (2020)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im intensiv genutzten Grasland werden ausserdem steigende Zink- und Kupfereinträge beobachtet, welche aus dem Hofdünger (Gülle und Mist) bzw. aus den Futtermitteln stammen (Gubler et al. 2015). Aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität kann auch im Grünland davon ausgegangen werden, dass vielerorts das Bodenleben dadurch beeinträchtigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uz-umwelt-zustand/biodiversitaet-schweiz-zustand-entwicklung.pdf.download.pdf/UZ-1630-D_2017-06-20.pdf Zustand und Entwicklung Biodiversität Schweiz]&lt;br /&gt;
* Guntern et al. (2013): [http://www.ngzh.ch/media/pdf/Flaechenbedarf.pdf Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz]&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/boden/uz-umwelt-zustand/boden-schweiz.pdf.download.pdf/UZ-1721-D_Boden2017.pdf Boden in der Schweiz. Zustand und Entwicklung. Stand 2017] &lt;br /&gt;
* BFS (2018): [https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/publikationen/uebersichtsdarstellungen/taschenstatistik-schweiz.html Taschenstatistiken] &lt;br /&gt;
* BLW: [https://www.agrarbericht.ch/de Agrarbericht]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zustand und Entwicklung der Artengemeinschaften des Grünlands==&lt;br /&gt;
Bei einer Vergleichsuntersuchung fanden Schlup et al. (2013) im extensiv bewirtschafteten Grünland (Kammgrasweide, Fromental- und Goldhaferwiese, Halbtrockenrasen) eine höhere Artenzahl an Gefässpflanzen als im durchschnittlichen Grünland der Schweiz. Ausserdem kamen im extensiven Grünland deutlich mehr Kenn- und Charakterarten sowie gefährdete Arten vor. Spezialisiertere Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt und es findet eine Trivialisierung statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Kennarten de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Die Tabelle zeigt, wie wichtig besonders wertvolle Lebensräume für den Erhalt von vielen Tiergruppen sind. Quelle: Hotspot 18, Forum Biodiversität Schweiz 2008)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Demnach weist ein beträchtlicher Teil der Arten eine erhöhte Bindung zu Trockenwiesen und -weiden auf.&lt;br /&gt;
Lebensraumverlust und -degradierung haben auf die Biodiversität im Grünland einen negativen Einfluss, wie die folgende Darstellung aus dem Biodiversitätsmonitoring Schweiz zeigt (BAFU):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Indikatoren de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden - Index* von 0 (einheitlich) bis 100 (vielfältig), aller paarweisen Vergleiche der Stichprobenflächen, in Prozent. *Mittelwerte über einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren. Quelle: BAFU: Biodiversitäts-Monitoring Schweiz BDM 2018&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Artenvielfalt ist seit Mitte der 2000er Jahre insgesamt zurückgegangen und deutet auf eine gesamtschweizerische Vereinheitlichung der Wiesen und Weiden hin, was einem Verlust der Biodiversität gleichkommt. Jedoch ist der Verlust der Artengemeinschaften in diesen Lebensräumen schon seit mindestens einigen Jahrzehnten im Gang: In den letzten 120 Jahren hat sich die durchschnittliche Pflanzenartenvielfalt auf 81 Wiesen fast halbiert (Schlup et al. 2013). Generell wird festgestellt, dass v.a. häufig vorkommende Arten zugenommen haben, welche keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Spezialisierte Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt, was zu einer Trivialisierung der Wiesen und Weiden führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die meisten Vogelarten, welche auf Äckern, Wiesen und Weiden brüten, sind aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität im Rückgang begriffen: Der schweizerische Index der für das Kulturland typischen Brutvögel (46 UZL-Arten) hat seit 1990 um fast 30% abgenommen, der europäische Agrarvogelindex seit 1980 um über 50% (BLW 2017, Becker et al. 2014). Auch die Bergidylle ist zunehmend bedroht: ein Langzeitvergleich der Vogelwarte zeigt, dass im Engadin innerhalb von 22 Jahren der Anteil an wenig intensiv genutzten und artenreichen Wiesen von 32 auf 27% gesunken und die Brutbestände von Feldlerche, Baumpieper und Braunkehlchen um 44-61% gesunken sind (Korner et al. 2017). Den blütenbesuchenden Insekten wird durch den Rückgang des reichen Blüten- und Nektarangebots die Nahrungsgrundlage entzogen. Wesche et al. (2014) stellten bei Heuschrecken und Wanzen in Auen und Trockenwiesen innert 50 Jahren einen dramatischen Einbruch der Individuenzahlen (&amp;gt;60%) bei teils konstanten, teils zunehmenden Artenzahlen fest. Die botanische Zusammensetzung von Fromentalwiesen zeigt im Vergleich zu den 1950er Jahren eine durchschnittliche Abnahme der Artenzahl von rund 30% bei einer ebenfalls deutlichen Qualitätseinbusse (Bosshard 2015c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Monitoringprogramms ALL-EMA werden der Zustand und die Veränderung von Arten und Lebensräumen der Umweltziele Landwirtschaft in der offenen Agrarlandschaft Schweiz erfasst und die Biodiversitätsförderflächen beurteilt. Eine erste umfassende Auswertung zum Zustand der Biodiversität ist 2020 vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/monitoring-analytik/all-ema.html ALL-EMA]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/zustand/indikatoren.html Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden (BAFU)]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodiversitymonitoring.ch/index.php/de/ Biodiversitätsmonitoring Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uw-umwelt-wissen/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf.download.pdf/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf BAFU &amp;amp; BLW (2016): Umweltziele Landwirtschaft UZL.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung und Gefährdungsursachen=&lt;br /&gt;
43% der unter dem Begriff „Grünland“ zusammengefassten Lebensraumtypen gelten als gefährdet. Die wertvollsten Flächen der Trockenwiesen und -weiden sind in einem Inventar (TWW) bezeichnet - seit 1900 sind rund 95% der TWW in der Schweiz verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Gefaehrdungskat Grünland de.png&lt;br /&gt;
| text = Einstufung der 30 Lebensraumtypen des Grünlandes gemäss Roter Liste.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefährdungsursachen und wichtige Treiber sind (Delarze et al. 2015, Bosshard 2016, Becker et al. 2014):&lt;br /&gt;
* Der Verlust an Grünland-Lebensräumen durch Nutzungsaufgabe in Grenzertragslagen und nachfolgender Sukzession, durch Umwandlung von Grünland in Ackerland oder Kunstwiesen und durch den Siedlungs- und Strassenbau. Als Folge der Lebensraumverluste sind verbleibende Habitate oft zu klein und/oder von Isolation bedroht. Bis Fragmentierung und Randeffekte zum Verlust von Arten führen, kann es Jahrzehnte dauern; man spricht deshalb auch von der sogenannten Aussterbeschuld. Im Sömmerungsgebiet verschwinden mittel-wertvolle Flächen. Das aktuelle Instrument der BFF gibt im Sömmerungsgebiet keine Kriterien zur Bewirtschaftung vor. Es gibt Hinweise, dass die Kartierung der TWW nicht vollständig ist. Es besteht die Gefahr, dass wertvolle Flächen durch Intensivierung, falsche Nutzung oder Nutzungsaufgabe verloren gehen.&lt;br /&gt;
* Intensivierung, moderne oder ungeeignete Bewirtschaftung sowie Nährstoffeinträge: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die damit verbundene Intensivierung hat vielfache Auswirkungen auch auf das Grünland. Düngung und Zufütterung in der Viehhaltung haben vervielfachte Nährstoffeinträge und die Eutrophierung des Bodens zur Folge. Durch das Düngen werden viele Grünlandarten, insbesondere Kräuter, verdrängt und die Artenvielfalt nimmt in der Folge ab, weil wenige Arten dank dieser zugeführten Nährstoffe schnell wachsen, rasch Biomasse aufbauen und den Boden für den Aufwuchs anderer Pflanzen beschatten (Gerowitt et al. 2013). Die Intensivierung umfasst ausserdem die frühere Nutzung der Bestände zur Erzielung hoher Futterqualität (für die Hochleistungs-Milchkühe) und eine generell erhöhte Schlagkraft (mit schweren Maschinen), häufigere Nutzungen, den Einsatz von Pestiziden, Flurbereinigungen und Strukturverlust sowie kulturtechnische Massnahmen zur Entwässerung,  Kalkung oder Bewässerung der Flächen. Des Weiteren werden Flächen eingeebnet bzw. unter Einsatz von bspw. Forstmulchern intensiviert. Vorgegebene Schnittzeitpunkte bewirken eine Monotonisierung der Landschaft sowie ein zeitgleiches Wegfallen von Nahrungsquellen. All diese Faktoren sowie die Aufgabe bestimmter Nutzungsformen führen zu einer Vereinheitlichung der Lebensräume. &lt;br /&gt;
* Der Klimawandel stellt für den Wandel der Biodiversität und Ökosysteme einen bedeutenden Faktor dar (Guntern 2016b): insbesondere spielen der Temperaturanstieg sowie Veränderungen im hydrologischen Regime eine Rolle. Höhere Temperaturen und zunehmende Niederschlagsmengen führen bei gleichmässiger Bodendurchfeuchtung zu einer zunehmend schnelleren Wuchsleistung des Grünlands. Aus dem Biodiversitätsmonitoring ergeben sich Hinweise, dass im Mittelland bestimmte Lebensräume einerseits wärmer, andererseits auch trockener werden (BDM-Facts Nr. 4, BAFU 2012).&lt;br /&gt;
* Auch invasive, gebietsfremde Arten können auf die heimische Biodiversität nachteilig wirken. V.a. folgende Arten bereiten bisher grossflächig Probleme im extensiv genutzten Wiesland: das Einjährige Berufkraut (''Erigeron annuus''), die beiden Goldrutenarten (''Solidago canadensis'' und ''S. serotina'', v.a. im unternutzten oder spät gemähten, feuchten bis wechselfeuchten Wiesland) sowie das Schmalblättrige Kreuzkraut (''Senecio inaequidens''). Weitere Neophyten mit invasivem Ausbreitungspotenzial werden auf der Neophyten-Watch-List geführt. Die (bemerkenswerte) Resistenz gegenüber neu eingebrachten Arten scheint ein Charakteristikum des mitteleuropäischen Wieslands zu sein (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
* Je nach Lebensraumtyp und Lage des Grünlandes stellen auch Freizeitaktivitäten bzw. Erholungsnutzung Gefährdungsfaktoren dar. In Deutschland sind insbesondere auch der Anbau von Energiepflanzen (Biogasproduktion, Raps für Kraftstoffproduktion) sowie die Agrophotovoltaik mögliche Gefährdungstreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = rationelle Mahd as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Rationelle Erntemaschinen töten und verletzten viele Tiere.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgend werden einige ausgewählte Gefährdungsfaktoren näher beleuchtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Unternutzung und Nutzungsaufgabe''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine extensive Bewirtschaftung wird in Gebieten mit ungünstigen Produktionsbedingungen (Hangneigung, Bodenstruktur) immer weniger rentabel. In den letzten dreissig Jahren bewegten sich die Veränderungen in der Nutzungsform im Alpenraum stets in Richtung eines geringeren Bewirtschaftungsaufwands: von der Schnitt- zur Weidenutzung und von der Beweidung zur Verbrachung (Leitgruppe NFP 48 2007). Eine Unternutzung oder eine gänzliche Aufgabe der Bewirtschaftung führen kurzfristig zu Verbrachungserscheinungen, mittelfristig zu Verbuschung und Einwaldung. Wenn die Biomasse nicht weggeführt wird, tritt im Laufe der Jahre zunehmend Lichtmangel v.a. für die dichte, bodennahe Schicht in Form von sogenanntem Streuefilz auf. Gerade seltene und gefährdete Arten verschwinden oft zuerst und werden durch Generalisten ersetzt, bevor die Bewaldung einsetzt (Bosshard 2016). Im günstigsten Fall kann bereits nach 20 Jahren auf einer früheren Magerwiese oder -weide ein Wald stehen. In sehr magerem Wiesland führt die Nutzungsaufgabe und Verbrachung jedoch nicht zu einem Artenverlust, da die Wüchsigkeit für das Ausbilden eines Streuefilzes nicht ausreicht oder dieser rasch wieder abgebaut wird (bspw. durch Wind). Die natürliche Wiederbewaldung in Grenzertragslagen wird als Ausdruck eines grundlegenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels interpretiert, bei dem der Rückgang der Armut und die Zunahme des Wohlstands eine grosse Rolle spielen (Leitgruppe NFP 48 2007). Durch die abnehmende Verfügbarkeit von Arbeitskräften sind auch pflegerische Arbeiten der Bewirtschaftung gefährdet: damit eine möglichst langfristige Produktivität des Kulturbiotops sichergestellt werden kann, sind Pflegearbeiten wie Frühjahrssäuberung, exaktes Mähen, Abrechen des Schnittguts usw. notwendig, damit die «Saatbett-Bereitung» bzw. das Vorhandensein von Keimstellen gesichert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Steinfräsen''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Steinfräsen zerkleinern Steine und Felsen, zermalmen und brechen den Boden auf, beseitigen Kleinstrukturen und Unebenheiten im Gelände. Diese irreparable Zerstörung der natürlichen Vegetation und der Kleinstrukturvielfalt ist u.a. für den Verlust von Baumpieper und Feldlerche im jurassischen Brutgebiet mitverantwortlich. Im Jura werden seit den 1990er-Jahren Steinfräsen teilweise grossflächig eingesetzt, um die wertvollen Kleinstrukturen zu eliminieren und ganze Flächen zu planieren. Die Gesetzeslage ist kantonal unterschiedlich (SO, JU, VD nicht erlaubt, NE &amp;amp; BE teilweise erlaubt) und trotz Verbot sind unbewilligte Fälle bekannt (Apolloni et al. 2017). Steinfräsen werden auch in höheren Lagen der Alpen regelmässig eingesetzt. Sie stellen eine so grosse Gefahr für die Biodiversität dar, dass sie verboten gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Delarze et al. (2016): [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/rote-liste.html Rote Liste der Lebensräume der Schweiz]&lt;br /&gt;
* Trockenwiesen und -weiden der Schweiz (TWW) [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar, Vollzugshilfe und Merkblätter, Fallstudien]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/biotopschutz-schweiz.html Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Rechtsgrundlagen =&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983407/index.html Landwirtschaftsgesetz (LwG)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983381/index.html Landwirtschaftliche Begriffsverordnung (LBV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20130216/index.html Direktzahlungsverordnung (DZV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/oekologischer-leistungsnachweis.html Ökologischer Leistungsnachweis (ÖLN) gemäss DZV, Übersicht zu den einzelnen Artikeln]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Übersicht über die Biodiversitätsbeiträge pro BFF-Typ und Qualitätsstufe]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege/qualitaetsbeitrag.html Weitere Ausführungen zu den BFF-Qualitätsbeiträgen (QI und QII)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege/vernetzungsbeitrag.html Weitere Ausführungen zu den Vernetzungsbeiträgen]&lt;br /&gt;
* Die rechtliche Grundlage für den nationalen Schutz der Trockenwiesen und -weiden bildet das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/massnahmen-zur-erhaltung-und-foerderung-der-biodiversitaet/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar über die Trockenwiesen und -weiden mit den entsprechenden Verordnungen und Vollzugshilfen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Nachfolgend sind wichtige Themen aufgeführt, zu welchen (teilweise) Wissenslücken bestehen:&lt;br /&gt;
* Vorkommen und Verbreitung ökologisch wertvoller Grünlandflächen im Sömmerungsgebiet, flächendeckende Inventarisierung&lt;br /&gt;
* Wissenschaftliche Grundlagen zum Düngungsbedarf von Fromental- und Goldhaferwiesen im Hinblick auf die botanische Vielfalt fehlen, Praxisversuche sind wünschenswert.&lt;br /&gt;
* Es gibt kaum systematische Erfahrungen zum Etzen in Zusammenhang mit der Biodiversitätsförderung im artenreichen Wiesland, übergeordnete Erfolgskontrollen sind erwünscht.&lt;br /&gt;
* Phänologisch basierte Schnittzeitpunkte&lt;br /&gt;
* Einfluss von Heubläser-Einsätzen auf die Biodiversität, insbesondere die Fauna (Richner et al. 2014 beleuchten den Einfluss auf die Vegetation)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Bewirtschaftung auf die Fauna über alle Mäh- und Nachbereitungsgeräte hinweg unter vergleichbaren Bedingungen untersuchen. Verhalten der Populationen auf mehrschürigen Wiesen im Jahresverlauf.&lt;br /&gt;
* Angaben zu Ausmass und Verbreitung von Bodenverdichtungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literatur=&lt;br /&gt;
Die Publikationen zum Grünland sind äusserst umfangreich. Wir stellen Ihnen die gesamte [[Media:Dokumentation Grünland Literatur.pdf|Liste an verwendeter Literatur]] zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland=&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]|| [https://www.faunatur.ch/ faunatur]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Andreas Bosshard || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Jean-Yves Humbert || [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Heiri Schiess ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  André Stapfer ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Markus Staub || [https://www.poel.ch/ Projekte Ökologie Landwirtschaft] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Gaby Volkart || [http://www.ateliernature.ch/atena/francais.php atena]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Grundlagen&amp;diff=4720</id>
		<title>Grünland/Grundlagen</title>
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				<updated>2023-03-12T14:04:57Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Informations de base]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fromentalwiese ABosshard zg 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Die Fromentalwiesen sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Sukzession und Bedeutung des Grünlands=&lt;br /&gt;
Mit wenigen Ausnahmen ist Grünland keine natürliche Vegetation - bleibt eine Nutzung aus, folgt der Verlauf der meisten Grünland-Lebensraumtypen der natürlichen Sukzession. Maag et al. (2001) zeigen die verschiedenen Sukzessionsverläufe für unterschiedliche Standorte. Dabei hat jede Stufe der Sukzession beispielsweise eines Trockenrasens bis hin zum Wald ihren ökologischen Wert; die Artenvielfalt kann durch ein Nebeneinander verschiedener Sukzessionsstadien erhöht werden (Diacon et al. 2011). Die unterschiedlichen Stadien der Verbrachung und Verbuschung weisen willkommene Rückzugsgebiete und Nahrungsreservoirs für Reptilien, Spinnen und viele Insekten dar. Insbesondere jüngere Brachen können floristisch und faunistisch äusserst wertvoll sein; langfristig ist dagegen die Artenvielfalt in Dauerbrachen gefährdet (Dipner &amp;amp; Volkart 2010). &lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Abbildung weglassen, weil nicht in guter Qualität zur Verfügung; Alternative: Foto einwachsender Wiese. In der folgenden Abbildung sind die Phasen der Verbuschung nicht mehr bewirtschafteter Halbtrockenrasen dargestellt (Quelle: Briemle et al. 1993):--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung des Grünlandes ist vielfältig und eine grosse Bandbreite von allgemeinen, nicht nur an das Grünland gebundene Ökosystemleistungen sind auch mit diesen Lebensräumen verbunden, wie produktive Erzeugnisse, genetische Ressourcen von Futterpflanzen, Bestäubungsleistungen, Erosionsvermeidung, kulturelle Leistungen, Speicherung von Kohlenstoff (Guntern et al. 2013). Ebenfalls relevant sind die mit dem Grünland verbundenen ästhetisch-landschaftlichen Aspekte bspw. im Hinblick auf die touristische Nutzung oder die Erholungsfunktion. Aus landwirtschaftlicher Sicht ist die Bedeutung des Grünlandes als Stätte der Futterproduktion zentral. Entsprechend sind Wiesen und Weiden für die landwirtschaftliche Nutzung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte „optimiert“ worden. Beispielsweise stellen die Hochleistungsrassen in der Milchwirtschaft hohe Ansprüche an den Futterwert des Grünlandes: im jüngeren Aufwuchs ist der Rohfasergehalt niedriger und die Anteile an Rohprotein und Mineralstoffen höher. Entsprechend sind der Energiegehalt und die Verdaulichkeit des Futters besser. Damit sind die Anforderungen der Hochleistungsmilchwirtschaft mit dem Erhalt des artenreichen Grünlands nicht vereinbar (Gerowitt et al. 2011); landwirtschaftlich intensiv genutzte Wiesen haben kaum einen ökologischen Wert verglichen mit artenreichem Grünland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Typologie des Grünlands=&lt;br /&gt;
Je nachdem, worauf der Fokus liegt, kann das Grünland in Unterkategorien aufgeteilt werden; man kann vegetationskundliche, ökologische oder auch futterbauliche Kriterien anwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Haber de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Haber (2014) gliedert das Grünland i.w.S. wie oben dargestellt (Abbildung leicht verändert).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl &amp;amp; Grünig (in Oppermann &amp;amp; Gujer 2003, S. 60) gliedern die artenreichen (Mäh-)Wiesen der Schweiz nach Wasser- und Nährstoffhaushalt in 19 Wiesentypen auf. Ihre tabellarische Übersicht zeigt für die jeweiligen Wiesentypen kennzeichnende Artengruppen und -kombinationen. Für den gedüngten Bereich wurde die obengenannte Systematik weiterentwickelt und [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Bosshard (2016) unterscheidet in der Folge für das gedüngte Wiesland neun Typen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard Genese de.png&lt;br /&gt;
| text = Genese und Höhenverbreitung der gedüngten Wiesentypen. &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Vereinfachter dichotomer Bestimmungsschlüssel zur Identifikation von Fromental- und Goldhaferwiesen in Bosshard (2016, S. 188).&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/SchluesselGeduengteNaturwiesen.xls Bestimmungsschlüssel für die Wiesentypen des gedüngten Naturwieslands der Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://ira.agroscope.ch/de-CH/publication/46127 Bestimmungsschlüssel für Lebensräume der offenen Kulturlandschaft] (Buholzer et al. 2015)&lt;br /&gt;
* Die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/kartierung-und-bewertung-trockenwiesen.html Kartier- und Bewertungsmethode zur Erarbeitung des Inventars der Trockenwiesen und -weiden] ist im Technischen Bericht ausgeführt (Eggenberg et al. 2001)&lt;br /&gt;
* [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/4-grnland-naturrasen-wiesen-und-weiden.html Klassifikation der Grünlandlebensräume nach Delarze et al. (2015)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Zustand und Entwicklung des Grünlands in der Schweiz=&lt;br /&gt;
==Entstehung von Grünland==&lt;br /&gt;
Grünland ist in Mitteleuropa vor 8000 Jahren durch Waldrodung zur Ackernutzung entstanden. Die anschliessend nicht mehr für den Ackerbau genutzten Flächen begrünten sich und wurden als Viehweiden genutzt. Wo Wiesland in prähistorischer Zeit vorkam, ist weitgehend ungewiss und wird in Bosshard (2016) kurz ausgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapfer (2010a, 2010b) und Bosshard (2016) beleuchten die Entstehungsgeschichte und die historische Wies- und Weidelandnutzung und stellen sie in Vergleich mit heutigen Nutzungsformen: Während vieler hundert Jahre war das Wiesland in das Produktionssystem der auf Getreidebau ausgerichteten Dreizelgenwirtschaft ausgerichtet. Der Heu- und Emdschnitt führte zusammen mit den geringen Mistgaben (rund um den Hof herum) und der historisch üblichen Frühjahrsvorweide (Etzen) zu einer langfristigen Ausmagerung der Böden mit entsprechenden Folgen für die Vegetation. Reine Mähwiesen haben sich grossflächig erst im 19. Jahrhundert entwickelt, vorher waren alle Wiesen auch beweidet (Frühjahrs- oder Herbstweide). Nach dem Etzen erfolgte der Heuschnitt später und die Wiesenpflanzen konnten ihre individuelle Entwicklung bis zur Samenreife und dem Ausstreuen der Samen vollständig abschliessen. Die heutige erste Hauptnutzung auf den Mager- und Fromentalwiesen beim Heuschnitt entsprach historisch der zweiten Nutzung. Früher orientierte man sich für den Beginn und das Ende bestimmter Bewirtschaftungsgänge an Heiligen-Tagen. Diese Orientierungszeitpunkte wurden jedoch je nach Jahresverlauf bspw. für den Mahdbeginn auch flexibel gehandhabt. Die Ernte einzelner Flächen erstreckte sich über mehrere Wochen hinweg. Das Heu der Schnittwiesen wurde auf der Fläche getrocknet, wodurch eine erfolgreiche generative Vermehrung gefördert wurde (Poschlod 2011). Im Laufe der Zeit führten neue Ernteverfahren, Bewässerungsmassnahmen und neu auch die phänologischen Veränderungen aufgrund des Klimawandels zu einem früheren ersten Schnitt von Wiesen (Guntern et al. 2013).&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungsschemata Kapfer zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Bewirtschaftungsschema der drei wichtigsten Wiesentypen der alten Dreizelgenwirtschaft. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Die ökologischen Auswirkungen und die Anwendung des Etzens (Frühjahrsvorweide) (Quelle: Bosshard 2015b)''' &amp;lt;br /&amp;gt; Etzen war bis ins 18./19. Jh. die übliche erste Nutzung von Mähwiesen. Heute wird die Vorweide dagegen vor allem im Berggebiet in den intensiver genutzten Wiesentypen noch regelmässig praktiziert. Etzen bewirkt langfristig einen Nährstoffentzug, die Wüchsigkeit einer Wiese wird vermindert und dadurch, dass kurzfristig Licht in den Bestand eingebracht wird, werden empfindlichere Pflanzen artenreicher Wiesen gefördert. Die längere bewirtschaftungsfreie Phase zwischen der Frühjahrsweide und dem nächsten Nutzungszeitpunkt durch Mahd führt zu einem deutlich schmackhafteren, gehaltvolleren (da eiweissreicheren) Heuaufwuchs, so dass Etzen auch aus futterbaulicher und wirtschaftlicher Sicht von Interesse sein dürfte. &lt;br /&gt;
Das kurze, schonende Überweiden einer Wiese im Frühjahr führt zu einem strukturierteren Pflanzenbestand, einem längerdauernden Blütenangebot und einem späteren Heuschnitt und gewisse Tierarten (Tagfalter, Heuschrecken und wiesenbrütende Vogelarten) können davon profitieren (SHL 2008). Aus praktischen Gründen (logistischer Aufwand) kommt das Etzen nur für eine Minderheit von Grünlandflächen überhaupt in Frage und ist für BFF-Flächen bspw. im Rahmen von Vernetzungsprojekten realisierbar, sofern die kantonalen Vernetzungsrichtlinien dies vorsehen und begründen.&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem historischen Blickwinkel ist die Entstehung der Artenvielfalt in Wiesen zu betrachten (Poschlod 2011): Die Artenzusammensetzung der Flachlandmähwiesen, wie sie sich in der heutigen Form präsentiert, ist wahrscheinlich erst etwa 300 Jahre alt; der namengebende Glatthafer (''Arrhenatherum elatius'') wurde erst Anfang des 18. Jahrhunderts eingeführt (d.h. ein durch Auswahl-Zucht verbesserter Ökotyp aus Südfrankreich).  Möglicherweise ist die namengebende Art der Berg-Mähwiesen, der Goldhafer (''Trisetum flavescens'') ebenfalls erst zu dieser Zeit eingeführt worden. Fast alle Pflanzenarten des Wieslandes scheinen aus der autochthonen Flora zu stammen (bspw. aus lichten Stellen von Wäldern, aus Schotterflächen der Auen, aus den Randregionen der Hochmoore etc.). Verschiedene Futterpflanzen des Wieslandes sind (gezielt oder unabsichtlich) eingeführt worden und schon früh begann der Mensch, mit gezielten Einsaaten den Ertrag zu steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungstypen Kapfer zg 1280 768.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht zur Genese der Bewirtschaftungstypen des Grünlands Mitteleuropas. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Zusammenfassende Betrachtungen und nähere Ausführungen zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Grünlands liefern [http://www.dr-kapfer.de/index.php/download.html Kapfer (2010a, 2010b)], [https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/90005 Poschlod (2011)] und Bosshard (2016).&lt;br /&gt;
* Auch das [http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D13861.php Historische Lexikon der Schweiz] bietet zu verschiedenen Themen (Düngung, Futtermittel, Bewässerung, Wiesen, Weiden) informative Artikel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quantitativer und qualitativer Zustand und deren Veränderung==&lt;br /&gt;
Das Grünland hat sich mit den technischen Möglichkeiten in der Landwirtschaft (Mechanisierung, Düngereinsatz) und den Flurbereinigungen der letzten Jahrzehnte stark verändert worden und verändert sich immer noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Media:Tabelle Grünland Auszug Flächenbedarf.pdf|Tabelle]] gibt einen Überblick über die Ausdehnung und quantitative Veränderung der Schweizer Grünlandlebensräume. Quelle: «Guntern et al. (2013): Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz», S. 96. Weitere Grünflächen befinden sich im Siedlungsgebiet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;LN = Landwirtschaftliche Nutzfläche, SöG = Sömmerungsgebiet, BFF = Biodiversitätsförderfläche&amp;lt;/small&amp;gt; &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Lebensraum&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 10%&amp;quot;| Zeit&lt;br /&gt;
!colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Ausdehnung [ha]&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Bemerkung, Quelle&lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Wiesen und Weiden auf der LN (ohne SöG, Kunstwiesen) davon:&amp;lt;br/&amp;gt;- Extensiv genutzte BFF-Wiesen &amp;lt;br/&amp;gt;- Wenig intensiv genutzte BFF-Wiesen&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|610’732 &amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;66‘056 &amp;lt;br/&amp;gt;22‘919&lt;br /&gt;
| (BLW 2012) &amp;lt;br/&amp;gt;Wobei mit Qualität gemäss ÖQV: &amp;lt;br/&amp;gt;- Weiden, Waldweiden: 5'384 ha &amp;lt;br/&amp;gt;- Wiesen (inkl. Streuflächen): 28'864 ha&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sömmerungsgebiet &amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; (SöG)&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|505'385 (12% der CH)&lt;br /&gt;
| Gemäss (Walter et al. 2013)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Trockenwiesen und –weiden (TWW)&lt;br /&gt;
| 1900&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|760‘000 (bis 900‘000)&lt;br /&gt;
| (Eggenberg et al. 2001; Lachat et al. 2010b), Flächenverlust von 90-99% von TWW in den Regionen und 95% in der Schweiz. &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2010&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|37‘011&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Potenziell wertvolles Grasland auf der LN oder im SöG (ohne TWW, Moore Modell basierend auf der Steigung und der Höhe über Meer an den Fundorten von UZL-Ziel- und Leitarten.&lt;br /&gt;
| 2012 &amp;lt;br/&amp;gt;Total: &amp;lt;br/&amp;gt;TZ: &amp;lt;br/&amp;gt;HZ: &amp;lt;br/&amp;gt;BZI: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZIV: &amp;lt;br/&amp;gt;SöG:&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [ha] &amp;lt;br/&amp;gt;231’688 &amp;lt;br/&amp;gt;3797 &amp;lt;br/&amp;gt;354 &amp;lt;br/&amp;gt;2'023 &amp;lt;br/&amp;gt;6943 &amp;lt;br/&amp;gt;9223 &amp;lt;br/&amp;gt;10'984 &amp;lt;br/&amp;gt;198'364&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [%] &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;0.78 &amp;lt;br/&amp;gt;0.25 &amp;lt;br/&amp;gt;1.71 &amp;lt;br/&amp;gt;4.52 &amp;lt;br/&amp;gt;11.06 &amp;lt;br/&amp;gt;22.72 &amp;lt;br/&amp;gt;39.25&lt;br /&gt;
| (Walter et al. 2013) &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;TZ = Talzone &amp;lt;br/&amp;gt;HZ = Hügelzone &amp;lt;br/&amp;gt;BZ = Bergzone &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;Grünland macht nahezu 100% des SöG sowie der LN in den BZIV und BZIII aus.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Fromentalwiesen auf der LN&lt;br /&gt;
| 1950&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Abgesehen von TWW, Dauerweiden, Streuwiesen, Äckern nahezu alles&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012): genauere Angaben in Erarbeitung für Schlussbericht der laufenden Studie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|3-8%&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012), wobei davon ca. 20% mit der Artenzusammensetzung von intensiv genutzten Fromentalwiesen der 1950er Jahre und max. 5% mit guter Qualität (pers. Mitteilung A. Bosshard) &amp;lt;br/&amp;gt;-&amp;gt; Rückgang von vermutlich &amp;gt; 90% und nahezu 100% für artenreiche Bestände (Bosshard 1998)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Gemäss Arealstatistik nahm die Alpwirtschaftliche Nutzfläche von 1979/85 bis 1992/97 von 555'662 um 3.2 % auf 537'802 ha ab. Ein weiterer Rückgang wurde bis 2004/09 festgestellt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Schätzungsweise weitere Abnahme von 25-30% zw. 1995-2005 (Leibundgut 2007 zitiert in Graf &amp;amp; Korner 2011). Grössenordnungen in diesem Bereich sind im Wallis und Engadin durch Fallstudien bestätigt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Vergleich mit der Grünland-Situation in Deutschland zeigt: Ein mit der Schweiz (Tieflagen) vergleichbarer Anteil von rund 13% der Gesamtfläche (CH 14.7%) wird als landwirtschaftliches Grünland genutzt, der Grossteil davon ebenfalls intensiv (Boch et al. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Nutzung LN BFS 2018 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Wie sich die landwirtschaftliche Nutzfläche der Schweiz auf die verschiedenen Nutzungstypen aufteilt. Quelle: BFS 2018, Die Schweiz in 21 Infografiken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zeitraum von 1990 bis 2009 hat sich die Grünlandfläche in Deutschland um 875‘000 ha verringert. Zwischen 2003 und 2012 betrug der absolute Verlust des Dauergrünlands ca. 5%. In der Schweiz machen Landwirtschafts- und Alpwirtschaftsflächen zusammen mehr als einen Drittel der Gesamtfläche aus; zwischen 1985 und 2009 sind 85‘000 ha davon verlorengegangen, was der Grösse des Kantons Jura entspricht (BFS 2018). Die Fromentalwiesen, bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts der häufigste und zugleich produktivste Wiesentyp auf den guten Böden der tieferen Lagen Mitteleuropas, sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden. Damit einher ging eine qualitative Verschlechterung: ein Vergleich zwischen 1950 und 2009 zeigt, dass die damalig «intensiv» genutzten Wiesen in der Regel QII-Qualität hatten, heute hingegen in den noch vorhandenen Fromental-Vergleichswiesen nur noch ein Drittel diese Qualitätsanforderung erreicht («Fromentalwiesenprojekt», Bosshard 2016). Unter den besonders wertvollen Lebensräumen ging die Fläche der Trockenwiesen und -weiden zwischen 1900 und 2010 um 95% zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Zuerich Umweltbericht zg.png&lt;br /&gt;
| text =  Abnahme artenreicher Wiesen im Kanton Zürich. Quelle: Baudirektion Kanton Zürich (2008), Umweltbericht 2008.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schweizer Berggebiet nahm die Entwicklung des Futterbaus und der Wiesen und Weiden einen anderen Weg als im Mittelland: Erschwernislagen (steile oder schlecht erschlossene, meist mit vielen Kleinstrukturen durchsetzte Flächen) wurden zunehmend in Weiden umgenutzt oder ganz aus der Nutzung entlassen und ein Grossteil davon ist in der Folge verbuscht und verwaldet. Insgesamt hat die Waldfläche in den vergangenen 150 Jahren auf Kosten von Wiesen- und Weideflächen je nach Region um 30-100% zugenommen. Heute liegt der überwiegende Teil des artenreichen Wieslandes der Schweiz in solchen Erschwernislagen ab Bergzone I; besonders hoch ist dieser Anteil im Sömmerungsgebiet. Allerdings nehmen diese Flächen sowohl durch Nutzungsaufgabe als auch durch Intensivierung laufend ab (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anteil BFF mit Qualitätsstufe II steigt stetig an; das Ziel eines 40%-Anteils wurde 2017 erstmals erreicht. Der Anteil im Talgebiet ist mit 28% jedoch immer noch tief (BLW 2018). Seit 2014 werden ebenfalls Beiträge für artenreiche Grün- und Streueflächen im Sömmerungsgebiet ausgerichtet; der Anteil dieser Flächen mit Qualitätsstufe II betrug 2017 217‘496 ha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;5&amp;quot;| '''Übersicht über die Flächenanteile BFF mit QII-Qualität (in Hektaren) (Quelle: Agrarbericht BLW 2019)'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! BFF QII-Typ&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Talregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Hügelregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Bergregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Total&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Extensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 11495&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 7395&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 17411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 36301&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wenig intensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 130&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3220&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3761&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| extensiv genutzte Weiden und Waldweiden&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 1468&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 2830&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 14759&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 19057&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| artenreiche Grün- und Streuflächen im Sömmerungsgebiet&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 223509&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Entwicklung BFF Q2 2001 2016.png&lt;br /&gt;
| text = Entwicklung (in Hektaren) der angemeldeten artenreichen Wiesen und Weiden (BFF mit Qualitätsstufe II) zwischen 2001 – 2016 (Quelle: Daten BLW).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die qualitativen Veränderungen in Wiesen und Weiden betreffen das allgemeine Nährstoffniveau, welches enorm gestiegen ist und das Verschwinden des früher verbreiteten Mosaiks von unterschiedlich genutzten Flächen (Schmid et al. 2007). Weitere qualitative Veränderungen der letzten Jahrzehnte beschreibt Bosshard (2016): Die Schlagkraft hat sich vervielfacht mit früherem Schnitt, viel höherer Nutzungsfrequenz und der zeitgleichen Nutzung viel grösserer Flächen. Die Erträge sind um ca. 60-80% gestiegen. Kleinstrukturen und Kulturlandschaftselemente sind verschwunden. Die schwereren Maschinen haben eine problematische Bodenverdichtung zur Folge und insbesondere für die Fauna destruktive Ernteverfahren (Rotationsmähwerke, Futteraufbereiter, Silagetechnik) nehmen zu. Heute wird vorwiegend Güllewirtschaft (rasch verfügbare Nährstoffe) statt der früher üblichen Festmistwirtschaft betrieben und durch den Wechsel von der Dürrfutterbereitung (Heu) zur Silage liegt der Nutzungszeitpunkt des ersten Aufwuchses heute früher im Jahr, es sind mehr Nutzungen pro Jahr möglich, die Ernte verläuft rascher und die Pflanzen können weniger absamen. Meliorationen, das Zusammenlegen von Parzellen und das Verschwinden von extensiven Parzellengrenzen bewirken ebenfalls grosse Veränderungen. Ein nächster Schritt steht mit der zukünftigen Automatisierung der Bewirtschaftung bevor. Anschaulich illustriert [https://www.pronatura.ch/de/wiesen-und-weiden Pro Natura anhand von Beispielen] die Entwicklung ehemals artenreicher Wiesen in artenarme Fettwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologischen Auswirkungen der oben beschriebenen Veränderungen sind mannigfaltig: beispielsweise führt die Intensivierung der Graslandkultivierung und die früheren Schnittzeitpunkte zu einer Abnahme der Samenbank im Boden (Klimkowska et al. 2007). Die früheren Schnittzeitpunkte führen zur Überlappung mit der Brutsaison bodenbrütender Vögel; durch Mahd werden die Nester mechanisch zerstört oder sind für Prädatoren nach dem Schnitt leichter zugänglich oder die Futterverfügbarkeit wird während einer kritischen Phase der Nestlinge dezimiert (Britschgi et al. 2006). Einzelflächen wie auch die Gesamtfläche ökologisch wertvoller Wiesen und Weiden sind zu klein und zu stark fragmentiert. Kleine Grünlandflächen sind besonders empfindlich gegenüber negativer Randeffekte (z.B. Eindringen anderer Arten) und ökologischer Drift. Die durchschnittliche Grösse der TWW von nationaler Bedeutung beträgt heute 4.7 ha und im Sömmerungsgebiet 10.5 ha (Guntern et al. 2013): eine Wiederbesiedlung durch Tagfalter, Hummeln und Reptilien ist möglich, wenn die Flächen nicht weiter als 1-3 km voneinander entfernt sind. Charakteristische Heuschrecken und Laufkäfer dagegen überwinden selten Distanzen von über 100 m.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Nährstoffversorgung im Grünland''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stickstoff ein elementarer Baustein aller Lebewesen; Pflanzen nehmen ihn über die Wurzeln in der Form von Ammonium oder Nitrat auf. Pflanzenverfügbarer Stickstoff ist natürlicherweise in den meisten Böden Mangelware – in den letzten Jahrzehnten gelangten jedoch riesige Mengen von Stickstoffverbindungen als Mineraldünger, Gülle oder aus Verbrennungsprozessen direkt oder indirekt über die Luft in die Böden. Der natürliche atmosphärische Eintrag von biologisch aktivem Stickstoff beträgt lediglich 0.5 – 2 kg/ha. Heute gelangt durchschnittlich 16 kg/ha Stickstoff über die Luft in den Boden, was in etwa der ausgebrachten Menge für mittel intensiv genutzten Wiesen entspricht. Peter (2011) weist darauf hin, dass bei drei der vier umweltrelevanten Stickstoffformen (Ammoniak, Nitrat und Lachgas) die Landwirtschaft gesamtschweizerisch gesehen die Haupt Emittentin ist. So müssten beim Ammoniak beispielsweise die Emissionen aus der Landwirtschaft annähernd halbiert werden, damit eine substanziell schädigende Wirkung in sensiblen Ökosystemen verhindert werden könnte. Für artenreiche Wiesen (kollin und montan) liegt der kritische Eintragswert bei 10-30 kg N pro Hektar und Jahr (Guntern 2016a). Entsprechend sind bspw. 49% der Trockenwiesen von den negativen Auswirkungen des atmosphärischen Stickstoffeintrags betroffen; die kritischen Eintragswerte (critical loads) werden in vielen Lebensräumen z.T. massiv überschritten (BAFU 2017). In Wiesen führt dies zu einer Bodenversauerung, zu einer starken Abnahme der Pflanzendiversität und zur Dominanz einiger weniger Grasarten und ist mitverantwortlich für die extreme Artenverarmung im Wiesland insbesondere in den Tieflagen (Bosshard 2016). Heutige Bestände sind im Vergleich zu früher wüchsiger und dichter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Stickstoffbilanz 2015 BFS 2.png&lt;br /&gt;
| text = Die Stickstoffbilanz in den Landwirtschaftsflächen (inkl. Alpweiden) zeigt langfristig betrachtet zwar einen rückläufigen Überschuss, dennoch resultierte 2015 ein Überschuss von 60 kg/ha (1990er-Jahre &amp;gt; 80 kg/ha). Quelle: Landwirtschaft und Ernährung, Taschenstatistik BFS 2018)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Phosphor ist einer der Hauptnährstoffe der Pflanzen und wird in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt. In den letzten zehn Jahren belief sich der Phosphorüberschuss auf rund 400 t/Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = phosphorbilanz 2018 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Phosphorbilanz der Landwirtschaftsflächen. Phosphormengen, die in landwirtschaftliche Böden gelangen bzw. ihnen entzogen werden. Quelle: BFS – Umweltgesamtrechnung (2020)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im intensiv genutzten Grasland werden ausserdem steigende Zink- und Kupfereinträge beobachtet, welche aus dem Hofdünger (Gülle und Mist) bzw. aus den Futtermitteln stammen (Gubler et al. 2015). Aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität kann auch im Grünland davon ausgegangen werden, dass vielerorts das Bodenleben dadurch beeinträchtigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uz-umwelt-zustand/biodiversitaet-schweiz-zustand-entwicklung.pdf.download.pdf/UZ-1630-D_2017-06-20.pdf Zustand und Entwicklung Biodiversität Schweiz]&lt;br /&gt;
* Guntern et al. (2013): [http://www.ngzh.ch/media/pdf/Flaechenbedarf.pdf Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz]&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/boden/uz-umwelt-zustand/boden-schweiz.pdf.download.pdf/UZ-1721-D_Boden2017.pdf Boden in der Schweiz. Zustand und Entwicklung. Stand 2017] &lt;br /&gt;
* BFS (2018): [https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/publikationen/uebersichtsdarstellungen/taschenstatistik-schweiz.html Taschenstatistiken] &lt;br /&gt;
* BLW: [https://www.agrarbericht.ch/de Agrarbericht]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zustand und Entwicklung der Artengemeinschaften des Grünlands==&lt;br /&gt;
Bei einer Vergleichsuntersuchung fanden Schlup et al. (2013) im extensiv bewirtschafteten Grünland (Kammgrasweide, Fromental- und Goldhaferwiese, Halbtrockenrasen) eine höhere Artenzahl an Gefässpflanzen als im durchschnittlichen Grünland der Schweiz. Ausserdem kamen im extensiven Grünland deutlich mehr Kenn- und Charakterarten sowie gefährdete Arten vor. Spezialisiertere Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt und es findet eine Trivialisierung statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Kennarten de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Die Tabelle zeigt, wie wichtig besonders wertvolle Lebensräume für den Erhalt von vielen Tiergruppen sind. Quelle: Hotspot 18, Forum Biodiversität Schweiz 2008)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Demnach weist ein beträchtlicher Teil der Arten eine erhöhte Bindung zu Trockenwiesen und -weiden auf.&lt;br /&gt;
Lebensraumverlust und -degradierung haben auf die Biodiversität im Grünland einen negativen Einfluss, wie die folgende Darstellung aus dem Biodiversitätsmonitoring Schweiz zeigt (BAFU):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Indikatoren de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden - Index* von 0 (einheitlich) bis 100 (vielfältig), aller paarweisen Vergleiche der Stichprobenflächen, in Prozent. *Mittelwerte über einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren. Quelle: BAFU: Biodiversitäts-Monitoring Schweiz BDM 2018&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Artenvielfalt ist seit Mitte der 2000er Jahre insgesamt zurückgegangen und deutet auf eine gesamtschweizerische Vereinheitlichung der Wiesen und Weiden hin, was einem Verlust der Biodiversität gleichkommt. Jedoch ist der Verlust der Artengemeinschaften in diesen Lebensräumen schon seit mindestens einigen Jahrzehnten im Gang: In den letzten 120 Jahren hat sich die durchschnittliche Pflanzenartenvielfalt auf 81 Wiesen fast halbiert (Schlup et al. 2013). Generell wird festgestellt, dass v.a. häufig vorkommende Arten zugenommen haben, welche keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Spezialisierte Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt, was zu einer Trivialisierung der Wiesen und Weiden führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die meisten Vogelarten, welche auf Äckern, Wiesen und Weiden brüten, sind aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität im Rückgang begriffen: Der schweizerische Index der für das Kulturland typischen Brutvögel (46 UZL-Arten) hat seit 1990 um fast 30% abgenommen, der europäische Agrarvogelindex seit 1980 um über 50% (BLW 2017, Becker et al. 2014). Auch die Bergidylle ist zunehmend bedroht: ein Langzeitvergleich der Vogelwarte zeigt, dass im Engadin innerhalb von 22 Jahren der Anteil an wenig intensiv genutzten und artenreichen Wiesen von 32 auf 27% gesunken und die Brutbestände von Feldlerche, Baumpieper und Braunkehlchen um 44-61% gesunken sind (Korner et al. 2017). Den blütenbesuchenden Insekten wird durch den Rückgang des reichen Blüten- und Nektarangebots die Nahrungsgrundlage entzogen. Wesche et al. (2014) stellten bei Heuschrecken und Wanzen in Auen und Trockenwiesen innert 50 Jahren einen dramatischen Einbruch der Individuenzahlen (&amp;gt;60%) bei teils konstanten, teils zunehmenden Artenzahlen fest. Die botanische Zusammensetzung von Fromentalwiesen zeigt im Vergleich zu den 1950er Jahren eine durchschnittliche Abnahme der Artenzahl von rund 30% bei einer ebenfalls deutlichen Qualitätseinbusse (Bosshard 2015c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Monitoringprogramms ALL-EMA werden der Zustand und die Veränderung von Arten und Lebensräumen der Umweltziele Landwirtschaft in der offenen Agrarlandschaft Schweiz erfasst und die Biodiversitätsförderflächen beurteilt. Eine erste umfassende Auswertung zum Zustand der Biodiversität ist 2020 vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/monitoring-analytik/all-ema.html ALL-EMA]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/zustand/indikatoren.html Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden (BAFU)]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodiversitymonitoring.ch/index.php/de/ Biodiversitätsmonitoring Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uw-umwelt-wissen/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf.download.pdf/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf BAFU &amp;amp; BLW (2016): Umweltziele Landwirtschaft UZL.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung und Gefährdungsursachen=&lt;br /&gt;
43% der unter dem Begriff „Grünland“ zusammengefassten Lebensraumtypen gelten als gefährdet. Die wertvollsten Flächen der Trockenwiesen und -weiden sind in einem Inventar (TWW) bezeichnet - seit 1900 sind rund 95% der TWW in der Schweiz verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Gefaehrdungskat Grünland de.png&lt;br /&gt;
| text = Einstufung der 30 Lebensraumtypen des Grünlandes gemäss Roter Liste.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefährdungsursachen und wichtige Treiber sind (Delarze et al. 2015, Bosshard 2016, Becker et al. 2014):&lt;br /&gt;
* Der Verlust an Grünland-Lebensräumen durch Nutzungsaufgabe in Grenzertragslagen und nachfolgender Sukzession, durch Umwandlung von Grünland in Ackerland oder Kunstwiesen und durch den Siedlungs- und Strassenbau. Als Folge der Lebensraumverluste sind verbleibende Habitate oft zu klein und/oder von Isolation bedroht. Bis Fragmentierung und Randeffekte zum Verlust von Arten führen, kann es Jahrzehnte dauern; man spricht deshalb auch von der sogenannten Aussterbeschuld. Im Sömmerungsgebiet verschwinden mittel-wertvolle Flächen. Das aktuelle Instrument der BFF gibt im Sömmerungsgebiet keine Kriterien zur Bewirtschaftung vor. Es gibt Hinweise, dass die Kartierung der TWW nicht vollständig ist. Es besteht die Gefahr, dass wertvolle Flächen durch Intensivierung, falsche Nutzung oder Nutzungsaufgabe verloren gehen.&lt;br /&gt;
* Intensivierung, moderne oder ungeeignete Bewirtschaftung sowie Nährstoffeinträge: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die damit verbundene Intensivierung hat vielfache Auswirkungen auch auf das Grünland. Düngung und Zufütterung in der Viehhaltung haben vervielfachte Nährstoffeinträge und die Eutrophierung des Bodens zur Folge. Durch das Düngen werden viele Grünlandarten, insbesondere Kräuter, verdrängt und die Artenvielfalt nimmt in der Folge ab, weil wenige Arten dank dieser zugeführten Nährstoffe schnell wachsen, rasch Biomasse aufbauen und den Boden für den Aufwuchs anderer Pflanzen beschatten (Gerowitt et al. 2013). Die Intensivierung umfasst ausserdem die frühere Nutzung der Bestände zur Erzielung hoher Futterqualität (für die Hochleistungs-Milchkühe) und eine generell erhöhte Schlagkraft (mit schweren Maschinen), häufigere Nutzungen, den Einsatz von Pestiziden, Flurbereinigungen und Strukturverlust sowie kulturtechnische Massnahmen zur Entwässerung,  Kalkung oder Bewässerung der Flächen. Des Weiteren werden Flächen eingeebnet bzw. unter Einsatz von bspw. Forstmulchern intensiviert. Vorgegebene Schnittzeitpunkte bewirken eine Monotonisierung der Landschaft sowie ein zeitgleiches Wegfallen von Nahrungsquellen. All diese Faktoren sowie die Aufgabe bestimmter Nutzungsformen führen zu einer Vereinheitlichung der Lebensräume. &lt;br /&gt;
* Der Klimawandel stellt für den Wandel der Biodiversität und Ökosysteme einen bedeutenden Faktor dar (Guntern 2016b): insbesondere spielen der Temperaturanstieg sowie Veränderungen im hydrologischen Regime eine Rolle. Höhere Temperaturen und zunehmende Niederschlagsmengen führen bei gleichmässiger Bodendurchfeuchtung zu einer zunehmend schnelleren Wuchsleistung des Grünlands. Aus dem Biodiversitätsmonitoring ergeben sich Hinweise, dass im Mittelland bestimmte Lebensräume einerseits wärmer, andererseits auch trockener werden (BDM-Facts Nr. 4, BAFU 2012).&lt;br /&gt;
* Auch invasive, gebietsfremde Arten können auf die heimische Biodiversität nachteilig wirken. V.a. folgende Arten bereiten bisher grossflächig Probleme im extensiv genutzten Wiesland: das Einjährige Berufkraut (''Erigeron annuus''), die beiden Goldrutenarten (''Solidago canadensis'' und ''S. serotina'', v.a. im unternutzten oder spät gemähten, feuchten bis wechselfeuchten Wiesland) sowie das Schmalblättrige Kreuzkraut (''Senecio inaequidens''). Weitere Neophyten mit invasivem Ausbreitungspotenzial werden auf der Neophyten-Watch-List geführt. Die (bemerkenswerte) Resistenz gegenüber neu eingebrachten Arten scheint ein Charakteristikum des mitteleuropäischen Wieslands zu sein (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
* Je nach Lebensraumtyp und Lage des Grünlandes stellen auch Freizeitaktivitäten bzw. Erholungsnutzung Gefährdungsfaktoren dar. In Deutschland sind insbesondere auch der Anbau von Energiepflanzen (Biogasproduktion, Raps für Kraftstoffproduktion) sowie die Agrophotovoltaik mögliche Gefährdungstreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = rationelle Mahd as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Rationelle Erntemaschinen töten und verletzten viele Tiere.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgend werden einige ausgewählte Gefährdungsfaktoren näher beleuchtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Unternutzung und Nutzungsaufgabe''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine extensive Bewirtschaftung wird in Gebieten mit ungünstigen Produktionsbedingungen (Hangneigung, Bodenstruktur) immer weniger rentabel. In den letzten dreissig Jahren bewegten sich die Veränderungen in der Nutzungsform im Alpenraum stets in Richtung eines geringeren Bewirtschaftungsaufwands: von der Schnitt- zur Weidenutzung und von der Beweidung zur Verbrachung (Leitgruppe NFP 48 2007). Eine Unternutzung oder eine gänzliche Aufgabe der Bewirtschaftung führen kurzfristig zu Verbrachungserscheinungen, mittelfristig zu Verbuschung und Einwaldung. Wenn die Biomasse nicht weggeführt wird, tritt im Laufe der Jahre zunehmend Lichtmangel v.a. für die dichte, bodennahe Schicht in Form von sogenanntem Streuefilz auf. Gerade seltene und gefährdete Arten verschwinden oft zuerst und werden durch Generalisten ersetzt, bevor die Bewaldung einsetzt (Bosshard 2016). Im günstigsten Fall kann bereits nach 20 Jahren auf einer früheren Magerwiese oder -weide ein Wald stehen. In sehr magerem Wiesland führt die Nutzungsaufgabe und Verbrachung jedoch nicht zu einem Artenverlust, da die Wüchsigkeit für das Ausbilden eines Streuefilzes nicht ausreicht oder dieser rasch wieder abgebaut wird (bspw. durch Wind). Die natürliche Wiederbewaldung in Grenzertragslagen wird als Ausdruck eines grundlegenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels interpretiert, bei dem der Rückgang der Armut und die Zunahme des Wohlstands eine grosse Rolle spielen (Leitgruppe NFP 48 2007). Durch die abnehmende Verfügbarkeit von Arbeitskräften sind auch pflegerische Arbeiten der Bewirtschaftung gefährdet: damit eine möglichst langfristige Produktivität des Kulturbiotops sichergestellt werden kann, sind Pflegearbeiten wie Frühjahrssäuberung, exaktes Mähen, Abrechen des Schnittguts usw. notwendig, damit die «Saatbett-Bereitung» bzw. das Vorhandensein von Keimstellen gesichert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Steinfräsen''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Steinfräsen zerkleinern Steine und Felsen, zermalmen und brechen den Boden auf, beseitigen Kleinstrukturen und Unebenheiten im Gelände. Diese irreparable Zerstörung der natürlichen Vegetation und der Kleinstrukturvielfalt ist u.a. für den Verlust von Baumpieper und Feldlerche im jurassischen Brutgebiet mitverantwortlich. Im Jura werden seit den 1990er-Jahren Steinfräsen teilweise grossflächig eingesetzt, um die wertvollen Kleinstrukturen zu eliminieren und ganze Flächen zu planieren. Die Gesetzeslage ist kantonal unterschiedlich (SO, JU, VD nicht erlaubt, NE &amp;amp; BE teilweise erlaubt) und trotz Verbot sind unbewilligte Fälle bekannt (Apolloni et al. 2017). Steinfräsen werden auch in höheren Lagen der Alpen regelmässig eingesetzt. Sie stellen eine so grosse Gefahr für die Biodiversität dar, dass sie verboten gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Delarze et al. (2016): [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/rote-liste.html Rote Liste der Lebensräume der Schweiz]&lt;br /&gt;
* Trockenwiesen und -weiden der Schweiz (TWW) [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/massnahmen-zur-erhaltung-und-foerderung-der-biodiversitaet/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar, Vollzugshilfe und Merkblätter, Fallstudien]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/biotopschutz-schweiz.html Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Rechtsgrundlagen =&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983407/index.html Landwirtschaftsgesetz (LwG)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983381/index.html Landwirtschaftliche Begriffsverordnung (LBV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20130216/index.html Direktzahlungsverordnung (DZV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/oekologischer-leistungsnachweis.html Ökologischer Leistungsnachweis (ÖLN) gemäss DZV, Übersicht zu den einzelnen Artikeln]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Übersicht über die Biodiversitätsbeiträge pro BFF-Typ und Qualitätsstufe]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege/qualitaetsbeitrag.html Weitere Ausführungen zu den BFF-Qualitätsbeiträgen (QI und QII)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege/vernetzungsbeitrag.html Weitere Ausführungen zu den Vernetzungsbeiträgen]&lt;br /&gt;
* Die rechtliche Grundlage für den nationalen Schutz der Trockenwiesen und -weiden bildet das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/massnahmen-zur-erhaltung-und-foerderung-der-biodiversitaet/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar über die Trockenwiesen und -weiden mit den entsprechenden Verordnungen und Vollzugshilfen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Nachfolgend sind wichtige Themen aufgeführt, zu welchen (teilweise) Wissenslücken bestehen:&lt;br /&gt;
* Vorkommen und Verbreitung ökologisch wertvoller Grünlandflächen im Sömmerungsgebiet, flächendeckende Inventarisierung&lt;br /&gt;
* Wissenschaftliche Grundlagen zum Düngungsbedarf von Fromental- und Goldhaferwiesen im Hinblick auf die botanische Vielfalt fehlen, Praxisversuche sind wünschenswert.&lt;br /&gt;
* Es gibt kaum systematische Erfahrungen zum Etzen in Zusammenhang mit der Biodiversitätsförderung im artenreichen Wiesland, übergeordnete Erfolgskontrollen sind erwünscht.&lt;br /&gt;
* Phänologisch basierte Schnittzeitpunkte&lt;br /&gt;
* Einfluss von Heubläser-Einsätzen auf die Biodiversität, insbesondere die Fauna (Richner et al. 2014 beleuchten den Einfluss auf die Vegetation)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Bewirtschaftung auf die Fauna über alle Mäh- und Nachbereitungsgeräte hinweg unter vergleichbaren Bedingungen untersuchen. Verhalten der Populationen auf mehrschürigen Wiesen im Jahresverlauf.&lt;br /&gt;
* Angaben zu Ausmass und Verbreitung von Bodenverdichtungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literatur=&lt;br /&gt;
Die Publikationen zum Grünland sind äusserst umfangreich. Wir stellen Ihnen die gesamte [[Media:Dokumentation Grünland Literatur.pdf|Liste an verwendeter Literatur]] zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland=&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]|| [https://www.faunatur.ch/ faunatur]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Andreas Bosshard || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Jean-Yves Humbert || [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Heiri Schiess ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  André Stapfer ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Markus Staub || [https://www.poel.ch/ Projekte Ökologie Landwirtschaft] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Gaby Volkart || [http://www.ateliernature.ch/atena/francais.php atena]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Grundlagen&amp;diff=4719</id>
		<title>Grünland/Grundlagen</title>
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				<updated>2023-03-12T14:02:20Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Informations de base]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fromentalwiese ABosshard zg 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Die Fromentalwiesen sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Sukzession und Bedeutung des Grünlands=&lt;br /&gt;
Mit wenigen Ausnahmen ist Grünland keine natürliche Vegetation - bleibt eine Nutzung aus, folgt der Verlauf der meisten Grünland-Lebensraumtypen der natürlichen Sukzession. Maag et al. (2001) zeigen die verschiedenen Sukzessionsverläufe für unterschiedliche Standorte. Dabei hat jede Stufe der Sukzession beispielsweise eines Trockenrasens bis hin zum Wald ihren ökologischen Wert; die Artenvielfalt kann durch ein Nebeneinander verschiedener Sukzessionsstadien erhöht werden (Diacon et al. 2011). Die unterschiedlichen Stadien der Verbrachung und Verbuschung weisen willkommene Rückzugsgebiete und Nahrungsreservoirs für Reptilien, Spinnen und viele Insekten dar. Insbesondere jüngere Brachen können floristisch und faunistisch äusserst wertvoll sein; langfristig ist dagegen die Artenvielfalt in Dauerbrachen gefährdet (Dipner &amp;amp; Volkart 2010). &lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Abbildung weglassen, weil nicht in guter Qualität zur Verfügung; Alternative: Foto einwachsender Wiese. In der folgenden Abbildung sind die Phasen der Verbuschung nicht mehr bewirtschafteter Halbtrockenrasen dargestellt (Quelle: Briemle et al. 1993):--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung des Grünlandes ist vielfältig und eine grosse Bandbreite von allgemeinen, nicht nur an das Grünland gebundene Ökosystemleistungen sind auch mit diesen Lebensräumen verbunden, wie produktive Erzeugnisse, genetische Ressourcen von Futterpflanzen, Bestäubungsleistungen, Erosionsvermeidung, kulturelle Leistungen, Speicherung von Kohlenstoff (Guntern et al. 2013). Ebenfalls relevant sind die mit dem Grünland verbundenen ästhetisch-landschaftlichen Aspekte bspw. im Hinblick auf die touristische Nutzung oder die Erholungsfunktion. Aus landwirtschaftlicher Sicht ist die Bedeutung des Grünlandes als Stätte der Futterproduktion zentral. Entsprechend sind Wiesen und Weiden für die landwirtschaftliche Nutzung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte „optimiert“ worden. Beispielsweise stellen die Hochleistungsrassen in der Milchwirtschaft hohe Ansprüche an den Futterwert des Grünlandes: im jüngeren Aufwuchs ist der Rohfasergehalt niedriger und die Anteile an Rohprotein und Mineralstoffen höher. Entsprechend sind der Energiegehalt und die Verdaulichkeit des Futters besser. Damit sind die Anforderungen der Hochleistungsmilchwirtschaft mit dem Erhalt des artenreichen Grünlands nicht vereinbar (Gerowitt et al. 2011); landwirtschaftlich intensiv genutzte Wiesen haben kaum einen ökologischen Wert verglichen mit artenreichem Grünland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Typologie des Grünlands=&lt;br /&gt;
Je nachdem, worauf der Fokus liegt, kann das Grünland in Unterkategorien aufgeteilt werden; man kann vegetationskundliche, ökologische oder auch futterbauliche Kriterien anwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Haber de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Haber (2014) gliedert das Grünland i.w.S. wie oben dargestellt (Abbildung leicht verändert).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl &amp;amp; Grünig (in Oppermann &amp;amp; Gujer 2003, S. 60) gliedern die artenreichen (Mäh-)Wiesen der Schweiz nach Wasser- und Nährstoffhaushalt in 19 Wiesentypen auf. Ihre tabellarische Übersicht zeigt für die jeweiligen Wiesentypen kennzeichnende Artengruppen und -kombinationen. Für den gedüngten Bereich wurde die obengenannte Systematik weiterentwickelt und [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Bosshard (2016) unterscheidet in der Folge für das gedüngte Wiesland neun Typen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard Genese de.png&lt;br /&gt;
| text = Genese und Höhenverbreitung der gedüngten Wiesentypen. &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Vereinfachter dichotomer Bestimmungsschlüssel zur Identifikation von Fromental- und Goldhaferwiesen in Bosshard (2016, S. 188).&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/SchluesselGeduengteNaturwiesen.xls Bestimmungsschlüssel für die Wiesentypen des gedüngten Naturwieslands der Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://ira.agroscope.ch/de-CH/publication/46127 Bestimmungsschlüssel für Lebensräume der offenen Kulturlandschaft] (Buholzer et al. 2015)&lt;br /&gt;
* Die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/kartierung-und-bewertung-trockenwiesen.html Kartier- und Bewertungsmethode zur Erarbeitung des Inventars der Trockenwiesen und -weiden] ist im Technischen Bericht ausgeführt (Eggenberg et al. 2001)&lt;br /&gt;
* [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/4-grnland-naturrasen-wiesen-und-weiden.html Klassifikation der Grünlandlebensräume nach Delarze et al. (2015)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Zustand und Entwicklung des Grünlands in der Schweiz=&lt;br /&gt;
==Entstehung von Grünland==&lt;br /&gt;
Grünland ist in Mitteleuropa vor 8000 Jahren durch Waldrodung zur Ackernutzung entstanden. Die anschliessend nicht mehr für den Ackerbau genutzten Flächen begrünten sich und wurden als Viehweiden genutzt. Wo Wiesland in prähistorischer Zeit vorkam, ist weitgehend ungewiss und wird in Bosshard (2016) kurz ausgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapfer (2010a, 2010b) und Bosshard (2016) beleuchten die Entstehungsgeschichte und die historische Wies- und Weidelandnutzung und stellen sie in Vergleich mit heutigen Nutzungsformen: Während vieler hundert Jahre war das Wiesland in das Produktionssystem der auf Getreidebau ausgerichteten Dreizelgenwirtschaft ausgerichtet. Der Heu- und Emdschnitt führte zusammen mit den geringen Mistgaben (rund um den Hof herum) und der historisch üblichen Frühjahrsvorweide (Etzen) zu einer langfristigen Ausmagerung der Böden mit entsprechenden Folgen für die Vegetation. Reine Mähwiesen haben sich grossflächig erst im 19. Jahrhundert entwickelt, vorher waren alle Wiesen auch beweidet (Frühjahrs- oder Herbstweide). Nach dem Etzen erfolgte der Heuschnitt später und die Wiesenpflanzen konnten ihre individuelle Entwicklung bis zur Samenreife und dem Ausstreuen der Samen vollständig abschliessen. Die heutige erste Hauptnutzung auf den Mager- und Fromentalwiesen beim Heuschnitt entsprach historisch der zweiten Nutzung. Früher orientierte man sich für den Beginn und das Ende bestimmter Bewirtschaftungsgänge an Heiligen-Tagen. Diese Orientierungszeitpunkte wurden jedoch je nach Jahresverlauf bspw. für den Mahdbeginn auch flexibel gehandhabt. Die Ernte einzelner Flächen erstreckte sich über mehrere Wochen hinweg. Das Heu der Schnittwiesen wurde auf der Fläche getrocknet, wodurch eine erfolgreiche generative Vermehrung gefördert wurde (Poschlod 2011). Im Laufe der Zeit führten neue Ernteverfahren, Bewässerungsmassnahmen und neu auch die phänologischen Veränderungen aufgrund des Klimawandels zu einem früheren ersten Schnitt von Wiesen (Guntern et al. 2013).&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungsschemata Kapfer zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Bewirtschaftungsschema der drei wichtigsten Wiesentypen der alten Dreizelgenwirtschaft. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Die ökologischen Auswirkungen und die Anwendung des Etzens (Frühjahrsvorweide) (Quelle: Bosshard 2015b)''' &amp;lt;br /&amp;gt; Etzen war bis ins 18./19. Jh. die übliche erste Nutzung von Mähwiesen. Heute wird die Vorweide dagegen vor allem im Berggebiet in den intensiver genutzten Wiesentypen noch regelmässig praktiziert. Etzen bewirkt langfristig einen Nährstoffentzug, die Wüchsigkeit einer Wiese wird vermindert und dadurch, dass kurzfristig Licht in den Bestand eingebracht wird, werden empfindlichere Pflanzen artenreicher Wiesen gefördert. Die längere bewirtschaftungsfreie Phase zwischen der Frühjahrsweide und dem nächsten Nutzungszeitpunkt durch Mahd führt zu einem deutlich schmackhafteren, gehaltvolleren (da eiweissreicheren) Heuaufwuchs, so dass Etzen auch aus futterbaulicher und wirtschaftlicher Sicht von Interesse sein dürfte. &lt;br /&gt;
Das kurze, schonende Überweiden einer Wiese im Frühjahr führt zu einem strukturierteren Pflanzenbestand, einem längerdauernden Blütenangebot und einem späteren Heuschnitt und gewisse Tierarten (Tagfalter, Heuschrecken und wiesenbrütende Vogelarten) können davon profitieren (SHL 2008). Aus praktischen Gründen (logistischer Aufwand) kommt das Etzen nur für eine Minderheit von Grünlandflächen überhaupt in Frage und ist für BFF-Flächen bspw. im Rahmen von Vernetzungsprojekten realisierbar, sofern die kantonalen Vernetzungsrichtlinien dies vorsehen und begründen.&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem historischen Blickwinkel ist die Entstehung der Artenvielfalt in Wiesen zu betrachten (Poschlod 2011): Die Artenzusammensetzung der Flachlandmähwiesen, wie sie sich in der heutigen Form präsentiert, ist wahrscheinlich erst etwa 300 Jahre alt; der namengebende Glatthafer (''Arrhenatherum elatius'') wurde erst Anfang des 18. Jahrhunderts eingeführt (d.h. ein durch Auswahl-Zucht verbesserter Ökotyp aus Südfrankreich).  Möglicherweise ist die namengebende Art der Berg-Mähwiesen, der Goldhafer (''Trisetum flavescens'') ebenfalls erst zu dieser Zeit eingeführt worden. Fast alle Pflanzenarten des Wieslandes scheinen aus der autochthonen Flora zu stammen (bspw. aus lichten Stellen von Wäldern, aus Schotterflächen der Auen, aus den Randregionen der Hochmoore etc.). Verschiedene Futterpflanzen des Wieslandes sind (gezielt oder unabsichtlich) eingeführt worden und schon früh begann der Mensch, mit gezielten Einsaaten den Ertrag zu steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungstypen Kapfer zg 1280 768.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht zur Genese der Bewirtschaftungstypen des Grünlands Mitteleuropas. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Zusammenfassende Betrachtungen und nähere Ausführungen zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Grünlands liefern [http://www.dr-kapfer.de/index.php/download.html Kapfer (2010a, 2010b)], [https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/90005 Poschlod (2011)] und Bosshard (2016).&lt;br /&gt;
* Auch das [http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D13861.php Historische Lexikon der Schweiz] bietet zu verschiedenen Themen (Düngung, Futtermittel, Bewässerung, Wiesen, Weiden) informative Artikel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quantitativer und qualitativer Zustand und deren Veränderung==&lt;br /&gt;
Das Grünland hat sich mit den technischen Möglichkeiten in der Landwirtschaft (Mechanisierung, Düngereinsatz) und den Flurbereinigungen der letzten Jahrzehnte stark verändert worden und verändert sich immer noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Media:Tabelle Grünland Auszug Flächenbedarf.pdf|Tabelle]] gibt einen Überblick über die Ausdehnung und quantitative Veränderung der Schweizer Grünlandlebensräume. Quelle: «Guntern et al. (2013): Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz», S. 96. Weitere Grünflächen befinden sich im Siedlungsgebiet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;LN = Landwirtschaftliche Nutzfläche, SöG = Sömmerungsgebiet, BFF = Biodiversitätsförderfläche&amp;lt;/small&amp;gt; &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Lebensraum&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 10%&amp;quot;| Zeit&lt;br /&gt;
!colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Ausdehnung [ha]&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Bemerkung, Quelle&lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Wiesen und Weiden auf der LN (ohne SöG, Kunstwiesen) davon:&amp;lt;br/&amp;gt;- Extensiv genutzte BFF-Wiesen &amp;lt;br/&amp;gt;- Wenig intensiv genutzte BFF-Wiesen&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|610’732 &amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;66‘056 &amp;lt;br/&amp;gt;22‘919&lt;br /&gt;
| (BLW 2012) &amp;lt;br/&amp;gt;Wobei mit Qualität gemäss ÖQV: &amp;lt;br/&amp;gt;- Weiden, Waldweiden: 5'384 ha &amp;lt;br/&amp;gt;- Wiesen (inkl. Streuflächen): 28'864 ha&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sömmerungsgebiet &amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; (SöG)&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|505'385 (12% der CH)&lt;br /&gt;
| Gemäss (Walter et al. 2013)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Trockenwiesen und –weiden (TWW)&lt;br /&gt;
| 1900&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|760‘000 (bis 900‘000)&lt;br /&gt;
| (Eggenberg et al. 2001; Lachat et al. 2010b), Flächenverlust von 90-99% von TWW in den Regionen und 95% in der Schweiz. &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2010&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|37‘011&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Potenziell wertvolles Grasland auf der LN oder im SöG (ohne TWW, Moore Modell basierend auf der Steigung und der Höhe über Meer an den Fundorten von UZL-Ziel- und Leitarten.&lt;br /&gt;
| 2012 &amp;lt;br/&amp;gt;Total: &amp;lt;br/&amp;gt;TZ: &amp;lt;br/&amp;gt;HZ: &amp;lt;br/&amp;gt;BZI: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZIV: &amp;lt;br/&amp;gt;SöG:&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [ha] &amp;lt;br/&amp;gt;231’688 &amp;lt;br/&amp;gt;3797 &amp;lt;br/&amp;gt;354 &amp;lt;br/&amp;gt;2'023 &amp;lt;br/&amp;gt;6943 &amp;lt;br/&amp;gt;9223 &amp;lt;br/&amp;gt;10'984 &amp;lt;br/&amp;gt;198'364&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [%] &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;0.78 &amp;lt;br/&amp;gt;0.25 &amp;lt;br/&amp;gt;1.71 &amp;lt;br/&amp;gt;4.52 &amp;lt;br/&amp;gt;11.06 &amp;lt;br/&amp;gt;22.72 &amp;lt;br/&amp;gt;39.25&lt;br /&gt;
| (Walter et al. 2013) &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;TZ = Talzone &amp;lt;br/&amp;gt;HZ = Hügelzone &amp;lt;br/&amp;gt;BZ = Bergzone &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;Grünland macht nahezu 100% des SöG sowie der LN in den BZIV und BZIII aus.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Fromentalwiesen auf der LN&lt;br /&gt;
| 1950&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Abgesehen von TWW, Dauerweiden, Streuwiesen, Äckern nahezu alles&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012): genauere Angaben in Erarbeitung für Schlussbericht der laufenden Studie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|3-8%&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012), wobei davon ca. 20% mit der Artenzusammensetzung von intensiv genutzten Fromentalwiesen der 1950er Jahre und max. 5% mit guter Qualität (pers. Mitteilung A. Bosshard) &amp;lt;br/&amp;gt;-&amp;gt; Rückgang von vermutlich &amp;gt; 90% und nahezu 100% für artenreiche Bestände (Bosshard 1998)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Gemäss Arealstatistik nahm die Alpwirtschaftliche Nutzfläche von 1979/85 bis 1992/97 von 555'662 um 3.2 % auf 537'802 ha ab. Ein weiterer Rückgang wurde bis 2004/09 festgestellt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Schätzungsweise weitere Abnahme von 25-30% zw. 1995-2005 (Leibundgut 2007 zitiert in Graf &amp;amp; Korner 2011). Grössenordnungen in diesem Bereich sind im Wallis und Engadin durch Fallstudien bestätigt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Vergleich mit der Grünland-Situation in Deutschland zeigt: Ein mit der Schweiz (Tieflagen) vergleichbarer Anteil von rund 13% der Gesamtfläche (CH 14.7%) wird als landwirtschaftliches Grünland genutzt, der Grossteil davon ebenfalls intensiv (Boch et al. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Nutzung LN BFS 2018 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Wie sich die landwirtschaftliche Nutzfläche der Schweiz auf die verschiedenen Nutzungstypen aufteilt. Quelle: BFS 2018, Die Schweiz in 21 Infografiken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zeitraum von 1990 bis 2009 hat sich die Grünlandfläche in Deutschland um 875‘000 ha verringert. Zwischen 2003 und 2012 betrug der absolute Verlust des Dauergrünlands ca. 5%. In der Schweiz machen Landwirtschafts- und Alpwirtschaftsflächen zusammen mehr als einen Drittel der Gesamtfläche aus; zwischen 1985 und 2009 sind 85‘000 ha davon verlorengegangen, was der Grösse des Kantons Jura entspricht (BFS 2018). Die Fromentalwiesen, bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts der häufigste und zugleich produktivste Wiesentyp auf den guten Böden der tieferen Lagen Mitteleuropas, sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden. Damit einher ging eine qualitative Verschlechterung: ein Vergleich zwischen 1950 und 2009 zeigt, dass die damalig «intensiv» genutzten Wiesen in der Regel QII-Qualität hatten, heute hingegen in den noch vorhandenen Fromental-Vergleichswiesen nur noch ein Drittel diese Qualitätsanforderung erreicht («Fromentalwiesenprojekt», Bosshard 2016). Unter den besonders wertvollen Lebensräumen ging die Fläche der Trockenwiesen und -weiden zwischen 1900 und 2010 um 95% zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Zuerich Umweltbericht zg.png&lt;br /&gt;
| text =  Abnahme artenreicher Wiesen im Kanton Zürich. Quelle: Baudirektion Kanton Zürich (2008), Umweltbericht 2008.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schweizer Berggebiet nahm die Entwicklung des Futterbaus und der Wiesen und Weiden einen anderen Weg als im Mittelland: Erschwernislagen (steile oder schlecht erschlossene, meist mit vielen Kleinstrukturen durchsetzte Flächen) wurden zunehmend in Weiden umgenutzt oder ganz aus der Nutzung entlassen und ein Grossteil davon ist in der Folge verbuscht und verwaldet. Insgesamt hat die Waldfläche in den vergangenen 150 Jahren auf Kosten von Wiesen- und Weideflächen je nach Region um 30-100% zugenommen. Heute liegt der überwiegende Teil des artenreichen Wieslandes der Schweiz in solchen Erschwernislagen ab Bergzone I; besonders hoch ist dieser Anteil im Sömmerungsgebiet. Allerdings nehmen diese Flächen sowohl durch Nutzungsaufgabe als auch durch Intensivierung laufend ab (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anteil BFF mit Qualitätsstufe II steigt stetig an; das Ziel eines 40%-Anteils wurde 2017 erstmals erreicht. Der Anteil im Talgebiet ist mit 28% jedoch immer noch tief (BLW 2018). Seit 2014 werden ebenfalls Beiträge für artenreiche Grün- und Streueflächen im Sömmerungsgebiet ausgerichtet; der Anteil dieser Flächen mit Qualitätsstufe II betrug 2017 217‘496 ha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;5&amp;quot;| '''Übersicht über die Flächenanteile BFF mit QII-Qualität (in Hektaren) (Quelle: Agrarbericht BLW 2019)'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! BFF QII-Typ&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Talregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Hügelregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Bergregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Total&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Extensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 11495&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 7395&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 17411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 36301&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wenig intensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 130&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3220&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3761&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| extensiv genutzte Weiden und Waldweiden&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 1468&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 2830&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 14759&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 19057&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| artenreiche Grün- und Streuflächen im Sömmerungsgebiet&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 223509&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Entwicklung BFF Q2 2001 2016.png&lt;br /&gt;
| text = Entwicklung (in Hektaren) der angemeldeten artenreichen Wiesen und Weiden (BFF mit Qualitätsstufe II) zwischen 2001 – 2016 (Quelle: Daten BLW).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die qualitativen Veränderungen in Wiesen und Weiden betreffen das allgemeine Nährstoffniveau, welches enorm gestiegen ist und das Verschwinden des früher verbreiteten Mosaiks von unterschiedlich genutzten Flächen (Schmid et al. 2007). Weitere qualitative Veränderungen der letzten Jahrzehnte beschreibt Bosshard (2016): Die Schlagkraft hat sich vervielfacht mit früherem Schnitt, viel höherer Nutzungsfrequenz und der zeitgleichen Nutzung viel grösserer Flächen. Die Erträge sind um ca. 60-80% gestiegen. Kleinstrukturen und Kulturlandschaftselemente sind verschwunden. Die schwereren Maschinen haben eine problematische Bodenverdichtung zur Folge und insbesondere für die Fauna destruktive Ernteverfahren (Rotationsmähwerke, Futteraufbereiter, Silagetechnik) nehmen zu. Heute wird vorwiegend Güllewirtschaft (rasch verfügbare Nährstoffe) statt der früher üblichen Festmistwirtschaft betrieben und durch den Wechsel von der Dürrfutterbereitung (Heu) zur Silage liegt der Nutzungszeitpunkt des ersten Aufwuchses heute früher im Jahr, es sind mehr Nutzungen pro Jahr möglich, die Ernte verläuft rascher und die Pflanzen können weniger absamen. Meliorationen, das Zusammenlegen von Parzellen und das Verschwinden von extensiven Parzellengrenzen bewirken ebenfalls grosse Veränderungen. Ein nächster Schritt steht mit der zukünftigen Automatisierung der Bewirtschaftung bevor. Anschaulich illustriert [https://www.pronatura.ch/de/wiesen-und-weiden Pro Natura anhand von Beispielen] die Entwicklung ehemals artenreicher Wiesen in artenarme Fettwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologischen Auswirkungen der oben beschriebenen Veränderungen sind mannigfaltig: beispielsweise führt die Intensivierung der Graslandkultivierung und die früheren Schnittzeitpunkte zu einer Abnahme der Samenbank im Boden (Klimkowska et al. 2007). Die früheren Schnittzeitpunkte führen zur Überlappung mit der Brutsaison bodenbrütender Vögel; durch Mahd werden die Nester mechanisch zerstört oder sind für Prädatoren nach dem Schnitt leichter zugänglich oder die Futterverfügbarkeit wird während einer kritischen Phase der Nestlinge dezimiert (Britschgi et al. 2006). Einzelflächen wie auch die Gesamtfläche ökologisch wertvoller Wiesen und Weiden sind zu klein und zu stark fragmentiert. Kleine Grünlandflächen sind besonders empfindlich gegenüber negativer Randeffekte (z.B. Eindringen anderer Arten) und ökologischer Drift. Die durchschnittliche Grösse der TWW von nationaler Bedeutung beträgt heute 4.7 ha und im Sömmerungsgebiet 10.5 ha (Guntern et al. 2013): eine Wiederbesiedlung durch Tagfalter, Hummeln und Reptilien ist möglich, wenn die Flächen nicht weiter als 1-3 km voneinander entfernt sind. Charakteristische Heuschrecken und Laufkäfer dagegen überwinden selten Distanzen von über 100 m.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Nährstoffversorgung im Grünland''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stickstoff ein elementarer Baustein aller Lebewesen; Pflanzen nehmen ihn über die Wurzeln in der Form von Ammonium oder Nitrat auf. Pflanzenverfügbarer Stickstoff ist natürlicherweise in den meisten Böden Mangelware – in den letzten Jahrzehnten gelangten jedoch riesige Mengen von Stickstoffverbindungen als Mineraldünger, Gülle oder aus Verbrennungsprozessen direkt oder indirekt über die Luft in die Böden. Der natürliche atmosphärische Eintrag von biologisch aktivem Stickstoff beträgt lediglich 0.5 – 2 kg/ha. Heute gelangt durchschnittlich 16 kg/ha Stickstoff über die Luft in den Boden, was in etwa der ausgebrachten Menge für mittel intensiv genutzten Wiesen entspricht. Peter (2011) weist darauf hin, dass bei drei der vier umweltrelevanten Stickstoffformen (Ammoniak, Nitrat und Lachgas) die Landwirtschaft gesamtschweizerisch gesehen die Haupt Emittentin ist. So müssten beim Ammoniak beispielsweise die Emissionen aus der Landwirtschaft annähernd halbiert werden, damit eine substanziell schädigende Wirkung in sensiblen Ökosystemen verhindert werden könnte. Für artenreiche Wiesen (kollin und montan) liegt der kritische Eintragswert bei 10-30 kg N pro Hektar und Jahr (Guntern 2016a). Entsprechend sind bspw. 49% der Trockenwiesen von den negativen Auswirkungen des atmosphärischen Stickstoffeintrags betroffen; die kritischen Eintragswerte (critical loads) werden in vielen Lebensräumen z.T. massiv überschritten (BAFU 2017). In Wiesen führt dies zu einer Bodenversauerung, zu einer starken Abnahme der Pflanzendiversität und zur Dominanz einiger weniger Grasarten und ist mitverantwortlich für die extreme Artenverarmung im Wiesland insbesondere in den Tieflagen (Bosshard 2016). Heutige Bestände sind im Vergleich zu früher wüchsiger und dichter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Stickstoffbilanz 2015 BFS 2.png&lt;br /&gt;
| text = Die Stickstoffbilanz in den Landwirtschaftsflächen (inkl. Alpweiden) zeigt langfristig betrachtet zwar einen rückläufigen Überschuss, dennoch resultierte 2015 ein Überschuss von 60 kg/ha (1990er-Jahre &amp;gt; 80 kg/ha). Quelle: Landwirtschaft und Ernährung, Taschenstatistik BFS 2018)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Phosphor ist einer der Hauptnährstoffe der Pflanzen und wird in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt. In den letzten zehn Jahren belief sich der Phosphorüberschuss auf rund 400 t/Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = phosphorbilanz 2018 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Phosphorbilanz der Landwirtschaftsflächen. Phosphormengen, die in landwirtschaftliche Böden gelangen bzw. ihnen entzogen werden. Quelle: BFS – Umweltgesamtrechnung (2020)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im intensiv genutzten Grasland werden ausserdem steigende Zink- und Kupfereinträge beobachtet, welche aus dem Hofdünger (Gülle und Mist) bzw. aus den Futtermitteln stammen (Gubler et al. 2015). Aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität kann auch im Grünland davon ausgegangen werden, dass vielerorts das Bodenleben dadurch beeinträchtigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uz-umwelt-zustand/biodiversitaet-schweiz-zustand-entwicklung.pdf.download.pdf/UZ-1630-D_2017-06-20.pdf Zustand und Entwicklung Biodiversität Schweiz]&lt;br /&gt;
* Guntern et al. (2013): [http://www.ngzh.ch/media/pdf/Flaechenbedarf.pdf Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz]&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/boden/uz-umwelt-zustand/boden-schweiz.pdf.download.pdf/UZ-1721-D_Boden2017.pdf Boden in der Schweiz. Zustand und Entwicklung. Stand 2017] &lt;br /&gt;
* BFS (2018): [https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/publikationen/uebersichtsdarstellungen/taschenstatistik-schweiz.html Taschenstatistiken] &lt;br /&gt;
* BLW: [https://www.agrarbericht.ch/de Agrarbericht]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zustand und Entwicklung der Artengemeinschaften des Grünlands==&lt;br /&gt;
Bei einer Vergleichsuntersuchung fanden Schlup et al. (2013) im extensiv bewirtschafteten Grünland (Kammgrasweide, Fromental- und Goldhaferwiese, Halbtrockenrasen) eine höhere Artenzahl an Gefässpflanzen als im durchschnittlichen Grünland der Schweiz. Ausserdem kamen im extensiven Grünland deutlich mehr Kenn- und Charakterarten sowie gefährdete Arten vor. Spezialisiertere Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt und es findet eine Trivialisierung statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Kennarten de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Die Tabelle zeigt, wie wichtig besonders wertvolle Lebensräume für den Erhalt von vielen Tiergruppen sind. Quelle: Hotspot 18, Forum Biodiversität Schweiz 2008)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Demnach weist ein beträchtlicher Teil der Arten eine erhöhte Bindung zu Trockenwiesen und -weiden auf.&lt;br /&gt;
Lebensraumverlust und -degradierung haben auf die Biodiversität im Grünland einen negativen Einfluss, wie die folgende Darstellung aus dem Biodiversitätsmonitoring Schweiz zeigt (BAFU):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Indikatoren de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden - Index* von 0 (einheitlich) bis 100 (vielfältig), aller paarweisen Vergleiche der Stichprobenflächen, in Prozent. *Mittelwerte über einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren. Quelle: BAFU: Biodiversitäts-Monitoring Schweiz BDM 2018&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Artenvielfalt ist seit Mitte der 2000er Jahre insgesamt zurückgegangen und deutet auf eine gesamtschweizerische Vereinheitlichung der Wiesen und Weiden hin, was einem Verlust der Biodiversität gleichkommt. Jedoch ist der Verlust der Artengemeinschaften in diesen Lebensräumen schon seit mindestens einigen Jahrzehnten im Gang: In den letzten 120 Jahren hat sich die durchschnittliche Pflanzenartenvielfalt auf 81 Wiesen fast halbiert (Schlup et al. 2013). Generell wird festgestellt, dass v.a. häufig vorkommende Arten zugenommen haben, welche keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Spezialisierte Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt, was zu einer Trivialisierung der Wiesen und Weiden führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die meisten Vogelarten, welche auf Äckern, Wiesen und Weiden brüten, sind aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität im Rückgang begriffen: Der schweizerische Index der für das Kulturland typischen Brutvögel (46 UZL-Arten) hat seit 1990 um fast 30% abgenommen, der europäische Agrarvogelindex seit 1980 um über 50% (BLW 2017, Becker et al. 2014). Auch die Bergidylle ist zunehmend bedroht: ein Langzeitvergleich der Vogelwarte zeigt, dass im Engadin innerhalb von 22 Jahren der Anteil an wenig intensiv genutzten und artenreichen Wiesen von 32 auf 27% gesunken und die Brutbestände von Feldlerche, Baumpieper und Braunkehlchen um 44-61% gesunken sind (Korner et al. 2017). Den blütenbesuchenden Insekten wird durch den Rückgang des reichen Blüten- und Nektarangebots die Nahrungsgrundlage entzogen. Wesche et al. (2014) stellten bei Heuschrecken und Wanzen in Auen und Trockenwiesen innert 50 Jahren einen dramatischen Einbruch der Individuenzahlen (&amp;gt;60%) bei teils konstanten, teils zunehmenden Artenzahlen fest. Die botanische Zusammensetzung von Fromentalwiesen zeigt im Vergleich zu den 1950er Jahren eine durchschnittliche Abnahme der Artenzahl von rund 30% bei einer ebenfalls deutlichen Qualitätseinbusse (Bosshard 2015c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Monitoringprogramms ALL-EMA werden der Zustand und die Veränderung von Arten und Lebensräumen der Umweltziele Landwirtschaft in der offenen Agrarlandschaft Schweiz erfasst und die Biodiversitätsförderflächen beurteilt. Eine erste umfassende Auswertung zum Zustand der Biodiversität ist 2020 vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/monitoring-analytik/all-ema.html ALL-EMA]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/zustand/indikatoren.html Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden (BAFU)]&lt;br /&gt;
* [http://www.biodiversitymonitoring.ch/de/home.html Biodiversitätsmonitoring Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uw-umwelt-wissen/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf.download.pdf/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf BAFU &amp;amp; BLW (2016): Umweltziele Landwirtschaft UZL.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung und Gefährdungsursachen=&lt;br /&gt;
43% der unter dem Begriff „Grünland“ zusammengefassten Lebensraumtypen gelten als gefährdet. Die wertvollsten Flächen der Trockenwiesen und -weiden sind in einem Inventar (TWW) bezeichnet - seit 1900 sind rund 95% der TWW in der Schweiz verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Gefaehrdungskat Grünland de.png&lt;br /&gt;
| text = Einstufung der 30 Lebensraumtypen des Grünlandes gemäss Roter Liste.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefährdungsursachen und wichtige Treiber sind (Delarze et al. 2015, Bosshard 2016, Becker et al. 2014):&lt;br /&gt;
* Der Verlust an Grünland-Lebensräumen durch Nutzungsaufgabe in Grenzertragslagen und nachfolgender Sukzession, durch Umwandlung von Grünland in Ackerland oder Kunstwiesen und durch den Siedlungs- und Strassenbau. Als Folge der Lebensraumverluste sind verbleibende Habitate oft zu klein und/oder von Isolation bedroht. Bis Fragmentierung und Randeffekte zum Verlust von Arten führen, kann es Jahrzehnte dauern; man spricht deshalb auch von der sogenannten Aussterbeschuld. Im Sömmerungsgebiet verschwinden mittel-wertvolle Flächen. Das aktuelle Instrument der BFF gibt im Sömmerungsgebiet keine Kriterien zur Bewirtschaftung vor. Es gibt Hinweise, dass die Kartierung der TWW nicht vollständig ist. Es besteht die Gefahr, dass wertvolle Flächen durch Intensivierung, falsche Nutzung oder Nutzungsaufgabe verloren gehen.&lt;br /&gt;
* Intensivierung, moderne oder ungeeignete Bewirtschaftung sowie Nährstoffeinträge: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die damit verbundene Intensivierung hat vielfache Auswirkungen auch auf das Grünland. Düngung und Zufütterung in der Viehhaltung haben vervielfachte Nährstoffeinträge und die Eutrophierung des Bodens zur Folge. Durch das Düngen werden viele Grünlandarten, insbesondere Kräuter, verdrängt und die Artenvielfalt nimmt in der Folge ab, weil wenige Arten dank dieser zugeführten Nährstoffe schnell wachsen, rasch Biomasse aufbauen und den Boden für den Aufwuchs anderer Pflanzen beschatten (Gerowitt et al. 2013). Die Intensivierung umfasst ausserdem die frühere Nutzung der Bestände zur Erzielung hoher Futterqualität (für die Hochleistungs-Milchkühe) und eine generell erhöhte Schlagkraft (mit schweren Maschinen), häufigere Nutzungen, den Einsatz von Pestiziden, Flurbereinigungen und Strukturverlust sowie kulturtechnische Massnahmen zur Entwässerung,  Kalkung oder Bewässerung der Flächen. Des Weiteren werden Flächen eingeebnet bzw. unter Einsatz von bspw. Forstmulchern intensiviert. Vorgegebene Schnittzeitpunkte bewirken eine Monotonisierung der Landschaft sowie ein zeitgleiches Wegfallen von Nahrungsquellen. All diese Faktoren sowie die Aufgabe bestimmter Nutzungsformen führen zu einer Vereinheitlichung der Lebensräume. &lt;br /&gt;
* Der Klimawandel stellt für den Wandel der Biodiversität und Ökosysteme einen bedeutenden Faktor dar (Guntern 2016b): insbesondere spielen der Temperaturanstieg sowie Veränderungen im hydrologischen Regime eine Rolle. Höhere Temperaturen und zunehmende Niederschlagsmengen führen bei gleichmässiger Bodendurchfeuchtung zu einer zunehmend schnelleren Wuchsleistung des Grünlands. Aus dem Biodiversitätsmonitoring ergeben sich Hinweise, dass im Mittelland bestimmte Lebensräume einerseits wärmer, andererseits auch trockener werden (BDM-Facts Nr. 4, BAFU 2012).&lt;br /&gt;
* Auch invasive, gebietsfremde Arten können auf die heimische Biodiversität nachteilig wirken. V.a. folgende Arten bereiten bisher grossflächig Probleme im extensiv genutzten Wiesland: das Einjährige Berufkraut (''Erigeron annuus''), die beiden Goldrutenarten (''Solidago canadensis'' und ''S. serotina'', v.a. im unternutzten oder spät gemähten, feuchten bis wechselfeuchten Wiesland) sowie das Schmalblättrige Kreuzkraut (''Senecio inaequidens''). Weitere Neophyten mit invasivem Ausbreitungspotenzial werden auf der Neophyten-Watch-List geführt. Die (bemerkenswerte) Resistenz gegenüber neu eingebrachten Arten scheint ein Charakteristikum des mitteleuropäischen Wieslands zu sein (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
* Je nach Lebensraumtyp und Lage des Grünlandes stellen auch Freizeitaktivitäten bzw. Erholungsnutzung Gefährdungsfaktoren dar. In Deutschland sind insbesondere auch der Anbau von Energiepflanzen (Biogasproduktion, Raps für Kraftstoffproduktion) sowie die Agrophotovoltaik mögliche Gefährdungstreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = rationelle Mahd as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Rationelle Erntemaschinen töten und verletzten viele Tiere.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgend werden einige ausgewählte Gefährdungsfaktoren näher beleuchtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Unternutzung und Nutzungsaufgabe''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine extensive Bewirtschaftung wird in Gebieten mit ungünstigen Produktionsbedingungen (Hangneigung, Bodenstruktur) immer weniger rentabel. In den letzten dreissig Jahren bewegten sich die Veränderungen in der Nutzungsform im Alpenraum stets in Richtung eines geringeren Bewirtschaftungsaufwands: von der Schnitt- zur Weidenutzung und von der Beweidung zur Verbrachung (Leitgruppe NFP 48 2007). Eine Unternutzung oder eine gänzliche Aufgabe der Bewirtschaftung führen kurzfristig zu Verbrachungserscheinungen, mittelfristig zu Verbuschung und Einwaldung. Wenn die Biomasse nicht weggeführt wird, tritt im Laufe der Jahre zunehmend Lichtmangel v.a. für die dichte, bodennahe Schicht in Form von sogenanntem Streuefilz auf. Gerade seltene und gefährdete Arten verschwinden oft zuerst und werden durch Generalisten ersetzt, bevor die Bewaldung einsetzt (Bosshard 2016). Im günstigsten Fall kann bereits nach 20 Jahren auf einer früheren Magerwiese oder -weide ein Wald stehen. In sehr magerem Wiesland führt die Nutzungsaufgabe und Verbrachung jedoch nicht zu einem Artenverlust, da die Wüchsigkeit für das Ausbilden eines Streuefilzes nicht ausreicht oder dieser rasch wieder abgebaut wird (bspw. durch Wind). Die natürliche Wiederbewaldung in Grenzertragslagen wird als Ausdruck eines grundlegenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels interpretiert, bei dem der Rückgang der Armut und die Zunahme des Wohlstands eine grosse Rolle spielen (Leitgruppe NFP 48 2007). Durch die abnehmende Verfügbarkeit von Arbeitskräften sind auch pflegerische Arbeiten der Bewirtschaftung gefährdet: damit eine möglichst langfristige Produktivität des Kulturbiotops sichergestellt werden kann, sind Pflegearbeiten wie Frühjahrssäuberung, exaktes Mähen, Abrechen des Schnittguts usw. notwendig, damit die «Saatbett-Bereitung» bzw. das Vorhandensein von Keimstellen gesichert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Steinfräsen''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Steinfräsen zerkleinern Steine und Felsen, zermalmen und brechen den Boden auf, beseitigen Kleinstrukturen und Unebenheiten im Gelände. Diese irreparable Zerstörung der natürlichen Vegetation und der Kleinstrukturvielfalt ist u.a. für den Verlust von Baumpieper und Feldlerche im jurassischen Brutgebiet mitverantwortlich. Im Jura werden seit den 1990er-Jahren Steinfräsen teilweise grossflächig eingesetzt, um die wertvollen Kleinstrukturen zu eliminieren und ganze Flächen zu planieren. Die Gesetzeslage ist kantonal unterschiedlich (SO, JU, VD nicht erlaubt, NE &amp;amp; BE teilweise erlaubt) und trotz Verbot sind unbewilligte Fälle bekannt (Apolloni et al. 2017). Steinfräsen werden auch in höheren Lagen der Alpen regelmässig eingesetzt. Sie stellen eine so grosse Gefahr für die Biodiversität dar, dass sie verboten gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Delarze et al. (2016): [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/rote-liste.html Rote Liste der Lebensräume der Schweiz]&lt;br /&gt;
* Trockenwiesen und -weiden der Schweiz (TWW) [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/massnahmen-zur-erhaltung-und-foerderung-der-biodiversitaet/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar, Vollzugshilfe und Merkblätter, Fallstudien]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/biotopschutz-schweiz.html Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Rechtsgrundlagen =&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983407/index.html Landwirtschaftsgesetz (LwG)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983381/index.html Landwirtschaftliche Begriffsverordnung (LBV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20130216/index.html Direktzahlungsverordnung (DZV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/oekologischer-leistungsnachweis.html Ökologischer Leistungsnachweis (ÖLN) gemäss DZV, Übersicht zu den einzelnen Artikeln]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Übersicht über die Biodiversitätsbeiträge pro BFF-Typ und Qualitätsstufe]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege/qualitaetsbeitrag.html Weitere Ausführungen zu den BFF-Qualitätsbeiträgen (QI und QII)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege/vernetzungsbeitrag.html Weitere Ausführungen zu den Vernetzungsbeiträgen]&lt;br /&gt;
* Die rechtliche Grundlage für den nationalen Schutz der Trockenwiesen und -weiden bildet das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/massnahmen-zur-erhaltung-und-foerderung-der-biodiversitaet/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar über die Trockenwiesen und -weiden mit den entsprechenden Verordnungen und Vollzugshilfen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Nachfolgend sind wichtige Themen aufgeführt, zu welchen (teilweise) Wissenslücken bestehen:&lt;br /&gt;
* Vorkommen und Verbreitung ökologisch wertvoller Grünlandflächen im Sömmerungsgebiet, flächendeckende Inventarisierung&lt;br /&gt;
* Wissenschaftliche Grundlagen zum Düngungsbedarf von Fromental- und Goldhaferwiesen im Hinblick auf die botanische Vielfalt fehlen, Praxisversuche sind wünschenswert.&lt;br /&gt;
* Es gibt kaum systematische Erfahrungen zum Etzen in Zusammenhang mit der Biodiversitätsförderung im artenreichen Wiesland, übergeordnete Erfolgskontrollen sind erwünscht.&lt;br /&gt;
* Phänologisch basierte Schnittzeitpunkte&lt;br /&gt;
* Einfluss von Heubläser-Einsätzen auf die Biodiversität, insbesondere die Fauna (Richner et al. 2014 beleuchten den Einfluss auf die Vegetation)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Bewirtschaftung auf die Fauna über alle Mäh- und Nachbereitungsgeräte hinweg unter vergleichbaren Bedingungen untersuchen. Verhalten der Populationen auf mehrschürigen Wiesen im Jahresverlauf.&lt;br /&gt;
* Angaben zu Ausmass und Verbreitung von Bodenverdichtungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literatur=&lt;br /&gt;
Die Publikationen zum Grünland sind äusserst umfangreich. Wir stellen Ihnen die gesamte [[Media:Dokumentation Grünland Literatur.pdf|Liste an verwendeter Literatur]] zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland=&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]|| [https://www.faunatur.ch/ faunatur]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Andreas Bosshard || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Jean-Yves Humbert || [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Heiri Schiess ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  André Stapfer ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Markus Staub || [https://www.poel.ch/ Projekte Ökologie Landwirtschaft] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Gaby Volkart || [http://www.ateliernature.ch/atena/francais.php atena]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Grundlagen&amp;diff=4718</id>
		<title>Grünland/Grundlagen</title>
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				<updated>2023-03-12T13:58:16Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Informations de base]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fromentalwiese ABosshard zg 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Die Fromentalwiesen sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Sukzession und Bedeutung des Grünlands=&lt;br /&gt;
Mit wenigen Ausnahmen ist Grünland keine natürliche Vegetation - bleibt eine Nutzung aus, folgt der Verlauf der meisten Grünland-Lebensraumtypen der natürlichen Sukzession. Maag et al. (2001) zeigen die verschiedenen Sukzessionsverläufe für unterschiedliche Standorte. Dabei hat jede Stufe der Sukzession beispielsweise eines Trockenrasens bis hin zum Wald ihren ökologischen Wert; die Artenvielfalt kann durch ein Nebeneinander verschiedener Sukzessionsstadien erhöht werden (Diacon et al. 2011). Die unterschiedlichen Stadien der Verbrachung und Verbuschung weisen willkommene Rückzugsgebiete und Nahrungsreservoirs für Reptilien, Spinnen und viele Insekten dar. Insbesondere jüngere Brachen können floristisch und faunistisch äusserst wertvoll sein; langfristig ist dagegen die Artenvielfalt in Dauerbrachen gefährdet (Dipner &amp;amp; Volkart 2010). &lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Abbildung weglassen, weil nicht in guter Qualität zur Verfügung; Alternative: Foto einwachsender Wiese. In der folgenden Abbildung sind die Phasen der Verbuschung nicht mehr bewirtschafteter Halbtrockenrasen dargestellt (Quelle: Briemle et al. 1993):--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung des Grünlandes ist vielfältig und eine grosse Bandbreite von allgemeinen, nicht nur an das Grünland gebundene Ökosystemleistungen sind auch mit diesen Lebensräumen verbunden, wie produktive Erzeugnisse, genetische Ressourcen von Futterpflanzen, Bestäubungsleistungen, Erosionsvermeidung, kulturelle Leistungen, Speicherung von Kohlenstoff (Guntern et al. 2013). Ebenfalls relevant sind die mit dem Grünland verbundenen ästhetisch-landschaftlichen Aspekte bspw. im Hinblick auf die touristische Nutzung oder die Erholungsfunktion. Aus landwirtschaftlicher Sicht ist die Bedeutung des Grünlandes als Stätte der Futterproduktion zentral. Entsprechend sind Wiesen und Weiden für die landwirtschaftliche Nutzung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte „optimiert“ worden. Beispielsweise stellen die Hochleistungsrassen in der Milchwirtschaft hohe Ansprüche an den Futterwert des Grünlandes: im jüngeren Aufwuchs ist der Rohfasergehalt niedriger und die Anteile an Rohprotein und Mineralstoffen höher. Entsprechend sind der Energiegehalt und die Verdaulichkeit des Futters besser. Damit sind die Anforderungen der Hochleistungsmilchwirtschaft mit dem Erhalt des artenreichen Grünlands nicht vereinbar (Gerowitt et al. 2011); landwirtschaftlich intensiv genutzte Wiesen haben kaum einen ökologischen Wert verglichen mit artenreichem Grünland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Typologie des Grünlands=&lt;br /&gt;
Je nachdem, worauf der Fokus liegt, kann das Grünland in Unterkategorien aufgeteilt werden; man kann vegetationskundliche, ökologische oder auch futterbauliche Kriterien anwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Haber de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Haber (2014) gliedert das Grünland i.w.S. wie oben dargestellt (Abbildung leicht verändert).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl &amp;amp; Grünig (in Oppermann &amp;amp; Gujer 2003, S. 60) gliedern die artenreichen (Mäh-)Wiesen der Schweiz nach Wasser- und Nährstoffhaushalt in 19 Wiesentypen auf. Ihre tabellarische Übersicht zeigt für die jeweiligen Wiesentypen kennzeichnende Artengruppen und -kombinationen. Für den gedüngten Bereich wurde die obengenannte Systematik weiterentwickelt und [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Bosshard (2016) unterscheidet in der Folge für das gedüngte Wiesland neun Typen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard Genese de.png&lt;br /&gt;
| text = Genese und Höhenverbreitung der gedüngten Wiesentypen. &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Vereinfachter dichotomer Bestimmungsschlüssel zur Identifikation von Fromental- und Goldhaferwiesen in Bosshard (2016, S. 188).&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/SchluesselGeduengteNaturwiesen.xls Bestimmungsschlüssel für die Wiesentypen des gedüngten Naturwieslands der Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://ira.agroscope.ch/de-CH/publication/46127 Bestimmungsschlüssel für Lebensräume der offenen Kulturlandschaft] (Buholzer et al. 2015)&lt;br /&gt;
* Die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/kartierung-und-bewertung-trockenwiesen.html Kartier- und Bewertungsmethode zur Erarbeitung des Inventars der Trockenwiesen und -weiden] ist im Technischen Bericht ausgeführt (Eggenberg et al. 2001)&lt;br /&gt;
* [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/4-grnland-naturrasen-wiesen-und-weiden.html Klassifikation der Grünlandlebensräume nach Delarze et al. (2015)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Zustand und Entwicklung des Grünlands in der Schweiz=&lt;br /&gt;
==Entstehung von Grünland==&lt;br /&gt;
Grünland ist in Mitteleuropa vor 8000 Jahren durch Waldrodung zur Ackernutzung entstanden. Die anschliessend nicht mehr für den Ackerbau genutzten Flächen begrünten sich und wurden als Viehweiden genutzt. Wo Wiesland in prähistorischer Zeit vorkam, ist weitgehend ungewiss und wird in Bosshard (2016) kurz ausgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapfer (2010a, 2010b) und Bosshard (2016) beleuchten die Entstehungsgeschichte und die historische Wies- und Weidelandnutzung und stellen sie in Vergleich mit heutigen Nutzungsformen: Während vieler hundert Jahre war das Wiesland in das Produktionssystem der auf Getreidebau ausgerichteten Dreizelgenwirtschaft ausgerichtet. Der Heu- und Emdschnitt führte zusammen mit den geringen Mistgaben (rund um den Hof herum) und der historisch üblichen Frühjahrsvorweide (Etzen) zu einer langfristigen Ausmagerung der Böden mit entsprechenden Folgen für die Vegetation. Reine Mähwiesen haben sich grossflächig erst im 19. Jahrhundert entwickelt, vorher waren alle Wiesen auch beweidet (Frühjahrs- oder Herbstweide). Nach dem Etzen erfolgte der Heuschnitt später und die Wiesenpflanzen konnten ihre individuelle Entwicklung bis zur Samenreife und dem Ausstreuen der Samen vollständig abschliessen. Die heutige erste Hauptnutzung auf den Mager- und Fromentalwiesen beim Heuschnitt entsprach historisch der zweiten Nutzung. Früher orientierte man sich für den Beginn und das Ende bestimmter Bewirtschaftungsgänge an Heiligen-Tagen. Diese Orientierungszeitpunkte wurden jedoch je nach Jahresverlauf bspw. für den Mahdbeginn auch flexibel gehandhabt. Die Ernte einzelner Flächen erstreckte sich über mehrere Wochen hinweg. Das Heu der Schnittwiesen wurde auf der Fläche getrocknet, wodurch eine erfolgreiche generative Vermehrung gefördert wurde (Poschlod 2011). Im Laufe der Zeit führten neue Ernteverfahren, Bewässerungsmassnahmen und neu auch die phänologischen Veränderungen aufgrund des Klimawandels zu einem früheren ersten Schnitt von Wiesen (Guntern et al. 2013).&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungsschemata Kapfer zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Bewirtschaftungsschema der drei wichtigsten Wiesentypen der alten Dreizelgenwirtschaft. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Die ökologischen Auswirkungen und die Anwendung des Etzens (Frühjahrsvorweide) (Quelle: Bosshard 2015b)''' &amp;lt;br /&amp;gt; Etzen war bis ins 18./19. Jh. die übliche erste Nutzung von Mähwiesen. Heute wird die Vorweide dagegen vor allem im Berggebiet in den intensiver genutzten Wiesentypen noch regelmässig praktiziert. Etzen bewirkt langfristig einen Nährstoffentzug, die Wüchsigkeit einer Wiese wird vermindert und dadurch, dass kurzfristig Licht in den Bestand eingebracht wird, werden empfindlichere Pflanzen artenreicher Wiesen gefördert. Die längere bewirtschaftungsfreie Phase zwischen der Frühjahrsweide und dem nächsten Nutzungszeitpunkt durch Mahd führt zu einem deutlich schmackhafteren, gehaltvolleren (da eiweissreicheren) Heuaufwuchs, so dass Etzen auch aus futterbaulicher und wirtschaftlicher Sicht von Interesse sein dürfte. &lt;br /&gt;
Das kurze, schonende Überweiden einer Wiese im Frühjahr führt zu einem strukturierteren Pflanzenbestand, einem längerdauernden Blütenangebot und einem späteren Heuschnitt und gewisse Tierarten (Tagfalter, Heuschrecken und wiesenbrütende Vogelarten) können davon profitieren (SHL 2008). Aus praktischen Gründen (logistischer Aufwand) kommt das Etzen nur für eine Minderheit von Grünlandflächen überhaupt in Frage und ist für BFF-Flächen bspw. im Rahmen von Vernetzungsprojekten realisierbar, sofern die kantonalen Vernetzungsrichtlinien dies vorsehen und begründen.&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem historischen Blickwinkel ist die Entstehung der Artenvielfalt in Wiesen zu betrachten (Poschlod 2011): Die Artenzusammensetzung der Flachlandmähwiesen, wie sie sich in der heutigen Form präsentiert, ist wahrscheinlich erst etwa 300 Jahre alt; der namengebende Glatthafer (''Arrhenatherum elatius'') wurde erst Anfang des 18. Jahrhunderts eingeführt (d.h. ein durch Auswahl-Zucht verbesserter Ökotyp aus Südfrankreich).  Möglicherweise ist die namengebende Art der Berg-Mähwiesen, der Goldhafer (''Trisetum flavescens'') ebenfalls erst zu dieser Zeit eingeführt worden. Fast alle Pflanzenarten des Wieslandes scheinen aus der autochthonen Flora zu stammen (bspw. aus lichten Stellen von Wäldern, aus Schotterflächen der Auen, aus den Randregionen der Hochmoore etc.). Verschiedene Futterpflanzen des Wieslandes sind (gezielt oder unabsichtlich) eingeführt worden und schon früh begann der Mensch, mit gezielten Einsaaten den Ertrag zu steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungstypen Kapfer zg 1280 768.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht zur Genese der Bewirtschaftungstypen des Grünlands Mitteleuropas. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Zusammenfassende Betrachtungen und nähere Ausführungen zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Grünlands liefern [http://www.dr-kapfer.de/index.php/download.html Kapfer (2010a, 2010b)], [https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/90005 Poschlod (2011)] und Bosshard (2016).&lt;br /&gt;
* Auch das [http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D13861.php Historische Lexikon der Schweiz] bietet zu verschiedenen Themen (Düngung, Futtermittel, Bewässerung, Wiesen, Weiden) informative Artikel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quantitativer und qualitativer Zustand und deren Veränderung==&lt;br /&gt;
Das Grünland hat sich mit den technischen Möglichkeiten in der Landwirtschaft (Mechanisierung, Düngereinsatz) und den Flurbereinigungen der letzten Jahrzehnte stark verändert worden und verändert sich immer noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Media:Tabelle Grünland Auszug Flächenbedarf.pdf|Tabelle]] gibt einen Überblick über die Ausdehnung und quantitative Veränderung der Schweizer Grünlandlebensräume. Quelle: «Guntern et al. (2013): Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz», S. 96. Weitere Grünflächen befinden sich im Siedlungsgebiet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;LN = Landwirtschaftliche Nutzfläche, SöG = Sömmerungsgebiet, BFF = Biodiversitätsförderfläche&amp;lt;/small&amp;gt; &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Lebensraum&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 10%&amp;quot;| Zeit&lt;br /&gt;
!colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Ausdehnung [ha]&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Bemerkung, Quelle&lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Wiesen und Weiden auf der LN (ohne SöG, Kunstwiesen) davon:&amp;lt;br/&amp;gt;- Extensiv genutzte BFF-Wiesen &amp;lt;br/&amp;gt;- Wenig intensiv genutzte BFF-Wiesen&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|610’732 &amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;66‘056 &amp;lt;br/&amp;gt;22‘919&lt;br /&gt;
| (BLW 2012) &amp;lt;br/&amp;gt;Wobei mit Qualität gemäss ÖQV: &amp;lt;br/&amp;gt;- Weiden, Waldweiden: 5'384 ha &amp;lt;br/&amp;gt;- Wiesen (inkl. Streuflächen): 28'864 ha&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sömmerungsgebiet &amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; (SöG)&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|505'385 (12% der CH)&lt;br /&gt;
| Gemäss (Walter et al. 2013)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Trockenwiesen und –weiden (TWW)&lt;br /&gt;
| 1900&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|760‘000 (bis 900‘000)&lt;br /&gt;
| (Eggenberg et al. 2001; Lachat et al. 2010b), Flächenverlust von 90-99% von TWW in den Regionen und 95% in der Schweiz. &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2010&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|37‘011&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Potenziell wertvolles Grasland auf der LN oder im SöG (ohne TWW, Moore Modell basierend auf der Steigung und der Höhe über Meer an den Fundorten von UZL-Ziel- und Leitarten.&lt;br /&gt;
| 2012 &amp;lt;br/&amp;gt;Total: &amp;lt;br/&amp;gt;TZ: &amp;lt;br/&amp;gt;HZ: &amp;lt;br/&amp;gt;BZI: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZIV: &amp;lt;br/&amp;gt;SöG:&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [ha] &amp;lt;br/&amp;gt;231’688 &amp;lt;br/&amp;gt;3797 &amp;lt;br/&amp;gt;354 &amp;lt;br/&amp;gt;2'023 &amp;lt;br/&amp;gt;6943 &amp;lt;br/&amp;gt;9223 &amp;lt;br/&amp;gt;10'984 &amp;lt;br/&amp;gt;198'364&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [%] &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;0.78 &amp;lt;br/&amp;gt;0.25 &amp;lt;br/&amp;gt;1.71 &amp;lt;br/&amp;gt;4.52 &amp;lt;br/&amp;gt;11.06 &amp;lt;br/&amp;gt;22.72 &amp;lt;br/&amp;gt;39.25&lt;br /&gt;
| (Walter et al. 2013) &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;TZ = Talzone &amp;lt;br/&amp;gt;HZ = Hügelzone &amp;lt;br/&amp;gt;BZ = Bergzone &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;Grünland macht nahezu 100% des SöG sowie der LN in den BZIV und BZIII aus.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Fromentalwiesen auf der LN&lt;br /&gt;
| 1950&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Abgesehen von TWW, Dauerweiden, Streuwiesen, Äckern nahezu alles&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012): genauere Angaben in Erarbeitung für Schlussbericht der laufenden Studie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|3-8%&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012), wobei davon ca. 20% mit der Artenzusammensetzung von intensiv genutzten Fromentalwiesen der 1950er Jahre und max. 5% mit guter Qualität (pers. Mitteilung A. Bosshard) &amp;lt;br/&amp;gt;-&amp;gt; Rückgang von vermutlich &amp;gt; 90% und nahezu 100% für artenreiche Bestände (Bosshard 1998)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Gemäss Arealstatistik nahm die Alpwirtschaftliche Nutzfläche von 1979/85 bis 1992/97 von 555'662 um 3.2 % auf 537'802 ha ab. Ein weiterer Rückgang wurde bis 2004/09 festgestellt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Schätzungsweise weitere Abnahme von 25-30% zw. 1995-2005 (Leibundgut 2007 zitiert in Graf &amp;amp; Korner 2011). Grössenordnungen in diesem Bereich sind im Wallis und Engadin durch Fallstudien bestätigt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Vergleich mit der Grünland-Situation in Deutschland zeigt: Ein mit der Schweiz (Tieflagen) vergleichbarer Anteil von rund 13% der Gesamtfläche (CH 14.7%) wird als landwirtschaftliches Grünland genutzt, der Grossteil davon ebenfalls intensiv (Boch et al. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Nutzung LN BFS 2018 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Wie sich die landwirtschaftliche Nutzfläche der Schweiz auf die verschiedenen Nutzungstypen aufteilt. Quelle: BFS 2018, Die Schweiz in 21 Infografiken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zeitraum von 1990 bis 2009 hat sich die Grünlandfläche in Deutschland um 875‘000 ha verringert. Zwischen 2003 und 2012 betrug der absolute Verlust des Dauergrünlands ca. 5%. In der Schweiz machen Landwirtschafts- und Alpwirtschaftsflächen zusammen mehr als einen Drittel der Gesamtfläche aus; zwischen 1985 und 2009 sind 85‘000 ha davon verlorengegangen, was der Grösse des Kantons Jura entspricht (BFS 2018). Die Fromentalwiesen, bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts der häufigste und zugleich produktivste Wiesentyp auf den guten Böden der tieferen Lagen Mitteleuropas, sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden. Damit einher ging eine qualitative Verschlechterung: ein Vergleich zwischen 1950 und 2009 zeigt, dass die damalig «intensiv» genutzten Wiesen in der Regel QII-Qualität hatten, heute hingegen in den noch vorhandenen Fromental-Vergleichswiesen nur noch ein Drittel diese Qualitätsanforderung erreicht («Fromentalwiesenprojekt», Bosshard 2016). Unter den besonders wertvollen Lebensräumen ging die Fläche der Trockenwiesen und -weiden zwischen 1900 und 2010 um 95% zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Zuerich Umweltbericht zg.png&lt;br /&gt;
| text =  Abnahme artenreicher Wiesen im Kanton Zürich. Quelle: Baudirektion Kanton Zürich (2008), Umweltbericht 2008.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schweizer Berggebiet nahm die Entwicklung des Futterbaus und der Wiesen und Weiden einen anderen Weg als im Mittelland: Erschwernislagen (steile oder schlecht erschlossene, meist mit vielen Kleinstrukturen durchsetzte Flächen) wurden zunehmend in Weiden umgenutzt oder ganz aus der Nutzung entlassen und ein Grossteil davon ist in der Folge verbuscht und verwaldet. Insgesamt hat die Waldfläche in den vergangenen 150 Jahren auf Kosten von Wiesen- und Weideflächen je nach Region um 30-100% zugenommen. Heute liegt der überwiegende Teil des artenreichen Wieslandes der Schweiz in solchen Erschwernislagen ab Bergzone I; besonders hoch ist dieser Anteil im Sömmerungsgebiet. Allerdings nehmen diese Flächen sowohl durch Nutzungsaufgabe als auch durch Intensivierung laufend ab (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anteil BFF mit Qualitätsstufe II steigt stetig an; das Ziel eines 40%-Anteils wurde 2017 erstmals erreicht. Der Anteil im Talgebiet ist mit 28% jedoch immer noch tief (BLW 2018). Seit 2014 werden ebenfalls Beiträge für artenreiche Grün- und Streueflächen im Sömmerungsgebiet ausgerichtet; der Anteil dieser Flächen mit Qualitätsstufe II betrug 2017 217‘496 ha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;5&amp;quot;| '''Übersicht über die Flächenanteile BFF mit QII-Qualität (in Hektaren) (Quelle: Agrarbericht BLW 2019)'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! BFF QII-Typ&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Talregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Hügelregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Bergregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Total&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Extensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 11495&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 7395&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 17411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 36301&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wenig intensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 130&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3220&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3761&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| extensiv genutzte Weiden und Waldweiden&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 1468&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 2830&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 14759&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 19057&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| artenreiche Grün- und Streuflächen im Sömmerungsgebiet&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 223509&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Entwicklung BFF Q2 2001 2016.png&lt;br /&gt;
| text = Entwicklung (in Hektaren) der angemeldeten artenreichen Wiesen und Weiden (BFF mit Qualitätsstufe II) zwischen 2001 – 2016 (Quelle: Daten BLW).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die qualitativen Veränderungen in Wiesen und Weiden betreffen das allgemeine Nährstoffniveau, welches enorm gestiegen ist und das Verschwinden des früher verbreiteten Mosaiks von unterschiedlich genutzten Flächen (Schmid et al. 2007). Weitere qualitative Veränderungen der letzten Jahrzehnte beschreibt Bosshard (2016): Die Schlagkraft hat sich vervielfacht mit früherem Schnitt, viel höherer Nutzungsfrequenz und der zeitgleichen Nutzung viel grösserer Flächen. Die Erträge sind um ca. 60-80% gestiegen. Kleinstrukturen und Kulturlandschaftselemente sind verschwunden. Die schwereren Maschinen haben eine problematische Bodenverdichtung zur Folge und insbesondere für die Fauna destruktive Ernteverfahren (Rotationsmähwerke, Futteraufbereiter, Silagetechnik) nehmen zu. Heute wird vorwiegend Güllewirtschaft (rasch verfügbare Nährstoffe) statt der früher üblichen Festmistwirtschaft betrieben und durch den Wechsel von der Dürrfutterbereitung (Heu) zur Silage liegt der Nutzungszeitpunkt des ersten Aufwuchses heute früher im Jahr, es sind mehr Nutzungen pro Jahr möglich, die Ernte verläuft rascher und die Pflanzen können weniger absamen. Meliorationen, das Zusammenlegen von Parzellen und das Verschwinden von extensiven Parzellengrenzen bewirken ebenfalls grosse Veränderungen. Ein nächster Schritt steht mit der zukünftigen Automatisierung der Bewirtschaftung bevor. Anschaulich illustriert [https://www.pronatura.ch/de/wiesen-und-weiden Pro Natura anhand von Beispielen] die Entwicklung ehemals artenreicher Wiesen in artenarme Fettwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologischen Auswirkungen der oben beschriebenen Veränderungen sind mannigfaltig: beispielsweise führt die Intensivierung der Graslandkultivierung und die früheren Schnittzeitpunkte zu einer Abnahme der Samenbank im Boden (Klimkowska et al. 2007). Die früheren Schnittzeitpunkte führen zur Überlappung mit der Brutsaison bodenbrütender Vögel; durch Mahd werden die Nester mechanisch zerstört oder sind für Prädatoren nach dem Schnitt leichter zugänglich oder die Futterverfügbarkeit wird während einer kritischen Phase der Nestlinge dezimiert (Britschgi et al. 2006). Einzelflächen wie auch die Gesamtfläche ökologisch wertvoller Wiesen und Weiden sind zu klein und zu stark fragmentiert. Kleine Grünlandflächen sind besonders empfindlich gegenüber negativer Randeffekte (z.B. Eindringen anderer Arten) und ökologischer Drift. Die durchschnittliche Grösse der TWW von nationaler Bedeutung beträgt heute 4.7 ha und im Sömmerungsgebiet 10.5 ha (Guntern et al. 2013): eine Wiederbesiedlung durch Tagfalter, Hummeln und Reptilien ist möglich, wenn die Flächen nicht weiter als 1-3 km voneinander entfernt sind. Charakteristische Heuschrecken und Laufkäfer dagegen überwinden selten Distanzen von über 100 m.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Nährstoffversorgung im Grünland''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stickstoff ein elementarer Baustein aller Lebewesen; Pflanzen nehmen ihn über die Wurzeln in der Form von Ammonium oder Nitrat auf. Pflanzenverfügbarer Stickstoff ist natürlicherweise in den meisten Böden Mangelware – in den letzten Jahrzehnten gelangten jedoch riesige Mengen von Stickstoffverbindungen als Mineraldünger, Gülle oder aus Verbrennungsprozessen direkt oder indirekt über die Luft in die Böden. Der natürliche atmosphärische Eintrag von biologisch aktivem Stickstoff beträgt lediglich 0.5 – 2 kg/ha. Heute gelangt durchschnittlich 16 kg/ha Stickstoff über die Luft in den Boden, was in etwa der ausgebrachten Menge für mittel intensiv genutzten Wiesen entspricht. Peter (2011) weist darauf hin, dass bei drei der vier umweltrelevanten Stickstoffformen (Ammoniak, Nitrat und Lachgas) die Landwirtschaft gesamtschweizerisch gesehen die Haupt Emittentin ist. So müssten beim Ammoniak beispielsweise die Emissionen aus der Landwirtschaft annähernd halbiert werden, damit eine substanziell schädigende Wirkung in sensiblen Ökosystemen verhindert werden könnte. Für artenreiche Wiesen (kollin und montan) liegt der kritische Eintragswert bei 10-30 kg N pro Hektar und Jahr (Guntern 2016a). Entsprechend sind bspw. 49% der Trockenwiesen von den negativen Auswirkungen des atmosphärischen Stickstoffeintrags betroffen; die kritischen Eintragswerte (critical loads) werden in vielen Lebensräumen z.T. massiv überschritten (BAFU 2017). In Wiesen führt dies zu einer Bodenversauerung, zu einer starken Abnahme der Pflanzendiversität und zur Dominanz einiger weniger Grasarten und ist mitverantwortlich für die extreme Artenverarmung im Wiesland insbesondere in den Tieflagen (Bosshard 2016). Heutige Bestände sind im Vergleich zu früher wüchsiger und dichter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Stickstoffbilanz 2015 BFS 2.png&lt;br /&gt;
| text = Die Stickstoffbilanz in den Landwirtschaftsflächen (inkl. Alpweiden) zeigt langfristig betrachtet zwar einen rückläufigen Überschuss, dennoch resultierte 2015 ein Überschuss von 60 kg/ha (1990er-Jahre &amp;gt; 80 kg/ha). Quelle: Landwirtschaft und Ernährung, Taschenstatistik BFS 2018)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Phosphor ist einer der Hauptnährstoffe der Pflanzen und wird in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt. In den letzten zehn Jahren belief sich der Phosphorüberschuss auf rund 400 t/Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = phosphorbilanz 2018 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Phosphorbilanz der Landwirtschaftsflächen. Phosphormengen, die in landwirtschaftliche Böden gelangen bzw. ihnen entzogen werden. Quelle: BFS – Umweltgesamtrechnung (2020)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im intensiv genutzten Grasland werden ausserdem steigende Zink- und Kupfereinträge beobachtet, welche aus dem Hofdünger (Gülle und Mist) bzw. aus den Futtermitteln stammen (Gubler et al. 2015). Aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität kann auch im Grünland davon ausgegangen werden, dass vielerorts das Bodenleben dadurch beeinträchtigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uz-umwelt-zustand/biodiversitaet-schweiz-zustand-entwicklung.pdf.download.pdf/UZ-1630-D_2017-06-20.pdf Zustand und Entwicklung Biodiversität Schweiz]&lt;br /&gt;
* Guntern et al. (2013): [http://www.ngzh.ch/media/pdf/Flaechenbedarf.pdf Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz]&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/boden/uz-umwelt-zustand/boden-schweiz.pdf.download.pdf/UZ-1721-D_Boden2017.pdf Boden in der Schweiz. Zustand und Entwicklung. Stand 2017] &lt;br /&gt;
* BFS (2018): [https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/publikationen/uebersichtsdarstellungen/taschenstatistik-schweiz.html Taschenstatistiken] &lt;br /&gt;
* BLW (2019): [https://www.agrarbericht.ch/de Agrarbericht 2019]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zustand und Entwicklung der Artengemeinschaften des Grünlands==&lt;br /&gt;
Bei einer Vergleichsuntersuchung fanden Schlup et al. (2013) im extensiv bewirtschafteten Grünland (Kammgrasweide, Fromental- und Goldhaferwiese, Halbtrockenrasen) eine höhere Artenzahl an Gefässpflanzen als im durchschnittlichen Grünland der Schweiz. Ausserdem kamen im extensiven Grünland deutlich mehr Kenn- und Charakterarten sowie gefährdete Arten vor. Spezialisiertere Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt und es findet eine Trivialisierung statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Kennarten de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Die Tabelle zeigt, wie wichtig besonders wertvolle Lebensräume für den Erhalt von vielen Tiergruppen sind. Quelle: Hotspot 18, Forum Biodiversität Schweiz 2008)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Demnach weist ein beträchtlicher Teil der Arten eine erhöhte Bindung zu Trockenwiesen und -weiden auf.&lt;br /&gt;
Lebensraumverlust und -degradierung haben auf die Biodiversität im Grünland einen negativen Einfluss, wie die folgende Darstellung aus dem Biodiversitätsmonitoring Schweiz zeigt (BAFU):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Indikatoren de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden - Index* von 0 (einheitlich) bis 100 (vielfältig), aller paarweisen Vergleiche der Stichprobenflächen, in Prozent. *Mittelwerte über einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren. Quelle: BAFU: Biodiversitäts-Monitoring Schweiz BDM 2018&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Artenvielfalt ist seit Mitte der 2000er Jahre insgesamt zurückgegangen und deutet auf eine gesamtschweizerische Vereinheitlichung der Wiesen und Weiden hin, was einem Verlust der Biodiversität gleichkommt. Jedoch ist der Verlust der Artengemeinschaften in diesen Lebensräumen schon seit mindestens einigen Jahrzehnten im Gang: In den letzten 120 Jahren hat sich die durchschnittliche Pflanzenartenvielfalt auf 81 Wiesen fast halbiert (Schlup et al. 2013). Generell wird festgestellt, dass v.a. häufig vorkommende Arten zugenommen haben, welche keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Spezialisierte Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt, was zu einer Trivialisierung der Wiesen und Weiden führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die meisten Vogelarten, welche auf Äckern, Wiesen und Weiden brüten, sind aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität im Rückgang begriffen: Der schweizerische Index der für das Kulturland typischen Brutvögel (46 UZL-Arten) hat seit 1990 um fast 30% abgenommen, der europäische Agrarvogelindex seit 1980 um über 50% (BLW 2017, Becker et al. 2014). Auch die Bergidylle ist zunehmend bedroht: ein Langzeitvergleich der Vogelwarte zeigt, dass im Engadin innerhalb von 22 Jahren der Anteil an wenig intensiv genutzten und artenreichen Wiesen von 32 auf 27% gesunken und die Brutbestände von Feldlerche, Baumpieper und Braunkehlchen um 44-61% gesunken sind (Korner et al. 2017). Den blütenbesuchenden Insekten wird durch den Rückgang des reichen Blüten- und Nektarangebots die Nahrungsgrundlage entzogen. Wesche et al. (2014) stellten bei Heuschrecken und Wanzen in Auen und Trockenwiesen innert 50 Jahren einen dramatischen Einbruch der Individuenzahlen (&amp;gt;60%) bei teils konstanten, teils zunehmenden Artenzahlen fest. Die botanische Zusammensetzung von Fromentalwiesen zeigt im Vergleich zu den 1950er Jahren eine durchschnittliche Abnahme der Artenzahl von rund 30% bei einer ebenfalls deutlichen Qualitätseinbusse (Bosshard 2015c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Monitoringprogramms ALL-EMA werden der Zustand und die Veränderung von Arten und Lebensräumen der Umweltziele Landwirtschaft in der offenen Agrarlandschaft Schweiz erfasst und die Biodiversitätsförderflächen beurteilt. Eine erste umfassende Auswertung zum Zustand der Biodiversität ist 2020 vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/monitoring-analytik/all-ema.html ALL-EMA]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/zustand/indikatoren.html Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden (BAFU)]&lt;br /&gt;
* [http://www.biodiversitymonitoring.ch/de/home.html Biodiversitätsmonitoring Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uw-umwelt-wissen/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf.download.pdf/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf BAFU &amp;amp; BLW (2016): Umweltziele Landwirtschaft UZL.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung und Gefährdungsursachen=&lt;br /&gt;
43% der unter dem Begriff „Grünland“ zusammengefassten Lebensraumtypen gelten als gefährdet. Die wertvollsten Flächen der Trockenwiesen und -weiden sind in einem Inventar (TWW) bezeichnet - seit 1900 sind rund 95% der TWW in der Schweiz verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Gefaehrdungskat Grünland de.png&lt;br /&gt;
| text = Einstufung der 30 Lebensraumtypen des Grünlandes gemäss Roter Liste.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefährdungsursachen und wichtige Treiber sind (Delarze et al. 2015, Bosshard 2016, Becker et al. 2014):&lt;br /&gt;
* Der Verlust an Grünland-Lebensräumen durch Nutzungsaufgabe in Grenzertragslagen und nachfolgender Sukzession, durch Umwandlung von Grünland in Ackerland oder Kunstwiesen und durch den Siedlungs- und Strassenbau. Als Folge der Lebensraumverluste sind verbleibende Habitate oft zu klein und/oder von Isolation bedroht. Bis Fragmentierung und Randeffekte zum Verlust von Arten führen, kann es Jahrzehnte dauern; man spricht deshalb auch von der sogenannten Aussterbeschuld. Im Sömmerungsgebiet verschwinden mittel-wertvolle Flächen. Das aktuelle Instrument der BFF gibt im Sömmerungsgebiet keine Kriterien zur Bewirtschaftung vor. Es gibt Hinweise, dass die Kartierung der TWW nicht vollständig ist. Es besteht die Gefahr, dass wertvolle Flächen durch Intensivierung, falsche Nutzung oder Nutzungsaufgabe verloren gehen.&lt;br /&gt;
* Intensivierung, moderne oder ungeeignete Bewirtschaftung sowie Nährstoffeinträge: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die damit verbundene Intensivierung hat vielfache Auswirkungen auch auf das Grünland. Düngung und Zufütterung in der Viehhaltung haben vervielfachte Nährstoffeinträge und die Eutrophierung des Bodens zur Folge. Durch das Düngen werden viele Grünlandarten, insbesondere Kräuter, verdrängt und die Artenvielfalt nimmt in der Folge ab, weil wenige Arten dank dieser zugeführten Nährstoffe schnell wachsen, rasch Biomasse aufbauen und den Boden für den Aufwuchs anderer Pflanzen beschatten (Gerowitt et al. 2013). Die Intensivierung umfasst ausserdem die frühere Nutzung der Bestände zur Erzielung hoher Futterqualität (für die Hochleistungs-Milchkühe) und eine generell erhöhte Schlagkraft (mit schweren Maschinen), häufigere Nutzungen, den Einsatz von Pestiziden, Flurbereinigungen und Strukturverlust sowie kulturtechnische Massnahmen zur Entwässerung,  Kalkung oder Bewässerung der Flächen. Des Weiteren werden Flächen eingeebnet bzw. unter Einsatz von bspw. Forstmulchern intensiviert. Vorgegebene Schnittzeitpunkte bewirken eine Monotonisierung der Landschaft sowie ein zeitgleiches Wegfallen von Nahrungsquellen. All diese Faktoren sowie die Aufgabe bestimmter Nutzungsformen führen zu einer Vereinheitlichung der Lebensräume. &lt;br /&gt;
* Der Klimawandel stellt für den Wandel der Biodiversität und Ökosysteme einen bedeutenden Faktor dar (Guntern 2016b): insbesondere spielen der Temperaturanstieg sowie Veränderungen im hydrologischen Regime eine Rolle. Höhere Temperaturen und zunehmende Niederschlagsmengen führen bei gleichmässiger Bodendurchfeuchtung zu einer zunehmend schnelleren Wuchsleistung des Grünlands. Aus dem Biodiversitätsmonitoring ergeben sich Hinweise, dass im Mittelland bestimmte Lebensräume einerseits wärmer, andererseits auch trockener werden (BDM-Facts Nr. 4, BAFU 2012).&lt;br /&gt;
* Auch invasive, gebietsfremde Arten können auf die heimische Biodiversität nachteilig wirken. V.a. folgende Arten bereiten bisher grossflächig Probleme im extensiv genutzten Wiesland: das Einjährige Berufkraut (''Erigeron annuus''), die beiden Goldrutenarten (''Solidago canadensis'' und ''S. serotina'', v.a. im unternutzten oder spät gemähten, feuchten bis wechselfeuchten Wiesland) sowie das Schmalblättrige Kreuzkraut (''Senecio inaequidens''). Weitere Neophyten mit invasivem Ausbreitungspotenzial werden auf der Neophyten-Watch-List geführt. Die (bemerkenswerte) Resistenz gegenüber neu eingebrachten Arten scheint ein Charakteristikum des mitteleuropäischen Wieslands zu sein (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
* Je nach Lebensraumtyp und Lage des Grünlandes stellen auch Freizeitaktivitäten bzw. Erholungsnutzung Gefährdungsfaktoren dar. In Deutschland sind insbesondere auch der Anbau von Energiepflanzen (Biogasproduktion, Raps für Kraftstoffproduktion) sowie die Agrophotovoltaik mögliche Gefährdungstreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = rationelle Mahd as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Rationelle Erntemaschinen töten und verletzten viele Tiere.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgend werden einige ausgewählte Gefährdungsfaktoren näher beleuchtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Unternutzung und Nutzungsaufgabe''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine extensive Bewirtschaftung wird in Gebieten mit ungünstigen Produktionsbedingungen (Hangneigung, Bodenstruktur) immer weniger rentabel. In den letzten dreissig Jahren bewegten sich die Veränderungen in der Nutzungsform im Alpenraum stets in Richtung eines geringeren Bewirtschaftungsaufwands: von der Schnitt- zur Weidenutzung und von der Beweidung zur Verbrachung (Leitgruppe NFP 48 2007). Eine Unternutzung oder eine gänzliche Aufgabe der Bewirtschaftung führen kurzfristig zu Verbrachungserscheinungen, mittelfristig zu Verbuschung und Einwaldung. Wenn die Biomasse nicht weggeführt wird, tritt im Laufe der Jahre zunehmend Lichtmangel v.a. für die dichte, bodennahe Schicht in Form von sogenanntem Streuefilz auf. Gerade seltene und gefährdete Arten verschwinden oft zuerst und werden durch Generalisten ersetzt, bevor die Bewaldung einsetzt (Bosshard 2016). Im günstigsten Fall kann bereits nach 20 Jahren auf einer früheren Magerwiese oder -weide ein Wald stehen. In sehr magerem Wiesland führt die Nutzungsaufgabe und Verbrachung jedoch nicht zu einem Artenverlust, da die Wüchsigkeit für das Ausbilden eines Streuefilzes nicht ausreicht oder dieser rasch wieder abgebaut wird (bspw. durch Wind). Die natürliche Wiederbewaldung in Grenzertragslagen wird als Ausdruck eines grundlegenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels interpretiert, bei dem der Rückgang der Armut und die Zunahme des Wohlstands eine grosse Rolle spielen (Leitgruppe NFP 48 2007). Durch die abnehmende Verfügbarkeit von Arbeitskräften sind auch pflegerische Arbeiten der Bewirtschaftung gefährdet: damit eine möglichst langfristige Produktivität des Kulturbiotops sichergestellt werden kann, sind Pflegearbeiten wie Frühjahrssäuberung, exaktes Mähen, Abrechen des Schnittguts usw. notwendig, damit die «Saatbett-Bereitung» bzw. das Vorhandensein von Keimstellen gesichert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Steinfräsen''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Steinfräsen zerkleinern Steine und Felsen, zermalmen und brechen den Boden auf, beseitigen Kleinstrukturen und Unebenheiten im Gelände. Diese irreparable Zerstörung der natürlichen Vegetation und der Kleinstrukturvielfalt ist u.a. für den Verlust von Baumpieper und Feldlerche im jurassischen Brutgebiet mitverantwortlich. Im Jura werden seit den 1990er-Jahren Steinfräsen teilweise grossflächig eingesetzt, um die wertvollen Kleinstrukturen zu eliminieren und ganze Flächen zu planieren. Die Gesetzeslage ist kantonal unterschiedlich (SO, JU, VD nicht erlaubt, NE &amp;amp; BE teilweise erlaubt) und trotz Verbot sind unbewilligte Fälle bekannt (Apolloni et al. 2017). Steinfräsen werden auch in höheren Lagen der Alpen regelmässig eingesetzt. Sie stellen eine so grosse Gefahr für die Biodiversität dar, dass sie verboten gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Delarze et al. (2016): [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/rote-liste.html Rote Liste der Lebensräume der Schweiz]&lt;br /&gt;
* Trockenwiesen und -weiden der Schweiz (TWW) [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/massnahmen-zur-erhaltung-und-foerderung-der-biodiversitaet/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar, Vollzugshilfe und Merkblätter, Fallstudien]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/biotopschutz-schweiz.html Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Rechtsgrundlagen =&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983407/index.html Landwirtschaftsgesetz (LwG)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983381/index.html Landwirtschaftliche Begriffsverordnung (LBV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20130216/index.html Direktzahlungsverordnung (DZV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/oekologischer-leistungsnachweis.html Ökologischer Leistungsnachweis (ÖLN) gemäss DZV, Übersicht zu den einzelnen Artikeln]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Übersicht über die Biodiversitätsbeiträge pro BFF-Typ und Qualitätsstufe]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege/qualitaetsbeitrag.html Weitere Ausführungen zu den BFF-Qualitätsbeiträgen (QI und QII)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege/vernetzungsbeitrag.html Weitere Ausführungen zu den Vernetzungsbeiträgen]&lt;br /&gt;
* Die rechtliche Grundlage für den nationalen Schutz der Trockenwiesen und -weiden bildet das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/massnahmen-zur-erhaltung-und-foerderung-der-biodiversitaet/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar über die Trockenwiesen und -weiden mit den entsprechenden Verordnungen und Vollzugshilfen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Nachfolgend sind wichtige Themen aufgeführt, zu welchen (teilweise) Wissenslücken bestehen:&lt;br /&gt;
* Vorkommen und Verbreitung ökologisch wertvoller Grünlandflächen im Sömmerungsgebiet, flächendeckende Inventarisierung&lt;br /&gt;
* Wissenschaftliche Grundlagen zum Düngungsbedarf von Fromental- und Goldhaferwiesen im Hinblick auf die botanische Vielfalt fehlen, Praxisversuche sind wünschenswert.&lt;br /&gt;
* Es gibt kaum systematische Erfahrungen zum Etzen in Zusammenhang mit der Biodiversitätsförderung im artenreichen Wiesland, übergeordnete Erfolgskontrollen sind erwünscht.&lt;br /&gt;
* Phänologisch basierte Schnittzeitpunkte&lt;br /&gt;
* Einfluss von Heubläser-Einsätzen auf die Biodiversität, insbesondere die Fauna (Richner et al. 2014 beleuchten den Einfluss auf die Vegetation)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Bewirtschaftung auf die Fauna über alle Mäh- und Nachbereitungsgeräte hinweg unter vergleichbaren Bedingungen untersuchen. Verhalten der Populationen auf mehrschürigen Wiesen im Jahresverlauf.&lt;br /&gt;
* Angaben zu Ausmass und Verbreitung von Bodenverdichtungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literatur=&lt;br /&gt;
Die Publikationen zum Grünland sind äusserst umfangreich. Wir stellen Ihnen die gesamte [[Media:Dokumentation Grünland Literatur.pdf|Liste an verwendeter Literatur]] zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland=&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]|| [https://www.faunatur.ch/ faunatur]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Andreas Bosshard || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Jean-Yves Humbert || [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Heiri Schiess ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  André Stapfer ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Markus Staub || [https://www.poel.ch/ Projekte Ökologie Landwirtschaft] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Gaby Volkart || [http://www.ateliernature.ch/atena/francais.php atena]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Grundlagen&amp;diff=4717</id>
		<title>Grünland/Grundlagen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Grundlagen&amp;diff=4717"/>
				<updated>2023-03-12T13:45:57Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Informations de base]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Fromentalwiese ABosshard zg 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Die Fromentalwiesen sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Sukzession und Bedeutung des Grünlands=&lt;br /&gt;
Mit wenigen Ausnahmen ist Grünland keine natürliche Vegetation - bleibt eine Nutzung aus, folgt der Verlauf der meisten Grünland-Lebensraumtypen der natürlichen Sukzession. Maag et al. (2001) zeigen die verschiedenen Sukzessionsverläufe für unterschiedliche Standorte. Dabei hat jede Stufe der Sukzession beispielsweise eines Trockenrasens bis hin zum Wald ihren ökologischen Wert; die Artenvielfalt kann durch ein Nebeneinander verschiedener Sukzessionsstadien erhöht werden (Diacon et al. 2011). Die unterschiedlichen Stadien der Verbrachung und Verbuschung weisen willkommene Rückzugsgebiete und Nahrungsreservoirs für Reptilien, Spinnen und viele Insekten dar. Insbesondere jüngere Brachen können floristisch und faunistisch äusserst wertvoll sein; langfristig ist dagegen die Artenvielfalt in Dauerbrachen gefährdet (Dipner &amp;amp; Volkart 2010). &lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Abbildung weglassen, weil nicht in guter Qualität zur Verfügung; Alternative: Foto einwachsender Wiese. In der folgenden Abbildung sind die Phasen der Verbuschung nicht mehr bewirtschafteter Halbtrockenrasen dargestellt (Quelle: Briemle et al. 1993):--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung des Grünlandes ist vielfältig und eine grosse Bandbreite von allgemeinen, nicht nur an das Grünland gebundene Ökosystemleistungen sind auch mit diesen Lebensräumen verbunden, wie produktive Erzeugnisse, genetische Ressourcen von Futterpflanzen, Bestäubungsleistungen, Erosionsvermeidung, kulturelle Leistungen, Speicherung von Kohlenstoff (Guntern et al. 2013). Ebenfalls relevant sind die mit dem Grünland verbundenen ästhetisch-landschaftlichen Aspekte bspw. im Hinblick auf die touristische Nutzung oder die Erholungsfunktion. Aus landwirtschaftlicher Sicht ist die Bedeutung des Grünlandes als Stätte der Futterproduktion zentral. Entsprechend sind Wiesen und Weiden für die landwirtschaftliche Nutzung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte „optimiert“ worden. Beispielsweise stellen die Hochleistungsrassen in der Milchwirtschaft hohe Ansprüche an den Futterwert des Grünlandes: im jüngeren Aufwuchs ist der Rohfasergehalt niedriger und die Anteile an Rohprotein und Mineralstoffen höher. Entsprechend sind der Energiegehalt und die Verdaulichkeit des Futters besser. Damit sind die Anforderungen der Hochleistungsmilchwirtschaft mit dem Erhalt des artenreichen Grünlands nicht vereinbar (Gerowitt et al. 2011); landwirtschaftlich intensiv genutzte Wiesen haben kaum einen ökologischen Wert verglichen mit artenreichem Grünland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Typologie des Grünlands=&lt;br /&gt;
Je nachdem, worauf der Fokus liegt, kann das Grünland in Unterkategorien aufgeteilt werden; man kann vegetationskundliche, ökologische oder auch futterbauliche Kriterien anwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Haber de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Haber (2014) gliedert das Grünland i.w.S. wie oben dargestellt (Abbildung leicht verändert).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl &amp;amp; Grünig (in Oppermann &amp;amp; Gujer 2003, S. 60) gliedern die artenreichen (Mäh-)Wiesen der Schweiz nach Wasser- und Nährstoffhaushalt in 19 Wiesentypen auf. Ihre tabellarische Übersicht zeigt für die jeweiligen Wiesentypen kennzeichnende Artengruppen und -kombinationen. Für den gedüngten Bereich wurde die obengenannte Systematik weiterentwickelt und [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Bosshard (2016) unterscheidet in der Folge für das gedüngte Wiesland neun Typen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard Genese de.png&lt;br /&gt;
| text = Genese und Höhenverbreitung der gedüngten Wiesentypen. &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Vereinfachter dichotomer Bestimmungsschlüssel zur Identifikation von Fromental- und Goldhaferwiesen in Bosshard (2016, S. 188).&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/SchluesselGeduengteNaturwiesen.xls Bestimmungsschlüssel für die Wiesentypen des gedüngten Naturwieslands der Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://ira.agroscope.ch/de-CH/publication/46127 Bestimmungsschlüssel für Lebensräume der offenen Kulturlandschaft] (Buholzer et al. 2015)&lt;br /&gt;
* Die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/massnahmen-zur-erhaltung-und-foerderung-der-biodiversitaet/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Kartier- und Bewertungsmethode zur Erarbeitung des Inventars der Trockenwiesen und -weiden] ist im Technischen Bericht ausgeführt (Eggenberg et al. 2001)&lt;br /&gt;
* [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/4-grnland-naturrasen-wiesen-und-weiden.html Klassifikation der Grünlandlebensräume nach Delarze et al. (2015)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Zustand und Entwicklung des Grünlands in der Schweiz=&lt;br /&gt;
==Entstehung von Grünland==&lt;br /&gt;
Grünland ist in Mitteleuropa vor 8000 Jahren durch Waldrodung zur Ackernutzung entstanden. Die anschliessend nicht mehr für den Ackerbau genutzten Flächen begrünten sich und wurden als Viehweiden genutzt. Wo Wiesland in prähistorischer Zeit vorkam, ist weitgehend ungewiss und wird in Bosshard (2016) kurz ausgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapfer (2010a, 2010b) und Bosshard (2016) beleuchten die Entstehungsgeschichte und die historische Wies- und Weidelandnutzung und stellen sie in Vergleich mit heutigen Nutzungsformen: Während vieler hundert Jahre war das Wiesland in das Produktionssystem der auf Getreidebau ausgerichteten Dreizelgenwirtschaft ausgerichtet. Der Heu- und Emdschnitt führte zusammen mit den geringen Mistgaben (rund um den Hof herum) und der historisch üblichen Frühjahrsvorweide (Etzen) zu einer langfristigen Ausmagerung der Böden mit entsprechenden Folgen für die Vegetation. Reine Mähwiesen haben sich grossflächig erst im 19. Jahrhundert entwickelt, vorher waren alle Wiesen auch beweidet (Frühjahrs- oder Herbstweide). Nach dem Etzen erfolgte der Heuschnitt später und die Wiesenpflanzen konnten ihre individuelle Entwicklung bis zur Samenreife und dem Ausstreuen der Samen vollständig abschliessen. Die heutige erste Hauptnutzung auf den Mager- und Fromentalwiesen beim Heuschnitt entsprach historisch der zweiten Nutzung. Früher orientierte man sich für den Beginn und das Ende bestimmter Bewirtschaftungsgänge an Heiligen-Tagen. Diese Orientierungszeitpunkte wurden jedoch je nach Jahresverlauf bspw. für den Mahdbeginn auch flexibel gehandhabt. Die Ernte einzelner Flächen erstreckte sich über mehrere Wochen hinweg. Das Heu der Schnittwiesen wurde auf der Fläche getrocknet, wodurch eine erfolgreiche generative Vermehrung gefördert wurde (Poschlod 2011). Im Laufe der Zeit führten neue Ernteverfahren, Bewässerungsmassnahmen und neu auch die phänologischen Veränderungen aufgrund des Klimawandels zu einem früheren ersten Schnitt von Wiesen (Guntern et al. 2013).&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungsschemata Kapfer zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Bewirtschaftungsschema der drei wichtigsten Wiesentypen der alten Dreizelgenwirtschaft. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Die ökologischen Auswirkungen und die Anwendung des Etzens (Frühjahrsvorweide) (Quelle: Bosshard 2015b)''' &amp;lt;br /&amp;gt; Etzen war bis ins 18./19. Jh. die übliche erste Nutzung von Mähwiesen. Heute wird die Vorweide dagegen vor allem im Berggebiet in den intensiver genutzten Wiesentypen noch regelmässig praktiziert. Etzen bewirkt langfristig einen Nährstoffentzug, die Wüchsigkeit einer Wiese wird vermindert und dadurch, dass kurzfristig Licht in den Bestand eingebracht wird, werden empfindlichere Pflanzen artenreicher Wiesen gefördert. Die längere bewirtschaftungsfreie Phase zwischen der Frühjahrsweide und dem nächsten Nutzungszeitpunkt durch Mahd führt zu einem deutlich schmackhafteren, gehaltvolleren (da eiweissreicheren) Heuaufwuchs, so dass Etzen auch aus futterbaulicher und wirtschaftlicher Sicht von Interesse sein dürfte. &lt;br /&gt;
Das kurze, schonende Überweiden einer Wiese im Frühjahr führt zu einem strukturierteren Pflanzenbestand, einem längerdauernden Blütenangebot und einem späteren Heuschnitt und gewisse Tierarten (Tagfalter, Heuschrecken und wiesenbrütende Vogelarten) können davon profitieren (SHL 2008). Aus praktischen Gründen (logistischer Aufwand) kommt das Etzen nur für eine Minderheit von Grünlandflächen überhaupt in Frage und ist für BFF-Flächen bspw. im Rahmen von Vernetzungsprojekten realisierbar, sofern die kantonalen Vernetzungsrichtlinien dies vorsehen und begründen.&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem historischen Blickwinkel ist die Entstehung der Artenvielfalt in Wiesen zu betrachten (Poschlod 2011): Die Artenzusammensetzung der Flachlandmähwiesen, wie sie sich in der heutigen Form präsentiert, ist wahrscheinlich erst etwa 300 Jahre alt; der namengebende Glatthafer (''Arrhenatherum elatius'') wurde erst Anfang des 18. Jahrhunderts eingeführt (d.h. ein durch Auswahl-Zucht verbesserter Ökotyp aus Südfrankreich).  Möglicherweise ist die namengebende Art der Berg-Mähwiesen, der Goldhafer (''Trisetum flavescens'') ebenfalls erst zu dieser Zeit eingeführt worden. Fast alle Pflanzenarten des Wieslandes scheinen aus der autochthonen Flora zu stammen (bspw. aus lichten Stellen von Wäldern, aus Schotterflächen der Auen, aus den Randregionen der Hochmoore etc.). Verschiedene Futterpflanzen des Wieslandes sind (gezielt oder unabsichtlich) eingeführt worden und schon früh begann der Mensch, mit gezielten Einsaaten den Ertrag zu steigern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bewirtschaftungstypen Kapfer zg 1280 768.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht zur Genese der Bewirtschaftungstypen des Grünlands Mitteleuropas. Quelle: Kapfer, A. (2010): Beitrag zur Geschichte des Grünlands Mitteleuropas im Hinblick auf den Arten- und Biotopschutz. Darstellung im Kontext der landwirtschaftlichen Bodennutzungssysteme. In: Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (5), S. 133–140.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Zusammenfassende Betrachtungen und nähere Ausführungen zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Grünlands liefern [http://www.dr-kapfer.de/index.php/download.html Kapfer (2010a, 2010b)], [https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/90005 Poschlod (2011)] und Bosshard (2016).&lt;br /&gt;
* Auch das [http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D13861.php Historische Lexikon der Schweiz] bietet zu verschiedenen Themen (Düngung, Futtermittel, Bewässerung, Wiesen, Weiden) informative Artikel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quantitativer und qualitativer Zustand und deren Veränderung==&lt;br /&gt;
Das Grünland hat sich mit den technischen Möglichkeiten in der Landwirtschaft (Mechanisierung, Düngereinsatz) und den Flurbereinigungen der letzten Jahrzehnte stark verändert worden und verändert sich immer noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Media:Tabelle Grünland Auszug Flächenbedarf.pdf|Tabelle]] gibt einen Überblick über die Ausdehnung und quantitative Veränderung der Schweizer Grünlandlebensräume. Quelle: «Guntern et al. (2013): Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz», S. 96. Weitere Grünflächen befinden sich im Siedlungsgebiet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;LN = Landwirtschaftliche Nutzfläche, SöG = Sömmerungsgebiet, BFF = Biodiversitätsförderfläche&amp;lt;/small&amp;gt; &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Lebensraum&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 10%&amp;quot;| Zeit&lt;br /&gt;
!colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Ausdehnung [ha]&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width: 25%&amp;quot;| Bemerkung, Quelle&lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Wiesen und Weiden auf der LN (ohne SöG, Kunstwiesen) davon:&amp;lt;br/&amp;gt;- Extensiv genutzte BFF-Wiesen &amp;lt;br/&amp;gt;- Wenig intensiv genutzte BFF-Wiesen&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|610’732 &amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;&amp;lt;br/&amp;gt;66‘056 &amp;lt;br/&amp;gt;22‘919&lt;br /&gt;
| (BLW 2012) &amp;lt;br/&amp;gt;Wobei mit Qualität gemäss ÖQV: &amp;lt;br/&amp;gt;- Weiden, Waldweiden: 5'384 ha &amp;lt;br/&amp;gt;- Wiesen (inkl. Streuflächen): 28'864 ha&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sömmerungsgebiet &amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; (SöG)&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|505'385 (12% der CH)&lt;br /&gt;
| Gemäss (Walter et al. 2013)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Trockenwiesen und –weiden (TWW)&lt;br /&gt;
| 1900&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|760‘000 (bis 900‘000)&lt;br /&gt;
| (Eggenberg et al. 2001; Lachat et al. 2010b), Flächenverlust von 90-99% von TWW in den Regionen und 95% in der Schweiz. &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2010&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|37‘011&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|- style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot;&lt;br /&gt;
| Potenziell wertvolles Grasland auf der LN oder im SöG (ohne TWW, Moore Modell basierend auf der Steigung und der Höhe über Meer an den Fundorten von UZL-Ziel- und Leitarten.&lt;br /&gt;
| 2012 &amp;lt;br/&amp;gt;Total: &amp;lt;br/&amp;gt;TZ: &amp;lt;br/&amp;gt;HZ: &amp;lt;br/&amp;gt;BZI: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZII: &amp;lt;br/&amp;gt;BZIV: &amp;lt;br/&amp;gt;SöG:&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [ha] &amp;lt;br/&amp;gt;231’688 &amp;lt;br/&amp;gt;3797 &amp;lt;br/&amp;gt;354 &amp;lt;br/&amp;gt;2'023 &amp;lt;br/&amp;gt;6943 &amp;lt;br/&amp;gt;9223 &amp;lt;br/&amp;gt;10'984 &amp;lt;br/&amp;gt;198'364&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;width: 20%&amp;quot;| [%] &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;0.78 &amp;lt;br/&amp;gt;0.25 &amp;lt;br/&amp;gt;1.71 &amp;lt;br/&amp;gt;4.52 &amp;lt;br/&amp;gt;11.06 &amp;lt;br/&amp;gt;22.72 &amp;lt;br/&amp;gt;39.25&lt;br /&gt;
| (Walter et al. 2013) &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;TZ = Talzone &amp;lt;br/&amp;gt;HZ = Hügelzone &amp;lt;br/&amp;gt;BZ = Bergzone &amp;lt;br/&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;Grünland macht nahezu 100% des SöG sowie der LN in den BZIV und BZIII aus.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rowspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Fromentalwiesen auf der LN&lt;br /&gt;
| 1950&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Abgesehen von TWW, Dauerweiden, Streuwiesen, Äckern nahezu alles&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012): genauere Angaben in Erarbeitung für Schlussbericht der laufenden Studie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 2011&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|3-8%&lt;br /&gt;
| (Bosshard &amp;amp; Stähli 2012), wobei davon ca. 20% mit der Artenzusammensetzung von intensiv genutzten Fromentalwiesen der 1950er Jahre und max. 5% mit guter Qualität (pers. Mitteilung A. Bosshard) &amp;lt;br/&amp;gt;-&amp;gt; Rückgang von vermutlich &amp;gt; 90% und nahezu 100% für artenreiche Bestände (Bosshard 1998)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Gemäss Arealstatistik nahm die Alpwirtschaftliche Nutzfläche von 1979/85 bis 1992/97 von 555'662 um 3.2 % auf 537'802 ha ab. Ein weiterer Rückgang wurde bis 2004/09 festgestellt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Schätzungsweise weitere Abnahme von 25-30% zw. 1995-2005 (Leibundgut 2007 zitiert in Graf &amp;amp; Korner 2011). Grössenordnungen in diesem Bereich sind im Wallis und Engadin durch Fallstudien bestätigt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ein Vergleich mit der Grünland-Situation in Deutschland zeigt: Ein mit der Schweiz (Tieflagen) vergleichbarer Anteil von rund 13% der Gesamtfläche (CH 14.7%) wird als landwirtschaftliches Grünland genutzt, der Grossteil davon ebenfalls intensiv (Boch et al. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Nutzung LN BFS 2018 96 dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Wie sich die landwirtschaftliche Nutzfläche der Schweiz auf die verschiedenen Nutzungstypen aufteilt. Quelle: BFS 2018, Die Schweiz in 21 Infografiken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zeitraum von 1990 bis 2009 hat sich die Grünlandfläche in Deutschland um 875‘000 ha verringert. Zwischen 2003 und 2012 betrug der absolute Verlust des Dauergrünlands ca. 5%. In der Schweiz machen Landwirtschafts- und Alpwirtschaftsflächen zusammen mehr als einen Drittel der Gesamtfläche aus; zwischen 1985 und 2009 sind 85‘000 ha davon verlorengegangen, was der Grösse des Kantons Jura entspricht (BFS 2018). Die Fromentalwiesen, bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts der häufigste und zugleich produktivste Wiesentyp auf den guten Böden der tieferen Lagen Mitteleuropas, sind innerhalb weniger Jahrzehnte weitestgehend verschwunden. Damit einher ging eine qualitative Verschlechterung: ein Vergleich zwischen 1950 und 2009 zeigt, dass die damalig «intensiv» genutzten Wiesen in der Regel QII-Qualität hatten, heute hingegen in den noch vorhandenen Fromental-Vergleichswiesen nur noch ein Drittel diese Qualitätsanforderung erreicht («Fromentalwiesenprojekt», Bosshard 2016). Unter den besonders wertvollen Lebensräumen ging die Fläche der Trockenwiesen und -weiden zwischen 1900 und 2010 um 95% zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Zuerich Umweltbericht zg.png&lt;br /&gt;
| text =  Abnahme artenreicher Wiesen im Kanton Zürich. Quelle: Baudirektion Kanton Zürich (2008), Umweltbericht 2008.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schweizer Berggebiet nahm die Entwicklung des Futterbaus und der Wiesen und Weiden einen anderen Weg als im Mittelland: Erschwernislagen (steile oder schlecht erschlossene, meist mit vielen Kleinstrukturen durchsetzte Flächen) wurden zunehmend in Weiden umgenutzt oder ganz aus der Nutzung entlassen und ein Grossteil davon ist in der Folge verbuscht und verwaldet. Insgesamt hat die Waldfläche in den vergangenen 150 Jahren auf Kosten von Wiesen- und Weideflächen je nach Region um 30-100% zugenommen. Heute liegt der überwiegende Teil des artenreichen Wieslandes der Schweiz in solchen Erschwernislagen ab Bergzone I; besonders hoch ist dieser Anteil im Sömmerungsgebiet. Allerdings nehmen diese Flächen sowohl durch Nutzungsaufgabe als auch durch Intensivierung laufend ab (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anteil BFF mit Qualitätsstufe II steigt stetig an; das Ziel eines 40%-Anteils wurde 2017 erstmals erreicht. Der Anteil im Talgebiet ist mit 28% jedoch immer noch tief (BLW 2018). Seit 2014 werden ebenfalls Beiträge für artenreiche Grün- und Streueflächen im Sömmerungsgebiet ausgerichtet; der Anteil dieser Flächen mit Qualitätsstufe II betrug 2017 217‘496 ha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;5&amp;quot;| '''Übersicht über die Flächenanteile BFF mit QII-Qualität (in Hektaren) (Quelle: Agrarbericht BLW 2019)'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! BFF QII-Typ&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Talregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Hügelregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Bergregion&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | Total&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Extensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 11495&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 7395&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 17411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 36301&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wenig intensiv genutzte Wiesen&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 130&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 411&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3220&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 3761&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| extensiv genutzte Weiden und Waldweiden&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 1468&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 2830&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 14759&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 19057&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| artenreiche Grün- und Streuflächen im Sömmerungsgebiet&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;text-align:right;&amp;quot; | 223509&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Entwicklung BFF Q2 2001 2016.png&lt;br /&gt;
| text = Entwicklung (in Hektaren) der angemeldeten artenreichen Wiesen und Weiden (BFF mit Qualitätsstufe II) zwischen 2001 – 2016 (Quelle: Daten BLW).&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die qualitativen Veränderungen in Wiesen und Weiden betreffen das allgemeine Nährstoffniveau, welches enorm gestiegen ist und das Verschwinden des früher verbreiteten Mosaiks von unterschiedlich genutzten Flächen (Schmid et al. 2007). Weitere qualitative Veränderungen der letzten Jahrzehnte beschreibt Bosshard (2016): Die Schlagkraft hat sich vervielfacht mit früherem Schnitt, viel höherer Nutzungsfrequenz und der zeitgleichen Nutzung viel grösserer Flächen. Die Erträge sind um ca. 60-80% gestiegen. Kleinstrukturen und Kulturlandschaftselemente sind verschwunden. Die schwereren Maschinen haben eine problematische Bodenverdichtung zur Folge und insbesondere für die Fauna destruktive Ernteverfahren (Rotationsmähwerke, Futteraufbereiter, Silagetechnik) nehmen zu. Heute wird vorwiegend Güllewirtschaft (rasch verfügbare Nährstoffe) statt der früher üblichen Festmistwirtschaft betrieben und durch den Wechsel von der Dürrfutterbereitung (Heu) zur Silage liegt der Nutzungszeitpunkt des ersten Aufwuchses heute früher im Jahr, es sind mehr Nutzungen pro Jahr möglich, die Ernte verläuft rascher und die Pflanzen können weniger absamen. Meliorationen, das Zusammenlegen von Parzellen und das Verschwinden von extensiven Parzellengrenzen bewirken ebenfalls grosse Veränderungen. Ein nächster Schritt steht mit der zukünftigen Automatisierung der Bewirtschaftung bevor. Anschaulich illustriert [https://www.pronatura.ch/de/wiesen-und-weiden Pro Natura anhand von Beispielen] die Entwicklung ehemals artenreicher Wiesen in artenarme Fettwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökologischen Auswirkungen der oben beschriebenen Veränderungen sind mannigfaltig: beispielsweise führt die Intensivierung der Graslandkultivierung und die früheren Schnittzeitpunkte zu einer Abnahme der Samenbank im Boden (Klimkowska et al. 2007). Die früheren Schnittzeitpunkte führen zur Überlappung mit der Brutsaison bodenbrütender Vögel; durch Mahd werden die Nester mechanisch zerstört oder sind für Prädatoren nach dem Schnitt leichter zugänglich oder die Futterverfügbarkeit wird während einer kritischen Phase der Nestlinge dezimiert (Britschgi et al. 2006). Einzelflächen wie auch die Gesamtfläche ökologisch wertvoller Wiesen und Weiden sind zu klein und zu stark fragmentiert. Kleine Grünlandflächen sind besonders empfindlich gegenüber negativer Randeffekte (z.B. Eindringen anderer Arten) und ökologischer Drift. Die durchschnittliche Grösse der TWW von nationaler Bedeutung beträgt heute 4.7 ha und im Sömmerungsgebiet 10.5 ha (Guntern et al. 2013): eine Wiederbesiedlung durch Tagfalter, Hummeln und Reptilien ist möglich, wenn die Flächen nicht weiter als 1-3 km voneinander entfernt sind. Charakteristische Heuschrecken und Laufkäfer dagegen überwinden selten Distanzen von über 100 m.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Nährstoffversorgung im Grünland''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stickstoff ein elementarer Baustein aller Lebewesen; Pflanzen nehmen ihn über die Wurzeln in der Form von Ammonium oder Nitrat auf. Pflanzenverfügbarer Stickstoff ist natürlicherweise in den meisten Böden Mangelware – in den letzten Jahrzehnten gelangten jedoch riesige Mengen von Stickstoffverbindungen als Mineraldünger, Gülle oder aus Verbrennungsprozessen direkt oder indirekt über die Luft in die Böden. Der natürliche atmosphärische Eintrag von biologisch aktivem Stickstoff beträgt lediglich 0.5 – 2 kg/ha. Heute gelangt durchschnittlich 16 kg/ha Stickstoff über die Luft in den Boden, was in etwa der ausgebrachten Menge für mittel intensiv genutzten Wiesen entspricht. Peter (2011) weist darauf hin, dass bei drei der vier umweltrelevanten Stickstoffformen (Ammoniak, Nitrat und Lachgas) die Landwirtschaft gesamtschweizerisch gesehen die Haupt Emittentin ist. So müssten beim Ammoniak beispielsweise die Emissionen aus der Landwirtschaft annähernd halbiert werden, damit eine substanziell schädigende Wirkung in sensiblen Ökosystemen verhindert werden könnte. Für artenreiche Wiesen (kollin und montan) liegt der kritische Eintragswert bei 10-30 kg N pro Hektar und Jahr (Guntern 2016a). Entsprechend sind bspw. 49% der Trockenwiesen von den negativen Auswirkungen des atmosphärischen Stickstoffeintrags betroffen; die kritischen Eintragswerte (critical loads) werden in vielen Lebensräumen z.T. massiv überschritten (BAFU 2017). In Wiesen führt dies zu einer Bodenversauerung, zu einer starken Abnahme der Pflanzendiversität und zur Dominanz einiger weniger Grasarten und ist mitverantwortlich für die extreme Artenverarmung im Wiesland insbesondere in den Tieflagen (Bosshard 2016). Heutige Bestände sind im Vergleich zu früher wüchsiger und dichter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Stickstoffbilanz 2015 BFS 2.png&lt;br /&gt;
| text = Die Stickstoffbilanz in den Landwirtschaftsflächen (inkl. Alpweiden) zeigt langfristig betrachtet zwar einen rückläufigen Überschuss, dennoch resultierte 2015 ein Überschuss von 60 kg/ha (1990er-Jahre &amp;gt; 80 kg/ha). Quelle: Landwirtschaft und Ernährung, Taschenstatistik BFS 2018)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Phosphor ist einer der Hauptnährstoffe der Pflanzen und wird in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt. In den letzten zehn Jahren belief sich der Phosphorüberschuss auf rund 400 t/Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = phosphorbilanz 2018 de zg.png&lt;br /&gt;
| text = Phosphorbilanz der Landwirtschaftsflächen. Phosphormengen, die in landwirtschaftliche Böden gelangen bzw. ihnen entzogen werden. Quelle: BFS – Umweltgesamtrechnung (2020)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im intensiv genutzten Grasland werden ausserdem steigende Zink- und Kupfereinträge beobachtet, welche aus dem Hofdünger (Gülle und Mist) bzw. aus den Futtermitteln stammen (Gubler et al. 2015). Aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität kann auch im Grünland davon ausgegangen werden, dass vielerorts das Bodenleben dadurch beeinträchtigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uz-umwelt-zustand/biodiversitaet-schweiz-zustand-entwicklung.pdf.download.pdf/UZ-1630-D_2017-06-20.pdf Zustand und Entwicklung Biodiversität Schweiz]&lt;br /&gt;
* Guntern et al. (2013): [http://www.ngzh.ch/media/pdf/Flaechenbedarf.pdf Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz]&lt;br /&gt;
* BAFU (2017): [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/boden/uz-umwelt-zustand/boden-schweiz.pdf.download.pdf/UZ-1721-D_Boden2017.pdf Boden in der Schweiz. Zustand und Entwicklung. Stand 2017] &lt;br /&gt;
* BFS (2018): [https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/publikationen/uebersichtsdarstellungen/taschenstatistik-schweiz.html Taschenstatistiken] &lt;br /&gt;
* BLW (2019): [https://www.agrarbericht.ch/de Agrarbericht 2019]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zustand und Entwicklung der Artengemeinschaften des Grünlands==&lt;br /&gt;
Bei einer Vergleichsuntersuchung fanden Schlup et al. (2013) im extensiv bewirtschafteten Grünland (Kammgrasweide, Fromental- und Goldhaferwiese, Halbtrockenrasen) eine höhere Artenzahl an Gefässpflanzen als im durchschnittlichen Grünland der Schweiz. Ausserdem kamen im extensiven Grünland deutlich mehr Kenn- und Charakterarten sowie gefährdete Arten vor. Spezialisiertere Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt und es findet eine Trivialisierung statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = TWW Kennarten de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Die Tabelle zeigt, wie wichtig besonders wertvolle Lebensräume für den Erhalt von vielen Tiergruppen sind. Quelle: Hotspot 18, Forum Biodiversität Schweiz 2008)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Demnach weist ein beträchtlicher Teil der Arten eine erhöhte Bindung zu Trockenwiesen und -weiden auf.&lt;br /&gt;
Lebensraumverlust und -degradierung haben auf die Biodiversität im Grünland einen negativen Einfluss, wie die folgende Darstellung aus dem Biodiversitätsmonitoring Schweiz zeigt (BAFU):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Indikatoren de zs.png&lt;br /&gt;
| text = Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden - Index* von 0 (einheitlich) bis 100 (vielfältig), aller paarweisen Vergleiche der Stichprobenflächen, in Prozent. *Mittelwerte über einen Zeitraum von jeweils fünf Jahren. Quelle: BAFU: Biodiversitäts-Monitoring Schweiz BDM 2018&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Artenvielfalt ist seit Mitte der 2000er Jahre insgesamt zurückgegangen und deutet auf eine gesamtschweizerische Vereinheitlichung der Wiesen und Weiden hin, was einem Verlust der Biodiversität gleichkommt. Jedoch ist der Verlust der Artengemeinschaften in diesen Lebensräumen schon seit mindestens einigen Jahrzehnten im Gang: In den letzten 120 Jahren hat sich die durchschnittliche Pflanzenartenvielfalt auf 81 Wiesen fast halbiert (Schlup et al. 2013). Generell wird festgestellt, dass v.a. häufig vorkommende Arten zugenommen haben, welche keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum stellen. Spezialisierte Grünlandarten werden zunehmend von Generalisten verdrängt, was zu einer Trivialisierung der Wiesen und Weiden führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die meisten Vogelarten, welche auf Äckern, Wiesen und Weiden brüten, sind aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Nutzungsintensität im Rückgang begriffen: Der schweizerische Index der für das Kulturland typischen Brutvögel (46 UZL-Arten) hat seit 1990 um fast 30% abgenommen, der europäische Agrarvogelindex seit 1980 um über 50% (BLW 2017, Becker et al. 2014). Auch die Bergidylle ist zunehmend bedroht: ein Langzeitvergleich der Vogelwarte zeigt, dass im Engadin innerhalb von 22 Jahren der Anteil an wenig intensiv genutzten und artenreichen Wiesen von 32 auf 27% gesunken und die Brutbestände von Feldlerche, Baumpieper und Braunkehlchen um 44-61% gesunken sind (Korner et al. 2017). Den blütenbesuchenden Insekten wird durch den Rückgang des reichen Blüten- und Nektarangebots die Nahrungsgrundlage entzogen. Wesche et al. (2014) stellten bei Heuschrecken und Wanzen in Auen und Trockenwiesen innert 50 Jahren einen dramatischen Einbruch der Individuenzahlen (&amp;gt;60%) bei teils konstanten, teils zunehmenden Artenzahlen fest. Die botanische Zusammensetzung von Fromentalwiesen zeigt im Vergleich zu den 1950er Jahren eine durchschnittliche Abnahme der Artenzahl von rund 30% bei einer ebenfalls deutlichen Qualitätseinbusse (Bosshard 2015c).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Monitoringprogramms ALL-EMA werden der Zustand und die Veränderung von Arten und Lebensräumen der Umweltziele Landwirtschaft in der offenen Agrarlandschaft Schweiz erfasst und die Biodiversitätsförderflächen beurteilt. Eine erste umfassende Auswertung zum Zustand der Biodiversität ist 2020 vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/monitoring-analytik/all-ema.html ALL-EMA]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/zustand/indikatoren.html Vielfalt von Artengemeinschaften in Wiesen und Weiden (BAFU)]&lt;br /&gt;
* [http://www.biodiversitymonitoring.ch/de/home.html Biodiversitätsmonitoring Schweiz]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/biodiversitaet/uw-umwelt-wissen/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf.download.pdf/umweltziele_landwirtschaftstatusbericht.pdf BAFU &amp;amp; BLW (2016): Umweltziele Landwirtschaft UZL.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Gefährdung und Gefährdungsursachen=&lt;br /&gt;
43% der unter dem Begriff „Grünland“ zusammengefassten Lebensraumtypen gelten als gefährdet. Die wertvollsten Flächen der Trockenwiesen und -weiden sind in einem Inventar (TWW) bezeichnet - seit 1900 sind rund 95% der TWW in der Schweiz verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Gefaehrdungskat Grünland de.png&lt;br /&gt;
| text = Einstufung der 30 Lebensraumtypen des Grünlandes gemäss Roter Liste.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefährdungsursachen und wichtige Treiber sind (Delarze et al. 2015, Bosshard 2016, Becker et al. 2014):&lt;br /&gt;
* Der Verlust an Grünland-Lebensräumen durch Nutzungsaufgabe in Grenzertragslagen und nachfolgender Sukzession, durch Umwandlung von Grünland in Ackerland oder Kunstwiesen und durch den Siedlungs- und Strassenbau. Als Folge der Lebensraumverluste sind verbleibende Habitate oft zu klein und/oder von Isolation bedroht. Bis Fragmentierung und Randeffekte zum Verlust von Arten führen, kann es Jahrzehnte dauern; man spricht deshalb auch von der sogenannten Aussterbeschuld. Im Sömmerungsgebiet verschwinden mittel-wertvolle Flächen. Das aktuelle Instrument der BFF gibt im Sömmerungsgebiet keine Kriterien zur Bewirtschaftung vor. Es gibt Hinweise, dass die Kartierung der TWW nicht vollständig ist. Es besteht die Gefahr, dass wertvolle Flächen durch Intensivierung, falsche Nutzung oder Nutzungsaufgabe verloren gehen.&lt;br /&gt;
* Intensivierung, moderne oder ungeeignete Bewirtschaftung sowie Nährstoffeinträge: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die damit verbundene Intensivierung hat vielfache Auswirkungen auch auf das Grünland. Düngung und Zufütterung in der Viehhaltung haben vervielfachte Nährstoffeinträge und die Eutrophierung des Bodens zur Folge. Durch das Düngen werden viele Grünlandarten, insbesondere Kräuter, verdrängt und die Artenvielfalt nimmt in der Folge ab, weil wenige Arten dank dieser zugeführten Nährstoffe schnell wachsen, rasch Biomasse aufbauen und den Boden für den Aufwuchs anderer Pflanzen beschatten (Gerowitt et al. 2013). Die Intensivierung umfasst ausserdem die frühere Nutzung der Bestände zur Erzielung hoher Futterqualität (für die Hochleistungs-Milchkühe) und eine generell erhöhte Schlagkraft (mit schweren Maschinen), häufigere Nutzungen, den Einsatz von Pestiziden, Flurbereinigungen und Strukturverlust sowie kulturtechnische Massnahmen zur Entwässerung,  Kalkung oder Bewässerung der Flächen. Des Weiteren werden Flächen eingeebnet bzw. unter Einsatz von bspw. Forstmulchern intensiviert. Vorgegebene Schnittzeitpunkte bewirken eine Monotonisierung der Landschaft sowie ein zeitgleiches Wegfallen von Nahrungsquellen. All diese Faktoren sowie die Aufgabe bestimmter Nutzungsformen führen zu einer Vereinheitlichung der Lebensräume. &lt;br /&gt;
* Der Klimawandel stellt für den Wandel der Biodiversität und Ökosysteme einen bedeutenden Faktor dar (Guntern 2016b): insbesondere spielen der Temperaturanstieg sowie Veränderungen im hydrologischen Regime eine Rolle. Höhere Temperaturen und zunehmende Niederschlagsmengen führen bei gleichmässiger Bodendurchfeuchtung zu einer zunehmend schnelleren Wuchsleistung des Grünlands. Aus dem Biodiversitätsmonitoring ergeben sich Hinweise, dass im Mittelland bestimmte Lebensräume einerseits wärmer, andererseits auch trockener werden (BDM-Facts Nr. 4, BAFU 2012).&lt;br /&gt;
* Auch invasive, gebietsfremde Arten können auf die heimische Biodiversität nachteilig wirken. V.a. folgende Arten bereiten bisher grossflächig Probleme im extensiv genutzten Wiesland: das Einjährige Berufkraut (''Erigeron annuus''), die beiden Goldrutenarten (''Solidago canadensis'' und ''S. serotina'', v.a. im unternutzten oder spät gemähten, feuchten bis wechselfeuchten Wiesland) sowie das Schmalblättrige Kreuzkraut (''Senecio inaequidens''). Weitere Neophyten mit invasivem Ausbreitungspotenzial werden auf der Neophyten-Watch-List geführt. Die (bemerkenswerte) Resistenz gegenüber neu eingebrachten Arten scheint ein Charakteristikum des mitteleuropäischen Wieslands zu sein (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
* Je nach Lebensraumtyp und Lage des Grünlandes stellen auch Freizeitaktivitäten bzw. Erholungsnutzung Gefährdungsfaktoren dar. In Deutschland sind insbesondere auch der Anbau von Energiepflanzen (Biogasproduktion, Raps für Kraftstoffproduktion) sowie die Agrophotovoltaik mögliche Gefährdungstreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = rationelle Mahd as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Rationelle Erntemaschinen töten und verletzten viele Tiere.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachfolgend werden einige ausgewählte Gefährdungsfaktoren näher beleuchtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Unternutzung und Nutzungsaufgabe''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine extensive Bewirtschaftung wird in Gebieten mit ungünstigen Produktionsbedingungen (Hangneigung, Bodenstruktur) immer weniger rentabel. In den letzten dreissig Jahren bewegten sich die Veränderungen in der Nutzungsform im Alpenraum stets in Richtung eines geringeren Bewirtschaftungsaufwands: von der Schnitt- zur Weidenutzung und von der Beweidung zur Verbrachung (Leitgruppe NFP 48 2007). Eine Unternutzung oder eine gänzliche Aufgabe der Bewirtschaftung führen kurzfristig zu Verbrachungserscheinungen, mittelfristig zu Verbuschung und Einwaldung. Wenn die Biomasse nicht weggeführt wird, tritt im Laufe der Jahre zunehmend Lichtmangel v.a. für die dichte, bodennahe Schicht in Form von sogenanntem Streuefilz auf. Gerade seltene und gefährdete Arten verschwinden oft zuerst und werden durch Generalisten ersetzt, bevor die Bewaldung einsetzt (Bosshard 2016). Im günstigsten Fall kann bereits nach 20 Jahren auf einer früheren Magerwiese oder -weide ein Wald stehen. In sehr magerem Wiesland führt die Nutzungsaufgabe und Verbrachung jedoch nicht zu einem Artenverlust, da die Wüchsigkeit für das Ausbilden eines Streuefilzes nicht ausreicht oder dieser rasch wieder abgebaut wird (bspw. durch Wind). Die natürliche Wiederbewaldung in Grenzertragslagen wird als Ausdruck eines grundlegenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels interpretiert, bei dem der Rückgang der Armut und die Zunahme des Wohlstands eine grosse Rolle spielen (Leitgruppe NFP 48 2007). Durch die abnehmende Verfügbarkeit von Arbeitskräften sind auch pflegerische Arbeiten der Bewirtschaftung gefährdet: damit eine möglichst langfristige Produktivität des Kulturbiotops sichergestellt werden kann, sind Pflegearbeiten wie Frühjahrssäuberung, exaktes Mähen, Abrechen des Schnittguts usw. notwendig, damit die «Saatbett-Bereitung» bzw. das Vorhandensein von Keimstellen gesichert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Steinfräsen''': &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Steinfräsen zerkleinern Steine und Felsen, zermalmen und brechen den Boden auf, beseitigen Kleinstrukturen und Unebenheiten im Gelände. Diese irreparable Zerstörung der natürlichen Vegetation und der Kleinstrukturvielfalt ist u.a. für den Verlust von Baumpieper und Feldlerche im jurassischen Brutgebiet mitverantwortlich. Im Jura werden seit den 1990er-Jahren Steinfräsen teilweise grossflächig eingesetzt, um die wertvollen Kleinstrukturen zu eliminieren und ganze Flächen zu planieren. Die Gesetzeslage ist kantonal unterschiedlich (SO, JU, VD nicht erlaubt, NE &amp;amp; BE teilweise erlaubt) und trotz Verbot sind unbewilligte Fälle bekannt (Apolloni et al. 2017). Steinfräsen werden auch in höheren Lagen der Alpen regelmässig eingesetzt. Sie stellen eine so grosse Gefahr für die Biodiversität dar, dass sie verboten gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* Delarze et al. (2016): [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/rote-liste.html Rote Liste der Lebensräume der Schweiz]&lt;br /&gt;
* Trockenwiesen und -weiden der Schweiz (TWW) [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/massnahmen-zur-erhaltung-und-foerderung-der-biodiversitaet/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar, Vollzugshilfe und Merkblätter, Fallstudien]&lt;br /&gt;
* [https://www.wsl.ch/de/biotopschutz-schweiz.html Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Rechtsgrundlagen =&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983407/index.html Landwirtschaftsgesetz (LwG)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19983381/index.html Landwirtschaftliche Begriffsverordnung (LBV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20130216/index.html Direktzahlungsverordnung (DZV)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/oekologischer-leistungsnachweis.html Ökologischer Leistungsnachweis (ÖLN) gemäss DZV, Übersicht zu den einzelnen Artikeln]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege.html Übersicht über die Biodiversitätsbeiträge pro BFF-Typ und Qualitätsstufe]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege/qualitaetsbeitrag.html Weitere Ausführungen zu den BFF-Qualitätsbeiträgen (QI und QII)]&lt;br /&gt;
* [https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen/biodiversitaetsbeitraege/vernetzungsbeitrag.html Weitere Ausführungen zu den Vernetzungsbeiträgen]&lt;br /&gt;
* Die rechtliche Grundlage für den nationalen Schutz der Trockenwiesen und -weiden bildet das [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/massnahmen-zur-erhaltung-und-foerderung-der-biodiversitaet/oekologische-infrastruktur/biotope-von-nationaler-bedeutung/trockenwiesen-und--weiden.html Inventar über die Trockenwiesen und -weiden mit den entsprechenden Verordnungen und Vollzugshilfen].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Nachfolgend sind wichtige Themen aufgeführt, zu welchen (teilweise) Wissenslücken bestehen:&lt;br /&gt;
* Vorkommen und Verbreitung ökologisch wertvoller Grünlandflächen im Sömmerungsgebiet, flächendeckende Inventarisierung&lt;br /&gt;
* Wissenschaftliche Grundlagen zum Düngungsbedarf von Fromental- und Goldhaferwiesen im Hinblick auf die botanische Vielfalt fehlen, Praxisversuche sind wünschenswert.&lt;br /&gt;
* Es gibt kaum systematische Erfahrungen zum Etzen in Zusammenhang mit der Biodiversitätsförderung im artenreichen Wiesland, übergeordnete Erfolgskontrollen sind erwünscht.&lt;br /&gt;
* Phänologisch basierte Schnittzeitpunkte&lt;br /&gt;
* Einfluss von Heubläser-Einsätzen auf die Biodiversität, insbesondere die Fauna (Richner et al. 2014 beleuchten den Einfluss auf die Vegetation)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Bewirtschaftung auf die Fauna über alle Mäh- und Nachbereitungsgeräte hinweg unter vergleichbaren Bedingungen untersuchen. Verhalten der Populationen auf mehrschürigen Wiesen im Jahresverlauf.&lt;br /&gt;
* Angaben zu Ausmass und Verbreitung von Bodenverdichtungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literatur=&lt;br /&gt;
Die Publikationen zum Grünland sind äusserst umfangreich. Wir stellen Ihnen die gesamte [[Media:Dokumentation Grünland Literatur.pdf|Liste an verwendeter Literatur]] zur Verfügung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland=&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]|| [https://www.faunatur.ch/ faunatur]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Andreas Bosshard || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Jean-Yves Humbert || [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Heiri Schiess ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  André Stapfer ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Markus Staub || [https://www.poel.ch/ Projekte Ökologie Landwirtschaft] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Gaby Volkart || [http://www.ateliernature.ch/atena/francais.php atena]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat&amp;diff=4716</id>
		<title>Grünland/Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat</title>
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				<updated>2023-03-05T18:02:04Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: /* Anwendung und Bezug von Blumenwiesen-Standardsaatgut */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Revalorisation et création de prairies riches en espèces par enherbement direct et ensemencement]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahd Spenderfläche 1 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Ein monotoner Bestand lässt sich mit verschiedenen Methoden innert relativ kurzer Zeit in eine blüten- und artenreiche Wiese umwandeln. In diesem Artikel werden die verschiedenen Verfahren für die Aufwertung von Wiesen vorgestellt. Das Foto zeigt die Mahd einer Spenderfläche früh am Morgen bei feuchter Vegetation.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
{{TOC limit|3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Einleitung=&lt;br /&gt;
Die Neuanlage oder Wiederherstellung artenreicher Wiesen ist eine der wirksamsten Massnahmen zur Förderung der Artenvielfalt. Eine artenreiche Wiese kann 30 bis über 60 Pflanzenarten auf einem einzigen Quadratmeter aufweisen.&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Weltweit können in keinem anderen Ökosystem oder Lebensraum so viele Pflanzenarten auf so kleinen Flächen zusammen existieren. Und eine ökologische Faustregel besagt, dass pro etablierter Pflanzenart 10 Tierarten vorkommen. &lt;br /&gt;
Schon auf wenigen Quadratmetern kann also bei einer Neuschaffung einer artenreichen Wiese enorm viel für die Biodiversität getan werden. Der Artikel beschreibt, mit welchen Methoden artenreiches Wiesland neu geschaffen werden kann, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Methoden haben, und auf welchen Standorten welche mehr oder weniger artenreichen Wiesentypen realistischerweise angestrebt werden können. Die Ausführungen richten sich primär an Praktiker, die bei ihrer Tätigkeit aber nicht nur nach Rezept handeln, sondern auch die ökologischen Zusammenhänge verstehen möchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; während in intensiv genutzten Wiesen oder Rasenflächen als Vergleich höchstens ein gutes Dutzend Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--vorläufig weglassen: == Sich verändernde Ziele und Fragestellungen ==&lt;br /&gt;
Die Neuschaffung und Aufwertung von artenreichen Wiesen kam erst in den 1990er Jahren in grösserem Ausmass auf. Die agrarpolitischen Diskussionen um die enorme Zerstörung der Biodiversität durch die immer intensivere Landwirtschaft führte zur Suche nach Alternativen. Erstmals wurde in den 1990er Jahren in der Schweiz ein Mindestanteil an naturnahen Flächen für jeden Landwirtschaftsbetrieb vorgeschrieben, und es entstanden Bemühungen, die in einigen Teilen der Schweiz praktisch verschwundenen, ehemals fast flächendeckend vorhandenen artenreichen Wiesen mit Ansaaten wieder zurück in die landwirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft zu bringen. Aber auch in Naturschutzgebieten, bei Verkehrsprojekten oder im Siedlungsgebiet wurde zunehmend artenreiches Wiesland neu geschaffen. Entscheidend war dabei, dass entsprechende hochwertige, artenreiche Saatgutmischungen zumindest für trockenere Standorte nun auf dem Markt erhältlich waren. &lt;br /&gt;
Wie der Artikel in einem kurzen historischen Abriss beschreibt, hat sich seit den ersten systematischen Versuchen mit artenreichen Wiesenansaaten in den 1980er und 1990er-Jahren viel verändert. Bis heute kommt laufend neues Wissen dazu, werden neue Ansaatmethoden entwickelt oder kommen neue Saatgutmischungen und -verfahren auf den Markt. Gleichzeitig haben sich das Bewusstsein, die Prioritäten und die Zielsetzungen bei der Neuschaffung artenreichen Wieslandes immer wieder verändert. &lt;br /&gt;
Seit wenigen Jahren wird beispielsweise nicht nur auf die eingebrachten Pflanzenarten, sondern auch auf die genetische Vielfalt innerhalb der Arten geachtet. Zunehmend wird deshalb heute in der Schweiz und der EU die Verwendung lokaler oder regionaler Ökotypen gefordert und sogar in neuen Rechtserlassen vorgeschrieben. Wurde früher fast ausschliesslich Standardsaatgut verwendet, gab dieser Bewusstseinswandel der Anwendung von Direktbegrünungsverfahren starken Auftrieb.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Standardsaatgut und Direktbegrünung – eine Begriffsklärung==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ArtenreichesAutochthSaatgut_Ernte_aus_eBeetle 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Artenreiches, autochthones Saatgut&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit der Förderung und Schaffung artenreicher Wiesen werden einige nicht allgemeinverständliche Fachbegriffe verwendet. Die wichtigsten sollen hier kurz erläutert werden – zumal einige noch „jung“ sind und ihre Anwendung deshalb oft nicht einheitlich erfolgt, was Verwirrung stiften kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bezeichnung von Saatguttypen und Saatgutherkünften''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das bis vor wenigen Jahren übliche Saatgut für die Ansaat artenreicher Wiesen war '''''Standard'''saatgut''. Bei Standardsaatgut wird jede einzelne Art in Reinkultur zur Gewinnung von Samen angebaut und das geerntete Saatgut dann nach einer bestimmten Rezeptur zusammengemischt. Man spricht deshalb auch von ''Vermehrungssaatgut''. Das Ursprungssaatgut stammt entweder von Wildpflanzen (sog. ''Basissaatgut''), oder es werden Zucht- bzw. Handelssorten verwendet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wenn eine Saatgutmischung ganz aus Arten besteht, deren Basissaatgut von besammelten Wildpflanzen einer bestimmten Region stammt und das Saatgut anschliessend in derselben Region vertrieben wird, wird vor allem in Deutschland von '''''Regio'''saatgut'' gesprochen. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dem Standardsaatgut stehen die sogenannten '''''Direktbegrünungsverfahren''''' gegenüber. Dabei wird das Saatgut direkt auf geeigneten Spenderwiesen als Samengemisch geerntet und ohne Zwischenvermehrung auf die Ansaat- oder Empfängerfläche übertragen. Die Methode wird deshalb auch als „Wiesenkopierverfahren“ bezeichnet. Dabei kommen verschiedene Ernte- und Übertragungsmethoden zur Anwendung wie Mahdgutübertragung, der Mähdrusch oder die Sodenversetzung. In Abgrenzung zum Regiosaatgut wird das Saatgut aus Direktbegrünungsverfahren '''''autochthones''''' (oder manchmal auch '''lokales''') Saatgut genannt. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Begriffsdefinitionen werden in den deutschsprachigen Ländern allerdings noch nicht überall einheitlich verwendet. So wird teilweise auch autochthones Saatgut als Regiosaatgut bezeichnet, oder Direktbegrünung wird teilweise nicht als Überbegriff, sondern synonym mit Mahdgutübertragung gebraucht. Heugrassaat wird auch als synonymer Ausdruck für Direktbegrünung, Ökotypensaatgut für Regiosaatgut, oder Handelssaatgut bzw. Regelsaatgut für Standardsaatgut verwendet. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Weitere wichtige Fachbegriffe''', die in diesem Artikel genannt werden, sind jeweils im Text näher erläutert, oder ihre Bedeutung erschliesst sich ohne weitere Erläuterung aus dem Zusammenhang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Neuanlage artenreicher Wiesen: Kurzer historischer Rückblick auf eine dynamische Entwicklung=&lt;br /&gt;
Artenreiches Wiesland aus Naturschutzgründen neu zu schaffen wurde erstmals in den 1960er Jahren in grösserem Stil praktiziert. (vgl. Bosshard &amp;amp; Klötzli 2003 &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;). Dabei war das Interesse ganz auf nährstoffarme Standorte in Schutzgebieten gerichtet. Als Methoden dienten eine natürliche Besiedlung mit Arten aus der Umgebung, aber auch Mahdgutübertragungen, Pflanzungen oder Sodenversetzungen kamen damals bereits zur Anwendung. Käufliche Saatgutmischungen mit den gewünschten einheimischen Arten existierten damals keine. Die verfügbaren Mischungen stammten alle aus dem Ausland. Sie enthielten nicht-einheimische Arten und sogar Zuchtsorten, die im Widerspruch standen zu den naturschützerischen Zielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Bosshard A. &amp;amp; F. Klötzli 2003: Restoration Ecology. In: Bastian O. &amp;amp; U. Steinhardt (Hrsg.): Development and Perspectives in Landscape Ecology: conceptions, methods, application. Kluwer. ISBN 1-4020-0919-4.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfolg durch neue Saatgutmischungen==&lt;br /&gt;
Erst Ende der 1980er Jahre gab der Naturschutz seinen fast ausschliesslichen Fokus auf Schutzgebiete auf und erkannte, dass die Biodiversität nur erhalten werden kann, wenn Naturschutzmassnahmen vermehrt flächenwirksam etabliert, d.h. auch ausserhalb von Naturreservaten neue artenreiche Flächen geschaffen werden können. Damit rückte die landwirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft und somit auch nährstoffreichere Flächen ins Zentrum von Aufwertungsbemühungen. &lt;br /&gt;
Da im Kulturland in den tieferen Lagen kaum noch artenreichere Biotope existierten, wurden in verschiedenen Teilen der Schweiz und in anderen Ländern Europas Projekte lanciert, welche in Zusammenarbeit mit Landwirtschaftsbetrieben ökologische Aufwertungen planten und realisierten. Eines dieser Projekte war „Landwirtschaft und Naturschutz aus Bauernhand“ &amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;. Politisch und institutionell breit abgestützt, entwickelte und testete das Pilotprojekt Anfang der 1990er Jahre auf neun Landwirtschaftsbetrieben im Kanton Zürich Massnahmen für eine zukünftige Agrarpolitik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt; Landwirtschaft und Naturschutz aus Bauernhand. Schlussbericht des CH91-Pilotprojektes auf 9 Bauernhöfen im Kanton Zürich 1989-1991. Zürcher Vogelschutz, Zürcher Naturschutzbund, WWF Sektion Zürich und Zürcher Bauernverband, Zürich. 58 S.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Artenvielfalt auch auf nährstoffreichen Böden möglich?==&lt;br /&gt;
Unter diesen Massnahmen waren auch erste Versuche, bei denen damals neu verfügbares Saatgut mit verschiedenen Arten blumenreicher Wiesen ausgetestet wurde. Denn bereits damals war aufgrund vieler Untersuchungen klar, dass die Samen der meisten Wiesenarten nur kurzfristig im Boden überleben&amp;lt;!-- Link auf Pflanzenartikel, wenn dort Infos zu Lebensdauer von Samen ergänzt worden ist --&amp;gt;. Das heisst, dass eine intensive Nutzung über drei oder vier Jahren bereits genügte, um die Pflanzenarten artenreicher Wiesen zum Verschwinden zu bringen. Eine Wieder-Extensivierung der Nutzung bringt sie – auch nach jahrelangem Warten – alleine nicht zurück. Vielmehr müssen sie jeweils neu eingebracht, sprich angesät werden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Allerdings war völlig unklar, ob sich die eingebrachten Arten auf den nährstoffreichen Böden überhaupt etablieren können. Zumindest widersprach dies der damals vertretenen ökologischen Lehre. Nichtsdestotrotz entwickelten sich bei den Versuchsansaaten des Zürcher Pilotprojektes auf vorher intensiv genutzten Ackerflächen im zweiten Jahr tatsächlich niederwüchsige, artenreiche, an Magerwiesen erinnernde Wiesenbestände. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser unerwartete Erfolg gab Anlass zu einer Dissertation. Auf zahlreichen Landwirtschaftsbetrieben in der Ostschweiz wurden auf über einem Dutzend Hektar unzählige Versuchsflächen mit verschiedenen Mischungsvarianten von Wiesenkräutern, -leguminosen und -gräsern angelegt (Bosshard 1999 &amp;lt;sup&amp;gt;4&amp;lt;/sup&amp;gt;). Die ersten Versuche führten allerdings zu instabilen Pflanzenbeständen, die nach wenigen erfolgreichen Jahren vergrasten und den Grossteil der eingesäten Arten wieder verloren. Durch Verbesserungen in der Artenzusammensetzung, insbesondere der Gräserkomponente, gelang es schliesslich, auch auf vorher intensiv genutzten Böden langfristig stabile Blumenwiesenbestände zu etablieren. Als Resultat der Dissertation wurden vier Mischungsvarianten empfohlen, die heute als ''Salvia'', ''Humida'', ''Broma'' und ''Montagna'' auf dem Schweizer Markt breit etabliert sind und mit denen mittlerweile Hunderte, wenn nicht Tausende von Hektaren artenreicher Wiesen angesät worden sind und weiterhin angesät werden, vor allem in der Landwirtschaft, aber auch zunehmend im Siedlungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;4&amp;lt;/sup&amp;gt; Bosshard A. 1999: Renaturierung artenreicher Wiesen auf nährstoffreichen Böden. Ein Beitrag zur Optimierung der ökologischen Aufwertung der Kulturlandschaft und zum Verständnis mesischer Wiesen-Ökosysteme. Dissertationes Botanicae Band 303 Stuttgart. 201 S. [https://www.research-collection.ethz.ch/handle/20.500.11850/143994 Online-version]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Breites Saatgutangebot, erfolgreiche Mischungen==&lt;br /&gt;
Dass dies überhaupt möglich war, ist der engagierten Pionierarbeit verschiedener Saatgutfirmen zu verdanken, die ab Mitte der 1990er Jahre in der Schweiz ein immer breiteres Spektrum an typischen Wiesenblumenarten Schweizerischer Herkunft für die neuen Mischungen verfügbar machten. Seit einigen Jahren besteht nun auch bei den Wiesengräsern ein breites Angebot an einheimischen Ökotypen für diese Mischungen.&lt;br /&gt;
Die Erfolgsrate der artenreichen Ansaaten in der Landwirtschaft beträgt mittlerweile über 90% gemessen am botanischen Qualitätsniveau QII (s. folgendes Kapitel). Dabei zeigen umfangreiche Datensätze, dass auf trockeneren Standorten die Artenzahl und der Blumenanteil im Laufe der Jahre eher zunimmt, während an feuchteren oder schattigeren Standorten bei den bestehenden Standard-Blumenwiesenmischungen die gegenteilige Tendenz besteht &amp;lt;sup&amp;gt;5&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Die hohe Erfolgsrate hängt allerdings nicht nur mit optimiertem Saatgut zusammen, sondern ist gerade im nährstoffreicheren Böden auch stark abhängig von einer korrekten Durchführung der Ansaat (s. Kap. [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Herkunft_des_Saatgutes:_Empfehlungen.2C_Standards_und_rechtliche_Vorgaben &amp;quot;Herkunft des Saatgutes: Empfehlungen, Standards und rechtliche Vorgaben&amp;quot;]. Auch wenn dazu bisher keine systematischen Auswertungen vorliegen, scheinen die Erfolgsraten in Kantonen, bei denen für Wiesenaufwertungen eine Beratung/Begleitung angeboten wird oder obligatorisch ist (z.B. LU, AG, TG), deutlich höher zu liegen als in den übrigen Regionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;5&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. Brönnimann &amp;amp; Minloff 2015 sowie bisher unveröffentlichte Monitoringresultate aus verschiedenen Kantonen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fördersystem für Blumenwiesen in der Schweizer Landwirtschaft==&lt;br /&gt;
Der hauptsächliche Treiber der Blumenwiesenansaaten auf Landwirtschaftsflächen ist der finanzielle Anreiz durch das Direktzahlungssystem. Im Zuge der Agrarreform wurden nämlich ab dem Jahr 2001 sogenannte „Öko-Qualitätsbeiträge“ (ab 2014 als sog. Biodiversitätsförderflächen-QII-Beiträge bezeichnet, kurz BFF-QII) eingeführt. Diese werden ausbezahlt, wenn in einer angemeldeten Ökowiese innerhalb einer Aufnahmefläche von 3 m Radius mindestens 6 Pflanzenarten aus einer [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1547~1/3~410245~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Beitr%C3%A4ge-und-Bedingungen-im-%C3%96koausgleich/Zeigerpflanzen-Wiesen-BFF-Alpennordseite/Deutsch/Print-Papier Liste von rund 45 Zeigerpflanzenarten] nachgewiesen werden. In den letzten Jahren sind diese Qualitätsbeiträge laufend angestiegen, während die „Basis-Biodiversitätsbeiträge“ im gleichen Masse abgenommen haben. Damit stieg die Attraktivität der Ansaaten entsprechend. Bereits nach 1-2 Jahren sind dank den Biodiversitätsbeiträgen die Kosten einer Neuansaat nicht selten amortisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ökologische Bedeutung von Direktbegrünungsverfahren=&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Ansaat_eines_gefrästen_Streifens_mit artenr_autochth_Saatgut 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Ansaat eines gefrästen Streifens mit autochthonem Saatgut.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die Blumenwiesenmischungen mit Ökotypen aus Schweizer Herkunft wurden bald so zahlreich eingesetzt, dass diese Entwicklung von Seiten der Ökologie und des Naturschutzes zunehmend kritisiert wurde. Denn alle neu angesäten Wiesen sahen landauf landab sehr ähnlich aus, hatten immer fast dieselbe Artenzusammensetzung und basierten alle auf denselben paar wenigen Ökotypen aus dem Ursprungssaatgut der Saatgutfirmen, egal ob die angesäten Wiesen im Wallis, im Seeland, im Randen oder im Bündnerland lagen. Diese Standardisierung steht im Kontrast zur enormen Vielfalt verschiedener Wiesentypen, die sich im Naturwiesland der Schweiz von Region zu Region in Bezug auf ihre typische Artenzusammensetzung stark unterschieden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Immer mehr Untersuchungen der letzten Jahre wiesen ausserdem darauf hin, dass kleinräumig eine grosse genetische Vielfalt auch innerhalb jeder Pflanzenart besteht. Je grösser die Entfernung und je unterschiedlicher das Klima zwischen zwei Herkunftsregionen ist, umso deutlicher fallen auch die genetischen Unterschiede aus &amp;lt;sup&amp;gt;6&amp;lt;/sup&amp;gt;. Dies zeigt sich auch im ökologischen Verhalten. Viele der untersuchten Wiesenarten wuchsen besser, wenn die Pflanzen regionaler Herkunft waren. So lieferten die regionalen Gewächse im Schnitt beispielsweise zehn Prozent mehr Blütenstände als Artgenossen, die aus anderen Gegenden stammten &amp;lt;sup&amp;gt;7&amp;lt;/sup&amp;gt;. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von Tal zu Tal, ja von Wiese zu Wiese bestehen genetische Anpassungen und Unterschiede, sogenannte Ökotypen. Diese innerartliche genetische Vielfalt ist zwar äusserlich oft nur schwer zu erkennen, aber ökologisch von grosser Bedeutung. Denn sie bedeutet eine Anpassung an die unterschiedlichsten Standorts- und Nutzungsbedingungen und ist damit eine wichtige Voraussetzung für die Stabilität von Ökosystemen. So konnten Untersuchungen zeigen, dass der Deckungsgrad höher und damit der Ansaaterfolg besser sind, wenn Ökotypen aus der Region statt Saatgut von weiter entfernt liegenden Gegenden verwendet wird. Im Gegenzug konnten sich weniger unerwünschte, nicht angesäte Arten (z.B. Neophyten) etablieren (Weisshuhn et al. 2012 &amp;lt;sup&amp;gt;8&amp;lt;/sup&amp;gt;). Ein deutliches Indiz dafür, dass diese Pflanzen regional angepasst sind. Sie kommen also in der Nähe ihrer ursprünglichen Herkunft besser zurecht. Andere Untersuchungen zeigen, dass die Inzucht von autochthonem Saatgut geringer ist als von Vermehrungssaatgut &amp;lt;sup&amp;gt;9&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;6&amp;lt;/sup&amp;gt; z.B. Durka, W. et al. (2016): Genetic differentiation within multiple common grassland plants supports seed transfer zones for ecological restoration. – Journal of Applied Ecology 54/1, 116-126. [https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1365-2664.12636 PDF].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;7&amp;lt;/sup&amp;gt; Durka W. et al. (2019): Regionales Saatgut von Wiesenpflanzen: genetische Unterschiede, regionale Anpassung und Interaktion mit Insekten. Natur und Landschaft 94/4, 146-153. [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/News/Regionales%20Saatgut%20von%20Wiesenpflanzen.pdf PDF]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;8&amp;lt;/sup&amp;gt; Weisshuhn K., Prati D., Fischer M., Auge H. (2012): Regional adaption improves the performance of grassland plant communities. Basic and Applied Ecology 13/6, 551-559. [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1439179112000710 Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;9&amp;lt;/sup&amp;gt; Aavik T., Bosshard D., Edwards P., Holderegger R., Billeter R. (2014): Genetische Vielfalt in Wildpflanzen-Samenmischungen. Agrarforschung Schweiz 5 (1): 20–27. [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Aavik_et_al_Agrarfo2014.pdf PDF]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Herkunft des Saatgutes: Empfehlungen, Standards und rechtliche Vorgaben=&lt;br /&gt;
Um die genetische Vielfalt auf Ökotypenebene zu berücksichtigen, hat bereits 1998 die schweizerische Kommission für die Erhaltung von Wildpflanzen (SKEW), heute Teil von Info Flora, Empfehlungen herausgegeben. Diese verlangen, dass das verwendete Saat- und Pflanzgut für Blumenwiesen aus der gleichen biogeographischen Region wie die Empfänger-Parzelle stammen soll. Bei häufigen, taxonomisch wenig differenzierten Arten sollen die sechs Grossregionen der Schweiz – d. h. Jura, Mittelland, Alpennordflanke, westliche und östliche Zentralalpen und Südalpen – eingehalten werden (siehe Abbildung). Taxonomisch schwierige Arten mit unregelmässiger Verbreitung sollen die elf Kleinregionen einhalten. Ausserdem ist es gemäss den Empfehlungen wichtig, standörtliche und regionale Unterschiede wie Höhenlage, Bodenverhältnisse und Exposition zu berücksichtigen. Nur so entspricht die zu begrünende Fläche den ökologischen Anforderungen der eingebrachten Arten. Die Empfehlungen verlangen auch, dass die gefährdeten Arten nicht in Samenmischungen gehandelt werden. Für diese gelten [https://www.infoflora.ch/de/flora/ansiedlung.html spezifische Richtlinien]. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Richtlinien von Info Flora entsprechen dem, was auch in verschiedenen Gesetzen und Verordnungen verlangt wird, insbesondere im Natur- und Heimatschutzgesetz, welches verlangt, die einheimische Tier- und Pflanzenwelt sowie ihre biologische Vielfalt und ihren natürlichen Lebensraum zu schützen &amp;lt;sup&amp;gt;10&amp;lt;/sup&amp;gt;. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Praxis finden die Richtlinien von Info Flora leider nur sehr begrenzt Berücksichtigung. Die eine Seite des Problems liegt beim Handel. Auch wenn die Saatgutfirmen die Herkünfte kennen und getrennt vermehren, werden sie – aus logistischen Gründen und den damit verbundenen Kosten –leider nicht so gekennzeichnet. Der Nutzer kann damit beim Kauf von Standardsaatgut die Empfehlungen gar nicht so einhalten, weil die Herkünfte in den Handels-Saatgutpackungen vermischt sind. Gewisse Kantone haben für landwirtschaftliche Ansaaten mit Saatgutproduzenten Abmachungen und erhalten spezifische Mischungen von und für ihre Region, die den Lebensräumen angepasst sind – dies ist aber leider die Ausnahme. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite sind die Richtlinien auch bei den Anwendern noch sehr oft nicht angekommen. So wird in der Praxis oft auch dort, wo Saatgut gemäss den Info Flora-Empfehlungen verfügbar wäre, dieses oft nicht berücksichtigt mangels Wissens oder als Folge fehlerhafter Ausschreibungen. Dies ist insbesondere im Verkehrsbereich (Böschungsbegrünungen etc.) der Fall, wo jedes Jahr Hunderte von Hektaren neu begrünt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = biogeografische Regionen CH.png&lt;br /&gt;
| text = Die Biogeographischen Regionen der Schweiz: blau = Jura und Randen; hellgrün =  Hochrhein- und Genferseegebiet; dunkelgrün = Westliches Mittelland; grün = Östliches Mittelland; hellblau = Voralpen; dunkelblau = Nordalpen; gelb = Westliche Zentralalpen, orange = Östliche Zentralalpen; rot = Südalpen; braun = Südlicher Tessin &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Quelle: Gonseth, Y.; Wohlgemuth, T.; Sansonnes, B.; Buttler, A. (2001): Die biogeographischen Regionen der Schweiz. Erläuterungen und Einteilungsstandard. Umwelt Materialien Nr. 137 Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft Bern. 48 Seiten.).&lt;br /&gt;
}}                                                                       &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der grossflächig stattfindenden Uniformierung und Florenverfälschung &amp;lt;sup&amp;gt;11&amp;lt;/sup&amp;gt; durch nicht den Richtlinien entsprechenden Saatgutmischungen nahm der Druck zu, vermehrt autochthones Saatgut lokaler Provenienz zu verwenden, wo die Herkunft im Detail nachgewiesen werden kann (vgl. dazu Tab. 1). 2014 wurde die Direktzahlungsverordnung mit einem Passus ergänzt, der für landwirtschaftliche Blumenwiesenansaaten im Rahmen der Verfügbarkeit die Anwendung von Direktbegrünungen vorschreibt (DZV Art. 58 Abs. 8). Deutschland geht noch einen Schritt weiter und verlangt ab 2020 generell bei der Neuanlage von Grasland in der freien Landschaft die Verwendung von gebietseigenem Saatgut (BNatSchG §40).&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Bewusstseinswandel und die damit einhergehende teilweise angepasste Rechtslage gab der Anwendung von Direktbegrünungsverfahren starken Auftrieb. So werden in der Schweiz immer häufiger Mahdgutübertragungen durchgeführt, und dies bei korrekter Anwendung mit durchwegs guten Erfolgen &amp;lt;sup&amp;gt;12&amp;lt;/sup&amp;gt;. Da Mahdgutübertragungen v.a. aus logistischen Gründen oft nur beschränkt eingesetzt werden können, wurden in den letzten 10 Jahren verschiedene Ernteverfahren für autochthones Saatgut entwickelt oder weiterentwickelt (s. Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Direktbegr.C3.BCnungsverfahren Direktbegrünungsverfahren]). Damit kann das Saatgut aus den Spenderflächen getrocknet, gereinigt und abgesackt werden. Das Saatgut kann damit in Bezug auf die Ansaattechnik und den Ansaatzeitpunkt genau so flexibel wie Standardsaatgut eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;10&amp;lt;/sup&amp;gt; Vgl. die ausführliche Zusammenstellung und Interpretation der rechtlichen Grundlagen im [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen], Seiten 11-15.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;11&amp;lt;/sup&amp;gt; Begriffserklärung und Beispiele siehe Box «Florenverfälschung».&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;12&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. Studie &amp;lt;!-- noch nicht beschaffen können: Wolfgang Bischoff/Pro Natura und Studie --&amp;gt;Pro Natura/Ö+L 2017 ([http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/05/BerichtAnsaatenArtenreicheWiesenKtAG2014-16.pdf PDF]).&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Engpass Spenderflächen==&lt;br /&gt;
Vor allem im Mittelland und einigen Voralpenregionen sind geeignete Spenderflächen allerdings so rar, dass die Produktion von autochthonem Saatgut den potenziellen Bedarf bei weitem nicht abdecken kann. In diesen Regionen wird Standardsaatgut mit Ökotypen aus diesen Regionen auch in Zukunft ein wichtiger Pfeiler für die Renaturierung von artenreichen Wiesen bleiben – dies umso mehr, da für das Mittelland beim Standardsaatgut auch das grösste Angebot an Arten existiert. Im Berggebiet und auf der Alpensüdseite dagegen besteht sowohl in Anbetracht der sehr unterschiedlichen Standortsbedingungen und Höhenlagen, als auch aufgrund des sehr begrenzten Angebotes von Arten aus den betreffenden biogeographischen Regionen kaum geeignetes Standardsaatgut. Dafür sind in diesen Regionen Spenderflächen meist noch zahlreich verfügbar, so dass hier in Zukunft vorwiegend autochthones Saatgut zum Einsatz kommen dürfte. Von der bisherigen Praxis, in diesen Regionen Mischungen mit Ökotypen aus dem Mittelland zu verwenden, sollten die zuständigen Amtsstellen und weiteren Akteuren wegkommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Was ist «Florenverfälschung»?''' &amp;lt;br /&amp;gt; Unter Florenverfälschung wird die Beeinträchtigung der einheimischen Pflanzen-Biodiversität durch die Einführung fremder Pflanzenarten oder fremder Ökotypen verstanden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schädigende Auswirkungen auf die Biodiversität können von folgenden zwei Prozessen ausgehen:&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
a) Heimische Arten oder Ökotypen werden durch die eingebrachten Arten oder Ökotypen verdrängt. Bekannt sind die Auswirkungen invasiver Neophyten, also sich aggressiv ausbreitende Pflanzenarten aus anderen Kontinenten wie de Goldruten (''Solidago canadensis'') oder der Japanknöterisch (''Reynoutria japonica''). Auch einheimische Arten können invasiv sein, z. B. Schilf (''Phragmites australis'') oder Klappertopf (''Rhinanthus alectorolophus''). Ein Beispiel für eine Ökotypen-Invasion stellt der europäische Schilfrohr-Ökotyp in Amerika dar, der dortige Populationen weitgehend verdrängt hat (vgl. Kowarik 2003).&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
b) Die vorhandenen lokalheimischen Ökotypen kreuzen sich mit den eingebrachten Ökotypen und verlieren dadurch ihre spezifischen, zum Teil ausgeprägten physiologischen und ökologischen Anpassungen an die lokalen Bedingungen (Klima, Standort, Bewirtschaftung). Mit der Einkreuzung verschwindet auch der betreffende Ökotyp als Bestandteil der Biodiversität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess b) dürfte viel bedeutsamer sein als a), ist aber gleichzeitig viel schwieriger zu beobachten und nachzuweisen. Beide Prozesse haben nicht auf die Flora, sondern ebenso auf die Tierwelt negative Auswirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. S. 21.]&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verfügbarkeit von Ökotypensaatgut regionaler Herkunft (Regiosaatgut) war ein grundlegender Fortschritt gegenüber dem früher aus dem Ausland importierten „Billigsaatgut“, das nicht nur Ökotypen aus vielen anderen Ländern enthielt, sondern teilweise sogar Zuchtformen oder auch Arten, die gar nicht in der Schweiz heimisch waren. Ein Beispiel war der Wiesenknopf (''Sanguisorba muricata''), der dem heimischen Kleinen Wiesenknopf (''Sanguisorba  minor'') sehr ähnlich sieht. Andere Beispiele sind Rotklee (''Trifolium pratense'') und Hornklee (''Lotus corniculatus'') oder Fromental (Glatthafer) (''Arrhenaterum elatius''), bei denen noch bis vor wenigen Jahren regelmässig Zuchtformen verwendet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wo lassen sich welche artenreichen Wiesentypen neu anlegen?=&lt;br /&gt;
Artenreiche Wiesen können praktisch überall neu angelegt werden, vorausgesetzt Ansaatmethode und Saatgut sind sachgemäss auf den Standort und die zukünftige Nutzung abgestimmt. Je nach Standort und Nutzung entstehen dabei unterschiedliche Wiesentypen mit einer unterschiedlichen Artenzusammensetzung und Artenvielfalt. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die wichtigsten Anwendungsbereiche für die Neuanlage artenreicher Wiesen sind Naturschutzgebiete, ehemaliges Ackerland, bisher intensiv genutzte verarmte Wiesen im Landwirtschaftsgebiet, Hochwasserschutzdämme und Gewässerräume, Böschungen von Verkehrswegen, Rasenflächen in Gärten oder Parks, neu geschaffene Umgebungen von Siedlungen, aber auch kleinflächige Objekte wie Verkehrsinseln oder kleine Gartenbereiche. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Besonders artenreich werden Wiesen auf relativ nährstoffarmen Standorten mit extensiver Nutzung, das heisst auf Flächen, die nicht gedüngt und nur ein- bis höchstens zweimal pro Jahr gemäht werden (Abb. 2). Bei erhöhtem Nährstoffgehalt und etwas häufigerer Mahd nimmt die Artenzahl zunehmend ab. Doch auch auf ehemals intensiv genutzten, nährstoffreichen Böden können bei sachgemässer Ausführung und Bewirtschaftung blumenreiche Wiesentypen langfristig erfolgreich angelegt werden. Sogar in Rasenflächen, die bis zu sechsmal jährlich gemäht werden, können sich viele attraktive und für Insekten wertvolle Blumenarten wie Salbei, Margerite, Brunelle, Thymian etc. langfristig halten. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei sehr nährstoffarmen Verhältnissen (z.B. Rohböden)&amp;lt;!--Link auf Pionierflächen, wenn vorhanden--&amp;gt; ist die Artenzahl und die Blühfreudigkeit der Wiesentypen etwas geringer, dafür lassen sich unter solchen Standorten besser gefährdete Arten ansiedeln.  &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Standortansprache, also die Beurteilung, welcher artenreiche Wiesentyp an einem gegebenen Ort angelegt werden kann, ist entscheidend für den späteren Erfolg. Doch die Standortbeurteilung bereitet oft Mühe. Es lohnt sich deshalb, für diesen ersten ausschlaggebenden Schritt eine erfahrene Fachperson beizuziehen. Sie kann für den individuellen Fall die wichtigsten Hinweise zum anzustrebenden Wiesentyp, zur richtigen Bodenvorbereitung, zur Ansaatmethode, zum geeigneten Saatgut und zu den Anforderungen an Bewirtschaftung und Pflege geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die wichtigsten Wiesentypen und ihre Standorte für die Neuanlage artenreicher Wiesen==&lt;br /&gt;
Im Wesentlichen sind folgende fünf [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Wiesentypen] für die Neuanlage artenreicher Wiesen bis in eine Höhenlage von maximal 1000 m ü. M. relevant (siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Typologie_des_Gr.C3.BCnlands Kapitel «Typologie des Grünlands»]). Die Reihenfolge in der nachfolgenden Abbildung richtet sich nach einem Gradienten von trocken bis feucht und von nährstoffarm bis mässig nährstoffreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Wiesentypen Neuanlage de.png&lt;br /&gt;
| text = Ökogramm mit den wichtigsten Wiesentypen, die für eine Neuanlage artenreicher Wiesen in Frage kommen. Wo es sehr trocken ist, ist die Verfügbarkeit von Nährstoffen stark eingeschränkt, weshalb es keine Wiesentypen in der Ecke oben rechts gibt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. '''Trockenrasen'''&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt;  (''Xerobromion''): Dieser Wiesentyp bildet sich nur auf sehr sonnigen, heissen Standorten mit sehr mageren Böden aus (z.B. Rohböden wie Kies- oder Sandflächen). Trockenrasen sind lückig, sehr artenreich, aber oft etwas weniger blühfreudig als die Halbtrockenrasen. Trockenrasen werden oft nur jedes zweite Jahr gemäht, so dass auch verholzte niedrige Sträucher wie verschiedene Ginsterarten aufkommen können. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
2. '''Trespen-Halbtrockenrasen'''&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt; (''Mesobrometum''): Verbreiteter, blumen- und artenreicher Wiesentyp an sonnigen, nährstoffarmen, (zumindest schwach) humusierten Standorten. Wird jährlich im Juli geheut und im Herbst je nach Wüchsigkeit noch ein zweites Mal gemäht. Charakterarten sind das bestandesbildende Gras Aufrechte Trespe (''Bromus erectus'') und bei den Kräutern z.B. Thymian (''Thymus'' sp.), Esparsette (''Onobrychis viciifolia''), Salbei (''Salvia pratensis'') und bei schwacher Nutzung Dost (''Eupatorium cannabinum'') und Hauhechel (''Ononis'' sp.). &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
3. '''Fromentalwiese trockene Ausprägung''' (''Arrhenatheretum salvietosum''): Ziemlich artenreiche, sehr blütenreiche Wiese, die in der Regel in der zweiten Junihälfte geheut wird und danach noch 1-2 weitere Emdschnitte benötigt. Sie bildet sich auf humusreicheren, vormals oft intensiv gedüngten Böden an sonnigen Lagen aus. Charakterarten sind Salbei (''Salvia pratensis''), Wiesenbocksbart (''Tragopogon pratensis'') oder Margerite (''Leucanthemum vulgare''). &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
3a. '''&amp;quot;Blumenrasen&amp;quot;''': Auf Fromentalwiesenstandorten, also auf humusreicheren, gut mit Nährstoffen versorgten Böden auf mittleren oder trockeneren Standorten bilden sich bei sehr häufiger Mahd Rasen im gartenbaulichen Sinne aus. Wird ein Rasen alle 1-2 Wochen gemäht, überleben nur wenige Pflanzenarten, vor allem ausläufertreibende, niederwüchsige Gräser und einige Klee- und Kräuterarten. Wird die Schnittfrequenz auf maximal 5-6 Schnitte pro Jahr reduziert und die Düngung eingestellt, haben viele Arten der Fromentalwiesen und teilweise auch der Trespen-Halbtrockenrasen eine Chance, sich zu etablieren und zu reproduzieren. Dieser «Wiesentyp» wird in der Regel Blumenrasen genannt und findet zunehmend Verbreitung im Siedlungsbereich. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
4. '''Fromentalwiesen frische Ausprägung''' (''Arrhenatheretum cirsietosum oleracei''): Ziemlich arten- und blütenreiche Wiese. Bewirtschaftung/Pflege wie bei (3). Sie bildet sich auf humusreicheren, vormals oft intensiv gedüngten Böden an schattigeren und/oder frischen bis feuchten Standorten aus. Charakterarten sind Kuckuckslichtnelke (''Lychnis floc-cuculi'') und Kohldistel (''Cirsium oleraceum''). An schattigen oder feuchten Standorten bilden sich bei sehr extensiver Nutzung (Mahd alle 2 Jahre oder jährlich im Spätherbst) Hochstaudensäume (''Filipendulion'', 4b) mit farbenprächtigen Arten wie Mädesüss (''Filipendula ulmaria''), Gilbweiderich (''Lysimachia vulgaris'') oder Blutweiderich (''Lythrum salicaria'') aus.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
5. '''Streuwiesen''' &amp;lt;!---Link auf Feuchtgebiete wenn vorhanden--&amp;gt;(''Molinion'', ''Caricetum davallianae'' u.a.): Magere, feuchte bis vernässte Standorte sind für Wiesenneuanlagen eher selten und werden vor allem bei Naturschutzprojekten gezielt geschaffen mittels baulichen Massnahmen, z.B. bei Wiedervernässungen oder bei der [https://biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser/Bau_von_Gew%C3%A4ssern Schaffung von Weihern]. Unter diesen Standortbedingungen bilden sich niederwüchsige, teilweise sehr artenreiche Streuwiesentypen aus, die in der Regel einmal jährlich im Spät-herbst gemäht werden.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt; «Rasen» wird hier in pflanzensoziologischer Terminologie verwendet und bedeutet «niederwüchsige Vegetation aus Kräutern».&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = artenhaeufigkeiten wiesen de.png&lt;br /&gt;
| text = Zusammenhang zwischen Nutzungsintensität, Ertrag und Vielfalt (Artendichte) an Pflanzenarten in Naturwiesen, schematisch; Orientierungswerte für Wiesen trockener und mesischer Standorte der kollinen bis montanen Stufe der Schweiz. Düngung und Nutzungshäufigkeit nehmen von links nach rechts zu. TS = Trockensubstanz. Der mit 1 bezeichnete Bereich entspricht in den tieferen Lagen den Trespen-Halbtrockenrasen, 2 den Fromentalwiesen. Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas: Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe. Haupt Verlag, Bern. (ergänzt)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Standort- und Vegetationsbeurteilung=&lt;br /&gt;
Eine grundlegende Voraussetzung für den Erfolg von artenreichen Wiesenansaaten '''ist die korrekte Standortbeurteilung'''&amp;lt;sup&amp;gt;14&amp;lt;/sup&amp;gt; '''sowie die Beurteilung der vorhandenen Vegetation'''. Diese beiden Schritte bestimmen, ob und welche Massnahmen für eine Ansaat getroffen und welches Saatgut für eine erfolgreiche Durchführung gewählt werden soll, aber auch, wo eine Ansaat am meisten Sinn macht, sofern mehrere Varianten zur Verfügung stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;14&amp;lt;/sup&amp;gt; bzw. die künstliche Schaffung entsprechender Standortbedingungen beispielsweise mittels Bodenabtrag/Bodenaufschüttung, vgl. Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Aufwertung_durch_Aushagerung «Aufwertung durch Aushagerung»]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wo es keine Ansaaten braucht, sondern Geduld und angepasste Pflege genügen==&lt;br /&gt;
Auf Flächen, auf denen bereits einzelne Blumen der gewünschten Arten vorhanden sind, kann unabhängig von einer Standortdiagnose oft auf eine Ansaat verzichtet werden. So weisen artenarme Naturwiesen, auch wenn sie intensiv bewirtschaftet werden, oft noch Reste von Zielarten auf, beispielsweise in Randbereichen oder an flachgründigen Stellen. Zudem sind Naturwiesen &amp;lt;sup&amp;gt;15&amp;lt;/sup&amp;gt; generell deshalb wertvoll, weil die verbliebenen Arten noch aus alten, lokalen Ökotypen bestehen, so dass beim Umbruch von alten Naturwiesen generell grosse Zurückhaltung geübt werden sollte. Sie können nach und nach durch ein Ausbleiben der Düngung und ein reduzierte Mahdfrequenz – meist genügt ein zweimaliger Heuschnitt pro Jahr – wieder artenreicher werden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch in alten Rasenflächen, die über längere Zeit nicht gedüngt wurden, wächst vereinzelt oft noch eine erstaunliche Vielfalt an Wiesenblumen wie Margeriten, Hornklee oder Salbei. Kommen solche Arten noch regelmässig vor, genügt es, den Mährhythmus stark zu reduzieren (auf maximal 6 Schnitte pro Jahr), und eine mehr oder weniger artenreiche Blumenwiese kehrt in wenigen Jahren von selbst zurück. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Weg_artenreicheWiese_de.png&lt;br /&gt;
| text = Um zu klären, ob eine Ansaat nötig ist oder Abwarten vielmehr genügt, bietet das Agridea-Merkblatt [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier &amp;quot;Der Weg zur artenreichen Wiese&amp;quot;] eine gute Entscheidungshilfe.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;15&amp;lt;/sup&amp;gt; Naturwiesen sind Wiesen, die seit mindestens 30 Jahren nicht mehr umgebrochen und neu angesät worden sind.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Botanische Aufwertung von verarmten Naturwiesen mittels Einsaaten==&lt;br /&gt;
Ist eine Wiese beispielsweise durch intensive Nutzung einmal botanisch verarmt und weist auch keine Relikte der angestrebten Pflanzengesellschaft mehr auf, kommt die Pflanzenvielfalt auch bei wieder extensiverer Nutzung selbst nach Jahrzehnten oft nicht von selbst zurück. Dies zeigen viele Untersuchungen (z.B. Bosshard 1999, Kiehl 2010 &amp;lt;sup&amp;gt;16&amp;lt;/sup&amp;gt;). Zum einen breiten sich die meisten Wiesenarten nur langsam aus, zum anderen verhindert die bestehende Grasnarbe die Etablierung neuer Pflanzenarten wirkungsvoll und ein Samenvorrat der meisten erhofften Wiesenarten fehlt, da die Samen der meisten Wiesenarten nur wenige Jahre im Boden überleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Soll ein verarmter Wiesenbestand also wieder mit Arten angereichert werden, bleibt nichts anderes übrig, als die fehlenden Arten mit geeigneten Massnahmen wieder einzubringen &amp;lt;sup&amp;gt;17&amp;lt;/sup&amp;gt;. Dabei existieren grundsätzlich drei Möglichkeiten – wobei eine angepasste Nutzung (keine Düngung, geeignetes Schnittregime u.a.) immer vorausgesetzt wird: &lt;br /&gt;
# '''Übersaatmethode''': Alte, vergraste und blumenarme Naturwiesen, die bezüglich der Grasartenzusammensetzung aber noch einigermassen den Fromentalwiesen im engeren Sinne entsprechen, sollten nicht umgebrochen/gefräst und angesät werden. Eine Aufwertung mit einer einfachen Übersaat in den bestehenden Bestand, wie dies in intensiver genutzten Wiesen mit Futterbaumischungen gemacht wird, funktioniert mit Wiesenblumensaatgut nicht. Dagegen gibt es zwei etwas aufwändigere Übersaatmethoden, die ohne Umbruch funktionieren. Zum einen lassen sich Wiesenblumenarten ansiedeln, indem über mehrere Jahre hinweg gesammeltes Saatgut ausgewählter Arten der Umgebung gezielt oberflächlich auf Blössen (Narbenschäden, Maushaufen, gezielt verursachte Öffnungen etc.) ausgebracht wird. Die andere Möglichkeit besteht darin, über mehrere Jahre das frische Erntegut von blumenreichen Heuwiesen (Fromentalwiesen) auf der aufzuwertenden Fläche zu trocknen. Die ausfallenden Samen führen nach einigen Jahren zu einer deutlichen Zunahme der Arten- und Blumenvielfalt. Voraussetzung ist allerdings, dass eine geeignete Heuwiese als Spenderwiese auf dem Betrieb oder in der Nachbarschaft vorhanden ist. Mit diesen beiden Methoden wird die bestehende Pflanzen-/Boden-Garnitur und -Struktur nicht unnötig zerstört und die noch vorhandenen Ökotypen der bestehenden Naturwiese bleiben erhalten. Allerdings brauchen sie viel Geduld, sind ziemlich aufwändig und gelingen nur auf Standorten mit eher tiefem Nährstoffniveau.&lt;br /&gt;
# '''Streifensaat'''. Diese Methode ist einfacher und sicherer und erlaubt es ebenfalls, die gewünschten Arten wieder in den Bestand zu bringen, ohne dass die ganze bestehende Naturwiese eliminiert werden muss. Dazu werden in einem Abstand von 15-20 m Streifen von 3-6 m Breite mit einer zapfwellengetriebenen Egge (z.B. Kreiselegge) oder auch einer Gartenfräse in die bestehende Wiese gefräst. Meist ist eine mindestens 3-malige Wiederholung im Abstand von ca. 2 Wochen nötig, bis die alte Vegetation vollständig abgestorben ist. Im Frühling können die vegetationsfreien, gut abgesetzten Streifen mit geeignetem Saatgut oder einer Direktbegrünung angesät. Je breiter die Streifen sind, desto eher lassen sich Schäden durch Schnecken reduzieren. Von den angesäten Streifen aus können dann die dort etablierten Arten nach und nach in den umliegenden Bestand auswandern, sofern Bodenheu gemacht und das Heu mit dem Kreiselheuer über die Fläche verteilt wird. &lt;br /&gt;
# '''Ganzflächige Ansaat''': Ist der Ausgangsbestand keine erhaltenswerte Naturwiese, empfiehlt es sich, die bestehende Wiesenvegetation ganzflächig durch Pflügen und anschliessendes Eggen, oder allein durch mehrmaliges Eggen mit einer zapfwellengetriebenen Kreiselegge (oder ähnlichem Gerät), vollständig zu entfernen. Details zu einer erfolgreichen Saatbettbereitung und Ansaat siehe Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Standort-_und_Vegetationsbeurteilung «Standort- und Vegetationsbeurteilung»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;16&amp;lt;/sup&amp;gt; Plant species introduction in ecological restoration: Possibilities and limitations. Basic and Applied Ecology 11/4, 281-284&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;17&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. dazu insbesondere [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier Agridea-Merkblatt «Der Weg zu artenreichen Wiesen»] sowie Huguenin-Elin et al. 2012&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Welche Flächen eignen sich (nicht) für Neuansaaten?==&lt;br /&gt;
Mittels Ansaaten können auf fast jedem Standort (Boden, Exposition, Höhenlage etc.) artenreiche, stabile Wiesen erfolgreich wieder etabliert werden – vorausgesetzt, es werden die richtigen Arten und Ökotypen fachgerecht angesät und die anschliessende Pflege erfolgt dem Pflanzenbestand angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Generell gilt''': Auf mageren sonnigen Standorten können sich mehr Pflanzen- und Tierarten und auch seltenere Arten entwickeln als auf nährstoffreicheren oder schattigeren Flächen. Auf sehr armen trockenen Böden nimmt die Artenvielfalt natürlicherweise wieder ab ([https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Die_wichtigsten_Wiesentypen_und_ihre_Standorte_f.C3.BCr_die_Neuanlage_artenreicher_Wiesen siehe Abbildung zu Artenreichtum]), und die Ansaat gestaltet sich oft schwierig, insbesondere auf kiesigen Rohböden mit geringem oder fehlendem Feinkornanteil (Sand, Schluff, Ton).&amp;lt;!-- nicht veröffentlichen wegen Empfehlung Humusierung: Südexponierte oder schattige Lagen verschärfen die Situation noch. Besteht Erosionsgefahr, ist bei reinen Kiesflächen die Beimischung eines geringen Humusanteils zu empfehlen, damit sich eine geschlossene Pflanzendecke entwickeln kann.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Weniger geeignet bzw. schwierig für die Neuansaat artenreicher Wiesen sind''':	&lt;br /&gt;
* '''Schattige Standorte'''. Solche sind von Natur aus meist arten- und blumenärmer als Wiesen an besonnten Lagen. Zudem können Schnecken den Keimlingen, vor allem der Wiesenblumen, an solchen Standorten besonders zusetzen. Dieser teilweise unterschätzte Faktor wird noch verschärft, wenn die Ansaatflächen an solchen Standorten klein oder schmal sind und deshalb von den Schnecken vom Rand her leichter aufgesucht werden können. Tipp: Anzusäende Flächen, die von bestehenden Wiesen oder Gehölzen umgeben sind, sollten nicht schmaler als 6 m und kleiner als eine Are (10x10m) sein.&lt;br /&gt;
* '''Entwässerte Moorböden'''. Auf solchen Böden werden durch den Abbau des Torfs so viele Nährstoffe freigesetzt, dass rasch wenige Arten zur Dominanz gelangen und die meisten der angesäten Arten verdrängen. Unter dieser (seltenen) Voraussetzung lohnen sich artenreiche Ansaaten in der Regel nicht. Ökologisch aufgewertet werden können sie jedoch mit einer Vernässung&amp;lt;!--Link auf Feuchtgebiete--&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* '''«Verunkrautete“ Flächen»''': Auf Standorten, die vorher mit Stumpfblättrigem Ampfer («Blacke», (''Rumex obtusifolius'')) verunkrautet waren, ist Vorsicht geboten. Blackensamen bleiben viele Jahrzehnte keimfähig im Boden. Auch wenn auf einer Fläche vor der Ansaat keine Blacken sichtbar sind, können Blackensamen beim Pflügen oder auch Eggen von Wiesland aus einer früheren Verunkrautung in grosser Zahl keimen. Die Bekämpfung dieser Problemart kann sehr aufwändig sein &amp;lt;sup&amp;gt;18&amp;lt;/sup&amp;gt;. Als weitere Problemarten sind Ackerkratzdisteln und einige wenige invasive Neophyten zu nennen, insbesondere Goldruten und einjähriges Berufskraut. Was die genannte, ausläufertreibende Distelart anbelangt, deren Blüten übrigens für Bienen und Schmetterlinge sehr attraktiv sind, verschwindet sie bei regelmässiger Mahd meist von selbst wieder. Die genannten Neophyten dagegen sollten von Beginn weg konsequent eliminiert („gezupft“) werden. Praktisch alle anderen Pflanzenarten, die landläufig als Unkraut bezeichnet werden, sind bei einer fachgerechten Pflege kein Problem für die gewünschte Entwicklung des Wiesenbestandes. Das gilt insbesondere für die im Ansaatjahr oft massenweise auftretenden einjährigen Ackerbeikräuter wie Gänsefuss (''Chenopodium'' sp.) oder Ackerhirsen (''Echinochloa crus-galli'', ''Setaria spp.'', ''Panicum spp.''). Sie verschwinden alle bereits im zweiten Jahr nach der Ansaat von selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;18&amp;lt;/sup&amp;gt; Der Umgang mit Flächen, die einen hohen Blackendruck aufweisen, kann hier nicht weiter vertieft werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Standortbeeinflussung==&lt;br /&gt;
Besteht in einem Ansaatprojekt die Möglichkeit, die Bodeneigenschaften zu beeinflussen, können folgende Massnahmen ins Auge gefasst werden, um – in der Regel – nährstoffärmere Bedingungen zu schaffen (Reihenfolge mit abnehmender Wirksamkeit und abnehmenden Kosten): &lt;br /&gt;
# Oberbodenabtrag (meist A-Horizont, ggf. auch B-Horizont),&lt;br /&gt;
# Aufschüttung eines nährstoffarmen Substrates auf oder Einarbeitung desselben in den bestehenden Boden – meist Kies oder Sand – wobei es für die Aufschüttung meist eine Schicht von mindestens 30 cm braucht, &lt;br /&gt;
# Ausmagerung, beispielsweise durch die Kultur eines Starkzehrers wie Mais oder Raygras. Die Wirksamkeit dieser Methode ist allerdings umstritten. Eine deutlich stärkere Reduktion verfügbarer Nährstoffe wird allein dadurch erreicht, indem vor der Ansaat der Boden möglichst nicht mehr gewendet oder bewegt wird (Verhinderung der oxidativen Nährstoffmobilisation, s. Bosshard 1999). Dies ist auf wenig verunkrauteten Ackerflächen möglich, indem die Ansaat ohne Bodenbearbeitung direkt in die Stoppelbrache erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso besteht überall dort, wo der Boden neu aufgesetzt wird wie z.B. bei Bauprojekten, die Möglichkeit, den Boden so zu „designen“, dass er standörtlich der Zielvegetation am besten entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Standortfaktoren können beispielsweise durch die Gestaltung des Geländes (Exposition, Grundwassereinfluss etc.) oder durch Reduktion von Schatteneinflüssen (Waldrandstufung, zurückschneiden von Hecken etc.) zugunsten der angestrebten Wiesentyps gezielt beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tabelle: Vereinfachter Entscheidungsbaum für die Wahl der geeigneten Ansaat in Lagen unterhalb 1000 m ü. M. (Quelle: In Anlehnung an Bosshard 2000, [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/08/Wiesenrenaturierung_NuL_2000.pdf Blumenreiche Heuwiesen aus Ackerland und Intensiv-Wiesen. Eine Anleitung zur Renaturierung in der landwirtschaftlichen Praxis. Naturschutz und Landschaftsplanung 32/6, 161-171]. Zur Bestimmung der Wiesentypen siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Typologie_des_Gr.C3.BCnlands Kapitel «Typologie des Grünlands]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Typ &lt;br /&gt;
! Beschreibung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1a'''&lt;br /&gt;
| Boden eher bis sehr tiefgründig, bisher mittel bis sehr intensiv genutzt (oder Phosphor über 100 ppM), mit ausgeglichenem Wasserhaushalt: -&amp;gt; Zielvegetation typische Fromentalwiese (Arrhenatheretum). Details siehe Text.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;| '''1b'''&lt;br /&gt;
| Boden flachgründig oder durchlässig (kiesig, sandig) oder Standort sehr trocken oder nährstoffarm aufgrund bestehender Vegetation (Ertrag &amp;lt; 30 dt/J); an sonniger Lage: &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | 1b1&lt;br /&gt;
| Boden kalkhaltig oder pH &amp;gt;6: -&amp;gt; Zielvegetation typische Trespen-Halbtrockenrasen (Mesobrometum). Zur Wahl der Ansaat siehe Text.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | 1b2&lt;br /&gt;
| weitgehend fehlender Kalkgehalt bzw. pH &amp;lt;6: -&amp;gt; Zielvegetation Rotschwingel-Straussgraswiese (Festuca-Agrostion), ev. Borstgrasrasen (ab 600 m ü. M. (Nardion)); Direktbegrünung, kein geeignetes Standardsaatgut verfügbar. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1c'''&lt;br /&gt;
| Wie 1b, aber schattige Lage:  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1c1&lt;br /&gt;
| Eher trockener Standort (vorwiegend Nordexposition, Beschattung durch Waldrand u.ä.): -&amp;gt; Zielvegetation Rotschwingel-Straussgraswiese (Saatgut s. 1c1),  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1c2&lt;br /&gt;
| wie 1c1, aber bei Niederschlägen &amp;gt;1200 mm/J und mind. leichtem Bodenkalkgehalt bzw. pH &amp;gt;6: -&amp;gt; Rotschwingel-Straussgraswiese (s. 1c1) oder magere Variante einer feuchten Fromentalwiese mittels Direktbegrünung oder Standardsaatgut Humida.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1d'''&lt;br /&gt;
|Boden zur Vernässung neigend (wechseltrocken):&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1d1&lt;br /&gt;
| Boden eher tiefgründig und/oder eher nährstoffreich: -&amp;gt; Zielvegetation frische Fromentalwiese, Saatgut über Direktbegrünung oder mit Standardsaatgut Humida  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1d2 &lt;br /&gt;
| Boden mager oder flachgründig: -&amp;gt; Streuwiesengesellschaften durch Direktbegrünungsverfahren (kein geeignetes Standardsaatgut auf dem Markt). Pflanzensoziologische Detailabklärungen nötig zur Wahl geeigneter Spenderflächen (Molinion, Caricion u.a.) &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1e'''&lt;br /&gt;
| Boden vernässt bzw. wechselnass: Wie 1d2.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1f'''&lt;br /&gt;
| Rohboden: -&amp;gt; Zielvegetation: Ruderalflora oder lückiger Trespenrasen (s. Text); je nach Situation auf Ansaat verzichten, Ansaat einer Ruderalflora-Mischung, oder (sofern Boden kalkhaltig) Direktbegrünung mit Trespen-Halbtrockenrasen (Mesobrometum) bzw. Trockenrasen (Xerobrometum) sofern verfügbar. Kleinflächen: Anpflanzung von Einzelpflanzen prüfen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Saatgut: Richtige Artenzusammensetzung, richtige Herkunft=&lt;br /&gt;
Standörtliche/geographische Herkunft, Qualität und Zusammensetzung des Saatgutes sind eine ausschlaggebende Voraussetzung für den Erfolg bei einer Neuanlage oder Wiederherstellung artenreicher Wiesen. Auch im Hinblick auf die Biodiversität spielen die Zusammensetzung und Herkunft des Saatgutes eine zentrale Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Kapitel werden die verschiedenen Saatguttypen mit ihren Vor- und Nachteilen sowie die vorhandenen Anbieter in der Schweiz beschrieben. Eine einfache erste Entscheidungshilfe, wo welcher Saatguttyp am besten geeignet ist, liefert die Entscheidungsmatrix (siehe Tabelle unten). Weiterführende Informationen zu den einzelnen Saatguttypen und ihren Anwendungsmöglichkeiten enthält der [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen, Kap. 6 (s. 39 ff.)].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = tab bossh de.png&lt;br /&gt;
| text = '''Entscheidungsmatrix für die Saatgutwahl bei Begrünungen in der Schweiz'''. Eine Saatgutwahl nach dieser Matrix ist konform mit dem Natur- und Heimatschutzgesetz sowie mit der Biodiversitätskonvention. Die zuerst genannten Verfahren sind aus ökologischer Sicht vorzuziehen. Angaben in Klammern: Verfügbarkeit des Saatgutes je nach Region eingeschränkt. '''A''' = Autochthones Saatgut oder Pflanzenmaterial (ausgebracht über Heugrassaat, Sodenverpflanzung oder ähnliche Verfahren), '''W''' = Wildpflanzensaatgut (Regio-Saatgut), '''Z''' = Regel-Handelssaatgut. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Quelle: Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz  - Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität, Bosshard A., Mayer P., Mosimann A., 2015 &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Direktbegrünungsverfahren==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = direktbegruenungsverfahren de.png&lt;br /&gt;
| text = Vergleich der Begrünungsverfahren. Quelle: Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität. Ö+L Ökologie und Landschaft GmbH.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direktbegrünungsverfahren sind für die Erhaltung der Biodiversität in der Regel deutlich besser als der Einsatz von [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Standardsaatgut_und_Direktbegr.C3.BCnung_.E2.80.93_eine_Begriffskl.C3.A4rung Standardsaatgut]. Bei Ansaaten auf Flächen mit Naturschutzcharakter sollten generell Direktbegrünungen, also Mahdgutübertragung oder autochthones Saatgut aus dem Sack, eingesetzt werden und nur im Ausnahmefall (z. B. für extensive Vernetzungsflächen, die nicht direkt Naturschutzflächen sind) Standardsaatgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ansaatmethode der Direktbegrünung bzw. mit sog. autochthonem Saatgut wird oft als Wiesenkopierverfahren bezeichnet. Statt einzelne Arten zu vermehren, in Monokulturen anzubauen und dann als definierte Mischungen auf den Markt zu bringen, werden die Samen, welche in artenreichen Wiesen, den sogenannten '''Spenderflächen''', jedes Jahr produziert werden, direkt, ohne Zwischenvermehrung, genutzt. Die Ansaat dieser Samen auf die '''Ansaat- oder Empfängerfläche''' sollte möglichst in engem räumlichem Umkreis, im Idealfall lokal, d.h. im Umkreis von beispielsweise 15 km, erfolgen. Deshalb wird auch von lokalem Saatgut gesprochen &amp;lt;sup&amp;gt;19&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig wie dieses Prinzip '''«Aus der Region für die Region»''' ist das Prinzip '''Standortäquivalenz''': Spenderfläche und Ansaatfläche müssen sich standörtlich, also bezogen auf den Bodentyp, die Höhenlage, die Exposition, die Nutzung/Pflege etc., so weit als möglich entsprechen (vgl. dazu die Entscheidungshilfe von [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direktbegrünungsverfahren wurden in den letzten Jahren in der Schweiz, aber auch im Ausland &amp;lt;sup&amp;gt;20&amp;lt;/sup&amp;gt; stark weiterentwickelt und verbessert und funktionieren mittlerweile bei fachgemässer Ausführung zuverlässig und erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wird von einigen Firmen autochthones Saatgut für die meisten Teile der Schweiz angeboten &amp;lt;sup&amp;gt;21&amp;lt;/sup&amp;gt;. Die von Pro Natura initiierte und zusammen mit Info Flora, AGRIDEA und verschiedenen Kantonen aufgebaute Plattform [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora] beschreibt die Methoden von Direktbegrünungen, gibt ausführliche Literaturhinweise und enthält auch eine Zusammenstellung von verschieden Samenanbietern und Fachpersonen. RegioFlora unterhält auch eine – derzeit allerdings je nach Region noch lückenhafte – [https://www.regioflora.ch/app/de/index.html Spenderflächendatenbank], die Nutzern helfen soll, eine geeignete Spenderfläche für eine Direktbegrünung zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend für Direktbegrünungsverfahren ist eine gute Zusammenarbeit mit den Besitzern und vor allem den Bewirtschaftern der Spenderflächen. Denn dank ihnen ist die gesuchte Artenvielfalt in diesen Flächen noch vorhanden. Die Nutzung einer Wiese als Spenderfläche bedeutet für die Bewirtschafter oft eine besondere Wertschätzung. Ihnen diese Wertschätzung bei einer Nutzung entgegenzubringen genügt aber nicht. Für die Erlaubnis, eine Ernte durchführen zu können, ist eine Entschädigung, die über den anfallenden Mehraufwand hinausgeht, angemessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;19&amp;lt;/sup&amp;gt; Anmerkung: Bei der Sodenversetzung, die ebenfalls zu den Direktbegrünungsverfahren gezählt wird, gilt dasselbe, wobei anstelle von Samen ganze Vegetationsstücke inkl. der obersten Bodenschicht übertragen werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;20&amp;lt;/sup&amp;gt; Siehe ausführliche Literaturliste z.B. bei [https://www.regioflora.ch Regio Flora] und [https://www.holosem.ch/ HoloSem].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;21&amp;lt;/sup&amp;gt; Umfangreiche Informationen zum aktuellen Angebot auf [https://floretia.ch/ Floretia], wo neben autochthonem auch das Angebot von regionalem Vermehrungssaatgut aufgelistet ist. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die verschiedenen Direktbegrünungsverfahren im Detail==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = agridea_verfahren_de_400dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Die neben der Mahdgutübertragung weiteren Methoden im Vergleich. Quelle: &amp;quot;Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft&amp;quot; (Hrsg.: Agridea, 2015)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Mahdgutübertragung===&lt;br /&gt;
Die Spenderfläche wird zum Zeitpunkt der optimalen Samenreife der meisten Arten (Teigreife) in feuchtem Zustand gemäht &amp;lt;sup&amp;gt;22&amp;lt;/sup&amp;gt; und das ganze Material auf die Ansaatfläche übertragen, meist etwa im Umfang 1:1. Die Praxis der Mahdgutübertragung wird im Merkblatt [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~2591~1/3~410210~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Direktbegr%C3%BCnung-artenreicher-Wiesen-in-der-Landwirtschaft/Deutsch/Print-Papier «Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft» (Agridea 2015)] detailliert beschrieben (s. auch [https://www.youtube.com/watch?v=IsI8ivNB9u0 FiBL-Infofilm]). Der Vorteil dieser Methode liegt in ihrer Durchführung mit Geräten, die auf jedem Landwirtschaftsbetrieb existieren, und den relativ geringen Kosten, wenn der Landwirt die Arbeiten selber durchführen kann. Zudem werden so auch Kleintierarten und Moose auf die Ansaatfläche übertragen, und die Mahdgutauflage schafft einen ersten Erosionsschutz und verbessert die Keimungsbedingungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachteile sind eine oft schwierige Logistik, ein relativ grosser Zeitaufwand und vor allem, dass das Ausbringen des Mahdgutes sogleich nach der Ernte im Sommer durchgeführt werden muss. Zum einen ist Sommer als Ansaatzeitpunkt oft nicht optimal, zum anderen stehen viele Flächen, beispielsweise bei Bauprojekten, nicht genau dann zur Ansaat bereit, wenn das Erntegut anfällt und ausgebracht werden muss. Ein weiterer Nachteil ist, dass verschiedene Erntezeitpunkte und verschiedene Spenderflächen nur beschränkt und mit stark erhöhtem Aufwand kombiniert werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;22&amp;lt;/sup&amp;gt; Ideal ist eine Mahd mit Messerbalken oder mit Sense. Es können aber je nach Verfügbarkeit und Zugänglichkeit der Fläche auch Saugmulcher eingesetzt werden, die in einem Arbeitsgang das Mähgut mähen und einsaugen. Dabei wird aber ein Grossteil der Kleintierfauna getötet, der erwähnte Vorteil einer Übertragung von Tieren fällt damit weg.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahdgutuebertragung 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Mahdgutübertragung&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wiesendrusch===&lt;br /&gt;
Das Saatgut wird auf der Spenderfläche mit einem Mähdrescher mit spezieller Einstellung geerntet. Die Methode funktioniert allerdings nur auf flachem Gelände, während die meisten nicht angesäten und damit für Direktbegrünungen in Frage kommenden Spenderflächen an Hängen liegen. Zudem werden einzelne Arten technisch kaum erfasst. Vorteile liegen in der relativ grossen Flächenleistung. Zudem kann das Saatgut verschiedener Wiesen und Erntezeitpunkte mit geringem Aufwand gemischt und das Saatgut bis 2 oder 3 Jahre (je nach Lagerung) nach der Ernte zu einem beliebigen Zeitpunkt ausgesät werden. In der Schweiz liegen erst wenige Erfahrungen mit dieser Methode vor, vor allem durch Untersuchungen der landwirtschaftlichen Fachhochschule HAFL in Zollikofen bei Bern. Als erste Firma bietet Regiosaat.ch seit 2019 autochthones Saatgut aus Wiesendrusch auf dem Markt an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Abwandlung des Wiesendruschs stellt der Heudrusch® dar, eine von Joe Engelhardt in Deutschland entwickelte und praktizierte Methode, bei der das feuchte Erntegut wie bei der Mahdgutübertragung geerntet wird, dann aber statt direkt übertragen mit einer speziellen Infrastruktur getrocknet und ausgedroschen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Ernte_mit_Maehdrescher 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Sammeln von Saatgut mit dem Mähdrescher.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Seedbrushing===&lt;br /&gt;
Bei dieser Methode werden die Samen mit speziellen Bürstenmaschinen aus dem stehenden Pflanzenbestand geerntet. Die Methode ist weniger schlagkräftig als der Wiesendrusch, es können aber mit den Geräten der neuesten Generation auch steile, vernässte oder topographisch schwierige Spenderflächen beerntet werden. Zudem erlaubt die Methode je nach verwendetem Gerät eine sehr individuelle Nutzung, indem einzelne Arten spezifisch beerntet oder auch ausgeschlossen werden. Bei zu dichten oder zu hohen Beständen sind der Methode aber Grenzen gesetzt, beispielsweise bei nährstoffreicheren Fromentalwiesen oder Hochstaudenfluren. Wie beim Wiesendrusch können verschiedene Spenderflächen und Erntezeitpunkte mit geringem Aufwand kombiniert und so die Artenzusammensetzung des Saatgutes optimiert werden &amp;lt;sup&amp;gt;23&amp;lt;/sup&amp;gt;. Ebenso ist der Ansaatzeitpunkt flexibel. Die Methode wird in der Schweiz derzeit nur von [http://www.agraroekologie.ch/ Ö+L] angeboten. Die Firma hat dazu ein eigenes Gerät, den [http://www.holosem.ch/ebeetle/angebot/ eBeetle], entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;23&amp;lt;/sup&amp;gt; Dies gilt selbstredend nur dann, wenn alle kombinierten Spenderflächen aus derselben Kleinregion und von demselben Wiesentyp vergleichbarer Standorte stammen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weitere Verfahren===&lt;br /&gt;
Neben den drei erwähnten Hauptmethoden gibt es weitere, allerdings deutlich weniger schlagkräftige und damit nur kleinflächig anwendbare oder die obigen Verfahren ergänzende Methoden der Direktbegrünung. Dazu gehören:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sammeln von Hand''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Natürlich können die gewünschten Arten in den Spenderflächen auch von Hand geerntet werden. Dies erlaubt zwar eine sehr gezielte und individuelle Beerntung einzelner Arten zum optimalen Reifezeitpunkt der Samen (die je nach Art in der Regel bei der Teigreife einsetzt), ist aber sehr zeitaufwändig und nur für kleine Flächen realistisch. Handernte kann allerdings zur Ergänzung beispielsweise von Wiesendrusch oder von Mahdgutübertragungen eine wichtige Rolle spielen, indem Samen von Pflanzenarten damit effizient ergänzt werden können, die aus verschiedenen Gründen (Reifezeitpunkt, nur sehr vereinzeltes Vorkommen etc.) nicht übertragen bzw. maschinell nicht geerntet werden.&lt;br /&gt;
'''Sammeln mit tragbaren Kleingeräten''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es existieren auf dem Markt Sauger und andere tragbare Techniken, mit denen das Saatgut aus dem stehenden Bestand der Spenderwiese geerntet werden kann. Diese Methoden sind aber nur wenig schlagkräftig und ebenfalls nur für kleine Flächen geeignet. Gegenüber einer Handernte bieten sie nur in speziellen Fällen wirklich Vorteile. In der Schweiz werden solche Geräte nur sehr punktuell angewendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Heublumen''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Methode war bis Mitte des letzten Jahrhunderts das übliche Verfahren bei der Verbesserung oder Neuanlage von Wiesen. Dabei wird der Samenausfall aus dem Heustock gesammelt und direkt ausgesät. Da bis in die 1950er Jahre fast nur artenreiche Wiesen existierten (Bosshard 2016 &amp;lt;sup&amp;gt;24&amp;lt;/sup&amp;gt;), hat diese Methode damals ausgezeichnet funktioniert. Heute bestehen Heublumen vor allem aus Samen von artenarmen Fett- und Intensivwiesen und beinhalten oft viele unerwünschte Arten wie Blacken oder Disteln, so dass von dieser Methode in aller Regel dringend abgeraten werden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sodenversetzung''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
In denjenigen Fällen, wo ein artenreicher Wiesenbestand zerstört und nachher wiederhergestellt werden soll, eignet sich die Methode der Sodenversetzung bzw. Sodenschüttung besonders gut. Dabei wird die Ursprungsvegetation mit dem Bagger als grosse Rasenziegel gelagert und nach dem Bau wieder auf die zu begrünende Fläche aufgetragen. Am meisten Erfahrungen mit dem Verfahren bestehen im Kanton Graubünden, wo vor allem beim Strassenbau und bei Meliorationsprojekten die Sodenversetzung heute zur hauptsächlich angewandten Methode gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Spontanbegrünung''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Überall dort, wo noch artenreiche Flächen mit den Zielarten in der näheren Umgebung vorhanden oder in der Samenbank des Bodens zu erwarten sind, kommt auch eine Spontanbegrünung in Betracht. Bei dieser Methode wird nichts angesät, sondern einfach gewartet, bis sich die passenden Arten von selbst wieder etablieren. Die Methode kann vor allem im Berggebiet empfohlen werden, sofern nur kleine bzw. wenige Meter breite Flächen zu begrünen sind und sofern in der unmittelbaren Umgebung noch artenreiche Wiesen vorhanden sind (Distanz &amp;lt;20 m).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;24&amp;lt;/sup&amp;gt; Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Bosshard A. 2016. Haupt-Verlag, Bern. 265 S. [https://issuu.com/haupt/docs/9783258079738 Inhaltsübersicht, Zusammenfassung und Leseprobe S. 1-34]. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Saatguternte_Mesobr_mit_eBeetle 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Saatguternte mit dem eBeetle.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hohe Anforderungen an die Planung==&lt;br /&gt;
Bei den Methoden «Mahdgutübertragung» bis «Sammeln von Hand» ist eine sorgfältige Planung essentiell. Da die Ernte nur im lokalen Rahmen erfolgt, ist oft kein geeignetes Saatgut an Lager, sondern dieses wird, v.a. bei grösserem Bedarf, spezifisch «on demand» produziert. D.h. es muss bis spätestens im Mai klar sein, welcher Saatgutbedarf für welche Lokalitäten und Standortbedingungen besteht. Wenn also im Frühjahr, dem optimalen Aussaatzeitpunkt, angesät werden soll, muss die Ernte bereits im Sommer des Vorjahres erfolgt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weitere Informationen zu den Direktbegrünungsverfahren ==&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~2591~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Direktbegr%C3%BCnung-artenreicher-Wiesen-in-der-Landwirtschaft/Deutsch/Print-Papier Agridea-Wegleitung «Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft» (2015)]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf «Leitfaden für naturgemässe Begrünungen»]&lt;br /&gt;
* Kirmer A., Krautzer B., Scotton M., Tischew S. (Hrsg.) 2012: Praxishandbuch zur Samengewinnung und Renaturierung von artenreichem Grünland. Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein.&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora, Förderung der regionalen Vielfalt im Grünland]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/ HoloSem®]&lt;br /&gt;
* [https://www.regiosaat.ch/ regiosaat.ch]&lt;br /&gt;
* [https://www.conservationevidence.com/actions/133 Conservation Evidence] (englische Seite mit vielen wissenschaftlichen Hintergrundinformationen aus verschiedenen Studien)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anwendung und Bezug von Blumenwiesen-Standardsaatgut==&lt;br /&gt;
In Regionen, in denen zu wenig qualitativ hochwertige Spenderflächen existieren, oder wo aus anderen Gründen keine Direktbegrünungen möglich sind, ist artenreiches Wiesenblumensaatgut mit Ökotypen aus der betreffenden Biogeographischen Region (s. Abb. 1) eine gute Alternative.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz bieten folgende Firmen geprüftes Blumenwiesen-Standardsaatgut an: [https://www.ufasamen.ch/ Ufa], [https://www.hauenstein.ch/de/ Hauenstein], [http://www.sativa-rheinau.ch/ Sativa] und [https://www.ericschweizer.ch/ Schweizer Samen]. Das grösste Angebot haben Ufa und Hauenstein, Saatgut in Bio-Qualität bietet Sativa. Einige der angebotenen Mischungen wechseln fast jährlich, und es ist entsprechend zu empfehlen, jeweils aktuell die Web-Informationsseiten oder die reich bebilderten Prospekte der betreffenden Firmen zu konsultieren, um die für den jeweiligen Anwendungszweck am besten geeignete Blumenwiesenmischung zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Kauf ist unbedingt darauf zu achten, aus welcher biogeographischen Region das Saatgut stammt. Die Angabe, dass das Saatgut aus Schweizer Ökotypen besteht, genügt nicht, weil solches Saatgut oft ein Gemisch aus Herkünften verschiedener biogeographischer Regionen ist. Noch immer sind verbreitet Mischungen auf dem Markt, bei denen nur der Wiesenblumenanteil aus einheimischen Ökotypen besteht, während der Gräseranteil, der oft weit über 90% des Saatgutanteils ausmacht, nicht spezifiziert ist und dann in der Regel aus dem Ausland stammt und nicht selten auch Zuchtsorten enthält. Solches Saatgut ist deutlich kostengünstiger, aber aus den in der [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Einleitung Einleitung] erläuterten Gründen nicht zu empfehlen bzw. je nach Anwendungsbereich nicht rechtskonform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den meisten artenreichen Mischungen besteht nur Saatgut mit Ökotypen aus der Biogeographischen Region Mittelland. Solches Saatgut sollte nicht im Jura, im Berggebiet oder in der Südschweiz ausgebracht werden. In diesen Regionen kommt für die meisten Anwendungszwecke mangels eines entsprechenden Standardsaatgutangebotes nur autochthones Saatgut in Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige wenige Kantone (z.B. [https://lawa.lu.ch/-/media/LAWA/Dokumente/Landwirtschaft/Biodiversitaetsfoerderflaechen/Merkblaetter/MB_Blumenwiese_Neuansaat.pdf LU] und [https://www.ag.ch/de/verwaltung/dfr/landwirtschaft/programm-labiola/aus-der-praxis?dc=8ede2663-6ddc-4778-bdec-29b103efb775_de AG]) haben für den Landwirtschaftsbereich in Zusammenarbeit mit dem Handel kantonal angepasste Blumenwiesenmischungen entwickelt. Diese weichen teilweise in der Artenzusammensetzung leicht ab von den gängigen Mischungen, teilweise stammt das Basissaatgut einzelner Arten aus dem betreffenden Kanton. Der Bezug erfolgt teils über den Handel, teils über den Kanton bzw. von ihm beauftragte Stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Qualitätssicherung ==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bosshard_NEAT_Amit_HoloSem_Saatgut_angesaet_zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Gemäss HoloSem-Standard frisch angesäte Böschung.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die im Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Herkunft_des_Saatgutes:_Empfehlungen.2C_Standards_und_rechtliche_Vorgaben «Herkunft des Saatgutes»] erwähnten Empfehlungen von Info Flora und RegioFlora, im Hinblick auf die Auswahl des Basissaatgutes bzw. der Spenderflächen und die räumliche Ausbreitung des Saatgutes, betreffen sowohl Standardsaatgut wie Direktbegrünungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was das Standardsaatgut anbelangt einigten sich die Schweizer Saatgutfirmen in einem mehrjährigen Prozess in den 1990er Jahren zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft für den Futterbau und der Forschungsanstalt Reckenholz auf eine Vereinbarung, welche die Empfehlungen von Info Flora (damals SKEW) berücksichtigt. Die Samenfirmen erklärten sich bereit, nur einheimische CH-Ökotypen für Blumenwiesenmischungen zu verwenden, den Forschungsanstalten die für die Ernte vorgesehenen Felder mit den geforderten Angaben (z.B. Herkunft des Ursprungssaatgutes, Parzellengrösse) zu melden, und die Vermehrungen stichprobenweise durch die Forschungsanstalten überprüfen zu lassen. Allerdings wird diese Vereinbarung nur für den Wiesenblumenzusatz des Saatgutes eingehalten, der Gräseranteil stammt v.a. bei Mischungen, die im Verkehrsbau verwendet werden, bis heute noch häufig aus ungeprüftem Saatgut aus dem Ausland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Direktbegrünungen existiert neben den Empfehlungen von Info Flora/RegioFlora ein von der Branche selber entwickelter Qualitätsstandard [http://www.holosem.ch/begruenungen/holosem-standard/ HoloSem]. Dieser existiert seit 2014 und definiert, welche standörtlichen und qualitativen Anforderungen bei der Ernte des Saatgutes zu berücksichtigen sind, definiert eine maximale Distanz der Verbreitung des autochthonen Saatguts von 15 km aus, wobei zusätzlich die biogeographische Region der Standort, die Höhenlage u.a. mitberücksichtigt werden müssen. Zudem bestehen Anforderungen zur Dokumentation, zur Spenderflächenauswahl u.a. Der Standard wird zunehmend für Ausschreibungen genutzt, um eine einheitliche Mindestqualität von Direktbegrünungen sicherzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig und zielführend wie ein Standard sind für eine fachgemässe Ausführung v.a. von Mahdgutübertragungen in der Landwirtschaft eine gute Begleitung und Beratung der jeweils beteiligten Akteure, beispielsweise der Bewirtschafter der Flächen, welche die Mahdgutübertragung auch selber durchführen können. Eine fachliche Beratung kann den Erfolg und die Qualität der so angesäten Flächen wesentlich verbessern. Das zeigt sich beispielsweise im Kanton Aargau, wo interessierten Landwirten eine solche Beratung kostenlos zur Verfügung steht und wo der Erfolg der Mahdgutübertragungen mit einem Monitoring überprüft wird. Eine wertvolle Hilfe für die korrekte Ausführung von Mahdgutübertragungen bietet auch die Internetseite regioflora.ch, wo umfangreiche Informationen leicht verständlich aufgearbeitet sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = wichtigste Begruenungsverfahren de.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht über die wichtigsten Begrünungsverfahren und ihre optimalen Ausführungszeitpunkte, bezogen auf Lagen bis ca. 1000 m ü.M. In der angegebenen Literatur hat es auf Seite 31 eine Tabelle, die auch auf höher gelegene Flächen eingeht. [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Quelle: Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität. Ö+L Ökologie und Landschaft GmbH].&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praktische Durchführung von Ansaat und anschliessender Pflege artenreicher Wiesen=&lt;br /&gt;
Artenreiches Saatgut ist zu kostbar, um es nicht optimal einzusetzen. Denn auch das beste Saatgut führt nur bei einer fachgerecht durchgeführten Ansaat und Pflege/Bewirtschaftung zum Erfolg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saatbettvorbereitung==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Empfängerfläche 5 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses Saatbett wurde zur Vorbereitung geackert und anschliessend in Zeitabständen von etwa drei Wochen mehrmals geeggt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Ein vegetationsfreies, gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ansaat.&lt;br /&gt;
Der Boden kann durch Pflügen oder mehrmaliges Eggen vegetationsfrei gemacht werden, in speziellen Fällen auch durch Abdecken mit schwarzer Gärtnerfolie; Abspritzen mit Herbiziden ist nicht zu empfehlen. Einsaaten (Übersaaten) in bestehende Wiesen ohne Entfernen des alten Wiesenbestandes führen nur mit hohem Aufwand zum Erfolg (siehe [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Botanische_Aufwertung_von_verarmten_Naturwiesen_mittels_Einsaaten «Übersaatmethode»]!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gut abgesetzter Boden“ heisst: Die letzte tiefere Bodenbearbeitung (Pflügen, Eggen, Aufbringen einer Bodenschicht) liegt mindestens drei bis vier Wochen vor der Ansaat. Grund: Ist der Boden bei der Ansaat zu locker, fehlt der sogenannte Bodenschluss, und die jungen Keimlinge laufen Gefahr, nicht richtig wurzeln zu können; zudem ist die Wasserzufuhr aus dem Unterboden mangelhaft, was bei Trockenperioden zu grossen Ausfällen führen kann.&lt;br /&gt;
Unmittelbar vor der Saat darf der Boden falls nötig („Unkrautkur“) nur noch sehr flach (ca. 3 cm tief) geeggt oder gefräst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saatzeitpunkt==&lt;br /&gt;
Die Ansaaten sollten, wenn immer möglich, im April oder Mai erfolgen. Dies gilt nicht für Mahdgutübertragungen, die bei optimaler Reife der Spenderflächen durchgeführt werden müssen, also in der Regel im Juni oder Juli. Spätere Ansaaten können durch Trocken- und Hitzeperioden empfindlich beeinträchtigt werden (v.a. die Gräser). Bei Herbstansaaten sind die Verluste über den Winter ebenfalls meist beträchtlich (insbesondere der Kräuter/Wiesenblumen). Können Ansaaten, z.B. aus Gründen des Erosionsschutzes, nicht im April oder Mai erfolgen, bietet sich der Einsatz von Zwischen- und Deckfrüchten an. Eine Beratung von Fachpersonen ist dabei zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saat==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Hydrosaat mit autochthonem Saatgut 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Hydrosaat mit autochthonem Saatgut.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die angegebene Saatmenge wird je nach Situation und Ausrüstung von Hand oder mit geeigneten Maschinen (Hydroseeder, Sämaschine, Düngerstreuer etc.) oberflächlich ausgebracht. Saatgut nicht in den Boden einarbeiten! Bei kleineren Flächen empfiehlt sich eine Handsaat, wobei je die Hälfte des Saatgutes kreuzweise (d.h. zuerst von links nach rechts, dann von hinten nach vorne) ausgebracht wird, um eine gleichmässige Saat sicherzustellen. Auf lockeren Böden (z.B. Landwirtschaftsflächen) muss unmittelbar nach der Saat gewalzt werden. Geeignet sind Gliederwalzen (z.B. Cambridgewalze). Kleine Flächen können auch „angeklopft“ oder „angestampft“ werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nachsaatpflege im Ansaatjahr==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahdgutuebertr_Keimungsphase mit ebenfalls uebertragener Trockenwiesenschnecke 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Mit der Mahdgutübertragung wurden aus der Trockenwiese Schnecken miteingebracht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Fast alle Pflanzen artenreicher Wiesen keimen erst einige Wochen nach der Ansaat und entwickeln sich auch danach nur sehr langsam. Die „Unkräuter“ dagegen keimen meist sofort nach der letzten Bewegung des Bodens und legen dann sofort mit Wachstum los. Vor allem auf humosen Böden können einjährige Pflanzen aus der bodenbürtigen Samenbank schon nach kurzer Zeit völlig überhandnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt heisst es '''Ruhe bewahren''', denn dies ist normal und beeinträchtigt die spätere Entwicklung der Wiese in keiner Weise. Wichtig ist jedoch, dass nicht zu lange mit dem sogenannten Pflegeschnitt zugewartet wird, damit die Keimlinge der angesäten Arten nicht unter einer dicken Pflanzendecke aufgrund von Lichtmangel absterben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Faustregel''': Sobald der Boden nach der Ansaat stellenweise so stark mit „Unkraut“ bedeckt ist, dass er nicht mehr sichtbar ist, sollte ein Pflegeschnitt durchgeführt werden:&lt;br /&gt;
* Hoch mähen (5-10 cm).&lt;br /&gt;
* Das Mähgut muss abgeführt werden.&lt;br /&gt;
* Eventuell muss der Pflegeschnitt im Ansaatjahr ein zweites Mal durchgeführt werden, wenn sich die einjährigen Arten nochmals rasch entwickeln. &lt;br /&gt;
* Auch wenn vorher kein Pflegeschnitt nötig war: Im Herbst vor dem Einwintern, idealerweise in der ersten Septemberhälfte, sollte ein Pflegeschnitt gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtig ist, im Herbst nochmals einen Blick auf den Bestand zu werfen: '''Die Vegetation sollte nicht höher als fausthoch in den Winter gehen''', damit die jungen Pflänzchen nicht mit einer vom Schnee zusammengedrückten „Vegetationsmatte“ zugedeckt werden. Meist ist deshalb vor dem Einwintern, idealerweise in der ersten Septemberhälfte, zumindest der erste, oder aber einfach der letzte von 2 Pflegeschnitten angesagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwickeln sich Blacken (''Rumex obtusifolius'') oder invasive Neophyten, empfiehlt es sich, diese bereits im Ansaatjahr zu zupfen oder auszustechen. Bei allem anderen „Unkraut“ hilft Jäten nichts, im Gegenteil, der Schaden wäre grösser als der Nutzen, der Pflegeschnitt reicht vollauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft wird vergessen: Im Ansaatjahr ist von den angesäten Arten noch so gut wie nichts zu sehen, und es ist nur schwer zu beurteilen, ob eine Ansaat gelungen ist oder nicht. Im Jahr der Ansaat sollten also keine vorschnellen Urteile über das Gelingen gefällt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bewirtschaftung/Pflege in den Nachfolgejahren==&lt;br /&gt;
Erst im Jahr nach der Ansaat lässt sich erkennen, ob sich die Saat gut entwickelt, und das Gesicht der zukünftigen Wiese beginnt sich nach und nach zu zeigen. Es dauert aber je nach Standort und angesäten Arten meist nochmals ein Jahr oder mehr, bis sich alle Pflanzen richtig etabliert haben und sich ein stabiler Pflanzenbestand entwickelt hat.&lt;br /&gt;
Wie bei einem guten Wein ist bei der Neuansaat artenreicher Wiesen also Geduld angesagt! '''Gut Ding will Weile haben.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch bereits jetzt, im Jahr nach der Ansaat, kann zur regulären Pflege/Nutzung mit jährlich ein bis zwei Mähschnitten übergegangen werden. Die Mahd muss unbedingt dem angestrebten Pflanzenbestand und damit den angesäten Arten angepasst sein. Generelle Empfehlungen sind hier schwierig. Folgendes lässt sich aber allgemein festhalten (siehe auch [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimale_Mahdnutzung Kapitel «Erhalt und Aufwertung durch optimale Mahdnutzung»]):&lt;br /&gt;
* Mehr als zwei Mähschnitte sind bei ungedüngten Wiesen in keinem Fall nötig, sondern schaden der Artenvielfalt und verursachen darüber hinaus unnötig Aufwand, Kosten und Ressourcenverbrauch.&lt;br /&gt;
* Die Mahd sollte in der Regel rund 1-2 Wochen nach der Hauptblüte der Wiese durchgeführt werden, damit ein Absamen möglich ist. In vielen Fällen liegt der optimale erste Schnittzeitpunkt in den tieferen Lagen in der zweiten Juni- oder in der ersten Julihälfte.&lt;br /&gt;
* Wo keine Vorgaben für den ersten Schnittzeitpunkt bestehen (z.B. bei Ökoflächen in der Landwirtschaft), ist eine jährliche Variation des Schnittregimes für die Artenvielfalt förderlich (mal eher früh, mal eher spät mähen etc.).&lt;br /&gt;
* Bei der Mahd immer kleine Reste stehen lassen, damit sich dort Tiere in die verbleibenden Strukturen zurückziehen und sich spät blühende Arten noch bis zur Samenreife entwickeln können. Am besten ist es, bei jedem Schnitt 10% der Fläche in Form von Rückzugsstreifen ungemäht zu lassen, jedes Mal wieder an einem anderen Ort. Empfehlenswert ist auch eine gestaffelte Mahd (kleinflächig unterschiedliche Schnittzeitpunkte mit mindestens 3 Wochen Intervall), wo dies vom Aufwand her möglich ist.&lt;br /&gt;
* Wenn möglich nach der Mahd Bodenheu bereiten, d.h. das Gras am Ort an 2-3 niederschlagsfreien Tage trocknen, damit die Pflanzensamen ausreifen und ausfallen können.&lt;br /&gt;
* Das Mähgut ist auf jeden Fall abzuführen. Mulchen vermindert in der Regel die Pflanzenartenvielfalt rasch.&lt;br /&gt;
* Entwickeln sich Stumpfblättriger Ampfer („Blacken“) oder invasive Neophyten wie amerikanische Goldruten oder Einjähriges Berufskraut, müssen diese regelmässig und möglichst von Beginn an gejätet werden. Je früher und konsequenter man damit beginnt, desto mehr Arbeit lässt sich längerfristig sparen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer diese Empfehlungen befolgt, kann schon nach 1-2 Jahren mit einer farbenprächtigen Blumenwiese rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Biodiversität nach erfolgreicher Ansaat noch wirksamer gefördert werden soll, ist zu empfehlen, die Blumenwiese mit Strukturen&amp;lt;!--Link auf Kleinstrukturen, wenn aufgeschaltet--&amp;gt; wie Asthaufen, einer Trockenmauer, Kiesflächen&amp;lt;!--Link auf Pionierflächen, wenn aufgeschaltet--&amp;gt;, einem kleinen [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Teich], einer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Hecke Hecke] oder Einzelbäumen weiter aufzuwerten (siehe auch [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Allgemeine_Massnahmen Allgemeine Massnahmen]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/localseed/richtig-ansaeen/ HoloSem&amp;lt;sup&amp;gt;®&amp;lt;/sup&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Information und Motivation für eine anspruchsvolle Verbundaufgabe=&lt;br /&gt;
Bei Wiesenaufwertungen und artenreichen Grünlandansaaten die richtige Methode zur richtigen Zeit am richtigen Standort zu wählen, um so die Biodiversität optimal fördern zu können, ist anspruchsvoll und nicht selten auch mit Zusatzaufwand und Hindernissen verbunden. Das lassen die bisherigen Ausführungen nicht übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend wichtig ist es, die vielen Akteure auf den verschiedenen Stufen der Entscheidungsprozesse immer wieder auf die Wichtigkeit und die Chancen von Wiesenaufwertungen aufmerksam zu machen und sie über die verschiedenen Möglichkeiten und die Vor- und Nachteile der verfügbaren Methoden zu informieren und weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Informations- und Motivationsaufgabe ist umso grösser, als sehr unterschiedliche Akteure letztlich daran beteiligt sind, wo welche Aufwertungen wie realisiert werden (oder auch nicht realisiert werden). Landschaftsarchitekten, Gartenarchitekten, Umweltbaubegleiter, Umweltverantwortliche, bodenkundliche Begleitplaner, Begrüner, Bauherren, Ökobüros, verschiedenste Amtsstellen von der Gemeinde bis zum Bund, Schulen, Weiterbildungsinstitutionen etc. etc. – und nicht zuletzt Landwirtinnen und Landwirte: Sie alle entscheiden regelmässig mit, was draussen in der Landschaft vor unserer Haustüre passiert. Es ist zu wünschen, dass das vorliegende Informationsangebot (vom Verein biodivers) dazu beiträgt, dass diese Herausforderung in Zukunft noch besser zu meistern, damit die unzähligen Chancen von Naturaufwertungen noch gezielter genutzt werden können als bisher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Weiterführende Literatur=&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier Der Weg zu artenreichen Wiesen. Agridea-Merkblatt, 2010.]&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~2591~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Direktbegr%C3%BCnung-artenreicher-Wiesen-in-der-Landwirtschaft/Deutsch/Print-Papier Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft. Leitfaden für die Praxis zum Einsatz von regionalem Saatgut in Biodiversitätsförderflächen, Agridea, 2015.]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität, Bosshard et al. 2015]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Guideline_restoration_deutsch.pdf Leitfaden zur Renaturierung von artenreichem Grünland. SALVERE 2012]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/08/Wiesenrenaturierung_NuL_2000.pdf Blumenreiche Heuwiesen aus Ackerland und Intensiv-Wiesen. Eine Anleitung zur Renaturierung in der landwirtschaftlichen Praxis. Naturschutz und Landschaftsplanung 32/6 (2000), 161-171.]&lt;br /&gt;
* Gürke, J., Hrsg.: Pro Natura, 2014. Blumenwiesen anlegen und pflegen, Pro Natura Praxis Nr. 21.&lt;br /&gt;
* Kirmer A., Krautzer B., Scotton M., Tischew S. (Hrsg.) 2012: Praxishandbuch zur Samengewinnung und Renaturierung von artenreichem Grünland. Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein.&lt;br /&gt;
* Kiehl K., Kirmer A., Shaw N., Tischew S. (Hrsg.) 2014: Guidelines for Native Seed Production and Grassland Restoration. Cambridge Scholars Publishing&lt;br /&gt;
* Brönnimann D. und Minloff L., 2015: Entwicklung von angesäten extensiven Wiesen im Naturnetz Pfannenstil. Bachelorarbeit&lt;br /&gt;
* Zemp-Lori N., 2016: Besiedlung angesäter extensiver Wiesen durch Tagfalter im Naturnetz Pfannenstil. Bachelorarbeit&lt;br /&gt;
* [https://www.research-collection.ethz.ch/handle/20.500.11850/143994 Renaturierung artenreicher Wiesen auf nährstoffreichen Böden. Ein Beitrag zur Optimierung der ökologischen Aufwertung der Kulturlandschaft und zum Verständnis mesischer Wiesen-Ökosysteme. Dissertationes Botanicae Band 303, Stuttgart 1999.]&lt;br /&gt;
* [https://www.agraroekologie.ch/wp-content/uploads/2016/10/NuL07-10_Mueller_Bosshard.pdf Altgrasstreifen fördern Heuschrecken in Ökowiesen – Eine Möglichkeit zur Strukturverbesserung im Mähgrünland. Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (7), 2010, 212-217.]&lt;br /&gt;
* Grün Stadt Zürich, Fachbereich Naturschutz, 2010. Pflegeverfahren. Ein Leitfaden zur Erhaltung und Aufwertung wertvoller Naturflächen, Leitfaden. Zürich.&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/begruenungen/fachunterlagen/ Weitere Literatur siehe HoloSem / Fachunterlagen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Aufwand und Kosten der beschriebenen Massnahmen enthalten folgende Unterlagen Informationen und Hilfeleistungen:&lt;br /&gt;
* Saatgutkataloge und Webseiten der genannten [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Anwendung_und_Bezug_von_Blumenwiesen-Standardsaatgut Anbieter] von Standard- und autochthonem Saatgut&lt;br /&gt;
* Normpositionenkataloge (nur käuflich erwerblich)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Aufwand und Kosten der beschriebenen Massnahmen enthalten folgende Unterlagen Informationen und Hilfeleistungen:&lt;br /&gt;
* Saatgutkataloge und Webseiten der [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Anwendung_und_Bezug_von_Blumenwiesen-Standardsaatgut genannten Anbieter] von Standard- und autochthonem Saatgut&lt;br /&gt;
* Normpositionenkataloge (nur käuflich erwerblich)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = WiesenhausMatzingen_auchHaeuser_eignen_sich_fuer_artenreiche_Wiesen 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Auch Häuser eignen sich für artenreiche Wiesen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland =&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland#Einleitung Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen Grundlagen]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || Andreas Bosshard|| [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Unter Mitwirkung von || Regula Benz||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Jean-Yves Humbert|| [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Andrea Lips ||  [https://www.pronatura.ch/de Pro Natura]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Winu Schüpbach|| [https://www.quadragmbh.ch/ quadra gmbh] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat&amp;diff=4715</id>
		<title>Grünland/Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat&amp;diff=4715"/>
				<updated>2023-03-05T17:53:12Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: /* Weitere Informationen zu den Direktbegrünungsverfahren */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Revalorisation et création de prairies riches en espèces par enherbement direct et ensemencement]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahd Spenderfläche 1 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Ein monotoner Bestand lässt sich mit verschiedenen Methoden innert relativ kurzer Zeit in eine blüten- und artenreiche Wiese umwandeln. In diesem Artikel werden die verschiedenen Verfahren für die Aufwertung von Wiesen vorgestellt. Das Foto zeigt die Mahd einer Spenderfläche früh am Morgen bei feuchter Vegetation.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
{{TOC limit|3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Einleitung=&lt;br /&gt;
Die Neuanlage oder Wiederherstellung artenreicher Wiesen ist eine der wirksamsten Massnahmen zur Förderung der Artenvielfalt. Eine artenreiche Wiese kann 30 bis über 60 Pflanzenarten auf einem einzigen Quadratmeter aufweisen.&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Weltweit können in keinem anderen Ökosystem oder Lebensraum so viele Pflanzenarten auf so kleinen Flächen zusammen existieren. Und eine ökologische Faustregel besagt, dass pro etablierter Pflanzenart 10 Tierarten vorkommen. &lt;br /&gt;
Schon auf wenigen Quadratmetern kann also bei einer Neuschaffung einer artenreichen Wiese enorm viel für die Biodiversität getan werden. Der Artikel beschreibt, mit welchen Methoden artenreiches Wiesland neu geschaffen werden kann, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Methoden haben, und auf welchen Standorten welche mehr oder weniger artenreichen Wiesentypen realistischerweise angestrebt werden können. Die Ausführungen richten sich primär an Praktiker, die bei ihrer Tätigkeit aber nicht nur nach Rezept handeln, sondern auch die ökologischen Zusammenhänge verstehen möchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; während in intensiv genutzten Wiesen oder Rasenflächen als Vergleich höchstens ein gutes Dutzend Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--vorläufig weglassen: == Sich verändernde Ziele und Fragestellungen ==&lt;br /&gt;
Die Neuschaffung und Aufwertung von artenreichen Wiesen kam erst in den 1990er Jahren in grösserem Ausmass auf. Die agrarpolitischen Diskussionen um die enorme Zerstörung der Biodiversität durch die immer intensivere Landwirtschaft führte zur Suche nach Alternativen. Erstmals wurde in den 1990er Jahren in der Schweiz ein Mindestanteil an naturnahen Flächen für jeden Landwirtschaftsbetrieb vorgeschrieben, und es entstanden Bemühungen, die in einigen Teilen der Schweiz praktisch verschwundenen, ehemals fast flächendeckend vorhandenen artenreichen Wiesen mit Ansaaten wieder zurück in die landwirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft zu bringen. Aber auch in Naturschutzgebieten, bei Verkehrsprojekten oder im Siedlungsgebiet wurde zunehmend artenreiches Wiesland neu geschaffen. Entscheidend war dabei, dass entsprechende hochwertige, artenreiche Saatgutmischungen zumindest für trockenere Standorte nun auf dem Markt erhältlich waren. &lt;br /&gt;
Wie der Artikel in einem kurzen historischen Abriss beschreibt, hat sich seit den ersten systematischen Versuchen mit artenreichen Wiesenansaaten in den 1980er und 1990er-Jahren viel verändert. Bis heute kommt laufend neues Wissen dazu, werden neue Ansaatmethoden entwickelt oder kommen neue Saatgutmischungen und -verfahren auf den Markt. Gleichzeitig haben sich das Bewusstsein, die Prioritäten und die Zielsetzungen bei der Neuschaffung artenreichen Wieslandes immer wieder verändert. &lt;br /&gt;
Seit wenigen Jahren wird beispielsweise nicht nur auf die eingebrachten Pflanzenarten, sondern auch auf die genetische Vielfalt innerhalb der Arten geachtet. Zunehmend wird deshalb heute in der Schweiz und der EU die Verwendung lokaler oder regionaler Ökotypen gefordert und sogar in neuen Rechtserlassen vorgeschrieben. Wurde früher fast ausschliesslich Standardsaatgut verwendet, gab dieser Bewusstseinswandel der Anwendung von Direktbegrünungsverfahren starken Auftrieb.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Standardsaatgut und Direktbegrünung – eine Begriffsklärung==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ArtenreichesAutochthSaatgut_Ernte_aus_eBeetle 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Artenreiches, autochthones Saatgut&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit der Förderung und Schaffung artenreicher Wiesen werden einige nicht allgemeinverständliche Fachbegriffe verwendet. Die wichtigsten sollen hier kurz erläutert werden – zumal einige noch „jung“ sind und ihre Anwendung deshalb oft nicht einheitlich erfolgt, was Verwirrung stiften kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bezeichnung von Saatguttypen und Saatgutherkünften''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das bis vor wenigen Jahren übliche Saatgut für die Ansaat artenreicher Wiesen war '''''Standard'''saatgut''. Bei Standardsaatgut wird jede einzelne Art in Reinkultur zur Gewinnung von Samen angebaut und das geerntete Saatgut dann nach einer bestimmten Rezeptur zusammengemischt. Man spricht deshalb auch von ''Vermehrungssaatgut''. Das Ursprungssaatgut stammt entweder von Wildpflanzen (sog. ''Basissaatgut''), oder es werden Zucht- bzw. Handelssorten verwendet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wenn eine Saatgutmischung ganz aus Arten besteht, deren Basissaatgut von besammelten Wildpflanzen einer bestimmten Region stammt und das Saatgut anschliessend in derselben Region vertrieben wird, wird vor allem in Deutschland von '''''Regio'''saatgut'' gesprochen. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dem Standardsaatgut stehen die sogenannten '''''Direktbegrünungsverfahren''''' gegenüber. Dabei wird das Saatgut direkt auf geeigneten Spenderwiesen als Samengemisch geerntet und ohne Zwischenvermehrung auf die Ansaat- oder Empfängerfläche übertragen. Die Methode wird deshalb auch als „Wiesenkopierverfahren“ bezeichnet. Dabei kommen verschiedene Ernte- und Übertragungsmethoden zur Anwendung wie Mahdgutübertragung, der Mähdrusch oder die Sodenversetzung. In Abgrenzung zum Regiosaatgut wird das Saatgut aus Direktbegrünungsverfahren '''''autochthones''''' (oder manchmal auch '''lokales''') Saatgut genannt. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Begriffsdefinitionen werden in den deutschsprachigen Ländern allerdings noch nicht überall einheitlich verwendet. So wird teilweise auch autochthones Saatgut als Regiosaatgut bezeichnet, oder Direktbegrünung wird teilweise nicht als Überbegriff, sondern synonym mit Mahdgutübertragung gebraucht. Heugrassaat wird auch als synonymer Ausdruck für Direktbegrünung, Ökotypensaatgut für Regiosaatgut, oder Handelssaatgut bzw. Regelsaatgut für Standardsaatgut verwendet. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Weitere wichtige Fachbegriffe''', die in diesem Artikel genannt werden, sind jeweils im Text näher erläutert, oder ihre Bedeutung erschliesst sich ohne weitere Erläuterung aus dem Zusammenhang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Neuanlage artenreicher Wiesen: Kurzer historischer Rückblick auf eine dynamische Entwicklung=&lt;br /&gt;
Artenreiches Wiesland aus Naturschutzgründen neu zu schaffen wurde erstmals in den 1960er Jahren in grösserem Stil praktiziert. (vgl. Bosshard &amp;amp; Klötzli 2003 &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;). Dabei war das Interesse ganz auf nährstoffarme Standorte in Schutzgebieten gerichtet. Als Methoden dienten eine natürliche Besiedlung mit Arten aus der Umgebung, aber auch Mahdgutübertragungen, Pflanzungen oder Sodenversetzungen kamen damals bereits zur Anwendung. Käufliche Saatgutmischungen mit den gewünschten einheimischen Arten existierten damals keine. Die verfügbaren Mischungen stammten alle aus dem Ausland. Sie enthielten nicht-einheimische Arten und sogar Zuchtsorten, die im Widerspruch standen zu den naturschützerischen Zielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Bosshard A. &amp;amp; F. Klötzli 2003: Restoration Ecology. In: Bastian O. &amp;amp; U. Steinhardt (Hrsg.): Development and Perspectives in Landscape Ecology: conceptions, methods, application. Kluwer. ISBN 1-4020-0919-4.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfolg durch neue Saatgutmischungen==&lt;br /&gt;
Erst Ende der 1980er Jahre gab der Naturschutz seinen fast ausschliesslichen Fokus auf Schutzgebiete auf und erkannte, dass die Biodiversität nur erhalten werden kann, wenn Naturschutzmassnahmen vermehrt flächenwirksam etabliert, d.h. auch ausserhalb von Naturreservaten neue artenreiche Flächen geschaffen werden können. Damit rückte die landwirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft und somit auch nährstoffreichere Flächen ins Zentrum von Aufwertungsbemühungen. &lt;br /&gt;
Da im Kulturland in den tieferen Lagen kaum noch artenreichere Biotope existierten, wurden in verschiedenen Teilen der Schweiz und in anderen Ländern Europas Projekte lanciert, welche in Zusammenarbeit mit Landwirtschaftsbetrieben ökologische Aufwertungen planten und realisierten. Eines dieser Projekte war „Landwirtschaft und Naturschutz aus Bauernhand“ &amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;. Politisch und institutionell breit abgestützt, entwickelte und testete das Pilotprojekt Anfang der 1990er Jahre auf neun Landwirtschaftsbetrieben im Kanton Zürich Massnahmen für eine zukünftige Agrarpolitik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt; Landwirtschaft und Naturschutz aus Bauernhand. Schlussbericht des CH91-Pilotprojektes auf 9 Bauernhöfen im Kanton Zürich 1989-1991. Zürcher Vogelschutz, Zürcher Naturschutzbund, WWF Sektion Zürich und Zürcher Bauernverband, Zürich. 58 S.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Artenvielfalt auch auf nährstoffreichen Böden möglich?==&lt;br /&gt;
Unter diesen Massnahmen waren auch erste Versuche, bei denen damals neu verfügbares Saatgut mit verschiedenen Arten blumenreicher Wiesen ausgetestet wurde. Denn bereits damals war aufgrund vieler Untersuchungen klar, dass die Samen der meisten Wiesenarten nur kurzfristig im Boden überleben&amp;lt;!-- Link auf Pflanzenartikel, wenn dort Infos zu Lebensdauer von Samen ergänzt worden ist --&amp;gt;. Das heisst, dass eine intensive Nutzung über drei oder vier Jahren bereits genügte, um die Pflanzenarten artenreicher Wiesen zum Verschwinden zu bringen. Eine Wieder-Extensivierung der Nutzung bringt sie – auch nach jahrelangem Warten – alleine nicht zurück. Vielmehr müssen sie jeweils neu eingebracht, sprich angesät werden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Allerdings war völlig unklar, ob sich die eingebrachten Arten auf den nährstoffreichen Böden überhaupt etablieren können. Zumindest widersprach dies der damals vertretenen ökologischen Lehre. Nichtsdestotrotz entwickelten sich bei den Versuchsansaaten des Zürcher Pilotprojektes auf vorher intensiv genutzten Ackerflächen im zweiten Jahr tatsächlich niederwüchsige, artenreiche, an Magerwiesen erinnernde Wiesenbestände. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser unerwartete Erfolg gab Anlass zu einer Dissertation. Auf zahlreichen Landwirtschaftsbetrieben in der Ostschweiz wurden auf über einem Dutzend Hektar unzählige Versuchsflächen mit verschiedenen Mischungsvarianten von Wiesenkräutern, -leguminosen und -gräsern angelegt (Bosshard 1999 &amp;lt;sup&amp;gt;4&amp;lt;/sup&amp;gt;). Die ersten Versuche führten allerdings zu instabilen Pflanzenbeständen, die nach wenigen erfolgreichen Jahren vergrasten und den Grossteil der eingesäten Arten wieder verloren. Durch Verbesserungen in der Artenzusammensetzung, insbesondere der Gräserkomponente, gelang es schliesslich, auch auf vorher intensiv genutzten Böden langfristig stabile Blumenwiesenbestände zu etablieren. Als Resultat der Dissertation wurden vier Mischungsvarianten empfohlen, die heute als ''Salvia'', ''Humida'', ''Broma'' und ''Montagna'' auf dem Schweizer Markt breit etabliert sind und mit denen mittlerweile Hunderte, wenn nicht Tausende von Hektaren artenreicher Wiesen angesät worden sind und weiterhin angesät werden, vor allem in der Landwirtschaft, aber auch zunehmend im Siedlungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;4&amp;lt;/sup&amp;gt; Bosshard A. 1999: Renaturierung artenreicher Wiesen auf nährstoffreichen Böden. Ein Beitrag zur Optimierung der ökologischen Aufwertung der Kulturlandschaft und zum Verständnis mesischer Wiesen-Ökosysteme. Dissertationes Botanicae Band 303 Stuttgart. 201 S. [https://www.research-collection.ethz.ch/handle/20.500.11850/143994 Online-version]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Breites Saatgutangebot, erfolgreiche Mischungen==&lt;br /&gt;
Dass dies überhaupt möglich war, ist der engagierten Pionierarbeit verschiedener Saatgutfirmen zu verdanken, die ab Mitte der 1990er Jahre in der Schweiz ein immer breiteres Spektrum an typischen Wiesenblumenarten Schweizerischer Herkunft für die neuen Mischungen verfügbar machten. Seit einigen Jahren besteht nun auch bei den Wiesengräsern ein breites Angebot an einheimischen Ökotypen für diese Mischungen.&lt;br /&gt;
Die Erfolgsrate der artenreichen Ansaaten in der Landwirtschaft beträgt mittlerweile über 90% gemessen am botanischen Qualitätsniveau QII (s. folgendes Kapitel). Dabei zeigen umfangreiche Datensätze, dass auf trockeneren Standorten die Artenzahl und der Blumenanteil im Laufe der Jahre eher zunimmt, während an feuchteren oder schattigeren Standorten bei den bestehenden Standard-Blumenwiesenmischungen die gegenteilige Tendenz besteht &amp;lt;sup&amp;gt;5&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Die hohe Erfolgsrate hängt allerdings nicht nur mit optimiertem Saatgut zusammen, sondern ist gerade im nährstoffreicheren Böden auch stark abhängig von einer korrekten Durchführung der Ansaat (s. Kap. [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Herkunft_des_Saatgutes:_Empfehlungen.2C_Standards_und_rechtliche_Vorgaben &amp;quot;Herkunft des Saatgutes: Empfehlungen, Standards und rechtliche Vorgaben&amp;quot;]. Auch wenn dazu bisher keine systematischen Auswertungen vorliegen, scheinen die Erfolgsraten in Kantonen, bei denen für Wiesenaufwertungen eine Beratung/Begleitung angeboten wird oder obligatorisch ist (z.B. LU, AG, TG), deutlich höher zu liegen als in den übrigen Regionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;5&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. Brönnimann &amp;amp; Minloff 2015 sowie bisher unveröffentlichte Monitoringresultate aus verschiedenen Kantonen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fördersystem für Blumenwiesen in der Schweizer Landwirtschaft==&lt;br /&gt;
Der hauptsächliche Treiber der Blumenwiesenansaaten auf Landwirtschaftsflächen ist der finanzielle Anreiz durch das Direktzahlungssystem. Im Zuge der Agrarreform wurden nämlich ab dem Jahr 2001 sogenannte „Öko-Qualitätsbeiträge“ (ab 2014 als sog. Biodiversitätsförderflächen-QII-Beiträge bezeichnet, kurz BFF-QII) eingeführt. Diese werden ausbezahlt, wenn in einer angemeldeten Ökowiese innerhalb einer Aufnahmefläche von 3 m Radius mindestens 6 Pflanzenarten aus einer [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1547~1/3~410245~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Beitr%C3%A4ge-und-Bedingungen-im-%C3%96koausgleich/Zeigerpflanzen-Wiesen-BFF-Alpennordseite/Deutsch/Print-Papier Liste von rund 45 Zeigerpflanzenarten] nachgewiesen werden. In den letzten Jahren sind diese Qualitätsbeiträge laufend angestiegen, während die „Basis-Biodiversitätsbeiträge“ im gleichen Masse abgenommen haben. Damit stieg die Attraktivität der Ansaaten entsprechend. Bereits nach 1-2 Jahren sind dank den Biodiversitätsbeiträgen die Kosten einer Neuansaat nicht selten amortisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ökologische Bedeutung von Direktbegrünungsverfahren=&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Ansaat_eines_gefrästen_Streifens_mit artenr_autochth_Saatgut 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Ansaat eines gefrästen Streifens mit autochthonem Saatgut.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die Blumenwiesenmischungen mit Ökotypen aus Schweizer Herkunft wurden bald so zahlreich eingesetzt, dass diese Entwicklung von Seiten der Ökologie und des Naturschutzes zunehmend kritisiert wurde. Denn alle neu angesäten Wiesen sahen landauf landab sehr ähnlich aus, hatten immer fast dieselbe Artenzusammensetzung und basierten alle auf denselben paar wenigen Ökotypen aus dem Ursprungssaatgut der Saatgutfirmen, egal ob die angesäten Wiesen im Wallis, im Seeland, im Randen oder im Bündnerland lagen. Diese Standardisierung steht im Kontrast zur enormen Vielfalt verschiedener Wiesentypen, die sich im Naturwiesland der Schweiz von Region zu Region in Bezug auf ihre typische Artenzusammensetzung stark unterschieden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Immer mehr Untersuchungen der letzten Jahre wiesen ausserdem darauf hin, dass kleinräumig eine grosse genetische Vielfalt auch innerhalb jeder Pflanzenart besteht. Je grösser die Entfernung und je unterschiedlicher das Klima zwischen zwei Herkunftsregionen ist, umso deutlicher fallen auch die genetischen Unterschiede aus &amp;lt;sup&amp;gt;6&amp;lt;/sup&amp;gt;. Dies zeigt sich auch im ökologischen Verhalten. Viele der untersuchten Wiesenarten wuchsen besser, wenn die Pflanzen regionaler Herkunft waren. So lieferten die regionalen Gewächse im Schnitt beispielsweise zehn Prozent mehr Blütenstände als Artgenossen, die aus anderen Gegenden stammten &amp;lt;sup&amp;gt;7&amp;lt;/sup&amp;gt;. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von Tal zu Tal, ja von Wiese zu Wiese bestehen genetische Anpassungen und Unterschiede, sogenannte Ökotypen. Diese innerartliche genetische Vielfalt ist zwar äusserlich oft nur schwer zu erkennen, aber ökologisch von grosser Bedeutung. Denn sie bedeutet eine Anpassung an die unterschiedlichsten Standorts- und Nutzungsbedingungen und ist damit eine wichtige Voraussetzung für die Stabilität von Ökosystemen. So konnten Untersuchungen zeigen, dass der Deckungsgrad höher und damit der Ansaaterfolg besser sind, wenn Ökotypen aus der Region statt Saatgut von weiter entfernt liegenden Gegenden verwendet wird. Im Gegenzug konnten sich weniger unerwünschte, nicht angesäte Arten (z.B. Neophyten) etablieren (Weisshuhn et al. 2012 &amp;lt;sup&amp;gt;8&amp;lt;/sup&amp;gt;). Ein deutliches Indiz dafür, dass diese Pflanzen regional angepasst sind. Sie kommen also in der Nähe ihrer ursprünglichen Herkunft besser zurecht. Andere Untersuchungen zeigen, dass die Inzucht von autochthonem Saatgut geringer ist als von Vermehrungssaatgut &amp;lt;sup&amp;gt;9&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;6&amp;lt;/sup&amp;gt; z.B. Durka, W. et al. (2016): Genetic differentiation within multiple common grassland plants supports seed transfer zones for ecological restoration. – Journal of Applied Ecology 54/1, 116-126. [https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1365-2664.12636 PDF].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;7&amp;lt;/sup&amp;gt; Durka W. et al. (2019): Regionales Saatgut von Wiesenpflanzen: genetische Unterschiede, regionale Anpassung und Interaktion mit Insekten. Natur und Landschaft 94/4, 146-153. [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/News/Regionales%20Saatgut%20von%20Wiesenpflanzen.pdf PDF]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;8&amp;lt;/sup&amp;gt; Weisshuhn K., Prati D., Fischer M., Auge H. (2012): Regional adaption improves the performance of grassland plant communities. Basic and Applied Ecology 13/6, 551-559. [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1439179112000710 Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;9&amp;lt;/sup&amp;gt; Aavik T., Bosshard D., Edwards P., Holderegger R., Billeter R. (2014): Genetische Vielfalt in Wildpflanzen-Samenmischungen. Agrarforschung Schweiz 5 (1): 20–27. [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Aavik_et_al_Agrarfo2014.pdf PDF]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Herkunft des Saatgutes: Empfehlungen, Standards und rechtliche Vorgaben=&lt;br /&gt;
Um die genetische Vielfalt auf Ökotypenebene zu berücksichtigen, hat bereits 1998 die schweizerische Kommission für die Erhaltung von Wildpflanzen (SKEW), heute Teil von Info Flora, Empfehlungen herausgegeben. Diese verlangen, dass das verwendete Saat- und Pflanzgut für Blumenwiesen aus der gleichen biogeographischen Region wie die Empfänger-Parzelle stammen soll. Bei häufigen, taxonomisch wenig differenzierten Arten sollen die sechs Grossregionen der Schweiz – d. h. Jura, Mittelland, Alpennordflanke, westliche und östliche Zentralalpen und Südalpen – eingehalten werden (siehe Abbildung). Taxonomisch schwierige Arten mit unregelmässiger Verbreitung sollen die elf Kleinregionen einhalten. Ausserdem ist es gemäss den Empfehlungen wichtig, standörtliche und regionale Unterschiede wie Höhenlage, Bodenverhältnisse und Exposition zu berücksichtigen. Nur so entspricht die zu begrünende Fläche den ökologischen Anforderungen der eingebrachten Arten. Die Empfehlungen verlangen auch, dass die gefährdeten Arten nicht in Samenmischungen gehandelt werden. Für diese gelten [https://www.infoflora.ch/de/flora/ansiedlung.html spezifische Richtlinien]. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Richtlinien von Info Flora entsprechen dem, was auch in verschiedenen Gesetzen und Verordnungen verlangt wird, insbesondere im Natur- und Heimatschutzgesetz, welches verlangt, die einheimische Tier- und Pflanzenwelt sowie ihre biologische Vielfalt und ihren natürlichen Lebensraum zu schützen &amp;lt;sup&amp;gt;10&amp;lt;/sup&amp;gt;. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Praxis finden die Richtlinien von Info Flora leider nur sehr begrenzt Berücksichtigung. Die eine Seite des Problems liegt beim Handel. Auch wenn die Saatgutfirmen die Herkünfte kennen und getrennt vermehren, werden sie – aus logistischen Gründen und den damit verbundenen Kosten –leider nicht so gekennzeichnet. Der Nutzer kann damit beim Kauf von Standardsaatgut die Empfehlungen gar nicht so einhalten, weil die Herkünfte in den Handels-Saatgutpackungen vermischt sind. Gewisse Kantone haben für landwirtschaftliche Ansaaten mit Saatgutproduzenten Abmachungen und erhalten spezifische Mischungen von und für ihre Region, die den Lebensräumen angepasst sind – dies ist aber leider die Ausnahme. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite sind die Richtlinien auch bei den Anwendern noch sehr oft nicht angekommen. So wird in der Praxis oft auch dort, wo Saatgut gemäss den Info Flora-Empfehlungen verfügbar wäre, dieses oft nicht berücksichtigt mangels Wissens oder als Folge fehlerhafter Ausschreibungen. Dies ist insbesondere im Verkehrsbereich (Böschungsbegrünungen etc.) der Fall, wo jedes Jahr Hunderte von Hektaren neu begrünt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = biogeografische Regionen CH.png&lt;br /&gt;
| text = Die Biogeographischen Regionen der Schweiz: blau = Jura und Randen; hellgrün =  Hochrhein- und Genferseegebiet; dunkelgrün = Westliches Mittelland; grün = Östliches Mittelland; hellblau = Voralpen; dunkelblau = Nordalpen; gelb = Westliche Zentralalpen, orange = Östliche Zentralalpen; rot = Südalpen; braun = Südlicher Tessin &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Quelle: Gonseth, Y.; Wohlgemuth, T.; Sansonnes, B.; Buttler, A. (2001): Die biogeographischen Regionen der Schweiz. Erläuterungen und Einteilungsstandard. Umwelt Materialien Nr. 137 Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft Bern. 48 Seiten.).&lt;br /&gt;
}}                                                                       &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der grossflächig stattfindenden Uniformierung und Florenverfälschung &amp;lt;sup&amp;gt;11&amp;lt;/sup&amp;gt; durch nicht den Richtlinien entsprechenden Saatgutmischungen nahm der Druck zu, vermehrt autochthones Saatgut lokaler Provenienz zu verwenden, wo die Herkunft im Detail nachgewiesen werden kann (vgl. dazu Tab. 1). 2014 wurde die Direktzahlungsverordnung mit einem Passus ergänzt, der für landwirtschaftliche Blumenwiesenansaaten im Rahmen der Verfügbarkeit die Anwendung von Direktbegrünungen vorschreibt (DZV Art. 58 Abs. 8). Deutschland geht noch einen Schritt weiter und verlangt ab 2020 generell bei der Neuanlage von Grasland in der freien Landschaft die Verwendung von gebietseigenem Saatgut (BNatSchG §40).&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Bewusstseinswandel und die damit einhergehende teilweise angepasste Rechtslage gab der Anwendung von Direktbegrünungsverfahren starken Auftrieb. So werden in der Schweiz immer häufiger Mahdgutübertragungen durchgeführt, und dies bei korrekter Anwendung mit durchwegs guten Erfolgen &amp;lt;sup&amp;gt;12&amp;lt;/sup&amp;gt;. Da Mahdgutübertragungen v.a. aus logistischen Gründen oft nur beschränkt eingesetzt werden können, wurden in den letzten 10 Jahren verschiedene Ernteverfahren für autochthones Saatgut entwickelt oder weiterentwickelt (s. Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Direktbegr.C3.BCnungsverfahren Direktbegrünungsverfahren]). Damit kann das Saatgut aus den Spenderflächen getrocknet, gereinigt und abgesackt werden. Das Saatgut kann damit in Bezug auf die Ansaattechnik und den Ansaatzeitpunkt genau so flexibel wie Standardsaatgut eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;10&amp;lt;/sup&amp;gt; Vgl. die ausführliche Zusammenstellung und Interpretation der rechtlichen Grundlagen im [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen], Seiten 11-15.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;11&amp;lt;/sup&amp;gt; Begriffserklärung und Beispiele siehe Box «Florenverfälschung».&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;12&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. Studie &amp;lt;!-- noch nicht beschaffen können: Wolfgang Bischoff/Pro Natura und Studie --&amp;gt;Pro Natura/Ö+L 2017 ([http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/05/BerichtAnsaatenArtenreicheWiesenKtAG2014-16.pdf PDF]).&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Engpass Spenderflächen==&lt;br /&gt;
Vor allem im Mittelland und einigen Voralpenregionen sind geeignete Spenderflächen allerdings so rar, dass die Produktion von autochthonem Saatgut den potenziellen Bedarf bei weitem nicht abdecken kann. In diesen Regionen wird Standardsaatgut mit Ökotypen aus diesen Regionen auch in Zukunft ein wichtiger Pfeiler für die Renaturierung von artenreichen Wiesen bleiben – dies umso mehr, da für das Mittelland beim Standardsaatgut auch das grösste Angebot an Arten existiert. Im Berggebiet und auf der Alpensüdseite dagegen besteht sowohl in Anbetracht der sehr unterschiedlichen Standortsbedingungen und Höhenlagen, als auch aufgrund des sehr begrenzten Angebotes von Arten aus den betreffenden biogeographischen Regionen kaum geeignetes Standardsaatgut. Dafür sind in diesen Regionen Spenderflächen meist noch zahlreich verfügbar, so dass hier in Zukunft vorwiegend autochthones Saatgut zum Einsatz kommen dürfte. Von der bisherigen Praxis, in diesen Regionen Mischungen mit Ökotypen aus dem Mittelland zu verwenden, sollten die zuständigen Amtsstellen und weiteren Akteuren wegkommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Was ist «Florenverfälschung»?''' &amp;lt;br /&amp;gt; Unter Florenverfälschung wird die Beeinträchtigung der einheimischen Pflanzen-Biodiversität durch die Einführung fremder Pflanzenarten oder fremder Ökotypen verstanden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schädigende Auswirkungen auf die Biodiversität können von folgenden zwei Prozessen ausgehen:&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
a) Heimische Arten oder Ökotypen werden durch die eingebrachten Arten oder Ökotypen verdrängt. Bekannt sind die Auswirkungen invasiver Neophyten, also sich aggressiv ausbreitende Pflanzenarten aus anderen Kontinenten wie de Goldruten (''Solidago canadensis'') oder der Japanknöterisch (''Reynoutria japonica''). Auch einheimische Arten können invasiv sein, z. B. Schilf (''Phragmites australis'') oder Klappertopf (''Rhinanthus alectorolophus''). Ein Beispiel für eine Ökotypen-Invasion stellt der europäische Schilfrohr-Ökotyp in Amerika dar, der dortige Populationen weitgehend verdrängt hat (vgl. Kowarik 2003).&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
b) Die vorhandenen lokalheimischen Ökotypen kreuzen sich mit den eingebrachten Ökotypen und verlieren dadurch ihre spezifischen, zum Teil ausgeprägten physiologischen und ökologischen Anpassungen an die lokalen Bedingungen (Klima, Standort, Bewirtschaftung). Mit der Einkreuzung verschwindet auch der betreffende Ökotyp als Bestandteil der Biodiversität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess b) dürfte viel bedeutsamer sein als a), ist aber gleichzeitig viel schwieriger zu beobachten und nachzuweisen. Beide Prozesse haben nicht auf die Flora, sondern ebenso auf die Tierwelt negative Auswirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. S. 21.]&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verfügbarkeit von Ökotypensaatgut regionaler Herkunft (Regiosaatgut) war ein grundlegender Fortschritt gegenüber dem früher aus dem Ausland importierten „Billigsaatgut“, das nicht nur Ökotypen aus vielen anderen Ländern enthielt, sondern teilweise sogar Zuchtformen oder auch Arten, die gar nicht in der Schweiz heimisch waren. Ein Beispiel war der Wiesenknopf (''Sanguisorba muricata''), der dem heimischen Kleinen Wiesenknopf (''Sanguisorba  minor'') sehr ähnlich sieht. Andere Beispiele sind Rotklee (''Trifolium pratense'') und Hornklee (''Lotus corniculatus'') oder Fromental (Glatthafer) (''Arrhenaterum elatius''), bei denen noch bis vor wenigen Jahren regelmässig Zuchtformen verwendet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wo lassen sich welche artenreichen Wiesentypen neu anlegen?=&lt;br /&gt;
Artenreiche Wiesen können praktisch überall neu angelegt werden, vorausgesetzt Ansaatmethode und Saatgut sind sachgemäss auf den Standort und die zukünftige Nutzung abgestimmt. Je nach Standort und Nutzung entstehen dabei unterschiedliche Wiesentypen mit einer unterschiedlichen Artenzusammensetzung und Artenvielfalt. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die wichtigsten Anwendungsbereiche für die Neuanlage artenreicher Wiesen sind Naturschutzgebiete, ehemaliges Ackerland, bisher intensiv genutzte verarmte Wiesen im Landwirtschaftsgebiet, Hochwasserschutzdämme und Gewässerräume, Böschungen von Verkehrswegen, Rasenflächen in Gärten oder Parks, neu geschaffene Umgebungen von Siedlungen, aber auch kleinflächige Objekte wie Verkehrsinseln oder kleine Gartenbereiche. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Besonders artenreich werden Wiesen auf relativ nährstoffarmen Standorten mit extensiver Nutzung, das heisst auf Flächen, die nicht gedüngt und nur ein- bis höchstens zweimal pro Jahr gemäht werden (Abb. 2). Bei erhöhtem Nährstoffgehalt und etwas häufigerer Mahd nimmt die Artenzahl zunehmend ab. Doch auch auf ehemals intensiv genutzten, nährstoffreichen Böden können bei sachgemässer Ausführung und Bewirtschaftung blumenreiche Wiesentypen langfristig erfolgreich angelegt werden. Sogar in Rasenflächen, die bis zu sechsmal jährlich gemäht werden, können sich viele attraktive und für Insekten wertvolle Blumenarten wie Salbei, Margerite, Brunelle, Thymian etc. langfristig halten. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei sehr nährstoffarmen Verhältnissen (z.B. Rohböden)&amp;lt;!--Link auf Pionierflächen, wenn vorhanden--&amp;gt; ist die Artenzahl und die Blühfreudigkeit der Wiesentypen etwas geringer, dafür lassen sich unter solchen Standorten besser gefährdete Arten ansiedeln.  &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Standortansprache, also die Beurteilung, welcher artenreiche Wiesentyp an einem gegebenen Ort angelegt werden kann, ist entscheidend für den späteren Erfolg. Doch die Standortbeurteilung bereitet oft Mühe. Es lohnt sich deshalb, für diesen ersten ausschlaggebenden Schritt eine erfahrene Fachperson beizuziehen. Sie kann für den individuellen Fall die wichtigsten Hinweise zum anzustrebenden Wiesentyp, zur richtigen Bodenvorbereitung, zur Ansaatmethode, zum geeigneten Saatgut und zu den Anforderungen an Bewirtschaftung und Pflege geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die wichtigsten Wiesentypen und ihre Standorte für die Neuanlage artenreicher Wiesen==&lt;br /&gt;
Im Wesentlichen sind folgende fünf [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Wiesentypen] für die Neuanlage artenreicher Wiesen bis in eine Höhenlage von maximal 1000 m ü. M. relevant (siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Typologie_des_Gr.C3.BCnlands Kapitel «Typologie des Grünlands»]). Die Reihenfolge in der nachfolgenden Abbildung richtet sich nach einem Gradienten von trocken bis feucht und von nährstoffarm bis mässig nährstoffreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Wiesentypen Neuanlage de.png&lt;br /&gt;
| text = Ökogramm mit den wichtigsten Wiesentypen, die für eine Neuanlage artenreicher Wiesen in Frage kommen. Wo es sehr trocken ist, ist die Verfügbarkeit von Nährstoffen stark eingeschränkt, weshalb es keine Wiesentypen in der Ecke oben rechts gibt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. '''Trockenrasen'''&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt;  (''Xerobromion''): Dieser Wiesentyp bildet sich nur auf sehr sonnigen, heissen Standorten mit sehr mageren Böden aus (z.B. Rohböden wie Kies- oder Sandflächen). Trockenrasen sind lückig, sehr artenreich, aber oft etwas weniger blühfreudig als die Halbtrockenrasen. Trockenrasen werden oft nur jedes zweite Jahr gemäht, so dass auch verholzte niedrige Sträucher wie verschiedene Ginsterarten aufkommen können. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
2. '''Trespen-Halbtrockenrasen'''&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt; (''Mesobrometum''): Verbreiteter, blumen- und artenreicher Wiesentyp an sonnigen, nährstoffarmen, (zumindest schwach) humusierten Standorten. Wird jährlich im Juli geheut und im Herbst je nach Wüchsigkeit noch ein zweites Mal gemäht. Charakterarten sind das bestandesbildende Gras Aufrechte Trespe (''Bromus erectus'') und bei den Kräutern z.B. Thymian (''Thymus'' sp.), Esparsette (''Onobrychis viciifolia''), Salbei (''Salvia pratensis'') und bei schwacher Nutzung Dost (''Eupatorium cannabinum'') und Hauhechel (''Ononis'' sp.). &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
3. '''Fromentalwiese trockene Ausprägung''' (''Arrhenatheretum salvietosum''): Ziemlich artenreiche, sehr blütenreiche Wiese, die in der Regel in der zweiten Junihälfte geheut wird und danach noch 1-2 weitere Emdschnitte benötigt. Sie bildet sich auf humusreicheren, vormals oft intensiv gedüngten Böden an sonnigen Lagen aus. Charakterarten sind Salbei (''Salvia pratensis''), Wiesenbocksbart (''Tragopogon pratensis'') oder Margerite (''Leucanthemum vulgare''). &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
3a. '''&amp;quot;Blumenrasen&amp;quot;''': Auf Fromentalwiesenstandorten, also auf humusreicheren, gut mit Nährstoffen versorgten Böden auf mittleren oder trockeneren Standorten bilden sich bei sehr häufiger Mahd Rasen im gartenbaulichen Sinne aus. Wird ein Rasen alle 1-2 Wochen gemäht, überleben nur wenige Pflanzenarten, vor allem ausläufertreibende, niederwüchsige Gräser und einige Klee- und Kräuterarten. Wird die Schnittfrequenz auf maximal 5-6 Schnitte pro Jahr reduziert und die Düngung eingestellt, haben viele Arten der Fromentalwiesen und teilweise auch der Trespen-Halbtrockenrasen eine Chance, sich zu etablieren und zu reproduzieren. Dieser «Wiesentyp» wird in der Regel Blumenrasen genannt und findet zunehmend Verbreitung im Siedlungsbereich. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
4. '''Fromentalwiesen frische Ausprägung''' (''Arrhenatheretum cirsietosum oleracei''): Ziemlich arten- und blütenreiche Wiese. Bewirtschaftung/Pflege wie bei (3). Sie bildet sich auf humusreicheren, vormals oft intensiv gedüngten Böden an schattigeren und/oder frischen bis feuchten Standorten aus. Charakterarten sind Kuckuckslichtnelke (''Lychnis floc-cuculi'') und Kohldistel (''Cirsium oleraceum''). An schattigen oder feuchten Standorten bilden sich bei sehr extensiver Nutzung (Mahd alle 2 Jahre oder jährlich im Spätherbst) Hochstaudensäume (''Filipendulion'', 4b) mit farbenprächtigen Arten wie Mädesüss (''Filipendula ulmaria''), Gilbweiderich (''Lysimachia vulgaris'') oder Blutweiderich (''Lythrum salicaria'') aus.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
5. '''Streuwiesen''' &amp;lt;!---Link auf Feuchtgebiete wenn vorhanden--&amp;gt;(''Molinion'', ''Caricetum davallianae'' u.a.): Magere, feuchte bis vernässte Standorte sind für Wiesenneuanlagen eher selten und werden vor allem bei Naturschutzprojekten gezielt geschaffen mittels baulichen Massnahmen, z.B. bei Wiedervernässungen oder bei der [https://biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser/Bau_von_Gew%C3%A4ssern Schaffung von Weihern]. Unter diesen Standortbedingungen bilden sich niederwüchsige, teilweise sehr artenreiche Streuwiesentypen aus, die in der Regel einmal jährlich im Spät-herbst gemäht werden.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt; «Rasen» wird hier in pflanzensoziologischer Terminologie verwendet und bedeutet «niederwüchsige Vegetation aus Kräutern».&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = artenhaeufigkeiten wiesen de.png&lt;br /&gt;
| text = Zusammenhang zwischen Nutzungsintensität, Ertrag und Vielfalt (Artendichte) an Pflanzenarten in Naturwiesen, schematisch; Orientierungswerte für Wiesen trockener und mesischer Standorte der kollinen bis montanen Stufe der Schweiz. Düngung und Nutzungshäufigkeit nehmen von links nach rechts zu. TS = Trockensubstanz. Der mit 1 bezeichnete Bereich entspricht in den tieferen Lagen den Trespen-Halbtrockenrasen, 2 den Fromentalwiesen. Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas: Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe. Haupt Verlag, Bern. (ergänzt)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Standort- und Vegetationsbeurteilung=&lt;br /&gt;
Eine grundlegende Voraussetzung für den Erfolg von artenreichen Wiesenansaaten '''ist die korrekte Standortbeurteilung'''&amp;lt;sup&amp;gt;14&amp;lt;/sup&amp;gt; '''sowie die Beurteilung der vorhandenen Vegetation'''. Diese beiden Schritte bestimmen, ob und welche Massnahmen für eine Ansaat getroffen und welches Saatgut für eine erfolgreiche Durchführung gewählt werden soll, aber auch, wo eine Ansaat am meisten Sinn macht, sofern mehrere Varianten zur Verfügung stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;14&amp;lt;/sup&amp;gt; bzw. die künstliche Schaffung entsprechender Standortbedingungen beispielsweise mittels Bodenabtrag/Bodenaufschüttung, vgl. Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Aufwertung_durch_Aushagerung «Aufwertung durch Aushagerung»]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wo es keine Ansaaten braucht, sondern Geduld und angepasste Pflege genügen==&lt;br /&gt;
Auf Flächen, auf denen bereits einzelne Blumen der gewünschten Arten vorhanden sind, kann unabhängig von einer Standortdiagnose oft auf eine Ansaat verzichtet werden. So weisen artenarme Naturwiesen, auch wenn sie intensiv bewirtschaftet werden, oft noch Reste von Zielarten auf, beispielsweise in Randbereichen oder an flachgründigen Stellen. Zudem sind Naturwiesen &amp;lt;sup&amp;gt;15&amp;lt;/sup&amp;gt; generell deshalb wertvoll, weil die verbliebenen Arten noch aus alten, lokalen Ökotypen bestehen, so dass beim Umbruch von alten Naturwiesen generell grosse Zurückhaltung geübt werden sollte. Sie können nach und nach durch ein Ausbleiben der Düngung und ein reduzierte Mahdfrequenz – meist genügt ein zweimaliger Heuschnitt pro Jahr – wieder artenreicher werden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch in alten Rasenflächen, die über längere Zeit nicht gedüngt wurden, wächst vereinzelt oft noch eine erstaunliche Vielfalt an Wiesenblumen wie Margeriten, Hornklee oder Salbei. Kommen solche Arten noch regelmässig vor, genügt es, den Mährhythmus stark zu reduzieren (auf maximal 6 Schnitte pro Jahr), und eine mehr oder weniger artenreiche Blumenwiese kehrt in wenigen Jahren von selbst zurück. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Weg_artenreicheWiese_de.png&lt;br /&gt;
| text = Um zu klären, ob eine Ansaat nötig ist oder Abwarten vielmehr genügt, bietet das Agridea-Merkblatt [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier &amp;quot;Der Weg zur artenreichen Wiese&amp;quot;] eine gute Entscheidungshilfe.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;15&amp;lt;/sup&amp;gt; Naturwiesen sind Wiesen, die seit mindestens 30 Jahren nicht mehr umgebrochen und neu angesät worden sind.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Botanische Aufwertung von verarmten Naturwiesen mittels Einsaaten==&lt;br /&gt;
Ist eine Wiese beispielsweise durch intensive Nutzung einmal botanisch verarmt und weist auch keine Relikte der angestrebten Pflanzengesellschaft mehr auf, kommt die Pflanzenvielfalt auch bei wieder extensiverer Nutzung selbst nach Jahrzehnten oft nicht von selbst zurück. Dies zeigen viele Untersuchungen (z.B. Bosshard 1999, Kiehl 2010 &amp;lt;sup&amp;gt;16&amp;lt;/sup&amp;gt;). Zum einen breiten sich die meisten Wiesenarten nur langsam aus, zum anderen verhindert die bestehende Grasnarbe die Etablierung neuer Pflanzenarten wirkungsvoll und ein Samenvorrat der meisten erhofften Wiesenarten fehlt, da die Samen der meisten Wiesenarten nur wenige Jahre im Boden überleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Soll ein verarmter Wiesenbestand also wieder mit Arten angereichert werden, bleibt nichts anderes übrig, als die fehlenden Arten mit geeigneten Massnahmen wieder einzubringen &amp;lt;sup&amp;gt;17&amp;lt;/sup&amp;gt;. Dabei existieren grundsätzlich drei Möglichkeiten – wobei eine angepasste Nutzung (keine Düngung, geeignetes Schnittregime u.a.) immer vorausgesetzt wird: &lt;br /&gt;
# '''Übersaatmethode''': Alte, vergraste und blumenarme Naturwiesen, die bezüglich der Grasartenzusammensetzung aber noch einigermassen den Fromentalwiesen im engeren Sinne entsprechen, sollten nicht umgebrochen/gefräst und angesät werden. Eine Aufwertung mit einer einfachen Übersaat in den bestehenden Bestand, wie dies in intensiver genutzten Wiesen mit Futterbaumischungen gemacht wird, funktioniert mit Wiesenblumensaatgut nicht. Dagegen gibt es zwei etwas aufwändigere Übersaatmethoden, die ohne Umbruch funktionieren. Zum einen lassen sich Wiesenblumenarten ansiedeln, indem über mehrere Jahre hinweg gesammeltes Saatgut ausgewählter Arten der Umgebung gezielt oberflächlich auf Blössen (Narbenschäden, Maushaufen, gezielt verursachte Öffnungen etc.) ausgebracht wird. Die andere Möglichkeit besteht darin, über mehrere Jahre das frische Erntegut von blumenreichen Heuwiesen (Fromentalwiesen) auf der aufzuwertenden Fläche zu trocknen. Die ausfallenden Samen führen nach einigen Jahren zu einer deutlichen Zunahme der Arten- und Blumenvielfalt. Voraussetzung ist allerdings, dass eine geeignete Heuwiese als Spenderwiese auf dem Betrieb oder in der Nachbarschaft vorhanden ist. Mit diesen beiden Methoden wird die bestehende Pflanzen-/Boden-Garnitur und -Struktur nicht unnötig zerstört und die noch vorhandenen Ökotypen der bestehenden Naturwiese bleiben erhalten. Allerdings brauchen sie viel Geduld, sind ziemlich aufwändig und gelingen nur auf Standorten mit eher tiefem Nährstoffniveau.&lt;br /&gt;
# '''Streifensaat'''. Diese Methode ist einfacher und sicherer und erlaubt es ebenfalls, die gewünschten Arten wieder in den Bestand zu bringen, ohne dass die ganze bestehende Naturwiese eliminiert werden muss. Dazu werden in einem Abstand von 15-20 m Streifen von 3-6 m Breite mit einer zapfwellengetriebenen Egge (z.B. Kreiselegge) oder auch einer Gartenfräse in die bestehende Wiese gefräst. Meist ist eine mindestens 3-malige Wiederholung im Abstand von ca. 2 Wochen nötig, bis die alte Vegetation vollständig abgestorben ist. Im Frühling können die vegetationsfreien, gut abgesetzten Streifen mit geeignetem Saatgut oder einer Direktbegrünung angesät. Je breiter die Streifen sind, desto eher lassen sich Schäden durch Schnecken reduzieren. Von den angesäten Streifen aus können dann die dort etablierten Arten nach und nach in den umliegenden Bestand auswandern, sofern Bodenheu gemacht und das Heu mit dem Kreiselheuer über die Fläche verteilt wird. &lt;br /&gt;
# '''Ganzflächige Ansaat''': Ist der Ausgangsbestand keine erhaltenswerte Naturwiese, empfiehlt es sich, die bestehende Wiesenvegetation ganzflächig durch Pflügen und anschliessendes Eggen, oder allein durch mehrmaliges Eggen mit einer zapfwellengetriebenen Kreiselegge (oder ähnlichem Gerät), vollständig zu entfernen. Details zu einer erfolgreichen Saatbettbereitung und Ansaat siehe Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Standort-_und_Vegetationsbeurteilung «Standort- und Vegetationsbeurteilung»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;16&amp;lt;/sup&amp;gt; Plant species introduction in ecological restoration: Possibilities and limitations. Basic and Applied Ecology 11/4, 281-284&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;17&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. dazu insbesondere [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier Agridea-Merkblatt «Der Weg zu artenreichen Wiesen»] sowie Huguenin-Elin et al. 2012&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Welche Flächen eignen sich (nicht) für Neuansaaten?==&lt;br /&gt;
Mittels Ansaaten können auf fast jedem Standort (Boden, Exposition, Höhenlage etc.) artenreiche, stabile Wiesen erfolgreich wieder etabliert werden – vorausgesetzt, es werden die richtigen Arten und Ökotypen fachgerecht angesät und die anschliessende Pflege erfolgt dem Pflanzenbestand angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Generell gilt''': Auf mageren sonnigen Standorten können sich mehr Pflanzen- und Tierarten und auch seltenere Arten entwickeln als auf nährstoffreicheren oder schattigeren Flächen. Auf sehr armen trockenen Böden nimmt die Artenvielfalt natürlicherweise wieder ab ([https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Die_wichtigsten_Wiesentypen_und_ihre_Standorte_f.C3.BCr_die_Neuanlage_artenreicher_Wiesen siehe Abbildung zu Artenreichtum]), und die Ansaat gestaltet sich oft schwierig, insbesondere auf kiesigen Rohböden mit geringem oder fehlendem Feinkornanteil (Sand, Schluff, Ton).&amp;lt;!-- nicht veröffentlichen wegen Empfehlung Humusierung: Südexponierte oder schattige Lagen verschärfen die Situation noch. Besteht Erosionsgefahr, ist bei reinen Kiesflächen die Beimischung eines geringen Humusanteils zu empfehlen, damit sich eine geschlossene Pflanzendecke entwickeln kann.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Weniger geeignet bzw. schwierig für die Neuansaat artenreicher Wiesen sind''':	&lt;br /&gt;
* '''Schattige Standorte'''. Solche sind von Natur aus meist arten- und blumenärmer als Wiesen an besonnten Lagen. Zudem können Schnecken den Keimlingen, vor allem der Wiesenblumen, an solchen Standorten besonders zusetzen. Dieser teilweise unterschätzte Faktor wird noch verschärft, wenn die Ansaatflächen an solchen Standorten klein oder schmal sind und deshalb von den Schnecken vom Rand her leichter aufgesucht werden können. Tipp: Anzusäende Flächen, die von bestehenden Wiesen oder Gehölzen umgeben sind, sollten nicht schmaler als 6 m und kleiner als eine Are (10x10m) sein.&lt;br /&gt;
* '''Entwässerte Moorböden'''. Auf solchen Böden werden durch den Abbau des Torfs so viele Nährstoffe freigesetzt, dass rasch wenige Arten zur Dominanz gelangen und die meisten der angesäten Arten verdrängen. Unter dieser (seltenen) Voraussetzung lohnen sich artenreiche Ansaaten in der Regel nicht. Ökologisch aufgewertet werden können sie jedoch mit einer Vernässung&amp;lt;!--Link auf Feuchtgebiete--&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* '''«Verunkrautete“ Flächen»''': Auf Standorten, die vorher mit Stumpfblättrigem Ampfer («Blacke», (''Rumex obtusifolius'')) verunkrautet waren, ist Vorsicht geboten. Blackensamen bleiben viele Jahrzehnte keimfähig im Boden. Auch wenn auf einer Fläche vor der Ansaat keine Blacken sichtbar sind, können Blackensamen beim Pflügen oder auch Eggen von Wiesland aus einer früheren Verunkrautung in grosser Zahl keimen. Die Bekämpfung dieser Problemart kann sehr aufwändig sein &amp;lt;sup&amp;gt;18&amp;lt;/sup&amp;gt;. Als weitere Problemarten sind Ackerkratzdisteln und einige wenige invasive Neophyten zu nennen, insbesondere Goldruten und einjähriges Berufskraut. Was die genannte, ausläufertreibende Distelart anbelangt, deren Blüten übrigens für Bienen und Schmetterlinge sehr attraktiv sind, verschwindet sie bei regelmässiger Mahd meist von selbst wieder. Die genannten Neophyten dagegen sollten von Beginn weg konsequent eliminiert („gezupft“) werden. Praktisch alle anderen Pflanzenarten, die landläufig als Unkraut bezeichnet werden, sind bei einer fachgerechten Pflege kein Problem für die gewünschte Entwicklung des Wiesenbestandes. Das gilt insbesondere für die im Ansaatjahr oft massenweise auftretenden einjährigen Ackerbeikräuter wie Gänsefuss (''Chenopodium'' sp.) oder Ackerhirsen (''Echinochloa crus-galli'', ''Setaria spp.'', ''Panicum spp.''). Sie verschwinden alle bereits im zweiten Jahr nach der Ansaat von selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;18&amp;lt;/sup&amp;gt; Der Umgang mit Flächen, die einen hohen Blackendruck aufweisen, kann hier nicht weiter vertieft werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Standortbeeinflussung==&lt;br /&gt;
Besteht in einem Ansaatprojekt die Möglichkeit, die Bodeneigenschaften zu beeinflussen, können folgende Massnahmen ins Auge gefasst werden, um – in der Regel – nährstoffärmere Bedingungen zu schaffen (Reihenfolge mit abnehmender Wirksamkeit und abnehmenden Kosten): &lt;br /&gt;
# Oberbodenabtrag (meist A-Horizont, ggf. auch B-Horizont),&lt;br /&gt;
# Aufschüttung eines nährstoffarmen Substrates auf oder Einarbeitung desselben in den bestehenden Boden – meist Kies oder Sand – wobei es für die Aufschüttung meist eine Schicht von mindestens 30 cm braucht, &lt;br /&gt;
# Ausmagerung, beispielsweise durch die Kultur eines Starkzehrers wie Mais oder Raygras. Die Wirksamkeit dieser Methode ist allerdings umstritten. Eine deutlich stärkere Reduktion verfügbarer Nährstoffe wird allein dadurch erreicht, indem vor der Ansaat der Boden möglichst nicht mehr gewendet oder bewegt wird (Verhinderung der oxidativen Nährstoffmobilisation, s. Bosshard 1999). Dies ist auf wenig verunkrauteten Ackerflächen möglich, indem die Ansaat ohne Bodenbearbeitung direkt in die Stoppelbrache erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso besteht überall dort, wo der Boden neu aufgesetzt wird wie z.B. bei Bauprojekten, die Möglichkeit, den Boden so zu „designen“, dass er standörtlich der Zielvegetation am besten entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Standortfaktoren können beispielsweise durch die Gestaltung des Geländes (Exposition, Grundwassereinfluss etc.) oder durch Reduktion von Schatteneinflüssen (Waldrandstufung, zurückschneiden von Hecken etc.) zugunsten der angestrebten Wiesentyps gezielt beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tabelle: Vereinfachter Entscheidungsbaum für die Wahl der geeigneten Ansaat in Lagen unterhalb 1000 m ü. M. (Quelle: In Anlehnung an Bosshard 2000, [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/08/Wiesenrenaturierung_NuL_2000.pdf Blumenreiche Heuwiesen aus Ackerland und Intensiv-Wiesen. Eine Anleitung zur Renaturierung in der landwirtschaftlichen Praxis. Naturschutz und Landschaftsplanung 32/6, 161-171]. Zur Bestimmung der Wiesentypen siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Typologie_des_Gr.C3.BCnlands Kapitel «Typologie des Grünlands]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Typ &lt;br /&gt;
! Beschreibung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1a'''&lt;br /&gt;
| Boden eher bis sehr tiefgründig, bisher mittel bis sehr intensiv genutzt (oder Phosphor über 100 ppM), mit ausgeglichenem Wasserhaushalt: -&amp;gt; Zielvegetation typische Fromentalwiese (Arrhenatheretum). Details siehe Text.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;| '''1b'''&lt;br /&gt;
| Boden flachgründig oder durchlässig (kiesig, sandig) oder Standort sehr trocken oder nährstoffarm aufgrund bestehender Vegetation (Ertrag &amp;lt; 30 dt/J); an sonniger Lage: &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | 1b1&lt;br /&gt;
| Boden kalkhaltig oder pH &amp;gt;6: -&amp;gt; Zielvegetation typische Trespen-Halbtrockenrasen (Mesobrometum). Zur Wahl der Ansaat siehe Text.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | 1b2&lt;br /&gt;
| weitgehend fehlender Kalkgehalt bzw. pH &amp;lt;6: -&amp;gt; Zielvegetation Rotschwingel-Straussgraswiese (Festuca-Agrostion), ev. Borstgrasrasen (ab 600 m ü. M. (Nardion)); Direktbegrünung, kein geeignetes Standardsaatgut verfügbar. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1c'''&lt;br /&gt;
| Wie 1b, aber schattige Lage:  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1c1&lt;br /&gt;
| Eher trockener Standort (vorwiegend Nordexposition, Beschattung durch Waldrand u.ä.): -&amp;gt; Zielvegetation Rotschwingel-Straussgraswiese (Saatgut s. 1c1),  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1c2&lt;br /&gt;
| wie 1c1, aber bei Niederschlägen &amp;gt;1200 mm/J und mind. leichtem Bodenkalkgehalt bzw. pH &amp;gt;6: -&amp;gt; Rotschwingel-Straussgraswiese (s. 1c1) oder magere Variante einer feuchten Fromentalwiese mittels Direktbegrünung oder Standardsaatgut Humida.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1d'''&lt;br /&gt;
|Boden zur Vernässung neigend (wechseltrocken):&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1d1&lt;br /&gt;
| Boden eher tiefgründig und/oder eher nährstoffreich: -&amp;gt; Zielvegetation frische Fromentalwiese, Saatgut über Direktbegrünung oder mit Standardsaatgut Humida  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1d2 &lt;br /&gt;
| Boden mager oder flachgründig: -&amp;gt; Streuwiesengesellschaften durch Direktbegrünungsverfahren (kein geeignetes Standardsaatgut auf dem Markt). Pflanzensoziologische Detailabklärungen nötig zur Wahl geeigneter Spenderflächen (Molinion, Caricion u.a.) &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1e'''&lt;br /&gt;
| Boden vernässt bzw. wechselnass: Wie 1d2.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1f'''&lt;br /&gt;
| Rohboden: -&amp;gt; Zielvegetation: Ruderalflora oder lückiger Trespenrasen (s. Text); je nach Situation auf Ansaat verzichten, Ansaat einer Ruderalflora-Mischung, oder (sofern Boden kalkhaltig) Direktbegrünung mit Trespen-Halbtrockenrasen (Mesobrometum) bzw. Trockenrasen (Xerobrometum) sofern verfügbar. Kleinflächen: Anpflanzung von Einzelpflanzen prüfen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Saatgut: Richtige Artenzusammensetzung, richtige Herkunft=&lt;br /&gt;
Standörtliche/geographische Herkunft, Qualität und Zusammensetzung des Saatgutes sind eine ausschlaggebende Voraussetzung für den Erfolg bei einer Neuanlage oder Wiederherstellung artenreicher Wiesen. Auch im Hinblick auf die Biodiversität spielen die Zusammensetzung und Herkunft des Saatgutes eine zentrale Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Kapitel werden die verschiedenen Saatguttypen mit ihren Vor- und Nachteilen sowie die vorhandenen Anbieter in der Schweiz beschrieben. Eine einfache erste Entscheidungshilfe, wo welcher Saatguttyp am besten geeignet ist, liefert die Entscheidungsmatrix (siehe Tabelle unten). Weiterführende Informationen zu den einzelnen Saatguttypen und ihren Anwendungsmöglichkeiten enthält der [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen, Kap. 6 (s. 39 ff.)].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = tab bossh de.png&lt;br /&gt;
| text = '''Entscheidungsmatrix für die Saatgutwahl bei Begrünungen in der Schweiz'''. Eine Saatgutwahl nach dieser Matrix ist konform mit dem Natur- und Heimatschutzgesetz sowie mit der Biodiversitätskonvention. Die zuerst genannten Verfahren sind aus ökologischer Sicht vorzuziehen. Angaben in Klammern: Verfügbarkeit des Saatgutes je nach Region eingeschränkt. '''A''' = Autochthones Saatgut oder Pflanzenmaterial (ausgebracht über Heugrassaat, Sodenverpflanzung oder ähnliche Verfahren), '''W''' = Wildpflanzensaatgut (Regio-Saatgut), '''Z''' = Regel-Handelssaatgut. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Quelle: Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz  - Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität, Bosshard A., Mayer P., Mosimann A., 2015 &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Direktbegrünungsverfahren==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = direktbegruenungsverfahren de.png&lt;br /&gt;
| text = Vergleich der Begrünungsverfahren. Quelle: Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität. Ö+L Ökologie und Landschaft GmbH.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direktbegrünungsverfahren sind für die Erhaltung der Biodiversität in der Regel deutlich besser als der Einsatz von [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Standardsaatgut_und_Direktbegr.C3.BCnung_.E2.80.93_eine_Begriffskl.C3.A4rung Standardsaatgut]. Bei Ansaaten auf Flächen mit Naturschutzcharakter sollten generell Direktbegrünungen, also Mahdgutübertragung oder autochthones Saatgut aus dem Sack, eingesetzt werden und nur im Ausnahmefall (z. B. für extensive Vernetzungsflächen, die nicht direkt Naturschutzflächen sind) Standardsaatgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ansaatmethode der Direktbegrünung bzw. mit sog. autochthonem Saatgut wird oft als Wiesenkopierverfahren bezeichnet. Statt einzelne Arten zu vermehren, in Monokulturen anzubauen und dann als definierte Mischungen auf den Markt zu bringen, werden die Samen, welche in artenreichen Wiesen, den sogenannten '''Spenderflächen''', jedes Jahr produziert werden, direkt, ohne Zwischenvermehrung, genutzt. Die Ansaat dieser Samen auf die '''Ansaat- oder Empfängerfläche''' sollte möglichst in engem räumlichem Umkreis, im Idealfall lokal, d.h. im Umkreis von beispielsweise 15 km, erfolgen. Deshalb wird auch von lokalem Saatgut gesprochen &amp;lt;sup&amp;gt;19&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig wie dieses Prinzip '''«Aus der Region für die Region»''' ist das Prinzip '''Standortäquivalenz''': Spenderfläche und Ansaatfläche müssen sich standörtlich, also bezogen auf den Bodentyp, die Höhenlage, die Exposition, die Nutzung/Pflege etc., so weit als möglich entsprechen (vgl. dazu die Entscheidungshilfe von [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direktbegrünungsverfahren wurden in den letzten Jahren in der Schweiz, aber auch im Ausland &amp;lt;sup&amp;gt;20&amp;lt;/sup&amp;gt; stark weiterentwickelt und verbessert und funktionieren mittlerweile bei fachgemässer Ausführung zuverlässig und erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wird von einigen Firmen autochthones Saatgut für die meisten Teile der Schweiz angeboten &amp;lt;sup&amp;gt;21&amp;lt;/sup&amp;gt;. Die von Pro Natura initiierte und zusammen mit Info Flora, AGRIDEA und verschiedenen Kantonen aufgebaute Plattform [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora] beschreibt die Methoden von Direktbegrünungen, gibt ausführliche Literaturhinweise und enthält auch eine Zusammenstellung von verschieden Samenanbietern und Fachpersonen. RegioFlora unterhält auch eine – derzeit allerdings je nach Region noch lückenhafte – [https://www.regioflora.ch/app/de/index.html Spenderflächendatenbank], die Nutzern helfen soll, eine geeignete Spenderfläche für eine Direktbegrünung zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend für Direktbegrünungsverfahren ist eine gute Zusammenarbeit mit den Besitzern und vor allem den Bewirtschaftern der Spenderflächen. Denn dank ihnen ist die gesuchte Artenvielfalt in diesen Flächen noch vorhanden. Die Nutzung einer Wiese als Spenderfläche bedeutet für die Bewirtschafter oft eine besondere Wertschätzung. Ihnen diese Wertschätzung bei einer Nutzung entgegenzubringen genügt aber nicht. Für die Erlaubnis, eine Ernte durchführen zu können, ist eine Entschädigung, die über den anfallenden Mehraufwand hinausgeht, angemessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;19&amp;lt;/sup&amp;gt; Anmerkung: Bei der Sodenversetzung, die ebenfalls zu den Direktbegrünungsverfahren gezählt wird, gilt dasselbe, wobei anstelle von Samen ganze Vegetationsstücke inkl. der obersten Bodenschicht übertragen werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;20&amp;lt;/sup&amp;gt; Siehe ausführliche Literaturliste z.B. bei [https://www.regioflora.ch Regio Flora] und [https://www.holosem.ch/ HoloSem].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;21&amp;lt;/sup&amp;gt; Umfangreiche Informationen zum aktuellen Angebot auf [https://floretia.ch/ Floretia], wo neben autochthonem auch das Angebot von regionalem Vermehrungssaatgut aufgelistet ist. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die verschiedenen Direktbegrünungsverfahren im Detail==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = agridea_verfahren_de_400dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Die neben der Mahdgutübertragung weiteren Methoden im Vergleich. Quelle: &amp;quot;Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft&amp;quot; (Hrsg.: Agridea, 2015)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Mahdgutübertragung===&lt;br /&gt;
Die Spenderfläche wird zum Zeitpunkt der optimalen Samenreife der meisten Arten (Teigreife) in feuchtem Zustand gemäht &amp;lt;sup&amp;gt;22&amp;lt;/sup&amp;gt; und das ganze Material auf die Ansaatfläche übertragen, meist etwa im Umfang 1:1. Die Praxis der Mahdgutübertragung wird im Merkblatt [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~2591~1/3~410210~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Direktbegr%C3%BCnung-artenreicher-Wiesen-in-der-Landwirtschaft/Deutsch/Print-Papier «Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft» (Agridea 2015)] detailliert beschrieben (s. auch [https://www.youtube.com/watch?v=IsI8ivNB9u0 FiBL-Infofilm]). Der Vorteil dieser Methode liegt in ihrer Durchführung mit Geräten, die auf jedem Landwirtschaftsbetrieb existieren, und den relativ geringen Kosten, wenn der Landwirt die Arbeiten selber durchführen kann. Zudem werden so auch Kleintierarten und Moose auf die Ansaatfläche übertragen, und die Mahdgutauflage schafft einen ersten Erosionsschutz und verbessert die Keimungsbedingungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachteile sind eine oft schwierige Logistik, ein relativ grosser Zeitaufwand und vor allem, dass das Ausbringen des Mahdgutes sogleich nach der Ernte im Sommer durchgeführt werden muss. Zum einen ist Sommer als Ansaatzeitpunkt oft nicht optimal, zum anderen stehen viele Flächen, beispielsweise bei Bauprojekten, nicht genau dann zur Ansaat bereit, wenn das Erntegut anfällt und ausgebracht werden muss. Ein weiterer Nachteil ist, dass verschiedene Erntezeitpunkte und verschiedene Spenderflächen nur beschränkt und mit stark erhöhtem Aufwand kombiniert werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;22&amp;lt;/sup&amp;gt; Ideal ist eine Mahd mit Messerbalken oder mit Sense. Es können aber je nach Verfügbarkeit und Zugänglichkeit der Fläche auch Saugmulcher eingesetzt werden, die in einem Arbeitsgang das Mähgut mähen und einsaugen. Dabei wird aber ein Grossteil der Kleintierfauna getötet, der erwähnte Vorteil einer Übertragung von Tieren fällt damit weg.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahdgutuebertragung 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Mahdgutübertragung&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wiesendrusch===&lt;br /&gt;
Das Saatgut wird auf der Spenderfläche mit einem Mähdrescher mit spezieller Einstellung geerntet. Die Methode funktioniert allerdings nur auf flachem Gelände, während die meisten nicht angesäten und damit für Direktbegrünungen in Frage kommenden Spenderflächen an Hängen liegen. Zudem werden einzelne Arten technisch kaum erfasst. Vorteile liegen in der relativ grossen Flächenleistung. Zudem kann das Saatgut verschiedener Wiesen und Erntezeitpunkte mit geringem Aufwand gemischt und das Saatgut bis 2 oder 3 Jahre (je nach Lagerung) nach der Ernte zu einem beliebigen Zeitpunkt ausgesät werden. In der Schweiz liegen erst wenige Erfahrungen mit dieser Methode vor, vor allem durch Untersuchungen der landwirtschaftlichen Fachhochschule HAFL in Zollikofen bei Bern. Als erste Firma bietet Regiosaat.ch seit 2019 autochthones Saatgut aus Wiesendrusch auf dem Markt an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Abwandlung des Wiesendruschs stellt der Heudrusch® dar, eine von Joe Engelhardt in Deutschland entwickelte und praktizierte Methode, bei der das feuchte Erntegut wie bei der Mahdgutübertragung geerntet wird, dann aber statt direkt übertragen mit einer speziellen Infrastruktur getrocknet und ausgedroschen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Ernte_mit_Maehdrescher 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Sammeln von Saatgut mit dem Mähdrescher.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Seedbrushing===&lt;br /&gt;
Bei dieser Methode werden die Samen mit speziellen Bürstenmaschinen aus dem stehenden Pflanzenbestand geerntet. Die Methode ist weniger schlagkräftig als der Wiesendrusch, es können aber mit den Geräten der neuesten Generation auch steile, vernässte oder topographisch schwierige Spenderflächen beerntet werden. Zudem erlaubt die Methode je nach verwendetem Gerät eine sehr individuelle Nutzung, indem einzelne Arten spezifisch beerntet oder auch ausgeschlossen werden. Bei zu dichten oder zu hohen Beständen sind der Methode aber Grenzen gesetzt, beispielsweise bei nährstoffreicheren Fromentalwiesen oder Hochstaudenfluren. Wie beim Wiesendrusch können verschiedene Spenderflächen und Erntezeitpunkte mit geringem Aufwand kombiniert und so die Artenzusammensetzung des Saatgutes optimiert werden &amp;lt;sup&amp;gt;23&amp;lt;/sup&amp;gt;. Ebenso ist der Ansaatzeitpunkt flexibel. Die Methode wird in der Schweiz derzeit nur von [http://www.agraroekologie.ch/ Ö+L] angeboten. Die Firma hat dazu ein eigenes Gerät, den [http://www.holosem.ch/ebeetle/angebot/ eBeetle], entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;23&amp;lt;/sup&amp;gt; Dies gilt selbstredend nur dann, wenn alle kombinierten Spenderflächen aus derselben Kleinregion und von demselben Wiesentyp vergleichbarer Standorte stammen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weitere Verfahren===&lt;br /&gt;
Neben den drei erwähnten Hauptmethoden gibt es weitere, allerdings deutlich weniger schlagkräftige und damit nur kleinflächig anwendbare oder die obigen Verfahren ergänzende Methoden der Direktbegrünung. Dazu gehören:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sammeln von Hand''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Natürlich können die gewünschten Arten in den Spenderflächen auch von Hand geerntet werden. Dies erlaubt zwar eine sehr gezielte und individuelle Beerntung einzelner Arten zum optimalen Reifezeitpunkt der Samen (die je nach Art in der Regel bei der Teigreife einsetzt), ist aber sehr zeitaufwändig und nur für kleine Flächen realistisch. Handernte kann allerdings zur Ergänzung beispielsweise von Wiesendrusch oder von Mahdgutübertragungen eine wichtige Rolle spielen, indem Samen von Pflanzenarten damit effizient ergänzt werden können, die aus verschiedenen Gründen (Reifezeitpunkt, nur sehr vereinzeltes Vorkommen etc.) nicht übertragen bzw. maschinell nicht geerntet werden.&lt;br /&gt;
'''Sammeln mit tragbaren Kleingeräten''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es existieren auf dem Markt Sauger und andere tragbare Techniken, mit denen das Saatgut aus dem stehenden Bestand der Spenderwiese geerntet werden kann. Diese Methoden sind aber nur wenig schlagkräftig und ebenfalls nur für kleine Flächen geeignet. Gegenüber einer Handernte bieten sie nur in speziellen Fällen wirklich Vorteile. In der Schweiz werden solche Geräte nur sehr punktuell angewendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Heublumen''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Methode war bis Mitte des letzten Jahrhunderts das übliche Verfahren bei der Verbesserung oder Neuanlage von Wiesen. Dabei wird der Samenausfall aus dem Heustock gesammelt und direkt ausgesät. Da bis in die 1950er Jahre fast nur artenreiche Wiesen existierten (Bosshard 2016 &amp;lt;sup&amp;gt;24&amp;lt;/sup&amp;gt;), hat diese Methode damals ausgezeichnet funktioniert. Heute bestehen Heublumen vor allem aus Samen von artenarmen Fett- und Intensivwiesen und beinhalten oft viele unerwünschte Arten wie Blacken oder Disteln, so dass von dieser Methode in aller Regel dringend abgeraten werden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sodenversetzung''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
In denjenigen Fällen, wo ein artenreicher Wiesenbestand zerstört und nachher wiederhergestellt werden soll, eignet sich die Methode der Sodenversetzung bzw. Sodenschüttung besonders gut. Dabei wird die Ursprungsvegetation mit dem Bagger als grosse Rasenziegel gelagert und nach dem Bau wieder auf die zu begrünende Fläche aufgetragen. Am meisten Erfahrungen mit dem Verfahren bestehen im Kanton Graubünden, wo vor allem beim Strassenbau und bei Meliorationsprojekten die Sodenversetzung heute zur hauptsächlich angewandten Methode gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Spontanbegrünung''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Überall dort, wo noch artenreiche Flächen mit den Zielarten in der näheren Umgebung vorhanden oder in der Samenbank des Bodens zu erwarten sind, kommt auch eine Spontanbegrünung in Betracht. Bei dieser Methode wird nichts angesät, sondern einfach gewartet, bis sich die passenden Arten von selbst wieder etablieren. Die Methode kann vor allem im Berggebiet empfohlen werden, sofern nur kleine bzw. wenige Meter breite Flächen zu begrünen sind und sofern in der unmittelbaren Umgebung noch artenreiche Wiesen vorhanden sind (Distanz &amp;lt;20 m).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;24&amp;lt;/sup&amp;gt; Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Bosshard A. 2016. Haupt-Verlag, Bern. 265 S. [https://issuu.com/haupt/docs/9783258079738 Inhaltsübersicht, Zusammenfassung und Leseprobe S. 1-34]. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Saatguternte_Mesobr_mit_eBeetle 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Saatguternte mit dem eBeetle.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hohe Anforderungen an die Planung==&lt;br /&gt;
Bei den Methoden «Mahdgutübertragung» bis «Sammeln von Hand» ist eine sorgfältige Planung essentiell. Da die Ernte nur im lokalen Rahmen erfolgt, ist oft kein geeignetes Saatgut an Lager, sondern dieses wird, v.a. bei grösserem Bedarf, spezifisch «on demand» produziert. D.h. es muss bis spätestens im Mai klar sein, welcher Saatgutbedarf für welche Lokalitäten und Standortbedingungen besteht. Wenn also im Frühjahr, dem optimalen Aussaatzeitpunkt, angesät werden soll, muss die Ernte bereits im Sommer des Vorjahres erfolgt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weitere Informationen zu den Direktbegrünungsverfahren ==&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~2591~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Direktbegr%C3%BCnung-artenreicher-Wiesen-in-der-Landwirtschaft/Deutsch/Print-Papier Agridea-Wegleitung «Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft» (2015)]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf «Leitfaden für naturgemässe Begrünungen»]&lt;br /&gt;
* Kirmer A., Krautzer B., Scotton M., Tischew S. (Hrsg.) 2012: Praxishandbuch zur Samengewinnung und Renaturierung von artenreichem Grünland. Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein.&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora, Förderung der regionalen Vielfalt im Grünland]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/ HoloSem®]&lt;br /&gt;
* [https://www.regiosaat.ch/ regiosaat.ch]&lt;br /&gt;
* [https://www.conservationevidence.com/actions/133 Conservation Evidence] (englische Seite mit vielen wissenschaftlichen Hintergrundinformationen aus verschiedenen Studien)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anwendung und Bezug von Blumenwiesen-Standardsaatgut==&lt;br /&gt;
In Regionen, in denen zu wenig qualitativ hochwertige Spenderflächen existieren, oder wo aus anderen Gründen keine Direktbegrünungen möglich sind, ist artenreiches Wiesenblumensaatgut mit Ökotypen aus der betreffenden Biogeographischen Region (s. Abb. 1) eine gute Alternative.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz bieten folgende Firmen geprüftes Blumenwiesen-Standardsaatgut an: [https://www.ufasamen.ch/ Ufa], [https://www.hauenstein.ch/de/ Hauenstein], [http://www.sativa-rheinau.ch/ Sativa] und [https://www.ericschweizer.ch/ Schweizer Samen]. Das grösste Angebot haben Ufa und Hauenstein, Saatgut in Bio-Qualität bietet Sativa. Einige der angebotenen Mischungen wechseln fast jährlich, und es ist entsprechend zu empfehlen, jeweils aktuell die Web-Informationsseiten oder die reich bebilderten Prospekte der betreffenden Firmen zu konsultieren, um die für den jeweiligen Anwendungszweck am besten geeignete Blumenwiesenmischung zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Kauf ist unbedingt darauf zu achten, aus welcher biogeographischen Region das Saatgut stammt. Die Angabe, dass das Saatgut aus Schweizer Ökotypen besteht, genügt nicht, weil solches Saatgut oft ein Gemisch aus Herkünften verschiedener biogeographischer Regionen ist. Noch immer sind verbreitet Mischungen auf dem Markt, bei denen nur der Wiesenblumenanteil aus einheimischen Ökotypen besteht, während der Gräseranteil, der oft weit über 90% des Saatgutanteils ausmacht, nicht spezifiziert ist und dann in der Regel aus dem Ausland stammt und nicht selten auch Zuchtsorten enthält. Solches Saatgut ist deutlich kostengünstiger, aber aus den in der [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Einleitung Einleitung] erläuterten Gründen nicht zu empfehlen bzw. je nach Anwendungsbereich nicht rechtskonform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den meisten artenreichen Mischungen besteht nur Saatgut mit Ökotypen aus der Biogeographischen Region Mittelland. Solches Saatgut sollte nicht im Jura, im Berggebiet oder in der Südschweiz ausgebracht werden. In diesen Regionen kommt für die meisten Anwendungszwecke mangels eines entsprechenden Standardsaatgutangebotes nur autochthones Saatgut in Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige wenige Kantone (z.B. [https://lawa.lu.ch/-/media/LAWA/Dokumente/Landwirtschaft/Biodiversitaetsfoerderflaechen/Merkblaetter/MB_Blumenwiese_Neuansaat.pdf LU] und [https://www.ag.ch/media/kanton_aargau/dfr/dokumente_3/landwirtschaft_2/umweltprojekte/naturnahe_landwirtschaft_1/merkblaetter_labiola/20_Labiola_MB_Saat_und_Pflanzug_okt16.pdf AG]) haben für den Landwirtschaftsbereich in Zusammenarbeit mit dem Handel kantonal angepasste Blumenwiesenmischungen entwickelt. Diese weichen teilweise in der Artenzusammensetzung leicht ab von den gängigen Mischungen, teilweise stammt das Basissaatgut einzelner Arten aus dem betreffenden Kanton. Der Bezug erfolgt teils über den Handel, teils über den Kanton bzw. von ihm beauftragte Stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Qualitätssicherung ==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bosshard_NEAT_Amit_HoloSem_Saatgut_angesaet_zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Gemäss HoloSem-Standard frisch angesäte Böschung.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die im Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Herkunft_des_Saatgutes:_Empfehlungen.2C_Standards_und_rechtliche_Vorgaben «Herkunft des Saatgutes»] erwähnten Empfehlungen von Info Flora und RegioFlora, im Hinblick auf die Auswahl des Basissaatgutes bzw. der Spenderflächen und die räumliche Ausbreitung des Saatgutes, betreffen sowohl Standardsaatgut wie Direktbegrünungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was das Standardsaatgut anbelangt einigten sich die Schweizer Saatgutfirmen in einem mehrjährigen Prozess in den 1990er Jahren zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft für den Futterbau und der Forschungsanstalt Reckenholz auf eine Vereinbarung, welche die Empfehlungen von Info Flora (damals SKEW) berücksichtigt. Die Samenfirmen erklärten sich bereit, nur einheimische CH-Ökotypen für Blumenwiesenmischungen zu verwenden, den Forschungsanstalten die für die Ernte vorgesehenen Felder mit den geforderten Angaben (z.B. Herkunft des Ursprungssaatgutes, Parzellengrösse) zu melden, und die Vermehrungen stichprobenweise durch die Forschungsanstalten überprüfen zu lassen. Allerdings wird diese Vereinbarung nur für den Wiesenblumenzusatz des Saatgutes eingehalten, der Gräseranteil stammt v.a. bei Mischungen, die im Verkehrsbau verwendet werden, bis heute noch häufig aus ungeprüftem Saatgut aus dem Ausland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Direktbegrünungen existiert neben den Empfehlungen von Info Flora/RegioFlora ein von der Branche selber entwickelter Qualitätsstandard [http://www.holosem.ch/begruenungen/holosem-standard/ HoloSem]. Dieser existiert seit 2014 und definiert, welche standörtlichen und qualitativen Anforderungen bei der Ernte des Saatgutes zu berücksichtigen sind, definiert eine maximale Distanz der Verbreitung des autochthonen Saatguts von 15 km aus, wobei zusätzlich die biogeographische Region der Standort, die Höhenlage u.a. mitberücksichtigt werden müssen. Zudem bestehen Anforderungen zur Dokumentation, zur Spenderflächenauswahl u.a. Der Standard wird zunehmend für Ausschreibungen genutzt, um eine einheitliche Mindestqualität von Direktbegrünungen sicherzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig und zielführend wie ein Standard sind für eine fachgemässe Ausführung v.a. von Mahdgutübertragungen in der Landwirtschaft eine gute Begleitung und Beratung der jeweils beteiligten Akteure, beispielsweise der Bewirtschafter der Flächen, welche die Mahdgutübertragung auch selber durchführen können. Eine fachliche Beratung kann den Erfolg und die Qualität der so angesäten Flächen wesentlich verbessern. Das zeigt sich beispielsweise im Kanton Aargau, wo interessierten Landwirten eine solche Beratung kostenlos zur Verfügung steht und wo der Erfolg der Mahdgutübertragungen mit einem Monitoring überprüft wird. Eine wertvolle Hilfe für die korrekte Ausführung von Mahdgutübertragungen bietet auch die Internetseite regioflora.ch, wo umfangreiche Informationen leicht verständlich aufgearbeitet sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = wichtigste Begruenungsverfahren de.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht über die wichtigsten Begrünungsverfahren und ihre optimalen Ausführungszeitpunkte, bezogen auf Lagen bis ca. 1000 m ü.M. In der angegebenen Literatur hat es auf Seite 31 eine Tabelle, die auch auf höher gelegene Flächen eingeht. [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Quelle: Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität. Ö+L Ökologie und Landschaft GmbH].&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praktische Durchführung von Ansaat und anschliessender Pflege artenreicher Wiesen=&lt;br /&gt;
Artenreiches Saatgut ist zu kostbar, um es nicht optimal einzusetzen. Denn auch das beste Saatgut führt nur bei einer fachgerecht durchgeführten Ansaat und Pflege/Bewirtschaftung zum Erfolg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saatbettvorbereitung==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Empfängerfläche 5 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses Saatbett wurde zur Vorbereitung geackert und anschliessend in Zeitabständen von etwa drei Wochen mehrmals geeggt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Ein vegetationsfreies, gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ansaat.&lt;br /&gt;
Der Boden kann durch Pflügen oder mehrmaliges Eggen vegetationsfrei gemacht werden, in speziellen Fällen auch durch Abdecken mit schwarzer Gärtnerfolie; Abspritzen mit Herbiziden ist nicht zu empfehlen. Einsaaten (Übersaaten) in bestehende Wiesen ohne Entfernen des alten Wiesenbestandes führen nur mit hohem Aufwand zum Erfolg (siehe [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Botanische_Aufwertung_von_verarmten_Naturwiesen_mittels_Einsaaten «Übersaatmethode»]!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gut abgesetzter Boden“ heisst: Die letzte tiefere Bodenbearbeitung (Pflügen, Eggen, Aufbringen einer Bodenschicht) liegt mindestens drei bis vier Wochen vor der Ansaat. Grund: Ist der Boden bei der Ansaat zu locker, fehlt der sogenannte Bodenschluss, und die jungen Keimlinge laufen Gefahr, nicht richtig wurzeln zu können; zudem ist die Wasserzufuhr aus dem Unterboden mangelhaft, was bei Trockenperioden zu grossen Ausfällen führen kann.&lt;br /&gt;
Unmittelbar vor der Saat darf der Boden falls nötig („Unkrautkur“) nur noch sehr flach (ca. 3 cm tief) geeggt oder gefräst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saatzeitpunkt==&lt;br /&gt;
Die Ansaaten sollten, wenn immer möglich, im April oder Mai erfolgen. Dies gilt nicht für Mahdgutübertragungen, die bei optimaler Reife der Spenderflächen durchgeführt werden müssen, also in der Regel im Juni oder Juli. Spätere Ansaaten können durch Trocken- und Hitzeperioden empfindlich beeinträchtigt werden (v.a. die Gräser). Bei Herbstansaaten sind die Verluste über den Winter ebenfalls meist beträchtlich (insbesondere der Kräuter/Wiesenblumen). Können Ansaaten, z.B. aus Gründen des Erosionsschutzes, nicht im April oder Mai erfolgen, bietet sich der Einsatz von Zwischen- und Deckfrüchten an. Eine Beratung von Fachpersonen ist dabei zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saat==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Hydrosaat mit autochthonem Saatgut 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Hydrosaat mit autochthonem Saatgut.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die angegebene Saatmenge wird je nach Situation und Ausrüstung von Hand oder mit geeigneten Maschinen (Hydroseeder, Sämaschine, Düngerstreuer etc.) oberflächlich ausgebracht. Saatgut nicht in den Boden einarbeiten! Bei kleineren Flächen empfiehlt sich eine Handsaat, wobei je die Hälfte des Saatgutes kreuzweise (d.h. zuerst von links nach rechts, dann von hinten nach vorne) ausgebracht wird, um eine gleichmässige Saat sicherzustellen. Auf lockeren Böden (z.B. Landwirtschaftsflächen) muss unmittelbar nach der Saat gewalzt werden. Geeignet sind Gliederwalzen (z.B. Cambridgewalze). Kleine Flächen können auch „angeklopft“ oder „angestampft“ werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nachsaatpflege im Ansaatjahr==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahdgutuebertr_Keimungsphase mit ebenfalls uebertragener Trockenwiesenschnecke 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Mit der Mahdgutübertragung wurden aus der Trockenwiese Schnecken miteingebracht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Fast alle Pflanzen artenreicher Wiesen keimen erst einige Wochen nach der Ansaat und entwickeln sich auch danach nur sehr langsam. Die „Unkräuter“ dagegen keimen meist sofort nach der letzten Bewegung des Bodens und legen dann sofort mit Wachstum los. Vor allem auf humosen Böden können einjährige Pflanzen aus der bodenbürtigen Samenbank schon nach kurzer Zeit völlig überhandnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt heisst es '''Ruhe bewahren''', denn dies ist normal und beeinträchtigt die spätere Entwicklung der Wiese in keiner Weise. Wichtig ist jedoch, dass nicht zu lange mit dem sogenannten Pflegeschnitt zugewartet wird, damit die Keimlinge der angesäten Arten nicht unter einer dicken Pflanzendecke aufgrund von Lichtmangel absterben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Faustregel''': Sobald der Boden nach der Ansaat stellenweise so stark mit „Unkraut“ bedeckt ist, dass er nicht mehr sichtbar ist, sollte ein Pflegeschnitt durchgeführt werden:&lt;br /&gt;
* Hoch mähen (5-10 cm).&lt;br /&gt;
* Das Mähgut muss abgeführt werden.&lt;br /&gt;
* Eventuell muss der Pflegeschnitt im Ansaatjahr ein zweites Mal durchgeführt werden, wenn sich die einjährigen Arten nochmals rasch entwickeln. &lt;br /&gt;
* Auch wenn vorher kein Pflegeschnitt nötig war: Im Herbst vor dem Einwintern, idealerweise in der ersten Septemberhälfte, sollte ein Pflegeschnitt gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtig ist, im Herbst nochmals einen Blick auf den Bestand zu werfen: '''Die Vegetation sollte nicht höher als fausthoch in den Winter gehen''', damit die jungen Pflänzchen nicht mit einer vom Schnee zusammengedrückten „Vegetationsmatte“ zugedeckt werden. Meist ist deshalb vor dem Einwintern, idealerweise in der ersten Septemberhälfte, zumindest der erste, oder aber einfach der letzte von 2 Pflegeschnitten angesagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwickeln sich Blacken (''Rumex obtusifolius'') oder invasive Neophyten, empfiehlt es sich, diese bereits im Ansaatjahr zu zupfen oder auszustechen. Bei allem anderen „Unkraut“ hilft Jäten nichts, im Gegenteil, der Schaden wäre grösser als der Nutzen, der Pflegeschnitt reicht vollauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft wird vergessen: Im Ansaatjahr ist von den angesäten Arten noch so gut wie nichts zu sehen, und es ist nur schwer zu beurteilen, ob eine Ansaat gelungen ist oder nicht. Im Jahr der Ansaat sollten also keine vorschnellen Urteile über das Gelingen gefällt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bewirtschaftung/Pflege in den Nachfolgejahren==&lt;br /&gt;
Erst im Jahr nach der Ansaat lässt sich erkennen, ob sich die Saat gut entwickelt, und das Gesicht der zukünftigen Wiese beginnt sich nach und nach zu zeigen. Es dauert aber je nach Standort und angesäten Arten meist nochmals ein Jahr oder mehr, bis sich alle Pflanzen richtig etabliert haben und sich ein stabiler Pflanzenbestand entwickelt hat.&lt;br /&gt;
Wie bei einem guten Wein ist bei der Neuansaat artenreicher Wiesen also Geduld angesagt! '''Gut Ding will Weile haben.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch bereits jetzt, im Jahr nach der Ansaat, kann zur regulären Pflege/Nutzung mit jährlich ein bis zwei Mähschnitten übergegangen werden. Die Mahd muss unbedingt dem angestrebten Pflanzenbestand und damit den angesäten Arten angepasst sein. Generelle Empfehlungen sind hier schwierig. Folgendes lässt sich aber allgemein festhalten (siehe auch [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimale_Mahdnutzung Kapitel «Erhalt und Aufwertung durch optimale Mahdnutzung»]):&lt;br /&gt;
* Mehr als zwei Mähschnitte sind bei ungedüngten Wiesen in keinem Fall nötig, sondern schaden der Artenvielfalt und verursachen darüber hinaus unnötig Aufwand, Kosten und Ressourcenverbrauch.&lt;br /&gt;
* Die Mahd sollte in der Regel rund 1-2 Wochen nach der Hauptblüte der Wiese durchgeführt werden, damit ein Absamen möglich ist. In vielen Fällen liegt der optimale erste Schnittzeitpunkt in den tieferen Lagen in der zweiten Juni- oder in der ersten Julihälfte.&lt;br /&gt;
* Wo keine Vorgaben für den ersten Schnittzeitpunkt bestehen (z.B. bei Ökoflächen in der Landwirtschaft), ist eine jährliche Variation des Schnittregimes für die Artenvielfalt förderlich (mal eher früh, mal eher spät mähen etc.).&lt;br /&gt;
* Bei der Mahd immer kleine Reste stehen lassen, damit sich dort Tiere in die verbleibenden Strukturen zurückziehen und sich spät blühende Arten noch bis zur Samenreife entwickeln können. Am besten ist es, bei jedem Schnitt 10% der Fläche in Form von Rückzugsstreifen ungemäht zu lassen, jedes Mal wieder an einem anderen Ort. Empfehlenswert ist auch eine gestaffelte Mahd (kleinflächig unterschiedliche Schnittzeitpunkte mit mindestens 3 Wochen Intervall), wo dies vom Aufwand her möglich ist.&lt;br /&gt;
* Wenn möglich nach der Mahd Bodenheu bereiten, d.h. das Gras am Ort an 2-3 niederschlagsfreien Tage trocknen, damit die Pflanzensamen ausreifen und ausfallen können.&lt;br /&gt;
* Das Mähgut ist auf jeden Fall abzuführen. Mulchen vermindert in der Regel die Pflanzenartenvielfalt rasch.&lt;br /&gt;
* Entwickeln sich Stumpfblättriger Ampfer („Blacken“) oder invasive Neophyten wie amerikanische Goldruten oder Einjähriges Berufskraut, müssen diese regelmässig und möglichst von Beginn an gejätet werden. Je früher und konsequenter man damit beginnt, desto mehr Arbeit lässt sich längerfristig sparen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer diese Empfehlungen befolgt, kann schon nach 1-2 Jahren mit einer farbenprächtigen Blumenwiese rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Biodiversität nach erfolgreicher Ansaat noch wirksamer gefördert werden soll, ist zu empfehlen, die Blumenwiese mit Strukturen&amp;lt;!--Link auf Kleinstrukturen, wenn aufgeschaltet--&amp;gt; wie Asthaufen, einer Trockenmauer, Kiesflächen&amp;lt;!--Link auf Pionierflächen, wenn aufgeschaltet--&amp;gt;, einem kleinen [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Teich], einer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Hecke Hecke] oder Einzelbäumen weiter aufzuwerten (siehe auch [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Allgemeine_Massnahmen Allgemeine Massnahmen]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/localseed/richtig-ansaeen/ HoloSem&amp;lt;sup&amp;gt;®&amp;lt;/sup&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Information und Motivation für eine anspruchsvolle Verbundaufgabe=&lt;br /&gt;
Bei Wiesenaufwertungen und artenreichen Grünlandansaaten die richtige Methode zur richtigen Zeit am richtigen Standort zu wählen, um so die Biodiversität optimal fördern zu können, ist anspruchsvoll und nicht selten auch mit Zusatzaufwand und Hindernissen verbunden. Das lassen die bisherigen Ausführungen nicht übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend wichtig ist es, die vielen Akteure auf den verschiedenen Stufen der Entscheidungsprozesse immer wieder auf die Wichtigkeit und die Chancen von Wiesenaufwertungen aufmerksam zu machen und sie über die verschiedenen Möglichkeiten und die Vor- und Nachteile der verfügbaren Methoden zu informieren und weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Informations- und Motivationsaufgabe ist umso grösser, als sehr unterschiedliche Akteure letztlich daran beteiligt sind, wo welche Aufwertungen wie realisiert werden (oder auch nicht realisiert werden). Landschaftsarchitekten, Gartenarchitekten, Umweltbaubegleiter, Umweltverantwortliche, bodenkundliche Begleitplaner, Begrüner, Bauherren, Ökobüros, verschiedenste Amtsstellen von der Gemeinde bis zum Bund, Schulen, Weiterbildungsinstitutionen etc. etc. – und nicht zuletzt Landwirtinnen und Landwirte: Sie alle entscheiden regelmässig mit, was draussen in der Landschaft vor unserer Haustüre passiert. Es ist zu wünschen, dass das vorliegende Informationsangebot (vom Verein biodivers) dazu beiträgt, dass diese Herausforderung in Zukunft noch besser zu meistern, damit die unzähligen Chancen von Naturaufwertungen noch gezielter genutzt werden können als bisher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Weiterführende Literatur=&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier Der Weg zu artenreichen Wiesen. Agridea-Merkblatt, 2010.]&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~2591~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Direktbegr%C3%BCnung-artenreicher-Wiesen-in-der-Landwirtschaft/Deutsch/Print-Papier Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft. Leitfaden für die Praxis zum Einsatz von regionalem Saatgut in Biodiversitätsförderflächen, Agridea, 2015.]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität, Bosshard et al. 2015]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Guideline_restoration_deutsch.pdf Leitfaden zur Renaturierung von artenreichem Grünland. SALVERE 2012]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/08/Wiesenrenaturierung_NuL_2000.pdf Blumenreiche Heuwiesen aus Ackerland und Intensiv-Wiesen. Eine Anleitung zur Renaturierung in der landwirtschaftlichen Praxis. Naturschutz und Landschaftsplanung 32/6 (2000), 161-171.]&lt;br /&gt;
* Gürke, J., Hrsg.: Pro Natura, 2014. Blumenwiesen anlegen und pflegen, Pro Natura Praxis Nr. 21.&lt;br /&gt;
* Kirmer A., Krautzer B., Scotton M., Tischew S. (Hrsg.) 2012: Praxishandbuch zur Samengewinnung und Renaturierung von artenreichem Grünland. Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein.&lt;br /&gt;
* Kiehl K., Kirmer A., Shaw N., Tischew S. (Hrsg.) 2014: Guidelines for Native Seed Production and Grassland Restoration. Cambridge Scholars Publishing&lt;br /&gt;
* Brönnimann D. und Minloff L., 2015: Entwicklung von angesäten extensiven Wiesen im Naturnetz Pfannenstil. Bachelorarbeit&lt;br /&gt;
* Zemp-Lori N., 2016: Besiedlung angesäter extensiver Wiesen durch Tagfalter im Naturnetz Pfannenstil. Bachelorarbeit&lt;br /&gt;
* [https://www.research-collection.ethz.ch/handle/20.500.11850/143994 Renaturierung artenreicher Wiesen auf nährstoffreichen Böden. Ein Beitrag zur Optimierung der ökologischen Aufwertung der Kulturlandschaft und zum Verständnis mesischer Wiesen-Ökosysteme. Dissertationes Botanicae Band 303, Stuttgart 1999.]&lt;br /&gt;
* [https://www.agraroekologie.ch/wp-content/uploads/2016/10/NuL07-10_Mueller_Bosshard.pdf Altgrasstreifen fördern Heuschrecken in Ökowiesen – Eine Möglichkeit zur Strukturverbesserung im Mähgrünland. Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (7), 2010, 212-217.]&lt;br /&gt;
* Grün Stadt Zürich, Fachbereich Naturschutz, 2010. Pflegeverfahren. Ein Leitfaden zur Erhaltung und Aufwertung wertvoller Naturflächen, Leitfaden. Zürich.&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/begruenungen/fachunterlagen/ Weitere Literatur siehe HoloSem / Fachunterlagen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Aufwand und Kosten der beschriebenen Massnahmen enthalten folgende Unterlagen Informationen und Hilfeleistungen:&lt;br /&gt;
* Saatgutkataloge und Webseiten der genannten [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Anwendung_und_Bezug_von_Blumenwiesen-Standardsaatgut Anbieter] von Standard- und autochthonem Saatgut&lt;br /&gt;
* Normpositionenkataloge (nur käuflich erwerblich)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Aufwand und Kosten der beschriebenen Massnahmen enthalten folgende Unterlagen Informationen und Hilfeleistungen:&lt;br /&gt;
* Saatgutkataloge und Webseiten der [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Anwendung_und_Bezug_von_Blumenwiesen-Standardsaatgut genannten Anbieter] von Standard- und autochthonem Saatgut&lt;br /&gt;
* Normpositionenkataloge (nur käuflich erwerblich)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = WiesenhausMatzingen_auchHaeuser_eignen_sich_fuer_artenreiche_Wiesen 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Auch Häuser eignen sich für artenreiche Wiesen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland =&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland#Einleitung Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen Grundlagen]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || Andreas Bosshard|| [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Unter Mitwirkung von || Regula Benz||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Jean-Yves Humbert|| [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Andrea Lips ||  [https://www.pronatura.ch/de Pro Natura]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Winu Schüpbach|| [https://www.quadragmbh.ch/ quadra gmbh] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat&amp;diff=4714</id>
		<title>Grünland/Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat&amp;diff=4714"/>
				<updated>2023-03-05T17:51:20Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: /* Weitere Verfahren */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Revalorisation et création de prairies riches en espèces par enherbement direct et ensemencement]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahd Spenderfläche 1 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Ein monotoner Bestand lässt sich mit verschiedenen Methoden innert relativ kurzer Zeit in eine blüten- und artenreiche Wiese umwandeln. In diesem Artikel werden die verschiedenen Verfahren für die Aufwertung von Wiesen vorgestellt. Das Foto zeigt die Mahd einer Spenderfläche früh am Morgen bei feuchter Vegetation.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
{{TOC limit|3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Einleitung=&lt;br /&gt;
Die Neuanlage oder Wiederherstellung artenreicher Wiesen ist eine der wirksamsten Massnahmen zur Förderung der Artenvielfalt. Eine artenreiche Wiese kann 30 bis über 60 Pflanzenarten auf einem einzigen Quadratmeter aufweisen.&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Weltweit können in keinem anderen Ökosystem oder Lebensraum so viele Pflanzenarten auf so kleinen Flächen zusammen existieren. Und eine ökologische Faustregel besagt, dass pro etablierter Pflanzenart 10 Tierarten vorkommen. &lt;br /&gt;
Schon auf wenigen Quadratmetern kann also bei einer Neuschaffung einer artenreichen Wiese enorm viel für die Biodiversität getan werden. Der Artikel beschreibt, mit welchen Methoden artenreiches Wiesland neu geschaffen werden kann, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Methoden haben, und auf welchen Standorten welche mehr oder weniger artenreichen Wiesentypen realistischerweise angestrebt werden können. Die Ausführungen richten sich primär an Praktiker, die bei ihrer Tätigkeit aber nicht nur nach Rezept handeln, sondern auch die ökologischen Zusammenhänge verstehen möchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; während in intensiv genutzten Wiesen oder Rasenflächen als Vergleich höchstens ein gutes Dutzend Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--vorläufig weglassen: == Sich verändernde Ziele und Fragestellungen ==&lt;br /&gt;
Die Neuschaffung und Aufwertung von artenreichen Wiesen kam erst in den 1990er Jahren in grösserem Ausmass auf. Die agrarpolitischen Diskussionen um die enorme Zerstörung der Biodiversität durch die immer intensivere Landwirtschaft führte zur Suche nach Alternativen. Erstmals wurde in den 1990er Jahren in der Schweiz ein Mindestanteil an naturnahen Flächen für jeden Landwirtschaftsbetrieb vorgeschrieben, und es entstanden Bemühungen, die in einigen Teilen der Schweiz praktisch verschwundenen, ehemals fast flächendeckend vorhandenen artenreichen Wiesen mit Ansaaten wieder zurück in die landwirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft zu bringen. Aber auch in Naturschutzgebieten, bei Verkehrsprojekten oder im Siedlungsgebiet wurde zunehmend artenreiches Wiesland neu geschaffen. Entscheidend war dabei, dass entsprechende hochwertige, artenreiche Saatgutmischungen zumindest für trockenere Standorte nun auf dem Markt erhältlich waren. &lt;br /&gt;
Wie der Artikel in einem kurzen historischen Abriss beschreibt, hat sich seit den ersten systematischen Versuchen mit artenreichen Wiesenansaaten in den 1980er und 1990er-Jahren viel verändert. Bis heute kommt laufend neues Wissen dazu, werden neue Ansaatmethoden entwickelt oder kommen neue Saatgutmischungen und -verfahren auf den Markt. Gleichzeitig haben sich das Bewusstsein, die Prioritäten und die Zielsetzungen bei der Neuschaffung artenreichen Wieslandes immer wieder verändert. &lt;br /&gt;
Seit wenigen Jahren wird beispielsweise nicht nur auf die eingebrachten Pflanzenarten, sondern auch auf die genetische Vielfalt innerhalb der Arten geachtet. Zunehmend wird deshalb heute in der Schweiz und der EU die Verwendung lokaler oder regionaler Ökotypen gefordert und sogar in neuen Rechtserlassen vorgeschrieben. Wurde früher fast ausschliesslich Standardsaatgut verwendet, gab dieser Bewusstseinswandel der Anwendung von Direktbegrünungsverfahren starken Auftrieb.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Standardsaatgut und Direktbegrünung – eine Begriffsklärung==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ArtenreichesAutochthSaatgut_Ernte_aus_eBeetle 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Artenreiches, autochthones Saatgut&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit der Förderung und Schaffung artenreicher Wiesen werden einige nicht allgemeinverständliche Fachbegriffe verwendet. Die wichtigsten sollen hier kurz erläutert werden – zumal einige noch „jung“ sind und ihre Anwendung deshalb oft nicht einheitlich erfolgt, was Verwirrung stiften kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bezeichnung von Saatguttypen und Saatgutherkünften''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das bis vor wenigen Jahren übliche Saatgut für die Ansaat artenreicher Wiesen war '''''Standard'''saatgut''. Bei Standardsaatgut wird jede einzelne Art in Reinkultur zur Gewinnung von Samen angebaut und das geerntete Saatgut dann nach einer bestimmten Rezeptur zusammengemischt. Man spricht deshalb auch von ''Vermehrungssaatgut''. Das Ursprungssaatgut stammt entweder von Wildpflanzen (sog. ''Basissaatgut''), oder es werden Zucht- bzw. Handelssorten verwendet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wenn eine Saatgutmischung ganz aus Arten besteht, deren Basissaatgut von besammelten Wildpflanzen einer bestimmten Region stammt und das Saatgut anschliessend in derselben Region vertrieben wird, wird vor allem in Deutschland von '''''Regio'''saatgut'' gesprochen. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dem Standardsaatgut stehen die sogenannten '''''Direktbegrünungsverfahren''''' gegenüber. Dabei wird das Saatgut direkt auf geeigneten Spenderwiesen als Samengemisch geerntet und ohne Zwischenvermehrung auf die Ansaat- oder Empfängerfläche übertragen. Die Methode wird deshalb auch als „Wiesenkopierverfahren“ bezeichnet. Dabei kommen verschiedene Ernte- und Übertragungsmethoden zur Anwendung wie Mahdgutübertragung, der Mähdrusch oder die Sodenversetzung. In Abgrenzung zum Regiosaatgut wird das Saatgut aus Direktbegrünungsverfahren '''''autochthones''''' (oder manchmal auch '''lokales''') Saatgut genannt. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Begriffsdefinitionen werden in den deutschsprachigen Ländern allerdings noch nicht überall einheitlich verwendet. So wird teilweise auch autochthones Saatgut als Regiosaatgut bezeichnet, oder Direktbegrünung wird teilweise nicht als Überbegriff, sondern synonym mit Mahdgutübertragung gebraucht. Heugrassaat wird auch als synonymer Ausdruck für Direktbegrünung, Ökotypensaatgut für Regiosaatgut, oder Handelssaatgut bzw. Regelsaatgut für Standardsaatgut verwendet. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Weitere wichtige Fachbegriffe''', die in diesem Artikel genannt werden, sind jeweils im Text näher erläutert, oder ihre Bedeutung erschliesst sich ohne weitere Erläuterung aus dem Zusammenhang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Neuanlage artenreicher Wiesen: Kurzer historischer Rückblick auf eine dynamische Entwicklung=&lt;br /&gt;
Artenreiches Wiesland aus Naturschutzgründen neu zu schaffen wurde erstmals in den 1960er Jahren in grösserem Stil praktiziert. (vgl. Bosshard &amp;amp; Klötzli 2003 &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;). Dabei war das Interesse ganz auf nährstoffarme Standorte in Schutzgebieten gerichtet. Als Methoden dienten eine natürliche Besiedlung mit Arten aus der Umgebung, aber auch Mahdgutübertragungen, Pflanzungen oder Sodenversetzungen kamen damals bereits zur Anwendung. Käufliche Saatgutmischungen mit den gewünschten einheimischen Arten existierten damals keine. Die verfügbaren Mischungen stammten alle aus dem Ausland. Sie enthielten nicht-einheimische Arten und sogar Zuchtsorten, die im Widerspruch standen zu den naturschützerischen Zielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Bosshard A. &amp;amp; F. Klötzli 2003: Restoration Ecology. In: Bastian O. &amp;amp; U. Steinhardt (Hrsg.): Development and Perspectives in Landscape Ecology: conceptions, methods, application. Kluwer. ISBN 1-4020-0919-4.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfolg durch neue Saatgutmischungen==&lt;br /&gt;
Erst Ende der 1980er Jahre gab der Naturschutz seinen fast ausschliesslichen Fokus auf Schutzgebiete auf und erkannte, dass die Biodiversität nur erhalten werden kann, wenn Naturschutzmassnahmen vermehrt flächenwirksam etabliert, d.h. auch ausserhalb von Naturreservaten neue artenreiche Flächen geschaffen werden können. Damit rückte die landwirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft und somit auch nährstoffreichere Flächen ins Zentrum von Aufwertungsbemühungen. &lt;br /&gt;
Da im Kulturland in den tieferen Lagen kaum noch artenreichere Biotope existierten, wurden in verschiedenen Teilen der Schweiz und in anderen Ländern Europas Projekte lanciert, welche in Zusammenarbeit mit Landwirtschaftsbetrieben ökologische Aufwertungen planten und realisierten. Eines dieser Projekte war „Landwirtschaft und Naturschutz aus Bauernhand“ &amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;. Politisch und institutionell breit abgestützt, entwickelte und testete das Pilotprojekt Anfang der 1990er Jahre auf neun Landwirtschaftsbetrieben im Kanton Zürich Massnahmen für eine zukünftige Agrarpolitik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt; Landwirtschaft und Naturschutz aus Bauernhand. Schlussbericht des CH91-Pilotprojektes auf 9 Bauernhöfen im Kanton Zürich 1989-1991. Zürcher Vogelschutz, Zürcher Naturschutzbund, WWF Sektion Zürich und Zürcher Bauernverband, Zürich. 58 S.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Artenvielfalt auch auf nährstoffreichen Böden möglich?==&lt;br /&gt;
Unter diesen Massnahmen waren auch erste Versuche, bei denen damals neu verfügbares Saatgut mit verschiedenen Arten blumenreicher Wiesen ausgetestet wurde. Denn bereits damals war aufgrund vieler Untersuchungen klar, dass die Samen der meisten Wiesenarten nur kurzfristig im Boden überleben&amp;lt;!-- Link auf Pflanzenartikel, wenn dort Infos zu Lebensdauer von Samen ergänzt worden ist --&amp;gt;. Das heisst, dass eine intensive Nutzung über drei oder vier Jahren bereits genügte, um die Pflanzenarten artenreicher Wiesen zum Verschwinden zu bringen. Eine Wieder-Extensivierung der Nutzung bringt sie – auch nach jahrelangem Warten – alleine nicht zurück. Vielmehr müssen sie jeweils neu eingebracht, sprich angesät werden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Allerdings war völlig unklar, ob sich die eingebrachten Arten auf den nährstoffreichen Böden überhaupt etablieren können. Zumindest widersprach dies der damals vertretenen ökologischen Lehre. Nichtsdestotrotz entwickelten sich bei den Versuchsansaaten des Zürcher Pilotprojektes auf vorher intensiv genutzten Ackerflächen im zweiten Jahr tatsächlich niederwüchsige, artenreiche, an Magerwiesen erinnernde Wiesenbestände. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser unerwartete Erfolg gab Anlass zu einer Dissertation. Auf zahlreichen Landwirtschaftsbetrieben in der Ostschweiz wurden auf über einem Dutzend Hektar unzählige Versuchsflächen mit verschiedenen Mischungsvarianten von Wiesenkräutern, -leguminosen und -gräsern angelegt (Bosshard 1999 &amp;lt;sup&amp;gt;4&amp;lt;/sup&amp;gt;). Die ersten Versuche führten allerdings zu instabilen Pflanzenbeständen, die nach wenigen erfolgreichen Jahren vergrasten und den Grossteil der eingesäten Arten wieder verloren. Durch Verbesserungen in der Artenzusammensetzung, insbesondere der Gräserkomponente, gelang es schliesslich, auch auf vorher intensiv genutzten Böden langfristig stabile Blumenwiesenbestände zu etablieren. Als Resultat der Dissertation wurden vier Mischungsvarianten empfohlen, die heute als ''Salvia'', ''Humida'', ''Broma'' und ''Montagna'' auf dem Schweizer Markt breit etabliert sind und mit denen mittlerweile Hunderte, wenn nicht Tausende von Hektaren artenreicher Wiesen angesät worden sind und weiterhin angesät werden, vor allem in der Landwirtschaft, aber auch zunehmend im Siedlungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;4&amp;lt;/sup&amp;gt; Bosshard A. 1999: Renaturierung artenreicher Wiesen auf nährstoffreichen Böden. Ein Beitrag zur Optimierung der ökologischen Aufwertung der Kulturlandschaft und zum Verständnis mesischer Wiesen-Ökosysteme. Dissertationes Botanicae Band 303 Stuttgart. 201 S. [https://www.research-collection.ethz.ch/handle/20.500.11850/143994 Online-version]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Breites Saatgutangebot, erfolgreiche Mischungen==&lt;br /&gt;
Dass dies überhaupt möglich war, ist der engagierten Pionierarbeit verschiedener Saatgutfirmen zu verdanken, die ab Mitte der 1990er Jahre in der Schweiz ein immer breiteres Spektrum an typischen Wiesenblumenarten Schweizerischer Herkunft für die neuen Mischungen verfügbar machten. Seit einigen Jahren besteht nun auch bei den Wiesengräsern ein breites Angebot an einheimischen Ökotypen für diese Mischungen.&lt;br /&gt;
Die Erfolgsrate der artenreichen Ansaaten in der Landwirtschaft beträgt mittlerweile über 90% gemessen am botanischen Qualitätsniveau QII (s. folgendes Kapitel). Dabei zeigen umfangreiche Datensätze, dass auf trockeneren Standorten die Artenzahl und der Blumenanteil im Laufe der Jahre eher zunimmt, während an feuchteren oder schattigeren Standorten bei den bestehenden Standard-Blumenwiesenmischungen die gegenteilige Tendenz besteht &amp;lt;sup&amp;gt;5&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Die hohe Erfolgsrate hängt allerdings nicht nur mit optimiertem Saatgut zusammen, sondern ist gerade im nährstoffreicheren Böden auch stark abhängig von einer korrekten Durchführung der Ansaat (s. Kap. [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Herkunft_des_Saatgutes:_Empfehlungen.2C_Standards_und_rechtliche_Vorgaben &amp;quot;Herkunft des Saatgutes: Empfehlungen, Standards und rechtliche Vorgaben&amp;quot;]. Auch wenn dazu bisher keine systematischen Auswertungen vorliegen, scheinen die Erfolgsraten in Kantonen, bei denen für Wiesenaufwertungen eine Beratung/Begleitung angeboten wird oder obligatorisch ist (z.B. LU, AG, TG), deutlich höher zu liegen als in den übrigen Regionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;5&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. Brönnimann &amp;amp; Minloff 2015 sowie bisher unveröffentlichte Monitoringresultate aus verschiedenen Kantonen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fördersystem für Blumenwiesen in der Schweizer Landwirtschaft==&lt;br /&gt;
Der hauptsächliche Treiber der Blumenwiesenansaaten auf Landwirtschaftsflächen ist der finanzielle Anreiz durch das Direktzahlungssystem. Im Zuge der Agrarreform wurden nämlich ab dem Jahr 2001 sogenannte „Öko-Qualitätsbeiträge“ (ab 2014 als sog. Biodiversitätsförderflächen-QII-Beiträge bezeichnet, kurz BFF-QII) eingeführt. Diese werden ausbezahlt, wenn in einer angemeldeten Ökowiese innerhalb einer Aufnahmefläche von 3 m Radius mindestens 6 Pflanzenarten aus einer [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1547~1/3~410245~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Beitr%C3%A4ge-und-Bedingungen-im-%C3%96koausgleich/Zeigerpflanzen-Wiesen-BFF-Alpennordseite/Deutsch/Print-Papier Liste von rund 45 Zeigerpflanzenarten] nachgewiesen werden. In den letzten Jahren sind diese Qualitätsbeiträge laufend angestiegen, während die „Basis-Biodiversitätsbeiträge“ im gleichen Masse abgenommen haben. Damit stieg die Attraktivität der Ansaaten entsprechend. Bereits nach 1-2 Jahren sind dank den Biodiversitätsbeiträgen die Kosten einer Neuansaat nicht selten amortisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ökologische Bedeutung von Direktbegrünungsverfahren=&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Ansaat_eines_gefrästen_Streifens_mit artenr_autochth_Saatgut 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Ansaat eines gefrästen Streifens mit autochthonem Saatgut.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die Blumenwiesenmischungen mit Ökotypen aus Schweizer Herkunft wurden bald so zahlreich eingesetzt, dass diese Entwicklung von Seiten der Ökologie und des Naturschutzes zunehmend kritisiert wurde. Denn alle neu angesäten Wiesen sahen landauf landab sehr ähnlich aus, hatten immer fast dieselbe Artenzusammensetzung und basierten alle auf denselben paar wenigen Ökotypen aus dem Ursprungssaatgut der Saatgutfirmen, egal ob die angesäten Wiesen im Wallis, im Seeland, im Randen oder im Bündnerland lagen. Diese Standardisierung steht im Kontrast zur enormen Vielfalt verschiedener Wiesentypen, die sich im Naturwiesland der Schweiz von Region zu Region in Bezug auf ihre typische Artenzusammensetzung stark unterschieden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Immer mehr Untersuchungen der letzten Jahre wiesen ausserdem darauf hin, dass kleinräumig eine grosse genetische Vielfalt auch innerhalb jeder Pflanzenart besteht. Je grösser die Entfernung und je unterschiedlicher das Klima zwischen zwei Herkunftsregionen ist, umso deutlicher fallen auch die genetischen Unterschiede aus &amp;lt;sup&amp;gt;6&amp;lt;/sup&amp;gt;. Dies zeigt sich auch im ökologischen Verhalten. Viele der untersuchten Wiesenarten wuchsen besser, wenn die Pflanzen regionaler Herkunft waren. So lieferten die regionalen Gewächse im Schnitt beispielsweise zehn Prozent mehr Blütenstände als Artgenossen, die aus anderen Gegenden stammten &amp;lt;sup&amp;gt;7&amp;lt;/sup&amp;gt;. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von Tal zu Tal, ja von Wiese zu Wiese bestehen genetische Anpassungen und Unterschiede, sogenannte Ökotypen. Diese innerartliche genetische Vielfalt ist zwar äusserlich oft nur schwer zu erkennen, aber ökologisch von grosser Bedeutung. Denn sie bedeutet eine Anpassung an die unterschiedlichsten Standorts- und Nutzungsbedingungen und ist damit eine wichtige Voraussetzung für die Stabilität von Ökosystemen. So konnten Untersuchungen zeigen, dass der Deckungsgrad höher und damit der Ansaaterfolg besser sind, wenn Ökotypen aus der Region statt Saatgut von weiter entfernt liegenden Gegenden verwendet wird. Im Gegenzug konnten sich weniger unerwünschte, nicht angesäte Arten (z.B. Neophyten) etablieren (Weisshuhn et al. 2012 &amp;lt;sup&amp;gt;8&amp;lt;/sup&amp;gt;). Ein deutliches Indiz dafür, dass diese Pflanzen regional angepasst sind. Sie kommen also in der Nähe ihrer ursprünglichen Herkunft besser zurecht. Andere Untersuchungen zeigen, dass die Inzucht von autochthonem Saatgut geringer ist als von Vermehrungssaatgut &amp;lt;sup&amp;gt;9&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;6&amp;lt;/sup&amp;gt; z.B. Durka, W. et al. (2016): Genetic differentiation within multiple common grassland plants supports seed transfer zones for ecological restoration. – Journal of Applied Ecology 54/1, 116-126. [https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1365-2664.12636 PDF].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;7&amp;lt;/sup&amp;gt; Durka W. et al. (2019): Regionales Saatgut von Wiesenpflanzen: genetische Unterschiede, regionale Anpassung und Interaktion mit Insekten. Natur und Landschaft 94/4, 146-153. [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/News/Regionales%20Saatgut%20von%20Wiesenpflanzen.pdf PDF]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;8&amp;lt;/sup&amp;gt; Weisshuhn K., Prati D., Fischer M., Auge H. (2012): Regional adaption improves the performance of grassland plant communities. Basic and Applied Ecology 13/6, 551-559. [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1439179112000710 Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;9&amp;lt;/sup&amp;gt; Aavik T., Bosshard D., Edwards P., Holderegger R., Billeter R. (2014): Genetische Vielfalt in Wildpflanzen-Samenmischungen. Agrarforschung Schweiz 5 (1): 20–27. [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Aavik_et_al_Agrarfo2014.pdf PDF]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Herkunft des Saatgutes: Empfehlungen, Standards und rechtliche Vorgaben=&lt;br /&gt;
Um die genetische Vielfalt auf Ökotypenebene zu berücksichtigen, hat bereits 1998 die schweizerische Kommission für die Erhaltung von Wildpflanzen (SKEW), heute Teil von Info Flora, Empfehlungen herausgegeben. Diese verlangen, dass das verwendete Saat- und Pflanzgut für Blumenwiesen aus der gleichen biogeographischen Region wie die Empfänger-Parzelle stammen soll. Bei häufigen, taxonomisch wenig differenzierten Arten sollen die sechs Grossregionen der Schweiz – d. h. Jura, Mittelland, Alpennordflanke, westliche und östliche Zentralalpen und Südalpen – eingehalten werden (siehe Abbildung). Taxonomisch schwierige Arten mit unregelmässiger Verbreitung sollen die elf Kleinregionen einhalten. Ausserdem ist es gemäss den Empfehlungen wichtig, standörtliche und regionale Unterschiede wie Höhenlage, Bodenverhältnisse und Exposition zu berücksichtigen. Nur so entspricht die zu begrünende Fläche den ökologischen Anforderungen der eingebrachten Arten. Die Empfehlungen verlangen auch, dass die gefährdeten Arten nicht in Samenmischungen gehandelt werden. Für diese gelten [https://www.infoflora.ch/de/flora/ansiedlung.html spezifische Richtlinien]. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Richtlinien von Info Flora entsprechen dem, was auch in verschiedenen Gesetzen und Verordnungen verlangt wird, insbesondere im Natur- und Heimatschutzgesetz, welches verlangt, die einheimische Tier- und Pflanzenwelt sowie ihre biologische Vielfalt und ihren natürlichen Lebensraum zu schützen &amp;lt;sup&amp;gt;10&amp;lt;/sup&amp;gt;. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Praxis finden die Richtlinien von Info Flora leider nur sehr begrenzt Berücksichtigung. Die eine Seite des Problems liegt beim Handel. Auch wenn die Saatgutfirmen die Herkünfte kennen und getrennt vermehren, werden sie – aus logistischen Gründen und den damit verbundenen Kosten –leider nicht so gekennzeichnet. Der Nutzer kann damit beim Kauf von Standardsaatgut die Empfehlungen gar nicht so einhalten, weil die Herkünfte in den Handels-Saatgutpackungen vermischt sind. Gewisse Kantone haben für landwirtschaftliche Ansaaten mit Saatgutproduzenten Abmachungen und erhalten spezifische Mischungen von und für ihre Region, die den Lebensräumen angepasst sind – dies ist aber leider die Ausnahme. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite sind die Richtlinien auch bei den Anwendern noch sehr oft nicht angekommen. So wird in der Praxis oft auch dort, wo Saatgut gemäss den Info Flora-Empfehlungen verfügbar wäre, dieses oft nicht berücksichtigt mangels Wissens oder als Folge fehlerhafter Ausschreibungen. Dies ist insbesondere im Verkehrsbereich (Böschungsbegrünungen etc.) der Fall, wo jedes Jahr Hunderte von Hektaren neu begrünt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = biogeografische Regionen CH.png&lt;br /&gt;
| text = Die Biogeographischen Regionen der Schweiz: blau = Jura und Randen; hellgrün =  Hochrhein- und Genferseegebiet; dunkelgrün = Westliches Mittelland; grün = Östliches Mittelland; hellblau = Voralpen; dunkelblau = Nordalpen; gelb = Westliche Zentralalpen, orange = Östliche Zentralalpen; rot = Südalpen; braun = Südlicher Tessin &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Quelle: Gonseth, Y.; Wohlgemuth, T.; Sansonnes, B.; Buttler, A. (2001): Die biogeographischen Regionen der Schweiz. Erläuterungen und Einteilungsstandard. Umwelt Materialien Nr. 137 Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft Bern. 48 Seiten.).&lt;br /&gt;
}}                                                                       &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der grossflächig stattfindenden Uniformierung und Florenverfälschung &amp;lt;sup&amp;gt;11&amp;lt;/sup&amp;gt; durch nicht den Richtlinien entsprechenden Saatgutmischungen nahm der Druck zu, vermehrt autochthones Saatgut lokaler Provenienz zu verwenden, wo die Herkunft im Detail nachgewiesen werden kann (vgl. dazu Tab. 1). 2014 wurde die Direktzahlungsverordnung mit einem Passus ergänzt, der für landwirtschaftliche Blumenwiesenansaaten im Rahmen der Verfügbarkeit die Anwendung von Direktbegrünungen vorschreibt (DZV Art. 58 Abs. 8). Deutschland geht noch einen Schritt weiter und verlangt ab 2020 generell bei der Neuanlage von Grasland in der freien Landschaft die Verwendung von gebietseigenem Saatgut (BNatSchG §40).&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Bewusstseinswandel und die damit einhergehende teilweise angepasste Rechtslage gab der Anwendung von Direktbegrünungsverfahren starken Auftrieb. So werden in der Schweiz immer häufiger Mahdgutübertragungen durchgeführt, und dies bei korrekter Anwendung mit durchwegs guten Erfolgen &amp;lt;sup&amp;gt;12&amp;lt;/sup&amp;gt;. Da Mahdgutübertragungen v.a. aus logistischen Gründen oft nur beschränkt eingesetzt werden können, wurden in den letzten 10 Jahren verschiedene Ernteverfahren für autochthones Saatgut entwickelt oder weiterentwickelt (s. Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Direktbegr.C3.BCnungsverfahren Direktbegrünungsverfahren]). Damit kann das Saatgut aus den Spenderflächen getrocknet, gereinigt und abgesackt werden. Das Saatgut kann damit in Bezug auf die Ansaattechnik und den Ansaatzeitpunkt genau so flexibel wie Standardsaatgut eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;10&amp;lt;/sup&amp;gt; Vgl. die ausführliche Zusammenstellung und Interpretation der rechtlichen Grundlagen im [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen], Seiten 11-15.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;11&amp;lt;/sup&amp;gt; Begriffserklärung und Beispiele siehe Box «Florenverfälschung».&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;12&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. Studie &amp;lt;!-- noch nicht beschaffen können: Wolfgang Bischoff/Pro Natura und Studie --&amp;gt;Pro Natura/Ö+L 2017 ([http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/05/BerichtAnsaatenArtenreicheWiesenKtAG2014-16.pdf PDF]).&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Engpass Spenderflächen==&lt;br /&gt;
Vor allem im Mittelland und einigen Voralpenregionen sind geeignete Spenderflächen allerdings so rar, dass die Produktion von autochthonem Saatgut den potenziellen Bedarf bei weitem nicht abdecken kann. In diesen Regionen wird Standardsaatgut mit Ökotypen aus diesen Regionen auch in Zukunft ein wichtiger Pfeiler für die Renaturierung von artenreichen Wiesen bleiben – dies umso mehr, da für das Mittelland beim Standardsaatgut auch das grösste Angebot an Arten existiert. Im Berggebiet und auf der Alpensüdseite dagegen besteht sowohl in Anbetracht der sehr unterschiedlichen Standortsbedingungen und Höhenlagen, als auch aufgrund des sehr begrenzten Angebotes von Arten aus den betreffenden biogeographischen Regionen kaum geeignetes Standardsaatgut. Dafür sind in diesen Regionen Spenderflächen meist noch zahlreich verfügbar, so dass hier in Zukunft vorwiegend autochthones Saatgut zum Einsatz kommen dürfte. Von der bisherigen Praxis, in diesen Regionen Mischungen mit Ökotypen aus dem Mittelland zu verwenden, sollten die zuständigen Amtsstellen und weiteren Akteuren wegkommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Was ist «Florenverfälschung»?''' &amp;lt;br /&amp;gt; Unter Florenverfälschung wird die Beeinträchtigung der einheimischen Pflanzen-Biodiversität durch die Einführung fremder Pflanzenarten oder fremder Ökotypen verstanden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schädigende Auswirkungen auf die Biodiversität können von folgenden zwei Prozessen ausgehen:&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
a) Heimische Arten oder Ökotypen werden durch die eingebrachten Arten oder Ökotypen verdrängt. Bekannt sind die Auswirkungen invasiver Neophyten, also sich aggressiv ausbreitende Pflanzenarten aus anderen Kontinenten wie de Goldruten (''Solidago canadensis'') oder der Japanknöterisch (''Reynoutria japonica''). Auch einheimische Arten können invasiv sein, z. B. Schilf (''Phragmites australis'') oder Klappertopf (''Rhinanthus alectorolophus''). Ein Beispiel für eine Ökotypen-Invasion stellt der europäische Schilfrohr-Ökotyp in Amerika dar, der dortige Populationen weitgehend verdrängt hat (vgl. Kowarik 2003).&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
b) Die vorhandenen lokalheimischen Ökotypen kreuzen sich mit den eingebrachten Ökotypen und verlieren dadurch ihre spezifischen, zum Teil ausgeprägten physiologischen und ökologischen Anpassungen an die lokalen Bedingungen (Klima, Standort, Bewirtschaftung). Mit der Einkreuzung verschwindet auch der betreffende Ökotyp als Bestandteil der Biodiversität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess b) dürfte viel bedeutsamer sein als a), ist aber gleichzeitig viel schwieriger zu beobachten und nachzuweisen. Beide Prozesse haben nicht auf die Flora, sondern ebenso auf die Tierwelt negative Auswirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. S. 21.]&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verfügbarkeit von Ökotypensaatgut regionaler Herkunft (Regiosaatgut) war ein grundlegender Fortschritt gegenüber dem früher aus dem Ausland importierten „Billigsaatgut“, das nicht nur Ökotypen aus vielen anderen Ländern enthielt, sondern teilweise sogar Zuchtformen oder auch Arten, die gar nicht in der Schweiz heimisch waren. Ein Beispiel war der Wiesenknopf (''Sanguisorba muricata''), der dem heimischen Kleinen Wiesenknopf (''Sanguisorba  minor'') sehr ähnlich sieht. Andere Beispiele sind Rotklee (''Trifolium pratense'') und Hornklee (''Lotus corniculatus'') oder Fromental (Glatthafer) (''Arrhenaterum elatius''), bei denen noch bis vor wenigen Jahren regelmässig Zuchtformen verwendet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wo lassen sich welche artenreichen Wiesentypen neu anlegen?=&lt;br /&gt;
Artenreiche Wiesen können praktisch überall neu angelegt werden, vorausgesetzt Ansaatmethode und Saatgut sind sachgemäss auf den Standort und die zukünftige Nutzung abgestimmt. Je nach Standort und Nutzung entstehen dabei unterschiedliche Wiesentypen mit einer unterschiedlichen Artenzusammensetzung und Artenvielfalt. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die wichtigsten Anwendungsbereiche für die Neuanlage artenreicher Wiesen sind Naturschutzgebiete, ehemaliges Ackerland, bisher intensiv genutzte verarmte Wiesen im Landwirtschaftsgebiet, Hochwasserschutzdämme und Gewässerräume, Böschungen von Verkehrswegen, Rasenflächen in Gärten oder Parks, neu geschaffene Umgebungen von Siedlungen, aber auch kleinflächige Objekte wie Verkehrsinseln oder kleine Gartenbereiche. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Besonders artenreich werden Wiesen auf relativ nährstoffarmen Standorten mit extensiver Nutzung, das heisst auf Flächen, die nicht gedüngt und nur ein- bis höchstens zweimal pro Jahr gemäht werden (Abb. 2). Bei erhöhtem Nährstoffgehalt und etwas häufigerer Mahd nimmt die Artenzahl zunehmend ab. Doch auch auf ehemals intensiv genutzten, nährstoffreichen Böden können bei sachgemässer Ausführung und Bewirtschaftung blumenreiche Wiesentypen langfristig erfolgreich angelegt werden. Sogar in Rasenflächen, die bis zu sechsmal jährlich gemäht werden, können sich viele attraktive und für Insekten wertvolle Blumenarten wie Salbei, Margerite, Brunelle, Thymian etc. langfristig halten. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei sehr nährstoffarmen Verhältnissen (z.B. Rohböden)&amp;lt;!--Link auf Pionierflächen, wenn vorhanden--&amp;gt; ist die Artenzahl und die Blühfreudigkeit der Wiesentypen etwas geringer, dafür lassen sich unter solchen Standorten besser gefährdete Arten ansiedeln.  &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Standortansprache, also die Beurteilung, welcher artenreiche Wiesentyp an einem gegebenen Ort angelegt werden kann, ist entscheidend für den späteren Erfolg. Doch die Standortbeurteilung bereitet oft Mühe. Es lohnt sich deshalb, für diesen ersten ausschlaggebenden Schritt eine erfahrene Fachperson beizuziehen. Sie kann für den individuellen Fall die wichtigsten Hinweise zum anzustrebenden Wiesentyp, zur richtigen Bodenvorbereitung, zur Ansaatmethode, zum geeigneten Saatgut und zu den Anforderungen an Bewirtschaftung und Pflege geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die wichtigsten Wiesentypen und ihre Standorte für die Neuanlage artenreicher Wiesen==&lt;br /&gt;
Im Wesentlichen sind folgende fünf [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Wiesentypen] für die Neuanlage artenreicher Wiesen bis in eine Höhenlage von maximal 1000 m ü. M. relevant (siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Typologie_des_Gr.C3.BCnlands Kapitel «Typologie des Grünlands»]). Die Reihenfolge in der nachfolgenden Abbildung richtet sich nach einem Gradienten von trocken bis feucht und von nährstoffarm bis mässig nährstoffreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Wiesentypen Neuanlage de.png&lt;br /&gt;
| text = Ökogramm mit den wichtigsten Wiesentypen, die für eine Neuanlage artenreicher Wiesen in Frage kommen. Wo es sehr trocken ist, ist die Verfügbarkeit von Nährstoffen stark eingeschränkt, weshalb es keine Wiesentypen in der Ecke oben rechts gibt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. '''Trockenrasen'''&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt;  (''Xerobromion''): Dieser Wiesentyp bildet sich nur auf sehr sonnigen, heissen Standorten mit sehr mageren Böden aus (z.B. Rohböden wie Kies- oder Sandflächen). Trockenrasen sind lückig, sehr artenreich, aber oft etwas weniger blühfreudig als die Halbtrockenrasen. Trockenrasen werden oft nur jedes zweite Jahr gemäht, so dass auch verholzte niedrige Sträucher wie verschiedene Ginsterarten aufkommen können. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
2. '''Trespen-Halbtrockenrasen'''&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt; (''Mesobrometum''): Verbreiteter, blumen- und artenreicher Wiesentyp an sonnigen, nährstoffarmen, (zumindest schwach) humusierten Standorten. Wird jährlich im Juli geheut und im Herbst je nach Wüchsigkeit noch ein zweites Mal gemäht. Charakterarten sind das bestandesbildende Gras Aufrechte Trespe (''Bromus erectus'') und bei den Kräutern z.B. Thymian (''Thymus'' sp.), Esparsette (''Onobrychis viciifolia''), Salbei (''Salvia pratensis'') und bei schwacher Nutzung Dost (''Eupatorium cannabinum'') und Hauhechel (''Ononis'' sp.). &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
3. '''Fromentalwiese trockene Ausprägung''' (''Arrhenatheretum salvietosum''): Ziemlich artenreiche, sehr blütenreiche Wiese, die in der Regel in der zweiten Junihälfte geheut wird und danach noch 1-2 weitere Emdschnitte benötigt. Sie bildet sich auf humusreicheren, vormals oft intensiv gedüngten Böden an sonnigen Lagen aus. Charakterarten sind Salbei (''Salvia pratensis''), Wiesenbocksbart (''Tragopogon pratensis'') oder Margerite (''Leucanthemum vulgare''). &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
3a. '''&amp;quot;Blumenrasen&amp;quot;''': Auf Fromentalwiesenstandorten, also auf humusreicheren, gut mit Nährstoffen versorgten Böden auf mittleren oder trockeneren Standorten bilden sich bei sehr häufiger Mahd Rasen im gartenbaulichen Sinne aus. Wird ein Rasen alle 1-2 Wochen gemäht, überleben nur wenige Pflanzenarten, vor allem ausläufertreibende, niederwüchsige Gräser und einige Klee- und Kräuterarten. Wird die Schnittfrequenz auf maximal 5-6 Schnitte pro Jahr reduziert und die Düngung eingestellt, haben viele Arten der Fromentalwiesen und teilweise auch der Trespen-Halbtrockenrasen eine Chance, sich zu etablieren und zu reproduzieren. Dieser «Wiesentyp» wird in der Regel Blumenrasen genannt und findet zunehmend Verbreitung im Siedlungsbereich. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
4. '''Fromentalwiesen frische Ausprägung''' (''Arrhenatheretum cirsietosum oleracei''): Ziemlich arten- und blütenreiche Wiese. Bewirtschaftung/Pflege wie bei (3). Sie bildet sich auf humusreicheren, vormals oft intensiv gedüngten Böden an schattigeren und/oder frischen bis feuchten Standorten aus. Charakterarten sind Kuckuckslichtnelke (''Lychnis floc-cuculi'') und Kohldistel (''Cirsium oleraceum''). An schattigen oder feuchten Standorten bilden sich bei sehr extensiver Nutzung (Mahd alle 2 Jahre oder jährlich im Spätherbst) Hochstaudensäume (''Filipendulion'', 4b) mit farbenprächtigen Arten wie Mädesüss (''Filipendula ulmaria''), Gilbweiderich (''Lysimachia vulgaris'') oder Blutweiderich (''Lythrum salicaria'') aus.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
5. '''Streuwiesen''' &amp;lt;!---Link auf Feuchtgebiete wenn vorhanden--&amp;gt;(''Molinion'', ''Caricetum davallianae'' u.a.): Magere, feuchte bis vernässte Standorte sind für Wiesenneuanlagen eher selten und werden vor allem bei Naturschutzprojekten gezielt geschaffen mittels baulichen Massnahmen, z.B. bei Wiedervernässungen oder bei der [https://biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser/Bau_von_Gew%C3%A4ssern Schaffung von Weihern]. Unter diesen Standortbedingungen bilden sich niederwüchsige, teilweise sehr artenreiche Streuwiesentypen aus, die in der Regel einmal jährlich im Spät-herbst gemäht werden.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt; «Rasen» wird hier in pflanzensoziologischer Terminologie verwendet und bedeutet «niederwüchsige Vegetation aus Kräutern».&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = artenhaeufigkeiten wiesen de.png&lt;br /&gt;
| text = Zusammenhang zwischen Nutzungsintensität, Ertrag und Vielfalt (Artendichte) an Pflanzenarten in Naturwiesen, schematisch; Orientierungswerte für Wiesen trockener und mesischer Standorte der kollinen bis montanen Stufe der Schweiz. Düngung und Nutzungshäufigkeit nehmen von links nach rechts zu. TS = Trockensubstanz. Der mit 1 bezeichnete Bereich entspricht in den tieferen Lagen den Trespen-Halbtrockenrasen, 2 den Fromentalwiesen. Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas: Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe. Haupt Verlag, Bern. (ergänzt)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Standort- und Vegetationsbeurteilung=&lt;br /&gt;
Eine grundlegende Voraussetzung für den Erfolg von artenreichen Wiesenansaaten '''ist die korrekte Standortbeurteilung'''&amp;lt;sup&amp;gt;14&amp;lt;/sup&amp;gt; '''sowie die Beurteilung der vorhandenen Vegetation'''. Diese beiden Schritte bestimmen, ob und welche Massnahmen für eine Ansaat getroffen und welches Saatgut für eine erfolgreiche Durchführung gewählt werden soll, aber auch, wo eine Ansaat am meisten Sinn macht, sofern mehrere Varianten zur Verfügung stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;14&amp;lt;/sup&amp;gt; bzw. die künstliche Schaffung entsprechender Standortbedingungen beispielsweise mittels Bodenabtrag/Bodenaufschüttung, vgl. Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Aufwertung_durch_Aushagerung «Aufwertung durch Aushagerung»]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wo es keine Ansaaten braucht, sondern Geduld und angepasste Pflege genügen==&lt;br /&gt;
Auf Flächen, auf denen bereits einzelne Blumen der gewünschten Arten vorhanden sind, kann unabhängig von einer Standortdiagnose oft auf eine Ansaat verzichtet werden. So weisen artenarme Naturwiesen, auch wenn sie intensiv bewirtschaftet werden, oft noch Reste von Zielarten auf, beispielsweise in Randbereichen oder an flachgründigen Stellen. Zudem sind Naturwiesen &amp;lt;sup&amp;gt;15&amp;lt;/sup&amp;gt; generell deshalb wertvoll, weil die verbliebenen Arten noch aus alten, lokalen Ökotypen bestehen, so dass beim Umbruch von alten Naturwiesen generell grosse Zurückhaltung geübt werden sollte. Sie können nach und nach durch ein Ausbleiben der Düngung und ein reduzierte Mahdfrequenz – meist genügt ein zweimaliger Heuschnitt pro Jahr – wieder artenreicher werden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch in alten Rasenflächen, die über längere Zeit nicht gedüngt wurden, wächst vereinzelt oft noch eine erstaunliche Vielfalt an Wiesenblumen wie Margeriten, Hornklee oder Salbei. Kommen solche Arten noch regelmässig vor, genügt es, den Mährhythmus stark zu reduzieren (auf maximal 6 Schnitte pro Jahr), und eine mehr oder weniger artenreiche Blumenwiese kehrt in wenigen Jahren von selbst zurück. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Weg_artenreicheWiese_de.png&lt;br /&gt;
| text = Um zu klären, ob eine Ansaat nötig ist oder Abwarten vielmehr genügt, bietet das Agridea-Merkblatt [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier &amp;quot;Der Weg zur artenreichen Wiese&amp;quot;] eine gute Entscheidungshilfe.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;15&amp;lt;/sup&amp;gt; Naturwiesen sind Wiesen, die seit mindestens 30 Jahren nicht mehr umgebrochen und neu angesät worden sind.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Botanische Aufwertung von verarmten Naturwiesen mittels Einsaaten==&lt;br /&gt;
Ist eine Wiese beispielsweise durch intensive Nutzung einmal botanisch verarmt und weist auch keine Relikte der angestrebten Pflanzengesellschaft mehr auf, kommt die Pflanzenvielfalt auch bei wieder extensiverer Nutzung selbst nach Jahrzehnten oft nicht von selbst zurück. Dies zeigen viele Untersuchungen (z.B. Bosshard 1999, Kiehl 2010 &amp;lt;sup&amp;gt;16&amp;lt;/sup&amp;gt;). Zum einen breiten sich die meisten Wiesenarten nur langsam aus, zum anderen verhindert die bestehende Grasnarbe die Etablierung neuer Pflanzenarten wirkungsvoll und ein Samenvorrat der meisten erhofften Wiesenarten fehlt, da die Samen der meisten Wiesenarten nur wenige Jahre im Boden überleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Soll ein verarmter Wiesenbestand also wieder mit Arten angereichert werden, bleibt nichts anderes übrig, als die fehlenden Arten mit geeigneten Massnahmen wieder einzubringen &amp;lt;sup&amp;gt;17&amp;lt;/sup&amp;gt;. Dabei existieren grundsätzlich drei Möglichkeiten – wobei eine angepasste Nutzung (keine Düngung, geeignetes Schnittregime u.a.) immer vorausgesetzt wird: &lt;br /&gt;
# '''Übersaatmethode''': Alte, vergraste und blumenarme Naturwiesen, die bezüglich der Grasartenzusammensetzung aber noch einigermassen den Fromentalwiesen im engeren Sinne entsprechen, sollten nicht umgebrochen/gefräst und angesät werden. Eine Aufwertung mit einer einfachen Übersaat in den bestehenden Bestand, wie dies in intensiver genutzten Wiesen mit Futterbaumischungen gemacht wird, funktioniert mit Wiesenblumensaatgut nicht. Dagegen gibt es zwei etwas aufwändigere Übersaatmethoden, die ohne Umbruch funktionieren. Zum einen lassen sich Wiesenblumenarten ansiedeln, indem über mehrere Jahre hinweg gesammeltes Saatgut ausgewählter Arten der Umgebung gezielt oberflächlich auf Blössen (Narbenschäden, Maushaufen, gezielt verursachte Öffnungen etc.) ausgebracht wird. Die andere Möglichkeit besteht darin, über mehrere Jahre das frische Erntegut von blumenreichen Heuwiesen (Fromentalwiesen) auf der aufzuwertenden Fläche zu trocknen. Die ausfallenden Samen führen nach einigen Jahren zu einer deutlichen Zunahme der Arten- und Blumenvielfalt. Voraussetzung ist allerdings, dass eine geeignete Heuwiese als Spenderwiese auf dem Betrieb oder in der Nachbarschaft vorhanden ist. Mit diesen beiden Methoden wird die bestehende Pflanzen-/Boden-Garnitur und -Struktur nicht unnötig zerstört und die noch vorhandenen Ökotypen der bestehenden Naturwiese bleiben erhalten. Allerdings brauchen sie viel Geduld, sind ziemlich aufwändig und gelingen nur auf Standorten mit eher tiefem Nährstoffniveau.&lt;br /&gt;
# '''Streifensaat'''. Diese Methode ist einfacher und sicherer und erlaubt es ebenfalls, die gewünschten Arten wieder in den Bestand zu bringen, ohne dass die ganze bestehende Naturwiese eliminiert werden muss. Dazu werden in einem Abstand von 15-20 m Streifen von 3-6 m Breite mit einer zapfwellengetriebenen Egge (z.B. Kreiselegge) oder auch einer Gartenfräse in die bestehende Wiese gefräst. Meist ist eine mindestens 3-malige Wiederholung im Abstand von ca. 2 Wochen nötig, bis die alte Vegetation vollständig abgestorben ist. Im Frühling können die vegetationsfreien, gut abgesetzten Streifen mit geeignetem Saatgut oder einer Direktbegrünung angesät. Je breiter die Streifen sind, desto eher lassen sich Schäden durch Schnecken reduzieren. Von den angesäten Streifen aus können dann die dort etablierten Arten nach und nach in den umliegenden Bestand auswandern, sofern Bodenheu gemacht und das Heu mit dem Kreiselheuer über die Fläche verteilt wird. &lt;br /&gt;
# '''Ganzflächige Ansaat''': Ist der Ausgangsbestand keine erhaltenswerte Naturwiese, empfiehlt es sich, die bestehende Wiesenvegetation ganzflächig durch Pflügen und anschliessendes Eggen, oder allein durch mehrmaliges Eggen mit einer zapfwellengetriebenen Kreiselegge (oder ähnlichem Gerät), vollständig zu entfernen. Details zu einer erfolgreichen Saatbettbereitung und Ansaat siehe Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Standort-_und_Vegetationsbeurteilung «Standort- und Vegetationsbeurteilung»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;16&amp;lt;/sup&amp;gt; Plant species introduction in ecological restoration: Possibilities and limitations. Basic and Applied Ecology 11/4, 281-284&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;17&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. dazu insbesondere [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier Agridea-Merkblatt «Der Weg zu artenreichen Wiesen»] sowie Huguenin-Elin et al. 2012&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Welche Flächen eignen sich (nicht) für Neuansaaten?==&lt;br /&gt;
Mittels Ansaaten können auf fast jedem Standort (Boden, Exposition, Höhenlage etc.) artenreiche, stabile Wiesen erfolgreich wieder etabliert werden – vorausgesetzt, es werden die richtigen Arten und Ökotypen fachgerecht angesät und die anschliessende Pflege erfolgt dem Pflanzenbestand angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Generell gilt''': Auf mageren sonnigen Standorten können sich mehr Pflanzen- und Tierarten und auch seltenere Arten entwickeln als auf nährstoffreicheren oder schattigeren Flächen. Auf sehr armen trockenen Böden nimmt die Artenvielfalt natürlicherweise wieder ab ([https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Die_wichtigsten_Wiesentypen_und_ihre_Standorte_f.C3.BCr_die_Neuanlage_artenreicher_Wiesen siehe Abbildung zu Artenreichtum]), und die Ansaat gestaltet sich oft schwierig, insbesondere auf kiesigen Rohböden mit geringem oder fehlendem Feinkornanteil (Sand, Schluff, Ton).&amp;lt;!-- nicht veröffentlichen wegen Empfehlung Humusierung: Südexponierte oder schattige Lagen verschärfen die Situation noch. Besteht Erosionsgefahr, ist bei reinen Kiesflächen die Beimischung eines geringen Humusanteils zu empfehlen, damit sich eine geschlossene Pflanzendecke entwickeln kann.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Weniger geeignet bzw. schwierig für die Neuansaat artenreicher Wiesen sind''':	&lt;br /&gt;
* '''Schattige Standorte'''. Solche sind von Natur aus meist arten- und blumenärmer als Wiesen an besonnten Lagen. Zudem können Schnecken den Keimlingen, vor allem der Wiesenblumen, an solchen Standorten besonders zusetzen. Dieser teilweise unterschätzte Faktor wird noch verschärft, wenn die Ansaatflächen an solchen Standorten klein oder schmal sind und deshalb von den Schnecken vom Rand her leichter aufgesucht werden können. Tipp: Anzusäende Flächen, die von bestehenden Wiesen oder Gehölzen umgeben sind, sollten nicht schmaler als 6 m und kleiner als eine Are (10x10m) sein.&lt;br /&gt;
* '''Entwässerte Moorböden'''. Auf solchen Böden werden durch den Abbau des Torfs so viele Nährstoffe freigesetzt, dass rasch wenige Arten zur Dominanz gelangen und die meisten der angesäten Arten verdrängen. Unter dieser (seltenen) Voraussetzung lohnen sich artenreiche Ansaaten in der Regel nicht. Ökologisch aufgewertet werden können sie jedoch mit einer Vernässung&amp;lt;!--Link auf Feuchtgebiete--&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* '''«Verunkrautete“ Flächen»''': Auf Standorten, die vorher mit Stumpfblättrigem Ampfer («Blacke», (''Rumex obtusifolius'')) verunkrautet waren, ist Vorsicht geboten. Blackensamen bleiben viele Jahrzehnte keimfähig im Boden. Auch wenn auf einer Fläche vor der Ansaat keine Blacken sichtbar sind, können Blackensamen beim Pflügen oder auch Eggen von Wiesland aus einer früheren Verunkrautung in grosser Zahl keimen. Die Bekämpfung dieser Problemart kann sehr aufwändig sein &amp;lt;sup&amp;gt;18&amp;lt;/sup&amp;gt;. Als weitere Problemarten sind Ackerkratzdisteln und einige wenige invasive Neophyten zu nennen, insbesondere Goldruten und einjähriges Berufskraut. Was die genannte, ausläufertreibende Distelart anbelangt, deren Blüten übrigens für Bienen und Schmetterlinge sehr attraktiv sind, verschwindet sie bei regelmässiger Mahd meist von selbst wieder. Die genannten Neophyten dagegen sollten von Beginn weg konsequent eliminiert („gezupft“) werden. Praktisch alle anderen Pflanzenarten, die landläufig als Unkraut bezeichnet werden, sind bei einer fachgerechten Pflege kein Problem für die gewünschte Entwicklung des Wiesenbestandes. Das gilt insbesondere für die im Ansaatjahr oft massenweise auftretenden einjährigen Ackerbeikräuter wie Gänsefuss (''Chenopodium'' sp.) oder Ackerhirsen (''Echinochloa crus-galli'', ''Setaria spp.'', ''Panicum spp.''). Sie verschwinden alle bereits im zweiten Jahr nach der Ansaat von selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;18&amp;lt;/sup&amp;gt; Der Umgang mit Flächen, die einen hohen Blackendruck aufweisen, kann hier nicht weiter vertieft werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Standortbeeinflussung==&lt;br /&gt;
Besteht in einem Ansaatprojekt die Möglichkeit, die Bodeneigenschaften zu beeinflussen, können folgende Massnahmen ins Auge gefasst werden, um – in der Regel – nährstoffärmere Bedingungen zu schaffen (Reihenfolge mit abnehmender Wirksamkeit und abnehmenden Kosten): &lt;br /&gt;
# Oberbodenabtrag (meist A-Horizont, ggf. auch B-Horizont),&lt;br /&gt;
# Aufschüttung eines nährstoffarmen Substrates auf oder Einarbeitung desselben in den bestehenden Boden – meist Kies oder Sand – wobei es für die Aufschüttung meist eine Schicht von mindestens 30 cm braucht, &lt;br /&gt;
# Ausmagerung, beispielsweise durch die Kultur eines Starkzehrers wie Mais oder Raygras. Die Wirksamkeit dieser Methode ist allerdings umstritten. Eine deutlich stärkere Reduktion verfügbarer Nährstoffe wird allein dadurch erreicht, indem vor der Ansaat der Boden möglichst nicht mehr gewendet oder bewegt wird (Verhinderung der oxidativen Nährstoffmobilisation, s. Bosshard 1999). Dies ist auf wenig verunkrauteten Ackerflächen möglich, indem die Ansaat ohne Bodenbearbeitung direkt in die Stoppelbrache erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso besteht überall dort, wo der Boden neu aufgesetzt wird wie z.B. bei Bauprojekten, die Möglichkeit, den Boden so zu „designen“, dass er standörtlich der Zielvegetation am besten entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Standortfaktoren können beispielsweise durch die Gestaltung des Geländes (Exposition, Grundwassereinfluss etc.) oder durch Reduktion von Schatteneinflüssen (Waldrandstufung, zurückschneiden von Hecken etc.) zugunsten der angestrebten Wiesentyps gezielt beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tabelle: Vereinfachter Entscheidungsbaum für die Wahl der geeigneten Ansaat in Lagen unterhalb 1000 m ü. M. (Quelle: In Anlehnung an Bosshard 2000, [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/08/Wiesenrenaturierung_NuL_2000.pdf Blumenreiche Heuwiesen aus Ackerland und Intensiv-Wiesen. Eine Anleitung zur Renaturierung in der landwirtschaftlichen Praxis. Naturschutz und Landschaftsplanung 32/6, 161-171]. Zur Bestimmung der Wiesentypen siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Typologie_des_Gr.C3.BCnlands Kapitel «Typologie des Grünlands]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Typ &lt;br /&gt;
! Beschreibung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1a'''&lt;br /&gt;
| Boden eher bis sehr tiefgründig, bisher mittel bis sehr intensiv genutzt (oder Phosphor über 100 ppM), mit ausgeglichenem Wasserhaushalt: -&amp;gt; Zielvegetation typische Fromentalwiese (Arrhenatheretum). Details siehe Text.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;| '''1b'''&lt;br /&gt;
| Boden flachgründig oder durchlässig (kiesig, sandig) oder Standort sehr trocken oder nährstoffarm aufgrund bestehender Vegetation (Ertrag &amp;lt; 30 dt/J); an sonniger Lage: &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | 1b1&lt;br /&gt;
| Boden kalkhaltig oder pH &amp;gt;6: -&amp;gt; Zielvegetation typische Trespen-Halbtrockenrasen (Mesobrometum). Zur Wahl der Ansaat siehe Text.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | 1b2&lt;br /&gt;
| weitgehend fehlender Kalkgehalt bzw. pH &amp;lt;6: -&amp;gt; Zielvegetation Rotschwingel-Straussgraswiese (Festuca-Agrostion), ev. Borstgrasrasen (ab 600 m ü. M. (Nardion)); Direktbegrünung, kein geeignetes Standardsaatgut verfügbar. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1c'''&lt;br /&gt;
| Wie 1b, aber schattige Lage:  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1c1&lt;br /&gt;
| Eher trockener Standort (vorwiegend Nordexposition, Beschattung durch Waldrand u.ä.): -&amp;gt; Zielvegetation Rotschwingel-Straussgraswiese (Saatgut s. 1c1),  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1c2&lt;br /&gt;
| wie 1c1, aber bei Niederschlägen &amp;gt;1200 mm/J und mind. leichtem Bodenkalkgehalt bzw. pH &amp;gt;6: -&amp;gt; Rotschwingel-Straussgraswiese (s. 1c1) oder magere Variante einer feuchten Fromentalwiese mittels Direktbegrünung oder Standardsaatgut Humida.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1d'''&lt;br /&gt;
|Boden zur Vernässung neigend (wechseltrocken):&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1d1&lt;br /&gt;
| Boden eher tiefgründig und/oder eher nährstoffreich: -&amp;gt; Zielvegetation frische Fromentalwiese, Saatgut über Direktbegrünung oder mit Standardsaatgut Humida  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1d2 &lt;br /&gt;
| Boden mager oder flachgründig: -&amp;gt; Streuwiesengesellschaften durch Direktbegrünungsverfahren (kein geeignetes Standardsaatgut auf dem Markt). Pflanzensoziologische Detailabklärungen nötig zur Wahl geeigneter Spenderflächen (Molinion, Caricion u.a.) &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1e'''&lt;br /&gt;
| Boden vernässt bzw. wechselnass: Wie 1d2.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1f'''&lt;br /&gt;
| Rohboden: -&amp;gt; Zielvegetation: Ruderalflora oder lückiger Trespenrasen (s. Text); je nach Situation auf Ansaat verzichten, Ansaat einer Ruderalflora-Mischung, oder (sofern Boden kalkhaltig) Direktbegrünung mit Trespen-Halbtrockenrasen (Mesobrometum) bzw. Trockenrasen (Xerobrometum) sofern verfügbar. Kleinflächen: Anpflanzung von Einzelpflanzen prüfen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Saatgut: Richtige Artenzusammensetzung, richtige Herkunft=&lt;br /&gt;
Standörtliche/geographische Herkunft, Qualität und Zusammensetzung des Saatgutes sind eine ausschlaggebende Voraussetzung für den Erfolg bei einer Neuanlage oder Wiederherstellung artenreicher Wiesen. Auch im Hinblick auf die Biodiversität spielen die Zusammensetzung und Herkunft des Saatgutes eine zentrale Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Kapitel werden die verschiedenen Saatguttypen mit ihren Vor- und Nachteilen sowie die vorhandenen Anbieter in der Schweiz beschrieben. Eine einfache erste Entscheidungshilfe, wo welcher Saatguttyp am besten geeignet ist, liefert die Entscheidungsmatrix (siehe Tabelle unten). Weiterführende Informationen zu den einzelnen Saatguttypen und ihren Anwendungsmöglichkeiten enthält der [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen, Kap. 6 (s. 39 ff.)].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = tab bossh de.png&lt;br /&gt;
| text = '''Entscheidungsmatrix für die Saatgutwahl bei Begrünungen in der Schweiz'''. Eine Saatgutwahl nach dieser Matrix ist konform mit dem Natur- und Heimatschutzgesetz sowie mit der Biodiversitätskonvention. Die zuerst genannten Verfahren sind aus ökologischer Sicht vorzuziehen. Angaben in Klammern: Verfügbarkeit des Saatgutes je nach Region eingeschränkt. '''A''' = Autochthones Saatgut oder Pflanzenmaterial (ausgebracht über Heugrassaat, Sodenverpflanzung oder ähnliche Verfahren), '''W''' = Wildpflanzensaatgut (Regio-Saatgut), '''Z''' = Regel-Handelssaatgut. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Quelle: Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz  - Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität, Bosshard A., Mayer P., Mosimann A., 2015 &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Direktbegrünungsverfahren==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = direktbegruenungsverfahren de.png&lt;br /&gt;
| text = Vergleich der Begrünungsverfahren. Quelle: Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität. Ö+L Ökologie und Landschaft GmbH.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direktbegrünungsverfahren sind für die Erhaltung der Biodiversität in der Regel deutlich besser als der Einsatz von [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Standardsaatgut_und_Direktbegr.C3.BCnung_.E2.80.93_eine_Begriffskl.C3.A4rung Standardsaatgut]. Bei Ansaaten auf Flächen mit Naturschutzcharakter sollten generell Direktbegrünungen, also Mahdgutübertragung oder autochthones Saatgut aus dem Sack, eingesetzt werden und nur im Ausnahmefall (z. B. für extensive Vernetzungsflächen, die nicht direkt Naturschutzflächen sind) Standardsaatgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ansaatmethode der Direktbegrünung bzw. mit sog. autochthonem Saatgut wird oft als Wiesenkopierverfahren bezeichnet. Statt einzelne Arten zu vermehren, in Monokulturen anzubauen und dann als definierte Mischungen auf den Markt zu bringen, werden die Samen, welche in artenreichen Wiesen, den sogenannten '''Spenderflächen''', jedes Jahr produziert werden, direkt, ohne Zwischenvermehrung, genutzt. Die Ansaat dieser Samen auf die '''Ansaat- oder Empfängerfläche''' sollte möglichst in engem räumlichem Umkreis, im Idealfall lokal, d.h. im Umkreis von beispielsweise 15 km, erfolgen. Deshalb wird auch von lokalem Saatgut gesprochen &amp;lt;sup&amp;gt;19&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig wie dieses Prinzip '''«Aus der Region für die Region»''' ist das Prinzip '''Standortäquivalenz''': Spenderfläche und Ansaatfläche müssen sich standörtlich, also bezogen auf den Bodentyp, die Höhenlage, die Exposition, die Nutzung/Pflege etc., so weit als möglich entsprechen (vgl. dazu die Entscheidungshilfe von [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direktbegrünungsverfahren wurden in den letzten Jahren in der Schweiz, aber auch im Ausland &amp;lt;sup&amp;gt;20&amp;lt;/sup&amp;gt; stark weiterentwickelt und verbessert und funktionieren mittlerweile bei fachgemässer Ausführung zuverlässig und erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wird von einigen Firmen autochthones Saatgut für die meisten Teile der Schweiz angeboten &amp;lt;sup&amp;gt;21&amp;lt;/sup&amp;gt;. Die von Pro Natura initiierte und zusammen mit Info Flora, AGRIDEA und verschiedenen Kantonen aufgebaute Plattform [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora] beschreibt die Methoden von Direktbegrünungen, gibt ausführliche Literaturhinweise und enthält auch eine Zusammenstellung von verschieden Samenanbietern und Fachpersonen. RegioFlora unterhält auch eine – derzeit allerdings je nach Region noch lückenhafte – [https://www.regioflora.ch/app/de/index.html Spenderflächendatenbank], die Nutzern helfen soll, eine geeignete Spenderfläche für eine Direktbegrünung zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend für Direktbegrünungsverfahren ist eine gute Zusammenarbeit mit den Besitzern und vor allem den Bewirtschaftern der Spenderflächen. Denn dank ihnen ist die gesuchte Artenvielfalt in diesen Flächen noch vorhanden. Die Nutzung einer Wiese als Spenderfläche bedeutet für die Bewirtschafter oft eine besondere Wertschätzung. Ihnen diese Wertschätzung bei einer Nutzung entgegenzubringen genügt aber nicht. Für die Erlaubnis, eine Ernte durchführen zu können, ist eine Entschädigung, die über den anfallenden Mehraufwand hinausgeht, angemessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;19&amp;lt;/sup&amp;gt; Anmerkung: Bei der Sodenversetzung, die ebenfalls zu den Direktbegrünungsverfahren gezählt wird, gilt dasselbe, wobei anstelle von Samen ganze Vegetationsstücke inkl. der obersten Bodenschicht übertragen werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;20&amp;lt;/sup&amp;gt; Siehe ausführliche Literaturliste z.B. bei [https://www.regioflora.ch Regio Flora] und [https://www.holosem.ch/ HoloSem].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;21&amp;lt;/sup&amp;gt; Umfangreiche Informationen zum aktuellen Angebot auf [https://floretia.ch/ Floretia], wo neben autochthonem auch das Angebot von regionalem Vermehrungssaatgut aufgelistet ist. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die verschiedenen Direktbegrünungsverfahren im Detail==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = agridea_verfahren_de_400dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Die neben der Mahdgutübertragung weiteren Methoden im Vergleich. Quelle: &amp;quot;Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft&amp;quot; (Hrsg.: Agridea, 2015)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Mahdgutübertragung===&lt;br /&gt;
Die Spenderfläche wird zum Zeitpunkt der optimalen Samenreife der meisten Arten (Teigreife) in feuchtem Zustand gemäht &amp;lt;sup&amp;gt;22&amp;lt;/sup&amp;gt; und das ganze Material auf die Ansaatfläche übertragen, meist etwa im Umfang 1:1. Die Praxis der Mahdgutübertragung wird im Merkblatt [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~2591~1/3~410210~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Direktbegr%C3%BCnung-artenreicher-Wiesen-in-der-Landwirtschaft/Deutsch/Print-Papier «Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft» (Agridea 2015)] detailliert beschrieben (s. auch [https://www.youtube.com/watch?v=IsI8ivNB9u0 FiBL-Infofilm]). Der Vorteil dieser Methode liegt in ihrer Durchführung mit Geräten, die auf jedem Landwirtschaftsbetrieb existieren, und den relativ geringen Kosten, wenn der Landwirt die Arbeiten selber durchführen kann. Zudem werden so auch Kleintierarten und Moose auf die Ansaatfläche übertragen, und die Mahdgutauflage schafft einen ersten Erosionsschutz und verbessert die Keimungsbedingungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachteile sind eine oft schwierige Logistik, ein relativ grosser Zeitaufwand und vor allem, dass das Ausbringen des Mahdgutes sogleich nach der Ernte im Sommer durchgeführt werden muss. Zum einen ist Sommer als Ansaatzeitpunkt oft nicht optimal, zum anderen stehen viele Flächen, beispielsweise bei Bauprojekten, nicht genau dann zur Ansaat bereit, wenn das Erntegut anfällt und ausgebracht werden muss. Ein weiterer Nachteil ist, dass verschiedene Erntezeitpunkte und verschiedene Spenderflächen nur beschränkt und mit stark erhöhtem Aufwand kombiniert werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;22&amp;lt;/sup&amp;gt; Ideal ist eine Mahd mit Messerbalken oder mit Sense. Es können aber je nach Verfügbarkeit und Zugänglichkeit der Fläche auch Saugmulcher eingesetzt werden, die in einem Arbeitsgang das Mähgut mähen und einsaugen. Dabei wird aber ein Grossteil der Kleintierfauna getötet, der erwähnte Vorteil einer Übertragung von Tieren fällt damit weg.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahdgutuebertragung 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Mahdgutübertragung&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wiesendrusch===&lt;br /&gt;
Das Saatgut wird auf der Spenderfläche mit einem Mähdrescher mit spezieller Einstellung geerntet. Die Methode funktioniert allerdings nur auf flachem Gelände, während die meisten nicht angesäten und damit für Direktbegrünungen in Frage kommenden Spenderflächen an Hängen liegen. Zudem werden einzelne Arten technisch kaum erfasst. Vorteile liegen in der relativ grossen Flächenleistung. Zudem kann das Saatgut verschiedener Wiesen und Erntezeitpunkte mit geringem Aufwand gemischt und das Saatgut bis 2 oder 3 Jahre (je nach Lagerung) nach der Ernte zu einem beliebigen Zeitpunkt ausgesät werden. In der Schweiz liegen erst wenige Erfahrungen mit dieser Methode vor, vor allem durch Untersuchungen der landwirtschaftlichen Fachhochschule HAFL in Zollikofen bei Bern. Als erste Firma bietet Regiosaat.ch seit 2019 autochthones Saatgut aus Wiesendrusch auf dem Markt an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Abwandlung des Wiesendruschs stellt der Heudrusch® dar, eine von Joe Engelhardt in Deutschland entwickelte und praktizierte Methode, bei der das feuchte Erntegut wie bei der Mahdgutübertragung geerntet wird, dann aber statt direkt übertragen mit einer speziellen Infrastruktur getrocknet und ausgedroschen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Ernte_mit_Maehdrescher 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Sammeln von Saatgut mit dem Mähdrescher.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Seedbrushing===&lt;br /&gt;
Bei dieser Methode werden die Samen mit speziellen Bürstenmaschinen aus dem stehenden Pflanzenbestand geerntet. Die Methode ist weniger schlagkräftig als der Wiesendrusch, es können aber mit den Geräten der neuesten Generation auch steile, vernässte oder topographisch schwierige Spenderflächen beerntet werden. Zudem erlaubt die Methode je nach verwendetem Gerät eine sehr individuelle Nutzung, indem einzelne Arten spezifisch beerntet oder auch ausgeschlossen werden. Bei zu dichten oder zu hohen Beständen sind der Methode aber Grenzen gesetzt, beispielsweise bei nährstoffreicheren Fromentalwiesen oder Hochstaudenfluren. Wie beim Wiesendrusch können verschiedene Spenderflächen und Erntezeitpunkte mit geringem Aufwand kombiniert und so die Artenzusammensetzung des Saatgutes optimiert werden &amp;lt;sup&amp;gt;23&amp;lt;/sup&amp;gt;. Ebenso ist der Ansaatzeitpunkt flexibel. Die Methode wird in der Schweiz derzeit nur von [http://www.agraroekologie.ch/ Ö+L] angeboten. Die Firma hat dazu ein eigenes Gerät, den [http://www.holosem.ch/ebeetle/angebot/ eBeetle], entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;23&amp;lt;/sup&amp;gt; Dies gilt selbstredend nur dann, wenn alle kombinierten Spenderflächen aus derselben Kleinregion und von demselben Wiesentyp vergleichbarer Standorte stammen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weitere Verfahren===&lt;br /&gt;
Neben den drei erwähnten Hauptmethoden gibt es weitere, allerdings deutlich weniger schlagkräftige und damit nur kleinflächig anwendbare oder die obigen Verfahren ergänzende Methoden der Direktbegrünung. Dazu gehören:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sammeln von Hand''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Natürlich können die gewünschten Arten in den Spenderflächen auch von Hand geerntet werden. Dies erlaubt zwar eine sehr gezielte und individuelle Beerntung einzelner Arten zum optimalen Reifezeitpunkt der Samen (die je nach Art in der Regel bei der Teigreife einsetzt), ist aber sehr zeitaufwändig und nur für kleine Flächen realistisch. Handernte kann allerdings zur Ergänzung beispielsweise von Wiesendrusch oder von Mahdgutübertragungen eine wichtige Rolle spielen, indem Samen von Pflanzenarten damit effizient ergänzt werden können, die aus verschiedenen Gründen (Reifezeitpunkt, nur sehr vereinzeltes Vorkommen etc.) nicht übertragen bzw. maschinell nicht geerntet werden.&lt;br /&gt;
'''Sammeln mit tragbaren Kleingeräten''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es existieren auf dem Markt Sauger und andere tragbare Techniken, mit denen das Saatgut aus dem stehenden Bestand der Spenderwiese geerntet werden kann. Diese Methoden sind aber nur wenig schlagkräftig und ebenfalls nur für kleine Flächen geeignet. Gegenüber einer Handernte bieten sie nur in speziellen Fällen wirklich Vorteile. In der Schweiz werden solche Geräte nur sehr punktuell angewendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Heublumen''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Methode war bis Mitte des letzten Jahrhunderts das übliche Verfahren bei der Verbesserung oder Neuanlage von Wiesen. Dabei wird der Samenausfall aus dem Heustock gesammelt und direkt ausgesät. Da bis in die 1950er Jahre fast nur artenreiche Wiesen existierten (Bosshard 2016 &amp;lt;sup&amp;gt;24&amp;lt;/sup&amp;gt;), hat diese Methode damals ausgezeichnet funktioniert. Heute bestehen Heublumen vor allem aus Samen von artenarmen Fett- und Intensivwiesen und beinhalten oft viele unerwünschte Arten wie Blacken oder Disteln, so dass von dieser Methode in aller Regel dringend abgeraten werden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sodenversetzung''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
In denjenigen Fällen, wo ein artenreicher Wiesenbestand zerstört und nachher wiederhergestellt werden soll, eignet sich die Methode der Sodenversetzung bzw. Sodenschüttung besonders gut. Dabei wird die Ursprungsvegetation mit dem Bagger als grosse Rasenziegel gelagert und nach dem Bau wieder auf die zu begrünende Fläche aufgetragen. Am meisten Erfahrungen mit dem Verfahren bestehen im Kanton Graubünden, wo vor allem beim Strassenbau und bei Meliorationsprojekten die Sodenversetzung heute zur hauptsächlich angewandten Methode gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Spontanbegrünung''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Überall dort, wo noch artenreiche Flächen mit den Zielarten in der näheren Umgebung vorhanden oder in der Samenbank des Bodens zu erwarten sind, kommt auch eine Spontanbegrünung in Betracht. Bei dieser Methode wird nichts angesät, sondern einfach gewartet, bis sich die passenden Arten von selbst wieder etablieren. Die Methode kann vor allem im Berggebiet empfohlen werden, sofern nur kleine bzw. wenige Meter breite Flächen zu begrünen sind und sofern in der unmittelbaren Umgebung noch artenreiche Wiesen vorhanden sind (Distanz &amp;lt;20 m).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;24&amp;lt;/sup&amp;gt; Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Bosshard A. 2016. Haupt-Verlag, Bern. 265 S. [https://issuu.com/haupt/docs/9783258079738 Inhaltsübersicht, Zusammenfassung und Leseprobe S. 1-34]. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Saatguternte_Mesobr_mit_eBeetle 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Saatguternte mit dem eBeetle.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hohe Anforderungen an die Planung==&lt;br /&gt;
Bei den Methoden «Mahdgutübertragung» bis «Sammeln von Hand» ist eine sorgfältige Planung essentiell. Da die Ernte nur im lokalen Rahmen erfolgt, ist oft kein geeignetes Saatgut an Lager, sondern dieses wird, v.a. bei grösserem Bedarf, spezifisch «on demand» produziert. D.h. es muss bis spätestens im Mai klar sein, welcher Saatgutbedarf für welche Lokalitäten und Standortbedingungen besteht. Wenn also im Frühjahr, dem optimalen Aussaatzeitpunkt, angesät werden soll, muss die Ernte bereits im Sommer des Vorjahres erfolgt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weitere Informationen zu den Direktbegrünungsverfahren ==&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~2591~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Direktbegr%C3%BCnung-artenreicher-Wiesen-in-der-Landwirtschaft/Deutsch/Print-Papier Agridea-Wegleitung «Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft» (2015)]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf «Leitfaden für naturgemässe Begrünungen»]&lt;br /&gt;
* Kirmer A., Krautzer B., Scotton M., Tischew S. (Hrsg.) 2012: Praxishandbuch zur Samengewinnung und Renaturierung von artenreichem Grünland. Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein.&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora, Förderung der regionalen Vielfalt im Grünland]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/ HoloSem®]&lt;br /&gt;
* [https://www.regiosaat.ch/ www.regiosaat.ch]&lt;br /&gt;
* [https://www.conservationevidence.com/actions/133 Conservation Evidence] (englische Seite mit vielen wissenschaftlichen Hintergrundinformationen aus verschiedenen Studien)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anwendung und Bezug von Blumenwiesen-Standardsaatgut==&lt;br /&gt;
In Regionen, in denen zu wenig qualitativ hochwertige Spenderflächen existieren, oder wo aus anderen Gründen keine Direktbegrünungen möglich sind, ist artenreiches Wiesenblumensaatgut mit Ökotypen aus der betreffenden Biogeographischen Region (s. Abb. 1) eine gute Alternative.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz bieten folgende Firmen geprüftes Blumenwiesen-Standardsaatgut an: [https://www.ufasamen.ch/ Ufa], [https://www.hauenstein.ch/de/ Hauenstein], [http://www.sativa-rheinau.ch/ Sativa] und [https://www.ericschweizer.ch/ Schweizer Samen]. Das grösste Angebot haben Ufa und Hauenstein, Saatgut in Bio-Qualität bietet Sativa. Einige der angebotenen Mischungen wechseln fast jährlich, und es ist entsprechend zu empfehlen, jeweils aktuell die Web-Informationsseiten oder die reich bebilderten Prospekte der betreffenden Firmen zu konsultieren, um die für den jeweiligen Anwendungszweck am besten geeignete Blumenwiesenmischung zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Kauf ist unbedingt darauf zu achten, aus welcher biogeographischen Region das Saatgut stammt. Die Angabe, dass das Saatgut aus Schweizer Ökotypen besteht, genügt nicht, weil solches Saatgut oft ein Gemisch aus Herkünften verschiedener biogeographischer Regionen ist. Noch immer sind verbreitet Mischungen auf dem Markt, bei denen nur der Wiesenblumenanteil aus einheimischen Ökotypen besteht, während der Gräseranteil, der oft weit über 90% des Saatgutanteils ausmacht, nicht spezifiziert ist und dann in der Regel aus dem Ausland stammt und nicht selten auch Zuchtsorten enthält. Solches Saatgut ist deutlich kostengünstiger, aber aus den in der [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Einleitung Einleitung] erläuterten Gründen nicht zu empfehlen bzw. je nach Anwendungsbereich nicht rechtskonform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den meisten artenreichen Mischungen besteht nur Saatgut mit Ökotypen aus der Biogeographischen Region Mittelland. Solches Saatgut sollte nicht im Jura, im Berggebiet oder in der Südschweiz ausgebracht werden. In diesen Regionen kommt für die meisten Anwendungszwecke mangels eines entsprechenden Standardsaatgutangebotes nur autochthones Saatgut in Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige wenige Kantone (z.B. [https://lawa.lu.ch/-/media/LAWA/Dokumente/Landwirtschaft/Biodiversitaetsfoerderflaechen/Merkblaetter/MB_Blumenwiese_Neuansaat.pdf LU] und [https://www.ag.ch/media/kanton_aargau/dfr/dokumente_3/landwirtschaft_2/umweltprojekte/naturnahe_landwirtschaft_1/merkblaetter_labiola/20_Labiola_MB_Saat_und_Pflanzug_okt16.pdf AG]) haben für den Landwirtschaftsbereich in Zusammenarbeit mit dem Handel kantonal angepasste Blumenwiesenmischungen entwickelt. Diese weichen teilweise in der Artenzusammensetzung leicht ab von den gängigen Mischungen, teilweise stammt das Basissaatgut einzelner Arten aus dem betreffenden Kanton. Der Bezug erfolgt teils über den Handel, teils über den Kanton bzw. von ihm beauftragte Stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Qualitätssicherung ==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bosshard_NEAT_Amit_HoloSem_Saatgut_angesaet_zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Gemäss HoloSem-Standard frisch angesäte Böschung.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die im Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Herkunft_des_Saatgutes:_Empfehlungen.2C_Standards_und_rechtliche_Vorgaben «Herkunft des Saatgutes»] erwähnten Empfehlungen von Info Flora und RegioFlora, im Hinblick auf die Auswahl des Basissaatgutes bzw. der Spenderflächen und die räumliche Ausbreitung des Saatgutes, betreffen sowohl Standardsaatgut wie Direktbegrünungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was das Standardsaatgut anbelangt einigten sich die Schweizer Saatgutfirmen in einem mehrjährigen Prozess in den 1990er Jahren zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft für den Futterbau und der Forschungsanstalt Reckenholz auf eine Vereinbarung, welche die Empfehlungen von Info Flora (damals SKEW) berücksichtigt. Die Samenfirmen erklärten sich bereit, nur einheimische CH-Ökotypen für Blumenwiesenmischungen zu verwenden, den Forschungsanstalten die für die Ernte vorgesehenen Felder mit den geforderten Angaben (z.B. Herkunft des Ursprungssaatgutes, Parzellengrösse) zu melden, und die Vermehrungen stichprobenweise durch die Forschungsanstalten überprüfen zu lassen. Allerdings wird diese Vereinbarung nur für den Wiesenblumenzusatz des Saatgutes eingehalten, der Gräseranteil stammt v.a. bei Mischungen, die im Verkehrsbau verwendet werden, bis heute noch häufig aus ungeprüftem Saatgut aus dem Ausland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Direktbegrünungen existiert neben den Empfehlungen von Info Flora/RegioFlora ein von der Branche selber entwickelter Qualitätsstandard [http://www.holosem.ch/begruenungen/holosem-standard/ HoloSem]. Dieser existiert seit 2014 und definiert, welche standörtlichen und qualitativen Anforderungen bei der Ernte des Saatgutes zu berücksichtigen sind, definiert eine maximale Distanz der Verbreitung des autochthonen Saatguts von 15 km aus, wobei zusätzlich die biogeographische Region der Standort, die Höhenlage u.a. mitberücksichtigt werden müssen. Zudem bestehen Anforderungen zur Dokumentation, zur Spenderflächenauswahl u.a. Der Standard wird zunehmend für Ausschreibungen genutzt, um eine einheitliche Mindestqualität von Direktbegrünungen sicherzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig und zielführend wie ein Standard sind für eine fachgemässe Ausführung v.a. von Mahdgutübertragungen in der Landwirtschaft eine gute Begleitung und Beratung der jeweils beteiligten Akteure, beispielsweise der Bewirtschafter der Flächen, welche die Mahdgutübertragung auch selber durchführen können. Eine fachliche Beratung kann den Erfolg und die Qualität der so angesäten Flächen wesentlich verbessern. Das zeigt sich beispielsweise im Kanton Aargau, wo interessierten Landwirten eine solche Beratung kostenlos zur Verfügung steht und wo der Erfolg der Mahdgutübertragungen mit einem Monitoring überprüft wird. Eine wertvolle Hilfe für die korrekte Ausführung von Mahdgutübertragungen bietet auch die Internetseite regioflora.ch, wo umfangreiche Informationen leicht verständlich aufgearbeitet sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = wichtigste Begruenungsverfahren de.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht über die wichtigsten Begrünungsverfahren und ihre optimalen Ausführungszeitpunkte, bezogen auf Lagen bis ca. 1000 m ü.M. In der angegebenen Literatur hat es auf Seite 31 eine Tabelle, die auch auf höher gelegene Flächen eingeht. [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Quelle: Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität. Ö+L Ökologie und Landschaft GmbH].&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praktische Durchführung von Ansaat und anschliessender Pflege artenreicher Wiesen=&lt;br /&gt;
Artenreiches Saatgut ist zu kostbar, um es nicht optimal einzusetzen. Denn auch das beste Saatgut führt nur bei einer fachgerecht durchgeführten Ansaat und Pflege/Bewirtschaftung zum Erfolg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saatbettvorbereitung==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Empfängerfläche 5 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses Saatbett wurde zur Vorbereitung geackert und anschliessend in Zeitabständen von etwa drei Wochen mehrmals geeggt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Ein vegetationsfreies, gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ansaat.&lt;br /&gt;
Der Boden kann durch Pflügen oder mehrmaliges Eggen vegetationsfrei gemacht werden, in speziellen Fällen auch durch Abdecken mit schwarzer Gärtnerfolie; Abspritzen mit Herbiziden ist nicht zu empfehlen. Einsaaten (Übersaaten) in bestehende Wiesen ohne Entfernen des alten Wiesenbestandes führen nur mit hohem Aufwand zum Erfolg (siehe [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Botanische_Aufwertung_von_verarmten_Naturwiesen_mittels_Einsaaten «Übersaatmethode»]!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gut abgesetzter Boden“ heisst: Die letzte tiefere Bodenbearbeitung (Pflügen, Eggen, Aufbringen einer Bodenschicht) liegt mindestens drei bis vier Wochen vor der Ansaat. Grund: Ist der Boden bei der Ansaat zu locker, fehlt der sogenannte Bodenschluss, und die jungen Keimlinge laufen Gefahr, nicht richtig wurzeln zu können; zudem ist die Wasserzufuhr aus dem Unterboden mangelhaft, was bei Trockenperioden zu grossen Ausfällen führen kann.&lt;br /&gt;
Unmittelbar vor der Saat darf der Boden falls nötig („Unkrautkur“) nur noch sehr flach (ca. 3 cm tief) geeggt oder gefräst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saatzeitpunkt==&lt;br /&gt;
Die Ansaaten sollten, wenn immer möglich, im April oder Mai erfolgen. Dies gilt nicht für Mahdgutübertragungen, die bei optimaler Reife der Spenderflächen durchgeführt werden müssen, also in der Regel im Juni oder Juli. Spätere Ansaaten können durch Trocken- und Hitzeperioden empfindlich beeinträchtigt werden (v.a. die Gräser). Bei Herbstansaaten sind die Verluste über den Winter ebenfalls meist beträchtlich (insbesondere der Kräuter/Wiesenblumen). Können Ansaaten, z.B. aus Gründen des Erosionsschutzes, nicht im April oder Mai erfolgen, bietet sich der Einsatz von Zwischen- und Deckfrüchten an. Eine Beratung von Fachpersonen ist dabei zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saat==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Hydrosaat mit autochthonem Saatgut 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Hydrosaat mit autochthonem Saatgut.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die angegebene Saatmenge wird je nach Situation und Ausrüstung von Hand oder mit geeigneten Maschinen (Hydroseeder, Sämaschine, Düngerstreuer etc.) oberflächlich ausgebracht. Saatgut nicht in den Boden einarbeiten! Bei kleineren Flächen empfiehlt sich eine Handsaat, wobei je die Hälfte des Saatgutes kreuzweise (d.h. zuerst von links nach rechts, dann von hinten nach vorne) ausgebracht wird, um eine gleichmässige Saat sicherzustellen. Auf lockeren Böden (z.B. Landwirtschaftsflächen) muss unmittelbar nach der Saat gewalzt werden. Geeignet sind Gliederwalzen (z.B. Cambridgewalze). Kleine Flächen können auch „angeklopft“ oder „angestampft“ werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nachsaatpflege im Ansaatjahr==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahdgutuebertr_Keimungsphase mit ebenfalls uebertragener Trockenwiesenschnecke 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Mit der Mahdgutübertragung wurden aus der Trockenwiese Schnecken miteingebracht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Fast alle Pflanzen artenreicher Wiesen keimen erst einige Wochen nach der Ansaat und entwickeln sich auch danach nur sehr langsam. Die „Unkräuter“ dagegen keimen meist sofort nach der letzten Bewegung des Bodens und legen dann sofort mit Wachstum los. Vor allem auf humosen Böden können einjährige Pflanzen aus der bodenbürtigen Samenbank schon nach kurzer Zeit völlig überhandnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt heisst es '''Ruhe bewahren''', denn dies ist normal und beeinträchtigt die spätere Entwicklung der Wiese in keiner Weise. Wichtig ist jedoch, dass nicht zu lange mit dem sogenannten Pflegeschnitt zugewartet wird, damit die Keimlinge der angesäten Arten nicht unter einer dicken Pflanzendecke aufgrund von Lichtmangel absterben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Faustregel''': Sobald der Boden nach der Ansaat stellenweise so stark mit „Unkraut“ bedeckt ist, dass er nicht mehr sichtbar ist, sollte ein Pflegeschnitt durchgeführt werden:&lt;br /&gt;
* Hoch mähen (5-10 cm).&lt;br /&gt;
* Das Mähgut muss abgeführt werden.&lt;br /&gt;
* Eventuell muss der Pflegeschnitt im Ansaatjahr ein zweites Mal durchgeführt werden, wenn sich die einjährigen Arten nochmals rasch entwickeln. &lt;br /&gt;
* Auch wenn vorher kein Pflegeschnitt nötig war: Im Herbst vor dem Einwintern, idealerweise in der ersten Septemberhälfte, sollte ein Pflegeschnitt gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtig ist, im Herbst nochmals einen Blick auf den Bestand zu werfen: '''Die Vegetation sollte nicht höher als fausthoch in den Winter gehen''', damit die jungen Pflänzchen nicht mit einer vom Schnee zusammengedrückten „Vegetationsmatte“ zugedeckt werden. Meist ist deshalb vor dem Einwintern, idealerweise in der ersten Septemberhälfte, zumindest der erste, oder aber einfach der letzte von 2 Pflegeschnitten angesagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwickeln sich Blacken (''Rumex obtusifolius'') oder invasive Neophyten, empfiehlt es sich, diese bereits im Ansaatjahr zu zupfen oder auszustechen. Bei allem anderen „Unkraut“ hilft Jäten nichts, im Gegenteil, der Schaden wäre grösser als der Nutzen, der Pflegeschnitt reicht vollauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft wird vergessen: Im Ansaatjahr ist von den angesäten Arten noch so gut wie nichts zu sehen, und es ist nur schwer zu beurteilen, ob eine Ansaat gelungen ist oder nicht. Im Jahr der Ansaat sollten also keine vorschnellen Urteile über das Gelingen gefällt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bewirtschaftung/Pflege in den Nachfolgejahren==&lt;br /&gt;
Erst im Jahr nach der Ansaat lässt sich erkennen, ob sich die Saat gut entwickelt, und das Gesicht der zukünftigen Wiese beginnt sich nach und nach zu zeigen. Es dauert aber je nach Standort und angesäten Arten meist nochmals ein Jahr oder mehr, bis sich alle Pflanzen richtig etabliert haben und sich ein stabiler Pflanzenbestand entwickelt hat.&lt;br /&gt;
Wie bei einem guten Wein ist bei der Neuansaat artenreicher Wiesen also Geduld angesagt! '''Gut Ding will Weile haben.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch bereits jetzt, im Jahr nach der Ansaat, kann zur regulären Pflege/Nutzung mit jährlich ein bis zwei Mähschnitten übergegangen werden. Die Mahd muss unbedingt dem angestrebten Pflanzenbestand und damit den angesäten Arten angepasst sein. Generelle Empfehlungen sind hier schwierig. Folgendes lässt sich aber allgemein festhalten (siehe auch [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimale_Mahdnutzung Kapitel «Erhalt und Aufwertung durch optimale Mahdnutzung»]):&lt;br /&gt;
* Mehr als zwei Mähschnitte sind bei ungedüngten Wiesen in keinem Fall nötig, sondern schaden der Artenvielfalt und verursachen darüber hinaus unnötig Aufwand, Kosten und Ressourcenverbrauch.&lt;br /&gt;
* Die Mahd sollte in der Regel rund 1-2 Wochen nach der Hauptblüte der Wiese durchgeführt werden, damit ein Absamen möglich ist. In vielen Fällen liegt der optimale erste Schnittzeitpunkt in den tieferen Lagen in der zweiten Juni- oder in der ersten Julihälfte.&lt;br /&gt;
* Wo keine Vorgaben für den ersten Schnittzeitpunkt bestehen (z.B. bei Ökoflächen in der Landwirtschaft), ist eine jährliche Variation des Schnittregimes für die Artenvielfalt förderlich (mal eher früh, mal eher spät mähen etc.).&lt;br /&gt;
* Bei der Mahd immer kleine Reste stehen lassen, damit sich dort Tiere in die verbleibenden Strukturen zurückziehen und sich spät blühende Arten noch bis zur Samenreife entwickeln können. Am besten ist es, bei jedem Schnitt 10% der Fläche in Form von Rückzugsstreifen ungemäht zu lassen, jedes Mal wieder an einem anderen Ort. Empfehlenswert ist auch eine gestaffelte Mahd (kleinflächig unterschiedliche Schnittzeitpunkte mit mindestens 3 Wochen Intervall), wo dies vom Aufwand her möglich ist.&lt;br /&gt;
* Wenn möglich nach der Mahd Bodenheu bereiten, d.h. das Gras am Ort an 2-3 niederschlagsfreien Tage trocknen, damit die Pflanzensamen ausreifen und ausfallen können.&lt;br /&gt;
* Das Mähgut ist auf jeden Fall abzuführen. Mulchen vermindert in der Regel die Pflanzenartenvielfalt rasch.&lt;br /&gt;
* Entwickeln sich Stumpfblättriger Ampfer („Blacken“) oder invasive Neophyten wie amerikanische Goldruten oder Einjähriges Berufskraut, müssen diese regelmässig und möglichst von Beginn an gejätet werden. Je früher und konsequenter man damit beginnt, desto mehr Arbeit lässt sich längerfristig sparen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer diese Empfehlungen befolgt, kann schon nach 1-2 Jahren mit einer farbenprächtigen Blumenwiese rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Biodiversität nach erfolgreicher Ansaat noch wirksamer gefördert werden soll, ist zu empfehlen, die Blumenwiese mit Strukturen&amp;lt;!--Link auf Kleinstrukturen, wenn aufgeschaltet--&amp;gt; wie Asthaufen, einer Trockenmauer, Kiesflächen&amp;lt;!--Link auf Pionierflächen, wenn aufgeschaltet--&amp;gt;, einem kleinen [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Teich], einer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Hecke Hecke] oder Einzelbäumen weiter aufzuwerten (siehe auch [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Allgemeine_Massnahmen Allgemeine Massnahmen]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/localseed/richtig-ansaeen/ HoloSem&amp;lt;sup&amp;gt;®&amp;lt;/sup&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Information und Motivation für eine anspruchsvolle Verbundaufgabe=&lt;br /&gt;
Bei Wiesenaufwertungen und artenreichen Grünlandansaaten die richtige Methode zur richtigen Zeit am richtigen Standort zu wählen, um so die Biodiversität optimal fördern zu können, ist anspruchsvoll und nicht selten auch mit Zusatzaufwand und Hindernissen verbunden. Das lassen die bisherigen Ausführungen nicht übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend wichtig ist es, die vielen Akteure auf den verschiedenen Stufen der Entscheidungsprozesse immer wieder auf die Wichtigkeit und die Chancen von Wiesenaufwertungen aufmerksam zu machen und sie über die verschiedenen Möglichkeiten und die Vor- und Nachteile der verfügbaren Methoden zu informieren und weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Informations- und Motivationsaufgabe ist umso grösser, als sehr unterschiedliche Akteure letztlich daran beteiligt sind, wo welche Aufwertungen wie realisiert werden (oder auch nicht realisiert werden). Landschaftsarchitekten, Gartenarchitekten, Umweltbaubegleiter, Umweltverantwortliche, bodenkundliche Begleitplaner, Begrüner, Bauherren, Ökobüros, verschiedenste Amtsstellen von der Gemeinde bis zum Bund, Schulen, Weiterbildungsinstitutionen etc. etc. – und nicht zuletzt Landwirtinnen und Landwirte: Sie alle entscheiden regelmässig mit, was draussen in der Landschaft vor unserer Haustüre passiert. Es ist zu wünschen, dass das vorliegende Informationsangebot (vom Verein biodivers) dazu beiträgt, dass diese Herausforderung in Zukunft noch besser zu meistern, damit die unzähligen Chancen von Naturaufwertungen noch gezielter genutzt werden können als bisher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Weiterführende Literatur=&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier Der Weg zu artenreichen Wiesen. Agridea-Merkblatt, 2010.]&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~2591~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Direktbegr%C3%BCnung-artenreicher-Wiesen-in-der-Landwirtschaft/Deutsch/Print-Papier Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft. Leitfaden für die Praxis zum Einsatz von regionalem Saatgut in Biodiversitätsförderflächen, Agridea, 2015.]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität, Bosshard et al. 2015]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Guideline_restoration_deutsch.pdf Leitfaden zur Renaturierung von artenreichem Grünland. SALVERE 2012]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/08/Wiesenrenaturierung_NuL_2000.pdf Blumenreiche Heuwiesen aus Ackerland und Intensiv-Wiesen. Eine Anleitung zur Renaturierung in der landwirtschaftlichen Praxis. Naturschutz und Landschaftsplanung 32/6 (2000), 161-171.]&lt;br /&gt;
* Gürke, J., Hrsg.: Pro Natura, 2014. Blumenwiesen anlegen und pflegen, Pro Natura Praxis Nr. 21.&lt;br /&gt;
* Kirmer A., Krautzer B., Scotton M., Tischew S. (Hrsg.) 2012: Praxishandbuch zur Samengewinnung und Renaturierung von artenreichem Grünland. Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein.&lt;br /&gt;
* Kiehl K., Kirmer A., Shaw N., Tischew S. (Hrsg.) 2014: Guidelines for Native Seed Production and Grassland Restoration. Cambridge Scholars Publishing&lt;br /&gt;
* Brönnimann D. und Minloff L., 2015: Entwicklung von angesäten extensiven Wiesen im Naturnetz Pfannenstil. Bachelorarbeit&lt;br /&gt;
* Zemp-Lori N., 2016: Besiedlung angesäter extensiver Wiesen durch Tagfalter im Naturnetz Pfannenstil. Bachelorarbeit&lt;br /&gt;
* [https://www.research-collection.ethz.ch/handle/20.500.11850/143994 Renaturierung artenreicher Wiesen auf nährstoffreichen Böden. Ein Beitrag zur Optimierung der ökologischen Aufwertung der Kulturlandschaft und zum Verständnis mesischer Wiesen-Ökosysteme. Dissertationes Botanicae Band 303, Stuttgart 1999.]&lt;br /&gt;
* [https://www.agraroekologie.ch/wp-content/uploads/2016/10/NuL07-10_Mueller_Bosshard.pdf Altgrasstreifen fördern Heuschrecken in Ökowiesen – Eine Möglichkeit zur Strukturverbesserung im Mähgrünland. Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (7), 2010, 212-217.]&lt;br /&gt;
* Grün Stadt Zürich, Fachbereich Naturschutz, 2010. Pflegeverfahren. Ein Leitfaden zur Erhaltung und Aufwertung wertvoller Naturflächen, Leitfaden. Zürich.&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/begruenungen/fachunterlagen/ Weitere Literatur siehe HoloSem / Fachunterlagen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Aufwand und Kosten der beschriebenen Massnahmen enthalten folgende Unterlagen Informationen und Hilfeleistungen:&lt;br /&gt;
* Saatgutkataloge und Webseiten der genannten [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Anwendung_und_Bezug_von_Blumenwiesen-Standardsaatgut Anbieter] von Standard- und autochthonem Saatgut&lt;br /&gt;
* Normpositionenkataloge (nur käuflich erwerblich)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Aufwand und Kosten der beschriebenen Massnahmen enthalten folgende Unterlagen Informationen und Hilfeleistungen:&lt;br /&gt;
* Saatgutkataloge und Webseiten der [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Anwendung_und_Bezug_von_Blumenwiesen-Standardsaatgut genannten Anbieter] von Standard- und autochthonem Saatgut&lt;br /&gt;
* Normpositionenkataloge (nur käuflich erwerblich)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = WiesenhausMatzingen_auchHaeuser_eignen_sich_fuer_artenreiche_Wiesen 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Auch Häuser eignen sich für artenreiche Wiesen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland =&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland#Einleitung Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen Grundlagen]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || Andreas Bosshard|| [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Unter Mitwirkung von || Regula Benz||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Jean-Yves Humbert|| [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Andrea Lips ||  [https://www.pronatura.ch/de Pro Natura]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Winu Schüpbach|| [https://www.quadragmbh.ch/ quadra gmbh] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat&amp;diff=4713</id>
		<title>Grünland/Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat</title>
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				<updated>2023-03-05T17:47:20Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Revalorisation et création de prairies riches en espèces par enherbement direct et ensemencement]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahd Spenderfläche 1 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Ein monotoner Bestand lässt sich mit verschiedenen Methoden innert relativ kurzer Zeit in eine blüten- und artenreiche Wiese umwandeln. In diesem Artikel werden die verschiedenen Verfahren für die Aufwertung von Wiesen vorgestellt. Das Foto zeigt die Mahd einer Spenderfläche früh am Morgen bei feuchter Vegetation.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
{{TOC limit|3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Einleitung=&lt;br /&gt;
Die Neuanlage oder Wiederherstellung artenreicher Wiesen ist eine der wirksamsten Massnahmen zur Förderung der Artenvielfalt. Eine artenreiche Wiese kann 30 bis über 60 Pflanzenarten auf einem einzigen Quadratmeter aufweisen.&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Weltweit können in keinem anderen Ökosystem oder Lebensraum so viele Pflanzenarten auf so kleinen Flächen zusammen existieren. Und eine ökologische Faustregel besagt, dass pro etablierter Pflanzenart 10 Tierarten vorkommen. &lt;br /&gt;
Schon auf wenigen Quadratmetern kann also bei einer Neuschaffung einer artenreichen Wiese enorm viel für die Biodiversität getan werden. Der Artikel beschreibt, mit welchen Methoden artenreiches Wiesland neu geschaffen werden kann, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Methoden haben, und auf welchen Standorten welche mehr oder weniger artenreichen Wiesentypen realistischerweise angestrebt werden können. Die Ausführungen richten sich primär an Praktiker, die bei ihrer Tätigkeit aber nicht nur nach Rezept handeln, sondern auch die ökologischen Zusammenhänge verstehen möchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; während in intensiv genutzten Wiesen oder Rasenflächen als Vergleich höchstens ein gutes Dutzend Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--vorläufig weglassen: == Sich verändernde Ziele und Fragestellungen ==&lt;br /&gt;
Die Neuschaffung und Aufwertung von artenreichen Wiesen kam erst in den 1990er Jahren in grösserem Ausmass auf. Die agrarpolitischen Diskussionen um die enorme Zerstörung der Biodiversität durch die immer intensivere Landwirtschaft führte zur Suche nach Alternativen. Erstmals wurde in den 1990er Jahren in der Schweiz ein Mindestanteil an naturnahen Flächen für jeden Landwirtschaftsbetrieb vorgeschrieben, und es entstanden Bemühungen, die in einigen Teilen der Schweiz praktisch verschwundenen, ehemals fast flächendeckend vorhandenen artenreichen Wiesen mit Ansaaten wieder zurück in die landwirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft zu bringen. Aber auch in Naturschutzgebieten, bei Verkehrsprojekten oder im Siedlungsgebiet wurde zunehmend artenreiches Wiesland neu geschaffen. Entscheidend war dabei, dass entsprechende hochwertige, artenreiche Saatgutmischungen zumindest für trockenere Standorte nun auf dem Markt erhältlich waren. &lt;br /&gt;
Wie der Artikel in einem kurzen historischen Abriss beschreibt, hat sich seit den ersten systematischen Versuchen mit artenreichen Wiesenansaaten in den 1980er und 1990er-Jahren viel verändert. Bis heute kommt laufend neues Wissen dazu, werden neue Ansaatmethoden entwickelt oder kommen neue Saatgutmischungen und -verfahren auf den Markt. Gleichzeitig haben sich das Bewusstsein, die Prioritäten und die Zielsetzungen bei der Neuschaffung artenreichen Wieslandes immer wieder verändert. &lt;br /&gt;
Seit wenigen Jahren wird beispielsweise nicht nur auf die eingebrachten Pflanzenarten, sondern auch auf die genetische Vielfalt innerhalb der Arten geachtet. Zunehmend wird deshalb heute in der Schweiz und der EU die Verwendung lokaler oder regionaler Ökotypen gefordert und sogar in neuen Rechtserlassen vorgeschrieben. Wurde früher fast ausschliesslich Standardsaatgut verwendet, gab dieser Bewusstseinswandel der Anwendung von Direktbegrünungsverfahren starken Auftrieb.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Standardsaatgut und Direktbegrünung – eine Begriffsklärung==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ArtenreichesAutochthSaatgut_Ernte_aus_eBeetle 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Artenreiches, autochthones Saatgut&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit der Förderung und Schaffung artenreicher Wiesen werden einige nicht allgemeinverständliche Fachbegriffe verwendet. Die wichtigsten sollen hier kurz erläutert werden – zumal einige noch „jung“ sind und ihre Anwendung deshalb oft nicht einheitlich erfolgt, was Verwirrung stiften kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bezeichnung von Saatguttypen und Saatgutherkünften''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das bis vor wenigen Jahren übliche Saatgut für die Ansaat artenreicher Wiesen war '''''Standard'''saatgut''. Bei Standardsaatgut wird jede einzelne Art in Reinkultur zur Gewinnung von Samen angebaut und das geerntete Saatgut dann nach einer bestimmten Rezeptur zusammengemischt. Man spricht deshalb auch von ''Vermehrungssaatgut''. Das Ursprungssaatgut stammt entweder von Wildpflanzen (sog. ''Basissaatgut''), oder es werden Zucht- bzw. Handelssorten verwendet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wenn eine Saatgutmischung ganz aus Arten besteht, deren Basissaatgut von besammelten Wildpflanzen einer bestimmten Region stammt und das Saatgut anschliessend in derselben Region vertrieben wird, wird vor allem in Deutschland von '''''Regio'''saatgut'' gesprochen. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dem Standardsaatgut stehen die sogenannten '''''Direktbegrünungsverfahren''''' gegenüber. Dabei wird das Saatgut direkt auf geeigneten Spenderwiesen als Samengemisch geerntet und ohne Zwischenvermehrung auf die Ansaat- oder Empfängerfläche übertragen. Die Methode wird deshalb auch als „Wiesenkopierverfahren“ bezeichnet. Dabei kommen verschiedene Ernte- und Übertragungsmethoden zur Anwendung wie Mahdgutübertragung, der Mähdrusch oder die Sodenversetzung. In Abgrenzung zum Regiosaatgut wird das Saatgut aus Direktbegrünungsverfahren '''''autochthones''''' (oder manchmal auch '''lokales''') Saatgut genannt. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Begriffsdefinitionen werden in den deutschsprachigen Ländern allerdings noch nicht überall einheitlich verwendet. So wird teilweise auch autochthones Saatgut als Regiosaatgut bezeichnet, oder Direktbegrünung wird teilweise nicht als Überbegriff, sondern synonym mit Mahdgutübertragung gebraucht. Heugrassaat wird auch als synonymer Ausdruck für Direktbegrünung, Ökotypensaatgut für Regiosaatgut, oder Handelssaatgut bzw. Regelsaatgut für Standardsaatgut verwendet. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Weitere wichtige Fachbegriffe''', die in diesem Artikel genannt werden, sind jeweils im Text näher erläutert, oder ihre Bedeutung erschliesst sich ohne weitere Erläuterung aus dem Zusammenhang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Neuanlage artenreicher Wiesen: Kurzer historischer Rückblick auf eine dynamische Entwicklung=&lt;br /&gt;
Artenreiches Wiesland aus Naturschutzgründen neu zu schaffen wurde erstmals in den 1960er Jahren in grösserem Stil praktiziert. (vgl. Bosshard &amp;amp; Klötzli 2003 &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;). Dabei war das Interesse ganz auf nährstoffarme Standorte in Schutzgebieten gerichtet. Als Methoden dienten eine natürliche Besiedlung mit Arten aus der Umgebung, aber auch Mahdgutübertragungen, Pflanzungen oder Sodenversetzungen kamen damals bereits zur Anwendung. Käufliche Saatgutmischungen mit den gewünschten einheimischen Arten existierten damals keine. Die verfügbaren Mischungen stammten alle aus dem Ausland. Sie enthielten nicht-einheimische Arten und sogar Zuchtsorten, die im Widerspruch standen zu den naturschützerischen Zielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Bosshard A. &amp;amp; F. Klötzli 2003: Restoration Ecology. In: Bastian O. &amp;amp; U. Steinhardt (Hrsg.): Development and Perspectives in Landscape Ecology: conceptions, methods, application. Kluwer. ISBN 1-4020-0919-4.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfolg durch neue Saatgutmischungen==&lt;br /&gt;
Erst Ende der 1980er Jahre gab der Naturschutz seinen fast ausschliesslichen Fokus auf Schutzgebiete auf und erkannte, dass die Biodiversität nur erhalten werden kann, wenn Naturschutzmassnahmen vermehrt flächenwirksam etabliert, d.h. auch ausserhalb von Naturreservaten neue artenreiche Flächen geschaffen werden können. Damit rückte die landwirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft und somit auch nährstoffreichere Flächen ins Zentrum von Aufwertungsbemühungen. &lt;br /&gt;
Da im Kulturland in den tieferen Lagen kaum noch artenreichere Biotope existierten, wurden in verschiedenen Teilen der Schweiz und in anderen Ländern Europas Projekte lanciert, welche in Zusammenarbeit mit Landwirtschaftsbetrieben ökologische Aufwertungen planten und realisierten. Eines dieser Projekte war „Landwirtschaft und Naturschutz aus Bauernhand“ &amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;. Politisch und institutionell breit abgestützt, entwickelte und testete das Pilotprojekt Anfang der 1990er Jahre auf neun Landwirtschaftsbetrieben im Kanton Zürich Massnahmen für eine zukünftige Agrarpolitik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt; Landwirtschaft und Naturschutz aus Bauernhand. Schlussbericht des CH91-Pilotprojektes auf 9 Bauernhöfen im Kanton Zürich 1989-1991. Zürcher Vogelschutz, Zürcher Naturschutzbund, WWF Sektion Zürich und Zürcher Bauernverband, Zürich. 58 S.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Artenvielfalt auch auf nährstoffreichen Böden möglich?==&lt;br /&gt;
Unter diesen Massnahmen waren auch erste Versuche, bei denen damals neu verfügbares Saatgut mit verschiedenen Arten blumenreicher Wiesen ausgetestet wurde. Denn bereits damals war aufgrund vieler Untersuchungen klar, dass die Samen der meisten Wiesenarten nur kurzfristig im Boden überleben&amp;lt;!-- Link auf Pflanzenartikel, wenn dort Infos zu Lebensdauer von Samen ergänzt worden ist --&amp;gt;. Das heisst, dass eine intensive Nutzung über drei oder vier Jahren bereits genügte, um die Pflanzenarten artenreicher Wiesen zum Verschwinden zu bringen. Eine Wieder-Extensivierung der Nutzung bringt sie – auch nach jahrelangem Warten – alleine nicht zurück. Vielmehr müssen sie jeweils neu eingebracht, sprich angesät werden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Allerdings war völlig unklar, ob sich die eingebrachten Arten auf den nährstoffreichen Böden überhaupt etablieren können. Zumindest widersprach dies der damals vertretenen ökologischen Lehre. Nichtsdestotrotz entwickelten sich bei den Versuchsansaaten des Zürcher Pilotprojektes auf vorher intensiv genutzten Ackerflächen im zweiten Jahr tatsächlich niederwüchsige, artenreiche, an Magerwiesen erinnernde Wiesenbestände. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser unerwartete Erfolg gab Anlass zu einer Dissertation. Auf zahlreichen Landwirtschaftsbetrieben in der Ostschweiz wurden auf über einem Dutzend Hektar unzählige Versuchsflächen mit verschiedenen Mischungsvarianten von Wiesenkräutern, -leguminosen und -gräsern angelegt (Bosshard 1999 &amp;lt;sup&amp;gt;4&amp;lt;/sup&amp;gt;). Die ersten Versuche führten allerdings zu instabilen Pflanzenbeständen, die nach wenigen erfolgreichen Jahren vergrasten und den Grossteil der eingesäten Arten wieder verloren. Durch Verbesserungen in der Artenzusammensetzung, insbesondere der Gräserkomponente, gelang es schliesslich, auch auf vorher intensiv genutzten Böden langfristig stabile Blumenwiesenbestände zu etablieren. Als Resultat der Dissertation wurden vier Mischungsvarianten empfohlen, die heute als ''Salvia'', ''Humida'', ''Broma'' und ''Montagna'' auf dem Schweizer Markt breit etabliert sind und mit denen mittlerweile Hunderte, wenn nicht Tausende von Hektaren artenreicher Wiesen angesät worden sind und weiterhin angesät werden, vor allem in der Landwirtschaft, aber auch zunehmend im Siedlungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;4&amp;lt;/sup&amp;gt; Bosshard A. 1999: Renaturierung artenreicher Wiesen auf nährstoffreichen Böden. Ein Beitrag zur Optimierung der ökologischen Aufwertung der Kulturlandschaft und zum Verständnis mesischer Wiesen-Ökosysteme. Dissertationes Botanicae Band 303 Stuttgart. 201 S. [https://www.research-collection.ethz.ch/handle/20.500.11850/143994 Online-version]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Breites Saatgutangebot, erfolgreiche Mischungen==&lt;br /&gt;
Dass dies überhaupt möglich war, ist der engagierten Pionierarbeit verschiedener Saatgutfirmen zu verdanken, die ab Mitte der 1990er Jahre in der Schweiz ein immer breiteres Spektrum an typischen Wiesenblumenarten Schweizerischer Herkunft für die neuen Mischungen verfügbar machten. Seit einigen Jahren besteht nun auch bei den Wiesengräsern ein breites Angebot an einheimischen Ökotypen für diese Mischungen.&lt;br /&gt;
Die Erfolgsrate der artenreichen Ansaaten in der Landwirtschaft beträgt mittlerweile über 90% gemessen am botanischen Qualitätsniveau QII (s. folgendes Kapitel). Dabei zeigen umfangreiche Datensätze, dass auf trockeneren Standorten die Artenzahl und der Blumenanteil im Laufe der Jahre eher zunimmt, während an feuchteren oder schattigeren Standorten bei den bestehenden Standard-Blumenwiesenmischungen die gegenteilige Tendenz besteht &amp;lt;sup&amp;gt;5&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Die hohe Erfolgsrate hängt allerdings nicht nur mit optimiertem Saatgut zusammen, sondern ist gerade im nährstoffreicheren Böden auch stark abhängig von einer korrekten Durchführung der Ansaat (s. Kap. [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Herkunft_des_Saatgutes:_Empfehlungen.2C_Standards_und_rechtliche_Vorgaben &amp;quot;Herkunft des Saatgutes: Empfehlungen, Standards und rechtliche Vorgaben&amp;quot;]. Auch wenn dazu bisher keine systematischen Auswertungen vorliegen, scheinen die Erfolgsraten in Kantonen, bei denen für Wiesenaufwertungen eine Beratung/Begleitung angeboten wird oder obligatorisch ist (z.B. LU, AG, TG), deutlich höher zu liegen als in den übrigen Regionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;5&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. Brönnimann &amp;amp; Minloff 2015 sowie bisher unveröffentlichte Monitoringresultate aus verschiedenen Kantonen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fördersystem für Blumenwiesen in der Schweizer Landwirtschaft==&lt;br /&gt;
Der hauptsächliche Treiber der Blumenwiesenansaaten auf Landwirtschaftsflächen ist der finanzielle Anreiz durch das Direktzahlungssystem. Im Zuge der Agrarreform wurden nämlich ab dem Jahr 2001 sogenannte „Öko-Qualitätsbeiträge“ (ab 2014 als sog. Biodiversitätsförderflächen-QII-Beiträge bezeichnet, kurz BFF-QII) eingeführt. Diese werden ausbezahlt, wenn in einer angemeldeten Ökowiese innerhalb einer Aufnahmefläche von 3 m Radius mindestens 6 Pflanzenarten aus einer [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1547~1/3~410245~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Beitr%C3%A4ge-und-Bedingungen-im-%C3%96koausgleich/Zeigerpflanzen-Wiesen-BFF-Alpennordseite/Deutsch/Print-Papier Liste von rund 45 Zeigerpflanzenarten] nachgewiesen werden. In den letzten Jahren sind diese Qualitätsbeiträge laufend angestiegen, während die „Basis-Biodiversitätsbeiträge“ im gleichen Masse abgenommen haben. Damit stieg die Attraktivität der Ansaaten entsprechend. Bereits nach 1-2 Jahren sind dank den Biodiversitätsbeiträgen die Kosten einer Neuansaat nicht selten amortisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ökologische Bedeutung von Direktbegrünungsverfahren=&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Ansaat_eines_gefrästen_Streifens_mit artenr_autochth_Saatgut 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Ansaat eines gefrästen Streifens mit autochthonem Saatgut.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die Blumenwiesenmischungen mit Ökotypen aus Schweizer Herkunft wurden bald so zahlreich eingesetzt, dass diese Entwicklung von Seiten der Ökologie und des Naturschutzes zunehmend kritisiert wurde. Denn alle neu angesäten Wiesen sahen landauf landab sehr ähnlich aus, hatten immer fast dieselbe Artenzusammensetzung und basierten alle auf denselben paar wenigen Ökotypen aus dem Ursprungssaatgut der Saatgutfirmen, egal ob die angesäten Wiesen im Wallis, im Seeland, im Randen oder im Bündnerland lagen. Diese Standardisierung steht im Kontrast zur enormen Vielfalt verschiedener Wiesentypen, die sich im Naturwiesland der Schweiz von Region zu Region in Bezug auf ihre typische Artenzusammensetzung stark unterschieden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Immer mehr Untersuchungen der letzten Jahre wiesen ausserdem darauf hin, dass kleinräumig eine grosse genetische Vielfalt auch innerhalb jeder Pflanzenart besteht. Je grösser die Entfernung und je unterschiedlicher das Klima zwischen zwei Herkunftsregionen ist, umso deutlicher fallen auch die genetischen Unterschiede aus &amp;lt;sup&amp;gt;6&amp;lt;/sup&amp;gt;. Dies zeigt sich auch im ökologischen Verhalten. Viele der untersuchten Wiesenarten wuchsen besser, wenn die Pflanzen regionaler Herkunft waren. So lieferten die regionalen Gewächse im Schnitt beispielsweise zehn Prozent mehr Blütenstände als Artgenossen, die aus anderen Gegenden stammten &amp;lt;sup&amp;gt;7&amp;lt;/sup&amp;gt;. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von Tal zu Tal, ja von Wiese zu Wiese bestehen genetische Anpassungen und Unterschiede, sogenannte Ökotypen. Diese innerartliche genetische Vielfalt ist zwar äusserlich oft nur schwer zu erkennen, aber ökologisch von grosser Bedeutung. Denn sie bedeutet eine Anpassung an die unterschiedlichsten Standorts- und Nutzungsbedingungen und ist damit eine wichtige Voraussetzung für die Stabilität von Ökosystemen. So konnten Untersuchungen zeigen, dass der Deckungsgrad höher und damit der Ansaaterfolg besser sind, wenn Ökotypen aus der Region statt Saatgut von weiter entfernt liegenden Gegenden verwendet wird. Im Gegenzug konnten sich weniger unerwünschte, nicht angesäte Arten (z.B. Neophyten) etablieren (Weisshuhn et al. 2012 &amp;lt;sup&amp;gt;8&amp;lt;/sup&amp;gt;). Ein deutliches Indiz dafür, dass diese Pflanzen regional angepasst sind. Sie kommen also in der Nähe ihrer ursprünglichen Herkunft besser zurecht. Andere Untersuchungen zeigen, dass die Inzucht von autochthonem Saatgut geringer ist als von Vermehrungssaatgut &amp;lt;sup&amp;gt;9&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;6&amp;lt;/sup&amp;gt; z.B. Durka, W. et al. (2016): Genetic differentiation within multiple common grassland plants supports seed transfer zones for ecological restoration. – Journal of Applied Ecology 54/1, 116-126. [https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1365-2664.12636 PDF].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;7&amp;lt;/sup&amp;gt; Durka W. et al. (2019): Regionales Saatgut von Wiesenpflanzen: genetische Unterschiede, regionale Anpassung und Interaktion mit Insekten. Natur und Landschaft 94/4, 146-153. [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/News/Regionales%20Saatgut%20von%20Wiesenpflanzen.pdf PDF]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;8&amp;lt;/sup&amp;gt; Weisshuhn K., Prati D., Fischer M., Auge H. (2012): Regional adaption improves the performance of grassland plant communities. Basic and Applied Ecology 13/6, 551-559. [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1439179112000710 Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;9&amp;lt;/sup&amp;gt; Aavik T., Bosshard D., Edwards P., Holderegger R., Billeter R. (2014): Genetische Vielfalt in Wildpflanzen-Samenmischungen. Agrarforschung Schweiz 5 (1): 20–27. [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Aavik_et_al_Agrarfo2014.pdf PDF]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Herkunft des Saatgutes: Empfehlungen, Standards und rechtliche Vorgaben=&lt;br /&gt;
Um die genetische Vielfalt auf Ökotypenebene zu berücksichtigen, hat bereits 1998 die schweizerische Kommission für die Erhaltung von Wildpflanzen (SKEW), heute Teil von Info Flora, Empfehlungen herausgegeben. Diese verlangen, dass das verwendete Saat- und Pflanzgut für Blumenwiesen aus der gleichen biogeographischen Region wie die Empfänger-Parzelle stammen soll. Bei häufigen, taxonomisch wenig differenzierten Arten sollen die sechs Grossregionen der Schweiz – d. h. Jura, Mittelland, Alpennordflanke, westliche und östliche Zentralalpen und Südalpen – eingehalten werden (siehe Abbildung). Taxonomisch schwierige Arten mit unregelmässiger Verbreitung sollen die elf Kleinregionen einhalten. Ausserdem ist es gemäss den Empfehlungen wichtig, standörtliche und regionale Unterschiede wie Höhenlage, Bodenverhältnisse und Exposition zu berücksichtigen. Nur so entspricht die zu begrünende Fläche den ökologischen Anforderungen der eingebrachten Arten. Die Empfehlungen verlangen auch, dass die gefährdeten Arten nicht in Samenmischungen gehandelt werden. Für diese gelten [https://www.infoflora.ch/de/flora/ansiedlung.html spezifische Richtlinien]. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Richtlinien von Info Flora entsprechen dem, was auch in verschiedenen Gesetzen und Verordnungen verlangt wird, insbesondere im Natur- und Heimatschutzgesetz, welches verlangt, die einheimische Tier- und Pflanzenwelt sowie ihre biologische Vielfalt und ihren natürlichen Lebensraum zu schützen &amp;lt;sup&amp;gt;10&amp;lt;/sup&amp;gt;. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Praxis finden die Richtlinien von Info Flora leider nur sehr begrenzt Berücksichtigung. Die eine Seite des Problems liegt beim Handel. Auch wenn die Saatgutfirmen die Herkünfte kennen und getrennt vermehren, werden sie – aus logistischen Gründen und den damit verbundenen Kosten –leider nicht so gekennzeichnet. Der Nutzer kann damit beim Kauf von Standardsaatgut die Empfehlungen gar nicht so einhalten, weil die Herkünfte in den Handels-Saatgutpackungen vermischt sind. Gewisse Kantone haben für landwirtschaftliche Ansaaten mit Saatgutproduzenten Abmachungen und erhalten spezifische Mischungen von und für ihre Region, die den Lebensräumen angepasst sind – dies ist aber leider die Ausnahme. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite sind die Richtlinien auch bei den Anwendern noch sehr oft nicht angekommen. So wird in der Praxis oft auch dort, wo Saatgut gemäss den Info Flora-Empfehlungen verfügbar wäre, dieses oft nicht berücksichtigt mangels Wissens oder als Folge fehlerhafter Ausschreibungen. Dies ist insbesondere im Verkehrsbereich (Böschungsbegrünungen etc.) der Fall, wo jedes Jahr Hunderte von Hektaren neu begrünt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = biogeografische Regionen CH.png&lt;br /&gt;
| text = Die Biogeographischen Regionen der Schweiz: blau = Jura und Randen; hellgrün =  Hochrhein- und Genferseegebiet; dunkelgrün = Westliches Mittelland; grün = Östliches Mittelland; hellblau = Voralpen; dunkelblau = Nordalpen; gelb = Westliche Zentralalpen, orange = Östliche Zentralalpen; rot = Südalpen; braun = Südlicher Tessin &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Quelle: Gonseth, Y.; Wohlgemuth, T.; Sansonnes, B.; Buttler, A. (2001): Die biogeographischen Regionen der Schweiz. Erläuterungen und Einteilungsstandard. Umwelt Materialien Nr. 137 Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft Bern. 48 Seiten.).&lt;br /&gt;
}}                                                                       &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der grossflächig stattfindenden Uniformierung und Florenverfälschung &amp;lt;sup&amp;gt;11&amp;lt;/sup&amp;gt; durch nicht den Richtlinien entsprechenden Saatgutmischungen nahm der Druck zu, vermehrt autochthones Saatgut lokaler Provenienz zu verwenden, wo die Herkunft im Detail nachgewiesen werden kann (vgl. dazu Tab. 1). 2014 wurde die Direktzahlungsverordnung mit einem Passus ergänzt, der für landwirtschaftliche Blumenwiesenansaaten im Rahmen der Verfügbarkeit die Anwendung von Direktbegrünungen vorschreibt (DZV Art. 58 Abs. 8). Deutschland geht noch einen Schritt weiter und verlangt ab 2020 generell bei der Neuanlage von Grasland in der freien Landschaft die Verwendung von gebietseigenem Saatgut (BNatSchG §40).&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Bewusstseinswandel und die damit einhergehende teilweise angepasste Rechtslage gab der Anwendung von Direktbegrünungsverfahren starken Auftrieb. So werden in der Schweiz immer häufiger Mahdgutübertragungen durchgeführt, und dies bei korrekter Anwendung mit durchwegs guten Erfolgen &amp;lt;sup&amp;gt;12&amp;lt;/sup&amp;gt;. Da Mahdgutübertragungen v.a. aus logistischen Gründen oft nur beschränkt eingesetzt werden können, wurden in den letzten 10 Jahren verschiedene Ernteverfahren für autochthones Saatgut entwickelt oder weiterentwickelt (s. Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Direktbegr.C3.BCnungsverfahren Direktbegrünungsverfahren]). Damit kann das Saatgut aus den Spenderflächen getrocknet, gereinigt und abgesackt werden. Das Saatgut kann damit in Bezug auf die Ansaattechnik und den Ansaatzeitpunkt genau so flexibel wie Standardsaatgut eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;10&amp;lt;/sup&amp;gt; Vgl. die ausführliche Zusammenstellung und Interpretation der rechtlichen Grundlagen im [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen], Seiten 11-15.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;11&amp;lt;/sup&amp;gt; Begriffserklärung und Beispiele siehe Box «Florenverfälschung».&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;12&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. Studie &amp;lt;!-- noch nicht beschaffen können: Wolfgang Bischoff/Pro Natura und Studie --&amp;gt;Pro Natura/Ö+L 2017 ([http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/05/BerichtAnsaatenArtenreicheWiesenKtAG2014-16.pdf PDF]).&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Engpass Spenderflächen==&lt;br /&gt;
Vor allem im Mittelland und einigen Voralpenregionen sind geeignete Spenderflächen allerdings so rar, dass die Produktion von autochthonem Saatgut den potenziellen Bedarf bei weitem nicht abdecken kann. In diesen Regionen wird Standardsaatgut mit Ökotypen aus diesen Regionen auch in Zukunft ein wichtiger Pfeiler für die Renaturierung von artenreichen Wiesen bleiben – dies umso mehr, da für das Mittelland beim Standardsaatgut auch das grösste Angebot an Arten existiert. Im Berggebiet und auf der Alpensüdseite dagegen besteht sowohl in Anbetracht der sehr unterschiedlichen Standortsbedingungen und Höhenlagen, als auch aufgrund des sehr begrenzten Angebotes von Arten aus den betreffenden biogeographischen Regionen kaum geeignetes Standardsaatgut. Dafür sind in diesen Regionen Spenderflächen meist noch zahlreich verfügbar, so dass hier in Zukunft vorwiegend autochthones Saatgut zum Einsatz kommen dürfte. Von der bisherigen Praxis, in diesen Regionen Mischungen mit Ökotypen aus dem Mittelland zu verwenden, sollten die zuständigen Amtsstellen und weiteren Akteuren wegkommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Was ist «Florenverfälschung»?''' &amp;lt;br /&amp;gt; Unter Florenverfälschung wird die Beeinträchtigung der einheimischen Pflanzen-Biodiversität durch die Einführung fremder Pflanzenarten oder fremder Ökotypen verstanden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schädigende Auswirkungen auf die Biodiversität können von folgenden zwei Prozessen ausgehen:&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
a) Heimische Arten oder Ökotypen werden durch die eingebrachten Arten oder Ökotypen verdrängt. Bekannt sind die Auswirkungen invasiver Neophyten, also sich aggressiv ausbreitende Pflanzenarten aus anderen Kontinenten wie de Goldruten (''Solidago canadensis'') oder der Japanknöterisch (''Reynoutria japonica''). Auch einheimische Arten können invasiv sein, z. B. Schilf (''Phragmites australis'') oder Klappertopf (''Rhinanthus alectorolophus''). Ein Beispiel für eine Ökotypen-Invasion stellt der europäische Schilfrohr-Ökotyp in Amerika dar, der dortige Populationen weitgehend verdrängt hat (vgl. Kowarik 2003).&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
b) Die vorhandenen lokalheimischen Ökotypen kreuzen sich mit den eingebrachten Ökotypen und verlieren dadurch ihre spezifischen, zum Teil ausgeprägten physiologischen und ökologischen Anpassungen an die lokalen Bedingungen (Klima, Standort, Bewirtschaftung). Mit der Einkreuzung verschwindet auch der betreffende Ökotyp als Bestandteil der Biodiversität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess b) dürfte viel bedeutsamer sein als a), ist aber gleichzeitig viel schwieriger zu beobachten und nachzuweisen. Beide Prozesse haben nicht auf die Flora, sondern ebenso auf die Tierwelt negative Auswirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. S. 21.]&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verfügbarkeit von Ökotypensaatgut regionaler Herkunft (Regiosaatgut) war ein grundlegender Fortschritt gegenüber dem früher aus dem Ausland importierten „Billigsaatgut“, das nicht nur Ökotypen aus vielen anderen Ländern enthielt, sondern teilweise sogar Zuchtformen oder auch Arten, die gar nicht in der Schweiz heimisch waren. Ein Beispiel war der Wiesenknopf (''Sanguisorba muricata''), der dem heimischen Kleinen Wiesenknopf (''Sanguisorba  minor'') sehr ähnlich sieht. Andere Beispiele sind Rotklee (''Trifolium pratense'') und Hornklee (''Lotus corniculatus'') oder Fromental (Glatthafer) (''Arrhenaterum elatius''), bei denen noch bis vor wenigen Jahren regelmässig Zuchtformen verwendet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wo lassen sich welche artenreichen Wiesentypen neu anlegen?=&lt;br /&gt;
Artenreiche Wiesen können praktisch überall neu angelegt werden, vorausgesetzt Ansaatmethode und Saatgut sind sachgemäss auf den Standort und die zukünftige Nutzung abgestimmt. Je nach Standort und Nutzung entstehen dabei unterschiedliche Wiesentypen mit einer unterschiedlichen Artenzusammensetzung und Artenvielfalt. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die wichtigsten Anwendungsbereiche für die Neuanlage artenreicher Wiesen sind Naturschutzgebiete, ehemaliges Ackerland, bisher intensiv genutzte verarmte Wiesen im Landwirtschaftsgebiet, Hochwasserschutzdämme und Gewässerräume, Böschungen von Verkehrswegen, Rasenflächen in Gärten oder Parks, neu geschaffene Umgebungen von Siedlungen, aber auch kleinflächige Objekte wie Verkehrsinseln oder kleine Gartenbereiche. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Besonders artenreich werden Wiesen auf relativ nährstoffarmen Standorten mit extensiver Nutzung, das heisst auf Flächen, die nicht gedüngt und nur ein- bis höchstens zweimal pro Jahr gemäht werden (Abb. 2). Bei erhöhtem Nährstoffgehalt und etwas häufigerer Mahd nimmt die Artenzahl zunehmend ab. Doch auch auf ehemals intensiv genutzten, nährstoffreichen Böden können bei sachgemässer Ausführung und Bewirtschaftung blumenreiche Wiesentypen langfristig erfolgreich angelegt werden. Sogar in Rasenflächen, die bis zu sechsmal jährlich gemäht werden, können sich viele attraktive und für Insekten wertvolle Blumenarten wie Salbei, Margerite, Brunelle, Thymian etc. langfristig halten. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei sehr nährstoffarmen Verhältnissen (z.B. Rohböden)&amp;lt;!--Link auf Pionierflächen, wenn vorhanden--&amp;gt; ist die Artenzahl und die Blühfreudigkeit der Wiesentypen etwas geringer, dafür lassen sich unter solchen Standorten besser gefährdete Arten ansiedeln.  &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Standortansprache, also die Beurteilung, welcher artenreiche Wiesentyp an einem gegebenen Ort angelegt werden kann, ist entscheidend für den späteren Erfolg. Doch die Standortbeurteilung bereitet oft Mühe. Es lohnt sich deshalb, für diesen ersten ausschlaggebenden Schritt eine erfahrene Fachperson beizuziehen. Sie kann für den individuellen Fall die wichtigsten Hinweise zum anzustrebenden Wiesentyp, zur richtigen Bodenvorbereitung, zur Ansaatmethode, zum geeigneten Saatgut und zu den Anforderungen an Bewirtschaftung und Pflege geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die wichtigsten Wiesentypen und ihre Standorte für die Neuanlage artenreicher Wiesen==&lt;br /&gt;
Im Wesentlichen sind folgende fünf [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Wiesentypen] für die Neuanlage artenreicher Wiesen bis in eine Höhenlage von maximal 1000 m ü. M. relevant (siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Typologie_des_Gr.C3.BCnlands Kapitel «Typologie des Grünlands»]). Die Reihenfolge in der nachfolgenden Abbildung richtet sich nach einem Gradienten von trocken bis feucht und von nährstoffarm bis mässig nährstoffreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Wiesentypen Neuanlage de.png&lt;br /&gt;
| text = Ökogramm mit den wichtigsten Wiesentypen, die für eine Neuanlage artenreicher Wiesen in Frage kommen. Wo es sehr trocken ist, ist die Verfügbarkeit von Nährstoffen stark eingeschränkt, weshalb es keine Wiesentypen in der Ecke oben rechts gibt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. '''Trockenrasen'''&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt;  (''Xerobromion''): Dieser Wiesentyp bildet sich nur auf sehr sonnigen, heissen Standorten mit sehr mageren Böden aus (z.B. Rohböden wie Kies- oder Sandflächen). Trockenrasen sind lückig, sehr artenreich, aber oft etwas weniger blühfreudig als die Halbtrockenrasen. Trockenrasen werden oft nur jedes zweite Jahr gemäht, so dass auch verholzte niedrige Sträucher wie verschiedene Ginsterarten aufkommen können. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
2. '''Trespen-Halbtrockenrasen'''&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt; (''Mesobrometum''): Verbreiteter, blumen- und artenreicher Wiesentyp an sonnigen, nährstoffarmen, (zumindest schwach) humusierten Standorten. Wird jährlich im Juli geheut und im Herbst je nach Wüchsigkeit noch ein zweites Mal gemäht. Charakterarten sind das bestandesbildende Gras Aufrechte Trespe (''Bromus erectus'') und bei den Kräutern z.B. Thymian (''Thymus'' sp.), Esparsette (''Onobrychis viciifolia''), Salbei (''Salvia pratensis'') und bei schwacher Nutzung Dost (''Eupatorium cannabinum'') und Hauhechel (''Ononis'' sp.). &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
3. '''Fromentalwiese trockene Ausprägung''' (''Arrhenatheretum salvietosum''): Ziemlich artenreiche, sehr blütenreiche Wiese, die in der Regel in der zweiten Junihälfte geheut wird und danach noch 1-2 weitere Emdschnitte benötigt. Sie bildet sich auf humusreicheren, vormals oft intensiv gedüngten Böden an sonnigen Lagen aus. Charakterarten sind Salbei (''Salvia pratensis''), Wiesenbocksbart (''Tragopogon pratensis'') oder Margerite (''Leucanthemum vulgare''). &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
3a. '''&amp;quot;Blumenrasen&amp;quot;''': Auf Fromentalwiesenstandorten, also auf humusreicheren, gut mit Nährstoffen versorgten Böden auf mittleren oder trockeneren Standorten bilden sich bei sehr häufiger Mahd Rasen im gartenbaulichen Sinne aus. Wird ein Rasen alle 1-2 Wochen gemäht, überleben nur wenige Pflanzenarten, vor allem ausläufertreibende, niederwüchsige Gräser und einige Klee- und Kräuterarten. Wird die Schnittfrequenz auf maximal 5-6 Schnitte pro Jahr reduziert und die Düngung eingestellt, haben viele Arten der Fromentalwiesen und teilweise auch der Trespen-Halbtrockenrasen eine Chance, sich zu etablieren und zu reproduzieren. Dieser «Wiesentyp» wird in der Regel Blumenrasen genannt und findet zunehmend Verbreitung im Siedlungsbereich. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
4. '''Fromentalwiesen frische Ausprägung''' (''Arrhenatheretum cirsietosum oleracei''): Ziemlich arten- und blütenreiche Wiese. Bewirtschaftung/Pflege wie bei (3). Sie bildet sich auf humusreicheren, vormals oft intensiv gedüngten Böden an schattigeren und/oder frischen bis feuchten Standorten aus. Charakterarten sind Kuckuckslichtnelke (''Lychnis floc-cuculi'') und Kohldistel (''Cirsium oleraceum''). An schattigen oder feuchten Standorten bilden sich bei sehr extensiver Nutzung (Mahd alle 2 Jahre oder jährlich im Spätherbst) Hochstaudensäume (''Filipendulion'', 4b) mit farbenprächtigen Arten wie Mädesüss (''Filipendula ulmaria''), Gilbweiderich (''Lysimachia vulgaris'') oder Blutweiderich (''Lythrum salicaria'') aus.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
5. '''Streuwiesen''' &amp;lt;!---Link auf Feuchtgebiete wenn vorhanden--&amp;gt;(''Molinion'', ''Caricetum davallianae'' u.a.): Magere, feuchte bis vernässte Standorte sind für Wiesenneuanlagen eher selten und werden vor allem bei Naturschutzprojekten gezielt geschaffen mittels baulichen Massnahmen, z.B. bei Wiedervernässungen oder bei der [https://biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser/Bau_von_Gew%C3%A4ssern Schaffung von Weihern]. Unter diesen Standortbedingungen bilden sich niederwüchsige, teilweise sehr artenreiche Streuwiesentypen aus, die in der Regel einmal jährlich im Spät-herbst gemäht werden.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt; «Rasen» wird hier in pflanzensoziologischer Terminologie verwendet und bedeutet «niederwüchsige Vegetation aus Kräutern».&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = artenhaeufigkeiten wiesen de.png&lt;br /&gt;
| text = Zusammenhang zwischen Nutzungsintensität, Ertrag und Vielfalt (Artendichte) an Pflanzenarten in Naturwiesen, schematisch; Orientierungswerte für Wiesen trockener und mesischer Standorte der kollinen bis montanen Stufe der Schweiz. Düngung und Nutzungshäufigkeit nehmen von links nach rechts zu. TS = Trockensubstanz. Der mit 1 bezeichnete Bereich entspricht in den tieferen Lagen den Trespen-Halbtrockenrasen, 2 den Fromentalwiesen. Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas: Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe. Haupt Verlag, Bern. (ergänzt)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Standort- und Vegetationsbeurteilung=&lt;br /&gt;
Eine grundlegende Voraussetzung für den Erfolg von artenreichen Wiesenansaaten '''ist die korrekte Standortbeurteilung'''&amp;lt;sup&amp;gt;14&amp;lt;/sup&amp;gt; '''sowie die Beurteilung der vorhandenen Vegetation'''. Diese beiden Schritte bestimmen, ob und welche Massnahmen für eine Ansaat getroffen und welches Saatgut für eine erfolgreiche Durchführung gewählt werden soll, aber auch, wo eine Ansaat am meisten Sinn macht, sofern mehrere Varianten zur Verfügung stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;14&amp;lt;/sup&amp;gt; bzw. die künstliche Schaffung entsprechender Standortbedingungen beispielsweise mittels Bodenabtrag/Bodenaufschüttung, vgl. Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Aufwertung_durch_Aushagerung «Aufwertung durch Aushagerung»]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wo es keine Ansaaten braucht, sondern Geduld und angepasste Pflege genügen==&lt;br /&gt;
Auf Flächen, auf denen bereits einzelne Blumen der gewünschten Arten vorhanden sind, kann unabhängig von einer Standortdiagnose oft auf eine Ansaat verzichtet werden. So weisen artenarme Naturwiesen, auch wenn sie intensiv bewirtschaftet werden, oft noch Reste von Zielarten auf, beispielsweise in Randbereichen oder an flachgründigen Stellen. Zudem sind Naturwiesen &amp;lt;sup&amp;gt;15&amp;lt;/sup&amp;gt; generell deshalb wertvoll, weil die verbliebenen Arten noch aus alten, lokalen Ökotypen bestehen, so dass beim Umbruch von alten Naturwiesen generell grosse Zurückhaltung geübt werden sollte. Sie können nach und nach durch ein Ausbleiben der Düngung und ein reduzierte Mahdfrequenz – meist genügt ein zweimaliger Heuschnitt pro Jahr – wieder artenreicher werden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch in alten Rasenflächen, die über längere Zeit nicht gedüngt wurden, wächst vereinzelt oft noch eine erstaunliche Vielfalt an Wiesenblumen wie Margeriten, Hornklee oder Salbei. Kommen solche Arten noch regelmässig vor, genügt es, den Mährhythmus stark zu reduzieren (auf maximal 6 Schnitte pro Jahr), und eine mehr oder weniger artenreiche Blumenwiese kehrt in wenigen Jahren von selbst zurück. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Weg_artenreicheWiese_de.png&lt;br /&gt;
| text = Um zu klären, ob eine Ansaat nötig ist oder Abwarten vielmehr genügt, bietet das Agridea-Merkblatt [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier &amp;quot;Der Weg zur artenreichen Wiese&amp;quot;] eine gute Entscheidungshilfe.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;15&amp;lt;/sup&amp;gt; Naturwiesen sind Wiesen, die seit mindestens 30 Jahren nicht mehr umgebrochen und neu angesät worden sind.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Botanische Aufwertung von verarmten Naturwiesen mittels Einsaaten==&lt;br /&gt;
Ist eine Wiese beispielsweise durch intensive Nutzung einmal botanisch verarmt und weist auch keine Relikte der angestrebten Pflanzengesellschaft mehr auf, kommt die Pflanzenvielfalt auch bei wieder extensiverer Nutzung selbst nach Jahrzehnten oft nicht von selbst zurück. Dies zeigen viele Untersuchungen (z.B. Bosshard 1999, Kiehl 2010 &amp;lt;sup&amp;gt;16&amp;lt;/sup&amp;gt;). Zum einen breiten sich die meisten Wiesenarten nur langsam aus, zum anderen verhindert die bestehende Grasnarbe die Etablierung neuer Pflanzenarten wirkungsvoll und ein Samenvorrat der meisten erhofften Wiesenarten fehlt, da die Samen der meisten Wiesenarten nur wenige Jahre im Boden überleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Soll ein verarmter Wiesenbestand also wieder mit Arten angereichert werden, bleibt nichts anderes übrig, als die fehlenden Arten mit geeigneten Massnahmen wieder einzubringen &amp;lt;sup&amp;gt;17&amp;lt;/sup&amp;gt;. Dabei existieren grundsätzlich drei Möglichkeiten – wobei eine angepasste Nutzung (keine Düngung, geeignetes Schnittregime u.a.) immer vorausgesetzt wird: &lt;br /&gt;
# '''Übersaatmethode''': Alte, vergraste und blumenarme Naturwiesen, die bezüglich der Grasartenzusammensetzung aber noch einigermassen den Fromentalwiesen im engeren Sinne entsprechen, sollten nicht umgebrochen/gefräst und angesät werden. Eine Aufwertung mit einer einfachen Übersaat in den bestehenden Bestand, wie dies in intensiver genutzten Wiesen mit Futterbaumischungen gemacht wird, funktioniert mit Wiesenblumensaatgut nicht. Dagegen gibt es zwei etwas aufwändigere Übersaatmethoden, die ohne Umbruch funktionieren. Zum einen lassen sich Wiesenblumenarten ansiedeln, indem über mehrere Jahre hinweg gesammeltes Saatgut ausgewählter Arten der Umgebung gezielt oberflächlich auf Blössen (Narbenschäden, Maushaufen, gezielt verursachte Öffnungen etc.) ausgebracht wird. Die andere Möglichkeit besteht darin, über mehrere Jahre das frische Erntegut von blumenreichen Heuwiesen (Fromentalwiesen) auf der aufzuwertenden Fläche zu trocknen. Die ausfallenden Samen führen nach einigen Jahren zu einer deutlichen Zunahme der Arten- und Blumenvielfalt. Voraussetzung ist allerdings, dass eine geeignete Heuwiese als Spenderwiese auf dem Betrieb oder in der Nachbarschaft vorhanden ist. Mit diesen beiden Methoden wird die bestehende Pflanzen-/Boden-Garnitur und -Struktur nicht unnötig zerstört und die noch vorhandenen Ökotypen der bestehenden Naturwiese bleiben erhalten. Allerdings brauchen sie viel Geduld, sind ziemlich aufwändig und gelingen nur auf Standorten mit eher tiefem Nährstoffniveau.&lt;br /&gt;
# '''Streifensaat'''. Diese Methode ist einfacher und sicherer und erlaubt es ebenfalls, die gewünschten Arten wieder in den Bestand zu bringen, ohne dass die ganze bestehende Naturwiese eliminiert werden muss. Dazu werden in einem Abstand von 15-20 m Streifen von 3-6 m Breite mit einer zapfwellengetriebenen Egge (z.B. Kreiselegge) oder auch einer Gartenfräse in die bestehende Wiese gefräst. Meist ist eine mindestens 3-malige Wiederholung im Abstand von ca. 2 Wochen nötig, bis die alte Vegetation vollständig abgestorben ist. Im Frühling können die vegetationsfreien, gut abgesetzten Streifen mit geeignetem Saatgut oder einer Direktbegrünung angesät. Je breiter die Streifen sind, desto eher lassen sich Schäden durch Schnecken reduzieren. Von den angesäten Streifen aus können dann die dort etablierten Arten nach und nach in den umliegenden Bestand auswandern, sofern Bodenheu gemacht und das Heu mit dem Kreiselheuer über die Fläche verteilt wird. &lt;br /&gt;
# '''Ganzflächige Ansaat''': Ist der Ausgangsbestand keine erhaltenswerte Naturwiese, empfiehlt es sich, die bestehende Wiesenvegetation ganzflächig durch Pflügen und anschliessendes Eggen, oder allein durch mehrmaliges Eggen mit einer zapfwellengetriebenen Kreiselegge (oder ähnlichem Gerät), vollständig zu entfernen. Details zu einer erfolgreichen Saatbettbereitung und Ansaat siehe Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Standort-_und_Vegetationsbeurteilung «Standort- und Vegetationsbeurteilung»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;16&amp;lt;/sup&amp;gt; Plant species introduction in ecological restoration: Possibilities and limitations. Basic and Applied Ecology 11/4, 281-284&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;17&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. dazu insbesondere [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier Agridea-Merkblatt «Der Weg zu artenreichen Wiesen»] sowie Huguenin-Elin et al. 2012&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Welche Flächen eignen sich (nicht) für Neuansaaten?==&lt;br /&gt;
Mittels Ansaaten können auf fast jedem Standort (Boden, Exposition, Höhenlage etc.) artenreiche, stabile Wiesen erfolgreich wieder etabliert werden – vorausgesetzt, es werden die richtigen Arten und Ökotypen fachgerecht angesät und die anschliessende Pflege erfolgt dem Pflanzenbestand angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Generell gilt''': Auf mageren sonnigen Standorten können sich mehr Pflanzen- und Tierarten und auch seltenere Arten entwickeln als auf nährstoffreicheren oder schattigeren Flächen. Auf sehr armen trockenen Böden nimmt die Artenvielfalt natürlicherweise wieder ab ([https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Die_wichtigsten_Wiesentypen_und_ihre_Standorte_f.C3.BCr_die_Neuanlage_artenreicher_Wiesen siehe Abbildung zu Artenreichtum]), und die Ansaat gestaltet sich oft schwierig, insbesondere auf kiesigen Rohböden mit geringem oder fehlendem Feinkornanteil (Sand, Schluff, Ton).&amp;lt;!-- nicht veröffentlichen wegen Empfehlung Humusierung: Südexponierte oder schattige Lagen verschärfen die Situation noch. Besteht Erosionsgefahr, ist bei reinen Kiesflächen die Beimischung eines geringen Humusanteils zu empfehlen, damit sich eine geschlossene Pflanzendecke entwickeln kann.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Weniger geeignet bzw. schwierig für die Neuansaat artenreicher Wiesen sind''':	&lt;br /&gt;
* '''Schattige Standorte'''. Solche sind von Natur aus meist arten- und blumenärmer als Wiesen an besonnten Lagen. Zudem können Schnecken den Keimlingen, vor allem der Wiesenblumen, an solchen Standorten besonders zusetzen. Dieser teilweise unterschätzte Faktor wird noch verschärft, wenn die Ansaatflächen an solchen Standorten klein oder schmal sind und deshalb von den Schnecken vom Rand her leichter aufgesucht werden können. Tipp: Anzusäende Flächen, die von bestehenden Wiesen oder Gehölzen umgeben sind, sollten nicht schmaler als 6 m und kleiner als eine Are (10x10m) sein.&lt;br /&gt;
* '''Entwässerte Moorböden'''. Auf solchen Böden werden durch den Abbau des Torfs so viele Nährstoffe freigesetzt, dass rasch wenige Arten zur Dominanz gelangen und die meisten der angesäten Arten verdrängen. Unter dieser (seltenen) Voraussetzung lohnen sich artenreiche Ansaaten in der Regel nicht. Ökologisch aufgewertet werden können sie jedoch mit einer Vernässung&amp;lt;!--Link auf Feuchtgebiete--&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* '''«Verunkrautete“ Flächen»''': Auf Standorten, die vorher mit Stumpfblättrigem Ampfer («Blacke», (''Rumex obtusifolius'')) verunkrautet waren, ist Vorsicht geboten. Blackensamen bleiben viele Jahrzehnte keimfähig im Boden. Auch wenn auf einer Fläche vor der Ansaat keine Blacken sichtbar sind, können Blackensamen beim Pflügen oder auch Eggen von Wiesland aus einer früheren Verunkrautung in grosser Zahl keimen. Die Bekämpfung dieser Problemart kann sehr aufwändig sein &amp;lt;sup&amp;gt;18&amp;lt;/sup&amp;gt;. Als weitere Problemarten sind Ackerkratzdisteln und einige wenige invasive Neophyten zu nennen, insbesondere Goldruten und einjähriges Berufskraut. Was die genannte, ausläufertreibende Distelart anbelangt, deren Blüten übrigens für Bienen und Schmetterlinge sehr attraktiv sind, verschwindet sie bei regelmässiger Mahd meist von selbst wieder. Die genannten Neophyten dagegen sollten von Beginn weg konsequent eliminiert („gezupft“) werden. Praktisch alle anderen Pflanzenarten, die landläufig als Unkraut bezeichnet werden, sind bei einer fachgerechten Pflege kein Problem für die gewünschte Entwicklung des Wiesenbestandes. Das gilt insbesondere für die im Ansaatjahr oft massenweise auftretenden einjährigen Ackerbeikräuter wie Gänsefuss (''Chenopodium'' sp.) oder Ackerhirsen (''Echinochloa crus-galli'', ''Setaria spp.'', ''Panicum spp.''). Sie verschwinden alle bereits im zweiten Jahr nach der Ansaat von selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;18&amp;lt;/sup&amp;gt; Der Umgang mit Flächen, die einen hohen Blackendruck aufweisen, kann hier nicht weiter vertieft werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Standortbeeinflussung==&lt;br /&gt;
Besteht in einem Ansaatprojekt die Möglichkeit, die Bodeneigenschaften zu beeinflussen, können folgende Massnahmen ins Auge gefasst werden, um – in der Regel – nährstoffärmere Bedingungen zu schaffen (Reihenfolge mit abnehmender Wirksamkeit und abnehmenden Kosten): &lt;br /&gt;
# Oberbodenabtrag (meist A-Horizont, ggf. auch B-Horizont),&lt;br /&gt;
# Aufschüttung eines nährstoffarmen Substrates auf oder Einarbeitung desselben in den bestehenden Boden – meist Kies oder Sand – wobei es für die Aufschüttung meist eine Schicht von mindestens 30 cm braucht, &lt;br /&gt;
# Ausmagerung, beispielsweise durch die Kultur eines Starkzehrers wie Mais oder Raygras. Die Wirksamkeit dieser Methode ist allerdings umstritten. Eine deutlich stärkere Reduktion verfügbarer Nährstoffe wird allein dadurch erreicht, indem vor der Ansaat der Boden möglichst nicht mehr gewendet oder bewegt wird (Verhinderung der oxidativen Nährstoffmobilisation, s. Bosshard 1999). Dies ist auf wenig verunkrauteten Ackerflächen möglich, indem die Ansaat ohne Bodenbearbeitung direkt in die Stoppelbrache erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso besteht überall dort, wo der Boden neu aufgesetzt wird wie z.B. bei Bauprojekten, die Möglichkeit, den Boden so zu „designen“, dass er standörtlich der Zielvegetation am besten entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Standortfaktoren können beispielsweise durch die Gestaltung des Geländes (Exposition, Grundwassereinfluss etc.) oder durch Reduktion von Schatteneinflüssen (Waldrandstufung, zurückschneiden von Hecken etc.) zugunsten der angestrebten Wiesentyps gezielt beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tabelle: Vereinfachter Entscheidungsbaum für die Wahl der geeigneten Ansaat in Lagen unterhalb 1000 m ü. M. (Quelle: In Anlehnung an Bosshard 2000, [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/08/Wiesenrenaturierung_NuL_2000.pdf Blumenreiche Heuwiesen aus Ackerland und Intensiv-Wiesen. Eine Anleitung zur Renaturierung in der landwirtschaftlichen Praxis. Naturschutz und Landschaftsplanung 32/6, 161-171]. Zur Bestimmung der Wiesentypen siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Typologie_des_Gr.C3.BCnlands Kapitel «Typologie des Grünlands]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Typ &lt;br /&gt;
! Beschreibung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1a'''&lt;br /&gt;
| Boden eher bis sehr tiefgründig, bisher mittel bis sehr intensiv genutzt (oder Phosphor über 100 ppM), mit ausgeglichenem Wasserhaushalt: -&amp;gt; Zielvegetation typische Fromentalwiese (Arrhenatheretum). Details siehe Text.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;| '''1b'''&lt;br /&gt;
| Boden flachgründig oder durchlässig (kiesig, sandig) oder Standort sehr trocken oder nährstoffarm aufgrund bestehender Vegetation (Ertrag &amp;lt; 30 dt/J); an sonniger Lage: &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | 1b1&lt;br /&gt;
| Boden kalkhaltig oder pH &amp;gt;6: -&amp;gt; Zielvegetation typische Trespen-Halbtrockenrasen (Mesobrometum). Zur Wahl der Ansaat siehe Text.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | 1b2&lt;br /&gt;
| weitgehend fehlender Kalkgehalt bzw. pH &amp;lt;6: -&amp;gt; Zielvegetation Rotschwingel-Straussgraswiese (Festuca-Agrostion), ev. Borstgrasrasen (ab 600 m ü. M. (Nardion)); Direktbegrünung, kein geeignetes Standardsaatgut verfügbar. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1c'''&lt;br /&gt;
| Wie 1b, aber schattige Lage:  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1c1&lt;br /&gt;
| Eher trockener Standort (vorwiegend Nordexposition, Beschattung durch Waldrand u.ä.): -&amp;gt; Zielvegetation Rotschwingel-Straussgraswiese (Saatgut s. 1c1),  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1c2&lt;br /&gt;
| wie 1c1, aber bei Niederschlägen &amp;gt;1200 mm/J und mind. leichtem Bodenkalkgehalt bzw. pH &amp;gt;6: -&amp;gt; Rotschwingel-Straussgraswiese (s. 1c1) oder magere Variante einer feuchten Fromentalwiese mittels Direktbegrünung oder Standardsaatgut Humida.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1d'''&lt;br /&gt;
|Boden zur Vernässung neigend (wechseltrocken):&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1d1&lt;br /&gt;
| Boden eher tiefgründig und/oder eher nährstoffreich: -&amp;gt; Zielvegetation frische Fromentalwiese, Saatgut über Direktbegrünung oder mit Standardsaatgut Humida  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1d2 &lt;br /&gt;
| Boden mager oder flachgründig: -&amp;gt; Streuwiesengesellschaften durch Direktbegrünungsverfahren (kein geeignetes Standardsaatgut auf dem Markt). Pflanzensoziologische Detailabklärungen nötig zur Wahl geeigneter Spenderflächen (Molinion, Caricion u.a.) &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1e'''&lt;br /&gt;
| Boden vernässt bzw. wechselnass: Wie 1d2.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1f'''&lt;br /&gt;
| Rohboden: -&amp;gt; Zielvegetation: Ruderalflora oder lückiger Trespenrasen (s. Text); je nach Situation auf Ansaat verzichten, Ansaat einer Ruderalflora-Mischung, oder (sofern Boden kalkhaltig) Direktbegrünung mit Trespen-Halbtrockenrasen (Mesobrometum) bzw. Trockenrasen (Xerobrometum) sofern verfügbar. Kleinflächen: Anpflanzung von Einzelpflanzen prüfen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Saatgut: Richtige Artenzusammensetzung, richtige Herkunft=&lt;br /&gt;
Standörtliche/geographische Herkunft, Qualität und Zusammensetzung des Saatgutes sind eine ausschlaggebende Voraussetzung für den Erfolg bei einer Neuanlage oder Wiederherstellung artenreicher Wiesen. Auch im Hinblick auf die Biodiversität spielen die Zusammensetzung und Herkunft des Saatgutes eine zentrale Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Kapitel werden die verschiedenen Saatguttypen mit ihren Vor- und Nachteilen sowie die vorhandenen Anbieter in der Schweiz beschrieben. Eine einfache erste Entscheidungshilfe, wo welcher Saatguttyp am besten geeignet ist, liefert die Entscheidungsmatrix (siehe Tabelle unten). Weiterführende Informationen zu den einzelnen Saatguttypen und ihren Anwendungsmöglichkeiten enthält der [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen, Kap. 6 (s. 39 ff.)].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = tab bossh de.png&lt;br /&gt;
| text = '''Entscheidungsmatrix für die Saatgutwahl bei Begrünungen in der Schweiz'''. Eine Saatgutwahl nach dieser Matrix ist konform mit dem Natur- und Heimatschutzgesetz sowie mit der Biodiversitätskonvention. Die zuerst genannten Verfahren sind aus ökologischer Sicht vorzuziehen. Angaben in Klammern: Verfügbarkeit des Saatgutes je nach Region eingeschränkt. '''A''' = Autochthones Saatgut oder Pflanzenmaterial (ausgebracht über Heugrassaat, Sodenverpflanzung oder ähnliche Verfahren), '''W''' = Wildpflanzensaatgut (Regio-Saatgut), '''Z''' = Regel-Handelssaatgut. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Quelle: Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz  - Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität, Bosshard A., Mayer P., Mosimann A., 2015 &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Direktbegrünungsverfahren==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = direktbegruenungsverfahren de.png&lt;br /&gt;
| text = Vergleich der Begrünungsverfahren. Quelle: Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität. Ö+L Ökologie und Landschaft GmbH.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direktbegrünungsverfahren sind für die Erhaltung der Biodiversität in der Regel deutlich besser als der Einsatz von [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Standardsaatgut_und_Direktbegr.C3.BCnung_.E2.80.93_eine_Begriffskl.C3.A4rung Standardsaatgut]. Bei Ansaaten auf Flächen mit Naturschutzcharakter sollten generell Direktbegrünungen, also Mahdgutübertragung oder autochthones Saatgut aus dem Sack, eingesetzt werden und nur im Ausnahmefall (z. B. für extensive Vernetzungsflächen, die nicht direkt Naturschutzflächen sind) Standardsaatgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ansaatmethode der Direktbegrünung bzw. mit sog. autochthonem Saatgut wird oft als Wiesenkopierverfahren bezeichnet. Statt einzelne Arten zu vermehren, in Monokulturen anzubauen und dann als definierte Mischungen auf den Markt zu bringen, werden die Samen, welche in artenreichen Wiesen, den sogenannten '''Spenderflächen''', jedes Jahr produziert werden, direkt, ohne Zwischenvermehrung, genutzt. Die Ansaat dieser Samen auf die '''Ansaat- oder Empfängerfläche''' sollte möglichst in engem räumlichem Umkreis, im Idealfall lokal, d.h. im Umkreis von beispielsweise 15 km, erfolgen. Deshalb wird auch von lokalem Saatgut gesprochen &amp;lt;sup&amp;gt;19&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig wie dieses Prinzip '''«Aus der Region für die Region»''' ist das Prinzip '''Standortäquivalenz''': Spenderfläche und Ansaatfläche müssen sich standörtlich, also bezogen auf den Bodentyp, die Höhenlage, die Exposition, die Nutzung/Pflege etc., so weit als möglich entsprechen (vgl. dazu die Entscheidungshilfe von [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direktbegrünungsverfahren wurden in den letzten Jahren in der Schweiz, aber auch im Ausland &amp;lt;sup&amp;gt;20&amp;lt;/sup&amp;gt; stark weiterentwickelt und verbessert und funktionieren mittlerweile bei fachgemässer Ausführung zuverlässig und erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wird von einigen Firmen autochthones Saatgut für die meisten Teile der Schweiz angeboten &amp;lt;sup&amp;gt;21&amp;lt;/sup&amp;gt;. Die von Pro Natura initiierte und zusammen mit Info Flora, AGRIDEA und verschiedenen Kantonen aufgebaute Plattform [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora] beschreibt die Methoden von Direktbegrünungen, gibt ausführliche Literaturhinweise und enthält auch eine Zusammenstellung von verschieden Samenanbietern und Fachpersonen. RegioFlora unterhält auch eine – derzeit allerdings je nach Region noch lückenhafte – [https://www.regioflora.ch/app/de/index.html Spenderflächendatenbank], die Nutzern helfen soll, eine geeignete Spenderfläche für eine Direktbegrünung zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend für Direktbegrünungsverfahren ist eine gute Zusammenarbeit mit den Besitzern und vor allem den Bewirtschaftern der Spenderflächen. Denn dank ihnen ist die gesuchte Artenvielfalt in diesen Flächen noch vorhanden. Die Nutzung einer Wiese als Spenderfläche bedeutet für die Bewirtschafter oft eine besondere Wertschätzung. Ihnen diese Wertschätzung bei einer Nutzung entgegenzubringen genügt aber nicht. Für die Erlaubnis, eine Ernte durchführen zu können, ist eine Entschädigung, die über den anfallenden Mehraufwand hinausgeht, angemessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;19&amp;lt;/sup&amp;gt; Anmerkung: Bei der Sodenversetzung, die ebenfalls zu den Direktbegrünungsverfahren gezählt wird, gilt dasselbe, wobei anstelle von Samen ganze Vegetationsstücke inkl. der obersten Bodenschicht übertragen werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;20&amp;lt;/sup&amp;gt; Siehe ausführliche Literaturliste z.B. bei [https://www.regioflora.ch Regio Flora] und [https://www.holosem.ch/ HoloSem].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;21&amp;lt;/sup&amp;gt; Umfangreiche Informationen zum aktuellen Angebot auf [https://floretia.ch/ Floretia], wo neben autochthonem auch das Angebot von regionalem Vermehrungssaatgut aufgelistet ist. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die verschiedenen Direktbegrünungsverfahren im Detail==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = agridea_verfahren_de_400dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Die neben der Mahdgutübertragung weiteren Methoden im Vergleich. Quelle: &amp;quot;Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft&amp;quot; (Hrsg.: Agridea, 2015)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Mahdgutübertragung===&lt;br /&gt;
Die Spenderfläche wird zum Zeitpunkt der optimalen Samenreife der meisten Arten (Teigreife) in feuchtem Zustand gemäht &amp;lt;sup&amp;gt;22&amp;lt;/sup&amp;gt; und das ganze Material auf die Ansaatfläche übertragen, meist etwa im Umfang 1:1. Die Praxis der Mahdgutübertragung wird im Merkblatt [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~2591~1/3~410210~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Direktbegr%C3%BCnung-artenreicher-Wiesen-in-der-Landwirtschaft/Deutsch/Print-Papier «Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft» (Agridea 2015)] detailliert beschrieben (s. auch [https://www.youtube.com/watch?v=IsI8ivNB9u0 FiBL-Infofilm]). Der Vorteil dieser Methode liegt in ihrer Durchführung mit Geräten, die auf jedem Landwirtschaftsbetrieb existieren, und den relativ geringen Kosten, wenn der Landwirt die Arbeiten selber durchführen kann. Zudem werden so auch Kleintierarten und Moose auf die Ansaatfläche übertragen, und die Mahdgutauflage schafft einen ersten Erosionsschutz und verbessert die Keimungsbedingungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachteile sind eine oft schwierige Logistik, ein relativ grosser Zeitaufwand und vor allem, dass das Ausbringen des Mahdgutes sogleich nach der Ernte im Sommer durchgeführt werden muss. Zum einen ist Sommer als Ansaatzeitpunkt oft nicht optimal, zum anderen stehen viele Flächen, beispielsweise bei Bauprojekten, nicht genau dann zur Ansaat bereit, wenn das Erntegut anfällt und ausgebracht werden muss. Ein weiterer Nachteil ist, dass verschiedene Erntezeitpunkte und verschiedene Spenderflächen nur beschränkt und mit stark erhöhtem Aufwand kombiniert werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;22&amp;lt;/sup&amp;gt; Ideal ist eine Mahd mit Messerbalken oder mit Sense. Es können aber je nach Verfügbarkeit und Zugänglichkeit der Fläche auch Saugmulcher eingesetzt werden, die in einem Arbeitsgang das Mähgut mähen und einsaugen. Dabei wird aber ein Grossteil der Kleintierfauna getötet, der erwähnte Vorteil einer Übertragung von Tieren fällt damit weg.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahdgutuebertragung 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Mahdgutübertragung&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wiesendrusch===&lt;br /&gt;
Das Saatgut wird auf der Spenderfläche mit einem Mähdrescher mit spezieller Einstellung geerntet. Die Methode funktioniert allerdings nur auf flachem Gelände, während die meisten nicht angesäten und damit für Direktbegrünungen in Frage kommenden Spenderflächen an Hängen liegen. Zudem werden einzelne Arten technisch kaum erfasst. Vorteile liegen in der relativ grossen Flächenleistung. Zudem kann das Saatgut verschiedener Wiesen und Erntezeitpunkte mit geringem Aufwand gemischt und das Saatgut bis 2 oder 3 Jahre (je nach Lagerung) nach der Ernte zu einem beliebigen Zeitpunkt ausgesät werden. In der Schweiz liegen erst wenige Erfahrungen mit dieser Methode vor, vor allem durch Untersuchungen der landwirtschaftlichen Fachhochschule HAFL in Zollikofen bei Bern. Als erste Firma bietet Regiosaat.ch seit 2019 autochthones Saatgut aus Wiesendrusch auf dem Markt an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Abwandlung des Wiesendruschs stellt der Heudrusch® dar, eine von Joe Engelhardt in Deutschland entwickelte und praktizierte Methode, bei der das feuchte Erntegut wie bei der Mahdgutübertragung geerntet wird, dann aber statt direkt übertragen mit einer speziellen Infrastruktur getrocknet und ausgedroschen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Ernte_mit_Maehdrescher 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Sammeln von Saatgut mit dem Mähdrescher.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Seedbrushing===&lt;br /&gt;
Bei dieser Methode werden die Samen mit speziellen Bürstenmaschinen aus dem stehenden Pflanzenbestand geerntet. Die Methode ist weniger schlagkräftig als der Wiesendrusch, es können aber mit den Geräten der neuesten Generation auch steile, vernässte oder topographisch schwierige Spenderflächen beerntet werden. Zudem erlaubt die Methode je nach verwendetem Gerät eine sehr individuelle Nutzung, indem einzelne Arten spezifisch beerntet oder auch ausgeschlossen werden. Bei zu dichten oder zu hohen Beständen sind der Methode aber Grenzen gesetzt, beispielsweise bei nährstoffreicheren Fromentalwiesen oder Hochstaudenfluren. Wie beim Wiesendrusch können verschiedene Spenderflächen und Erntezeitpunkte mit geringem Aufwand kombiniert und so die Artenzusammensetzung des Saatgutes optimiert werden &amp;lt;sup&amp;gt;23&amp;lt;/sup&amp;gt;. Ebenso ist der Ansaatzeitpunkt flexibel. Die Methode wird in der Schweiz derzeit nur von [http://www.agraroekologie.ch/ Ö+L] angeboten. Die Firma hat dazu ein eigenes Gerät, den [http://www.holosem.ch/ebeetle/angebot/ eBeetle], entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;23&amp;lt;/sup&amp;gt; Dies gilt selbstredend nur dann, wenn alle kombinierten Spenderflächen aus derselben Kleinregion und von demselben Wiesentyp vergleichbarer Standorte stammen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weitere Verfahren===&lt;br /&gt;
Neben den drei erwähnten Hauptmethoden gibt es weitere, allerdings deutlich weniger schlagkräftige und damit nur kleinflächig anwendbare oder die obigen Verfahren ergänzende Methoden der Direktbegrünung. Dazu gehören:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sammeln von Hand''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Natürlich können die gewünschten Arten in den Spenderflächen auch von Hand geerntet werden. Dies erlaubt zwar eine sehr gezielte und individuelle Beerntung einzelner Arten zum optimalen Reifezeitpunkt der Samen (die je nach Art in der Regel bei der Teigreife einsetzt), ist aber sehr zeitaufwändig und nur für kleine Flächen realistisch. Handernte kann allerdings zur Ergänzung beispielsweise von Wiesendrusch oder von Mahdgutübertragungen eine wichtige Rolle spielen, indem Samen von Pflanzenarten damit effizient ergänzt werden können, die aus verschiedenen Gründen (Reifezeitpunkt, nur sehr vereinzeltes Vorkommen etc.) nicht übertragen bzw. maschinell nicht geerntet werden.&lt;br /&gt;
'''Sammeln mit tragbaren Kleingeräten''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es existieren auf dem Markt Sauger und andere tragbare Techniken, mit denen das Saatgut aus dem stehenden Bestand der Spenderwiese geerntet werden kann. Diese Methoden sind aber nur wenig schlagkräftig und ebenfalls nur für kleine Flächen geeignet. Gegenüber einer Handernte bieten sie nur in speziellen Fällen wirklich Vorteile. In der Schweiz werden solche Geräte nur sehr punktuell angewendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Heublumen''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Methode war bis Mitte des letzten Jahrhunderts das übliche Verfahren bei der Verbesserung oder Neuanlage von Wiesen. Dabei wird der Samenausfall aus dem Heustock gesammelt und direkt ausgesät. Da bis in die 1950er Jahre fast nur artenreiche Wiesen existierten (Bosshard 2016 &amp;lt;sup&amp;gt;24&amp;lt;/sup&amp;gt;), hat diese Methode damals ausgezeichnet funktioniert. Heute bestehen Heublumen vor allem aus Samen von artenarmen Fett- und Intensivwiesen und beinhalten oft viele unerwünschte Arten wie Blacken oder Disteln, so dass von dieser Methode in aller Regel dringend abgeraten werden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sodenversetzung''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
In denjenigen Fällen, wo ein artenreicher Wiesenbestand zerstört und nachher wiederhergestellt werden soll, eignet sich die Methode der Sodenversetzung bzw. Sodenschüttung besonders gut. Dabei wird die Ursprungsvegetation mit dem Bagger als grosse Rasenziegel gelagert und nach dem Bau wieder auf die zu begrünende Fläche aufgetragen. Am meisten Erfahrungen mit dem Verfahren bestehen im Kanton Graubünden, wo vor allem beim Strassenbau und bei Meliorationsprojekten die Sodenversetzung heute zur hauptsächlich angewandten Methode gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Spontanbegrünung''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Überall dort, wo noch artenreiche Flächen mit den Zielarten in der näheren Umgebung vorhanden oder in der Samenbank des Bodens zu erwarten sind, kommt auch eine Spontanbegrünung in Betracht. Bei dieser Methode wird nichts angesät, sondern einfach gewartet, bis sich die passenden Arten von selbst wieder etablieren. Die Methode kann vor allem im Berggebiet empfohlen werden, sofern nur kleine bzw. wenige Meter breite Flächen zu begrünen sind und sofern in der unmittelbaren Umgebung noch artenreiche Wiesen vorhanden sind (Distanz &amp;lt;20 m).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;24&amp;lt;/sup&amp;gt; Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Bosshard A. 2016. Haupt-Verlag, Bern. 265 S. [https://issuu.com/haupt/docs/9783258079738Inhaltsübersicht, Zusammenfassung und Leseprobe S. 1-34]. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Saatguternte_Mesobr_mit_eBeetle 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Saatguternte mit dem eBeetle.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hohe Anforderungen an die Planung==&lt;br /&gt;
Bei den Methoden «Mahdgutübertragung» bis «Sammeln von Hand» ist eine sorgfältige Planung essentiell. Da die Ernte nur im lokalen Rahmen erfolgt, ist oft kein geeignetes Saatgut an Lager, sondern dieses wird, v.a. bei grösserem Bedarf, spezifisch «on demand» produziert. D.h. es muss bis spätestens im Mai klar sein, welcher Saatgutbedarf für welche Lokalitäten und Standortbedingungen besteht. Wenn also im Frühjahr, dem optimalen Aussaatzeitpunkt, angesät werden soll, muss die Ernte bereits im Sommer des Vorjahres erfolgt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weitere Informationen zu den Direktbegrünungsverfahren ==&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~2591~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Direktbegr%C3%BCnung-artenreicher-Wiesen-in-der-Landwirtschaft/Deutsch/Print-Papier Agridea-Wegleitung «Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft» (2015)]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf «Leitfaden für naturgemässe Begrünungen»]&lt;br /&gt;
* Kirmer A., Krautzer B., Scotton M., Tischew S. (Hrsg.) 2012: Praxishandbuch zur Samengewinnung und Renaturierung von artenreichem Grünland. Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein.&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora, Förderung der regionalen Vielfalt im Grünland]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/ HoloSem®]&lt;br /&gt;
* [https://www.regiosaat.ch/ www.regiosaat.ch]&lt;br /&gt;
* [https://www.conservationevidence.com/actions/133 Conservation Evidence] (englische Seite mit vielen wissenschaftlichen Hintergrundinformationen aus verschiedenen Studien)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anwendung und Bezug von Blumenwiesen-Standardsaatgut==&lt;br /&gt;
In Regionen, in denen zu wenig qualitativ hochwertige Spenderflächen existieren, oder wo aus anderen Gründen keine Direktbegrünungen möglich sind, ist artenreiches Wiesenblumensaatgut mit Ökotypen aus der betreffenden Biogeographischen Region (s. Abb. 1) eine gute Alternative.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz bieten folgende Firmen geprüftes Blumenwiesen-Standardsaatgut an: [https://www.ufasamen.ch/ Ufa], [https://www.hauenstein.ch/de/ Hauenstein], [http://www.sativa-rheinau.ch/ Sativa] und [https://www.ericschweizer.ch/ Schweizer Samen]. Das grösste Angebot haben Ufa und Hauenstein, Saatgut in Bio-Qualität bietet Sativa. Einige der angebotenen Mischungen wechseln fast jährlich, und es ist entsprechend zu empfehlen, jeweils aktuell die Web-Informationsseiten oder die reich bebilderten Prospekte der betreffenden Firmen zu konsultieren, um die für den jeweiligen Anwendungszweck am besten geeignete Blumenwiesenmischung zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Kauf ist unbedingt darauf zu achten, aus welcher biogeographischen Region das Saatgut stammt. Die Angabe, dass das Saatgut aus Schweizer Ökotypen besteht, genügt nicht, weil solches Saatgut oft ein Gemisch aus Herkünften verschiedener biogeographischer Regionen ist. Noch immer sind verbreitet Mischungen auf dem Markt, bei denen nur der Wiesenblumenanteil aus einheimischen Ökotypen besteht, während der Gräseranteil, der oft weit über 90% des Saatgutanteils ausmacht, nicht spezifiziert ist und dann in der Regel aus dem Ausland stammt und nicht selten auch Zuchtsorten enthält. Solches Saatgut ist deutlich kostengünstiger, aber aus den in der [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Einleitung Einleitung] erläuterten Gründen nicht zu empfehlen bzw. je nach Anwendungsbereich nicht rechtskonform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den meisten artenreichen Mischungen besteht nur Saatgut mit Ökotypen aus der Biogeographischen Region Mittelland. Solches Saatgut sollte nicht im Jura, im Berggebiet oder in der Südschweiz ausgebracht werden. In diesen Regionen kommt für die meisten Anwendungszwecke mangels eines entsprechenden Standardsaatgutangebotes nur autochthones Saatgut in Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige wenige Kantone (z.B. [https://lawa.lu.ch/-/media/LAWA/Dokumente/Landwirtschaft/Biodiversitaetsfoerderflaechen/Merkblaetter/MB_Blumenwiese_Neuansaat.pdf LU] und [https://www.ag.ch/media/kanton_aargau/dfr/dokumente_3/landwirtschaft_2/umweltprojekte/naturnahe_landwirtschaft_1/merkblaetter_labiola/20_Labiola_MB_Saat_und_Pflanzug_okt16.pdf AG]) haben für den Landwirtschaftsbereich in Zusammenarbeit mit dem Handel kantonal angepasste Blumenwiesenmischungen entwickelt. Diese weichen teilweise in der Artenzusammensetzung leicht ab von den gängigen Mischungen, teilweise stammt das Basissaatgut einzelner Arten aus dem betreffenden Kanton. Der Bezug erfolgt teils über den Handel, teils über den Kanton bzw. von ihm beauftragte Stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Qualitätssicherung ==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bosshard_NEAT_Amit_HoloSem_Saatgut_angesaet_zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Gemäss HoloSem-Standard frisch angesäte Böschung.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die im Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Herkunft_des_Saatgutes:_Empfehlungen.2C_Standards_und_rechtliche_Vorgaben «Herkunft des Saatgutes»] erwähnten Empfehlungen von Info Flora und RegioFlora, im Hinblick auf die Auswahl des Basissaatgutes bzw. der Spenderflächen und die räumliche Ausbreitung des Saatgutes, betreffen sowohl Standardsaatgut wie Direktbegrünungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was das Standardsaatgut anbelangt einigten sich die Schweizer Saatgutfirmen in einem mehrjährigen Prozess in den 1990er Jahren zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft für den Futterbau und der Forschungsanstalt Reckenholz auf eine Vereinbarung, welche die Empfehlungen von Info Flora (damals SKEW) berücksichtigt. Die Samenfirmen erklärten sich bereit, nur einheimische CH-Ökotypen für Blumenwiesenmischungen zu verwenden, den Forschungsanstalten die für die Ernte vorgesehenen Felder mit den geforderten Angaben (z.B. Herkunft des Ursprungssaatgutes, Parzellengrösse) zu melden, und die Vermehrungen stichprobenweise durch die Forschungsanstalten überprüfen zu lassen. Allerdings wird diese Vereinbarung nur für den Wiesenblumenzusatz des Saatgutes eingehalten, der Gräseranteil stammt v.a. bei Mischungen, die im Verkehrsbau verwendet werden, bis heute noch häufig aus ungeprüftem Saatgut aus dem Ausland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Direktbegrünungen existiert neben den Empfehlungen von Info Flora/RegioFlora ein von der Branche selber entwickelter Qualitätsstandard [http://www.holosem.ch/begruenungen/holosem-standard/ HoloSem]. Dieser existiert seit 2014 und definiert, welche standörtlichen und qualitativen Anforderungen bei der Ernte des Saatgutes zu berücksichtigen sind, definiert eine maximale Distanz der Verbreitung des autochthonen Saatguts von 15 km aus, wobei zusätzlich die biogeographische Region der Standort, die Höhenlage u.a. mitberücksichtigt werden müssen. Zudem bestehen Anforderungen zur Dokumentation, zur Spenderflächenauswahl u.a. Der Standard wird zunehmend für Ausschreibungen genutzt, um eine einheitliche Mindestqualität von Direktbegrünungen sicherzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig und zielführend wie ein Standard sind für eine fachgemässe Ausführung v.a. von Mahdgutübertragungen in der Landwirtschaft eine gute Begleitung und Beratung der jeweils beteiligten Akteure, beispielsweise der Bewirtschafter der Flächen, welche die Mahdgutübertragung auch selber durchführen können. Eine fachliche Beratung kann den Erfolg und die Qualität der so angesäten Flächen wesentlich verbessern. Das zeigt sich beispielsweise im Kanton Aargau, wo interessierten Landwirten eine solche Beratung kostenlos zur Verfügung steht und wo der Erfolg der Mahdgutübertragungen mit einem Monitoring überprüft wird. Eine wertvolle Hilfe für die korrekte Ausführung von Mahdgutübertragungen bietet auch die Internetseite regioflora.ch, wo umfangreiche Informationen leicht verständlich aufgearbeitet sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = wichtigste Begruenungsverfahren de.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht über die wichtigsten Begrünungsverfahren und ihre optimalen Ausführungszeitpunkte, bezogen auf Lagen bis ca. 1000 m ü.M. In der angegebenen Literatur hat es auf Seite 31 eine Tabelle, die auch auf höher gelegene Flächen eingeht. [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Quelle: Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität. Ö+L Ökologie und Landschaft GmbH].&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praktische Durchführung von Ansaat und anschliessender Pflege artenreicher Wiesen=&lt;br /&gt;
Artenreiches Saatgut ist zu kostbar, um es nicht optimal einzusetzen. Denn auch das beste Saatgut führt nur bei einer fachgerecht durchgeführten Ansaat und Pflege/Bewirtschaftung zum Erfolg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saatbettvorbereitung==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Empfängerfläche 5 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses Saatbett wurde zur Vorbereitung geackert und anschliessend in Zeitabständen von etwa drei Wochen mehrmals geeggt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Ein vegetationsfreies, gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ansaat.&lt;br /&gt;
Der Boden kann durch Pflügen oder mehrmaliges Eggen vegetationsfrei gemacht werden, in speziellen Fällen auch durch Abdecken mit schwarzer Gärtnerfolie; Abspritzen mit Herbiziden ist nicht zu empfehlen. Einsaaten (Übersaaten) in bestehende Wiesen ohne Entfernen des alten Wiesenbestandes führen nur mit hohem Aufwand zum Erfolg (siehe [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Botanische_Aufwertung_von_verarmten_Naturwiesen_mittels_Einsaaten «Übersaatmethode»]!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gut abgesetzter Boden“ heisst: Die letzte tiefere Bodenbearbeitung (Pflügen, Eggen, Aufbringen einer Bodenschicht) liegt mindestens drei bis vier Wochen vor der Ansaat. Grund: Ist der Boden bei der Ansaat zu locker, fehlt der sogenannte Bodenschluss, und die jungen Keimlinge laufen Gefahr, nicht richtig wurzeln zu können; zudem ist die Wasserzufuhr aus dem Unterboden mangelhaft, was bei Trockenperioden zu grossen Ausfällen führen kann.&lt;br /&gt;
Unmittelbar vor der Saat darf der Boden falls nötig („Unkrautkur“) nur noch sehr flach (ca. 3 cm tief) geeggt oder gefräst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saatzeitpunkt==&lt;br /&gt;
Die Ansaaten sollten, wenn immer möglich, im April oder Mai erfolgen. Dies gilt nicht für Mahdgutübertragungen, die bei optimaler Reife der Spenderflächen durchgeführt werden müssen, also in der Regel im Juni oder Juli. Spätere Ansaaten können durch Trocken- und Hitzeperioden empfindlich beeinträchtigt werden (v.a. die Gräser). Bei Herbstansaaten sind die Verluste über den Winter ebenfalls meist beträchtlich (insbesondere der Kräuter/Wiesenblumen). Können Ansaaten, z.B. aus Gründen des Erosionsschutzes, nicht im April oder Mai erfolgen, bietet sich der Einsatz von Zwischen- und Deckfrüchten an. Eine Beratung von Fachpersonen ist dabei zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saat==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Hydrosaat mit autochthonem Saatgut 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Hydrosaat mit autochthonem Saatgut.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die angegebene Saatmenge wird je nach Situation und Ausrüstung von Hand oder mit geeigneten Maschinen (Hydroseeder, Sämaschine, Düngerstreuer etc.) oberflächlich ausgebracht. Saatgut nicht in den Boden einarbeiten! Bei kleineren Flächen empfiehlt sich eine Handsaat, wobei je die Hälfte des Saatgutes kreuzweise (d.h. zuerst von links nach rechts, dann von hinten nach vorne) ausgebracht wird, um eine gleichmässige Saat sicherzustellen. Auf lockeren Böden (z.B. Landwirtschaftsflächen) muss unmittelbar nach der Saat gewalzt werden. Geeignet sind Gliederwalzen (z.B. Cambridgewalze). Kleine Flächen können auch „angeklopft“ oder „angestampft“ werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nachsaatpflege im Ansaatjahr==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahdgutuebertr_Keimungsphase mit ebenfalls uebertragener Trockenwiesenschnecke 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Mit der Mahdgutübertragung wurden aus der Trockenwiese Schnecken miteingebracht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Fast alle Pflanzen artenreicher Wiesen keimen erst einige Wochen nach der Ansaat und entwickeln sich auch danach nur sehr langsam. Die „Unkräuter“ dagegen keimen meist sofort nach der letzten Bewegung des Bodens und legen dann sofort mit Wachstum los. Vor allem auf humosen Böden können einjährige Pflanzen aus der bodenbürtigen Samenbank schon nach kurzer Zeit völlig überhandnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt heisst es '''Ruhe bewahren''', denn dies ist normal und beeinträchtigt die spätere Entwicklung der Wiese in keiner Weise. Wichtig ist jedoch, dass nicht zu lange mit dem sogenannten Pflegeschnitt zugewartet wird, damit die Keimlinge der angesäten Arten nicht unter einer dicken Pflanzendecke aufgrund von Lichtmangel absterben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Faustregel''': Sobald der Boden nach der Ansaat stellenweise so stark mit „Unkraut“ bedeckt ist, dass er nicht mehr sichtbar ist, sollte ein Pflegeschnitt durchgeführt werden:&lt;br /&gt;
* Hoch mähen (5-10 cm).&lt;br /&gt;
* Das Mähgut muss abgeführt werden.&lt;br /&gt;
* Eventuell muss der Pflegeschnitt im Ansaatjahr ein zweites Mal durchgeführt werden, wenn sich die einjährigen Arten nochmals rasch entwickeln. &lt;br /&gt;
* Auch wenn vorher kein Pflegeschnitt nötig war: Im Herbst vor dem Einwintern, idealerweise in der ersten Septemberhälfte, sollte ein Pflegeschnitt gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtig ist, im Herbst nochmals einen Blick auf den Bestand zu werfen: '''Die Vegetation sollte nicht höher als fausthoch in den Winter gehen''', damit die jungen Pflänzchen nicht mit einer vom Schnee zusammengedrückten „Vegetationsmatte“ zugedeckt werden. Meist ist deshalb vor dem Einwintern, idealerweise in der ersten Septemberhälfte, zumindest der erste, oder aber einfach der letzte von 2 Pflegeschnitten angesagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwickeln sich Blacken (''Rumex obtusifolius'') oder invasive Neophyten, empfiehlt es sich, diese bereits im Ansaatjahr zu zupfen oder auszustechen. Bei allem anderen „Unkraut“ hilft Jäten nichts, im Gegenteil, der Schaden wäre grösser als der Nutzen, der Pflegeschnitt reicht vollauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft wird vergessen: Im Ansaatjahr ist von den angesäten Arten noch so gut wie nichts zu sehen, und es ist nur schwer zu beurteilen, ob eine Ansaat gelungen ist oder nicht. Im Jahr der Ansaat sollten also keine vorschnellen Urteile über das Gelingen gefällt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bewirtschaftung/Pflege in den Nachfolgejahren==&lt;br /&gt;
Erst im Jahr nach der Ansaat lässt sich erkennen, ob sich die Saat gut entwickelt, und das Gesicht der zukünftigen Wiese beginnt sich nach und nach zu zeigen. Es dauert aber je nach Standort und angesäten Arten meist nochmals ein Jahr oder mehr, bis sich alle Pflanzen richtig etabliert haben und sich ein stabiler Pflanzenbestand entwickelt hat.&lt;br /&gt;
Wie bei einem guten Wein ist bei der Neuansaat artenreicher Wiesen also Geduld angesagt! '''Gut Ding will Weile haben.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch bereits jetzt, im Jahr nach der Ansaat, kann zur regulären Pflege/Nutzung mit jährlich ein bis zwei Mähschnitten übergegangen werden. Die Mahd muss unbedingt dem angestrebten Pflanzenbestand und damit den angesäten Arten angepasst sein. Generelle Empfehlungen sind hier schwierig. Folgendes lässt sich aber allgemein festhalten (siehe auch [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimale_Mahdnutzung Kapitel «Erhalt und Aufwertung durch optimale Mahdnutzung»]):&lt;br /&gt;
* Mehr als zwei Mähschnitte sind bei ungedüngten Wiesen in keinem Fall nötig, sondern schaden der Artenvielfalt und verursachen darüber hinaus unnötig Aufwand, Kosten und Ressourcenverbrauch.&lt;br /&gt;
* Die Mahd sollte in der Regel rund 1-2 Wochen nach der Hauptblüte der Wiese durchgeführt werden, damit ein Absamen möglich ist. In vielen Fällen liegt der optimale erste Schnittzeitpunkt in den tieferen Lagen in der zweiten Juni- oder in der ersten Julihälfte.&lt;br /&gt;
* Wo keine Vorgaben für den ersten Schnittzeitpunkt bestehen (z.B. bei Ökoflächen in der Landwirtschaft), ist eine jährliche Variation des Schnittregimes für die Artenvielfalt förderlich (mal eher früh, mal eher spät mähen etc.).&lt;br /&gt;
* Bei der Mahd immer kleine Reste stehen lassen, damit sich dort Tiere in die verbleibenden Strukturen zurückziehen und sich spät blühende Arten noch bis zur Samenreife entwickeln können. Am besten ist es, bei jedem Schnitt 10% der Fläche in Form von Rückzugsstreifen ungemäht zu lassen, jedes Mal wieder an einem anderen Ort. Empfehlenswert ist auch eine gestaffelte Mahd (kleinflächig unterschiedliche Schnittzeitpunkte mit mindestens 3 Wochen Intervall), wo dies vom Aufwand her möglich ist.&lt;br /&gt;
* Wenn möglich nach der Mahd Bodenheu bereiten, d.h. das Gras am Ort an 2-3 niederschlagsfreien Tage trocknen, damit die Pflanzensamen ausreifen und ausfallen können.&lt;br /&gt;
* Das Mähgut ist auf jeden Fall abzuführen. Mulchen vermindert in der Regel die Pflanzenartenvielfalt rasch.&lt;br /&gt;
* Entwickeln sich Stumpfblättriger Ampfer („Blacken“) oder invasive Neophyten wie amerikanische Goldruten oder Einjähriges Berufskraut, müssen diese regelmässig und möglichst von Beginn an gejätet werden. Je früher und konsequenter man damit beginnt, desto mehr Arbeit lässt sich längerfristig sparen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer diese Empfehlungen befolgt, kann schon nach 1-2 Jahren mit einer farbenprächtigen Blumenwiese rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Biodiversität nach erfolgreicher Ansaat noch wirksamer gefördert werden soll, ist zu empfehlen, die Blumenwiese mit Strukturen&amp;lt;!--Link auf Kleinstrukturen, wenn aufgeschaltet--&amp;gt; wie Asthaufen, einer Trockenmauer, Kiesflächen&amp;lt;!--Link auf Pionierflächen, wenn aufgeschaltet--&amp;gt;, einem kleinen [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Teich], einer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Hecke Hecke] oder Einzelbäumen weiter aufzuwerten (siehe auch [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Allgemeine_Massnahmen Allgemeine Massnahmen]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/localseed/richtig-ansaeen/ HoloSem&amp;lt;sup&amp;gt;®&amp;lt;/sup&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Information und Motivation für eine anspruchsvolle Verbundaufgabe=&lt;br /&gt;
Bei Wiesenaufwertungen und artenreichen Grünlandansaaten die richtige Methode zur richtigen Zeit am richtigen Standort zu wählen, um so die Biodiversität optimal fördern zu können, ist anspruchsvoll und nicht selten auch mit Zusatzaufwand und Hindernissen verbunden. Das lassen die bisherigen Ausführungen nicht übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend wichtig ist es, die vielen Akteure auf den verschiedenen Stufen der Entscheidungsprozesse immer wieder auf die Wichtigkeit und die Chancen von Wiesenaufwertungen aufmerksam zu machen und sie über die verschiedenen Möglichkeiten und die Vor- und Nachteile der verfügbaren Methoden zu informieren und weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Informations- und Motivationsaufgabe ist umso grösser, als sehr unterschiedliche Akteure letztlich daran beteiligt sind, wo welche Aufwertungen wie realisiert werden (oder auch nicht realisiert werden). Landschaftsarchitekten, Gartenarchitekten, Umweltbaubegleiter, Umweltverantwortliche, bodenkundliche Begleitplaner, Begrüner, Bauherren, Ökobüros, verschiedenste Amtsstellen von der Gemeinde bis zum Bund, Schulen, Weiterbildungsinstitutionen etc. etc. – und nicht zuletzt Landwirtinnen und Landwirte: Sie alle entscheiden regelmässig mit, was draussen in der Landschaft vor unserer Haustüre passiert. Es ist zu wünschen, dass das vorliegende Informationsangebot (vom Verein biodivers) dazu beiträgt, dass diese Herausforderung in Zukunft noch besser zu meistern, damit die unzähligen Chancen von Naturaufwertungen noch gezielter genutzt werden können als bisher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Weiterführende Literatur=&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier Der Weg zu artenreichen Wiesen. Agridea-Merkblatt, 2010.]&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~2591~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Direktbegr%C3%BCnung-artenreicher-Wiesen-in-der-Landwirtschaft/Deutsch/Print-Papier Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft. Leitfaden für die Praxis zum Einsatz von regionalem Saatgut in Biodiversitätsförderflächen, Agridea, 2015.]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität, Bosshard et al. 2015]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Guideline_restoration_deutsch.pdf Leitfaden zur Renaturierung von artenreichem Grünland. SALVERE 2012]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/08/Wiesenrenaturierung_NuL_2000.pdf Blumenreiche Heuwiesen aus Ackerland und Intensiv-Wiesen. Eine Anleitung zur Renaturierung in der landwirtschaftlichen Praxis. Naturschutz und Landschaftsplanung 32/6 (2000), 161-171.]&lt;br /&gt;
* Gürke, J., Hrsg.: Pro Natura, 2014. Blumenwiesen anlegen und pflegen, Pro Natura Praxis Nr. 21.&lt;br /&gt;
* Kirmer A., Krautzer B., Scotton M., Tischew S. (Hrsg.) 2012: Praxishandbuch zur Samengewinnung und Renaturierung von artenreichem Grünland. Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein.&lt;br /&gt;
* Kiehl K., Kirmer A., Shaw N., Tischew S. (Hrsg.) 2014: Guidelines for Native Seed Production and Grassland Restoration. Cambridge Scholars Publishing&lt;br /&gt;
* Brönnimann D. und Minloff L., 2015: Entwicklung von angesäten extensiven Wiesen im Naturnetz Pfannenstil. Bachelorarbeit&lt;br /&gt;
* Zemp-Lori N., 2016: Besiedlung angesäter extensiver Wiesen durch Tagfalter im Naturnetz Pfannenstil. Bachelorarbeit&lt;br /&gt;
* [https://www.research-collection.ethz.ch/handle/20.500.11850/143994 Renaturierung artenreicher Wiesen auf nährstoffreichen Böden. Ein Beitrag zur Optimierung der ökologischen Aufwertung der Kulturlandschaft und zum Verständnis mesischer Wiesen-Ökosysteme. Dissertationes Botanicae Band 303, Stuttgart 1999.]&lt;br /&gt;
* [https://www.agraroekologie.ch/wp-content/uploads/2016/10/NuL07-10_Mueller_Bosshard.pdf Altgrasstreifen fördern Heuschrecken in Ökowiesen – Eine Möglichkeit zur Strukturverbesserung im Mähgrünland. Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (7), 2010, 212-217.]&lt;br /&gt;
* Grün Stadt Zürich, Fachbereich Naturschutz, 2010. Pflegeverfahren. Ein Leitfaden zur Erhaltung und Aufwertung wertvoller Naturflächen, Leitfaden. Zürich.&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/begruenungen/fachunterlagen/ Weitere Literatur siehe HoloSem / Fachunterlagen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Aufwand und Kosten der beschriebenen Massnahmen enthalten folgende Unterlagen Informationen und Hilfeleistungen:&lt;br /&gt;
* Saatgutkataloge und Webseiten der genannten [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Anwendung_und_Bezug_von_Blumenwiesen-Standardsaatgut Anbieter] von Standard- und autochthonem Saatgut&lt;br /&gt;
* Normpositionenkataloge (nur käuflich erwerblich)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Aufwand und Kosten der beschriebenen Massnahmen enthalten folgende Unterlagen Informationen und Hilfeleistungen:&lt;br /&gt;
* Saatgutkataloge und Webseiten der [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Anwendung_und_Bezug_von_Blumenwiesen-Standardsaatgut genannten Anbieter] von Standard- und autochthonem Saatgut&lt;br /&gt;
* Normpositionenkataloge (nur käuflich erwerblich)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = WiesenhausMatzingen_auchHaeuser_eignen_sich_fuer_artenreiche_Wiesen 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Auch Häuser eignen sich für artenreiche Wiesen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland =&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland#Einleitung Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen Grundlagen]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || Andreas Bosshard|| [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Unter Mitwirkung von || Regula Benz||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Jean-Yves Humbert|| [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Andrea Lips ||  [https://www.pronatura.ch/de Pro Natura]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Winu Schüpbach|| [https://www.quadragmbh.ch/ quadra gmbh] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat&amp;diff=4712</id>
		<title>Grünland/Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat&amp;diff=4712"/>
				<updated>2023-03-05T17:41:54Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: /* Direktbegrünungsverfahren */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Revalorisation et création de prairies riches en espèces par enherbement direct et ensemencement]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahd Spenderfläche 1 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Ein monotoner Bestand lässt sich mit verschiedenen Methoden innert relativ kurzer Zeit in eine blüten- und artenreiche Wiese umwandeln. In diesem Artikel werden die verschiedenen Verfahren für die Aufwertung von Wiesen vorgestellt. Das Foto zeigt die Mahd einer Spenderfläche früh am Morgen bei feuchter Vegetation.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
{{TOC limit|3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Einleitung=&lt;br /&gt;
Die Neuanlage oder Wiederherstellung artenreicher Wiesen ist eine der wirksamsten Massnahmen zur Förderung der Artenvielfalt. Eine artenreiche Wiese kann 30 bis über 60 Pflanzenarten auf einem einzigen Quadratmeter aufweisen.&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Weltweit können in keinem anderen Ökosystem oder Lebensraum so viele Pflanzenarten auf so kleinen Flächen zusammen existieren. Und eine ökologische Faustregel besagt, dass pro etablierter Pflanzenart 10 Tierarten vorkommen. &lt;br /&gt;
Schon auf wenigen Quadratmetern kann also bei einer Neuschaffung einer artenreichen Wiese enorm viel für die Biodiversität getan werden. Der Artikel beschreibt, mit welchen Methoden artenreiches Wiesland neu geschaffen werden kann, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Methoden haben, und auf welchen Standorten welche mehr oder weniger artenreichen Wiesentypen realistischerweise angestrebt werden können. Die Ausführungen richten sich primär an Praktiker, die bei ihrer Tätigkeit aber nicht nur nach Rezept handeln, sondern auch die ökologischen Zusammenhänge verstehen möchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; während in intensiv genutzten Wiesen oder Rasenflächen als Vergleich höchstens ein gutes Dutzend Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--vorläufig weglassen: == Sich verändernde Ziele und Fragestellungen ==&lt;br /&gt;
Die Neuschaffung und Aufwertung von artenreichen Wiesen kam erst in den 1990er Jahren in grösserem Ausmass auf. Die agrarpolitischen Diskussionen um die enorme Zerstörung der Biodiversität durch die immer intensivere Landwirtschaft führte zur Suche nach Alternativen. Erstmals wurde in den 1990er Jahren in der Schweiz ein Mindestanteil an naturnahen Flächen für jeden Landwirtschaftsbetrieb vorgeschrieben, und es entstanden Bemühungen, die in einigen Teilen der Schweiz praktisch verschwundenen, ehemals fast flächendeckend vorhandenen artenreichen Wiesen mit Ansaaten wieder zurück in die landwirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft zu bringen. Aber auch in Naturschutzgebieten, bei Verkehrsprojekten oder im Siedlungsgebiet wurde zunehmend artenreiches Wiesland neu geschaffen. Entscheidend war dabei, dass entsprechende hochwertige, artenreiche Saatgutmischungen zumindest für trockenere Standorte nun auf dem Markt erhältlich waren. &lt;br /&gt;
Wie der Artikel in einem kurzen historischen Abriss beschreibt, hat sich seit den ersten systematischen Versuchen mit artenreichen Wiesenansaaten in den 1980er und 1990er-Jahren viel verändert. Bis heute kommt laufend neues Wissen dazu, werden neue Ansaatmethoden entwickelt oder kommen neue Saatgutmischungen und -verfahren auf den Markt. Gleichzeitig haben sich das Bewusstsein, die Prioritäten und die Zielsetzungen bei der Neuschaffung artenreichen Wieslandes immer wieder verändert. &lt;br /&gt;
Seit wenigen Jahren wird beispielsweise nicht nur auf die eingebrachten Pflanzenarten, sondern auch auf die genetische Vielfalt innerhalb der Arten geachtet. Zunehmend wird deshalb heute in der Schweiz und der EU die Verwendung lokaler oder regionaler Ökotypen gefordert und sogar in neuen Rechtserlassen vorgeschrieben. Wurde früher fast ausschliesslich Standardsaatgut verwendet, gab dieser Bewusstseinswandel der Anwendung von Direktbegrünungsverfahren starken Auftrieb.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Standardsaatgut und Direktbegrünung – eine Begriffsklärung==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ArtenreichesAutochthSaatgut_Ernte_aus_eBeetle 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Artenreiches, autochthones Saatgut&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit der Förderung und Schaffung artenreicher Wiesen werden einige nicht allgemeinverständliche Fachbegriffe verwendet. Die wichtigsten sollen hier kurz erläutert werden – zumal einige noch „jung“ sind und ihre Anwendung deshalb oft nicht einheitlich erfolgt, was Verwirrung stiften kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bezeichnung von Saatguttypen und Saatgutherkünften''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das bis vor wenigen Jahren übliche Saatgut für die Ansaat artenreicher Wiesen war '''''Standard'''saatgut''. Bei Standardsaatgut wird jede einzelne Art in Reinkultur zur Gewinnung von Samen angebaut und das geerntete Saatgut dann nach einer bestimmten Rezeptur zusammengemischt. Man spricht deshalb auch von ''Vermehrungssaatgut''. Das Ursprungssaatgut stammt entweder von Wildpflanzen (sog. ''Basissaatgut''), oder es werden Zucht- bzw. Handelssorten verwendet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wenn eine Saatgutmischung ganz aus Arten besteht, deren Basissaatgut von besammelten Wildpflanzen einer bestimmten Region stammt und das Saatgut anschliessend in derselben Region vertrieben wird, wird vor allem in Deutschland von '''''Regio'''saatgut'' gesprochen. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dem Standardsaatgut stehen die sogenannten '''''Direktbegrünungsverfahren''''' gegenüber. Dabei wird das Saatgut direkt auf geeigneten Spenderwiesen als Samengemisch geerntet und ohne Zwischenvermehrung auf die Ansaat- oder Empfängerfläche übertragen. Die Methode wird deshalb auch als „Wiesenkopierverfahren“ bezeichnet. Dabei kommen verschiedene Ernte- und Übertragungsmethoden zur Anwendung wie Mahdgutübertragung, der Mähdrusch oder die Sodenversetzung. In Abgrenzung zum Regiosaatgut wird das Saatgut aus Direktbegrünungsverfahren '''''autochthones''''' (oder manchmal auch '''lokales''') Saatgut genannt. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Begriffsdefinitionen werden in den deutschsprachigen Ländern allerdings noch nicht überall einheitlich verwendet. So wird teilweise auch autochthones Saatgut als Regiosaatgut bezeichnet, oder Direktbegrünung wird teilweise nicht als Überbegriff, sondern synonym mit Mahdgutübertragung gebraucht. Heugrassaat wird auch als synonymer Ausdruck für Direktbegrünung, Ökotypensaatgut für Regiosaatgut, oder Handelssaatgut bzw. Regelsaatgut für Standardsaatgut verwendet. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Weitere wichtige Fachbegriffe''', die in diesem Artikel genannt werden, sind jeweils im Text näher erläutert, oder ihre Bedeutung erschliesst sich ohne weitere Erläuterung aus dem Zusammenhang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Neuanlage artenreicher Wiesen: Kurzer historischer Rückblick auf eine dynamische Entwicklung=&lt;br /&gt;
Artenreiches Wiesland aus Naturschutzgründen neu zu schaffen wurde erstmals in den 1960er Jahren in grösserem Stil praktiziert. (vgl. Bosshard &amp;amp; Klötzli 2003 &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;). Dabei war das Interesse ganz auf nährstoffarme Standorte in Schutzgebieten gerichtet. Als Methoden dienten eine natürliche Besiedlung mit Arten aus der Umgebung, aber auch Mahdgutübertragungen, Pflanzungen oder Sodenversetzungen kamen damals bereits zur Anwendung. Käufliche Saatgutmischungen mit den gewünschten einheimischen Arten existierten damals keine. Die verfügbaren Mischungen stammten alle aus dem Ausland. Sie enthielten nicht-einheimische Arten und sogar Zuchtsorten, die im Widerspruch standen zu den naturschützerischen Zielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Bosshard A. &amp;amp; F. Klötzli 2003: Restoration Ecology. In: Bastian O. &amp;amp; U. Steinhardt (Hrsg.): Development and Perspectives in Landscape Ecology: conceptions, methods, application. Kluwer. ISBN 1-4020-0919-4.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfolg durch neue Saatgutmischungen==&lt;br /&gt;
Erst Ende der 1980er Jahre gab der Naturschutz seinen fast ausschliesslichen Fokus auf Schutzgebiete auf und erkannte, dass die Biodiversität nur erhalten werden kann, wenn Naturschutzmassnahmen vermehrt flächenwirksam etabliert, d.h. auch ausserhalb von Naturreservaten neue artenreiche Flächen geschaffen werden können. Damit rückte die landwirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft und somit auch nährstoffreichere Flächen ins Zentrum von Aufwertungsbemühungen. &lt;br /&gt;
Da im Kulturland in den tieferen Lagen kaum noch artenreichere Biotope existierten, wurden in verschiedenen Teilen der Schweiz und in anderen Ländern Europas Projekte lanciert, welche in Zusammenarbeit mit Landwirtschaftsbetrieben ökologische Aufwertungen planten und realisierten. Eines dieser Projekte war „Landwirtschaft und Naturschutz aus Bauernhand“ &amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;. Politisch und institutionell breit abgestützt, entwickelte und testete das Pilotprojekt Anfang der 1990er Jahre auf neun Landwirtschaftsbetrieben im Kanton Zürich Massnahmen für eine zukünftige Agrarpolitik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt; Landwirtschaft und Naturschutz aus Bauernhand. Schlussbericht des CH91-Pilotprojektes auf 9 Bauernhöfen im Kanton Zürich 1989-1991. Zürcher Vogelschutz, Zürcher Naturschutzbund, WWF Sektion Zürich und Zürcher Bauernverband, Zürich. 58 S.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Artenvielfalt auch auf nährstoffreichen Böden möglich?==&lt;br /&gt;
Unter diesen Massnahmen waren auch erste Versuche, bei denen damals neu verfügbares Saatgut mit verschiedenen Arten blumenreicher Wiesen ausgetestet wurde. Denn bereits damals war aufgrund vieler Untersuchungen klar, dass die Samen der meisten Wiesenarten nur kurzfristig im Boden überleben&amp;lt;!-- Link auf Pflanzenartikel, wenn dort Infos zu Lebensdauer von Samen ergänzt worden ist --&amp;gt;. Das heisst, dass eine intensive Nutzung über drei oder vier Jahren bereits genügte, um die Pflanzenarten artenreicher Wiesen zum Verschwinden zu bringen. Eine Wieder-Extensivierung der Nutzung bringt sie – auch nach jahrelangem Warten – alleine nicht zurück. Vielmehr müssen sie jeweils neu eingebracht, sprich angesät werden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Allerdings war völlig unklar, ob sich die eingebrachten Arten auf den nährstoffreichen Böden überhaupt etablieren können. Zumindest widersprach dies der damals vertretenen ökologischen Lehre. Nichtsdestotrotz entwickelten sich bei den Versuchsansaaten des Zürcher Pilotprojektes auf vorher intensiv genutzten Ackerflächen im zweiten Jahr tatsächlich niederwüchsige, artenreiche, an Magerwiesen erinnernde Wiesenbestände. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser unerwartete Erfolg gab Anlass zu einer Dissertation. Auf zahlreichen Landwirtschaftsbetrieben in der Ostschweiz wurden auf über einem Dutzend Hektar unzählige Versuchsflächen mit verschiedenen Mischungsvarianten von Wiesenkräutern, -leguminosen und -gräsern angelegt (Bosshard 1999 &amp;lt;sup&amp;gt;4&amp;lt;/sup&amp;gt;). Die ersten Versuche führten allerdings zu instabilen Pflanzenbeständen, die nach wenigen erfolgreichen Jahren vergrasten und den Grossteil der eingesäten Arten wieder verloren. Durch Verbesserungen in der Artenzusammensetzung, insbesondere der Gräserkomponente, gelang es schliesslich, auch auf vorher intensiv genutzten Böden langfristig stabile Blumenwiesenbestände zu etablieren. Als Resultat der Dissertation wurden vier Mischungsvarianten empfohlen, die heute als ''Salvia'', ''Humida'', ''Broma'' und ''Montagna'' auf dem Schweizer Markt breit etabliert sind und mit denen mittlerweile Hunderte, wenn nicht Tausende von Hektaren artenreicher Wiesen angesät worden sind und weiterhin angesät werden, vor allem in der Landwirtschaft, aber auch zunehmend im Siedlungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;4&amp;lt;/sup&amp;gt; Bosshard A. 1999: Renaturierung artenreicher Wiesen auf nährstoffreichen Böden. Ein Beitrag zur Optimierung der ökologischen Aufwertung der Kulturlandschaft und zum Verständnis mesischer Wiesen-Ökosysteme. Dissertationes Botanicae Band 303 Stuttgart. 201 S. [https://www.research-collection.ethz.ch/handle/20.500.11850/143994 Online-version]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Breites Saatgutangebot, erfolgreiche Mischungen==&lt;br /&gt;
Dass dies überhaupt möglich war, ist der engagierten Pionierarbeit verschiedener Saatgutfirmen zu verdanken, die ab Mitte der 1990er Jahre in der Schweiz ein immer breiteres Spektrum an typischen Wiesenblumenarten Schweizerischer Herkunft für die neuen Mischungen verfügbar machten. Seit einigen Jahren besteht nun auch bei den Wiesengräsern ein breites Angebot an einheimischen Ökotypen für diese Mischungen.&lt;br /&gt;
Die Erfolgsrate der artenreichen Ansaaten in der Landwirtschaft beträgt mittlerweile über 90% gemessen am botanischen Qualitätsniveau QII (s. folgendes Kapitel). Dabei zeigen umfangreiche Datensätze, dass auf trockeneren Standorten die Artenzahl und der Blumenanteil im Laufe der Jahre eher zunimmt, während an feuchteren oder schattigeren Standorten bei den bestehenden Standard-Blumenwiesenmischungen die gegenteilige Tendenz besteht &amp;lt;sup&amp;gt;5&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Die hohe Erfolgsrate hängt allerdings nicht nur mit optimiertem Saatgut zusammen, sondern ist gerade im nährstoffreicheren Böden auch stark abhängig von einer korrekten Durchführung der Ansaat (s. Kap. [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Herkunft_des_Saatgutes:_Empfehlungen.2C_Standards_und_rechtliche_Vorgaben &amp;quot;Herkunft des Saatgutes: Empfehlungen, Standards und rechtliche Vorgaben&amp;quot;]. Auch wenn dazu bisher keine systematischen Auswertungen vorliegen, scheinen die Erfolgsraten in Kantonen, bei denen für Wiesenaufwertungen eine Beratung/Begleitung angeboten wird oder obligatorisch ist (z.B. LU, AG, TG), deutlich höher zu liegen als in den übrigen Regionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;5&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. Brönnimann &amp;amp; Minloff 2015 sowie bisher unveröffentlichte Monitoringresultate aus verschiedenen Kantonen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fördersystem für Blumenwiesen in der Schweizer Landwirtschaft==&lt;br /&gt;
Der hauptsächliche Treiber der Blumenwiesenansaaten auf Landwirtschaftsflächen ist der finanzielle Anreiz durch das Direktzahlungssystem. Im Zuge der Agrarreform wurden nämlich ab dem Jahr 2001 sogenannte „Öko-Qualitätsbeiträge“ (ab 2014 als sog. Biodiversitätsförderflächen-QII-Beiträge bezeichnet, kurz BFF-QII) eingeführt. Diese werden ausbezahlt, wenn in einer angemeldeten Ökowiese innerhalb einer Aufnahmefläche von 3 m Radius mindestens 6 Pflanzenarten aus einer [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1547~1/3~410245~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Beitr%C3%A4ge-und-Bedingungen-im-%C3%96koausgleich/Zeigerpflanzen-Wiesen-BFF-Alpennordseite/Deutsch/Print-Papier Liste von rund 45 Zeigerpflanzenarten] nachgewiesen werden. In den letzten Jahren sind diese Qualitätsbeiträge laufend angestiegen, während die „Basis-Biodiversitätsbeiträge“ im gleichen Masse abgenommen haben. Damit stieg die Attraktivität der Ansaaten entsprechend. Bereits nach 1-2 Jahren sind dank den Biodiversitätsbeiträgen die Kosten einer Neuansaat nicht selten amortisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ökologische Bedeutung von Direktbegrünungsverfahren=&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Ansaat_eines_gefrästen_Streifens_mit artenr_autochth_Saatgut 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Ansaat eines gefrästen Streifens mit autochthonem Saatgut.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die Blumenwiesenmischungen mit Ökotypen aus Schweizer Herkunft wurden bald so zahlreich eingesetzt, dass diese Entwicklung von Seiten der Ökologie und des Naturschutzes zunehmend kritisiert wurde. Denn alle neu angesäten Wiesen sahen landauf landab sehr ähnlich aus, hatten immer fast dieselbe Artenzusammensetzung und basierten alle auf denselben paar wenigen Ökotypen aus dem Ursprungssaatgut der Saatgutfirmen, egal ob die angesäten Wiesen im Wallis, im Seeland, im Randen oder im Bündnerland lagen. Diese Standardisierung steht im Kontrast zur enormen Vielfalt verschiedener Wiesentypen, die sich im Naturwiesland der Schweiz von Region zu Region in Bezug auf ihre typische Artenzusammensetzung stark unterschieden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Immer mehr Untersuchungen der letzten Jahre wiesen ausserdem darauf hin, dass kleinräumig eine grosse genetische Vielfalt auch innerhalb jeder Pflanzenart besteht. Je grösser die Entfernung und je unterschiedlicher das Klima zwischen zwei Herkunftsregionen ist, umso deutlicher fallen auch die genetischen Unterschiede aus &amp;lt;sup&amp;gt;6&amp;lt;/sup&amp;gt;. Dies zeigt sich auch im ökologischen Verhalten. Viele der untersuchten Wiesenarten wuchsen besser, wenn die Pflanzen regionaler Herkunft waren. So lieferten die regionalen Gewächse im Schnitt beispielsweise zehn Prozent mehr Blütenstände als Artgenossen, die aus anderen Gegenden stammten &amp;lt;sup&amp;gt;7&amp;lt;/sup&amp;gt;. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von Tal zu Tal, ja von Wiese zu Wiese bestehen genetische Anpassungen und Unterschiede, sogenannte Ökotypen. Diese innerartliche genetische Vielfalt ist zwar äusserlich oft nur schwer zu erkennen, aber ökologisch von grosser Bedeutung. Denn sie bedeutet eine Anpassung an die unterschiedlichsten Standorts- und Nutzungsbedingungen und ist damit eine wichtige Voraussetzung für die Stabilität von Ökosystemen. So konnten Untersuchungen zeigen, dass der Deckungsgrad höher und damit der Ansaaterfolg besser sind, wenn Ökotypen aus der Region statt Saatgut von weiter entfernt liegenden Gegenden verwendet wird. Im Gegenzug konnten sich weniger unerwünschte, nicht angesäte Arten (z.B. Neophyten) etablieren (Weisshuhn et al. 2012 &amp;lt;sup&amp;gt;8&amp;lt;/sup&amp;gt;). Ein deutliches Indiz dafür, dass diese Pflanzen regional angepasst sind. Sie kommen also in der Nähe ihrer ursprünglichen Herkunft besser zurecht. Andere Untersuchungen zeigen, dass die Inzucht von autochthonem Saatgut geringer ist als von Vermehrungssaatgut &amp;lt;sup&amp;gt;9&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;6&amp;lt;/sup&amp;gt; z.B. Durka, W. et al. (2016): Genetic differentiation within multiple common grassland plants supports seed transfer zones for ecological restoration. – Journal of Applied Ecology 54/1, 116-126. [https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1365-2664.12636 PDF].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;7&amp;lt;/sup&amp;gt; Durka W. et al. (2019): Regionales Saatgut von Wiesenpflanzen: genetische Unterschiede, regionale Anpassung und Interaktion mit Insekten. Natur und Landschaft 94/4, 146-153. [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/News/Regionales%20Saatgut%20von%20Wiesenpflanzen.pdf PDF]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;8&amp;lt;/sup&amp;gt; Weisshuhn K., Prati D., Fischer M., Auge H. (2012): Regional adaption improves the performance of grassland plant communities. Basic and Applied Ecology 13/6, 551-559. [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1439179112000710 Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;9&amp;lt;/sup&amp;gt; Aavik T., Bosshard D., Edwards P., Holderegger R., Billeter R. (2014): Genetische Vielfalt in Wildpflanzen-Samenmischungen. Agrarforschung Schweiz 5 (1): 20–27. [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Aavik_et_al_Agrarfo2014.pdf PDF]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Herkunft des Saatgutes: Empfehlungen, Standards und rechtliche Vorgaben=&lt;br /&gt;
Um die genetische Vielfalt auf Ökotypenebene zu berücksichtigen, hat bereits 1998 die schweizerische Kommission für die Erhaltung von Wildpflanzen (SKEW), heute Teil von Info Flora, Empfehlungen herausgegeben. Diese verlangen, dass das verwendete Saat- und Pflanzgut für Blumenwiesen aus der gleichen biogeographischen Region wie die Empfänger-Parzelle stammen soll. Bei häufigen, taxonomisch wenig differenzierten Arten sollen die sechs Grossregionen der Schweiz – d. h. Jura, Mittelland, Alpennordflanke, westliche und östliche Zentralalpen und Südalpen – eingehalten werden (siehe Abbildung). Taxonomisch schwierige Arten mit unregelmässiger Verbreitung sollen die elf Kleinregionen einhalten. Ausserdem ist es gemäss den Empfehlungen wichtig, standörtliche und regionale Unterschiede wie Höhenlage, Bodenverhältnisse und Exposition zu berücksichtigen. Nur so entspricht die zu begrünende Fläche den ökologischen Anforderungen der eingebrachten Arten. Die Empfehlungen verlangen auch, dass die gefährdeten Arten nicht in Samenmischungen gehandelt werden. Für diese gelten [https://www.infoflora.ch/de/flora/ansiedlung.html spezifische Richtlinien]. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Richtlinien von Info Flora entsprechen dem, was auch in verschiedenen Gesetzen und Verordnungen verlangt wird, insbesondere im Natur- und Heimatschutzgesetz, welches verlangt, die einheimische Tier- und Pflanzenwelt sowie ihre biologische Vielfalt und ihren natürlichen Lebensraum zu schützen &amp;lt;sup&amp;gt;10&amp;lt;/sup&amp;gt;. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Praxis finden die Richtlinien von Info Flora leider nur sehr begrenzt Berücksichtigung. Die eine Seite des Problems liegt beim Handel. Auch wenn die Saatgutfirmen die Herkünfte kennen und getrennt vermehren, werden sie – aus logistischen Gründen und den damit verbundenen Kosten –leider nicht so gekennzeichnet. Der Nutzer kann damit beim Kauf von Standardsaatgut die Empfehlungen gar nicht so einhalten, weil die Herkünfte in den Handels-Saatgutpackungen vermischt sind. Gewisse Kantone haben für landwirtschaftliche Ansaaten mit Saatgutproduzenten Abmachungen und erhalten spezifische Mischungen von und für ihre Region, die den Lebensräumen angepasst sind – dies ist aber leider die Ausnahme. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite sind die Richtlinien auch bei den Anwendern noch sehr oft nicht angekommen. So wird in der Praxis oft auch dort, wo Saatgut gemäss den Info Flora-Empfehlungen verfügbar wäre, dieses oft nicht berücksichtigt mangels Wissens oder als Folge fehlerhafter Ausschreibungen. Dies ist insbesondere im Verkehrsbereich (Böschungsbegrünungen etc.) der Fall, wo jedes Jahr Hunderte von Hektaren neu begrünt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = biogeografische Regionen CH.png&lt;br /&gt;
| text = Die Biogeographischen Regionen der Schweiz: blau = Jura und Randen; hellgrün =  Hochrhein- und Genferseegebiet; dunkelgrün = Westliches Mittelland; grün = Östliches Mittelland; hellblau = Voralpen; dunkelblau = Nordalpen; gelb = Westliche Zentralalpen, orange = Östliche Zentralalpen; rot = Südalpen; braun = Südlicher Tessin &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Quelle: Gonseth, Y.; Wohlgemuth, T.; Sansonnes, B.; Buttler, A. (2001): Die biogeographischen Regionen der Schweiz. Erläuterungen und Einteilungsstandard. Umwelt Materialien Nr. 137 Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft Bern. 48 Seiten.).&lt;br /&gt;
}}                                                                       &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der grossflächig stattfindenden Uniformierung und Florenverfälschung &amp;lt;sup&amp;gt;11&amp;lt;/sup&amp;gt; durch nicht den Richtlinien entsprechenden Saatgutmischungen nahm der Druck zu, vermehrt autochthones Saatgut lokaler Provenienz zu verwenden, wo die Herkunft im Detail nachgewiesen werden kann (vgl. dazu Tab. 1). 2014 wurde die Direktzahlungsverordnung mit einem Passus ergänzt, der für landwirtschaftliche Blumenwiesenansaaten im Rahmen der Verfügbarkeit die Anwendung von Direktbegrünungen vorschreibt (DZV Art. 58 Abs. 8). Deutschland geht noch einen Schritt weiter und verlangt ab 2020 generell bei der Neuanlage von Grasland in der freien Landschaft die Verwendung von gebietseigenem Saatgut (BNatSchG §40).&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Bewusstseinswandel und die damit einhergehende teilweise angepasste Rechtslage gab der Anwendung von Direktbegrünungsverfahren starken Auftrieb. So werden in der Schweiz immer häufiger Mahdgutübertragungen durchgeführt, und dies bei korrekter Anwendung mit durchwegs guten Erfolgen &amp;lt;sup&amp;gt;12&amp;lt;/sup&amp;gt;. Da Mahdgutübertragungen v.a. aus logistischen Gründen oft nur beschränkt eingesetzt werden können, wurden in den letzten 10 Jahren verschiedene Ernteverfahren für autochthones Saatgut entwickelt oder weiterentwickelt (s. Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Direktbegr.C3.BCnungsverfahren Direktbegrünungsverfahren]). Damit kann das Saatgut aus den Spenderflächen getrocknet, gereinigt und abgesackt werden. Das Saatgut kann damit in Bezug auf die Ansaattechnik und den Ansaatzeitpunkt genau so flexibel wie Standardsaatgut eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;10&amp;lt;/sup&amp;gt; Vgl. die ausführliche Zusammenstellung und Interpretation der rechtlichen Grundlagen im [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen], Seiten 11-15.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;11&amp;lt;/sup&amp;gt; Begriffserklärung und Beispiele siehe Box «Florenverfälschung».&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;12&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. Studie &amp;lt;!-- noch nicht beschaffen können: Wolfgang Bischoff/Pro Natura und Studie --&amp;gt;Pro Natura/Ö+L 2017 ([http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/05/BerichtAnsaatenArtenreicheWiesenKtAG2014-16.pdf PDF]).&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Engpass Spenderflächen==&lt;br /&gt;
Vor allem im Mittelland und einigen Voralpenregionen sind geeignete Spenderflächen allerdings so rar, dass die Produktion von autochthonem Saatgut den potenziellen Bedarf bei weitem nicht abdecken kann. In diesen Regionen wird Standardsaatgut mit Ökotypen aus diesen Regionen auch in Zukunft ein wichtiger Pfeiler für die Renaturierung von artenreichen Wiesen bleiben – dies umso mehr, da für das Mittelland beim Standardsaatgut auch das grösste Angebot an Arten existiert. Im Berggebiet und auf der Alpensüdseite dagegen besteht sowohl in Anbetracht der sehr unterschiedlichen Standortsbedingungen und Höhenlagen, als auch aufgrund des sehr begrenzten Angebotes von Arten aus den betreffenden biogeographischen Regionen kaum geeignetes Standardsaatgut. Dafür sind in diesen Regionen Spenderflächen meist noch zahlreich verfügbar, so dass hier in Zukunft vorwiegend autochthones Saatgut zum Einsatz kommen dürfte. Von der bisherigen Praxis, in diesen Regionen Mischungen mit Ökotypen aus dem Mittelland zu verwenden, sollten die zuständigen Amtsstellen und weiteren Akteuren wegkommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Was ist «Florenverfälschung»?''' &amp;lt;br /&amp;gt; Unter Florenverfälschung wird die Beeinträchtigung der einheimischen Pflanzen-Biodiversität durch die Einführung fremder Pflanzenarten oder fremder Ökotypen verstanden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schädigende Auswirkungen auf die Biodiversität können von folgenden zwei Prozessen ausgehen:&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
a) Heimische Arten oder Ökotypen werden durch die eingebrachten Arten oder Ökotypen verdrängt. Bekannt sind die Auswirkungen invasiver Neophyten, also sich aggressiv ausbreitende Pflanzenarten aus anderen Kontinenten wie de Goldruten (''Solidago canadensis'') oder der Japanknöterisch (''Reynoutria japonica''). Auch einheimische Arten können invasiv sein, z. B. Schilf (''Phragmites australis'') oder Klappertopf (''Rhinanthus alectorolophus''). Ein Beispiel für eine Ökotypen-Invasion stellt der europäische Schilfrohr-Ökotyp in Amerika dar, der dortige Populationen weitgehend verdrängt hat (vgl. Kowarik 2003).&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
b) Die vorhandenen lokalheimischen Ökotypen kreuzen sich mit den eingebrachten Ökotypen und verlieren dadurch ihre spezifischen, zum Teil ausgeprägten physiologischen und ökologischen Anpassungen an die lokalen Bedingungen (Klima, Standort, Bewirtschaftung). Mit der Einkreuzung verschwindet auch der betreffende Ökotyp als Bestandteil der Biodiversität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess b) dürfte viel bedeutsamer sein als a), ist aber gleichzeitig viel schwieriger zu beobachten und nachzuweisen. Beide Prozesse haben nicht auf die Flora, sondern ebenso auf die Tierwelt negative Auswirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. S. 21.]&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verfügbarkeit von Ökotypensaatgut regionaler Herkunft (Regiosaatgut) war ein grundlegender Fortschritt gegenüber dem früher aus dem Ausland importierten „Billigsaatgut“, das nicht nur Ökotypen aus vielen anderen Ländern enthielt, sondern teilweise sogar Zuchtformen oder auch Arten, die gar nicht in der Schweiz heimisch waren. Ein Beispiel war der Wiesenknopf (''Sanguisorba muricata''), der dem heimischen Kleinen Wiesenknopf (''Sanguisorba  minor'') sehr ähnlich sieht. Andere Beispiele sind Rotklee (''Trifolium pratense'') und Hornklee (''Lotus corniculatus'') oder Fromental (Glatthafer) (''Arrhenaterum elatius''), bei denen noch bis vor wenigen Jahren regelmässig Zuchtformen verwendet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wo lassen sich welche artenreichen Wiesentypen neu anlegen?=&lt;br /&gt;
Artenreiche Wiesen können praktisch überall neu angelegt werden, vorausgesetzt Ansaatmethode und Saatgut sind sachgemäss auf den Standort und die zukünftige Nutzung abgestimmt. Je nach Standort und Nutzung entstehen dabei unterschiedliche Wiesentypen mit einer unterschiedlichen Artenzusammensetzung und Artenvielfalt. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die wichtigsten Anwendungsbereiche für die Neuanlage artenreicher Wiesen sind Naturschutzgebiete, ehemaliges Ackerland, bisher intensiv genutzte verarmte Wiesen im Landwirtschaftsgebiet, Hochwasserschutzdämme und Gewässerräume, Böschungen von Verkehrswegen, Rasenflächen in Gärten oder Parks, neu geschaffene Umgebungen von Siedlungen, aber auch kleinflächige Objekte wie Verkehrsinseln oder kleine Gartenbereiche. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Besonders artenreich werden Wiesen auf relativ nährstoffarmen Standorten mit extensiver Nutzung, das heisst auf Flächen, die nicht gedüngt und nur ein- bis höchstens zweimal pro Jahr gemäht werden (Abb. 2). Bei erhöhtem Nährstoffgehalt und etwas häufigerer Mahd nimmt die Artenzahl zunehmend ab. Doch auch auf ehemals intensiv genutzten, nährstoffreichen Böden können bei sachgemässer Ausführung und Bewirtschaftung blumenreiche Wiesentypen langfristig erfolgreich angelegt werden. Sogar in Rasenflächen, die bis zu sechsmal jährlich gemäht werden, können sich viele attraktive und für Insekten wertvolle Blumenarten wie Salbei, Margerite, Brunelle, Thymian etc. langfristig halten. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei sehr nährstoffarmen Verhältnissen (z.B. Rohböden)&amp;lt;!--Link auf Pionierflächen, wenn vorhanden--&amp;gt; ist die Artenzahl und die Blühfreudigkeit der Wiesentypen etwas geringer, dafür lassen sich unter solchen Standorten besser gefährdete Arten ansiedeln.  &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Standortansprache, also die Beurteilung, welcher artenreiche Wiesentyp an einem gegebenen Ort angelegt werden kann, ist entscheidend für den späteren Erfolg. Doch die Standortbeurteilung bereitet oft Mühe. Es lohnt sich deshalb, für diesen ersten ausschlaggebenden Schritt eine erfahrene Fachperson beizuziehen. Sie kann für den individuellen Fall die wichtigsten Hinweise zum anzustrebenden Wiesentyp, zur richtigen Bodenvorbereitung, zur Ansaatmethode, zum geeigneten Saatgut und zu den Anforderungen an Bewirtschaftung und Pflege geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die wichtigsten Wiesentypen und ihre Standorte für die Neuanlage artenreicher Wiesen==&lt;br /&gt;
Im Wesentlichen sind folgende fünf [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Wiesentypen] für die Neuanlage artenreicher Wiesen bis in eine Höhenlage von maximal 1000 m ü. M. relevant (siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Typologie_des_Gr.C3.BCnlands Kapitel «Typologie des Grünlands»]). Die Reihenfolge in der nachfolgenden Abbildung richtet sich nach einem Gradienten von trocken bis feucht und von nährstoffarm bis mässig nährstoffreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Wiesentypen Neuanlage de.png&lt;br /&gt;
| text = Ökogramm mit den wichtigsten Wiesentypen, die für eine Neuanlage artenreicher Wiesen in Frage kommen. Wo es sehr trocken ist, ist die Verfügbarkeit von Nährstoffen stark eingeschränkt, weshalb es keine Wiesentypen in der Ecke oben rechts gibt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. '''Trockenrasen'''&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt;  (''Xerobromion''): Dieser Wiesentyp bildet sich nur auf sehr sonnigen, heissen Standorten mit sehr mageren Böden aus (z.B. Rohböden wie Kies- oder Sandflächen). Trockenrasen sind lückig, sehr artenreich, aber oft etwas weniger blühfreudig als die Halbtrockenrasen. Trockenrasen werden oft nur jedes zweite Jahr gemäht, so dass auch verholzte niedrige Sträucher wie verschiedene Ginsterarten aufkommen können. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
2. '''Trespen-Halbtrockenrasen'''&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt; (''Mesobrometum''): Verbreiteter, blumen- und artenreicher Wiesentyp an sonnigen, nährstoffarmen, (zumindest schwach) humusierten Standorten. Wird jährlich im Juli geheut und im Herbst je nach Wüchsigkeit noch ein zweites Mal gemäht. Charakterarten sind das bestandesbildende Gras Aufrechte Trespe (''Bromus erectus'') und bei den Kräutern z.B. Thymian (''Thymus'' sp.), Esparsette (''Onobrychis viciifolia''), Salbei (''Salvia pratensis'') und bei schwacher Nutzung Dost (''Eupatorium cannabinum'') und Hauhechel (''Ononis'' sp.). &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
3. '''Fromentalwiese trockene Ausprägung''' (''Arrhenatheretum salvietosum''): Ziemlich artenreiche, sehr blütenreiche Wiese, die in der Regel in der zweiten Junihälfte geheut wird und danach noch 1-2 weitere Emdschnitte benötigt. Sie bildet sich auf humusreicheren, vormals oft intensiv gedüngten Böden an sonnigen Lagen aus. Charakterarten sind Salbei (''Salvia pratensis''), Wiesenbocksbart (''Tragopogon pratensis'') oder Margerite (''Leucanthemum vulgare''). &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
3a. '''&amp;quot;Blumenrasen&amp;quot;''': Auf Fromentalwiesenstandorten, also auf humusreicheren, gut mit Nährstoffen versorgten Böden auf mittleren oder trockeneren Standorten bilden sich bei sehr häufiger Mahd Rasen im gartenbaulichen Sinne aus. Wird ein Rasen alle 1-2 Wochen gemäht, überleben nur wenige Pflanzenarten, vor allem ausläufertreibende, niederwüchsige Gräser und einige Klee- und Kräuterarten. Wird die Schnittfrequenz auf maximal 5-6 Schnitte pro Jahr reduziert und die Düngung eingestellt, haben viele Arten der Fromentalwiesen und teilweise auch der Trespen-Halbtrockenrasen eine Chance, sich zu etablieren und zu reproduzieren. Dieser «Wiesentyp» wird in der Regel Blumenrasen genannt und findet zunehmend Verbreitung im Siedlungsbereich. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
4. '''Fromentalwiesen frische Ausprägung''' (''Arrhenatheretum cirsietosum oleracei''): Ziemlich arten- und blütenreiche Wiese. Bewirtschaftung/Pflege wie bei (3). Sie bildet sich auf humusreicheren, vormals oft intensiv gedüngten Böden an schattigeren und/oder frischen bis feuchten Standorten aus. Charakterarten sind Kuckuckslichtnelke (''Lychnis floc-cuculi'') und Kohldistel (''Cirsium oleraceum''). An schattigen oder feuchten Standorten bilden sich bei sehr extensiver Nutzung (Mahd alle 2 Jahre oder jährlich im Spätherbst) Hochstaudensäume (''Filipendulion'', 4b) mit farbenprächtigen Arten wie Mädesüss (''Filipendula ulmaria''), Gilbweiderich (''Lysimachia vulgaris'') oder Blutweiderich (''Lythrum salicaria'') aus.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
5. '''Streuwiesen''' &amp;lt;!---Link auf Feuchtgebiete wenn vorhanden--&amp;gt;(''Molinion'', ''Caricetum davallianae'' u.a.): Magere, feuchte bis vernässte Standorte sind für Wiesenneuanlagen eher selten und werden vor allem bei Naturschutzprojekten gezielt geschaffen mittels baulichen Massnahmen, z.B. bei Wiedervernässungen oder bei der [https://biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser/Bau_von_Gew%C3%A4ssern Schaffung von Weihern]. Unter diesen Standortbedingungen bilden sich niederwüchsige, teilweise sehr artenreiche Streuwiesentypen aus, die in der Regel einmal jährlich im Spät-herbst gemäht werden.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt; «Rasen» wird hier in pflanzensoziologischer Terminologie verwendet und bedeutet «niederwüchsige Vegetation aus Kräutern».&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = artenhaeufigkeiten wiesen de.png&lt;br /&gt;
| text = Zusammenhang zwischen Nutzungsintensität, Ertrag und Vielfalt (Artendichte) an Pflanzenarten in Naturwiesen, schematisch; Orientierungswerte für Wiesen trockener und mesischer Standorte der kollinen bis montanen Stufe der Schweiz. Düngung und Nutzungshäufigkeit nehmen von links nach rechts zu. TS = Trockensubstanz. Der mit 1 bezeichnete Bereich entspricht in den tieferen Lagen den Trespen-Halbtrockenrasen, 2 den Fromentalwiesen. Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas: Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe. Haupt Verlag, Bern. (ergänzt)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Standort- und Vegetationsbeurteilung=&lt;br /&gt;
Eine grundlegende Voraussetzung für den Erfolg von artenreichen Wiesenansaaten '''ist die korrekte Standortbeurteilung'''&amp;lt;sup&amp;gt;14&amp;lt;/sup&amp;gt; '''sowie die Beurteilung der vorhandenen Vegetation'''. Diese beiden Schritte bestimmen, ob und welche Massnahmen für eine Ansaat getroffen und welches Saatgut für eine erfolgreiche Durchführung gewählt werden soll, aber auch, wo eine Ansaat am meisten Sinn macht, sofern mehrere Varianten zur Verfügung stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;14&amp;lt;/sup&amp;gt; bzw. die künstliche Schaffung entsprechender Standortbedingungen beispielsweise mittels Bodenabtrag/Bodenaufschüttung, vgl. Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Aufwertung_durch_Aushagerung «Aufwertung durch Aushagerung»]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wo es keine Ansaaten braucht, sondern Geduld und angepasste Pflege genügen==&lt;br /&gt;
Auf Flächen, auf denen bereits einzelne Blumen der gewünschten Arten vorhanden sind, kann unabhängig von einer Standortdiagnose oft auf eine Ansaat verzichtet werden. So weisen artenarme Naturwiesen, auch wenn sie intensiv bewirtschaftet werden, oft noch Reste von Zielarten auf, beispielsweise in Randbereichen oder an flachgründigen Stellen. Zudem sind Naturwiesen &amp;lt;sup&amp;gt;15&amp;lt;/sup&amp;gt; generell deshalb wertvoll, weil die verbliebenen Arten noch aus alten, lokalen Ökotypen bestehen, so dass beim Umbruch von alten Naturwiesen generell grosse Zurückhaltung geübt werden sollte. Sie können nach und nach durch ein Ausbleiben der Düngung und ein reduzierte Mahdfrequenz – meist genügt ein zweimaliger Heuschnitt pro Jahr – wieder artenreicher werden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch in alten Rasenflächen, die über längere Zeit nicht gedüngt wurden, wächst vereinzelt oft noch eine erstaunliche Vielfalt an Wiesenblumen wie Margeriten, Hornklee oder Salbei. Kommen solche Arten noch regelmässig vor, genügt es, den Mährhythmus stark zu reduzieren (auf maximal 6 Schnitte pro Jahr), und eine mehr oder weniger artenreiche Blumenwiese kehrt in wenigen Jahren von selbst zurück. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Weg_artenreicheWiese_de.png&lt;br /&gt;
| text = Um zu klären, ob eine Ansaat nötig ist oder Abwarten vielmehr genügt, bietet das Agridea-Merkblatt [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier &amp;quot;Der Weg zur artenreichen Wiese&amp;quot;] eine gute Entscheidungshilfe.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;15&amp;lt;/sup&amp;gt; Naturwiesen sind Wiesen, die seit mindestens 30 Jahren nicht mehr umgebrochen und neu angesät worden sind.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Botanische Aufwertung von verarmten Naturwiesen mittels Einsaaten==&lt;br /&gt;
Ist eine Wiese beispielsweise durch intensive Nutzung einmal botanisch verarmt und weist auch keine Relikte der angestrebten Pflanzengesellschaft mehr auf, kommt die Pflanzenvielfalt auch bei wieder extensiverer Nutzung selbst nach Jahrzehnten oft nicht von selbst zurück. Dies zeigen viele Untersuchungen (z.B. Bosshard 1999, Kiehl 2010 &amp;lt;sup&amp;gt;16&amp;lt;/sup&amp;gt;). Zum einen breiten sich die meisten Wiesenarten nur langsam aus, zum anderen verhindert die bestehende Grasnarbe die Etablierung neuer Pflanzenarten wirkungsvoll und ein Samenvorrat der meisten erhofften Wiesenarten fehlt, da die Samen der meisten Wiesenarten nur wenige Jahre im Boden überleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Soll ein verarmter Wiesenbestand also wieder mit Arten angereichert werden, bleibt nichts anderes übrig, als die fehlenden Arten mit geeigneten Massnahmen wieder einzubringen &amp;lt;sup&amp;gt;17&amp;lt;/sup&amp;gt;. Dabei existieren grundsätzlich drei Möglichkeiten – wobei eine angepasste Nutzung (keine Düngung, geeignetes Schnittregime u.a.) immer vorausgesetzt wird: &lt;br /&gt;
# '''Übersaatmethode''': Alte, vergraste und blumenarme Naturwiesen, die bezüglich der Grasartenzusammensetzung aber noch einigermassen den Fromentalwiesen im engeren Sinne entsprechen, sollten nicht umgebrochen/gefräst und angesät werden. Eine Aufwertung mit einer einfachen Übersaat in den bestehenden Bestand, wie dies in intensiver genutzten Wiesen mit Futterbaumischungen gemacht wird, funktioniert mit Wiesenblumensaatgut nicht. Dagegen gibt es zwei etwas aufwändigere Übersaatmethoden, die ohne Umbruch funktionieren. Zum einen lassen sich Wiesenblumenarten ansiedeln, indem über mehrere Jahre hinweg gesammeltes Saatgut ausgewählter Arten der Umgebung gezielt oberflächlich auf Blössen (Narbenschäden, Maushaufen, gezielt verursachte Öffnungen etc.) ausgebracht wird. Die andere Möglichkeit besteht darin, über mehrere Jahre das frische Erntegut von blumenreichen Heuwiesen (Fromentalwiesen) auf der aufzuwertenden Fläche zu trocknen. Die ausfallenden Samen führen nach einigen Jahren zu einer deutlichen Zunahme der Arten- und Blumenvielfalt. Voraussetzung ist allerdings, dass eine geeignete Heuwiese als Spenderwiese auf dem Betrieb oder in der Nachbarschaft vorhanden ist. Mit diesen beiden Methoden wird die bestehende Pflanzen-/Boden-Garnitur und -Struktur nicht unnötig zerstört und die noch vorhandenen Ökotypen der bestehenden Naturwiese bleiben erhalten. Allerdings brauchen sie viel Geduld, sind ziemlich aufwändig und gelingen nur auf Standorten mit eher tiefem Nährstoffniveau.&lt;br /&gt;
# '''Streifensaat'''. Diese Methode ist einfacher und sicherer und erlaubt es ebenfalls, die gewünschten Arten wieder in den Bestand zu bringen, ohne dass die ganze bestehende Naturwiese eliminiert werden muss. Dazu werden in einem Abstand von 15-20 m Streifen von 3-6 m Breite mit einer zapfwellengetriebenen Egge (z.B. Kreiselegge) oder auch einer Gartenfräse in die bestehende Wiese gefräst. Meist ist eine mindestens 3-malige Wiederholung im Abstand von ca. 2 Wochen nötig, bis die alte Vegetation vollständig abgestorben ist. Im Frühling können die vegetationsfreien, gut abgesetzten Streifen mit geeignetem Saatgut oder einer Direktbegrünung angesät. Je breiter die Streifen sind, desto eher lassen sich Schäden durch Schnecken reduzieren. Von den angesäten Streifen aus können dann die dort etablierten Arten nach und nach in den umliegenden Bestand auswandern, sofern Bodenheu gemacht und das Heu mit dem Kreiselheuer über die Fläche verteilt wird. &lt;br /&gt;
# '''Ganzflächige Ansaat''': Ist der Ausgangsbestand keine erhaltenswerte Naturwiese, empfiehlt es sich, die bestehende Wiesenvegetation ganzflächig durch Pflügen und anschliessendes Eggen, oder allein durch mehrmaliges Eggen mit einer zapfwellengetriebenen Kreiselegge (oder ähnlichem Gerät), vollständig zu entfernen. Details zu einer erfolgreichen Saatbettbereitung und Ansaat siehe Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Standort-_und_Vegetationsbeurteilung «Standort- und Vegetationsbeurteilung»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;16&amp;lt;/sup&amp;gt; Plant species introduction in ecological restoration: Possibilities and limitations. Basic and Applied Ecology 11/4, 281-284&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;17&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. dazu insbesondere [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier Agridea-Merkblatt «Der Weg zu artenreichen Wiesen»] sowie Huguenin-Elin et al. 2012&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Welche Flächen eignen sich (nicht) für Neuansaaten?==&lt;br /&gt;
Mittels Ansaaten können auf fast jedem Standort (Boden, Exposition, Höhenlage etc.) artenreiche, stabile Wiesen erfolgreich wieder etabliert werden – vorausgesetzt, es werden die richtigen Arten und Ökotypen fachgerecht angesät und die anschliessende Pflege erfolgt dem Pflanzenbestand angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Generell gilt''': Auf mageren sonnigen Standorten können sich mehr Pflanzen- und Tierarten und auch seltenere Arten entwickeln als auf nährstoffreicheren oder schattigeren Flächen. Auf sehr armen trockenen Böden nimmt die Artenvielfalt natürlicherweise wieder ab ([https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Die_wichtigsten_Wiesentypen_und_ihre_Standorte_f.C3.BCr_die_Neuanlage_artenreicher_Wiesen siehe Abbildung zu Artenreichtum]), und die Ansaat gestaltet sich oft schwierig, insbesondere auf kiesigen Rohböden mit geringem oder fehlendem Feinkornanteil (Sand, Schluff, Ton).&amp;lt;!-- nicht veröffentlichen wegen Empfehlung Humusierung: Südexponierte oder schattige Lagen verschärfen die Situation noch. Besteht Erosionsgefahr, ist bei reinen Kiesflächen die Beimischung eines geringen Humusanteils zu empfehlen, damit sich eine geschlossene Pflanzendecke entwickeln kann.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Weniger geeignet bzw. schwierig für die Neuansaat artenreicher Wiesen sind''':	&lt;br /&gt;
* '''Schattige Standorte'''. Solche sind von Natur aus meist arten- und blumenärmer als Wiesen an besonnten Lagen. Zudem können Schnecken den Keimlingen, vor allem der Wiesenblumen, an solchen Standorten besonders zusetzen. Dieser teilweise unterschätzte Faktor wird noch verschärft, wenn die Ansaatflächen an solchen Standorten klein oder schmal sind und deshalb von den Schnecken vom Rand her leichter aufgesucht werden können. Tipp: Anzusäende Flächen, die von bestehenden Wiesen oder Gehölzen umgeben sind, sollten nicht schmaler als 6 m und kleiner als eine Are (10x10m) sein.&lt;br /&gt;
* '''Entwässerte Moorböden'''. Auf solchen Böden werden durch den Abbau des Torfs so viele Nährstoffe freigesetzt, dass rasch wenige Arten zur Dominanz gelangen und die meisten der angesäten Arten verdrängen. Unter dieser (seltenen) Voraussetzung lohnen sich artenreiche Ansaaten in der Regel nicht. Ökologisch aufgewertet werden können sie jedoch mit einer Vernässung&amp;lt;!--Link auf Feuchtgebiete--&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* '''«Verunkrautete“ Flächen»''': Auf Standorten, die vorher mit Stumpfblättrigem Ampfer («Blacke», (''Rumex obtusifolius'')) verunkrautet waren, ist Vorsicht geboten. Blackensamen bleiben viele Jahrzehnte keimfähig im Boden. Auch wenn auf einer Fläche vor der Ansaat keine Blacken sichtbar sind, können Blackensamen beim Pflügen oder auch Eggen von Wiesland aus einer früheren Verunkrautung in grosser Zahl keimen. Die Bekämpfung dieser Problemart kann sehr aufwändig sein &amp;lt;sup&amp;gt;18&amp;lt;/sup&amp;gt;. Als weitere Problemarten sind Ackerkratzdisteln und einige wenige invasive Neophyten zu nennen, insbesondere Goldruten und einjähriges Berufskraut. Was die genannte, ausläufertreibende Distelart anbelangt, deren Blüten übrigens für Bienen und Schmetterlinge sehr attraktiv sind, verschwindet sie bei regelmässiger Mahd meist von selbst wieder. Die genannten Neophyten dagegen sollten von Beginn weg konsequent eliminiert („gezupft“) werden. Praktisch alle anderen Pflanzenarten, die landläufig als Unkraut bezeichnet werden, sind bei einer fachgerechten Pflege kein Problem für die gewünschte Entwicklung des Wiesenbestandes. Das gilt insbesondere für die im Ansaatjahr oft massenweise auftretenden einjährigen Ackerbeikräuter wie Gänsefuss (''Chenopodium'' sp.) oder Ackerhirsen (''Echinochloa crus-galli'', ''Setaria spp.'', ''Panicum spp.''). Sie verschwinden alle bereits im zweiten Jahr nach der Ansaat von selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;18&amp;lt;/sup&amp;gt; Der Umgang mit Flächen, die einen hohen Blackendruck aufweisen, kann hier nicht weiter vertieft werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Standortbeeinflussung==&lt;br /&gt;
Besteht in einem Ansaatprojekt die Möglichkeit, die Bodeneigenschaften zu beeinflussen, können folgende Massnahmen ins Auge gefasst werden, um – in der Regel – nährstoffärmere Bedingungen zu schaffen (Reihenfolge mit abnehmender Wirksamkeit und abnehmenden Kosten): &lt;br /&gt;
# Oberbodenabtrag (meist A-Horizont, ggf. auch B-Horizont),&lt;br /&gt;
# Aufschüttung eines nährstoffarmen Substrates auf oder Einarbeitung desselben in den bestehenden Boden – meist Kies oder Sand – wobei es für die Aufschüttung meist eine Schicht von mindestens 30 cm braucht, &lt;br /&gt;
# Ausmagerung, beispielsweise durch die Kultur eines Starkzehrers wie Mais oder Raygras. Die Wirksamkeit dieser Methode ist allerdings umstritten. Eine deutlich stärkere Reduktion verfügbarer Nährstoffe wird allein dadurch erreicht, indem vor der Ansaat der Boden möglichst nicht mehr gewendet oder bewegt wird (Verhinderung der oxidativen Nährstoffmobilisation, s. Bosshard 1999). Dies ist auf wenig verunkrauteten Ackerflächen möglich, indem die Ansaat ohne Bodenbearbeitung direkt in die Stoppelbrache erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso besteht überall dort, wo der Boden neu aufgesetzt wird wie z.B. bei Bauprojekten, die Möglichkeit, den Boden so zu „designen“, dass er standörtlich der Zielvegetation am besten entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Standortfaktoren können beispielsweise durch die Gestaltung des Geländes (Exposition, Grundwassereinfluss etc.) oder durch Reduktion von Schatteneinflüssen (Waldrandstufung, zurückschneiden von Hecken etc.) zugunsten der angestrebten Wiesentyps gezielt beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tabelle: Vereinfachter Entscheidungsbaum für die Wahl der geeigneten Ansaat in Lagen unterhalb 1000 m ü. M. (Quelle: In Anlehnung an Bosshard 2000, [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/08/Wiesenrenaturierung_NuL_2000.pdf Blumenreiche Heuwiesen aus Ackerland und Intensiv-Wiesen. Eine Anleitung zur Renaturierung in der landwirtschaftlichen Praxis. Naturschutz und Landschaftsplanung 32/6, 161-171]. Zur Bestimmung der Wiesentypen siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Typologie_des_Gr.C3.BCnlands Kapitel «Typologie des Grünlands]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Typ &lt;br /&gt;
! Beschreibung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1a'''&lt;br /&gt;
| Boden eher bis sehr tiefgründig, bisher mittel bis sehr intensiv genutzt (oder Phosphor über 100 ppM), mit ausgeglichenem Wasserhaushalt: -&amp;gt; Zielvegetation typische Fromentalwiese (Arrhenatheretum). Details siehe Text.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;| '''1b'''&lt;br /&gt;
| Boden flachgründig oder durchlässig (kiesig, sandig) oder Standort sehr trocken oder nährstoffarm aufgrund bestehender Vegetation (Ertrag &amp;lt; 30 dt/J); an sonniger Lage: &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | 1b1&lt;br /&gt;
| Boden kalkhaltig oder pH &amp;gt;6: -&amp;gt; Zielvegetation typische Trespen-Halbtrockenrasen (Mesobrometum). Zur Wahl der Ansaat siehe Text.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | 1b2&lt;br /&gt;
| weitgehend fehlender Kalkgehalt bzw. pH &amp;lt;6: -&amp;gt; Zielvegetation Rotschwingel-Straussgraswiese (Festuca-Agrostion), ev. Borstgrasrasen (ab 600 m ü. M. (Nardion)); Direktbegrünung, kein geeignetes Standardsaatgut verfügbar. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1c'''&lt;br /&gt;
| Wie 1b, aber schattige Lage:  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1c1&lt;br /&gt;
| Eher trockener Standort (vorwiegend Nordexposition, Beschattung durch Waldrand u.ä.): -&amp;gt; Zielvegetation Rotschwingel-Straussgraswiese (Saatgut s. 1c1),  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1c2&lt;br /&gt;
| wie 1c1, aber bei Niederschlägen &amp;gt;1200 mm/J und mind. leichtem Bodenkalkgehalt bzw. pH &amp;gt;6: -&amp;gt; Rotschwingel-Straussgraswiese (s. 1c1) oder magere Variante einer feuchten Fromentalwiese mittels Direktbegrünung oder Standardsaatgut Humida.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1d'''&lt;br /&gt;
|Boden zur Vernässung neigend (wechseltrocken):&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1d1&lt;br /&gt;
| Boden eher tiefgründig und/oder eher nährstoffreich: -&amp;gt; Zielvegetation frische Fromentalwiese, Saatgut über Direktbegrünung oder mit Standardsaatgut Humida  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1d2 &lt;br /&gt;
| Boden mager oder flachgründig: -&amp;gt; Streuwiesengesellschaften durch Direktbegrünungsverfahren (kein geeignetes Standardsaatgut auf dem Markt). Pflanzensoziologische Detailabklärungen nötig zur Wahl geeigneter Spenderflächen (Molinion, Caricion u.a.) &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1e'''&lt;br /&gt;
| Boden vernässt bzw. wechselnass: Wie 1d2.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1f'''&lt;br /&gt;
| Rohboden: -&amp;gt; Zielvegetation: Ruderalflora oder lückiger Trespenrasen (s. Text); je nach Situation auf Ansaat verzichten, Ansaat einer Ruderalflora-Mischung, oder (sofern Boden kalkhaltig) Direktbegrünung mit Trespen-Halbtrockenrasen (Mesobrometum) bzw. Trockenrasen (Xerobrometum) sofern verfügbar. Kleinflächen: Anpflanzung von Einzelpflanzen prüfen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Saatgut: Richtige Artenzusammensetzung, richtige Herkunft=&lt;br /&gt;
Standörtliche/geographische Herkunft, Qualität und Zusammensetzung des Saatgutes sind eine ausschlaggebende Voraussetzung für den Erfolg bei einer Neuanlage oder Wiederherstellung artenreicher Wiesen. Auch im Hinblick auf die Biodiversität spielen die Zusammensetzung und Herkunft des Saatgutes eine zentrale Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Kapitel werden die verschiedenen Saatguttypen mit ihren Vor- und Nachteilen sowie die vorhandenen Anbieter in der Schweiz beschrieben. Eine einfache erste Entscheidungshilfe, wo welcher Saatguttyp am besten geeignet ist, liefert die Entscheidungsmatrix (siehe Tabelle unten). Weiterführende Informationen zu den einzelnen Saatguttypen und ihren Anwendungsmöglichkeiten enthält der [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen, Kap. 6 (s. 39 ff.)].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = tab bossh de.png&lt;br /&gt;
| text = '''Entscheidungsmatrix für die Saatgutwahl bei Begrünungen in der Schweiz'''. Eine Saatgutwahl nach dieser Matrix ist konform mit dem Natur- und Heimatschutzgesetz sowie mit der Biodiversitätskonvention. Die zuerst genannten Verfahren sind aus ökologischer Sicht vorzuziehen. Angaben in Klammern: Verfügbarkeit des Saatgutes je nach Region eingeschränkt. '''A''' = Autochthones Saatgut oder Pflanzenmaterial (ausgebracht über Heugrassaat, Sodenverpflanzung oder ähnliche Verfahren), '''W''' = Wildpflanzensaatgut (Regio-Saatgut), '''Z''' = Regel-Handelssaatgut. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Quelle: Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz  - Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität, Bosshard A., Mayer P., Mosimann A., 2015 &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Direktbegrünungsverfahren==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = direktbegruenungsverfahren de.png&lt;br /&gt;
| text = Vergleich der Begrünungsverfahren. Quelle: Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität. Ö+L Ökologie und Landschaft GmbH.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direktbegrünungsverfahren sind für die Erhaltung der Biodiversität in der Regel deutlich besser als der Einsatz von [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Standardsaatgut_und_Direktbegr.C3.BCnung_.E2.80.93_eine_Begriffskl.C3.A4rung Standardsaatgut]. Bei Ansaaten auf Flächen mit Naturschutzcharakter sollten generell Direktbegrünungen, also Mahdgutübertragung oder autochthones Saatgut aus dem Sack, eingesetzt werden und nur im Ausnahmefall (z. B. für extensive Vernetzungsflächen, die nicht direkt Naturschutzflächen sind) Standardsaatgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ansaatmethode der Direktbegrünung bzw. mit sog. autochthonem Saatgut wird oft als Wiesenkopierverfahren bezeichnet. Statt einzelne Arten zu vermehren, in Monokulturen anzubauen und dann als definierte Mischungen auf den Markt zu bringen, werden die Samen, welche in artenreichen Wiesen, den sogenannten '''Spenderflächen''', jedes Jahr produziert werden, direkt, ohne Zwischenvermehrung, genutzt. Die Ansaat dieser Samen auf die '''Ansaat- oder Empfängerfläche''' sollte möglichst in engem räumlichem Umkreis, im Idealfall lokal, d.h. im Umkreis von beispielsweise 15 km, erfolgen. Deshalb wird auch von lokalem Saatgut gesprochen &amp;lt;sup&amp;gt;19&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig wie dieses Prinzip '''«Aus der Region für die Region»''' ist das Prinzip '''Standortäquivalenz''': Spenderfläche und Ansaatfläche müssen sich standörtlich, also bezogen auf den Bodentyp, die Höhenlage, die Exposition, die Nutzung/Pflege etc., so weit als möglich entsprechen (vgl. dazu die Entscheidungshilfe von [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direktbegrünungsverfahren wurden in den letzten Jahren in der Schweiz, aber auch im Ausland &amp;lt;sup&amp;gt;20&amp;lt;/sup&amp;gt; stark weiterentwickelt und verbessert und funktionieren mittlerweile bei fachgemässer Ausführung zuverlässig und erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wird von einigen Firmen autochthones Saatgut für die meisten Teile der Schweiz angeboten &amp;lt;sup&amp;gt;21&amp;lt;/sup&amp;gt;. Die von Pro Natura initiierte und zusammen mit Info Flora, AGRIDEA und verschiedenen Kantonen aufgebaute Plattform [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora] beschreibt die Methoden von Direktbegrünungen, gibt ausführliche Literaturhinweise und enthält auch eine Zusammenstellung von verschieden Samenanbietern und Fachpersonen. RegioFlora unterhält auch eine – derzeit allerdings je nach Region noch lückenhafte – [https://www.regioflora.ch/app/de/index.html Spenderflächendatenbank], die Nutzern helfen soll, eine geeignete Spenderfläche für eine Direktbegrünung zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend für Direktbegrünungsverfahren ist eine gute Zusammenarbeit mit den Besitzern und vor allem den Bewirtschaftern der Spenderflächen. Denn dank ihnen ist die gesuchte Artenvielfalt in diesen Flächen noch vorhanden. Die Nutzung einer Wiese als Spenderfläche bedeutet für die Bewirtschafter oft eine besondere Wertschätzung. Ihnen diese Wertschätzung bei einer Nutzung entgegenzubringen genügt aber nicht. Für die Erlaubnis, eine Ernte durchführen zu können, ist eine Entschädigung, die über den anfallenden Mehraufwand hinausgeht, angemessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;19&amp;lt;/sup&amp;gt; Anmerkung: Bei der Sodenversetzung, die ebenfalls zu den Direktbegrünungsverfahren gezählt wird, gilt dasselbe, wobei anstelle von Samen ganze Vegetationsstücke inkl. der obersten Bodenschicht übertragen werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;20&amp;lt;/sup&amp;gt; Siehe ausführliche Literaturliste z.B. bei [https://www.regioflora.ch Regio Flora] und [https://www.holosem.ch/ HoloSem].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;21&amp;lt;/sup&amp;gt; Umfangreiche Informationen zum aktuellen Angebot auf [https://floretia.ch/ Floretia], wo neben autochthonem auch das Angebot von regionalem Vermehrungssaatgut aufgelistet ist. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die verschiedenen Direktbegrünungsverfahren im Detail==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = agridea_verfahren_de_400dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Die neben der Mahdgutübertragung weiteren Methoden im Vergleich. Quelle: &amp;quot;Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft&amp;quot; (Hrsg.: Agridea, 2015)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Mahdgutübertragung===&lt;br /&gt;
Die Spenderfläche wird zum Zeitpunkt der optimalen Samenreife der meisten Arten (Teigreife) in feuchtem Zustand gemäht &amp;lt;sup&amp;gt;22&amp;lt;/sup&amp;gt; und das ganze Material auf die Ansaatfläche übertragen, meist etwa im Umfang 1:1. Die Praxis der Mahdgutübertragung wird im Merkblatt [https://www.agridea.ch/old/de/publikationen/publikationen/pflanzenbau-umwelt-natur-landschaft/naturnahe-lebensraeume-im-wiesland/direktbegruenung-artenreicher-wiesen-in-der-landwirtschaft/ «Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft» (Agridea 2015)] detailliert beschrieben (s. auch [https://www.youtube.com/watch?v=IsI8ivNB9u0 FiBL-Infofilm]). Der Vorteil dieser Methode liegt in ihrer Durchführung mit Geräten, die auf jedem Landwirtschaftsbetrieb existieren, und den relativ geringen Kosten, wenn der Landwirt die Arbeiten selber durchführen kann. Zudem werden so auch Kleintierarten und Moose auf die Ansaatfläche übertragen, und die Mahdgutauflage schafft einen ersten Erosionsschutz und verbessert die Keimungsbedingungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachteile sind eine oft schwierige Logistik, ein relativ grosser Zeitaufwand und vor allem, dass das Ausbringen des Mahdgutes sogleich nach der Ernte im Sommer durchgeführt werden muss. Zum einen ist Sommer als Ansaatzeitpunkt oft nicht optimal, zum anderen stehen viele Flächen, beispielsweise bei Bauprojekten, nicht genau dann zur Ansaat bereit, wenn das Erntegut anfällt und ausgebracht werden muss. Ein weiterer Nachteil ist, dass verschiedene Erntezeitpunkte und verschiedene Spenderflächen nur beschränkt und mit stark erhöhtem Aufwand kombiniert werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;22&amp;lt;/sup&amp;gt; Ideal ist eine Mahd mit Messerbalken oder mit Sense. Es können aber je nach Verfügbarkeit und Zugänglichkeit der Fläche auch Saugmulcher eingesetzt werden, die in einem Arbeitsgang das Mähgut mähen und einsaugen. Dabei wird aber ein Grossteil der Kleintierfauna getötet, der erwähnte Vorteil einer Übertragung von Tieren fällt damit weg.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahdgutuebertragung 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Mahdgutübertragung&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wiesendrusch===&lt;br /&gt;
Das Saatgut wird auf der Spenderfläche mit einem Mähdrescher mit spezieller Einstellung geerntet. Die Methode funktioniert allerdings nur auf flachem Gelände, während die meisten nicht angesäten und damit für Direktbegrünungen in Frage kommenden Spenderflächen an Hängen liegen. Zudem werden einzelne Arten technisch kaum erfasst. Vorteile liegen in der relativ grossen Flächenleistung. Zudem kann das Saatgut verschiedener Wiesen und Erntezeitpunkte mit geringem Aufwand gemischt und das Saatgut bis 2 oder 3 Jahre (je nach Lagerung) nach der Ernte zu einem beliebigen Zeitpunkt ausgesät werden. In der Schweiz liegen erst wenige Erfahrungen mit dieser Methode vor, vor allem durch Untersuchungen der landwirtschaftlichen Fachhochschule HAFL in Zollikofen bei Bern. Als erste Firma bietet Regiosaat.ch seit 2019 autochthones Saatgut aus Wiesendrusch auf dem Markt an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Abwandlung des Wiesendruschs stellt der Heudrusch® dar, eine von Joe Engelhardt in Deutschland entwickelte und praktizierte Methode, bei der das feuchte Erntegut wie bei der Mahdgutübertragung geerntet wird, dann aber statt direkt übertragen mit einer speziellen Infrastruktur getrocknet und ausgedroschen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Ernte_mit_Maehdrescher 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Sammeln von Saatgut mit dem Mähdrescher.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Seedbrushing===&lt;br /&gt;
Bei dieser Methode werden die Samen mit speziellen Bürstenmaschinen aus dem stehenden Pflanzenbestand geerntet. Die Methode ist weniger schlagkräftig als der Wiesendrusch, es können aber mit den Geräten der neuesten Generation auch steile, vernässte oder topographisch schwierige Spenderflächen beerntet werden. Zudem erlaubt die Methode je nach verwendetem Gerät eine sehr individuelle Nutzung, indem einzelne Arten spezifisch beerntet oder auch ausgeschlossen werden. Bei zu dichten oder zu hohen Beständen sind der Methode aber Grenzen gesetzt, beispielsweise bei nährstoffreicheren Fromentalwiesen oder Hochstaudenfluren. Wie beim Wiesendrusch können verschiedene Spenderflächen und Erntezeitpunkte mit geringem Aufwand kombiniert und so die Artenzusammensetzung des Saatgutes optimiert werden &amp;lt;sup&amp;gt;23&amp;lt;/sup&amp;gt;. Ebenso ist der Ansaatzeitpunkt flexibel. Die Methode wird in der Schweiz derzeit nur von [http://www.agraroekologie.ch/ Ö+L] angeboten. Die Firma hat dazu ein eigenes Gerät, den [http://www.holosem.ch/ebeetle/angebot/ eBeetle], entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;23&amp;lt;/sup&amp;gt; Dies gilt selbstredend nur dann, wenn alle kombinierten Spenderflächen aus derselben Kleinregion und von demselben Wiesentyp vergleichbarer Standorte stammen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weitere Verfahren===&lt;br /&gt;
Neben den drei erwähnten Hauptmethoden gibt es weitere, allerdings deutlich weniger schlagkräftige und damit nur kleinflächig anwendbare oder die obigen Verfahren ergänzende Methoden der Direktbegrünung. Dazu gehören:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sammeln von Hand''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Natürlich können die gewünschten Arten in den Spenderflächen auch von Hand geerntet werden. Dies erlaubt zwar eine sehr gezielte und individuelle Beerntung einzelner Arten zum optimalen Reifezeitpunkt der Samen (die je nach Art in der Regel bei der Teigreife einsetzt), ist aber sehr zeitaufwändig und nur für kleine Flächen realistisch. Handernte kann allerdings zur Ergänzung beispielsweise von Wiesendrusch oder von Mahdgutübertragungen eine wichtige Rolle spielen, indem Samen von Pflanzenarten damit effizient ergänzt werden können, die aus verschiedenen Gründen (Reifezeitpunkt, nur sehr vereinzeltes Vorkommen etc.) nicht übertragen bzw. maschinell nicht geerntet werden.&lt;br /&gt;
'''Sammeln mit tragbaren Kleingeräten''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es existieren auf dem Markt Sauger und andere tragbare Techniken, mit denen das Saatgut aus dem stehenden Bestand der Spenderwiese geerntet werden kann. Diese Methoden sind aber nur wenig schlagkräftig und ebenfalls nur für kleine Flächen geeignet. Gegenüber einer Handernte bieten sie nur in speziellen Fällen wirklich Vorteile. In der Schweiz werden solche Geräte nur sehr punktuell angewendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Heublumen''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Methode war bis Mitte des letzten Jahrhunderts das übliche Verfahren bei der Verbesserung oder Neuanlage von Wiesen. Dabei wird der Samenausfall aus dem Heustock gesammelt und direkt ausgesät. Da bis in die 1950er Jahre fast nur artenreiche Wiesen existierten (Bosshard 2016 &amp;lt;sup&amp;gt;24&amp;lt;/sup&amp;gt;), hat diese Methode damals ausgezeichnet funktioniert. Heute bestehen Heublumen vor allem aus Samen von artenarmen Fett- und Intensivwiesen und beinhalten oft viele unerwünschte Arten wie Blacken oder Disteln, so dass von dieser Methode in aller Regel dringend abgeraten werden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sodenversetzung''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
In denjenigen Fällen, wo ein artenreicher Wiesenbestand zerstört und nachher wiederhergestellt werden soll, eignet sich die Methode der Sodenversetzung bzw. Sodenschüttung besonders gut. Dabei wird die Ursprungsvegetation mit dem Bagger als grosse Rasenziegel gelagert und nach dem Bau wieder auf die zu begrünende Fläche aufgetragen. Am meisten Erfahrungen mit dem Verfahren bestehen im Kanton Graubünden, wo vor allem beim Strassenbau und bei Meliorationsprojekten die Sodenversetzung heute zur hauptsächlich angewandten Methode gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Spontanbegrünung''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Überall dort, wo noch artenreiche Flächen mit den Zielarten in der näheren Umgebung vorhanden oder in der Samenbank des Bodens zu erwarten sind, kommt auch eine Spontanbegrünung in Betracht. Bei dieser Methode wird nichts angesät, sondern einfach gewartet, bis sich die passenden Arten von selbst wieder etablieren. Die Methode kann vor allem im Berggebiet empfohlen werden, sofern nur kleine bzw. wenige Meter breite Flächen zu begrünen sind und sofern in der unmittelbaren Umgebung noch artenreiche Wiesen vorhanden sind (Distanz &amp;lt;20 m).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;24&amp;lt;/sup&amp;gt; Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Bosshard A. 2016. Haupt-Verlag, Bern. 265 S. [https://issuu.com/haupt/docs/9783258079738Inhaltsübersicht, Zusammenfassung und Leseprobe S. 1-34]. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Saatguternte_Mesobr_mit_eBeetle 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Saatguternte mit dem eBeetle.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hohe Anforderungen an die Planung==&lt;br /&gt;
Bei den Methoden «Mahdgutübertragung» bis «Sammeln von Hand» ist eine sorgfältige Planung essentiell. Da die Ernte nur im lokalen Rahmen erfolgt, ist oft kein geeignetes Saatgut an Lager, sondern dieses wird, v.a. bei grösserem Bedarf, spezifisch «on demand» produziert. D.h. es muss bis spätestens im Mai klar sein, welcher Saatgutbedarf für welche Lokalitäten und Standortbedingungen besteht. Wenn also im Frühjahr, dem optimalen Aussaatzeitpunkt, angesät werden soll, muss die Ernte bereits im Sommer des Vorjahres erfolgt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weitere Informationen zu den Direktbegrünungsverfahren ==&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~2591~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Direktbegr%C3%BCnung-artenreicher-Wiesen-in-der-Landwirtschaft/Deutsch/Print-Papier Agridea-Wegleitung «Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft» (2015)]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf «Leitfaden für naturgemässe Begrünungen»]&lt;br /&gt;
* Kirmer A., Krautzer B., Scotton M., Tischew S. (Hrsg.) 2012: Praxishandbuch zur Samengewinnung und Renaturierung von artenreichem Grünland. Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein.&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora, Förderung der regionalen Vielfalt im Grünland]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/ HoloSem®]&lt;br /&gt;
* [https://www.regiosaat.ch/ www.regiosaat.ch]&lt;br /&gt;
* [https://www.conservationevidence.com/actions/133 Conservation Evidence] (englische Seite mit vielen wissenschaftlichen Hintergrundinformationen aus verschiedenen Studien)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anwendung und Bezug von Blumenwiesen-Standardsaatgut==&lt;br /&gt;
In Regionen, in denen zu wenig qualitativ hochwertige Spenderflächen existieren, oder wo aus anderen Gründen keine Direktbegrünungen möglich sind, ist artenreiches Wiesenblumensaatgut mit Ökotypen aus der betreffenden Biogeographischen Region (s. Abb. 1) eine gute Alternative.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz bieten folgende Firmen geprüftes Blumenwiesen-Standardsaatgut an: [https://www.ufasamen.ch/ Ufa], [https://www.hauenstein.ch/de/ Hauenstein], [http://www.sativa-rheinau.ch/ Sativa] und [https://www.ericschweizer.ch/ Schweizer Samen]. Das grösste Angebot haben Ufa und Hauenstein, Saatgut in Bio-Qualität bietet Sativa. Einige der angebotenen Mischungen wechseln fast jährlich, und es ist entsprechend zu empfehlen, jeweils aktuell die Web-Informationsseiten oder die reich bebilderten Prospekte der betreffenden Firmen zu konsultieren, um die für den jeweiligen Anwendungszweck am besten geeignete Blumenwiesenmischung zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Kauf ist unbedingt darauf zu achten, aus welcher biogeographischen Region das Saatgut stammt. Die Angabe, dass das Saatgut aus Schweizer Ökotypen besteht, genügt nicht, weil solches Saatgut oft ein Gemisch aus Herkünften verschiedener biogeographischer Regionen ist. Noch immer sind verbreitet Mischungen auf dem Markt, bei denen nur der Wiesenblumenanteil aus einheimischen Ökotypen besteht, während der Gräseranteil, der oft weit über 90% des Saatgutanteils ausmacht, nicht spezifiziert ist und dann in der Regel aus dem Ausland stammt und nicht selten auch Zuchtsorten enthält. Solches Saatgut ist deutlich kostengünstiger, aber aus den in der [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Einleitung Einleitung] erläuterten Gründen nicht zu empfehlen bzw. je nach Anwendungsbereich nicht rechtskonform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den meisten artenreichen Mischungen besteht nur Saatgut mit Ökotypen aus der Biogeographischen Region Mittelland. Solches Saatgut sollte nicht im Jura, im Berggebiet oder in der Südschweiz ausgebracht werden. In diesen Regionen kommt für die meisten Anwendungszwecke mangels eines entsprechenden Standardsaatgutangebotes nur autochthones Saatgut in Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige wenige Kantone (z.B. [https://lawa.lu.ch/-/media/LAWA/Dokumente/Landwirtschaft/Biodiversitaetsfoerderflaechen/Merkblaetter/MB_Blumenwiese_Neuansaat.pdf LU] und [https://www.ag.ch/media/kanton_aargau/dfr/dokumente_3/landwirtschaft_2/umweltprojekte/naturnahe_landwirtschaft_1/merkblaetter_labiola/20_Labiola_MB_Saat_und_Pflanzug_okt16.pdf AG]) haben für den Landwirtschaftsbereich in Zusammenarbeit mit dem Handel kantonal angepasste Blumenwiesenmischungen entwickelt. Diese weichen teilweise in der Artenzusammensetzung leicht ab von den gängigen Mischungen, teilweise stammt das Basissaatgut einzelner Arten aus dem betreffenden Kanton. Der Bezug erfolgt teils über den Handel, teils über den Kanton bzw. von ihm beauftragte Stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Qualitätssicherung ==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bosshard_NEAT_Amit_HoloSem_Saatgut_angesaet_zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Gemäss HoloSem-Standard frisch angesäte Böschung.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die im Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Herkunft_des_Saatgutes:_Empfehlungen.2C_Standards_und_rechtliche_Vorgaben «Herkunft des Saatgutes»] erwähnten Empfehlungen von Info Flora und RegioFlora, im Hinblick auf die Auswahl des Basissaatgutes bzw. der Spenderflächen und die räumliche Ausbreitung des Saatgutes, betreffen sowohl Standardsaatgut wie Direktbegrünungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was das Standardsaatgut anbelangt einigten sich die Schweizer Saatgutfirmen in einem mehrjährigen Prozess in den 1990er Jahren zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft für den Futterbau und der Forschungsanstalt Reckenholz auf eine Vereinbarung, welche die Empfehlungen von Info Flora (damals SKEW) berücksichtigt. Die Samenfirmen erklärten sich bereit, nur einheimische CH-Ökotypen für Blumenwiesenmischungen zu verwenden, den Forschungsanstalten die für die Ernte vorgesehenen Felder mit den geforderten Angaben (z.B. Herkunft des Ursprungssaatgutes, Parzellengrösse) zu melden, und die Vermehrungen stichprobenweise durch die Forschungsanstalten überprüfen zu lassen. Allerdings wird diese Vereinbarung nur für den Wiesenblumenzusatz des Saatgutes eingehalten, der Gräseranteil stammt v.a. bei Mischungen, die im Verkehrsbau verwendet werden, bis heute noch häufig aus ungeprüftem Saatgut aus dem Ausland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Direktbegrünungen existiert neben den Empfehlungen von Info Flora/RegioFlora ein von der Branche selber entwickelter Qualitätsstandard [http://www.holosem.ch/begruenungen/holosem-standard/ HoloSem]. Dieser existiert seit 2014 und definiert, welche standörtlichen und qualitativen Anforderungen bei der Ernte des Saatgutes zu berücksichtigen sind, definiert eine maximale Distanz der Verbreitung des autochthonen Saatguts von 15 km aus, wobei zusätzlich die biogeographische Region der Standort, die Höhenlage u.a. mitberücksichtigt werden müssen. Zudem bestehen Anforderungen zur Dokumentation, zur Spenderflächenauswahl u.a. Der Standard wird zunehmend für Ausschreibungen genutzt, um eine einheitliche Mindestqualität von Direktbegrünungen sicherzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig und zielführend wie ein Standard sind für eine fachgemässe Ausführung v.a. von Mahdgutübertragungen in der Landwirtschaft eine gute Begleitung und Beratung der jeweils beteiligten Akteure, beispielsweise der Bewirtschafter der Flächen, welche die Mahdgutübertragung auch selber durchführen können. Eine fachliche Beratung kann den Erfolg und die Qualität der so angesäten Flächen wesentlich verbessern. Das zeigt sich beispielsweise im Kanton Aargau, wo interessierten Landwirten eine solche Beratung kostenlos zur Verfügung steht und wo der Erfolg der Mahdgutübertragungen mit einem Monitoring überprüft wird. Eine wertvolle Hilfe für die korrekte Ausführung von Mahdgutübertragungen bietet auch die Internetseite regioflora.ch, wo umfangreiche Informationen leicht verständlich aufgearbeitet sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = wichtigste Begruenungsverfahren de.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht über die wichtigsten Begrünungsverfahren und ihre optimalen Ausführungszeitpunkte, bezogen auf Lagen bis ca. 1000 m ü.M. In der angegebenen Literatur hat es auf Seite 31 eine Tabelle, die auch auf höher gelegene Flächen eingeht. [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Quelle: Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität. Ö+L Ökologie und Landschaft GmbH].&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praktische Durchführung von Ansaat und anschliessender Pflege artenreicher Wiesen=&lt;br /&gt;
Artenreiches Saatgut ist zu kostbar, um es nicht optimal einzusetzen. Denn auch das beste Saatgut führt nur bei einer fachgerecht durchgeführten Ansaat und Pflege/Bewirtschaftung zum Erfolg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saatbettvorbereitung==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Empfängerfläche 5 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses Saatbett wurde zur Vorbereitung geackert und anschliessend in Zeitabständen von etwa drei Wochen mehrmals geeggt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Ein vegetationsfreies, gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ansaat.&lt;br /&gt;
Der Boden kann durch Pflügen oder mehrmaliges Eggen vegetationsfrei gemacht werden, in speziellen Fällen auch durch Abdecken mit schwarzer Gärtnerfolie; Abspritzen mit Herbiziden ist nicht zu empfehlen. Einsaaten (Übersaaten) in bestehende Wiesen ohne Entfernen des alten Wiesenbestandes führen nur mit hohem Aufwand zum Erfolg (siehe [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Botanische_Aufwertung_von_verarmten_Naturwiesen_mittels_Einsaaten «Übersaatmethode»]!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gut abgesetzter Boden“ heisst: Die letzte tiefere Bodenbearbeitung (Pflügen, Eggen, Aufbringen einer Bodenschicht) liegt mindestens drei bis vier Wochen vor der Ansaat. Grund: Ist der Boden bei der Ansaat zu locker, fehlt der sogenannte Bodenschluss, und die jungen Keimlinge laufen Gefahr, nicht richtig wurzeln zu können; zudem ist die Wasserzufuhr aus dem Unterboden mangelhaft, was bei Trockenperioden zu grossen Ausfällen führen kann.&lt;br /&gt;
Unmittelbar vor der Saat darf der Boden falls nötig („Unkrautkur“) nur noch sehr flach (ca. 3 cm tief) geeggt oder gefräst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saatzeitpunkt==&lt;br /&gt;
Die Ansaaten sollten, wenn immer möglich, im April oder Mai erfolgen. Dies gilt nicht für Mahdgutübertragungen, die bei optimaler Reife der Spenderflächen durchgeführt werden müssen, also in der Regel im Juni oder Juli. Spätere Ansaaten können durch Trocken- und Hitzeperioden empfindlich beeinträchtigt werden (v.a. die Gräser). Bei Herbstansaaten sind die Verluste über den Winter ebenfalls meist beträchtlich (insbesondere der Kräuter/Wiesenblumen). Können Ansaaten, z.B. aus Gründen des Erosionsschutzes, nicht im April oder Mai erfolgen, bietet sich der Einsatz von Zwischen- und Deckfrüchten an. Eine Beratung von Fachpersonen ist dabei zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saat==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Hydrosaat mit autochthonem Saatgut 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Hydrosaat mit autochthonem Saatgut.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die angegebene Saatmenge wird je nach Situation und Ausrüstung von Hand oder mit geeigneten Maschinen (Hydroseeder, Sämaschine, Düngerstreuer etc.) oberflächlich ausgebracht. Saatgut nicht in den Boden einarbeiten! Bei kleineren Flächen empfiehlt sich eine Handsaat, wobei je die Hälfte des Saatgutes kreuzweise (d.h. zuerst von links nach rechts, dann von hinten nach vorne) ausgebracht wird, um eine gleichmässige Saat sicherzustellen. Auf lockeren Böden (z.B. Landwirtschaftsflächen) muss unmittelbar nach der Saat gewalzt werden. Geeignet sind Gliederwalzen (z.B. Cambridgewalze). Kleine Flächen können auch „angeklopft“ oder „angestampft“ werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nachsaatpflege im Ansaatjahr==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahdgutuebertr_Keimungsphase mit ebenfalls uebertragener Trockenwiesenschnecke 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Mit der Mahdgutübertragung wurden aus der Trockenwiese Schnecken miteingebracht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Fast alle Pflanzen artenreicher Wiesen keimen erst einige Wochen nach der Ansaat und entwickeln sich auch danach nur sehr langsam. Die „Unkräuter“ dagegen keimen meist sofort nach der letzten Bewegung des Bodens und legen dann sofort mit Wachstum los. Vor allem auf humosen Böden können einjährige Pflanzen aus der bodenbürtigen Samenbank schon nach kurzer Zeit völlig überhandnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt heisst es '''Ruhe bewahren''', denn dies ist normal und beeinträchtigt die spätere Entwicklung der Wiese in keiner Weise. Wichtig ist jedoch, dass nicht zu lange mit dem sogenannten Pflegeschnitt zugewartet wird, damit die Keimlinge der angesäten Arten nicht unter einer dicken Pflanzendecke aufgrund von Lichtmangel absterben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Faustregel''': Sobald der Boden nach der Ansaat stellenweise so stark mit „Unkraut“ bedeckt ist, dass er nicht mehr sichtbar ist, sollte ein Pflegeschnitt durchgeführt werden:&lt;br /&gt;
* Hoch mähen (5-10 cm).&lt;br /&gt;
* Das Mähgut muss abgeführt werden.&lt;br /&gt;
* Eventuell muss der Pflegeschnitt im Ansaatjahr ein zweites Mal durchgeführt werden, wenn sich die einjährigen Arten nochmals rasch entwickeln. &lt;br /&gt;
* Auch wenn vorher kein Pflegeschnitt nötig war: Im Herbst vor dem Einwintern, idealerweise in der ersten Septemberhälfte, sollte ein Pflegeschnitt gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtig ist, im Herbst nochmals einen Blick auf den Bestand zu werfen: '''Die Vegetation sollte nicht höher als fausthoch in den Winter gehen''', damit die jungen Pflänzchen nicht mit einer vom Schnee zusammengedrückten „Vegetationsmatte“ zugedeckt werden. Meist ist deshalb vor dem Einwintern, idealerweise in der ersten Septemberhälfte, zumindest der erste, oder aber einfach der letzte von 2 Pflegeschnitten angesagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwickeln sich Blacken (''Rumex obtusifolius'') oder invasive Neophyten, empfiehlt es sich, diese bereits im Ansaatjahr zu zupfen oder auszustechen. Bei allem anderen „Unkraut“ hilft Jäten nichts, im Gegenteil, der Schaden wäre grösser als der Nutzen, der Pflegeschnitt reicht vollauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft wird vergessen: Im Ansaatjahr ist von den angesäten Arten noch so gut wie nichts zu sehen, und es ist nur schwer zu beurteilen, ob eine Ansaat gelungen ist oder nicht. Im Jahr der Ansaat sollten also keine vorschnellen Urteile über das Gelingen gefällt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bewirtschaftung/Pflege in den Nachfolgejahren==&lt;br /&gt;
Erst im Jahr nach der Ansaat lässt sich erkennen, ob sich die Saat gut entwickelt, und das Gesicht der zukünftigen Wiese beginnt sich nach und nach zu zeigen. Es dauert aber je nach Standort und angesäten Arten meist nochmals ein Jahr oder mehr, bis sich alle Pflanzen richtig etabliert haben und sich ein stabiler Pflanzenbestand entwickelt hat.&lt;br /&gt;
Wie bei einem guten Wein ist bei der Neuansaat artenreicher Wiesen also Geduld angesagt! '''Gut Ding will Weile haben.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch bereits jetzt, im Jahr nach der Ansaat, kann zur regulären Pflege/Nutzung mit jährlich ein bis zwei Mähschnitten übergegangen werden. Die Mahd muss unbedingt dem angestrebten Pflanzenbestand und damit den angesäten Arten angepasst sein. Generelle Empfehlungen sind hier schwierig. Folgendes lässt sich aber allgemein festhalten (siehe auch [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimale_Mahdnutzung Kapitel «Erhalt und Aufwertung durch optimale Mahdnutzung»]):&lt;br /&gt;
* Mehr als zwei Mähschnitte sind bei ungedüngten Wiesen in keinem Fall nötig, sondern schaden der Artenvielfalt und verursachen darüber hinaus unnötig Aufwand, Kosten und Ressourcenverbrauch.&lt;br /&gt;
* Die Mahd sollte in der Regel rund 1-2 Wochen nach der Hauptblüte der Wiese durchgeführt werden, damit ein Absamen möglich ist. In vielen Fällen liegt der optimale erste Schnittzeitpunkt in den tieferen Lagen in der zweiten Juni- oder in der ersten Julihälfte.&lt;br /&gt;
* Wo keine Vorgaben für den ersten Schnittzeitpunkt bestehen (z.B. bei Ökoflächen in der Landwirtschaft), ist eine jährliche Variation des Schnittregimes für die Artenvielfalt förderlich (mal eher früh, mal eher spät mähen etc.).&lt;br /&gt;
* Bei der Mahd immer kleine Reste stehen lassen, damit sich dort Tiere in die verbleibenden Strukturen zurückziehen und sich spät blühende Arten noch bis zur Samenreife entwickeln können. Am besten ist es, bei jedem Schnitt 10% der Fläche in Form von Rückzugsstreifen ungemäht zu lassen, jedes Mal wieder an einem anderen Ort. Empfehlenswert ist auch eine gestaffelte Mahd (kleinflächig unterschiedliche Schnittzeitpunkte mit mindestens 3 Wochen Intervall), wo dies vom Aufwand her möglich ist.&lt;br /&gt;
* Wenn möglich nach der Mahd Bodenheu bereiten, d.h. das Gras am Ort an 2-3 niederschlagsfreien Tage trocknen, damit die Pflanzensamen ausreifen und ausfallen können.&lt;br /&gt;
* Das Mähgut ist auf jeden Fall abzuführen. Mulchen vermindert in der Regel die Pflanzenartenvielfalt rasch.&lt;br /&gt;
* Entwickeln sich Stumpfblättriger Ampfer („Blacken“) oder invasive Neophyten wie amerikanische Goldruten oder Einjähriges Berufskraut, müssen diese regelmässig und möglichst von Beginn an gejätet werden. Je früher und konsequenter man damit beginnt, desto mehr Arbeit lässt sich längerfristig sparen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer diese Empfehlungen befolgt, kann schon nach 1-2 Jahren mit einer farbenprächtigen Blumenwiese rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Biodiversität nach erfolgreicher Ansaat noch wirksamer gefördert werden soll, ist zu empfehlen, die Blumenwiese mit Strukturen&amp;lt;!--Link auf Kleinstrukturen, wenn aufgeschaltet--&amp;gt; wie Asthaufen, einer Trockenmauer, Kiesflächen&amp;lt;!--Link auf Pionierflächen, wenn aufgeschaltet--&amp;gt;, einem kleinen [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Teich], einer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Hecke Hecke] oder Einzelbäumen weiter aufzuwerten (siehe auch [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Allgemeine_Massnahmen Allgemeine Massnahmen]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/localseed/richtig-ansaeen/ HoloSem&amp;lt;sup&amp;gt;®&amp;lt;/sup&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Information und Motivation für eine anspruchsvolle Verbundaufgabe=&lt;br /&gt;
Bei Wiesenaufwertungen und artenreichen Grünlandansaaten die richtige Methode zur richtigen Zeit am richtigen Standort zu wählen, um so die Biodiversität optimal fördern zu können, ist anspruchsvoll und nicht selten auch mit Zusatzaufwand und Hindernissen verbunden. Das lassen die bisherigen Ausführungen nicht übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend wichtig ist es, die vielen Akteure auf den verschiedenen Stufen der Entscheidungsprozesse immer wieder auf die Wichtigkeit und die Chancen von Wiesenaufwertungen aufmerksam zu machen und sie über die verschiedenen Möglichkeiten und die Vor- und Nachteile der verfügbaren Methoden zu informieren und weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Informations- und Motivationsaufgabe ist umso grösser, als sehr unterschiedliche Akteure letztlich daran beteiligt sind, wo welche Aufwertungen wie realisiert werden (oder auch nicht realisiert werden). Landschaftsarchitekten, Gartenarchitekten, Umweltbaubegleiter, Umweltverantwortliche, bodenkundliche Begleitplaner, Begrüner, Bauherren, Ökobüros, verschiedenste Amtsstellen von der Gemeinde bis zum Bund, Schulen, Weiterbildungsinstitutionen etc. etc. – und nicht zuletzt Landwirtinnen und Landwirte: Sie alle entscheiden regelmässig mit, was draussen in der Landschaft vor unserer Haustüre passiert. Es ist zu wünschen, dass das vorliegende Informationsangebot (vom Verein biodivers) dazu beiträgt, dass diese Herausforderung in Zukunft noch besser zu meistern, damit die unzähligen Chancen von Naturaufwertungen noch gezielter genutzt werden können als bisher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Weiterführende Literatur=&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier Der Weg zu artenreichen Wiesen. Agridea-Merkblatt, 2010.]&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~2591~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Direktbegr%C3%BCnung-artenreicher-Wiesen-in-der-Landwirtschaft/Deutsch/Print-Papier Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft. Leitfaden für die Praxis zum Einsatz von regionalem Saatgut in Biodiversitätsförderflächen, Agridea, 2015.]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität, Bosshard et al. 2015]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Guideline_restoration_deutsch.pdf Leitfaden zur Renaturierung von artenreichem Grünland. SALVERE 2012]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/08/Wiesenrenaturierung_NuL_2000.pdf Blumenreiche Heuwiesen aus Ackerland und Intensiv-Wiesen. Eine Anleitung zur Renaturierung in der landwirtschaftlichen Praxis. Naturschutz und Landschaftsplanung 32/6 (2000), 161-171.]&lt;br /&gt;
* Gürke, J., Hrsg.: Pro Natura, 2014. Blumenwiesen anlegen und pflegen, Pro Natura Praxis Nr. 21.&lt;br /&gt;
* Kirmer A., Krautzer B., Scotton M., Tischew S. (Hrsg.) 2012: Praxishandbuch zur Samengewinnung und Renaturierung von artenreichem Grünland. Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein.&lt;br /&gt;
* Kiehl K., Kirmer A., Shaw N., Tischew S. (Hrsg.) 2014: Guidelines for Native Seed Production and Grassland Restoration. Cambridge Scholars Publishing&lt;br /&gt;
* Brönnimann D. und Minloff L., 2015: Entwicklung von angesäten extensiven Wiesen im Naturnetz Pfannenstil. Bachelorarbeit&lt;br /&gt;
* Zemp-Lori N., 2016: Besiedlung angesäter extensiver Wiesen durch Tagfalter im Naturnetz Pfannenstil. Bachelorarbeit&lt;br /&gt;
* [https://www.research-collection.ethz.ch/handle/20.500.11850/143994 Renaturierung artenreicher Wiesen auf nährstoffreichen Böden. Ein Beitrag zur Optimierung der ökologischen Aufwertung der Kulturlandschaft und zum Verständnis mesischer Wiesen-Ökosysteme. Dissertationes Botanicae Band 303, Stuttgart 1999.]&lt;br /&gt;
* [https://www.agraroekologie.ch/wp-content/uploads/2016/10/NuL07-10_Mueller_Bosshard.pdf Altgrasstreifen fördern Heuschrecken in Ökowiesen – Eine Möglichkeit zur Strukturverbesserung im Mähgrünland. Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (7), 2010, 212-217.]&lt;br /&gt;
* Grün Stadt Zürich, Fachbereich Naturschutz, 2010. Pflegeverfahren. Ein Leitfaden zur Erhaltung und Aufwertung wertvoller Naturflächen, Leitfaden. Zürich.&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/begruenungen/fachunterlagen/ Weitere Literatur siehe HoloSem / Fachunterlagen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Aufwand und Kosten der beschriebenen Massnahmen enthalten folgende Unterlagen Informationen und Hilfeleistungen:&lt;br /&gt;
* Saatgutkataloge und Webseiten der genannten [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Anwendung_und_Bezug_von_Blumenwiesen-Standardsaatgut Anbieter] von Standard- und autochthonem Saatgut&lt;br /&gt;
* Normpositionenkataloge (nur käuflich erwerblich)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Aufwand und Kosten der beschriebenen Massnahmen enthalten folgende Unterlagen Informationen und Hilfeleistungen:&lt;br /&gt;
* Saatgutkataloge und Webseiten der [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Anwendung_und_Bezug_von_Blumenwiesen-Standardsaatgut genannten Anbieter] von Standard- und autochthonem Saatgut&lt;br /&gt;
* Normpositionenkataloge (nur käuflich erwerblich)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = WiesenhausMatzingen_auchHaeuser_eignen_sich_fuer_artenreiche_Wiesen 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Auch Häuser eignen sich für artenreiche Wiesen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland =&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland#Einleitung Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen Grundlagen]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || Andreas Bosshard|| [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Unter Mitwirkung von || Regula Benz||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Jean-Yves Humbert|| [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Andrea Lips ||  [https://www.pronatura.ch/de Pro Natura]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Winu Schüpbach|| [https://www.quadragmbh.ch/ quadra gmbh] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat&amp;diff=4711</id>
		<title>Grünland/Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat&amp;diff=4711"/>
				<updated>2023-03-05T17:38:58Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Revalorisation et création de prairies riches en espèces par enherbement direct et ensemencement]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahd Spenderfläche 1 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Ein monotoner Bestand lässt sich mit verschiedenen Methoden innert relativ kurzer Zeit in eine blüten- und artenreiche Wiese umwandeln. In diesem Artikel werden die verschiedenen Verfahren für die Aufwertung von Wiesen vorgestellt. Das Foto zeigt die Mahd einer Spenderfläche früh am Morgen bei feuchter Vegetation.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
{{TOC limit|3}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Einleitung=&lt;br /&gt;
Die Neuanlage oder Wiederherstellung artenreicher Wiesen ist eine der wirksamsten Massnahmen zur Förderung der Artenvielfalt. Eine artenreiche Wiese kann 30 bis über 60 Pflanzenarten auf einem einzigen Quadratmeter aufweisen.&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; Weltweit können in keinem anderen Ökosystem oder Lebensraum so viele Pflanzenarten auf so kleinen Flächen zusammen existieren. Und eine ökologische Faustregel besagt, dass pro etablierter Pflanzenart 10 Tierarten vorkommen. &lt;br /&gt;
Schon auf wenigen Quadratmetern kann also bei einer Neuschaffung einer artenreichen Wiese enorm viel für die Biodiversität getan werden. Der Artikel beschreibt, mit welchen Methoden artenreiches Wiesland neu geschaffen werden kann, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Methoden haben, und auf welchen Standorten welche mehr oder weniger artenreichen Wiesentypen realistischerweise angestrebt werden können. Die Ausführungen richten sich primär an Praktiker, die bei ihrer Tätigkeit aber nicht nur nach Rezept handeln, sondern auch die ökologischen Zusammenhänge verstehen möchten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; während in intensiv genutzten Wiesen oder Rasenflächen als Vergleich höchstens ein gutes Dutzend Arten vorkommen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--vorläufig weglassen: == Sich verändernde Ziele und Fragestellungen ==&lt;br /&gt;
Die Neuschaffung und Aufwertung von artenreichen Wiesen kam erst in den 1990er Jahren in grösserem Ausmass auf. Die agrarpolitischen Diskussionen um die enorme Zerstörung der Biodiversität durch die immer intensivere Landwirtschaft führte zur Suche nach Alternativen. Erstmals wurde in den 1990er Jahren in der Schweiz ein Mindestanteil an naturnahen Flächen für jeden Landwirtschaftsbetrieb vorgeschrieben, und es entstanden Bemühungen, die in einigen Teilen der Schweiz praktisch verschwundenen, ehemals fast flächendeckend vorhandenen artenreichen Wiesen mit Ansaaten wieder zurück in die landwirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft zu bringen. Aber auch in Naturschutzgebieten, bei Verkehrsprojekten oder im Siedlungsgebiet wurde zunehmend artenreiches Wiesland neu geschaffen. Entscheidend war dabei, dass entsprechende hochwertige, artenreiche Saatgutmischungen zumindest für trockenere Standorte nun auf dem Markt erhältlich waren. &lt;br /&gt;
Wie der Artikel in einem kurzen historischen Abriss beschreibt, hat sich seit den ersten systematischen Versuchen mit artenreichen Wiesenansaaten in den 1980er und 1990er-Jahren viel verändert. Bis heute kommt laufend neues Wissen dazu, werden neue Ansaatmethoden entwickelt oder kommen neue Saatgutmischungen und -verfahren auf den Markt. Gleichzeitig haben sich das Bewusstsein, die Prioritäten und die Zielsetzungen bei der Neuschaffung artenreichen Wieslandes immer wieder verändert. &lt;br /&gt;
Seit wenigen Jahren wird beispielsweise nicht nur auf die eingebrachten Pflanzenarten, sondern auch auf die genetische Vielfalt innerhalb der Arten geachtet. Zunehmend wird deshalb heute in der Schweiz und der EU die Verwendung lokaler oder regionaler Ökotypen gefordert und sogar in neuen Rechtserlassen vorgeschrieben. Wurde früher fast ausschliesslich Standardsaatgut verwendet, gab dieser Bewusstseinswandel der Anwendung von Direktbegrünungsverfahren starken Auftrieb.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Standardsaatgut und Direktbegrünung – eine Begriffsklärung==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = ArtenreichesAutochthSaatgut_Ernte_aus_eBeetle 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Artenreiches, autochthones Saatgut&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit der Förderung und Schaffung artenreicher Wiesen werden einige nicht allgemeinverständliche Fachbegriffe verwendet. Die wichtigsten sollen hier kurz erläutert werden – zumal einige noch „jung“ sind und ihre Anwendung deshalb oft nicht einheitlich erfolgt, was Verwirrung stiften kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bezeichnung von Saatguttypen und Saatgutherkünften''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das bis vor wenigen Jahren übliche Saatgut für die Ansaat artenreicher Wiesen war '''''Standard'''saatgut''. Bei Standardsaatgut wird jede einzelne Art in Reinkultur zur Gewinnung von Samen angebaut und das geerntete Saatgut dann nach einer bestimmten Rezeptur zusammengemischt. Man spricht deshalb auch von ''Vermehrungssaatgut''. Das Ursprungssaatgut stammt entweder von Wildpflanzen (sog. ''Basissaatgut''), oder es werden Zucht- bzw. Handelssorten verwendet.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wenn eine Saatgutmischung ganz aus Arten besteht, deren Basissaatgut von besammelten Wildpflanzen einer bestimmten Region stammt und das Saatgut anschliessend in derselben Region vertrieben wird, wird vor allem in Deutschland von '''''Regio'''saatgut'' gesprochen. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dem Standardsaatgut stehen die sogenannten '''''Direktbegrünungsverfahren''''' gegenüber. Dabei wird das Saatgut direkt auf geeigneten Spenderwiesen als Samengemisch geerntet und ohne Zwischenvermehrung auf die Ansaat- oder Empfängerfläche übertragen. Die Methode wird deshalb auch als „Wiesenkopierverfahren“ bezeichnet. Dabei kommen verschiedene Ernte- und Übertragungsmethoden zur Anwendung wie Mahdgutübertragung, der Mähdrusch oder die Sodenversetzung. In Abgrenzung zum Regiosaatgut wird das Saatgut aus Direktbegrünungsverfahren '''''autochthones''''' (oder manchmal auch '''lokales''') Saatgut genannt. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Begriffsdefinitionen werden in den deutschsprachigen Ländern allerdings noch nicht überall einheitlich verwendet. So wird teilweise auch autochthones Saatgut als Regiosaatgut bezeichnet, oder Direktbegrünung wird teilweise nicht als Überbegriff, sondern synonym mit Mahdgutübertragung gebraucht. Heugrassaat wird auch als synonymer Ausdruck für Direktbegrünung, Ökotypensaatgut für Regiosaatgut, oder Handelssaatgut bzw. Regelsaatgut für Standardsaatgut verwendet. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Weitere wichtige Fachbegriffe''', die in diesem Artikel genannt werden, sind jeweils im Text näher erläutert, oder ihre Bedeutung erschliesst sich ohne weitere Erläuterung aus dem Zusammenhang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Neuanlage artenreicher Wiesen: Kurzer historischer Rückblick auf eine dynamische Entwicklung=&lt;br /&gt;
Artenreiches Wiesland aus Naturschutzgründen neu zu schaffen wurde erstmals in den 1960er Jahren in grösserem Stil praktiziert. (vgl. Bosshard &amp;amp; Klötzli 2003 &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;). Dabei war das Interesse ganz auf nährstoffarme Standorte in Schutzgebieten gerichtet. Als Methoden dienten eine natürliche Besiedlung mit Arten aus der Umgebung, aber auch Mahdgutübertragungen, Pflanzungen oder Sodenversetzungen kamen damals bereits zur Anwendung. Käufliche Saatgutmischungen mit den gewünschten einheimischen Arten existierten damals keine. Die verfügbaren Mischungen stammten alle aus dem Ausland. Sie enthielten nicht-einheimische Arten und sogar Zuchtsorten, die im Widerspruch standen zu den naturschützerischen Zielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; Bosshard A. &amp;amp; F. Klötzli 2003: Restoration Ecology. In: Bastian O. &amp;amp; U. Steinhardt (Hrsg.): Development and Perspectives in Landscape Ecology: conceptions, methods, application. Kluwer. ISBN 1-4020-0919-4.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erfolg durch neue Saatgutmischungen==&lt;br /&gt;
Erst Ende der 1980er Jahre gab der Naturschutz seinen fast ausschliesslichen Fokus auf Schutzgebiete auf und erkannte, dass die Biodiversität nur erhalten werden kann, wenn Naturschutzmassnahmen vermehrt flächenwirksam etabliert, d.h. auch ausserhalb von Naturreservaten neue artenreiche Flächen geschaffen werden können. Damit rückte die landwirtschaftlich genutzte Kulturlandschaft und somit auch nährstoffreichere Flächen ins Zentrum von Aufwertungsbemühungen. &lt;br /&gt;
Da im Kulturland in den tieferen Lagen kaum noch artenreichere Biotope existierten, wurden in verschiedenen Teilen der Schweiz und in anderen Ländern Europas Projekte lanciert, welche in Zusammenarbeit mit Landwirtschaftsbetrieben ökologische Aufwertungen planten und realisierten. Eines dieser Projekte war „Landwirtschaft und Naturschutz aus Bauernhand“ &amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;. Politisch und institutionell breit abgestützt, entwickelte und testete das Pilotprojekt Anfang der 1990er Jahre auf neun Landwirtschaftsbetrieben im Kanton Zürich Massnahmen für eine zukünftige Agrarpolitik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt; Landwirtschaft und Naturschutz aus Bauernhand. Schlussbericht des CH91-Pilotprojektes auf 9 Bauernhöfen im Kanton Zürich 1989-1991. Zürcher Vogelschutz, Zürcher Naturschutzbund, WWF Sektion Zürich und Zürcher Bauernverband, Zürich. 58 S.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Artenvielfalt auch auf nährstoffreichen Böden möglich?==&lt;br /&gt;
Unter diesen Massnahmen waren auch erste Versuche, bei denen damals neu verfügbares Saatgut mit verschiedenen Arten blumenreicher Wiesen ausgetestet wurde. Denn bereits damals war aufgrund vieler Untersuchungen klar, dass die Samen der meisten Wiesenarten nur kurzfristig im Boden überleben&amp;lt;!-- Link auf Pflanzenartikel, wenn dort Infos zu Lebensdauer von Samen ergänzt worden ist --&amp;gt;. Das heisst, dass eine intensive Nutzung über drei oder vier Jahren bereits genügte, um die Pflanzenarten artenreicher Wiesen zum Verschwinden zu bringen. Eine Wieder-Extensivierung der Nutzung bringt sie – auch nach jahrelangem Warten – alleine nicht zurück. Vielmehr müssen sie jeweils neu eingebracht, sprich angesät werden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Allerdings war völlig unklar, ob sich die eingebrachten Arten auf den nährstoffreichen Böden überhaupt etablieren können. Zumindest widersprach dies der damals vertretenen ökologischen Lehre. Nichtsdestotrotz entwickelten sich bei den Versuchsansaaten des Zürcher Pilotprojektes auf vorher intensiv genutzten Ackerflächen im zweiten Jahr tatsächlich niederwüchsige, artenreiche, an Magerwiesen erinnernde Wiesenbestände. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser unerwartete Erfolg gab Anlass zu einer Dissertation. Auf zahlreichen Landwirtschaftsbetrieben in der Ostschweiz wurden auf über einem Dutzend Hektar unzählige Versuchsflächen mit verschiedenen Mischungsvarianten von Wiesenkräutern, -leguminosen und -gräsern angelegt (Bosshard 1999 &amp;lt;sup&amp;gt;4&amp;lt;/sup&amp;gt;). Die ersten Versuche führten allerdings zu instabilen Pflanzenbeständen, die nach wenigen erfolgreichen Jahren vergrasten und den Grossteil der eingesäten Arten wieder verloren. Durch Verbesserungen in der Artenzusammensetzung, insbesondere der Gräserkomponente, gelang es schliesslich, auch auf vorher intensiv genutzten Böden langfristig stabile Blumenwiesenbestände zu etablieren. Als Resultat der Dissertation wurden vier Mischungsvarianten empfohlen, die heute als ''Salvia'', ''Humida'', ''Broma'' und ''Montagna'' auf dem Schweizer Markt breit etabliert sind und mit denen mittlerweile Hunderte, wenn nicht Tausende von Hektaren artenreicher Wiesen angesät worden sind und weiterhin angesät werden, vor allem in der Landwirtschaft, aber auch zunehmend im Siedlungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;4&amp;lt;/sup&amp;gt; Bosshard A. 1999: Renaturierung artenreicher Wiesen auf nährstoffreichen Böden. Ein Beitrag zur Optimierung der ökologischen Aufwertung der Kulturlandschaft und zum Verständnis mesischer Wiesen-Ökosysteme. Dissertationes Botanicae Band 303 Stuttgart. 201 S. [https://www.research-collection.ethz.ch/handle/20.500.11850/143994 Online-version]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Breites Saatgutangebot, erfolgreiche Mischungen==&lt;br /&gt;
Dass dies überhaupt möglich war, ist der engagierten Pionierarbeit verschiedener Saatgutfirmen zu verdanken, die ab Mitte der 1990er Jahre in der Schweiz ein immer breiteres Spektrum an typischen Wiesenblumenarten Schweizerischer Herkunft für die neuen Mischungen verfügbar machten. Seit einigen Jahren besteht nun auch bei den Wiesengräsern ein breites Angebot an einheimischen Ökotypen für diese Mischungen.&lt;br /&gt;
Die Erfolgsrate der artenreichen Ansaaten in der Landwirtschaft beträgt mittlerweile über 90% gemessen am botanischen Qualitätsniveau QII (s. folgendes Kapitel). Dabei zeigen umfangreiche Datensätze, dass auf trockeneren Standorten die Artenzahl und der Blumenanteil im Laufe der Jahre eher zunimmt, während an feuchteren oder schattigeren Standorten bei den bestehenden Standard-Blumenwiesenmischungen die gegenteilige Tendenz besteht &amp;lt;sup&amp;gt;5&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Die hohe Erfolgsrate hängt allerdings nicht nur mit optimiertem Saatgut zusammen, sondern ist gerade im nährstoffreicheren Böden auch stark abhängig von einer korrekten Durchführung der Ansaat (s. Kap. [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Herkunft_des_Saatgutes:_Empfehlungen.2C_Standards_und_rechtliche_Vorgaben &amp;quot;Herkunft des Saatgutes: Empfehlungen, Standards und rechtliche Vorgaben&amp;quot;]. Auch wenn dazu bisher keine systematischen Auswertungen vorliegen, scheinen die Erfolgsraten in Kantonen, bei denen für Wiesenaufwertungen eine Beratung/Begleitung angeboten wird oder obligatorisch ist (z.B. LU, AG, TG), deutlich höher zu liegen als in den übrigen Regionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;5&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. Brönnimann &amp;amp; Minloff 2015 sowie bisher unveröffentlichte Monitoringresultate aus verschiedenen Kantonen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fördersystem für Blumenwiesen in der Schweizer Landwirtschaft==&lt;br /&gt;
Der hauptsächliche Treiber der Blumenwiesenansaaten auf Landwirtschaftsflächen ist der finanzielle Anreiz durch das Direktzahlungssystem. Im Zuge der Agrarreform wurden nämlich ab dem Jahr 2001 sogenannte „Öko-Qualitätsbeiträge“ (ab 2014 als sog. Biodiversitätsförderflächen-QII-Beiträge bezeichnet, kurz BFF-QII) eingeführt. Diese werden ausbezahlt, wenn in einer angemeldeten Ökowiese innerhalb einer Aufnahmefläche von 3 m Radius mindestens 6 Pflanzenarten aus einer [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1547~1/3~410245~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Beitr%C3%A4ge-und-Bedingungen-im-%C3%96koausgleich/Zeigerpflanzen-Wiesen-BFF-Alpennordseite/Deutsch/Print-Papier Liste von rund 45 Zeigerpflanzenarten] nachgewiesen werden. In den letzten Jahren sind diese Qualitätsbeiträge laufend angestiegen, während die „Basis-Biodiversitätsbeiträge“ im gleichen Masse abgenommen haben. Damit stieg die Attraktivität der Ansaaten entsprechend. Bereits nach 1-2 Jahren sind dank den Biodiversitätsbeiträgen die Kosten einer Neuansaat nicht selten amortisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ökologische Bedeutung von Direktbegrünungsverfahren=&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Ansaat_eines_gefrästen_Streifens_mit artenr_autochth_Saatgut 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Ansaat eines gefrästen Streifens mit autochthonem Saatgut.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die Blumenwiesenmischungen mit Ökotypen aus Schweizer Herkunft wurden bald so zahlreich eingesetzt, dass diese Entwicklung von Seiten der Ökologie und des Naturschutzes zunehmend kritisiert wurde. Denn alle neu angesäten Wiesen sahen landauf landab sehr ähnlich aus, hatten immer fast dieselbe Artenzusammensetzung und basierten alle auf denselben paar wenigen Ökotypen aus dem Ursprungssaatgut der Saatgutfirmen, egal ob die angesäten Wiesen im Wallis, im Seeland, im Randen oder im Bündnerland lagen. Diese Standardisierung steht im Kontrast zur enormen Vielfalt verschiedener Wiesentypen, die sich im Naturwiesland der Schweiz von Region zu Region in Bezug auf ihre typische Artenzusammensetzung stark unterschieden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Immer mehr Untersuchungen der letzten Jahre wiesen ausserdem darauf hin, dass kleinräumig eine grosse genetische Vielfalt auch innerhalb jeder Pflanzenart besteht. Je grösser die Entfernung und je unterschiedlicher das Klima zwischen zwei Herkunftsregionen ist, umso deutlicher fallen auch die genetischen Unterschiede aus &amp;lt;sup&amp;gt;6&amp;lt;/sup&amp;gt;. Dies zeigt sich auch im ökologischen Verhalten. Viele der untersuchten Wiesenarten wuchsen besser, wenn die Pflanzen regionaler Herkunft waren. So lieferten die regionalen Gewächse im Schnitt beispielsweise zehn Prozent mehr Blütenstände als Artgenossen, die aus anderen Gegenden stammten &amp;lt;sup&amp;gt;7&amp;lt;/sup&amp;gt;. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Von Tal zu Tal, ja von Wiese zu Wiese bestehen genetische Anpassungen und Unterschiede, sogenannte Ökotypen. Diese innerartliche genetische Vielfalt ist zwar äusserlich oft nur schwer zu erkennen, aber ökologisch von grosser Bedeutung. Denn sie bedeutet eine Anpassung an die unterschiedlichsten Standorts- und Nutzungsbedingungen und ist damit eine wichtige Voraussetzung für die Stabilität von Ökosystemen. So konnten Untersuchungen zeigen, dass der Deckungsgrad höher und damit der Ansaaterfolg besser sind, wenn Ökotypen aus der Region statt Saatgut von weiter entfernt liegenden Gegenden verwendet wird. Im Gegenzug konnten sich weniger unerwünschte, nicht angesäte Arten (z.B. Neophyten) etablieren (Weisshuhn et al. 2012 &amp;lt;sup&amp;gt;8&amp;lt;/sup&amp;gt;). Ein deutliches Indiz dafür, dass diese Pflanzen regional angepasst sind. Sie kommen also in der Nähe ihrer ursprünglichen Herkunft besser zurecht. Andere Untersuchungen zeigen, dass die Inzucht von autochthonem Saatgut geringer ist als von Vermehrungssaatgut &amp;lt;sup&amp;gt;9&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;6&amp;lt;/sup&amp;gt; z.B. Durka, W. et al. (2016): Genetic differentiation within multiple common grassland plants supports seed transfer zones for ecological restoration. – Journal of Applied Ecology 54/1, 116-126. [https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1365-2664.12636 PDF].&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;7&amp;lt;/sup&amp;gt; Durka W. et al. (2019): Regionales Saatgut von Wiesenpflanzen: genetische Unterschiede, regionale Anpassung und Interaktion mit Insekten. Natur und Landschaft 94/4, 146-153. [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/News/Regionales%20Saatgut%20von%20Wiesenpflanzen.pdf PDF]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;8&amp;lt;/sup&amp;gt; Weisshuhn K., Prati D., Fischer M., Auge H. (2012): Regional adaption improves the performance of grassland plant communities. Basic and Applied Ecology 13/6, 551-559. [https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1439179112000710 Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;9&amp;lt;/sup&amp;gt; Aavik T., Bosshard D., Edwards P., Holderegger R., Billeter R. (2014): Genetische Vielfalt in Wildpflanzen-Samenmischungen. Agrarforschung Schweiz 5 (1): 20–27. [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Aavik_et_al_Agrarfo2014.pdf PDF]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Herkunft des Saatgutes: Empfehlungen, Standards und rechtliche Vorgaben=&lt;br /&gt;
Um die genetische Vielfalt auf Ökotypenebene zu berücksichtigen, hat bereits 1998 die schweizerische Kommission für die Erhaltung von Wildpflanzen (SKEW), heute Teil von Info Flora, Empfehlungen herausgegeben. Diese verlangen, dass das verwendete Saat- und Pflanzgut für Blumenwiesen aus der gleichen biogeographischen Region wie die Empfänger-Parzelle stammen soll. Bei häufigen, taxonomisch wenig differenzierten Arten sollen die sechs Grossregionen der Schweiz – d. h. Jura, Mittelland, Alpennordflanke, westliche und östliche Zentralalpen und Südalpen – eingehalten werden (siehe Abbildung). Taxonomisch schwierige Arten mit unregelmässiger Verbreitung sollen die elf Kleinregionen einhalten. Ausserdem ist es gemäss den Empfehlungen wichtig, standörtliche und regionale Unterschiede wie Höhenlage, Bodenverhältnisse und Exposition zu berücksichtigen. Nur so entspricht die zu begrünende Fläche den ökologischen Anforderungen der eingebrachten Arten. Die Empfehlungen verlangen auch, dass die gefährdeten Arten nicht in Samenmischungen gehandelt werden. Für diese gelten [https://www.infoflora.ch/de/flora/ansiedlung.html spezifische Richtlinien]. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Richtlinien von Info Flora entsprechen dem, was auch in verschiedenen Gesetzen und Verordnungen verlangt wird, insbesondere im Natur- und Heimatschutzgesetz, welches verlangt, die einheimische Tier- und Pflanzenwelt sowie ihre biologische Vielfalt und ihren natürlichen Lebensraum zu schützen &amp;lt;sup&amp;gt;10&amp;lt;/sup&amp;gt;. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Praxis finden die Richtlinien von Info Flora leider nur sehr begrenzt Berücksichtigung. Die eine Seite des Problems liegt beim Handel. Auch wenn die Saatgutfirmen die Herkünfte kennen und getrennt vermehren, werden sie – aus logistischen Gründen und den damit verbundenen Kosten –leider nicht so gekennzeichnet. Der Nutzer kann damit beim Kauf von Standardsaatgut die Empfehlungen gar nicht so einhalten, weil die Herkünfte in den Handels-Saatgutpackungen vermischt sind. Gewisse Kantone haben für landwirtschaftliche Ansaaten mit Saatgutproduzenten Abmachungen und erhalten spezifische Mischungen von und für ihre Region, die den Lebensräumen angepasst sind – dies ist aber leider die Ausnahme. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite sind die Richtlinien auch bei den Anwendern noch sehr oft nicht angekommen. So wird in der Praxis oft auch dort, wo Saatgut gemäss den Info Flora-Empfehlungen verfügbar wäre, dieses oft nicht berücksichtigt mangels Wissens oder als Folge fehlerhafter Ausschreibungen. Dies ist insbesondere im Verkehrsbereich (Böschungsbegrünungen etc.) der Fall, wo jedes Jahr Hunderte von Hektaren neu begrünt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = biogeografische Regionen CH.png&lt;br /&gt;
| text = Die Biogeographischen Regionen der Schweiz: blau = Jura und Randen; hellgrün =  Hochrhein- und Genferseegebiet; dunkelgrün = Westliches Mittelland; grün = Östliches Mittelland; hellblau = Voralpen; dunkelblau = Nordalpen; gelb = Westliche Zentralalpen, orange = Östliche Zentralalpen; rot = Südalpen; braun = Südlicher Tessin &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
(Quelle: Gonseth, Y.; Wohlgemuth, T.; Sansonnes, B.; Buttler, A. (2001): Die biogeographischen Regionen der Schweiz. Erläuterungen und Einteilungsstandard. Umwelt Materialien Nr. 137 Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft Bern. 48 Seiten.).&lt;br /&gt;
}}                                                                       &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der grossflächig stattfindenden Uniformierung und Florenverfälschung &amp;lt;sup&amp;gt;11&amp;lt;/sup&amp;gt; durch nicht den Richtlinien entsprechenden Saatgutmischungen nahm der Druck zu, vermehrt autochthones Saatgut lokaler Provenienz zu verwenden, wo die Herkunft im Detail nachgewiesen werden kann (vgl. dazu Tab. 1). 2014 wurde die Direktzahlungsverordnung mit einem Passus ergänzt, der für landwirtschaftliche Blumenwiesenansaaten im Rahmen der Verfügbarkeit die Anwendung von Direktbegrünungen vorschreibt (DZV Art. 58 Abs. 8). Deutschland geht noch einen Schritt weiter und verlangt ab 2020 generell bei der Neuanlage von Grasland in der freien Landschaft die Verwendung von gebietseigenem Saatgut (BNatSchG §40).&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Bewusstseinswandel und die damit einhergehende teilweise angepasste Rechtslage gab der Anwendung von Direktbegrünungsverfahren starken Auftrieb. So werden in der Schweiz immer häufiger Mahdgutübertragungen durchgeführt, und dies bei korrekter Anwendung mit durchwegs guten Erfolgen &amp;lt;sup&amp;gt;12&amp;lt;/sup&amp;gt;. Da Mahdgutübertragungen v.a. aus logistischen Gründen oft nur beschränkt eingesetzt werden können, wurden in den letzten 10 Jahren verschiedene Ernteverfahren für autochthones Saatgut entwickelt oder weiterentwickelt (s. Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Direktbegr.C3.BCnungsverfahren Direktbegrünungsverfahren]). Damit kann das Saatgut aus den Spenderflächen getrocknet, gereinigt und abgesackt werden. Das Saatgut kann damit in Bezug auf die Ansaattechnik und den Ansaatzeitpunkt genau so flexibel wie Standardsaatgut eingesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;10&amp;lt;/sup&amp;gt; Vgl. die ausführliche Zusammenstellung und Interpretation der rechtlichen Grundlagen im [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen], Seiten 11-15.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;11&amp;lt;/sup&amp;gt; Begriffserklärung und Beispiele siehe Box «Florenverfälschung».&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;12&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. Studie &amp;lt;!-- noch nicht beschaffen können: Wolfgang Bischoff/Pro Natura und Studie --&amp;gt;Pro Natura/Ö+L 2017 ([http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/05/BerichtAnsaatenArtenreicheWiesenKtAG2014-16.pdf PDF]).&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Engpass Spenderflächen==&lt;br /&gt;
Vor allem im Mittelland und einigen Voralpenregionen sind geeignete Spenderflächen allerdings so rar, dass die Produktion von autochthonem Saatgut den potenziellen Bedarf bei weitem nicht abdecken kann. In diesen Regionen wird Standardsaatgut mit Ökotypen aus diesen Regionen auch in Zukunft ein wichtiger Pfeiler für die Renaturierung von artenreichen Wiesen bleiben – dies umso mehr, da für das Mittelland beim Standardsaatgut auch das grösste Angebot an Arten existiert. Im Berggebiet und auf der Alpensüdseite dagegen besteht sowohl in Anbetracht der sehr unterschiedlichen Standortsbedingungen und Höhenlagen, als auch aufgrund des sehr begrenzten Angebotes von Arten aus den betreffenden biogeographischen Regionen kaum geeignetes Standardsaatgut. Dafür sind in diesen Regionen Spenderflächen meist noch zahlreich verfügbar, so dass hier in Zukunft vorwiegend autochthones Saatgut zum Einsatz kommen dürfte. Von der bisherigen Praxis, in diesen Regionen Mischungen mit Ökotypen aus dem Mittelland zu verwenden, sollten die zuständigen Amtsstellen und weiteren Akteuren wegkommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Was ist «Florenverfälschung»?''' &amp;lt;br /&amp;gt; Unter Florenverfälschung wird die Beeinträchtigung der einheimischen Pflanzen-Biodiversität durch die Einführung fremder Pflanzenarten oder fremder Ökotypen verstanden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schädigende Auswirkungen auf die Biodiversität können von folgenden zwei Prozessen ausgehen:&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
a) Heimische Arten oder Ökotypen werden durch die eingebrachten Arten oder Ökotypen verdrängt. Bekannt sind die Auswirkungen invasiver Neophyten, also sich aggressiv ausbreitende Pflanzenarten aus anderen Kontinenten wie de Goldruten (''Solidago canadensis'') oder der Japanknöterisch (''Reynoutria japonica''). Auch einheimische Arten können invasiv sein, z. B. Schilf (''Phragmites australis'') oder Klappertopf (''Rhinanthus alectorolophus''). Ein Beispiel für eine Ökotypen-Invasion stellt der europäische Schilfrohr-Ökotyp in Amerika dar, der dortige Populationen weitgehend verdrängt hat (vgl. Kowarik 2003).&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
b) Die vorhandenen lokalheimischen Ökotypen kreuzen sich mit den eingebrachten Ökotypen und verlieren dadurch ihre spezifischen, zum Teil ausgeprägten physiologischen und ökologischen Anpassungen an die lokalen Bedingungen (Klima, Standort, Bewirtschaftung). Mit der Einkreuzung verschwindet auch der betreffende Ökotyp als Bestandteil der Biodiversität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess b) dürfte viel bedeutsamer sein als a), ist aber gleichzeitig viel schwieriger zu beobachten und nachzuweisen. Beide Prozesse haben nicht auf die Flora, sondern ebenso auf die Tierwelt negative Auswirkungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. S. 21.]&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verfügbarkeit von Ökotypensaatgut regionaler Herkunft (Regiosaatgut) war ein grundlegender Fortschritt gegenüber dem früher aus dem Ausland importierten „Billigsaatgut“, das nicht nur Ökotypen aus vielen anderen Ländern enthielt, sondern teilweise sogar Zuchtformen oder auch Arten, die gar nicht in der Schweiz heimisch waren. Ein Beispiel war der Wiesenknopf (''Sanguisorba muricata''), der dem heimischen Kleinen Wiesenknopf (''Sanguisorba  minor'') sehr ähnlich sieht. Andere Beispiele sind Rotklee (''Trifolium pratense'') und Hornklee (''Lotus corniculatus'') oder Fromental (Glatthafer) (''Arrhenaterum elatius''), bei denen noch bis vor wenigen Jahren regelmässig Zuchtformen verwendet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Wo lassen sich welche artenreichen Wiesentypen neu anlegen?=&lt;br /&gt;
Artenreiche Wiesen können praktisch überall neu angelegt werden, vorausgesetzt Ansaatmethode und Saatgut sind sachgemäss auf den Standort und die zukünftige Nutzung abgestimmt. Je nach Standort und Nutzung entstehen dabei unterschiedliche Wiesentypen mit einer unterschiedlichen Artenzusammensetzung und Artenvielfalt. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die wichtigsten Anwendungsbereiche für die Neuanlage artenreicher Wiesen sind Naturschutzgebiete, ehemaliges Ackerland, bisher intensiv genutzte verarmte Wiesen im Landwirtschaftsgebiet, Hochwasserschutzdämme und Gewässerräume, Böschungen von Verkehrswegen, Rasenflächen in Gärten oder Parks, neu geschaffene Umgebungen von Siedlungen, aber auch kleinflächige Objekte wie Verkehrsinseln oder kleine Gartenbereiche. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Besonders artenreich werden Wiesen auf relativ nährstoffarmen Standorten mit extensiver Nutzung, das heisst auf Flächen, die nicht gedüngt und nur ein- bis höchstens zweimal pro Jahr gemäht werden (Abb. 2). Bei erhöhtem Nährstoffgehalt und etwas häufigerer Mahd nimmt die Artenzahl zunehmend ab. Doch auch auf ehemals intensiv genutzten, nährstoffreichen Böden können bei sachgemässer Ausführung und Bewirtschaftung blumenreiche Wiesentypen langfristig erfolgreich angelegt werden. Sogar in Rasenflächen, die bis zu sechsmal jährlich gemäht werden, können sich viele attraktive und für Insekten wertvolle Blumenarten wie Salbei, Margerite, Brunelle, Thymian etc. langfristig halten. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei sehr nährstoffarmen Verhältnissen (z.B. Rohböden)&amp;lt;!--Link auf Pionierflächen, wenn vorhanden--&amp;gt; ist die Artenzahl und die Blühfreudigkeit der Wiesentypen etwas geringer, dafür lassen sich unter solchen Standorten besser gefährdete Arten ansiedeln.  &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Standortansprache, also die Beurteilung, welcher artenreiche Wiesentyp an einem gegebenen Ort angelegt werden kann, ist entscheidend für den späteren Erfolg. Doch die Standortbeurteilung bereitet oft Mühe. Es lohnt sich deshalb, für diesen ersten ausschlaggebenden Schritt eine erfahrene Fachperson beizuziehen. Sie kann für den individuellen Fall die wichtigsten Hinweise zum anzustrebenden Wiesentyp, zur richtigen Bodenvorbereitung, zur Ansaatmethode, zum geeigneten Saatgut und zu den Anforderungen an Bewirtschaftung und Pflege geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die wichtigsten Wiesentypen und ihre Standorte für die Neuanlage artenreicher Wiesen==&lt;br /&gt;
Im Wesentlichen sind folgende fünf [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands Wiesentypen] für die Neuanlage artenreicher Wiesen bis in eine Höhenlage von maximal 1000 m ü. M. relevant (siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Typologie_des_Gr.C3.BCnlands Kapitel «Typologie des Grünlands»]). Die Reihenfolge in der nachfolgenden Abbildung richtet sich nach einem Gradienten von trocken bis feucht und von nährstoffarm bis mässig nährstoffreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Wiesentypen Neuanlage de.png&lt;br /&gt;
| text = Ökogramm mit den wichtigsten Wiesentypen, die für eine Neuanlage artenreicher Wiesen in Frage kommen. Wo es sehr trocken ist, ist die Verfügbarkeit von Nährstoffen stark eingeschränkt, weshalb es keine Wiesentypen in der Ecke oben rechts gibt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. '''Trockenrasen'''&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt;  (''Xerobromion''): Dieser Wiesentyp bildet sich nur auf sehr sonnigen, heissen Standorten mit sehr mageren Böden aus (z.B. Rohböden wie Kies- oder Sandflächen). Trockenrasen sind lückig, sehr artenreich, aber oft etwas weniger blühfreudig als die Halbtrockenrasen. Trockenrasen werden oft nur jedes zweite Jahr gemäht, so dass auch verholzte niedrige Sträucher wie verschiedene Ginsterarten aufkommen können. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
2. '''Trespen-Halbtrockenrasen'''&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt; (''Mesobrometum''): Verbreiteter, blumen- und artenreicher Wiesentyp an sonnigen, nährstoffarmen, (zumindest schwach) humusierten Standorten. Wird jährlich im Juli geheut und im Herbst je nach Wüchsigkeit noch ein zweites Mal gemäht. Charakterarten sind das bestandesbildende Gras Aufrechte Trespe (''Bromus erectus'') und bei den Kräutern z.B. Thymian (''Thymus'' sp.), Esparsette (''Onobrychis viciifolia''), Salbei (''Salvia pratensis'') und bei schwacher Nutzung Dost (''Eupatorium cannabinum'') und Hauhechel (''Ononis'' sp.). &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
3. '''Fromentalwiese trockene Ausprägung''' (''Arrhenatheretum salvietosum''): Ziemlich artenreiche, sehr blütenreiche Wiese, die in der Regel in der zweiten Junihälfte geheut wird und danach noch 1-2 weitere Emdschnitte benötigt. Sie bildet sich auf humusreicheren, vormals oft intensiv gedüngten Böden an sonnigen Lagen aus. Charakterarten sind Salbei (''Salvia pratensis''), Wiesenbocksbart (''Tragopogon pratensis'') oder Margerite (''Leucanthemum vulgare''). &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
3a. '''&amp;quot;Blumenrasen&amp;quot;''': Auf Fromentalwiesenstandorten, also auf humusreicheren, gut mit Nährstoffen versorgten Böden auf mittleren oder trockeneren Standorten bilden sich bei sehr häufiger Mahd Rasen im gartenbaulichen Sinne aus. Wird ein Rasen alle 1-2 Wochen gemäht, überleben nur wenige Pflanzenarten, vor allem ausläufertreibende, niederwüchsige Gräser und einige Klee- und Kräuterarten. Wird die Schnittfrequenz auf maximal 5-6 Schnitte pro Jahr reduziert und die Düngung eingestellt, haben viele Arten der Fromentalwiesen und teilweise auch der Trespen-Halbtrockenrasen eine Chance, sich zu etablieren und zu reproduzieren. Dieser «Wiesentyp» wird in der Regel Blumenrasen genannt und findet zunehmend Verbreitung im Siedlungsbereich. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
4. '''Fromentalwiesen frische Ausprägung''' (''Arrhenatheretum cirsietosum oleracei''): Ziemlich arten- und blütenreiche Wiese. Bewirtschaftung/Pflege wie bei (3). Sie bildet sich auf humusreicheren, vormals oft intensiv gedüngten Böden an schattigeren und/oder frischen bis feuchten Standorten aus. Charakterarten sind Kuckuckslichtnelke (''Lychnis floc-cuculi'') und Kohldistel (''Cirsium oleraceum''). An schattigen oder feuchten Standorten bilden sich bei sehr extensiver Nutzung (Mahd alle 2 Jahre oder jährlich im Spätherbst) Hochstaudensäume (''Filipendulion'', 4b) mit farbenprächtigen Arten wie Mädesüss (''Filipendula ulmaria''), Gilbweiderich (''Lysimachia vulgaris'') oder Blutweiderich (''Lythrum salicaria'') aus.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
5. '''Streuwiesen''' &amp;lt;!---Link auf Feuchtgebiete wenn vorhanden--&amp;gt;(''Molinion'', ''Caricetum davallianae'' u.a.): Magere, feuchte bis vernässte Standorte sind für Wiesenneuanlagen eher selten und werden vor allem bei Naturschutzprojekten gezielt geschaffen mittels baulichen Massnahmen, z.B. bei Wiedervernässungen oder bei der [https://biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser/Bau_von_Gew%C3%A4ssern Schaffung von Weihern]. Unter diesen Standortbedingungen bilden sich niederwüchsige, teilweise sehr artenreiche Streuwiesentypen aus, die in der Regel einmal jährlich im Spät-herbst gemäht werden.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;13&amp;lt;/sup&amp;gt; «Rasen» wird hier in pflanzensoziologischer Terminologie verwendet und bedeutet «niederwüchsige Vegetation aus Kräutern».&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = artenhaeufigkeiten wiesen de.png&lt;br /&gt;
| text = Zusammenhang zwischen Nutzungsintensität, Ertrag und Vielfalt (Artendichte) an Pflanzenarten in Naturwiesen, schematisch; Orientierungswerte für Wiesen trockener und mesischer Standorte der kollinen bis montanen Stufe der Schweiz. Düngung und Nutzungshäufigkeit nehmen von links nach rechts zu. TS = Trockensubstanz. Der mit 1 bezeichnete Bereich entspricht in den tieferen Lagen den Trespen-Halbtrockenrasen, 2 den Fromentalwiesen. Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas: Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe. Haupt Verlag, Bern. (ergänzt)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Standort- und Vegetationsbeurteilung=&lt;br /&gt;
Eine grundlegende Voraussetzung für den Erfolg von artenreichen Wiesenansaaten '''ist die korrekte Standortbeurteilung'''&amp;lt;sup&amp;gt;14&amp;lt;/sup&amp;gt; '''sowie die Beurteilung der vorhandenen Vegetation'''. Diese beiden Schritte bestimmen, ob und welche Massnahmen für eine Ansaat getroffen und welches Saatgut für eine erfolgreiche Durchführung gewählt werden soll, aber auch, wo eine Ansaat am meisten Sinn macht, sofern mehrere Varianten zur Verfügung stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;14&amp;lt;/sup&amp;gt; bzw. die künstliche Schaffung entsprechender Standortbedingungen beispielsweise mittels Bodenabtrag/Bodenaufschüttung, vgl. Kapitel [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Aufwertung_durch_Aushagerung «Aufwertung durch Aushagerung»]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wo es keine Ansaaten braucht, sondern Geduld und angepasste Pflege genügen==&lt;br /&gt;
Auf Flächen, auf denen bereits einzelne Blumen der gewünschten Arten vorhanden sind, kann unabhängig von einer Standortdiagnose oft auf eine Ansaat verzichtet werden. So weisen artenarme Naturwiesen, auch wenn sie intensiv bewirtschaftet werden, oft noch Reste von Zielarten auf, beispielsweise in Randbereichen oder an flachgründigen Stellen. Zudem sind Naturwiesen &amp;lt;sup&amp;gt;15&amp;lt;/sup&amp;gt; generell deshalb wertvoll, weil die verbliebenen Arten noch aus alten, lokalen Ökotypen bestehen, so dass beim Umbruch von alten Naturwiesen generell grosse Zurückhaltung geübt werden sollte. Sie können nach und nach durch ein Ausbleiben der Düngung und ein reduzierte Mahdfrequenz – meist genügt ein zweimaliger Heuschnitt pro Jahr – wieder artenreicher werden. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch in alten Rasenflächen, die über längere Zeit nicht gedüngt wurden, wächst vereinzelt oft noch eine erstaunliche Vielfalt an Wiesenblumen wie Margeriten, Hornklee oder Salbei. Kommen solche Arten noch regelmässig vor, genügt es, den Mährhythmus stark zu reduzieren (auf maximal 6 Schnitte pro Jahr), und eine mehr oder weniger artenreiche Blumenwiese kehrt in wenigen Jahren von selbst zurück. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-400px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Weg_artenreicheWiese_de.png&lt;br /&gt;
| text = Um zu klären, ob eine Ansaat nötig ist oder Abwarten vielmehr genügt, bietet das Agridea-Merkblatt [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier &amp;quot;Der Weg zur artenreichen Wiese&amp;quot;] eine gute Entscheidungshilfe.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;15&amp;lt;/sup&amp;gt; Naturwiesen sind Wiesen, die seit mindestens 30 Jahren nicht mehr umgebrochen und neu angesät worden sind.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Botanische Aufwertung von verarmten Naturwiesen mittels Einsaaten==&lt;br /&gt;
Ist eine Wiese beispielsweise durch intensive Nutzung einmal botanisch verarmt und weist auch keine Relikte der angestrebten Pflanzengesellschaft mehr auf, kommt die Pflanzenvielfalt auch bei wieder extensiverer Nutzung selbst nach Jahrzehnten oft nicht von selbst zurück. Dies zeigen viele Untersuchungen (z.B. Bosshard 1999, Kiehl 2010 &amp;lt;sup&amp;gt;16&amp;lt;/sup&amp;gt;). Zum einen breiten sich die meisten Wiesenarten nur langsam aus, zum anderen verhindert die bestehende Grasnarbe die Etablierung neuer Pflanzenarten wirkungsvoll und ein Samenvorrat der meisten erhofften Wiesenarten fehlt, da die Samen der meisten Wiesenarten nur wenige Jahre im Boden überleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Soll ein verarmter Wiesenbestand also wieder mit Arten angereichert werden, bleibt nichts anderes übrig, als die fehlenden Arten mit geeigneten Massnahmen wieder einzubringen &amp;lt;sup&amp;gt;17&amp;lt;/sup&amp;gt;. Dabei existieren grundsätzlich drei Möglichkeiten – wobei eine angepasste Nutzung (keine Düngung, geeignetes Schnittregime u.a.) immer vorausgesetzt wird: &lt;br /&gt;
# '''Übersaatmethode''': Alte, vergraste und blumenarme Naturwiesen, die bezüglich der Grasartenzusammensetzung aber noch einigermassen den Fromentalwiesen im engeren Sinne entsprechen, sollten nicht umgebrochen/gefräst und angesät werden. Eine Aufwertung mit einer einfachen Übersaat in den bestehenden Bestand, wie dies in intensiver genutzten Wiesen mit Futterbaumischungen gemacht wird, funktioniert mit Wiesenblumensaatgut nicht. Dagegen gibt es zwei etwas aufwändigere Übersaatmethoden, die ohne Umbruch funktionieren. Zum einen lassen sich Wiesenblumenarten ansiedeln, indem über mehrere Jahre hinweg gesammeltes Saatgut ausgewählter Arten der Umgebung gezielt oberflächlich auf Blössen (Narbenschäden, Maushaufen, gezielt verursachte Öffnungen etc.) ausgebracht wird. Die andere Möglichkeit besteht darin, über mehrere Jahre das frische Erntegut von blumenreichen Heuwiesen (Fromentalwiesen) auf der aufzuwertenden Fläche zu trocknen. Die ausfallenden Samen führen nach einigen Jahren zu einer deutlichen Zunahme der Arten- und Blumenvielfalt. Voraussetzung ist allerdings, dass eine geeignete Heuwiese als Spenderwiese auf dem Betrieb oder in der Nachbarschaft vorhanden ist. Mit diesen beiden Methoden wird die bestehende Pflanzen-/Boden-Garnitur und -Struktur nicht unnötig zerstört und die noch vorhandenen Ökotypen der bestehenden Naturwiese bleiben erhalten. Allerdings brauchen sie viel Geduld, sind ziemlich aufwändig und gelingen nur auf Standorten mit eher tiefem Nährstoffniveau.&lt;br /&gt;
# '''Streifensaat'''. Diese Methode ist einfacher und sicherer und erlaubt es ebenfalls, die gewünschten Arten wieder in den Bestand zu bringen, ohne dass die ganze bestehende Naturwiese eliminiert werden muss. Dazu werden in einem Abstand von 15-20 m Streifen von 3-6 m Breite mit einer zapfwellengetriebenen Egge (z.B. Kreiselegge) oder auch einer Gartenfräse in die bestehende Wiese gefräst. Meist ist eine mindestens 3-malige Wiederholung im Abstand von ca. 2 Wochen nötig, bis die alte Vegetation vollständig abgestorben ist. Im Frühling können die vegetationsfreien, gut abgesetzten Streifen mit geeignetem Saatgut oder einer Direktbegrünung angesät. Je breiter die Streifen sind, desto eher lassen sich Schäden durch Schnecken reduzieren. Von den angesäten Streifen aus können dann die dort etablierten Arten nach und nach in den umliegenden Bestand auswandern, sofern Bodenheu gemacht und das Heu mit dem Kreiselheuer über die Fläche verteilt wird. &lt;br /&gt;
# '''Ganzflächige Ansaat''': Ist der Ausgangsbestand keine erhaltenswerte Naturwiese, empfiehlt es sich, die bestehende Wiesenvegetation ganzflächig durch Pflügen und anschliessendes Eggen, oder allein durch mehrmaliges Eggen mit einer zapfwellengetriebenen Kreiselegge (oder ähnlichem Gerät), vollständig zu entfernen. Details zu einer erfolgreichen Saatbettbereitung und Ansaat siehe Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Standort-_und_Vegetationsbeurteilung «Standort- und Vegetationsbeurteilung»].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;16&amp;lt;/sup&amp;gt; Plant species introduction in ecological restoration: Possibilities and limitations. Basic and Applied Ecology 11/4, 281-284&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;17&amp;lt;/sup&amp;gt; vgl. dazu insbesondere [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier Agridea-Merkblatt «Der Weg zu artenreichen Wiesen»] sowie Huguenin-Elin et al. 2012&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Welche Flächen eignen sich (nicht) für Neuansaaten?==&lt;br /&gt;
Mittels Ansaaten können auf fast jedem Standort (Boden, Exposition, Höhenlage etc.) artenreiche, stabile Wiesen erfolgreich wieder etabliert werden – vorausgesetzt, es werden die richtigen Arten und Ökotypen fachgerecht angesät und die anschliessende Pflege erfolgt dem Pflanzenbestand angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Generell gilt''': Auf mageren sonnigen Standorten können sich mehr Pflanzen- und Tierarten und auch seltenere Arten entwickeln als auf nährstoffreicheren oder schattigeren Flächen. Auf sehr armen trockenen Böden nimmt die Artenvielfalt natürlicherweise wieder ab ([https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Die_wichtigsten_Wiesentypen_und_ihre_Standorte_f.C3.BCr_die_Neuanlage_artenreicher_Wiesen siehe Abbildung zu Artenreichtum]), und die Ansaat gestaltet sich oft schwierig, insbesondere auf kiesigen Rohböden mit geringem oder fehlendem Feinkornanteil (Sand, Schluff, Ton).&amp;lt;!-- nicht veröffentlichen wegen Empfehlung Humusierung: Südexponierte oder schattige Lagen verschärfen die Situation noch. Besteht Erosionsgefahr, ist bei reinen Kiesflächen die Beimischung eines geringen Humusanteils zu empfehlen, damit sich eine geschlossene Pflanzendecke entwickeln kann.--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Weniger geeignet bzw. schwierig für die Neuansaat artenreicher Wiesen sind''':	&lt;br /&gt;
* '''Schattige Standorte'''. Solche sind von Natur aus meist arten- und blumenärmer als Wiesen an besonnten Lagen. Zudem können Schnecken den Keimlingen, vor allem der Wiesenblumen, an solchen Standorten besonders zusetzen. Dieser teilweise unterschätzte Faktor wird noch verschärft, wenn die Ansaatflächen an solchen Standorten klein oder schmal sind und deshalb von den Schnecken vom Rand her leichter aufgesucht werden können. Tipp: Anzusäende Flächen, die von bestehenden Wiesen oder Gehölzen umgeben sind, sollten nicht schmaler als 6 m und kleiner als eine Are (10x10m) sein.&lt;br /&gt;
* '''Entwässerte Moorböden'''. Auf solchen Böden werden durch den Abbau des Torfs so viele Nährstoffe freigesetzt, dass rasch wenige Arten zur Dominanz gelangen und die meisten der angesäten Arten verdrängen. Unter dieser (seltenen) Voraussetzung lohnen sich artenreiche Ansaaten in der Regel nicht. Ökologisch aufgewertet werden können sie jedoch mit einer Vernässung&amp;lt;!--Link auf Feuchtgebiete--&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* '''«Verunkrautete“ Flächen»''': Auf Standorten, die vorher mit Stumpfblättrigem Ampfer («Blacke», (''Rumex obtusifolius'')) verunkrautet waren, ist Vorsicht geboten. Blackensamen bleiben viele Jahrzehnte keimfähig im Boden. Auch wenn auf einer Fläche vor der Ansaat keine Blacken sichtbar sind, können Blackensamen beim Pflügen oder auch Eggen von Wiesland aus einer früheren Verunkrautung in grosser Zahl keimen. Die Bekämpfung dieser Problemart kann sehr aufwändig sein &amp;lt;sup&amp;gt;18&amp;lt;/sup&amp;gt;. Als weitere Problemarten sind Ackerkratzdisteln und einige wenige invasive Neophyten zu nennen, insbesondere Goldruten und einjähriges Berufskraut. Was die genannte, ausläufertreibende Distelart anbelangt, deren Blüten übrigens für Bienen und Schmetterlinge sehr attraktiv sind, verschwindet sie bei regelmässiger Mahd meist von selbst wieder. Die genannten Neophyten dagegen sollten von Beginn weg konsequent eliminiert („gezupft“) werden. Praktisch alle anderen Pflanzenarten, die landläufig als Unkraut bezeichnet werden, sind bei einer fachgerechten Pflege kein Problem für die gewünschte Entwicklung des Wiesenbestandes. Das gilt insbesondere für die im Ansaatjahr oft massenweise auftretenden einjährigen Ackerbeikräuter wie Gänsefuss (''Chenopodium'' sp.) oder Ackerhirsen (''Echinochloa crus-galli'', ''Setaria spp.'', ''Panicum spp.''). Sie verschwinden alle bereits im zweiten Jahr nach der Ansaat von selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;18&amp;lt;/sup&amp;gt; Der Umgang mit Flächen, die einen hohen Blackendruck aufweisen, kann hier nicht weiter vertieft werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Standortbeeinflussung==&lt;br /&gt;
Besteht in einem Ansaatprojekt die Möglichkeit, die Bodeneigenschaften zu beeinflussen, können folgende Massnahmen ins Auge gefasst werden, um – in der Regel – nährstoffärmere Bedingungen zu schaffen (Reihenfolge mit abnehmender Wirksamkeit und abnehmenden Kosten): &lt;br /&gt;
# Oberbodenabtrag (meist A-Horizont, ggf. auch B-Horizont),&lt;br /&gt;
# Aufschüttung eines nährstoffarmen Substrates auf oder Einarbeitung desselben in den bestehenden Boden – meist Kies oder Sand – wobei es für die Aufschüttung meist eine Schicht von mindestens 30 cm braucht, &lt;br /&gt;
# Ausmagerung, beispielsweise durch die Kultur eines Starkzehrers wie Mais oder Raygras. Die Wirksamkeit dieser Methode ist allerdings umstritten. Eine deutlich stärkere Reduktion verfügbarer Nährstoffe wird allein dadurch erreicht, indem vor der Ansaat der Boden möglichst nicht mehr gewendet oder bewegt wird (Verhinderung der oxidativen Nährstoffmobilisation, s. Bosshard 1999). Dies ist auf wenig verunkrauteten Ackerflächen möglich, indem die Ansaat ohne Bodenbearbeitung direkt in die Stoppelbrache erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso besteht überall dort, wo der Boden neu aufgesetzt wird wie z.B. bei Bauprojekten, die Möglichkeit, den Boden so zu „designen“, dass er standörtlich der Zielvegetation am besten entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Standortfaktoren können beispielsweise durch die Gestaltung des Geländes (Exposition, Grundwassereinfluss etc.) oder durch Reduktion von Schatteneinflüssen (Waldrandstufung, zurückschneiden von Hecken etc.) zugunsten der angestrebten Wiesentyps gezielt beeinflusst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tabelle: Vereinfachter Entscheidungsbaum für die Wahl der geeigneten Ansaat in Lagen unterhalb 1000 m ü. M. (Quelle: In Anlehnung an Bosshard 2000, [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/08/Wiesenrenaturierung_NuL_2000.pdf Blumenreiche Heuwiesen aus Ackerland und Intensiv-Wiesen. Eine Anleitung zur Renaturierung in der landwirtschaftlichen Praxis. Naturschutz und Landschaftsplanung 32/6, 161-171]. Zur Bestimmung der Wiesentypen siehe [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Typologie_des_Gr.C3.BCnlands Kapitel «Typologie des Grünlands]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Typ &lt;br /&gt;
! Beschreibung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1a'''&lt;br /&gt;
| Boden eher bis sehr tiefgründig, bisher mittel bis sehr intensiv genutzt (oder Phosphor über 100 ppM), mit ausgeglichenem Wasserhaushalt: -&amp;gt; Zielvegetation typische Fromentalwiese (Arrhenatheretum). Details siehe Text.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;| '''1b'''&lt;br /&gt;
| Boden flachgründig oder durchlässig (kiesig, sandig) oder Standort sehr trocken oder nährstoffarm aufgrund bestehender Vegetation (Ertrag &amp;lt; 30 dt/J); an sonniger Lage: &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | 1b1&lt;br /&gt;
| Boden kalkhaltig oder pH &amp;gt;6: -&amp;gt; Zielvegetation typische Trespen-Halbtrockenrasen (Mesobrometum). Zur Wahl der Ansaat siehe Text.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | 1b2&lt;br /&gt;
| weitgehend fehlender Kalkgehalt bzw. pH &amp;lt;6: -&amp;gt; Zielvegetation Rotschwingel-Straussgraswiese (Festuca-Agrostion), ev. Borstgrasrasen (ab 600 m ü. M. (Nardion)); Direktbegrünung, kein geeignetes Standardsaatgut verfügbar. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1c'''&lt;br /&gt;
| Wie 1b, aber schattige Lage:  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1c1&lt;br /&gt;
| Eher trockener Standort (vorwiegend Nordexposition, Beschattung durch Waldrand u.ä.): -&amp;gt; Zielvegetation Rotschwingel-Straussgraswiese (Saatgut s. 1c1),  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1c2&lt;br /&gt;
| wie 1c1, aber bei Niederschlägen &amp;gt;1200 mm/J und mind. leichtem Bodenkalkgehalt bzw. pH &amp;gt;6: -&amp;gt; Rotschwingel-Straussgraswiese (s. 1c1) oder magere Variante einer feuchten Fromentalwiese mittels Direktbegrünung oder Standardsaatgut Humida.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1d'''&lt;br /&gt;
|Boden zur Vernässung neigend (wechseltrocken):&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1d1&lt;br /&gt;
| Boden eher tiefgründig und/oder eher nährstoffreich: -&amp;gt; Zielvegetation frische Fromentalwiese, Saatgut über Direktbegrünung oder mit Standardsaatgut Humida  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot;  | 1d2 &lt;br /&gt;
| Boden mager oder flachgründig: -&amp;gt; Streuwiesengesellschaften durch Direktbegrünungsverfahren (kein geeignetes Standardsaatgut auf dem Markt). Pflanzensoziologische Detailabklärungen nötig zur Wahl geeigneter Spenderflächen (Molinion, Caricion u.a.) &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1e'''&lt;br /&gt;
| Boden vernässt bzw. wechselnass: Wie 1d2.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| colspan=&amp;quot;2&amp;quot; style=&amp;quot;width:100px; text-align:center;&amp;quot; | '''1f'''&lt;br /&gt;
| Rohboden: -&amp;gt; Zielvegetation: Ruderalflora oder lückiger Trespenrasen (s. Text); je nach Situation auf Ansaat verzichten, Ansaat einer Ruderalflora-Mischung, oder (sofern Boden kalkhaltig) Direktbegrünung mit Trespen-Halbtrockenrasen (Mesobrometum) bzw. Trockenrasen (Xerobrometum) sofern verfügbar. Kleinflächen: Anpflanzung von Einzelpflanzen prüfen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Saatgut: Richtige Artenzusammensetzung, richtige Herkunft=&lt;br /&gt;
Standörtliche/geographische Herkunft, Qualität und Zusammensetzung des Saatgutes sind eine ausschlaggebende Voraussetzung für den Erfolg bei einer Neuanlage oder Wiederherstellung artenreicher Wiesen. Auch im Hinblick auf die Biodiversität spielen die Zusammensetzung und Herkunft des Saatgutes eine zentrale Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Kapitel werden die verschiedenen Saatguttypen mit ihren Vor- und Nachteilen sowie die vorhandenen Anbieter in der Schweiz beschrieben. Eine einfache erste Entscheidungshilfe, wo welcher Saatguttyp am besten geeignet ist, liefert die Entscheidungsmatrix (siehe Tabelle unten). Weiterführende Informationen zu den einzelnen Saatguttypen und ihren Anwendungsmöglichkeiten enthält der [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen, Kap. 6 (s. 39 ff.)].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = tab bossh de.png&lt;br /&gt;
| text = '''Entscheidungsmatrix für die Saatgutwahl bei Begrünungen in der Schweiz'''. Eine Saatgutwahl nach dieser Matrix ist konform mit dem Natur- und Heimatschutzgesetz sowie mit der Biodiversitätskonvention. Die zuerst genannten Verfahren sind aus ökologischer Sicht vorzuziehen. Angaben in Klammern: Verfügbarkeit des Saatgutes je nach Region eingeschränkt. '''A''' = Autochthones Saatgut oder Pflanzenmaterial (ausgebracht über Heugrassaat, Sodenverpflanzung oder ähnliche Verfahren), '''W''' = Wildpflanzensaatgut (Regio-Saatgut), '''Z''' = Regel-Handelssaatgut. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Quelle: Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz  - Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität, Bosshard A., Mayer P., Mosimann A., 2015 &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Direktbegrünungsverfahren==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = direktbegruenungsverfahren de.png&lt;br /&gt;
| text = Vergleich der Begrünungsverfahren. Quelle: Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität. Ö+L Ökologie und Landschaft GmbH.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direktbegrünungsverfahren sind für die Erhaltung der Biodiversität in der Regel deutlich besser als der Einsatz von [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Standardsaatgut_und_Direktbegr.C3.BCnung_.E2.80.93_eine_Begriffskl.C3.A4rung Standardsaatgut]. Bei Ansaaten auf Flächen mit Naturschutzcharakter sollten generell Direktbegrünungen, also Mahdgutübertragung oder autochthones Saatgut aus dem Sack, eingesetzt werden und nur im Ausnahmefall (z. B. für extensive Vernetzungsflächen, die nicht direkt Naturschutzflächen sind) Standardsaatgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ansaatmethode der Direktbegrünung bzw. mit sog. autochthonem Saatgut wird oft als Wiesenkopierverfahren bezeichnet. Statt einzelne Arten zu vermehren, in Monokulturen anzubauen und dann als definierte Mischungen auf den Markt zu bringen, werden die Samen, welche in artenreichen Wiesen, den sogenannten '''Spenderflächen''', jedes Jahr produziert werden, direkt, ohne Zwischenvermehrung, genutzt. Die Ansaat dieser Samen auf die '''Ansaat- oder Empfängerfläche''' sollte möglichst in engem räumlichem Umkreis, im Idealfall lokal, d.h. im Umkreis von beispielsweise 15 km, erfolgen. Deshalb wird auch von lokalem Saatgut gesprochen &amp;lt;sup&amp;gt;19&amp;lt;/sup&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig wie dieses Prinzip '''«Aus der Region für die Region»''' ist das Prinzip '''Standortäquivalenz''': Spenderfläche und Ansaatfläche müssen sich standörtlich, also bezogen auf den Bodentyp, die Höhenlage, die Exposition, die Nutzung/Pflege etc., so weit als möglich entsprechen (vgl. dazu die Entscheidungshilfe von [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direktbegrünungsverfahren wurden in den letzten Jahren in der Schweiz, aber auch im Ausland &amp;lt;sup&amp;gt;20&amp;lt;/sup&amp;gt; stark weiterentwickelt und verbessert und funktionieren mittlerweile bei fachgemässer Ausführung zuverlässig und erfolgreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wird von einigen Firmen autochthones Saatgut für die meisten Teile der Schweiz angeboten &amp;lt;sup&amp;gt;21&amp;lt;/sup&amp;gt;. Die von Pro Natura initiierte und zusammen mit Info Flora, AGRIDEA und verschiedenen Kantonen aufgebaute Plattform [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ regioflora.ch] beschreibt die Methoden von Direktbegrünungen, gibt ausführliche Literaturhinweise und enthält auch eine Zusammenstellung von verschieden Samenanbietern und Fachpersonen. RegioFlora unterhält auch eine – derzeit allerdings je nach Region noch lückenhafte – [https://www.regioflora.ch/app/de/index.html Spenderflächendatenbank], die Nutzern helfen soll, eine geeignete Spenderfläche für eine Direktbegrünung zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entscheidend für Direktbegrünungsverfahren ist eine gute Zusammenarbeit mit den Besitzern und vor allem den Bewirtschaftern der Spenderflächen. Denn dank ihnen ist die gesuchte Artenvielfalt in diesen Flächen noch vorhanden. Die Nutzung einer Wiese als Spenderfläche bedeutet für die Bewirtschafter oft eine besondere Wertschätzung. Ihnen diese Wertschätzung bei einer Nutzung entgegenzubringen genügt aber nicht. Für die Erlaubnis, eine Ernte durchführen zu können, ist eine Entschädigung, die über den anfallenden Mehraufwand hinausgeht, angemessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;19&amp;lt;/sup&amp;gt; Anmerkung: Bei der Sodenversetzung, die ebenfalls zu den Direktbegrünungsverfahren gezählt wird, gilt dasselbe, wobei anstelle von Samen ganze Vegetationsstücke inkl. der obersten Bodenschicht übertragen werden.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;20&amp;lt;/sup&amp;gt; Siehe ausführliche Literaturliste z.B. bei regioflora.ch und holosem.ch.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;21&amp;lt;/sup&amp;gt; Umfangreiche Informationen zum aktuellen Angebot auf [https://floretia.ch/ Floretia], wo neben autochthonem auch das Angebot von regionalem Vermehrungssaatgut aufgelistet ist. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die verschiedenen Direktbegrünungsverfahren im Detail==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = agridea_verfahren_de_400dpi.png&lt;br /&gt;
| text = Die neben der Mahdgutübertragung weiteren Methoden im Vergleich. Quelle: &amp;quot;Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft&amp;quot; (Hrsg.: Agridea, 2015)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Mahdgutübertragung===&lt;br /&gt;
Die Spenderfläche wird zum Zeitpunkt der optimalen Samenreife der meisten Arten (Teigreife) in feuchtem Zustand gemäht &amp;lt;sup&amp;gt;22&amp;lt;/sup&amp;gt; und das ganze Material auf die Ansaatfläche übertragen, meist etwa im Umfang 1:1. Die Praxis der Mahdgutübertragung wird im Merkblatt [https://www.agridea.ch/old/de/publikationen/publikationen/pflanzenbau-umwelt-natur-landschaft/naturnahe-lebensraeume-im-wiesland/direktbegruenung-artenreicher-wiesen-in-der-landwirtschaft/ «Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft» (Agridea 2015)] detailliert beschrieben (s. auch [https://www.youtube.com/watch?v=IsI8ivNB9u0 FiBL-Infofilm]). Der Vorteil dieser Methode liegt in ihrer Durchführung mit Geräten, die auf jedem Landwirtschaftsbetrieb existieren, und den relativ geringen Kosten, wenn der Landwirt die Arbeiten selber durchführen kann. Zudem werden so auch Kleintierarten und Moose auf die Ansaatfläche übertragen, und die Mahdgutauflage schafft einen ersten Erosionsschutz und verbessert die Keimungsbedingungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachteile sind eine oft schwierige Logistik, ein relativ grosser Zeitaufwand und vor allem, dass das Ausbringen des Mahdgutes sogleich nach der Ernte im Sommer durchgeführt werden muss. Zum einen ist Sommer als Ansaatzeitpunkt oft nicht optimal, zum anderen stehen viele Flächen, beispielsweise bei Bauprojekten, nicht genau dann zur Ansaat bereit, wenn das Erntegut anfällt und ausgebracht werden muss. Ein weiterer Nachteil ist, dass verschiedene Erntezeitpunkte und verschiedene Spenderflächen nur beschränkt und mit stark erhöhtem Aufwand kombiniert werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;22&amp;lt;/sup&amp;gt; Ideal ist eine Mahd mit Messerbalken oder mit Sense. Es können aber je nach Verfügbarkeit und Zugänglichkeit der Fläche auch Saugmulcher eingesetzt werden, die in einem Arbeitsgang das Mähgut mähen und einsaugen. Dabei wird aber ein Grossteil der Kleintierfauna getötet, der erwähnte Vorteil einer Übertragung von Tieren fällt damit weg.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahdgutuebertragung 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Mahdgutübertragung&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wiesendrusch===&lt;br /&gt;
Das Saatgut wird auf der Spenderfläche mit einem Mähdrescher mit spezieller Einstellung geerntet. Die Methode funktioniert allerdings nur auf flachem Gelände, während die meisten nicht angesäten und damit für Direktbegrünungen in Frage kommenden Spenderflächen an Hängen liegen. Zudem werden einzelne Arten technisch kaum erfasst. Vorteile liegen in der relativ grossen Flächenleistung. Zudem kann das Saatgut verschiedener Wiesen und Erntezeitpunkte mit geringem Aufwand gemischt und das Saatgut bis 2 oder 3 Jahre (je nach Lagerung) nach der Ernte zu einem beliebigen Zeitpunkt ausgesät werden. In der Schweiz liegen erst wenige Erfahrungen mit dieser Methode vor, vor allem durch Untersuchungen der landwirtschaftlichen Fachhochschule HAFL in Zollikofen bei Bern. Als erste Firma bietet Regiosaat.ch seit 2019 autochthones Saatgut aus Wiesendrusch auf dem Markt an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Abwandlung des Wiesendruschs stellt der Heudrusch® dar, eine von Joe Engelhardt in Deutschland entwickelte und praktizierte Methode, bei der das feuchte Erntegut wie bei der Mahdgutübertragung geerntet wird, dann aber statt direkt übertragen mit einer speziellen Infrastruktur getrocknet und ausgedroschen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Ernte_mit_Maehdrescher 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Sammeln von Saatgut mit dem Mähdrescher.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Seedbrushing===&lt;br /&gt;
Bei dieser Methode werden die Samen mit speziellen Bürstenmaschinen aus dem stehenden Pflanzenbestand geerntet. Die Methode ist weniger schlagkräftig als der Wiesendrusch, es können aber mit den Geräten der neuesten Generation auch steile, vernässte oder topographisch schwierige Spenderflächen beerntet werden. Zudem erlaubt die Methode je nach verwendetem Gerät eine sehr individuelle Nutzung, indem einzelne Arten spezifisch beerntet oder auch ausgeschlossen werden. Bei zu dichten oder zu hohen Beständen sind der Methode aber Grenzen gesetzt, beispielsweise bei nährstoffreicheren Fromentalwiesen oder Hochstaudenfluren. Wie beim Wiesendrusch können verschiedene Spenderflächen und Erntezeitpunkte mit geringem Aufwand kombiniert und so die Artenzusammensetzung des Saatgutes optimiert werden &amp;lt;sup&amp;gt;23&amp;lt;/sup&amp;gt;. Ebenso ist der Ansaatzeitpunkt flexibel. Die Methode wird in der Schweiz derzeit nur von [http://www.agraroekologie.ch/ Ö+L] angeboten. Die Firma hat dazu ein eigenes Gerät, den [http://www.holosem.ch/ebeetle/angebot/ eBeetle], entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;23&amp;lt;/sup&amp;gt; Dies gilt selbstredend nur dann, wenn alle kombinierten Spenderflächen aus derselben Kleinregion und von demselben Wiesentyp vergleichbarer Standorte stammen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weitere Verfahren===&lt;br /&gt;
Neben den drei erwähnten Hauptmethoden gibt es weitere, allerdings deutlich weniger schlagkräftige und damit nur kleinflächig anwendbare oder die obigen Verfahren ergänzende Methoden der Direktbegrünung. Dazu gehören:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sammeln von Hand''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Natürlich können die gewünschten Arten in den Spenderflächen auch von Hand geerntet werden. Dies erlaubt zwar eine sehr gezielte und individuelle Beerntung einzelner Arten zum optimalen Reifezeitpunkt der Samen (die je nach Art in der Regel bei der Teigreife einsetzt), ist aber sehr zeitaufwändig und nur für kleine Flächen realistisch. Handernte kann allerdings zur Ergänzung beispielsweise von Wiesendrusch oder von Mahdgutübertragungen eine wichtige Rolle spielen, indem Samen von Pflanzenarten damit effizient ergänzt werden können, die aus verschiedenen Gründen (Reifezeitpunkt, nur sehr vereinzeltes Vorkommen etc.) nicht übertragen bzw. maschinell nicht geerntet werden.&lt;br /&gt;
'''Sammeln mit tragbaren Kleingeräten''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es existieren auf dem Markt Sauger und andere tragbare Techniken, mit denen das Saatgut aus dem stehenden Bestand der Spenderwiese geerntet werden kann. Diese Methoden sind aber nur wenig schlagkräftig und ebenfalls nur für kleine Flächen geeignet. Gegenüber einer Handernte bieten sie nur in speziellen Fällen wirklich Vorteile. In der Schweiz werden solche Geräte nur sehr punktuell angewendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Heublumen''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Methode war bis Mitte des letzten Jahrhunderts das übliche Verfahren bei der Verbesserung oder Neuanlage von Wiesen. Dabei wird der Samenausfall aus dem Heustock gesammelt und direkt ausgesät. Da bis in die 1950er Jahre fast nur artenreiche Wiesen existierten (Bosshard 2016 &amp;lt;sup&amp;gt;24&amp;lt;/sup&amp;gt;), hat diese Methode damals ausgezeichnet funktioniert. Heute bestehen Heublumen vor allem aus Samen von artenarmen Fett- und Intensivwiesen und beinhalten oft viele unerwünschte Arten wie Blacken oder Disteln, so dass von dieser Methode in aller Regel dringend abgeraten werden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Sodenversetzung''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
In denjenigen Fällen, wo ein artenreicher Wiesenbestand zerstört und nachher wiederhergestellt werden soll, eignet sich die Methode der Sodenversetzung bzw. Sodenschüttung besonders gut. Dabei wird die Ursprungsvegetation mit dem Bagger als grosse Rasenziegel gelagert und nach dem Bau wieder auf die zu begrünende Fläche aufgetragen. Am meisten Erfahrungen mit dem Verfahren bestehen im Kanton Graubünden, wo vor allem beim Strassenbau und bei Meliorationsprojekten die Sodenversetzung heute zur hauptsächlich angewandten Methode gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Spontanbegrünung''' &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Überall dort, wo noch artenreiche Flächen mit den Zielarten in der näheren Umgebung vorhanden oder in der Samenbank des Bodens zu erwarten sind, kommt auch eine Spontanbegrünung in Betracht. Bei dieser Methode wird nichts angesät, sondern einfach gewartet, bis sich die passenden Arten von selbst wieder etablieren. Die Methode kann vor allem im Berggebiet empfohlen werden, sofern nur kleine bzw. wenige Meter breite Flächen zu begrünen sind und sofern in der unmittelbaren Umgebung noch artenreiche Wiesen vorhanden sind (Distanz &amp;lt;20 m).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;sup&amp;gt;24&amp;lt;/sup&amp;gt; Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Bosshard A. 2016. Haupt-Verlag, Bern. 265 S. [https://issuu.com/haupt/docs/9783258079738Inhaltsübersicht, Zusammenfassung und Leseprobe S. 1-34]. &lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Saatguternte_Mesobr_mit_eBeetle 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Saatguternte mit dem eBeetle.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hohe Anforderungen an die Planung==&lt;br /&gt;
Bei den Methoden «Mahdgutübertragung» bis «Sammeln von Hand» ist eine sorgfältige Planung essentiell. Da die Ernte nur im lokalen Rahmen erfolgt, ist oft kein geeignetes Saatgut an Lager, sondern dieses wird, v.a. bei grösserem Bedarf, spezifisch «on demand» produziert. D.h. es muss bis spätestens im Mai klar sein, welcher Saatgutbedarf für welche Lokalitäten und Standortbedingungen besteht. Wenn also im Frühjahr, dem optimalen Aussaatzeitpunkt, angesät werden soll, muss die Ernte bereits im Sommer des Vorjahres erfolgt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weitere Informationen zu den Direktbegrünungsverfahren ==&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~2591~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Direktbegr%C3%BCnung-artenreicher-Wiesen-in-der-Landwirtschaft/Deutsch/Print-Papier Agridea-Wegleitung «Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft» (2015)]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf «Leitfaden für naturgemässe Begrünungen»]&lt;br /&gt;
* Kirmer A., Krautzer B., Scotton M., Tischew S. (Hrsg.) 2012: Praxishandbuch zur Samengewinnung und Renaturierung von artenreichem Grünland. Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein.&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/de/startseite-de/ Regio Flora, Förderung der regionalen Vielfalt im Grünland]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/ HoloSem®]&lt;br /&gt;
* [https://www.regiosaat.ch/ www.regiosaat.ch]&lt;br /&gt;
* [https://www.conservationevidence.com/actions/133 Conservation Evidence] (englische Seite mit vielen wissenschaftlichen Hintergrundinformationen aus verschiedenen Studien)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anwendung und Bezug von Blumenwiesen-Standardsaatgut==&lt;br /&gt;
In Regionen, in denen zu wenig qualitativ hochwertige Spenderflächen existieren, oder wo aus anderen Gründen keine Direktbegrünungen möglich sind, ist artenreiches Wiesenblumensaatgut mit Ökotypen aus der betreffenden Biogeographischen Region (s. Abb. 1) eine gute Alternative.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz bieten folgende Firmen geprüftes Blumenwiesen-Standardsaatgut an: [https://www.ufasamen.ch/ Ufa], [https://www.hauenstein.ch/de/ Hauenstein], [http://www.sativa-rheinau.ch/ Sativa] und [https://www.ericschweizer.ch/ Schweizer Samen]. Das grösste Angebot haben Ufa und Hauenstein, Saatgut in Bio-Qualität bietet Sativa. Einige der angebotenen Mischungen wechseln fast jährlich, und es ist entsprechend zu empfehlen, jeweils aktuell die Web-Informationsseiten oder die reich bebilderten Prospekte der betreffenden Firmen zu konsultieren, um die für den jeweiligen Anwendungszweck am besten geeignete Blumenwiesenmischung zu bestimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Kauf ist unbedingt darauf zu achten, aus welcher biogeographischen Region das Saatgut stammt. Die Angabe, dass das Saatgut aus Schweizer Ökotypen besteht, genügt nicht, weil solches Saatgut oft ein Gemisch aus Herkünften verschiedener biogeographischer Regionen ist. Noch immer sind verbreitet Mischungen auf dem Markt, bei denen nur der Wiesenblumenanteil aus einheimischen Ökotypen besteht, während der Gräseranteil, der oft weit über 90% des Saatgutanteils ausmacht, nicht spezifiziert ist und dann in der Regel aus dem Ausland stammt und nicht selten auch Zuchtsorten enthält. Solches Saatgut ist deutlich kostengünstiger, aber aus den in der [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Einleitung Einleitung] erläuterten Gründen nicht zu empfehlen bzw. je nach Anwendungsbereich nicht rechtskonform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den meisten artenreichen Mischungen besteht nur Saatgut mit Ökotypen aus der Biogeographischen Region Mittelland. Solches Saatgut sollte nicht im Jura, im Berggebiet oder in der Südschweiz ausgebracht werden. In diesen Regionen kommt für die meisten Anwendungszwecke mangels eines entsprechenden Standardsaatgutangebotes nur autochthones Saatgut in Frage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige wenige Kantone (z.B. [https://lawa.lu.ch/-/media/LAWA/Dokumente/Landwirtschaft/Biodiversitaetsfoerderflaechen/Merkblaetter/MB_Blumenwiese_Neuansaat.pdf LU] und [https://www.ag.ch/media/kanton_aargau/dfr/dokumente_3/landwirtschaft_2/umweltprojekte/naturnahe_landwirtschaft_1/merkblaetter_labiola/20_Labiola_MB_Saat_und_Pflanzug_okt16.pdf AG]) haben für den Landwirtschaftsbereich in Zusammenarbeit mit dem Handel kantonal angepasste Blumenwiesenmischungen entwickelt. Diese weichen teilweise in der Artenzusammensetzung leicht ab von den gängigen Mischungen, teilweise stammt das Basissaatgut einzelner Arten aus dem betreffenden Kanton. Der Bezug erfolgt teils über den Handel, teils über den Kanton bzw. von ihm beauftragte Stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Qualitätssicherung ==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Bosshard_NEAT_Amit_HoloSem_Saatgut_angesaet_zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Gemäss HoloSem-Standard frisch angesäte Böschung.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die im Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Herkunft_des_Saatgutes:_Empfehlungen.2C_Standards_und_rechtliche_Vorgaben «Herkunft des Saatgutes»] erwähnten Empfehlungen von Info Flora und RegioFlora, im Hinblick auf die Auswahl des Basissaatgutes bzw. der Spenderflächen und die räumliche Ausbreitung des Saatgutes, betreffen sowohl Standardsaatgut wie Direktbegrünungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was das Standardsaatgut anbelangt einigten sich die Schweizer Saatgutfirmen in einem mehrjährigen Prozess in den 1990er Jahren zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft für den Futterbau und der Forschungsanstalt Reckenholz auf eine Vereinbarung, welche die Empfehlungen von Info Flora (damals SKEW) berücksichtigt. Die Samenfirmen erklärten sich bereit, nur einheimische CH-Ökotypen für Blumenwiesenmischungen zu verwenden, den Forschungsanstalten die für die Ernte vorgesehenen Felder mit den geforderten Angaben (z.B. Herkunft des Ursprungssaatgutes, Parzellengrösse) zu melden, und die Vermehrungen stichprobenweise durch die Forschungsanstalten überprüfen zu lassen. Allerdings wird diese Vereinbarung nur für den Wiesenblumenzusatz des Saatgutes eingehalten, der Gräseranteil stammt v.a. bei Mischungen, die im Verkehrsbau verwendet werden, bis heute noch häufig aus ungeprüftem Saatgut aus dem Ausland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Direktbegrünungen existiert neben den Empfehlungen von Info Flora/RegioFlora ein von der Branche selber entwickelter Qualitätsstandard [http://www.holosem.ch/begruenungen/holosem-standard/ HoloSem]. Dieser existiert seit 2014 und definiert, welche standörtlichen und qualitativen Anforderungen bei der Ernte des Saatgutes zu berücksichtigen sind, definiert eine maximale Distanz der Verbreitung des autochthonen Saatguts von 15 km aus, wobei zusätzlich die biogeographische Region der Standort, die Höhenlage u.a. mitberücksichtigt werden müssen. Zudem bestehen Anforderungen zur Dokumentation, zur Spenderflächenauswahl u.a. Der Standard wird zunehmend für Ausschreibungen genutzt, um eine einheitliche Mindestqualität von Direktbegrünungen sicherzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wichtig und zielführend wie ein Standard sind für eine fachgemässe Ausführung v.a. von Mahdgutübertragungen in der Landwirtschaft eine gute Begleitung und Beratung der jeweils beteiligten Akteure, beispielsweise der Bewirtschafter der Flächen, welche die Mahdgutübertragung auch selber durchführen können. Eine fachliche Beratung kann den Erfolg und die Qualität der so angesäten Flächen wesentlich verbessern. Das zeigt sich beispielsweise im Kanton Aargau, wo interessierten Landwirten eine solche Beratung kostenlos zur Verfügung steht und wo der Erfolg der Mahdgutübertragungen mit einem Monitoring überprüft wird. Eine wertvolle Hilfe für die korrekte Ausführung von Mahdgutübertragungen bietet auch die Internetseite regioflora.ch, wo umfangreiche Informationen leicht verständlich aufgearbeitet sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = wichtigste Begruenungsverfahren de.png&lt;br /&gt;
| text = Übersicht über die wichtigsten Begrünungsverfahren und ihre optimalen Ausführungszeitpunkte, bezogen auf Lagen bis ca. 1000 m ü.M. In der angegebenen Literatur hat es auf Seite 31 eine Tabelle, die auch auf höher gelegene Flächen eingeht. [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Quelle: Bosshard, A., Mayer, P., Mosimann, A., 2015. Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität. Ö+L Ökologie und Landschaft GmbH].&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praktische Durchführung von Ansaat und anschliessender Pflege artenreicher Wiesen=&lt;br /&gt;
Artenreiches Saatgut ist zu kostbar, um es nicht optimal einzusetzen. Denn auch das beste Saatgut führt nur bei einer fachgerecht durchgeführten Ansaat und Pflege/Bewirtschaftung zum Erfolg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saatbettvorbereitung==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Empfängerfläche 5 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Dieses Saatbett wurde zur Vorbereitung geackert und anschliessend in Zeitabständen von etwa drei Wochen mehrmals geeggt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Ein vegetationsfreies, gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ansaat.&lt;br /&gt;
Der Boden kann durch Pflügen oder mehrmaliges Eggen vegetationsfrei gemacht werden, in speziellen Fällen auch durch Abdecken mit schwarzer Gärtnerfolie; Abspritzen mit Herbiziden ist nicht zu empfehlen. Einsaaten (Übersaaten) in bestehende Wiesen ohne Entfernen des alten Wiesenbestandes führen nur mit hohem Aufwand zum Erfolg (siehe [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Botanische_Aufwertung_von_verarmten_Naturwiesen_mittels_Einsaaten «Übersaatmethode»]!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gut abgesetzter Boden“ heisst: Die letzte tiefere Bodenbearbeitung (Pflügen, Eggen, Aufbringen einer Bodenschicht) liegt mindestens drei bis vier Wochen vor der Ansaat. Grund: Ist der Boden bei der Ansaat zu locker, fehlt der sogenannte Bodenschluss, und die jungen Keimlinge laufen Gefahr, nicht richtig wurzeln zu können; zudem ist die Wasserzufuhr aus dem Unterboden mangelhaft, was bei Trockenperioden zu grossen Ausfällen führen kann.&lt;br /&gt;
Unmittelbar vor der Saat darf der Boden falls nötig („Unkrautkur“) nur noch sehr flach (ca. 3 cm tief) geeggt oder gefräst werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saatzeitpunkt==&lt;br /&gt;
Die Ansaaten sollten, wenn immer möglich, im April oder Mai erfolgen. Dies gilt nicht für Mahdgutübertragungen, die bei optimaler Reife der Spenderflächen durchgeführt werden müssen, also in der Regel im Juni oder Juli. Spätere Ansaaten können durch Trocken- und Hitzeperioden empfindlich beeinträchtigt werden (v.a. die Gräser). Bei Herbstansaaten sind die Verluste über den Winter ebenfalls meist beträchtlich (insbesondere der Kräuter/Wiesenblumen). Können Ansaaten, z.B. aus Gründen des Erosionsschutzes, nicht im April oder Mai erfolgen, bietet sich der Einsatz von Zwischen- und Deckfrüchten an. Eine Beratung von Fachpersonen ist dabei zu empfehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Saat==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Hydrosaat mit autochthonem Saatgut 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = Hydrosaat mit autochthonem Saatgut.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Die angegebene Saatmenge wird je nach Situation und Ausrüstung von Hand oder mit geeigneten Maschinen (Hydroseeder, Sämaschine, Düngerstreuer etc.) oberflächlich ausgebracht. Saatgut nicht in den Boden einarbeiten! Bei kleineren Flächen empfiehlt sich eine Handsaat, wobei je die Hälfte des Saatgutes kreuzweise (d.h. zuerst von links nach rechts, dann von hinten nach vorne) ausgebracht wird, um eine gleichmässige Saat sicherzustellen. Auf lockeren Böden (z.B. Landwirtschaftsflächen) muss unmittelbar nach der Saat gewalzt werden. Geeignet sind Gliederwalzen (z.B. Cambridgewalze). Kleine Flächen können auch „angeklopft“ oder „angestampft“ werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nachsaatpflege im Ansaatjahr==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mahdgutuebertr_Keimungsphase mit ebenfalls uebertragener Trockenwiesenschnecke 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Mit der Mahdgutübertragung wurden aus der Trockenwiese Schnecken miteingebracht.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Fast alle Pflanzen artenreicher Wiesen keimen erst einige Wochen nach der Ansaat und entwickeln sich auch danach nur sehr langsam. Die „Unkräuter“ dagegen keimen meist sofort nach der letzten Bewegung des Bodens und legen dann sofort mit Wachstum los. Vor allem auf humosen Böden können einjährige Pflanzen aus der bodenbürtigen Samenbank schon nach kurzer Zeit völlig überhandnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt heisst es '''Ruhe bewahren''', denn dies ist normal und beeinträchtigt die spätere Entwicklung der Wiese in keiner Weise. Wichtig ist jedoch, dass nicht zu lange mit dem sogenannten Pflegeschnitt zugewartet wird, damit die Keimlinge der angesäten Arten nicht unter einer dicken Pflanzendecke aufgrund von Lichtmangel absterben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Faustregel''': Sobald der Boden nach der Ansaat stellenweise so stark mit „Unkraut“ bedeckt ist, dass er nicht mehr sichtbar ist, sollte ein Pflegeschnitt durchgeführt werden:&lt;br /&gt;
* Hoch mähen (5-10 cm).&lt;br /&gt;
* Das Mähgut muss abgeführt werden.&lt;br /&gt;
* Eventuell muss der Pflegeschnitt im Ansaatjahr ein zweites Mal durchgeführt werden, wenn sich die einjährigen Arten nochmals rasch entwickeln. &lt;br /&gt;
* Auch wenn vorher kein Pflegeschnitt nötig war: Im Herbst vor dem Einwintern, idealerweise in der ersten Septemberhälfte, sollte ein Pflegeschnitt gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtig ist, im Herbst nochmals einen Blick auf den Bestand zu werfen: '''Die Vegetation sollte nicht höher als fausthoch in den Winter gehen''', damit die jungen Pflänzchen nicht mit einer vom Schnee zusammengedrückten „Vegetationsmatte“ zugedeckt werden. Meist ist deshalb vor dem Einwintern, idealerweise in der ersten Septemberhälfte, zumindest der erste, oder aber einfach der letzte von 2 Pflegeschnitten angesagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwickeln sich Blacken (''Rumex obtusifolius'') oder invasive Neophyten, empfiehlt es sich, diese bereits im Ansaatjahr zu zupfen oder auszustechen. Bei allem anderen „Unkraut“ hilft Jäten nichts, im Gegenteil, der Schaden wäre grösser als der Nutzen, der Pflegeschnitt reicht vollauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft wird vergessen: Im Ansaatjahr ist von den angesäten Arten noch so gut wie nichts zu sehen, und es ist nur schwer zu beurteilen, ob eine Ansaat gelungen ist oder nicht. Im Jahr der Ansaat sollten also keine vorschnellen Urteile über das Gelingen gefällt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bewirtschaftung/Pflege in den Nachfolgejahren==&lt;br /&gt;
Erst im Jahr nach der Ansaat lässt sich erkennen, ob sich die Saat gut entwickelt, und das Gesicht der zukünftigen Wiese beginnt sich nach und nach zu zeigen. Es dauert aber je nach Standort und angesäten Arten meist nochmals ein Jahr oder mehr, bis sich alle Pflanzen richtig etabliert haben und sich ein stabiler Pflanzenbestand entwickelt hat.&lt;br /&gt;
Wie bei einem guten Wein ist bei der Neuansaat artenreicher Wiesen also Geduld angesagt! '''Gut Ding will Weile haben.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch bereits jetzt, im Jahr nach der Ansaat, kann zur regulären Pflege/Nutzung mit jährlich ein bis zwei Mähschnitten übergegangen werden. Die Mahd muss unbedingt dem angestrebten Pflanzenbestand und damit den angesäten Arten angepasst sein. Generelle Empfehlungen sind hier schwierig. Folgendes lässt sich aber allgemein festhalten (siehe auch [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimale_Mahdnutzung Kapitel «Erhalt und Aufwertung durch optimale Mahdnutzung»]):&lt;br /&gt;
* Mehr als zwei Mähschnitte sind bei ungedüngten Wiesen in keinem Fall nötig, sondern schaden der Artenvielfalt und verursachen darüber hinaus unnötig Aufwand, Kosten und Ressourcenverbrauch.&lt;br /&gt;
* Die Mahd sollte in der Regel rund 1-2 Wochen nach der Hauptblüte der Wiese durchgeführt werden, damit ein Absamen möglich ist. In vielen Fällen liegt der optimale erste Schnittzeitpunkt in den tieferen Lagen in der zweiten Juni- oder in der ersten Julihälfte.&lt;br /&gt;
* Wo keine Vorgaben für den ersten Schnittzeitpunkt bestehen (z.B. bei Ökoflächen in der Landwirtschaft), ist eine jährliche Variation des Schnittregimes für die Artenvielfalt förderlich (mal eher früh, mal eher spät mähen etc.).&lt;br /&gt;
* Bei der Mahd immer kleine Reste stehen lassen, damit sich dort Tiere in die verbleibenden Strukturen zurückziehen und sich spät blühende Arten noch bis zur Samenreife entwickeln können. Am besten ist es, bei jedem Schnitt 10% der Fläche in Form von Rückzugsstreifen ungemäht zu lassen, jedes Mal wieder an einem anderen Ort. Empfehlenswert ist auch eine gestaffelte Mahd (kleinflächig unterschiedliche Schnittzeitpunkte mit mindestens 3 Wochen Intervall), wo dies vom Aufwand her möglich ist.&lt;br /&gt;
* Wenn möglich nach der Mahd Bodenheu bereiten, d.h. das Gras am Ort an 2-3 niederschlagsfreien Tage trocknen, damit die Pflanzensamen ausreifen und ausfallen können.&lt;br /&gt;
* Das Mähgut ist auf jeden Fall abzuführen. Mulchen vermindert in der Regel die Pflanzenartenvielfalt rasch.&lt;br /&gt;
* Entwickeln sich Stumpfblättriger Ampfer („Blacken“) oder invasive Neophyten wie amerikanische Goldruten oder Einjähriges Berufskraut, müssen diese regelmässig und möglichst von Beginn an gejätet werden. Je früher und konsequenter man damit beginnt, desto mehr Arbeit lässt sich längerfristig sparen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer diese Empfehlungen befolgt, kann schon nach 1-2 Jahren mit einer farbenprächtigen Blumenwiese rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Biodiversität nach erfolgreicher Ansaat noch wirksamer gefördert werden soll, ist zu empfehlen, die Blumenwiese mit Strukturen&amp;lt;!--Link auf Kleinstrukturen, wenn aufgeschaltet--&amp;gt; wie Asthaufen, einer Trockenmauer, Kiesflächen&amp;lt;!--Link auf Pionierflächen, wenn aufgeschaltet--&amp;gt;, einem kleinen [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Teich], einer [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Hecke Hecke] oder Einzelbäumen weiter aufzuwerten (siehe auch [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Allgemeine_Massnahmen Allgemeine Massnahmen]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/localseed/richtig-ansaeen/ HoloSem&amp;lt;sup&amp;gt;®&amp;lt;/sup&amp;gt;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Information und Motivation für eine anspruchsvolle Verbundaufgabe=&lt;br /&gt;
Bei Wiesenaufwertungen und artenreichen Grünlandansaaten die richtige Methode zur richtigen Zeit am richtigen Standort zu wählen, um so die Biodiversität optimal fördern zu können, ist anspruchsvoll und nicht selten auch mit Zusatzaufwand und Hindernissen verbunden. Das lassen die bisherigen Ausführungen nicht übersehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend wichtig ist es, die vielen Akteure auf den verschiedenen Stufen der Entscheidungsprozesse immer wieder auf die Wichtigkeit und die Chancen von Wiesenaufwertungen aufmerksam zu machen und sie über die verschiedenen Möglichkeiten und die Vor- und Nachteile der verfügbaren Methoden zu informieren und weiterzubilden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Informations- und Motivationsaufgabe ist umso grösser, als sehr unterschiedliche Akteure letztlich daran beteiligt sind, wo welche Aufwertungen wie realisiert werden (oder auch nicht realisiert werden). Landschaftsarchitekten, Gartenarchitekten, Umweltbaubegleiter, Umweltverantwortliche, bodenkundliche Begleitplaner, Begrüner, Bauherren, Ökobüros, verschiedenste Amtsstellen von der Gemeinde bis zum Bund, Schulen, Weiterbildungsinstitutionen etc. etc. – und nicht zuletzt Landwirtinnen und Landwirte: Sie alle entscheiden regelmässig mit, was draussen in der Landschaft vor unserer Haustüre passiert. Es ist zu wünschen, dass das vorliegende Informationsangebot (vom Verein biodivers) dazu beiträgt, dass diese Herausforderung in Zukunft noch besser zu meistern, damit die unzähligen Chancen von Naturaufwertungen noch gezielter genutzt werden können als bisher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Weiterführende Literatur=&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~1425~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Der-Weg-zu-artenreichen-Wiesen/Deutsch/Print-Papier Der Weg zu artenreichen Wiesen. Agridea-Merkblatt, 2010.]&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/de/A~2591~1/3~410250~Shop/Publikationen/Pflanzenbau-Umwelt-Natur-Landschaft/Naturnahe-Lebensr%C3%A4ume-im-Wiesland/Direktbegr%C3%BCnung-artenreicher-Wiesen-in-der-Landwirtschaft/Deutsch/Print-Papier Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft. Leitfaden für die Praxis zum Einsatz von regionalem Saatgut in Biodiversitätsförderflächen, Agridea, 2015.]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Leitfaden_naturgemaesse_Begruenungen_def.pdf Leitfaden für naturgemässe Begrünungen in der Schweiz. Mit besonderer Berücksichtigung der Biodiversität, Bosshard et al. 2015]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2015/11/Guideline_restoration_deutsch.pdf Leitfaden zur Renaturierung von artenreichem Grünland. SALVERE 2012]&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/wp-content/uploads/2017/08/Wiesenrenaturierung_NuL_2000.pdf Blumenreiche Heuwiesen aus Ackerland und Intensiv-Wiesen. Eine Anleitung zur Renaturierung in der landwirtschaftlichen Praxis. Naturschutz und Landschaftsplanung 32/6 (2000), 161-171.]&lt;br /&gt;
* Gürke, J., Hrsg.: Pro Natura, 2014. Blumenwiesen anlegen und pflegen, Pro Natura Praxis Nr. 21.&lt;br /&gt;
* Kirmer A., Krautzer B., Scotton M., Tischew S. (Hrsg.) 2012: Praxishandbuch zur Samengewinnung und Renaturierung von artenreichem Grünland. Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein.&lt;br /&gt;
* Kiehl K., Kirmer A., Shaw N., Tischew S. (Hrsg.) 2014: Guidelines for Native Seed Production and Grassland Restoration. Cambridge Scholars Publishing&lt;br /&gt;
* Brönnimann D. und Minloff L., 2015: Entwicklung von angesäten extensiven Wiesen im Naturnetz Pfannenstil. Bachelorarbeit&lt;br /&gt;
* Zemp-Lori N., 2016: Besiedlung angesäter extensiver Wiesen durch Tagfalter im Naturnetz Pfannenstil. Bachelorarbeit&lt;br /&gt;
* [https://www.research-collection.ethz.ch/handle/20.500.11850/143994 Renaturierung artenreicher Wiesen auf nährstoffreichen Böden. Ein Beitrag zur Optimierung der ökologischen Aufwertung der Kulturlandschaft und zum Verständnis mesischer Wiesen-Ökosysteme. Dissertationes Botanicae Band 303, Stuttgart 1999.]&lt;br /&gt;
* [https://www.agraroekologie.ch/wp-content/uploads/2016/10/NuL07-10_Mueller_Bosshard.pdf Altgrasstreifen fördern Heuschrecken in Ökowiesen – Eine Möglichkeit zur Strukturverbesserung im Mähgrünland. Naturschutz und Landschaftsplanung 42 (7), 2010, 212-217.]&lt;br /&gt;
* Grün Stadt Zürich, Fachbereich Naturschutz, 2010. Pflegeverfahren. Ein Leitfaden zur Erhaltung und Aufwertung wertvoller Naturflächen, Leitfaden. Zürich.&lt;br /&gt;
* [http://www.holosem.ch/begruenungen/fachunterlagen/ Weitere Literatur siehe HoloSem / Fachunterlagen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Aufwand und Kosten der beschriebenen Massnahmen enthalten folgende Unterlagen Informationen und Hilfeleistungen:&lt;br /&gt;
* Saatgutkataloge und Webseiten der genannten [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Anwendung_und_Bezug_von_Blumenwiesen-Standardsaatgut Anbieter] von Standard- und autochthonem Saatgut&lt;br /&gt;
* Normpositionenkataloge (nur käuflich erwerblich)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Aufwand und Kosten der beschriebenen Massnahmen enthalten folgende Unterlagen Informationen und Hilfeleistungen:&lt;br /&gt;
* Saatgutkataloge und Webseiten der [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat#Anwendung_und_Bezug_von_Blumenwiesen-Standardsaatgut genannten Anbieter] von Standard- und autochthonem Saatgut&lt;br /&gt;
* Normpositionenkataloge (nur käuflich erwerblich)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = WiesenhausMatzingen_auchHaeuser_eignen_sich_fuer_artenreiche_Wiesen 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Auch Häuser eignen sich für artenreiche Wiesen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland =&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland#Einleitung Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie Praxisrelevante Ökologie]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen Grundlagen]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || Andreas Bosshard|| [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Unter Mitwirkung von || Regula Benz||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Jean-Yves Humbert|| [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Andrea Lips ||  [https://www.pronatura.ch/de Pro Natura]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Winu Schüpbach|| [https://www.quadragmbh.ch/ quadra gmbh] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie&amp;diff=4710</id>
		<title>Grünland/Praxisrelevante Ökologie</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie&amp;diff=4710"/>
				<updated>2023-03-05T09:48:06Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Ecologie utile pour la pratique]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Halbtrockenrasen as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die blüten- und blumenreichen Halbtrockenrasen sind stark zurückgegangen und sollen deshalb, wie viele weitere Grünland Lebensräume, gefördert werden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Lebensräume des Grünlands=&lt;br /&gt;
Auf die Entstehungsgeschichte und die Entwicklungen des Grünlandes wird im [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Entstehung_von_Gr.C3.BCnland &amp;quot;Entstehung von Grünland&amp;quot;] näher eingegangen. Im vorliegenden Artikel wird für die ungedüngten sowie die nicht-anthropogenen Lebensraumtypen des Grünlands die Klassifikation von Delarze et al. (2015) &amp;lt;ref&amp;gt;Delarze, Raymond; Gonseth, Yves; Eggenberg, Stefan; Vust, Mathias (2015): Lebensräume der Schweiz. Ökologie - Gefährdung - Kennarten. 3., vollst. überarb. Aufl. Bern: Ott.&amp;lt;/ref&amp;gt; übernommen. Das gedüngte Grünland (Fettwiesen und -weiden) wird gemäss Bosshard (2016) &amp;lt;ref&amp;gt;Bosshard, Andreas (2016): Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus. Bern: Haupt Verlag (Bristol-Schriftenreihe, Band 50)&amp;lt;/ref&amp;gt; eingeteilt. Feuchtgebiete, Moore, Waldlichtungen, Ruderalflächen und Pionierfluren werden in separaten Artikeln auf dieser Webseite abgedeckt. Nicht behandelt werden die Grasbrachen. Da es sich oft um Ruderalgesellschaften handelt, werden sie allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt in einem entsprechenden Artikel aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untenstehende Tabelle (nach Delarze et al. 2015) zeigt, welche Lebensräume des Bereichs „Grünland“ nach unserer Einschätzung einen Förderbedarf (siehe Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung &amp;quot;Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung&amp;quot;]) (ja/nein) aufweisen. Hergeleitet wurde diese Einschätzung aus den Angaben zum „Zustand in der Schweiz“ und der Förderbarkeit (anthropogene Schaffung möglich). Mit P = Primärlebensraum sind Lebensraumtypen gekennzeichnet, welche nicht auf einen anthropogenen Einfluss angewiesen sind bzw. mit (P), wenn oberhalb der Waldgrenze i.d.R. keine menschliche Nutzung für das Vorkommen der Lebensraumtypen notwendig ist (Quelle: Delarze et al. 2015). Gefährdungsgrad (G): LC = nicht gefährdet, NT = potenziell gefährdet, VU = verletzlich, EN = stark gefährdet. Regenerationsdauer (R): R2 = 5-10 Jahre, R3 = 10-25 Jahre, R4 = 25-50 Jahre, R5 = 50-200 Jahre (Quelle: Delarze et al. 2015). Für Fettwiesen und -weiden (Nr. 4.5, gekennzeichnet mit *) wird im Artikel die Einteilung nach Bosshard (2016) übernommen. k.A. = keine Angaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Nr.&lt;br /&gt;
! Bezeichnung&lt;br /&gt;
! Förderbedarf&lt;br /&gt;
! Gefährdung&lt;br /&gt;
! Regenerationsdauer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
| Grünland (Naturrasen, Wiesen und Weiden)&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0&lt;br /&gt;
| Kunstrasen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0.1&lt;br /&gt;
| Kunstwiese auf Fruchtfolgeflächen&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0.2&lt;br /&gt;
| Kunstrasen auf Sportplätzen, im Siedlungsraum etc.&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0.3&lt;br /&gt;
| Begrünung in Tieflagen (Strassenböschungen etc.)&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0.4&lt;br /&gt;
| Begrünung in Hochlagen (Skipisten etc.)&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1&lt;br /&gt;
| Pionierfluren auf Felsböden (Felsgrusfluren)&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1.1&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Kalkfels-Pionierflur ''Alysso-Sedion''&lt;br /&gt;
| ja, P&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1.2&lt;br /&gt;
| Kalkfels-Pionierflur des Gebirges (Karstfluren) ''Drabo-Seslerion''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1.3&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Silikatfels-Pionierflur ''Sedo-Veronicion''&lt;br /&gt;
| ja, P&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1.4&lt;br /&gt;
| Silikatfelsgrusflur des Gebirges ''Sedo-Scleranthion''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Trockenrasen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2.1&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Trockenrasen (Kontinentaler Trockenrasen, Innerwallis, Graubünden). ''Stipo-Poion'' und ''Cirsio-Brachypodion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2.2&lt;br /&gt;
| Mitteleuropäische Trockenrasen ''Xerobromion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2.3&lt;br /&gt;
| Insubrischer Trockenrasen ''Diplachnion''&lt;br /&gt;
| (ja)&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2.4&lt;br /&gt;
| Mitteleuropäischer Halbtrockenrasen ''Mesobromion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3&lt;br /&gt;
| Gebirgs-Magerrasen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.1&lt;br /&gt;
| Blaugrashalde ''Seslerion''&lt;br /&gt;
| z.T., (P)&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.2&lt;br /&gt;
| Polsterseggenrasen ''Caricion firmae''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.3&lt;br /&gt;
| Rostseggenhalde ''Caricion ferrugineae''&lt;br /&gt;
| ja, (P)&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.4&lt;br /&gt;
| Windkantenrasen (Nacktriedrasen) ''Elynion''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.5&lt;br /&gt;
| Borstgrasrasen ''Nardion''&lt;br /&gt;
| ja, (P)&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.6&lt;br /&gt;
| Buntschwingelhalde ''Festucion variae''&lt;br /&gt;
| ja, (P)&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.7&lt;br /&gt;
| Krummseggenrasen ''Caricion curvulae''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.4&lt;br /&gt;
| Schneetälchen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.4.1&lt;br /&gt;
| Kalkreiches Schneetälchen ''Arabidion caerulae''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.4.2&lt;br /&gt;
| Kalkarmes Schneetälchen ''Salicion herbaceae''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5*&lt;br /&gt;
| Fettwiesen und -weiden&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5.1*&lt;br /&gt;
| Talfettwiesen (Fromentalwiese) ''Arrhenatherion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| LC bis VU&lt;br /&gt;
| R2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5.2*&lt;br /&gt;
| Bergfettwiese (Goldhaferwiese) ''Polygono-Trisetion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5.3*&lt;br /&gt;
| Talfettweide (Kammgrasweide) ''Cynosurion''&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5.4*&lt;br /&gt;
| Bergfettweide (Milchkrautweide) ''Poion alpinae''&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6&lt;br /&gt;
| Grasbrachen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.1&lt;br /&gt;
| Queckenbrache ''Convolvulo-Agropyrion''&lt;br /&gt;
| (ja)&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.2&lt;br /&gt;
| Fiederzwenckenbrache&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.3&lt;br /&gt;
| Fromentalbrache&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.4&lt;br /&gt;
| Pfeifengrasbrache&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.5&lt;br /&gt;
| Reitgrasbrache&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard Wieslandtypen geduengt de.png&lt;br /&gt;
| text = Einteilung des gedüngten Grünlands (Fettwiesen und -weiden). &amp;lt;br/&amp;gt; ° Zahl entspricht gleichzeitig der üblichen Anzahl Nutzungen pro Jahr (+/–1). &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
Im Buch „Lebensräume der Schweiz“ (Delarze et al. 2015) sind die Lebensraumgruppen mit Aussehen und Strukturmerkmalen, biologischen Merkmalen und ökologischen Faktoren beschrieben. Faktenblätter charakterisieren die einzelnen Lebensraumtypen hinsichtlich Aussehens und Ökologie, Beziehung zum Menschen, Ansprache und Abgrenzung, Klassifikation, Kennarten, biologische Werte, ökologische Ansprüche und Gefährdungen und Angaben zur Verbreitung.&lt;br /&gt;
Im Buch „Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas“ (Bosshard 2016) wird in Kapitel 5 die Typologie der Wiesen hergeleitet und eine neue Gliederung für das gedüngte Wiesland vorgeschlagen und erläutert.&lt;br /&gt;
Die Webseite zu den [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/klassifikation.html Lebensräumen der Schweiz (TypoCH)] macht Angaben zu dominanten Arten, Charakterarten und weniger strikt an den Lebensraum gebundenen Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Wiesentypen.png&lt;br /&gt;
| text = Ausgewählte Wiesentypen (von oben links): Halbtrockenrasen, Bergfettwiese, Trockenrasen, Polsterseggenrasen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Prägende Faktoren =&lt;br /&gt;
Welche Pflanzen und Tiere in einem Lebensraum vorkommen, ist einerseits abhängig von standörtlichen Faktoren und ökologischen Wechselwirkungen, andererseits ist die Ausprägung der Lebensräume (ausser bei den Primärlebensräumen) im Grünland stark abhängig von der menschlichen Nutzung. Je nach aktueller und historischer Bewirtschaftungsform fällt sie unterschiedlich aus. Die theoretischen Grundlagen vom Zusammenhang der Standortfaktoren Boden, klimatische Bedingungen, Wasser- und Nährstoffhaushalt mit der Vegetation sind im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pflanzen Artikel zu den Gefässpflanzen] näher ausgeführt.&lt;br /&gt;
Historisch betrachtet ist ein Grossteil der mitteleuropäischen Wiesen aus extensiv genutztem Weideland hervorgegangen. Auf Nicht-Ackerland wurde eine [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Kombination_von_Mahd_und_Beweidung.2C_Fr.C3.BChjahrsvorweide Frühjahrsvorweide] durchgeführt und der nachfolgende Aufwuchs entsprechend erst später im Jahr gemäht. Damit fand eine systemimmanente Aushagerung statt und über eine lange Zeitperiode hinweg war die Nährstoffsituation der die Nutzung limitierende Faktor. Im Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Entstehung_von_Gr.C3.BCnland &amp;quot;Entstehung von Grünland&amp;quot;] wird näher auf die historische Entwicklung eingegangen.&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahrhunderte haben sich verschiedene Tierarten (wiesenbrütende Vögel, bestimmte Tagfalter) hinsichtlich ihrer Reproduktion optimal in die Bewirtschaftungssysteme der alten Dreizelgenwirtschaft eingepasst. Pflanzen entwickelten genetisch bestimmte Eigenschaften und passten sich an lokale Standort- und Nutzungsbedingungen an: es wurden sogenannte Ökotypen hinsichtlich Blühzeitpunkt, Weide- und Mahd Verträglichkeit, Trockenheitstoleranz etc. ausgebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den die Vegetationszusammensetzung bestimmenden abiotischen Faktoren sind Bodenzusammensetzung, hydrologische und klimatische Bedingungen prägend. Witterungsextreme wie Sommerdürre, harte, schneearme Winter oder auch starke Frühjahrsfröste wirken sich ebenfalls stark aus: langanhaltende Trockenperioden können zum Absterben und damit zu einer lückigeren Vegetationsdecke mit Offenbodenstellen führen, welche die erfolgreiche Vermehrung über Samen vieler Arten fördern. Des Weiteren bestimmen auch biotische Faktoren die Vegetationszusammensetzung: viele Arten können jahrelang auf einer Fläche in der Samenbank überdauern, ohne oberirdisch in Erscheinung zu treten. Wiesenpflanzen und Habitat Spezialisten von Trockenwiesen und -weiden (TWW) haben jedoch im Vergleich zu weniger spezialisierten Arten tendenziell eher kurzlebige Samen mit einer Keimfähigkeit von 1-3 Jahren (Guntern et al. 2013).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard einflussfaktoren de.png&lt;br /&gt;
| text = Bosshard (2016) stellt die wesentlichen prägenden abiotischen und biotischen Einflussfaktoren sowie den Einfluss der Bewirtschaftung zur Entstehung und Entwicklung von Wiesland in einer übersichtlichen Grafik dar. &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswirkungen der Bewirtschaftung=&lt;br /&gt;
Art und Intensität der Bewirtschaftung beeinflussen die Artenvielfalt im Grünland stark. Je nach Nutzung und Düngung entstehen Synergien oder Zielkonflikte hinsichtlich Biodiversität: sowohl eine zu intensive als auch eine zu extensive bzw. ausbleibende Nutzung beeinträchtigen die Biodiversität. Profitieren viele Pflanzenarten von der mit der Nutzung (Schnitt, Beweidung) einhergehenden Lichtverfügbarkeit, so wirkt sich eine zunehmende Schnitthäufigkeit negativ aus, indem nur noch wenige Pflanzenarten mit einem häufigen Schnitt umgehen können. Eine hohe floristische und faunistische Vielfalt korreliert in mittleren Lagen mit der Nährstoffarmut von Grünlandlebensräumen (Roth et al. 2013, Schlup et al. 2013).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard nutzungsintensitaet de.png&lt;br /&gt;
| text = Bosshard (2016) veranschaulicht das Ertragspotenzial von Wiesland in Abhängigkeit von der Nutzungsintensität und der Höhenlage. Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die intensive Nutzung ist aus Biodiversitätssicht problematisch, sondern auch ein Ausbleiben der Nutzung in Grünlandlebensräumen, welche auf anthropogene Eingriffe für den Fortbestand angewiesen sind.  Bleibt die Nutzung aus oder ist sie nicht adäquat, so schreitet die Sukzession mehr oder weniger rasch voran (siehe Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Sukzession_und_Bedeutung_des_Gr.C3.BCnlands &amp;quot;Sukzession und Bedeutung des Grünlands&amp;quot;]). Bei falscher oder zu wenig häufiger Nutzung verfilzt die Vegetationsdecke, der Bestand geht zu hoch in den Winter, wodurch weniger Licht auf den Boden gelangt und die Keimung im Frühjahr negativ beeinträchtigt wird. Entsprechend verändert sich die Vegetationszusammensetzung; lichtbedürftigere Arten nehmen ab. Bleibt die Nutzung gänzlich aus, verbuscht und verwaldet ehemals genutztes Grünland unterhalb der alpinen Stufe (ausser Primärlebensräume). Bei diesem Prozess der Verbrachung beginnen Gräser, hochwüchsige Arten und Arten mit hohem Speichervermögen oder unterirdischen Ausläufern zuzunehmen. Die Verwaldung wird bei lückenhaften Beständen, auf produktiven Standorten, beim Vorhandensein von Gehölzen in der Fläche oder angrenzend sowie bei Vorkommen von Gehölzen mit Ausläufern oder leichtfrüchtigen, lichtverträglichen Samen (Bsp. Birken, Pappeln) beschleunigt (Dipner &amp;amp; Volkart 2010).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Anthyllis Bromus.png&lt;br /&gt;
| text = Generell sind Pflanzen mit bodenblattarmen Wuchsformen wie die meisten Gräser (abgebildet ist die Aufrechte Trespe (''Bromus erectus'') häufig schnittempfindlich, wogegen Rosettenpflanzen wie der Wundklee (''Anthyllis vulneraria'') schnitttoleranter sind.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen der Mahd auf Flora und Fauna==&lt;br /&gt;
Bei Mähwiesen beeinflussen die folgenden Bewirtschaftungsfaktoren die Artenvielfalt (in Abhängigkeit von der Pflanzengesellschaft und der Wüchsigkeit): Nutzungszeitpunkte, Nutzungshäufigkeit und v.a. für die Fauna zusätzlich relevant ist die Art der verwendeten Maschinen und Gerätschaften. Generell sind [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pflanzen#Lebensformen Pflanzenarten mit bodenblattarmen Wuchsformen meist schnittempfindlich, wogegen Rosettenpflanzen eher profitieren]; auch kleinwüchsige und konkurrenzschwache Arten sind in nährstoffreicherem Wiesland unterhalb der Baumgrenze auf regelmässige Mahd oder Beweidung angewiesen (Dullau et al. 2012). Auf halbtrockenen bis feuchten Böden gelangt im genutzten Grünland die Wuchsform der Hemikryptophyten zur Dominanz. Werden die Bodenverhältnisse trockener, können sich in den Lücken zwischen diesen Horsten und Rosetten kleine Zwergsträucher und einjährige Frühblüher ansiedeln. Auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gelingt es bei trockenen und mageren Verhältnissen, sich zu behaupten. Die spezielle Morphologie und Physiologie der Gräser lässt sie im mitteleuropäischen Grünland, welches durch seine regelmässige Störung (Mahd und Frass) gekennzeichnet ist, dominieren: Gräser sind ausgesprochen erneuerungsfähig und besitzen zahllose Erneuerungspunkte in Form von Schossen, Verzweigungen, Ausläufern oder Rhizomen. Ihre Samen keimen leicht und rasch und nach der Keimung gelangen die Gräser rasch wieder zur Blüte und Fruchtbildung (Eggenberg et al. 2001).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = graeser als ideale pflanzen des gruenlandes de.png&lt;br /&gt;
| text = Gräser als ideale Pflanzen des Grünlandes. Quelle: Eggenberg, S., Dalang, T., Dipner, M., Mayer, C., 2001: Kartierung und Bewertung der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung. Technischer Bericht. Schriftenreihe Umwelt Nr. 325. Hrsg.: Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Bern. 252 S.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Auswirkungen der Mahd auf die Fauna wird zwischen direkten (durch den Mahd- und Ernteprozess verursachte Schädigungen der Fauna) und den indirekten (durch die Mahd verursachte Veränderungen des Lebensraumes) Wirkungen unterschieden. Durch die Mäh-, Ernte- und Aufbereitungsgeräte (Mähwerke, Futteraufbereiter, Zetter etc.) werden viele Klein- und Jungtiere bei der Bewirtschaftung verletzt oder getötet. Dieselbe Gefahr geht vom wiederkehrenden Befahren der Flächen mit den Maschinen (schwerere Geräte mit breiterer Bereifung) aus. Die direkt durch die Mahd verursachte Sterblichkeit steigt bei den einzelnen Tierarten mit der Körpergrösse und -empfindlichkeit und sinkt mit zunehmender Mobilität; des Weiteren ist das Ausmass der Verluste abhängig vom Fluchtverhalten und –vermögen, dem Aufenthaltsort zum Eingriffszeitpunkt sowie der Art und den Einstellungen des Mähwerks. Indirekt werden die Kleintiere durch Nahrungsmangel, fehlende Deckung, fehlende Nischen für Fortpflanzung oder Schlafplatz, Zerstörung von Strukturen (bspw. Spinnennetze, Ameisenhaufen) und den Verlust von Mikrohabitaten geschädigt. Jedoch weist eine gemähte Fläche für Arthropoden und gewisse Vögel günstigere thermische und physische Bedingungen (z.B. für die Eiablage und Larval Entwicklung oder einfacheren Zugang zu Futter) auf, was auf längere Sicht einen positiven Effekt auf eine Population haben kann (Braschler et al. 2009). Auch Käfer scheinen vergleichsweise robust auf Schnittregimes zu reagieren, im Gegensatz zu Wanzen, Tagfaltern und Spinnen, auf welche die Mahd einen drastischen negativen Einfluss auf Abundanz und Artenreichtum hat (Humbert 2010).&lt;br /&gt;
Beim Abtransport des Mahdguts wird wiederum ein Teil der tierischen Biomasse mitentfernt, wobei die Silage zu deutlich höheren Vernichtungsraten führt als Heuen und Emden. &lt;br /&gt;
Die Mahd ist ein notwendiger Eingriff zur Offenhaltung, trägt zu einer vielfältigeren Flora bei und schafft Lebensraum für eine reiche Fauna. Die obengenannten direkten und indirekten Auswirkungen stellen für viele Tierarten jedoch einen gravierenden Eingriff dar und mit zunehmender Schnittfrequenz nimmt die Artenzahl deutlich ab. Arten, welche mehr Generationen pro Jahr haben, sind gegenüber Schnitt weniger empfindlich, als solche mit nur einer Generation, da sie zwischen zwei Schnitten eher einen ganzen Entwicklungszyklus durchlaufen können (Walter et al. 2007). &lt;br /&gt;
Wie die Mahd- und Ernteschritte biodiversitätsfreundlich ausgestaltet werden können, wird in Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimale_Mahdnutzung Erhalt und Aufwertung durch optimale Mahdnutzung] ausgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen des Schnittzeitpunktes auf Flora und Fauna==&lt;br /&gt;
Der Nutzungszeitpunkt hat einen wesentlichen Einfluss auf die Menge und Qualität des Schnittgutes sowie auf die Zusammensetzung des Pflanzenbestandes. Die meisten Wiesenpflanzen sind in ihrer Phänologie sehr gut an die traditionellen Mahdtermine angepasst, tolerieren einen ersten Schnitt im Juni und kommen regelmässig zur Blüte und auch zur Fruchtreife; es sind dies Arten mit vegetativer Vermehrungsmöglichkeit oder solche, die im zweiten Aufwuchs blühen und Samen produzieren können. Die aktuell üblichen Schnitttermine in Biodiversitätsförderflächen sind der [[Media:Agridea 2023 Biodiversitaetsfoerderung Wegleitung 1200dpi.pdf|Agridea-Broschüre «Biodiversitätsförderung auf dem Landwirtschaftsbetrieb – Wegleitung» (Agridea 2023)]] zu entnehmen. Eine sehr frühzeitige Mahd oder zu häufige Nutzung kann die Regenerationsfähigkeit von Wiesenpflanzen überfordern, was sich meist erst nach einigen Jahren zeigt.&lt;br /&gt;
Neben dem Schnittzeitpunkt beeinflusst auch das Nutzungsintervall, ob und welche Arten sich erfolgreich vermehren können: wenn nach der ersten Nutzung die zweite Nutzung frühestens sechs bis acht Wochen später erfolgt, können viele Arten einer zweischürigen Wiese noch zur Fruchtreife gelangen. Wird hingegen der Abstand zwischen den beiden Mahdterminen um zwei oder mehr Wochen verkürzt, kommen innerhalb eines Jahres nur noch ca. die Hälfte der Arten zur Fruchtreife (Poschlod 2011).&lt;br /&gt;
Erfolgt die erste Mahd erst nach der Ausbildung reifer Früchte (Samen), gelangen die meisten Arten nicht nochmals ins Blüh- und Fruchtstadium – daher können sich spät gemähte Wiesen langfristig im Hochsommer genauso blütenarm wie Grünlandbrachen präsentieren (in Abhängigkeit von der Vegetationszusammensetzung und den Temperaturbedingungen am entsprechenden Standort). Späte Schnitttermine in nährstoffärmeren Wiesen führen häufig zur einseitigen Vergrasung mit Obergräsern und der Keimhorizont wird lichtärmer, wodurch niedrigwüchsige, konkurrenzschwache Arten verdrängt werden. Für die längerfristige Bestandesentwicklung sind die Veränderungen im ersten Aufwuchs entscheidend. Eine nährstoffreiche Wiese, welche spät, wenig oder gar nicht genutzt wird, hat die Tendenz zur Verunkrautung (Schmid et al. 2007).&lt;br /&gt;
Auch für die Fauna entscheiden die Nutzungszeitpunkte darüber, ob die Fortpflanzungszyklen abgeschlossen werden können (Buri et al. 2013, 2014). Die Habitatansprüche und somit auch die Ansprüche an die Mahdzeitpunkte mit erfolgreicher Reproduktionsmöglichkeit sind für jede Art oder Artengruppe wie auch bei den Pflanzen unterschiedlich. So ist für viele Wiesenbrüter ein Sommerschnitt nach der Schlüpfzeit der Jungen vorteilhaft, hingegen werden Spinnen dadurch mehr dezimiert als bei einem Frühjahrs- oder Herbstschnitt. Für Tagfalter und Widderchen führt Poschlod (2011) Ergebnisse aus verschiedenen Studien bezüglich der optimalen Schnittzeitpunkte zusammen. Zwischen zwei Nutzungszeitpunkten sollten aus faunistischer Sicht zehn Wochen Abstand liegen (Walter et al. 2007). Das Vorkommen möglichst verschiedener Nutzungen und Nutzungstermine in einem Gebiet wirkt sich positiv auf die Fortpflanzung vieler Arten und damit die Biodiversität aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Praxisbeispiel: Auswirkungen verschiedener Schnittverfahren auf die Vegetation von ungedüngten Fromental- und Magerwiesen''' &amp;lt;br /&amp;gt; Agrofutura hat in einem mehrjährigen Versuch verschiedene Schnittregimes auf einer Fromentalwiese und auf einer zweischürigen Magerwiese angewandt. Dabei wurden die Heuschnittzeitpunkte (25.5. / 15.6. / 15.7.) und auf der Magerwiese der Emdschnittzeitpunkt variiert (kein Emdschnitt, frühes Emd Mitte August, spätes Emd Mitte September). Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass beide Wiesentypen gegenüber den Veränderungen des Schnittzeitpunktes sehr resilient sind und auf Vegetationsniveau bisher kaum Veränderungen festgestellt wurden. Allerdings profitierten tendenziell einige spätblühende, grosse Kräuter sowie hochwachsende Gräser von einem späten Schnitt Mitte Juli. Die Emdschnittverfahren führten dagegen im Unterschied zu den Heuschnittverfahren zu klaren Änderungen in der Vegetation: von einem Auslassen des Emdschnitts profitierten v.a. die grosswüchsigen Gräser (''Bromus erectus'', ''Arrhenatherum elatius'') auf Kosten der kleinen Kräuter und der Leguminosen. Das Auslassen des zweiten Schnitts führte also zu einer Vergrasung der Wiese. Ein später Emdschnitt Mitte September führte zur gegenteiligen Entwicklung; eine Vergrasung des Bestandes und die Abnahme der Kräuter wird damit verhindert, kleine Gräser und Seggen sowie Leguminosen nahmen zu. Deutlich war auch der Unterschied zwischen Emdschnittzeitpunkt Mitte August oder Mitte September: je höher die Vegetation im Herbst (also je früher der Emdschnittzeitpunkt liegt), desto weniger Licht erreicht im Frühling den Boden. Geht ein Bestand zu hoch in den Winter, bildet sich ein Grasfilz, der im Frühjahr sehr wenig Licht auf den Boden lässt und die Kräuter am Keimen und Wachsen hindert. Zweischürige Magerwiesen könnten demnach mit einem späten Emdschnitt aufgewertet und das Blütenangebot deutlich erhöht werden – zurzeit ist noch unklar, ob sich die Erkenntnisse auch auf nährstoffreichere Wiesen übertragen lassen. Ein später Emdschnitt scheint für Kräuter klar vorteilhaft zu sein, was insbesondere durch die klimatisch bedingte, immer länger werdende Vegetationsperiode von Bedeutung sein kann (Landolt &amp;amp; Lüthy 2018).&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Weitere Informationen''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Mahd auf die Flora sind im [http://gruenlandleitfaden.offenlandinfo.de/management/massnahmen-und-wirkung/mahd/ Grünlandleitfaden] beschrieben. &lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Mahd auf die Fauna: Van de Poel &amp;amp; Zehm (2014) haben zur Wirkung der Mahd auf die Wiesenfauna eine Literaturauswertung für den Naturschutz vorgenommen. &lt;br /&gt;
* Ergebnisse aus verschiedenen Untersuchungen liefern Walter et al. 2007, Humbert et al. 2009, Humbert et al. 2010, Humbert 2010. &lt;br /&gt;
* Im Agridea-Merkblatt von Schiess-Bühler et al. (2011) sind die Auswirkungen der Erntetechniken auf die Artenvielfalt in Wiesen zusammengefasst und Empfehlungen aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen der Beweidung==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Beweidung mit Ziegen as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Mit der &amp;quot;richtigen&amp;quot; Beweidung können Lebensräume und Arten aufgewertet und gefördert werden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen informativen Überblick zu den Auswirkungen einer durch Beweidung auf Boden, Flora und Fauna gibt der [http://gruenlandleitfaden.offenlandinfo.de/management/massnahmen-und-wirkung/beweidung/ Grünlandleitfaden]. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie eine Mahd, wirkt auch eine Beweidung selektiv auf ihre jeweilige Artengemeinschaften. Bei einer höheren Nutzungsfrequenz (mittelintensive Weide) wird die Vegetation durch die Beweidung niedriger gehalten und es gelangt mehr Licht in tiefere Vegetationsschichten. In dieselbe Richtung wirkt der Tritt der Herbivoren und ihr selektiver Frass: lokal werden unterschiedliche Nischen und Keimstellen für Pflanzen geschaffen, die offenen Bodenstellen sind für Arthropoden attraktiv und die dauernd stehende Vegetation bietet ihnen Lebensraum und Winterquartiere. Bosshard (2016) führt in Kapitel 2.4.3 die für die Artenvielfalt besonders relevanten Auswirkungen von Mahd im Vergleich zur Beweidung näher aus. Bis zu einem gewissen minimalen Beweidungsdruck gilt, dass die faunistische Artenvielfalt umso höher ist, je geringer die Beweidungsintensität ist. Strukturen wie Gehölze, Steinhaufen, offene Bodenstellen, Wasserlachen, Quellen, Abbruchkanten sind für die Fauna sehr wichtig (Martin et al. 2018). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Erhalt_und_Aufwertung_durch_Beweidung extensive Beweidung] fördert die lokale Heterogenität und die aktive Verbreitung von Pflanzen durch die Weidetiere. Für die Flora sind Art und Intensität einer Beweidung nebst den standörtlichen Gegebenheiten entscheidend: auf einer extensiv beweideten Fläche können sich beweidungsresistente Pflanzenarten wie beispielsweise verholzende, intensiv riechende, giftige, behaarte oder dornige Pflanzen gut halten oder werden sogar gefördert. Auf artenreichen, nährstoffarmen Magerwiesen muss jedoch von einer Beweidung abgeraten werden, da tritt- und frassempfindliche, vor allem ein- bis zweijährige Pflanzenarten zu sehr darunter leiden. Alternativ können Teilflächen mit Vorkommen solcher Arten auch ausgezäunt und besonders gepflegt werden. Generell sollten bisher wertvolle Schnittwiesen keinesfalls beweidet werden. Ausschlaggebend für die Biodiversitätsförderung ist eine dem Standort angepasste Weideführung und -pflege. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf Mähwiesen ist wichtig, dass der Bestand nicht zu hoch in den Winter geht: dadurch werden Nährstoffe akkumuliert und der sich bildende Grasfilz beeinflusst die Artenvielfalt negativ. Dem kann mit einer Herbstweide entgegengewirkt werden. Die ökologischen Auswirkungen und die Anwendung einer Frühjahrsvorweide (Etzen) werden im Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Entstehung_von_Gr.C3.BCnland Entstehung von Grünland] näher beschrieben. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nachfolgende Abbildung gibt eine schematische Übersicht der verschiedenen Lebensraumqualitäten bei Mahd respektive bei Beweidung (Briemle et al. 2014). Hierbei ist zu beachten, dass auch eine sehr kleinteilige Mahd die entsprechenden Merkmale der Weide annähern kann und auch in Mähwiesen Strukturvielfalt hergestellt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = konold briemle de.png&lt;br /&gt;
| text = Teilaspekte der Lebensraumqualität unter Mahd und extensiver Beweidung. Quelle: Briemle et al., 2014: Wiesen und Weiden. Kapitel XI-2.8 in Konold, 1999. Handbuch Naturschutz und Landschaftspflege: Kompendium zu Schutz und Entwicklung von Lebensräumen und Landschaften. Wiley-VCH, Weinheim.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Weitere Informationen'''&lt;br /&gt;
* Im Bericht „Empfehlungen NHG-Weideverträge&amp;quot; (Martin et al. 2018) werden die wichtigsten Empfehlungen zur Beweidung sowie Beweidungsoptimierung beschrieben, des Weiteren sind die Vorgaben für [https://infohabitat.ch/wp-content/uploads/2019/01/Empfehlungen-NHG-Weidevertrage_180731.pdf BFF-Weiden und die DZV-Vorgaben für Sömmerungsweiden allgemein zusammengefasst].&lt;br /&gt;
* Der [https://docplayer.org/24956821-Themenbericht-extensive-weiden.html Themenbericht „Extensive Weiden“ (Schmid 2003)] erläutert praxisnah die ökologische Wirkung der Beweidung, charakterisiert verschiedene Weide-Tierarten (Rindvieh, Pferde, Schafe, Ziegen, Weitere), gibt Auskunft zur Eignung verschiedener Bewirtschaftungsformen und Weidesysteme, zur Eignung und zum Management einer Beweidung in verschiedenen Lebensräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Pflanzen und Tiere des Grünlands=&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Magerwiese Fettwiese.png&lt;br /&gt;
| text = &amp;quot;Top und Flop&amp;quot; der Biodiversität: Artenreiche und farbenfrohe Magerwiese und monotone Fettwiese.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bandbreite zwischen artenreichem und artenarmem Grünland ist riesig. Generell gehört das Grünland mit bis zu 80 Pflanzenarten pro Quadratmeter potenziell zu den artenreichsten Lebensräumen Europas und bildet für viele Pflanzen- und Tierarten das Haupthabitat. Artenreich sind die extensiv genutzten Grünlandlebensräume: mehr als 900 Tier- und Pflanzenarten der Schweiz sind beispielsweise auf die Trockenwiesen und -weiden (TWW) angewiesen und fast die Hälfte dieser Arten ist gefährdet. Am anderen Ende des Spektrums bietet das Intensivgrünland hingegen für die meisten Tier- und Pflanzengruppen keinerlei Lebensraum mehr. Auf landschaftlicher Ebene betrachtet, spielt das Vorhandensein und die Verteilung verschieden genutzter Grünlandlebensräume eine Rolle, ob das Grünland einer Region insgesamt eine hohe Artenvielfalt aufweist oder nicht.&lt;br /&gt;
Viele Tierarten und -gruppen sind nicht an bestimmte Vegetationstypen gebunden, sondern benötigen i.d.R. ein Nebeneinander verschiedener Habitatstrukturen (Schmidt 2007). Merkmale für die Habitatbindung können die Strukturierung, die Vernetzung, die Flächengrösse oder die räumliche und zeitliche Dynamik eines Lebensraumes sein. Die ökologischen Grundlagen sind in den Artikeln zu den jeweiligen Artengruppen ausgeführt ([https://www.biodivers.ch/de/index.php/Tagfalter Tagfalter], [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Wildbienen Wildbienen], [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Heuschrecken Heuschrecken]). Tagfalter und Heuschrecken sind Artengruppen mit einem hohen Verbreitungsschwerpunkt in Wiesen und Weiden: unter den Tagfaltern können sich 85%, unter den Heuschrecken 80% der in der Schweiz vorkommenden Arten im Grasland entwickeln. Für beide Artengruppen ist von Bedeutung, dass die extensiven Graslandflächen möglichst gross und miteinander vernetzt sind. Zu kleine Habitatflächen sowie die zunehmende Isolation durch grössere Distanzen zwischen den Flächen wirken sich nachteilig auf die Populationsgrössen von Arten und ihre Überlebensfähigkeit aus. Artenreiches Grünland bietet ausserdem für wiesenbrütende Vogelarten einen Brut- und/oder Nahrungslebensraum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In verschiedenen Datenbanken lassen sich die Artvorkommen nach Lebensräumen abfragen:&lt;br /&gt;
* Die [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/biodiversitaetsindikatoren/oeko-fauna-datenbank-auen.html Öko-Fauna-Datenbank] enthält ökologische Informationen zu Arten aus elf verschiedenen Tiergruppen und Angaben zum Trockenwiesen-Kennarten-Status.&lt;br /&gt;
* Umweltziele Landwirtschaft (UZL): In der Liste der [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/oekologischer-ausgleich/umweltziele-landwirtschaft.html UZL-Arten] ist ebenfalls das Vorkommen in Lebensraumtypen (Extensivwiese, Extensivweide) erfasst. &lt;br /&gt;
* Die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten Flora indicativa] umfasst ökologische und biologische Eigenschaften von rund 5500 Gefässpflanzen-, 600 Moos- und 200 Flechtenarten der Flora der Schweiz und der Alpen. Die zugehörige [https://www.wsl.ch/de/metanavigation/services-und-produkte/software-websites-und-apps/flora-indicativa.html Datenbank] ermöglicht ebenfalls Abfragen zu den Lebensräumen.&lt;br /&gt;
* Die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten Fauna indicativa] erfasst ökologische Präferenzen und biologische Eigenschaften aller in der Schweiz einheimischer Libellen-, Heuschrecken-, Laufkäfer- und Tagfalterarten.&lt;br /&gt;
* [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/phytosuisse.html Klassifikation Phytosuisse]: das Nachschlagewerk mit Kurzbeschrieb zu jeder Pflanzengesellschaft (und Klassifikation nach Delarze et al.) befindet sich noch im Aufbau. Unter den Grünlandlebensraumtypen sind erst Angaben zur Gesellschaft «IV – Gebirgsrasen und Schneetälchen» aufgeschaltet.&lt;br /&gt;
* Für die Mähwiesen im Kt. Luzern geben Schmid et al. (2007) Kenn- und Leitarten der Flora und Fauna für verschiedene Wiesentypen an. Für die Lebensräume des Kantons Luzern wurden [https://lawa.lu.ch/Natur/arten/grundlagen/leitarten Leitarten] bezeichnet. &lt;br /&gt;
* Im Schlussbericht zum Nationalen ökologischen Netzwerk REN wurden Zeigerarten-Gilden für verschiedene Lebensraumgruppierungen definiert (Berthoud et al. 2004).&lt;br /&gt;
* Für das gedüngte Grünland weist der [http://www.agraroekologie.ch/SchluesselGeduengteNaturwiesen.xls Vegetationsschlüssel] Leit- und Charakterarten auf (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
* Zahlreiche nützliche Angaben zu Artvorkommen und Negativarten bieten der Kartierbericht sowie die Vollzugshilfe TWW sowie weitere Grundlagen TWW von [https://infohabitat.ch/trockenwiesen-und-weiden/ infohabitat].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland=&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen Grundlagen]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]|| [https://www.faunatur.ch/ faunatur]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Andreas Bosshard || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Jean-Yves Humbert || [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Heiri Schiess ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  André Stapfer ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Markus Staub || [https://www.poel.ch/ Projekte Ökologie Landwirtschaft] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Gaby Volkart || [https://www.ateliernature.ch/de/portrait-deutsch/ atena]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie&amp;diff=4709</id>
		<title>Grünland/Praxisrelevante Ökologie</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie&amp;diff=4709"/>
				<updated>2023-03-05T09:42:29Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: /* Pflanzen und Tiere des Grünlands */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Ecologie utile pour la pratique]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Halbtrockenrasen as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die blüten- und blumenreichen Halbtrockenrasen sind stark zurückgegangen und sollen deshalb, wie viele weitere Grünland Lebensräume, gefördert werden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Lebensräume des Grünlands=&lt;br /&gt;
Auf die Entstehungsgeschichte und die Entwicklungen des Grünlandes wird im [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Entstehung_von_Gr.C3.BCnland &amp;quot;Entstehung von Grünland&amp;quot;] näher eingegangen. Im vorliegenden Artikel wird für die ungedüngten sowie die nicht-anthropogenen Lebensraumtypen des Grünlands die Klassifikation von Delarze et al. (2015) &amp;lt;ref&amp;gt;Delarze, Raymond; Gonseth, Yves; Eggenberg, Stefan; Vust, Mathias (2015): Lebensräume der Schweiz. Ökologie - Gefährdung - Kennarten. 3., vollst. überarb. Aufl. Bern: Ott.&amp;lt;/ref&amp;gt; übernommen. Das gedüngte Grünland (Fettwiesen und -weiden) wird gemäss Bosshard (2016) &amp;lt;ref&amp;gt;Bosshard, Andreas (2016): Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus. Bern: Haupt Verlag (Bristol-Schriftenreihe, Band 50)&amp;lt;/ref&amp;gt; eingeteilt. Feuchtgebiete, Moore, Waldlichtungen, Ruderalflächen und Pionierfluren werden in separaten Artikeln auf dieser Webseite abgedeckt. Nicht behandelt werden die Grasbrachen. Da es sich oft um Ruderalgesellschaften handelt, werden sie allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt in einem entsprechenden Artikel aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untenstehende Tabelle (nach Delarze et al. 2015) zeigt, welche Lebensräume des Bereichs „Grünland“ nach unserer Einschätzung einen Förderbedarf (siehe Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung &amp;quot;Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung&amp;quot;]) (ja/nein) aufweisen. Hergeleitet wurde diese Einschätzung aus den Angaben zum „Zustand in der Schweiz“ und der Förderbarkeit (anthropogene Schaffung möglich). Mit P = Primärlebensraum sind Lebensraumtypen gekennzeichnet, welche nicht auf einen anthropogenen Einfluss angewiesen sind bzw. mit (P), wenn oberhalb der Waldgrenze i.d.R. keine menschliche Nutzung für das Vorkommen der Lebensraumtypen notwendig ist (Quelle: Delarze et al. 2015). Gefährdungsgrad (G): LC = nicht gefährdet, NT = potenziell gefährdet, VU = verletzlich, EN = stark gefährdet. Regenerationsdauer (R): R2 = 5-10 Jahre, R3 = 10-25 Jahre, R4 = 25-50 Jahre, R5 = 50-200 Jahre (Quelle: Delarze et al. 2015). Für Fettwiesen und -weiden (Nr. 4.5, gekennzeichnet mit *) wird im Artikel die Einteilung nach Bosshard (2016) übernommen. k.A. = keine Angaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Nr.&lt;br /&gt;
! Bezeichnung&lt;br /&gt;
! Förderbedarf&lt;br /&gt;
! Gefährdung&lt;br /&gt;
! Regenerationsdauer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
| Grünland (Naturrasen, Wiesen und Weiden)&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0&lt;br /&gt;
| Kunstrasen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0.1&lt;br /&gt;
| Kunstwiese auf Fruchtfolgeflächen&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0.2&lt;br /&gt;
| Kunstrasen auf Sportplätzen, im Siedlungsraum etc.&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0.3&lt;br /&gt;
| Begrünung in Tieflagen (Strassenböschungen etc.)&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0.4&lt;br /&gt;
| Begrünung in Hochlagen (Skipisten etc.)&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1&lt;br /&gt;
| Pionierfluren auf Felsböden (Felsgrusfluren)&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1.1&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Kalkfels-Pionierflur ''Alysso-Sedion''&lt;br /&gt;
| ja, P&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1.2&lt;br /&gt;
| Kalkfels-Pionierflur des Gebirges (Karstfluren) ''Drabo-Seslerion''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1.3&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Silikatfels-Pionierflur ''Sedo-Veronicion''&lt;br /&gt;
| ja, P&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1.4&lt;br /&gt;
| Silikatfelsgrusflur des Gebirges ''Sedo-Scleranthion''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Trockenrasen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2.1&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Trockenrasen (Kontinentaler Trockenrasen, Innerwallis, Graubünden). ''Stipo-Poion'' und ''Cirsio-Brachypodion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2.2&lt;br /&gt;
| Mitteleuropäische Trockenrasen ''Xerobromion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2.3&lt;br /&gt;
| Insubrischer Trockenrasen ''Diplachnion''&lt;br /&gt;
| (ja)&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2.4&lt;br /&gt;
| Mitteleuropäischer Halbtrockenrasen ''Mesobromion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3&lt;br /&gt;
| Gebirgs-Magerrasen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.1&lt;br /&gt;
| Blaugrashalde ''Seslerion''&lt;br /&gt;
| z.T., (P)&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.2&lt;br /&gt;
| Polsterseggenrasen ''Caricion firmae''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.3&lt;br /&gt;
| Rostseggenhalde ''Caricion ferrugineae''&lt;br /&gt;
| ja, (P)&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.4&lt;br /&gt;
| Windkantenrasen (Nacktriedrasen) ''Elynion''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.5&lt;br /&gt;
| Borstgrasrasen ''Nardion''&lt;br /&gt;
| ja, (P)&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.6&lt;br /&gt;
| Buntschwingelhalde ''Festucion variae''&lt;br /&gt;
| ja, (P)&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.7&lt;br /&gt;
| Krummseggenrasen ''Caricion curvulae''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.4&lt;br /&gt;
| Schneetälchen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.4.1&lt;br /&gt;
| Kalkreiches Schneetälchen ''Arabidion caerulae''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.4.2&lt;br /&gt;
| Kalkarmes Schneetälchen ''Salicion herbaceae''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5*&lt;br /&gt;
| Fettwiesen und -weiden&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5.1*&lt;br /&gt;
| Talfettwiesen (Fromentalwiese) ''Arrhenatherion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| LC bis VU&lt;br /&gt;
| R2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5.2*&lt;br /&gt;
| Bergfettwiese (Goldhaferwiese) ''Polygono-Trisetion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5.3*&lt;br /&gt;
| Talfettweide (Kammgrasweide) ''Cynosurion''&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5.4*&lt;br /&gt;
| Bergfettweide (Milchkrautweide) ''Poion alpinae''&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6&lt;br /&gt;
| Grasbrachen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.1&lt;br /&gt;
| Queckenbrache ''Convolvulo-Agropyrion''&lt;br /&gt;
| (ja)&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.2&lt;br /&gt;
| Fiederzwenckenbrache&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.3&lt;br /&gt;
| Fromentalbrache&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.4&lt;br /&gt;
| Pfeifengrasbrache&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.5&lt;br /&gt;
| Reitgrasbrache&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard Wieslandtypen geduengt de.png&lt;br /&gt;
| text = Einteilung des gedüngten Grünlands (Fettwiesen und -weiden). &amp;lt;br/&amp;gt; ° Zahl entspricht gleichzeitig der üblichen Anzahl Nutzungen pro Jahr (+/–1). &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
Im Buch „Lebensräume der Schweiz“ (Delarze et al. 2015) sind die Lebensraumgruppen mit Aussehen und Strukturmerkmalen, biologischen Merkmalen und ökologischen Faktoren beschrieben. Faktenblätter charakterisieren die einzelnen Lebensraumtypen hinsichtlich Aussehens und Ökologie, Beziehung zum Menschen, Ansprache und Abgrenzung, Klassifikation, Kennarten, biologische Werte, ökologische Ansprüche und Gefährdungen und Angaben zur Verbreitung.&lt;br /&gt;
Im Buch „Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas“ (Bosshard 2016) wird in Kapitel 5 die Typologie der Wiesen hergeleitet und eine neue Gliederung für das gedüngte Wiesland vorgeschlagen und erläutert.&lt;br /&gt;
Die Webseite zu den [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/klassifikation.html Lebensräumen der Schweiz (TypoCH)] macht Angaben zu dominanten Arten, Charakterarten und weniger strikt an den Lebensraum gebundenen Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Wiesentypen.png&lt;br /&gt;
| text = Ausgewählte Wiesentypen (von oben links): Halbtrockenrasen, Bergfettwiese, Trockenrasen, Polsterseggenrasen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Prägende Faktoren =&lt;br /&gt;
Welche Pflanzen und Tiere in einem Lebensraum vorkommen, ist einerseits abhängig von standörtlichen Faktoren und ökologischen Wechselwirkungen, andererseits ist die Ausprägung der Lebensräume (ausser bei den Primärlebensräumen) im Grünland stark abhängig von der menschlichen Nutzung. Je nach aktueller und historischer Bewirtschaftungsform fällt sie unterschiedlich aus. Die theoretischen Grundlagen vom Zusammenhang der Standortfaktoren Boden, klimatische Bedingungen, Wasser- und Nährstoffhaushalt mit der Vegetation sind im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pflanzen Artikel zu den Gefässpflanzen] näher ausgeführt.&lt;br /&gt;
Historisch betrachtet ist ein Grossteil der mitteleuropäischen Wiesen aus extensiv genutztem Weideland hervorgegangen. Auf Nicht-Ackerland wurde eine [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Kombination_von_Mahd_und_Beweidung.2C_Fr.C3.BChjahrsvorweide Frühjahrsvorweide] durchgeführt und der nachfolgende Aufwuchs entsprechend erst später im Jahr gemäht. Damit fand eine systemimmanente Aushagerung statt und über eine lange Zeitperiode hinweg war die Nährstoffsituation der die Nutzung limitierende Faktor. Im Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Entstehung_von_Gr.C3.BCnland &amp;quot;Entstehung von Grünland&amp;quot;] wird näher auf die historische Entwicklung eingegangen.&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahrhunderte haben sich verschiedene Tierarten (wiesenbrütende Vögel, bestimmte Tagfalter) hinsichtlich ihrer Reproduktion optimal in die Bewirtschaftungssysteme der alten Dreizelgenwirtschaft eingepasst. Pflanzen entwickelten genetisch bestimmte Eigenschaften und passten sich an lokale Standort- und Nutzungsbedingungen an: es wurden sogenannte Ökotypen hinsichtlich Blühzeitpunkt, Weide- und Mahd Verträglichkeit, Trockenheitstoleranz etc. ausgebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den die Vegetationszusammensetzung bestimmenden abiotischen Faktoren sind Bodenzusammensetzung, hydrologische und klimatische Bedingungen prägend. Witterungsextreme wie Sommerdürre, harte, schneearme Winter oder auch starke Frühjahrsfröste wirken sich ebenfalls stark aus: langanhaltende Trockenperioden können zum Absterben und damit zu einer lückigeren Vegetationsdecke mit Offenbodenstellen führen, welche die erfolgreiche Vermehrung über Samen vieler Arten fördern. Des Weiteren bestimmen auch biotische Faktoren die Vegetationszusammensetzung: viele Arten können jahrelang auf einer Fläche in der Samenbank überdauern, ohne oberirdisch in Erscheinung zu treten. Wiesenpflanzen und Habitat Spezialisten von Trockenwiesen und -weiden (TWW) haben jedoch im Vergleich zu weniger spezialisierten Arten tendenziell eher kurzlebige Samen mit einer Keimfähigkeit von 1-3 Jahren (Guntern et al. 2013).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard einflussfaktoren de.png&lt;br /&gt;
| text = Bosshard (2016) stellt die wesentlichen prägenden abiotischen und biotischen Einflussfaktoren sowie den Einfluss der Bewirtschaftung zur Entstehung und Entwicklung von Wiesland in einer übersichtlichen Grafik dar. &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswirkungen der Bewirtschaftung=&lt;br /&gt;
Art und Intensität der Bewirtschaftung beeinflussen die Artenvielfalt im Grünland stark. Je nach Nutzung und Düngung entstehen Synergien oder Zielkonflikte hinsichtlich Biodiversität: sowohl eine zu intensive als auch eine zu extensive bzw. ausbleibende Nutzung beeinträchtigen die Biodiversität. Profitieren viele Pflanzenarten von der mit der Nutzung (Schnitt, Beweidung) einhergehenden Lichtverfügbarkeit, so wirkt sich eine zunehmende Schnitthäufigkeit negativ aus, indem nur noch wenige Pflanzenarten mit einem häufigen Schnitt umgehen können. Eine hohe floristische und faunistische Vielfalt korreliert in mittleren Lagen mit der Nährstoffarmut von Grünlandlebensräumen (Roth et al. 2013, Schlup et al. 2013).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard nutzungsintensitaet de.png&lt;br /&gt;
| text = Bosshard (2016) veranschaulicht das Ertragspotenzial von Wiesland in Abhängigkeit von der Nutzungsintensität und der Höhenlage. Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die intensive Nutzung ist aus Biodiversitätssicht problematisch, sondern auch ein Ausbleiben der Nutzung in Grünlandlebensräumen, welche auf anthropogene Eingriffe für den Fortbestand angewiesen sind.  Bleibt die Nutzung aus oder ist sie nicht adäquat, so schreitet die Sukzession mehr oder weniger rasch voran (siehe Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Sukzession_und_Bedeutung_des_Gr.C3.BCnlands &amp;quot;Sukzession und Bedeutung des Grünlands&amp;quot;]). Bei falscher oder zu wenig häufiger Nutzung verfilzt die Vegetationsdecke, der Bestand geht zu hoch in den Winter, wodurch weniger Licht auf den Boden gelangt und die Keimung im Frühjahr negativ beeinträchtigt wird. Entsprechend verändert sich die Vegetationszusammensetzung; lichtbedürftigere Arten nehmen ab. Bleibt die Nutzung gänzlich aus, verbuscht und verwaldet ehemals genutztes Grünland unterhalb der alpinen Stufe (ausser Primärlebensräume). Bei diesem Prozess der Verbrachung beginnen Gräser, hochwüchsige Arten und Arten mit hohem Speichervermögen oder unterirdischen Ausläufern zuzunehmen. Die Verwaldung wird bei lückenhaften Beständen, auf produktiven Standorten, beim Vorhandensein von Gehölzen in der Fläche oder angrenzend sowie bei Vorkommen von Gehölzen mit Ausläufern oder leichtfrüchtigen, lichtverträglichen Samen (Bsp. Birken, Pappeln) beschleunigt (Dipner &amp;amp; Volkart 2010).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Anthyllis Bromus.png&lt;br /&gt;
| text = Generell sind Pflanzen mit bodenblattarmen Wuchsformen wie die meisten Gräser (abgebildet ist die Aufrechte Trespe (''Bromus erectus'') häufig schnittempfindlich, wogegen Rosettenpflanzen wie der Wundklee (''Anthyllis vulneraria'') schnitttoleranter sind.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen der Mahd auf Flora und Fauna==&lt;br /&gt;
Bei Mähwiesen beeinflussen die folgenden Bewirtschaftungsfaktoren die Artenvielfalt (in Abhängigkeit von der Pflanzengesellschaft und der Wüchsigkeit): Nutzungszeitpunkte, Nutzungshäufigkeit und v.a. für die Fauna zusätzlich relevant ist die Art der verwendeten Maschinen und Gerätschaften. Generell sind [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pflanzen#Lebensformen Pflanzenarten mit bodenblattarmen Wuchsformen meist schnittempfindlich, wogegen Rosettenpflanzen eher profitieren]; auch kleinwüchsige und konkurrenzschwache Arten sind in nährstoffreicherem Wiesland unterhalb der Baumgrenze auf regelmässige Mahd oder Beweidung angewiesen (Dullau et al. 2012). Auf halbtrockenen bis feuchten Böden gelangt im genutzten Grünland die Wuchsform der Hemikryptophyten zur Dominanz. Werden die Bodenverhältnisse trockener, können sich in den Lücken zwischen diesen Horsten und Rosetten kleine Zwergsträucher und einjährige Frühblüher ansiedeln. Auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gelingt es bei trockenen und mageren Verhältnissen, sich zu behaupten. Die spezielle Morphologie und Physiologie der Gräser lässt sie im mitteleuropäischen Grünland, welches durch seine regelmässige Störung (Mahd und Frass) gekennzeichnet ist, dominieren: Gräser sind ausgesprochen erneuerungsfähig und besitzen zahllose Erneuerungspunkte in Form von Schossen, Verzweigungen, Ausläufern oder Rhizomen. Ihre Samen keimen leicht und rasch und nach der Keimung gelangen die Gräser rasch wieder zur Blüte und Fruchtbildung (Eggenberg et al. 2001).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = graeser als ideale pflanzen des gruenlandes de.png&lt;br /&gt;
| text = Gräser als ideale Pflanzen des Grünlandes. Quelle: Eggenberg, S., Dalang, T., Dipner, M., Mayer, C., 2001: Kartierung und Bewertung der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung. Technischer Bericht. Schriftenreihe Umwelt Nr. 325. Hrsg.: Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Bern. 252 S.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Auswirkungen der Mahd auf die Fauna wird zwischen direkten (durch den Mahd- und Ernteprozess verursachte Schädigungen der Fauna) und den indirekten (durch die Mahd verursachte Veränderungen des Lebensraumes) Wirkungen unterschieden. Durch die Mäh-, Ernte- und Aufbereitungsgeräte (Mähwerke, Futteraufbereiter, Zetter etc.) werden viele Klein- und Jungtiere bei der Bewirtschaftung verletzt oder getötet. Dieselbe Gefahr geht vom wiederkehrenden Befahren der Flächen mit den Maschinen (schwerere Geräte mit breiterer Bereifung) aus. Die direkt durch die Mahd verursachte Sterblichkeit steigt bei den einzelnen Tierarten mit der Körpergrösse und -empfindlichkeit und sinkt mit zunehmender Mobilität; des Weiteren ist das Ausmass der Verluste abhängig vom Fluchtverhalten und –vermögen, dem Aufenthaltsort zum Eingriffszeitpunkt sowie der Art und den Einstellungen des Mähwerks. Indirekt werden die Kleintiere durch Nahrungsmangel, fehlende Deckung, fehlende Nischen für Fortpflanzung oder Schlafplatz, Zerstörung von Strukturen (bspw. Spinnennetze, Ameisenhaufen) und den Verlust von Mikrohabitaten geschädigt. Jedoch weist eine gemähte Fläche für Arthropoden und gewisse Vögel günstigere thermische und physische Bedingungen (z.B. für die Eiablage und Larval Entwicklung oder einfacheren Zugang zu Futter) auf, was auf längere Sicht einen positiven Effekt auf eine Population haben kann (Braschler et al. 2009). Auch Käfer scheinen vergleichsweise robust auf Schnittregimes zu reagieren, im Gegensatz zu Wanzen, Tagfaltern und Spinnen, auf welche die Mahd einen drastischen negativen Einfluss auf Abundanz und Artenreichtum hat (Humbert 2010).&lt;br /&gt;
Beim Abtransport des Mahdguts wird wiederum ein Teil der tierischen Biomasse mitentfernt, wobei die Silage zu deutlich höheren Vernichtungsraten führt als Heuen und Emden. &lt;br /&gt;
Die Mahd ist ein notwendiger Eingriff zur Offenhaltung, trägt zu einer vielfältigeren Flora bei und schafft Lebensraum für eine reiche Fauna. Die obengenannten direkten und indirekten Auswirkungen stellen für viele Tierarten jedoch einen gravierenden Eingriff dar und mit zunehmender Schnittfrequenz nimmt die Artenzahl deutlich ab. Arten, welche mehr Generationen pro Jahr haben, sind gegenüber Schnitt weniger empfindlich, als solche mit nur einer Generation, da sie zwischen zwei Schnitten eher einen ganzen Entwicklungszyklus durchlaufen können (Walter et al. 2007). &lt;br /&gt;
Wie die Mahd- und Ernteschritte biodiversitätsfreundlich ausgestaltet werden können, wird in Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimale_Mahdnutzung Erhalt und Aufwertung durch optimale Mahdnutzung] ausgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen des Schnittzeitpunktes auf Flora und Fauna==&lt;br /&gt;
Der Nutzungszeitpunkt hat einen wesentlichen Einfluss auf die Menge und Qualität des Schnittgutes sowie auf die Zusammensetzung des Pflanzenbestandes. Die meisten Wiesenpflanzen sind in ihrer Phänologie sehr gut an die traditionellen Mahdtermine angepasst, tolerieren einen ersten Schnitt im Juni und kommen regelmässig zur Blüte und auch zur Fruchtreife; es sind dies Arten mit vegetativer Vermehrungsmöglichkeit oder solche, die im zweiten Aufwuchs blühen und Samen produzieren können. Die aktuell üblichen Schnitttermine in Biodiversitätsförderflächen sind der [[Media:Agridea 2023 Biodiversitaetsfoerderung Wegleitung 1200dpi.pdf|Agridea-Broschüre «Biodiversitätsförderung auf dem Landwirtschaftsbetrieb – Wegleitung» (Agridea 2023)]] zu entnehmen. Eine sehr frühzeitige Mahd oder zu häufige Nutzung kann die Regenerationsfähigkeit von Wiesenpflanzen überfordern, was sich meist erst nach einigen Jahren zeigt.&lt;br /&gt;
Neben dem Schnittzeitpunkt beeinflusst auch das Nutzungsintervall, ob und welche Arten sich erfolgreich vermehren können: wenn nach der ersten Nutzung die zweite Nutzung frühestens sechs bis acht Wochen später erfolgt, können viele Arten einer zweischürigen Wiese noch zur Fruchtreife gelangen. Wird hingegen der Abstand zwischen den beiden Mahdterminen um zwei oder mehr Wochen verkürzt, kommen innerhalb eines Jahres nur noch ca. die Hälfte der Arten zur Fruchtreife (Poschlod 2011).&lt;br /&gt;
Erfolgt die erste Mahd erst nach der Ausbildung reifer Früchte (Samen), gelangen die meisten Arten nicht nochmals ins Blüh- und Fruchtstadium – daher können sich spät gemähte Wiesen langfristig im Hochsommer genauso blütenarm wie Grünlandbrachen präsentieren (in Abhängigkeit von der Vegetationszusammensetzung und den Temperaturbedingungen am entsprechenden Standort). Späte Schnitttermine in nährstoffärmeren Wiesen führen häufig zur einseitigen Vergrasung mit Obergräsern und der Keimhorizont wird lichtärmer, wodurch niedrigwüchsige, konkurrenzschwache Arten verdrängt werden. Für die längerfristige Bestandesentwicklung sind die Veränderungen im ersten Aufwuchs entscheidend. Eine nährstoffreiche Wiese, welche spät, wenig oder gar nicht genutzt wird, hat die Tendenz zur Verunkrautung (Schmid et al. 2007).&lt;br /&gt;
Auch für die Fauna entscheiden die Nutzungszeitpunkte darüber, ob die Fortpflanzungszyklen abgeschlossen werden können (Buri et al. 2013, 2014). Die Habitatansprüche und somit auch die Ansprüche an die Mahdzeitpunkte mit erfolgreicher Reproduktionsmöglichkeit sind für jede Art oder Artengruppe wie auch bei den Pflanzen unterschiedlich. So ist für viele Wiesenbrüter ein Sommerschnitt nach der Schlüpfzeit der Jungen vorteilhaft, hingegen werden Spinnen dadurch mehr dezimiert als bei einem Frühjahrs- oder Herbstschnitt. Für Tagfalter und Widderchen führt Poschlod (2011) Ergebnisse aus verschiedenen Studien bezüglich der optimalen Schnittzeitpunkte zusammen. Zwischen zwei Nutzungszeitpunkten sollten aus faunistischer Sicht zehn Wochen Abstand liegen (Walter et al. 2007). Das Vorkommen möglichst verschiedener Nutzungen und Nutzungstermine in einem Gebiet wirkt sich positiv auf die Fortpflanzung vieler Arten und damit die Biodiversität aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Praxisbeispiel: Auswirkungen verschiedener Schnittverfahren auf die Vegetation von ungedüngten Fromental- und Magerwiesen''' &amp;lt;br /&amp;gt; Agrofutura hat in einem mehrjährigen Versuch verschiedene Schnittregimes auf einer Fromentalwiese und auf einer zweischürigen Magerwiese angewandt. Dabei wurden die Heuschnittzeitpunkte (25.5. / 15.6. / 15.7.) und auf der Magerwiese der Emdschnittzeitpunkt variiert (kein Emdschnitt, frühes Emd Mitte August, spätes Emd Mitte September). Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass beide Wiesentypen gegenüber den Veränderungen des Schnittzeitpunktes sehr resilient sind und auf Vegetationsniveau bisher kaum Veränderungen festgestellt wurden. Allerdings profitierten tendenziell einige spätblühende, grosse Kräuter sowie hochwachsende Gräser von einem späten Schnitt Mitte Juli. Die Emdschnittverfahren führten dagegen im Unterschied zu den Heuschnittverfahren zu klaren Änderungen in der Vegetation: von einem Auslassen des Emdschnitts profitierten v.a. die grosswüchsigen Gräser (''Bromus erectus'', ''Arrhenatherum elatius'') auf Kosten der kleinen Kräuter und der Leguminosen. Das Auslassen des zweiten Schnitts führte also zu einer Vergrasung der Wiese. Ein später Emdschnitt Mitte September führte zur gegenteiligen Entwicklung; eine Vergrasung des Bestandes und die Abnahme der Kräuter wird damit verhindert, kleine Gräser und Seggen sowie Leguminosen nahmen zu. Deutlich war auch der Unterschied zwischen Emdschnittzeitpunkt Mitte August oder Mitte September: je höher die Vegetation im Herbst (also je früher der Emdschnittzeitpunkt liegt), desto weniger Licht erreicht im Frühling den Boden. Geht ein Bestand zu hoch in den Winter, bildet sich ein Grasfilz, der im Frühjahr sehr wenig Licht auf den Boden lässt und die Kräuter am Keimen und Wachsen hindert. Zweischürige Magerwiesen könnten demnach mit einem späten Emdschnitt aufgewertet und das Blütenangebot deutlich erhöht werden – zurzeit ist noch unklar, ob sich die Erkenntnisse auch auf nährstoffreichere Wiesen übertragen lassen. Ein später Emdschnitt scheint für Kräuter klar vorteilhaft zu sein, was insbesondere durch die klimatisch bedingte, immer länger werdende Vegetationsperiode von Bedeutung sein kann (Landolt &amp;amp; Lüthy 2018).&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Weitere Informationen''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Mahd auf die Flora sind im [http://gruenlandleitfaden.offenlandinfo.de/management/massnahmen-und-wirkung/mahd/ Grünlandleitfaden] beschrieben. &lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Mahd auf die Fauna: Van de Poel &amp;amp; Zehm (2014) haben zur Wirkung der Mahd auf die Wiesenfauna eine Literaturauswertung für den Naturschutz vorgenommen. &lt;br /&gt;
* Ergebnisse aus verschiedenen Untersuchungen liefern Walter et al. 2007, Humbert et al. 2009, Humbert et al. 2010, Humbert 2010. &lt;br /&gt;
* Im Agridea-Merkblatt von Schiess-Bühler et al. (2011) sind die Auswirkungen der Erntetechniken auf die Artenvielfalt in Wiesen zusammengefasst und Empfehlungen aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen der Beweidung==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Beweidung mit Ziegen as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Mit der &amp;quot;richtigen&amp;quot; Beweidung können Lebensräume und Arten aufgewertet und gefördert werden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen informativen Überblick zu den Auswirkungen einer durch Beweidung auf Boden, Flora und Fauna gibt der [http://gruenlandleitfaden.offenlandinfo.de/management/massnahmen-und-wirkung/beweidung/ Grünlandleitfaden]. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie eine Mahd, wirkt auch eine Beweidung selektiv auf ihre jeweilige Artengemeinschaften. Bei einer höheren Nutzungsfrequenz (mittelintensive Weide) wird die Vegetation durch die Beweidung niedriger gehalten und es gelangt mehr Licht in tiefere Vegetationsschichten. In dieselbe Richtung wirkt der Tritt der Herbivoren und ihr selektiver Frass: lokal werden unterschiedliche Nischen und Keimstellen für Pflanzen geschaffen, die offenen Bodenstellen sind für Arthropoden attraktiv und die dauernd stehende Vegetation bietet ihnen Lebensraum und Winterquartiere. Bosshard (2016) führt in Kapitel 2.4.3 die für die Artenvielfalt besonders relevanten Auswirkungen von Mahd im Vergleich zur Beweidung näher aus. Bis zu einem gewissen minimalen Beweidungsdruck gilt, dass die faunistische Artenvielfalt umso höher ist, je geringer die Beweidungsintensität ist. Strukturen wie Gehölze, Steinhaufen, offene Bodenstellen, Wasserlachen, Quellen, Abbruchkanten sind für die Fauna sehr wichtig (Martin et al. 2018). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Erhalt_und_Aufwertung_durch_Beweidung extensive Beweidung] fördert die lokale Heterogenität und die aktive Verbreitung von Pflanzen durch die Weidetiere. Für die Flora sind Art und Intensität einer Beweidung nebst den standörtlichen Gegebenheiten entscheidend: auf einer extensiv beweideten Fläche können sich beweidungsresistente Pflanzenarten wie beispielsweise verholzende, intensiv riechende, giftige, behaarte oder dornige Pflanzen gut halten oder werden sogar gefördert. Auf artenreichen, nährstoffarmen Magerwiesen muss jedoch von einer Beweidung abgeraten werden, da tritt- und frassempfindliche, vor allem ein- bis zweijährige Pflanzenarten zu sehr darunter leiden. Alternativ können Teilflächen mit Vorkommen solcher Arten auch ausgezäunt und besonders gepflegt werden. Generell sollten bisher wertvolle Schnittwiesen keinesfalls beweidet werden. Ausschlaggebend für die Biodiversitätsförderung ist eine dem Standort angepasste Weideführung und -pflege. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf Mähwiesen ist wichtig, dass der Bestand nicht zu hoch in den Winter geht: dadurch werden Nährstoffe akkumuliert und der sich bildende Grasfilz beeinflusst die Artenvielfalt negativ. Dem kann mit einer Herbstweide entgegengewirkt werden. Die ökologischen Auswirkungen und die Anwendung einer Frühjahrsvorweide (Etzen) werden im Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Entstehung_von_Gr.C3.BCnland Entstehung von Grünland] näher beschrieben. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nachfolgende Abbildung gibt eine schematische Übersicht der verschiedenen Lebensraumqualitäten bei Mahd respektive bei Beweidung (Briemle et al. 2014). Hierbei ist zu beachten, dass auch eine sehr kleinteilige Mahd die entsprechenden Merkmale der Weide annähern kann und auch in Mähwiesen Strukturvielfalt hergestellt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = konold briemle de.png&lt;br /&gt;
| text = Teilaspekte der Lebensraumqualität unter Mahd und extensiver Beweidung. Quelle: Briemle et al., 2014: Wiesen und Weiden. Kapitel XI-2.8 in Konold, 1999. Handbuch Naturschutz und Landschaftspflege: Kompendium zu Schutz und Entwicklung von Lebensräumen und Landschaften. Wiley-VCH, Weinheim.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Weitere Informationen'''&lt;br /&gt;
* Im Bericht „Empfehlungen NHG-Weideverträge&amp;quot; (Martin et al. 2018) werden die wichtigsten Empfehlungen zur Beweidung sowie Beweidungsoptimierung beschrieben, des Weiteren sind die Vorgaben für [https://infohabitat.ch/wp-content/uploads/2019/01/Empfehlungen-NHG-Weidevertrage_180731.pdf BFF-Weiden und die DZV-Vorgaben für Sömmerungsweiden allgemein zusammengefasst].&lt;br /&gt;
* Der [https://docplayer.org/24956821-Themenbericht-extensive-weiden.html Themenbericht „Extensive Weiden“ (Schmid 2003)] erläutert praxisnah die ökologische Wirkung der Beweidung, charakterisiert verschiedene Weide-Tierarten (Rindvieh, Pferde, Schafe, Ziegen, Weitere), gibt Auskunft zur Eignung verschiedener Bewirtschaftungsformen und Weidesysteme, zur Eignung und zum Management einer Beweidung in verschiedenen Lebensräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Pflanzen und Tiere des Grünlands=&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Magerwiese Fettwiese.png&lt;br /&gt;
| text = &amp;quot;Top und Flop&amp;quot; der Biodiversität: Artenreiche und farbenfrohe Magerwiese und monotone Fettwiese.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bandbreite zwischen artenreichem und artenarmem Grünland ist riesig. Generell gehört das Grünland mit bis zu 80 Pflanzenarten pro Quadratmeter potenziell zu den artenreichsten Lebensräumen Europas und bildet für viele Pflanzen- und Tierarten das Haupthabitat. Artenreich sind die extensiv genutzten Grünlandlebensräume: mehr als 900 Tier- und Pflanzenarten der Schweiz sind beispielsweise auf die Trockenwiesen und -weiden (TWW) angewiesen und fast die Hälfte dieser Arten ist gefährdet. Am anderen Ende des Spektrums bietet das Intensivgrünland hingegen für die meisten Tier- und Pflanzengruppen keinerlei Lebensraum mehr. Auf landschaftlicher Ebene betrachtet, spielt das Vorhandensein und die Verteilung verschieden genutzter Grünlandlebensräume eine Rolle, ob das Grünland einer Region insgesamt eine hohe Artenvielfalt aufweist oder nicht.&lt;br /&gt;
Viele Tierarten und -gruppen sind nicht an bestimmte Vegetationstypen gebunden, sondern benötigen i.d.R. ein Nebeneinander verschiedener Habitatstrukturen (Schmidt 2007). Merkmale für die Habitatbindung können die Strukturierung, die Vernetzung, die Flächengrösse oder die räumliche und zeitliche Dynamik eines Lebensraumes sein. Die ökologischen Grundlagen sind in den Artikeln zu den jeweiligen Artengruppen ausgeführt ([https://www.biodivers.ch/de/index.php/Tagfalter Tagfalter], [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Wildbienen Wildbienen], [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Heuschrecken Heuschrecken]). Tagfalter und Heuschrecken sind Artengruppen mit einem hohen Verbreitungsschwerpunkt in Wiesen und Weiden: unter den Tagfaltern können sich 85%, unter den Heuschrecken 80% der in der Schweiz vorkommenden Arten im Grasland entwickeln. Für beide Artengruppen ist von Bedeutung, dass die extensiven Graslandflächen möglichst gross und miteinander vernetzt sind. Zu kleine Habitatflächen sowie die zunehmende Isolation durch grössere Distanzen zwischen den Flächen wirken sich nachteilig auf die Populationsgrössen von Arten und ihre Überlebensfähigkeit aus. Artenreiches Grünland bietet ausserdem für wiesenbrütende Vogelarten einen Brut- und/oder Nahrungslebensraum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In verschiedenen Datenbanken lassen sich die Artvorkommen nach Lebensräumen abfragen:&lt;br /&gt;
* Die [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/biodiversitaetsindikatoren/oeko-fauna-datenbank-auen.html Öko-Fauna-Datenbank] enthält ökologische Informationen zu Arten aus elf verschiedenen Tiergruppen und Angaben zum Trockenwiesen-Kennarten-Status.&lt;br /&gt;
* Umweltziele Landwirtschaft (UZL): In der Liste der [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/oekologischer-ausgleich/umweltziele-landwirtschaft.html UZL-Arten] ist ebenfalls das Vorkommen in Lebensraumtypen (Extensivwiese, Extensivweide) erfasst. &lt;br /&gt;
* Die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten Flora indicativa] umfasst ökologische und biologische Eigenschaften von rund 5500 Gefässpflanzen-, 600 Moos- und 200 Flechtenarten der Flora der Schweiz und der Alpen. Die zugehörige [https://www.wsl.ch/de/metanavigation/services-und-produkte/software-websites-und-apps/flora-indicativa.html Datenbank] ermöglicht ebenfalls Abfragen zu den Lebensräumen.&lt;br /&gt;
* Die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten Fauna indicativa] erfasst ökologische Präferenzen und biologische Eigenschaften aller in der Schweiz einheimischer Libellen-, Heuschrecken-, Laufkäfer- und Tagfalterarten.&lt;br /&gt;
* [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/phytosuisse.html Klassifikation Phytosuisse]: das Nachschlagewerk mit Kurzbeschrieb zu jeder Pflanzengesellschaft (und Klassifikation nach Delarze et al.) befindet sich noch im Aufbau. Unter den Grünlandlebensraumtypen sind erst Angaben zur Gesellschaft «IV – Gebirgsrasen und Schneetälchen» aufgeschaltet.&lt;br /&gt;
* Für die Mähwiesen im Kt. Luzern geben Schmid et al. (2007) Kenn- und Leitarten der Flora und Fauna für verschiedene Wiesentypen an. Für die Lebensräume des Kantons Luzern wurden [https://lawa.lu.ch/Natur/arten/grundlagen/leitarten Leitarten] bezeichnet. &lt;br /&gt;
* Im Schlussbericht zum Nationalen ökologischen Netzwerk REN wurden Zeigerarten-Gilden für verschiedene Lebensraumgruppierungen definiert (Berthoud et al. 2004).&lt;br /&gt;
* Für das gedüngte Grünland weist der [http://www.agraroekologie.ch/SchluesselGeduengteNaturwiesen.xls Vegetationsschlüssel] Leit- und Charakterarten auf (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
* Zahlreiche nützliche Angaben zu Artvorkommen und Negativarten bieten der Kartierbericht sowie die Vollzugshilfe TWW sowie weitere Grundlagen TWW von [https://infohabitat.ch/trockenwiesen-und-weiden/ infohabitat].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland=&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen Grundlagen]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]|| [https://www.faunatur.ch/ faunatur]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Andreas Bosshard || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Jean-Yves Humbert || [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Heiri Schiess ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  André Stapfer ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Markus Staub || [https://www.poel.ch/ Projekte Ökologie Landwirtschaft] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Gaby Volkart || [http://www.ateliernature.ch/atena/francais.php atena]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie&amp;diff=4708</id>
		<title>Grünland/Praxisrelevante Ökologie</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie&amp;diff=4708"/>
				<updated>2023-03-05T09:38:18Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: /* Auswirkungen der Beweidung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Ecologie utile pour la pratique]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Halbtrockenrasen as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die blüten- und blumenreichen Halbtrockenrasen sind stark zurückgegangen und sollen deshalb, wie viele weitere Grünland Lebensräume, gefördert werden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Lebensräume des Grünlands=&lt;br /&gt;
Auf die Entstehungsgeschichte und die Entwicklungen des Grünlandes wird im [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Entstehung_von_Gr.C3.BCnland &amp;quot;Entstehung von Grünland&amp;quot;] näher eingegangen. Im vorliegenden Artikel wird für die ungedüngten sowie die nicht-anthropogenen Lebensraumtypen des Grünlands die Klassifikation von Delarze et al. (2015) &amp;lt;ref&amp;gt;Delarze, Raymond; Gonseth, Yves; Eggenberg, Stefan; Vust, Mathias (2015): Lebensräume der Schweiz. Ökologie - Gefährdung - Kennarten. 3., vollst. überarb. Aufl. Bern: Ott.&amp;lt;/ref&amp;gt; übernommen. Das gedüngte Grünland (Fettwiesen und -weiden) wird gemäss Bosshard (2016) &amp;lt;ref&amp;gt;Bosshard, Andreas (2016): Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus. Bern: Haupt Verlag (Bristol-Schriftenreihe, Band 50)&amp;lt;/ref&amp;gt; eingeteilt. Feuchtgebiete, Moore, Waldlichtungen, Ruderalflächen und Pionierfluren werden in separaten Artikeln auf dieser Webseite abgedeckt. Nicht behandelt werden die Grasbrachen. Da es sich oft um Ruderalgesellschaften handelt, werden sie allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt in einem entsprechenden Artikel aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untenstehende Tabelle (nach Delarze et al. 2015) zeigt, welche Lebensräume des Bereichs „Grünland“ nach unserer Einschätzung einen Förderbedarf (siehe Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung &amp;quot;Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung&amp;quot;]) (ja/nein) aufweisen. Hergeleitet wurde diese Einschätzung aus den Angaben zum „Zustand in der Schweiz“ und der Förderbarkeit (anthropogene Schaffung möglich). Mit P = Primärlebensraum sind Lebensraumtypen gekennzeichnet, welche nicht auf einen anthropogenen Einfluss angewiesen sind bzw. mit (P), wenn oberhalb der Waldgrenze i.d.R. keine menschliche Nutzung für das Vorkommen der Lebensraumtypen notwendig ist (Quelle: Delarze et al. 2015). Gefährdungsgrad (G): LC = nicht gefährdet, NT = potenziell gefährdet, VU = verletzlich, EN = stark gefährdet. Regenerationsdauer (R): R2 = 5-10 Jahre, R3 = 10-25 Jahre, R4 = 25-50 Jahre, R5 = 50-200 Jahre (Quelle: Delarze et al. 2015). Für Fettwiesen und -weiden (Nr. 4.5, gekennzeichnet mit *) wird im Artikel die Einteilung nach Bosshard (2016) übernommen. k.A. = keine Angaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Nr.&lt;br /&gt;
! Bezeichnung&lt;br /&gt;
! Förderbedarf&lt;br /&gt;
! Gefährdung&lt;br /&gt;
! Regenerationsdauer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
| Grünland (Naturrasen, Wiesen und Weiden)&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0&lt;br /&gt;
| Kunstrasen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0.1&lt;br /&gt;
| Kunstwiese auf Fruchtfolgeflächen&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0.2&lt;br /&gt;
| Kunstrasen auf Sportplätzen, im Siedlungsraum etc.&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0.3&lt;br /&gt;
| Begrünung in Tieflagen (Strassenböschungen etc.)&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0.4&lt;br /&gt;
| Begrünung in Hochlagen (Skipisten etc.)&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1&lt;br /&gt;
| Pionierfluren auf Felsböden (Felsgrusfluren)&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1.1&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Kalkfels-Pionierflur ''Alysso-Sedion''&lt;br /&gt;
| ja, P&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1.2&lt;br /&gt;
| Kalkfels-Pionierflur des Gebirges (Karstfluren) ''Drabo-Seslerion''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1.3&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Silikatfels-Pionierflur ''Sedo-Veronicion''&lt;br /&gt;
| ja, P&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1.4&lt;br /&gt;
| Silikatfelsgrusflur des Gebirges ''Sedo-Scleranthion''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Trockenrasen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2.1&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Trockenrasen (Kontinentaler Trockenrasen, Innerwallis, Graubünden). ''Stipo-Poion'' und ''Cirsio-Brachypodion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2.2&lt;br /&gt;
| Mitteleuropäische Trockenrasen ''Xerobromion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2.3&lt;br /&gt;
| Insubrischer Trockenrasen ''Diplachnion''&lt;br /&gt;
| (ja)&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2.4&lt;br /&gt;
| Mitteleuropäischer Halbtrockenrasen ''Mesobromion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3&lt;br /&gt;
| Gebirgs-Magerrasen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.1&lt;br /&gt;
| Blaugrashalde ''Seslerion''&lt;br /&gt;
| z.T., (P)&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.2&lt;br /&gt;
| Polsterseggenrasen ''Caricion firmae''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.3&lt;br /&gt;
| Rostseggenhalde ''Caricion ferrugineae''&lt;br /&gt;
| ja, (P)&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.4&lt;br /&gt;
| Windkantenrasen (Nacktriedrasen) ''Elynion''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.5&lt;br /&gt;
| Borstgrasrasen ''Nardion''&lt;br /&gt;
| ja, (P)&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.6&lt;br /&gt;
| Buntschwingelhalde ''Festucion variae''&lt;br /&gt;
| ja, (P)&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.7&lt;br /&gt;
| Krummseggenrasen ''Caricion curvulae''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.4&lt;br /&gt;
| Schneetälchen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.4.1&lt;br /&gt;
| Kalkreiches Schneetälchen ''Arabidion caerulae''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.4.2&lt;br /&gt;
| Kalkarmes Schneetälchen ''Salicion herbaceae''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5*&lt;br /&gt;
| Fettwiesen und -weiden&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5.1*&lt;br /&gt;
| Talfettwiesen (Fromentalwiese) ''Arrhenatherion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| LC bis VU&lt;br /&gt;
| R2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5.2*&lt;br /&gt;
| Bergfettwiese (Goldhaferwiese) ''Polygono-Trisetion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5.3*&lt;br /&gt;
| Talfettweide (Kammgrasweide) ''Cynosurion''&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5.4*&lt;br /&gt;
| Bergfettweide (Milchkrautweide) ''Poion alpinae''&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6&lt;br /&gt;
| Grasbrachen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.1&lt;br /&gt;
| Queckenbrache ''Convolvulo-Agropyrion''&lt;br /&gt;
| (ja)&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.2&lt;br /&gt;
| Fiederzwenckenbrache&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.3&lt;br /&gt;
| Fromentalbrache&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.4&lt;br /&gt;
| Pfeifengrasbrache&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.5&lt;br /&gt;
| Reitgrasbrache&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard Wieslandtypen geduengt de.png&lt;br /&gt;
| text = Einteilung des gedüngten Grünlands (Fettwiesen und -weiden). &amp;lt;br/&amp;gt; ° Zahl entspricht gleichzeitig der üblichen Anzahl Nutzungen pro Jahr (+/–1). &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
Im Buch „Lebensräume der Schweiz“ (Delarze et al. 2015) sind die Lebensraumgruppen mit Aussehen und Strukturmerkmalen, biologischen Merkmalen und ökologischen Faktoren beschrieben. Faktenblätter charakterisieren die einzelnen Lebensraumtypen hinsichtlich Aussehens und Ökologie, Beziehung zum Menschen, Ansprache und Abgrenzung, Klassifikation, Kennarten, biologische Werte, ökologische Ansprüche und Gefährdungen und Angaben zur Verbreitung.&lt;br /&gt;
Im Buch „Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas“ (Bosshard 2016) wird in Kapitel 5 die Typologie der Wiesen hergeleitet und eine neue Gliederung für das gedüngte Wiesland vorgeschlagen und erläutert.&lt;br /&gt;
Die Webseite zu den [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/klassifikation.html Lebensräumen der Schweiz (TypoCH)] macht Angaben zu dominanten Arten, Charakterarten und weniger strikt an den Lebensraum gebundenen Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Wiesentypen.png&lt;br /&gt;
| text = Ausgewählte Wiesentypen (von oben links): Halbtrockenrasen, Bergfettwiese, Trockenrasen, Polsterseggenrasen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Prägende Faktoren =&lt;br /&gt;
Welche Pflanzen und Tiere in einem Lebensraum vorkommen, ist einerseits abhängig von standörtlichen Faktoren und ökologischen Wechselwirkungen, andererseits ist die Ausprägung der Lebensräume (ausser bei den Primärlebensräumen) im Grünland stark abhängig von der menschlichen Nutzung. Je nach aktueller und historischer Bewirtschaftungsform fällt sie unterschiedlich aus. Die theoretischen Grundlagen vom Zusammenhang der Standortfaktoren Boden, klimatische Bedingungen, Wasser- und Nährstoffhaushalt mit der Vegetation sind im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pflanzen Artikel zu den Gefässpflanzen] näher ausgeführt.&lt;br /&gt;
Historisch betrachtet ist ein Grossteil der mitteleuropäischen Wiesen aus extensiv genutztem Weideland hervorgegangen. Auf Nicht-Ackerland wurde eine [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Kombination_von_Mahd_und_Beweidung.2C_Fr.C3.BChjahrsvorweide Frühjahrsvorweide] durchgeführt und der nachfolgende Aufwuchs entsprechend erst später im Jahr gemäht. Damit fand eine systemimmanente Aushagerung statt und über eine lange Zeitperiode hinweg war die Nährstoffsituation der die Nutzung limitierende Faktor. Im Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Entstehung_von_Gr.C3.BCnland &amp;quot;Entstehung von Grünland&amp;quot;] wird näher auf die historische Entwicklung eingegangen.&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahrhunderte haben sich verschiedene Tierarten (wiesenbrütende Vögel, bestimmte Tagfalter) hinsichtlich ihrer Reproduktion optimal in die Bewirtschaftungssysteme der alten Dreizelgenwirtschaft eingepasst. Pflanzen entwickelten genetisch bestimmte Eigenschaften und passten sich an lokale Standort- und Nutzungsbedingungen an: es wurden sogenannte Ökotypen hinsichtlich Blühzeitpunkt, Weide- und Mahd Verträglichkeit, Trockenheitstoleranz etc. ausgebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den die Vegetationszusammensetzung bestimmenden abiotischen Faktoren sind Bodenzusammensetzung, hydrologische und klimatische Bedingungen prägend. Witterungsextreme wie Sommerdürre, harte, schneearme Winter oder auch starke Frühjahrsfröste wirken sich ebenfalls stark aus: langanhaltende Trockenperioden können zum Absterben und damit zu einer lückigeren Vegetationsdecke mit Offenbodenstellen führen, welche die erfolgreiche Vermehrung über Samen vieler Arten fördern. Des Weiteren bestimmen auch biotische Faktoren die Vegetationszusammensetzung: viele Arten können jahrelang auf einer Fläche in der Samenbank überdauern, ohne oberirdisch in Erscheinung zu treten. Wiesenpflanzen und Habitat Spezialisten von Trockenwiesen und -weiden (TWW) haben jedoch im Vergleich zu weniger spezialisierten Arten tendenziell eher kurzlebige Samen mit einer Keimfähigkeit von 1-3 Jahren (Guntern et al. 2013).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard einflussfaktoren de.png&lt;br /&gt;
| text = Bosshard (2016) stellt die wesentlichen prägenden abiotischen und biotischen Einflussfaktoren sowie den Einfluss der Bewirtschaftung zur Entstehung und Entwicklung von Wiesland in einer übersichtlichen Grafik dar. &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswirkungen der Bewirtschaftung=&lt;br /&gt;
Art und Intensität der Bewirtschaftung beeinflussen die Artenvielfalt im Grünland stark. Je nach Nutzung und Düngung entstehen Synergien oder Zielkonflikte hinsichtlich Biodiversität: sowohl eine zu intensive als auch eine zu extensive bzw. ausbleibende Nutzung beeinträchtigen die Biodiversität. Profitieren viele Pflanzenarten von der mit der Nutzung (Schnitt, Beweidung) einhergehenden Lichtverfügbarkeit, so wirkt sich eine zunehmende Schnitthäufigkeit negativ aus, indem nur noch wenige Pflanzenarten mit einem häufigen Schnitt umgehen können. Eine hohe floristische und faunistische Vielfalt korreliert in mittleren Lagen mit der Nährstoffarmut von Grünlandlebensräumen (Roth et al. 2013, Schlup et al. 2013).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard nutzungsintensitaet de.png&lt;br /&gt;
| text = Bosshard (2016) veranschaulicht das Ertragspotenzial von Wiesland in Abhängigkeit von der Nutzungsintensität und der Höhenlage. Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die intensive Nutzung ist aus Biodiversitätssicht problematisch, sondern auch ein Ausbleiben der Nutzung in Grünlandlebensräumen, welche auf anthropogene Eingriffe für den Fortbestand angewiesen sind.  Bleibt die Nutzung aus oder ist sie nicht adäquat, so schreitet die Sukzession mehr oder weniger rasch voran (siehe Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Sukzession_und_Bedeutung_des_Gr.C3.BCnlands &amp;quot;Sukzession und Bedeutung des Grünlands&amp;quot;]). Bei falscher oder zu wenig häufiger Nutzung verfilzt die Vegetationsdecke, der Bestand geht zu hoch in den Winter, wodurch weniger Licht auf den Boden gelangt und die Keimung im Frühjahr negativ beeinträchtigt wird. Entsprechend verändert sich die Vegetationszusammensetzung; lichtbedürftigere Arten nehmen ab. Bleibt die Nutzung gänzlich aus, verbuscht und verwaldet ehemals genutztes Grünland unterhalb der alpinen Stufe (ausser Primärlebensräume). Bei diesem Prozess der Verbrachung beginnen Gräser, hochwüchsige Arten und Arten mit hohem Speichervermögen oder unterirdischen Ausläufern zuzunehmen. Die Verwaldung wird bei lückenhaften Beständen, auf produktiven Standorten, beim Vorhandensein von Gehölzen in der Fläche oder angrenzend sowie bei Vorkommen von Gehölzen mit Ausläufern oder leichtfrüchtigen, lichtverträglichen Samen (Bsp. Birken, Pappeln) beschleunigt (Dipner &amp;amp; Volkart 2010).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Anthyllis Bromus.png&lt;br /&gt;
| text = Generell sind Pflanzen mit bodenblattarmen Wuchsformen wie die meisten Gräser (abgebildet ist die Aufrechte Trespe (''Bromus erectus'') häufig schnittempfindlich, wogegen Rosettenpflanzen wie der Wundklee (''Anthyllis vulneraria'') schnitttoleranter sind.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen der Mahd auf Flora und Fauna==&lt;br /&gt;
Bei Mähwiesen beeinflussen die folgenden Bewirtschaftungsfaktoren die Artenvielfalt (in Abhängigkeit von der Pflanzengesellschaft und der Wüchsigkeit): Nutzungszeitpunkte, Nutzungshäufigkeit und v.a. für die Fauna zusätzlich relevant ist die Art der verwendeten Maschinen und Gerätschaften. Generell sind [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pflanzen#Lebensformen Pflanzenarten mit bodenblattarmen Wuchsformen meist schnittempfindlich, wogegen Rosettenpflanzen eher profitieren]; auch kleinwüchsige und konkurrenzschwache Arten sind in nährstoffreicherem Wiesland unterhalb der Baumgrenze auf regelmässige Mahd oder Beweidung angewiesen (Dullau et al. 2012). Auf halbtrockenen bis feuchten Böden gelangt im genutzten Grünland die Wuchsform der Hemikryptophyten zur Dominanz. Werden die Bodenverhältnisse trockener, können sich in den Lücken zwischen diesen Horsten und Rosetten kleine Zwergsträucher und einjährige Frühblüher ansiedeln. Auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gelingt es bei trockenen und mageren Verhältnissen, sich zu behaupten. Die spezielle Morphologie und Physiologie der Gräser lässt sie im mitteleuropäischen Grünland, welches durch seine regelmässige Störung (Mahd und Frass) gekennzeichnet ist, dominieren: Gräser sind ausgesprochen erneuerungsfähig und besitzen zahllose Erneuerungspunkte in Form von Schossen, Verzweigungen, Ausläufern oder Rhizomen. Ihre Samen keimen leicht und rasch und nach der Keimung gelangen die Gräser rasch wieder zur Blüte und Fruchtbildung (Eggenberg et al. 2001).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = graeser als ideale pflanzen des gruenlandes de.png&lt;br /&gt;
| text = Gräser als ideale Pflanzen des Grünlandes. Quelle: Eggenberg, S., Dalang, T., Dipner, M., Mayer, C., 2001: Kartierung und Bewertung der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung. Technischer Bericht. Schriftenreihe Umwelt Nr. 325. Hrsg.: Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Bern. 252 S.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Auswirkungen der Mahd auf die Fauna wird zwischen direkten (durch den Mahd- und Ernteprozess verursachte Schädigungen der Fauna) und den indirekten (durch die Mahd verursachte Veränderungen des Lebensraumes) Wirkungen unterschieden. Durch die Mäh-, Ernte- und Aufbereitungsgeräte (Mähwerke, Futteraufbereiter, Zetter etc.) werden viele Klein- und Jungtiere bei der Bewirtschaftung verletzt oder getötet. Dieselbe Gefahr geht vom wiederkehrenden Befahren der Flächen mit den Maschinen (schwerere Geräte mit breiterer Bereifung) aus. Die direkt durch die Mahd verursachte Sterblichkeit steigt bei den einzelnen Tierarten mit der Körpergrösse und -empfindlichkeit und sinkt mit zunehmender Mobilität; des Weiteren ist das Ausmass der Verluste abhängig vom Fluchtverhalten und –vermögen, dem Aufenthaltsort zum Eingriffszeitpunkt sowie der Art und den Einstellungen des Mähwerks. Indirekt werden die Kleintiere durch Nahrungsmangel, fehlende Deckung, fehlende Nischen für Fortpflanzung oder Schlafplatz, Zerstörung von Strukturen (bspw. Spinnennetze, Ameisenhaufen) und den Verlust von Mikrohabitaten geschädigt. Jedoch weist eine gemähte Fläche für Arthropoden und gewisse Vögel günstigere thermische und physische Bedingungen (z.B. für die Eiablage und Larval Entwicklung oder einfacheren Zugang zu Futter) auf, was auf längere Sicht einen positiven Effekt auf eine Population haben kann (Braschler et al. 2009). Auch Käfer scheinen vergleichsweise robust auf Schnittregimes zu reagieren, im Gegensatz zu Wanzen, Tagfaltern und Spinnen, auf welche die Mahd einen drastischen negativen Einfluss auf Abundanz und Artenreichtum hat (Humbert 2010).&lt;br /&gt;
Beim Abtransport des Mahdguts wird wiederum ein Teil der tierischen Biomasse mitentfernt, wobei die Silage zu deutlich höheren Vernichtungsraten führt als Heuen und Emden. &lt;br /&gt;
Die Mahd ist ein notwendiger Eingriff zur Offenhaltung, trägt zu einer vielfältigeren Flora bei und schafft Lebensraum für eine reiche Fauna. Die obengenannten direkten und indirekten Auswirkungen stellen für viele Tierarten jedoch einen gravierenden Eingriff dar und mit zunehmender Schnittfrequenz nimmt die Artenzahl deutlich ab. Arten, welche mehr Generationen pro Jahr haben, sind gegenüber Schnitt weniger empfindlich, als solche mit nur einer Generation, da sie zwischen zwei Schnitten eher einen ganzen Entwicklungszyklus durchlaufen können (Walter et al. 2007). &lt;br /&gt;
Wie die Mahd- und Ernteschritte biodiversitätsfreundlich ausgestaltet werden können, wird in Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimale_Mahdnutzung Erhalt und Aufwertung durch optimale Mahdnutzung] ausgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen des Schnittzeitpunktes auf Flora und Fauna==&lt;br /&gt;
Der Nutzungszeitpunkt hat einen wesentlichen Einfluss auf die Menge und Qualität des Schnittgutes sowie auf die Zusammensetzung des Pflanzenbestandes. Die meisten Wiesenpflanzen sind in ihrer Phänologie sehr gut an die traditionellen Mahdtermine angepasst, tolerieren einen ersten Schnitt im Juni und kommen regelmässig zur Blüte und auch zur Fruchtreife; es sind dies Arten mit vegetativer Vermehrungsmöglichkeit oder solche, die im zweiten Aufwuchs blühen und Samen produzieren können. Die aktuell üblichen Schnitttermine in Biodiversitätsförderflächen sind der [[Media:Agridea 2023 Biodiversitaetsfoerderung Wegleitung 1200dpi.pdf|Agridea-Broschüre «Biodiversitätsförderung auf dem Landwirtschaftsbetrieb – Wegleitung» (Agridea 2023)]] zu entnehmen. Eine sehr frühzeitige Mahd oder zu häufige Nutzung kann die Regenerationsfähigkeit von Wiesenpflanzen überfordern, was sich meist erst nach einigen Jahren zeigt.&lt;br /&gt;
Neben dem Schnittzeitpunkt beeinflusst auch das Nutzungsintervall, ob und welche Arten sich erfolgreich vermehren können: wenn nach der ersten Nutzung die zweite Nutzung frühestens sechs bis acht Wochen später erfolgt, können viele Arten einer zweischürigen Wiese noch zur Fruchtreife gelangen. Wird hingegen der Abstand zwischen den beiden Mahdterminen um zwei oder mehr Wochen verkürzt, kommen innerhalb eines Jahres nur noch ca. die Hälfte der Arten zur Fruchtreife (Poschlod 2011).&lt;br /&gt;
Erfolgt die erste Mahd erst nach der Ausbildung reifer Früchte (Samen), gelangen die meisten Arten nicht nochmals ins Blüh- und Fruchtstadium – daher können sich spät gemähte Wiesen langfristig im Hochsommer genauso blütenarm wie Grünlandbrachen präsentieren (in Abhängigkeit von der Vegetationszusammensetzung und den Temperaturbedingungen am entsprechenden Standort). Späte Schnitttermine in nährstoffärmeren Wiesen führen häufig zur einseitigen Vergrasung mit Obergräsern und der Keimhorizont wird lichtärmer, wodurch niedrigwüchsige, konkurrenzschwache Arten verdrängt werden. Für die längerfristige Bestandesentwicklung sind die Veränderungen im ersten Aufwuchs entscheidend. Eine nährstoffreiche Wiese, welche spät, wenig oder gar nicht genutzt wird, hat die Tendenz zur Verunkrautung (Schmid et al. 2007).&lt;br /&gt;
Auch für die Fauna entscheiden die Nutzungszeitpunkte darüber, ob die Fortpflanzungszyklen abgeschlossen werden können (Buri et al. 2013, 2014). Die Habitatansprüche und somit auch die Ansprüche an die Mahdzeitpunkte mit erfolgreicher Reproduktionsmöglichkeit sind für jede Art oder Artengruppe wie auch bei den Pflanzen unterschiedlich. So ist für viele Wiesenbrüter ein Sommerschnitt nach der Schlüpfzeit der Jungen vorteilhaft, hingegen werden Spinnen dadurch mehr dezimiert als bei einem Frühjahrs- oder Herbstschnitt. Für Tagfalter und Widderchen führt Poschlod (2011) Ergebnisse aus verschiedenen Studien bezüglich der optimalen Schnittzeitpunkte zusammen. Zwischen zwei Nutzungszeitpunkten sollten aus faunistischer Sicht zehn Wochen Abstand liegen (Walter et al. 2007). Das Vorkommen möglichst verschiedener Nutzungen und Nutzungstermine in einem Gebiet wirkt sich positiv auf die Fortpflanzung vieler Arten und damit die Biodiversität aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Praxisbeispiel: Auswirkungen verschiedener Schnittverfahren auf die Vegetation von ungedüngten Fromental- und Magerwiesen''' &amp;lt;br /&amp;gt; Agrofutura hat in einem mehrjährigen Versuch verschiedene Schnittregimes auf einer Fromentalwiese und auf einer zweischürigen Magerwiese angewandt. Dabei wurden die Heuschnittzeitpunkte (25.5. / 15.6. / 15.7.) und auf der Magerwiese der Emdschnittzeitpunkt variiert (kein Emdschnitt, frühes Emd Mitte August, spätes Emd Mitte September). Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass beide Wiesentypen gegenüber den Veränderungen des Schnittzeitpunktes sehr resilient sind und auf Vegetationsniveau bisher kaum Veränderungen festgestellt wurden. Allerdings profitierten tendenziell einige spätblühende, grosse Kräuter sowie hochwachsende Gräser von einem späten Schnitt Mitte Juli. Die Emdschnittverfahren führten dagegen im Unterschied zu den Heuschnittverfahren zu klaren Änderungen in der Vegetation: von einem Auslassen des Emdschnitts profitierten v.a. die grosswüchsigen Gräser (''Bromus erectus'', ''Arrhenatherum elatius'') auf Kosten der kleinen Kräuter und der Leguminosen. Das Auslassen des zweiten Schnitts führte also zu einer Vergrasung der Wiese. Ein später Emdschnitt Mitte September führte zur gegenteiligen Entwicklung; eine Vergrasung des Bestandes und die Abnahme der Kräuter wird damit verhindert, kleine Gräser und Seggen sowie Leguminosen nahmen zu. Deutlich war auch der Unterschied zwischen Emdschnittzeitpunkt Mitte August oder Mitte September: je höher die Vegetation im Herbst (also je früher der Emdschnittzeitpunkt liegt), desto weniger Licht erreicht im Frühling den Boden. Geht ein Bestand zu hoch in den Winter, bildet sich ein Grasfilz, der im Frühjahr sehr wenig Licht auf den Boden lässt und die Kräuter am Keimen und Wachsen hindert. Zweischürige Magerwiesen könnten demnach mit einem späten Emdschnitt aufgewertet und das Blütenangebot deutlich erhöht werden – zurzeit ist noch unklar, ob sich die Erkenntnisse auch auf nährstoffreichere Wiesen übertragen lassen. Ein später Emdschnitt scheint für Kräuter klar vorteilhaft zu sein, was insbesondere durch die klimatisch bedingte, immer länger werdende Vegetationsperiode von Bedeutung sein kann (Landolt &amp;amp; Lüthy 2018).&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Weitere Informationen''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Mahd auf die Flora sind im [http://gruenlandleitfaden.offenlandinfo.de/management/massnahmen-und-wirkung/mahd/ Grünlandleitfaden] beschrieben. &lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Mahd auf die Fauna: Van de Poel &amp;amp; Zehm (2014) haben zur Wirkung der Mahd auf die Wiesenfauna eine Literaturauswertung für den Naturschutz vorgenommen. &lt;br /&gt;
* Ergebnisse aus verschiedenen Untersuchungen liefern Walter et al. 2007, Humbert et al. 2009, Humbert et al. 2010, Humbert 2010. &lt;br /&gt;
* Im Agridea-Merkblatt von Schiess-Bühler et al. (2011) sind die Auswirkungen der Erntetechniken auf die Artenvielfalt in Wiesen zusammengefasst und Empfehlungen aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen der Beweidung==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Beweidung mit Ziegen as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Mit der &amp;quot;richtigen&amp;quot; Beweidung können Lebensräume und Arten aufgewertet und gefördert werden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen informativen Überblick zu den Auswirkungen einer durch Beweidung auf Boden, Flora und Fauna gibt der [http://gruenlandleitfaden.offenlandinfo.de/management/massnahmen-und-wirkung/beweidung/ Grünlandleitfaden]. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie eine Mahd, wirkt auch eine Beweidung selektiv auf ihre jeweilige Artengemeinschaften. Bei einer höheren Nutzungsfrequenz (mittelintensive Weide) wird die Vegetation durch die Beweidung niedriger gehalten und es gelangt mehr Licht in tiefere Vegetationsschichten. In dieselbe Richtung wirkt der Tritt der Herbivoren und ihr selektiver Frass: lokal werden unterschiedliche Nischen und Keimstellen für Pflanzen geschaffen, die offenen Bodenstellen sind für Arthropoden attraktiv und die dauernd stehende Vegetation bietet ihnen Lebensraum und Winterquartiere. Bosshard (2016) führt in Kapitel 2.4.3 die für die Artenvielfalt besonders relevanten Auswirkungen von Mahd im Vergleich zur Beweidung näher aus. Bis zu einem gewissen minimalen Beweidungsdruck gilt, dass die faunistische Artenvielfalt umso höher ist, je geringer die Beweidungsintensität ist. Strukturen wie Gehölze, Steinhaufen, offene Bodenstellen, Wasserlachen, Quellen, Abbruchkanten sind für die Fauna sehr wichtig (Martin et al. 2018). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Erhalt_und_Aufwertung_durch_Beweidung extensive Beweidung] fördert die lokale Heterogenität und die aktive Verbreitung von Pflanzen durch die Weidetiere. Für die Flora sind Art und Intensität einer Beweidung nebst den standörtlichen Gegebenheiten entscheidend: auf einer extensiv beweideten Fläche können sich beweidungsresistente Pflanzenarten wie beispielsweise verholzende, intensiv riechende, giftige, behaarte oder dornige Pflanzen gut halten oder werden sogar gefördert. Auf artenreichen, nährstoffarmen Magerwiesen muss jedoch von einer Beweidung abgeraten werden, da tritt- und frassempfindliche, vor allem ein- bis zweijährige Pflanzenarten zu sehr darunter leiden. Alternativ können Teilflächen mit Vorkommen solcher Arten auch ausgezäunt und besonders gepflegt werden. Generell sollten bisher wertvolle Schnittwiesen keinesfalls beweidet werden. Ausschlaggebend für die Biodiversitätsförderung ist eine dem Standort angepasste Weideführung und -pflege. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf Mähwiesen ist wichtig, dass der Bestand nicht zu hoch in den Winter geht: dadurch werden Nährstoffe akkumuliert und der sich bildende Grasfilz beeinflusst die Artenvielfalt negativ. Dem kann mit einer Herbstweide entgegengewirkt werden. Die ökologischen Auswirkungen und die Anwendung einer Frühjahrsvorweide (Etzen) werden im Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Entstehung_von_Gr.C3.BCnland Entstehung von Grünland] näher beschrieben. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nachfolgende Abbildung gibt eine schematische Übersicht der verschiedenen Lebensraumqualitäten bei Mahd respektive bei Beweidung (Briemle et al. 2014). Hierbei ist zu beachten, dass auch eine sehr kleinteilige Mahd die entsprechenden Merkmale der Weide annähern kann und auch in Mähwiesen Strukturvielfalt hergestellt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = konold briemle de.png&lt;br /&gt;
| text = Teilaspekte der Lebensraumqualität unter Mahd und extensiver Beweidung. Quelle: Briemle et al., 2014: Wiesen und Weiden. Kapitel XI-2.8 in Konold, 1999. Handbuch Naturschutz und Landschaftspflege: Kompendium zu Schutz und Entwicklung von Lebensräumen und Landschaften. Wiley-VCH, Weinheim.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Weitere Informationen'''&lt;br /&gt;
* Im Bericht „Empfehlungen NHG-Weideverträge&amp;quot; (Martin et al. 2018) werden die wichtigsten Empfehlungen zur Beweidung sowie Beweidungsoptimierung beschrieben, des Weiteren sind die Vorgaben für [https://infohabitat.ch/wp-content/uploads/2019/01/Empfehlungen-NHG-Weidevertrage_180731.pdf BFF-Weiden und die DZV-Vorgaben für Sömmerungsweiden allgemein zusammengefasst].&lt;br /&gt;
* Der [https://docplayer.org/24956821-Themenbericht-extensive-weiden.html Themenbericht „Extensive Weiden“ (Schmid 2003)] erläutert praxisnah die ökologische Wirkung der Beweidung, charakterisiert verschiedene Weide-Tierarten (Rindvieh, Pferde, Schafe, Ziegen, Weitere), gibt Auskunft zur Eignung verschiedener Bewirtschaftungsformen und Weidesysteme, zur Eignung und zum Management einer Beweidung in verschiedenen Lebensräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Pflanzen und Tiere des Grünlands=&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Magerwiese Fettwiese.png&lt;br /&gt;
| text = &amp;quot;Top und Flop&amp;quot; der Biodiversität: Artenreiche und farbenfrohe Magerwiese und monotone Fettwiese.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bandbreite zwischen artenreichem und artenarmem Grünland ist riesig. Generell gehört das Grünland mit bis zu 80 Pflanzenarten pro Quadratmeter potenziell zu den artenreichsten Lebensräumen Europas und bildet für viele Pflanzen- und Tierarten das Haupthabitat. Artenreich sind die extensiv genutzten Grünlandlebensräume: mehr als 900 Tier- und Pflanzenarten der Schweiz sind beispielsweise auf die Trockenwiesen und -weiden (TWW) angewiesen und fast die Hälfte dieser Arten ist gefährdet. Am anderen Ende des Spektrums bietet das Intensivgrünland hingegen für die meisten Tier- und Pflanzengruppen keinerlei Lebensraum mehr. Auf landschaftlicher Ebene betrachtet, spielt das Vorhandensein und die Verteilung verschieden genutzter Grünlandlebensräume eine Rolle, ob das Grünland einer Region insgesamt eine hohe Artenvielfalt aufweist oder nicht.&lt;br /&gt;
Viele Tierarten und -gruppen sind nicht an bestimmte Vegetationstypen gebunden, sondern benötigen i.d.R. ein Nebeneinander verschiedener Habitatstrukturen (Schmidt 2007). Merkmale für die Habitatbindung können die Strukturierung, die Vernetzung, die Flächengrösse oder die räumliche und zeitliche Dynamik eines Lebensraumes sein. Die ökologischen Grundlagen sind in den Artikeln zu den jeweiligen Artengruppen ausgeführt ([https://www.biodivers.ch/de/index.php/Tagfalter Tagfalter], [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Wildbienen Wildbienen], [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Heuschrecken Heuschrecken]). Tagfalter und Heuschrecken sind Artengruppen mit einem hohen Verbreitungsschwerpunkt in Wiesen und Weiden: unter den Tagfaltern können sich 85%, unter den Heuschrecken 80% der in der Schweiz vorkommenden Arten im Grasland entwickeln. Für beide Artengruppen ist von Bedeutung, dass die extensiven Graslandflächen möglichst gross und miteinander vernetzt sind. Zu kleine Habitatflächen sowie die zunehmende Isolation durch grössere Distanzen zwischen den Flächen wirken sich nachteilig auf die Populationsgrössen von Arten und ihre Überlebensfähigkeit aus. Artenreiches Grünland bietet ausserdem für wiesenbrütende Vogelarten einen Brut- und/oder Nahrungslebensraum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In verschiedenen Datenbanken lassen sich die Artvorkommen nach Lebensräumen abfragen:&lt;br /&gt;
* Die [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/biodiversitaetsindikatoren/oeko-fauna-datenbank-auen.html Öko-Fauna-Datenbank] enthält ökologische Informationen zu Arten aus elf verschiedenen Tiergruppen und Angaben zum Trockenwiesen-Kennarten-Status.&lt;br /&gt;
* Umweltziele Landwirtschaft (UZL): In der Liste der [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/oekologischer-ausgleich/umweltziele-landwirtschaft.html UZL-Arten] ist ebenfalls das Vorkommen in Lebensraumtypen (Extensivwiese, Extensivweide) erfasst. &lt;br /&gt;
* Die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten Flora indicativa] umfasst ökologische und biologische Eigenschaften von rund 5500 Gefässpflanzen-, 600 Moos- und 200 Flechtenarten der Flora der Schweiz und der Alpen. Die zugehörige [https://www.wsl.ch/floraindicativa/index_DE Datenbank] ermöglicht ebenfalls Abfragen zu den Lebensräumen.&lt;br /&gt;
* Die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten Fauna indicativa] erfasst ökologische Präferenzen und biologische Eigenschaften aller in der Schweiz einheimischer Libellen-, Heuschrecken-, Laufkäfer- und Tagfalterarten.&lt;br /&gt;
* [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/phytosuisse.html Klassifikation Phytosuisse]: das Nachschlagewerk mit Kurzbeschrieb zu jeder Pflanzengesellschaft (und Klassifikation nach Delarze et al.) befindet sich noch im Aufbau. Unter den Grünlandlebensraumtypen sind erst Angaben zur Gesellschaft «IV – Gebirgsrasen und Schneetälchen» aufgeschaltet.&lt;br /&gt;
* Für die Mähwiesen im Kt. Luzern geben Schmid et al. (2007) Kenn- und Leitarten der Flora und Fauna für verschiedene Wiesentypen an. Für die Lebensräume des Kantons Luzern wurden [https://lawa.lu.ch/Natur/arten/grundlagen/leitarten Leitarten] bezeichnet. &lt;br /&gt;
* Im Schlussbericht zum Nationalen ökologischen Netzwerk REN wurden Zeigerarten-Gilden für verschiedene Lebensraumgruppierungen definiert (Berthoud et al. 2004).&lt;br /&gt;
* Für das gedüngte Grünland weist der [http://www.agraroekologie.ch/SchluesselGeduengteNaturwiesen.xls Vegetationsschlüssel] Leit- und Charakterarten auf (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
* Zahlreiche nützliche Angaben zu Artvorkommen und Negativarten bieten der Kartierbericht sowie die Vollzugshilfe TWW sowie weitere Grundlagen TWW von [https://infohabitat.ch/trockenwiesen-und-weiden/ infohabitat].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland=&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen Grundlagen]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]|| [https://www.faunatur.ch/ faunatur]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Andreas Bosshard || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Jean-Yves Humbert || [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Heiri Schiess ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  André Stapfer ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Markus Staub || [https://www.poel.ch/ Projekte Ökologie Landwirtschaft] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Gaby Volkart || [http://www.ateliernature.ch/atena/francais.php atena]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie&amp;diff=4707</id>
		<title>Grünland/Praxisrelevante Ökologie</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie&amp;diff=4707"/>
				<updated>2023-03-05T09:24:02Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux/Ecologie utile pour la pratique]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Halbtrockenrasen as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die blüten- und blumenreichen Halbtrockenrasen sind stark zurückgegangen und sollen deshalb, wie viele weitere Grünland Lebensräume, gefördert werden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Lebensräume des Grünlands=&lt;br /&gt;
Auf die Entstehungsgeschichte und die Entwicklungen des Grünlandes wird im [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Entstehung_von_Gr.C3.BCnland &amp;quot;Entstehung von Grünland&amp;quot;] näher eingegangen. Im vorliegenden Artikel wird für die ungedüngten sowie die nicht-anthropogenen Lebensraumtypen des Grünlands die Klassifikation von Delarze et al. (2015) &amp;lt;ref&amp;gt;Delarze, Raymond; Gonseth, Yves; Eggenberg, Stefan; Vust, Mathias (2015): Lebensräume der Schweiz. Ökologie - Gefährdung - Kennarten. 3., vollst. überarb. Aufl. Bern: Ott.&amp;lt;/ref&amp;gt; übernommen. Das gedüngte Grünland (Fettwiesen und -weiden) wird gemäss Bosshard (2016) &amp;lt;ref&amp;gt;Bosshard, Andreas (2016): Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus. Bern: Haupt Verlag (Bristol-Schriftenreihe, Band 50)&amp;lt;/ref&amp;gt; eingeteilt. Feuchtgebiete, Moore, Waldlichtungen, Ruderalflächen und Pionierfluren werden in separaten Artikeln auf dieser Webseite abgedeckt. Nicht behandelt werden die Grasbrachen. Da es sich oft um Ruderalgesellschaften handelt, werden sie allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt in einem entsprechenden Artikel aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untenstehende Tabelle (nach Delarze et al. 2015) zeigt, welche Lebensräume des Bereichs „Grünland“ nach unserer Einschätzung einen Förderbedarf (siehe Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung &amp;quot;Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung&amp;quot;]) (ja/nein) aufweisen. Hergeleitet wurde diese Einschätzung aus den Angaben zum „Zustand in der Schweiz“ und der Förderbarkeit (anthropogene Schaffung möglich). Mit P = Primärlebensraum sind Lebensraumtypen gekennzeichnet, welche nicht auf einen anthropogenen Einfluss angewiesen sind bzw. mit (P), wenn oberhalb der Waldgrenze i.d.R. keine menschliche Nutzung für das Vorkommen der Lebensraumtypen notwendig ist (Quelle: Delarze et al. 2015). Gefährdungsgrad (G): LC = nicht gefährdet, NT = potenziell gefährdet, VU = verletzlich, EN = stark gefährdet. Regenerationsdauer (R): R2 = 5-10 Jahre, R3 = 10-25 Jahre, R4 = 25-50 Jahre, R5 = 50-200 Jahre (Quelle: Delarze et al. 2015). Für Fettwiesen und -weiden (Nr. 4.5, gekennzeichnet mit *) wird im Artikel die Einteilung nach Bosshard (2016) übernommen. k.A. = keine Angaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Nr.&lt;br /&gt;
! Bezeichnung&lt;br /&gt;
! Förderbedarf&lt;br /&gt;
! Gefährdung&lt;br /&gt;
! Regenerationsdauer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4&lt;br /&gt;
| Grünland (Naturrasen, Wiesen und Weiden)&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0&lt;br /&gt;
| Kunstrasen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0.1&lt;br /&gt;
| Kunstwiese auf Fruchtfolgeflächen&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0.2&lt;br /&gt;
| Kunstrasen auf Sportplätzen, im Siedlungsraum etc.&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0.3&lt;br /&gt;
| Begrünung in Tieflagen (Strassenböschungen etc.)&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.0.4&lt;br /&gt;
| Begrünung in Hochlagen (Skipisten etc.)&lt;br /&gt;
| nein&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1&lt;br /&gt;
| Pionierfluren auf Felsböden (Felsgrusfluren)&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1.1&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Kalkfels-Pionierflur ''Alysso-Sedion''&lt;br /&gt;
| ja, P&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1.2&lt;br /&gt;
| Kalkfels-Pionierflur des Gebirges (Karstfluren) ''Drabo-Seslerion''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1.3&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Silikatfels-Pionierflur ''Sedo-Veronicion''&lt;br /&gt;
| ja, P&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.1.4&lt;br /&gt;
| Silikatfelsgrusflur des Gebirges ''Sedo-Scleranthion''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Trockenrasen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2.1&lt;br /&gt;
| Wärmeliebende Trockenrasen (Kontinentaler Trockenrasen, Innerwallis, Graubünden). ''Stipo-Poion'' und ''Cirsio-Brachypodion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2.2&lt;br /&gt;
| Mitteleuropäische Trockenrasen ''Xerobromion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2.3&lt;br /&gt;
| Insubrischer Trockenrasen ''Diplachnion''&lt;br /&gt;
| (ja)&lt;br /&gt;
| EN&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.2.4&lt;br /&gt;
| Mitteleuropäischer Halbtrockenrasen ''Mesobromion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3&lt;br /&gt;
| Gebirgs-Magerrasen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.1&lt;br /&gt;
| Blaugrashalde ''Seslerion''&lt;br /&gt;
| z.T., (P)&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.2&lt;br /&gt;
| Polsterseggenrasen ''Caricion firmae''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.3&lt;br /&gt;
| Rostseggenhalde ''Caricion ferrugineae''&lt;br /&gt;
| ja, (P)&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.4&lt;br /&gt;
| Windkantenrasen (Nacktriedrasen) ''Elynion''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.5&lt;br /&gt;
| Borstgrasrasen ''Nardion''&lt;br /&gt;
| ja, (P)&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.6&lt;br /&gt;
| Buntschwingelhalde ''Festucion variae''&lt;br /&gt;
| ja, (P)&lt;br /&gt;
| NT&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.3.7&lt;br /&gt;
| Krummseggenrasen ''Caricion curvulae''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R5&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.4&lt;br /&gt;
| Schneetälchen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.4.1&lt;br /&gt;
| Kalkreiches Schneetälchen ''Arabidion caerulae''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.4.2&lt;br /&gt;
| Kalkarmes Schneetälchen ''Salicion herbaceae''&lt;br /&gt;
| nein, P&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5*&lt;br /&gt;
| Fettwiesen und -weiden&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5.1*&lt;br /&gt;
| Talfettwiesen (Fromentalwiese) ''Arrhenatherion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| LC bis VU&lt;br /&gt;
| R2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5.2*&lt;br /&gt;
| Bergfettwiese (Goldhaferwiese) ''Polygono-Trisetion''&lt;br /&gt;
| ja&lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R3&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5.3*&lt;br /&gt;
| Talfettweide (Kammgrasweide) ''Cynosurion''&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.5.4*&lt;br /&gt;
| Bergfettweide (Milchkrautweide) ''Poion alpinae''&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| LC&lt;br /&gt;
| R2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6&lt;br /&gt;
| Grasbrachen&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.1&lt;br /&gt;
| Queckenbrache ''Convolvulo-Agropyrion''&lt;br /&gt;
| (ja)&lt;br /&gt;
| VU&lt;br /&gt;
| R2&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.2&lt;br /&gt;
| Fiederzwenckenbrache&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.3&lt;br /&gt;
| Fromentalbrache&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.4&lt;br /&gt;
| Pfeifengrasbrache&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 4.6.5&lt;br /&gt;
| Reitgrasbrache&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
| k.A.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard Wieslandtypen geduengt de.png&lt;br /&gt;
| text = Einteilung des gedüngten Grünlands (Fettwiesen und -weiden). &amp;lt;br/&amp;gt; ° Zahl entspricht gleichzeitig der üblichen Anzahl Nutzungen pro Jahr (+/–1). &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen:&lt;br /&gt;
Im Buch „Lebensräume der Schweiz“ (Delarze et al. 2015) sind die Lebensraumgruppen mit Aussehen und Strukturmerkmalen, biologischen Merkmalen und ökologischen Faktoren beschrieben. Faktenblätter charakterisieren die einzelnen Lebensraumtypen hinsichtlich Aussehens und Ökologie, Beziehung zum Menschen, Ansprache und Abgrenzung, Klassifikation, Kennarten, biologische Werte, ökologische Ansprüche und Gefährdungen und Angaben zur Verbreitung.&lt;br /&gt;
Im Buch „Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas“ (Bosshard 2016) wird in Kapitel 5 die Typologie der Wiesen hergeleitet und eine neue Gliederung für das gedüngte Wiesland vorgeschlagen und erläutert.&lt;br /&gt;
Die Webseite zu den [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/typoch/klassifikation.html Lebensräumen der Schweiz (TypoCH)] macht Angaben zu dominanten Arten, Charakterarten und weniger strikt an den Lebensraum gebundenen Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Wiesentypen.png&lt;br /&gt;
| text = Ausgewählte Wiesentypen (von oben links): Halbtrockenrasen, Bergfettwiese, Trockenrasen, Polsterseggenrasen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Prägende Faktoren =&lt;br /&gt;
Welche Pflanzen und Tiere in einem Lebensraum vorkommen, ist einerseits abhängig von standörtlichen Faktoren und ökologischen Wechselwirkungen, andererseits ist die Ausprägung der Lebensräume (ausser bei den Primärlebensräumen) im Grünland stark abhängig von der menschlichen Nutzung. Je nach aktueller und historischer Bewirtschaftungsform fällt sie unterschiedlich aus. Die theoretischen Grundlagen vom Zusammenhang der Standortfaktoren Boden, klimatische Bedingungen, Wasser- und Nährstoffhaushalt mit der Vegetation sind im [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pflanzen Artikel zu den Gefässpflanzen] näher ausgeführt.&lt;br /&gt;
Historisch betrachtet ist ein Grossteil der mitteleuropäischen Wiesen aus extensiv genutztem Weideland hervorgegangen. Auf Nicht-Ackerland wurde eine [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Kombination_von_Mahd_und_Beweidung.2C_Fr.C3.BChjahrsvorweide Frühjahrsvorweide] durchgeführt und der nachfolgende Aufwuchs entsprechend erst später im Jahr gemäht. Damit fand eine systemimmanente Aushagerung statt und über eine lange Zeitperiode hinweg war die Nährstoffsituation der die Nutzung limitierende Faktor. Im Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Entstehung_von_Gr.C3.BCnland &amp;quot;Entstehung von Grünland&amp;quot;] wird näher auf die historische Entwicklung eingegangen.&lt;br /&gt;
Im Lauf der Jahrhunderte haben sich verschiedene Tierarten (wiesenbrütende Vögel, bestimmte Tagfalter) hinsichtlich ihrer Reproduktion optimal in die Bewirtschaftungssysteme der alten Dreizelgenwirtschaft eingepasst. Pflanzen entwickelten genetisch bestimmte Eigenschaften und passten sich an lokale Standort- und Nutzungsbedingungen an: es wurden sogenannte Ökotypen hinsichtlich Blühzeitpunkt, Weide- und Mahd Verträglichkeit, Trockenheitstoleranz etc. ausgebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den die Vegetationszusammensetzung bestimmenden abiotischen Faktoren sind Bodenzusammensetzung, hydrologische und klimatische Bedingungen prägend. Witterungsextreme wie Sommerdürre, harte, schneearme Winter oder auch starke Frühjahrsfröste wirken sich ebenfalls stark aus: langanhaltende Trockenperioden können zum Absterben und damit zu einer lückigeren Vegetationsdecke mit Offenbodenstellen führen, welche die erfolgreiche Vermehrung über Samen vieler Arten fördern. Des Weiteren bestimmen auch biotische Faktoren die Vegetationszusammensetzung: viele Arten können jahrelang auf einer Fläche in der Samenbank überdauern, ohne oberirdisch in Erscheinung zu treten. Wiesenpflanzen und Habitat Spezialisten von Trockenwiesen und -weiden (TWW) haben jedoch im Vergleich zu weniger spezialisierten Arten tendenziell eher kurzlebige Samen mit einer Keimfähigkeit von 1-3 Jahren (Guntern et al. 2013).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard einflussfaktoren de.png&lt;br /&gt;
| text = Bosshard (2016) stellt die wesentlichen prägenden abiotischen und biotischen Einflussfaktoren sowie den Einfluss der Bewirtschaftung zur Entstehung und Entwicklung von Wiesland in einer übersichtlichen Grafik dar. &amp;lt;br/&amp;gt; Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswirkungen der Bewirtschaftung=&lt;br /&gt;
Art und Intensität der Bewirtschaftung beeinflussen die Artenvielfalt im Grünland stark. Je nach Nutzung und Düngung entstehen Synergien oder Zielkonflikte hinsichtlich Biodiversität: sowohl eine zu intensive als auch eine zu extensive bzw. ausbleibende Nutzung beeinträchtigen die Biodiversität. Profitieren viele Pflanzenarten von der mit der Nutzung (Schnitt, Beweidung) einhergehenden Lichtverfügbarkeit, so wirkt sich eine zunehmende Schnitthäufigkeit negativ aus, indem nur noch wenige Pflanzenarten mit einem häufigen Schnitt umgehen können. Eine hohe floristische und faunistische Vielfalt korreliert in mittleren Lagen mit der Nährstoffarmut von Grünlandlebensräumen (Roth et al. 2013, Schlup et al. 2013).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = bosshard nutzungsintensitaet de.png&lt;br /&gt;
| text = Bosshard (2016) veranschaulicht das Ertragspotenzial von Wiesland in Abhängigkeit von der Nutzungsintensität und der Höhenlage. Quelle: Bosshard, A., 2016. Das Naturwiesland der Schweiz und Mitteleuropas. Mit besonderer Berücksichtigung der Fromentalwiesen und des standortgemässen Futterbaus, Bristol-Schriftenreihe Band 50. Haupt Verlag, Bern. © Andreas Bosshard&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die intensive Nutzung ist aus Biodiversitätssicht problematisch, sondern auch ein Ausbleiben der Nutzung in Grünlandlebensräumen, welche auf anthropogene Eingriffe für den Fortbestand angewiesen sind.  Bleibt die Nutzung aus oder ist sie nicht adäquat, so schreitet die Sukzession mehr oder weniger rasch voran (siehe Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Sukzession_und_Bedeutung_des_Gr.C3.BCnlands &amp;quot;Sukzession und Bedeutung des Grünlands&amp;quot;]). Bei falscher oder zu wenig häufiger Nutzung verfilzt die Vegetationsdecke, der Bestand geht zu hoch in den Winter, wodurch weniger Licht auf den Boden gelangt und die Keimung im Frühjahr negativ beeinträchtigt wird. Entsprechend verändert sich die Vegetationszusammensetzung; lichtbedürftigere Arten nehmen ab. Bleibt die Nutzung gänzlich aus, verbuscht und verwaldet ehemals genutztes Grünland unterhalb der alpinen Stufe (ausser Primärlebensräume). Bei diesem Prozess der Verbrachung beginnen Gräser, hochwüchsige Arten und Arten mit hohem Speichervermögen oder unterirdischen Ausläufern zuzunehmen. Die Verwaldung wird bei lückenhaften Beständen, auf produktiven Standorten, beim Vorhandensein von Gehölzen in der Fläche oder angrenzend sowie bei Vorkommen von Gehölzen mit Ausläufern oder leichtfrüchtigen, lichtverträglichen Samen (Bsp. Birken, Pappeln) beschleunigt (Dipner &amp;amp; Volkart 2010).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Anthyllis Bromus.png&lt;br /&gt;
| text = Generell sind Pflanzen mit bodenblattarmen Wuchsformen wie die meisten Gräser (abgebildet ist die Aufrechte Trespe (''Bromus erectus'') häufig schnittempfindlich, wogegen Rosettenpflanzen wie der Wundklee (''Anthyllis vulneraria'') schnitttoleranter sind.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen der Mahd auf Flora und Fauna==&lt;br /&gt;
Bei Mähwiesen beeinflussen die folgenden Bewirtschaftungsfaktoren die Artenvielfalt (in Abhängigkeit von der Pflanzengesellschaft und der Wüchsigkeit): Nutzungszeitpunkte, Nutzungshäufigkeit und v.a. für die Fauna zusätzlich relevant ist die Art der verwendeten Maschinen und Gerätschaften. Generell sind [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pflanzen#Lebensformen Pflanzenarten mit bodenblattarmen Wuchsformen meist schnittempfindlich, wogegen Rosettenpflanzen eher profitieren]; auch kleinwüchsige und konkurrenzschwache Arten sind in nährstoffreicherem Wiesland unterhalb der Baumgrenze auf regelmässige Mahd oder Beweidung angewiesen (Dullau et al. 2012). Auf halbtrockenen bis feuchten Böden gelangt im genutzten Grünland die Wuchsform der Hemikryptophyten zur Dominanz. Werden die Bodenverhältnisse trockener, können sich in den Lücken zwischen diesen Horsten und Rosetten kleine Zwergsträucher und einjährige Frühblüher ansiedeln. Auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gelingt es bei trockenen und mageren Verhältnissen, sich zu behaupten. Die spezielle Morphologie und Physiologie der Gräser lässt sie im mitteleuropäischen Grünland, welches durch seine regelmässige Störung (Mahd und Frass) gekennzeichnet ist, dominieren: Gräser sind ausgesprochen erneuerungsfähig und besitzen zahllose Erneuerungspunkte in Form von Schossen, Verzweigungen, Ausläufern oder Rhizomen. Ihre Samen keimen leicht und rasch und nach der Keimung gelangen die Gräser rasch wieder zur Blüte und Fruchtbildung (Eggenberg et al. 2001).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = graeser als ideale pflanzen des gruenlandes de.png&lt;br /&gt;
| text = Gräser als ideale Pflanzen des Grünlandes. Quelle: Eggenberg, S., Dalang, T., Dipner, M., Mayer, C., 2001: Kartierung und Bewertung der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung. Technischer Bericht. Schriftenreihe Umwelt Nr. 325. Hrsg.: Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Bern. 252 S.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Auswirkungen der Mahd auf die Fauna wird zwischen direkten (durch den Mahd- und Ernteprozess verursachte Schädigungen der Fauna) und den indirekten (durch die Mahd verursachte Veränderungen des Lebensraumes) Wirkungen unterschieden. Durch die Mäh-, Ernte- und Aufbereitungsgeräte (Mähwerke, Futteraufbereiter, Zetter etc.) werden viele Klein- und Jungtiere bei der Bewirtschaftung verletzt oder getötet. Dieselbe Gefahr geht vom wiederkehrenden Befahren der Flächen mit den Maschinen (schwerere Geräte mit breiterer Bereifung) aus. Die direkt durch die Mahd verursachte Sterblichkeit steigt bei den einzelnen Tierarten mit der Körpergrösse und -empfindlichkeit und sinkt mit zunehmender Mobilität; des Weiteren ist das Ausmass der Verluste abhängig vom Fluchtverhalten und –vermögen, dem Aufenthaltsort zum Eingriffszeitpunkt sowie der Art und den Einstellungen des Mähwerks. Indirekt werden die Kleintiere durch Nahrungsmangel, fehlende Deckung, fehlende Nischen für Fortpflanzung oder Schlafplatz, Zerstörung von Strukturen (bspw. Spinnennetze, Ameisenhaufen) und den Verlust von Mikrohabitaten geschädigt. Jedoch weist eine gemähte Fläche für Arthropoden und gewisse Vögel günstigere thermische und physische Bedingungen (z.B. für die Eiablage und Larval Entwicklung oder einfacheren Zugang zu Futter) auf, was auf längere Sicht einen positiven Effekt auf eine Population haben kann (Braschler et al. 2009). Auch Käfer scheinen vergleichsweise robust auf Schnittregimes zu reagieren, im Gegensatz zu Wanzen, Tagfaltern und Spinnen, auf welche die Mahd einen drastischen negativen Einfluss auf Abundanz und Artenreichtum hat (Humbert 2010).&lt;br /&gt;
Beim Abtransport des Mahdguts wird wiederum ein Teil der tierischen Biomasse mitentfernt, wobei die Silage zu deutlich höheren Vernichtungsraten führt als Heuen und Emden. &lt;br /&gt;
Die Mahd ist ein notwendiger Eingriff zur Offenhaltung, trägt zu einer vielfältigeren Flora bei und schafft Lebensraum für eine reiche Fauna. Die obengenannten direkten und indirekten Auswirkungen stellen für viele Tierarten jedoch einen gravierenden Eingriff dar und mit zunehmender Schnittfrequenz nimmt die Artenzahl deutlich ab. Arten, welche mehr Generationen pro Jahr haben, sind gegenüber Schnitt weniger empfindlich, als solche mit nur einer Generation, da sie zwischen zwei Schnitten eher einen ganzen Entwicklungszyklus durchlaufen können (Walter et al. 2007). &lt;br /&gt;
Wie die Mahd- und Ernteschritte biodiversitätsfreundlich ausgestaltet werden können, wird in Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimale_Mahdnutzung Erhalt und Aufwertung durch optimale Mahdnutzung] ausgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen des Schnittzeitpunktes auf Flora und Fauna==&lt;br /&gt;
Der Nutzungszeitpunkt hat einen wesentlichen Einfluss auf die Menge und Qualität des Schnittgutes sowie auf die Zusammensetzung des Pflanzenbestandes. Die meisten Wiesenpflanzen sind in ihrer Phänologie sehr gut an die traditionellen Mahdtermine angepasst, tolerieren einen ersten Schnitt im Juni und kommen regelmässig zur Blüte und auch zur Fruchtreife; es sind dies Arten mit vegetativer Vermehrungsmöglichkeit oder solche, die im zweiten Aufwuchs blühen und Samen produzieren können. Die aktuell üblichen Schnitttermine in Biodiversitätsförderflächen sind der [[Media:Agridea 2023 Biodiversitaetsfoerderung Wegleitung 1200dpi.pdf|Agridea-Broschüre «Biodiversitätsförderung auf dem Landwirtschaftsbetrieb – Wegleitung» (Agridea 2023)]] zu entnehmen. Eine sehr frühzeitige Mahd oder zu häufige Nutzung kann die Regenerationsfähigkeit von Wiesenpflanzen überfordern, was sich meist erst nach einigen Jahren zeigt.&lt;br /&gt;
Neben dem Schnittzeitpunkt beeinflusst auch das Nutzungsintervall, ob und welche Arten sich erfolgreich vermehren können: wenn nach der ersten Nutzung die zweite Nutzung frühestens sechs bis acht Wochen später erfolgt, können viele Arten einer zweischürigen Wiese noch zur Fruchtreife gelangen. Wird hingegen der Abstand zwischen den beiden Mahdterminen um zwei oder mehr Wochen verkürzt, kommen innerhalb eines Jahres nur noch ca. die Hälfte der Arten zur Fruchtreife (Poschlod 2011).&lt;br /&gt;
Erfolgt die erste Mahd erst nach der Ausbildung reifer Früchte (Samen), gelangen die meisten Arten nicht nochmals ins Blüh- und Fruchtstadium – daher können sich spät gemähte Wiesen langfristig im Hochsommer genauso blütenarm wie Grünlandbrachen präsentieren (in Abhängigkeit von der Vegetationszusammensetzung und den Temperaturbedingungen am entsprechenden Standort). Späte Schnitttermine in nährstoffärmeren Wiesen führen häufig zur einseitigen Vergrasung mit Obergräsern und der Keimhorizont wird lichtärmer, wodurch niedrigwüchsige, konkurrenzschwache Arten verdrängt werden. Für die längerfristige Bestandesentwicklung sind die Veränderungen im ersten Aufwuchs entscheidend. Eine nährstoffreiche Wiese, welche spät, wenig oder gar nicht genutzt wird, hat die Tendenz zur Verunkrautung (Schmid et al. 2007).&lt;br /&gt;
Auch für die Fauna entscheiden die Nutzungszeitpunkte darüber, ob die Fortpflanzungszyklen abgeschlossen werden können (Buri et al. 2013, 2014). Die Habitatansprüche und somit auch die Ansprüche an die Mahdzeitpunkte mit erfolgreicher Reproduktionsmöglichkeit sind für jede Art oder Artengruppe wie auch bei den Pflanzen unterschiedlich. So ist für viele Wiesenbrüter ein Sommerschnitt nach der Schlüpfzeit der Jungen vorteilhaft, hingegen werden Spinnen dadurch mehr dezimiert als bei einem Frühjahrs- oder Herbstschnitt. Für Tagfalter und Widderchen führt Poschlod (2011) Ergebnisse aus verschiedenen Studien bezüglich der optimalen Schnittzeitpunkte zusammen. Zwischen zwei Nutzungszeitpunkten sollten aus faunistischer Sicht zehn Wochen Abstand liegen (Walter et al. 2007). Das Vorkommen möglichst verschiedener Nutzungen und Nutzungstermine in einem Gebiet wirkt sich positiv auf die Fortpflanzung vieler Arten und damit die Biodiversität aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;table border=&amp;quot;0&amp;quot;,  style=&amp;quot;font-size:108%&amp;quot;&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;td&amp;gt; '''Praxisbeispiel: Auswirkungen verschiedener Schnittverfahren auf die Vegetation von ungedüngten Fromental- und Magerwiesen''' &amp;lt;br /&amp;gt; Agrofutura hat in einem mehrjährigen Versuch verschiedene Schnittregimes auf einer Fromentalwiese und auf einer zweischürigen Magerwiese angewandt. Dabei wurden die Heuschnittzeitpunkte (25.5. / 15.6. / 15.7.) und auf der Magerwiese der Emdschnittzeitpunkt variiert (kein Emdschnitt, frühes Emd Mitte August, spätes Emd Mitte September). Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass beide Wiesentypen gegenüber den Veränderungen des Schnittzeitpunktes sehr resilient sind und auf Vegetationsniveau bisher kaum Veränderungen festgestellt wurden. Allerdings profitierten tendenziell einige spätblühende, grosse Kräuter sowie hochwachsende Gräser von einem späten Schnitt Mitte Juli. Die Emdschnittverfahren führten dagegen im Unterschied zu den Heuschnittverfahren zu klaren Änderungen in der Vegetation: von einem Auslassen des Emdschnitts profitierten v.a. die grosswüchsigen Gräser (''Bromus erectus'', ''Arrhenatherum elatius'') auf Kosten der kleinen Kräuter und der Leguminosen. Das Auslassen des zweiten Schnitts führte also zu einer Vergrasung der Wiese. Ein später Emdschnitt Mitte September führte zur gegenteiligen Entwicklung; eine Vergrasung des Bestandes und die Abnahme der Kräuter wird damit verhindert, kleine Gräser und Seggen sowie Leguminosen nahmen zu. Deutlich war auch der Unterschied zwischen Emdschnittzeitpunkt Mitte August oder Mitte September: je höher die Vegetation im Herbst (also je früher der Emdschnittzeitpunkt liegt), desto weniger Licht erreicht im Frühling den Boden. Geht ein Bestand zu hoch in den Winter, bildet sich ein Grasfilz, der im Frühjahr sehr wenig Licht auf den Boden lässt und die Kräuter am Keimen und Wachsen hindert. Zweischürige Magerwiesen könnten demnach mit einem späten Emdschnitt aufgewertet und das Blütenangebot deutlich erhöht werden – zurzeit ist noch unklar, ob sich die Erkenntnisse auch auf nährstoffreichere Wiesen übertragen lassen. Ein später Emdschnitt scheint für Kräuter klar vorteilhaft zu sein, was insbesondere durch die klimatisch bedingte, immer länger werdende Vegetationsperiode von Bedeutung sein kann (Landolt &amp;amp; Lüthy 2018).&amp;lt;/td&amp;gt; &lt;br /&gt;
 &amp;lt;/tr&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/table&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Weitere Informationen''' &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Mahd auf die Flora sind im [http://gruenlandleitfaden.offenlandinfo.de/management/massnahmen-und-wirkung/mahd/ Grünlandleitfaden] beschrieben. &lt;br /&gt;
* Auswirkungen der Mahd auf die Fauna: Van de Poel &amp;amp; Zehm (2014) haben zur Wirkung der Mahd auf die Wiesenfauna eine Literaturauswertung für den Naturschutz vorgenommen. &lt;br /&gt;
* Ergebnisse aus verschiedenen Untersuchungen liefern Walter et al. 2007, Humbert et al. 2009, Humbert et al. 2010, Humbert 2010. &lt;br /&gt;
* Im Agridea-Merkblatt von Schiess-Bühler et al. (2011) sind die Auswirkungen der Erntetechniken auf die Artenvielfalt in Wiesen zusammengefasst und Empfehlungen aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen der Beweidung==&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Beweidung mit Ziegen as 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Mit der &amp;quot;richtigen&amp;quot; Beweidung können Lebensräume und Arten aufgewertet und gefördert werden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen informativen Überblick zu den Auswirkungen einer durch Beweidung auf Boden, Flora und Fauna gibt der [http://gruenlandleitfaden.offenlandinfo.de/management/massnahmen-und-wirkung/beweidung/ Grünlandleitfaden]. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie eine Mahd, wirkt auch eine Beweidung selektiv auf ihre jeweilige Artengemeinschaften. Bei einer höheren Nutzungsfrequenz (mittelintensive Weide) wird die Vegetation durch die Beweidung niedriger gehalten und es gelangt mehr Licht in tiefere Vegetationsschichten. In dieselbe Richtung wirkt der Tritt der Herbivoren und ihr selektiver Frass: lokal werden unterschiedliche Nischen und Keimstellen für Pflanzen geschaffen, die offenen Bodenstellen sind für Arthropoden attraktiv und die dauernd stehende Vegetation bietet ihnen Lebensraum und Winterquartiere. Bosshard (2016) führt in Kapitel 2.4.3 die für die Artenvielfalt besonders relevanten Auswirkungen von Mahd im Vergleich zur Beweidung näher aus. Bis zu einem gewissen minimalen Beweidungsdruck gilt, dass die faunistische Artenvielfalt umso höher ist, je geringer die Beweidungsintensität ist. Strukturen wie Gehölze, Steinhaufen, offene Bodenstellen, Wasserlachen, Quellen, Abbruchkanten sind für die Fauna sehr wichtig (Martin et al. 2018). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung#Erhalt_und_Aufwertung_durch_Beweidung extensive Beweidung] fördert die lokale Heterogenität und die aktive Verbreitung von Pflanzen durch die Weidetiere. Für die Flora sind Art und Intensität einer Beweidung nebst den standörtlichen Gegebenheiten entscheidend: auf einer extensiv beweideten Fläche können sich beweidungsresistente Pflanzenarten wie beispielsweise verholzende, intensiv riechende, giftige, behaarte oder dornige Pflanzen gut halten oder werden sogar gefördert. Auf artenreichen, nährstoffarmen Magerwiesen muss jedoch von einer Beweidung abgeraten werden, da tritt- und frassempfindliche, vor allem ein- bis zweijährige Pflanzenarten zu sehr darunter leiden. Alternativ können Teilflächen mit Vorkommen solcher Arten auch ausgezäunt und besonders gepflegt werden. Generell sollten bisher wertvolle Schnittwiesen keinesfalls beweidet werden. Ausschlaggebend für die Biodiversitätsförderung ist eine dem Standort angepasste Weideführung und -pflege. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auf Mähwiesen ist wichtig, dass der Bestand nicht zu hoch in den Winter geht: dadurch werden Nährstoffe akkumuliert und der sich bildende Grasfilz beeinflusst die Artenvielfalt negativ. Dem kann mit einer Herbstweide entgegengewirkt werden. Die ökologischen Auswirkungen und die Anwendung einer Frühjahrsvorweide (Etzen) werden im Kapitel [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen#Entstehung_von_Gr.C3.BCnland Entstehung von Grünland] näher beschrieben. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nachfolgende Abbildung gibt eine schematische Übersicht der verschiedenen Lebensraumqualitäten bei Mahd respektive bei Beweidung (Briemle et al. 2014). Hierbei ist zu beachten, dass auch eine sehr kleinteilige Mahd die entsprechenden Merkmale der Weide annähern kann und auch in Mähwiesen Strukturvielfalt hergestellt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = konold briemle de.png&lt;br /&gt;
| text = Teilaspekte der Lebensraumqualität unter Mahd und extensiver Beweidung. Quelle: Briemle et al., 2014: Wiesen und Weiden. Kapitel XI-2.8 in Konold, 1999. Handbuch Naturschutz und Landschaftspflege: Kompendium zu Schutz und Entwicklung von Lebensräumen und Landschaften. Wiley-VCH, Weinheim.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Weitere Informationen'''&lt;br /&gt;
* Im Bericht „Empfehlungen NHG-Weideverträge&amp;quot; (Martin et al. 2018) werden die wichtigsten Empfehlungen zur Beweidung sowie Beweidungsoptimierung beschrieben, des Weiteren sind die Vorgaben für [https://infohabitat.ch/wp-content/uploads/2019/01/Empfehlungen-NHG-Weidevertrage_180731.pdf BFF-Weiden und die DZV-Vorgaben für Sömmerungsweiden allgemein zusammengefasst].&lt;br /&gt;
* Der [http://www.poel.ch/pdf/Weidebericht_relais.pdf Themenbericht „Extensive Weiden“ (Schmid 2003)] erläutert praxisnah die ökologische Wirkung der Beweidung, charakterisiert verschiedene Weide-Tierarten (Rindvieh, Pferde, Schafe, Ziegen, Weitere), gibt Auskunft zur Eignung verschiedener Bewirtschaftungsformen und Weidesysteme, zur Eignung und zum Management einer Beweidung in verschiedenen Lebensräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Pflanzen und Tiere des Grünlands=&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Magerwiese Fettwiese.png&lt;br /&gt;
| text = &amp;quot;Top und Flop&amp;quot; der Biodiversität: Artenreiche und farbenfrohe Magerwiese und monotone Fettwiese.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bandbreite zwischen artenreichem und artenarmem Grünland ist riesig. Generell gehört das Grünland mit bis zu 80 Pflanzenarten pro Quadratmeter potenziell zu den artenreichsten Lebensräumen Europas und bildet für viele Pflanzen- und Tierarten das Haupthabitat. Artenreich sind die extensiv genutzten Grünlandlebensräume: mehr als 900 Tier- und Pflanzenarten der Schweiz sind beispielsweise auf die Trockenwiesen und -weiden (TWW) angewiesen und fast die Hälfte dieser Arten ist gefährdet. Am anderen Ende des Spektrums bietet das Intensivgrünland hingegen für die meisten Tier- und Pflanzengruppen keinerlei Lebensraum mehr. Auf landschaftlicher Ebene betrachtet, spielt das Vorhandensein und die Verteilung verschieden genutzter Grünlandlebensräume eine Rolle, ob das Grünland einer Region insgesamt eine hohe Artenvielfalt aufweist oder nicht.&lt;br /&gt;
Viele Tierarten und -gruppen sind nicht an bestimmte Vegetationstypen gebunden, sondern benötigen i.d.R. ein Nebeneinander verschiedener Habitatstrukturen (Schmidt 2007). Merkmale für die Habitatbindung können die Strukturierung, die Vernetzung, die Flächengrösse oder die räumliche und zeitliche Dynamik eines Lebensraumes sein. Die ökologischen Grundlagen sind in den Artikeln zu den jeweiligen Artengruppen ausgeführt ([https://www.biodivers.ch/de/index.php/Tagfalter Tagfalter], [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Wildbienen Wildbienen], [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Heuschrecken Heuschrecken]). Tagfalter und Heuschrecken sind Artengruppen mit einem hohen Verbreitungsschwerpunkt in Wiesen und Weiden: unter den Tagfaltern können sich 85%, unter den Heuschrecken 80% der in der Schweiz vorkommenden Arten im Grasland entwickeln. Für beide Artengruppen ist von Bedeutung, dass die extensiven Graslandflächen möglichst gross und miteinander vernetzt sind. Zu kleine Habitatflächen sowie die zunehmende Isolation durch grössere Distanzen zwischen den Flächen wirken sich nachteilig auf die Populationsgrössen von Arten und ihre Überlebensfähigkeit aus. Artenreiches Grünland bietet ausserdem für wiesenbrütende Vogelarten einen Brut- und/oder Nahrungslebensraum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In verschiedenen Datenbanken lassen sich die Artvorkommen nach Lebensräumen abfragen:&lt;br /&gt;
* Die [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/biodiversitaetsindikatoren/oeko-fauna-datenbank-auen.html Öko-Fauna-Datenbank] enthält ökologische Informationen zu Arten aus elf verschiedenen Tiergruppen und Angaben zum Trockenwiesen-Kennarten-Status.&lt;br /&gt;
* Umweltziele Landwirtschaft (UZL): In der Liste der [https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/umwelt-ressourcen/biodiversitaet-landschaft/oekologischer-ausgleich/umweltziele-landwirtschaft.html UZL-Arten] ist ebenfalls das Vorkommen in Lebensraumtypen (Extensivwiese, Extensivweide) erfasst. &lt;br /&gt;
* Die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten Flora indicativa] umfasst ökologische und biologische Eigenschaften von rund 5500 Gefässpflanzen-, 600 Moos- und 200 Flechtenarten der Flora der Schweiz und der Alpen. Die zugehörige [https://www.wsl.ch/floraindicativa/index_DE Datenbank] ermöglicht ebenfalls Abfragen zu den Lebensräumen.&lt;br /&gt;
* Die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Allgemeine_Informationen#Arten Fauna indicativa] erfasst ökologische Präferenzen und biologische Eigenschaften aller in der Schweiz einheimischer Libellen-, Heuschrecken-, Laufkäfer- und Tagfalterarten.&lt;br /&gt;
* [https://www.infoflora.ch/de/lebensraeume/phytosuisse.html Klassifikation Phytosuisse]: das Nachschlagewerk mit Kurzbeschrieb zu jeder Pflanzengesellschaft (und Klassifikation nach Delarze et al.) befindet sich noch im Aufbau. Unter den Grünlandlebensraumtypen sind erst Angaben zur Gesellschaft «IV – Gebirgsrasen und Schneetälchen» aufgeschaltet.&lt;br /&gt;
* Für die Mähwiesen im Kt. Luzern geben Schmid et al. (2007) Kenn- und Leitarten der Flora und Fauna für verschiedene Wiesentypen an. Für die Lebensräume des Kantons Luzern wurden [https://lawa.lu.ch/Natur/arten/grundlagen/leitarten Leitarten] bezeichnet. &lt;br /&gt;
* Im Schlussbericht zum Nationalen ökologischen Netzwerk REN wurden Zeigerarten-Gilden für verschiedene Lebensraumgruppierungen definiert (Berthoud et al. 2004).&lt;br /&gt;
* Für das gedüngte Grünland weist der [http://www.agraroekologie.ch/SchluesselGeduengteNaturwiesen.xls Vegetationsschlüssel] Leit- und Charakterarten auf (Bosshard 2016).&lt;br /&gt;
* Zahlreiche nützliche Angaben zu Artvorkommen und Negativarten bieten der Kartierbericht sowie die Vollzugshilfe TWW sowie weitere Grundlagen TWW von [https://infohabitat.ch/trockenwiesen-und-weiden/ infohabitat].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Weitere Kapitel zum Grünland=&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland Einleitung und Zusammenfassung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat]&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen Grundlagen]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele Praxisbeispiele]--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]|| [https://www.faunatur.ch/ faunatur]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Andreas Bosshard || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Ö+L GmbH] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Jean-Yves Humbert || [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Universität Bern, Conservation Biology]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Heiri Schiess ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  André Stapfer ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Markus Staub || [https://www.poel.ch/ Projekte Ökologie Landwirtschaft] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  Gaby Volkart || [http://www.ateliernature.ch/atena/francais.php atena]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Gr%C3%BCnland&amp;diff=4706</id>
		<title>Grünland</title>
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				<updated>2023-03-05T09:16:34Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: /* Einleitung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = blumenwiese AStapfer zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Artenreiche Wiesen beherbergen bis zu 80 Pflanzenarten pro Quadratmeter und bieten Lebensraum für unzählige Tierarten, insbesondere Tagfalter, Heuschrecken und Wildbienen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Andreas Bosshard], [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Jean-Yves Humbert], Heiri Schiess, André Stapfer, [https://www.poel.ch/ Markus Staub]  &amp;amp; [https://www.ateliernature.ch/de/team-2/ Gaby Volkart]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || Oktober 2020&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
Blütenreiche, farbenfrohe Blumenwiesen, lautes Heuschreckengezirpe, gaukelnde Tagfalter, vorüberziehende Weidetiere auf strukturreichen Alpweiden – es sind nostalgische Bilder, die wir mit artenreichem Grünland verbinden. Durch die jahrhundertelange Bewirtschaftung von Weiden und Wiesen durch den Menschen ist eine vielfältige Kulturlandschaft mit typischen Pflanzen- und Tiergemeinschaften entstanden. Heute sind jedoch rund zwei Fünftel unserer Grünlandlebensräume gefährdet: Ursachen sind die zu intensive Nutzung einerseits und die ausbleibende Bewirtschaftung andererseits sowie ein allgemein enorm gestiegenes Nährstoffniveau und die durch eine gleichförmige Nutzung monotonisierte Landschaft. Das Biodiversitätspotenzial unserer Grünlandlebensräume ist beträchtlich: Wiesen und Weiden auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche umfassen über 600‘000 ha, fast noch einmal so viel Fläche nimmt das Sömmerungsgebiet mit über 500‘000 ha ein – davon wird insgesamt rund ein Fünftel der Fläche als potenziell wertvoll betrachtet.&lt;br /&gt;
Welche Massnahmen können wir ergreifen, um im Grünland wieder Lebensräume für eine reichhaltige Flora und Fauna zu schaffen? Worauf ist bei der Umsetzung von biodiversitätsfördernden Tätigkeiten zu achten? In den nachfolgenden Kapiteln stellen wir konkrete, praxisrelevante Informationen sowie spezifische Bewirtschaftungsempfehlungen für einzelne Lebensraumtypen vor und verbinden diese Informationen mit dem notwendigen ökologischen Hintergrundwissen.&lt;br /&gt;
Für den Erhalt und die Aufwertung von artenreichem Grünland ist nebst wichtigen allgemeinen Massnahmen - wie das Vernetzen und funktionelle Verbinden von verschiedenen Habitaten oder das Schaffen von Strukturen - eine optimale Bewirtschaftung zentral: hierzu gehören eine variable und dynamische Nutzungsweise, der Einsatz schonender Mahd- und Ernteverfahren und das Verhindern und Vermindern von Nährstoffeinträgen. Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir auch Empfehlungen zur Beweidung und zur Offenhaltung von Grünlandlebensräumen sowie zu praktischen Aspekten der Aufwertung und Neuanlage in Form von Direktbegrünungen und Ansaatverfahren (Kapitel in Erarbeitung) bereitstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Einleitung =&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = alpine Wiesen und Weiden 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = In der Schweiz machen Wiesen und Weiden im Sömmerungsgebiet über 500‘000 Hektaren aus. Über die Qualität dieser Flächen ist zu wenig bekannt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mähwiesen und -weiden machen etwa 70% der landwirtschaftlich genutzten Fläche der Schweiz aus. Durch die jahrhundertelange Bewirtschaftung durch den Menschen entstanden, hat sich eine vielfältige Kulturlandschaft mit Lebensräumen für Pflanzen und Tiere ausgebildet. Die Intensivierung in der Bewirtschaftung, der gestiegene Nährstoffeintrag sowie weitere Gefährdungen haben dazu geführt, dass rund zwei Fünftel der Lebensraumtypen des Grünlands als gefährdet gelten. Die besonders wertvollen Trockenwiesen und -weiden sowie die ehemals verbreiteten, blütenreichen Fromentalwiesen sind in den letzten Jahrzehnten beinahe verschwunden. Entsprechend gross ist der Handlungsbedarf zum Erhalt der noch verbliebenen artenreichen Grünflächen sowie zur Aufwertung und Neuschaffung der für viele Tiere und Pflanzen wichtigen Grünlandlebensräume.&lt;br /&gt;
Für die Erarbeitung der Grundlagen und Praxisempfehlungen der folgenden Kapitel wurde in erster Linie deutschsprachige Literatur, v.a. aus der Schweiz, aber auch aus Deutschland konsultiert. Der Fokus liegt auf der Biodiversität. Weitere Aspekte wie bspw. die landwirtschaftliche Produktion sind nicht abgedeckt. Literatur der traditionellen Grünlandforschung ist zwar konsultiert, aber nicht zwingend zitiert worden. Bei der Umsetzung von Aufwertungs- und Fördermassnahmen ist zu beachten, dass allgemeingültige Empfehlungen jeweils im Rahmen der konkreten Projekte zu überprüfen sind.&lt;br /&gt;
Der Begriff „Grünland“ umfasst nach ökologischen Kriterien alle dauerhaften Pflanzengesellschaften aus Kräutern und Gräsern, die natürlich (überschwemmte Bereiche von Flussniederungen, Rand von Sumpf- und Moorgebieten, besonders trockene Standorte, oberhalb Baumgrenze) oder durch Nutzung des Menschen (gedüngte und ungedüngte Wiesen und Weiden, Mähwiesen, Feuchtgrünland, Magerrasen, Streuobstwiesen) entstanden sind (Becker et al. 2014). '''Im vorliegenden Artikel wird der Begriff „Grünland“ als Überbegriff für die entsprechenden Lebensraumtypen nach Delarze et al. (2015) verwendet''' &amp;lt;ref&amp;gt;Delarze, Raymond; Gonseth, Yves; Eggenberg, Stefan; Vust, Mathias (2015): Lebensräume der Schweiz. Ökologie - Gefährdung - Kennarten. 3., vollst. überarb. Aufl. Bern: Ott.&amp;lt;/ref&amp;gt; und umfasst demnach sowohl [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands anthropogen geschaffene, als auch primäre Lebensräume]. In einem separaten Artikel abgehandelt werden die [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Feuchtgebiete Feuchtgebiete]. Eine Übersicht ausgewählter Grünlandbegriffe findet sich in Guntern et al. (2013, S. 96) &amp;lt;ref&amp;gt;Guntern, Jodok; Lachat, T.; Pauli, D.; Fischer, M. (2013): Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz. Bern: Forum Biodiversität Schweiz.&amp;lt;/ref&amp;gt;, oder auch auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Grünland Wikipedia].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die praxisrelevanten Informationen zum Grünland haben wir in folgenden Kapiteln zusammengestellt:&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie '''Praxisrelevante Ökologie''']: Hier sind die für das Verständnis und die Umsetzung der Fördermassnahmen relevantesten ökologischen Zusammenhänge erläutert. Es wird erklärt, welche Klassifikation der Lebensraumtypen des Grünlands den folgenden Kapiteln zugrunde liegt, welches die für das Grünland prägende Faktoren sind und die grundlegenden Zusammenhänge zwischen Bewirtschaftung (Mahd, Beweidung) und dem Artengefüge der Flora und Fauna des Grünlandes werden beleuchtet.&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung '''Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung''']: dieses Kapitel leitet einerseits auf Ebene der Massnahmen, andererseits auf Ebene der Lebensraumtypen Praxisempfehlungen her. Das Kapitel thematisiert zu Beginn Massnahmen, welche nicht einzelflächenbezogen sind (variable und dynamische Nutzung, Strukturen schaffen, verbliebene Flächen vernetzen). Danach folgen flächenbezogene Empfehlungen zur Mahd und zur Ernte, u.a. mit Fokus auf Fauna freundliche, schonende Verfahren. Kurzgefasst sind die Themen Aushagerung und Kombination von Mahd und Beweidung (Frühjahrsvorweide, Herbstweide). Zentral für artenreiches Grünland ist es, Nährstoffeinträge zu verhindern oder zu vermindern: das Kapitel erwähnt grundsätzliche Empfehlungen, die Thematik wird allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt vertieft behandelt. Ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt erarbeitet werden die Themen „Verbuschung verhindern / Offenhalten“ und „Entbuschen eingewachsener Flächen“ sowie „Beweidung für artenreiches Grünland“. Der letzte Teil des Kapitels ergänzt spezifische Bewirtschaftungsempfehlungen für die einzelnen Lebensraumtypen.&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat '''Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat''']&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen '''Grundlagen''']: Dieses Kapitel geht auf die Bedeutung, die Entstehung, den Zustand und die Entwicklung von Grünland näher ein. Er beleuchtet die quantitativen und qualitativen Veränderungen sowie die Gefährdung und Gefährdungsursachen einerseits lebensraumbezogen, andererseits auch in Bezug auf die Artengemeinschaften des Grünlands. Weitere Informationen umfassen die Typologie des Grünlands, praxisrelevante Wissenslücken sowie die rechtlichen Grundlagen.&lt;br /&gt;
* &amp;lt;!-- [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele '''Praxisbeispiele''']--&amp;gt;Praxisbeispiele werden zu einem späteren Zeitpunkt erarbeitet.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
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		<title>Grünland</title>
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				<updated>2023-03-05T09:04:38Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Milieux prairiaux]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = blumenwiese AStapfer zg 96 dpi.jpg&lt;br /&gt;
| text = Artenreiche Wiesen beherbergen bis zu 80 Pflanzenarten pro Quadratmeter und bieten Lebensraum für unzählige Tierarten, insbesondere Tagfalter, Heuschrecken und Wildbienen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.faunatur.ch/portr%C3%A4t/ Karin Loeffel]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review || [http://www.agraroekologie.ch/ueber-uns/team/ Andreas Bosshard], [https://www.cb.iee.unibe.ch/about_us/pd_dr_humbert_jean_yves/index_eng.html Jean-Yves Humbert], Heiri Schiess, André Stapfer, [https://www.poel.ch/ Markus Staub]  &amp;amp; [https://www.ateliernature.ch/de/team-2/ Gaby Volkart]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || Oktober 2020&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
Blütenreiche, farbenfrohe Blumenwiesen, lautes Heuschreckengezirpe, gaukelnde Tagfalter, vorüberziehende Weidetiere auf strukturreichen Alpweiden – es sind nostalgische Bilder, die wir mit artenreichem Grünland verbinden. Durch die jahrhundertelange Bewirtschaftung von Weiden und Wiesen durch den Menschen ist eine vielfältige Kulturlandschaft mit typischen Pflanzen- und Tiergemeinschaften entstanden. Heute sind jedoch rund zwei Fünftel unserer Grünlandlebensräume gefährdet: Ursachen sind die zu intensive Nutzung einerseits und die ausbleibende Bewirtschaftung andererseits sowie ein allgemein enorm gestiegenes Nährstoffniveau und die durch eine gleichförmige Nutzung monotonisierte Landschaft. Das Biodiversitätspotenzial unserer Grünlandlebensräume ist beträchtlich: Wiesen und Weiden auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche umfassen über 600‘000 ha, fast noch einmal so viel Fläche nimmt das Sömmerungsgebiet mit über 500‘000 ha ein – davon wird insgesamt rund ein Fünftel der Fläche als potenziell wertvoll betrachtet.&lt;br /&gt;
Welche Massnahmen können wir ergreifen, um im Grünland wieder Lebensräume für eine reichhaltige Flora und Fauna zu schaffen? Worauf ist bei der Umsetzung von biodiversitätsfördernden Tätigkeiten zu achten? In den nachfolgenden Kapiteln stellen wir konkrete, praxisrelevante Informationen sowie spezifische Bewirtschaftungsempfehlungen für einzelne Lebensraumtypen vor und verbinden diese Informationen mit dem notwendigen ökologischen Hintergrundwissen.&lt;br /&gt;
Für den Erhalt und die Aufwertung von artenreichem Grünland ist nebst wichtigen allgemeinen Massnahmen - wie das Vernetzen und funktionelle Verbinden von verschiedenen Habitaten oder das Schaffen von Strukturen - eine optimale Bewirtschaftung zentral: hierzu gehören eine variable und dynamische Nutzungsweise, der Einsatz schonender Mahd- und Ernteverfahren und das Verhindern und Vermindern von Nährstoffeinträgen. Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir auch Empfehlungen zur Beweidung und zur Offenhaltung von Grünlandlebensräumen sowie zu praktischen Aspekten der Aufwertung und Neuanlage in Form von Direktbegrünungen und Ansaatverfahren (Kapitel in Erarbeitung) bereitstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Einleitung =&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-600px&lt;br /&gt;
| bilddatei = alpine Wiesen und Weiden 96 dpi.JPG&lt;br /&gt;
| text = In der Schweiz machen Wiesen und Weiden im Sömmerungsgebiet über 500‘000 Hektaren aus. Über die Qualität dieser Flächen ist zu wenig bekannt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mähwiesen und -weiden machen etwa 70% der landwirtschaftlich genutzten Fläche der Schweiz aus. Durch die jahrhundertelange Bewirtschaftung durch den Menschen entstanden, hat sich eine vielfältige Kulturlandschaft mit Lebensräumen für Pflanzen und Tiere ausgebildet. Die Intensivierung in der Bewirtschaftung, der gestiegene Nährstoffeintrag sowie weitere Gefährdungen haben dazu geführt, dass rund zwei Fünftel der Lebensraumtypen des Grünlands als gefährdet gelten. Die besonders wertvollen Trockenwiesen und -weiden sowie die ehemals verbreiteten, blütenreichen Fromentalwiesen sind in den letzten Jahrzehnten beinahe verschwunden. Entsprechend gross ist der Handlungsbedarf zum Erhalt der noch verbliebenen artenreichen Grünflächen sowie zur Aufwertung und Neuschaffung der für viele Tiere und Pflanzen wichtigen Grünlandlebensräume.&lt;br /&gt;
Für die Erarbeitung der Grundlagen und Praxisempfehlungen der folgenden Kapitel wurde in erster Linie deutschsprachige Literatur, v.a. aus der Schweiz, aber auch aus Deutschland konsultiert. Der Fokus liegt auf der Biodiversität. Weitere Aspekte wie bspw. die landwirtschaftliche Produktion sind nicht abgedeckt. Literatur der traditionellen Grünlandforschung ist zwar konsultiert, aber nicht zwingend zitiert worden. Bei der Umsetzung von Aufwertungs- und Fördermassnahmen ist zu beachten, dass allgemeingültige Empfehlungen jeweils im Rahmen der konkreten Projekte zu überprüfen sind.&lt;br /&gt;
Der Begriff „Grünland“ umfasst nach ökologischen Kriterien alle dauerhaften Pflanzengesellschaften aus Kräutern und Gräsern, die natürlich (überschwemmte Bereiche von Flussniederungen, Rand von Sumpf- und Moorgebieten, besonders trockene Standorte, oberhalb Baumgrenze) oder durch Nutzung des Menschen (gedüngte und ungedüngte Wiesen und Weiden, Mähwiesen, Feuchtgrünland, Magerrasen, Streuobstwiesen) entstanden sind (Becker et al. 2014). '''Im vorliegenden Artikel wird der Begriff „Grünland“ als Überbegriff für die entsprechenden Lebensraumtypen nach Delarze et al. (2015) verwendet''' &amp;lt;ref&amp;gt;Delarze, Raymond; Gonseth, Yves; Eggenberg, Stefan; Vust, Mathias (2015): Lebensräume der Schweiz. Ökologie - Gefährdung - Kennarten. 3., vollst. überarb. Aufl. Bern: Ott.&amp;lt;/ref&amp;gt; und umfasst demnach sowohl [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie#Lebensr.C3.A4ume_des_Gr.C3.BCnlands anthropogen geschaffene, als auch primäre Lebensräume]. In einem separaten Artikel abgehandelt werden die Feuchtgebiete. Eine Übersicht ausgewählter Grünlandbegriffe findet sich in Guntern et al. (2013, S. 96) &amp;lt;ref&amp;gt;Guntern, Jodok; Lachat, T.; Pauli, D.; Fischer, M. (2013): Flächenbedarf für die Erhaltung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen in der Schweiz. Bern: Forum Biodiversität Schweiz.&amp;lt;/ref&amp;gt;, oder auch auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Grünland Wikipedia].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die praxisrelevanten Informationen zum Grünland haben wir in folgenden Kapiteln zusammengestellt:&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisrelevante_%C3%96kologie '''Praxisrelevante Ökologie''']: Hier sind die für das Verständnis und die Umsetzung der Fördermassnahmen relevantesten ökologischen Zusammenhänge erläutert. Es wird erklärt, welche Klassifikation der Lebensraumtypen des Grünlands den folgenden Kapiteln zugrunde liegt, welches die für das Grünland prägende Faktoren sind und die grundlegenden Zusammenhänge zwischen Bewirtschaftung (Mahd, Beweidung) und dem Artengefüge der Flora und Fauna des Grünlandes werden beleuchtet.&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Erhalt_und_Aufwertung_durch_optimierte_Bewirtschaftung '''Erhalt und Aufwertung durch optimierte Bewirtschaftung''']: dieses Kapitel leitet einerseits auf Ebene der Massnahmen, andererseits auf Ebene der Lebensraumtypen Praxisempfehlungen her. Das Kapitel thematisiert zu Beginn Massnahmen, welche nicht einzelflächenbezogen sind (variable und dynamische Nutzung, Strukturen schaffen, verbliebene Flächen vernetzen). Danach folgen flächenbezogene Empfehlungen zur Mahd und zur Ernte, u.a. mit Fokus auf Fauna freundliche, schonende Verfahren. Kurzgefasst sind die Themen Aushagerung und Kombination von Mahd und Beweidung (Frühjahrsvorweide, Herbstweide). Zentral für artenreiches Grünland ist es, Nährstoffeinträge zu verhindern oder zu vermindern: das Kapitel erwähnt grundsätzliche Empfehlungen, die Thematik wird allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt vertieft behandelt. Ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt erarbeitet werden die Themen „Verbuschung verhindern / Offenhalten“ und „Entbuschen eingewachsener Flächen“ sowie „Beweidung für artenreiches Grünland“. Der letzte Teil des Kapitels ergänzt spezifische Bewirtschaftungsempfehlungen für die einzelnen Lebensraumtypen.&lt;br /&gt;
* [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Aufwertung_und_Neuschaffung_durch_Direktbegr%C3%BCnung_und_Ansaat '''Aufwertung und Neuschaffung durch Direktbegrünung und Ansaat''']&lt;br /&gt;
* [https://biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Grundlagen '''Grundlagen''']: Dieses Kapitel geht auf die Bedeutung, die Entstehung, den Zustand und die Entwicklung von Grünland näher ein. Er beleuchtet die quantitativen und qualitativen Veränderungen sowie die Gefährdung und Gefährdungsursachen einerseits lebensraumbezogen, andererseits auch in Bezug auf die Artengemeinschaften des Grünlands. Weitere Informationen umfassen die Typologie des Grünlands, praxisrelevante Wissenslücken sowie die rechtlichen Grundlagen.&lt;br /&gt;
* &amp;lt;!-- [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Gr%C3%BCnland/Praxisbeispiele '''Praxisbeispiele''']--&amp;gt;Praxisbeispiele werden zu einem späteren Zeitpunkt erarbeitet.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Heuschrecken&amp;diff=4704</id>
		<title>Heuschrecken</title>
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				<updated>2023-03-04T18:19:22Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: /* Autoren */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Orthoptères]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = JM 29293745804 8952ea6513 h.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Sumpfschrecke (''Stethophyma grossum'') besiedelt feuchte Wiesen und Flachmoore.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review || Prof. Dr. Peter Detzel, [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Dr. Axel Hochkirch], [https://www.naturalis.nl/en/science/researchers/roy-kleukers Roy Kleukers] &amp;amp; [http://www.orthoptera.ch/ueber-uns Florin Rutschmann]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || Juli 2017&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
Über 100 Heuschreckenarten bereichern unsere Fauna und überraschen uns mit Flug-, Grab- oder Klangkünsten sowie ihrer Farben- und Formenvielfalt. Heuschrecken (Orthopteren) sind wärmeliebende Kulturfolger. Die meisten Arten beherbergt das Grünland, ob trocken oder feucht, gemäht oder beweidet. Einige Arten leben in lichten Wäldern und auf Pionierflächen der Flussauen und Geröllhalden. Viele Heuschreckenarten sind auf eine hohe Strukturvielfalt auf kleinem Raum angewiesen, da ihre durchschnittliche Ausbreitungsdistanz weniger als ein Kilometer beträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für alle Arten ist die Offenhaltung ihrer Lebensräume zentral. Die Wiederherstellung der natürlichen Dynamiken oder die regelmässige, extensive Bewirtschaftung der besiedelten Flächen ist daher wichtig. Bei der Mahd ist darauf zu achten, ein Mosaik aus Rückzugsstreifen und Flächen mit unterschiedlichen Mahdzeitpunkten zu schaffen. Bei der Begrünung sind eine geringe Distanz zu besiedelten Flächen und eine lückige Ausbringung vorteilhaft. Von den über 100 einheimischen Heuschreckenarten stehen 40% auf der Roten Liste. Insbesondere die Arten der Pionierflächen haben einen erhöhten Förderbedarf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik =&lt;br /&gt;
Heuschrecken werden in zwei leicht unterscheidbare Gruppen eingeteilt. Bei den Langfühlerschrecken (Ensifera) sind die Fühler gleich lang oder länger als der Körper und haben mindestens 30 Fühlerglieder, während sie bei den Kurzfühlerschrecken (Caelifera) kürzer als der Körper sind. Die Weibchen der Langfühlerschrecken besitzen meist einen auffälligen Legebohrer, im Gegensatz zu den kurzen Legeröhrenklappen bei den Kurzfühlerschrecken. Nur die Maulwurfsgrille gehört auch ohne lange Fühler und Legebohrer zu den Langfühlerschrecken. &lt;br /&gt;
Mehr zur Systematik der Heuschrecken auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Heuschrecken Wikipedia].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Ökologie=&lt;br /&gt;
== Lebensräume ==&lt;br /&gt;
Heuschrecken besiedeln die meisten terrestrischen Lebensräume bis auf 3'100&amp;amp;nbsp;m&amp;amp;nbsp;ü.&amp;amp;nbsp;M. Sie kommen in extensiven Wiesen und Weiden, Brachen, Weinbergen, Wäldern, Feuchtgebieten, Mooren und Flussauen vor. Heuschrecken können allgemein als wärmeliebende Kulturfolger bezeichnet werden, die in stark vom Menschen geprägten Landschaften leben. So können Kiesgruben und Steinbrüche viele seltene Arten beherbergen, wenn sie offengehalten und extensiv gepflegt werden. Im Siedlungsgebiet finden Heuschrecken eine Vielfalt an Kleinlebensräumen auf Industriebrachen und grossen Güterbahnhöfen, Schotterplätzen und in Ruderalflächen. Für seltene Arten sind Parks, Gärten und Flachdächer als Lebensraum wenig relevant, als Trittsteine können sie aber beim Erreichen neuer Lebensräume helfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-1000px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Lebensraeuume_Gruppen_PZ.png&lt;br /&gt;
| text = Zu den wichtigsten Lebensräumen für Heuschrecken zählen magere Wiesen, Moorlandschaften, lückige Wälder und Blocksteinhalden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da nahezu alle Heuschrecken licht- und wärmeliebend sind, brauchen sie in ihren Lebensräumen Offenflächen bzw. lückige Pflanzenbestände. Die Bindung an das Habitat erfolgt weniger aufgrund bestimmter Pflanzengesellschaften, als aufgrund der benötigten Strukturen und der mikroklimatischen Verhältnisse. Entscheidend sind Dichte und Höhe der Vegetation, sowie Temperatur und Feuchtigkeit. Mosaikartige Lebensräume mit einer Vielfalt an Strukturen sind für eine hohe Heuschreckenvielfalt optimal. So leben an Lebensraum-Übergängen, wie Waldrändern mit Feuchtwiesen oder Hecken entlang von extensiven Wiesen, besonders viele Arten. Für den Erhalt von Offenflächen und Strukturreichtum sind regelmässige Pflegeeinsätze notwendig, wenn natürliche Dynamiken fehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schweizer Heuschreckenarten können bezüglich ihrer Lebensraumbindung in vier Gruppen unterteilt werden (aus: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken]) &lt;br /&gt;
# Grünlandarten in Trockenwiesen und -weiden (43 Arten)&lt;br /&gt;
# Sumpf- und Feuchtgebietsarten in Flach- und Hochmooren (11 Arten)&lt;br /&gt;
# Wald- und Waldrandarten sowie Gebüscharten, vor allem in tieferen Lagen (24 Arten)&lt;br /&gt;
# Pionierarten in Auen, Felsplatten, Geröllhalden oder Karst (25 Arten)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Merkmale und Vermehrung==&lt;br /&gt;
Heuschrecken sind durch ihre Körperform, ihr Verhalten und ihre Körperfärbung an ihren Lebensraum angepasst und häufig gut getarnt. Die Körperfärbung kann innerhalb einer Art stark variieren und ist daher meist kein spezifisches Unterscheidungsmerkmal. Die Körperfärbung ist nicht immer genetisch festgelegt, sondern kann sich während der Entwicklung verändern und der Färbung der Umgebung anpassen. Adulte Tiere können ihre Farbe dagegen nicht mehr wechseln, aber ggf. noch nachdunkeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heuschrecken durchlaufen eine hemimetabole (unvollkommene) Entwicklung. Nach dem Schlupf sind die sogenannten Nymphen schon als Heuschrecken zu erkennen und werden mit jeder Häutung dem adulten Tier ähnlicher. Grillen brauchen bis zu 12 Häutungen, bis sie ausgewachsen sind, Laubheuschrecken 5 bis 7 und Kurzfühlerschrecken 4 bis 5 Häutungen. Erst nach der letzten Häutung bilden sich die Flügel und Geschlechtsorgane vollständig aus. Die meisten Heuschrecken sind einjährig, ihre Nymphen schlüpfen im Zeitraum von Frühling bis Sommer. Adulte Tiere sind von Sommer bis Herbst zu finden, das Auftreten richtet sich vor allem nach der Höhenstufe und den mikroklimatischen Verhältnissen. Nur Grillen (Gryllidae) und Dornschrecken (Tetrigidae) überwintern in einem der Nymphenstadien oder als adulte Tiere und treten entsprechend früh im Jahr auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt einige Tage bis wenige Wochen nach der letzten Häutung und schon wenige Tage später beginnt die Eiablage. Die Weibchen der meisten Heuschreckenarten legen ihre Eier im Boden oder an der Basis von Gräsern ab. Andere Arten legen ihre Eier in rissige Baumrinde und markhaltige Pflanzenteile oder heften sie an Halme und Blätter. Die Langfühlerschrecken können mit dem Legebohrer ihre Eier tiefer in den Boden legen als die Kurzfühlerschrecken. Bei den meisten heimischen Arten dauert die Entwicklung der Eier bis zum Schlupf vom Herbst bis zum nächsten Frühling, bei einigen auch mehrere Jahre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Feuchte- und Temperatur-Ansprüche der Eier sind bei Heuschrecken entscheidend für die Habitatbindung der Arten. Arten der Feuchthabitate können oft nicht überleben, wenn ihre Eier im Winter nicht genügend feucht sind. Sie brauchen eine Periode der Überflutung. Feldheuschrecken der trockenen Habitate haben eine längere Eientwicklung nach dem Winter und benötigen höhere Bodentemperaturen. Die notwenigen Temperaturen werden erreicht, wenn Sonnenstrahlen offene Bodenstellen erwärmen. Andere Arten, die in höherer, dichterer Vegetation leben, kommen auch mit geringer Sonneneinstrahlung zurecht. So gibt es einige Spezialisten unter den Heuschrecken, mit ganz spezifischen Ansprüchen an ihren Lebensraum. Der Kiesbankgrashüpfer (''Chorthippus pullus'') lebt in der Schweiz z.&amp;amp;nbsp;B. ausschliesslich auf vegetationsarmen Kiesbänken grosser Alpenflüsse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-1000px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Eiablage_Lebensraum-Fluegel.png&lt;br /&gt;
| text = Von links nach rechts: Die Laubholz-Säbelschrecke (''Barbitistes serricauda'') legt ihre Eier in Gehölze mit strukturreicher Borke ab. Der Kiesbankgrashüpfer (''Chorthippus pullus'') kommt nur entlang der grossen Alpenflüsse vor. Die Gewöhnliche Gebirgsschrecke (''Podisma pedestris'') kann aufgrund der verkümmerten Flügel nicht fliegen.&lt;br /&gt;
Das Grüne Heupferd (''Tettigonia viridissima'') ist ein Langstreckenflieger unter den Heuschrecken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Populationsgrössen und Ausbreitung ==&lt;br /&gt;
Die Populationsgrösse kann zwischen den Jahren stark schwanken. Schon ein Kälteeinbruch oder eine längere Regenphase im Frühsommer können zu einem starken Populationsrückgang führen. Einzelbeobachtungen weisen darauf hin, dass auch kleine Populationen mit weniger als 50 Tieren über mehrere Jahre existieren können, wenn die Habitatqualität nicht abnimmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten Heuschreckenarten sind sesshaft und bewegen sich in einem Umkreis von wenigen Metern bis maximal 1&amp;amp;nbsp;km. Bei vielen Arten sind die Flügel verkümmert (z.&amp;amp;nbsp;B. bei der Gewöhnlichen Gebirgsschrecke ''Podisma pedestris''). Es gibt aber auch einzelne Langstreckenflieger, wie das Grüne Heupferd (''Tettigonia viridissima''), das in einem Sommer Distanzen von mehreren Kilometern zurücklegen kann. Hohe Bestandsdichten können die Ausbreitung von sesshaften Arten erhöhen, da bei Dichtestress die Mobilität steigt und makroptere (langflügelige) Tiere auftreten können, deren Flügel deutlich länger sind als üblich. Mit verlängerten Flügeln können auch Arten, die üblicherweise flugunfähig sind, weitere Distanzen überqueren. Ungenügend untersucht ist die Ausbreitung von Eiern und Tieren durch passiven Transport, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Fliessgewässer, den Bahnverkehr, durch Verfrachtung mit Mahdgut oder mit Weidetieren. Bei manchen Arten scheint diese Art der Verbreitung jedoch gut zu funktionieren, da immer wieder fernab von bekannten Populationen Einzeltiere oder kleine Initialpopulationen gefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fauna Indicativa ==&lt;br /&gt;
Die [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/projekte/fauna-indicativa.html Fauna Indicativa] ist ein Nachschlagewerk sowie ein Werkzeug für die Auswertung faunistischer Daten. Sie charakterisiert in Tabellenform ökologische Präferenzen und biologische Eigenschaften aller in der Schweiz einheimischen Heuschrecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
==Allgemeine Massnahmen ==&lt;br /&gt;
===Grünland- und Feuchtgebietsarten ===&lt;br /&gt;
* Extensive Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden und Verzicht auf schwere Maschinen, insbesondere in Feuchtgebieten&lt;br /&gt;
* Verzicht auf das Ausbringen von Kunstdünger und Bioziden, insbesondere Insektiziden&lt;br /&gt;
* Förderung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) mit Qualitätsstufe QII&lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Bewässerung von Trockenwiesen und Steppen&lt;br /&gt;
* Eindämmung der Verbuschung und Verbrachung von Trockenwiesen- und weiden&lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Entwässerung von Feuchtgebieten und Wiederherstellung des natürlichen Wasserregimes&lt;br /&gt;
* Erhalt von Weiden, da in der Regel mit heterogener Struktur und artenreicher, ausser bei einschüriger Mahd &lt;br /&gt;
* Schutz und Wiederherstellung von Feuchtgebieten&lt;br /&gt;
* Anlage und Pflege von Stillgewässern, insbesondere mit flachen Uferzonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wald- und Waldrandarten===&lt;br /&gt;
* Aufwertung und Schaffung gestufter Waldränder mit einer Krautschicht&lt;br /&gt;
* Erhalt alter Baumbestände, Biotopbäume und Hecken mir ihren Säumen&lt;br /&gt;
* Auflichtung der Wälder und Böschungen, damit sie gut besonnt sind&lt;br /&gt;
* Extensive Pflege der Weg- und Hangböschungen&lt;br /&gt;
* Standortgerechter Waldbau, Verzicht auf Monokulturen (bspw. Fichten)&lt;br /&gt;
* Umwandlung von Monokulturen in natürliche Wälder mit mehreren Baumarten&lt;br /&gt;
* Verzicht auf den Einsatz von Düngemitteln und Bioziden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Pionierarten an Fliessgewässern ===&lt;br /&gt;
(Übernommen aus: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken])&lt;br /&gt;
* Revitalisierung der Fliessgewässer, bevorzugt von Pionierarten besiedelte Standorten &lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Zuschüttung oder Eindämmung von besiedelten Uferflächen&lt;br /&gt;
* Verzicht auf jeglichen Abbau der Sand-, Kies- oder Steinbänke innerhalb, ober- und unterhalb besiedelter Flächen&lt;br /&gt;
* Zulassen von regelmässigen, genügend intensiven Hochwassern, um den natürlichen Abtrag der mit Vegetation bewachsenen Bänke in Auen zu gewährleisten&lt;br /&gt;
* Gewährleisten von periodischen Ablagerungen von Sedimenten an besiedelten Standorten, um die Regeneration von Sedimentbänken in Auen sicherzustellen&lt;br /&gt;
* Revitalisierung möglichst vieler Fliessgewässer, um über die Schaffung von potenziell günstigen Standorten die Wiederbesiedlung von verlassenen Gegenden zu fördern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mosaik_aus_Gruenlandtypen_-_Suedschwarzwald_-_IMG_7876b.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Strukturreichtum dieser Flächen bietet Grünlandarten einen idealen Lebensraum.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Strukturreiche Flächen schaffen und schützen ==&lt;br /&gt;
Für Heuschrecken sind weniger die typischen [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen Kleinstrukturen] wichtig wie [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen#Die_einzelnen_Kleinstrukturen Ast- oder Steinhaufen], als vielmehr offene Bodenstellen (u.&amp;amp;nbsp;a. für die Eiablage) und Strukturen, die Wärme aufnehmen und speichern, wie felsige Bereiche, [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pionierfl%C3%A4chen Kiesflächen], feuchte Senken und [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser temporäre Tümpel]. Neu angelegte Strukturen sollen eine minimale Fläche von 20&amp;amp;nbsp;m&amp;amp;sup2; pro ha haben. Natürliche Offenflächen und strukturreiche Flächen wie Moränen, Felsschutthalden, Kiesflächen und Verlandungszonen von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Stillgewässern] sind zu schützen und dürfen nicht zugeschüttet oder aufgeforstet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts ==&lt;br /&gt;
Viele gefährdete Heuschreckenarten sind auf eine extensive Beweidung oder regelmässige Mahd angewiesen, damit die Vegetation nicht zu dicht wird. Der optimale Schnittzeitpunkt ist artabhängig. Für Arten, die ihre Eier im Boden ablegen, ist eine Mahd zwischen Mai und August ungünstig. Für Arten, die ihre Eier an oder in Pflanzen ablegen, ist eine Mahd nach August und vor Mai problematisch. Die Bewirtschaftung kann aber auch schädlich sein. Verluste entstehen v.&amp;amp;nbsp;a. durch Mähaufbereiter und das Schwaden und Abführen des Mahdguts. Zur Verminderung der Verluste bei allen Arten ist bei der Mahd Folgendes zu beachten: &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
* Es sollen möglichst wenige Schnitte erfolgen, optimaler Weise nur ein Schnitt pro Jahr&lt;br /&gt;
* Frühmad: nicht ganzflächige durchführen; Spätmahd: nach dem Verblühen der meisten Pflanzen durchführen&lt;br /&gt;
* Am besten ist eine differenzierte Pflege, d.&amp;amp;nbsp;h. ein Mosaik aus Flächen mit unterschiedlichen Mähzeitpunkten und Rückzugsstreifen, die nur alle 2 Jahre gemäht werden &lt;br /&gt;
* Die Schnitthöhe soll mindestens 10&amp;amp;nbsp;cm betragen &lt;br /&gt;
* Balkenmäher verursachen die niedrigste Schädigungsrate, Scheibenmähern die höchste; am schonendsten ist die Mahd mit der Sense &lt;br /&gt;
* Das Schnittgut soll, damit sich die Tiere verteilen können, zum Trocknen liegen gelassen und stets abgeführt werden&lt;br /&gt;
* Es sollen keine Mähaufbereiter eingesetzt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://www.buntewiese-tuebingen.de/app/download/6569219764/Hiller%202014%20Auswirkungen%20verschiedener%20Mahdkonzepte%20auf%20die%20Heuschreckenfauna%20st%C3%A4dtischer%20Gr%C3%BCnfl%C3%A4chen%20-%20Naturschutz%20und%20Landschaftsplanung.pdf?t=1490555371 Hiller, D. &amp;amp; Betz, O.(2014). Auswirkungen verschiedener Mahdkonzepte auf die Heuschreckenfauna städtischer Grünflächen]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hintergrundinformationen'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [http://www.parcs.ch/npf/pdf_public/2014/30491_20141107_083216_MA_GrichtingStefan_2002.pdf  Grichting, S. (2002). Heuschrecken (Orthoptera) von Trockensteppen und extensiv bewirtschafteten Wiesen im Pfynwald (VS, Schweiz)]&lt;br /&gt;
: Studie zu den ökologischen Ansprüchen und der Verbreitung von Heuschrecken auf Wiesen mit unterschiedlichem Nutzungsgrad.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/abashop?s=208&amp;amp;p=productdetail&amp;amp;sku=429&amp;amp;language=de Agridea (2011). Erntetechnik und Artenvielfalt in Wiesen]&lt;br /&gt;
: Das Merkblatt zeigt die Auswirkungen verschiedener Mähtechniken und nachfolgender Ernteschritte auf die Artenvielfalt und gibt Empfehlungen für eine möglichst tierschonende Ernte. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rotationsbrachen anlegen und Altgrassstreifen stehen lassen ==&lt;br /&gt;
Bei der Anlage von Rotationsbrachen und Altgrasstreifen ist auf das Vorkommen von Heuschreckenpopulation in der näheren Umgebung zu achten, da Heuschrecken oft nur geringe Ausbreitungsdistanzen haben. Als Rückzugsstreifen werden bei jedem Schnitt 10% der Wiese stehen gelassen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/NuL07-10_Mueller_Bosshard.pdf Müller, M. &amp;amp; Bosshard, B. (2012). Altgrasstreifen fördern Heuschrecken in Ökowiesen - Eine Möglichkeit zur Strukturverbesserung im Mähgrünland]&lt;br /&gt;
: Studie zu den positiven Auswirkungen von Altgrasstreifen als Rückzugsraum bei der Mahd  in extensiv genutzten Wiesen. &lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2012_01_1723.pdf Duss, M. et al. (2012). Vernetzte Ökoflächen fördern Heuschrecken]&lt;br /&gt;
: Studie zur Auswirkung eines Vernetzungsprojektes von ökologischen Ausgleichsflächen (öAF) auf die Verbreitung von 2 Heuschreckenarten. Die Grosse Goldschrecke (''Chrysochraon dispar'') profitiert von Altgrasstreifen.&lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/download.php?filename=2001_1112_102.pdf Peter, B. &amp;amp; Walter, T. (2001). Heuschrecken brauchen ökologische Ausgleichsflächen] &lt;br /&gt;
: Vergleichende Untersuchungen vor und nach der Einführung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) zeigt deren Wichtigkeit für Heuschrecken auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Buntbrache_Altgrassstreifen_AK.png&lt;br /&gt;
| text = Links und Mitte: Die Gemeine Sichelschrecke (''Phaneroptera falcata'') und die Langflüglige Schwertschrecke (''Conocephalus fuscus'') schätzen die hohe Vegetation von Buntbrachen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Rechts: Die Grosse Goldschrecke (''Chrysochraon dispar'') profitiert von Altgrasstreifen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Beweidung ==&lt;br /&gt;
Für die Beweidung sollen möglichst traditionelle Rassen, bzw. leichte Tiere eingesetzt werden. Generell scheint Schaf-Hütehaltung besonders günstig für Heuschrecken zu sein. Die Viehdichte darf nicht zu hoch sein; der jährliche Besatz sollte 150 Grossvieheinheiten&amp;amp;sup1; pro Hektare (GVE/ha) nicht überschreiten. Es empfiehlt sich, eine Beweidung in Koppeln zu führen, womit ein ähnlicher Effekt erzielt wird wie mit einer Rotationsmahd. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;Die Beweidungsintensität ergibt sich aus dem Produkt von Besatzstärke in Grossvieheinheiten pro Hektare mal Anzahl Bestossungstagen (GVE/ha * dd). Je nach Grösse und Alter der Tiere ändert sich der Wert, der sich mit dem [https://www.agate.ch/portal/web/agate/gve-rechner GVE-Rechner des Bundesamtes für Landwirtschaft] genau ermitteln lässt.&amp;lt;/small&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://www.pronatura.ch/de/2016/allegra-geissenpeter-ziegen-esel-und-rinder-weiden-fuer-die-biodiversitaet Pro Natura. Projekt „Allegra Geissenpeter“]&lt;br /&gt;
: Pro Natura lanciert Projekte mit verschiedenen Weidetierarten, um die Trockenstandorte in den Alpen nachhaltig zu sichern, unter anderem zur Förderung der Heuschrecken. Die unterschiedlichen Projekte und die Ergebnisse der Erfolgskontrollen sind im [https://www.pronatura.ch/sites/pronatura.ch/files/2017-11/leitfaden_fuer_die_aufwertung_von_brachliegenden_trockenstandorten_durch_beweidung-beitraege_zum_naturschutz_in_der_schweiz_nr_37-2016_highres.pdf Leitfaden für die Aufwertung von brachliegenden Trockenstandorten durch Beweidung (2016)] zusammengefasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Direktbegrünung und Mahdgutübertragung  ==&lt;br /&gt;
Direktbegrünung und Mahdgutübertragung sind einer Ansaat vorzuziehen, da zusammen mit dem Pflanzenmaterial oder den Samen Insekten und Eier übertragen werden können. Dies ist insbesondere wichtig für Arten mit einem geringem Ausbreitungspotenzial. Das Saat- und Mahdgut sollte von [https://www.regioflora.ch/app/de/index.html Spenderflächen aus der nahen Umgebung] stammen, also [https://de.wikipedia.org/wiki/Autochthone_Art autochthon] sein, um die regionale genetische Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Für eine erfolgreiche Besiedlung sollen Empfängerflächen in maximal 1&amp;amp;nbsp;km Distanz, besser nur 500&amp;amp;nbsp;m, zu bereits besiedelten Flächen angelegt werden. Bei der Begrünung können kleine Bodenstelle langfristig offengehalten werden, indem Steine oder Feinsediment als Substrat eingebracht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hintergrundinformation'''&lt;br /&gt;
* [http://public.bibliothek.uni-halle.de/index.php/hercynia/article/viewFile/218/224 Elias, D. &amp;amp; Thiede, S. (2008). Verfrachtung von Heuschrecken (Insecta: Ensifera et Caelifera) mit frischem Mähgut im Wulfener Bruch (Sachsen-Anhalt)]: Diese Studie zeigt auf, dass die Mahdgutübertragung für Heuschrecken eine wichtige Rolle spielt, insbesondere für wenig mobile Arten.&lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2001_07_71.pdf  Bosshard, A. &amp;amp; Kuster, D. (2001). Bedeutung neu angelegter Extensivwiesen für Tagfalter und Heuschrecken]: Die Untersuchung zeigt, dass neu angelegte Extensivwiesen rasch von gefährdeten Heuschrecken- und Tagfalterarten besiedelt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/ Regio Flora - das Portal zur Förderung der regionalen Vielfalt im Grünland]: Umfassende Informationen zur Direktbegrünung von Wiesen und Weiden.&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/RF_Praxismerkblatt_D_download9.11.15.pdf Agridea (2015). Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft]: Leitfaden für die Praxis zum Einsatz von regionalem Saatgut in Biodiversitätsförderflächen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-hoch&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Gewaesser_PZ.png&lt;br /&gt;
| text = Die Ufer von Fliess- und Stillgewässern sind wichtige Verbreitungskorridore und sollen alternierend bewirtschaftet werden.  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feuchtgebiete und Trockenstandorte ==&lt;br /&gt;
=== Ruderalstandorte und Säume entlang von Feuchtgebieten pflegen ===&lt;br /&gt;
Zahlreiche Arten legen ihre Eier in Stängel von Pflanzen im Uferbereich von Still- und Fliessgewässern. Die Uferbereiche sind wichtige Verbreitungskorridore für die Tiere. Daher ist die extensive Pflege von Feuchtgebieten und Gräben das ganze Jahr über wichtig:&lt;br /&gt;
* [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts|Mahd]] an den Ufern alternierend, an einem Ufer die Vegetation immer für ca. 1-2 Jahre stehen lassen &lt;br /&gt;
* Säume am selben Ufer gestaffelt mähen und das Schnittgut abführen &lt;br /&gt;
* Flächen nicht mulchen&lt;br /&gt;
* Ruderalstandorte immer wieder abschnittweise stören durch extensive [[#Beweidung| Beweidung]] oder [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts | Mahd]], um die Verbuschung zu verhindern und [[#Strukturreiche Flächen schaffen und schützen| strukturreiche Flächen]] zu schaffen &lt;br /&gt;
* Invasive Pflanzen zurückdrängen, insbesondere Flügelknöterich (''Fallopia'') und Drüsiges Springkraut (''Impatiens glandulifera'')&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entbuschung von Trockenstandorten === &lt;br /&gt;
Der Baum- und Strauchbewuchs soll bei grossen Standorten maximal 25% betragen, bei kleineren 10% oder weniger. Für die langfristige Offenhaltung der Trockenwiesen- und weiden eignen sich extensive Beweidung oder Mahd. Massnahmen zur Aufwertung von Trockenstandorten werden zu einem späteren Zeitpunkt bearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im Siedlungsgebiet ==&lt;br /&gt;
=== Schotter- und Brachflächen extensiv pflegen ===&lt;br /&gt;
Im Randbereich vom Siedlungsgebiet und auf Firmengeländen kann eine reiche Heuschreckenfauna entstehen, wenn grössere Offenflächen vorhanden sind. Dies können z.&amp;amp;nbsp;B. Schotter- und Industriebrachen sein, die einen lockeren Pflanzenbewuchs aufweisen. Diese Flächen sollen extensiv bewirtschaftet werden (siehe: [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts|Mahdkonzepte]]). Der Strukturreichtum kann gefördert werden, indem die Pflege nur abschnittweise erfolgt und zusätzliche [[#Strukturreiche Flächen schaffen und schützen| Kleinstrukturen]] angelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrünung und Pflege von Flachdächern ===&lt;br /&gt;
Flachdächer können einigen Heuschreckenarten, z.&amp;amp;nbsp;B. der Blauflügeligen Sandschrecke (''Sphingonotus caerulans'') oder der Blauflügeligen Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') als Trittstein dienen. Dauerhafte Ansiedlungen von Populationen wurden bisher noch nicht beobachtet. Bei der Anlage der Dächer ist Folgendes wichtig: &lt;br /&gt;
* Nur einheimische Pflanzen und Saatgut verwenden &lt;br /&gt;
* Offene Stellen belassen und regelmässig neue Offenflächen durch Abtragung des Oberbodens schaffen &lt;br /&gt;
* Sand, Kies und Steine in unterschiedlichen Korngrössen verwenden &lt;br /&gt;
* Pflanzen extensiv und abschnittsweise pflegen &lt;br /&gt;
* Strukturreichtum durch Kieshaufen, Holz, etc. sicherstellen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://docplayer.org/20659374-Die-blaufluegelige-sandschrecke-sphingonotus-caerulans-auf-den-extensiv-begruenten-daechern-der-europa-allee-zuerich.html Speck, M. &amp;amp; Brenneisen, S. (2014). Die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) auf den extensiv begrünten Dächern der Europa-Allee in Zürich]&lt;br /&gt;
: Diese Studie belegt das Vorkommen der Rote-Liste Art auf Flachdächern in Zürich. Die Blauflügelige Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') wurde in vorherigen Untersuchungen machgewiesen, die hier zitiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [https://www.stadt-zuerich.ch/ted/de/index/gsz/beratung-und-wissen/wohn-und-arbeitsumfeld/dachbegruenungen0.html Stadt Zürich. Dachbegrünung]: Umfassende Informationen zur Anlage und Pflege von Dachbegrünung mit vielen Praxisbeispielen.&lt;br /&gt;
* [https://www.stadt.sg.ch/home/raum-umwelt/bauen-sanieren/natur-stadt.html Stadt St. Gallen, Amt für Umwelt und Energie (2014). Leitfaden Dachbegrünung]: Ausführliche Informationen zu Aufbau und extensiven Begrünungsarten von Flachdächern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-550px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Siedlungsgebiet.png&lt;br /&gt;
| text = Der Blauflügeligen Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') und der Blauflügeligen Sandschrecke (''Sphingonotus caerulans'') können Flachdächer als Trittsteine in neue Lebensräume dienen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wildblumenwiesen und Trockenflächen anlegen und pflegen === &lt;br /&gt;
In Parks und Gärten können auch anspruchsvollere Heuschreckenarten vorkommen, wenn Folgendes beachtet wird:&lt;br /&gt;
* Nur einheimisches Saatgut verwenden &lt;br /&gt;
* Lückig säen und nicht düngen  &lt;br /&gt;
* Offene Bodenflächen belassen &lt;br /&gt;
* Maximal 2-mal pro Jahr mit Balkenmäher oder Sense und abschnittsweise mähen &lt;br /&gt;
* Brachflächen, Altgrassstreifen und Säume um Gebüsche und Gehölze von 5-10m abschnittsweise pflegen, um eine Zunahme der Verbuschung zu verhindern &lt;br /&gt;
* Mahdgut abführen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [http://www.pronatura.ch/blumenwiesen?file=tl_files/dokumente_de/2_unsere_themen/lebensraeume/Wiesen/Pro_Natura_Praxis_Blumenwiese.pdf Pro Natura 2014. Blumenwiesen anlegen und pflegen]: Ausführliche Informationen zur Anlage und Pflege von grossen und kleinen (Wild-) Blumenwiesen.&lt;br /&gt;
* [https://www.wwf.ch/sites/default/files/doc-2019-02/2010-12-factsheet-wiesenparadies-einheimische-blumen.pdf WWF Schweiz 2010. Buntes Wiesenparadies mit einheimischen Wildblumen]: Schritt für Schritt Anleitung zur Anlage und Pflege von Wildblumenwiesen für Privathaushalte.&lt;br /&gt;
* [[Media:WWF 2010 Lebendige Trockenstandorte.pdf|WWF Schweiz 2010. Lebendige Trockenstandorte mit Sand, Kies und Schotter]]: Anleitung zur Anlage und Pflege von Trockenstandorten für Privathaushalte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundäre Pionierstandorte anlegen und pflegen == &lt;br /&gt;
Vom Menschen geschaffene Pionierstandorte sind für Heuschrecken wertvolle Sekundärhabitate geworden, da vielerorts die ursprünglichen Lebensräume (z.&amp;amp;nbsp;B. See- und Flussauen, Brandflächen, etc.) verschwunden sind. Der Erhalt der Pionierstandorte bedarf regelmässiger Pflegeeinsätze zur Verhinderung von Verfilzung und Verbuschung.&lt;br /&gt;
Heuschrecken finden wertvolle Pionierflächen: &lt;br /&gt;
* In Steinbrüchen und Kiesgruben &lt;br /&gt;
* In Weinbergen&lt;br /&gt;
* In Sand-, Lehmgruben und Mergelgruben &lt;br /&gt;
* An Bahnhöfen und Gleisen&lt;br /&gt;
* Auf Industriebrachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wiederansiedlung von Tieren ==&lt;br /&gt;
Die Wiederansiedelung von ehemals vorkommenden Heuschrecken kann nur eine letzte Alternative im Naturschutz sein, da primär immer der Schutz der vorhandenen Populationen im Fokus steht und die Wiederansiedlung sehr aufwändig ist. Für eine erfolgreiche Wiederansiedlung ist es notwendig, eine sorgfältige Ansiedlungs-Strategie zu erarbeiten und die [https://portals.iucn.org/library/efiles/documents/2013-009.pdf Richtlinien der IUCN zur Wiederansiedlung] strikt zu befolgen. Die Wiederansiedlung von Heuschrecken ist bewilligungspflichtig und soll Spezialisten überlassen werden, weshalb hier nicht näher darauf eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = GSM-5012435629 6b68a9c506 b Ephipiger cfr diurnus female.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Westliche Sattelschrecke (''Ephippiger diurnus'') besiedelt trockene und lückige Wiesen und Waldränder. Sie gehört zu den stark gefährdeten Arten.  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Viele Heuschreckenarten brauchen aufgrund ihrer Ansprüche an den Lebensraum ganz spezifische Fördermassnahmen. Die Priorisierung der gefährdeten Arten gemäss ihrem Förderbedarf kann der [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html Liste der National Prioritären Arten (2011)] entnommen werden. Eine wichtige Grundlage für die Förderung sind auch die in der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/wissenschaftliche-aktivitaten/fauna-indicativa.html Fauna Indicativa] zusammengestellten Präferenzen und Eigenschaften der einzelnen Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur wenige Praxisinformationen zum spezifischen Artenschutz von Heuschrecken. In der Schweiz wurde bisher nur für die Blauflügelige Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') eine [http://kbnl.ch/wp-content/uploads/2016/11/webseite_Ocaerulescens.pdf Zusammenfassung zur Best Practice der Artenförderung] und [https://www.zh.ch/content/dam/zhweb/bilder-dokumente/themen/umwelt-tiere/naturschutz/artenschutz/aktionsplaene-fauna/heuschrecken/oedipoda_caerulescens_ap.pdf vom Kanton Zürich ein Aktionsplan] erstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Nachbarländern wurden folgenden Publikationen zu Fördermassnahmen erstellt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Deutschland'''&lt;br /&gt;
* [http://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutz/natura_2000/vollzugshinweise_arten_und_lebensraumtypen/vollzugshinweise-fuer-arten-und-lebensraumtypen-46103.html#Wirbellose Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Niedersächsische Strategie zum Arten- und Biotopschutz]&lt;br /&gt;
'''Österreich''' &lt;br /&gt;
* [http://www.zobodat.at/pdf/NaturschutzbundBgld_9_2013_0001-0160.pdf Zuna-Kratky, T. et. al. (2013). Schutzprogramm für die gefährdeten Heuschrecken des Nordburgenlands]&lt;br /&gt;
'''Niederlande''' &lt;br /&gt;
* [http://repository.naturalis.nl/document/161506 Schut, D.  et al. (2008). Actieplan prioritaire Sprinkhanen in Noord-Brabant]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Gefährdung =&lt;br /&gt;
Von den 105 für die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html Rote Liste 2007] untersuchten Heuschreckenarten sind fast 40% bedroht. Am stärksten gefährdet sind die Pionierarten entlang von Gewässern sowie die Arten der Flach- und Hochmoore. Die Erhaltung der letzten Populationen dieser Arten ist daher von grosser Bedeutung.&lt;br /&gt;
Die grössten Gefährdungsursachen für alle Heuschreckenarten sind:&lt;br /&gt;
* Verlust und Fragmentierung des Lebensraums durch Veränderung der Landnutzung, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Umwandlung von Grünland in Äcker, Urbanisierung oder Industrialisierung&lt;br /&gt;
* Intensivierung der Nutzung, insbesondere der Einsatz von Mähmaschinen und Mähaufbereitern, sowie Düngung und Erhöhung der Anzahl Schnitte pro Jahr, sowie höhere Viehdichten auf kleinerem Raum&lt;br /&gt;
* Mangelnde (natürliche) Prozesse zur Offenhaltung der Landschaft und von Bodenstellen, Homogenisierung der Landschaft&lt;br /&gt;
* Verdichtung der Vegetation durch Eutrophierung&lt;br /&gt;
* Einsatz von Insektiziden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Gefährdungsursachen in Bezug auf die Lebensraumbindung sind:&lt;br /&gt;
* Grünlandarten: Intensive Beweidung oder häufige Mahd, Verbuschung oder Verkrautung durch Verbrachung, Verarmung der Pflanzenvielfalt, Düngung von Wiesen und Weiden &lt;br /&gt;
* Feuchtgebietsarten: Veränderungen im Gewässerhaushalt von Feuchtgebieten, intensivere landwirtschaftliche Nutzung von Feuchtwiesen &lt;br /&gt;
* Wald- und Waldrandarten: Fehlende Stufenstruktur des Waldrandes (Strauch- und Krautschicht), Entfernung von Hecken, Kleinstrukturen und Felsen, Intensivierung der Forstwirtschaft, Einsatz von Bioziden, Anbau von Monokulturen, touristische Nutzung (insbesondere mit Ski &amp;amp; Mountainbike)&lt;br /&gt;
* Pionierarten: Verbauungen der Fliessgewässer und Eingriffe in den Geschiebehaushalt, Veränderungen des Gewässerhaushaltes und der Gewässerdynamik, Verbuschung und Verkrautung der Offenflächen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Die Wissenslücken sind nicht abschliessend und fokussieren besonders auf die Förderung.&lt;br /&gt;
* Erfolgreiche Förderung seltener Arten&lt;br /&gt;
* Minimale überlebensfähige Populationsgrössen &lt;br /&gt;
* Vernetzung von Heuschreckenpopulationen unterschiedlicher Arten und Artenzusammensetzungen&lt;br /&gt;
* Habitatspezifische Auswirkungen der Grünlandnutzung: lässt sich das auf Trockenrasen gewonnene Wissen bspw. auf Feuchtwiesen übertragen?&lt;br /&gt;
* Barrierewirkung mehrspuriger Strassen (Autobahnen)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen vom Klimawandel, insbesondere langer Dürreperioden oder Starkregen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele =&lt;br /&gt;
Für Heuschrecken haben wir nur ein Praxisbeispiel gefunden, welches die durchgeführten Massnahmen ausführlich beschreibt und eine Erfolgsuntersuchung beinhaltet. Daher freuen wir uns über Ihre [http://biodivers.ch/index.php/kontakt.html Vorschläge per Email.]&lt;br /&gt;
* [http://www.parcs.ch/nwp/pdf_public/2014/26962_20140130_123116_Kurth_Salome_2007.pdf Kurth, S. (2007). Planning a migration corridor for the highly endangered grasshopper Chorthippus pullus (Orthoptera, Acrididae) in the Rottensand (Pfynwald, VS)]  &lt;br /&gt;
: Für den Kiesbankgrashüpfer wurde im Pfynwald ein Migrationskorridor errichtet und die anschliessende Nutzung beobachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Allgemeine Links=&lt;br /&gt;
* [http://lepus.unine.ch/carto/ Info fauna. Verbreitungskarten der Schweizer Tierarten]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken]&lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch Orthoptera Schweiz. Heuschrecken-Plattform für die Schweiz und Europa ]&lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch/links Orthoptera Schweiz. Linkliste der Heuschrecken-Webseiten Europas und weltweit] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar und weitere spannende Links ==&lt;br /&gt;
* [https://www.orthoptera.ch/glossar Glossar von orthoptera.ch]&lt;br /&gt;
* [http://www.biofotoquiz.ch/biofotoquiz/index.php?domain=standard&amp;amp;classID=278 Biofotoquiz]: Quiz mit Fotos von Heuschrecken und anderen Tier- und Pflanzenarten zum Kennenlernen der Arten.&lt;br /&gt;
* [https://offene-naturfuehrer.de/web/Heuschreckenarten_nach_einfachen_Merkmalen_bestimmen_(Bayern) Heuschreckenarten nach einfachen Merkmalen bestimmen (Bayern)]: Wiki-Bestimmungsschlüssel für die Heuschrecken von Bayern. Der Leser wird anhand der Merkmale geführt, die Kenntnis von Fachbegriffen wird vorausgesetzt.    &lt;br /&gt;
* [https://docplayer.org/24899466-Heuschrecken-bestimmungsschluessel-fuer-die-oestlichen-suedalpen.html Fontana et al. (2002). Heuschrecken-Bestimmungsschlüssel für die östlichen Südalpen]: Bestimmungsschlüssel mit detaillierten Zeichnungen der Merkmale. &lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch/info-app-wiki/orthoptera-app Orthoptera-App]: Die Heuschrecken Bestimmungs-App für iphone und Android enthält zu jeder Art zahlreiche Fotos, Stimmaufzeichnungen und Hintergrundinformationen. Beobachtungen können in der App eingegeben und so dem CSCF gemeldet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturempfehlungen =&lt;br /&gt;
* Detzel, P. (1998). Die Heuschrecken Baden-Württembergs. Stuttgart Hohenheim, Ulmer.&lt;br /&gt;
: Bisher immer noch das beste Buch zur praxisnahen Ökologie und Massnahmen zur Förderung von Heuschrecken. Die Aufwertungs-Massnahmen sind an einzelne Arten und Lebensräume angepasst. Als genereller Leitfaden sind sie sehr gut, umsetzungsorientierte Anleitungen fehlen. Alles in allem ein gutes Buch für den Anfang, eine Weiterentwicklung ist aber dringend notwendig.&lt;br /&gt;
* Ingrisch, S. &amp;amp; Köhler, G. (1998). Die Heuschrecken Mitteleuropas. Vol. Bd. 629. Magdeburg, Westarp Wissenschaften.&lt;br /&gt;
: Sehr ausführliches und allgemeines Buch zur Biologie, Populationsdynamiken und Lebensräumen der Heuschrecken, weniger zur Biotopaufwertung und zu Fördermassnahmen. Trotz dem Alter immer noch lesenswert und informativ. &lt;br /&gt;
* Schlumprecht, H. &amp;amp; Waeber, G. (2003). Heuschrecken in Bayern. Stuttgart Hohenheim. Ulmer. &lt;br /&gt;
: Sehr ausführlicher Bestimmungs-Atlas mit vielen Informationen zur Lebensweise und den Lebensräumen der einzelnen Arten. Zu Gefährdung und Schutz gibt es Beispiele aus dem bayrischen Raum und Ratschläge zur Aufwertung für jede Art.&lt;br /&gt;
* Maas, S., Detzel, P. &amp;amp; Staudt, A. (2002). Gefährdungsanalyse der Heuschrecken Deutschlands  - Verbreitungsatlas, Gefährdungseinstufung und Schutzkonzepte. Bonn-Bad Godesberg, Bundesamt für Naturschutz.&lt;br /&gt;
: Ausführlicher Atlas zu den Heuschreckenarten in Deutschland mit Gefährdungsanalysen und Informationen zu Habitaten, Biologie und Verbreitung der einzelnen Arten. Die Angaben zur Aufwertung von Lebensräumen sind kurz gehalten.&lt;br /&gt;
* [http://dgfo-articulata.de/articulata Articulata - Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Orthopterologie] &lt;br /&gt;
: In der Zeitschrift der DGFO erscheinen regelmässig Artikel zur Förderung von Heuschrecken, ältere Artikel können als PDF heruntergeladen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsbücher ==&lt;br /&gt;
* Baur, B., Bauer, H., Rösti, C., &amp;amp; Rösti, D. (2006). Die Heuschrecken der Schweiz. Bern, Haupt Verlag.&lt;br /&gt;
: Intuitiver Bestimmungsschlüssel für die Schweizer Heuschreckenarten mit sehr schönen Detail-Zeichnungen. Enthält Verbreitungskarten und Erklärungen zu den wichtigsten Merkmalen.&lt;br /&gt;
* Fischer, J., Steinlechner, D., Zehm, A., Poniatowski, D., et al., Hrsg. Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (2016). Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols: Bestimmen - Beobachten - Schützen. Wiebelsheim Hunsrück, Quelle &amp;amp; Meyer.&lt;br /&gt;
: Dieses Buch sticht positiv heraus. Es enthält Detailfotos der Bestimmungsmerkmale der Adultiere und Nymphen, eine Darstellung der Hauptaktivitätszeit aller Arten im Jahresverlauf und vieles mehr.&lt;br /&gt;
* Weitere nationale und internationale Bestimmungsbücher sind auf [http://www.orthoptera.ch/literatur Orthoptera.ch] aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers ]|| info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Prof. Dr. Peter Detzel || [http://www.goeg.de/ Gruppe für ökologische Gutachten] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Dr. Axel Hochkirch] || [https://www.uni-trier.de Universität Trier] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.naturalis.nl/en/science/researchers/roy-kleukers Roy Kleukers] || [https://www.naturalis.nl/en Naturalis Biodiversity Center] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.orthoptera.ch/ueber-uns Florin Rutschmann] || [https://www.pronatura-ag.ch/de Pro Natura Aargau] &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- biodivers-Links zu Arten: Kiesbankgrashüpfer Chorthippus pullus, Blauflügelige Ödlanschrecke Oedipoda caerulescens → Aktionsplandrehscheibe, Grüne Heupferd Tettigonia viridissima, Alpenschrecke Anonconotus alpinus &lt;br /&gt;
biodivers-Links zu Lebensräumen: Kleinstrukturen, Hecke, Stillgewässer (mehrfach), Fliessgewässer (mehrfach), Wald und Waldrand (mehrfach), Feuchtgebiete, Sumpf, Grünland, Trockenwiesen und Trockenweisen, Entbuschung von Trockenwiesen (mehrfach)--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Heuschrecken&amp;diff=4703</id>
		<title>Heuschrecken</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Heuschrecken&amp;diff=4703"/>
				<updated>2023-03-04T18:17:18Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Orthoptères]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = JM 29293745804 8952ea6513 h.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Sumpfschrecke (''Stethophyma grossum'') besiedelt feuchte Wiesen und Flachmoore.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review || Prof. Dr. Peter Detzel, [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Dr. Axel Hochkirch], [https://www.naturalis.nl/en/science/researchers/roy-kleukers Roy Kleukers] &amp;amp; [http://www.orthoptera.ch/ueber-uns Florin Rutschmann]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || Juli 2017&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
Über 100 Heuschreckenarten bereichern unsere Fauna und überraschen uns mit Flug-, Grab- oder Klangkünsten sowie ihrer Farben- und Formenvielfalt. Heuschrecken (Orthopteren) sind wärmeliebende Kulturfolger. Die meisten Arten beherbergt das Grünland, ob trocken oder feucht, gemäht oder beweidet. Einige Arten leben in lichten Wäldern und auf Pionierflächen der Flussauen und Geröllhalden. Viele Heuschreckenarten sind auf eine hohe Strukturvielfalt auf kleinem Raum angewiesen, da ihre durchschnittliche Ausbreitungsdistanz weniger als ein Kilometer beträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für alle Arten ist die Offenhaltung ihrer Lebensräume zentral. Die Wiederherstellung der natürlichen Dynamiken oder die regelmässige, extensive Bewirtschaftung der besiedelten Flächen ist daher wichtig. Bei der Mahd ist darauf zu achten, ein Mosaik aus Rückzugsstreifen und Flächen mit unterschiedlichen Mahdzeitpunkten zu schaffen. Bei der Begrünung sind eine geringe Distanz zu besiedelten Flächen und eine lückige Ausbringung vorteilhaft. Von den über 100 einheimischen Heuschreckenarten stehen 40% auf der Roten Liste. Insbesondere die Arten der Pionierflächen haben einen erhöhten Förderbedarf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik =&lt;br /&gt;
Heuschrecken werden in zwei leicht unterscheidbare Gruppen eingeteilt. Bei den Langfühlerschrecken (Ensifera) sind die Fühler gleich lang oder länger als der Körper und haben mindestens 30 Fühlerglieder, während sie bei den Kurzfühlerschrecken (Caelifera) kürzer als der Körper sind. Die Weibchen der Langfühlerschrecken besitzen meist einen auffälligen Legebohrer, im Gegensatz zu den kurzen Legeröhrenklappen bei den Kurzfühlerschrecken. Nur die Maulwurfsgrille gehört auch ohne lange Fühler und Legebohrer zu den Langfühlerschrecken. &lt;br /&gt;
Mehr zur Systematik der Heuschrecken auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Heuschrecken Wikipedia].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Ökologie=&lt;br /&gt;
== Lebensräume ==&lt;br /&gt;
Heuschrecken besiedeln die meisten terrestrischen Lebensräume bis auf 3'100&amp;amp;nbsp;m&amp;amp;nbsp;ü.&amp;amp;nbsp;M. Sie kommen in extensiven Wiesen und Weiden, Brachen, Weinbergen, Wäldern, Feuchtgebieten, Mooren und Flussauen vor. Heuschrecken können allgemein als wärmeliebende Kulturfolger bezeichnet werden, die in stark vom Menschen geprägten Landschaften leben. So können Kiesgruben und Steinbrüche viele seltene Arten beherbergen, wenn sie offengehalten und extensiv gepflegt werden. Im Siedlungsgebiet finden Heuschrecken eine Vielfalt an Kleinlebensräumen auf Industriebrachen und grossen Güterbahnhöfen, Schotterplätzen und in Ruderalflächen. Für seltene Arten sind Parks, Gärten und Flachdächer als Lebensraum wenig relevant, als Trittsteine können sie aber beim Erreichen neuer Lebensräume helfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-1000px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Lebensraeuume_Gruppen_PZ.png&lt;br /&gt;
| text = Zu den wichtigsten Lebensräumen für Heuschrecken zählen magere Wiesen, Moorlandschaften, lückige Wälder und Blocksteinhalden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da nahezu alle Heuschrecken licht- und wärmeliebend sind, brauchen sie in ihren Lebensräumen Offenflächen bzw. lückige Pflanzenbestände. Die Bindung an das Habitat erfolgt weniger aufgrund bestimmter Pflanzengesellschaften, als aufgrund der benötigten Strukturen und der mikroklimatischen Verhältnisse. Entscheidend sind Dichte und Höhe der Vegetation, sowie Temperatur und Feuchtigkeit. Mosaikartige Lebensräume mit einer Vielfalt an Strukturen sind für eine hohe Heuschreckenvielfalt optimal. So leben an Lebensraum-Übergängen, wie Waldrändern mit Feuchtwiesen oder Hecken entlang von extensiven Wiesen, besonders viele Arten. Für den Erhalt von Offenflächen und Strukturreichtum sind regelmässige Pflegeeinsätze notwendig, wenn natürliche Dynamiken fehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schweizer Heuschreckenarten können bezüglich ihrer Lebensraumbindung in vier Gruppen unterteilt werden (aus: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken]) &lt;br /&gt;
# Grünlandarten in Trockenwiesen und -weiden (43 Arten)&lt;br /&gt;
# Sumpf- und Feuchtgebietsarten in Flach- und Hochmooren (11 Arten)&lt;br /&gt;
# Wald- und Waldrandarten sowie Gebüscharten, vor allem in tieferen Lagen (24 Arten)&lt;br /&gt;
# Pionierarten in Auen, Felsplatten, Geröllhalden oder Karst (25 Arten)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Merkmale und Vermehrung==&lt;br /&gt;
Heuschrecken sind durch ihre Körperform, ihr Verhalten und ihre Körperfärbung an ihren Lebensraum angepasst und häufig gut getarnt. Die Körperfärbung kann innerhalb einer Art stark variieren und ist daher meist kein spezifisches Unterscheidungsmerkmal. Die Körperfärbung ist nicht immer genetisch festgelegt, sondern kann sich während der Entwicklung verändern und der Färbung der Umgebung anpassen. Adulte Tiere können ihre Farbe dagegen nicht mehr wechseln, aber ggf. noch nachdunkeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heuschrecken durchlaufen eine hemimetabole (unvollkommene) Entwicklung. Nach dem Schlupf sind die sogenannten Nymphen schon als Heuschrecken zu erkennen und werden mit jeder Häutung dem adulten Tier ähnlicher. Grillen brauchen bis zu 12 Häutungen, bis sie ausgewachsen sind, Laubheuschrecken 5 bis 7 und Kurzfühlerschrecken 4 bis 5 Häutungen. Erst nach der letzten Häutung bilden sich die Flügel und Geschlechtsorgane vollständig aus. Die meisten Heuschrecken sind einjährig, ihre Nymphen schlüpfen im Zeitraum von Frühling bis Sommer. Adulte Tiere sind von Sommer bis Herbst zu finden, das Auftreten richtet sich vor allem nach der Höhenstufe und den mikroklimatischen Verhältnissen. Nur Grillen (Gryllidae) und Dornschrecken (Tetrigidae) überwintern in einem der Nymphenstadien oder als adulte Tiere und treten entsprechend früh im Jahr auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt einige Tage bis wenige Wochen nach der letzten Häutung und schon wenige Tage später beginnt die Eiablage. Die Weibchen der meisten Heuschreckenarten legen ihre Eier im Boden oder an der Basis von Gräsern ab. Andere Arten legen ihre Eier in rissige Baumrinde und markhaltige Pflanzenteile oder heften sie an Halme und Blätter. Die Langfühlerschrecken können mit dem Legebohrer ihre Eier tiefer in den Boden legen als die Kurzfühlerschrecken. Bei den meisten heimischen Arten dauert die Entwicklung der Eier bis zum Schlupf vom Herbst bis zum nächsten Frühling, bei einigen auch mehrere Jahre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Feuchte- und Temperatur-Ansprüche der Eier sind bei Heuschrecken entscheidend für die Habitatbindung der Arten. Arten der Feuchthabitate können oft nicht überleben, wenn ihre Eier im Winter nicht genügend feucht sind. Sie brauchen eine Periode der Überflutung. Feldheuschrecken der trockenen Habitate haben eine längere Eientwicklung nach dem Winter und benötigen höhere Bodentemperaturen. Die notwenigen Temperaturen werden erreicht, wenn Sonnenstrahlen offene Bodenstellen erwärmen. Andere Arten, die in höherer, dichterer Vegetation leben, kommen auch mit geringer Sonneneinstrahlung zurecht. So gibt es einige Spezialisten unter den Heuschrecken, mit ganz spezifischen Ansprüchen an ihren Lebensraum. Der Kiesbankgrashüpfer (''Chorthippus pullus'') lebt in der Schweiz z.&amp;amp;nbsp;B. ausschliesslich auf vegetationsarmen Kiesbänken grosser Alpenflüsse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-1000px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Eiablage_Lebensraum-Fluegel.png&lt;br /&gt;
| text = Von links nach rechts: Die Laubholz-Säbelschrecke (''Barbitistes serricauda'') legt ihre Eier in Gehölze mit strukturreicher Borke ab. Der Kiesbankgrashüpfer (''Chorthippus pullus'') kommt nur entlang der grossen Alpenflüsse vor. Die Gewöhnliche Gebirgsschrecke (''Podisma pedestris'') kann aufgrund der verkümmerten Flügel nicht fliegen.&lt;br /&gt;
Das Grüne Heupferd (''Tettigonia viridissima'') ist ein Langstreckenflieger unter den Heuschrecken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Populationsgrössen und Ausbreitung ==&lt;br /&gt;
Die Populationsgrösse kann zwischen den Jahren stark schwanken. Schon ein Kälteeinbruch oder eine längere Regenphase im Frühsommer können zu einem starken Populationsrückgang führen. Einzelbeobachtungen weisen darauf hin, dass auch kleine Populationen mit weniger als 50 Tieren über mehrere Jahre existieren können, wenn die Habitatqualität nicht abnimmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten Heuschreckenarten sind sesshaft und bewegen sich in einem Umkreis von wenigen Metern bis maximal 1&amp;amp;nbsp;km. Bei vielen Arten sind die Flügel verkümmert (z.&amp;amp;nbsp;B. bei der Gewöhnlichen Gebirgsschrecke ''Podisma pedestris''). Es gibt aber auch einzelne Langstreckenflieger, wie das Grüne Heupferd (''Tettigonia viridissima''), das in einem Sommer Distanzen von mehreren Kilometern zurücklegen kann. Hohe Bestandsdichten können die Ausbreitung von sesshaften Arten erhöhen, da bei Dichtestress die Mobilität steigt und makroptere (langflügelige) Tiere auftreten können, deren Flügel deutlich länger sind als üblich. Mit verlängerten Flügeln können auch Arten, die üblicherweise flugunfähig sind, weitere Distanzen überqueren. Ungenügend untersucht ist die Ausbreitung von Eiern und Tieren durch passiven Transport, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Fliessgewässer, den Bahnverkehr, durch Verfrachtung mit Mahdgut oder mit Weidetieren. Bei manchen Arten scheint diese Art der Verbreitung jedoch gut zu funktionieren, da immer wieder fernab von bekannten Populationen Einzeltiere oder kleine Initialpopulationen gefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fauna Indicativa ==&lt;br /&gt;
Die [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/projekte/fauna-indicativa.html Fauna Indicativa] ist ein Nachschlagewerk sowie ein Werkzeug für die Auswertung faunistischer Daten. Sie charakterisiert in Tabellenform ökologische Präferenzen und biologische Eigenschaften aller in der Schweiz einheimischen Heuschrecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
==Allgemeine Massnahmen ==&lt;br /&gt;
===Grünland- und Feuchtgebietsarten ===&lt;br /&gt;
* Extensive Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden und Verzicht auf schwere Maschinen, insbesondere in Feuchtgebieten&lt;br /&gt;
* Verzicht auf das Ausbringen von Kunstdünger und Bioziden, insbesondere Insektiziden&lt;br /&gt;
* Förderung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) mit Qualitätsstufe QII&lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Bewässerung von Trockenwiesen und Steppen&lt;br /&gt;
* Eindämmung der Verbuschung und Verbrachung von Trockenwiesen- und weiden&lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Entwässerung von Feuchtgebieten und Wiederherstellung des natürlichen Wasserregimes&lt;br /&gt;
* Erhalt von Weiden, da in der Regel mit heterogener Struktur und artenreicher, ausser bei einschüriger Mahd &lt;br /&gt;
* Schutz und Wiederherstellung von Feuchtgebieten&lt;br /&gt;
* Anlage und Pflege von Stillgewässern, insbesondere mit flachen Uferzonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wald- und Waldrandarten===&lt;br /&gt;
* Aufwertung und Schaffung gestufter Waldränder mit einer Krautschicht&lt;br /&gt;
* Erhalt alter Baumbestände, Biotopbäume und Hecken mir ihren Säumen&lt;br /&gt;
* Auflichtung der Wälder und Böschungen, damit sie gut besonnt sind&lt;br /&gt;
* Extensive Pflege der Weg- und Hangböschungen&lt;br /&gt;
* Standortgerechter Waldbau, Verzicht auf Monokulturen (bspw. Fichten)&lt;br /&gt;
* Umwandlung von Monokulturen in natürliche Wälder mit mehreren Baumarten&lt;br /&gt;
* Verzicht auf den Einsatz von Düngemitteln und Bioziden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Pionierarten an Fliessgewässern ===&lt;br /&gt;
(Übernommen aus: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken])&lt;br /&gt;
* Revitalisierung der Fliessgewässer, bevorzugt von Pionierarten besiedelte Standorten &lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Zuschüttung oder Eindämmung von besiedelten Uferflächen&lt;br /&gt;
* Verzicht auf jeglichen Abbau der Sand-, Kies- oder Steinbänke innerhalb, ober- und unterhalb besiedelter Flächen&lt;br /&gt;
* Zulassen von regelmässigen, genügend intensiven Hochwassern, um den natürlichen Abtrag der mit Vegetation bewachsenen Bänke in Auen zu gewährleisten&lt;br /&gt;
* Gewährleisten von periodischen Ablagerungen von Sedimenten an besiedelten Standorten, um die Regeneration von Sedimentbänken in Auen sicherzustellen&lt;br /&gt;
* Revitalisierung möglichst vieler Fliessgewässer, um über die Schaffung von potenziell günstigen Standorten die Wiederbesiedlung von verlassenen Gegenden zu fördern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mosaik_aus_Gruenlandtypen_-_Suedschwarzwald_-_IMG_7876b.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Strukturreichtum dieser Flächen bietet Grünlandarten einen idealen Lebensraum.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Strukturreiche Flächen schaffen und schützen ==&lt;br /&gt;
Für Heuschrecken sind weniger die typischen [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen Kleinstrukturen] wichtig wie [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen#Die_einzelnen_Kleinstrukturen Ast- oder Steinhaufen], als vielmehr offene Bodenstellen (u.&amp;amp;nbsp;a. für die Eiablage) und Strukturen, die Wärme aufnehmen und speichern, wie felsige Bereiche, [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pionierfl%C3%A4chen Kiesflächen], feuchte Senken und [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser temporäre Tümpel]. Neu angelegte Strukturen sollen eine minimale Fläche von 20&amp;amp;nbsp;m&amp;amp;sup2; pro ha haben. Natürliche Offenflächen und strukturreiche Flächen wie Moränen, Felsschutthalden, Kiesflächen und Verlandungszonen von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Stillgewässern] sind zu schützen und dürfen nicht zugeschüttet oder aufgeforstet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts ==&lt;br /&gt;
Viele gefährdete Heuschreckenarten sind auf eine extensive Beweidung oder regelmässige Mahd angewiesen, damit die Vegetation nicht zu dicht wird. Der optimale Schnittzeitpunkt ist artabhängig. Für Arten, die ihre Eier im Boden ablegen, ist eine Mahd zwischen Mai und August ungünstig. Für Arten, die ihre Eier an oder in Pflanzen ablegen, ist eine Mahd nach August und vor Mai problematisch. Die Bewirtschaftung kann aber auch schädlich sein. Verluste entstehen v.&amp;amp;nbsp;a. durch Mähaufbereiter und das Schwaden und Abführen des Mahdguts. Zur Verminderung der Verluste bei allen Arten ist bei der Mahd Folgendes zu beachten: &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
* Es sollen möglichst wenige Schnitte erfolgen, optimaler Weise nur ein Schnitt pro Jahr&lt;br /&gt;
* Frühmad: nicht ganzflächige durchführen; Spätmahd: nach dem Verblühen der meisten Pflanzen durchführen&lt;br /&gt;
* Am besten ist eine differenzierte Pflege, d.&amp;amp;nbsp;h. ein Mosaik aus Flächen mit unterschiedlichen Mähzeitpunkten und Rückzugsstreifen, die nur alle 2 Jahre gemäht werden &lt;br /&gt;
* Die Schnitthöhe soll mindestens 10&amp;amp;nbsp;cm betragen &lt;br /&gt;
* Balkenmäher verursachen die niedrigste Schädigungsrate, Scheibenmähern die höchste; am schonendsten ist die Mahd mit der Sense &lt;br /&gt;
* Das Schnittgut soll, damit sich die Tiere verteilen können, zum Trocknen liegen gelassen und stets abgeführt werden&lt;br /&gt;
* Es sollen keine Mähaufbereiter eingesetzt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://www.buntewiese-tuebingen.de/app/download/6569219764/Hiller%202014%20Auswirkungen%20verschiedener%20Mahdkonzepte%20auf%20die%20Heuschreckenfauna%20st%C3%A4dtischer%20Gr%C3%BCnfl%C3%A4chen%20-%20Naturschutz%20und%20Landschaftsplanung.pdf?t=1490555371 Hiller, D. &amp;amp; Betz, O.(2014). Auswirkungen verschiedener Mahdkonzepte auf die Heuschreckenfauna städtischer Grünflächen]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hintergrundinformationen'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [http://www.parcs.ch/npf/pdf_public/2014/30491_20141107_083216_MA_GrichtingStefan_2002.pdf  Grichting, S. (2002). Heuschrecken (Orthoptera) von Trockensteppen und extensiv bewirtschafteten Wiesen im Pfynwald (VS, Schweiz)]&lt;br /&gt;
: Studie zu den ökologischen Ansprüchen und der Verbreitung von Heuschrecken auf Wiesen mit unterschiedlichem Nutzungsgrad.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/abashop?s=208&amp;amp;p=productdetail&amp;amp;sku=429&amp;amp;language=de Agridea (2011). Erntetechnik und Artenvielfalt in Wiesen]&lt;br /&gt;
: Das Merkblatt zeigt die Auswirkungen verschiedener Mähtechniken und nachfolgender Ernteschritte auf die Artenvielfalt und gibt Empfehlungen für eine möglichst tierschonende Ernte. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rotationsbrachen anlegen und Altgrassstreifen stehen lassen ==&lt;br /&gt;
Bei der Anlage von Rotationsbrachen und Altgrasstreifen ist auf das Vorkommen von Heuschreckenpopulation in der näheren Umgebung zu achten, da Heuschrecken oft nur geringe Ausbreitungsdistanzen haben. Als Rückzugsstreifen werden bei jedem Schnitt 10% der Wiese stehen gelassen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/NuL07-10_Mueller_Bosshard.pdf Müller, M. &amp;amp; Bosshard, B. (2012). Altgrasstreifen fördern Heuschrecken in Ökowiesen - Eine Möglichkeit zur Strukturverbesserung im Mähgrünland]&lt;br /&gt;
: Studie zu den positiven Auswirkungen von Altgrasstreifen als Rückzugsraum bei der Mahd  in extensiv genutzten Wiesen. &lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2012_01_1723.pdf Duss, M. et al. (2012). Vernetzte Ökoflächen fördern Heuschrecken]&lt;br /&gt;
: Studie zur Auswirkung eines Vernetzungsprojektes von ökologischen Ausgleichsflächen (öAF) auf die Verbreitung von 2 Heuschreckenarten. Die Grosse Goldschrecke (''Chrysochraon dispar'') profitiert von Altgrasstreifen.&lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/download.php?filename=2001_1112_102.pdf Peter, B. &amp;amp; Walter, T. (2001). Heuschrecken brauchen ökologische Ausgleichsflächen] &lt;br /&gt;
: Vergleichende Untersuchungen vor und nach der Einführung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) zeigt deren Wichtigkeit für Heuschrecken auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Buntbrache_Altgrassstreifen_AK.png&lt;br /&gt;
| text = Links und Mitte: Die Gemeine Sichelschrecke (''Phaneroptera falcata'') und die Langflüglige Schwertschrecke (''Conocephalus fuscus'') schätzen die hohe Vegetation von Buntbrachen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Rechts: Die Grosse Goldschrecke (''Chrysochraon dispar'') profitiert von Altgrasstreifen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Beweidung ==&lt;br /&gt;
Für die Beweidung sollen möglichst traditionelle Rassen, bzw. leichte Tiere eingesetzt werden. Generell scheint Schaf-Hütehaltung besonders günstig für Heuschrecken zu sein. Die Viehdichte darf nicht zu hoch sein; der jährliche Besatz sollte 150 Grossvieheinheiten&amp;amp;sup1; pro Hektare (GVE/ha) nicht überschreiten. Es empfiehlt sich, eine Beweidung in Koppeln zu führen, womit ein ähnlicher Effekt erzielt wird wie mit einer Rotationsmahd. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;Die Beweidungsintensität ergibt sich aus dem Produkt von Besatzstärke in Grossvieheinheiten pro Hektare mal Anzahl Bestossungstagen (GVE/ha * dd). Je nach Grösse und Alter der Tiere ändert sich der Wert, der sich mit dem [https://www.agate.ch/portal/web/agate/gve-rechner GVE-Rechner des Bundesamtes für Landwirtschaft] genau ermitteln lässt.&amp;lt;/small&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://www.pronatura.ch/de/2016/allegra-geissenpeter-ziegen-esel-und-rinder-weiden-fuer-die-biodiversitaet Pro Natura. Projekt „Allegra Geissenpeter“]&lt;br /&gt;
: Pro Natura lanciert Projekte mit verschiedenen Weidetierarten, um die Trockenstandorte in den Alpen nachhaltig zu sichern, unter anderem zur Förderung der Heuschrecken. Die unterschiedlichen Projekte und die Ergebnisse der Erfolgskontrollen sind im [https://www.pronatura.ch/sites/pronatura.ch/files/2017-11/leitfaden_fuer_die_aufwertung_von_brachliegenden_trockenstandorten_durch_beweidung-beitraege_zum_naturschutz_in_der_schweiz_nr_37-2016_highres.pdf Leitfaden für die Aufwertung von brachliegenden Trockenstandorten durch Beweidung (2016)] zusammengefasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Direktbegrünung und Mahdgutübertragung  ==&lt;br /&gt;
Direktbegrünung und Mahdgutübertragung sind einer Ansaat vorzuziehen, da zusammen mit dem Pflanzenmaterial oder den Samen Insekten und Eier übertragen werden können. Dies ist insbesondere wichtig für Arten mit einem geringem Ausbreitungspotenzial. Das Saat- und Mahdgut sollte von [https://www.regioflora.ch/app/de/index.html Spenderflächen aus der nahen Umgebung] stammen, also [https://de.wikipedia.org/wiki/Autochthone_Art autochthon] sein, um die regionale genetische Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Für eine erfolgreiche Besiedlung sollen Empfängerflächen in maximal 1&amp;amp;nbsp;km Distanz, besser nur 500&amp;amp;nbsp;m, zu bereits besiedelten Flächen angelegt werden. Bei der Begrünung können kleine Bodenstelle langfristig offengehalten werden, indem Steine oder Feinsediment als Substrat eingebracht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hintergrundinformation'''&lt;br /&gt;
* [http://public.bibliothek.uni-halle.de/index.php/hercynia/article/viewFile/218/224 Elias, D. &amp;amp; Thiede, S. (2008). Verfrachtung von Heuschrecken (Insecta: Ensifera et Caelifera) mit frischem Mähgut im Wulfener Bruch (Sachsen-Anhalt)]: Diese Studie zeigt auf, dass die Mahdgutübertragung für Heuschrecken eine wichtige Rolle spielt, insbesondere für wenig mobile Arten.&lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2001_07_71.pdf  Bosshard, A. &amp;amp; Kuster, D. (2001). Bedeutung neu angelegter Extensivwiesen für Tagfalter und Heuschrecken]: Die Untersuchung zeigt, dass neu angelegte Extensivwiesen rasch von gefährdeten Heuschrecken- und Tagfalterarten besiedelt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/ Regio Flora - das Portal zur Förderung der regionalen Vielfalt im Grünland]: Umfassende Informationen zur Direktbegrünung von Wiesen und Weiden.&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/RF_Praxismerkblatt_D_download9.11.15.pdf Agridea (2015). Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft]: Leitfaden für die Praxis zum Einsatz von regionalem Saatgut in Biodiversitätsförderflächen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-hoch&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Gewaesser_PZ.png&lt;br /&gt;
| text = Die Ufer von Fliess- und Stillgewässern sind wichtige Verbreitungskorridore und sollen alternierend bewirtschaftet werden.  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feuchtgebiete und Trockenstandorte ==&lt;br /&gt;
=== Ruderalstandorte und Säume entlang von Feuchtgebieten pflegen ===&lt;br /&gt;
Zahlreiche Arten legen ihre Eier in Stängel von Pflanzen im Uferbereich von Still- und Fliessgewässern. Die Uferbereiche sind wichtige Verbreitungskorridore für die Tiere. Daher ist die extensive Pflege von Feuchtgebieten und Gräben das ganze Jahr über wichtig:&lt;br /&gt;
* [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts|Mahd]] an den Ufern alternierend, an einem Ufer die Vegetation immer für ca. 1-2 Jahre stehen lassen &lt;br /&gt;
* Säume am selben Ufer gestaffelt mähen und das Schnittgut abführen &lt;br /&gt;
* Flächen nicht mulchen&lt;br /&gt;
* Ruderalstandorte immer wieder abschnittweise stören durch extensive [[#Beweidung| Beweidung]] oder [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts | Mahd]], um die Verbuschung zu verhindern und [[#Strukturreiche Flächen schaffen und schützen| strukturreiche Flächen]] zu schaffen &lt;br /&gt;
* Invasive Pflanzen zurückdrängen, insbesondere Flügelknöterich (''Fallopia'') und Drüsiges Springkraut (''Impatiens glandulifera'')&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entbuschung von Trockenstandorten === &lt;br /&gt;
Der Baum- und Strauchbewuchs soll bei grossen Standorten maximal 25% betragen, bei kleineren 10% oder weniger. Für die langfristige Offenhaltung der Trockenwiesen- und weiden eignen sich extensive Beweidung oder Mahd. Massnahmen zur Aufwertung von Trockenstandorten werden zu einem späteren Zeitpunkt bearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im Siedlungsgebiet ==&lt;br /&gt;
=== Schotter- und Brachflächen extensiv pflegen ===&lt;br /&gt;
Im Randbereich vom Siedlungsgebiet und auf Firmengeländen kann eine reiche Heuschreckenfauna entstehen, wenn grössere Offenflächen vorhanden sind. Dies können z.&amp;amp;nbsp;B. Schotter- und Industriebrachen sein, die einen lockeren Pflanzenbewuchs aufweisen. Diese Flächen sollen extensiv bewirtschaftet werden (siehe: [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts|Mahdkonzepte]]). Der Strukturreichtum kann gefördert werden, indem die Pflege nur abschnittweise erfolgt und zusätzliche [[#Strukturreiche Flächen schaffen und schützen| Kleinstrukturen]] angelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrünung und Pflege von Flachdächern ===&lt;br /&gt;
Flachdächer können einigen Heuschreckenarten, z.&amp;amp;nbsp;B. der Blauflügeligen Sandschrecke (''Sphingonotus caerulans'') oder der Blauflügeligen Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') als Trittstein dienen. Dauerhafte Ansiedlungen von Populationen wurden bisher noch nicht beobachtet. Bei der Anlage der Dächer ist Folgendes wichtig: &lt;br /&gt;
* Nur einheimische Pflanzen und Saatgut verwenden &lt;br /&gt;
* Offene Stellen belassen und regelmässig neue Offenflächen durch Abtragung des Oberbodens schaffen &lt;br /&gt;
* Sand, Kies und Steine in unterschiedlichen Korngrössen verwenden &lt;br /&gt;
* Pflanzen extensiv und abschnittsweise pflegen &lt;br /&gt;
* Strukturreichtum durch Kieshaufen, Holz, etc. sicherstellen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://docplayer.org/20659374-Die-blaufluegelige-sandschrecke-sphingonotus-caerulans-auf-den-extensiv-begruenten-daechern-der-europa-allee-zuerich.html Speck, M. &amp;amp; Brenneisen, S. (2014). Die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) auf den extensiv begrünten Dächern der Europa-Allee in Zürich]&lt;br /&gt;
: Diese Studie belegt das Vorkommen der Rote-Liste Art auf Flachdächern in Zürich. Die Blauflügelige Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') wurde in vorherigen Untersuchungen machgewiesen, die hier zitiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [https://www.stadt-zuerich.ch/ted/de/index/gsz/beratung-und-wissen/wohn-und-arbeitsumfeld/dachbegruenungen0.html Stadt Zürich. Dachbegrünung]: Umfassende Informationen zur Anlage und Pflege von Dachbegrünung mit vielen Praxisbeispielen.&lt;br /&gt;
* [https://www.stadt.sg.ch/home/raum-umwelt/bauen-sanieren/natur-stadt.html Stadt St. Gallen, Amt für Umwelt und Energie (2014). Leitfaden Dachbegrünung]: Ausführliche Informationen zu Aufbau und extensiven Begrünungsarten von Flachdächern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-550px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Siedlungsgebiet.png&lt;br /&gt;
| text = Der Blauflügeligen Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') und der Blauflügeligen Sandschrecke (''Sphingonotus caerulans'') können Flachdächer als Trittsteine in neue Lebensräume dienen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wildblumenwiesen und Trockenflächen anlegen und pflegen === &lt;br /&gt;
In Parks und Gärten können auch anspruchsvollere Heuschreckenarten vorkommen, wenn Folgendes beachtet wird:&lt;br /&gt;
* Nur einheimisches Saatgut verwenden &lt;br /&gt;
* Lückig säen und nicht düngen  &lt;br /&gt;
* Offene Bodenflächen belassen &lt;br /&gt;
* Maximal 2-mal pro Jahr mit Balkenmäher oder Sense und abschnittsweise mähen &lt;br /&gt;
* Brachflächen, Altgrassstreifen und Säume um Gebüsche und Gehölze von 5-10m abschnittsweise pflegen, um eine Zunahme der Verbuschung zu verhindern &lt;br /&gt;
* Mahdgut abführen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [http://www.pronatura.ch/blumenwiesen?file=tl_files/dokumente_de/2_unsere_themen/lebensraeume/Wiesen/Pro_Natura_Praxis_Blumenwiese.pdf Pro Natura 2014. Blumenwiesen anlegen und pflegen]: Ausführliche Informationen zur Anlage und Pflege von grossen und kleinen (Wild-) Blumenwiesen.&lt;br /&gt;
* [https://www.wwf.ch/sites/default/files/doc-2019-02/2010-12-factsheet-wiesenparadies-einheimische-blumen.pdf WWF Schweiz 2010. Buntes Wiesenparadies mit einheimischen Wildblumen]: Schritt für Schritt Anleitung zur Anlage und Pflege von Wildblumenwiesen für Privathaushalte.&lt;br /&gt;
* [[Media:WWF 2010 Lebendige Trockenstandorte.pdf|WWF Schweiz 2010. Lebendige Trockenstandorte mit Sand, Kies und Schotter]]: Anleitung zur Anlage und Pflege von Trockenstandorten für Privathaushalte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundäre Pionierstandorte anlegen und pflegen == &lt;br /&gt;
Vom Menschen geschaffene Pionierstandorte sind für Heuschrecken wertvolle Sekundärhabitate geworden, da vielerorts die ursprünglichen Lebensräume (z.&amp;amp;nbsp;B. See- und Flussauen, Brandflächen, etc.) verschwunden sind. Der Erhalt der Pionierstandorte bedarf regelmässiger Pflegeeinsätze zur Verhinderung von Verfilzung und Verbuschung.&lt;br /&gt;
Heuschrecken finden wertvolle Pionierflächen: &lt;br /&gt;
* In Steinbrüchen und Kiesgruben &lt;br /&gt;
* In Weinbergen&lt;br /&gt;
* In Sand-, Lehmgruben und Mergelgruben &lt;br /&gt;
* An Bahnhöfen und Gleisen&lt;br /&gt;
* Auf Industriebrachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wiederansiedlung von Tieren ==&lt;br /&gt;
Die Wiederansiedelung von ehemals vorkommenden Heuschrecken kann nur eine letzte Alternative im Naturschutz sein, da primär immer der Schutz der vorhandenen Populationen im Fokus steht und die Wiederansiedlung sehr aufwändig ist. Für eine erfolgreiche Wiederansiedlung ist es notwendig, eine sorgfältige Ansiedlungs-Strategie zu erarbeiten und die [https://portals.iucn.org/library/efiles/documents/2013-009.pdf Richtlinien der IUCN zur Wiederansiedlung] strikt zu befolgen. Die Wiederansiedlung von Heuschrecken ist bewilligungspflichtig und soll Spezialisten überlassen werden, weshalb hier nicht näher darauf eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = GSM-5012435629 6b68a9c506 b Ephipiger cfr diurnus female.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Westliche Sattelschrecke (''Ephippiger diurnus'') besiedelt trockene und lückige Wiesen und Waldränder. Sie gehört zu den stark gefährdeten Arten.  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Viele Heuschreckenarten brauchen aufgrund ihrer Ansprüche an den Lebensraum ganz spezifische Fördermassnahmen. Die Priorisierung der gefährdeten Arten gemäss ihrem Förderbedarf kann der [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html Liste der National Prioritären Arten (2011)] entnommen werden. Eine wichtige Grundlage für die Förderung sind auch die in der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/wissenschaftliche-aktivitaten/fauna-indicativa.html Fauna Indicativa] zusammengestellten Präferenzen und Eigenschaften der einzelnen Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur wenige Praxisinformationen zum spezifischen Artenschutz von Heuschrecken. In der Schweiz wurde bisher nur für die Blauflügelige Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') eine [http://kbnl.ch/wp-content/uploads/2016/11/webseite_Ocaerulescens.pdf Zusammenfassung zur Best Practice der Artenförderung] und [https://www.zh.ch/content/dam/zhweb/bilder-dokumente/themen/umwelt-tiere/naturschutz/artenschutz/aktionsplaene-fauna/heuschrecken/oedipoda_caerulescens_ap.pdf vom Kanton Zürich ein Aktionsplan] erstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Nachbarländern wurden folgenden Publikationen zu Fördermassnahmen erstellt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Deutschland'''&lt;br /&gt;
* [http://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutz/natura_2000/vollzugshinweise_arten_und_lebensraumtypen/vollzugshinweise-fuer-arten-und-lebensraumtypen-46103.html#Wirbellose Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Niedersächsische Strategie zum Arten- und Biotopschutz]&lt;br /&gt;
'''Österreich''' &lt;br /&gt;
* [http://www.zobodat.at/pdf/NaturschutzbundBgld_9_2013_0001-0160.pdf Zuna-Kratky, T. et. al. (2013). Schutzprogramm für die gefährdeten Heuschrecken des Nordburgenlands]&lt;br /&gt;
'''Niederlande''' &lt;br /&gt;
* [http://repository.naturalis.nl/document/161506 Schut, D.  et al. (2008). Actieplan prioritaire Sprinkhanen in Noord-Brabant]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Gefährdung =&lt;br /&gt;
Von den 105 für die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html Rote Liste 2007] untersuchten Heuschreckenarten sind fast 40% bedroht. Am stärksten gefährdet sind die Pionierarten entlang von Gewässern sowie die Arten der Flach- und Hochmoore. Die Erhaltung der letzten Populationen dieser Arten ist daher von grosser Bedeutung.&lt;br /&gt;
Die grössten Gefährdungsursachen für alle Heuschreckenarten sind:&lt;br /&gt;
* Verlust und Fragmentierung des Lebensraums durch Veränderung der Landnutzung, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Umwandlung von Grünland in Äcker, Urbanisierung oder Industrialisierung&lt;br /&gt;
* Intensivierung der Nutzung, insbesondere der Einsatz von Mähmaschinen und Mähaufbereitern, sowie Düngung und Erhöhung der Anzahl Schnitte pro Jahr, sowie höhere Viehdichten auf kleinerem Raum&lt;br /&gt;
* Mangelnde (natürliche) Prozesse zur Offenhaltung der Landschaft und von Bodenstellen, Homogenisierung der Landschaft&lt;br /&gt;
* Verdichtung der Vegetation durch Eutrophierung&lt;br /&gt;
* Einsatz von Insektiziden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Gefährdungsursachen in Bezug auf die Lebensraumbindung sind:&lt;br /&gt;
* Grünlandarten: Intensive Beweidung oder häufige Mahd, Verbuschung oder Verkrautung durch Verbrachung, Verarmung der Pflanzenvielfalt, Düngung von Wiesen und Weiden &lt;br /&gt;
* Feuchtgebietsarten: Veränderungen im Gewässerhaushalt von Feuchtgebieten, intensivere landwirtschaftliche Nutzung von Feuchtwiesen &lt;br /&gt;
* Wald- und Waldrandarten: Fehlende Stufenstruktur des Waldrandes (Strauch- und Krautschicht), Entfernung von Hecken, Kleinstrukturen und Felsen, Intensivierung der Forstwirtschaft, Einsatz von Bioziden, Anbau von Monokulturen, touristische Nutzung (insbesondere mit Ski &amp;amp; Mountainbike)&lt;br /&gt;
* Pionierarten: Verbauungen der Fliessgewässer und Eingriffe in den Geschiebehaushalt, Veränderungen des Gewässerhaushaltes und der Gewässerdynamik, Verbuschung und Verkrautung der Offenflächen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Die Wissenslücken sind nicht abschliessend und fokussieren besonders auf die Förderung.&lt;br /&gt;
* Erfolgreiche Förderung seltener Arten&lt;br /&gt;
* Minimale überlebensfähige Populationsgrössen &lt;br /&gt;
* Vernetzung von Heuschreckenpopulationen unterschiedlicher Arten und Artenzusammensetzungen&lt;br /&gt;
* Habitatspezifische Auswirkungen der Grünlandnutzung: lässt sich das auf Trockenrasen gewonnene Wissen bspw. auf Feuchtwiesen übertragen?&lt;br /&gt;
* Barrierewirkung mehrspuriger Strassen (Autobahnen)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen vom Klimawandel, insbesondere langer Dürreperioden oder Starkregen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele =&lt;br /&gt;
Für Heuschrecken haben wir nur ein Praxisbeispiel gefunden, welches die durchgeführten Massnahmen ausführlich beschreibt und eine Erfolgsuntersuchung beinhaltet. Daher freuen wir uns über Ihre [http://biodivers.ch/index.php/kontakt.html Vorschläge per Email.]&lt;br /&gt;
* [http://www.parcs.ch/nwp/pdf_public/2014/26962_20140130_123116_Kurth_Salome_2007.pdf Kurth, S. (2007). Planning a migration corridor for the highly endangered grasshopper Chorthippus pullus (Orthoptera, Acrididae) in the Rottensand (Pfynwald, VS)]  &lt;br /&gt;
: Für den Kiesbankgrashüpfer wurde im Pfynwald ein Migrationskorridor errichtet und die anschliessende Nutzung beobachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Allgemeine Links=&lt;br /&gt;
* [http://lepus.unine.ch/carto/ Info fauna. Verbreitungskarten der Schweizer Tierarten]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken]&lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch Orthoptera Schweiz. Heuschrecken-Plattform für die Schweiz und Europa ]&lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch/links Orthoptera Schweiz. Linkliste der Heuschrecken-Webseiten Europas und weltweit] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar und weitere spannende Links ==&lt;br /&gt;
* [https://www.orthoptera.ch/glossar Glossar von orthoptera.ch]&lt;br /&gt;
* [http://www.biofotoquiz.ch/biofotoquiz/index.php?domain=standard&amp;amp;classID=278 Biofotoquiz]: Quiz mit Fotos von Heuschrecken und anderen Tier- und Pflanzenarten zum Kennenlernen der Arten.&lt;br /&gt;
* [https://offene-naturfuehrer.de/web/Heuschreckenarten_nach_einfachen_Merkmalen_bestimmen_(Bayern) Heuschreckenarten nach einfachen Merkmalen bestimmen (Bayern)]: Wiki-Bestimmungsschlüssel für die Heuschrecken von Bayern. Der Leser wird anhand der Merkmale geführt, die Kenntnis von Fachbegriffen wird vorausgesetzt.    &lt;br /&gt;
* [https://docplayer.org/24899466-Heuschrecken-bestimmungsschluessel-fuer-die-oestlichen-suedalpen.html Fontana et al. (2002). Heuschrecken-Bestimmungsschlüssel für die östlichen Südalpen]: Bestimmungsschlüssel mit detaillierten Zeichnungen der Merkmale. &lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch/info-app-wiki/orthoptera-app Orthoptera-App]: Die Heuschrecken Bestimmungs-App für iphone und Android enthält zu jeder Art zahlreiche Fotos, Stimmaufzeichnungen und Hintergrundinformationen. Beobachtungen können in der App eingegeben und so dem CSCF gemeldet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturempfehlungen =&lt;br /&gt;
* Detzel, P. (1998). Die Heuschrecken Baden-Württembergs. Stuttgart Hohenheim, Ulmer.&lt;br /&gt;
: Bisher immer noch das beste Buch zur praxisnahen Ökologie und Massnahmen zur Förderung von Heuschrecken. Die Aufwertungs-Massnahmen sind an einzelne Arten und Lebensräume angepasst. Als genereller Leitfaden sind sie sehr gut, umsetzungsorientierte Anleitungen fehlen. Alles in allem ein gutes Buch für den Anfang, eine Weiterentwicklung ist aber dringend notwendig.&lt;br /&gt;
* Ingrisch, S. &amp;amp; Köhler, G. (1998). Die Heuschrecken Mitteleuropas. Vol. Bd. 629. Magdeburg, Westarp Wissenschaften.&lt;br /&gt;
: Sehr ausführliches und allgemeines Buch zur Biologie, Populationsdynamiken und Lebensräumen der Heuschrecken, weniger zur Biotopaufwertung und zu Fördermassnahmen. Trotz dem Alter immer noch lesenswert und informativ. &lt;br /&gt;
* Schlumprecht, H. &amp;amp; Waeber, G. (2003). Heuschrecken in Bayern. Stuttgart Hohenheim. Ulmer. &lt;br /&gt;
: Sehr ausführlicher Bestimmungs-Atlas mit vielen Informationen zur Lebensweise und den Lebensräumen der einzelnen Arten. Zu Gefährdung und Schutz gibt es Beispiele aus dem bayrischen Raum und Ratschläge zur Aufwertung für jede Art.&lt;br /&gt;
* Maas, S., Detzel, P. &amp;amp; Staudt, A. (2002). Gefährdungsanalyse der Heuschrecken Deutschlands  - Verbreitungsatlas, Gefährdungseinstufung und Schutzkonzepte. Bonn-Bad Godesberg, Bundesamt für Naturschutz.&lt;br /&gt;
: Ausführlicher Atlas zu den Heuschreckenarten in Deutschland mit Gefährdungsanalysen und Informationen zu Habitaten, Biologie und Verbreitung der einzelnen Arten. Die Angaben zur Aufwertung von Lebensräumen sind kurz gehalten.&lt;br /&gt;
* [http://dgfo-articulata.de/articulata Articulata - Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Orthopterologie] &lt;br /&gt;
: In der Zeitschrift der DGFO erscheinen regelmässig Artikel zur Förderung von Heuschrecken, ältere Artikel können als PDF heruntergeladen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsbücher ==&lt;br /&gt;
* Baur, B., Bauer, H., Rösti, C., &amp;amp; Rösti, D. (2006). Die Heuschrecken der Schweiz. Bern, Haupt Verlag.&lt;br /&gt;
: Intuitiver Bestimmungsschlüssel für die Schweizer Heuschreckenarten mit sehr schönen Detail-Zeichnungen. Enthält Verbreitungskarten und Erklärungen zu den wichtigsten Merkmalen.&lt;br /&gt;
* Fischer, J., Steinlechner, D., Zehm, A., Poniatowski, D., et al., Hrsg. Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (2016). Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols: Bestimmen - Beobachten - Schützen. Wiebelsheim Hunsrück, Quelle &amp;amp; Meyer.&lt;br /&gt;
: Dieses Buch sticht positiv heraus. Es enthält Detailfotos der Bestimmungsmerkmale der Adultiere und Nymphen, eine Darstellung der Hauptaktivitätszeit aller Arten im Jahresverlauf und vieles mehr.&lt;br /&gt;
* Weitere nationale und internationale Bestimmungsbücher sind auf [http://www.orthoptera.ch/literatur Orthoptera.ch] aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers ]|| info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Prof. Dr. Peter Detzel || [http://www.goeg.de/ Gruppe für ökologische Gutachten] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Dr. Axel Hochkirch] || [https://www.uni-trier.de Universität Trier] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.naturalis.nl/en/science/researchers/roy-kleukers Roy Kleukers] || [https://www.naturalis.nl/en Naturalis Biodiversity Center] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.orthoptera.ch/ueber-uns Florin Rutschmann] || [http://www.pronatura-aargau.ch/cms/index.php?id=4&amp;amp;no_cache=1 Pro Natura Aargau] &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- biodivers-Links zu Arten: Kiesbankgrashüpfer Chorthippus pullus, Blauflügelige Ödlanschrecke Oedipoda caerulescens → Aktionsplandrehscheibe, Grüne Heupferd Tettigonia viridissima, Alpenschrecke Anonconotus alpinus &lt;br /&gt;
biodivers-Links zu Lebensräumen: Kleinstrukturen, Hecke, Stillgewässer (mehrfach), Fliessgewässer (mehrfach), Wald und Waldrand (mehrfach), Feuchtgebiete, Sumpf, Grünland, Trockenwiesen und Trockenweisen, Entbuschung von Trockenwiesen (mehrfach)--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Heuschrecken&amp;diff=4702</id>
		<title>Heuschrecken</title>
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				<updated>2023-03-04T18:16:36Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Orthoptères]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = JM 29293745804 8952ea6513 h.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Sumpfschrecke (''Stethophyma grossum'') besiedelt feuchte Wiesen und Flachmoore.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review || Prof. Dr. Peter Detzel, [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Dr. Axel Hochkirch], [https://www.naturalis.nl/en/science/researchers/roy-kleukers Roy Kleukers] &amp;amp; [http://www.orthoptera.ch/ueber-uns Florin Rutschmann]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || Juli 2017&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
Über 100 Heuschreckenarten bereichern unsere Fauna und überraschen uns mit Flug-, Grab- oder Klangkünsten sowie ihrer Farben- und Formenvielfalt. Heuschrecken (Orthopteren) sind wärmeliebende Kulturfolger. Die meisten Arten beherbergt das Grünland, ob trocken oder feucht, gemäht oder beweidet. Einige Arten leben in lichten Wäldern und auf Pionierflächen der Flussauen und Geröllhalden. Viele Heuschreckenarten sind auf eine hohe Strukturvielfalt auf kleinem Raum angewiesen, da ihre durchschnittliche Ausbreitungsdistanz weniger als ein Kilometer beträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für alle Arten ist die Offenhaltung ihrer Lebensräume zentral. Die Wiederherstellung der natürlichen Dynamiken oder die regelmässige, extensive Bewirtschaftung der besiedelten Flächen ist daher wichtig. Bei der Mahd ist darauf zu achten, ein Mosaik aus Rückzugsstreifen und Flächen mit unterschiedlichen Mahdzeitpunkten zu schaffen. Bei der Begrünung sind eine geringe Distanz zu besiedelten Flächen und eine lückige Ausbringung vorteilhaft. Von den über 100 einheimischen Heuschreckenarten stehen 40% auf der Roten Liste. Insbesondere die Arten der Pionierflächen haben einen erhöhten Förderbedarf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik =&lt;br /&gt;
Heuschrecken werden in zwei leicht unterscheidbare Gruppen eingeteilt. Bei den Langfühlerschrecken (Ensifera) sind die Fühler gleich lang oder länger als der Körper und haben mindestens 30 Fühlerglieder, während sie bei den Kurzfühlerschrecken (Caelifera) kürzer als der Körper sind. Die Weibchen der Langfühlerschrecken besitzen meist einen auffälligen Legebohrer, im Gegensatz zu den kurzen Legeröhrenklappen bei den Kurzfühlerschrecken. Nur die Maulwurfsgrille gehört auch ohne lange Fühler und Legebohrer zu den Langfühlerschrecken. &lt;br /&gt;
Mehr zur Systematik der Heuschrecken auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Heuschrecken Wikipedia].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Ökologie=&lt;br /&gt;
== Lebensräume ==&lt;br /&gt;
Heuschrecken besiedeln die meisten terrestrischen Lebensräume bis auf 3'100&amp;amp;nbsp;m&amp;amp;nbsp;ü.&amp;amp;nbsp;M. Sie kommen in extensiven Wiesen und Weiden, Brachen, Weinbergen, Wäldern, Feuchtgebieten, Mooren und Flussauen vor. Heuschrecken können allgemein als wärmeliebende Kulturfolger bezeichnet werden, die in stark vom Menschen geprägten Landschaften leben. So können Kiesgruben und Steinbrüche viele seltene Arten beherbergen, wenn sie offengehalten und extensiv gepflegt werden. Im Siedlungsgebiet finden Heuschrecken eine Vielfalt an Kleinlebensräumen auf Industriebrachen und grossen Güterbahnhöfen, Schotterplätzen und in Ruderalflächen. Für seltene Arten sind Parks, Gärten und Flachdächer als Lebensraum wenig relevant, als Trittsteine können sie aber beim Erreichen neuer Lebensräume helfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-1000px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Lebensraeuume_Gruppen_PZ.png&lt;br /&gt;
| text = Zu den wichtigsten Lebensräumen für Heuschrecken zählen magere Wiesen, Moorlandschaften, lückige Wälder und Blocksteinhalden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da nahezu alle Heuschrecken licht- und wärmeliebend sind, brauchen sie in ihren Lebensräumen Offenflächen bzw. lückige Pflanzenbestände. Die Bindung an das Habitat erfolgt weniger aufgrund bestimmter Pflanzengesellschaften, als aufgrund der benötigten Strukturen und der mikroklimatischen Verhältnisse. Entscheidend sind Dichte und Höhe der Vegetation, sowie Temperatur und Feuchtigkeit. Mosaikartige Lebensräume mit einer Vielfalt an Strukturen sind für eine hohe Heuschreckenvielfalt optimal. So leben an Lebensraum-Übergängen, wie Waldrändern mit Feuchtwiesen oder Hecken entlang von extensiven Wiesen, besonders viele Arten. Für den Erhalt von Offenflächen und Strukturreichtum sind regelmässige Pflegeeinsätze notwendig, wenn natürliche Dynamiken fehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schweizer Heuschreckenarten können bezüglich ihrer Lebensraumbindung in vier Gruppen unterteilt werden (aus: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken]) &lt;br /&gt;
# Grünlandarten in Trockenwiesen und -weiden (43 Arten)&lt;br /&gt;
# Sumpf- und Feuchtgebietsarten in Flach- und Hochmooren (11 Arten)&lt;br /&gt;
# Wald- und Waldrandarten sowie Gebüscharten, vor allem in tieferen Lagen (24 Arten)&lt;br /&gt;
# Pionierarten in Auen, Felsplatten, Geröllhalden oder Karst (25 Arten)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Merkmale und Vermehrung==&lt;br /&gt;
Heuschrecken sind durch ihre Körperform, ihr Verhalten und ihre Körperfärbung an ihren Lebensraum angepasst und häufig gut getarnt. Die Körperfärbung kann innerhalb einer Art stark variieren und ist daher meist kein spezifisches Unterscheidungsmerkmal. Die Körperfärbung ist nicht immer genetisch festgelegt, sondern kann sich während der Entwicklung verändern und der Färbung der Umgebung anpassen. Adulte Tiere können ihre Farbe dagegen nicht mehr wechseln, aber ggf. noch nachdunkeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heuschrecken durchlaufen eine hemimetabole (unvollkommene) Entwicklung. Nach dem Schlupf sind die sogenannten Nymphen schon als Heuschrecken zu erkennen und werden mit jeder Häutung dem adulten Tier ähnlicher. Grillen brauchen bis zu 12 Häutungen, bis sie ausgewachsen sind, Laubheuschrecken 5 bis 7 und Kurzfühlerschrecken 4 bis 5 Häutungen. Erst nach der letzten Häutung bilden sich die Flügel und Geschlechtsorgane vollständig aus. Die meisten Heuschrecken sind einjährig, ihre Nymphen schlüpfen im Zeitraum von Frühling bis Sommer. Adulte Tiere sind von Sommer bis Herbst zu finden, das Auftreten richtet sich vor allem nach der Höhenstufe und den mikroklimatischen Verhältnissen. Nur Grillen (Gryllidae) und Dornschrecken (Tetrigidae) überwintern in einem der Nymphenstadien oder als adulte Tiere und treten entsprechend früh im Jahr auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt einige Tage bis wenige Wochen nach der letzten Häutung und schon wenige Tage später beginnt die Eiablage. Die Weibchen der meisten Heuschreckenarten legen ihre Eier im Boden oder an der Basis von Gräsern ab. Andere Arten legen ihre Eier in rissige Baumrinde und markhaltige Pflanzenteile oder heften sie an Halme und Blätter. Die Langfühlerschrecken können mit dem Legebohrer ihre Eier tiefer in den Boden legen als die Kurzfühlerschrecken. Bei den meisten heimischen Arten dauert die Entwicklung der Eier bis zum Schlupf vom Herbst bis zum nächsten Frühling, bei einigen auch mehrere Jahre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Feuchte- und Temperatur-Ansprüche der Eier sind bei Heuschrecken entscheidend für die Habitatbindung der Arten. Arten der Feuchthabitate können oft nicht überleben, wenn ihre Eier im Winter nicht genügend feucht sind. Sie brauchen eine Periode der Überflutung. Feldheuschrecken der trockenen Habitate haben eine längere Eientwicklung nach dem Winter und benötigen höhere Bodentemperaturen. Die notwenigen Temperaturen werden erreicht, wenn Sonnenstrahlen offene Bodenstellen erwärmen. Andere Arten, die in höherer, dichterer Vegetation leben, kommen auch mit geringer Sonneneinstrahlung zurecht. So gibt es einige Spezialisten unter den Heuschrecken, mit ganz spezifischen Ansprüchen an ihren Lebensraum. Der Kiesbankgrashüpfer (''Chorthippus pullus'') lebt in der Schweiz z.&amp;amp;nbsp;B. ausschliesslich auf vegetationsarmen Kiesbänken grosser Alpenflüsse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-1000px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Eiablage_Lebensraum-Fluegel.png&lt;br /&gt;
| text = Von links nach rechts: Die Laubholz-Säbelschrecke (''Barbitistes serricauda'') legt ihre Eier in Gehölze mit strukturreicher Borke ab. Der Kiesbankgrashüpfer (''Chorthippus pullus'') kommt nur entlang der grossen Alpenflüsse vor. Die Gewöhnliche Gebirgsschrecke (''Podisma pedestris'') kann aufgrund der verkümmerten Flügel nicht fliegen.&lt;br /&gt;
Das Grüne Heupferd (''Tettigonia viridissima'') ist ein Langstreckenflieger unter den Heuschrecken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Populationsgrössen und Ausbreitung ==&lt;br /&gt;
Die Populationsgrösse kann zwischen den Jahren stark schwanken. Schon ein Kälteeinbruch oder eine längere Regenphase im Frühsommer können zu einem starken Populationsrückgang führen. Einzelbeobachtungen weisen darauf hin, dass auch kleine Populationen mit weniger als 50 Tieren über mehrere Jahre existieren können, wenn die Habitatqualität nicht abnimmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten Heuschreckenarten sind sesshaft und bewegen sich in einem Umkreis von wenigen Metern bis maximal 1&amp;amp;nbsp;km. Bei vielen Arten sind die Flügel verkümmert (z.&amp;amp;nbsp;B. bei der Gewöhnlichen Gebirgsschrecke ''Podisma pedestris''). Es gibt aber auch einzelne Langstreckenflieger, wie das Grüne Heupferd (''Tettigonia viridissima''), das in einem Sommer Distanzen von mehreren Kilometern zurücklegen kann. Hohe Bestandsdichten können die Ausbreitung von sesshaften Arten erhöhen, da bei Dichtestress die Mobilität steigt und makroptere (langflügelige) Tiere auftreten können, deren Flügel deutlich länger sind als üblich. Mit verlängerten Flügeln können auch Arten, die üblicherweise flugunfähig sind, weitere Distanzen überqueren. Ungenügend untersucht ist die Ausbreitung von Eiern und Tieren durch passiven Transport, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Fliessgewässer, den Bahnverkehr, durch Verfrachtung mit Mahdgut oder mit Weidetieren. Bei manchen Arten scheint diese Art der Verbreitung jedoch gut zu funktionieren, da immer wieder fernab von bekannten Populationen Einzeltiere oder kleine Initialpopulationen gefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fauna Indicativa ==&lt;br /&gt;
Die [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/projekte/fauna-indicativa.html Fauna Indicativa] ist ein Nachschlagewerk sowie ein Werkzeug für die Auswertung faunistischer Daten. Sie charakterisiert in Tabellenform ökologische Präferenzen und biologische Eigenschaften aller in der Schweiz einheimischen Heuschrecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
==Allgemeine Massnahmen ==&lt;br /&gt;
===Grünland- und Feuchtgebietsarten ===&lt;br /&gt;
* Extensive Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden und Verzicht auf schwere Maschinen, insbesondere in Feuchtgebieten&lt;br /&gt;
* Verzicht auf das Ausbringen von Kunstdünger und Bioziden, insbesondere Insektiziden&lt;br /&gt;
* Förderung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) mit Qualitätsstufe QII&lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Bewässerung von Trockenwiesen und Steppen&lt;br /&gt;
* Eindämmung der Verbuschung und Verbrachung von Trockenwiesen- und weiden&lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Entwässerung von Feuchtgebieten und Wiederherstellung des natürlichen Wasserregimes&lt;br /&gt;
* Erhalt von Weiden, da in der Regel mit heterogener Struktur und artenreicher, ausser bei einschüriger Mahd &lt;br /&gt;
* Schutz und Wiederherstellung von Feuchtgebieten&lt;br /&gt;
* Anlage und Pflege von Stillgewässern, insbesondere mit flachen Uferzonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wald- und Waldrandarten===&lt;br /&gt;
* Aufwertung und Schaffung gestufter Waldränder mit einer Krautschicht&lt;br /&gt;
* Erhalt alter Baumbestände, Biotopbäume und Hecken mir ihren Säumen&lt;br /&gt;
* Auflichtung der Wälder und Böschungen, damit sie gut besonnt sind&lt;br /&gt;
* Extensive Pflege der Weg- und Hangböschungen&lt;br /&gt;
* Standortgerechter Waldbau, Verzicht auf Monokulturen (bspw. Fichten)&lt;br /&gt;
* Umwandlung von Monokulturen in natürliche Wälder mit mehreren Baumarten&lt;br /&gt;
* Verzicht auf den Einsatz von Düngemitteln und Bioziden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Pionierarten an Fliessgewässern ===&lt;br /&gt;
(Übernommen aus: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken])&lt;br /&gt;
* Revitalisierung der Fliessgewässer, bevorzugt von Pionierarten besiedelte Standorten &lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Zuschüttung oder Eindämmung von besiedelten Uferflächen&lt;br /&gt;
* Verzicht auf jeglichen Abbau der Sand-, Kies- oder Steinbänke innerhalb, ober- und unterhalb besiedelter Flächen&lt;br /&gt;
* Zulassen von regelmässigen, genügend intensiven Hochwassern, um den natürlichen Abtrag der mit Vegetation bewachsenen Bänke in Auen zu gewährleisten&lt;br /&gt;
* Gewährleisten von periodischen Ablagerungen von Sedimenten an besiedelten Standorten, um die Regeneration von Sedimentbänken in Auen sicherzustellen&lt;br /&gt;
* Revitalisierung möglichst vieler Fliessgewässer, um über die Schaffung von potenziell günstigen Standorten die Wiederbesiedlung von verlassenen Gegenden zu fördern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mosaik_aus_Gruenlandtypen_-_Suedschwarzwald_-_IMG_7876b.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Strukturreichtum dieser Flächen bietet Grünlandarten einen idealen Lebensraum.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Strukturreiche Flächen schaffen und schützen ==&lt;br /&gt;
Für Heuschrecken sind weniger die typischen [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen Kleinstrukturen] wichtig wie [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen#Die_einzelnen_Kleinstrukturen Ast- oder Steinhaufen], als vielmehr offene Bodenstellen (u.&amp;amp;nbsp;a. für die Eiablage) und Strukturen, die Wärme aufnehmen und speichern, wie felsige Bereiche, [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pionierfl%C3%A4chen Kiesflächen], feuchte Senken und [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser temporäre Tümpel]. Neu angelegte Strukturen sollen eine minimale Fläche von 20&amp;amp;nbsp;m&amp;amp;sup2; pro ha haben. Natürliche Offenflächen und strukturreiche Flächen wie Moränen, Felsschutthalden, Kiesflächen und Verlandungszonen von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Stillgewässern] sind zu schützen und dürfen nicht zugeschüttet oder aufgeforstet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts ==&lt;br /&gt;
Viele gefährdete Heuschreckenarten sind auf eine extensive Beweidung oder regelmässige Mahd angewiesen, damit die Vegetation nicht zu dicht wird. Der optimale Schnittzeitpunkt ist artabhängig. Für Arten, die ihre Eier im Boden ablegen, ist eine Mahd zwischen Mai und August ungünstig. Für Arten, die ihre Eier an oder in Pflanzen ablegen, ist eine Mahd nach August und vor Mai problematisch. Die Bewirtschaftung kann aber auch schädlich sein. Verluste entstehen v.&amp;amp;nbsp;a. durch Mähaufbereiter und das Schwaden und Abführen des Mahdguts. Zur Verminderung der Verluste bei allen Arten ist bei der Mahd Folgendes zu beachten: &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
* Es sollen möglichst wenige Schnitte erfolgen, optimaler Weise nur ein Schnitt pro Jahr&lt;br /&gt;
* Frühmad: nicht ganzflächige durchführen; Spätmahd: nach dem Verblühen der meisten Pflanzen durchführen&lt;br /&gt;
* Am besten ist eine differenzierte Pflege, d.&amp;amp;nbsp;h. ein Mosaik aus Flächen mit unterschiedlichen Mähzeitpunkten und Rückzugsstreifen, die nur alle 2 Jahre gemäht werden &lt;br /&gt;
* Die Schnitthöhe soll mindestens 10&amp;amp;nbsp;cm betragen &lt;br /&gt;
* Balkenmäher verursachen die niedrigste Schädigungsrate, Scheibenmähern die höchste; am schonendsten ist die Mahd mit der Sense &lt;br /&gt;
* Das Schnittgut soll, damit sich die Tiere verteilen können, zum Trocknen liegen gelassen und stets abgeführt werden&lt;br /&gt;
* Es sollen keine Mähaufbereiter eingesetzt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://www.buntewiese-tuebingen.de/app/download/6569219764/Hiller%202014%20Auswirkungen%20verschiedener%20Mahdkonzepte%20auf%20die%20Heuschreckenfauna%20st%C3%A4dtischer%20Gr%C3%BCnfl%C3%A4chen%20-%20Naturschutz%20und%20Landschaftsplanung.pdf?t=1490555371 Hiller, D. &amp;amp; Betz, O.(2014). Auswirkungen verschiedener Mahdkonzepte auf die Heuschreckenfauna städtischer Grünflächen]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hintergrundinformationen'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [http://www.parcs.ch/npf/pdf_public/2014/30491_20141107_083216_MA_GrichtingStefan_2002.pdf  Grichting, S. (2002). Heuschrecken (Orthoptera) von Trockensteppen und extensiv bewirtschafteten Wiesen im Pfynwald (VS, Schweiz)]&lt;br /&gt;
: Studie zu den ökologischen Ansprüchen und der Verbreitung von Heuschrecken auf Wiesen mit unterschiedlichem Nutzungsgrad.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/abashop?s=208&amp;amp;p=productdetail&amp;amp;sku=429&amp;amp;language=de Agridea (2011). Erntetechnik und Artenvielfalt in Wiesen]&lt;br /&gt;
: Das Merkblatt zeigt die Auswirkungen verschiedener Mähtechniken und nachfolgender Ernteschritte auf die Artenvielfalt und gibt Empfehlungen für eine möglichst tierschonende Ernte. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rotationsbrachen anlegen und Altgrassstreifen stehen lassen ==&lt;br /&gt;
Bei der Anlage von Rotationsbrachen und Altgrasstreifen ist auf das Vorkommen von Heuschreckenpopulation in der näheren Umgebung zu achten, da Heuschrecken oft nur geringe Ausbreitungsdistanzen haben. Als Rückzugsstreifen werden bei jedem Schnitt 10% der Wiese stehen gelassen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/NuL07-10_Mueller_Bosshard.pdf Müller, M. &amp;amp; Bosshard, B. (2012). Altgrasstreifen fördern Heuschrecken in Ökowiesen - Eine Möglichkeit zur Strukturverbesserung im Mähgrünland]&lt;br /&gt;
: Studie zu den positiven Auswirkungen von Altgrasstreifen als Rückzugsraum bei der Mahd  in extensiv genutzten Wiesen. &lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2012_01_1723.pdf Duss, M. et al. (2012). Vernetzte Ökoflächen fördern Heuschrecken]&lt;br /&gt;
: Studie zur Auswirkung eines Vernetzungsprojektes von ökologischen Ausgleichsflächen (öAF) auf die Verbreitung von 2 Heuschreckenarten. Die Grosse Goldschrecke (''Chrysochraon dispar'') profitiert von Altgrasstreifen.&lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/download.php?filename=2001_1112_102.pdf Peter, B. &amp;amp; Walter, T. (2001). Heuschrecken brauchen ökologische Ausgleichsflächen] &lt;br /&gt;
: Vergleichende Untersuchungen vor und nach der Einführung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) zeigt deren Wichtigkeit für Heuschrecken auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Buntbrache_Altgrassstreifen_AK.png&lt;br /&gt;
| text = Links und Mitte: Die Gemeine Sichelschrecke (''Phaneroptera falcata'') und die Langflüglige Schwertschrecke (''Conocephalus fuscus'') schätzen die hohe Vegetation von Buntbrachen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Rechts: Die Grosse Goldschrecke (''Chrysochraon dispar'') profitiert von Altgrasstreifen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Beweidung ==&lt;br /&gt;
Für die Beweidung sollen möglichst traditionelle Rassen, bzw. leichte Tiere eingesetzt werden. Generell scheint Schaf-Hütehaltung besonders günstig für Heuschrecken zu sein. Die Viehdichte darf nicht zu hoch sein; der jährliche Besatz sollte 150 Grossvieheinheiten&amp;amp;sup1; pro Hektare (GVE/ha) nicht überschreiten. Es empfiehlt sich, eine Beweidung in Koppeln zu führen, womit ein ähnlicher Effekt erzielt wird wie mit einer Rotationsmahd. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;Die Beweidungsintensität ergibt sich aus dem Produkt von Besatzstärke in Grossvieheinheiten pro Hektare mal Anzahl Bestossungstagen (GVE/ha * dd). Je nach Grösse und Alter der Tiere ändert sich der Wert, der sich mit dem [https://www.agate.ch/portal/web/agate/gve-rechner GVE-Rechner des Bundesamtes für Landwirtschaft] genau ermitteln lässt.&amp;lt;/small&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://www.pronatura.ch/de/2016/allegra-geissenpeter-ziegen-esel-und-rinder-weiden-fuer-die-biodiversitaet Pro Natura. Projekt „Allegra Geissenpeter“]&lt;br /&gt;
: Pro Natura lanciert Projekte mit verschiedenen Weidetierarten, um die Trockenstandorte in den Alpen nachhaltig zu sichern, unter anderem zur Förderung der Heuschrecken. Die unterschiedlichen Projekte und die Ergebnisse der Erfolgskontrollen sind im [https://www.pronatura.ch/sites/pronatura.ch/files/2017-11/leitfaden_fuer_die_aufwertung_von_brachliegenden_trockenstandorten_durch_beweidung-beitraege_zum_naturschutz_in_der_schweiz_nr_37-2016_highres.pdf Leitfaden für die Aufwertung von brachliegenden Trockenstandorten durch Beweidung (2016)] zusammengefasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Direktbegrünung und Mahdgutübertragung  ==&lt;br /&gt;
Direktbegrünung und Mahdgutübertragung sind einer Ansaat vorzuziehen, da zusammen mit dem Pflanzenmaterial oder den Samen Insekten und Eier übertragen werden können. Dies ist insbesondere wichtig für Arten mit einem geringem Ausbreitungspotenzial. Das Saat- und Mahdgut sollte von [https://www.regioflora.ch/app/de/index.html Spenderflächen aus der nahen Umgebung] stammen, also [https://de.wikipedia.org/wiki/Autochthone_Art autochthon] sein, um die regionale genetische Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Für eine erfolgreiche Besiedlung sollen Empfängerflächen in maximal 1&amp;amp;nbsp;km Distanz, besser nur 500&amp;amp;nbsp;m, zu bereits besiedelten Flächen angelegt werden. Bei der Begrünung können kleine Bodenstelle langfristig offengehalten werden, indem Steine oder Feinsediment als Substrat eingebracht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hintergrundinformation'''&lt;br /&gt;
* [http://public.bibliothek.uni-halle.de/index.php/hercynia/article/viewFile/218/224 Elias, D. &amp;amp; Thiede, S. (2008). Verfrachtung von Heuschrecken (Insecta: Ensifera et Caelifera) mit frischem Mähgut im Wulfener Bruch (Sachsen-Anhalt)]: Diese Studie zeigt auf, dass die Mahdgutübertragung für Heuschrecken eine wichtige Rolle spielt, insbesondere für wenig mobile Arten.&lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2001_07_71.pdf  Bosshard, A. &amp;amp; Kuster, D. (2001). Bedeutung neu angelegter Extensivwiesen für Tagfalter und Heuschrecken]: Die Untersuchung zeigt, dass neu angelegte Extensivwiesen rasch von gefährdeten Heuschrecken- und Tagfalterarten besiedelt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/ Regio Flora - das Portal zur Förderung der regionalen Vielfalt im Grünland]: Umfassende Informationen zur Direktbegrünung von Wiesen und Weiden.&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/RF_Praxismerkblatt_D_download9.11.15.pdf Agridea (2015). Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft]: Leitfaden für die Praxis zum Einsatz von regionalem Saatgut in Biodiversitätsförderflächen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-hoch&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Gewaesser_PZ.png&lt;br /&gt;
| text = Die Ufer von Fliess- und Stillgewässern sind wichtige Verbreitungskorridore und sollen alternierend bewirtschaftet werden.  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feuchtgebiete und Trockenstandorte ==&lt;br /&gt;
=== Ruderalstandorte und Säume entlang von Feuchtgebieten pflegen ===&lt;br /&gt;
Zahlreiche Arten legen ihre Eier in Stängel von Pflanzen im Uferbereich von Still- und Fliessgewässern. Die Uferbereiche sind wichtige Verbreitungskorridore für die Tiere. Daher ist die extensive Pflege von Feuchtgebieten und Gräben das ganze Jahr über wichtig:&lt;br /&gt;
* [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts|Mahd]] an den Ufern alternierend, an einem Ufer die Vegetation immer für ca. 1-2 Jahre stehen lassen &lt;br /&gt;
* Säume am selben Ufer gestaffelt mähen und das Schnittgut abführen &lt;br /&gt;
* Flächen nicht mulchen&lt;br /&gt;
* Ruderalstandorte immer wieder abschnittweise stören durch extensive [[#Beweidung| Beweidung]] oder [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts | Mahd]], um die Verbuschung zu verhindern und [[#Strukturreiche Flächen schaffen und schützen| strukturreiche Flächen]] zu schaffen &lt;br /&gt;
* Invasive Pflanzen zurückdrängen, insbesondere Flügelknöterich (''Fallopia'') und Drüsiges Springkraut (''Impatiens glandulifera'')&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entbuschung von Trockenstandorten === &lt;br /&gt;
Der Baum- und Strauchbewuchs soll bei grossen Standorten maximal 25% betragen, bei kleineren 10% oder weniger. Für die langfristige Offenhaltung der Trockenwiesen- und weiden eignen sich extensive Beweidung oder Mahd. Massnahmen zur Aufwertung von Trockenstandorten werden zu einem späteren Zeitpunkt bearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im Siedlungsgebiet ==&lt;br /&gt;
=== Schotter- und Brachflächen extensiv pflegen ===&lt;br /&gt;
Im Randbereich vom Siedlungsgebiet und auf Firmengeländen kann eine reiche Heuschreckenfauna entstehen, wenn grössere Offenflächen vorhanden sind. Dies können z.&amp;amp;nbsp;B. Schotter- und Industriebrachen sein, die einen lockeren Pflanzenbewuchs aufweisen. Diese Flächen sollen extensiv bewirtschaftet werden (siehe: [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts|Mahdkonzepte]]). Der Strukturreichtum kann gefördert werden, indem die Pflege nur abschnittweise erfolgt und zusätzliche [[#Strukturreiche Flächen schaffen und schützen| Kleinstrukturen]] angelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrünung und Pflege von Flachdächern ===&lt;br /&gt;
Flachdächer können einigen Heuschreckenarten, z.&amp;amp;nbsp;B. der Blauflügeligen Sandschrecke (''Sphingonotus caerulans'') oder der Blauflügeligen Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') als Trittstein dienen. Dauerhafte Ansiedlungen von Populationen wurden bisher noch nicht beobachtet. Bei der Anlage der Dächer ist Folgendes wichtig: &lt;br /&gt;
* Nur einheimische Pflanzen und Saatgut verwenden &lt;br /&gt;
* Offene Stellen belassen und regelmässig neue Offenflächen durch Abtragung des Oberbodens schaffen &lt;br /&gt;
* Sand, Kies und Steine in unterschiedlichen Korngrössen verwenden &lt;br /&gt;
* Pflanzen extensiv und abschnittsweise pflegen &lt;br /&gt;
* Strukturreichtum durch Kieshaufen, Holz, etc. sicherstellen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://docplayer.org/20659374-Die-blaufluegelige-sandschrecke-sphingonotus-caerulans-auf-den-extensiv-begruenten-daechern-der-europa-allee-zuerich.html Speck, M. &amp;amp; Brenneisen, S. (2014). Die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) auf den extensiv begrünten Dächern der Europa-Allee in Zürich]&lt;br /&gt;
: Diese Studie belegt das Vorkommen der Rote-Liste Art auf Flachdächern in Zürich. Die Blauflügelige Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') wurde in vorherigen Untersuchungen machgewiesen, die hier zitiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [https://www.stadt-zuerich.ch/ted/de/index/gsz/beratung-und-wissen/wohn-und-arbeitsumfeld/dachbegruenungen0.html Stadt Zürich. Dachbegrünung]: Umfassende Informationen zur Anlage und Pflege von Dachbegrünung mit vielen Praxisbeispielen.&lt;br /&gt;
* [https://www.stadt.sg.ch/home/raum-umwelt/bauen-sanieren/natur-stadt.html Stadt St. Gallen, Amt für Umwelt und Energie (2014). Leitfaden Dachbegrünung]: Ausführliche Informationen zu Aufbau und extensiven Begrünungsarten von Flachdächern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-550px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Siedlungsgebiet.png&lt;br /&gt;
| text = Der Blauflügeligen Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') und der Blauflügeligen Sandschrecke (''Sphingonotus caerulans'') können Flachdächer als Trittsteine in neue Lebensräume dienen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wildblumenwiesen und Trockenflächen anlegen und pflegen === &lt;br /&gt;
In Parks und Gärten können auch anspruchsvollere Heuschreckenarten vorkommen, wenn Folgendes beachtet wird:&lt;br /&gt;
* Nur einheimisches Saatgut verwenden &lt;br /&gt;
* Lückig säen und nicht düngen  &lt;br /&gt;
* Offene Bodenflächen belassen &lt;br /&gt;
* Maximal 2-mal pro Jahr mit Balkenmäher oder Sense und abschnittsweise mähen &lt;br /&gt;
* Brachflächen, Altgrassstreifen und Säume um Gebüsche und Gehölze von 5-10m abschnittsweise pflegen, um eine Zunahme der Verbuschung zu verhindern &lt;br /&gt;
* Mahdgut abführen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [http://www.pronatura.ch/blumenwiesen?file=tl_files/dokumente_de/2_unsere_themen/lebensraeume/Wiesen/Pro_Natura_Praxis_Blumenwiese.pdf Pro Natura 2014. Blumenwiesen anlegen und pflegen]: Ausführliche Informationen zur Anlage und Pflege von grossen und kleinen (Wild-) Blumenwiesen.&lt;br /&gt;
* [https://www.wwf.ch/sites/default/files/doc-2019-02/2010-12-factsheet-wiesenparadies-einheimische-blumen.pdf WWF Schweiz 2010. Buntes Wiesenparadies mit einheimischen Wildblumen]: Schritt für Schritt Anleitung zur Anlage und Pflege von Wildblumenwiesen für Privathaushalte.&lt;br /&gt;
* [[Media:WWF 2010 Lebendige Trockenstandorte.pdf|WWF Schweiz 2010. Lebendige Trockenstandorte mit Sand, Kies und Schotter]]: Anleitung zur Anlage und Pflege von Trockenstandorten für Privathaushalte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundäre Pionierstandorte anlegen und pflegen == &lt;br /&gt;
Vom Menschen geschaffene Pionierstandorte sind für Heuschrecken wertvolle Sekundärhabitate geworden, da vielerorts die ursprünglichen Lebensräume (z.&amp;amp;nbsp;B. See- und Flussauen, Brandflächen, etc.) verschwunden sind. Der Erhalt der Pionierstandorte bedarf regelmässiger Pflegeeinsätze zur Verhinderung von Verfilzung und Verbuschung.&lt;br /&gt;
Heuschrecken finden wertvolle Pionierflächen: &lt;br /&gt;
* In Steinbrüchen und Kiesgruben &lt;br /&gt;
* In Weinbergen&lt;br /&gt;
* In Sand-, Lehmgruben und Mergelgruben &lt;br /&gt;
* An Bahnhöfen und Gleisen&lt;br /&gt;
* Auf Industriebrachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wiederansiedlung von Tieren ==&lt;br /&gt;
Die Wiederansiedelung von ehemals vorkommenden Heuschrecken kann nur eine letzte Alternative im Naturschutz sein, da primär immer der Schutz der vorhandenen Populationen im Fokus steht und die Wiederansiedlung sehr aufwändig ist. Für eine erfolgreiche Wiederansiedlung ist es notwendig, eine sorgfältige Ansiedlungs-Strategie zu erarbeiten und die [https://portals.iucn.org/library/efiles/documents/2013-009.pdf Richtlinien der IUCN zur Wiederansiedlung] strikt zu befolgen. Die Wiederansiedlung von Heuschrecken ist bewilligungspflichtig und soll Spezialisten überlassen werden, weshalb hier nicht näher darauf eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = GSM-5012435629 6b68a9c506 b Ephipiger cfr diurnus female.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Westliche Sattelschrecke (''Ephippiger diurnus'') besiedelt trockene und lückige Wiesen und Waldränder. Sie gehört zu den stark gefährdeten Arten.  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Viele Heuschreckenarten brauchen aufgrund ihrer Ansprüche an den Lebensraum ganz spezifische Fördermassnahmen. Die Priorisierung der gefährdeten Arten gemäss ihrem Förderbedarf kann der [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html Liste der National Prioritären Arten (2011)] entnommen werden. Eine wichtige Grundlage für die Förderung sind auch die in der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/wissenschaftliche-aktivitaten/fauna-indicativa.html Fauna Indicativa] zusammengestellten Präferenzen und Eigenschaften der einzelnen Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur wenige Praxisinformationen zum spezifischen Artenschutz von Heuschrecken. In der Schweiz wurde bisher nur für die Blauflügelige Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') eine [http://kbnl.ch/wp-content/uploads/2016/11/webseite_Ocaerulescens.pdf Zusammenfassung zur Best Practice der Artenförderung] und [https://www.zh.ch/content/dam/zhweb/bilder-dokumente/themen/umwelt-tiere/naturschutz/artenschutz/aktionsplaene-fauna/heuschrecken/oedipoda_caerulescens_ap.pdf vom Kanton Zürich ein Aktionsplan] erstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Nachbarländern wurden folgenden Publikationen zu Fördermassnahmen erstellt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Deutschland'''&lt;br /&gt;
* [http://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutz/natura_2000/vollzugshinweise_arten_und_lebensraumtypen/vollzugshinweise-fuer-arten-und-lebensraumtypen-46103.html#Wirbellose Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Niedersächsische Strategie zum Arten- und Biotopschutz]&lt;br /&gt;
'''Österreich''' &lt;br /&gt;
* [http://www.zobodat.at/pdf/NaturschutzbundBgld_9_2013_0001-0160.pdf Zuna-Kratky, T. et. al. (2013). Schutzprogramm für die gefährdeten Heuschrecken des Nordburgenlands]&lt;br /&gt;
'''Niederlande''' &lt;br /&gt;
* [http://repository.naturalis.nl/document/161506 Schut, D.  et al. (2008). Actieplan prioritaire Sprinkhanen in Noord-Brabant]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Gefährdung =&lt;br /&gt;
Von den 105 für die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html Rote Liste 2007] untersuchten Heuschreckenarten sind fast 40% bedroht. Am stärksten gefährdet sind die Pionierarten entlang von Gewässern sowie die Arten der Flach- und Hochmoore. Die Erhaltung der letzten Populationen dieser Arten ist daher von grosser Bedeutung.&lt;br /&gt;
Die grössten Gefährdungsursachen für alle Heuschreckenarten sind:&lt;br /&gt;
* Verlust und Fragmentierung des Lebensraums durch Veränderung der Landnutzung, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Umwandlung von Grünland in Äcker, Urbanisierung oder Industrialisierung&lt;br /&gt;
* Intensivierung der Nutzung, insbesondere der Einsatz von Mähmaschinen und Mähaufbereitern, sowie Düngung und Erhöhung der Anzahl Schnitte pro Jahr, sowie höhere Viehdichten auf kleinerem Raum&lt;br /&gt;
* Mangelnde (natürliche) Prozesse zur Offenhaltung der Landschaft und von Bodenstellen, Homogenisierung der Landschaft&lt;br /&gt;
* Verdichtung der Vegetation durch Eutrophierung&lt;br /&gt;
* Einsatz von Insektiziden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Gefährdungsursachen in Bezug auf die Lebensraumbindung sind:&lt;br /&gt;
* Grünlandarten: Intensive Beweidung oder häufige Mahd, Verbuschung oder Verkrautung durch Verbrachung, Verarmung der Pflanzenvielfalt, Düngung von Wiesen und Weiden &lt;br /&gt;
* Feuchtgebietsarten: Veränderungen im Gewässerhaushalt von Feuchtgebieten, intensivere landwirtschaftliche Nutzung von Feuchtwiesen &lt;br /&gt;
* Wald- und Waldrandarten: Fehlende Stufenstruktur des Waldrandes (Strauch- und Krautschicht), Entfernung von Hecken, Kleinstrukturen und Felsen, Intensivierung der Forstwirtschaft, Einsatz von Bioziden, Anbau von Monokulturen, touristische Nutzung (insbesondere mit Ski &amp;amp; Mountainbike)&lt;br /&gt;
* Pionierarten: Verbauungen der Fliessgewässer und Eingriffe in den Geschiebehaushalt, Veränderungen des Gewässerhaushaltes und der Gewässerdynamik, Verbuschung und Verkrautung der Offenflächen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Die Wissenslücken sind nicht abschliessend und fokussieren besonders auf die Förderung.&lt;br /&gt;
* Erfolgreiche Förderung seltener Arten&lt;br /&gt;
* Minimale überlebensfähige Populationsgrössen &lt;br /&gt;
* Vernetzung von Heuschreckenpopulationen unterschiedlicher Arten und Artenzusammensetzungen&lt;br /&gt;
* Habitatspezifische Auswirkungen der Grünlandnutzung: lässt sich das auf Trockenrasen gewonnene Wissen bspw. auf Feuchtwiesen übertragen?&lt;br /&gt;
* Barrierewirkung mehrspuriger Strassen (Autobahnen)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen vom Klimawandel, insbesondere langer Dürreperioden oder Starkregen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele =&lt;br /&gt;
Für Heuschrecken haben wir nur ein Praxisbeispiel gefunden, welches die durchgeführten Massnahmen ausführlich beschreibt und eine Erfolgsuntersuchung beinhaltet. Daher freuen wir uns über Ihre [http://biodivers.ch/index.php/kontakt.html Vorschläge per Email.]&lt;br /&gt;
* [http://www.parcs.ch/nwp/pdf_public/2014/26962_20140130_123116_Kurth_Salome_2007.pdf Kurth, S. (2007). Planning a migration corridor for the highly endangered grasshopper Chorthippus pullus (Orthoptera, Acrididae) in the Rottensand (Pfynwald, VS)]  &lt;br /&gt;
: Für den Kiesbankgrashüpfer wurde im Pfynwald ein Migrationskorridor errichtet und die anschliessende Nutzung beobachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Allgemeine Links=&lt;br /&gt;
* [http://lepus.unine.ch/carto/ Info fauna. Verbreitungskarten der Schweizer Tierarten]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken]&lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch Orthoptera Schweiz. Heuschrecken-Plattform für die Schweiz und Europa ]&lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch/links Orthoptera Schweiz. Linkliste der Heuschrecken-Webseiten Europas und weltweit] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar und weitere spannende Links ==&lt;br /&gt;
* [https://www.orthoptera.ch/glossar Glossar von orthoptera.ch]&lt;br /&gt;
* [http://www.biofotoquiz.ch/biofotoquiz/index.php?domain=standard&amp;amp;classID=278 Biofotoquiz]: Quiz mit Fotos von Heuschrecken und anderen Tier- und Pflanzenarten zum Kennenlernen der Arten.&lt;br /&gt;
* [https://offene-naturfuehrer.de/web/Heuschreckenarten_nach_einfachen_Merkmalen_bestimmen_(Bayern) Heuschreckenarten nach einfachen Merkmalen bestimmen (Bayern)]: Wiki-Bestimmungsschlüssel für die Heuschrecken von Bayern. Der Leser wird anhand der Merkmale geführt, die Kenntnis von Fachbegriffen wird vorausgesetzt.    &lt;br /&gt;
* [https://docplayer.org/24899466-Heuschrecken-bestimmungsschluessel-fuer-die-oestlichen-suedalpen.html Fontana et al. (2002). Heuschrecken-Bestimmungsschlüssel für die östlichen Südalpen]: Bestimmungsschlüssel mit detaillierten Zeichnungen der Merkmale. &lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch/info-app-wiki/orthoptera-app Orthoptera-App]: Die Heuschrecken Bestimmungs-App für iphone und Android enthält zu jeder Art zahlreiche Fotos, Stimmaufzeichnungen und Hintergrundinformationen. Beobachtungen können in der App eingegeben und so dem CSCF gemeldet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturempfehlungen =&lt;br /&gt;
* Detzel, P. (1998). Die Heuschrecken Baden-Württembergs. Stuttgart Hohenheim, Ulmer.&lt;br /&gt;
: Bisher immer noch das beste Buch zur praxisnahen Ökologie und Massnahmen zur Förderung von Heuschrecken. Die Aufwertungs-Massnahmen sind an einzelne Arten und Lebensräume angepasst. Als genereller Leitfaden sind sie sehr gut, umsetzungsorientierte Anleitungen fehlen. Alles in allem ein gutes Buch für den Anfang, eine Weiterentwicklung ist aber dringend notwendig.&lt;br /&gt;
* Ingrisch, S. &amp;amp; Köhler, G. (1998). Die Heuschrecken Mitteleuropas. Vol. Bd. 629. Magdeburg, Westarp Wissenschaften.&lt;br /&gt;
: Sehr ausführliches und allgemeines Buch zur Biologie, Populationsdynamiken und Lebensräumen der Heuschrecken, weniger zur Biotopaufwertung und zu Fördermassnahmen. Trotz dem Alter immer noch lesenswert und informativ. &lt;br /&gt;
* Schlumprecht, H. &amp;amp; Waeber, G. (2003). Heuschrecken in Bayern. Stuttgart Hohenheim. Ulmer. &lt;br /&gt;
: Sehr ausführlicher Bestimmungs-Atlas mit vielen Informationen zur Lebensweise und den Lebensräumen der einzelnen Arten. Zu Gefährdung und Schutz gibt es Beispiele aus dem bayrischen Raum und Ratschläge zur Aufwertung für jede Art.&lt;br /&gt;
* Maas, S., Detzel, P. &amp;amp; Staudt, A. (2002). Gefährdungsanalyse der Heuschrecken Deutschlands  - Verbreitungsatlas, Gefährdungseinstufung und Schutzkonzepte. Bonn-Bad Godesberg, Bundesamt für Naturschutz.&lt;br /&gt;
: Ausführlicher Atlas zu den Heuschreckenarten in Deutschland mit Gefährdungsanalysen und Informationen zu Habitaten, Biologie und Verbreitung der einzelnen Arten. Die Angaben zur Aufwertung von Lebensräumen sind kurz gehalten.&lt;br /&gt;
* [http://dgfo-articulata.de/articulata Articulata - Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Orthopterologie] &lt;br /&gt;
: In der Zeitschrift der DGFO erscheinen regelmässig Artikel zur Förderung von Heuschrecken, ältere Artikel können als PDF heruntergeladen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsbücher ==&lt;br /&gt;
* Baur, B., Bauer, H., Rösti, C., &amp;amp; Rösti, D. (2006). Die Heuschrecken der Schweiz. Bern, Haupt Verlag.&lt;br /&gt;
: Intuitiver Bestimmungsschlüssel für die Schweizer Heuschreckenarten mit sehr schönen Detail-Zeichnungen. Enthält Verbreitungskarten und Erklärungen zu den wichtigsten Merkmalen.&lt;br /&gt;
* Fischer, J., Steinlechner, D., Zehm, A., Poniatowski, D., et al., Hrsg. Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (2016). Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols: Bestimmen - Beobachten - Schützen. Wiebelsheim Hunsrück, Quelle &amp;amp; Meyer.&lt;br /&gt;
: Dieses Buch sticht positiv heraus. Es enthält Detailfotos der Bestimmungsmerkmale der Adultiere und Nymphen, eine Darstellung der Hauptaktivitätszeit aller Arten im Jahresverlauf und vieles mehr.&lt;br /&gt;
* Weitere nationale und internationale Bestimmungsbücher sind auf [http://www.orthoptera.ch/literatur Orthoptera.ch] aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers ]|| info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Prof. Dr. Peter Detzel || [http://www.goeg.de/ Gruppe für ökologische Gutachten] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Dr. Axel Hochkirch] || [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Universität Trier] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.naturalis.nl/en/science/researchers/roy-kleukers Roy Kleukers] || [https://www.naturalis.nl/en Naturalis Biodiversity Center] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.orthoptera.ch/ueber-uns Florin Rutschmann] || [http://www.pronatura-aargau.ch/cms/index.php?id=4&amp;amp;no_cache=1 Pro Natura Aargau] &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- biodivers-Links zu Arten: Kiesbankgrashüpfer Chorthippus pullus, Blauflügelige Ödlanschrecke Oedipoda caerulescens → Aktionsplandrehscheibe, Grüne Heupferd Tettigonia viridissima, Alpenschrecke Anonconotus alpinus &lt;br /&gt;
biodivers-Links zu Lebensräumen: Kleinstrukturen, Hecke, Stillgewässer (mehrfach), Fliessgewässer (mehrfach), Wald und Waldrand (mehrfach), Feuchtgebiete, Sumpf, Grünland, Trockenwiesen und Trockenweisen, Entbuschung von Trockenwiesen (mehrfach)--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

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		<title>Heuschrecken</title>
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				<updated>2023-03-04T18:14:07Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Orthoptères]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = JM 29293745804 8952ea6513 h.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Sumpfschrecke (''Stethophyma grossum'') besiedelt feuchte Wiesen und Flachmoore.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review || [http://www.goeg.de/ueber-uns/team Prof. Dr. Peter Detzel], [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Dr. Axel Hochkirch], [https://www.naturalis.nl/en/science/researchers/roy-kleukers Roy Kleukers] &amp;amp; [http://www.orthoptera.ch/ueber-uns Florin Rutschmann]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || Juli 2017&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
Über 100 Heuschreckenarten bereichern unsere Fauna und überraschen uns mit Flug-, Grab- oder Klangkünsten sowie ihrer Farben- und Formenvielfalt. Heuschrecken (Orthopteren) sind wärmeliebende Kulturfolger. Die meisten Arten beherbergt das Grünland, ob trocken oder feucht, gemäht oder beweidet. Einige Arten leben in lichten Wäldern und auf Pionierflächen der Flussauen und Geröllhalden. Viele Heuschreckenarten sind auf eine hohe Strukturvielfalt auf kleinem Raum angewiesen, da ihre durchschnittliche Ausbreitungsdistanz weniger als ein Kilometer beträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für alle Arten ist die Offenhaltung ihrer Lebensräume zentral. Die Wiederherstellung der natürlichen Dynamiken oder die regelmässige, extensive Bewirtschaftung der besiedelten Flächen ist daher wichtig. Bei der Mahd ist darauf zu achten, ein Mosaik aus Rückzugsstreifen und Flächen mit unterschiedlichen Mahdzeitpunkten zu schaffen. Bei der Begrünung sind eine geringe Distanz zu besiedelten Flächen und eine lückige Ausbringung vorteilhaft. Von den über 100 einheimischen Heuschreckenarten stehen 40% auf der Roten Liste. Insbesondere die Arten der Pionierflächen haben einen erhöhten Förderbedarf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik =&lt;br /&gt;
Heuschrecken werden in zwei leicht unterscheidbare Gruppen eingeteilt. Bei den Langfühlerschrecken (Ensifera) sind die Fühler gleich lang oder länger als der Körper und haben mindestens 30 Fühlerglieder, während sie bei den Kurzfühlerschrecken (Caelifera) kürzer als der Körper sind. Die Weibchen der Langfühlerschrecken besitzen meist einen auffälligen Legebohrer, im Gegensatz zu den kurzen Legeröhrenklappen bei den Kurzfühlerschrecken. Nur die Maulwurfsgrille gehört auch ohne lange Fühler und Legebohrer zu den Langfühlerschrecken. &lt;br /&gt;
Mehr zur Systematik der Heuschrecken auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Heuschrecken Wikipedia].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Ökologie=&lt;br /&gt;
== Lebensräume ==&lt;br /&gt;
Heuschrecken besiedeln die meisten terrestrischen Lebensräume bis auf 3'100&amp;amp;nbsp;m&amp;amp;nbsp;ü.&amp;amp;nbsp;M. Sie kommen in extensiven Wiesen und Weiden, Brachen, Weinbergen, Wäldern, Feuchtgebieten, Mooren und Flussauen vor. Heuschrecken können allgemein als wärmeliebende Kulturfolger bezeichnet werden, die in stark vom Menschen geprägten Landschaften leben. So können Kiesgruben und Steinbrüche viele seltene Arten beherbergen, wenn sie offengehalten und extensiv gepflegt werden. Im Siedlungsgebiet finden Heuschrecken eine Vielfalt an Kleinlebensräumen auf Industriebrachen und grossen Güterbahnhöfen, Schotterplätzen und in Ruderalflächen. Für seltene Arten sind Parks, Gärten und Flachdächer als Lebensraum wenig relevant, als Trittsteine können sie aber beim Erreichen neuer Lebensräume helfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-1000px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Lebensraeuume_Gruppen_PZ.png&lt;br /&gt;
| text = Zu den wichtigsten Lebensräumen für Heuschrecken zählen magere Wiesen, Moorlandschaften, lückige Wälder und Blocksteinhalden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da nahezu alle Heuschrecken licht- und wärmeliebend sind, brauchen sie in ihren Lebensräumen Offenflächen bzw. lückige Pflanzenbestände. Die Bindung an das Habitat erfolgt weniger aufgrund bestimmter Pflanzengesellschaften, als aufgrund der benötigten Strukturen und der mikroklimatischen Verhältnisse. Entscheidend sind Dichte und Höhe der Vegetation, sowie Temperatur und Feuchtigkeit. Mosaikartige Lebensräume mit einer Vielfalt an Strukturen sind für eine hohe Heuschreckenvielfalt optimal. So leben an Lebensraum-Übergängen, wie Waldrändern mit Feuchtwiesen oder Hecken entlang von extensiven Wiesen, besonders viele Arten. Für den Erhalt von Offenflächen und Strukturreichtum sind regelmässige Pflegeeinsätze notwendig, wenn natürliche Dynamiken fehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schweizer Heuschreckenarten können bezüglich ihrer Lebensraumbindung in vier Gruppen unterteilt werden (aus: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken]) &lt;br /&gt;
# Grünlandarten in Trockenwiesen und -weiden (43 Arten)&lt;br /&gt;
# Sumpf- und Feuchtgebietsarten in Flach- und Hochmooren (11 Arten)&lt;br /&gt;
# Wald- und Waldrandarten sowie Gebüscharten, vor allem in tieferen Lagen (24 Arten)&lt;br /&gt;
# Pionierarten in Auen, Felsplatten, Geröllhalden oder Karst (25 Arten)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Merkmale und Vermehrung==&lt;br /&gt;
Heuschrecken sind durch ihre Körperform, ihr Verhalten und ihre Körperfärbung an ihren Lebensraum angepasst und häufig gut getarnt. Die Körperfärbung kann innerhalb einer Art stark variieren und ist daher meist kein spezifisches Unterscheidungsmerkmal. Die Körperfärbung ist nicht immer genetisch festgelegt, sondern kann sich während der Entwicklung verändern und der Färbung der Umgebung anpassen. Adulte Tiere können ihre Farbe dagegen nicht mehr wechseln, aber ggf. noch nachdunkeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heuschrecken durchlaufen eine hemimetabole (unvollkommene) Entwicklung. Nach dem Schlupf sind die sogenannten Nymphen schon als Heuschrecken zu erkennen und werden mit jeder Häutung dem adulten Tier ähnlicher. Grillen brauchen bis zu 12 Häutungen, bis sie ausgewachsen sind, Laubheuschrecken 5 bis 7 und Kurzfühlerschrecken 4 bis 5 Häutungen. Erst nach der letzten Häutung bilden sich die Flügel und Geschlechtsorgane vollständig aus. Die meisten Heuschrecken sind einjährig, ihre Nymphen schlüpfen im Zeitraum von Frühling bis Sommer. Adulte Tiere sind von Sommer bis Herbst zu finden, das Auftreten richtet sich vor allem nach der Höhenstufe und den mikroklimatischen Verhältnissen. Nur Grillen (Gryllidae) und Dornschrecken (Tetrigidae) überwintern in einem der Nymphenstadien oder als adulte Tiere und treten entsprechend früh im Jahr auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt einige Tage bis wenige Wochen nach der letzten Häutung und schon wenige Tage später beginnt die Eiablage. Die Weibchen der meisten Heuschreckenarten legen ihre Eier im Boden oder an der Basis von Gräsern ab. Andere Arten legen ihre Eier in rissige Baumrinde und markhaltige Pflanzenteile oder heften sie an Halme und Blätter. Die Langfühlerschrecken können mit dem Legebohrer ihre Eier tiefer in den Boden legen als die Kurzfühlerschrecken. Bei den meisten heimischen Arten dauert die Entwicklung der Eier bis zum Schlupf vom Herbst bis zum nächsten Frühling, bei einigen auch mehrere Jahre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Feuchte- und Temperatur-Ansprüche der Eier sind bei Heuschrecken entscheidend für die Habitatbindung der Arten. Arten der Feuchthabitate können oft nicht überleben, wenn ihre Eier im Winter nicht genügend feucht sind. Sie brauchen eine Periode der Überflutung. Feldheuschrecken der trockenen Habitate haben eine längere Eientwicklung nach dem Winter und benötigen höhere Bodentemperaturen. Die notwenigen Temperaturen werden erreicht, wenn Sonnenstrahlen offene Bodenstellen erwärmen. Andere Arten, die in höherer, dichterer Vegetation leben, kommen auch mit geringer Sonneneinstrahlung zurecht. So gibt es einige Spezialisten unter den Heuschrecken, mit ganz spezifischen Ansprüchen an ihren Lebensraum. Der Kiesbankgrashüpfer (''Chorthippus pullus'') lebt in der Schweiz z.&amp;amp;nbsp;B. ausschliesslich auf vegetationsarmen Kiesbänken grosser Alpenflüsse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-1000px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Eiablage_Lebensraum-Fluegel.png&lt;br /&gt;
| text = Von links nach rechts: Die Laubholz-Säbelschrecke (''Barbitistes serricauda'') legt ihre Eier in Gehölze mit strukturreicher Borke ab. Der Kiesbankgrashüpfer (''Chorthippus pullus'') kommt nur entlang der grossen Alpenflüsse vor. Die Gewöhnliche Gebirgsschrecke (''Podisma pedestris'') kann aufgrund der verkümmerten Flügel nicht fliegen.&lt;br /&gt;
Das Grüne Heupferd (''Tettigonia viridissima'') ist ein Langstreckenflieger unter den Heuschrecken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Populationsgrössen und Ausbreitung ==&lt;br /&gt;
Die Populationsgrösse kann zwischen den Jahren stark schwanken. Schon ein Kälteeinbruch oder eine längere Regenphase im Frühsommer können zu einem starken Populationsrückgang führen. Einzelbeobachtungen weisen darauf hin, dass auch kleine Populationen mit weniger als 50 Tieren über mehrere Jahre existieren können, wenn die Habitatqualität nicht abnimmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten Heuschreckenarten sind sesshaft und bewegen sich in einem Umkreis von wenigen Metern bis maximal 1&amp;amp;nbsp;km. Bei vielen Arten sind die Flügel verkümmert (z.&amp;amp;nbsp;B. bei der Gewöhnlichen Gebirgsschrecke ''Podisma pedestris''). Es gibt aber auch einzelne Langstreckenflieger, wie das Grüne Heupferd (''Tettigonia viridissima''), das in einem Sommer Distanzen von mehreren Kilometern zurücklegen kann. Hohe Bestandsdichten können die Ausbreitung von sesshaften Arten erhöhen, da bei Dichtestress die Mobilität steigt und makroptere (langflügelige) Tiere auftreten können, deren Flügel deutlich länger sind als üblich. Mit verlängerten Flügeln können auch Arten, die üblicherweise flugunfähig sind, weitere Distanzen überqueren. Ungenügend untersucht ist die Ausbreitung von Eiern und Tieren durch passiven Transport, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Fliessgewässer, den Bahnverkehr, durch Verfrachtung mit Mahdgut oder mit Weidetieren. Bei manchen Arten scheint diese Art der Verbreitung jedoch gut zu funktionieren, da immer wieder fernab von bekannten Populationen Einzeltiere oder kleine Initialpopulationen gefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fauna Indicativa ==&lt;br /&gt;
Die [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/projekte/fauna-indicativa.html Fauna Indicativa] ist ein Nachschlagewerk sowie ein Werkzeug für die Auswertung faunistischer Daten. Sie charakterisiert in Tabellenform ökologische Präferenzen und biologische Eigenschaften aller in der Schweiz einheimischen Heuschrecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
==Allgemeine Massnahmen ==&lt;br /&gt;
===Grünland- und Feuchtgebietsarten ===&lt;br /&gt;
* Extensive Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden und Verzicht auf schwere Maschinen, insbesondere in Feuchtgebieten&lt;br /&gt;
* Verzicht auf das Ausbringen von Kunstdünger und Bioziden, insbesondere Insektiziden&lt;br /&gt;
* Förderung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) mit Qualitätsstufe QII&lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Bewässerung von Trockenwiesen und Steppen&lt;br /&gt;
* Eindämmung der Verbuschung und Verbrachung von Trockenwiesen- und weiden&lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Entwässerung von Feuchtgebieten und Wiederherstellung des natürlichen Wasserregimes&lt;br /&gt;
* Erhalt von Weiden, da in der Regel mit heterogener Struktur und artenreicher, ausser bei einschüriger Mahd &lt;br /&gt;
* Schutz und Wiederherstellung von Feuchtgebieten&lt;br /&gt;
* Anlage und Pflege von Stillgewässern, insbesondere mit flachen Uferzonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wald- und Waldrandarten===&lt;br /&gt;
* Aufwertung und Schaffung gestufter Waldränder mit einer Krautschicht&lt;br /&gt;
* Erhalt alter Baumbestände, Biotopbäume und Hecken mir ihren Säumen&lt;br /&gt;
* Auflichtung der Wälder und Böschungen, damit sie gut besonnt sind&lt;br /&gt;
* Extensive Pflege der Weg- und Hangböschungen&lt;br /&gt;
* Standortgerechter Waldbau, Verzicht auf Monokulturen (bspw. Fichten)&lt;br /&gt;
* Umwandlung von Monokulturen in natürliche Wälder mit mehreren Baumarten&lt;br /&gt;
* Verzicht auf den Einsatz von Düngemitteln und Bioziden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Pionierarten an Fliessgewässern ===&lt;br /&gt;
(Übernommen aus: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken])&lt;br /&gt;
* Revitalisierung der Fliessgewässer, bevorzugt von Pionierarten besiedelte Standorten &lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Zuschüttung oder Eindämmung von besiedelten Uferflächen&lt;br /&gt;
* Verzicht auf jeglichen Abbau der Sand-, Kies- oder Steinbänke innerhalb, ober- und unterhalb besiedelter Flächen&lt;br /&gt;
* Zulassen von regelmässigen, genügend intensiven Hochwassern, um den natürlichen Abtrag der mit Vegetation bewachsenen Bänke in Auen zu gewährleisten&lt;br /&gt;
* Gewährleisten von periodischen Ablagerungen von Sedimenten an besiedelten Standorten, um die Regeneration von Sedimentbänken in Auen sicherzustellen&lt;br /&gt;
* Revitalisierung möglichst vieler Fliessgewässer, um über die Schaffung von potenziell günstigen Standorten die Wiederbesiedlung von verlassenen Gegenden zu fördern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mosaik_aus_Gruenlandtypen_-_Suedschwarzwald_-_IMG_7876b.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Strukturreichtum dieser Flächen bietet Grünlandarten einen idealen Lebensraum.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Strukturreiche Flächen schaffen und schützen ==&lt;br /&gt;
Für Heuschrecken sind weniger die typischen [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen Kleinstrukturen] wichtig wie [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen#Die_einzelnen_Kleinstrukturen Ast- oder Steinhaufen], als vielmehr offene Bodenstellen (u.&amp;amp;nbsp;a. für die Eiablage) und Strukturen, die Wärme aufnehmen und speichern, wie felsige Bereiche, [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pionierfl%C3%A4chen Kiesflächen], feuchte Senken und [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser temporäre Tümpel]. Neu angelegte Strukturen sollen eine minimale Fläche von 20&amp;amp;nbsp;m&amp;amp;sup2; pro ha haben. Natürliche Offenflächen und strukturreiche Flächen wie Moränen, Felsschutthalden, Kiesflächen und Verlandungszonen von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Stillgewässern] sind zu schützen und dürfen nicht zugeschüttet oder aufgeforstet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts ==&lt;br /&gt;
Viele gefährdete Heuschreckenarten sind auf eine extensive Beweidung oder regelmässige Mahd angewiesen, damit die Vegetation nicht zu dicht wird. Der optimale Schnittzeitpunkt ist artabhängig. Für Arten, die ihre Eier im Boden ablegen, ist eine Mahd zwischen Mai und August ungünstig. Für Arten, die ihre Eier an oder in Pflanzen ablegen, ist eine Mahd nach August und vor Mai problematisch. Die Bewirtschaftung kann aber auch schädlich sein. Verluste entstehen v.&amp;amp;nbsp;a. durch Mähaufbereiter und das Schwaden und Abführen des Mahdguts. Zur Verminderung der Verluste bei allen Arten ist bei der Mahd Folgendes zu beachten: &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
* Es sollen möglichst wenige Schnitte erfolgen, optimaler Weise nur ein Schnitt pro Jahr&lt;br /&gt;
* Frühmad: nicht ganzflächige durchführen; Spätmahd: nach dem Verblühen der meisten Pflanzen durchführen&lt;br /&gt;
* Am besten ist eine differenzierte Pflege, d.&amp;amp;nbsp;h. ein Mosaik aus Flächen mit unterschiedlichen Mähzeitpunkten und Rückzugsstreifen, die nur alle 2 Jahre gemäht werden &lt;br /&gt;
* Die Schnitthöhe soll mindestens 10&amp;amp;nbsp;cm betragen &lt;br /&gt;
* Balkenmäher verursachen die niedrigste Schädigungsrate, Scheibenmähern die höchste; am schonendsten ist die Mahd mit der Sense &lt;br /&gt;
* Das Schnittgut soll, damit sich die Tiere verteilen können, zum Trocknen liegen gelassen und stets abgeführt werden&lt;br /&gt;
* Es sollen keine Mähaufbereiter eingesetzt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://www.buntewiese-tuebingen.de/app/download/6569219764/Hiller%202014%20Auswirkungen%20verschiedener%20Mahdkonzepte%20auf%20die%20Heuschreckenfauna%20st%C3%A4dtischer%20Gr%C3%BCnfl%C3%A4chen%20-%20Naturschutz%20und%20Landschaftsplanung.pdf?t=1490555371 Hiller, D. &amp;amp; Betz, O.(2014). Auswirkungen verschiedener Mahdkonzepte auf die Heuschreckenfauna städtischer Grünflächen]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hintergrundinformationen'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [http://www.parcs.ch/npf/pdf_public/2014/30491_20141107_083216_MA_GrichtingStefan_2002.pdf  Grichting, S. (2002). Heuschrecken (Orthoptera) von Trockensteppen und extensiv bewirtschafteten Wiesen im Pfynwald (VS, Schweiz)]&lt;br /&gt;
: Studie zu den ökologischen Ansprüchen und der Verbreitung von Heuschrecken auf Wiesen mit unterschiedlichem Nutzungsgrad.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/abashop?s=208&amp;amp;p=productdetail&amp;amp;sku=429&amp;amp;language=de Agridea (2011). Erntetechnik und Artenvielfalt in Wiesen]&lt;br /&gt;
: Das Merkblatt zeigt die Auswirkungen verschiedener Mähtechniken und nachfolgender Ernteschritte auf die Artenvielfalt und gibt Empfehlungen für eine möglichst tierschonende Ernte. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rotationsbrachen anlegen und Altgrassstreifen stehen lassen ==&lt;br /&gt;
Bei der Anlage von Rotationsbrachen und Altgrasstreifen ist auf das Vorkommen von Heuschreckenpopulation in der näheren Umgebung zu achten, da Heuschrecken oft nur geringe Ausbreitungsdistanzen haben. Als Rückzugsstreifen werden bei jedem Schnitt 10% der Wiese stehen gelassen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/NuL07-10_Mueller_Bosshard.pdf Müller, M. &amp;amp; Bosshard, B. (2012). Altgrasstreifen fördern Heuschrecken in Ökowiesen - Eine Möglichkeit zur Strukturverbesserung im Mähgrünland]&lt;br /&gt;
: Studie zu den positiven Auswirkungen von Altgrasstreifen als Rückzugsraum bei der Mahd  in extensiv genutzten Wiesen. &lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2012_01_1723.pdf Duss, M. et al. (2012). Vernetzte Ökoflächen fördern Heuschrecken]&lt;br /&gt;
: Studie zur Auswirkung eines Vernetzungsprojektes von ökologischen Ausgleichsflächen (öAF) auf die Verbreitung von 2 Heuschreckenarten. Die Grosse Goldschrecke (''Chrysochraon dispar'') profitiert von Altgrasstreifen.&lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/download.php?filename=2001_1112_102.pdf Peter, B. &amp;amp; Walter, T. (2001). Heuschrecken brauchen ökologische Ausgleichsflächen] &lt;br /&gt;
: Vergleichende Untersuchungen vor und nach der Einführung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) zeigt deren Wichtigkeit für Heuschrecken auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Buntbrache_Altgrassstreifen_AK.png&lt;br /&gt;
| text = Links und Mitte: Die Gemeine Sichelschrecke (''Phaneroptera falcata'') und die Langflüglige Schwertschrecke (''Conocephalus fuscus'') schätzen die hohe Vegetation von Buntbrachen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Rechts: Die Grosse Goldschrecke (''Chrysochraon dispar'') profitiert von Altgrasstreifen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Beweidung ==&lt;br /&gt;
Für die Beweidung sollen möglichst traditionelle Rassen, bzw. leichte Tiere eingesetzt werden. Generell scheint Schaf-Hütehaltung besonders günstig für Heuschrecken zu sein. Die Viehdichte darf nicht zu hoch sein; der jährliche Besatz sollte 150 Grossvieheinheiten&amp;amp;sup1; pro Hektare (GVE/ha) nicht überschreiten. Es empfiehlt sich, eine Beweidung in Koppeln zu führen, womit ein ähnlicher Effekt erzielt wird wie mit einer Rotationsmahd. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;Die Beweidungsintensität ergibt sich aus dem Produkt von Besatzstärke in Grossvieheinheiten pro Hektare mal Anzahl Bestossungstagen (GVE/ha * dd). Je nach Grösse und Alter der Tiere ändert sich der Wert, der sich mit dem [https://www.agate.ch/portal/web/agate/gve-rechner GVE-Rechner des Bundesamtes für Landwirtschaft] genau ermitteln lässt.&amp;lt;/small&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://www.pronatura.ch/de/2016/allegra-geissenpeter-ziegen-esel-und-rinder-weiden-fuer-die-biodiversitaet Pro Natura. Projekt „Allegra Geissenpeter“]&lt;br /&gt;
: Pro Natura lanciert Projekte mit verschiedenen Weidetierarten, um die Trockenstandorte in den Alpen nachhaltig zu sichern, unter anderem zur Förderung der Heuschrecken. Die unterschiedlichen Projekte und die Ergebnisse der Erfolgskontrollen sind im [https://www.pronatura.ch/sites/pronatura.ch/files/2017-11/leitfaden_fuer_die_aufwertung_von_brachliegenden_trockenstandorten_durch_beweidung-beitraege_zum_naturschutz_in_der_schweiz_nr_37-2016_highres.pdf Leitfaden für die Aufwertung von brachliegenden Trockenstandorten durch Beweidung (2016)] zusammengefasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Direktbegrünung und Mahdgutübertragung  ==&lt;br /&gt;
Direktbegrünung und Mahdgutübertragung sind einer Ansaat vorzuziehen, da zusammen mit dem Pflanzenmaterial oder den Samen Insekten und Eier übertragen werden können. Dies ist insbesondere wichtig für Arten mit einem geringem Ausbreitungspotenzial. Das Saat- und Mahdgut sollte von [https://www.regioflora.ch/app/de/index.html Spenderflächen aus der nahen Umgebung] stammen, also [https://de.wikipedia.org/wiki/Autochthone_Art autochthon] sein, um die regionale genetische Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Für eine erfolgreiche Besiedlung sollen Empfängerflächen in maximal 1&amp;amp;nbsp;km Distanz, besser nur 500&amp;amp;nbsp;m, zu bereits besiedelten Flächen angelegt werden. Bei der Begrünung können kleine Bodenstelle langfristig offengehalten werden, indem Steine oder Feinsediment als Substrat eingebracht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hintergrundinformation'''&lt;br /&gt;
* [http://public.bibliothek.uni-halle.de/index.php/hercynia/article/viewFile/218/224 Elias, D. &amp;amp; Thiede, S. (2008). Verfrachtung von Heuschrecken (Insecta: Ensifera et Caelifera) mit frischem Mähgut im Wulfener Bruch (Sachsen-Anhalt)]: Diese Studie zeigt auf, dass die Mahdgutübertragung für Heuschrecken eine wichtige Rolle spielt, insbesondere für wenig mobile Arten.&lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2001_07_71.pdf  Bosshard, A. &amp;amp; Kuster, D. (2001). Bedeutung neu angelegter Extensivwiesen für Tagfalter und Heuschrecken]: Die Untersuchung zeigt, dass neu angelegte Extensivwiesen rasch von gefährdeten Heuschrecken- und Tagfalterarten besiedelt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/ Regio Flora - das Portal zur Förderung der regionalen Vielfalt im Grünland]: Umfassende Informationen zur Direktbegrünung von Wiesen und Weiden.&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/RF_Praxismerkblatt_D_download9.11.15.pdf Agridea (2015). Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft]: Leitfaden für die Praxis zum Einsatz von regionalem Saatgut in Biodiversitätsförderflächen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-hoch&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Gewaesser_PZ.png&lt;br /&gt;
| text = Die Ufer von Fliess- und Stillgewässern sind wichtige Verbreitungskorridore und sollen alternierend bewirtschaftet werden.  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feuchtgebiete und Trockenstandorte ==&lt;br /&gt;
=== Ruderalstandorte und Säume entlang von Feuchtgebieten pflegen ===&lt;br /&gt;
Zahlreiche Arten legen ihre Eier in Stängel von Pflanzen im Uferbereich von Still- und Fliessgewässern. Die Uferbereiche sind wichtige Verbreitungskorridore für die Tiere. Daher ist die extensive Pflege von Feuchtgebieten und Gräben das ganze Jahr über wichtig:&lt;br /&gt;
* [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts|Mahd]] an den Ufern alternierend, an einem Ufer die Vegetation immer für ca. 1-2 Jahre stehen lassen &lt;br /&gt;
* Säume am selben Ufer gestaffelt mähen und das Schnittgut abführen &lt;br /&gt;
* Flächen nicht mulchen&lt;br /&gt;
* Ruderalstandorte immer wieder abschnittweise stören durch extensive [[#Beweidung| Beweidung]] oder [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts | Mahd]], um die Verbuschung zu verhindern und [[#Strukturreiche Flächen schaffen und schützen| strukturreiche Flächen]] zu schaffen &lt;br /&gt;
* Invasive Pflanzen zurückdrängen, insbesondere Flügelknöterich (''Fallopia'') und Drüsiges Springkraut (''Impatiens glandulifera'')&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entbuschung von Trockenstandorten === &lt;br /&gt;
Der Baum- und Strauchbewuchs soll bei grossen Standorten maximal 25% betragen, bei kleineren 10% oder weniger. Für die langfristige Offenhaltung der Trockenwiesen- und weiden eignen sich extensive Beweidung oder Mahd. Massnahmen zur Aufwertung von Trockenstandorten werden zu einem späteren Zeitpunkt bearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im Siedlungsgebiet ==&lt;br /&gt;
=== Schotter- und Brachflächen extensiv pflegen ===&lt;br /&gt;
Im Randbereich vom Siedlungsgebiet und auf Firmengeländen kann eine reiche Heuschreckenfauna entstehen, wenn grössere Offenflächen vorhanden sind. Dies können z.&amp;amp;nbsp;B. Schotter- und Industriebrachen sein, die einen lockeren Pflanzenbewuchs aufweisen. Diese Flächen sollen extensiv bewirtschaftet werden (siehe: [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts|Mahdkonzepte]]). Der Strukturreichtum kann gefördert werden, indem die Pflege nur abschnittweise erfolgt und zusätzliche [[#Strukturreiche Flächen schaffen und schützen| Kleinstrukturen]] angelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrünung und Pflege von Flachdächern ===&lt;br /&gt;
Flachdächer können einigen Heuschreckenarten, z.&amp;amp;nbsp;B. der Blauflügeligen Sandschrecke (''Sphingonotus caerulans'') oder der Blauflügeligen Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') als Trittstein dienen. Dauerhafte Ansiedlungen von Populationen wurden bisher noch nicht beobachtet. Bei der Anlage der Dächer ist Folgendes wichtig: &lt;br /&gt;
* Nur einheimische Pflanzen und Saatgut verwenden &lt;br /&gt;
* Offene Stellen belassen und regelmässig neue Offenflächen durch Abtragung des Oberbodens schaffen &lt;br /&gt;
* Sand, Kies und Steine in unterschiedlichen Korngrössen verwenden &lt;br /&gt;
* Pflanzen extensiv und abschnittsweise pflegen &lt;br /&gt;
* Strukturreichtum durch Kieshaufen, Holz, etc. sicherstellen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://docplayer.org/20659374-Die-blaufluegelige-sandschrecke-sphingonotus-caerulans-auf-den-extensiv-begruenten-daechern-der-europa-allee-zuerich.html Speck, M. &amp;amp; Brenneisen, S. (2014). Die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) auf den extensiv begrünten Dächern der Europa-Allee in Zürich]&lt;br /&gt;
: Diese Studie belegt das Vorkommen der Rote-Liste Art auf Flachdächern in Zürich. Die Blauflügelige Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') wurde in vorherigen Untersuchungen machgewiesen, die hier zitiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [https://www.stadt-zuerich.ch/ted/de/index/gsz/beratung-und-wissen/wohn-und-arbeitsumfeld/dachbegruenungen0.html Stadt Zürich. Dachbegrünung]: Umfassende Informationen zur Anlage und Pflege von Dachbegrünung mit vielen Praxisbeispielen.&lt;br /&gt;
* [https://www.stadt.sg.ch/home/raum-umwelt/bauen-sanieren/natur-stadt.html Stadt St. Gallen, Amt für Umwelt und Energie (2014). Leitfaden Dachbegrünung]: Ausführliche Informationen zu Aufbau und extensiven Begrünungsarten von Flachdächern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-550px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Siedlungsgebiet.png&lt;br /&gt;
| text = Der Blauflügeligen Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') und der Blauflügeligen Sandschrecke (''Sphingonotus caerulans'') können Flachdächer als Trittsteine in neue Lebensräume dienen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wildblumenwiesen und Trockenflächen anlegen und pflegen === &lt;br /&gt;
In Parks und Gärten können auch anspruchsvollere Heuschreckenarten vorkommen, wenn Folgendes beachtet wird:&lt;br /&gt;
* Nur einheimisches Saatgut verwenden &lt;br /&gt;
* Lückig säen und nicht düngen  &lt;br /&gt;
* Offene Bodenflächen belassen &lt;br /&gt;
* Maximal 2-mal pro Jahr mit Balkenmäher oder Sense und abschnittsweise mähen &lt;br /&gt;
* Brachflächen, Altgrassstreifen und Säume um Gebüsche und Gehölze von 5-10m abschnittsweise pflegen, um eine Zunahme der Verbuschung zu verhindern &lt;br /&gt;
* Mahdgut abführen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [http://www.pronatura.ch/blumenwiesen?file=tl_files/dokumente_de/2_unsere_themen/lebensraeume/Wiesen/Pro_Natura_Praxis_Blumenwiese.pdf Pro Natura 2014. Blumenwiesen anlegen und pflegen]: Ausführliche Informationen zur Anlage und Pflege von grossen und kleinen (Wild-) Blumenwiesen.&lt;br /&gt;
* [https://www.wwf.ch/sites/default/files/doc-2019-02/2010-12-factsheet-wiesenparadies-einheimische-blumen.pdf WWF Schweiz 2010. Buntes Wiesenparadies mit einheimischen Wildblumen]: Schritt für Schritt Anleitung zur Anlage und Pflege von Wildblumenwiesen für Privathaushalte.&lt;br /&gt;
* [[Media:WWF 2010 Lebendige Trockenstandorte.pdf|WWF Schweiz 2010. Lebendige Trockenstandorte mit Sand, Kies und Schotter]]: Anleitung zur Anlage und Pflege von Trockenstandorten für Privathaushalte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundäre Pionierstandorte anlegen und pflegen == &lt;br /&gt;
Vom Menschen geschaffene Pionierstandorte sind für Heuschrecken wertvolle Sekundärhabitate geworden, da vielerorts die ursprünglichen Lebensräume (z.&amp;amp;nbsp;B. See- und Flussauen, Brandflächen, etc.) verschwunden sind. Der Erhalt der Pionierstandorte bedarf regelmässiger Pflegeeinsätze zur Verhinderung von Verfilzung und Verbuschung.&lt;br /&gt;
Heuschrecken finden wertvolle Pionierflächen: &lt;br /&gt;
* In Steinbrüchen und Kiesgruben &lt;br /&gt;
* In Weinbergen&lt;br /&gt;
* In Sand-, Lehmgruben und Mergelgruben &lt;br /&gt;
* An Bahnhöfen und Gleisen&lt;br /&gt;
* Auf Industriebrachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wiederansiedlung von Tieren ==&lt;br /&gt;
Die Wiederansiedelung von ehemals vorkommenden Heuschrecken kann nur eine letzte Alternative im Naturschutz sein, da primär immer der Schutz der vorhandenen Populationen im Fokus steht und die Wiederansiedlung sehr aufwändig ist. Für eine erfolgreiche Wiederansiedlung ist es notwendig, eine sorgfältige Ansiedlungs-Strategie zu erarbeiten und die [https://portals.iucn.org/library/efiles/documents/2013-009.pdf Richtlinien der IUCN zur Wiederansiedlung] strikt zu befolgen. Die Wiederansiedlung von Heuschrecken ist bewilligungspflichtig und soll Spezialisten überlassen werden, weshalb hier nicht näher darauf eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = GSM-5012435629 6b68a9c506 b Ephipiger cfr diurnus female.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Westliche Sattelschrecke (''Ephippiger diurnus'') besiedelt trockene und lückige Wiesen und Waldränder. Sie gehört zu den stark gefährdeten Arten.  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Viele Heuschreckenarten brauchen aufgrund ihrer Ansprüche an den Lebensraum ganz spezifische Fördermassnahmen. Die Priorisierung der gefährdeten Arten gemäss ihrem Förderbedarf kann der [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html Liste der National Prioritären Arten (2011)] entnommen werden. Eine wichtige Grundlage für die Förderung sind auch die in der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/wissenschaftliche-aktivitaten/fauna-indicativa.html Fauna Indicativa] zusammengestellten Präferenzen und Eigenschaften der einzelnen Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur wenige Praxisinformationen zum spezifischen Artenschutz von Heuschrecken. In der Schweiz wurde bisher nur für die Blauflügelige Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') eine [http://kbnl.ch/wp-content/uploads/2016/11/webseite_Ocaerulescens.pdf Zusammenfassung zur Best Practice der Artenförderung] und [https://www.zh.ch/content/dam/zhweb/bilder-dokumente/themen/umwelt-tiere/naturschutz/artenschutz/aktionsplaene-fauna/heuschrecken/oedipoda_caerulescens_ap.pdf vom Kanton Zürich ein Aktionsplan] erstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Nachbarländern wurden folgenden Publikationen zu Fördermassnahmen erstellt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Deutschland'''&lt;br /&gt;
* [http://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutz/natura_2000/vollzugshinweise_arten_und_lebensraumtypen/vollzugshinweise-fuer-arten-und-lebensraumtypen-46103.html#Wirbellose Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Niedersächsische Strategie zum Arten- und Biotopschutz]&lt;br /&gt;
'''Österreich''' &lt;br /&gt;
* [http://www.zobodat.at/pdf/NaturschutzbundBgld_9_2013_0001-0160.pdf Zuna-Kratky, T. et. al. (2013). Schutzprogramm für die gefährdeten Heuschrecken des Nordburgenlands]&lt;br /&gt;
'''Niederlande''' &lt;br /&gt;
* [http://repository.naturalis.nl/document/161506 Schut, D.  et al. (2008). Actieplan prioritaire Sprinkhanen in Noord-Brabant]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Gefährdung =&lt;br /&gt;
Von den 105 für die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html Rote Liste 2007] untersuchten Heuschreckenarten sind fast 40% bedroht. Am stärksten gefährdet sind die Pionierarten entlang von Gewässern sowie die Arten der Flach- und Hochmoore. Die Erhaltung der letzten Populationen dieser Arten ist daher von grosser Bedeutung.&lt;br /&gt;
Die grössten Gefährdungsursachen für alle Heuschreckenarten sind:&lt;br /&gt;
* Verlust und Fragmentierung des Lebensraums durch Veränderung der Landnutzung, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Umwandlung von Grünland in Äcker, Urbanisierung oder Industrialisierung&lt;br /&gt;
* Intensivierung der Nutzung, insbesondere der Einsatz von Mähmaschinen und Mähaufbereitern, sowie Düngung und Erhöhung der Anzahl Schnitte pro Jahr, sowie höhere Viehdichten auf kleinerem Raum&lt;br /&gt;
* Mangelnde (natürliche) Prozesse zur Offenhaltung der Landschaft und von Bodenstellen, Homogenisierung der Landschaft&lt;br /&gt;
* Verdichtung der Vegetation durch Eutrophierung&lt;br /&gt;
* Einsatz von Insektiziden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Gefährdungsursachen in Bezug auf die Lebensraumbindung sind:&lt;br /&gt;
* Grünlandarten: Intensive Beweidung oder häufige Mahd, Verbuschung oder Verkrautung durch Verbrachung, Verarmung der Pflanzenvielfalt, Düngung von Wiesen und Weiden &lt;br /&gt;
* Feuchtgebietsarten: Veränderungen im Gewässerhaushalt von Feuchtgebieten, intensivere landwirtschaftliche Nutzung von Feuchtwiesen &lt;br /&gt;
* Wald- und Waldrandarten: Fehlende Stufenstruktur des Waldrandes (Strauch- und Krautschicht), Entfernung von Hecken, Kleinstrukturen und Felsen, Intensivierung der Forstwirtschaft, Einsatz von Bioziden, Anbau von Monokulturen, touristische Nutzung (insbesondere mit Ski &amp;amp; Mountainbike)&lt;br /&gt;
* Pionierarten: Verbauungen der Fliessgewässer und Eingriffe in den Geschiebehaushalt, Veränderungen des Gewässerhaushaltes und der Gewässerdynamik, Verbuschung und Verkrautung der Offenflächen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Die Wissenslücken sind nicht abschliessend und fokussieren besonders auf die Förderung.&lt;br /&gt;
* Erfolgreiche Förderung seltener Arten&lt;br /&gt;
* Minimale überlebensfähige Populationsgrössen &lt;br /&gt;
* Vernetzung von Heuschreckenpopulationen unterschiedlicher Arten und Artenzusammensetzungen&lt;br /&gt;
* Habitatspezifische Auswirkungen der Grünlandnutzung: lässt sich das auf Trockenrasen gewonnene Wissen bspw. auf Feuchtwiesen übertragen?&lt;br /&gt;
* Barrierewirkung mehrspuriger Strassen (Autobahnen)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen vom Klimawandel, insbesondere langer Dürreperioden oder Starkregen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele =&lt;br /&gt;
Für Heuschrecken haben wir nur ein Praxisbeispiel gefunden, welches die durchgeführten Massnahmen ausführlich beschreibt und eine Erfolgsuntersuchung beinhaltet. Daher freuen wir uns über Ihre [http://biodivers.ch/index.php/kontakt.html Vorschläge per Email.]&lt;br /&gt;
* [http://www.parcs.ch/nwp/pdf_public/2014/26962_20140130_123116_Kurth_Salome_2007.pdf Kurth, S. (2007). Planning a migration corridor for the highly endangered grasshopper Chorthippus pullus (Orthoptera, Acrididae) in the Rottensand (Pfynwald, VS)]  &lt;br /&gt;
: Für den Kiesbankgrashüpfer wurde im Pfynwald ein Migrationskorridor errichtet und die anschliessende Nutzung beobachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Allgemeine Links=&lt;br /&gt;
* [http://lepus.unine.ch/carto/ Info fauna. Verbreitungskarten der Schweizer Tierarten]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken]&lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch Orthoptera Schweiz. Heuschrecken-Plattform für die Schweiz und Europa ]&lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch/links Orthoptera Schweiz. Linkliste der Heuschrecken-Webseiten Europas und weltweit] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar und weitere spannende Links ==&lt;br /&gt;
* [https://www.orthoptera.ch/glossar Glossar von orthoptera.ch]&lt;br /&gt;
* [http://www.biofotoquiz.ch/biofotoquiz/index.php?domain=standard&amp;amp;classID=278 Biofotoquiz]: Quiz mit Fotos von Heuschrecken und anderen Tier- und Pflanzenarten zum Kennenlernen der Arten.&lt;br /&gt;
* [https://offene-naturfuehrer.de/web/Heuschreckenarten_nach_einfachen_Merkmalen_bestimmen_(Bayern) Heuschreckenarten nach einfachen Merkmalen bestimmen (Bayern)]: Wiki-Bestimmungsschlüssel für die Heuschrecken von Bayern. Der Leser wird anhand der Merkmale geführt, die Kenntnis von Fachbegriffen wird vorausgesetzt.    &lt;br /&gt;
* [https://docplayer.org/24899466-Heuschrecken-bestimmungsschluessel-fuer-die-oestlichen-suedalpen.html Fontana et al. (2002). Heuschrecken-Bestimmungsschlüssel für die östlichen Südalpen]: Bestimmungsschlüssel mit detaillierten Zeichnungen der Merkmale. &lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch/info-app-wiki/orthoptera-app Orthoptera-App]: Die Heuschrecken Bestimmungs-App für iphone und Android enthält zu jeder Art zahlreiche Fotos, Stimmaufzeichnungen und Hintergrundinformationen. Beobachtungen können in der App eingegeben und so dem CSCF gemeldet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturempfehlungen =&lt;br /&gt;
* Detzel, P. (1998). Die Heuschrecken Baden-Württembergs. Stuttgart Hohenheim, Ulmer.&lt;br /&gt;
: Bisher immer noch das beste Buch zur praxisnahen Ökologie und Massnahmen zur Förderung von Heuschrecken. Die Aufwertungs-Massnahmen sind an einzelne Arten und Lebensräume angepasst. Als genereller Leitfaden sind sie sehr gut, umsetzungsorientierte Anleitungen fehlen. Alles in allem ein gutes Buch für den Anfang, eine Weiterentwicklung ist aber dringend notwendig.&lt;br /&gt;
* Ingrisch, S. &amp;amp; Köhler, G. (1998). Die Heuschrecken Mitteleuropas. Vol. Bd. 629. Magdeburg, Westarp Wissenschaften.&lt;br /&gt;
: Sehr ausführliches und allgemeines Buch zur Biologie, Populationsdynamiken und Lebensräumen der Heuschrecken, weniger zur Biotopaufwertung und zu Fördermassnahmen. Trotz dem Alter immer noch lesenswert und informativ. &lt;br /&gt;
* Schlumprecht, H. &amp;amp; Waeber, G. (2003). Heuschrecken in Bayern. Stuttgart Hohenheim. Ulmer. &lt;br /&gt;
: Sehr ausführlicher Bestimmungs-Atlas mit vielen Informationen zur Lebensweise und den Lebensräumen der einzelnen Arten. Zu Gefährdung und Schutz gibt es Beispiele aus dem bayrischen Raum und Ratschläge zur Aufwertung für jede Art.&lt;br /&gt;
* Maas, S., Detzel, P. &amp;amp; Staudt, A. (2002). Gefährdungsanalyse der Heuschrecken Deutschlands  - Verbreitungsatlas, Gefährdungseinstufung und Schutzkonzepte. Bonn-Bad Godesberg, Bundesamt für Naturschutz.&lt;br /&gt;
: Ausführlicher Atlas zu den Heuschreckenarten in Deutschland mit Gefährdungsanalysen und Informationen zu Habitaten, Biologie und Verbreitung der einzelnen Arten. Die Angaben zur Aufwertung von Lebensräumen sind kurz gehalten.&lt;br /&gt;
* [http://dgfo-articulata.de/articulata Articulata - Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Orthopterologie] &lt;br /&gt;
: In der Zeitschrift der DGFO erscheinen regelmässig Artikel zur Förderung von Heuschrecken, ältere Artikel können als PDF heruntergeladen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsbücher ==&lt;br /&gt;
* Baur, B., Bauer, H., Rösti, C., &amp;amp; Rösti, D. (2006). Die Heuschrecken der Schweiz. Bern, Haupt Verlag.&lt;br /&gt;
: Intuitiver Bestimmungsschlüssel für die Schweizer Heuschreckenarten mit sehr schönen Detail-Zeichnungen. Enthält Verbreitungskarten und Erklärungen zu den wichtigsten Merkmalen.&lt;br /&gt;
* Fischer, J., Steinlechner, D., Zehm, A., Poniatowski, D., et al., Hrsg. Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (2016). Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols: Bestimmen - Beobachten - Schützen. Wiebelsheim Hunsrück, Quelle &amp;amp; Meyer.&lt;br /&gt;
: Dieses Buch sticht positiv heraus. Es enthält Detailfotos der Bestimmungsmerkmale der Adultiere und Nymphen, eine Darstellung der Hauptaktivitätszeit aller Arten im Jahresverlauf und vieles mehr.&lt;br /&gt;
* Weitere nationale und internationale Bestimmungsbücher sind auf [http://www.orthoptera.ch/literatur Orthoptera.ch] aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers ]|| info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| Prof. Dr. Peter Detzel || [http://www.goeg.de/ Gruppe für ökologische Gutachten] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Dr. Axel Hochkirch] || [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Universität Trier] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.naturalis.nl/en/science/researchers/roy-kleukers Roy Kleukers] || [https://www.naturalis.nl/en Naturalis Biodiversity Center] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.orthoptera.ch/ueber-uns Florin Rutschmann] || [http://www.pronatura-aargau.ch/cms/index.php?id=4&amp;amp;no_cache=1 Pro Natura Aargau] &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- biodivers-Links zu Arten: Kiesbankgrashüpfer Chorthippus pullus, Blauflügelige Ödlanschrecke Oedipoda caerulescens → Aktionsplandrehscheibe, Grüne Heupferd Tettigonia viridissima, Alpenschrecke Anonconotus alpinus &lt;br /&gt;
biodivers-Links zu Lebensräumen: Kleinstrukturen, Hecke, Stillgewässer (mehrfach), Fliessgewässer (mehrfach), Wald und Waldrand (mehrfach), Feuchtgebiete, Sumpf, Grünland, Trockenwiesen und Trockenweisen, Entbuschung von Trockenwiesen (mehrfach)--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Heuschrecken&amp;diff=4700</id>
		<title>Heuschrecken</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://biodivers.ch/de/index.php?title=Heuschrecken&amp;diff=4700"/>
				<updated>2023-03-04T18:09:10Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: /* Glossar und weitere spannende Links */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Orthoptères]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = JM 29293745804 8952ea6513 h.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Sumpfschrecke (''Stethophyma grossum'') besiedelt feuchte Wiesen und Flachmoore.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review || [http://www.goeg.de/ueber-uns/team Prof. Dr. Peter Detzel], [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Dr. Axel Hochkirch], [https://www.naturalis.nl/en/science/researchers/roy-kleukers Roy Kleukers] &amp;amp; [http://www.orthoptera.ch/ueber-uns Florin Rutschmann]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || Juli 2017&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
Über 100 Heuschreckenarten bereichern unsere Fauna und überraschen uns mit Flug-, Grab- oder Klangkünsten sowie ihrer Farben- und Formenvielfalt. Heuschrecken (Orthopteren) sind wärmeliebende Kulturfolger. Die meisten Arten beherbergt das Grünland, ob trocken oder feucht, gemäht oder beweidet. Einige Arten leben in lichten Wäldern und auf Pionierflächen der Flussauen und Geröllhalden. Viele Heuschreckenarten sind auf eine hohe Strukturvielfalt auf kleinem Raum angewiesen, da ihre durchschnittliche Ausbreitungsdistanz weniger als ein Kilometer beträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für alle Arten ist die Offenhaltung ihrer Lebensräume zentral. Die Wiederherstellung der natürlichen Dynamiken oder die regelmässige, extensive Bewirtschaftung der besiedelten Flächen ist daher wichtig. Bei der Mahd ist darauf zu achten, ein Mosaik aus Rückzugsstreifen und Flächen mit unterschiedlichen Mahdzeitpunkten zu schaffen. Bei der Begrünung sind eine geringe Distanz zu besiedelten Flächen und eine lückige Ausbringung vorteilhaft. Von den über 100 einheimischen Heuschreckenarten stehen 40% auf der Roten Liste. Insbesondere die Arten der Pionierflächen haben einen erhöhten Förderbedarf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik =&lt;br /&gt;
Heuschrecken werden in zwei leicht unterscheidbare Gruppen eingeteilt. Bei den Langfühlerschrecken (Ensifera) sind die Fühler gleich lang oder länger als der Körper und haben mindestens 30 Fühlerglieder, während sie bei den Kurzfühlerschrecken (Caelifera) kürzer als der Körper sind. Die Weibchen der Langfühlerschrecken besitzen meist einen auffälligen Legebohrer, im Gegensatz zu den kurzen Legeröhrenklappen bei den Kurzfühlerschrecken. Nur die Maulwurfsgrille gehört auch ohne lange Fühler und Legebohrer zu den Langfühlerschrecken. &lt;br /&gt;
Mehr zur Systematik der Heuschrecken auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Heuschrecken Wikipedia].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Ökologie=&lt;br /&gt;
== Lebensräume ==&lt;br /&gt;
Heuschrecken besiedeln die meisten terrestrischen Lebensräume bis auf 3'100&amp;amp;nbsp;m&amp;amp;nbsp;ü.&amp;amp;nbsp;M. Sie kommen in extensiven Wiesen und Weiden, Brachen, Weinbergen, Wäldern, Feuchtgebieten, Mooren und Flussauen vor. Heuschrecken können allgemein als wärmeliebende Kulturfolger bezeichnet werden, die in stark vom Menschen geprägten Landschaften leben. So können Kiesgruben und Steinbrüche viele seltene Arten beherbergen, wenn sie offengehalten und extensiv gepflegt werden. Im Siedlungsgebiet finden Heuschrecken eine Vielfalt an Kleinlebensräumen auf Industriebrachen und grossen Güterbahnhöfen, Schotterplätzen und in Ruderalflächen. Für seltene Arten sind Parks, Gärten und Flachdächer als Lebensraum wenig relevant, als Trittsteine können sie aber beim Erreichen neuer Lebensräume helfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-1000px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Lebensraeuume_Gruppen_PZ.png&lt;br /&gt;
| text = Zu den wichtigsten Lebensräumen für Heuschrecken zählen magere Wiesen, Moorlandschaften, lückige Wälder und Blocksteinhalden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da nahezu alle Heuschrecken licht- und wärmeliebend sind, brauchen sie in ihren Lebensräumen Offenflächen bzw. lückige Pflanzenbestände. Die Bindung an das Habitat erfolgt weniger aufgrund bestimmter Pflanzengesellschaften, als aufgrund der benötigten Strukturen und der mikroklimatischen Verhältnisse. Entscheidend sind Dichte und Höhe der Vegetation, sowie Temperatur und Feuchtigkeit. Mosaikartige Lebensräume mit einer Vielfalt an Strukturen sind für eine hohe Heuschreckenvielfalt optimal. So leben an Lebensraum-Übergängen, wie Waldrändern mit Feuchtwiesen oder Hecken entlang von extensiven Wiesen, besonders viele Arten. Für den Erhalt von Offenflächen und Strukturreichtum sind regelmässige Pflegeeinsätze notwendig, wenn natürliche Dynamiken fehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schweizer Heuschreckenarten können bezüglich ihrer Lebensraumbindung in vier Gruppen unterteilt werden (aus: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken]) &lt;br /&gt;
# Grünlandarten in Trockenwiesen und -weiden (43 Arten)&lt;br /&gt;
# Sumpf- und Feuchtgebietsarten in Flach- und Hochmooren (11 Arten)&lt;br /&gt;
# Wald- und Waldrandarten sowie Gebüscharten, vor allem in tieferen Lagen (24 Arten)&lt;br /&gt;
# Pionierarten in Auen, Felsplatten, Geröllhalden oder Karst (25 Arten)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Merkmale und Vermehrung==&lt;br /&gt;
Heuschrecken sind durch ihre Körperform, ihr Verhalten und ihre Körperfärbung an ihren Lebensraum angepasst und häufig gut getarnt. Die Körperfärbung kann innerhalb einer Art stark variieren und ist daher meist kein spezifisches Unterscheidungsmerkmal. Die Körperfärbung ist nicht immer genetisch festgelegt, sondern kann sich während der Entwicklung verändern und der Färbung der Umgebung anpassen. Adulte Tiere können ihre Farbe dagegen nicht mehr wechseln, aber ggf. noch nachdunkeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heuschrecken durchlaufen eine hemimetabole (unvollkommene) Entwicklung. Nach dem Schlupf sind die sogenannten Nymphen schon als Heuschrecken zu erkennen und werden mit jeder Häutung dem adulten Tier ähnlicher. Grillen brauchen bis zu 12 Häutungen, bis sie ausgewachsen sind, Laubheuschrecken 5 bis 7 und Kurzfühlerschrecken 4 bis 5 Häutungen. Erst nach der letzten Häutung bilden sich die Flügel und Geschlechtsorgane vollständig aus. Die meisten Heuschrecken sind einjährig, ihre Nymphen schlüpfen im Zeitraum von Frühling bis Sommer. Adulte Tiere sind von Sommer bis Herbst zu finden, das Auftreten richtet sich vor allem nach der Höhenstufe und den mikroklimatischen Verhältnissen. Nur Grillen (Gryllidae) und Dornschrecken (Tetrigidae) überwintern in einem der Nymphenstadien oder als adulte Tiere und treten entsprechend früh im Jahr auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt einige Tage bis wenige Wochen nach der letzten Häutung und schon wenige Tage später beginnt die Eiablage. Die Weibchen der meisten Heuschreckenarten legen ihre Eier im Boden oder an der Basis von Gräsern ab. Andere Arten legen ihre Eier in rissige Baumrinde und markhaltige Pflanzenteile oder heften sie an Halme und Blätter. Die Langfühlerschrecken können mit dem Legebohrer ihre Eier tiefer in den Boden legen als die Kurzfühlerschrecken. Bei den meisten heimischen Arten dauert die Entwicklung der Eier bis zum Schlupf vom Herbst bis zum nächsten Frühling, bei einigen auch mehrere Jahre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Feuchte- und Temperatur-Ansprüche der Eier sind bei Heuschrecken entscheidend für die Habitatbindung der Arten. Arten der Feuchthabitate können oft nicht überleben, wenn ihre Eier im Winter nicht genügend feucht sind. Sie brauchen eine Periode der Überflutung. Feldheuschrecken der trockenen Habitate haben eine längere Eientwicklung nach dem Winter und benötigen höhere Bodentemperaturen. Die notwenigen Temperaturen werden erreicht, wenn Sonnenstrahlen offene Bodenstellen erwärmen. Andere Arten, die in höherer, dichterer Vegetation leben, kommen auch mit geringer Sonneneinstrahlung zurecht. So gibt es einige Spezialisten unter den Heuschrecken, mit ganz spezifischen Ansprüchen an ihren Lebensraum. Der Kiesbankgrashüpfer (''Chorthippus pullus'') lebt in der Schweiz z.&amp;amp;nbsp;B. ausschliesslich auf vegetationsarmen Kiesbänken grosser Alpenflüsse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-1000px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Eiablage_Lebensraum-Fluegel.png&lt;br /&gt;
| text = Von links nach rechts: Die Laubholz-Säbelschrecke (''Barbitistes serricauda'') legt ihre Eier in Gehölze mit strukturreicher Borke ab. Der Kiesbankgrashüpfer (''Chorthippus pullus'') kommt nur entlang der grossen Alpenflüsse vor. Die Gewöhnliche Gebirgsschrecke (''Podisma pedestris'') kann aufgrund der verkümmerten Flügel nicht fliegen.&lt;br /&gt;
Das Grüne Heupferd (''Tettigonia viridissima'') ist ein Langstreckenflieger unter den Heuschrecken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Populationsgrössen und Ausbreitung ==&lt;br /&gt;
Die Populationsgrösse kann zwischen den Jahren stark schwanken. Schon ein Kälteeinbruch oder eine längere Regenphase im Frühsommer können zu einem starken Populationsrückgang führen. Einzelbeobachtungen weisen darauf hin, dass auch kleine Populationen mit weniger als 50 Tieren über mehrere Jahre existieren können, wenn die Habitatqualität nicht abnimmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten Heuschreckenarten sind sesshaft und bewegen sich in einem Umkreis von wenigen Metern bis maximal 1&amp;amp;nbsp;km. Bei vielen Arten sind die Flügel verkümmert (z.&amp;amp;nbsp;B. bei der Gewöhnlichen Gebirgsschrecke ''Podisma pedestris''). Es gibt aber auch einzelne Langstreckenflieger, wie das Grüne Heupferd (''Tettigonia viridissima''), das in einem Sommer Distanzen von mehreren Kilometern zurücklegen kann. Hohe Bestandsdichten können die Ausbreitung von sesshaften Arten erhöhen, da bei Dichtestress die Mobilität steigt und makroptere (langflügelige) Tiere auftreten können, deren Flügel deutlich länger sind als üblich. Mit verlängerten Flügeln können auch Arten, die üblicherweise flugunfähig sind, weitere Distanzen überqueren. Ungenügend untersucht ist die Ausbreitung von Eiern und Tieren durch passiven Transport, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Fliessgewässer, den Bahnverkehr, durch Verfrachtung mit Mahdgut oder mit Weidetieren. Bei manchen Arten scheint diese Art der Verbreitung jedoch gut zu funktionieren, da immer wieder fernab von bekannten Populationen Einzeltiere oder kleine Initialpopulationen gefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fauna Indicativa ==&lt;br /&gt;
Die [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/projekte/fauna-indicativa.html Fauna Indicativa] ist ein Nachschlagewerk sowie ein Werkzeug für die Auswertung faunistischer Daten. Sie charakterisiert in Tabellenform ökologische Präferenzen und biologische Eigenschaften aller in der Schweiz einheimischen Heuschrecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
==Allgemeine Massnahmen ==&lt;br /&gt;
===Grünland- und Feuchtgebietsarten ===&lt;br /&gt;
* Extensive Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden und Verzicht auf schwere Maschinen, insbesondere in Feuchtgebieten&lt;br /&gt;
* Verzicht auf das Ausbringen von Kunstdünger und Bioziden, insbesondere Insektiziden&lt;br /&gt;
* Förderung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) mit Qualitätsstufe QII&lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Bewässerung von Trockenwiesen und Steppen&lt;br /&gt;
* Eindämmung der Verbuschung und Verbrachung von Trockenwiesen- und weiden&lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Entwässerung von Feuchtgebieten und Wiederherstellung des natürlichen Wasserregimes&lt;br /&gt;
* Erhalt von Weiden, da in der Regel mit heterogener Struktur und artenreicher, ausser bei einschüriger Mahd &lt;br /&gt;
* Schutz und Wiederherstellung von Feuchtgebieten&lt;br /&gt;
* Anlage und Pflege von Stillgewässern, insbesondere mit flachen Uferzonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wald- und Waldrandarten===&lt;br /&gt;
* Aufwertung und Schaffung gestufter Waldränder mit einer Krautschicht&lt;br /&gt;
* Erhalt alter Baumbestände, Biotopbäume und Hecken mir ihren Säumen&lt;br /&gt;
* Auflichtung der Wälder und Böschungen, damit sie gut besonnt sind&lt;br /&gt;
* Extensive Pflege der Weg- und Hangböschungen&lt;br /&gt;
* Standortgerechter Waldbau, Verzicht auf Monokulturen (bspw. Fichten)&lt;br /&gt;
* Umwandlung von Monokulturen in natürliche Wälder mit mehreren Baumarten&lt;br /&gt;
* Verzicht auf den Einsatz von Düngemitteln und Bioziden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Pionierarten an Fliessgewässern ===&lt;br /&gt;
(Übernommen aus: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken])&lt;br /&gt;
* Revitalisierung der Fliessgewässer, bevorzugt von Pionierarten besiedelte Standorten &lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Zuschüttung oder Eindämmung von besiedelten Uferflächen&lt;br /&gt;
* Verzicht auf jeglichen Abbau der Sand-, Kies- oder Steinbänke innerhalb, ober- und unterhalb besiedelter Flächen&lt;br /&gt;
* Zulassen von regelmässigen, genügend intensiven Hochwassern, um den natürlichen Abtrag der mit Vegetation bewachsenen Bänke in Auen zu gewährleisten&lt;br /&gt;
* Gewährleisten von periodischen Ablagerungen von Sedimenten an besiedelten Standorten, um die Regeneration von Sedimentbänken in Auen sicherzustellen&lt;br /&gt;
* Revitalisierung möglichst vieler Fliessgewässer, um über die Schaffung von potenziell günstigen Standorten die Wiederbesiedlung von verlassenen Gegenden zu fördern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mosaik_aus_Gruenlandtypen_-_Suedschwarzwald_-_IMG_7876b.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Strukturreichtum dieser Flächen bietet Grünlandarten einen idealen Lebensraum.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Strukturreiche Flächen schaffen und schützen ==&lt;br /&gt;
Für Heuschrecken sind weniger die typischen [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen Kleinstrukturen] wichtig wie [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen#Die_einzelnen_Kleinstrukturen Ast- oder Steinhaufen], als vielmehr offene Bodenstellen (u.&amp;amp;nbsp;a. für die Eiablage) und Strukturen, die Wärme aufnehmen und speichern, wie felsige Bereiche, [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pionierfl%C3%A4chen Kiesflächen], feuchte Senken und [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser temporäre Tümpel]. Neu angelegte Strukturen sollen eine minimale Fläche von 20&amp;amp;nbsp;m&amp;amp;sup2; pro ha haben. Natürliche Offenflächen und strukturreiche Flächen wie Moränen, Felsschutthalden, Kiesflächen und Verlandungszonen von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Stillgewässern] sind zu schützen und dürfen nicht zugeschüttet oder aufgeforstet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts ==&lt;br /&gt;
Viele gefährdete Heuschreckenarten sind auf eine extensive Beweidung oder regelmässige Mahd angewiesen, damit die Vegetation nicht zu dicht wird. Der optimale Schnittzeitpunkt ist artabhängig. Für Arten, die ihre Eier im Boden ablegen, ist eine Mahd zwischen Mai und August ungünstig. Für Arten, die ihre Eier an oder in Pflanzen ablegen, ist eine Mahd nach August und vor Mai problematisch. Die Bewirtschaftung kann aber auch schädlich sein. Verluste entstehen v.&amp;amp;nbsp;a. durch Mähaufbereiter und das Schwaden und Abführen des Mahdguts. Zur Verminderung der Verluste bei allen Arten ist bei der Mahd Folgendes zu beachten: &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
* Es sollen möglichst wenige Schnitte erfolgen, optimaler Weise nur ein Schnitt pro Jahr&lt;br /&gt;
* Frühmad: nicht ganzflächige durchführen; Spätmahd: nach dem Verblühen der meisten Pflanzen durchführen&lt;br /&gt;
* Am besten ist eine differenzierte Pflege, d.&amp;amp;nbsp;h. ein Mosaik aus Flächen mit unterschiedlichen Mähzeitpunkten und Rückzugsstreifen, die nur alle 2 Jahre gemäht werden &lt;br /&gt;
* Die Schnitthöhe soll mindestens 10&amp;amp;nbsp;cm betragen &lt;br /&gt;
* Balkenmäher verursachen die niedrigste Schädigungsrate, Scheibenmähern die höchste; am schonendsten ist die Mahd mit der Sense &lt;br /&gt;
* Das Schnittgut soll, damit sich die Tiere verteilen können, zum Trocknen liegen gelassen und stets abgeführt werden&lt;br /&gt;
* Es sollen keine Mähaufbereiter eingesetzt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://www.buntewiese-tuebingen.de/app/download/6569219764/Hiller%202014%20Auswirkungen%20verschiedener%20Mahdkonzepte%20auf%20die%20Heuschreckenfauna%20st%C3%A4dtischer%20Gr%C3%BCnfl%C3%A4chen%20-%20Naturschutz%20und%20Landschaftsplanung.pdf?t=1490555371 Hiller, D. &amp;amp; Betz, O.(2014). Auswirkungen verschiedener Mahdkonzepte auf die Heuschreckenfauna städtischer Grünflächen]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hintergrundinformationen'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [http://www.parcs.ch/npf/pdf_public/2014/30491_20141107_083216_MA_GrichtingStefan_2002.pdf  Grichting, S. (2002). Heuschrecken (Orthoptera) von Trockensteppen und extensiv bewirtschafteten Wiesen im Pfynwald (VS, Schweiz)]&lt;br /&gt;
: Studie zu den ökologischen Ansprüchen und der Verbreitung von Heuschrecken auf Wiesen mit unterschiedlichem Nutzungsgrad.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/abashop?s=208&amp;amp;p=productdetail&amp;amp;sku=429&amp;amp;language=de Agridea (2011). Erntetechnik und Artenvielfalt in Wiesen]&lt;br /&gt;
: Das Merkblatt zeigt die Auswirkungen verschiedener Mähtechniken und nachfolgender Ernteschritte auf die Artenvielfalt und gibt Empfehlungen für eine möglichst tierschonende Ernte. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rotationsbrachen anlegen und Altgrassstreifen stehen lassen ==&lt;br /&gt;
Bei der Anlage von Rotationsbrachen und Altgrasstreifen ist auf das Vorkommen von Heuschreckenpopulation in der näheren Umgebung zu achten, da Heuschrecken oft nur geringe Ausbreitungsdistanzen haben. Als Rückzugsstreifen werden bei jedem Schnitt 10% der Wiese stehen gelassen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/NuL07-10_Mueller_Bosshard.pdf Müller, M. &amp;amp; Bosshard, B. (2012). Altgrasstreifen fördern Heuschrecken in Ökowiesen - Eine Möglichkeit zur Strukturverbesserung im Mähgrünland]&lt;br /&gt;
: Studie zu den positiven Auswirkungen von Altgrasstreifen als Rückzugsraum bei der Mahd  in extensiv genutzten Wiesen. &lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2012_01_1723.pdf Duss, M. et al. (2012). Vernetzte Ökoflächen fördern Heuschrecken]&lt;br /&gt;
: Studie zur Auswirkung eines Vernetzungsprojektes von ökologischen Ausgleichsflächen (öAF) auf die Verbreitung von 2 Heuschreckenarten. Die Grosse Goldschrecke (''Chrysochraon dispar'') profitiert von Altgrasstreifen.&lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/download.php?filename=2001_1112_102.pdf Peter, B. &amp;amp; Walter, T. (2001). Heuschrecken brauchen ökologische Ausgleichsflächen] &lt;br /&gt;
: Vergleichende Untersuchungen vor und nach der Einführung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) zeigt deren Wichtigkeit für Heuschrecken auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Buntbrache_Altgrassstreifen_AK.png&lt;br /&gt;
| text = Links und Mitte: Die Gemeine Sichelschrecke (''Phaneroptera falcata'') und die Langflüglige Schwertschrecke (''Conocephalus fuscus'') schätzen die hohe Vegetation von Buntbrachen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Rechts: Die Grosse Goldschrecke (''Chrysochraon dispar'') profitiert von Altgrasstreifen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Beweidung ==&lt;br /&gt;
Für die Beweidung sollen möglichst traditionelle Rassen, bzw. leichte Tiere eingesetzt werden. Generell scheint Schaf-Hütehaltung besonders günstig für Heuschrecken zu sein. Die Viehdichte darf nicht zu hoch sein; der jährliche Besatz sollte 150 Grossvieheinheiten&amp;amp;sup1; pro Hektare (GVE/ha) nicht überschreiten. Es empfiehlt sich, eine Beweidung in Koppeln zu führen, womit ein ähnlicher Effekt erzielt wird wie mit einer Rotationsmahd. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;Die Beweidungsintensität ergibt sich aus dem Produkt von Besatzstärke in Grossvieheinheiten pro Hektare mal Anzahl Bestossungstagen (GVE/ha * dd). Je nach Grösse und Alter der Tiere ändert sich der Wert, der sich mit dem [https://www.agate.ch/portal/web/agate/gve-rechner GVE-Rechner des Bundesamtes für Landwirtschaft] genau ermitteln lässt.&amp;lt;/small&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://www.pronatura.ch/de/2016/allegra-geissenpeter-ziegen-esel-und-rinder-weiden-fuer-die-biodiversitaet Pro Natura. Projekt „Allegra Geissenpeter“]&lt;br /&gt;
: Pro Natura lanciert Projekte mit verschiedenen Weidetierarten, um die Trockenstandorte in den Alpen nachhaltig zu sichern, unter anderem zur Förderung der Heuschrecken. Die unterschiedlichen Projekte und die Ergebnisse der Erfolgskontrollen sind im [https://www.pronatura.ch/sites/pronatura.ch/files/2017-11/leitfaden_fuer_die_aufwertung_von_brachliegenden_trockenstandorten_durch_beweidung-beitraege_zum_naturschutz_in_der_schweiz_nr_37-2016_highres.pdf Leitfaden für die Aufwertung von brachliegenden Trockenstandorten durch Beweidung (2016)] zusammengefasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Direktbegrünung und Mahdgutübertragung  ==&lt;br /&gt;
Direktbegrünung und Mahdgutübertragung sind einer Ansaat vorzuziehen, da zusammen mit dem Pflanzenmaterial oder den Samen Insekten und Eier übertragen werden können. Dies ist insbesondere wichtig für Arten mit einem geringem Ausbreitungspotenzial. Das Saat- und Mahdgut sollte von [https://www.regioflora.ch/app/de/index.html Spenderflächen aus der nahen Umgebung] stammen, also [https://de.wikipedia.org/wiki/Autochthone_Art autochthon] sein, um die regionale genetische Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Für eine erfolgreiche Besiedlung sollen Empfängerflächen in maximal 1&amp;amp;nbsp;km Distanz, besser nur 500&amp;amp;nbsp;m, zu bereits besiedelten Flächen angelegt werden. Bei der Begrünung können kleine Bodenstelle langfristig offengehalten werden, indem Steine oder Feinsediment als Substrat eingebracht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hintergrundinformation'''&lt;br /&gt;
* [http://public.bibliothek.uni-halle.de/index.php/hercynia/article/viewFile/218/224 Elias, D. &amp;amp; Thiede, S. (2008). Verfrachtung von Heuschrecken (Insecta: Ensifera et Caelifera) mit frischem Mähgut im Wulfener Bruch (Sachsen-Anhalt)]: Diese Studie zeigt auf, dass die Mahdgutübertragung für Heuschrecken eine wichtige Rolle spielt, insbesondere für wenig mobile Arten.&lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2001_07_71.pdf  Bosshard, A. &amp;amp; Kuster, D. (2001). Bedeutung neu angelegter Extensivwiesen für Tagfalter und Heuschrecken]: Die Untersuchung zeigt, dass neu angelegte Extensivwiesen rasch von gefährdeten Heuschrecken- und Tagfalterarten besiedelt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/ Regio Flora - das Portal zur Förderung der regionalen Vielfalt im Grünland]: Umfassende Informationen zur Direktbegrünung von Wiesen und Weiden.&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/RF_Praxismerkblatt_D_download9.11.15.pdf Agridea (2015). Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft]: Leitfaden für die Praxis zum Einsatz von regionalem Saatgut in Biodiversitätsförderflächen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-hoch&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Gewaesser_PZ.png&lt;br /&gt;
| text = Die Ufer von Fliess- und Stillgewässern sind wichtige Verbreitungskorridore und sollen alternierend bewirtschaftet werden.  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feuchtgebiete und Trockenstandorte ==&lt;br /&gt;
=== Ruderalstandorte und Säume entlang von Feuchtgebieten pflegen ===&lt;br /&gt;
Zahlreiche Arten legen ihre Eier in Stängel von Pflanzen im Uferbereich von Still- und Fliessgewässern. Die Uferbereiche sind wichtige Verbreitungskorridore für die Tiere. Daher ist die extensive Pflege von Feuchtgebieten und Gräben das ganze Jahr über wichtig:&lt;br /&gt;
* [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts|Mahd]] an den Ufern alternierend, an einem Ufer die Vegetation immer für ca. 1-2 Jahre stehen lassen &lt;br /&gt;
* Säume am selben Ufer gestaffelt mähen und das Schnittgut abführen &lt;br /&gt;
* Flächen nicht mulchen&lt;br /&gt;
* Ruderalstandorte immer wieder abschnittweise stören durch extensive [[#Beweidung| Beweidung]] oder [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts | Mahd]], um die Verbuschung zu verhindern und [[#Strukturreiche Flächen schaffen und schützen| strukturreiche Flächen]] zu schaffen &lt;br /&gt;
* Invasive Pflanzen zurückdrängen, insbesondere Flügelknöterich (''Fallopia'') und Drüsiges Springkraut (''Impatiens glandulifera'')&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entbuschung von Trockenstandorten === &lt;br /&gt;
Der Baum- und Strauchbewuchs soll bei grossen Standorten maximal 25% betragen, bei kleineren 10% oder weniger. Für die langfristige Offenhaltung der Trockenwiesen- und weiden eignen sich extensive Beweidung oder Mahd. Massnahmen zur Aufwertung von Trockenstandorten werden zu einem späteren Zeitpunkt bearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im Siedlungsgebiet ==&lt;br /&gt;
=== Schotter- und Brachflächen extensiv pflegen ===&lt;br /&gt;
Im Randbereich vom Siedlungsgebiet und auf Firmengeländen kann eine reiche Heuschreckenfauna entstehen, wenn grössere Offenflächen vorhanden sind. Dies können z.&amp;amp;nbsp;B. Schotter- und Industriebrachen sein, die einen lockeren Pflanzenbewuchs aufweisen. Diese Flächen sollen extensiv bewirtschaftet werden (siehe: [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts|Mahdkonzepte]]). Der Strukturreichtum kann gefördert werden, indem die Pflege nur abschnittweise erfolgt und zusätzliche [[#Strukturreiche Flächen schaffen und schützen| Kleinstrukturen]] angelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrünung und Pflege von Flachdächern ===&lt;br /&gt;
Flachdächer können einigen Heuschreckenarten, z.&amp;amp;nbsp;B. der Blauflügeligen Sandschrecke (''Sphingonotus caerulans'') oder der Blauflügeligen Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') als Trittstein dienen. Dauerhafte Ansiedlungen von Populationen wurden bisher noch nicht beobachtet. Bei der Anlage der Dächer ist Folgendes wichtig: &lt;br /&gt;
* Nur einheimische Pflanzen und Saatgut verwenden &lt;br /&gt;
* Offene Stellen belassen und regelmässig neue Offenflächen durch Abtragung des Oberbodens schaffen &lt;br /&gt;
* Sand, Kies und Steine in unterschiedlichen Korngrössen verwenden &lt;br /&gt;
* Pflanzen extensiv und abschnittsweise pflegen &lt;br /&gt;
* Strukturreichtum durch Kieshaufen, Holz, etc. sicherstellen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://docplayer.org/20659374-Die-blaufluegelige-sandschrecke-sphingonotus-caerulans-auf-den-extensiv-begruenten-daechern-der-europa-allee-zuerich.html Speck, M. &amp;amp; Brenneisen, S. (2014). Die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) auf den extensiv begrünten Dächern der Europa-Allee in Zürich]&lt;br /&gt;
: Diese Studie belegt das Vorkommen der Rote-Liste Art auf Flachdächern in Zürich. Die Blauflügelige Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') wurde in vorherigen Untersuchungen machgewiesen, die hier zitiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [https://www.stadt-zuerich.ch/ted/de/index/gsz/beratung-und-wissen/wohn-und-arbeitsumfeld/dachbegruenungen0.html Stadt Zürich. Dachbegrünung]: Umfassende Informationen zur Anlage und Pflege von Dachbegrünung mit vielen Praxisbeispielen.&lt;br /&gt;
* [https://www.stadt.sg.ch/home/raum-umwelt/bauen-sanieren/natur-stadt.html Stadt St. Gallen, Amt für Umwelt und Energie (2014). Leitfaden Dachbegrünung]: Ausführliche Informationen zu Aufbau und extensiven Begrünungsarten von Flachdächern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-550px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Siedlungsgebiet.png&lt;br /&gt;
| text = Der Blauflügeligen Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') und der Blauflügeligen Sandschrecke (''Sphingonotus caerulans'') können Flachdächer als Trittsteine in neue Lebensräume dienen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wildblumenwiesen und Trockenflächen anlegen und pflegen === &lt;br /&gt;
In Parks und Gärten können auch anspruchsvollere Heuschreckenarten vorkommen, wenn Folgendes beachtet wird:&lt;br /&gt;
* Nur einheimisches Saatgut verwenden &lt;br /&gt;
* Lückig säen und nicht düngen  &lt;br /&gt;
* Offene Bodenflächen belassen &lt;br /&gt;
* Maximal 2-mal pro Jahr mit Balkenmäher oder Sense und abschnittsweise mähen &lt;br /&gt;
* Brachflächen, Altgrassstreifen und Säume um Gebüsche und Gehölze von 5-10m abschnittsweise pflegen, um eine Zunahme der Verbuschung zu verhindern &lt;br /&gt;
* Mahdgut abführen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [http://www.pronatura.ch/blumenwiesen?file=tl_files/dokumente_de/2_unsere_themen/lebensraeume/Wiesen/Pro_Natura_Praxis_Blumenwiese.pdf Pro Natura 2014. Blumenwiesen anlegen und pflegen]: Ausführliche Informationen zur Anlage und Pflege von grossen und kleinen (Wild-) Blumenwiesen.&lt;br /&gt;
* [https://www.wwf.ch/sites/default/files/doc-2019-02/2010-12-factsheet-wiesenparadies-einheimische-blumen.pdf WWF Schweiz 2010. Buntes Wiesenparadies mit einheimischen Wildblumen]: Schritt für Schritt Anleitung zur Anlage und Pflege von Wildblumenwiesen für Privathaushalte.&lt;br /&gt;
* [[Media:WWF 2010 Lebendige Trockenstandorte.pdf|WWF Schweiz 2010. Lebendige Trockenstandorte mit Sand, Kies und Schotter]]: Anleitung zur Anlage und Pflege von Trockenstandorten für Privathaushalte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundäre Pionierstandorte anlegen und pflegen == &lt;br /&gt;
Vom Menschen geschaffene Pionierstandorte sind für Heuschrecken wertvolle Sekundärhabitate geworden, da vielerorts die ursprünglichen Lebensräume (z.&amp;amp;nbsp;B. See- und Flussauen, Brandflächen, etc.) verschwunden sind. Der Erhalt der Pionierstandorte bedarf regelmässiger Pflegeeinsätze zur Verhinderung von Verfilzung und Verbuschung.&lt;br /&gt;
Heuschrecken finden wertvolle Pionierflächen: &lt;br /&gt;
* In Steinbrüchen und Kiesgruben &lt;br /&gt;
* In Weinbergen&lt;br /&gt;
* In Sand-, Lehmgruben und Mergelgruben &lt;br /&gt;
* An Bahnhöfen und Gleisen&lt;br /&gt;
* Auf Industriebrachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wiederansiedlung von Tieren ==&lt;br /&gt;
Die Wiederansiedelung von ehemals vorkommenden Heuschrecken kann nur eine letzte Alternative im Naturschutz sein, da primär immer der Schutz der vorhandenen Populationen im Fokus steht und die Wiederansiedlung sehr aufwändig ist. Für eine erfolgreiche Wiederansiedlung ist es notwendig, eine sorgfältige Ansiedlungs-Strategie zu erarbeiten und die [https://portals.iucn.org/library/efiles/documents/2013-009.pdf Richtlinien der IUCN zur Wiederansiedlung] strikt zu befolgen. Die Wiederansiedlung von Heuschrecken ist bewilligungspflichtig und soll Spezialisten überlassen werden, weshalb hier nicht näher darauf eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = GSM-5012435629 6b68a9c506 b Ephipiger cfr diurnus female.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Westliche Sattelschrecke (''Ephippiger diurnus'') besiedelt trockene und lückige Wiesen und Waldränder. Sie gehört zu den stark gefährdeten Arten.  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Viele Heuschreckenarten brauchen aufgrund ihrer Ansprüche an den Lebensraum ganz spezifische Fördermassnahmen. Die Priorisierung der gefährdeten Arten gemäss ihrem Förderbedarf kann der [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html Liste der National Prioritären Arten (2011)] entnommen werden. Eine wichtige Grundlage für die Förderung sind auch die in der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/wissenschaftliche-aktivitaten/fauna-indicativa.html Fauna Indicativa] zusammengestellten Präferenzen und Eigenschaften der einzelnen Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur wenige Praxisinformationen zum spezifischen Artenschutz von Heuschrecken. In der Schweiz wurde bisher nur für die Blauflügelige Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') eine [http://kbnl.ch/wp-content/uploads/2016/11/webseite_Ocaerulescens.pdf Zusammenfassung zur Best Practice der Artenförderung] und [https://www.zh.ch/content/dam/zhweb/bilder-dokumente/themen/umwelt-tiere/naturschutz/artenschutz/aktionsplaene-fauna/heuschrecken/oedipoda_caerulescens_ap.pdf vom Kanton Zürich ein Aktionsplan] erstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Nachbarländern wurden folgenden Publikationen zu Fördermassnahmen erstellt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Deutschland'''&lt;br /&gt;
* [http://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutz/natura_2000/vollzugshinweise_arten_und_lebensraumtypen/vollzugshinweise-fuer-arten-und-lebensraumtypen-46103.html#Wirbellose Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Niedersächsische Strategie zum Arten- und Biotopschutz]&lt;br /&gt;
'''Österreich''' &lt;br /&gt;
* [http://www.zobodat.at/pdf/NaturschutzbundBgld_9_2013_0001-0160.pdf Zuna-Kratky, T. et. al. (2013). Schutzprogramm für die gefährdeten Heuschrecken des Nordburgenlands]&lt;br /&gt;
'''Niederlande''' &lt;br /&gt;
* [http://repository.naturalis.nl/document/161506 Schut, D.  et al. (2008). Actieplan prioritaire Sprinkhanen in Noord-Brabant]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Gefährdung =&lt;br /&gt;
Von den 105 für die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html Rote Liste 2007] untersuchten Heuschreckenarten sind fast 40% bedroht. Am stärksten gefährdet sind die Pionierarten entlang von Gewässern sowie die Arten der Flach- und Hochmoore. Die Erhaltung der letzten Populationen dieser Arten ist daher von grosser Bedeutung.&lt;br /&gt;
Die grössten Gefährdungsursachen für alle Heuschreckenarten sind:&lt;br /&gt;
* Verlust und Fragmentierung des Lebensraums durch Veränderung der Landnutzung, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Umwandlung von Grünland in Äcker, Urbanisierung oder Industrialisierung&lt;br /&gt;
* Intensivierung der Nutzung, insbesondere der Einsatz von Mähmaschinen und Mähaufbereitern, sowie Düngung und Erhöhung der Anzahl Schnitte pro Jahr, sowie höhere Viehdichten auf kleinerem Raum&lt;br /&gt;
* Mangelnde (natürliche) Prozesse zur Offenhaltung der Landschaft und von Bodenstellen, Homogenisierung der Landschaft&lt;br /&gt;
* Verdichtung der Vegetation durch Eutrophierung&lt;br /&gt;
* Einsatz von Insektiziden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Gefährdungsursachen in Bezug auf die Lebensraumbindung sind:&lt;br /&gt;
* Grünlandarten: Intensive Beweidung oder häufige Mahd, Verbuschung oder Verkrautung durch Verbrachung, Verarmung der Pflanzenvielfalt, Düngung von Wiesen und Weiden &lt;br /&gt;
* Feuchtgebietsarten: Veränderungen im Gewässerhaushalt von Feuchtgebieten, intensivere landwirtschaftliche Nutzung von Feuchtwiesen &lt;br /&gt;
* Wald- und Waldrandarten: Fehlende Stufenstruktur des Waldrandes (Strauch- und Krautschicht), Entfernung von Hecken, Kleinstrukturen und Felsen, Intensivierung der Forstwirtschaft, Einsatz von Bioziden, Anbau von Monokulturen, touristische Nutzung (insbesondere mit Ski &amp;amp; Mountainbike)&lt;br /&gt;
* Pionierarten: Verbauungen der Fliessgewässer und Eingriffe in den Geschiebehaushalt, Veränderungen des Gewässerhaushaltes und der Gewässerdynamik, Verbuschung und Verkrautung der Offenflächen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Die Wissenslücken sind nicht abschliessend und fokussieren besonders auf die Förderung.&lt;br /&gt;
* Erfolgreiche Förderung seltener Arten&lt;br /&gt;
* Minimale überlebensfähige Populationsgrössen &lt;br /&gt;
* Vernetzung von Heuschreckenpopulationen unterschiedlicher Arten und Artenzusammensetzungen&lt;br /&gt;
* Habitatspezifische Auswirkungen der Grünlandnutzung: lässt sich das auf Trockenrasen gewonnene Wissen bspw. auf Feuchtwiesen übertragen?&lt;br /&gt;
* Barrierewirkung mehrspuriger Strassen (Autobahnen)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen vom Klimawandel, insbesondere langer Dürreperioden oder Starkregen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele =&lt;br /&gt;
Für Heuschrecken haben wir nur ein Praxisbeispiel gefunden, welches die durchgeführten Massnahmen ausführlich beschreibt und eine Erfolgsuntersuchung beinhaltet. Daher freuen wir uns über Ihre [http://biodivers.ch/index.php/kontakt.html Vorschläge per Email.]&lt;br /&gt;
* [http://www.parcs.ch/nwp/pdf_public/2014/26962_20140130_123116_Kurth_Salome_2007.pdf Kurth, S. (2007). Planning a migration corridor for the highly endangered grasshopper Chorthippus pullus (Orthoptera, Acrididae) in the Rottensand (Pfynwald, VS)]  &lt;br /&gt;
: Für den Kiesbankgrashüpfer wurde im Pfynwald ein Migrationskorridor errichtet und die anschliessende Nutzung beobachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Allgemeine Links=&lt;br /&gt;
* [http://lepus.unine.ch/carto/ Info fauna. Verbreitungskarten der Schweizer Tierarten]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken]&lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch Orthoptera Schweiz. Heuschrecken-Plattform für die Schweiz und Europa ]&lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch/links Orthoptera Schweiz. Linkliste der Heuschrecken-Webseiten Europas und weltweit] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar und weitere spannende Links ==&lt;br /&gt;
* [https://www.orthoptera.ch/glossar Glossar von orthoptera.ch]&lt;br /&gt;
* [http://www.biofotoquiz.ch/biofotoquiz/index.php?domain=standard&amp;amp;classID=278 Biofotoquiz]: Quiz mit Fotos von Heuschrecken und anderen Tier- und Pflanzenarten zum Kennenlernen der Arten.&lt;br /&gt;
* [https://offene-naturfuehrer.de/web/Heuschreckenarten_nach_einfachen_Merkmalen_bestimmen_(Bayern) Heuschreckenarten nach einfachen Merkmalen bestimmen (Bayern)]: Wiki-Bestimmungsschlüssel für die Heuschrecken von Bayern. Der Leser wird anhand der Merkmale geführt, die Kenntnis von Fachbegriffen wird vorausgesetzt.    &lt;br /&gt;
* [https://docplayer.org/24899466-Heuschrecken-bestimmungsschluessel-fuer-die-oestlichen-suedalpen.html Fontana et al. (2002). Heuschrecken-Bestimmungsschlüssel für die östlichen Südalpen]: Bestimmungsschlüssel mit detaillierten Zeichnungen der Merkmale. &lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch/info-app-wiki/orthoptera-app Orthoptera-App]: Die Heuschrecken Bestimmungs-App für iphone und Android enthält zu jeder Art zahlreiche Fotos, Stimmaufzeichnungen und Hintergrundinformationen. Beobachtungen können in der App eingegeben und so dem CSCF gemeldet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturempfehlungen =&lt;br /&gt;
* Detzel, P. (1998). Die Heuschrecken Baden-Württembergs. Stuttgart Hohenheim, Ulmer.&lt;br /&gt;
: Bisher immer noch das beste Buch zur praxisnahen Ökologie und Massnahmen zur Förderung von Heuschrecken. Die Aufwertungs-Massnahmen sind an einzelne Arten und Lebensräume angepasst. Als genereller Leitfaden sind sie sehr gut, umsetzungsorientierte Anleitungen fehlen. Alles in allem ein gutes Buch für den Anfang, eine Weiterentwicklung ist aber dringend notwendig.&lt;br /&gt;
* Ingrisch, S. &amp;amp; Köhler, G. (1998). Die Heuschrecken Mitteleuropas. Vol. Bd. 629. Magdeburg, Westarp Wissenschaften.&lt;br /&gt;
: Sehr ausführliches und allgemeines Buch zur Biologie, Populationsdynamiken und Lebensräumen der Heuschrecken, weniger zur Biotopaufwertung und zu Fördermassnahmen. Trotz dem Alter immer noch lesenswert und informativ. &lt;br /&gt;
* Schlumprecht, H. &amp;amp; Waeber, G. (2003). Heuschrecken in Bayern. Stuttgart Hohenheim. Ulmer. &lt;br /&gt;
: Sehr ausführlicher Bestimmungs-Atlas mit vielen Informationen zur Lebensweise und den Lebensräumen der einzelnen Arten. Zu Gefährdung und Schutz gibt es Beispiele aus dem bayrischen Raum und Ratschläge zur Aufwertung für jede Art.&lt;br /&gt;
* Maas, S., Detzel, P. &amp;amp; Staudt, A. (2002). Gefährdungsanalyse der Heuschrecken Deutschlands  - Verbreitungsatlas, Gefährdungseinstufung und Schutzkonzepte. Bonn-Bad Godesberg, Bundesamt für Naturschutz.&lt;br /&gt;
: Ausführlicher Atlas zu den Heuschreckenarten in Deutschland mit Gefährdungsanalysen und Informationen zu Habitaten, Biologie und Verbreitung der einzelnen Arten. Die Angaben zur Aufwertung von Lebensräumen sind kurz gehalten.&lt;br /&gt;
* [http://dgfo-articulata.de/articulata Articulata - Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Orthopterologie] &lt;br /&gt;
: In der Zeitschrift der DGFO erscheinen regelmässig Artikel zur Förderung von Heuschrecken, ältere Artikel können als PDF heruntergeladen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsbücher ==&lt;br /&gt;
* Baur, B., Bauer, H., Rösti, C., &amp;amp; Rösti, D. (2006). Die Heuschrecken der Schweiz. Bern, Haupt Verlag.&lt;br /&gt;
: Intuitiver Bestimmungsschlüssel für die Schweizer Heuschreckenarten mit sehr schönen Detail-Zeichnungen. Enthält Verbreitungskarten und Erklärungen zu den wichtigsten Merkmalen.&lt;br /&gt;
* Fischer, J., Steinlechner, D., Zehm, A., Poniatowski, D., et al., Hrsg. Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (2016). Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols: Bestimmen - Beobachten - Schützen. Wiebelsheim Hunsrück, Quelle &amp;amp; Meyer.&lt;br /&gt;
: Dieses Buch sticht positiv heraus. Es enthält Detailfotos der Bestimmungsmerkmale der Adultiere und Nymphen, eine Darstellung der Hauptaktivitätszeit aller Arten im Jahresverlauf und vieles mehr.&lt;br /&gt;
* Weitere nationale und internationale Bestimmungsbücher sind auf [http://www.orthoptera.ch/literatur Orthoptera.ch] aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers ]|| info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| [http://www.goeg.de/kontakt  Prof. Dr. Peter Detzel] || [http://www.goeg.de/ Gruppe für ökologische Gutachten] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Dr. Axel Hochkirch] || [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Universität Trier] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.naturalis.nl/en/science/researchers/roy-kleukers Roy Kleukers] || [https://www.naturalis.nl/en Naturalis Biodiversity Center] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.orthoptera.ch/ueber-uns Florin Rutschmann] || [http://www.pronatura-aargau.ch/cms/index.php?id=4&amp;amp;no_cache=1 Pro Natura Aargau] &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- biodivers-Links zu Arten: Kiesbankgrashüpfer Chorthippus pullus, Blauflügelige Ödlanschrecke Oedipoda caerulescens → Aktionsplandrehscheibe, Grüne Heupferd Tettigonia viridissima, Alpenschrecke Anonconotus alpinus &lt;br /&gt;
biodivers-Links zu Lebensräumen: Kleinstrukturen, Hecke, Stillgewässer (mehrfach), Fliessgewässer (mehrfach), Wald und Waldrand (mehrfach), Feuchtgebiete, Sumpf, Grünland, Trockenwiesen und Trockenweisen, Entbuschung von Trockenwiesen (mehrfach)--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Heuschrecken&amp;diff=4699</id>
		<title>Heuschrecken</title>
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				<updated>2023-03-04T18:04:47Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Orthoptères]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = JM 29293745804 8952ea6513 h.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Sumpfschrecke (''Stethophyma grossum'') besiedelt feuchte Wiesen und Flachmoore.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review || [http://www.goeg.de/ueber-uns/team Prof. Dr. Peter Detzel], [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Dr. Axel Hochkirch], [https://www.naturalis.nl/en/science/researchers/roy-kleukers Roy Kleukers] &amp;amp; [http://www.orthoptera.ch/ueber-uns Florin Rutschmann]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || Juli 2017&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
Über 100 Heuschreckenarten bereichern unsere Fauna und überraschen uns mit Flug-, Grab- oder Klangkünsten sowie ihrer Farben- und Formenvielfalt. Heuschrecken (Orthopteren) sind wärmeliebende Kulturfolger. Die meisten Arten beherbergt das Grünland, ob trocken oder feucht, gemäht oder beweidet. Einige Arten leben in lichten Wäldern und auf Pionierflächen der Flussauen und Geröllhalden. Viele Heuschreckenarten sind auf eine hohe Strukturvielfalt auf kleinem Raum angewiesen, da ihre durchschnittliche Ausbreitungsdistanz weniger als ein Kilometer beträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für alle Arten ist die Offenhaltung ihrer Lebensräume zentral. Die Wiederherstellung der natürlichen Dynamiken oder die regelmässige, extensive Bewirtschaftung der besiedelten Flächen ist daher wichtig. Bei der Mahd ist darauf zu achten, ein Mosaik aus Rückzugsstreifen und Flächen mit unterschiedlichen Mahdzeitpunkten zu schaffen. Bei der Begrünung sind eine geringe Distanz zu besiedelten Flächen und eine lückige Ausbringung vorteilhaft. Von den über 100 einheimischen Heuschreckenarten stehen 40% auf der Roten Liste. Insbesondere die Arten der Pionierflächen haben einen erhöhten Förderbedarf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik =&lt;br /&gt;
Heuschrecken werden in zwei leicht unterscheidbare Gruppen eingeteilt. Bei den Langfühlerschrecken (Ensifera) sind die Fühler gleich lang oder länger als der Körper und haben mindestens 30 Fühlerglieder, während sie bei den Kurzfühlerschrecken (Caelifera) kürzer als der Körper sind. Die Weibchen der Langfühlerschrecken besitzen meist einen auffälligen Legebohrer, im Gegensatz zu den kurzen Legeröhrenklappen bei den Kurzfühlerschrecken. Nur die Maulwurfsgrille gehört auch ohne lange Fühler und Legebohrer zu den Langfühlerschrecken. &lt;br /&gt;
Mehr zur Systematik der Heuschrecken auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Heuschrecken Wikipedia].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Ökologie=&lt;br /&gt;
== Lebensräume ==&lt;br /&gt;
Heuschrecken besiedeln die meisten terrestrischen Lebensräume bis auf 3'100&amp;amp;nbsp;m&amp;amp;nbsp;ü.&amp;amp;nbsp;M. Sie kommen in extensiven Wiesen und Weiden, Brachen, Weinbergen, Wäldern, Feuchtgebieten, Mooren und Flussauen vor. Heuschrecken können allgemein als wärmeliebende Kulturfolger bezeichnet werden, die in stark vom Menschen geprägten Landschaften leben. So können Kiesgruben und Steinbrüche viele seltene Arten beherbergen, wenn sie offengehalten und extensiv gepflegt werden. Im Siedlungsgebiet finden Heuschrecken eine Vielfalt an Kleinlebensräumen auf Industriebrachen und grossen Güterbahnhöfen, Schotterplätzen und in Ruderalflächen. Für seltene Arten sind Parks, Gärten und Flachdächer als Lebensraum wenig relevant, als Trittsteine können sie aber beim Erreichen neuer Lebensräume helfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-1000px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Lebensraeuume_Gruppen_PZ.png&lt;br /&gt;
| text = Zu den wichtigsten Lebensräumen für Heuschrecken zählen magere Wiesen, Moorlandschaften, lückige Wälder und Blocksteinhalden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da nahezu alle Heuschrecken licht- und wärmeliebend sind, brauchen sie in ihren Lebensräumen Offenflächen bzw. lückige Pflanzenbestände. Die Bindung an das Habitat erfolgt weniger aufgrund bestimmter Pflanzengesellschaften, als aufgrund der benötigten Strukturen und der mikroklimatischen Verhältnisse. Entscheidend sind Dichte und Höhe der Vegetation, sowie Temperatur und Feuchtigkeit. Mosaikartige Lebensräume mit einer Vielfalt an Strukturen sind für eine hohe Heuschreckenvielfalt optimal. So leben an Lebensraum-Übergängen, wie Waldrändern mit Feuchtwiesen oder Hecken entlang von extensiven Wiesen, besonders viele Arten. Für den Erhalt von Offenflächen und Strukturreichtum sind regelmässige Pflegeeinsätze notwendig, wenn natürliche Dynamiken fehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schweizer Heuschreckenarten können bezüglich ihrer Lebensraumbindung in vier Gruppen unterteilt werden (aus: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken]) &lt;br /&gt;
# Grünlandarten in Trockenwiesen und -weiden (43 Arten)&lt;br /&gt;
# Sumpf- und Feuchtgebietsarten in Flach- und Hochmooren (11 Arten)&lt;br /&gt;
# Wald- und Waldrandarten sowie Gebüscharten, vor allem in tieferen Lagen (24 Arten)&lt;br /&gt;
# Pionierarten in Auen, Felsplatten, Geröllhalden oder Karst (25 Arten)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Merkmale und Vermehrung==&lt;br /&gt;
Heuschrecken sind durch ihre Körperform, ihr Verhalten und ihre Körperfärbung an ihren Lebensraum angepasst und häufig gut getarnt. Die Körperfärbung kann innerhalb einer Art stark variieren und ist daher meist kein spezifisches Unterscheidungsmerkmal. Die Körperfärbung ist nicht immer genetisch festgelegt, sondern kann sich während der Entwicklung verändern und der Färbung der Umgebung anpassen. Adulte Tiere können ihre Farbe dagegen nicht mehr wechseln, aber ggf. noch nachdunkeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heuschrecken durchlaufen eine hemimetabole (unvollkommene) Entwicklung. Nach dem Schlupf sind die sogenannten Nymphen schon als Heuschrecken zu erkennen und werden mit jeder Häutung dem adulten Tier ähnlicher. Grillen brauchen bis zu 12 Häutungen, bis sie ausgewachsen sind, Laubheuschrecken 5 bis 7 und Kurzfühlerschrecken 4 bis 5 Häutungen. Erst nach der letzten Häutung bilden sich die Flügel und Geschlechtsorgane vollständig aus. Die meisten Heuschrecken sind einjährig, ihre Nymphen schlüpfen im Zeitraum von Frühling bis Sommer. Adulte Tiere sind von Sommer bis Herbst zu finden, das Auftreten richtet sich vor allem nach der Höhenstufe und den mikroklimatischen Verhältnissen. Nur Grillen (Gryllidae) und Dornschrecken (Tetrigidae) überwintern in einem der Nymphenstadien oder als adulte Tiere und treten entsprechend früh im Jahr auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt einige Tage bis wenige Wochen nach der letzten Häutung und schon wenige Tage später beginnt die Eiablage. Die Weibchen der meisten Heuschreckenarten legen ihre Eier im Boden oder an der Basis von Gräsern ab. Andere Arten legen ihre Eier in rissige Baumrinde und markhaltige Pflanzenteile oder heften sie an Halme und Blätter. Die Langfühlerschrecken können mit dem Legebohrer ihre Eier tiefer in den Boden legen als die Kurzfühlerschrecken. Bei den meisten heimischen Arten dauert die Entwicklung der Eier bis zum Schlupf vom Herbst bis zum nächsten Frühling, bei einigen auch mehrere Jahre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Feuchte- und Temperatur-Ansprüche der Eier sind bei Heuschrecken entscheidend für die Habitatbindung der Arten. Arten der Feuchthabitate können oft nicht überleben, wenn ihre Eier im Winter nicht genügend feucht sind. Sie brauchen eine Periode der Überflutung. Feldheuschrecken der trockenen Habitate haben eine längere Eientwicklung nach dem Winter und benötigen höhere Bodentemperaturen. Die notwenigen Temperaturen werden erreicht, wenn Sonnenstrahlen offene Bodenstellen erwärmen. Andere Arten, die in höherer, dichterer Vegetation leben, kommen auch mit geringer Sonneneinstrahlung zurecht. So gibt es einige Spezialisten unter den Heuschrecken, mit ganz spezifischen Ansprüchen an ihren Lebensraum. Der Kiesbankgrashüpfer (''Chorthippus pullus'') lebt in der Schweiz z.&amp;amp;nbsp;B. ausschliesslich auf vegetationsarmen Kiesbänken grosser Alpenflüsse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-1000px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Eiablage_Lebensraum-Fluegel.png&lt;br /&gt;
| text = Von links nach rechts: Die Laubholz-Säbelschrecke (''Barbitistes serricauda'') legt ihre Eier in Gehölze mit strukturreicher Borke ab. Der Kiesbankgrashüpfer (''Chorthippus pullus'') kommt nur entlang der grossen Alpenflüsse vor. Die Gewöhnliche Gebirgsschrecke (''Podisma pedestris'') kann aufgrund der verkümmerten Flügel nicht fliegen.&lt;br /&gt;
Das Grüne Heupferd (''Tettigonia viridissima'') ist ein Langstreckenflieger unter den Heuschrecken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Populationsgrössen und Ausbreitung ==&lt;br /&gt;
Die Populationsgrösse kann zwischen den Jahren stark schwanken. Schon ein Kälteeinbruch oder eine längere Regenphase im Frühsommer können zu einem starken Populationsrückgang führen. Einzelbeobachtungen weisen darauf hin, dass auch kleine Populationen mit weniger als 50 Tieren über mehrere Jahre existieren können, wenn die Habitatqualität nicht abnimmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten Heuschreckenarten sind sesshaft und bewegen sich in einem Umkreis von wenigen Metern bis maximal 1&amp;amp;nbsp;km. Bei vielen Arten sind die Flügel verkümmert (z.&amp;amp;nbsp;B. bei der Gewöhnlichen Gebirgsschrecke ''Podisma pedestris''). Es gibt aber auch einzelne Langstreckenflieger, wie das Grüne Heupferd (''Tettigonia viridissima''), das in einem Sommer Distanzen von mehreren Kilometern zurücklegen kann. Hohe Bestandsdichten können die Ausbreitung von sesshaften Arten erhöhen, da bei Dichtestress die Mobilität steigt und makroptere (langflügelige) Tiere auftreten können, deren Flügel deutlich länger sind als üblich. Mit verlängerten Flügeln können auch Arten, die üblicherweise flugunfähig sind, weitere Distanzen überqueren. Ungenügend untersucht ist die Ausbreitung von Eiern und Tieren durch passiven Transport, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Fliessgewässer, den Bahnverkehr, durch Verfrachtung mit Mahdgut oder mit Weidetieren. Bei manchen Arten scheint diese Art der Verbreitung jedoch gut zu funktionieren, da immer wieder fernab von bekannten Populationen Einzeltiere oder kleine Initialpopulationen gefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fauna Indicativa ==&lt;br /&gt;
Die [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/projekte/fauna-indicativa.html Fauna Indicativa] ist ein Nachschlagewerk sowie ein Werkzeug für die Auswertung faunistischer Daten. Sie charakterisiert in Tabellenform ökologische Präferenzen und biologische Eigenschaften aller in der Schweiz einheimischen Heuschrecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
==Allgemeine Massnahmen ==&lt;br /&gt;
===Grünland- und Feuchtgebietsarten ===&lt;br /&gt;
* Extensive Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden und Verzicht auf schwere Maschinen, insbesondere in Feuchtgebieten&lt;br /&gt;
* Verzicht auf das Ausbringen von Kunstdünger und Bioziden, insbesondere Insektiziden&lt;br /&gt;
* Förderung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) mit Qualitätsstufe QII&lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Bewässerung von Trockenwiesen und Steppen&lt;br /&gt;
* Eindämmung der Verbuschung und Verbrachung von Trockenwiesen- und weiden&lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Entwässerung von Feuchtgebieten und Wiederherstellung des natürlichen Wasserregimes&lt;br /&gt;
* Erhalt von Weiden, da in der Regel mit heterogener Struktur und artenreicher, ausser bei einschüriger Mahd &lt;br /&gt;
* Schutz und Wiederherstellung von Feuchtgebieten&lt;br /&gt;
* Anlage und Pflege von Stillgewässern, insbesondere mit flachen Uferzonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wald- und Waldrandarten===&lt;br /&gt;
* Aufwertung und Schaffung gestufter Waldränder mit einer Krautschicht&lt;br /&gt;
* Erhalt alter Baumbestände, Biotopbäume und Hecken mir ihren Säumen&lt;br /&gt;
* Auflichtung der Wälder und Böschungen, damit sie gut besonnt sind&lt;br /&gt;
* Extensive Pflege der Weg- und Hangböschungen&lt;br /&gt;
* Standortgerechter Waldbau, Verzicht auf Monokulturen (bspw. Fichten)&lt;br /&gt;
* Umwandlung von Monokulturen in natürliche Wälder mit mehreren Baumarten&lt;br /&gt;
* Verzicht auf den Einsatz von Düngemitteln und Bioziden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Pionierarten an Fliessgewässern ===&lt;br /&gt;
(Übernommen aus: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken])&lt;br /&gt;
* Revitalisierung der Fliessgewässer, bevorzugt von Pionierarten besiedelte Standorten &lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Zuschüttung oder Eindämmung von besiedelten Uferflächen&lt;br /&gt;
* Verzicht auf jeglichen Abbau der Sand-, Kies- oder Steinbänke innerhalb, ober- und unterhalb besiedelter Flächen&lt;br /&gt;
* Zulassen von regelmässigen, genügend intensiven Hochwassern, um den natürlichen Abtrag der mit Vegetation bewachsenen Bänke in Auen zu gewährleisten&lt;br /&gt;
* Gewährleisten von periodischen Ablagerungen von Sedimenten an besiedelten Standorten, um die Regeneration von Sedimentbänken in Auen sicherzustellen&lt;br /&gt;
* Revitalisierung möglichst vieler Fliessgewässer, um über die Schaffung von potenziell günstigen Standorten die Wiederbesiedlung von verlassenen Gegenden zu fördern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mosaik_aus_Gruenlandtypen_-_Suedschwarzwald_-_IMG_7876b.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Strukturreichtum dieser Flächen bietet Grünlandarten einen idealen Lebensraum.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Strukturreiche Flächen schaffen und schützen ==&lt;br /&gt;
Für Heuschrecken sind weniger die typischen [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen Kleinstrukturen] wichtig wie [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen#Die_einzelnen_Kleinstrukturen Ast- oder Steinhaufen], als vielmehr offene Bodenstellen (u.&amp;amp;nbsp;a. für die Eiablage) und Strukturen, die Wärme aufnehmen und speichern, wie felsige Bereiche, [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pionierfl%C3%A4chen Kiesflächen], feuchte Senken und [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser temporäre Tümpel]. Neu angelegte Strukturen sollen eine minimale Fläche von 20&amp;amp;nbsp;m&amp;amp;sup2; pro ha haben. Natürliche Offenflächen und strukturreiche Flächen wie Moränen, Felsschutthalden, Kiesflächen und Verlandungszonen von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Stillgewässern] sind zu schützen und dürfen nicht zugeschüttet oder aufgeforstet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts ==&lt;br /&gt;
Viele gefährdete Heuschreckenarten sind auf eine extensive Beweidung oder regelmässige Mahd angewiesen, damit die Vegetation nicht zu dicht wird. Der optimale Schnittzeitpunkt ist artabhängig. Für Arten, die ihre Eier im Boden ablegen, ist eine Mahd zwischen Mai und August ungünstig. Für Arten, die ihre Eier an oder in Pflanzen ablegen, ist eine Mahd nach August und vor Mai problematisch. Die Bewirtschaftung kann aber auch schädlich sein. Verluste entstehen v.&amp;amp;nbsp;a. durch Mähaufbereiter und das Schwaden und Abführen des Mahdguts. Zur Verminderung der Verluste bei allen Arten ist bei der Mahd Folgendes zu beachten: &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
* Es sollen möglichst wenige Schnitte erfolgen, optimaler Weise nur ein Schnitt pro Jahr&lt;br /&gt;
* Frühmad: nicht ganzflächige durchführen; Spätmahd: nach dem Verblühen der meisten Pflanzen durchführen&lt;br /&gt;
* Am besten ist eine differenzierte Pflege, d.&amp;amp;nbsp;h. ein Mosaik aus Flächen mit unterschiedlichen Mähzeitpunkten und Rückzugsstreifen, die nur alle 2 Jahre gemäht werden &lt;br /&gt;
* Die Schnitthöhe soll mindestens 10&amp;amp;nbsp;cm betragen &lt;br /&gt;
* Balkenmäher verursachen die niedrigste Schädigungsrate, Scheibenmähern die höchste; am schonendsten ist die Mahd mit der Sense &lt;br /&gt;
* Das Schnittgut soll, damit sich die Tiere verteilen können, zum Trocknen liegen gelassen und stets abgeführt werden&lt;br /&gt;
* Es sollen keine Mähaufbereiter eingesetzt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://www.buntewiese-tuebingen.de/app/download/6569219764/Hiller%202014%20Auswirkungen%20verschiedener%20Mahdkonzepte%20auf%20die%20Heuschreckenfauna%20st%C3%A4dtischer%20Gr%C3%BCnfl%C3%A4chen%20-%20Naturschutz%20und%20Landschaftsplanung.pdf?t=1490555371 Hiller, D. &amp;amp; Betz, O.(2014). Auswirkungen verschiedener Mahdkonzepte auf die Heuschreckenfauna städtischer Grünflächen]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hintergrundinformationen'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [http://www.parcs.ch/npf/pdf_public/2014/30491_20141107_083216_MA_GrichtingStefan_2002.pdf  Grichting, S. (2002). Heuschrecken (Orthoptera) von Trockensteppen und extensiv bewirtschafteten Wiesen im Pfynwald (VS, Schweiz)]&lt;br /&gt;
: Studie zu den ökologischen Ansprüchen und der Verbreitung von Heuschrecken auf Wiesen mit unterschiedlichem Nutzungsgrad.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/abashop?s=208&amp;amp;p=productdetail&amp;amp;sku=429&amp;amp;language=de Agridea (2011). Erntetechnik und Artenvielfalt in Wiesen]&lt;br /&gt;
: Das Merkblatt zeigt die Auswirkungen verschiedener Mähtechniken und nachfolgender Ernteschritte auf die Artenvielfalt und gibt Empfehlungen für eine möglichst tierschonende Ernte. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rotationsbrachen anlegen und Altgrassstreifen stehen lassen ==&lt;br /&gt;
Bei der Anlage von Rotationsbrachen und Altgrasstreifen ist auf das Vorkommen von Heuschreckenpopulation in der näheren Umgebung zu achten, da Heuschrecken oft nur geringe Ausbreitungsdistanzen haben. Als Rückzugsstreifen werden bei jedem Schnitt 10% der Wiese stehen gelassen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/NuL07-10_Mueller_Bosshard.pdf Müller, M. &amp;amp; Bosshard, B. (2012). Altgrasstreifen fördern Heuschrecken in Ökowiesen - Eine Möglichkeit zur Strukturverbesserung im Mähgrünland]&lt;br /&gt;
: Studie zu den positiven Auswirkungen von Altgrasstreifen als Rückzugsraum bei der Mahd  in extensiv genutzten Wiesen. &lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2012_01_1723.pdf Duss, M. et al. (2012). Vernetzte Ökoflächen fördern Heuschrecken]&lt;br /&gt;
: Studie zur Auswirkung eines Vernetzungsprojektes von ökologischen Ausgleichsflächen (öAF) auf die Verbreitung von 2 Heuschreckenarten. Die Grosse Goldschrecke (''Chrysochraon dispar'') profitiert von Altgrasstreifen.&lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/download.php?filename=2001_1112_102.pdf Peter, B. &amp;amp; Walter, T. (2001). Heuschrecken brauchen ökologische Ausgleichsflächen] &lt;br /&gt;
: Vergleichende Untersuchungen vor und nach der Einführung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) zeigt deren Wichtigkeit für Heuschrecken auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Buntbrache_Altgrassstreifen_AK.png&lt;br /&gt;
| text = Links und Mitte: Die Gemeine Sichelschrecke (''Phaneroptera falcata'') und die Langflüglige Schwertschrecke (''Conocephalus fuscus'') schätzen die hohe Vegetation von Buntbrachen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Rechts: Die Grosse Goldschrecke (''Chrysochraon dispar'') profitiert von Altgrasstreifen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Beweidung ==&lt;br /&gt;
Für die Beweidung sollen möglichst traditionelle Rassen, bzw. leichte Tiere eingesetzt werden. Generell scheint Schaf-Hütehaltung besonders günstig für Heuschrecken zu sein. Die Viehdichte darf nicht zu hoch sein; der jährliche Besatz sollte 150 Grossvieheinheiten&amp;amp;sup1; pro Hektare (GVE/ha) nicht überschreiten. Es empfiehlt sich, eine Beweidung in Koppeln zu führen, womit ein ähnlicher Effekt erzielt wird wie mit einer Rotationsmahd. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;Die Beweidungsintensität ergibt sich aus dem Produkt von Besatzstärke in Grossvieheinheiten pro Hektare mal Anzahl Bestossungstagen (GVE/ha * dd). Je nach Grösse und Alter der Tiere ändert sich der Wert, der sich mit dem [https://www.agate.ch/portal/web/agate/gve-rechner GVE-Rechner des Bundesamtes für Landwirtschaft] genau ermitteln lässt.&amp;lt;/small&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://www.pronatura.ch/de/2016/allegra-geissenpeter-ziegen-esel-und-rinder-weiden-fuer-die-biodiversitaet Pro Natura. Projekt „Allegra Geissenpeter“]&lt;br /&gt;
: Pro Natura lanciert Projekte mit verschiedenen Weidetierarten, um die Trockenstandorte in den Alpen nachhaltig zu sichern, unter anderem zur Förderung der Heuschrecken. Die unterschiedlichen Projekte und die Ergebnisse der Erfolgskontrollen sind im [https://www.pronatura.ch/sites/pronatura.ch/files/2017-11/leitfaden_fuer_die_aufwertung_von_brachliegenden_trockenstandorten_durch_beweidung-beitraege_zum_naturschutz_in_der_schweiz_nr_37-2016_highres.pdf Leitfaden für die Aufwertung von brachliegenden Trockenstandorten durch Beweidung (2016)] zusammengefasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Direktbegrünung und Mahdgutübertragung  ==&lt;br /&gt;
Direktbegrünung und Mahdgutübertragung sind einer Ansaat vorzuziehen, da zusammen mit dem Pflanzenmaterial oder den Samen Insekten und Eier übertragen werden können. Dies ist insbesondere wichtig für Arten mit einem geringem Ausbreitungspotenzial. Das Saat- und Mahdgut sollte von [https://www.regioflora.ch/app/de/index.html Spenderflächen aus der nahen Umgebung] stammen, also [https://de.wikipedia.org/wiki/Autochthone_Art autochthon] sein, um die regionale genetische Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Für eine erfolgreiche Besiedlung sollen Empfängerflächen in maximal 1&amp;amp;nbsp;km Distanz, besser nur 500&amp;amp;nbsp;m, zu bereits besiedelten Flächen angelegt werden. Bei der Begrünung können kleine Bodenstelle langfristig offengehalten werden, indem Steine oder Feinsediment als Substrat eingebracht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hintergrundinformation'''&lt;br /&gt;
* [http://public.bibliothek.uni-halle.de/index.php/hercynia/article/viewFile/218/224 Elias, D. &amp;amp; Thiede, S. (2008). Verfrachtung von Heuschrecken (Insecta: Ensifera et Caelifera) mit frischem Mähgut im Wulfener Bruch (Sachsen-Anhalt)]: Diese Studie zeigt auf, dass die Mahdgutübertragung für Heuschrecken eine wichtige Rolle spielt, insbesondere für wenig mobile Arten.&lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2001_07_71.pdf  Bosshard, A. &amp;amp; Kuster, D. (2001). Bedeutung neu angelegter Extensivwiesen für Tagfalter und Heuschrecken]: Die Untersuchung zeigt, dass neu angelegte Extensivwiesen rasch von gefährdeten Heuschrecken- und Tagfalterarten besiedelt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/ Regio Flora - das Portal zur Förderung der regionalen Vielfalt im Grünland]: Umfassende Informationen zur Direktbegrünung von Wiesen und Weiden.&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/RF_Praxismerkblatt_D_download9.11.15.pdf Agridea (2015). Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft]: Leitfaden für die Praxis zum Einsatz von regionalem Saatgut in Biodiversitätsförderflächen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-hoch&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Gewaesser_PZ.png&lt;br /&gt;
| text = Die Ufer von Fliess- und Stillgewässern sind wichtige Verbreitungskorridore und sollen alternierend bewirtschaftet werden.  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feuchtgebiete und Trockenstandorte ==&lt;br /&gt;
=== Ruderalstandorte und Säume entlang von Feuchtgebieten pflegen ===&lt;br /&gt;
Zahlreiche Arten legen ihre Eier in Stängel von Pflanzen im Uferbereich von Still- und Fliessgewässern. Die Uferbereiche sind wichtige Verbreitungskorridore für die Tiere. Daher ist die extensive Pflege von Feuchtgebieten und Gräben das ganze Jahr über wichtig:&lt;br /&gt;
* [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts|Mahd]] an den Ufern alternierend, an einem Ufer die Vegetation immer für ca. 1-2 Jahre stehen lassen &lt;br /&gt;
* Säume am selben Ufer gestaffelt mähen und das Schnittgut abführen &lt;br /&gt;
* Flächen nicht mulchen&lt;br /&gt;
* Ruderalstandorte immer wieder abschnittweise stören durch extensive [[#Beweidung| Beweidung]] oder [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts | Mahd]], um die Verbuschung zu verhindern und [[#Strukturreiche Flächen schaffen und schützen| strukturreiche Flächen]] zu schaffen &lt;br /&gt;
* Invasive Pflanzen zurückdrängen, insbesondere Flügelknöterich (''Fallopia'') und Drüsiges Springkraut (''Impatiens glandulifera'')&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entbuschung von Trockenstandorten === &lt;br /&gt;
Der Baum- und Strauchbewuchs soll bei grossen Standorten maximal 25% betragen, bei kleineren 10% oder weniger. Für die langfristige Offenhaltung der Trockenwiesen- und weiden eignen sich extensive Beweidung oder Mahd. Massnahmen zur Aufwertung von Trockenstandorten werden zu einem späteren Zeitpunkt bearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im Siedlungsgebiet ==&lt;br /&gt;
=== Schotter- und Brachflächen extensiv pflegen ===&lt;br /&gt;
Im Randbereich vom Siedlungsgebiet und auf Firmengeländen kann eine reiche Heuschreckenfauna entstehen, wenn grössere Offenflächen vorhanden sind. Dies können z.&amp;amp;nbsp;B. Schotter- und Industriebrachen sein, die einen lockeren Pflanzenbewuchs aufweisen. Diese Flächen sollen extensiv bewirtschaftet werden (siehe: [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts|Mahdkonzepte]]). Der Strukturreichtum kann gefördert werden, indem die Pflege nur abschnittweise erfolgt und zusätzliche [[#Strukturreiche Flächen schaffen und schützen| Kleinstrukturen]] angelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrünung und Pflege von Flachdächern ===&lt;br /&gt;
Flachdächer können einigen Heuschreckenarten, z.&amp;amp;nbsp;B. der Blauflügeligen Sandschrecke (''Sphingonotus caerulans'') oder der Blauflügeligen Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') als Trittstein dienen. Dauerhafte Ansiedlungen von Populationen wurden bisher noch nicht beobachtet. Bei der Anlage der Dächer ist Folgendes wichtig: &lt;br /&gt;
* Nur einheimische Pflanzen und Saatgut verwenden &lt;br /&gt;
* Offene Stellen belassen und regelmässig neue Offenflächen durch Abtragung des Oberbodens schaffen &lt;br /&gt;
* Sand, Kies und Steine in unterschiedlichen Korngrössen verwenden &lt;br /&gt;
* Pflanzen extensiv und abschnittsweise pflegen &lt;br /&gt;
* Strukturreichtum durch Kieshaufen, Holz, etc. sicherstellen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://docplayer.org/20659374-Die-blaufluegelige-sandschrecke-sphingonotus-caerulans-auf-den-extensiv-begruenten-daechern-der-europa-allee-zuerich.html Speck, M. &amp;amp; Brenneisen, S. (2014). Die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) auf den extensiv begrünten Dächern der Europa-Allee in Zürich]&lt;br /&gt;
: Diese Studie belegt das Vorkommen der Rote-Liste Art auf Flachdächern in Zürich. Die Blauflügelige Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') wurde in vorherigen Untersuchungen machgewiesen, die hier zitiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [https://www.stadt-zuerich.ch/ted/de/index/gsz/beratung-und-wissen/wohn-und-arbeitsumfeld/dachbegruenungen0.html Stadt Zürich. Dachbegrünung]: Umfassende Informationen zur Anlage und Pflege von Dachbegrünung mit vielen Praxisbeispielen.&lt;br /&gt;
* [https://www.stadt.sg.ch/home/raum-umwelt/bauen-sanieren/natur-stadt.html Stadt St. Gallen, Amt für Umwelt und Energie (2014). Leitfaden Dachbegrünung]: Ausführliche Informationen zu Aufbau und extensiven Begrünungsarten von Flachdächern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-550px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Siedlungsgebiet.png&lt;br /&gt;
| text = Der Blauflügeligen Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') und der Blauflügeligen Sandschrecke (''Sphingonotus caerulans'') können Flachdächer als Trittsteine in neue Lebensräume dienen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wildblumenwiesen und Trockenflächen anlegen und pflegen === &lt;br /&gt;
In Parks und Gärten können auch anspruchsvollere Heuschreckenarten vorkommen, wenn Folgendes beachtet wird:&lt;br /&gt;
* Nur einheimisches Saatgut verwenden &lt;br /&gt;
* Lückig säen und nicht düngen  &lt;br /&gt;
* Offene Bodenflächen belassen &lt;br /&gt;
* Maximal 2-mal pro Jahr mit Balkenmäher oder Sense und abschnittsweise mähen &lt;br /&gt;
* Brachflächen, Altgrassstreifen und Säume um Gebüsche und Gehölze von 5-10m abschnittsweise pflegen, um eine Zunahme der Verbuschung zu verhindern &lt;br /&gt;
* Mahdgut abführen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [http://www.pronatura.ch/blumenwiesen?file=tl_files/dokumente_de/2_unsere_themen/lebensraeume/Wiesen/Pro_Natura_Praxis_Blumenwiese.pdf Pro Natura 2014. Blumenwiesen anlegen und pflegen]: Ausführliche Informationen zur Anlage und Pflege von grossen und kleinen (Wild-) Blumenwiesen.&lt;br /&gt;
* [https://www.wwf.ch/sites/default/files/doc-2019-02/2010-12-factsheet-wiesenparadies-einheimische-blumen.pdf WWF Schweiz 2010. Buntes Wiesenparadies mit einheimischen Wildblumen]: Schritt für Schritt Anleitung zur Anlage und Pflege von Wildblumenwiesen für Privathaushalte.&lt;br /&gt;
* [[Media:WWF 2010 Lebendige Trockenstandorte.pdf|WWF Schweiz 2010. Lebendige Trockenstandorte mit Sand, Kies und Schotter]]: Anleitung zur Anlage und Pflege von Trockenstandorten für Privathaushalte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundäre Pionierstandorte anlegen und pflegen == &lt;br /&gt;
Vom Menschen geschaffene Pionierstandorte sind für Heuschrecken wertvolle Sekundärhabitate geworden, da vielerorts die ursprünglichen Lebensräume (z.&amp;amp;nbsp;B. See- und Flussauen, Brandflächen, etc.) verschwunden sind. Der Erhalt der Pionierstandorte bedarf regelmässiger Pflegeeinsätze zur Verhinderung von Verfilzung und Verbuschung.&lt;br /&gt;
Heuschrecken finden wertvolle Pionierflächen: &lt;br /&gt;
* In Steinbrüchen und Kiesgruben &lt;br /&gt;
* In Weinbergen&lt;br /&gt;
* In Sand-, Lehmgruben und Mergelgruben &lt;br /&gt;
* An Bahnhöfen und Gleisen&lt;br /&gt;
* Auf Industriebrachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wiederansiedlung von Tieren ==&lt;br /&gt;
Die Wiederansiedelung von ehemals vorkommenden Heuschrecken kann nur eine letzte Alternative im Naturschutz sein, da primär immer der Schutz der vorhandenen Populationen im Fokus steht und die Wiederansiedlung sehr aufwändig ist. Für eine erfolgreiche Wiederansiedlung ist es notwendig, eine sorgfältige Ansiedlungs-Strategie zu erarbeiten und die [https://portals.iucn.org/library/efiles/documents/2013-009.pdf Richtlinien der IUCN zur Wiederansiedlung] strikt zu befolgen. Die Wiederansiedlung von Heuschrecken ist bewilligungspflichtig und soll Spezialisten überlassen werden, weshalb hier nicht näher darauf eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = GSM-5012435629 6b68a9c506 b Ephipiger cfr diurnus female.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Westliche Sattelschrecke (''Ephippiger diurnus'') besiedelt trockene und lückige Wiesen und Waldränder. Sie gehört zu den stark gefährdeten Arten.  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Viele Heuschreckenarten brauchen aufgrund ihrer Ansprüche an den Lebensraum ganz spezifische Fördermassnahmen. Die Priorisierung der gefährdeten Arten gemäss ihrem Förderbedarf kann der [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html Liste der National Prioritären Arten (2011)] entnommen werden. Eine wichtige Grundlage für die Förderung sind auch die in der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/wissenschaftliche-aktivitaten/fauna-indicativa.html Fauna Indicativa] zusammengestellten Präferenzen und Eigenschaften der einzelnen Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur wenige Praxisinformationen zum spezifischen Artenschutz von Heuschrecken. In der Schweiz wurde bisher nur für die Blauflügelige Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') eine [http://kbnl.ch/wp-content/uploads/2016/11/webseite_Ocaerulescens.pdf Zusammenfassung zur Best Practice der Artenförderung] und [https://www.zh.ch/content/dam/zhweb/bilder-dokumente/themen/umwelt-tiere/naturschutz/artenschutz/aktionsplaene-fauna/heuschrecken/oedipoda_caerulescens_ap.pdf vom Kanton Zürich ein Aktionsplan] erstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Nachbarländern wurden folgenden Publikationen zu Fördermassnahmen erstellt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Deutschland'''&lt;br /&gt;
* [http://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutz/natura_2000/vollzugshinweise_arten_und_lebensraumtypen/vollzugshinweise-fuer-arten-und-lebensraumtypen-46103.html#Wirbellose Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Niedersächsische Strategie zum Arten- und Biotopschutz]&lt;br /&gt;
'''Österreich''' &lt;br /&gt;
* [http://www.zobodat.at/pdf/NaturschutzbundBgld_9_2013_0001-0160.pdf Zuna-Kratky, T. et. al. (2013). Schutzprogramm für die gefährdeten Heuschrecken des Nordburgenlands]&lt;br /&gt;
'''Niederlande''' &lt;br /&gt;
* [http://repository.naturalis.nl/document/161506 Schut, D.  et al. (2008). Actieplan prioritaire Sprinkhanen in Noord-Brabant]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Gefährdung =&lt;br /&gt;
Von den 105 für die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html Rote Liste 2007] untersuchten Heuschreckenarten sind fast 40% bedroht. Am stärksten gefährdet sind die Pionierarten entlang von Gewässern sowie die Arten der Flach- und Hochmoore. Die Erhaltung der letzten Populationen dieser Arten ist daher von grosser Bedeutung.&lt;br /&gt;
Die grössten Gefährdungsursachen für alle Heuschreckenarten sind:&lt;br /&gt;
* Verlust und Fragmentierung des Lebensraums durch Veränderung der Landnutzung, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Umwandlung von Grünland in Äcker, Urbanisierung oder Industrialisierung&lt;br /&gt;
* Intensivierung der Nutzung, insbesondere der Einsatz von Mähmaschinen und Mähaufbereitern, sowie Düngung und Erhöhung der Anzahl Schnitte pro Jahr, sowie höhere Viehdichten auf kleinerem Raum&lt;br /&gt;
* Mangelnde (natürliche) Prozesse zur Offenhaltung der Landschaft und von Bodenstellen, Homogenisierung der Landschaft&lt;br /&gt;
* Verdichtung der Vegetation durch Eutrophierung&lt;br /&gt;
* Einsatz von Insektiziden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Gefährdungsursachen in Bezug auf die Lebensraumbindung sind:&lt;br /&gt;
* Grünlandarten: Intensive Beweidung oder häufige Mahd, Verbuschung oder Verkrautung durch Verbrachung, Verarmung der Pflanzenvielfalt, Düngung von Wiesen und Weiden &lt;br /&gt;
* Feuchtgebietsarten: Veränderungen im Gewässerhaushalt von Feuchtgebieten, intensivere landwirtschaftliche Nutzung von Feuchtwiesen &lt;br /&gt;
* Wald- und Waldrandarten: Fehlende Stufenstruktur des Waldrandes (Strauch- und Krautschicht), Entfernung von Hecken, Kleinstrukturen und Felsen, Intensivierung der Forstwirtschaft, Einsatz von Bioziden, Anbau von Monokulturen, touristische Nutzung (insbesondere mit Ski &amp;amp; Mountainbike)&lt;br /&gt;
* Pionierarten: Verbauungen der Fliessgewässer und Eingriffe in den Geschiebehaushalt, Veränderungen des Gewässerhaushaltes und der Gewässerdynamik, Verbuschung und Verkrautung der Offenflächen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Die Wissenslücken sind nicht abschliessend und fokussieren besonders auf die Förderung.&lt;br /&gt;
* Erfolgreiche Förderung seltener Arten&lt;br /&gt;
* Minimale überlebensfähige Populationsgrössen &lt;br /&gt;
* Vernetzung von Heuschreckenpopulationen unterschiedlicher Arten und Artenzusammensetzungen&lt;br /&gt;
* Habitatspezifische Auswirkungen der Grünlandnutzung: lässt sich das auf Trockenrasen gewonnene Wissen bspw. auf Feuchtwiesen übertragen?&lt;br /&gt;
* Barrierewirkung mehrspuriger Strassen (Autobahnen)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen vom Klimawandel, insbesondere langer Dürreperioden oder Starkregen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele =&lt;br /&gt;
Für Heuschrecken haben wir nur ein Praxisbeispiel gefunden, welches die durchgeführten Massnahmen ausführlich beschreibt und eine Erfolgsuntersuchung beinhaltet. Daher freuen wir uns über Ihre [http://biodivers.ch/index.php/kontakt.html Vorschläge per Email.]&lt;br /&gt;
* [http://www.parcs.ch/nwp/pdf_public/2014/26962_20140130_123116_Kurth_Salome_2007.pdf Kurth, S. (2007). Planning a migration corridor for the highly endangered grasshopper Chorthippus pullus (Orthoptera, Acrididae) in the Rottensand (Pfynwald, VS)]  &lt;br /&gt;
: Für den Kiesbankgrashüpfer wurde im Pfynwald ein Migrationskorridor errichtet und die anschliessende Nutzung beobachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Allgemeine Links=&lt;br /&gt;
* [http://lepus.unine.ch/carto/ Info fauna. Verbreitungskarten der Schweizer Tierarten]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken]&lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch Orthoptera Schweiz. Heuschrecken-Plattform für die Schweiz und Europa ]&lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch/links Orthoptera Schweiz. Linkliste der Heuschrecken-Webseiten Europas und weltweit] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar und weitere spannende Links ==&lt;br /&gt;
* [https://www.orthoptera.ch/glossar Glossar von orthoptera.ch]&lt;br /&gt;
* [http://www.biofotoquiz.ch/biofotoquiz/index.php?domain=standard&amp;amp;classID=278 Biofotoquiz]&lt;br /&gt;
: Quiz mit Fotos von Heuschrecken und anderen Tier- und Pflanzenarten zum Kennenlernen der Arten.&lt;br /&gt;
* [https://offene-naturfuehrer.de/web/Heuschreckenarten_nach_einfachen_Merkmalen_bestimmen_(Bayern) Heuschreckenarten nach einfachen Merkmalen bestimmen (Bayern)]&lt;br /&gt;
: Wiki-Bestimmungsschlüssel für die Heuschrecken von Bayern. Der Leser wird anhand der Merkmale geführt, die Kenntnis von Fachbegriffen wird vorausgesetzt.    &lt;br /&gt;
* [http://www.andre-rey.ch/cms/fileadmin/pdf/Heuschecken_Bestimmungsschluessel_Suedalpen.pdf Fontana et al. (2002). Heuschrecken-Bestimmungsschlüssel für die östlichen Südalpen]&lt;br /&gt;
: Bestimmungsschlüssel mit detaillierten Zeichnungen der Merkmale. &lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch/info-app-wiki/orthoptera-app Orthoptera-App]&lt;br /&gt;
: Die Heuschrecken Bestimmungs-App für iphone und Android enthält zu jeder Art zahlreiche Fotos, Stimmaufzeichnungen und Hintergrundinformationen. Beobachtungen können in der App eingegeben und so dem CSCF gemeldet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturempfehlungen =&lt;br /&gt;
* Detzel, P. (1998). Die Heuschrecken Baden-Württembergs. Stuttgart Hohenheim, Ulmer.&lt;br /&gt;
: Bisher immer noch das beste Buch zur praxisnahen Ökologie und Massnahmen zur Förderung von Heuschrecken. Die Aufwertungs-Massnahmen sind an einzelne Arten und Lebensräume angepasst. Als genereller Leitfaden sind sie sehr gut, umsetzungsorientierte Anleitungen fehlen. Alles in allem ein gutes Buch für den Anfang, eine Weiterentwicklung ist aber dringend notwendig.&lt;br /&gt;
* Ingrisch, S. &amp;amp; Köhler, G. (1998). Die Heuschrecken Mitteleuropas. Vol. Bd. 629. Magdeburg, Westarp Wissenschaften.&lt;br /&gt;
: Sehr ausführliches und allgemeines Buch zur Biologie, Populationsdynamiken und Lebensräumen der Heuschrecken, weniger zur Biotopaufwertung und zu Fördermassnahmen. Trotz dem Alter immer noch lesenswert und informativ. &lt;br /&gt;
* Schlumprecht, H. &amp;amp; Waeber, G. (2003). Heuschrecken in Bayern. Stuttgart Hohenheim. Ulmer. &lt;br /&gt;
: Sehr ausführlicher Bestimmungs-Atlas mit vielen Informationen zur Lebensweise und den Lebensräumen der einzelnen Arten. Zu Gefährdung und Schutz gibt es Beispiele aus dem bayrischen Raum und Ratschläge zur Aufwertung für jede Art.&lt;br /&gt;
* Maas, S., Detzel, P. &amp;amp; Staudt, A. (2002). Gefährdungsanalyse der Heuschrecken Deutschlands  - Verbreitungsatlas, Gefährdungseinstufung und Schutzkonzepte. Bonn-Bad Godesberg, Bundesamt für Naturschutz.&lt;br /&gt;
: Ausführlicher Atlas zu den Heuschreckenarten in Deutschland mit Gefährdungsanalysen und Informationen zu Habitaten, Biologie und Verbreitung der einzelnen Arten. Die Angaben zur Aufwertung von Lebensräumen sind kurz gehalten.&lt;br /&gt;
* [http://dgfo-articulata.de/articulata Articulata - Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Orthopterologie] &lt;br /&gt;
: In der Zeitschrift der DGFO erscheinen regelmässig Artikel zur Förderung von Heuschrecken, ältere Artikel können als PDF heruntergeladen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsbücher ==&lt;br /&gt;
* Baur, B., Bauer, H., Rösti, C., &amp;amp; Rösti, D. (2006). Die Heuschrecken der Schweiz. Bern, Haupt Verlag.&lt;br /&gt;
: Intuitiver Bestimmungsschlüssel für die Schweizer Heuschreckenarten mit sehr schönen Detail-Zeichnungen. Enthält Verbreitungskarten und Erklärungen zu den wichtigsten Merkmalen.&lt;br /&gt;
* Fischer, J., Steinlechner, D., Zehm, A., Poniatowski, D., et al., Hrsg. Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (2016). Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols: Bestimmen - Beobachten - Schützen. Wiebelsheim Hunsrück, Quelle &amp;amp; Meyer.&lt;br /&gt;
: Dieses Buch sticht positiv heraus. Es enthält Detailfotos der Bestimmungsmerkmale der Adultiere und Nymphen, eine Darstellung der Hauptaktivitätszeit aller Arten im Jahresverlauf und vieles mehr.&lt;br /&gt;
* Weitere nationale und internationale Bestimmungsbücher sind auf [http://www.orthoptera.ch/literatur Orthoptera.ch] aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers ]|| info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| [http://www.goeg.de/kontakt  Prof. Dr. Peter Detzel] || [http://www.goeg.de/ Gruppe für ökologische Gutachten] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Dr. Axel Hochkirch] || [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Universität Trier] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.naturalis.nl/en/science/researchers/roy-kleukers Roy Kleukers] || [https://www.naturalis.nl/en Naturalis Biodiversity Center] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.orthoptera.ch/ueber-uns Florin Rutschmann] || [http://www.pronatura-aargau.ch/cms/index.php?id=4&amp;amp;no_cache=1 Pro Natura Aargau] &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- biodivers-Links zu Arten: Kiesbankgrashüpfer Chorthippus pullus, Blauflügelige Ödlanschrecke Oedipoda caerulescens → Aktionsplandrehscheibe, Grüne Heupferd Tettigonia viridissima, Alpenschrecke Anonconotus alpinus &lt;br /&gt;
biodivers-Links zu Lebensräumen: Kleinstrukturen, Hecke, Stillgewässer (mehrfach), Fliessgewässer (mehrfach), Wald und Waldrand (mehrfach), Feuchtgebiete, Sumpf, Grünland, Trockenwiesen und Trockenweisen, Entbuschung von Trockenwiesen (mehrfach)--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Heuschrecken&amp;diff=4698</id>
		<title>Heuschrecken</title>
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				<updated>2023-03-04T17:49:12Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Orthoptères]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = JM 29293745804 8952ea6513 h.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Sumpfschrecke (''Stethophyma grossum'') besiedelt feuchte Wiesen und Flachmoore.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review || [http://www.goeg.de/ueber-uns/team Prof. Dr. Peter Detzel], [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Dr. Axel Hochkirch], [https://www.naturalis.nl/en/science/researchers/roy-kleukers Roy Kleukers] &amp;amp; [http://www.orthoptera.ch/ueber-uns Florin Rutschmann]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || Juli 2017&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
Über 100 Heuschreckenarten bereichern unsere Fauna und überraschen uns mit Flug-, Grab- oder Klangkünsten sowie ihrer Farben- und Formenvielfalt. Heuschrecken (Orthopteren) sind wärmeliebende Kulturfolger. Die meisten Arten beherbergt das Grünland, ob trocken oder feucht, gemäht oder beweidet. Einige Arten leben in lichten Wäldern und auf Pionierflächen der Flussauen und Geröllhalden. Viele Heuschreckenarten sind auf eine hohe Strukturvielfalt auf kleinem Raum angewiesen, da ihre durchschnittliche Ausbreitungsdistanz weniger als ein Kilometer beträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für alle Arten ist die Offenhaltung ihrer Lebensräume zentral. Die Wiederherstellung der natürlichen Dynamiken oder die regelmässige, extensive Bewirtschaftung der besiedelten Flächen ist daher wichtig. Bei der Mahd ist darauf zu achten, ein Mosaik aus Rückzugsstreifen und Flächen mit unterschiedlichen Mahdzeitpunkten zu schaffen. Bei der Begrünung sind eine geringe Distanz zu besiedelten Flächen und eine lückige Ausbringung vorteilhaft. Von den über 100 einheimischen Heuschreckenarten stehen 40% auf der Roten Liste. Insbesondere die Arten der Pionierflächen haben einen erhöhten Förderbedarf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik =&lt;br /&gt;
Heuschrecken werden in zwei leicht unterscheidbare Gruppen eingeteilt. Bei den Langfühlerschrecken (Ensifera) sind die Fühler gleich lang oder länger als der Körper und haben mindestens 30 Fühlerglieder, während sie bei den Kurzfühlerschrecken (Caelifera) kürzer als der Körper sind. Die Weibchen der Langfühlerschrecken besitzen meist einen auffälligen Legebohrer, im Gegensatz zu den kurzen Legeröhrenklappen bei den Kurzfühlerschrecken. Nur die Maulwurfsgrille gehört auch ohne lange Fühler und Legebohrer zu den Langfühlerschrecken. &lt;br /&gt;
Mehr zur Systematik der Heuschrecken auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Heuschrecken Wikipedia].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Ökologie=&lt;br /&gt;
== Lebensräume ==&lt;br /&gt;
Heuschrecken besiedeln die meisten terrestrischen Lebensräume bis auf 3'100&amp;amp;nbsp;m&amp;amp;nbsp;ü.&amp;amp;nbsp;M. Sie kommen in extensiven Wiesen und Weiden, Brachen, Weinbergen, Wäldern, Feuchtgebieten, Mooren und Flussauen vor. Heuschrecken können allgemein als wärmeliebende Kulturfolger bezeichnet werden, die in stark vom Menschen geprägten Landschaften leben. So können Kiesgruben und Steinbrüche viele seltene Arten beherbergen, wenn sie offengehalten und extensiv gepflegt werden. Im Siedlungsgebiet finden Heuschrecken eine Vielfalt an Kleinlebensräumen auf Industriebrachen und grossen Güterbahnhöfen, Schotterplätzen und in Ruderalflächen. Für seltene Arten sind Parks, Gärten und Flachdächer als Lebensraum wenig relevant, als Trittsteine können sie aber beim Erreichen neuer Lebensräume helfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-1000px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Lebensraeuume_Gruppen_PZ.png&lt;br /&gt;
| text = Zu den wichtigsten Lebensräumen für Heuschrecken zählen magere Wiesen, Moorlandschaften, lückige Wälder und Blocksteinhalden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da nahezu alle Heuschrecken licht- und wärmeliebend sind, brauchen sie in ihren Lebensräumen Offenflächen bzw. lückige Pflanzenbestände. Die Bindung an das Habitat erfolgt weniger aufgrund bestimmter Pflanzengesellschaften, als aufgrund der benötigten Strukturen und der mikroklimatischen Verhältnisse. Entscheidend sind Dichte und Höhe der Vegetation, sowie Temperatur und Feuchtigkeit. Mosaikartige Lebensräume mit einer Vielfalt an Strukturen sind für eine hohe Heuschreckenvielfalt optimal. So leben an Lebensraum-Übergängen, wie Waldrändern mit Feuchtwiesen oder Hecken entlang von extensiven Wiesen, besonders viele Arten. Für den Erhalt von Offenflächen und Strukturreichtum sind regelmässige Pflegeeinsätze notwendig, wenn natürliche Dynamiken fehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schweizer Heuschreckenarten können bezüglich ihrer Lebensraumbindung in vier Gruppen unterteilt werden (aus: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken]) &lt;br /&gt;
# Grünlandarten in Trockenwiesen und -weiden (43 Arten)&lt;br /&gt;
# Sumpf- und Feuchtgebietsarten in Flach- und Hochmooren (11 Arten)&lt;br /&gt;
# Wald- und Waldrandarten sowie Gebüscharten, vor allem in tieferen Lagen (24 Arten)&lt;br /&gt;
# Pionierarten in Auen, Felsplatten, Geröllhalden oder Karst (25 Arten)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Merkmale und Vermehrung==&lt;br /&gt;
Heuschrecken sind durch ihre Körperform, ihr Verhalten und ihre Körperfärbung an ihren Lebensraum angepasst und häufig gut getarnt. Die Körperfärbung kann innerhalb einer Art stark variieren und ist daher meist kein spezifisches Unterscheidungsmerkmal. Die Körperfärbung ist nicht immer genetisch festgelegt, sondern kann sich während der Entwicklung verändern und der Färbung der Umgebung anpassen. Adulte Tiere können ihre Farbe dagegen nicht mehr wechseln, aber ggf. noch nachdunkeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heuschrecken durchlaufen eine hemimetabole (unvollkommene) Entwicklung. Nach dem Schlupf sind die sogenannten Nymphen schon als Heuschrecken zu erkennen und werden mit jeder Häutung dem adulten Tier ähnlicher. Grillen brauchen bis zu 12 Häutungen, bis sie ausgewachsen sind, Laubheuschrecken 5 bis 7 und Kurzfühlerschrecken 4 bis 5 Häutungen. Erst nach der letzten Häutung bilden sich die Flügel und Geschlechtsorgane vollständig aus. Die meisten Heuschrecken sind einjährig, ihre Nymphen schlüpfen im Zeitraum von Frühling bis Sommer. Adulte Tiere sind von Sommer bis Herbst zu finden, das Auftreten richtet sich vor allem nach der Höhenstufe und den mikroklimatischen Verhältnissen. Nur Grillen (Gryllidae) und Dornschrecken (Tetrigidae) überwintern in einem der Nymphenstadien oder als adulte Tiere und treten entsprechend früh im Jahr auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt einige Tage bis wenige Wochen nach der letzten Häutung und schon wenige Tage später beginnt die Eiablage. Die Weibchen der meisten Heuschreckenarten legen ihre Eier im Boden oder an der Basis von Gräsern ab. Andere Arten legen ihre Eier in rissige Baumrinde und markhaltige Pflanzenteile oder heften sie an Halme und Blätter. Die Langfühlerschrecken können mit dem Legebohrer ihre Eier tiefer in den Boden legen als die Kurzfühlerschrecken. Bei den meisten heimischen Arten dauert die Entwicklung der Eier bis zum Schlupf vom Herbst bis zum nächsten Frühling, bei einigen auch mehrere Jahre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Feuchte- und Temperatur-Ansprüche der Eier sind bei Heuschrecken entscheidend für die Habitatbindung der Arten. Arten der Feuchthabitate können oft nicht überleben, wenn ihre Eier im Winter nicht genügend feucht sind. Sie brauchen eine Periode der Überflutung. Feldheuschrecken der trockenen Habitate haben eine längere Eientwicklung nach dem Winter und benötigen höhere Bodentemperaturen. Die notwenigen Temperaturen werden erreicht, wenn Sonnenstrahlen offene Bodenstellen erwärmen. Andere Arten, die in höherer, dichterer Vegetation leben, kommen auch mit geringer Sonneneinstrahlung zurecht. So gibt es einige Spezialisten unter den Heuschrecken, mit ganz spezifischen Ansprüchen an ihren Lebensraum. Der Kiesbankgrashüpfer (''Chorthippus pullus'') lebt in der Schweiz z.&amp;amp;nbsp;B. ausschliesslich auf vegetationsarmen Kiesbänken grosser Alpenflüsse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-1000px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Eiablage_Lebensraum-Fluegel.png&lt;br /&gt;
| text = Von links nach rechts: Die Laubholz-Säbelschrecke (''Barbitistes serricauda'') legt ihre Eier in Gehölze mit strukturreicher Borke ab. Der Kiesbankgrashüpfer (''Chorthippus pullus'') kommt nur entlang der grossen Alpenflüsse vor. Die Gewöhnliche Gebirgsschrecke (''Podisma pedestris'') kann aufgrund der verkümmerten Flügel nicht fliegen.&lt;br /&gt;
Das Grüne Heupferd (''Tettigonia viridissima'') ist ein Langstreckenflieger unter den Heuschrecken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Populationsgrössen und Ausbreitung ==&lt;br /&gt;
Die Populationsgrösse kann zwischen den Jahren stark schwanken. Schon ein Kälteeinbruch oder eine längere Regenphase im Frühsommer können zu einem starken Populationsrückgang führen. Einzelbeobachtungen weisen darauf hin, dass auch kleine Populationen mit weniger als 50 Tieren über mehrere Jahre existieren können, wenn die Habitatqualität nicht abnimmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten Heuschreckenarten sind sesshaft und bewegen sich in einem Umkreis von wenigen Metern bis maximal 1&amp;amp;nbsp;km. Bei vielen Arten sind die Flügel verkümmert (z.&amp;amp;nbsp;B. bei der Gewöhnlichen Gebirgsschrecke ''Podisma pedestris''). Es gibt aber auch einzelne Langstreckenflieger, wie das Grüne Heupferd (''Tettigonia viridissima''), das in einem Sommer Distanzen von mehreren Kilometern zurücklegen kann. Hohe Bestandsdichten können die Ausbreitung von sesshaften Arten erhöhen, da bei Dichtestress die Mobilität steigt und makroptere (langflügelige) Tiere auftreten können, deren Flügel deutlich länger sind als üblich. Mit verlängerten Flügeln können auch Arten, die üblicherweise flugunfähig sind, weitere Distanzen überqueren. Ungenügend untersucht ist die Ausbreitung von Eiern und Tieren durch passiven Transport, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Fliessgewässer, den Bahnverkehr, durch Verfrachtung mit Mahdgut oder mit Weidetieren. Bei manchen Arten scheint diese Art der Verbreitung jedoch gut zu funktionieren, da immer wieder fernab von bekannten Populationen Einzeltiere oder kleine Initialpopulationen gefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fauna Indicativa ==&lt;br /&gt;
Die [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/projekte/fauna-indicativa.html Fauna Indicativa] ist ein Nachschlagewerk sowie ein Werkzeug für die Auswertung faunistischer Daten. Sie charakterisiert in Tabellenform ökologische Präferenzen und biologische Eigenschaften aller in der Schweiz einheimischen Heuschrecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
==Allgemeine Massnahmen ==&lt;br /&gt;
===Grünland- und Feuchtgebietsarten ===&lt;br /&gt;
* Extensive Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden und Verzicht auf schwere Maschinen, insbesondere in Feuchtgebieten&lt;br /&gt;
* Verzicht auf das Ausbringen von Kunstdünger und Bioziden, insbesondere Insektiziden&lt;br /&gt;
* Förderung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) mit Qualitätsstufe QII&lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Bewässerung von Trockenwiesen und Steppen&lt;br /&gt;
* Eindämmung der Verbuschung und Verbrachung von Trockenwiesen- und weiden&lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Entwässerung von Feuchtgebieten und Wiederherstellung des natürlichen Wasserregimes&lt;br /&gt;
* Erhalt von Weiden, da in der Regel mit heterogener Struktur und artenreicher, ausser bei einschüriger Mahd &lt;br /&gt;
* Schutz und Wiederherstellung von Feuchtgebieten&lt;br /&gt;
* Anlage und Pflege von Stillgewässern, insbesondere mit flachen Uferzonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wald- und Waldrandarten===&lt;br /&gt;
* Aufwertung und Schaffung gestufter Waldränder mit einer Krautschicht&lt;br /&gt;
* Erhalt alter Baumbestände, Biotopbäume und Hecken mir ihren Säumen&lt;br /&gt;
* Auflichtung der Wälder und Böschungen, damit sie gut besonnt sind&lt;br /&gt;
* Extensive Pflege der Weg- und Hangböschungen&lt;br /&gt;
* Standortgerechter Waldbau, Verzicht auf Monokulturen (bspw. Fichten)&lt;br /&gt;
* Umwandlung von Monokulturen in natürliche Wälder mit mehreren Baumarten&lt;br /&gt;
* Verzicht auf den Einsatz von Düngemitteln und Bioziden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Pionierarten an Fliessgewässern ===&lt;br /&gt;
(Übernommen aus: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken])&lt;br /&gt;
* Revitalisierung der Fliessgewässer, bevorzugt von Pionierarten besiedelte Standorten &lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Zuschüttung oder Eindämmung von besiedelten Uferflächen&lt;br /&gt;
* Verzicht auf jeglichen Abbau der Sand-, Kies- oder Steinbänke innerhalb, ober- und unterhalb besiedelter Flächen&lt;br /&gt;
* Zulassen von regelmässigen, genügend intensiven Hochwassern, um den natürlichen Abtrag der mit Vegetation bewachsenen Bänke in Auen zu gewährleisten&lt;br /&gt;
* Gewährleisten von periodischen Ablagerungen von Sedimenten an besiedelten Standorten, um die Regeneration von Sedimentbänken in Auen sicherzustellen&lt;br /&gt;
* Revitalisierung möglichst vieler Fliessgewässer, um über die Schaffung von potenziell günstigen Standorten die Wiederbesiedlung von verlassenen Gegenden zu fördern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mosaik_aus_Gruenlandtypen_-_Suedschwarzwald_-_IMG_7876b.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Strukturreichtum dieser Flächen bietet Grünlandarten einen idealen Lebensraum.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Strukturreiche Flächen schaffen und schützen ==&lt;br /&gt;
Für Heuschrecken sind weniger die typischen [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen Kleinstrukturen] wichtig wie [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen#Die_einzelnen_Kleinstrukturen Ast- oder Steinhaufen], als vielmehr offene Bodenstellen (u.&amp;amp;nbsp;a. für die Eiablage) und Strukturen, die Wärme aufnehmen und speichern, wie felsige Bereiche, [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pionierfl%C3%A4chen Kiesflächen], feuchte Senken und [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser temporäre Tümpel]. Neu angelegte Strukturen sollen eine minimale Fläche von 20&amp;amp;nbsp;m&amp;amp;sup2; pro ha haben. Natürliche Offenflächen und strukturreiche Flächen wie Moränen, Felsschutthalden, Kiesflächen und Verlandungszonen von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Stillgewässern] sind zu schützen und dürfen nicht zugeschüttet oder aufgeforstet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts ==&lt;br /&gt;
Viele gefährdete Heuschreckenarten sind auf eine extensive Beweidung oder regelmässige Mahd angewiesen, damit die Vegetation nicht zu dicht wird. Der optimale Schnittzeitpunkt ist artabhängig. Für Arten, die ihre Eier im Boden ablegen, ist eine Mahd zwischen Mai und August ungünstig. Für Arten, die ihre Eier an oder in Pflanzen ablegen, ist eine Mahd nach August und vor Mai problematisch. Die Bewirtschaftung kann aber auch schädlich sein. Verluste entstehen v.&amp;amp;nbsp;a. durch Mähaufbereiter und das Schwaden und Abführen des Mahdguts. Zur Verminderung der Verluste bei allen Arten ist bei der Mahd Folgendes zu beachten: &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
* Es sollen möglichst wenige Schnitte erfolgen, optimaler Weise nur ein Schnitt pro Jahr&lt;br /&gt;
* Frühmad: nicht ganzflächige durchführen; Spätmahd: nach dem Verblühen der meisten Pflanzen durchführen&lt;br /&gt;
* Am besten ist eine differenzierte Pflege, d.&amp;amp;nbsp;h. ein Mosaik aus Flächen mit unterschiedlichen Mähzeitpunkten und Rückzugsstreifen, die nur alle 2 Jahre gemäht werden &lt;br /&gt;
* Die Schnitthöhe soll mindestens 10&amp;amp;nbsp;cm betragen &lt;br /&gt;
* Balkenmäher verursachen die niedrigste Schädigungsrate, Scheibenmähern die höchste; am schonendsten ist die Mahd mit der Sense &lt;br /&gt;
* Das Schnittgut soll, damit sich die Tiere verteilen können, zum Trocknen liegen gelassen und stets abgeführt werden&lt;br /&gt;
* Es sollen keine Mähaufbereiter eingesetzt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://www.buntewiese-tuebingen.de/app/download/6569219764/Hiller%202014%20Auswirkungen%20verschiedener%20Mahdkonzepte%20auf%20die%20Heuschreckenfauna%20st%C3%A4dtischer%20Gr%C3%BCnfl%C3%A4chen%20-%20Naturschutz%20und%20Landschaftsplanung.pdf?t=1490555371 Hiller, D. &amp;amp; Betz, O.(2014). Auswirkungen verschiedener Mahdkonzepte auf die Heuschreckenfauna städtischer Grünflächen]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hintergrundinformationen'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [http://www.parcs.ch/npf/pdf_public/2014/30491_20141107_083216_MA_GrichtingStefan_2002.pdf  Grichting, S. (2002). Heuschrecken (Orthoptera) von Trockensteppen und extensiv bewirtschafteten Wiesen im Pfynwald (VS, Schweiz)]&lt;br /&gt;
: Studie zu den ökologischen Ansprüchen und der Verbreitung von Heuschrecken auf Wiesen mit unterschiedlichem Nutzungsgrad.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/abashop?s=208&amp;amp;p=productdetail&amp;amp;sku=429&amp;amp;language=de Agridea (2011). Erntetechnik und Artenvielfalt in Wiesen]&lt;br /&gt;
: Das Merkblatt zeigt die Auswirkungen verschiedener Mähtechniken und nachfolgender Ernteschritte auf die Artenvielfalt und gibt Empfehlungen für eine möglichst tierschonende Ernte. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rotationsbrachen anlegen und Altgrassstreifen stehen lassen ==&lt;br /&gt;
Bei der Anlage von Rotationsbrachen und Altgrasstreifen ist auf das Vorkommen von Heuschreckenpopulation in der näheren Umgebung zu achten, da Heuschrecken oft nur geringe Ausbreitungsdistanzen haben. Als Rückzugsstreifen werden bei jedem Schnitt 10% der Wiese stehen gelassen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/NuL07-10_Mueller_Bosshard.pdf Müller, M. &amp;amp; Bosshard, B. (2012). Altgrasstreifen fördern Heuschrecken in Ökowiesen - Eine Möglichkeit zur Strukturverbesserung im Mähgrünland]&lt;br /&gt;
: Studie zu den positiven Auswirkungen von Altgrasstreifen als Rückzugsraum bei der Mahd  in extensiv genutzten Wiesen. &lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2012_01_1723.pdf Duss, M. et al. (2012). Vernetzte Ökoflächen fördern Heuschrecken]&lt;br /&gt;
: Studie zur Auswirkung eines Vernetzungsprojektes von ökologischen Ausgleichsflächen (öAF) auf die Verbreitung von 2 Heuschreckenarten. Die Grosse Goldschrecke (''Chrysochraon dispar'') profitiert von Altgrasstreifen.&lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/download.php?filename=2001_1112_102.pdf Peter, B. &amp;amp; Walter, T. (2001). Heuschrecken brauchen ökologische Ausgleichsflächen] &lt;br /&gt;
: Vergleichende Untersuchungen vor und nach der Einführung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) zeigt deren Wichtigkeit für Heuschrecken auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Buntbrache_Altgrassstreifen_AK.png&lt;br /&gt;
| text = Links und Mitte: Die Gemeine Sichelschrecke (''Phaneroptera falcata'') und die Langflüglige Schwertschrecke (''Conocephalus fuscus'') schätzen die hohe Vegetation von Buntbrachen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Rechts: Die Grosse Goldschrecke (''Chrysochraon dispar'') profitiert von Altgrasstreifen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Beweidung ==&lt;br /&gt;
Für die Beweidung sollen möglichst traditionelle Rassen, bzw. leichte Tiere eingesetzt werden. Generell scheint Schaf-Hütehaltung besonders günstig für Heuschrecken zu sein. Die Viehdichte darf nicht zu hoch sein; der jährliche Besatz sollte 150 Grossvieheinheiten&amp;amp;sup1; pro Hektare (GVE/ha) nicht überschreiten. Es empfiehlt sich, eine Beweidung in Koppeln zu führen, womit ein ähnlicher Effekt erzielt wird wie mit einer Rotationsmahd. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;Die Beweidungsintensität ergibt sich aus dem Produkt von Besatzstärke in Grossvieheinheiten pro Hektare mal Anzahl Bestossungstagen (GVE/ha * dd). Je nach Grösse und Alter der Tiere ändert sich der Wert, der sich mit dem [https://www.agate.ch/portal/web/agate/gve-rechner GVE-Rechner des Bundesamtes für Landwirtschaft] genau ermitteln lässt.&amp;lt;/small&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://www.pronatura.ch/de/2016/allegra-geissenpeter-ziegen-esel-und-rinder-weiden-fuer-die-biodiversitaet Pro Natura. Projekt „Allegra Geissenpeter“]&lt;br /&gt;
: Pro Natura lanciert Projekte mit verschiedenen Weidetierarten, um die Trockenstandorte in den Alpen nachhaltig zu sichern, unter anderem zur Förderung der Heuschrecken. Die unterschiedlichen Projekte und die Ergebnisse der Erfolgskontrollen sind im [https://www.pronatura.ch/sites/pronatura.ch/files/2017-11/leitfaden_fuer_die_aufwertung_von_brachliegenden_trockenstandorten_durch_beweidung-beitraege_zum_naturschutz_in_der_schweiz_nr_37-2016_highres.pdf Leitfaden für die Aufwertung von brachliegenden Trockenstandorten durch Beweidung (2016)] zusammengefasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Direktbegrünung und Mahdgutübertragung  ==&lt;br /&gt;
Direktbegrünung und Mahdgutübertragung sind einer Ansaat vorzuziehen, da zusammen mit dem Pflanzenmaterial oder den Samen Insekten und Eier übertragen werden können. Dies ist insbesondere wichtig für Arten mit einem geringem Ausbreitungspotenzial. Das Saat- und Mahdgut sollte von [https://www.regioflora.ch/app/de/index.html Spenderflächen aus der nahen Umgebung] stammen, also [https://de.wikipedia.org/wiki/Autochthone_Art autochthon] sein, um die regionale genetische Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Für eine erfolgreiche Besiedlung sollen Empfängerflächen in maximal 1&amp;amp;nbsp;km Distanz, besser nur 500&amp;amp;nbsp;m, zu bereits besiedelten Flächen angelegt werden. Bei der Begrünung können kleine Bodenstelle langfristig offengehalten werden, indem Steine oder Feinsediment als Substrat eingebracht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hintergrundinformation'''&lt;br /&gt;
* [http://public.bibliothek.uni-halle.de/index.php/hercynia/article/viewFile/218/224 Elias, D. &amp;amp; Thiede, S. (2008). Verfrachtung von Heuschrecken (Insecta: Ensifera et Caelifera) mit frischem Mähgut im Wulfener Bruch (Sachsen-Anhalt)]: Diese Studie zeigt auf, dass die Mahdgutübertragung für Heuschrecken eine wichtige Rolle spielt, insbesondere für wenig mobile Arten.&lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2001_07_71.pdf  Bosshard, A. &amp;amp; Kuster, D. (2001). Bedeutung neu angelegter Extensivwiesen für Tagfalter und Heuschrecken]: Die Untersuchung zeigt, dass neu angelegte Extensivwiesen rasch von gefährdeten Heuschrecken- und Tagfalterarten besiedelt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/ Regio Flora - das Portal zur Förderung der regionalen Vielfalt im Grünland]: Umfassende Informationen zur Direktbegrünung von Wiesen und Weiden.&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/RF_Praxismerkblatt_D_download9.11.15.pdf Agridea (2015). Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft]: Leitfaden für die Praxis zum Einsatz von regionalem Saatgut in Biodiversitätsförderflächen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-hoch&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Gewaesser_PZ.png&lt;br /&gt;
| text = Die Ufer von Fliess- und Stillgewässern sind wichtige Verbreitungskorridore und sollen alternierend bewirtschaftet werden.  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feuchtgebiete und Trockenstandorte ==&lt;br /&gt;
=== Ruderalstandorte und Säume entlang von Feuchtgebieten pflegen ===&lt;br /&gt;
Zahlreiche Arten legen ihre Eier in Stängel von Pflanzen im Uferbereich von Still- und Fliessgewässern. Die Uferbereiche sind wichtige Verbreitungskorridore für die Tiere. Daher ist die extensive Pflege von Feuchtgebieten und Gräben das ganze Jahr über wichtig:&lt;br /&gt;
* [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts|Mahd]] an den Ufern alternierend, an einem Ufer die Vegetation immer für ca. 1-2 Jahre stehen lassen &lt;br /&gt;
* Säume am selben Ufer gestaffelt mähen und das Schnittgut abführen &lt;br /&gt;
* Flächen nicht mulchen&lt;br /&gt;
* Ruderalstandorte immer wieder abschnittweise stören durch extensive [[#Beweidung| Beweidung]] oder [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts | Mahd]], um die Verbuschung zu verhindern und [[#Strukturreiche Flächen schaffen und schützen| strukturreiche Flächen]] zu schaffen &lt;br /&gt;
* Invasive Pflanzen zurückdrängen, insbesondere Flügelknöterich (''Fallopia'') und Drüsiges Springkraut (''Impatiens glandulifera'')&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entbuschung von Trockenstandorten === &lt;br /&gt;
Der Baum- und Strauchbewuchs soll bei grossen Standorten maximal 25% betragen, bei kleineren 10% oder weniger. Für die langfristige Offenhaltung der Trockenwiesen- und weiden eignen sich extensive Beweidung oder Mahd. Massnahmen zur Aufwertung von Trockenstandorten werden zu einem späteren Zeitpunkt bearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im Siedlungsgebiet ==&lt;br /&gt;
=== Schotter- und Brachflächen extensiv pflegen ===&lt;br /&gt;
Im Randbereich vom Siedlungsgebiet und auf Firmengeländen kann eine reiche Heuschreckenfauna entstehen, wenn grössere Offenflächen vorhanden sind. Dies können z.&amp;amp;nbsp;B. Schotter- und Industriebrachen sein, die einen lockeren Pflanzenbewuchs aufweisen. Diese Flächen sollen extensiv bewirtschaftet werden (siehe: [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts|Mahdkonzepte]]). Der Strukturreichtum kann gefördert werden, indem die Pflege nur abschnittweise erfolgt und zusätzliche [[#Strukturreiche Flächen schaffen und schützen| Kleinstrukturen]] angelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrünung und Pflege von Flachdächern ===&lt;br /&gt;
Flachdächer können einigen Heuschreckenarten, z.&amp;amp;nbsp;B. der Blauflügeligen Sandschrecke (''Sphingonotus caerulans'') oder der Blauflügeligen Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') als Trittstein dienen. Dauerhafte Ansiedlungen von Populationen wurden bisher noch nicht beobachtet. Bei der Anlage der Dächer ist Folgendes wichtig: &lt;br /&gt;
* Nur einheimische Pflanzen und Saatgut verwenden &lt;br /&gt;
* Offene Stellen belassen und regelmässig neue Offenflächen durch Abtragung des Oberbodens schaffen &lt;br /&gt;
* Sand, Kies und Steine in unterschiedlichen Korngrössen verwenden &lt;br /&gt;
* Pflanzen extensiv und abschnittsweise pflegen &lt;br /&gt;
* Strukturreichtum durch Kieshaufen, Holz, etc. sicherstellen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://docplayer.org/20659374-Die-blaufluegelige-sandschrecke-sphingonotus-caerulans-auf-den-extensiv-begruenten-daechern-der-europa-allee-zuerich.html Speck, M. &amp;amp; Brenneisen, S. (2014). Die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) auf den extensiv begrünten Dächern der Europa-Allee in Zürich]&lt;br /&gt;
: Diese Studie belegt das Vorkommen der Rote-Liste Art auf Flachdächern in Zürich. Die Blauflügelige Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') wurde in vorherigen Untersuchungen machgewiesen, die hier zitiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [https://www.stadt-zuerich.ch/ted/de/index/gsz/beratung-und-wissen/wohn-und-arbeitsumfeld/dachbegruenungen0.html Stadt Zürich. Dachbegrünung]: Umfassende Informationen zur Anlage und Pflege von Dachbegrünung mit vielen Praxisbeispielen.&lt;br /&gt;
* [https://www.stadt.sg.ch/home/raum-umwelt/bauen-sanieren/natur-stadt.html Stadt St. Gallen, Amt für Umwelt und Energie (2014). Leitfaden Dachbegrünung]: Ausführliche Informationen zu Aufbau und extensiven Begrünungsarten von Flachdächern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-550px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Siedlungsgebiet.png&lt;br /&gt;
| text = Der Blauflügeligen Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') und der Blauflügeligen Sandschrecke (''Sphingonotus caerulans'') können Flachdächer als Trittsteine in neue Lebensräume dienen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wildblumenwiesen und Trockenflächen anlegen und pflegen === &lt;br /&gt;
In Parks und Gärten können auch anspruchsvollere Heuschreckenarten vorkommen, wenn Folgendes beachtet wird:&lt;br /&gt;
* Nur einheimisches Saatgut verwenden &lt;br /&gt;
* Lückig säen und nicht düngen  &lt;br /&gt;
* Offene Bodenflächen belassen &lt;br /&gt;
* Maximal 2-mal pro Jahr mit Balkenmäher oder Sense und abschnittsweise mähen &lt;br /&gt;
* Brachflächen, Altgrassstreifen und Säume um Gebüsche und Gehölze von 5-10m abschnittsweise pflegen, um eine Zunahme der Verbuschung zu verhindern &lt;br /&gt;
* Mahdgut abführen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [http://www.pronatura.ch/blumenwiesen?file=tl_files/dokumente_de/2_unsere_themen/lebensraeume/Wiesen/Pro_Natura_Praxis_Blumenwiese.pdf Pro Natura 2014. Blumenwiesen anlegen und pflegen]: Ausführliche Informationen zur Anlage und Pflege von grossen und kleinen (Wild-) Blumenwiesen.&lt;br /&gt;
* [https://www.wwf.ch/sites/default/files/doc-2019-02/2010-12-factsheet-wiesenparadies-einheimische-blumen.pdf WWF Schweiz 2010. Buntes Wiesenparadies mit einheimischen Wildblumen]: Schritt für Schritt Anleitung zur Anlage und Pflege von Wildblumenwiesen für Privathaushalte.&lt;br /&gt;
* [[Media:WWF 2010 Lebendige Trockenstandorte.pdf|WWF Schweiz 2010. Lebendige Trockenstandorte mit Sand, Kies und Schotter]]: Anleitung zur Anlage und Pflege von Trockenstandorten für Privathaushalte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundäre Pionierstandorte anlegen und pflegen == &lt;br /&gt;
Vom Menschen geschaffene Pionierstandorte sind für Heuschrecken wertvolle Sekundärhabitate geworden, da vielerorts die ursprünglichen Lebensräume (z.&amp;amp;nbsp;B. See- und Flussauen, Brandflächen, etc.) verschwunden sind. Der Erhalt der Pionierstandorte bedarf regelmässiger Pflegeeinsätze zur Verhinderung von Verfilzung und Verbuschung.&lt;br /&gt;
Heuschrecken finden wertvolle Pionierflächen: &lt;br /&gt;
* In Steinbrüchen und Kiesgruben &lt;br /&gt;
* In Weinbergen&lt;br /&gt;
* In Sand-, Lehmgruben und Mergelgruben &lt;br /&gt;
* An Bahnhöfen und Gleisen&lt;br /&gt;
* Auf Industriebrachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wiederansiedlung von Tieren ==&lt;br /&gt;
Die Wiederansiedelung von ehemals vorkommenden Heuschrecken kann nur eine letzte Alternative im Naturschutz sein, da primär immer der Schutz der vorhandenen Populationen im Fokus steht und die Wiederansiedlung sehr aufwändig ist. Für eine erfolgreiche Wiederansiedlung ist es notwendig, eine sorgfältige Ansiedlungs-Strategie zu erarbeiten und die [https://portals.iucn.org/library/efiles/documents/2013-009.pdf Richtlinien der IUCN zur Wiederansiedlung] strikt zu befolgen. Die Wiederansiedlung von Heuschrecken ist bewilligungspflichtig und soll Spezialisten überlassen werden, weshalb hier nicht näher darauf eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = GSM-5012435629 6b68a9c506 b Ephipiger cfr diurnus female.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Westliche Sattelschrecke (''Ephippiger diurnus'') besiedelt trockene und lückige Wiesen und Waldränder. Sie gehört zu den stark gefährdeten Arten.  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Viele Heuschreckenarten brauchen aufgrund ihrer Ansprüche an den Lebensraum ganz spezifische Fördermassnahmen. Die Priorisierung der gefährdeten Arten gemäss ihrem Förderbedarf kann der [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html Liste der National Prioritären Arten (2011)] entnommen werden. Eine wichtige Grundlage für die Förderung sind auch die in der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/wissenschaftliche-aktivitaten/fauna-indicativa.html Fauna Indicativa] zusammengestellten Präferenzen und Eigenschaften der einzelnen Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur wenige Praxisinformationen zum spezifischen Artenschutz von Heuschrecken. In der Schweiz wurde bisher nur für die Blauflügelige Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') eine [http://kbnl.ch/wp-content/uploads/2016/11/webseite_Ocaerulescens.pdf Zusammenfassung zur Best Practice der Artenförderung] und [https://www.zh.ch/content/dam/zhweb/bilder-dokumente/themen/umwelt-tiere/naturschutz/artenschutz/aktionsplaene-fauna/heuschrecken/oedipoda_caerulescens_ap.pdf vom Kanton Zürich ein Aktionsplan] erstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Nachbarländern wurden folgenden Publikationen zu Fördermassnahmen erstellt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Deutschland'''&lt;br /&gt;
* [http://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutz/natura_2000/vollzugshinweise_arten_und_lebensraumtypen/vollzugshinweise-fuer-arten-und-lebensraumtypen-46103.html#Wirbellose Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Niedersächsische Strategie zum Arten- und Biotopschutz]&lt;br /&gt;
'''Österreich''' &lt;br /&gt;
* [http://www.zobodat.at/pdf/NaturschutzbundBgld_9_2013_0001-0160.pdf Zuna-Kratky, T. et. al. (2013). Schutzprogramm für die gefährdeten Heuschrecken des Nordburgenlands]&lt;br /&gt;
'''Niederlande''' &lt;br /&gt;
* [http://repository.naturalis.nl/document/161506 Schut, D.  et al. (2008). Actieplan prioritaire Sprinkhanen in Noord-Brabant]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Gefährdung =&lt;br /&gt;
Von den 105 für die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html Rote Liste 2007] untersuchten Heuschreckenarten sind fast 40% bedroht. Am stärksten gefährdet sind die Pionierarten entlang von Gewässern sowie die Arten der Flach- und Hochmoore. Die Erhaltung der letzten Populationen dieser Arten ist daher von grosser Bedeutung.&lt;br /&gt;
Die grössten Gefährdungsursachen für alle Heuschreckenarten sind:&lt;br /&gt;
* Verlust und Fragmentierung des Lebensraums durch Veränderung der Landnutzung, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Umwandlung von Grünland in Äcker, Urbanisierung oder Industrialisierung&lt;br /&gt;
* Intensivierung der Nutzung, insbesondere der Einsatz von Mähmaschinen und Mähaufbereitern, sowie Düngung und Erhöhung der Anzahl Schnitte pro Jahr, sowie höhere Viehdichten auf kleinerem Raum&lt;br /&gt;
* Mangelnde (natürliche) Prozesse zur Offenhaltung der Landschaft und von Bodenstellen, Homogenisierung der Landschaft&lt;br /&gt;
* Verdichtung der Vegetation durch Eutrophierung&lt;br /&gt;
* Einsatz von Insektiziden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Gefährdungsursachen in Bezug auf die Lebensraumbindung sind:&lt;br /&gt;
* Grünlandarten: Intensive Beweidung oder häufige Mahd, Verbuschung oder Verkrautung durch Verbrachung, Verarmung der Pflanzenvielfalt, Düngung von Wiesen und Weiden &lt;br /&gt;
* Feuchtgebietsarten: Veränderungen im Gewässerhaushalt von Feuchtgebieten, intensivere landwirtschaftliche Nutzung von Feuchtwiesen &lt;br /&gt;
* Wald- und Waldrandarten: Fehlende Stufenstruktur des Waldrandes (Strauch- und Krautschicht), Entfernung von Hecken, Kleinstrukturen und Felsen, Intensivierung der Forstwirtschaft, Einsatz von Bioziden, Anbau von Monokulturen, touristische Nutzung (insbesondere mit Ski &amp;amp; Mountainbike)&lt;br /&gt;
* Pionierarten: Verbauungen der Fliessgewässer und Eingriffe in den Geschiebehaushalt, Veränderungen des Gewässerhaushaltes und der Gewässerdynamik, Verbuschung und Verkrautung der Offenflächen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Die Wissenslücken sind nicht abschliessend und fokussieren besonders auf die Förderung.&lt;br /&gt;
* Erfolgreiche Förderung seltener Arten&lt;br /&gt;
* Minimale überlebensfähige Populationsgrössen &lt;br /&gt;
* Vernetzung von Heuschreckenpopulationen unterschiedlicher Arten und Artenzusammensetzungen&lt;br /&gt;
* Habitatspezifische Auswirkungen der Grünlandnutzung: lässt sich das auf Trockenrasen gewonnene Wissen bspw. auf Feuchtwiesen übertragen?&lt;br /&gt;
* Barrierewirkung mehrspuriger Strassen (Autobahnen)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen vom Klimawandel, insbesondere langer Dürreperioden oder Starkregen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele =&lt;br /&gt;
Für Heuschrecken haben wir nur ein Praxisbeispiel gefunden, welches die durchgeführten Massnahmen ausführlich beschreibt und eine Erfolgsuntersuchung beinhaltet. Daher freuen wir uns über Ihre [http://biodivers.ch/index.php/kontakt.html Vorschläge per Email.]&lt;br /&gt;
* [http://www.parcs.ch/nwp/pdf_public/2014/26962_20140130_123116_Kurth_Salome_2007.pdf Kurth, S. (2007). Planning a migration corridor for the highly endangered grasshopper Chorthippus pullus (Orthoptera, Acrididae) in the Rottensand (Pfynwald, VS)]  &lt;br /&gt;
: Für den Kiesbankgrashüpfer wurde im Pfynwald ein Migrationskorridor errichtet und die anschliessende Nutzung beobachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Allgemeine Links=&lt;br /&gt;
* [http://lepus.unine.ch/carto/ Centre Suisse de Cartographie de la Faune (CSCF). Verbreitungskarten der Schweizer Tierarten]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken]&lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch Orthoptera Schweiz. Heuschrecken-Plattform für die Schweiz und Europa ]&lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch/links Orthoptera Schweiz. Linkliste der Heuschrecken-Webseiten Europas und weltweit] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar und weitere spannende Links ==&lt;br /&gt;
* [https://www.orthoptera.ch/glossar Glossar von orthoptera.ch]&lt;br /&gt;
* [http://www.biofotoquiz.ch/biofotoquiz/index.php?domain=standard&amp;amp;classID=278 Biofotoquiz]&lt;br /&gt;
: Quiz mit Fotos von Heuschrecken und anderen Tier- und Pflanzenarten zum Kennenlernen der Arten.&lt;br /&gt;
* [https://offene-naturfuehrer.de/web/Heuschreckenarten_nach_einfachen_Merkmalen_bestimmen_(Bayern) Heuschreckenarten nach einfachen Merkmalen bestimmen (Bayern)]&lt;br /&gt;
: Wiki-Bestimmungsschlüssel für die Heuschrecken von Bayern. Der Leser wird anhand der Merkmale geführt, die Kenntnis von Fachbegriffen wird vorausgesetzt.    &lt;br /&gt;
* [http://www.andre-rey.ch/cms/fileadmin/pdf/Heuschecken_Bestimmungsschluessel_Suedalpen.pdf Fontana et al. (2002). Heuschrecken-Bestimmungsschlüssel für die östlichen Südalpen]&lt;br /&gt;
: Bestimmungsschlüssel mit detaillierten Zeichnungen der Merkmale. &lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch/info-app-wiki/orthoptera-app Orthoptera-App]&lt;br /&gt;
: Die Heuschrecken Bestimmungs-App für iphone und Android enthält zu jeder Art zahlreiche Fotos, Stimmaufzeichnungen und Hintergrundinformationen. Beobachtungen können in der App eingegeben und so dem CSCF gemeldet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturempfehlungen =&lt;br /&gt;
* Detzel, P. (1998). Die Heuschrecken Baden-Württembergs. Stuttgart Hohenheim, Ulmer.&lt;br /&gt;
: Bisher immer noch das beste Buch zur praxisnahen Ökologie und Massnahmen zur Förderung von Heuschrecken. Die Aufwertungs-Massnahmen sind an einzelne Arten und Lebensräume angepasst. Als genereller Leitfaden sind sie sehr gut, umsetzungsorientierte Anleitungen fehlen. Alles in allem ein gutes Buch für den Anfang, eine Weiterentwicklung ist aber dringend notwendig.&lt;br /&gt;
* Ingrisch, S. &amp;amp; Köhler, G. (1998). Die Heuschrecken Mitteleuropas. Vol. Bd. 629. Magdeburg, Westarp Wissenschaften.&lt;br /&gt;
: Sehr ausführliches und allgemeines Buch zur Biologie, Populationsdynamiken und Lebensräumen der Heuschrecken, weniger zur Biotopaufwertung und zu Fördermassnahmen. Trotz dem Alter immer noch lesenswert und informativ. &lt;br /&gt;
* Schlumprecht, H. &amp;amp; Waeber, G. (2003). Heuschrecken in Bayern. Stuttgart Hohenheim. Ulmer. &lt;br /&gt;
: Sehr ausführlicher Bestimmungs-Atlas mit vielen Informationen zur Lebensweise und den Lebensräumen der einzelnen Arten. Zu Gefährdung und Schutz gibt es Beispiele aus dem bayrischen Raum und Ratschläge zur Aufwertung für jede Art.&lt;br /&gt;
* Maas, S., Detzel, P. &amp;amp; Staudt, A. (2002). Gefährdungsanalyse der Heuschrecken Deutschlands  - Verbreitungsatlas, Gefährdungseinstufung und Schutzkonzepte. Bonn-Bad Godesberg, Bundesamt für Naturschutz.&lt;br /&gt;
: Ausführlicher Atlas zu den Heuschreckenarten in Deutschland mit Gefährdungsanalysen und Informationen zu Habitaten, Biologie und Verbreitung der einzelnen Arten. Die Angaben zur Aufwertung von Lebensräumen sind kurz gehalten.&lt;br /&gt;
* [http://dgfo-articulata.de/articulata Articulata - Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Orthopterologie] &lt;br /&gt;
: In der Zeitschrift der DGFO erscheinen regelmässig Artikel zur Förderung von Heuschrecken, ältere Artikel können als PDF heruntergeladen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsbücher ==&lt;br /&gt;
* Baur, B., Bauer, H., Rösti, C., &amp;amp; Rösti, D. (2006). Die Heuschrecken der Schweiz. Bern, Haupt Verlag.&lt;br /&gt;
: Intuitiver Bestimmungsschlüssel für die Schweizer Heuschreckenarten mit sehr schönen Detail-Zeichnungen. Enthält Verbreitungskarten und Erklärungen zu den wichtigsten Merkmalen.&lt;br /&gt;
* Fischer, J., Steinlechner, D., Zehm, A., Poniatowski, D., et al., Hrsg. Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (2016). Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols: Bestimmen - Beobachten - Schützen. Wiebelsheim Hunsrück, Quelle &amp;amp; Meyer.&lt;br /&gt;
: Dieses Buch sticht positiv heraus. Es enthält Detailfotos der Bestimmungsmerkmale der Adultiere und Nymphen, eine Darstellung der Hauptaktivitätszeit aller Arten im Jahresverlauf und vieles mehr.&lt;br /&gt;
* Weitere nationale und internationale Bestimmungsbücher sind auf [http://www.orthoptera.ch/literatur Orthoptera.ch] aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers ]|| info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| [http://www.goeg.de/kontakt  Prof. Dr. Peter Detzel] || [http://www.goeg.de/ Gruppe für ökologische Gutachten] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Dr. Axel Hochkirch] || [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Universität Trier] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.naturalis.nl/en/science/researchers/roy-kleukers Roy Kleukers] || [https://www.naturalis.nl/en Naturalis Biodiversity Center] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.orthoptera.ch/ueber-uns Florin Rutschmann] || [http://www.pronatura-aargau.ch/cms/index.php?id=4&amp;amp;no_cache=1 Pro Natura Aargau] &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- biodivers-Links zu Arten: Kiesbankgrashüpfer Chorthippus pullus, Blauflügelige Ödlanschrecke Oedipoda caerulescens → Aktionsplandrehscheibe, Grüne Heupferd Tettigonia viridissima, Alpenschrecke Anonconotus alpinus &lt;br /&gt;
biodivers-Links zu Lebensräumen: Kleinstrukturen, Hecke, Stillgewässer (mehrfach), Fliessgewässer (mehrfach), Wald und Waldrand (mehrfach), Feuchtgebiete, Sumpf, Grünland, Trockenwiesen und Trockenweisen, Entbuschung von Trockenwiesen (mehrfach)--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>https://biodivers.ch/de/index.php?title=Heuschrecken&amp;diff=4697</id>
		<title>Heuschrecken</title>
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				<updated>2023-03-04T17:42:53Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;VB2: /* Wildblumenwiesen und Trockenflächen anlegen und pflegen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[fr:Orthoptères]]&lt;br /&gt;
{{Startfoto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = JM 29293745804 8952ea6513 h.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Sumpfschrecke (''Stethophyma grossum'') besiedelt feuchte Wiesen und Flachmoore.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review || [http://www.goeg.de/ueber-uns/team Prof. Dr. Peter Detzel], [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Dr. Axel Hochkirch], [https://www.naturalis.nl/en/science/researchers/roy-kleukers Roy Kleukers] &amp;amp; [http://www.orthoptera.ch/ueber-uns Florin Rutschmann]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Publikation || Juli 2017&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{TOC limit|2}}&lt;br /&gt;
= Zusammenfassung =&lt;br /&gt;
Über 100 Heuschreckenarten bereichern unsere Fauna und überraschen uns mit Flug-, Grab- oder Klangkünsten sowie ihrer Farben- und Formenvielfalt. Heuschrecken (Orthopteren) sind wärmeliebende Kulturfolger. Die meisten Arten beherbergt das Grünland, ob trocken oder feucht, gemäht oder beweidet. Einige Arten leben in lichten Wäldern und auf Pionierflächen der Flussauen und Geröllhalden. Viele Heuschreckenarten sind auf eine hohe Strukturvielfalt auf kleinem Raum angewiesen, da ihre durchschnittliche Ausbreitungsdistanz weniger als ein Kilometer beträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für alle Arten ist die Offenhaltung ihrer Lebensräume zentral. Die Wiederherstellung der natürlichen Dynamiken oder die regelmässige, extensive Bewirtschaftung der besiedelten Flächen ist daher wichtig. Bei der Mahd ist darauf zu achten, ein Mosaik aus Rückzugsstreifen und Flächen mit unterschiedlichen Mahdzeitpunkten zu schaffen. Bei der Begrünung sind eine geringe Distanz zu besiedelten Flächen und eine lückige Ausbringung vorteilhaft. Von den über 100 einheimischen Heuschreckenarten stehen 40% auf der Roten Liste. Insbesondere die Arten der Pionierflächen haben einen erhöhten Förderbedarf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Systematik =&lt;br /&gt;
Heuschrecken werden in zwei leicht unterscheidbare Gruppen eingeteilt. Bei den Langfühlerschrecken (Ensifera) sind die Fühler gleich lang oder länger als der Körper und haben mindestens 30 Fühlerglieder, während sie bei den Kurzfühlerschrecken (Caelifera) kürzer als der Körper sind. Die Weibchen der Langfühlerschrecken besitzen meist einen auffälligen Legebohrer, im Gegensatz zu den kurzen Legeröhrenklappen bei den Kurzfühlerschrecken. Nur die Maulwurfsgrille gehört auch ohne lange Fühler und Legebohrer zu den Langfühlerschrecken. &lt;br /&gt;
Mehr zur Systematik der Heuschrecken auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Heuschrecken Wikipedia].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Praxisrelevante Ökologie=&lt;br /&gt;
== Lebensräume ==&lt;br /&gt;
Heuschrecken besiedeln die meisten terrestrischen Lebensräume bis auf 3'100&amp;amp;nbsp;m&amp;amp;nbsp;ü.&amp;amp;nbsp;M. Sie kommen in extensiven Wiesen und Weiden, Brachen, Weinbergen, Wäldern, Feuchtgebieten, Mooren und Flussauen vor. Heuschrecken können allgemein als wärmeliebende Kulturfolger bezeichnet werden, die in stark vom Menschen geprägten Landschaften leben. So können Kiesgruben und Steinbrüche viele seltene Arten beherbergen, wenn sie offengehalten und extensiv gepflegt werden. Im Siedlungsgebiet finden Heuschrecken eine Vielfalt an Kleinlebensräumen auf Industriebrachen und grossen Güterbahnhöfen, Schotterplätzen und in Ruderalflächen. Für seltene Arten sind Parks, Gärten und Flachdächer als Lebensraum wenig relevant, als Trittsteine können sie aber beim Erreichen neuer Lebensräume helfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-1000px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Lebensraeuume_Gruppen_PZ.png&lt;br /&gt;
| text = Zu den wichtigsten Lebensräumen für Heuschrecken zählen magere Wiesen, Moorlandschaften, lückige Wälder und Blocksteinhalden.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da nahezu alle Heuschrecken licht- und wärmeliebend sind, brauchen sie in ihren Lebensräumen Offenflächen bzw. lückige Pflanzenbestände. Die Bindung an das Habitat erfolgt weniger aufgrund bestimmter Pflanzengesellschaften, als aufgrund der benötigten Strukturen und der mikroklimatischen Verhältnisse. Entscheidend sind Dichte und Höhe der Vegetation, sowie Temperatur und Feuchtigkeit. Mosaikartige Lebensräume mit einer Vielfalt an Strukturen sind für eine hohe Heuschreckenvielfalt optimal. So leben an Lebensraum-Übergängen, wie Waldrändern mit Feuchtwiesen oder Hecken entlang von extensiven Wiesen, besonders viele Arten. Für den Erhalt von Offenflächen und Strukturreichtum sind regelmässige Pflegeeinsätze notwendig, wenn natürliche Dynamiken fehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schweizer Heuschreckenarten können bezüglich ihrer Lebensraumbindung in vier Gruppen unterteilt werden (aus: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken]) &lt;br /&gt;
# Grünlandarten in Trockenwiesen und -weiden (43 Arten)&lt;br /&gt;
# Sumpf- und Feuchtgebietsarten in Flach- und Hochmooren (11 Arten)&lt;br /&gt;
# Wald- und Waldrandarten sowie Gebüscharten, vor allem in tieferen Lagen (24 Arten)&lt;br /&gt;
# Pionierarten in Auen, Felsplatten, Geröllhalden oder Karst (25 Arten)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Merkmale und Vermehrung==&lt;br /&gt;
Heuschrecken sind durch ihre Körperform, ihr Verhalten und ihre Körperfärbung an ihren Lebensraum angepasst und häufig gut getarnt. Die Körperfärbung kann innerhalb einer Art stark variieren und ist daher meist kein spezifisches Unterscheidungsmerkmal. Die Körperfärbung ist nicht immer genetisch festgelegt, sondern kann sich während der Entwicklung verändern und der Färbung der Umgebung anpassen. Adulte Tiere können ihre Farbe dagegen nicht mehr wechseln, aber ggf. noch nachdunkeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heuschrecken durchlaufen eine hemimetabole (unvollkommene) Entwicklung. Nach dem Schlupf sind die sogenannten Nymphen schon als Heuschrecken zu erkennen und werden mit jeder Häutung dem adulten Tier ähnlicher. Grillen brauchen bis zu 12 Häutungen, bis sie ausgewachsen sind, Laubheuschrecken 5 bis 7 und Kurzfühlerschrecken 4 bis 5 Häutungen. Erst nach der letzten Häutung bilden sich die Flügel und Geschlechtsorgane vollständig aus. Die meisten Heuschrecken sind einjährig, ihre Nymphen schlüpfen im Zeitraum von Frühling bis Sommer. Adulte Tiere sind von Sommer bis Herbst zu finden, das Auftreten richtet sich vor allem nach der Höhenstufe und den mikroklimatischen Verhältnissen. Nur Grillen (Gryllidae) und Dornschrecken (Tetrigidae) überwintern in einem der Nymphenstadien oder als adulte Tiere und treten entsprechend früh im Jahr auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Paarung erfolgt einige Tage bis wenige Wochen nach der letzten Häutung und schon wenige Tage später beginnt die Eiablage. Die Weibchen der meisten Heuschreckenarten legen ihre Eier im Boden oder an der Basis von Gräsern ab. Andere Arten legen ihre Eier in rissige Baumrinde und markhaltige Pflanzenteile oder heften sie an Halme und Blätter. Die Langfühlerschrecken können mit dem Legebohrer ihre Eier tiefer in den Boden legen als die Kurzfühlerschrecken. Bei den meisten heimischen Arten dauert die Entwicklung der Eier bis zum Schlupf vom Herbst bis zum nächsten Frühling, bei einigen auch mehrere Jahre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Feuchte- und Temperatur-Ansprüche der Eier sind bei Heuschrecken entscheidend für die Habitatbindung der Arten. Arten der Feuchthabitate können oft nicht überleben, wenn ihre Eier im Winter nicht genügend feucht sind. Sie brauchen eine Periode der Überflutung. Feldheuschrecken der trockenen Habitate haben eine längere Eientwicklung nach dem Winter und benötigen höhere Bodentemperaturen. Die notwenigen Temperaturen werden erreicht, wenn Sonnenstrahlen offene Bodenstellen erwärmen. Andere Arten, die in höherer, dichterer Vegetation leben, kommen auch mit geringer Sonneneinstrahlung zurecht. So gibt es einige Spezialisten unter den Heuschrecken, mit ganz spezifischen Ansprüchen an ihren Lebensraum. Der Kiesbankgrashüpfer (''Chorthippus pullus'') lebt in der Schweiz z.&amp;amp;nbsp;B. ausschliesslich auf vegetationsarmen Kiesbänken grosser Alpenflüsse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-1000px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Eiablage_Lebensraum-Fluegel.png&lt;br /&gt;
| text = Von links nach rechts: Die Laubholz-Säbelschrecke (''Barbitistes serricauda'') legt ihre Eier in Gehölze mit strukturreicher Borke ab. Der Kiesbankgrashüpfer (''Chorthippus pullus'') kommt nur entlang der grossen Alpenflüsse vor. Die Gewöhnliche Gebirgsschrecke (''Podisma pedestris'') kann aufgrund der verkümmerten Flügel nicht fliegen.&lt;br /&gt;
Das Grüne Heupferd (''Tettigonia viridissima'') ist ein Langstreckenflieger unter den Heuschrecken.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Populationsgrössen und Ausbreitung ==&lt;br /&gt;
Die Populationsgrösse kann zwischen den Jahren stark schwanken. Schon ein Kälteeinbruch oder eine längere Regenphase im Frühsommer können zu einem starken Populationsrückgang führen. Einzelbeobachtungen weisen darauf hin, dass auch kleine Populationen mit weniger als 50 Tieren über mehrere Jahre existieren können, wenn die Habitatqualität nicht abnimmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten Heuschreckenarten sind sesshaft und bewegen sich in einem Umkreis von wenigen Metern bis maximal 1&amp;amp;nbsp;km. Bei vielen Arten sind die Flügel verkümmert (z.&amp;amp;nbsp;B. bei der Gewöhnlichen Gebirgsschrecke ''Podisma pedestris''). Es gibt aber auch einzelne Langstreckenflieger, wie das Grüne Heupferd (''Tettigonia viridissima''), das in einem Sommer Distanzen von mehreren Kilometern zurücklegen kann. Hohe Bestandsdichten können die Ausbreitung von sesshaften Arten erhöhen, da bei Dichtestress die Mobilität steigt und makroptere (langflügelige) Tiere auftreten können, deren Flügel deutlich länger sind als üblich. Mit verlängerten Flügeln können auch Arten, die üblicherweise flugunfähig sind, weitere Distanzen überqueren. Ungenügend untersucht ist die Ausbreitung von Eiern und Tieren durch passiven Transport, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Fliessgewässer, den Bahnverkehr, durch Verfrachtung mit Mahdgut oder mit Weidetieren. Bei manchen Arten scheint diese Art der Verbreitung jedoch gut zu funktionieren, da immer wieder fernab von bekannten Populationen Einzeltiere oder kleine Initialpopulationen gefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fauna Indicativa ==&lt;br /&gt;
Die [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/projekte/fauna-indicativa.html Fauna Indicativa] ist ein Nachschlagewerk sowie ein Werkzeug für die Auswertung faunistischer Daten. Sie charakterisiert in Tabellenform ökologische Präferenzen und biologische Eigenschaften aller in der Schweiz einheimischen Heuschrecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erhalt und Förderung=&lt;br /&gt;
==Allgemeine Massnahmen ==&lt;br /&gt;
===Grünland- und Feuchtgebietsarten ===&lt;br /&gt;
* Extensive Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden und Verzicht auf schwere Maschinen, insbesondere in Feuchtgebieten&lt;br /&gt;
* Verzicht auf das Ausbringen von Kunstdünger und Bioziden, insbesondere Insektiziden&lt;br /&gt;
* Förderung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) mit Qualitätsstufe QII&lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Bewässerung von Trockenwiesen und Steppen&lt;br /&gt;
* Eindämmung der Verbuschung und Verbrachung von Trockenwiesen- und weiden&lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Entwässerung von Feuchtgebieten und Wiederherstellung des natürlichen Wasserregimes&lt;br /&gt;
* Erhalt von Weiden, da in der Regel mit heterogener Struktur und artenreicher, ausser bei einschüriger Mahd &lt;br /&gt;
* Schutz und Wiederherstellung von Feuchtgebieten&lt;br /&gt;
* Anlage und Pflege von Stillgewässern, insbesondere mit flachen Uferzonen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wald- und Waldrandarten===&lt;br /&gt;
* Aufwertung und Schaffung gestufter Waldränder mit einer Krautschicht&lt;br /&gt;
* Erhalt alter Baumbestände, Biotopbäume und Hecken mir ihren Säumen&lt;br /&gt;
* Auflichtung der Wälder und Böschungen, damit sie gut besonnt sind&lt;br /&gt;
* Extensive Pflege der Weg- und Hangböschungen&lt;br /&gt;
* Standortgerechter Waldbau, Verzicht auf Monokulturen (bspw. Fichten)&lt;br /&gt;
* Umwandlung von Monokulturen in natürliche Wälder mit mehreren Baumarten&lt;br /&gt;
* Verzicht auf den Einsatz von Düngemitteln und Bioziden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Pionierarten an Fliessgewässern ===&lt;br /&gt;
(Übernommen aus: [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken])&lt;br /&gt;
* Revitalisierung der Fliessgewässer, bevorzugt von Pionierarten besiedelte Standorten &lt;br /&gt;
* Verzicht auf die Zuschüttung oder Eindämmung von besiedelten Uferflächen&lt;br /&gt;
* Verzicht auf jeglichen Abbau der Sand-, Kies- oder Steinbänke innerhalb, ober- und unterhalb besiedelter Flächen&lt;br /&gt;
* Zulassen von regelmässigen, genügend intensiven Hochwassern, um den natürlichen Abtrag der mit Vegetation bewachsenen Bänke in Auen zu gewährleisten&lt;br /&gt;
* Gewährleisten von periodischen Ablagerungen von Sedimenten an besiedelten Standorten, um die Regeneration von Sedimentbänken in Auen sicherzustellen&lt;br /&gt;
* Revitalisierung möglichst vieler Fliessgewässer, um über die Schaffung von potenziell günstigen Standorten die Wiederbesiedlung von verlassenen Gegenden zu fördern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = Mosaik_aus_Gruenlandtypen_-_Suedschwarzwald_-_IMG_7876b.jpg&lt;br /&gt;
| text = Der Strukturreichtum dieser Flächen bietet Grünlandarten einen idealen Lebensraum.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Strukturreiche Flächen schaffen und schützen ==&lt;br /&gt;
Für Heuschrecken sind weniger die typischen [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen Kleinstrukturen] wichtig wie [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Kleinstrukturen#Die_einzelnen_Kleinstrukturen Ast- oder Steinhaufen], als vielmehr offene Bodenstellen (u.&amp;amp;nbsp;a. für die Eiablage) und Strukturen, die Wärme aufnehmen und speichern, wie felsige Bereiche, [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Pionierfl%C3%A4chen Kiesflächen], feuchte Senken und [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser temporäre Tümpel]. Neu angelegte Strukturen sollen eine minimale Fläche von 20&amp;amp;nbsp;m&amp;amp;sup2; pro ha haben. Natürliche Offenflächen und strukturreiche Flächen wie Moränen, Felsschutthalden, Kiesflächen und Verlandungszonen von [https://www.biodivers.ch/de/index.php/Stillgew%C3%A4sser Stillgewässern] sind zu schützen und dürfen nicht zugeschüttet oder aufgeforstet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts ==&lt;br /&gt;
Viele gefährdete Heuschreckenarten sind auf eine extensive Beweidung oder regelmässige Mahd angewiesen, damit die Vegetation nicht zu dicht wird. Der optimale Schnittzeitpunkt ist artabhängig. Für Arten, die ihre Eier im Boden ablegen, ist eine Mahd zwischen Mai und August ungünstig. Für Arten, die ihre Eier an oder in Pflanzen ablegen, ist eine Mahd nach August und vor Mai problematisch. Die Bewirtschaftung kann aber auch schädlich sein. Verluste entstehen v.&amp;amp;nbsp;a. durch Mähaufbereiter und das Schwaden und Abführen des Mahdguts. Zur Verminderung der Verluste bei allen Arten ist bei der Mahd Folgendes zu beachten: &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
* Es sollen möglichst wenige Schnitte erfolgen, optimaler Weise nur ein Schnitt pro Jahr&lt;br /&gt;
* Frühmad: nicht ganzflächige durchführen; Spätmahd: nach dem Verblühen der meisten Pflanzen durchführen&lt;br /&gt;
* Am besten ist eine differenzierte Pflege, d.&amp;amp;nbsp;h. ein Mosaik aus Flächen mit unterschiedlichen Mähzeitpunkten und Rückzugsstreifen, die nur alle 2 Jahre gemäht werden &lt;br /&gt;
* Die Schnitthöhe soll mindestens 10&amp;amp;nbsp;cm betragen &lt;br /&gt;
* Balkenmäher verursachen die niedrigste Schädigungsrate, Scheibenmähern die höchste; am schonendsten ist die Mahd mit der Sense &lt;br /&gt;
* Das Schnittgut soll, damit sich die Tiere verteilen können, zum Trocknen liegen gelassen und stets abgeführt werden&lt;br /&gt;
* Es sollen keine Mähaufbereiter eingesetzt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://www.buntewiese-tuebingen.de/app/download/6569219764/Hiller%202014%20Auswirkungen%20verschiedener%20Mahdkonzepte%20auf%20die%20Heuschreckenfauna%20st%C3%A4dtischer%20Gr%C3%BCnfl%C3%A4chen%20-%20Naturschutz%20und%20Landschaftsplanung.pdf?t=1490555371 Hiller, D. &amp;amp; Betz, O.(2014). Auswirkungen verschiedener Mahdkonzepte auf die Heuschreckenfauna städtischer Grünflächen]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hintergrundinformationen'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [http://www.parcs.ch/npf/pdf_public/2014/30491_20141107_083216_MA_GrichtingStefan_2002.pdf  Grichting, S. (2002). Heuschrecken (Orthoptera) von Trockensteppen und extensiv bewirtschafteten Wiesen im Pfynwald (VS, Schweiz)]&lt;br /&gt;
: Studie zu den ökologischen Ansprüchen und der Verbreitung von Heuschrecken auf Wiesen mit unterschiedlichem Nutzungsgrad.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [https://agridea.abacuscity.ch/abashop?s=208&amp;amp;p=productdetail&amp;amp;sku=429&amp;amp;language=de Agridea (2011). Erntetechnik und Artenvielfalt in Wiesen]&lt;br /&gt;
: Das Merkblatt zeigt die Auswirkungen verschiedener Mähtechniken und nachfolgender Ernteschritte auf die Artenvielfalt und gibt Empfehlungen für eine möglichst tierschonende Ernte. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rotationsbrachen anlegen und Altgrassstreifen stehen lassen ==&lt;br /&gt;
Bei der Anlage von Rotationsbrachen und Altgrasstreifen ist auf das Vorkommen von Heuschreckenpopulation in der näheren Umgebung zu achten, da Heuschrecken oft nur geringe Ausbreitungsdistanzen haben. Als Rückzugsstreifen werden bei jedem Schnitt 10% der Wiese stehen gelassen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [http://www.agraroekologie.ch/NuL07-10_Mueller_Bosshard.pdf Müller, M. &amp;amp; Bosshard, B. (2012). Altgrasstreifen fördern Heuschrecken in Ökowiesen - Eine Möglichkeit zur Strukturverbesserung im Mähgrünland]&lt;br /&gt;
: Studie zu den positiven Auswirkungen von Altgrasstreifen als Rückzugsraum bei der Mahd  in extensiv genutzten Wiesen. &lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2012_01_1723.pdf Duss, M. et al. (2012). Vernetzte Ökoflächen fördern Heuschrecken]&lt;br /&gt;
: Studie zur Auswirkung eines Vernetzungsprojektes von ökologischen Ausgleichsflächen (öAF) auf die Verbreitung von 2 Heuschreckenarten. Die Grosse Goldschrecke (''Chrysochraon dispar'') profitiert von Altgrasstreifen.&lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/download.php?filename=2001_1112_102.pdf Peter, B. &amp;amp; Walter, T. (2001). Heuschrecken brauchen ökologische Ausgleichsflächen] &lt;br /&gt;
: Vergleichende Untersuchungen vor und nach der Einführung von Biodiversitätsförderflächen (BFF) zeigt deren Wichtigkeit für Heuschrecken auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-800px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Buntbrache_Altgrassstreifen_AK.png&lt;br /&gt;
| text = Links und Mitte: Die Gemeine Sichelschrecke (''Phaneroptera falcata'') und die Langflüglige Schwertschrecke (''Conocephalus fuscus'') schätzen die hohe Vegetation von Buntbrachen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Rechts: Die Grosse Goldschrecke (''Chrysochraon dispar'') profitiert von Altgrasstreifen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Beweidung ==&lt;br /&gt;
Für die Beweidung sollen möglichst traditionelle Rassen, bzw. leichte Tiere eingesetzt werden. Generell scheint Schaf-Hütehaltung besonders günstig für Heuschrecken zu sein. Die Viehdichte darf nicht zu hoch sein; der jährliche Besatz sollte 150 Grossvieheinheiten&amp;amp;sup1; pro Hektare (GVE/ha) nicht überschreiten. Es empfiehlt sich, eine Beweidung in Koppeln zu führen, womit ein ähnlicher Effekt erzielt wird wie mit einer Rotationsmahd. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;Die Beweidungsintensität ergibt sich aus dem Produkt von Besatzstärke in Grossvieheinheiten pro Hektare mal Anzahl Bestossungstagen (GVE/ha * dd). Je nach Grösse und Alter der Tiere ändert sich der Wert, der sich mit dem [https://www.agate.ch/portal/web/agate/gve-rechner GVE-Rechner des Bundesamtes für Landwirtschaft] genau ermitteln lässt.&amp;lt;/small&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://www.pronatura.ch/de/2016/allegra-geissenpeter-ziegen-esel-und-rinder-weiden-fuer-die-biodiversitaet Pro Natura. Projekt „Allegra Geissenpeter“]&lt;br /&gt;
: Pro Natura lanciert Projekte mit verschiedenen Weidetierarten, um die Trockenstandorte in den Alpen nachhaltig zu sichern, unter anderem zur Förderung der Heuschrecken. Die unterschiedlichen Projekte und die Ergebnisse der Erfolgskontrollen sind im [https://www.pronatura.ch/sites/pronatura.ch/files/2017-11/leitfaden_fuer_die_aufwertung_von_brachliegenden_trockenstandorten_durch_beweidung-beitraege_zum_naturschutz_in_der_schweiz_nr_37-2016_highres.pdf Leitfaden für die Aufwertung von brachliegenden Trockenstandorten durch Beweidung (2016)] zusammengefasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Direktbegrünung und Mahdgutübertragung  ==&lt;br /&gt;
Direktbegrünung und Mahdgutübertragung sind einer Ansaat vorzuziehen, da zusammen mit dem Pflanzenmaterial oder den Samen Insekten und Eier übertragen werden können. Dies ist insbesondere wichtig für Arten mit einem geringem Ausbreitungspotenzial. Das Saat- und Mahdgut sollte von [https://www.regioflora.ch/app/de/index.html Spenderflächen aus der nahen Umgebung] stammen, also [https://de.wikipedia.org/wiki/Autochthone_Art autochthon] sein, um die regionale genetische Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Für eine erfolgreiche Besiedlung sollen Empfängerflächen in maximal 1&amp;amp;nbsp;km Distanz, besser nur 500&amp;amp;nbsp;m, zu bereits besiedelten Flächen angelegt werden. Bei der Begrünung können kleine Bodenstelle langfristig offengehalten werden, indem Steine oder Feinsediment als Substrat eingebracht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hintergrundinformation'''&lt;br /&gt;
* [http://public.bibliothek.uni-halle.de/index.php/hercynia/article/viewFile/218/224 Elias, D. &amp;amp; Thiede, S. (2008). Verfrachtung von Heuschrecken (Insecta: Ensifera et Caelifera) mit frischem Mähgut im Wulfener Bruch (Sachsen-Anhalt)]: Diese Studie zeigt auf, dass die Mahdgutübertragung für Heuschrecken eine wichtige Rolle spielt, insbesondere für wenig mobile Arten.&lt;br /&gt;
* [http://www.agrarforschungschweiz.ch/artikel/2001_07_71.pdf  Bosshard, A. &amp;amp; Kuster, D. (2001). Bedeutung neu angelegter Extensivwiesen für Tagfalter und Heuschrecken]: Die Untersuchung zeigt, dass neu angelegte Extensivwiesen rasch von gefährdeten Heuschrecken- und Tagfalterarten besiedelt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/ Regio Flora - das Portal zur Förderung der regionalen Vielfalt im Grünland]: Umfassende Informationen zur Direktbegrünung von Wiesen und Weiden.&lt;br /&gt;
* [https://www.regioflora.ch/de/assets/content/pdf/RF_Praxismerkblatt_D_download9.11.15.pdf Agridea (2015). Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft]: Leitfaden für die Praxis zum Einsatz von regionalem Saatgut in Biodiversitätsförderflächen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-hoch&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Gewaesser_PZ.png&lt;br /&gt;
| text = Die Ufer von Fliess- und Stillgewässern sind wichtige Verbreitungskorridore und sollen alternierend bewirtschaftet werden.  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Feuchtgebiete und Trockenstandorte ==&lt;br /&gt;
=== Ruderalstandorte und Säume entlang von Feuchtgebieten pflegen ===&lt;br /&gt;
Zahlreiche Arten legen ihre Eier in Stängel von Pflanzen im Uferbereich von Still- und Fliessgewässern. Die Uferbereiche sind wichtige Verbreitungskorridore für die Tiere. Daher ist die extensive Pflege von Feuchtgebieten und Gräben das ganze Jahr über wichtig:&lt;br /&gt;
* [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts|Mahd]] an den Ufern alternierend, an einem Ufer die Vegetation immer für ca. 1-2 Jahre stehen lassen &lt;br /&gt;
* Säume am selben Ufer gestaffelt mähen und das Schnittgut abführen &lt;br /&gt;
* Flächen nicht mulchen&lt;br /&gt;
* Ruderalstandorte immer wieder abschnittweise stören durch extensive [[#Beweidung| Beweidung]] oder [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts | Mahd]], um die Verbuschung zu verhindern und [[#Strukturreiche Flächen schaffen und schützen| strukturreiche Flächen]] zu schaffen &lt;br /&gt;
* Invasive Pflanzen zurückdrängen, insbesondere Flügelknöterich (''Fallopia'') und Drüsiges Springkraut (''Impatiens glandulifera'')&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Entbuschung von Trockenstandorten === &lt;br /&gt;
Der Baum- und Strauchbewuchs soll bei grossen Standorten maximal 25% betragen, bei kleineren 10% oder weniger. Für die langfristige Offenhaltung der Trockenwiesen- und weiden eignen sich extensive Beweidung oder Mahd. Massnahmen zur Aufwertung von Trockenstandorten werden zu einem späteren Zeitpunkt bearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im Siedlungsgebiet ==&lt;br /&gt;
=== Schotter- und Brachflächen extensiv pflegen ===&lt;br /&gt;
Im Randbereich vom Siedlungsgebiet und auf Firmengeländen kann eine reiche Heuschreckenfauna entstehen, wenn grössere Offenflächen vorhanden sind. Dies können z.&amp;amp;nbsp;B. Schotter- und Industriebrachen sein, die einen lockeren Pflanzenbewuchs aufweisen. Diese Flächen sollen extensiv bewirtschaftet werden (siehe: [[#Mahdkonzepte und Abfuhr des Schnittguts|Mahdkonzepte]]). Der Strukturreichtum kann gefördert werden, indem die Pflege nur abschnittweise erfolgt und zusätzliche [[#Strukturreiche Flächen schaffen und schützen| Kleinstrukturen]] angelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Begrünung und Pflege von Flachdächern ===&lt;br /&gt;
Flachdächer können einigen Heuschreckenarten, z.&amp;amp;nbsp;B. der Blauflügeligen Sandschrecke (''Sphingonotus caerulans'') oder der Blauflügeligen Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') als Trittstein dienen. Dauerhafte Ansiedlungen von Populationen wurden bisher noch nicht beobachtet. Bei der Anlage der Dächer ist Folgendes wichtig: &lt;br /&gt;
* Nur einheimische Pflanzen und Saatgut verwenden &lt;br /&gt;
* Offene Stellen belassen und regelmässig neue Offenflächen durch Abtragung des Oberbodens schaffen &lt;br /&gt;
* Sand, Kies und Steine in unterschiedlichen Korngrössen verwenden &lt;br /&gt;
* Pflanzen extensiv und abschnittsweise pflegen &lt;br /&gt;
* Strukturreichtum durch Kieshaufen, Holz, etc. sicherstellen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Links'''&lt;br /&gt;
* [https://docplayer.org/20659374-Die-blaufluegelige-sandschrecke-sphingonotus-caerulans-auf-den-extensiv-begruenten-daechern-der-europa-allee-zuerich.html Speck, M. &amp;amp; Brenneisen, S. (2014). Die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) auf den extensiv begrünten Dächern der Europa-Allee in Zürich]&lt;br /&gt;
: Diese Studie belegt das Vorkommen der Rote-Liste Art auf Flachdächern in Zürich. Die Blauflügelige Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') wurde in vorherigen Untersuchungen machgewiesen, die hier zitiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [https://www.stadt-zuerich.ch/ted/de/index/gsz/beratung-und-wissen/wohn-und-arbeitsumfeld/dachbegruenungen0.html Stadt Zürich. Dachbegrünung]: Umfassende Informationen zur Anlage und Pflege von Dachbegrünung mit vielen Praxisbeispielen.&lt;br /&gt;
* [https://www.stadt.sg.ch/home/raum-umwelt/bauen-sanieren/natur-stadt.html Stadt St. Gallen, Amt für Umwelt und Energie (2014). Leitfaden Dachbegrünung]: Ausführliche Informationen zu Aufbau und extensiven Begrünungsarten von Flachdächern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Fotos-links-550px&lt;br /&gt;
| bilddatei = Heuschrecken_Siedlungsgebiet.png&lt;br /&gt;
| text = Der Blauflügeligen Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') und der Blauflügeligen Sandschrecke (''Sphingonotus caerulans'') können Flachdächer als Trittsteine in neue Lebensräume dienen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wildblumenwiesen und Trockenflächen anlegen und pflegen === &lt;br /&gt;
In Parks und Gärten können auch anspruchsvollere Heuschreckenarten vorkommen, wenn Folgendes beachtet wird:&lt;br /&gt;
* Nur einheimisches Saatgut verwenden &lt;br /&gt;
* Lückig säen und nicht düngen  &lt;br /&gt;
* Offene Bodenflächen belassen &lt;br /&gt;
* Maximal 2-mal pro Jahr mit Balkenmäher oder Sense und abschnittsweise mähen &lt;br /&gt;
* Brachflächen, Altgrassstreifen und Säume um Gebüsche und Gehölze von 5-10m abschnittsweise pflegen, um eine Zunahme der Verbuschung zu verhindern &lt;br /&gt;
* Mahdgut abführen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Allgemeine Informationen'''&lt;br /&gt;
* [http://www.pronatura.ch/blumenwiesen?file=tl_files/dokumente_de/2_unsere_themen/lebensraeume/Wiesen/Pro_Natura_Praxis_Blumenwiese.pdf Pro Natura 2014. Blumenwiesen anlegen und pflegen]: Ausführliche Informationen zur Anlage und Pflege von grossen und kleinen (Wild-) Blumenwiesen.&lt;br /&gt;
* [https://www.wwf.ch/sites/default/files/doc-2019-02/2010-12-factsheet-wiesenparadies-einheimische-blumen.pdf WWF Schweiz 2010. Buntes Wiesenparadies mit einheimischen Wildblumen]: Schritt für Schritt Anleitung zur Anlage und Pflege von Wildblumenwiesen für Privathaushalte.&lt;br /&gt;
* [[Media:WWF 2010 Lebendige Trockenstandorte.pdf|WWF Schweiz 2010. Lebendige Trockenstandorte mit Sand, Kies und Schotter]]: Anleitung zur Anlage und Pflege von Trockenstandorten für Privathaushalte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundäre Pionierstandorte anlegen und pflegen == &lt;br /&gt;
Vom Menschen geschaffene Pionierstandorte sind für Heuschrecken wertvolle Sekundärhabitate geworden, da vielerorts die ursprünglichen Lebensräume (z.&amp;amp;nbsp;B. See- und Flussauen, Brandflächen, etc.) verschwunden sind. Der Erhalt der Pionierstandorte bedarf regelmässiger Pflegeeinsätze zur Verhinderung von Verfilzung und Verbuschung.&lt;br /&gt;
Heuschrecken finden wertvolle Pionierflächen: &lt;br /&gt;
* In Steinbrüchen und Kiesgruben &lt;br /&gt;
* In Weinbergen&lt;br /&gt;
* In Sand-, Lehmgruben und Mergelgruben &lt;br /&gt;
* An Bahnhöfen und Gleisen&lt;br /&gt;
* Auf Industriebrachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wiederansiedlung von Tieren ==&lt;br /&gt;
Die Wiederansiedelung von ehemals vorkommenden Heuschrecken kann nur eine letzte Alternative im Naturschutz sein, da primär immer der Schutz der vorhandenen Populationen im Fokus steht und die Wiederansiedlung sehr aufwändig ist. Für eine erfolgreiche Wiederansiedlung ist es notwendig, eine sorgfältige Ansiedlungs-Strategie zu erarbeiten und die [https://portals.iucn.org/library/efiles/documents/2013-009.pdf Richtlinien der IUCN zur Wiederansiedlung] strikt zu befolgen. Die Wiederansiedlung von Heuschrecken ist bewilligungspflichtig und soll Spezialisten überlassen werden, weshalb hier nicht näher darauf eingegangen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Foto-rechts-quer&lt;br /&gt;
| bilddatei = GSM-5012435629 6b68a9c506 b Ephipiger cfr diurnus female.jpg&lt;br /&gt;
| text = Die Westliche Sattelschrecke (''Ephippiger diurnus'') besiedelt trockene und lückige Wiesen und Waldränder. Sie gehört zu den stark gefährdeten Arten.  &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Artenschutz =&lt;br /&gt;
Viele Heuschreckenarten brauchen aufgrund ihrer Ansprüche an den Lebensraum ganz spezifische Fördermassnahmen. Die Priorisierung der gefährdeten Arten gemäss ihrem Förderbedarf kann der [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/liste-national-prioritaeren-arten.html Liste der National Prioritären Arten (2011)] entnommen werden. Eine wichtige Grundlage für die Förderung sind auch die in der [http://www.cscf.ch/cscf/de/home/wissenschaftliche-aktivitaten/fauna-indicativa.html Fauna Indicativa] zusammengestellten Präferenzen und Eigenschaften der einzelnen Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur wenige Praxisinformationen zum spezifischen Artenschutz von Heuschrecken. In der Schweiz wurde bisher nur für die Blauflügelige Ödlandschrecke (''Oedipoda caerulescens'') eine [http://kbnl.ch/wp-content/uploads/2016/11/webseite_Ocaerulescens.pdf Zusammenfassung zur Best Practice der Artenförderung] und ein [http://www.aln.zh.ch/internet/baudirektion/aln/de/naturschutz/artenfoerderung/ap_fa/oedland/_jcr_content/contentPar/downloadlist/downloaditems/40_1298476571873.spooler.download.1387468488719.pdf/Oedipoda_caerulescens_AP.pdf Schutzkonzept vom Kanton Zürich] erstellt. &lt;br /&gt;
In den Nachbarländern wurden folgenden Publikationen zu Fördermassnahmen erstellt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Deutschland'''&lt;br /&gt;
* [http://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutz/natura_2000/vollzugshinweise_arten_und_lebensraumtypen/vollzugshinweise-fuer-arten-und-lebensraumtypen-46103.html#Wirbellose Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Niedersächsische Strategie zum Arten- und Biotopschutz]&lt;br /&gt;
'''Österreich''' &lt;br /&gt;
* [http://www.zobodat.at/pdf/NaturschutzbundBgld_9_2013_0001-0160.pdf Zuna-Kratky, T. et. al. (2013). Schutzprogramm für die gefährdeten Heuschrecken des Nordburgenlands]&lt;br /&gt;
'''Niederlande''' &lt;br /&gt;
* [http://repository.naturalis.nl/document/161506 Schut, D.  et al. (2008). Actieplan prioritaire Sprinkhanen in Noord-Brabant]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Gefährdung =&lt;br /&gt;
Von den 105 für die [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html Rote Liste 2007] untersuchten Heuschreckenarten sind fast 40% bedroht. Am stärksten gefährdet sind die Pionierarten entlang von Gewässern sowie die Arten der Flach- und Hochmoore. Die Erhaltung der letzten Populationen dieser Arten ist daher von grosser Bedeutung.&lt;br /&gt;
Die grössten Gefährdungsursachen für alle Heuschreckenarten sind:&lt;br /&gt;
* Verlust und Fragmentierung des Lebensraums durch Veränderung der Landnutzung, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Umwandlung von Grünland in Äcker, Urbanisierung oder Industrialisierung&lt;br /&gt;
* Intensivierung der Nutzung, insbesondere der Einsatz von Mähmaschinen und Mähaufbereitern, sowie Düngung und Erhöhung der Anzahl Schnitte pro Jahr, sowie höhere Viehdichten auf kleinerem Raum&lt;br /&gt;
* Mangelnde (natürliche) Prozesse zur Offenhaltung der Landschaft und von Bodenstellen, Homogenisierung der Landschaft&lt;br /&gt;
* Verdichtung der Vegetation durch Eutrophierung&lt;br /&gt;
* Einsatz von Insektiziden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Gefährdungsursachen in Bezug auf die Lebensraumbindung sind:&lt;br /&gt;
* Grünlandarten: Intensive Beweidung oder häufige Mahd, Verbuschung oder Verkrautung durch Verbrachung, Verarmung der Pflanzenvielfalt, Düngung von Wiesen und Weiden &lt;br /&gt;
* Feuchtgebietsarten: Veränderungen im Gewässerhaushalt von Feuchtgebieten, intensivere landwirtschaftliche Nutzung von Feuchtwiesen &lt;br /&gt;
* Wald- und Waldrandarten: Fehlende Stufenstruktur des Waldrandes (Strauch- und Krautschicht), Entfernung von Hecken, Kleinstrukturen und Felsen, Intensivierung der Forstwirtschaft, Einsatz von Bioziden, Anbau von Monokulturen, touristische Nutzung (insbesondere mit Ski &amp;amp; Mountainbike)&lt;br /&gt;
* Pionierarten: Verbauungen der Fliessgewässer und Eingriffe in den Geschiebehaushalt, Veränderungen des Gewässerhaushaltes und der Gewässerdynamik, Verbuschung und Verkrautung der Offenflächen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Wissenslücken =&lt;br /&gt;
Die Wissenslücken sind nicht abschliessend und fokussieren besonders auf die Förderung.&lt;br /&gt;
* Erfolgreiche Förderung seltener Arten&lt;br /&gt;
* Minimale überlebensfähige Populationsgrössen &lt;br /&gt;
* Vernetzung von Heuschreckenpopulationen unterschiedlicher Arten und Artenzusammensetzungen&lt;br /&gt;
* Habitatspezifische Auswirkungen der Grünlandnutzung: lässt sich das auf Trockenrasen gewonnene Wissen bspw. auf Feuchtwiesen übertragen?&lt;br /&gt;
* Barrierewirkung mehrspuriger Strassen (Autobahnen)&lt;br /&gt;
* Auswirkungen vom Klimawandel, insbesondere langer Dürreperioden oder Starkregen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Praxisbeispiele =&lt;br /&gt;
Für Heuschrecken haben wir nur ein Praxisbeispiel gefunden, welches die durchgeführten Massnahmen ausführlich beschreibt und eine Erfolgsuntersuchung beinhaltet. Daher freuen wir uns über Ihre [http://biodivers.ch/index.php/kontakt.html Vorschläge per Email.]&lt;br /&gt;
* [http://www.parcs.ch/nwp/pdf_public/2014/26962_20140130_123116_Kurth_Salome_2007.pdf Kurth, S. (2007). Planning a migration corridor for the highly endangered grasshopper Chorthippus pullus (Orthoptera, Acrididae) in the Rottensand (Pfynwald, VS)]  &lt;br /&gt;
: Für den Kiesbankgrashüpfer wurde im Pfynwald ein Migrationskorridor errichtet und die anschliessende Nutzung beobachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Allgemeine Links=&lt;br /&gt;
* [http://lepus.unine.ch/carto/ Centre Suisse de Cartographie de la Faune (CSCF). Verbreitungskarten der Schweizer Tierarten]&lt;br /&gt;
* [https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/publikationen-studien/publikationen/rote-liste-heuschrecken.html BAFU (2007). Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Heuschrecken]&lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch Orthoptera Schweiz. Heuschrecken-Plattform für die Schweiz und Europa ]&lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch/links Orthoptera Schweiz. Linkliste der Heuschrecken-Webseiten Europas und weltweit] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar und weitere spannende Links ==&lt;br /&gt;
* [https://www.orthoptera.ch/glossar Glossar von orthoptera.ch]&lt;br /&gt;
* [http://www.biofotoquiz.ch/biofotoquiz/index.php?domain=standard&amp;amp;classID=278 Biofotoquiz]&lt;br /&gt;
: Quiz mit Fotos von Heuschrecken und anderen Tier- und Pflanzenarten zum Kennenlernen der Arten.&lt;br /&gt;
* [https://offene-naturfuehrer.de/web/Heuschreckenarten_nach_einfachen_Merkmalen_bestimmen_(Bayern) Heuschreckenarten nach einfachen Merkmalen bestimmen (Bayern)]&lt;br /&gt;
: Wiki-Bestimmungsschlüssel für die Heuschrecken von Bayern. Der Leser wird anhand der Merkmale geführt, die Kenntnis von Fachbegriffen wird vorausgesetzt.    &lt;br /&gt;
* [http://www.andre-rey.ch/cms/fileadmin/pdf/Heuschecken_Bestimmungsschluessel_Suedalpen.pdf Fontana et al. (2002). Heuschrecken-Bestimmungsschlüssel für die östlichen Südalpen]&lt;br /&gt;
: Bestimmungsschlüssel mit detaillierten Zeichnungen der Merkmale. &lt;br /&gt;
* [http://www.orthoptera.ch/info-app-wiki/orthoptera-app Orthoptera-App]&lt;br /&gt;
: Die Heuschrecken Bestimmungs-App für iphone und Android enthält zu jeder Art zahlreiche Fotos, Stimmaufzeichnungen und Hintergrundinformationen. Beobachtungen können in der App eingegeben und so dem CSCF gemeldet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturempfehlungen =&lt;br /&gt;
* Detzel, P. (1998). Die Heuschrecken Baden-Württembergs. Stuttgart Hohenheim, Ulmer.&lt;br /&gt;
: Bisher immer noch das beste Buch zur praxisnahen Ökologie und Massnahmen zur Förderung von Heuschrecken. Die Aufwertungs-Massnahmen sind an einzelne Arten und Lebensräume angepasst. Als genereller Leitfaden sind sie sehr gut, umsetzungsorientierte Anleitungen fehlen. Alles in allem ein gutes Buch für den Anfang, eine Weiterentwicklung ist aber dringend notwendig.&lt;br /&gt;
* Ingrisch, S. &amp;amp; Köhler, G. (1998). Die Heuschrecken Mitteleuropas. Vol. Bd. 629. Magdeburg, Westarp Wissenschaften.&lt;br /&gt;
: Sehr ausführliches und allgemeines Buch zur Biologie, Populationsdynamiken und Lebensräumen der Heuschrecken, weniger zur Biotopaufwertung und zu Fördermassnahmen. Trotz dem Alter immer noch lesenswert und informativ. &lt;br /&gt;
* Schlumprecht, H. &amp;amp; Waeber, G. (2003). Heuschrecken in Bayern. Stuttgart Hohenheim. Ulmer. &lt;br /&gt;
: Sehr ausführlicher Bestimmungs-Atlas mit vielen Informationen zur Lebensweise und den Lebensräumen der einzelnen Arten. Zu Gefährdung und Schutz gibt es Beispiele aus dem bayrischen Raum und Ratschläge zur Aufwertung für jede Art.&lt;br /&gt;
* Maas, S., Detzel, P. &amp;amp; Staudt, A. (2002). Gefährdungsanalyse der Heuschrecken Deutschlands  - Verbreitungsatlas, Gefährdungseinstufung und Schutzkonzepte. Bonn-Bad Godesberg, Bundesamt für Naturschutz.&lt;br /&gt;
: Ausführlicher Atlas zu den Heuschreckenarten in Deutschland mit Gefährdungsanalysen und Informationen zu Habitaten, Biologie und Verbreitung der einzelnen Arten. Die Angaben zur Aufwertung von Lebensräumen sind kurz gehalten.&lt;br /&gt;
* [http://dgfo-articulata.de/articulata Articulata - Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Orthopterologie] &lt;br /&gt;
: In der Zeitschrift der DGFO erscheinen regelmässig Artikel zur Förderung von Heuschrecken, ältere Artikel können als PDF heruntergeladen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bestimmungsbücher ==&lt;br /&gt;
* Baur, B., Bauer, H., Rösti, C., &amp;amp; Rösti, D. (2006). Die Heuschrecken der Schweiz. Bern, Haupt Verlag.&lt;br /&gt;
: Intuitiver Bestimmungsschlüssel für die Schweizer Heuschreckenarten mit sehr schönen Detail-Zeichnungen. Enthält Verbreitungskarten und Erklärungen zu den wichtigsten Merkmalen.&lt;br /&gt;
* Fischer, J., Steinlechner, D., Zehm, A., Poniatowski, D., et al., Hrsg. Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (2016). Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols: Bestimmen - Beobachten - Schützen. Wiebelsheim Hunsrück, Quelle &amp;amp; Meyer.&lt;br /&gt;
: Dieses Buch sticht positiv heraus. Es enthält Detailfotos der Bestimmungsmerkmale der Adultiere und Nymphen, eine Darstellung der Hauptaktivitätszeit aller Arten im Jahresverlauf und vieles mehr.&lt;br /&gt;
* Weitere nationale und internationale Bestimmungsbücher sind auf [http://www.orthoptera.ch/literatur Orthoptera.ch] aufgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Autoren =&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
| Text  || [https://www.biodivers.ch/index.php/willkommen.html Verein biodivers ]|| info@biodivers.ch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Review|| [http://www.goeg.de/kontakt  Prof. Dr. Peter Detzel] || [http://www.goeg.de/ Gruppe für ökologische Gutachten] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Dr. Axel Hochkirch] || [https://www.uni-trier.de/index.php?id=20299 Universität Trier] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.naturalis.nl/en/science/researchers/roy-kleukers Roy Kleukers] || [https://www.naturalis.nl/en Naturalis Biodiversity Center] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ||  [https://www.orthoptera.ch/ueber-uns Florin Rutschmann] || [http://www.pronatura-aargau.ch/cms/index.php?id=4&amp;amp;no_cache=1 Pro Natura Aargau] &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- biodivers-Links zu Arten: Kiesbankgrashüpfer Chorthippus pullus, Blauflügelige Ödlanschrecke Oedipoda caerulescens → Aktionsplandrehscheibe, Grüne Heupferd Tettigonia viridissima, Alpenschrecke Anonconotus alpinus &lt;br /&gt;
biodivers-Links zu Lebensräumen: Kleinstrukturen, Hecke, Stillgewässer (mehrfach), Fliessgewässer (mehrfach), Wald und Waldrand (mehrfach), Feuchtgebiete, Sumpf, Grünland, Trockenwiesen und Trockenweisen, Entbuschung von Trockenwiesen (mehrfach)--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>VB2</name></author>	</entry>

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		<title>Datei:WWF 2010 Lebendige Trockenstandorte.pdf</title>
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